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TIFFANY EXTRA HOT & SEXY, Band 68

Katherine Garbera, Stefanie London, Shana Gray, Anne Marsh

TIFFANY EXTRA HOT & SEXY, Band 68

KATHERINE GARBERA

Unendliche Lust auf mehr

Astronaut Hemi hat das härteste Training überstanden; bald wird er auf dem Weg zum Mars sein! Der falsche Moment für eine Affäre mit der Survival-Trainerin Jessie – die sich aber sehr richtig anfühlt …

STEFANIE LONDON

Heißes Spiel mit der Gefahr

„Meinen Körper kannst du haben. Mein Herz niemals.“ Eine klare Ansage für Logan. Doch das wird ihn nicht daran hindern, Addison zu beschützen. Und ihr zu beweisen, dass er mehr als Sex von ihr will …

SHANA GRAY

Verrückt nach dir und Hawaii

Jimi ist süß, sie ist sexy, und sie wird nicht lang auf Hawaii bleiben: Da bietet sich ein heißer Urlaubsflirt an! Für eine schöne Frau ist Dallas nämlich zu vielem bereit – außer zu einem Versprechen …

ANNE MARSH

Erotische Begegnung auf Fantasy Island

Das Öl auf Laneys weicher Haut und ihr leises Stöhnen bringen Gray fast um vor Lust! Gegen diese höchst gefährliche erotische Massage ist der Geheimauftrag des Undercover-SEALs nichts …

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Unendliche Lust auf mehr

1. KAPITEL

Jessie Odell stand in einer Ecke der Scheune der Bar T Ranch, in der die Party tobte.

Die Bar T Ranch befand sich etwas außerhalb von Cole’s Hill in Texas, und mit dieser Gala-Party wurde die Eröffnung des neuen Mick Tanner Cronus Trainingszentrums gefeiert. In der umgebauten Scheune hatten sich Astronauten, Vertreter von Behörden und private Investoren versammelt, die bereit waren, ihren Beitrag zu leisten, um der Menschheit einen Weg zum Mars zu eröffnen.

Jessie hatte keine Lust mehr, noch weiter über all die Expeditionen zu reden, die sie erlebt hatte, oder über irgendwelche berühmten Menschen, denen sie begegnet war. Dieser Teil ihres Lebens war seit dem Augenblick vorbei, als Alexi am Mount Everest in die Gletscherspalte gestürzt war. In dem Augenblick, in dem sie ihn nicht hatte retten können.

Sie hatte gedacht, die Trauer würde sie wie ein Fausthieb treffen, doch stattdessen war sie innerlich wie vor Kälte erstarrt. In ihrem bisherigen Leben hatte sich alles auf die TV-Reportagen über ihre Expeditionen konzentriert, doch jetzt wollte sie nicht mehr, dass jeder Moment mit der Kamera festgehalten wurde. Sie sehnte sich nach Privatsphäre.

Deshalb war dieser Job im Trainingszentrum für die Cronus-Mission für sie wie ein Geschenk des Himmels.

„Kein großer Fan von Partys?“

Der Mann, der ihr die Frage gestellt hatte, lehnte sich links von ihr an die Wand.

„Nicht so richtig“, gab sie offen zu. Im dämmrigen Licht konnte sie von dem Mann nur die Umrisse erkennen. Er trug einen perfekt sitzenden Smoking und überragte sie, trotz ihrer eins neunundsiebzig und der High Heels. Ihre Mutter hatte immer gesagt, sie solle sich wegen ihrer Größe niemals schämen, und Jessie stand zu sich und ihrer Körpergröße.

„Ich auch nicht. Ich bin übrigens Thor.“

„Jessie. Thor? Wirklich? Ein nordischer Gott?“

Beim Klang seines Lachens musste sie lächeln. Er lachte laut und unbekümmert, nicht so leise und zurückhaltend, wie Alexi immer gelacht hatte.

