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TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 70

Kate Hoffmann, Katherine Garbera, Debbi Rawlins, Sasha Summers

TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 70

KATE HOFFMANN

So sexy wie die Sünde

Um die erotische Spannung zwischen seiner schönen Assistentin Malin und ihm zu mindern, kennt Thom Quinn bloß eine Lösung: Er muss sie einmal küssen! Dummerweise begehrt er sie danach nur noch mehr …

KATHERINE GARBERA

Schwerelos in deinen Armen

Playboy Antonio Curzon kann noch so heiß mit ihr flirten! Astronautin Isabelle darf nicht vergessen, dass er ihr Rivale um einen Flug ins All ist. Eine Affäre mit ihm würde alles aufs Spiel setzen …

DEBBI RAWLINS

Erotische Erfüllung mit ihm

Egal wie gut Lila und er im Bett zusammenpassen, Cowboy Clint weiß: Es gibt keine Zukunft für ihn und die sexy Schauspielerin. Wenn Lilas Film in Montana abgedreht ist, endet auch ihre Liaison, oder?

SASHA SUMMERS

Wilde Lust

Tatum war Spencers erste große Liebe. Als er sie jetzt wiedersieht, hofft er auf eine zweite Chance. Doch Tatum kann ihm nicht verzeihen, dass er ihr einst das Herz brach. Sie will nur eins: Sex pur!

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So sexy wie die Sünde

1. KAPITEL

„Lass mich reden. Falls sie eine Frage an dich stellen, antworte kurz und bündig. Versuche nicht, dich zu entschuldigen. Kein Sarkasmus und kein Versuch, Humor in die Situation zu bringen. Wirke zerknirscht und reumütig.“

Thom Quinn saß im Porsche seines Agenten und versuchte, es sich trotz seiner Größe von einem Meter fünfundneunzig auf dem Beifahrersitz bequem zu machen. „Was glaubst du, was die vorhaben?“

„Wenn man deine letzten Ausrutscher bedenkt, ist es nur allzu wahrscheinlich, dass sie diesmal eine harte Schiene fahren“, erklärte Jack Warren. „Vielleicht suspendieren sie dich für einige Zeit. Vielleicht wirst du an einen anderen Club verkauft.“

Thom war von Anbeginn seiner Karriere als Profi-Eishockeyspieler bei Minneapolis gewesen. Talentiert wie er war, hatte man ihn gleich in der ersten Saison, in der er in einem Kleinstadt-Team in Iowa gespielt hatte, entdeckt und für die Playoffs geholt. Seitdem hatte er nicht mehr zurückgeschaut. Er war ein Star, der Typ Spieler, der ausschlaggebend für den Erfolg seines Teams war. Eine Defensivkraft, die Tore für die Blizzards schoss und die Angriffe der Gegenspieler gekonnt blockierte.

Sein Können auf dem Eis war nie infrage gestellt worden. Er hatte alle Erwartungen übertroffen, die man an ihn gehabt hatte. Aber jenseits des Eises konnte er dem Standard der Liga nicht gerecht werden.

Und seine letzte Eskapade vor drei Nächten war akribisch dokumentiert worden. Es gab unter anderem Fotos, auf denen er mit zwei Stripperinnen aus Las Vegas Black Jack spielte. Das Schlimmste aber war eines, das sie in einer Limousine zeigte, mit viel nackter Haut und reichlich Alkohol. Einer seiner sogenannten Freunde hatte ihn verraten und die Fotos an eine billige Fernsehshow verkauft. Sie hatten sich rasant in allen Medien verbreitet.

„Bekommst du das wieder hin?“, murmelte Thom.

„Du machst es einem nicht leicht“, erwiderte Jack und schüttelte den Kopf. „Du bist siebenundzwanzig Jahre alt. Es wird Zeit, dass du erwachsen wirst, Tommy.“

Was zur Hölle sollte das jetzt heißen? Er war auf der Spitze seines Erfolges. Er hatte mehr Geld, als er ausgeben konnte. Warum sollte er sich nicht einmal etwas gönnen und sich ein wenig vergnügen? Er brach ja keine Gesetze. Es hatte ein paar Handgemenge mit wütenden Fans oder aggressiven Fotografen gegeben, und ein paar verbitterte Exfreundinnen hatten Geschichten über ihn erzählt, aber er war mit einer Entschuldigung und einem großzügigen Geldbetrag immer aus der Sache wieder herausgekommen.

Warum hatte er nur immer das Gefühl, die Grenzen des guten Benehmens überschreiten zu müssen? Die Marketingleute der Minnesota Blizzards hatten Thom Quinn immer als Bad Boy verkauft, ein Mann, der auf der Straße aufgewachsen war und dessen harte Kindheit und Jugend ihn geprägt hatten. Sein Spitzname war „das Biest“. Sie hatten diese Rolle für ihn kreiert, ihm jedoch nie eindeutige Grenzen gesetzt. Wie weit war zu weit? Er wusste es nicht. Mit dem, was er vor drei Nächten getan hatte, war er jedoch offensichtlich zu weit gegangen.

Aber er konnte Minnesota nicht verlassen. Seine Familie war hier, und er musste bei ihr bleiben. „Ich will keinen Transfer“, erklärte Thom. „Versprich ihnen was immer sie wollen. Sie können mir mein Gehalt kürzen, und ich werde auch freiwillig in eine Entzugsklinik gehen. Sorg nur dafür, dass ich bleiben kann.“

„Das habe ich alles schon gehört“, meinte Jack. „Erinnerst du dich daran, dass du letztes Jahr mit der Exfreundin deines Teamkollegen ins Bett gegangen bist?“

„Sie hatten sich doch getrennt“, verteidigte sich Thom.

„Alex ist dein Teamkollege. Ist dir nie in den Sinn gekommen, was ein Streit zwischen euch beiden für das Team bedeutet hätte? Alles hat Konsequenzen. Du denkst nie nach, Thom.“

„Ich leide also unter mangelnder sozialer Kompetenz“, stellte Thom sarkastisch fest. „Ich treffe vorschnelle Entscheidungen und versuche ständig, mich selbst zu sabotieren. Ich könnte ein Buch schreiben. Ich bin sicher, dass ein paar dieser Therapeuten, die der Verein angeheuert hat, bereits lange Abhandlungen und Bücher über mich geschrieben haben. Mir wurde gesagt, dass ich faszinierendes Material bieten würde.“

„Zynismus wird dir in diesem Fall nicht helfen“, erklärte Jack.

Der Agent brachte den Wagen vor einer roten Ampel zum Stehen und lehnte sich zurück in den Ledersitz. Thom wusste, dass Jack immer ehrlich zu ihm sein würde, und doch hatte er nie ganz das Misstrauen verloren. Es gab nur drei Menschen, denen er in seinem ganzen Leben je vertraut hatte – seine beiden Brüder und seine Großmutter. Es war ein kleiner Kreis, aber alles, was Thom je gehabt und gebraucht hatte.

Schließlich parkte Jack vor dem Hauptquartier der Blizzards, stellte den Motor ab und wandte sich Thom zu. „Sag mir, was du willst, Tommy. Falls du das Team verlassen willst, werde ich dafür sorgen, dass das nicht zu deinem Nachteil passiert. Falls du zu einem anderen Club möchtest, bekommen wir auch das hin. Sag mir nur, was du vorhast.“

Thom hatte nach einer Antwort auf diese Frage gesucht, seit er ein Teenager war. Obwohl er gegen jede Autorität ankämpfte, um sein Leben selbst bestimmen zu können, wusste er doch, dass er eigentlich keinen Plan hatte. Sein Talent als Eishockeyspieler war das Einzige, das ihn davor bewahrt hatte, an einer Straßenecke um Kleingeld zu betteln. Und er würde nicht sein ganzes Leben lang Profispieler bleiben können.

„Vielleicht brauchst du einen Neustart“, überlegte Jack. „Du könntest irgendwo hinziehen und dein Leben ordnen. Beginne woanders noch einmal neu.“

„Ich möchte nicht weggehen“, murmelte Thom.

„Vielleicht wirst du keine Wahl haben. Natürlich können wir mitbestimmen, wohin du gehst. In deinem Vertrag steht, dass du bei Clubwechsel ein Mitspracherecht hast. Aber darüber werden wir reden, wenn es so weit ist.“

Als sie auf das Hauptquartier zugingen, atmete Thom tief durch und versuchte eine positive Haltung einzunehmen. Er hatte dies schon mehrere Male erlebt – er hatte schon öfter dumme Fehler gemacht und dann die Dinge mit einer ernst gemeinten Entschuldigung wieder hingebogen. Seine Fähigkeiten auf dem Eis hatten stets alles wieder ausgeglichen. Seine Verfehlungen waren gegenüber seinem enormen Talent immer geringfügig gewesen.

Aber er wurde älter. Er war jetzt siebenundzwanzig, und jungenhaftes Fehlverhalten wirkte längst nicht mehr so charmant wie früher. Die meisten seiner Teamkollegen in seinem Alter waren bereits verheiratet. Viele hatten sogar bereits Kinder.

Jack hielt die Eingangstür auf, und Thom trat in das Gebäude, in dem eine Klimaanlage für eine angenehme Kühle sorgte. Er rückte seine Krawatte zurecht und fuhr sich dann mit den Fingern durch sein widerspenstiges, etwas zu langes Haar. Er hatte sich rasiert, um einen guten Eindruck zu machen, aber ein Haarschnitt wäre wohl auch angebracht gewesen.

Als sie das Büro des Managers erreichten, wartete dort die Assistentin mit einem angespannten Lächeln auf sie und führte sie in das Konferenzzimmer. Der Raum war bereits gut besetzt, die Luft vor Anspannung zum Schneiden dick. Thom fluchte leise, als er eintrat. In dem Moment, als er die Anwesenden betrachtete, wurde ihm bewusst, dass er in großen Schwierigkeiten steckte.

Er hatte Steve McCrory, den Manager, und Dave Jones, den Direktor, erwartet, aber am Ende des Konferenztisches saß Davis Pedersen, der Besitzer des Clubs, mit eisigem Gesichtsausdruck.

Thom hörte, wie Jack seufzte. Das hier war noch ernster, als sogar sein Agent angenommen hatte. Pedersen erhob sich, als sie eintraten, und wies auf zwei Stühle. „Nehmen Sie bitte Platz, Gentlemen.“

Das laute Klingeln in Thoms Ohren übertönte die gedämpfte Unterhaltung im Raum. Weitere Leute erschienen und nahmen an dem langen Tisch Platz. Einige waren ihm bekannt, andere nicht. Thoms Blick fiel auf eine schlanke Blondine, die am anderen Ende des Tisches saß. Sie war die einzige Frau im Raum. Man konnte sie also nicht übersehen.

Ihre Blicke trafen sich, und Thom stellte fest, dass ihre Augen blau waren. Er schenkte ihr ein halbherziges Lächeln, und sie erwiderte es. Sie schien in diesem Raum außer seinem Agenten der einzige Mensch zu sein, der ihm in die Augen schauen konnte. Ein weiteres schlechtes Zeichen.

Der Vorstand eröffnete die Sitzung, und Thom hörte sich schweigend die Liste seiner Verfehlungen an, stets gefolgt von Erläuterungen, wie negativ sein Verhalten die Liga und das Team beeinflussen würde.

Er unternahm keinen Versuch, sich zu verteidigen oder zu erklären. Stattdessen wartete er darauf, dass man ihm das Wort erteilte. Er wusste, dass sie von ihm eine Entschuldigung erwarteten, bevor sie zur Festlegung des Strafmaßes übergingen.

Als der Moment kam und Thom den Mund öffnen wollte, stoppte Davis Pedersen ihn, indem er die Hand hochhielt. „Ich will Ihre Entschuldigungen nicht hören. Verdammt, ich will noch nicht einmal ein Versprechen, dass Sie sich morgen so benehmen werden, wie es von Ihrer Position verlangt wird. Soweit es mich betrifft, wären das nur leere Worte. Sie haben in der Vergangenheit bereits viele Versprechen gemacht und kein einziges davon gehalten. So, Mr. Quinn, jetzt werde ich Ihnen sagen, was passieren wird. Ich werde Sie an das erste Team verkaufen, dass mir eine anständige Ablösesumme für Sie zahlt. Bis dahin erwarte ich, dass Sie sich so brav wie ein Chorknabe verhalten, und ich werde alles dafür tun, dass das auch geschieht. Falls Sie erneut ausfällig werden, transferiere ich Sie zum schlimmsten Team in der ganzen Liga.“

Jack räusperte sich. „Wir haben eine Klausel im Vertrag, die ihm Mitspracherecht erteilt, und damit müssen Sie …“

„Ich muss gar nichts“, fuhr Pedersen ihn an. „Ihr Junge hat die moralischen Klauseln öfter gebrochen, als ich zählen kann.“ Er warf ihm einen Hefter zu, und Jack zog ein Foto heraus.

