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Lust – in aller Freundschaft

1. KAPITEL

Trevor Jones schaute sich in der Lounge des „Swerve Las Vegas Hotel and Night Club“ um und trank von seinem Champagner. Eins ist klar, dachte er, Jamie Sellers weiß, wie man eine Party schmeißt.

Er sah, wie Jamie mit seiner Verlobten Maya die Gäste begrüßte, lächelnd, relaxt.

In all den Jahren, die er Jamie kannte, hatte Trevor seinen Freund noch nie so entspannt gesehen. Gerade bei der Eröffnung einer neuen Bar der „Swerve“-Kette wäre Jamie sonst das reinste Nervenbündel gewesen. Anscheinend war es Mayas Gegenwart und ihrer Liebe zu verdanken, dass er so ruhig blieb. Dank ihr war Jamie ein völlig neuer Mensch geworden.

Trevor freute sich für seinen Freund. Leider bedeuteten Jamies Erfolg und seine Beziehung zu Maya, dass Trevor ihn von nun an nicht mehr so häufig sehen würde.

Womöglich bedrückte ihn das so sehr, weil er erkannte, dass er selbst auch nicht jünger wurde. Er war jetzt in den Dreißigern, vielleicht war es auch für ihn Zeit, sich weiterzuentwickeln und sesshaft zu werden.

Trevor versuchte, seinen engen Kragen zu lockern. Er hasste es, Anzüge zu tragen. Während der Arbeit hinter dem Tresen in der Bar trug er immer Jeans und T-Shirts, um sich frei bewegen und beim Mixen der Drinks eine kleine Show für die Gäste einlegen zu können. Mit Seidenkrawatte und in engen Schuhen musste doch jeder Mann verrückt werden.

„Wie kommt’s, dass du hier so still und einsam stehst?“

Er erkannte die leicht rauchige Stimme, die ihn aus seinen Gedanken riss, sofort. Schon bevor er sich umdrehte, wusste er, wer dort stehen würde. Doch auf den Anblick, den Mayas beste Freundin Abby bot, war er trotzdem nicht gefasst. Er hatte die lebhafte Blondine mit dem strubbeligen Kurzhaarschnitt schon ein paarmal getroffen, bevor er ihr einen Job hinter der Bar des ersten „Swerve“ in Montreal angeboten hatte, in dem er selbst auch arbeitete.

Auch heute Abend hatte er sie bereits in Jamies Büro gesehen, als sie dort noch vor der Party in kleinem Kreis auf die Eröffnung der Bar und die Verlobung ihrer Freunde angestoßen hatten. Genau wie er hatte auch sie sich für die feierliche Eröffnungsparty elegant angezogen. Das kurze blonde Haar trug sie nach hinten gegelt, und ihr schwarzes Kleid hatte lange Ärmel und einen breiten Ausschnitt bis zu den Schultern.

Für jemanden, der sich sonst eher mutig kleidete, wirkte der Aufzug auf den ersten Blick recht konservativ, doch Trevor hatte sie bereits von hinten gesehen – und dort war das Kleid fast bis zu ihrem wohlgeformten Po ausgeschnitten. Außerdem hatte es seitlich einen Schlitz bis zur Hüfte hinauf.

Er konnte gar nicht anders, als ihre langen Beine und ihren makellosen Körper zu bewundern, den er erst vor ein paar Monaten bei einer Poolparty von Jamie hatte sehen können.

Als er ihr jetzt wieder ins Gesicht sah, erkannte er an ihrem Lächeln, dass ihr nicht entgangen war, wie ungeniert er sie gemustert hatte.

Sie trank einen Schluck. „Ich hätte gedacht, dass du mittlerweile schon mindestens zwei Frauen an jedem Arm hängen hast.“

Gelassen lächelnd beugte er sich zu ihr, bis er ihr Parfüm und den Champagner auf ihren Lippen riechen konnte. „Weißt du, ich sehe mich erst mal gründlich um und schau, was sich mir bietet. Was ist mit dir? Gibt’s hier keine Typen, die dich ansprechen?“

Beim leisen Klang ihres Lachens musste er lächeln.

In aller Ruhe blickte sie sich in der Bar um und nickte schließlich langsam. „Die Nacht ist ja noch jung. Hier gibt es eine Menge schöner Menschen.“

„Allerdings.“ Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Wenn er ganz ehrlich war, musste er zugeben, dass er kaum noch jemanden wahrnahm, wenn Abby in diesem umwerfend sexy Kleid vor ihm stand. „Und was ist mit deinem Freund?“ Er zog eine Braue hoch. „Luther, stimmt’s?“

„Luke“, korrigierte sie ihn und warf ihm einen Seitenblick zu. „Und er ist nicht mehr mein Freund.“

„Tatsächlich? Was ist passiert?“ Er spielte den aufrichtig betroffenen Freund, doch er hatte den Kerl nie gemocht. Seiner Meinung nach war dieser Luke nicht gut genug für eine Frau wie Abby.

Sie verdrehte die Augen. „Er hat das L-Wort benutzt.“

„Lasagne?“

Lachend stieß sie ihn an die Schulter. „Liebe.“

„Das war ja ein bisschen überstürzt, oder? Ihr zwei wart noch nicht lange zusammen.“

„Richtig. Ganze fünf Wochen.“

„Und dann spricht er schon von Liebe? In einer normalen Unterhaltung? Oder hat er sich dazu im Lustrausch hinreißen lassen?“

Abby lachte leise. „Nicht im Lustrausch, nein. In einer Textnachricht. Heute früh.“

„Und was ist passiert?“

„Ich habe zurückgeschrieben, dass wir uns vielleicht mit anderen Leuten treffen sollten. Dann habe ich weiter meinen Crêpe gegessen.“

„Eiskalt.“

Abby zuckte mit den Schultern. „Ich will nicht in irgendeiner Beziehung festhängen. Das hat er von Anfang an gewusst.“ Ungerührt wandte sie sich wieder Trevor zu. „Jetzt sieh dir uns an: zwei Kids aus Montreal, die hier mit der Elite von Las Vegas feiern.“

Trevor sah ihr an, dass das Lächeln aufgesetzt war. Sie wirkte genauso lustlos wie er. „Das stimmt. Wir haben es weit gebracht.“ Er seufzte.

Prüfend musterte sie ihn eine Weile, ehe sie sagte: „Wieso kommt es mir dann vor, als würdest du am liebsten auf der Stelle von hier verschwinden?“

Erwischt. Trevor setzte sein Glas an die Lippen, doch leider war es leer. Er brauchte Abkühlung, seine Kehle war wie ausgedörrt. Sein Blick ging zu Abbys Glas. Es war auch leer.

Er deutete zur Bar. „Lust auf einen Drink?“

„Sicher.“

Er ließ ihr den Vortritt und legte ihr unwillkürlich eine Hand auf den Rücken. Ihre Haut war seidenweich unter seinen Fingern. Ein Kribbeln durchfuhr seine Finger. Bei seiner Berührung blieb Abby stehen und blickte ihn leicht verwundert an.

Trevor senkte den Blick zu ihren roten Lippen und konnte ihn kaum abwenden. Als er sich regelrecht dazu zwang und ihr in die Augen sah, kam es ihm vor, als würde einen Moment absolute Stille herrschen. Weder die Musik im Club noch der Lärm der Partygäste drang zu ihm durch. Er hörte nur noch seinen eigenen hämmernden Herzschlag und seinen dröhnenden Puls.

Weder er noch Abby rührten sich, beide schienen sie wie gebannt. Er ging das Risiko ein und ließ seine Hand langsam noch tiefer gleiten, bis er mit dem kleinen Finger den Saum ihres Rückenausschnitts am Ansatz ihres Pos berührte.

Trevor sah, wie Abby die Schultern hob und sie mit einem kleinen Schauern wieder fallen ließ. Erst in dem Moment erkannte er, dass er die Luft anhielt.

Er stieß laut den Atem aus. Abby blinzelte, und der Bann war gebrochen. „Äh … wollten wir nicht etwas trinken?“

Hastig knöpfte er sich das Jackett zu, um die Erektion zu verbergen, die allein die Berührung von Abbys bloßem Rücken ausgelöst hatte. Er trat einen Schritt zurück und deutete in Richtung Bar. „Nach dir.“

Sie ging voraus, und dieses Mal blieb Trevor ein paar Schritte hinter ihr. Er konnte nicht anders, sein Blick ging zu ihrem sexy Hüftschwung und dem tiefen Rückenausschnitt, der bei jedem Schritt noch mehr preiszugeben schien.

Sie fanden zwei freie Hocker direkt am Tresen und ließen sich zwei Gläser Champagner servieren. Trevor probierte und gab einen anerkennenden Laut von sich. Dieser Champagner war erstklassig. Natürlich, dachte er. Jamie weiß, wie wichtig ein guter erster Eindruck bei den Gästen ist, und geizt nicht bei der Qualität der Getränke.

Er beobachtete das Team hinter der Bar, das er selbst mit eingestellt und ausgebildet hatte, und stellte zufrieden fest, dass es gut eingespielt wirkte.

Dieser Eröffnungsparty nach zu urteilen, würde das Swerve Las Vegas für Jamie eine weitere erfolgreiche Bar werden.

„Ziemlicher Trubel hier, nicht wahr?“ Abby trank von ihrem Champagner und sah dabei überallhin, nur nicht zu ihm. Er hoffte, dass er mit seinem unüberlegten Auftreten nicht die aufkeimende Freundschaft zunichtegemacht hatte, die zwischen ihnen entstanden war.

„Typisch Jamie.“ Er lächelte. „Er weiß, wie man die Leute dazu bringt, sich gut zu amüsieren.“ Er sah Jamie und Maya, die von einer Traube Gäste umgeben war. Gerade schüttelte Jamie ein paar Hände, woraufhin er für einen Augenblick seine Verlobte für sich allein hatte.

„Ist das nicht verrückt, dass die zwei jetzt verlobt sind?“ Lächelnd beobachtete Abby, wie Jamie Maya in die Arme zog, hochhob und küsste. Sie freute sich offensichtlich genauso für die beiden wie Trevor. „Das ging alles so schnell!“

„Die beiden ergänzen sich perfekt. Ich bin froh, dass es mit ihnen geklappt hat.“ Trevor dachte an all die Widrigkeiten, die Jamie und Maya überwunden hatten. „Bestimmt wäre Jamie jetzt gern allein mit ihr, um ganz privat und ungestört zu feiern.“

„Das glaube ich auch“, stimmte Abby lachend zu.

Beide beobachteten sie eine Weile schweigend die Menge, doch unwillkürlich kehrte Trevors Blick zurück zu der umwerfend schönen Frau neben sich. Er konnte immer noch nicht glauben, wie sehr ihn dieser simple Körperkontakt erregt hatte. Das war ihm noch bei keiner Frau passiert. Bei Abby kam es ihm vor, als würde jeder Nerv in ihm gereizt und jede Leidenschaft geweckt.

Als Trevor ihr das erste Mal begegnet war, war sie im Swerve zu Gast gewesen. Er hatte sie heiß gefunden, aber mit Bargästen fing er aus Prinzip nichts an. Das nächste Mal hatte er sie im Juni bei Jamies Poolparty getroffen. Im winzigen Bikini hatte sie seine heißesten Fantasien entfacht.

Er betrachtete ihre langen übereinandergeschlagenen Beine und den klaffenden Schlitz in ihrem Kleid und malte sich aus, wie es wäre, mit den Lippen an ihrem Bein hinaufzugleiten, von ihrem zierlichen Knöchel über die Wade an der Innenseite des Schenkels hinauf bis …

„Hast du heute noch was anderes vor, oder willst du den ganzen Abend hier sitzen und meine Beine anstarren?“

Ohne jede Verlegenheit lachte er auf. „Ich habe nur deine Schuhe bewundert. Die sind toll, aber ich verstehe nicht, wie man darin laufen kann.“

Sie betrachtete ihre Füße in den Schuhen mit den gefährlich hohen Absätzen. „Wenn sie dir so gut gefallen, bekommst du vielleicht beim nächsten Weihnachtswichteln ein Paar in deiner Größe.“

Damit holte sie ihn aus seinen heißen Fantasien zurück in die Realität. Sie ist deine Angestellte! rief er sich in Erinnerung.