„Stimmt, tut mir leid. Dumme Angewohnheit. Thor ist mein Rufname bei der NASA. Ich bin Hemi Barrett. Astronaut und einer der Anwärter für die erste Cronus-Mission.“ Er trat aus dem Schatten und streckte ihr die Hand hin.

„Der Name stammt von den Maori, oder?“

„Das stimmt. Kommt von meiner Mom. Sie und mein Dad haben sich auf Hawaii getroffen. Aber aufgewachsen bin ich in L.A.“

Das kantige Kinn und die dunklen Bartstoppeln betonten seine vollen, sinnlichen Lippen. Wie gebannt sah Jessie auf seinen Mund und konnte kaum glauben, dass ihr Herz sofort schneller schlug. So etwas war ihr noch nie passiert! Lust auf einen Mann, das entwickelte sich bei ihr sonst immer aus Freundschaft heraus.

Bei diesem Mann war alles anders. Ganz eindeutig. Es war Lust.

Seine Augen hatten den Farbton dunkler Schokolade, es wirkte fast sündig. Seine Haut war tief gebräunt, und um die Augen hatte er kleine Lachfältchen. Auf der Stirn sah sie eine kleine Narbe, und dann war da noch dieses winzige Muttermal unter dem rechten Auge … Jessie wusste, dass so ein Muttermal bei den Maori als ein Zeichen dafür galt, dass die Götter mit diesem Menschen große Pläne hatten.

Fragend zog er eine Braue hoch.

Ihr wurde bewusst, dass sie ihn anstarrte, doch es machte ihr nichts aus. Sie war naturverbunden aufgewachsen und lebte mit dem Grundsatz, nie zurückzuweichen.

Während einer ihrer Expeditionen in Neuseeland hatte sie bei einer Maori-Familie gelebt, und sie hatte die Akten von allen Astronautenanwärtern gelesen. Doch kein noch so ausführlicher Bericht konnte die Ausstrahlung eines Mannes wie Hemi einfangen.

Der Anflug eines Lächelns lag auf seinen Lippen, und er trat einen Schritt näher. Unwillkürlich legte Jessie ihm eine Hand auf den Arm, und durch den Stoff des Smokings hindurch spürte sie seine Stärke.

Jessie drückte etwas zu. Die Männer in ihrem Leben waren durch die anstrengenden und entbehrungsreichen Trips in die Wildnis schlank und eher hager gewesen. Hemi hingegen war muskulös und kraftvoll.

Sein Händedruck war energisch, doch es wirkte auf Jessie nicht so, als versuche er, sie einzuschüchtern.

„Jessie Odell.“

Aus seinem Mund klang es beinahe ehrfürchtig. Anscheinend hatte er ihre Reportagen gesehen oder ihre Bücher gelesen.

„Richtig.“

„Wow. Als Kind habe ich die Reportagen deiner Eltern gesehen.“

Sie wusste, dass sie durch diese Reportagen für viele Menschen ein fester Bestandteil ihrer Kindheit war. Als Meeresbiologen hatten ihre Eltern, ähnlich wie Jacques Cousteau, abenteuerliche Forschungsreisen unternommen, und Jessie war von Kindheit an auf der Jacht mitgereist und dabei gefilmt worden.

Im Augenblick wollte sie lieber über ihre Kindheit sprechen als über ihren letzten Aufstieg zum Mount Everest. Sie brauchte Abstand, genau deswegen war sie hierher nach Texas gekommen.

Im Vergleich zu all dem, was sie bisher gemacht hatte, würde dieser Job hier ein Kinderspiel werden.

„Schätze, das bekommst du oft zu hören.“

„Hin und wieder. Aber die meisten wollen wissen, wie es für mich war, durch die Arktis zu wandern.“

„Cool.“ Er zwinkerte. „Aber ich war schon im All.“

Es überraschte sie selbst, dass sie lachen musste. Hemi hatte recht. Alle Männer und Frauen hier im Raum hatten genau wie sie schon Außerordentliches erlebt.

„Wie ist das so?“, fragte sie.