„Das Mädchen, das auf dem Foto neben ihm sitzt, ist noch ein Teenager. Ein Teenager und eine Prostituierte“, erklärte Pedersen. „Das hier wäre fast auf … wie heißt das noch?“

Die Blonde räusperte sich. „Instagram“, kam sie ihm dann zu Hilfe.

„Richtig. Ein Barkeeper aus Ihrem Hotel in Las Vegas hat mit uns Kontakt aufgenommen. Er informierte uns, dass dieses … Mädchen wiederholt aus dem Haus geworfen wurde, da sie den Gästen sexuelle Dienste anbot. Sie ist minderjährig. Er wollte fünftausend Euro, oder er würde dieses Foto veröffentlichen.“

„Ich kann dieses Foto erklären“, warf Thom ein.

Pedersens Gesicht verzerrte sich vor Wut, und er schlug mit den Händen auf den Tisch. „Ich will verdammt noch mal keine Erklärung. Ich will, dass Sie sich in Selbstkontrolle üben!“ Er erhob sich. „Wir sind hier fertig. Wenn Sie uns bitte entschuldigen würden, wir haben noch weitere Dinge zu besprechen.“

Pedersen führte die anderen Männer aus dem Raum, aber die Blonde blieb sitzen. „Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“, fragte sie Thom. „Kaffee, Cola oder ein Mineralwasser?“

„Haben Sie auch Arsen?“, fragte Thom.

Sie lachte leise. „Nein, tut mir leid. Selbst wenn ich es hätte, würde ich nicht die Erlaubnis haben, es Ihnen zu geben.“

„Dann nehme ich nichts, danke“, sagte er.

„In Ordnung“, erwiderte sie. „Ich wünsche Ihnen viel Glück.“

„Danke“, meinte Thom und sah sie fragend an. Wer war diese Frau? Sie musste für das Team arbeiten. Aber als was? Er hatte sie nie in der Eissporthalle gesehen. An so eine schöne Frau hätte er sich erinnert. Verflixt, er hätte bestimmt versucht, sie zu verführen, wenn er sie früher kennengelernt hätte. Normalerweise kam keine attraktive Frau an ihm vorbei.

„Denk noch nicht einmal daran“, murmelte Jack, als die Blonde den Konferenzraum verließ.

„Was ist? Ich denke gar nichts“, log Thom. „Sie ist hübsch, aber wer ist sie?“

„Das weißt du nicht?“, fragte Jack. Er schüttelte den Kopf und lachte leise. „Wahrscheinlich ist es besser so.“

„Nein, wirklich. Wer ist sie?“

„Das ist Malin Pedersen. Davis Pedersens einzige Tochter.“

„Ich dachte, seine Tochter wäre noch auf der Highschool.“

„Das war sie auch, als wir dich damals unter Vertrag genommen haben. Sie ist mittlerweile erwachsen geworden.“

„Sie ist bildhübsch“, bemerkte Thom. „Wie war ihr Vornamen?“

„Malin.“

„Seltsamer Name“, murmelte er.

„Ich glaube, er ist schwedischen Ursprungs“, erklärte Jack.

„Malin“, flüsterte Thom zu sich selbst.

Ein schöner Name für eine schöne Frau. Er atmete tief durch und ermahnte sich innerlich selbst.

„Üben Sie sich in Selbstkontrolle!“, echote die Stimme Pedersens in seinem Kopf wider. Ja, es war definitiv eine schlechte Idee, sich die Tochter des Chefs nackt auf dem Bett liegend vorzustellen …

„Das ist alles deine Schuld“, warf Davis Pedersen mit grimmigem Gesicht seiner Tochter vor, als sie und Steve McCrory ihm etwas später in sein Büro folgten.

„Warum ist das meine Schuld?“, fragte Malin.

„Ich habe dich eingestellt, damit du dieses Flitter-Dingsda kontrollierst. Wir hatten in der Vergangenheit nie Probleme solcher Art. Gerade jetzt, da einer unserer Spieler aus der Rolle fällt, schießt jemand ein Foto und verbreitet es im ganzen Internet.“

„Du meinst Twitter“, sagte Malin. „Ich kann nur unsere Spieler kontrollieren und was sie posten. Nicht die ganze Welt.“

„Wofür bist du dann gut? Ich verstehe nicht, wie etwas so Lächerliches wie dieses verdammte Flitter …“

„Twitter“, verbesserte Malin ihn erneut.

„Was?“

„Es heißt Twitter. Instagram. Snapchat. Skype. Tinder. Facebook. Hast du das Handbuch nicht gelesen, das ich für die Spieler geschrieben habe?“

„Ich brauche kein verdammtes Handbuch, um zu wissen, dass der Ruf meines Teams auf dem Spiel steht. Dieser Mann zieht uns mit in den Dreck. Ich will, dass er rund um die Uhr beobachtet wird. Bis wir Thom an ein anderes Team transferieren, darf nichts mehr passieren, und du bist dafür verantwortlich. Wenn es auch nur den Anflug eines Problems gibt – wenn auch nur ein einziges anstößiges Bild von ihm auf Twitter erscheint –, ist dieser Job, den du dir selbst kreiert hast, vorbei, und du kannst wieder zu deinen Modedesigner-Freunden nach New York gehen.“

Malin schnappte nach Luft. „Du bist derjenige gewesen, der mich gebeten hat, nach Hause zu kommen, um dir dieses Problem abzunehmen. Du meintest, wenn ich eine Rolle im Management spielen will, muss ich mich erst beweisen.“

„Und das wirst du, indem du mein Team beschützt und diesem Ungeheuer nicht mehr erlaubst, noch weiteren Schaden anzurichten.“

Malin wandte sich Steve McCrory zu. „Habt ihr wirklich vor, ihn zu verkaufen? Er ist einer unserer besten Spieler. Und die Fans lieben ihn. Ich bin sicher, dass ich die Wogen wieder glätten kann. Gebt mir nur ein wenig Zeit.“

„Wir können es nicht zulassen, dass er mit seinem Verhalten außerhalb des Spielfeldes dem Club negative Schlagzeilen beschert“, erwiderte McCrory. „Erst waren es Schlägereien unter Alkoholeinfluss, und jetzt sind es schon minderjährige Prostituierte. Was kommt als Nächstes? Ich habe entschieden, ihn zu transferieren, und dein Vater stimmt mir zu.“

„Ich nicht“, bemerkte Malin. „Wenn du einen Aufruhr in den sozialen Medien sehen willst, dann warte erst, bis du seinen Transfer bekannt gibst.“

„Wenn er erst einmal bei einem anderen Club ist, sind andere für ihn verantwortlich. Bis dahin braucht er einen Aufpasser.“

Es war sinnlos zu widersprechen. Wenn es um Entscheidungen in Team-Fragen ging, war McCrory eine Macht, die man nicht umgehen konnte. Er wurde von ihrem Vater unterstützt, und es gab keine Chance, ihn umzustimmen.

Sie konnte es ihrem Vater nicht übelnehmen. Als er den Club vor siebzehn Jahren gekauft hatte, war er ein Verlustgeschäft mit den niedrigsten Zuschauerzahlen in der Liga gewesen. Jetzt lag der Club an der Spitze.

„Ich könnte ihn ändern“, meinte Malin. „Ich habe noch zwei Monate Zeit, bis das Trainingscamp beginnt.“

„Meine Entscheidung steht fest“, erwiderte McCrory.

„Meine auch“, fügte ihr Vater hinzu. „Warum gehst du nicht zu ihm und erklärst ihm, was wir in den nächsten Wochen von ihm erwarten?“

„Ich?“

„Ich sagte, er braucht einen Aufpasser. Das bist du. Oder hast du Angst, du wärst dieser Herausforderung nicht gewachsen?“

„Natürlich bin ich das. Ich werde dich nicht enttäuschen.“

Malin verließ enttäuscht das Büro ihres Vaters. Sie hatte nie ernsthaft geglaubt, dass er wirklich wollte, dass sie für das Team arbeitete. Es war immer ein Männerclub gewesen, Frauen waren hier nicht willkommen. Aber weibliche Fans machten mittlerweile fünfundvierzig Prozent der Zuschauer aus, eine Quote, die jährlich wuchs. Früher oder später mussten diese älteren Herren zugeben, dass sie eine Frau an der Führungsspitze brauchten. Und sie war fest entschlossen, diese Frau zu werden.

Sie fand Thom Quinn dort, wo sie ihn verlassen hatte – im Konferenzraum. Sie schaute kurz über die Schulter, als sie zum Tisch trat. „Ist Ihr Agent bereits gegangen?“

Quinn schüttelte den Kopf. „Nein. Er musste telefonieren.“

Malin zog einen Lederstuhl am Ende des Tisches vor, griff nach einem der Telefone und tippte die Nummer ihrer Assistentin ein. Ihr war eine Idee gekommen, wer den Wachhund für Thom Quinn spielen konnte. „Leah, ich bin im Konferenzraum. Könntest du bitte Jason finden und ihn zu mir bitten? Er muss irgendwo in der Nähe sein.“

Dann legte sie den Hörer auf und schaute Thom länger an, als es den Umständen entsprechend passend war. Sie schluckte. Was waren das denn für Umstände? Sie war nicht seine Chefin. Sie besaß keine Macht. Zumindest keine, die über die Befugnisse hinausging, die ihr Vater ihr gegeben hatte. Was passierte, wenn Thom sich weigerte, ihren Anweisungen zu folgen? Dann hätte sie bei ihrem Vater jede Glaubwürdigkeit und damit jede Chance auf einen Platz im Management verloren.

„Man hat also Sie geschickt, um mir weitere schlechte Nachrichten zu überbringen?“

„Schlechte Nachrichten?“

„Ja, dass man sich entschlossen hat, mich an das schlechteste Team der Liga zu verkaufen.“

„Ja“, murmelte sie, den Blick auf ihn gerichtet. „Ich … ich meine, nein.“

Er war ein unglaublich attraktiver Mann. Kein Wunder, dass er so eine starke Anziehung auf weibliche Fans ausübte. Das widerspenstige dunkle Haar, das stets ein wenig zerzaust wirkte. Die faszinierend blauen Augen. Aber es waren die Unregelmäßigkeiten in seinem Gesicht, die ihn so unwiderstehlich machten – die Narbe an seiner Lippe, die nicht ganz gerade Nase.

Sie zwang sich, den Blick von seinem Gesicht abzuwenden, und rückte rasch den Kugelschreiber neben ihrem Notizbuch zurecht.

„Was nun?“, fragte er. „Gibt es jetzt einen Transfer oder nicht?“

Malin holte tief Luft. „Nein“, log sie. Sie war immer noch entschlossen, ihn bei den Blizzards zu behalten. Außerdem war er bestimmt kooperativer, wenn er eine Chance sah, weiter im Team zu bleiben. „Man wird Ihnen noch eine Chance geben.“

Er runzelte die Stirn. „Wirklich?“

Malin nickte. „Unter bestimmten Bedingungen“, fügte sie hinzu.

„Und die wären?“

„Vielleicht sollten wir warten, bis Ihr Manager kommt.“

„Nein, bitte. Sagen Sie mir, was verlangt wird. Ich bin bereit alles zu tun, wenn ich im Team bleiben kann.“

„Also gut“, erklärte Malin. „Sie sollten keinen Alkohol mehr in der Öffentlichkeit trinken. Und wenn Sie mich fragen, hören Sie ganz damit auf. Sie treffen unsinnige Entscheidungen, wenn Sie trinken.“

Er starrte sie schweigend an, und sie hielt inne und wartete auf einen Kommentar oder Widerspruch. Als er nichts sagte, fuhr sie fort.

„Sie sollten sich auch eine Weile von Frauen fernhalten. Ich will damit nicht sagen, dass Sie keine Frau mehr daten können, aber achten Sie darauf, dass Ihr Privatleben … nun, eben privat bleibt. Und …“ Sie räusperte sich. „Wir werden Ihnen einen persönlichen Assistenten zur Seite stellen.“ Das hörte sich so viel besser als ‚Aufpasser‘ an, dachte sie. „Diese Person wird bei Ihnen wohnen, Sie begleiten und darauf achten, dass Sie die richtigen Entscheidungen treffen und …“

„Sie wollen mir einen Babysitter verpassen?“, fragte er.

„Natürlich nicht. Sie sind schließlich kein Baby. Sie sind ein erwachsener Mann, der viele Entscheidungen treffen muss. Deshalb brauchen Sie ja auch einen persönlichen Assistenten.“

Er lachte leise und schüttelte den Kopf. „Und das alles wegen eines Fotos?“

„Wenn wir dieses Foto nicht gekauft hätten, wären Sie vielleicht im Gefängnis gelandet.“

„Ich wusste, dass sie eine Prostituierte und noch minderjährig ist“, gestand er.