Als er im letzten Frühjahr erfahren hatte, dass sie Schwierigkeiten hatte, einen Job zu finden, hatte er sie eingestellt, und sie hatte sich als sehr fähig und fleißig erwiesen. Bei ihr war die Bar sauber, und die Gäste waren glücklich. Ihm war klar, dass sie früher oder später einen Job finden würde, der zu ihren Qualifikationen passte, dennoch bereute er es keinen Augenblick, sie eingestellt zu haben.

Als er nichts erwiderte, lachte Abby, trank einen Schluck und stand vom Barhocker auf. „Ich glaube, ich brauche etwas frische Luft. Magst du mitkommen?“

Mit ihr würde er überall hingehen. „Sicher.“ Doch als sie in Richtung Innenhof ging, hielt er sie zurück. „Warte, kennst du schon die Dachterrasse für die VIPs?“

„Ich wusste gar nicht, dass es eine gibt.“

„Offiziell ist sie noch nicht eröffnet, aber Jamie hat sie mir gestern gezeigt. Sieht toll aus.“

Sie blickte sich in der Bar um. „Wo ist sie denn?“

„Auf dem Dach.“ Er musste schmunzeln.

„Klugscheißer.“ Lachend stieß sie ihn an die Schulter. „Ich meinte, wie kommen wir da hin?“

„Komm mit, ich zeig’s dir.“ Beim Aufstehen achtete er darauf, sie nicht wieder zu berühren – sonst würde er sie sich noch über die Schulter werfen, mit ihr nach oben laufen und sich mit ihr in seinem Zimmer einschließen.

Die Türen des VIP-Fahrstuhls glitten auf, und Abby und Trevor betraten die Dachterrassen-Bar. Trevor führte Abby zur hohen Brüstung am entgegengelegenen Ende der Plattform.

Die Aussicht auf die Lichter des Las Vegas Strip war atemberaubend. Trevor drehte sich zu den Sitzgruppen aus weißem Leder um. Schon bald würde die von unten beleuchtete Tanzfläche gefüllt sein, die Beats würden dröhnen, und die Leute würden sich darum reißen, hier oben feiern zu dürfen.

Schweigend sahen Trevor und Abby sich um und malten sich das lebendige Partytreiben aus. Obwohl sie mitten in Las Vegas waren, konnte man so hoch über der Stadt im Moment nichts vom Verkehr tief unter ihnen hören.

Es war Spätherbst, und die Luft war kühl. Trevor streifte sich das Jackett ab und legte es Abby um die Schultern.

„Danke.“ Sie zog es vor der Brust zusammen. „Habe ich mich eigentlich jemals dafür bedankt, dass du mir den Job in der Bar gegeben hast? Damit hast du mir sehr geholfen.“

„Habe ich gern getan.“ Im Mondlicht sah sie in Trevors Augen noch hinreißender aus. „Gibt es bei dir denn Neuigkeiten, was die Jobsuche angeht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich bewerbe mich und werde auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber nie ergibt sich etwas daraus.“

„Du findest schon was.“ Ihn bedrückte der Gedanke, schon bald ohne sie auskommen zu müssen. „Du wirst nicht ewig in der Bar arbeiten, aber es ist schön, dich für den Moment dort zu haben. Du bist ein Naturtalent.“

„Richtig. So wie ich kann niemand sonst Drinks einschenken“, spottete sie.

Bei ihrem Tonfall runzelte er die Stirn. Er wusste, dass sie von einer Karriere im Marketing träumte, aber trotzdem musste ihr doch klar sein, dass ein Barkeeper mehr können musste, als Bier einzuschenken und einen Cocktailshaker zu schwenken. Ein guter Barkeeper musste freundlich, verbindlich, humorvoll, gut organisiert, geschickt und fleißig sein und sich außerdem durchsetzen können. All das traf auf Abby zu.

Dass sie jetzt so abfällig über seinen Beruf sprach, verletzte ihn, auch wenn er Manager des erfolgreichsten Clubs von ganz Montreal war.

„Hey, du bist ja so still“, unterbrach sie seine Gedanken. „Alles okay?“

„Sicher.“ Er lächelte sie an. „Dein Kleid gefällt mir.“

Abby blickte an sich hinab und strich sich über den flachen Bauch. „Dieser alte Fetzen?“, meinte sie lachend. „Mit dem tiefen Rückenausschnitt und dem Schlitz hatte ich Angst, es sei für den Anlass zu gewagt.“

„In Vegas ist alles erlaubt.“

„Stimmt. Denn wie heißt es doch gleich? Was in Vegas geschieht

… das bleibt in Vegas“, beendete er den Satz für sie.

Sie blickten auf die Lichter und den Trubel weit unter ihnen hinab.

Er hörte den Stoff ihres Kleids rascheln, dann stand Abby dicht neben ihm, sodass sie sich berührten. Trevor blickte auf ihre Hand auf dem Geländer. Langsam schob sie die Hand näher zu seiner, bis sie seine Finger berührte. Wieder war da dieses seltsame Kribbeln, das er vorhin schon gespürt hatte, als er ihren Rücken berührt hatte.

Er drehte sich zu ihr um und legte die Hand sanft auf ihre Hüfte. Sachte zog er Abby an sich. Ihre Brüste streiften seine Brust, und er spannte sich an. Langsam ließ er eine Hand unter das Jackett wandern und legte sie wieder tief unten auf ihren nackten Rücken.

Diesmal würde er nicht zurückweichen. Er konnte den Blick nicht von ihren leicht geöffneten Lippen abwenden. Mehr als alles in der Welt wollte er sie jetzt küssen.

Trevor beugte sich leicht vor und berührte unendlich sachte ihre Lippen mit seinen. Sobald er sie schmeckte, sehnte er sich nach mehr. Spielerisch umschloss er ihre Unterlippe mit seinen Lippen. Nur wie aus weiter Ferne nahm er wahr, dass jemand seinen Namen rief.

Schnell trat er einen Schritt von Abby zurück, bevor sie sich beide den Neuankömmlingen zuwandten. Trevor fluchte leise, als er Jamie und Maya Hand in Hand auf sich zukommen sah.

„Da seid ihr ja.“ Lächelnd wandte sich Jamie an Trevor. „Hätte ich mir denken können, dass ich dich hier oben finde.“

„Ja, hier sind wir.“ Es war offensichtlich, dass Jamie sich nicht bewusst war, was er gerade unterbrochen hatte, doch ein Blick zu Maya reichte, um Trevor klarzumachen, dass ihr nichts entgangen war. „Was gibt’s?“

Jamie lächelte leicht verlegen. „Ich … wollte Maya nur den Ausblick von hier oben zeigen.“

Trevor lachte. „Schon klar.“

Lachend schlug Jamie seinem Freund auf die Schulter. „Ehrlich gesagt bin ich todmüde. Maya und ich lassen es wohl für heute gut sein.“

„Ihr verlasst eure eigene Party?“, hakte Abby nach.

„Ich habe mit allen geredet, und es war ein langer Tag.“

„Alles klar, Mann.“ Trevor bezweifelte, dass die zwei heute Nacht viel schlafen würden.

„Ja, es war ein anstrengender Tag“, stimmte Maya zu, ohne den Blick von Jamie abzuwenden.

Abby nickte, doch auch sie wirkte wenig überzeugt – was auch Jamie nicht zu entgehen schien. Lachend sah er zwischen Trevor und Abby hin und her. „Also, wir gehen dann jetzt. Aber frühstückt ihr morgen noch mit uns, bevor ihr zurückfliegt?“

Trevor und Abby stimmten nur zu gerne zu.

„Prima. Hier im Hotel? Im Café. So um elf?“

Trevor und Abby nickten zustimmend und sahen Maya und Jamie nach, die zum Fahrstuhl zurückkehrten und in ihre Penthouse-Suite hinunterfuhren.

Abby atmete tief durch. „Weißt du, ich sollte auch lieber ins Bett gehen.“

Ihr Gähnen wirkte auf Trevor nicht sehr überzeugend, doch er begleitete sie zum Fahrstuhl und fuhr mit ihr wieder bis ins Erdgeschoss, wo er ihr zu den Fahrstühlen folgte, die zu den Hotelzimmern führten.

Sie wollte schon in einen freien Fahrstuhl einsteigen, doch Trevor hielt sie zurück. „Soll ich dich noch bis zu deiner Tür begleiten?“

Obwohl sein Angebot nur von guten Manieren zeugte, hoffte er insgeheim, dass sie ihn noch mit in ihr Zimmer bitten würde, damit sie dort fortfahren könnten, was sie oben auf der Dachterrasse begonnen hatten.

„Nicht nötig. Ich komme zurecht.“ Sie lächelte. „Danke. Bis morgen früh.“

Seufzend kehrte Trevor kehrte in den Club zurück. Die Party tobte immer noch, und er betrachtete den Raum voller Fremder. Morgen Nachmittag würden Abby und er nach Montreal zurückfliegen, und kurz nach der Landung musste er zu einem Treffen mit Lieferanten des Clubs. Außerdem musste er noch den Dienstplan für nächste Woche und die Monatsabrechnung erstellen. Dann noch die zu planenden Events für den Club … Seine To-do-Liste war lang.

Andererseits würde er in der näheren Zukunft wohl nicht wieder nach Las Vegas kommen, und er hatte noch nie Nein zu einer guten Party gesagt. „Schlafen kann ich auch noch im Flugzeug“, sagte er leise zu sich selbst.

Schade, dass Abby nicht noch geblieben war. Im Lauf der letzten Monate hatten sie sich angefreundet und herausgefunden, dass sie viel gemeinsam hatten. Sie gingen zusammen ins Kino und zum Dinner und erzählten sich gegenseitig von ihren Problemen. Selbst von den Männern in ihrem Leben hatte Abby ihm erzählt.

Er kehrte an die Bar zurück und bestellte sich noch einen Drink. Abby hatte ihn zurückgewiesen. Anscheinend wollte sie von Männern wie ihm nur Freundschaft.

„Ist dieser Platz besetzt?“

Er lächelte, als er die umwerfend schöne Frau im kurzen roten Kleid sah, die vor ihm stand. Einladend deutete er auf den leeren Barhocker neben ihm. „Er gehört ganz Ihnen.“

Ungeduldig wartete Abby darauf, dass der Fahrstuhl ihr Stockwerk erreichte. Erst als sie die Arme vor der Brust verschränkte, merkte sie, dass sie immer noch Trevors Jackett trug. Sie schnupperte an dem Kragen, und Trevors Duft umhüllte sie. Immer noch glaubte sie, seine Lippen an ihren zu spüren. Wenn schon ein zarter Kuss von ihm so stark auf sie wirkte, wieso hatte sie Trevor dann nicht gebeten, mit auf ihr Zimmer zu kommen? Aus Angst um die unbekümmerte Freundschaft mit ihm? Diese Freundschaft war ihr wertvoll, aber was für eine Nacht hätte sie mit ihm erleben können?!

Auf ihrem Handy fand sie eine Reihe Nachrichten von Luke. Seufzend verließ sie den Fahrstuhl, doch dann blieb sie vor ihrer Tür stehen. Luke hatte die oberste Regel gebrochen. Keine ernste Beziehung, nur Spaß. Das war alles, was sie wollte … Sehnsüchtig blickte sie zu der Tür von Trevors Zimmer und sah auf ihre Uhr. Wie erbärmlich, dass sie so früh schon schlafen ging!

Entschlossen kehrte sie zum Fahrstuhl zurück und fuhr wieder hinunter ins Erdgeschoss. Vielleicht konnten Trevor und sie dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten: bei dem heißen Kuss …

Als sie in den Club zurückkehrte, hörte sie trotz der Geräuschkulisse sofort Trevors Lachen. Dort saß er an der Bar und unterhielt sich lächelnd mit einer schönen Brünetten im kurzen Kleid!

Fassungslos und wütend zugleich blieb Abby stehen. Gerade eben noch hatte Trevor sie auf der Dachterrasse geküsst, und jetzt verlor er keine Zeit und amüsierte sich mit einer anderen Frau!

Zutiefst enttäuscht verließ sie den Club. Es war ein Fehler gewesen, ihm zu folgen. Eine Beziehung kam für sie nicht infrage, aber ein Mann wie Trevor war für sie ebenfalls tabu. Zum Glück war sie Zeugin der Szene an der Bar gewesen. Es änderte nichts an ihrer Freundschaft, aber jetzt wusste sie, dass er keinen Deut besser war als andere.