„Spendier mir einen Drink, dann können wir uns gegenseitig von unseren Abenteuern erzählen. Ich will unbedingt hören, wie das bei dir im Haikäfig war, damals vor der afrikanischen Ostküste.“

„Die Drinks kosten doch überhaupt nichts.“

„Dann hast du ja nichts zu verlieren.“

„Okay, gehen wir.“

Auf dem Weg durch die Menge entdeckte Jessie ihre Freundin Molly Tanner, der die Bar T Ranch gehörte, wie sie gerade mit ihrem Verlobten Ace McCoy tanzte. Ace würde die Langzeitmission leiten, mit der eine Raumstation auf halbem Weg zwischen Erde und Mars errichtet werden sollte.

„Ace ist wirklich zu beneiden“, stellte Hemi fest, als er ihrem Blick folgte.

„Findest du?“

„Natürlich. Tolle Verlobte, Kommandant der Cronus-Mission, und obendrein hat er dieses Trainingszentrum aufgebaut.“

„Willst du all das auch?“

Er zuckte mit den Schultern. „Nicht gerade die typische Frage bei einem ersten Date.“

„Ist das hier unser erstes Date?“ War das eine zu persönliche Frage? Normalerweise lernte sie Menschen kennen, die kurz davor standen, etwas sehr Wagemutiges zu riskieren, und in solchen Situationen sprachen alle sehr offen über Persönliches, denn es war nie sicher, ob alle Teilnehmer lebend zurückkehrten. Egal, wo sie auf der Welt gewesen war, meist war sie die Außenstehende, die neugierig Fragen stellte, und manchmal ging sie dabei etwas zu weit.

Hemi war da völlig anders, und das machte Jessie neugierig.

„Das hoffe ich“, antwortete er zwinkernd.

Charme hat er, das muss man ihm lassen, dachte sie. Bei seinem Aussehen und seinem Körper brauchte er sich wahrscheinlich nie sehr anzustrengen, um bei den Frauen zu landen. „Warten wir’s ab, was ich von dir zu hören bekomme, nachdem ich dir erzählt habe, wie ich als Zehnjährige dem Weißen Hai begegnet bin.“

„Dafür erzähle ich dir, wie sich bei einem Weltraumausflug meine Halteleine gelöst hat.“

„Anscheinend hast du es zurück zur Erde geschafft.“

„Es war aber einen Moment lang sehr heikel.“ An der Bar angelangt lehnte er sich an den Tresen. „Auf welches Gift stehst du?“

Tee mit Yakbutter. Aber das behielt sie lieber für sich. „Ich nehme, was immer du auch nimmst.“

„Oh, ich trinke nicht. Ich muss in Topform bleiben. Findest du, das gelingt mir?“

Langsam ließ sie den Blick an seinem Körper hinabgleiten. Breite Schultern, muskulöse Brust, schmale Hüften und lange Beine. Sie zog eine Braue hoch. „Sieht alles ganz gut aus, könnte aber auch am Smoking liegen.“

Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Wenn du deine Karten richtig ausspielst, erlebst du mich vielleicht noch ohne Smoking.“

Jessie verdrehte die Augen, obwohl er es offensichtlich als Scherz gemeint hatte.

Er bestellte ihnen beiden einen Cranberrysaft mit Mineralwasser und ging zu einem Bartisch etwas abseits des Geschehens.

Ihre Fingerspitzen berührten sich, als er ihr das Cocktailglas reichte, und es kam Jessie vor, als habe sie einen Stromschlag bekommen. Die Gänsehaut, die darauf folgte, fühlte sich aufregend an.

„Auf neue Freunde und große Abenteuer.“

„Auf große Abenteuer.“ Prostend hob sie ihr Glas und trank einen Schluck.