„Was?“

Er nickte. „Sie kam zu mir an die Bar. Sie war verängstigt und hungrig. Sie hatte ein blaues Auge und eine geschwollene Lippe. Wir begannen zu reden, und es war schnell klar, dass sie etwas Ordentliches zu essen und Schlaf brauchte. Also habe ich dafür gesorgt, dass sie zu Abend isst und für sie ein Zimmer genommen. Am nächsten Morgen habe ich sie besucht und ihr Geld gegeben, damit sie nach Hause fliegen kann. Sie hat es genommen, und soweit ich weiß, ist sie wieder in Kansas oder Nebraska oder wo immer sie herkam. Ich nehme an, dieser Kerl hat dieses Foto gemacht, als wir an der Bar saßen.“

„Sie haben nicht …?“

„Auch ich habe meine Grenzen.“

„Warum haben Sie denn nichts gesagt?“

Er grinste und zuckte die Schultern. „Ich habe es versucht, aber sie wollten mich ja gar nicht anhören. Außerdem hätte es auch keine Rolle gespielt. Sie sehen mich so, wie sie mich sehen wollen.“

Malin betrachtete ihn schweigend. Sie hatte seine Biografie gelesen – er war ein straffälliger Jugendlicher gewesen, eine Waise, und hatte sich auf den Straßen herumgetrieben, bis er in das Eishockey-Training der Schule aufgenommen wurde. Er hatte nie ein männliches Vorbild in seinem Leben gehabt. Stattdessen hatte er sich die Regeln und Erwartungen des Erwachsenseins selbst zusammengebastelt. Wenn man dazu noch bedachte, wie schnell er zu Ruhm und Reichtum gekommen war, konnte man sich sein Verhalten erklären. War sie wirklich bereit, sich an diese Geschichte heranzuwagen? Wenn es darum ging, sich den Respekt ihres Vaters zu verschaffen, dann ja, verdammt noch mal! Sie wollte und würde es schaffen, diesem Mann neue Wege aufzuzeigen.

„Miss Pedersen?“, hörte sie eine Stimme hinter sich sagen.

Malin wandte sich um und sah, dass ihr Cousin Jason Pedersen nervös an der Tür stand und wartete. Seine Mutter hatte ihn nach Minneapolis geschickt, als er nach fünf Jahren College keinen Job gefunden hatte. Bisher hatte er sie durch seine Fähigkeiten nicht sehr beeindruckt, aber er gab sich Mühe, und sie brauchte jemanden, der seinen Job ernst nahm. Jemanden, der an Thom Quinn kleben würde wie eine Klette.

„Jason, das ist Thom Quinn“, stellte Malin vor.

„Ich … ich weiß, wer Sie sind“, sagte Jason. „Ich habe Sie letztes Jahr bei einer Fan-Veranstaltung getroffen. Sie haben meinen Helm signiert.“

„Mr. Quinn, ich empfehle Ihnen wie gesagt, sich einen persönlichen Assistenten zu nehmen. Jemand, der rund um die Uhr für Sie da ist. Sie haben in Ihrem Haus bestimmt Platz für ihn. Natürlich wird der Club für Kost und Logis aufkommen.“

„Sie wollen, dass ich mit jemandem zusammenlebe?“, fragte Thom.

„Ja, das ist Grundvoraussetzung, wenn Sie im Team bleiben wollen“, entgegnete Malin. „Aber vielleicht sollten wir darüber mit Ihrem Agenten reden?“

„Nein“, erwiderte er. „Das geht klar.“

„Sie werden sein Gehalt bezahlen“, fügte Malin hinzu.

„Werde ich das?“

„Ja. Aufgrund der Vertragsbedingungen können wir Sie nicht zwingen, einen Assistenten einzustellen. Wir können Sie nur ermutigen, es selbst zu tun. Was ich hiermit ausdrücklich getan habe.“ Sie lehnte sich vor. „Bitte, Mr. Quinn, tun Sie es. Vertrauen Sie mir. Wenn Sie Ihren Job behalten wollen, sollten Sie meinen Vorschlag annehmen.“

Malin wartete. Wenn er das Angebot nicht annahm und gegen sie kämpfte, könnte es für beide ein schwieriger Sommer werden.

„Also gut“, sagte er schließlich. „Ich werde Jason ein Zimmer freimachen.“

Jason schnappte nach Luft. „Was? Ich?“

„Du wirst Thom Quinns neuer persönlicher Assistent“, erklärte Malin.

Jasons Augen weiteten sich. „Ich werde bei Tommy Quinn wohnen? Ich ziehe beim Biest ein?“

„Wir werden diesen Namen nicht mehr benutzen“, korrigierte Malin. „Von jetzt an ist er Mr. Quinn für dich.“

In diesem Moment kehrte Thoms Agent in den Raum zurück, sein Handy immer noch am Ohr. „Was ist passiert?“

„Ich habe gerade einen persönlichen Assistenten engagiert“, erklärte Thom locker. „Das ist Jason. Er wird mir helfen, mein Leben neu zu regeln und aus dem Schlamassel, in dem ich stecke, herauszukommen.“

Jacks Blick wanderte zwischen seinem Klienten und Jason hin und her. „Das ist alles?“

„Ja“, erwiderte Thom. „Er wird bei mir wohnen. Ich denke, dass das eine gute Idee ist. Jeff und Jake haben ebenfalls Assistenten, und sie sagen, das wäre großartig. Vielleicht kann er sich auch um meine Wäsche kümmern? Und mal den Kühlschrank saubermachen? Und es wird mir sicher gefallen, einen Work-Out-Partner zu haben.“ Er erhob sich und streckte Malin die Hand entgegen. „Wenn wir hier fertig sind, fahre ich jetzt nach Hause. Sie können Jason die Adresse geben und ihn mit seinen Sachen zu mir schicken.“

In dem Moment, als ihre Hände sich berührten, hatte Malin das Gefühl, einen Stromschlag zu bekommen. Thoms Hände waren stark, seine Finger lang und schlank. Als sie daran dachte, was diese Hände mit ihrem Körper anfangen könnten, erschauerte sie.

„Was ist mit Ihnen?“, murmelte er. „Woher werden Sie wissen, dass ich Ihren Auflagen tatsächlich entspreche?“

„Jason und ich werden täglich in Kontakt stehen, und er wird mir berichten, wie Sie sich benehmen. Es wird erwartet, dass Sie jeden Tag trainieren. Wir werden ein Programm zusammenstellen.“

„Also gut“, erwiderte Thom und ließ ihre Hand wieder los. Malin fragte sich, ob sie je wieder die Chance hätte, diesen Mann zu berühren.

Sie sah zu, wie er mit seinem Agenten den Raum verließ und ließ sich dann in ihren Lederstuhl zurückfallen.

Sie benahm sich wie einer dieser weiblichen Fans, die atemlos vor Aufregung waren, sobald sie einen attraktiven Eishockey-Spieler sahen. Das war ihr noch nie zuvor passiert. Warum gerade jetzt?

„Er ist so cool“, stieß Jason hervor. „Das Biest! Wieso mögt ihr diesen Mann nicht?“

Malin antwortete nicht. Sie hatte eher andere Sorgen. Wie konnte sie es verhindern, Thom Quinn zu sehr zu mögen?

Thom stand vor dem geöffneten Kühlschrank und begutachtete den Inhalt. Einige Packungen Hot-Dog-Würstchen, Saft, Mineralwasser und Bier. Während der Saison war es sehr viel einfacher, sich gesund zu ernähren, da die Mahlzeiten durch den Club von einem Caterer gestellt wurden.

„Kannst du kochen?“, fragte Thom. Er hatte Jason gleich bei seiner Ankunft das Du angeboten.

„Kochen?“ Jason eilte in die Küche. „Ich kann Pizza und Burger bestellen. Mann, dieses Haus ist so cool. Wer würde nicht gern in einem alten Feuerwehrhaus wohnen? War alles schon so, als du eingezogen bist?“

„Nein, ich habe es selbst renoviert.“ Thom griff nach zwei Bier und begann, im Kopf eine Einkaufsliste zu erstellen. McCrory und Pedersen hatten ihm eindeutig zu verstehen gegeben, dass er sich in den nächsten acht Wochen ruhig verhalten sollte, also würde er nicht in seinen Lieblingsrestaurants essen gehen. Jason war inzwischen in das große Fernsehzimmer gegangen, und als Thom ihm folgte, hatte er bereits den riesigen Flachbildschirm eingeschaltet und zappte durch die Kanäle. „Du bist alt genug, um ein Bier trinken zu können, oder?“, fragte Thom, bevor er ihm eine Flasche reichte.

„Ich bin zweiundzwanzig. Aber da das hier zu meiner Arbeitszeit zählt, sollte ich besser nicht trinken.“

Thom nahm ihm die Fernbedienung aus der Hand und schaltete den regionalen Sportsender ein. „Wir brauchen Lebensmittel. Könntest du zum Supermarkt fahren? Ich würde inzwischen eine Runde laufen.“

Jason schüttelte den Kopf. „Ich bin angewiesen worden, dich nicht allein zu lassen. Falls ich einkaufen soll, musst du schon mitkommen, und wenn du läufst, laufe ich mit. Das hat Malin mir aufgetragen, und ich werde mich daran halten. Ich soll wie eine Klette an dir kleben und dich auf keinen Fall aus den Augen lassen.“

„Also gut. Wir können uns ja auch eine Pizza bestellen“, murmelte Thom, der inzwischen auf der Couch Platz genommen hatte und die Beine ausstreckte. „Warum schaust du nicht nach, in welchem Zimmer du schlafen willst, und packst aus?“

„Das kann ich auch noch später. Ich würde gern noch eine Weile hier sitzen und mir die Sportnachrichten anschauen.“

„Ich werde mich schon nicht aus dem Haus schleichen, solange du oben bist.“

„Nein, nein“, meinte Jason. „Ich vertraue dir. Warum bestelle ich nicht die Pizza? Malin – ich meine, Miss Pedersen – hat mir für solche Fälle Bargeld gegeben.“

„Malin“, wiederholte Thom. „Du nennst sie Malin?“

„Nicht bei der Arbeit. Aber sie ist meine Cousine. Es wäre also seltsam, wenn ich sie auch außerhalb des Büros Miss Pedersen nennen würde.“

„Was hat sie dir denn sonst noch aufgetragen?“

Jason zuckte die Schultern. „Das eine oder andere.“

„Was zum Beispiel?“

„Sie sagte, dass ich dich nicht trinken lassen und dich von leichten Mädchen fernhalten soll. Ich soll jeden Tag mit dir trainieren, und für den Fall, dass ich dich dazu bringe, ein richtiges Buch zu lesen, hat sie mir einen Bonus versprochen.“

„Das alles erwartet sie von dir? Es muss hart sein, für sie zu arbeiten.“

„Nein, sie ist wirklich nett. Obwohl ich noch Fehler mache, gibt sie mir immer wieder eine Chance.“

„Was weißt du noch von ihr? Hat sie jemanden? Ich meine einen Mann oder einen Liebhaber?“ Er reichte Jason das Bier, und diesmal nahm der jüngere Mann es an und trank einen Schluck.

„Jemand hat mir erzählt, dass manchmal einer mit ihr zu den Spielen gekommen ist. Der hat aber in New York gewohnt. Da hat sie gelebt, bevor sie nach Minneapolis gezogen ist.“ Er zuckte die Schultern. „Ich habe sie allerdings nie mit einem Mann gesehen.“

„Was ist eigentlich ihr Job?“

„Social Media. Sie betreut die Team-Website und alle anderen sozialen Medien. Sie durchsucht Twitter, Facebook, Instagram und wie sie alle heißen, um Beiträge und Fotos aufzuspüren, die dem Image der Blizzards schaden könnten.“

„Ich bin nicht in sozialen Netzwerken unterwegs“, erklärte Thom.

„Ja, ich weiß, dabei wird wie verrückt über dich gepostet. Du meine Güte, ich wünschte, ich hätte dein Leben. So viele schöne Frauen. Vielleicht kannst du mir einen Rat geben?“

„Und wo wohnt sie?“, entgegnete Thom, ohne auf den Themenwechsel einzugehen.