Ein Grund mehr, sich von Männern fernzuhalten. Egal, ob sie sich zu schnell in ihre Partnerinnen verliebten oder Frauenhelden waren: Am besten ließ sie sich mit keinem von ihnen ein!

2. KAPITEL

Drei Monate später.

„Was darf ich Ihnen bringen?“

Abby lehnte sich über den Tresen, um trotz der lauten Musik die Bestellung der stark geschminkten Frau zu verstehen. Gewöhnlich war das Swerve mittwochabends nicht so voll, aber die Collegestudenten feierten zurzeit in Scharen das Ende des Semesters.

Die Frau vor ihr hatte das College-Alter schon lange hinter sich. Sie schürzte die roten Lippen. „Ich möchte zwei Orgasmen.“

Abby kannte diesen Cocktail, hatte aber keine Ahnung, wie man ihn zubereitete. „Hey, Trevor“, rief sie ihm am anderen Ende des Tresens zu, „glaubst du, du kannst der Lady hier zwei Orgasmen besorgen?“

Lächelnd stellte Trevor seinen Gästen deren Drinks auf den Tresen und kam zu Abby herüber. „Das schaffe ich bestimmt. Wäre nicht das erste Mal.“

Abby verdrehte die Augen. Natürlich. Die stark geschminkte Blondine war genau Trevors Typ. Und obwohl sie selbst Trevor dazugerufen hatte, empfand sie einen kleinen Stich, als sie ihn mit der Frau flirten sah. Dieses Gefühl hatte sie nicht mehr empfunden, seit sie ihn in Vegas mit der anderen Frau an der Bar gesehen hatte, kurz nachdem er sie auf dem Dach geküsst hatte.

Sie hatte ihm nie erzählt, dass sie vor drei Monaten in die Bar zurückgekehrt und ihn dort mit der anderen Frau gesehen hatte.

Jetzt war es zu spät. Ihre Beziehung war rein platonisch. Obwohl sie manchmal aus Spaß miteinander flirteten, blieb zwischen ihnen alles freundschaftlich. Und da Maya jetzt in Las Vegas lebte, war Abby die Freundschaft mit Trevor noch wichtiger. Trotzdem wusste sie immer noch sehr genau, wie seine Lippen sich anfühlten und wie seine warmen Hände ihren Rücken berührt hatten.

Ihr Blick ging zu den durstigen Gästen am Tresen.

Sie musste ihre Ziele im Auge behalten und durfte sich von keinem Kerl ablenken lassen, weder von denen, die eine feste Beziehung wollten, noch von Bad Boys wie Trevor.

Sie servierte den nächsten Gästen ihr Bier, doch aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Blondine Trevor am tätowierten Unterarm festhielt und ihm ihre Visitenkarte reichte. Ein Wunder, dass sie die Karte vorher nicht noch geküsst hat, dachte Abby, als Trevor die Karte lächelnd einsteckte.

Während Trevor weiter seine Drinks mixte, sah Abby, wie die Blondine mit ihren Cocktails zu einer Freundin an einem der Tische ging. Trevor schob sich derweil hinter Abby vorbei, und sie spürte seine feste Brust am Rücken. Mühsam unterdrückte sie das Verlangen, das die Berührung in ihr hervorrief. Sie wusste, dass er keine Hintergedanken gehabt hatte: Hinter dem Bartresen war nur wenig Platz, und jeden Abend berührten sie sich, das ließ sich gar nicht vermeiden. Trotzdem konnte sie nicht vermeiden, dass seine Nähe ihr zusetzte.

Als Abby kurz darauf den Cointreau unten aus dem Regal holte und sich wieder aufrichtete, sah sie gerade noch, wie Trevor schnell den Blick abwandte. Er hatte ihr also auf den Po geschaut. Wieder mal.

Abby blickte sich in der gut besuchten Bar um. Als Barkeeper zu arbeiten war nicht das, wovon sie nach dem Collegeabschluss geträumt hatte. Sie dachte an die vielen Bewerbungen, die sie für Stellen im Marketing geschrieben hatte. Morgen früh hatte sie wieder ein Vorstellungsgespräch. Vielleicht kam sie dann von dieser Bar weg, wo Trevor sie ständig mit den kleinsten zufälligen Berührungen, mit seinem Duft und mit dem Klang seines Lachens aus dem Konzept brachte.

Sie sah ihn geschickt einen Drink zubereiten, wobei er die Wodkaflasche mit einer Hand hinter dem Rücken hochwarf und in der anderen Hand erst noch den Cocktailshaker kreisen ließ, bevor er die Flasche wieder auffing. Er ist gut, dachte sie. Die ganzen Preise, die er schon gewonnen hat, hat er sich redlich verdient.

Immer wieder kehrte ihr Blick zu seinen Händen zurück, zu seinen langen, kräftigen Fingern und den muskulösen Unterarmen. Er hatte die Ärmel seines schwarzen Hemds bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, sodass die Ansätze seiner Tätowierungen sichtbar waren.

Unwillkürlich malte sie sich aus, was für sexy Dinge er mit diesen Händen anstellen konnte. Er würde ihr am ganzen Körper über die nackte Haut streichen, bis sie vor Lust aufschrie und …

Blinzelnd verdrängte Abby diese Fantasie. Lieber Himmel! Trevor und sie waren Kollegen und Freunde. Mehr nicht. Dieser eine Kuss war Vergangenheit.

Sie blickte hoch. Die Blondine, die mit ihrer Freundin an dem Bartisch stand, winkte Trevor mit ihrer perfekt manikürten Hand zu, und Abby sah ihn lächelnd zurückzwinkern.

Sie seufzte. Nein, sie durfte keinem Mann verfallen. Es ging ihr besser, wenn sie allein lebte und sich ganz auf sich konzentrierte. Nicht so wie ihre Mutter oder diese Lady, die Orgasmen trank.

Sie verdrängte jeden erotischen Gedanken an Trevor und machte sich wieder an die Arbeit, für die sie bezahlt wurde.

3. KAPITEL

Am nächsten Nachmittag bog Abby auf den leeren Parkplatz des Swerve. Sie war spät dran, weil sie direkt von ihrem Vorstellungsgespräch kam. Ihrer Meinung nach war es ganz gut gelaufen, und sie machte sich Hoffnungen, dass sie diesen Job bekommen würde.

Sobald sie im Club war, ging sie in Trevors Büro, um dort das dunkle Kostüm, das sie bei ihren Vorstellungsgesprächen immer trug, gegen ihren üblichen Minirock und das offizielle Tanktop des Swerve zu tauschen. Sie zog die Tür hinter sich zu. Trevor machte es bestimmt nichts aus, wenn sie sich hier schnell umzog. Bestimmt würde er es gar nicht mitbekommen, selbst wenn er pünktlich kam.

Was sicherlich nicht der Fall wäre, wenn er gestern Nacht mit der Blondine mitgefahren war. Vielleicht hatte er der Lady noch einige ganz persönliche Orgasmen beschert. Den ganzen Abend lang hatte die Blondine ständig zu Trevor gesehen, und als Trevor und Abby die Bar geschlossen hatten, hatte die Blondine draußen auf dem Parkplatz auf ihn gewartet. Abby hatte Trevor zum Abschied freundschaftlich geboxt, und dann hatten sie sich getrennt.

„Sie sind beide erwachsen“, schimpfte sie mit sich selbst, als sie sich die Bluse aufknöpfte. „Die zwei können tun und lassen, was sie wollen.“

Sie selbst hatte ihre Chance auf eine unvergessliche Nacht mit ihm verstreichen lassen. Das bedeutete ja nicht, dass alle anderen Frauen genauso dumm sein mussten wie sie.

Trevor parkte neben Abbys Wagen. Es war März, und immer noch war es kalt. Hoffentlich kam bald der Frühling, dann konnte er endlich wieder Motorrad fahren. Gähnend löste er den Gurt und rieb sich die Augen. Bis drei Uhr früh war er im Club gewesen, und dann hatte er noch gewartet, bis das Taxi für die Blondine kam, die den ganzen Abend lang mit ihm geflirtet hatte. Als er sie draußen auf dem Parkplatz entdeckt hatte, hatte er entnervt aufgeseufzt und sie – obwohl sie sehr beharrlich gewesen war – nach Hause geschickt.

Als er selbst endlich auch zu Hause angekommen und ins Bett gegangen war, hatte er nicht einschlafen können. Sobald er die Augen geschlossen hatte, hatte er Abbys lange Beine, ihr kurzes blondes Haar, ihr strahlendes Lächeln und ihre lebhaften Augen vor sich gesehen. Und dann noch ihr Po, als sie sich vor dem Regal gebückt hatte … Seit jenem Abend in Las Vegas, als er sie geküsst hatte, musste er ständig an sie denken.

Über diesen Abend hatten sie nie wieder ein Wort verloren. Im Grunde sollte Trevor froh darüber sein, denn er würde sowieso nie eine Beziehung mit einer Angestellten in Erwägung ziehen.

Außerdem war da noch ihre Freundschaft. Auf keinen Fall wollte er diese aufs Spiel setzen. Abby war umwerfend und sexy, und es machte Spaß, Zeit mit ihr zu verbringen, aber er wusste auch, dass sie jeden Mann, der ihr emotional zu nahe kam, aus ihrem Leben schob. Mehr als Freundschaft war für ihn und Abby nicht drin.

Erst als er sich über das Kinn rieb, merkte er, dass er vergessen hatte, sich zu rasieren. Na toll! Gähnend zog er die Schlüssel für den Club aus seiner Tasche und holte vom Rücksitz eine Kiste mit edlem Wodka. Die Gäste ließen sich Drinks mit dieser Marke sehr viel Geld kosten. Jedem das Seine, dachte er. Die Gäste sorgen dafür, dass ich meine Rechnungen bezahlen kann. Und dank der Trinkgelder hatte er sich auch ein schönes finanzielles Polster anlegen können.

Mit dem Wodka unter dem Arm betrat er den Club und brachte den Kasten ins Lager. Mit einer Flasche, die er hinter der Theke verstauen wollte, in der Hand kam er auf dem Rückweg an seinem Büro vorbei und stutzte. Seltsam. Normalerweise ließ er die Tür doch immer offen stehen.

Er öffnete die Tür, und die Flasche Wodka fiel ihm aus der Hand und zersprang am Boden in unzählige Scherben. Abby stand mitten im Büro, nur mit schwarzem Minirock und hochhackigen Schuhen bekleidet.

Der Duft von teurem Wodka erfüllte die Luft, und Trevor brauchte nur eine Sekunde, um ihre makellosen vollen Brüste und ihren flachen Bauch zu registrieren, bevor sie ihre Arme hochriss und sich ihr schwarzes Top vor die Brüste hielt.

Wie gebannt standen sie voreinander. Erst nach ein paar Sekunden brach Abby aus ihrer Schockstarre. „Mein Gott, Trevor!“, schrie sie ihn an.

„Verdammt!“ Erst jetzt bemerkte er das Chaos zu seinen Füßen und bückte sich, um die Scherben aufzusammeln. „Entschuldige, ich wusste nicht, dass du hier drin bist.“

Er blickte starr auf den Boden und drehte ihr halb den Rücken zu. „Was tust du hier?“

„Ich ziehe mich um. Was tust du hier?“

Aus dem Augenwinkel sah er, wie sie sich abwandte und sich das Tanktop über den Kopf zog. „Das ist mein Büro“, verteidigte er sich. Im dunklen Computerbildschirm sah er Abbys Reflexion. Er kam sich wie ein Spanner vor, aber er konnte einfach nicht wegsehen.

„Du kommst doch sonst nicht so früh“, beschwerte sie sich.

Er sah, wie sie sich das Top über der Brust glatt zog. Als sie tief durchatmete, hoben ihre Brüste sich unter dem Stoff.

„So. Fertig. Du kannst dich jetzt umdrehen.“

Er gehorchte. Abby packte gerade ihr Kostüm weg.

„Tut mir leid“, brachte sie atemlos heraus. „Ich hätte dafür nicht in dein Büro gehen sollen.“

„Macht nichts. Du kannst hier reinkommen, wann immer du magst. Wenn die Tür demnächst geschlossen ist, klopfe ich an. Man kann ja nie wissen, wann das nächste Mal eine halbnackte Frau drin ist.“ Er lachte.

„So wie ich dich mittlerweile kenne, ist das immer möglich“, erwiderte sie und zog eine Braue hoch.