„Malin? Sie hat ein Haus am Merriam Park. Ich bin nur ein paarmal dort gewesen. Und auch nur um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist, als sie verreist war. Ihr Haus ist nicht so wie deines. Es ist ganz normal.“

Thom ließ die wenigen Informationen auf sich wirken. Er war neugierig auf die Frau, die plötzlich so viel Macht über ihn hatte. Er hätte gern mehr gewusst, auch kleine Details über sie erfahren. Was aß sie zum Frühstück? Schlief sie in einem Pyjama oder nackt? Hatte sie …

Thom rief sich selbst zur Ordnung. Das war genau das Muster, das ihm in der Vergangenheit nur Ärger eingebracht hatte. Wenn einmal eine Frau sein Interesse geweckt hatte, konnte nichts ihn mehr aufhalten. Es spielte keine Rolle, wie lange er wartete oder was er tun musste, um sie ins Bett zu bekommen. Am Ende bekam er jede Frau.

Eine Stimme aus dem Fernseher riss ihn aus seinen Gedanken. „Man hört Gerüchte über einen Transfer bei den Blizzards. Es ist von Tommy Quinn, dem Biest, die Rede. Es wird getuschelt, dass Davis Pedersen, der Besitzer des Teams, nicht mit dem Verhalten seines besten Spielers außerhalb der Eissporthalle einverstanden ist. Wechselt Quinn wirklich den Club? Seine Fans werden nicht glücklich darüber sein. Wir werden später einen Exklusiv-Bericht darüber bringen.“

Thom starrte einen Moment auf den Bildschirm, dann fluchte er leise, stellte den Fernseher aus und warf die Fernbedienung auf den Couchtisch. „Sie sagte mir, es würde keinen Transfer geben“, murmelte er. Er erhob sich und schaute Jason an. „Was weißt du darüber?“

„Ich … ich … nichts. Sie sagen mir nicht alles. Ehrlich.“

„Komm. Ich möchte, dass du mir zeigst, wo sie wohnt. Miss Pedersen und ich haben etwas zu besprechen“, erklärte Thom und holte den Schlüssel seines Wagens aus der Hosentasche. Als Jason sich nicht rührte, sah er ihn fragend an. „Ist es nicht deine Aufgabe, mich zu begleiten?“

„Sie ist wahrscheinlich immer noch im Büro“, wich Jason aus.

„Dort werde ich auf keinen Fall mit ihr sprechen.“

„Du könntest sie anrufen“, schlug Jason vor und hielt ihm sein Handy entgegen.

Thom schüttelte den Kopf. „Nein, das muss von Angesicht zu Angesicht geschehen. Warum sollte sie mich anlügen? Ich meine, es war mir doch klar, dass ich transferiert werde. Und dann kommt sie plötzlich mit diesem Unsinn, mich wie einen Gefangenen einzuschließen und sich von jeder Bewegung, die ich mache, von dir berichten zu lassen. Was soll das?“

„Ich weiß es nicht“, gestand Jason. „Aber ich weiß, dass sie mich feuern wird, wenn ich dir verrate, wo sie wohnt. Können wir jetzt nicht einfach eine Pizza bestellen?“

„Nein“, entgegnete Thom schroff. „Ich will wissen, was los ist.“

Ohne auf Jason zu warten, erhob er sich, ging hinaus und stieg in den Wagen. Kaum hatte er den Schlüssel in die Zündung gesteckt, hörte Thom ein Klopfen. Jason stand vor der Beifahrertür.

Thom öffnete die Tür, und der jüngere Mann nahm neben ihm Platz. „Ich kann dir zeigen, wo sie parkt. Wir können dort auf sie warten. Sie verlässt ihr Büro immer um siebzehn Uhr. Wenn sie länger arbeiten muss, kommt sie nach dem Abendessen noch einmal zurück.“

„Um siebzehn Uhr“, wiederholte Thom. Die Fahrt würde nur wenige Minuten dauern, er hatte also noch Zeit, sich Gedanken zu machen, was er ihr sagen wollte.

Verdammt, er hätte es besser wissen müssen und ihr nicht vertrauen dürfen. Sie war nicht auf seiner Seite. Warum sollte sie auch? Sie war die Tochter des Besitzers. Natürlich ergriff sie Partei für ihren Vater. Aber eines war klar: Er würde kämpfen! Wenn er es wollte, konnte er es dem Club richtig schwer machen. So leicht ließ er sich nicht wegschicken.

Er wusste, dass er sich laut Vertrag an einen moralischen Verhaltenskodex halten sollte. Trotzdem hatte er neben seinen jugendlichen Straftaten eine lange Liste von Delikten vorzuweisen. Die Streitigkeiten und Raufereien mit Teamkollegen, Fans, Barkeepern, Chauffeuren und Hotelangestellten waren wohl die schlimmsten.

Frauen folgten an zweiter Stelle. Obwohl sie keine gesetzlichen Probleme bereiteten wie die Schlägereien, waren auch sie nicht gerade förderlich für seinen Ruf. Immer wieder entschied sich eine, ihre Geheimnisse um ihn im Internet zu verbreiten.

Bis vor Kurzem hatte Thom noch ganz gut mit Alkohol umgehen können. Aber seit einiger Zeit hatte er sich nicht mehr richtig unter Kontrolle. Früher hatte er getrunken, um sich zu entspannen. Doch jetzt schien das Trinken der einzige Weg zu sein, der ewigen Gedankenflut in seinem Kopf Einhalt zu gebieten und die Fragen, die damit auftauchten, abzustellen.

Das Leben war einmal ziemlich einfach für ihn gewesen. Er hatte Eishockey gespielt, und das besser als die meisten anderen in der Liga. Er hatte gut für sich und seine Familie sorgen können. Aber jetzt schien sein Leben mit jedem Jahr, das vorbeiging, komplizierter zu werden. Was würde er tun, wenn er nicht mehr Eishockey spielen konnte?

Thom hatte sich geschworen, dass er seine Karriere mit Würde beenden würde. Er hatte nie einer jener Spieler sein wollen, die nicht loslassen konnten und dem verlorenen Ruhm hinterherjagten. Er wollte gehen, wenn er auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen war. Aber wann war dieser Zeitpunkt gekommen, und was sollte er danach tun?

„Wir sind da“, bemerkte Jason und zeigte auf den Eingang des Parkhauses.

Thom bog in die Einfahrt, zog sich ein Ticket und fuhr einige Parkebenen hinauf. „Nach was für einem Wagen suchen wir eigentlich?“

„Sie fährt einen dunkelgrünen Audi. Normalerweise steht er auf der vierten Ebene.“

Thom entdeckte den Wagen und fuhr auf einen freien Parkplatz schräg gegenüber davon. Dann stellte er den Motor aus und trommelte nervös mit den Fingerspitzen gegen das Lenkrad. „Wie viel Uhr ist es?“

„Ein paar Minuten vor fünf. Sie kann jederzeit kommen.“ Jason rutschte im Beifahrersitz hinunter. „Was willst du ihr sagen?“

„Ich weiß es nicht“, gestand Thom. Die Fahrt hierher war zu kurz gewesen, um Ordnung in sein emotionales Chaos zu bringen.

„Meinst du nicht, es ist besser, wenn du darüber nachdenkst, bevor … Warte. Da kommt jemand.“

„Ist es Malin?“

„Ja, sie ist es.“

Sie sahen beide im Rückspiegel, wie Malin an ihnen vorbei zum Audi lief. Thom wollte die Tür öffnen, doch dann entschied er sich im letzten Moment dagegen. „Sie ist wunderschön“, murmelte er.

„Findest du?“, meinte Jason.

„Du etwa nicht?“

„Nun, sie ist meine Cousine, also betrachte ich sie anders. Außerdem bevorzuge ich Brünette.“

Malin stieg in den Wagen und setzte sich hinter das Lenkrad. Thom hielt den Atem an und wartete auf den richtigen Moment. Als sie rückwärts aus der Parklücke fuhr, wusste er, dass er handeln musste, aber etwas hielt ihn davon ab, aus seinem Wagen auszusteigen.

Dann erkannte er, was es war. Er wollte nicht, dass ihr zweites Treffen in einem Streit endete, und ganz sicher wollte er Jason nicht als Zuschauer haben.

„Sie fährt weg“, bemerkte Jason.

„Ja.“

„Ich verstehe das nicht. Jeder sagt, dass du so gut mit Frauen umgehen kannst und immer deinen Willen bekommst“, murmelte Jason.

„Das ist doch nur Gerede“, erwiderte Thom. „Meistens habe ich keine Ahnung, was in ihren Köpfen vor sich geht. Oder was ich tun soll.“ Er startete den Motor. „Weißt du was? Ich könnte jetzt einen Drink gebrauchen. Lass uns zu einer Bar fahren.“

„Ich soll nicht …“

„Jason, wenn du willst, dass wir gut miteinander auskommen, wirst du lernen müssen, Regeln zu brechen. Verstanden?“

2. KAPITEL

Malin konnte an diesem Abend nur schlecht einschlafen. Immer und immer wieder kehrte sie in Gedanken zu den Ereignissen des Tages zurück, und Fantasien über Thom Quinn schlichen sich ein.

Sie hatte sich noch nie für einen der Eishockeyspieler interessiert, und sie konnte sich diese plötzliche Anziehungskraft, die von Quinn ausging, nicht erklären. Egal wie man es betrachtete, der Mann war eine Katastrophe. Allerdings war er mit seinem gut geschnittenen Gesicht und dem perfekten Körper einer der attraktivsten Männer, die sie je kennengelernt hatte.

Nach ihrem Treffen war sie ins Büro gegangen und hatte im Internet nach Informationen gesucht, die sich nicht in seiner Akte befanden. Sie stieß auf viele Fotos, auf denen er mit nacktem Oberkörper zu sehen war, beruflich und privat, und auf eine nicht geringe Anzahl von Fotos, auf denen er mit Frauen abgebildet war. Besonders berührten sie die Fotos aus jüngeren Jahren, auf denen man ihn als hübschen Jungen mit zerzaustem Haar sah.

Sie wusste, dass Thom Quinn – im Gegensatz zu anderen Starspielern – erst im Alter von zwölf Jahren zum ersten Mal auf Schlittschuhen gestanden hatte. Er hatte das Spiel schnell gelernt, und sein Talent war schon bald erkennbar geworden. Eishockey bot ihm eine glückliche Alternative zu dem Leben auf der Straße, das er früher geführt hatte.

Auf dem Eis war Quinn selbstbewusst, kontrolliert und kompetent. Doch außerhalb der Eissporthallen schien er in seinem Leben keinen Halt zu haben. Malin wurde klar, dass in ihm immer noch das unangepasste, rebellierende Kind steckte. War sie die Einzige, die das sah?

Sie stöhnte leise und zog sich das Kissen über den Kopf. Das war verrückt. Der Mann würde wahrscheinlich bereits nächste Woche im Flugzeug nach Irgendwo sitzen. Warum machte sie sich so viele Gedanken über ihn?

Dann hörte sie gedämpft das Klingeln ihres Handys. Sie warf das Kissen auf den Boden, setzte sich auf und nahm das Gespräch entgegen, als sie Jasons Nummer sah.

„Hallo, Jason. Was ist …“

„Er ist verschwunden“, sagte ihr Cousin mit leicht schwankender Stimme. „Ich habe ihn nur für ein paar Minuten aus den Augen verloren und …“

„Seit wann ist er verschwunden?“

„Seit einundzwanzig Uhr. Ich dachte, er würde zurückkommen, wenn die Bar geschlossen ist, aber das ist jetzt eine Stunde her.“

„Du warst mit ihm in einer Bar?“

„Wir sind nur auf einen Drink dorthin gefahren, nachdem wir … Ach, das spielt keine Rolle. Ich habe versucht, es ihm auszureden, aber dann haben wir gewürfelt und Shots getrunken, und ich war ziemlich angetrunken.“

„Wo bist du jetzt?“

„In seinem Haus. Es tut mir so leid. Ich habe versucht, Nein zu sagen, aber gegen ihn kommt man einfach nicht an.“

„Also gut, bleib wo du bist. Ich bin in wenigen Minuten bei dir. Hast du versucht, ihn über das Handy zu erreichen?“

„Er nimmt nicht ab. Glaubst du, er hat einen Unfall gehabt?“

„Nein, nein! Warte, ich bin gleich da.“ Sie beendete das Gespräch und warf die Bettdecke zurück. Es hätte sie nicht überraschen sollen, dass Thom Quinn nicht länger als einen Tag gebraucht hatte, um erneut die Regeln zu brechen.

Sie lief ins Badezimmer, fuhr sich mit den Händen rasch durch das Haar, legte ein wenig Mascara und Lipgloss auf und zog sich eine Yogahose und ein Shirt an.

Zehn Minuten später parkte sie vor Thom Quinns Haus. Jason erwartete sie bereits an der Tür.

„Ich kann diesen Job nicht machen“, erklärte er und lief auf dem Gehweg hin und her. „Wie soll ich schlafen? Und was kann ich schon dagegen tun, wenn er ohne mich ausgehen will? Er könnte mir einen Kinnhaken verpassen und …“

„Und dich betrunken machen?“

„Genau! Ich denke, du hast die falsche Person für diese Aufgabe ausgesucht. Ich bin auf jeden Fall nicht der Richtige.“

„Vielleicht könnten wir eine Glocke um seinen Hals hängen“, murmelte sie, als sie durch die offene Haustür eintrat. Sie stellte ihre Handtasche auf einem Tisch ab und begann dann, das Haus zu erkunden. „Wow“, stieß sie überrascht hervor. „Dieses Haus ist …“

„Ich weiß“, bestätigte Jason. „Und er hat alles allein renoviert. Er ist mein Held. Wenn ich so etwas könnte, würde mein Vater große Stücke auf mich halten.“

„Jason, warum fährst du nicht nach Hause? Ich komme schon allein klar. Wahrscheinlich ist es sogar besser, wenn du gehst, bevor Thom nach Hause kommt.“

„Bin ich jetzt gefeuert?“, fragte Jason.

„Nein. Nur aus dieser Aufgabe entlassen. Ich habe nicht gedacht, dass dieser Job so schwierig werden könnte. Ich hätte es besser wissen müssen.“

„Tommy ist wütend, weil er in den Nachrichten gehört hat, dass er verkauft werden soll. Er meinte, du hättest ihn angelogen. Wird er denn wirklich verkauft?“

Sie zuckte die Schultern. „Wahrscheinlich. Aber ich kann ihm vielleicht helfen, wenn er kooperiert und ich noch ein paar Leute auf unsere Seite ziehen kann.“

„Warum tust du das?“

„Weil ich ihm helfen kann. Ich werde einen Weg finden, ihn nicht nur als Held auf dem Eis, sondern auch jenseits des Eises zu präsentieren. Und wenn ich erst Managerin des Clubs bin, werden sich alle Leute daran erinnern, dass ich Tommy, das Biest, für das Team gerettet habe.“

Jason lachte. „Du willst Managerin des Clubs werden? Das finde ich witzig.“

Sie warf ihm einen finsteren Blick zu und schüttelte den Kopf. „Vielleicht solltest du dir überlegen, was du zu mir sagst.“

„Entschuldige, ich bin schon draußen.“

„Kannst du fahren?“

Er nickte. „Es tut mir wirklich leid. Ich verspreche dir, dass ich es wiedergutmachen werde.“

Malin brachte Jason zur Haustür, schloss sie hinter ihm, lehnte sich gegen das Holz und atmete tief durch. Mit Jason als Puffer wäre es einfacher für sie gewesen, eine professionelle Distanz zu halten. Aber nachdem Thom bereits in weniger als vierundzwanzig Stunden ihre Abmachungen gebrochen hatte, war sie gezwungen, einzugreifen. Es war klar, dass er eine härtere Hand, eine stärkere Persönlichkeit brauchte.

Malin war nicht bereit, wegen dieses kleinen Zwischenfalls bereits die Flinte ins Korn zu werfen. Sie würde nicht aufgeben, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Sie würde das Biest zähmen oder bei dem Versuch umkommen.

Ihrem Vater ihr Können zu beweisen, war eine lebenslange Herausforderung. Ihre älteren Brüder hatten es einfacher. Eishockey war für sie immer wie die Luft zum Atmen gewesen. Sie hatten Eishockey gespielt, seit sie auf Schlittschuhen stehen konnten, und erst aufgehört, als sie mutig genug gewesen waren, ihren eigenen Weg zu gehen. Der älteste, Daniel, war jetzt ein bekannter Herzchirurg, und ihr anderer Bruder, Kristian, arbeitete als Anwalt für das Justizministerium der Vereinigten Staaten. Sie hatten kein Interesse daran, den Club zu leiten. Malin selbst hatte eine angesehene Anstellung in New York aufgegeben, als ihr Vater sie bat, ihm zu helfen. Sie hatte ohne zu zögern ihre Karriere aufgegeben, um ihre Chance, einmal den Club zu leiten, wahrzunehmen.

Sie ging zurück in die Küche und sah sich dabei in Thom Quinns Haus um. Es war sicher nicht das, was sie erwartet hatte. Die meisten der ledigen Eishockey-Spieler lebten in luxuriösen Penthouse-Wohnungen. Doch Thoms Haus zeigte seine künstlerische und handwerkliche Begabung. Er war offensichtlich sehr geschickt mit seinen Händen. Malin stöhnte. Wieder diese Hände. Sie schien an nichts anderes mehr denken zu können.

Sie versuchte, sich wieder auf die Gestaltung seines Hauses zu konzentrieren. Das Interieur wäre nie in einem der Hochglanz-Magazine erschienen, obwohl es das verdient hätte. Durch ihre Medienkontakte würde sie das allerdings in wenigen Wochen ändern können.

Malin ging langsam durch das alte Feuerwehrhaus, nahm alles in sich auf und versuchte, es durch die Augen eines Fotografen zu sehen.

Die Ziegelwände waren im ganzen Haus erhalten geblieben, und massive Holzbalken stützten die Wände. Sogar eine alte Schiebetür war restauriert worden und bildete jetzt einen originellen Blickfang.

Vor der offenen Schlafzimmertür blieb sie schließlich stehen und fragte sich, ob sie ihre Tour nicht hier beenden sollte. Zu viele Bilder, die wenig mit dem Dekor, aber viel mit Thom zu tun hatten, stiegen in ihr auf.

Der Raum war sehr weitläufig. Mittelpunkt war ein riesiges Bett, das an einer der Wände stand. Sie trat noch einige Schritte vor, sodass sie in das angrenzende Badezimmer schauen konnte. Es war vom Boden bis zur Decke aus dunkelgrauem Marmor und neben der Dusche noch mit einer Dampfsauna und einem Whirlpool ausgestattet. Ihre Neugierde siegte, und sie ging zu einem Glasregal hinüber, auf dem mehrere Fläschchen standen.

Sie nahm eines davon, schnupperte daran und nahm den Duft von Zitrus und Moschus wahr. Lächelnd stellte sie es wieder zurück.

„Sie sind die letzte Person, die ich hier erwartet hätte.“

Malin zuckte beim Klang von Thoms Stimme zusammen und wirbelte herum. Er hatte sich lässig gegen den Türrahmen gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt.

Malin hielt den Atem an, als er langsam auf sie zukam. „Jason hat Sie angerufen?“

Sie nickte. „Sie haben ihn betrunken gemacht.“

„Nein, das hat er allein getan.“ Thom hielt kurz inne. „Außerdem war er nicht der Richtige für diese Aufgabe. Er ist zu jung, zu leicht zu beeindrucken.“

„Sie haben ihn betrunken gemacht, um das zu beweisen?“

„Ich kann nicht mit ihm zusammenwohnen“, gab Thom zu. „Er ist wie ein anhänglicher Welpe. Ich brauche jemanden, der etwas interessanter und reifer ist.“

„Also gut. Ich werde eine Agentur anrufen und passende Kandidaten vorbeischicken.“

„Ich habe bereits eine passende Kandidatin“, meinte er. „Sie ist perfekt geeignet. Sehr interessant, äußerst diszipliniert und wunderschön anzusehen.“

„Sie wollen eine Frau?“

Ein jungenhaftes Lächeln trat auf sein Gesicht. „Ich will Sie.“ Er machte einen Schritt auf sie zu und ergriff ihre Hand. „Die Frage ist, wollen Sie mich?“

Sie zog scharf die Luft ein und versuchte, das wilde Schlagen ihres Herzens zu ignorieren. Das war verrückt. Aber es konnte auch eine großartige Chance sein. Wenn sie vierundzwanzig Stunden am Tag mit ihm zusammen war, konnte es ihr vielleicht gelingen, das Biest zu zähmen.

Aber machte er ihr das Angebot, weil er ihr helfen wollte? Oder war er an etwas anderem interessiert? Etwas, das nichts mit Geschäft und Eishockey zu tun hatte …

Trotzdem, sie musste diese Chance wahrnehmen.

„Falls ich mich bereiterkläre, diesen Job zu übernehmen, müssen Sie meinen Anweisungen folgen. Sie müssen mir vollkommen vertrauen.“

„Warum sollte ich Ihnen vertrauen, wenn Sie mir nicht die Wahrheit sagen?“, fragte er.

„Ich sagte Ihnen doch, das Team …“

„Das meinte ich nicht“, unterbrach er sie. „Aber sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ Er lehnte sich vor und sie hielt den Atem an. „Wollen Sie mich?“

„Sie vertrauen mir, wenn ich Ihnen die Wahrheit sage?“

Sein Mund war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, und Malin kämpfte gegen den Impuls an, ihn spontan zu küssen. „Ja“, hauchte sie.

Und dann tat er das, woran sie nur gedacht hatte. Er küsste sie. Zuerst strichen seine Lippen nur zart über ihre, aber dann zog er sie an sich, und Malin spürte, wie seine warme Zunge sanft in ihren Mund eindrang.

Malin hatte schon die unterschiedlichsten Männer geküsst, aber sie hatte noch nie einen so perfekten Kuss erlebt. Er war genau die richtige Mischung aus überwältigender Leidenschaft, Zärtlichkeit und unausgesprochenem Verlangen.

Als Thom sich schließlich zurückzog, konnte sie einen Seufzer nicht unterdrücken. Dieser Kuss war so gut gewesen, dass er nie hätte enden sollen.

„Nun?“

Sie öffnete die Augen und sah, dass er sie anschaute. Sein Gesicht war verschlossen, und seine Lippen bildeten eine harte Linie. Malin räusperte sich. „Das war … nett.“ Sie schluckte. „Ziemlich angenehm. Aber falls ich den Job übernehmen soll, ist Küssen verboten.“ Sie entzog ihm die Hand. „Das musst du mir versprechen.“

Er fuhr mit dem Finger leicht über ihre Wange. „Ich bin müde. Ich sollte jetzt schlafen gehen. Wir werden morgen früh über das Versprechen reden, das ich abgeben soll.“

Er rückte von ihr ab, zog im Gehen sein Shirt über den Kopf und warf es zur Seite. Malin folgte ihm ins Schlafzimmer. Sie blieb stehen, als er seine Jeans über die Hüften schob und seine Sneakers auszog. Als er nach dem Bund seiner Boxershorts griff, wandte sie sich schnell ab.

„Wenn wir zusammen wohnen wollen, solltest du dich daran gewöhnen“, erklärte er.

Woran soll ich mich gewöhnen? Sollte sie sich daran gewöhnen, ihn halbnackt oder gar nackt zu sehen? Oder daran, dass sie die Nacht in seinem Schlafzimmer verbrachte? Oder an den Gedanken, was passieren könnte, wenn sie ihm noch einmal erlauben würde, sie zu küssen? Sie war mit so vielen Fragen beschäftigt, dass sie ganz durcheinander war.

„Ich wünsche dir jetzt eine gute Nacht“, murmelte sie. „Wir sehen uns morgen früh.“ Sie riskierte einen letzten Blick und konnte ihn in seiner ganzen nackten Schönheit sehen, bevor er unter die Bettdecke schlüpfte.

Sie zog die Schlafzimmertür hinter sich zu und ging ins Wohnzimmer zurück. Dann blieb sie in dem nur spärlich beleuchteten Raum stehen und wartete darauf, dass ihr Herz wieder normal schlug und ihr Kopf klarer wurde.

Das letzte Bild von ihm hatte sich ihr eingebrannt – die breiten Schultern, die schmale Taille, der muskulöse Rücken, der knackige Hintern. Wow! Was für ein Mann! Dann schob sie das Bild entschlossen beiseite und ging zur Couch hinüber.

Als Thom am nächsten Morgen aufwachte, war Malin sein erster Gedanke, so wie sie gestern beim Einschlafen sein letzter gewesen war. Hinzu kam die erregende Gewissheit, dass sie sich in seinem Haus befand. So nahe, dass er nur ins Wohnzimmer gehen und sie in sein Bett hätte tragen müssen.

Frauen spielten eine besondere Rolle in seinem Leben, und zwar eine rein sexuelle. Er hatte über die Jahre eine Anzahl von Affären gehabt, aber sie hatten nie lange gedauert. Früher oder später wurde jeder Frau klar, dass er keine Absicht hatte, sich ihr emotional zu öffnen.

Echte Zuneigung hatte er in seiner Kindheit kaum erfahren, und er fand, dass er sie auch in seinem Erwachsenenleben nicht brauchte. Verlangen konnte auch ohne Romantik lichterloh brennen und befriedigt werden.

Vielleicht hatte Malin recht, wenn sie ihre Beziehung auf einer rein platonischen und geschäftlichen Ebene halten wollte. Er war unfähig, emotionale Nähe zuzulassen, und sie schien ihm nicht die Frau zu sein, die Sex ohne Nähe wollte.