Wie kam sie dazu, so was zu behaupten? Er hatte während der Arbeit noch nie irgendwas mit einer Frau angefangen. „Tut mir leid, wenn ich dich in Verlegenheit gebracht habe. Ich wusste wirklich nicht, dass du hier drin bist.“

Lachend drängte sie sich an ihm vorbei. „Das war mir doch nicht peinlich. Ich weiß doch, wie gut ich nackt aussehe.“ Sie zwinkerte ihm zu und ging hinter den Tresen, um mit der Arbeit anzufangen.

Trevor atmete tief durch. Ja, dachte er, sie sieht nackt wirklich fantastisch aus.

Ein paar Stunden später machte Abby im kleinen Hinterzimmer der Bar eine kurze Pause, um etwas Wasser zu trinken. Ihre Füße brannten höllisch, und sie ließ sie langsam kreisen, während sie ihr Handy einschaltete und ihre Mailbox abhörte.

Sie hatte eine Nachricht von Michael Arnett bekommen, dem Mann, bei dem sie das Vorstellungsgespräch gehabt hatte. „Hallo Miss Shaw. Ich rufe an, um Ihnen mitzuteilen, dass wir wirklich sehr froh sind, heute mit Ihnen gesprochen zu haben …“

Lächelnd richtete sie sich auf. Ja! Jetzt kommt’s!

„Dennoch haben wir beschlossen, den Posten anderweitig zu besetzen. Wir behalten Sie für zukünftig frei werdende Stellen im Gedächtnis und wünschen Ihnen viel Glück bei Ihrer Jobsuche.“

Abby sank entnervt in sich zusammen. Dieser Abend wird ja immer besser, dachte sie und sah auf ihre Uhr. Erst in vier Stunden konnte sie nach Hause und in Selbstmitleid versinken. Am besten sah sie zu, dass sie zurück hinter den Tresen kam – obwohl Trevor auch ohne sie ganz gut zurechtkam.

Mühsam lächelnd kehrte sie an die Arbeit zurück. Von ihrer Enttäuschung wollte sie sich nichts anmerken lassen. Im Moment war sie vielleicht nur ein Barkeeper, aber es war immer noch ihr Job, und sie würde ihr Bestes geben.

Als die letzten Gäste leicht schwankend die Bar verließen, atmete Trevor tief und erschöpft durch. Die Semesterferien bedeuteten viel Umsatz, und auch bei den Trinkgeldern haben die Gäste sich nicht lumpen lassen – was nicht hieß, dass Trevor und Abby nicht schwer dafür geschuftet hatten.

Er schloss die Eingangstür ab, während Abby ein blaues Tuch mit Reiniger tränkte und zu putzen anfing. Seit sie ihre Pause genommen hatte, wirkte sie verändert. Er fragte sich, was sie derart aus dem Konzept gebracht hatte. Er ging zur Theke. „Alles okay bei dir?“

„Ja, bestens.“ Ohne hochzusehen, schrubbte sie an einem Fleck auf der Edelstahlfläche.

Trevor lehnte sich an den Tresen. „Dich beschäftigt doch etwas.“

Sie zögerte, dann warf sie den Lappen hin. „Ich habe einen Anruf bekommen wegen meines Vorstellungsgesprächs, das ich heute hatte. Ich bekomme den Job nicht.“

„Mist. Tut mir leid, Abby. Aber lass dich davon nicht unterkriegen.“ Das war also der Grund für ihre Enttäuschung! Trevor holte zwei Flaschen Bier aus der Kühltruhe, öffnete eine davon und reichte sie Abby.

Sie nahm sie entgegen und blickte Trevor fragend an. „Alkohol bei der Arbeit? Das sieht dir nicht ähnlich.“

Er machte sich sein Bier auf und fing an, den Tresen abzuwischen. „Wir haben schwer gearbeitet, da haben wir es uns verdient.“

Sie prostete ihm zu. „Das kann man wohl sagen. Danke.“

Seite an Seite putzten sie eine Zeit lang, ohne zu reden. Trevor legte Wert auf Sauberkeit, aber er merkte, dass Abby mit dem Schrubben am Tresen auch versuchte, ihren Frust loszuwerden.

Schließlich ließ sie den Putzlappen fallen, entsorgte die leeren Bierflaschen und reckte sich nach den Flaschen auf dem obersten Regalbord.

Dabei rutschte ihr Top etwas höher, und Trevor erhaschte einen Blick auf ihren nackten Rücken. Dort, dicht über der Hüfte, hatte sie ein kleines Schmetterlings-Tattoo. Er konnte gerade noch den Blick abwenden, als sie sich mit einer Flasche teurem Tequila und zwei Schnapsgläsern wieder zu ihm umdrehte.

Fragend hob er die Brauen, doch Abby achtete gar nicht auf ihn, sondern schenkte ihnen ein.

„Heute brauche ich etwas Stärkeres als Bier.“ Sie sah zu ihm hoch. „Was ist mit dir?“

„Ja, was soll’s.“ Lächelnd nahm er ihr einen der Tequilas ab, bevor er sich wieder der Kasse zuwandte und die Einnahmen zählte. „Warum setzt du dich nicht, ich brauche hier noch ein paar Minuten.“ Er selbst hatte die Regel aufgestellt, dass niemand von der Belegschaft am Ende der Schicht allein die Bar verließ. Ihm war die Sicherheit des Teams auf dem Heimweg wichtig.

„Okay.“ Mit der Flasche Tequila ging sie zum nächsten Tisch.

Trevor blickte kurz von den Geldscheinen hoch und sah, wie sie sich stirnrunzelnd einen zweiten Tequila einschenkte. „Du findest schon noch was, Abby. Du bist für jede Firma ein echter Glücksgriff, das weiß ich selbst am besten.“ Er teilte ihre Enttäuschung, und gleichzeitig bedrückte ihn der Gedanke, sie bald als Angestellte zu verlieren.

„Heißt das, ich darf dich als Referenz angeben?“ Prostend hob sie das Glas, trank ihren Tequila und stellte das Glas knallend auf den Tisch.

Trevor musste lachen. „Schenkst du mir auch noch einen ein?“ Er schob ihr das Glas über den Tresen zu. Sie stand auf und füllte nicht nur sein Glas, sondern auch gleich noch einmal ihr eigenes.

„Sláinte.“

„Was bedeutet das?“

„Ein irischer Trinkspruch auf die Gesundheit. Mein alter Herr hat das oft gesagt, bevor er getrunken hat.“

„Sláinte.“ Abby kehrte zu ihrem Tisch zurück. „Gefällt mir.“

Unwillkürlich wanderte sein Blick zum Schwung ihrer Hüften unter dem kurzen Rock. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir jetzt beide nicht mehr fahren sollten.“ Er spürte die Wärme des Alkohols im Magen.

Abby zuckte nur mit den Schultern. „Ich wohne nicht weit von hier, das schaffe ich zu Fuß. Allerdings habe ich noch keine Lust auf mein einsames Apartment. Hier habe ich viel mehr Spaß. Ist schon lange her, dass wir zwei zusammen abgehangen haben.“

„Viel zu lange.“ Er beendete die Abrechnung, ging mit dem Trinkgeld zu Abby und schob ihr die Hälfte der Geldscheine zu. „Ziemlich guter Abend, oder?“

„Allerdings.“ Mit dem Daumen blätterte sie die Geldscheine durch. „Danke.“

„Und was fängst du jetzt mit diesem unglaublichen Reichtum an?“, scherzte er und steckte seinen Anteil ein.

„Tja, ich werde mir wohl irgendeinen Luxus gönnen.“ Sie seufzte wehmütig. „Du weißt schon: Strom, Telefon … Und dann werde ich es mir richtig gut gehen lassen: Ich hab schon ’ne Weile eine Auge auf Brot und Milch geworfen …“ Sie musste lachen.

Trevor lachte mit, doch ihre Worte ließen ihn besorgt die Augenbrauen runzeln. „Kommst du finanziell zurecht? Ich könnte dir mehr Stunden zuteilen. Oder soll ich dir was leihen?“

Kopfschüttelnd legte sie ihm eine Hand auf den Arm, und bei der Berührung setzte sein Herz sofort einen Schlag lang aus. „Ich komme klar, Trevor. Ohne Maya als Mitbewohnerin muss ich die Miete allein stemmen, aber dank dir habe ich einen Job und kann obendrein noch umsonst trinken.“ Sofort schenkte sie in beide Gläser nach, trank ihren Tequila aus und lachte leise. „Ich komme klar, bis ich einen richtigen Job finde.“

Hastig schlug sie sich mit der Hand vor die Stirn. „Mist, tut mir leid, ich weiß, es ist dein richtiger Job. Ich meine ja nur, dass ich …“

„Schon gut, Abby.“ Ausladend deutete er auf den leeren Club. „Das alles hier ist mein Reich.“

„Und in diesem Reich liegen dir die Frauen zu Füßen.“

„Wovon redest du?“ Noch nie hatte jemand von der Belegschaft ihn mit einer Frau nach Hause gehen sehen. In seinem Leben hatte es zwar eine wilde Zeit gegeben, doch er war definitiv nicht der Schürzenjäger, den sie in ihm sah. Tatsächlich war er seit Monaten mit keiner Frau mehr zusammen gewesen. Normalerweise scherte Trevor sich nicht darum, was die Leute von ihm dachten, doch dass Abby eine so schlechte Meinung von ihm hatte, störte ihn.

„Du weißt schon“, sagte Abby leicht schleppend. „Diese Frau gestern Nacht … und dann die andere in Vegas …“

„Welche andere?“ Es war das erste Mal, dass einer von ihnen den kurzen Trip nach Las Vegas erwähnte.

„Die auf Jamies Party. Wir zwei haben uns getrennt, ich bin zu meinem Zimmer gegangen, und du hast sie an der Bar getroffen.“

„Du bist zurück auf die Party gekommen?“ Er konnte sich kaum an die Frau aus Vegas erinnern.

„Ja.“

„Wieso?“

Sie stieß die Luft aus. „Was spielt das für eine Rolle? Du warst schon anderweitig beschäftigt.“

„Ich habe die Nacht nicht mit ihr verbracht, Abby.“ Sie durfte nicht glauben, dass er sich blind von seinen Trieben steuern ließ. „Ich habe meinen Drink ausgetrunken und bin ins Bett gegangen. Allein. Und gestern Nacht habe ich der Frau ein Taxi gerufen und gewartet, bis sie abgeholt wurde.“

„Das ist schon okay! Du bist ein Mann – das sind ganz natürliche Bedürfnisse. Außerdem bist du heiß. Ich merke doch, wie die Frauen dich ansehen. Du bist charmant. Ein Wunder, dass du sie nicht jeden Abend mit einem Knüppel abwehren musst.“

Trevor räusperte sich. Es stimmte, die Frauen schenkten ihm Aufmerksamkeit. Aber Abby brauchte nicht zu erfahren, dass er seit dem Abend in Vegas an keiner anderen Frau mehr interessiert war. „Und bei dir? Irgendein neuer Typ?“

Abby schenkte sich nach, trank und lachte verbittert auf. „Keine Dates mehr für mich. Nach der Trennung von Luke habe ich den Männern abgeschworen.“ Sie knallte das Glas auf den Tisch.

„Du hast was? Und was ist mit Sex?“

Sie verdrehte die Augen. „Dem habe ich nicht abgeschworen. Schließlich haben wir Frauen auch Bedürfnisse.“

„Aber keine Beziehungen mehr?“ Trevor war immer noch skeptisch, aber zugleich auch interessiert. „Was genau hat dich zu diesem Entschluss gebracht?“

„Ich bin froh, dass du fragst, Trevor. Ich erzähl’s dir …“ Sie sprach immer undeutlicher und umfasste einen Finger mit der anderen Hand. „Erstens: Mich zieht es immer zu Kerlen, die unbedingt heiraten und ein Dutzend Kinder mit mir haben wollen.“ Unwillig verzog sie das Gesicht. „So was passt einfach nicht zu mir. Ich sage auch immer gleich zu Anfang, dass sie sich nicht in mich verlieben sollen. Wenn sie das doch tun, kann ich nichts dafür.“ Sie atmete tief durch. „Und von unreifen Losern und Bad Boys habe ich auch genug. Deshalb habe ich einen Schlussstrich gezogen.“

„Okay, verstehe. Sonst noch was?“

Abby umfasste den zweiten Finger. „Nummer zwei: Ich bin jetzt seit fast einem Jahr mit meinem Studium fertig. Und bin immer noch hier im Swerve – wofür ich auch super dankbar bin“, fügte sie Trevor zuliebe schnell hinzu. „Aber so habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Wenn ich also jetzt mit einem Kerl zusammenkomme, dann raubt mir das Energie, die ich brauche, um verlorene Zeit aufzuholen und wieder auf die Spur zu kommen.“

„Aha.“ Trevor nickte. „Und was ist mit Nummer drei?“ Er schenkte ihnen noch einen Tequila ein. Dafür werde ich morgen früh büßen, dachte er. So viel habe ich schon lange nicht mehr in so kurzer Zeit getrunken.