Thom schlug die Decke zurück, griff nach einer Sweathose und zog sie an, bevor er das Schlafzimmer verließ. Im Wohnzimmer fand er Malin schlafend auf der Couch vor.

Er hockte sich neben sie und nahm die Gelegenheit wahr, ihr Gesicht zu betrachten. Im Schlaf sah sie wie ein Teenager aus, jung und frisch, mit ein paar Sommersprossen auf der hübschen Nase.

Er spürte den Impuls, sie besitzen zu wollen, sie zu streicheln und zu verführen, zu beweisen, dass auch sie ihn begehrte. Als Thom sanft ihr blondes Haar berührte, bewegte sie sich leicht, und er erhob sich rasch und ging in die Küche. Er stellte die Kaffeemaschine an und bereitete das Frühstück zu. Zwischendurch betrachtete er Malin aus der Entfernung. Sie hatten einen ganzen Tag vor sich. Wie würde er enden? Würden sie sich erneut küssen, oder würde sie seinen Fantasien rasch ein Ende setzen?

Als der Kaffee fertig war, goss er ihn in zwei Becher und trug sie dann zur Couch hinüber. Er setzte sich neben Malin und hielt ihr einen Becher vor die Nase. Sie regte sich und schlug dann langsam die Augen auf.

„Guten Morgen“, begrüßte er sie und zeigte ihr den dampfenden Becher. Malin rieb sich die Augen und setzte sich langsam auf. Instinktiv fuhr sie mit den Händen durch ihr zerzaustes Haar, bevor sie ihm den Kaffee mit einem nervösen Lächeln aus der Hand nahm. „Wie viel Uhr ist es?“

„Noch früh. Sieben Uhr dreißig.“

„Ich bin eingeschlafen“, murmelte sie.

„Ich hatte erwartet, dich eingerollt vor der Tür zu finden.“

Sie lächelte. „Ich bin es nicht gewohnt, spät schlafen zu gehen. Normalerweise bin ich um zehn im Bett.“

„Du bist wohl kein Partygirl?“

„Ich war einmal eines“, erklärte sie mit einem Anklang von Nostalgie in der Stimme. „Als ich in New York gelebt habe, sind wir oft ausgegangen. Aber hier habe ich nicht mehr viele Freunde. Die von früher sind bereits verheiratet und haben Kinder.“

„Bei mir ist es dasselbe“, erwiderte er mit einem Schulterzucken.

Ein Schweigen entstand, und sie trank in kleinen Schlucken den Kaffee. „Und … und was machst du dagegen? Ich meine, wie kommst du damit zurecht, wenn du … wenn du allein bist? Du hast Familie, nicht wahr?“

Thom schüttelte den Kopf. „Die habe ich zwar, aber wir sehen uns nicht oft. Meine Brüder kommen hin und wieder zu den Spielen. Und wir treffen uns an Sonntagen und an den Feiertagen bei meiner Großmutter.“ Er atmete tief durch. „Ich glaube, es ist besser allein zu sein. Dann gibt es weniger Komplikationen.“

„Manchmal können Komplikationen aber auch ganz nett sein“, erwiderte sie leise.

Thom hatte sich noch nie gut dabei gefühlt, seine tiefsten Gefühle auszudrücken, und dieser Moment war da keine Ausnahme. Aber er wollte es noch einmal versuchen, denn er wünschte sich, dass sie ihn verstand. Irgendwie war es wichtig für ihn, dass Malin wusste, wer er war. Aber er hatte auch Angst, dass sie ihn für verkorkst hielt, wenn er noch mehr von sich preisgeben würde.

Er stand auf und rieb sich die Hände. „So, das Frühstück ist fast fertig. Ich weiß nicht, wann du ins Büro musst, aber …“

„Ich muss nicht ins Büro“, warf Malin ein. „Ich kann überall arbeiten. Alles was ich brauche, ist eine Internetverbindung. Aber ich würde gerne kurz nach Hause fahren und mir ein paar Kleidungsstücke und meine Zahnbürste holen.“

„Und ich muss trainieren.“

„Und wir sollten uns einen Plan machen, wie wir vorgehen“, fügte Malin hinzu.

„Warum machst du das eigentlich ?“, fragte Thom und sah sie fragend an.

„Ich dachte, ich hätte es dir schon erklärt. Weil die Fans dich lieben. Du gehörst hierher, nach Minneapolis.“

„Dein Vater ist da anderer Meinung.“

„Er ist stur und ein Kontrollfreak, aber ich bin sicher, dass er seine Meinung ändern wird, wenn er sieht, dass du dich benehmen kannst.“

„Und du wirst dafür sorgen, dass ich mich benehme.“

Malin nickte. „Ich habe da ein paar Ideen.“

„Und du bist sicher, dass sie nur funktionieren, wenn du hier bei mir wohnst?“

Sie überlegte. „Ja, das wäre ratsam. Zumindest bis ich … dich besser kenne.“

„Bis du mir glaubst, dass ich auch eine gute Seite habe?“

„Ja“, gab sie zu, hob ihr Kinn und erwiderte seinen Blick. „Ich will dir helfen, und ich denke, ich kann es auch. Vertraust du mir?“ Doch sie bekam keine Antwort, denn er starrte sie wie gebannt an. „Was ist los?“

„Gott, bist du schön“, flüsterte er.

„Ich wette, du sagst das zu jeder Frau“, zog sie ihn auf.

Thom schüttelte den Kopf. „Ich habe es zwar schon mal gesagt, aber ich habe es noch nie so gemeint wie … wie jetzt.“

Nach diesem Geständnis schien es nur allzu natürlich zu sein, dass er sie küssen würde, aber er wollte auch, dass sie ihm vertraute.

„Da wir zusammenwohnen werden, sollten wir vielleicht noch ein wenig die Spannung mildern“, schlug er vor.

„Wahrscheinlich hast du recht“, hauchte sie.

Er rückte ganz langsam näher, um ihr die Chance zu geben, Nein zu sagen. Als ihr Gesichtsausdruck weiterhin offen und erwartungsvoll blieb, beugte er sich über sie. „Ach, zum Teufel, warum nicht?“, murmelte er.

Thom strich sanft mit seinen Lippen über ihre, und Malin reagierte sofort. Sie legte die Hände um seinen Nacken, und prickelnde Erregung strömte durch seinen Körper. Nie zuvor hatten ein Kuss und eine Berührung seine Sinne so aufgepeitscht.

Der Kuss wirkte wie ein Zauber, mit dem jede Hemmung verschwand. Das hier war das, was er immer gewollt hatte – obwohl er bisher nicht einmal gewusst hatte, dass so etwas überhaupt existierte. Malin drängte sich ihm entgegen und presste sich gegen ihn. Thom wusste nicht, was gerade zwischen ihnen geschah, aber es war wunderbar aufregend und warm und neu.

Als er sich schließlich zurückzog, glitt sein Blick über ihr schönes Gesicht. Sie schlug langsam die Augen auf und sah ihn erstaunt, fast ungläubig an. Auch sie musste gespürt haben, dass gerade etwas Besonderes mit ihnen geschehen war.

Thom lächelte entschuldigend und küsste sie noch einmal sanft auf den Mund. Dann erhob er sich. „Das Frühstück ist gleich fertig“, erklärte er und ging zur Küche. So eine Frau wie Malin hatte er noch nie getroffen. Er würde auf sich aufpassen müssen.

„Kann ich helfen?“, rief Malin ihm nach, fuhr sich mit den Händen durchs Haar und folgte ihm. Etwas Alltägliches zu tun, würde ihr helfen, schneller aus ihrem Gefühlschaos herauszukommen. Sie würde sich ab jetzt zusammenreißen müssen. Das hier war Arbeit, kein Vergnügen.

„Du kannst den Saft aus dem Kühlschrank holen“, erklärte er, während er Haferbrei in zwei kleine Schüsseln füllte. „Und die Blaubeeren.“

Als er sich schließlich zu ihr setzte, stellte er eine Schüssel vor sie auf die Küchentheke und gab noch Blaubeeren und Honig hinzu.

„Das ist gesund“, erklärte er, als er sah, wie sie das Gesicht verzog. „Das esse ich jeden Tag.“

„Es sieht aus wie Kleister“, meinte sie.

„Was isst du denn normalerweise zum Frühstück?“

„Ich ziehe mir normalerweise irgendeinen Schokoriegel aus dem Automaten“, gab sie zu.

Er stand wieder auf, holte den Lachs aus dem Backofen, den er vorhin hineingeschoben hatte, und stellte ihn ebenfalls auf die Theke. „Glaube mir, du wirst dieses Frühstück lieben.“

„Du isst Fisch zum Frühstück?“, fragte sie erstaunt.

„Oder Hühnchen. Man sollte auch Proteine zu sich nehmen.“ Er lachte leise. „Ich hoffe, du genießt es. Es ist das Einzige, was ich zubereiten kann.“

Malin lächelte und probierte den Haferbrei. „Das schmeckt gut“, gab sie zu. „Wirklich. Und Lachs liebe ich. Ich habe ihn nur noch nie zum Frühstück gegessen.“

Thom setzte sich neben sie und begann, seinen Brei zu essen. Er hatte sich immer gefragt, wie es wäre, wenn es eine Frau in seinem Leben gäbe. Wie es wäre, mit ihr gemeinsam die Mahlzeiten einzunehmen, mit ihr – auch außerhalb des Schlafzimmers – Zeit zu verbringen. Thom musste zugeben, dass es eine angenehme Erfahrung war, das Frühstück für Malin zuzubereiten und mit ihr gemeinsam zu essen.

Er hatte nicht eingesehen, warum er einen persönlichen Assistenten brauchte, aber jetzt, da Malin diese Aufgabe übernommen hatte, würde er jeden Moment genießen.

3. KAPITEL

„Ich bin nicht daran interessiert, Muskeln aufzubauen.“ Malin starrte auf die Hanteln und schüttelte den Kopf. „Als ich mich einverstanden erklärt habe, mit dir zu trainieren, habe ich an das Laufband und an ein paar Dehnübungen gedacht.“

Als Thom nach dem Frühstück erklärt hatte, dass er trainieren wollte, war sie ihm in den ersten Stock gefolgt und hatte sich in einem riesigen Trainingsraum wiedergefunden. Eine ganze Front bestand aus Fenstern, die den Holzboden und die hochmodernen Trainingsgeräte in Sonnenlicht badeten.

Thom lachte. „Ach, komm schon. Erzähl mir nicht, dass du eine von denen bist.“

Malin spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. „Eine von welchen?“

„Eine von diesen Frauen, die nicht schwitzen wollen.“

„Ich … ich kann schwitzen.“ Allerdings war sie weder eine leidenschaftliche Sportlerin, noch liebte sie hartes Training. „Ich gehe zwei oder dreimal in der Woche zum Yoga.“

„Das hat nichts mit Sport zu tun. Da posiert man nur in hübschen Outfits. Du musst deinen Puls beschleunigen, um Kalorien zu verbrennen“, erklärte Thom.

„Findest du, dass ich zu dick bin?“

Er hielt eine Hand hoch. „Hey, hey. Das habe ich nicht gesagt.“

„Nein, aber beantworte bitte meine Frage. Ich möchte, dass du ehrlich bist.“ Sie schaute an sich herunter und strich sich mit den Händen über die Hüften. „Bin ich zu dick?“

Er schaute sie lange an und schüttelte dann den Kopf. Schließlich zuckte ein Lächeln um seinen Mund und er ging langsam auf sie zu. „Ob du zu dick bist? Hmm. Dreh dich bitte mal um.“

Malin stöhnte innerlich. Spielte er mit ihr? Aber sie drehte sich um und wartete auf sein Urteil. Als seine Hände ihre Taille umfassten, stockte ihr der Atem, und als sie sanft über ihre Hüften und dann über ihren Po glitten, stieß sie einen Seufzer aus.

Schließlich drehte sie sich langsam um und versuchte, so gelassen wie möglich auszusehen. „Und?“

„Ich bin noch nicht mit meiner Überprüfung fertig“, zog er sie auf und fuhr mit den Händen wieder an ihrem Körper hinauf, bis seine Daumen den unteren Ansatz ihrer Brüste berührten. Malins Herz begann zu rasen. Würde er noch weiter gehen?

„Du bist perfekt“, erklärte er. „Einfach perfekt.“ Mit diesen Worten entfernte Thom sich von ihr, ergriff zwei Hanteln und begann, zu trainieren, wobei er sich im Spiegel beobachtete.

Malin ging zum Laufband hinüber. Ihr ganzer Körper prickelte noch von Thoms Berührungen. Und wem wollte sie etwas vormachen? Sie konnte ja noch nicht einmal einen klaren Gedanken fassen, wenn er auch nur in ihrer Nähe war. Sie musste sich unbedingt ablenken, und etwas Bewegung würde ihr guttun.

„Konzentrier dich“, murmelte sie, als sie versuchte, das Laufband anzustellen.

Sie drückte auf verschiedene Knöpfe, und das Display leuchtete auf, aber das Band bewegte sich nicht. Dann entdeckte sie den Hauptknopf und betätigte ihn.

Malin schrie auf, als das Band sich abrupt und viel zu schnell bewegte und sie nach hinten geschleudert wurde. Sie stürzte zu Boden, und ihr Kopf schlug dabei gegen eine Hantelbank. Sie schrie erneut auf, als ein stechender Schmerz sie durchfuhr.

Thom war sofort an ihrer Seite. „Ist alles in Ordnung?“

Stöhnend stützte sie sich auf den Ellbogen und berührte mit der Hand ihren Kopf. „Ich … ich bin ausgerutscht.“

Er ging zum Laufband hinüber und schaute aufs Display. „Du hast die Laufgeschwindigkeit auf fünf Meilen pro Minute eingestellt.“

„Ehrlich? Das war wohl ein Fehler!“ Sie spürte, wie ihre Fingerspitzen feucht wurden, und schaute auf die Hand – Blut. Der Raum schien plötzlich auf sie einzustürzen, und Malin spürte, dass sie ohnmächtig werden würde. Der Anblick von Blut war schon immer ihre … Achillesferse … gewesen …

Sie wusste nicht, wie lange sie bewusstlos gewesen war, als sie wieder die Augen öffnete. Thom kniete neben ihr und schaute sie besorgt an.

„Hey, geht es wieder?“, murmelte er.

Er half ihr, sich aufzusetzen, und legte ihr dann ein feuchtes Handtuch an den Hinterkopf.

Malin zuckte zusammen. „Entschuldige. Ich kann den Anblick von Blut nicht vertragen.“

„Ist dir schwindlig?“

„Nein“, erklärte sie. „Ich fühle mich nur etwas schwach.“

„Kannst du aufstehen?“

„Ich …“

Er gab ihr keine Chance, es zu versuchen. Stattdessen hob Thom sie auf die Arme und ging mit ihr die Treppe hinunter. Obwohl sie sich so schwer wie ein Sack Kartoffeln fühlte, trug er sie, als ob sie fast nichts wiegen würde.

Er hielt nicht bei der Couch im Wohnzimmer an, sondern brachte sie sofort in sein Schlafzimmer und legte sie dort auf das Bett. „Bleib, wo du bist, und beweg dich nicht.“

Malin nahm das Handtuch von ihrem Hinterkopf und war erstaunt, wie rot es war. Sie schloss die Augen und kämpfte erneut gegen Schwindelgefühle, als Thom bereits wieder an ihrer Seite war.

Er hatte einen Waschlappen mitgebracht und drückte ihn nun sanft gegen ihre Kopfwunde.

„Entschuldige, dass ich dir solche Umstände mache“, sagte sie leise.

„Du kannst einem ganz schön Angst einjagen“, gab er zu.

„Blute ich noch?“

„Nein, aber die Wunde muss wahrscheinlich genäht werden.“ Er schaute sich um und entdeckte sein Handy auf dem Nachttisch. Nachdem er eine Nummer eingegeben hatte, verließ er den Raum, um das Gespräch zu führen.

Malin versuchte zu verstehen, was er sagte, aber die Anstrengung war zu viel für sie. Schließlich legte sie sich in die Kissen zurück, den Waschlappen gegen die Wunde gepresst.

„Schlaf nicht ein!“

Malin öffnete die Augen. „Ich … ich habe nicht geschlafen.“

„Falls du eine Gehirnerschütterung hast, solltest du …“

„Ich habe keine Gehirnerschütterung“, erklärte sie. „Ich habe mir nur den Kopf aufgeschlagen.“

„Das weiß man nicht. Du bist sogar bewusstlos gewesen.“

„Weil ich Blut gesehen habe, nicht wegen der Verletzung“, korrigierte Malin.

„Ich habe Drew angerufen, und bis er dich durchgecheckt hat, solltest du nicht einschlafen.“

Sie sah ihn fassungslos an. „Du hast den Teamarzt angerufen?“

Er nickte. „Klar, er ist Spezialist in solchen Dingen. Er muss uns ja dauernd verarzten.“ Dann verstand er, worauf sie hinauswollte. „Mach dir keine Sorgen, dieser Mann hält absolut dicht. Man kann ihm wirklich vertrauen. Ich lege meine Hand für ihn ins Feuer. Er wird nichts erzählen.“

Malin hatte trotzdem ihre Bedenken, aber sie fühlte sich im Moment viel zu schwach, um zu widersprechen.

Thom kam zu ihr ins Bett und sah sich ihre Wunde an. „Kopfverletzungen bluten immer stark. Mach dir keine Sorgen. Drew wird gleich hier sein, und dann wissen wir mehr.“

Drew kam, reinigte und nähte die Wunde und verschwand wieder. Es gäbe keinen Grund zur Aufregung, hatte er Thom beim Abschied gesagt. Es sähe nicht nach einer Gehirnerschütterung aus, aber etwas Ruhe könne nicht schaden.

Thom kehrte mit einem Lächeln ins Schlafzimmer zurück, nachdem er den Arzt zur Tür begleitet hatte. „Drew meint, du solltest dich ausruhen. Entspann dich also. Schlaf, sieh ein wenig fern. Ich werde uns etwas zu essen holen und …“

„Ich kann nicht hierbleiben“, erwiderte sie. „Das ist dein Bett.“

„Für heute ist es deines.“

„Mit mir ist alles in Ordnung. Drew meinte, ich hätte wahrscheinlich keine Gehirnerschütterung.“

„Er sagte auch, dass wir auf Nummer sicher gehen und dass du dich heute ausruhen sollst. Also, was kann ich dir bringen?“

„Einen Tee. Mit etwas Honig, bitte.“

„Ich denke, das ist machbar.“

Thom ging in die Küche. Er wusste, dass er von seiner letzten Erkältung noch ein paar Teebeutel übrig hatte. Er bereitete den Tee zu und gab den Honig hinein. Als er Malin den Becher brachte, saß sie im Bett und hatte ihre Aufmerksamkeit auf ihr iPad gerichtet. „Hast du viel Arbeit?“, fragte er.

„Es geht so“, erwiderte sie und nahm den Becher entgegen. „Jetzt, da die Saison vorbei ist, posten die meisten Spieler etwas über ihre Sommerpläne in den sozialen Medien.“

Die meisten seiner Kollegen waren nach Hause in ihre Heimatländer gefahren. Thoms Pläne waren immer gleich. Entweder er verbrachte den Sommer in seiner Hütte am Mille Lacs Lake, oder er war mit Renovierungsarbeiten an seinem alten Feuerwehrhaus beschäftigt. Doch da seine Zukunft ungewiss war, konnte er nicht sicher sein, was ihn in diesem Sommer erwartete.

„Willst du nicht ein wenig schlafen?“

„Ich denke, wir sollten reden“, schlug Malin vor und forderte ihn mit einer Handbewegung auf, auf dem Bett Platz zu nehmen.

Thom setzte sich ans Bettende und streckte seine Beine aus. „Ist das so okay für dich?“

Malin nickte. „Ich sehe Möglichkeiten für dich. Der Club wird die Trennung von dir erst bekannt geben, wenn ein Transfer ausgehandelt ist. Das bedeutet, wir können dein Image in der Öffentlichkeit noch verändern.“

„Und wie soll dieses neue Image aussehen?“

„Du könntest damit beginnen, freundlicher zu sein. Etwas umgänglicher. Wir werden mit deinem Äußeren beginnen.“

„Oh, nein“, stieß Thom hervor.

„Nicht viel, du brauchst nur einen guten Haarschnitt, und du solltest beginnen, dich täglich zu rasieren. Der ungehobelte Look muss zumindest den Sommer über verschwinden. Und wir werden dir ein paar neue Kleidungsstücke besorgen.“

„Ich habe genug Kleidung.“

„Geh zu deinem Schrank“, befahl sie.

Thom folgte ihrer Anweisung, lief zu seinem begehbaren Kleiderschrank hinüber und öffnete die Tür. „Und?“

„Finde etwas, was nicht grau oder schwarz ist.“

„Ich liebe Grau und Schwarz.“

„Aber wenn du dich so anziehst, wirkst du zu düster. Fast unheimlich.“

„Ich bin Tommy, das Biest. Da sieht man so aus.“

„Nicht mehr. Das Biest ist tot“, erklärte Malin. „Du bist ab jetzt Thom Quinn, ein sympathischer Mann. Ein Mann, den jede Frau heiraten will und den jedes andere männliche Wesen sich als Freund wünscht.“

„Das hört sich an, als ob du aus mir so einen idiotischen Waschlappen machen willst“, knurrte Thom.

Malin ignorierte seine Bemerkung. „Ich habe für morgen einen Termin in einem Friseursalon gemacht, und eine befreundete Stylistin wird dir ein paar Kleidungsstücke zum Anprobieren bringen. Danach lassen wir dich laufen.“

„Wie meinst du das?“

„Du wirst dich in der Stadt zeigen, Events besuchen, lächeln und dich fotografieren lassen. Die Fotos werden in den sozialen Medien erscheinen. Und wir werden sie überall verbreiten. Die Leute werden sagen, was du doch für ein netter Mensch bist und wie sehr sie dich lieben, und voilà – du wirst zu einem anderen Mann.“

„Aber das bin nicht ich“, erwiderte er.

„Das spielt keine Rolle“, meinte Malin. „Glaubst du wirklich, die Leute wüssten, wer du bist?“

Thom stöhnte, während er sich wieder auf dem Bett ausstreckte und sich ein Kissen über das Gesicht zog. „Vielleicht hilft es, wenn ich einfach hierbleibe.“

Sie rutschte neben ihn und zog ihm das Kissen weg. „Versuche, eine positive Haltung einzunehmen“, riet sie ihm.

Das war etwas, was sein Bruder Tris in dieser Situation gesagt hätte. Thom musste lächeln – wegen des ernsten Ausdruckes auf ihrem Gesicht und weil sie so davon überzeugt war, dass sie aus ihm tatsächlich einen anderen Mann würde machen können. War ihr überhaupt klar, was für eine schwierige Aufgabe sie übernommen hatte? Unwillkürlich legte Thom eine Hand an ihre Wange.

In dem Moment, als er sie berührte, erwachte in ihm der Wunsch nach mehr. Er wollte sie küssen, ihren schlanken, biegsamen Körper an sich ziehen. Thom wusste, dass er die Finger von ihr lassen sollte, aber die knisternde Leidenschaft zwischen ihnen schenkte ihm ein Gefühl von Richtigkeit und Klarheit, das er seit Langem nicht mehr gehabt hatte.

Er schlang einen Arm um ihre Taille und zog sie näher. So nah, dass er die Wärme ihres Körpers spürte. „Wir sollten das besser nicht tun“, flüsterte er.

„Ich habe keine Gehirnerschütterung“, erwiderte sie. „Ich bin in vollem Besitz meiner geistigen und körperlichen Kräfte.“ Sie runzelte die Stirn. „Was sage ich da? Meine Wortwahl ist seltsam.“ Malin legte eine Pause ein. „Vielleicht habe ich doch eine Gehirnerschütterung.“

Er lachte leise und hauchte einen Kuss auf ihren Mund. „Der Arzt meinte, du hättest keine.“

„Es gibt also keinen Grund, es nicht zu tun?“, fragte sie.

„Es gibt Millionen von Gründen“, warf Thom ein.

„Was wäre, wenn wir einen guten Grund fänden, es fortzusetzen?“ Malin sah ihn erwartungsvoll an.

„Oh, den habe ich schon.“

„Und der wäre?“

Thom war es nicht gewohnt, über Sex zu reden, und der Gedanke, sein Verlangen in Worte fassen zu müssen, war ihm nicht gerade angenehm. Das überließ er lieber Schriftstellern und Songwritern.

„Erzähl schon“, flüsterte sie.

„Weil es nahezu perfekt wäre“, gestand er.

„Wie meinst du das?“

„Wegen dir“, erklärte er. „Du bist ein Traum für mich, Miss Pedersen, weit jenseits meiner Liga.“

Malin schaute ihn einen Moment lang an, drückte ihn dann aufs Bett und setzte sich rittlings auf seine Taille. Thom hielt den Atem an und fragte sich, was sie als Nächstes vorhatte.

Sie drängte ihn, noch einmal seinen Oberkörper anzuheben, zog ihm mit seiner Hilfe das T-Shirt aus und warf es auf den Boden. Malin ließ keine Zweifel an ihrer Absicht, denn als Nächstes landete ihr eigenes T-Shirt auf seinem.