„Nummer drei ist mein Favorit.“ Abby umfasste den dritten Finger. „Ein Mann kann mir nichts geben, was mein Vibrator nicht auch hinbekommt. Und der lässt die Klobrille nicht oben.“ Sie trank ihren Tequila, wobei ihr etwas über die Finger lief. „Sláinte!“ Wieder knallte sie das Glas auf den Tisch.

Fast hätte Trevor sich an dem Schluck Tequila, den er immer noch im Mund hatte, verschluckt. „Ein Mann kann dir nichts geben, was dein Vibrator nicht auch schafft?“ Er lachte laut auf. „Tatsächlich?“

Abby zwinkerte ihm zu. „Trevor, sieh mich nicht so entsetzt an. Ihr Männer seid ersetzbar.“

„Schätzchen.“ Er senkte die Stimme und beugte sich vor. „Wenn du denkst, ein Ding mit Batterie könnte einen Mann vollständig ersetzen, dann haben die Männer, mit denen du bisher zusammen warst, ihren Job nicht richtig gemacht.“

Abby lachte. „Mach dir keine Sorgen darum, ob und wie oft sie den Job gemacht haben. Es sei denn, du machst mir ein Angebot.“ Fragend hob sie die Brauen und legte ihm eine Hand auf die Brust. Erst war es nur eine flüchtige, scherzhafte Berührung, doch dann zog sie ihre Finger nicht zurück.

Was sollte er darauf erwidern? Er wusste ja selbst nicht, ob er es als Angebot gemeint hatte. Daher lachte er nur. Das gefiel ihm an Abby: Sie war direkt und witzig. Und ihre Hand lag immer noch auf seiner Brust.

Sein Blick ging zu ihren Fingern. Durch das T-Shirt hindurch spürte er ihre Wärme. Abby strich ihm über die Brustmuskeln, und ihm stockte der Atem. Unwillkürlich spannte er sich an. Er sah zu ihren kirschroten Lippen und brachte keinen Ton heraus.

„Abby“, stieß er schließlich flüsternd aus. Sie sah ihm in die Augen, und er spürte nichts als ihre Hand. Sein Herz hämmerte, sein Puls raste, und sein Verstand setzte fast aus. Sie muss meinen Herzschlag spüren, dachte er.

Keiner von ihnen sagte ein Wort.

Sein Blick war wie gefesselt von ihrem. „Abby“, flüsterte er noch einmal.

Ihr Atem ging genauso angestrengt wie seiner, und sie war ihm so nahe, dass er die Wärme fühlte, die von ihr ausging. Er roch den frischen Zitrusduft ihres Shampoos.

Sie beugte sich vor und sah ihn aus ihren großen grünen Augen noch eindringlicher an. Eine blonde Strähne fiel ihr über die Augen, und Trevor streckte die Hand aus und strich sie zur Seite.

Vor Verlangen konnte er kaum atmen, seine Erregung tat fast weh. Wie leicht es jetzt wäre, Abby an sich zu ziehen, ihr die Kleider vom Leib zu reißen und gleich hier mit ihr zu schlafen!

Aber Trevor atmete tief durch. Wir sind Freunde, rief er sich in Erinnerung. Solange sie für mich arbeitet, ist sie für mich tabu.

Die Versuchung war so unglaublich groß! Es war noch nicht lange her, dass er sie in seinem Büro fast nackt gesehen hatte. Unter dieser Kleidung verbarg sich ihr makelloser Körper …

„Wir sollten gehen.“ Er legte die Hand auf ihre. Eigentlich wollte er ihre Hand wegziehen, doch er hielt sie nur fest, eng an seine Brust gedrückt.

„Ja, das sollten wir.“ Ihre Stimme klang atemlos. „Begleitest du mich noch nach Hause?“

Trevor glaubte, im Blick ihrer grünen Augen zu versinken. „Ja.“

Wie erstarrt saß sie da.

„Abby?“

Wie durch einen Nebel drang Trevors Stimme zu ihr. „Ja?“

„Gehen wir?“ Er löste seine Finger von ihren, und sie zog die Hand zurück.

„Ja, lass uns gehen.“ Sie stand auf, und als auch Trevor sich erhob, glitt ihr Blick an ihm hinunter zu der beeindruckenden Wölbung in seiner Jeans. Offenbar war er genauso erregt wie sie.

Trevor holte ihre Jacken aus dem Hinterzimmer, reichte Abby ihre Jacke und öffnete die Tür. Sobald Abby hinaus in die kalte Nacht trat, fing sie an zu frieren. Sie schlang die Jacke enger um sich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Verdammt, ist das kalt! Ich wünschte, wir wären wieder in Vegas.“

Sie gingen los, und Abby wusste, dass auch Trevor gerade an den Kuss oben auf dem Swerve in Las Vegas dachte. Die Luft zwischen ihnen schien zu knistern.

Trevor steckte die Hände in die Taschen. „Dauert sicher nicht mehr lange, bis der Frühling kommt.“

Abbys nackte Beine waren taub vor Kälte. Anscheinend merkte Trevor, dass sie zitterte, denn er legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie an sich.

Die Wärme seines Körpers tat ihr gut, doch dass ihr so schnell wieder warm wurde, lag auch an dem Verlangen, das sie durchströmte. Sie erlaubte sich, sich an ihn zu lehnen und den männlichen Duft seines Rasierwassers einzuatmen. Unwillkürlich schmiegte sie sich enger in die Umarmung.

Sie blickte hoch und sah an seiner Kehle, dass er mehrmals schluckte. Wenn sie den Kopf jetzt noch etwas mehr hob, könnte sie ihn auf den Hals küssen, direkt auf die Stelle, an der sie seinen Pulsschlag sah.

Sie hätte es vielleicht auch getan, wenn sie in diesem Moment nicht ihr Apartmenthaus erreicht hätten. Auf den Stufen zum Eingang blieben sie stehen, und sie sah Trevor in die Augen.

Sie wollte nicht, dass dieser Abend hier und jetzt endete. „Magst du noch ein bisschen mit hochkommen?“

Trevor öffnete den Mund, doch es verstrichen ein paar Sekunden, bevor er antwortete. Ohne den Blick von ihrem abzuwenden, nickte er. „Ja. Gern.“

Sie schloss auf, ging voraus zum Fahrstuhl, und schweigend fuhren sie bis hinauf in den zehnten Stock. Ein leiser Ping ertönte, und die Türen glitten auf.

„Hier entlang.“ Sie wandte sich nach links. Was geschehen würde, sobald sie in ihrem Apartment waren, konnte sie nicht sagen. Sie war sich selbst nicht ganz sicher, was sie wollte, aber sie spürte Trevors Nähe hinter sich – auch als sie den Schlüssel ins Schloss steckte. Gefolgt von ihm trat sie ein, und als sie sich umdrehte, stieß sie fast gegen seine breite muskulöse Brust. Sie zuckte zurück und wäre vielleicht gestolpert, wenn Trevor sie nicht mit einer Hand am Handgelenk und mit der anderen an der Hüfte gestützt hätte.

Abby räusperte sich, als Trevor einen Schritt zurücktrat. „Möchtest du noch was trinken? Ich glaube, da steht noch Bier im Kühlschrank.“

„Für mich bitte kein Bier mehr.“ Er brachte noch etwas mehr Distanz zwischen sich und ihr. „Lieber ein Wasser.“

„Okay.“ Sie ging in die Küche, um wenigstens kurz Abstand zu ihm zu bekommen. Wie sollte sie klar denken, wenn seine Wärme und sein Duft sie umgaben? Der Spaziergang durch die Kälte hatte sie wieder nüchtern gemacht, aber zu vernünftigem Denken war sie trotzdem nicht in der Lage.

Sie stützte beide Hände auf den Rand der Spüle und atmete tief durch. Wie kam es, dass Trevor solche Lust in ihr weckte, ohne es überhaupt darauf anzulegen? Keine Beziehung mehr! rief sie sich in Erinnerung. Aber was war mit Sex? Als erwachsene Frau konnte sie mit jedem Mann schlafen, auf den sie scharf war. Das hieß ja nicht, dass sie sich auf eine Beziehung einließ.

Aber … hatte Trevor überhaupt Interesse?

Seufzend ließ sie Wasser in ein Glas laufen. Vernünftig wäre es, wenn sie sich jetzt von ihm verabschiedete und schlafen ging. Vielleicht sollte sie den Vibrator, den sie im Verlauf des Abends schon erwähnt hatte, mit ins Bett nehmen.

„Alles okay?“

Sie hatte ihn gar nicht in die Küche kommen hören. Erschrocken fuhr sie herum, und das Wasser schwappte aus dem Glas. „Ich … Alles bestens“, stammelte sie und trank aus dem Glas, das sie für Trevor gefüllt hatte.

Lachend deutete er auf das leere Glas. „War das nicht für mich gedacht?“

„Richtig.“ Ihr Lachen klang zittrig. „Wusste ich’s doch, dass ich irgendwas vergessen habe.“ Sie wandte sich wieder der Spüle zu, um ihm Wasser einzuschenken.

Er legte eine Hand auf ihre. „Macht nichts, ich brauche nichts.“

In ihrer winzigen Küche musste sie sich endlich eingestehen, dass sie diesen Mann begehrte. „Trevor“, stieß sie tonlos aus.

„Ja?“ Der leicht raue Klang seiner tiefen Stimme verriet ihn.

„Warum ist zwischen uns nie was gelaufen?“ Sie konnte selbst kaum glauben, dass sie es so offen aussprach. Anscheinend funktionierte der Filter zwischen ihrem Gehirn und ihrem Mund nicht mehr. „Willst du mich?“

Seine Augen weiteten sich. Er hatte offensichtlich nicht mit dieser Frage gerechnet. „Also … Tja, ich schätze, zwischen uns ist nie was gelaufen, weil …“ Er verstummte und schüttelte den Kopf. „Weil du meine Angestellte bist?“ Seine Betonung ließ es wie eine Frage klingen, nicht wie einen tatsächlichen Grund. „Weil wir Freunde sind? Es war nie der richtige Zeitpunkt?“ Er zögerte kurz. „Und weil ich dich mehr als jede andere Frau will, muss ich mich ständig an diese Gründe erinnern.“

Er hatte es gesagt: Er wollte sie!

„Und wie ist das bei dir?“ Sanft strich er ihr durchs Haar. „Warum bist du nach unserem Kuss in Vegas in dein Zimmer geflüchtet?“

Sie schloss die Augen und lehnte die Wange an seine Hand. „Aus Angst? Oder weil ich den Männern abgeschworen habe.“

Nachdenklich nickte er. „Und wie läuft das so? Funktioniert es?“

„In den letzten Monaten habe ich mir die Kerle vom Hals gehalten. Also: Ja, es funktioniert.“

Er kam näher. „Und wieso stehe ich dann bei dir in der Küche und kann meine Finger nicht von dir lassen?“

„Ich weiß es nicht.“ Sie straffte die Schultern. „Aber es gefällt mir. Sehr sogar.“ Sie seufzte. „Könnten wir nicht zusammen sein, so wie jetzt, ohne eine Beziehung?“

„So wie jetzt?“ Belustigt lächelte er sie an. „Als gute Freunde in deiner Küche? Dazu müssen wir keine Beziehung eingehen, vor der dir so sehr graut.“

Abby verdrehte die Augen. „Du weißt genau, was ich meine. Es könnte für uns beide doch schön sein, wenn wir so etwas haben wie eine … Freundschaft plus …“ Sie verstummte.

Eine Weile erwiderte er nichts, und sie fürchtete schon, er würde einfach gehen.