Thom war schon mit vielen verschiedenen Frauen zusammen gewesen, aber er konnte sich nicht daran erinnern, jemals so nervös gewesen zu sein. In der Vergangenheit war es immer nur um Lust und Entspannung gegangen. Außer der körperlichen Anziehung waren nie Gefühle mit im Spiel gewesen.

Aber seit jenem Moment, als er Malin in diesem Konferenzraum zum ersten Mal gesehen hatte, hatte sie ihn in ihren Bann gezogen. War er nur so von ihr fasziniert, weil eine Affäre mit ihr gefährlich werden konnte? Falls es jemand herausfand, würde das für ihn definitiv das Ende bei den Blizzards bedeuten. Oder war da noch etwas anderes, dessen er sich noch nicht bewusst war?

Unter dem Top trug sie einen weißen Spitzen-BH. Thom betrachtete fasziniert die sanfte Wölbung ihrer Brüste. Er wünschte sich, jedes Detail ihres Körpers zu erkunden und seine Schönheit in sich aufzunehmen. Zum ersten Mal wollte er es langsam angehen und jeden Moment ihres Zusammenseins genießen.

Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis sie beide ausgezogen waren, und doch hätte er es sich nicht anders vorstellen können. Es war aufregend, sich gegenseitig zu entdecken. Ihr schlanker Körper reagierte auf jede seiner Berührungen, und ihre helle Haut fühlte sich unter seinen Fingerspitzen an wie Seide.

Als sie nackt war, drückte er sie sanft auf das Bett und betrachtete ihren Körper. Er strich mit dem Finger über ihre Unterlippe und fuhr dann über ihren Hals bis zu ihren hoch aufgerichteten Brustknospen hinunter.

Als Malin leise aufstöhnte und sich ihm entgegenbog, beugte er sich über sie und begann, mit Mund und Zunge ihre Nippel zu verwöhnen. Als sie spontan sein erregtes Glied umfasste, war die Lust so intensiv, dass er fast kam und er all seine Willenskraft aufbringen musste, um wieder die Kontrolle über sich zu gewinnen. So etwas war ihm noch nie passiert, aber bisher war er auch immer sehr konzentriert gewesen, wenn es um Sex gegangen war. Mit Malin war alles anders. Er wusste selbst nicht, was als Nächstes kommen und wohin das alles führen würde.

Er rückte ein wenig von ihr ab. „Bist du dir auch ganz sicher?“, flüsterte er und schaute ihr in die Augen.

Sie nickte und küsste ihn voller Hingabe. „Du auch?“, fragte sie schließlich atemlos.

Verdammt, natürlich war er bereit, aber er konnte kein Wort herausbringen. Vielleicht war das die einzige Chance, die er je mit Malin haben würde. Und er wollte diese Gelegenheit nutzen. Doch vielleicht hatte sie Erwartungen? Wahrscheinlich hatte sie gehört, wie die Frauen ihm nachliefen. Vielleicht erwartete sie, dass er so etwas wie ein Sexgott war. Hinzukam, dass der Arzt zwar gemeint hatte, sie könne nach etwas Ruhe ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen, aber dabei hatte er sicherlich nicht an Sex gedacht. Wenn sie Sex miteinander haben würden – was sicherlich irgendwann geschah –, wollte er, dass sie beide es unbeschwert genießen und die Grenzen der bisher erlebten Lust sprengen würden.

„Ich denke, wir sollten aufhören“, meinte Thom.

„Aufhören? Aber warum?“

„Drew meinte, du sollst es langsam angehen lassen. Und wir beide zusammen könnten … nun, vielleicht wäre es heute zu viel für dich. Schließlich hast du eine Kopfwunde.“

„Wir sind bereits nackt“, warf sie ein.

„Vielleicht könntest du mir ja deine Tattoos zeigen und ich dir meine Narben, die ich mir beim Eishockey zugezogen habe?“

„Ich habe keine Tattoos“, erwiderte Malin.

Thom rollte von ihr herunter und griff nach einem Kugelschreiber, der auf dem Nachttisch lag. „Ich könnte dir eines machen“, schlug er vor. „Was würde dir gefallen, und wo willst du es haben?“

Malin schien zuerst durch den schnellen Themenwechsel verwirrt, doch dann zog sie die Stirn kraus. „Lass mich darüber nachdenken“, murmelte sie schließlich. „Warum beginnst du nicht mit deinen Narben?“ Sie setzte sich auf, zog die Decke über den Schoß und strich sich das Haar aus dem Gesicht. „Los. Fang an.“

Er erhob sich, zog sie mit sich aus dem Bett und ging mit ihr zu einem großen Spiegel hinüber. Als er sie beide nackt dastehen sah, wurde Thom plötzlich etwas klar. Und zwar so klar, wie ihm in seinem ganzen Leben noch nie etwas gewesen war.

Dies war die Frau, auf die er gewartet hatte. Obwohl ihm bis zu diesem Moment noch nicht einmal bewusst gewesen war, dass er überhaupt auf jemand gewartet hatte.

Das war wahrscheinlich der seltsamste Tag, den Malin je mit einem Mann verbracht hatte. In dem Moment, als sie sich im Bett berührt hatten, war sie sicher gewesen, dass sie ihre Hemmungen verlieren und wilden, leidenschaftlichen Sex haben würden. Sie war bereit dafür gewesen. Um ehrlich zu sein, war sie überzeugt davon gewesen, dass es nicht anders kommen konnte.

Doch dann begannen sie zu reden und schienen nicht mehr aufhören zu können. Ihre Nacktheit und die Bereitschaft, sich dem anderen hinzugeben, hatten eine Offenheit hervorgerufen, die zu verrückten Bekenntnissen geführt hatte.

Er hatte ihr gestanden, dass er früher gestohlen hatte, um seine Familie zu ernähren. Und dass er am ersten Tag im Heim so viel Angst gehabt hatte, dass er sich in den Schlaf weinte. Und dass noch heute jedes Mal kurz vor Spielbeginn in ihm die Panik aufstieg, dass jemand kommen könnte und ihm sagen würde, er hätte die Chance nicht verdient, die man ihm gegeben hatte.

Malin hatte ihm dann erzählt, dass sie sich ähnlich fühlte, und immer wieder träumte, wie ihr Vater ihr sagte, dass sie nicht gut genug wäre. Niemals gut genug sein würde.

Als schließlich eine Pause entstand, griff Malin zu ihrem iPad. „Ich weiß, was wir tun sollten“, erklärte sie. „Du brauchst einen Twitter-Account und auch einen bei Instagram.“

„Nein“, erwiderte Thom. „Ich möchte damit nichts zu tun haben.“

„Das musst du auch nicht. Ich werde das für dich übernehmen. Ich mache das bereits für einige deiner Kollegen. Wenn sie mir selber nichts schicken, denke ich mir einfach etwas aus und poste das. Es ist immer etwas Positives, also ist es eine gute Sache.“

„Welchen Sinn soll das denn haben?“, fragte Thom.

„Du wärst überrascht“, erklärte Malin. „Es ist der beste Weg, um mit deinen Fans zu kommunizieren. Jeff Stromhall hat bereits eine Million Follower. Und er kann mit jedem Einzelnen von ihnen reden, indem er einfach kurze Nachrichten schreibt.“

Thom rollte auf die Seite und schaute auf Malins iPad. „Zeig mir, wie es geht“, forderte er sie auf.

Malin erstellte ihm rasch einen Twitter-Account und fügte Fotos der Blizzards und eine kurze Biographie von Thom hinzu. „Hier ist dein Name. Thomquinn3. Und hier ist das Foto, das auch auf der Team-Seite erscheint. Und das ist dein Bannerfoto – hier schießt du das berühmte Tor, mit dem ihr gegen Chicago gewonnen habt.“

„Nett.“

„Also gut, jetzt musst du etwas schreiben. Es sollte kurz und prägnant sein. Es stehen dir nur hundertvierzig Zeichen zur Verfügung.“

„Prägnant, aha“, bemerkte er. „Keine Ahnung.“

„Dann eben etwas Inspirierendes. Oder Interessantes. Oder Witziges.“

Thom stöhnte und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. „Das ist schwierig. Ich will nicht dumm oder oberflächlich erscheinen.“

„Ach, komm schon.“

Er ließ sich in die Kissen zurückfallen und legte den Arm über die Augen. Malin war überrascht, dass ein Mann, der auf dem Eis so mutig war, so viel Angst hatte, etwas über sich zu sagen.

„Also gut“, sagte er. „Wie wäre es damit? ‚Nichts ist besser, als an einem freien Nachmittag …‘“

Malin hielt die Hand hoch, um ihm Einhalt zu gebieten. Sie tippte die Worte und forderte ihn dann mit einem Kopfnicken auf, weiterzureden.

„… mit einer wunderschönen nackten Frau im Bett zu liegen.“

Malin sah ihn streng an. „Das kann man nicht schreiben.“

„Aber es stimmt.“

„Es gibt auch Dinge, die zu privat sind, um sie zu veröffentlichen.“

„Also gut, dann schreib etwas anderes.“

„Wie wäre es mit ‚an einem freien Nachmittag seinen Lieblingsfilm anzusehen‘?“ Sie schaute ihn fragend an. „Was ist dein Lieblingsfilm?“

„Der Zauberer von Oz.“

„Wirklich?“ Malin schüttelte den Kopf. Dieser Mann erstaunte sie immer wieder. „Der Lieblingsfilm vom Biest ist Der Zauberer von Oz?“

„Ja, ich mag den Löwen und die Munchkins. Den Film habe ich schon als Kind geliebt. Ist das schlecht?“

Malin lächelte. „Nein. Es ist perfekt.“ Sie tippte mit flinken Fingern. „Ich schaue mir an einem gemütlichen Nachmittag meinen Lieblingsfilm Der Zauberer von Oz an. Es gibt keinen schöneren Ort als zu Hause.“ Sie zeigte es ihm und er nickte. „Drück auf Senden“, drängte sie ihn.

Er tat wie geheißen. „Ich werde jetzt die DVD holen. Ich habe sie seit Jahren nicht mehr angesehen. Wir haben sie uns damals immer in der Weihnachtszeit angeschaut.“

„Wir haben noch gar nicht so richtig über deine Familie gesprochen“, meinte Malin. Er hatte zwar erklärt, warum er zu stehlen begonnen hatte, aber ansonsten hatte Thom es vermieden, über seine Familie zu sprechen. Er erwähnte nur gelegentlich seine beiden Brüder, Tristan und James. Seine Eltern schienen keine große Rolle in seiner Erziehung gespielt zu haben, die hatte wohl seine Großmutter übernommen.

„Ich will dir nicht noch mehr traurige Geschichten erzählen“, erklärte er. „Das ist doch alles Vergangenheit.“

„Es ist ein Teil von dem, was du heute bist“, erwiderte sie.

Thom schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht.“ Er wandte sich ab und schaute zu den Sonnenstrahlen hinüber, die durch die Vorhänge fielen. „Doch, das ist es. Du hast recht. Aber vieles ist so … so mitleiderregend. Ich wollte nie, dass die Leute mich bemitleiden. Deswegen konnte ich auch gut in die Rolle des Biests schlüpfen. Meine Vergangenheit hat mich hart gemacht.“

„Hast du viele Verletzungen davongetragen?“ Malin versuchte ihre Stimme fest klingen zu lassen, aber es kostete sie große Mühe. Allein den gequälten Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen, rief einen Ansturm von Emotionen in ihr hervor. Sie wollte aber nicht weinen. Es würde ihn nur in seinen schlimmsten Befürchtungen bestätigen.

„Mein Vater starb, als ich ein Kind war. Er soll ein toller Typ gewesen sein – lebenslustig und voller Elan. Meine Eltern waren erst achtzehn als sie heirateten, und sie waren glücklich, bis mein Vater seinen Job verloren hat. Er begann dann, zu viel zu trinken, und meine Mutter musste mehr arbeiten. Sie arbeitete in der Nacht, damit sie keine Kinderbetreuung zahlen mussten. Mein Vater war nämlich nur selten bei uns, sobald mein älterer Bruder Tristan auf uns aufpassen konnte. Ich war ungefähr zehn als es richtig schlimm wurde.“

„Ist er krank geworden?“

„Mein Vater wurde getötet, als er versuchte, eine Tankstelle auszurauben. Meine Mutter begann nach seinem Tod zu trinken, und es wurde noch schlimmer, als man uns zu Pflegefamilien schickte. Wir wurden immer wieder zwischen Pflegefamilien, Heimen und unserer Mutter hin und her geschickt. Manchmal waren wir zusammen, manchmal nicht. Wir hatten nur selten Geld, und Schule war Nebensache. Doch dann bekam ich Pflegeeltern, die mich für ein Eishockeytraining anmeldeten. Ich lernte Schlittschuhlaufen und mit dem Hockeyschläger umzugehen. Es lag mir.“

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