Doch schließlich umfasste er mit beiden Händen ihre Hüften. „Freundschaft mit besonderen Vorzügen?“

„Genau.“ Sie schob sich enger an ihn. „Sex, aber ohne Verpflichtungen, denn die kann ich im Moment nicht in meinem Leben gebrauchen.“

Durchdringend sah er sie an, dann zog er sich lachend zurück. „Bist du betrunken, Abby? Vielleicht sollte ich lieber gehen, damit du ins Bett kommst.“

„Ich bin überhaupt nicht betrunken“, widersprach sie lachend, strich ihm über die Brust und spürte die warmen, festen Muskeln unter dem T-Shirt. „Ich finde dich einfach nur unglaublich sexy, das ist alles. Außerdem ist es schon eine Ewigkeit her, seit ich Sex hatte.“

Trevor zog eine Braue hoch und zog sie dicht an sich. „Wie lang?“

Sie war wie benommen vom Duft seines Rasierwassers und seiner Haut. Der Klang seiner tiefen Stimme durchströmte sie. „Über drei Monate.“ Es kam ihr wie eine endlos lange Durststrecke vor.

„Drei Monate. Das ist ganz schön lang.“ Mit dem Daumen strich er ihr kreisend über die Taille. Dabei schob sich ihr T-Shirt hoch, sodass er ihre nackte Haut berührte.

Sie konnte nicht mehr klar denken. Sie senkte den Blick und musste lächeln, als sie die Wölbung vorn an seiner Hose sah. Sie strich ihm über die beeindruckende Erektion, und als Trevor die Luft ausstieß, drückte sie leicht zu.

„Willst du mein Freund sein, Trevor?“ Sein tiefes Stöhnen erregte sie. Sie stellte sich auf die Zehen und küsste ihn unter das stoppelige Kinn. „Mein Freund mit besonderen Vorzügen?“

Unbeherrscht aufstöhnend umfasste er ihren Kopf, zog Abby an sich und küsste sie wild und leidenschaftlich. Es hatte nichts mit dem zaghaften Kuss von der Dachterrasse in Las Vegas zu tun. Jener Kuss war wie eine Verheißung auf mehr gewesen, und dieser Kuss jetzt lieferte eben dieses Mehr.

Die Monate der erotischen Anspannung entluden sich von einem Moment zum anderen. Abby und Trevor packten sich gegenseitig und küssten sich rückhaltlos.

Trevor drückte Abby rücklings an den Kühlschrank, strich mit seinen Händen an ihrem Körper hinauf und schob dabei ihre störende Kleidung zur Seite. Mit Lippen und Zunge liebkoste er ihren Hals und glitt bis zur empfindsamen Stelle in ihrer Halsbeuge.

Abby stöhnte zufrieden auf und stieß nur einen kurzen, überraschten Schrei aus, als er dort sanft zubiss. Trevor hob den Kopf, während er sich immer noch an sie presste. Sie war wie gefangen zwischen seinem heißen Körper und der kühlen Kühlschranktür. Trevors durchdringender Blick ließ ihr Herz rasen.

„Verdammt, Abby“, stieß er aus und schüttelte den Kopf.

Von einer Sekunde zur nächsten war ihre Benommenheit verschwunden, und sie bekam panische Angst, dass er jetzt ging und sie verwirrt und voller Sehnsucht in der Küche zurückließ.

Doch stattdessen drängte er sich wieder an sie. Sie spürte sein hartes Glied an ihrem Bauch, und als er sie wieder küsste, seufzte sie erleichtert auf.

4. KAPITEL

Er brachte seinen Mund ganz dicht an ihr Ohr: „Wo ist dein Schlafzimmer?“

„Das geht vom Wohnzimmer ab.“ Atemlos deutete Abby in die Richtung. „Am Ende des Flurs.“

„Perfekt.“ Trevor hob sie an der Taille an, bis sie die Beine um ihn schlang und die Füße in seinem Rücken verschränkte. Mit beiden Händen umfasste er ihren fantastischen Po und ging zu ihrem Schlafzimmer. Die Absätze ihrer Stilettos drückten in seinen Rücken, doch das spürte er kaum. Ihr warmer Mund und ihre Hände an seinen Schultern waren für ihn alles, was zählte.

Trevor blieb mitten im Schlafzimmer stehen und musterte ihr Gesicht, um herauszufinden, ob sie es sich anders überlegt hatte. Wie als Antwort auf diese unausgesprochene Frage umklammerte sie seine Hüften noch stärker mit den Schenkeln und zog seinen Kopf zu einem weiteren heißen Kuss an sich.

Aufstöhnend ließ er sich mit ihr aufs Bett sinken, ohne den Kuss zu unterbrechen. Er kniete zwischen ihren Schenkeln. Nie hätte er gedacht, dass er jemals so mit Abby zusammen sein würde. Sie unter ihm, das Haar zerzaust, ihr Lächeln verheißungsvoll und ihr Blick von Lust verklärt.

„Passiert das hier gerade wirklich?“ Mit angehaltenem Atem wartete er auf ihre Antwort. Wenn sie jetzt Nein sagte, würde er gehen und seine Lust allein stillen, bevor er schlafen ging. Heute und jeden Abend bis ans Ende seines Lebens.

„Das hoffe ich doch stark“, antwortete sie, und er seufzte erleichtert auf, als sie die Arme in seinem Nacken verschränkte und ihn zu sich herabzog.

Er konnte einfach nicht aufhören, sie zu küssen. Sie schmeckte wie edler Wein. Am liebsten hätte er sich Zeit gelassen, doch er brannte vor Lust. Im Rhythmus ihrer Zunge in seinem Mund rieb er seine Hüften an ihr. Rastlos strich er mit beiden Händen an ihrem Körper entlang.

Er richtete sich auf, sodass er kniete, und streifte ihr den Minirock ab. Behutsam zog er ihr die High Heels aus und ließ sie hinter sich auf den Boden fallen. Fast ehrfürchtig strich er an ihren langen schlanken Beinen hinab bis zu ihren Knöcheln und wieder an ihr hinauf bis zum Saum ihres T-Shirts. Mit Abbys Hilfe zog er es ihr über den Kopf. Nur mit Slip und BH bekleidet lag sie vor ihm.

Noch nie hatte er es so genossen, eine Frau auszuziehen. Bei Abby war alles anders. Er wollte sich Zeit lassen und alles an ihr entdecken. Er wollte wissen, was sie zum Lachen brachte, was sie vor Lust aufstöhnen oder sie in Ekstase aufschreien ließ.

Entspannt lag ihr perfekter Körper vor ihm auf dem Bett, und Trevor saugte ihren Anblick regelrecht in sich auf. Er wollte sie berühren und schmecken, aber zuvor musste er die letzten winzigen Stoffteile aus Satin beseitigen, die ihn noch daran hinderten, alles von ihrem makellosen Körper zu sehen.

Er hakte den BH auf und schob die Träger von ihren Schultern. Ihre wundervollen, runden Brüste hätte er die ganze Nacht lang betrachten können. Er hörte Abbys leises Seufzen, als er mit den Lippen über ihre Schulter strich und mit der Zunge ihre Brust liebkoste.

„Wieso haben wir das nicht schon viel früher getan?“, fragte sie flüsternd.

„Weil wir unendlich dumm sind.“ Leise lachend umschloss er eine der rosigen Spitzen mit den Lippen. Unwillkürlich stöhnte sie auf und drängte ihre Brüste noch näher an sein Gesicht.

Für Trevor war es wie ein Festmahl. Mit der Zunge umspielte er eine der erregten Spitzen, mit einer Hand reizte er die andere. Die ganze Nacht hätte er so weitermachen können, doch Abby rieb sich verlangend an seinem Schenkel. Sie wollte mehr.

Trevor ließ sich nicht lange bitten. Er senkte den Kopf und glitt tiefer. Es gab so viel, was er an Abby erkunden wollte. Er wollte ihre Lust schmecken.

Mit der Zunge glitt er über ihren flachen Bauch und umspielte ihren Nabel, bis Abby ihn noch tiefer drückte. Er fand sich mit den Schultern zwischen ihren Schenkeln eingeklemmt wieder, und nur noch der winzige Satinslip störte ihn. Sobald er an dem zarten Saum zog, hob Abby helfend die Hüften an, brachte ihr heißes Zentrum noch näher an seine Lippen.

Sie war perfekt! Überall. Seine Finger fanden sie feucht und warm vor. Sie war bereit, aber er wollte der Versuchung noch nicht nachgeben. Es gab noch so viel, was er tun wollte.

Trevor streichelte sie, und vor Lust erzitternd wand sie sich unter ihm. Sie stand kurz vor dem Orgasmus, doch zuvor wollte er sie noch schmecken. Begehrlich senkte er die Lippen auf sie. Er war so in seinem Verlangen gefangen, dass er Abbys Lustschrei kaum hörte. Unablässig reizte er mit Lippen und Zunge die kleine Knospe, und Abby erbebte immer stärker. Trevor spürte, wie ihre Lust sich steigerte. Ihr Atem ging keuchend, und sie wand sich immer unruhiger unter ihm.

Er hob den Kopf. Ihr Mund war geöffnet, ihre Brust hob und senkte sich schnell, und ein Zittern durchlief ihren Körper. Tonlos stieß sie seinen Namen aus, und dann spannte sie sich auf dem Gipfel der Lust an.

Trevor reizte sie immer weiter, bis ihr Atem sich langsam wieder beruhigte. Zärtlich streichelte er sie, bis auch das letzte Glühen in ihr abebbte. Dann blickte er sie lächelnd an. „Du bist unglaublich, Abby.“ Sein Blick glitt über ihren Körper. „Einfach umwerfend.“

Genießerisch seufzte sie auf. „Und du bist immer noch angezogen.“ Fragend zog sie die Brauen hoch.

„Das stimmt.“ Trevor blickte an sich hinab. Sofort richtete er sich auf, und ohne den Blick von Abby abzuwenden, zog er sich das T-Shirt aus, öffnete seine Jeans und entledigte sich schnell seiner Kleidung.

Es war nicht das erste Mal, dass Abby Trevor mit nacktem Oberkörper sah, aber hier in ihrem Schlafzimmer hatte sich ihre Beziehung zueinander unwiderruflich verändert. Ihr Blick war wie gefesselt von ihm. Seine breite Brust, der muskulöse Bauch, die kraftvollen Schenkel und dann noch die Tattoos auf seinen starken Armen. Er trug noch die engen schwarzen Boxershorts, und als er die Daumen unter den Saum schob, hielt Abby unwillkürlich den Atem an.

Langsam schob er die Shorts tiefer, und Abby biss sich auf die Unterlippe, während sie zusah.

Doch dann hielt er abrupt inne. „Hast du ein Kondom?“

„Oberste Nachttischschublade.“ Ohne den Blick von ihm abzuwenden, deutete sie vage in die Richtung.

Lächelnd griff er in die Schublade. „Gut.“

Abby musste lachen, als er gleich eine Handvoll Kondome aufs Bett warf, bevor er sich wieder über sie beugte und sie küsste.

Sie glitt mit einer Hand in seine Shorts und umfasste seine große Erektion. Aufreizend massierte sie ihn, und als sie leicht zudrückte, stöhnte Trevor lustvoll auf. Sie lachte leise.

„Wenn du damit nicht aufhörst, ist der Spaß schnell vorbei“, warnte er sie und löste sich von ihren Lippen. Er umfasste ihre Hand und zog sie aus seinen Shorts. Spielend leicht drückte er ihre Hände seitlich von ihrem Kopf aufs Bett.

„Dann sollten wir zusehen, dass der Spaß richtig beginnt“, erwiderte sie fordernd.

Sie sah zu, wie Trevor sich wieder aufrichtete, die Shorts auszog und beiseitewarf. Er nahm eines der Kondome und rollte es sich über.

Keine Sekunde wandte Abby den Blick ab, als er sich zwischen ihre Schenkel schob und lustvoll in sie eindrang. Wie wundervoll es war, eins mit ihm zu sein! Sie packte seine Schultern und erwiderte jede seiner kraftvollen Bewegungen. Sie konnte nicht genug von ihm bekommen.

In perfektem Einklang bewegten sie sich, bis Abby spürte, dass sie jeden Moment wieder kommen würde. Sie keuchte und schrie auf, als der Orgasmus sie durchströmte. Immer schneller drang Trevor in sie ein. Sie umklammerte seine tätowierten Schultern und seufzte glücklich auf, als auch er laut aufstöhnend kam.

Schweigend lagen sie da, bis sie wieder ruhiger atmen konnten. Trevor rollte sich zur Seite, stand auf und entsorgte das Kondom in den Papierkorb.

Dann legte er sich wieder zu ihr ins Bett. Keiner von ihnen sagte ein Wort. Nur ihre immer noch angestrengten Atemzüge waren in dem stillen Zimmer zu hören.

„Abby?“, fragte er schließlich leise. „Alles okay?“

Sie hatte die Augen geschlossen und merkte, dass er sich zu ihr drehte. Zärtlich strich er ihr die Strähnen aus der Stirn und berührte ihre Wangen.

Sie öffnete die Augen und begegnete seinem fragenden Blick. „Oh ja.“ Sie nickte bekräftigend und seufzte zufrieden.

Er lächelte und strich ihr über ihre erhitzte Haut.

„Und ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe“, murmelte sie. „Mein Vibrator kann einen Mann nicht ersetzen. Absolut nicht.“

5. KAPITEL

Gähnend stützte Abby den Kopf auf die Unterarme. Wann war der Kaffee endlich fertig? Sie gähnte noch einmal und beobachtete, wie der dunkelbraune Kaffee aus dem Filter in die Glaskanne rann. Halb elf, das war nicht früh, aber sie und Trevor waren bis zum Morgengrauen wach geblieben.

Die Erinnerung an Trevor, wie er sich über sie gebeugt, unter ihr und in ihr gewesen war, machte sie sofort etwas wacher.

Sie hörte, wie die Dusche abgestellt wurde. Anscheinend war er im Bad fertig. Er hatte sie eingeladen, mit ihm zusammen zu duschen. Sie hatte abgelehnt. So idiotisch es vielleicht klang, aber das erschien ihr dann doch etwas zu intim.

Der Kaffee lief immer noch durch, als Trevor kurz darauf die Küche betrat. Das feuchte Haar hatte er nach hinten gestrichen, die Ärmel seines Hemds hatte er hochgekrempelt, und er lächelte Abby an. „Das duftet gut.“ Mit einem Nicken deutete er zum Kaffee.

„Fast fertig. Möchtest du?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich muss rüber in die Bar. Ich habe ein paar Termine mit Lieferanten.“ Er rieb sich die Augen. „Ein Wunder, dass ich überhaupt nicht verkatert bin.“

„Ich auch nicht“, stimmte Abby zu. „Zum Glück waren wir dank der Kälte auf dem Heimweg schon wieder nüchtern, als wir das Ganze ins Schlafzimmer verlegt haben.“

„Was das betrifft: Tut mir leid, ich hatte nicht vor, einzuschlafen.“

„Es war schon sehr spät. Mach dir deswegen keine Gedanken.“

Als Abby ihn zur Tür begleitete, wurde sie leicht verlegen. „Dann sehen wir uns heute Abend.“ Zum ersten Mal kamen ihr Zweifel. Würde sie nach der gemeinsamen Nacht so unbeschwert wie vorher mit ihm zusammenarbeiten können?

Er nickte, erwiderte jedoch nichts. Allerdings konnte er den Blick nicht von ihr abwenden, und auch sie fühlte sich von ihm wie gebannt.

„Die Nacht hat Spaß gemacht“, sagte sie leise.

Lachend gab er ihr einen Kuss auf die Wange. „Das stimmt.“ Er strich ihr über die Wange. „Bis heute Abend.“

Er ging zum Fahrstuhl, und Abby blickte ihm nach, bis er um die Ecke verschwunden war. Dann kehrte sie in ihr Apartment zurück, schloss die Tür und lehnte sich dagegen. Die ganze Nacht hatte sie mit ihm verbracht, aber jetzt, wo er fort war … sehnte sie sich immer noch nach ihm.

„Reiß dich zusammen“, sagte sie zu sich selbst, holte sich einen Kaffee und genoss den ersten Schluck. Gab es einen besseren Start in den Tag?

Nun, vielleicht einen: Sie dachte daran zurück, wie Trevor sie geweckt hatte. Er hatte eins ihrer Beine über seins gezogen und war von hinten in sie eingedrungen. Sicher war er selbst noch gar nicht richtig wach gewesen, doch er hatte sie beide spielend leicht zum Höhepunkt gebracht. Der perfekte Start in den Tag!

Während sie Schluck für Schluck ihren Kaffee genoss, holte Abby einige Haushaltspflichten nach, die sie vernachlässigt hatte, seit sie im Swerve arbeitete. Sie tat alles, um die Zeit zu füllen, bis sie wieder zur Arbeit gehen und Trevor sehen konnte.

Ich bin nicht süchtig nach ihm, sagte sie sich, während sie den Kühlschrank auswischte. In dem Moment vibrierte ihr Handy auf der Anrichte, und sie nahm den Anruf an.

„Hallo?“

„Abigail Shaw?“, fragte eine weibliche Stimme.

„Am Apparat.“

„Abigail, hier spricht Julie von ,Bon Temps Marketing‘. Wir haben uns letzten Mittwoch kennengelernt.“

An das Vorstellungsgespräch bei Bon Temps konnte Abby sich gut erinnern. Die Firma stand auf ihrer Wunschliste ganz oben, aber da sie jetzt seit über einer Woche nichts gehört hatte, hatte sie die Hoffnung bereits aufgegeben. „Ja, natürlich. Nennen Sie mich doch bitte Abby.“

„Abby, ich rufe Sie an, um Ihnen die Stellung als Account Manager anzubieten, für die Sie sich beworben haben.“

Abby verschluckte sich fast an ihrem Kaffee. Bon Temps war eine junge, aufstrebende Marketing-Agentur mit hellem Großraumbüro samt Air-Hockey-Tisch und einem kleinen Basketballplatz. Auch wenn die Agentur noch nicht so etabliert war wie andere hier in Montreal, hatte Abby sich dort sofort wohlgefühlt, und sie wäre liebend gern ein Teil des Teams, wenn diese Agentur sich am Markt etablierte.

Julie sprach weiter, und Aufgabenbereich, Gehalt und Zusatzleistungen klangen besser als alles, was Abby sich erhofft hatte. Als Julie schließlich schwieg, war Abby zunächst sprachlos.

„Sind Sie noch dran, Abby? Nehmen Sie den Job an?“

Julies Stimme riss Abby aus ihren Gedanken. „Entschuldigung, natürlich nehme ich an. Vielen, vielen Dank.“

„Fantastisch!“, antwortete Julie. „Wir können es kaum erwarten, dass Sie bei uns anfangen. Heute ist Freitag, und wir hatten gehofft, Sie schon am Montag bei uns begrüßen zu dürfen. Wie klingt das für Sie?“

„Toll! Dann bis Montag. Nochmals vielen Dank.“ Abby beendete das Gespräch, legte das Handy weg und wagte nicht, sich zu bewegen, weil sie befürchtete, das alles könne ein Traum sein.

Es war genau der Job, den sie sich immer erhofft hatte. Endlich konnte sie ihren Job im Swerve aufgeben.

Bedrückt zog sie die Brauen zusammen. Würde sie Trevor überhaupt noch sehen, wenn sie nicht mehr jeden Abend mit ihm hinter dem Tresen stand?

Sie sah auf die Uhr. Wahrscheinlich war er schon in der Bar. Sie rief ihn an, und schon nach dem ersten Klingeln meldete er sich.

„Hey, Abby, was gibt’s?“

Beim Klang seiner vollen Stimme rieselte es ihr sofort wieder den Rücken hinab. „Du hast bestimmt noch nicht gefrühstückt. Ich kann in zehn Minuten mit Donuts bei dir sein.“

„Was ist denn los, Abby?“

„Das sage ich dir, wenn ich bei dir bin. Bis gleich.“

Trevor saß in seinem Büro, und vor seinem inneren Auge sah er Abby wieder, wie er sie am vorherigen Tag hier vorgefunden hatte: halb nackt, im Nabel hatte sie diesen winzigen kleinen Juwel, und ihre vollen Brüste mit den aufgerichteten Spitzen hatten auf ihn gewirkt, als würden sie ihn anflehen, sie zu berühren. Hätte er zu dem Zeitpunkt schon gewusst, wie er die nächsten vierundzwanzig Stunden verbringen würde … Beim Gedanken an Abby bekam er sofort wieder eine Erektion.

Warum kam sie so früh in die Bar? Was mochte sie für Neuigkeiten haben? Wieso kam sie extra her, obwohl sie sich erst kurz zuvor gesehen hatten?

Abby war humorvoll, lebhaft und fleißig, und ihm war noch nie eine Frau begegnet, die so sexy war wie sie. Was würde er tun, wenn sie nicht mehr in der Bar arbeitete?

Seufzend blätterte er die Zeitung durch und landete bei den Kleinanzeigen auf der Immobilienseite. Wie jeden Tag suchte er, bis er die Anzeige fand, die dort schon seit Monaten stand.

Der Pub, der zum Verkauf stand, hieß „Shanahan’s“ und war seit dem Tod des Vorbesitzers geschlossen. Die Familie des Mannes bot den Pub sehr günstig an, und Trevor wusste genau, wie der Pub aussah und welchen Ruf er hatte, weil er vor einer kleinen Ewigkeit dort gearbeitet hatte.

In Gedanken versunken betrachtete er die Kleinanzeige, sah sich selbst dort hinter dem Tresen stehen und malte sich aus, der Pub würde ihm gehören.

Für eine Anzahlung hatte er bereits genug angespart, und ihm war klar, dass er bald handeln musste, aber er war sich noch nicht ganz sicher, ob er diesen großen Schritt wagen sollte. Wie man eine Bar leitete, wusste er gut, aber was bedeutete es, eine Bar zu besitzen?

Er war so in seinen Tagträumen versunken, dass er kaum mitbekam, dass die Tür zu seinem Büro geöffnet wurde und Abby mit einem Tablett mit zwei großen Kaffee und einer Schachtel Donuts hereinkam.

Schnell legte er die Zeitung weg und stand auf, um ihr das Tablett abzunehmen.

„Liest du die Kleinanzeigen?“ Sie lächelte. „Sind weibliches Singles auf der Suche nach Abenteuern mit gut gebauten, tätowierten, Motorrad fahrenden Bar-Managern?“

Schnell schob er die Zeitung in eine Schublade. „Ich habe nur die Sportberichte gelesen.“ Er biss in einen der Donuts und trank von seinem Kaffee. „Und? Was gibt es so Wichtiges, dass du es mir nicht am Telefon verraten konntest?“

Abby lächelte strahlend, und Trevor spürte die Wirkung dieses Lächelns bis in den Magen. „Ich habe gerade ein Jobangebot angenommen.“

„Das ist toll!“ Begeistert schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch, dann kam er um den Schreibtisch herum und umarmte Abby. „Meinen Glückwunsch.“

Sie schlang die Arme um ihn, und sofort drückte Trevor sie enger an sich. Er hörte er gedämpftes „Danke“, und durch das Hemd hindurch spürte er ihren warmen Atem. Es erinnerte ihn an die vergangene Nacht, und er trat schnell einen Schritt zurück. Sonst hätte er Abby überhaupt nicht wieder losgelassen.

Beide vermieden sie den Blickkontakt.

„Wann fängst du an?“

„Am Montag. Aber keine Sorge, ich kann heute und morgen noch hier arbeiten.“

„Nicht nötig. Bestimmt springt einer der Jungs für dich ein, damit du das Wochenende Zeit hast, dich auf deinen neuen Job vorzubereiten.“

Dankbar lächelte sie ihn an. „Das wäre toll. Hoffentlich kann ich meinen Schlafrhythmus noch rechtzeitig umstellen. Vielen Dank.“

„Kein Problem.“ Er setzte sich und lehnte sich zurück. „Dann erzähl mal von deinem neuen Job.“

Während sie ihm alles berichtete, merkte er, wie aufgeregt sie über diesen Neuanfang war. Er freute sich mit ihr, aber gleichzeitig war ihm klar, wie sehr er ihre Energie und ihre ansteckende Begeisterung vermissen würde.

„Ich sollte wieder los.“ Sie stand auf und schnappte sich noch zwei Donuts aus der Schachtel. „Ich muss mir noch einiges zum Anziehen kaufen. Schließlich will ich am Montag hübsch aussehen.“

Trevor nickte. Dafür brauchte es für Abby keine große Anstrengung. „Viel Glück“, sagte er noch, als sie vor Aufregung fast hüpfend sein Büro verließ. Dann wandte er sich wieder der Arbeit auf seinem Schreibtisch zu.

Er runzelte die Stirn. Einerseits freute er sich für Abby – sie war seine Freundin, und er wünschte sich nur das Beste für sie –, andererseits war da schlagartig eine Leere in ihm. Er würde sie vermissen.

Sein Blick ging zu der Schublade, in die er die Zeitung gesteckt hatte. Er zog sie hervor, strich sie glatt und betrachtete wieder die Anzeige.

Wenn Abby in ihrem Leben ein neues Kapitel aufschlug, konnte er das auch. Er würde das Shanahan’s kaufen!

Es war, als sei in seinem Kopf eine Lampe angegangen. Entschlossen fuhr er den Computer hoch und suchte nach Kursen und Lernprogrammen für Unternehmer.

Wenn er zusätzlich zu seiner Arbeit in der Bar noch Kurse belegte, würde er kaum noch Freizeit haben, aber er musste unbedingt mehr über die relevanten Gesetze, Bilanzen und alles andere wissen, worum sich im Swerve Jamie und die Unternehmensleitung kümmerten. Wenn er seine eigene Bar kaufte, wollte er es von Anfang an richtig machen.

Nach einigem Suchen stieß er auf einen Kurs, der innerhalb von sechs Monaten alles Wichtige vermittelte, um ein eigenes Unternehmen zu führen. Trevor füllte das Onlineformular aus. Die Kurse fanden vormittags statt, sodass ihm anschließend immer noch ausreichend Zeit für seine Aufgaben als Manager des Swerve blieb.

Er schickte die Bewerbung ab, dann zog er lächelnd sein Handy hervor und rief die Nummer des Maklers an, über den der Pub verkauft wurde.

6. KAPITEL

Abby betrat ihr Apartment und blickte auf die Uhr. Halb elf abends.

Sie arbeitete jetzt seit über einem Monat bei Bon Temps. Seit dem ersten Tag verbrachte sie fast jeden Abend im Büro, genau wie alle anderen des Teams, doch obwohl sie höllisch viele Überstunden leistete, liebte sie ihren Job über alles.

Ihr waren bereits einige Kunden anvertraut worden, und die Kollegen und Vorgesetzten waren nett. Mit ihrem aufgeschlossenen Wesen passte sie perfekt ins Team von Bon Temps.

Sie zog sich im Schlafzimmer um und musste dabei an Trevor denken. Hin und wieder schrieben sie sich Textnachrichten, aber seit sie ihm von ihrem neuen Job berichtet hatte, hatten sie sich nicht mehr gesehen. Sosehr er sich für sie gefreut hatte – das Einzige, an das sie sich von diesem Treffen erinnerte, war das Gefühl seiner starken Arme, als er sie umarmt hatte. Sie vermisste ihn.

Jede Nacht vor dem Einschlafen dachte sie an die Nacht mit ihm zurück und lebte alles in Gedanken noch einmal durch. Sie hatten sich auf Freundschaft plus geeinigt, aber dieses Plus hatte sie erst eine Nacht lang erlebt. Es kam ihr vor, als sei seitdem eine Ewigkeit vergangen. Abby holte ihr Handy und schickte Trevor schnell eine Nachricht.

Hast du morgen Abend was vor? Musst du arbeiten? Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Lust auf ein Treffen?

Sie musste nicht lange auf Trevors Antwort warten.

Gerne. Hast du an was Bestimmtes gedacht?

Wollen wir ins Charlie’s?

Die Sportbar „Charlie’s“ lag nur ein paar Blocks vom Swerve entfernt, deshalb hatte Abby sie vorgeschlagen. Aber wieso hatte Trevor ihr so schnell geantwortet? Heute war Donnerstag, warum stand er da nicht im Swerve hinter dem Tresen?

Arbeitest du heute nicht?

Diesmal musste sie ein bisschen länger auf seine Antwort warten.

In letzter Zeit stehe ich nur noch selten hinter dem Tresen. Aber das Charlie’s klingt gut. Bis dann.

Lächelnd warf sie ihr Handy aufs Bett und ging ins Bad. Sie konnte es kaum erwarten, Trevor wiederzusehen. Sie vermisste ihn als Freund, und gleichzeitig fragte sie sich, wie der Abend mit ihm sich entwickeln würde. Was auch immer geschah, sie beide hatten viel nachzuholen.

Das Charlie’s war eine von Trevors Lieblingsbars. In ungezwungener Atmosphäre wurden hier alle gleich behandelt, egal ob Promi, Stammgast oder Neuling.

Er setzte sich an seinen üblichen Tisch und blickte sich um. Wie immer, wenn wichtige Matches auf den Großbildschirmen gezeigt wurden, war die Bar gut besucht. An einem Ort wie diesem fühlte er sich wohl. Privat würde er nie in einen Club wie das Swerve gehen, wo es einen Dresscode gab, abgesperrte Bereiche für VIPs und Schlangen vor der Tür.

Gerade als er das Bier probierte, das aus einer kleinen lokalen Brauerei stammte, entdeckte er Abby am Eingang und winkte ihr lächelnd zu. Beim Anblick ihres herzlichen Lächelns und ihrer strahlenden Augen wurde ihm ganz warm. Es musste ungefähr einen Monat her sein, seit er sie das letzte Mal gesehen hatte, und den ganzen Tag schon fieberte er dem Treffen mit ihr entgegen.

Als sie sich dem Tisch näherte, stand er auf und umarmte sie kurz, bevor sie sich beide setzten. Es war ein warmer Abend, und sie trug über dem kurzen Kleid mit den hohen Stiefeln nur eine dünne Jacke.

Sie bestellte sich ebenfalls ein Bier und beugte sich dann zu Trevor vor. „Und? Wie ist es dir ergangen?“

„Alles bestens.“ Dass er jetzt Kurse in Unternehmensführung nahm und dass er den Pub gekauft hatte, wollte er für sich behalten, falls er damit doch noch scheiterte. Stattdessen lenkte er die Unterhaltung auf Abby. „Wie läuft dein neuer Job?“

„Absolut fantastisch!“ Abby probierte einen Schluck von dem Bier, das ihr gerade serviert wurde, und schloss genießerisch die Augen. „Oh, das ist wirklich gut.“ Sie stellte das Glas ab. „Und meinen Job liebe ich. Ich habe mit den unterschiedlichsten Kunden zu tun und bin jetzt schon für einige Accounts verantwortlich. Da gibt es unendlich viel zu tun. Seit vier Wochen tue ich jetzt praktisch nichts anderes als arbeiten.“

Trevor sah ihr an, wie viel Spaß ihr der Job machte, und er war erleichtert darüber.

„Es tut gut, mal aus dem Büro rauszukommen und mit jemand anderem als mit den Kollegen zu reden.“

„Also gut“, beschloss er, „dann verlieren wir kein Wort mehr über die Arbeit.“

„Abgemacht.“ Sie prostete ihm zu.

Während der nächsten Stunden unterhielten sie sich, aßen, tranken und lachten, und erst als die Flatscreens an den Wänden ausgeschaltet wurden, merkten sie, dass sie die letzten Gäste in der Bar waren.

Es war Zeit zu gehen, aber Abby wollte noch nicht, dass ihr Abend mit Trevor zu Ende ging. Über die gemeinsame Nacht vor vier Wochen hatten sie kein einziges Wort verloren, doch Abby war froh darüber, dass das Plus ihrer Freundschaft mit Trevor keinen Abbruch getan zu haben schien.

Als sie die Bar betreten hatte, hatte sein Anblick in dem dunkelgrauen T-Shirt, das über seinen breiten Schultern spannte und den Blick auf viele seiner Tattoos zuließ, ihr fast den Atem geraubt. Dann hatte Trevor sie umarmt, und sie hätte ihn am liebsten gleich mit zu sich nach Hause gezerrt, um ungestört über ihn herfallen zu können.

Verlegen lächelnd sah sie jetzt zur Belegschaft, die geduldig darauf wartete, dass ihre letzten Gäste endlich gingen, damit sie Feierabend machen konnten. „Tut mir leid, Jungs“, rief sie in Richtung Tresen und wandte sich Trevor zu. „Wir sollten gehen.“

„Ja“, stimmte er zu und half ihr in die Jacke. „Bist du mit dem Auto hier?“

Sie spürte seine Hände an den Schultern, und ihr Zittern hatte nichts mit der Klimaanlage zu tun. Eine Berührung von Trevor reichte, und sofort war dieses Prickeln tief in ihr da. „Nein, ich bin zu Fuß gekommen. Mein Apartment liegt ja nicht weit von hier, das ist kein Problem.“

„Lass mich dich nach Hause begleiten. Es ist schon ziemlich spät, da solltest du nicht allein gehen.“

Sie seufzte. Normalerweise hätte sie das Angebot abgelehnt und darauf bestanden, dass sie allein zurechtkam, aber sie wollte Trevors Gesellschaft bis zum letzten Moment auskosten. „Also gut. Gehen wir.“

Es war tatsächlich nicht weit, und als sie ihr Apartment erreichten, drehte Abby sich zu ihm. „Willst du noch mit raufkommen?“

Trevor nickte. „Gern.“

Sie schloss auf, nahm ihn bei der Hand und führte ihn durch die Lobby bis hoch zu ihrem Apartment. Im Wohnzimmer setzte sie sich aufs Sofa, und Trevor nahm auf dem Sessel Platz. Ging er absichtlich auf Distanz zu ihr?

„Das heute war ein schöner Abend“, stellte sie fest. „Ich habe dich vermisst.“

Er lächelte. „Ich dich auch.“

„Erinnerst du dich noch an unsere Abmachung? Freundschaft plus?“

Plötzlich hatte sie seine ganze Aufmerksamkeit. „Wie sollte ich das jemals vergessen können?“

Sie schluckte. „Wieso haben wir damit nicht weitergemacht?“

Trevor musste lachen. „Keine Ahnung. Wir waren wohl beide sehr beschäftigt … Möchtest du damit denn weitermachen?“

Abby zögerte kurz, dann nickte sie.

Trevor setzte sich zu ihr aufs Sofa und ergriff ihre Hand. „Ich auch.“

Sie spürte seine Nähe wie ein Kribbeln im ganzen Körper. „Warte“, sagte sie leise. „Wir sollten ein paar Grundregeln festlegen.“

„Grundregeln? Übertreibst du nicht etwas, Abby?“

Wahrscheinlich. „Ich will nur vermeiden, dass es irgendwie kompliziert wird.“ Auf keinen Fall wollte sie ihn als Freund verlieren. „Ich will immer noch keine Beziehung. Es darf nur körperlich sein. Okay?“

Trevor lehnte sich zurück. „Von mir aus.“

„Also keine Dates.“ Auf Bestätigung wartend sah sie ihn an.

„Keine Dates. Und kein gemeinsames Übernachten.“ Er dachte nach. „Wir sollten uns darauf einigen, es sofort zu beenden, sobald einer von uns jemand anderen trifft. Und wir bleiben Freunde.“

„Du kannst gut Regeln aufstellen“, stellte sie fest.

„Sonst noch was?“

Eindringlich blickte sie Trevor in die Augen. „Verlieb dich nicht in mich.“

„Ich denke, das schaffe ich.“ Er stand auf.

Sie blieb sitzen, als er ihr Kinn umfasste und ihr über die Wange strich. Bei der Berührung schloss sie kurz die Augen. Sie spürte seine Lippen.

Der Kuss war hauchzart.

Dann spürte sie seine Zunge an der Unterlippe und öffnete bereitwillig den Mund. Fordernd drang er mit der Zunge ein. Abby ließ es nur zu gerne geschehen, wusste sie doch, welche Freuden er ihr bieten konnte.

Sie gab einen überraschten Aufschrei von sich, als er sie hochhob und sie sich über die Schulter warf. „Lass mich runter“, rief sie lachend.

„Wohl kaum.“ Mit der flachen Hand gab er ihr einen kräftigen Klaps auf den Po und trug sie ins Schlafzimmer, wo er sie aufs Bett fallen ließ. Sie lachte immer noch, als er sich zu ihr legte und ein Bein über ihre Hüften schob.

Trevor beugte sich über sie und stützte sich mit den Armen ab, küsste sie wieder. Diesmal war es kein zarter, behutsamer Kuss. Wild und verlangend presste er die Lippen auf ihre.

Abby drückte den Kopf aufs Kissen, und sofort nutzte er die ...

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