Hemi blickte sich um. Ace stand bereits als Kommandant der ersten Mission fest, und Dennis Lock hatte als stellvertretender Manager des Cronus-Programms den Termin für die erste Cronus-Mission festgelegt. Noch neun Monate! Alle Astronautenanwärter waren mindestens so aufgeregt wie Hemi. Er trank sein Glas halb leer. „Wieso bist du hier auf der Party? Bist du eine der Anwärterinnen?“

„Nein, nein, ich bleibe lieber auf diesem Planeten. Hier gibt es noch so viele Gegenden, die ich nicht erkundet habe.“ Hatte sie tatsächlich gedacht, ihre Abenteuerlust sei erloschen? Bei diesem Mann wurde diese Lust wieder wach. Selbst wenn es nur ein kurzes Aufflackern war, es fühlte sich sehr gut an. „Ich bin die Survival-Trainerin, die allen Anwärtern beibringt, wie sie in Grenzsituationen überleben.“

Die Ausbilderin! dachte Hemi erstaunt. Jessie Odell war berühmt für ihre Abenteuer und TV-Reportagen. „Gut zu wissen, dass sie die Beste für diesen Job engagiert haben.“

Schon als Teenager war er ein bisschen in die schlanke sexy Jessie aus dem Fernsehen verknallt gewesen, und heute sah sie einfach umwerfend aus. Das dichte blonde Haar hatte sie am Hinterkopf hochgesteckt, nur ein paar Strähnen umrahmten ihr Gesicht. Ihre Augen waren so blau wie der Pazifik, den er während seiner Kindheit in Kalifornien tagtäglich gesehen hatte. Ihre schlanken Arme waren durchtrainiert, und das silberne Kleid betonte ihre langen, schlanken, aber muskulösen Beine. Der tiefe Ausschnitt ließ den Ansatz ihrer Brüste frei.

„Gefällt’s dir?“

Ohne sich zu schämen, nickte er. „Auf jeden Fall. Das Kleid steht dir. Aber im Bikini hast du mir noch besser gefallen.“

„Im Bikini habe ich mich seit meiner Teenagerzeit nicht mehr filmen lassen.“

„Damals war ich auch noch Teenager“, entgegnete er zwinkernd.

„Verstehe.“ Sie räusperte sich. „Du bist also einmal fast ins All getrieben. Willst du deshalb bei dieser Mission dabei sein? War es dieses Erlebnis, das dich jetzt antreibt?“

Sie hatte die Unterarme auf den Bartisch gelegt und die Finger verschränkt. Jetzt beugte sie sich leicht vor, und ihre langen Diamantohrringe schwangen und blitzten auf. Sie sah ihn aus ihren unglaublich blauen Augen an.

Hemi schluckte. Andere Leute würden sich im Raum umsehen oder auf ihr Smartphone, doch Jessie sah ihm nur in die Augen. Es war lange her, seit jemand ihm so ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt hatte. „Das ist bestimmt auch ein Grund, wieso ich wieder ins All will. Aber das würde ich bestimmt auch dann wollen, wenn sich meine Leine damals nicht gelöst hätte.“

„Wie ist das denn passiert?“

„Fehlende Schwerkraft und technisches Versagen. Der Clip an meinem Raumanzug hatte einen kleinen Defekt, und als ich das Gleichgewicht verloren habe, war der Ruck zu stark, und der Clip ist gebrochen.“

Noch sehr genau konnte er sich an diesen Augenblick erinnern, als er sich trudelnd von der Raumstation entfernt hatte. Ace hatte einen Rucksack mit Jetantrieb getragen und war Hemi gefolgt, doch ungefähr dreißig Sekunden lang war er hilflos in die Unendlichkeit getrieben. In seinem ganzen Leben hatte er nie so große Angst gehabt, dennoch war er gedanklich alle Möglichkeiten durchgegangen, wie er zurück zur Station gelangen könnte.

Sie nickte. „Am Annapurna im Himalaya ist mir auch mal der Karabinerhaken gebrochen. Zum Glück konnte ich mit meinem Eispickel Halt finden, sonst wäre ich abgestürzt. Aber du hattest ja nichts zum Festhalten. Wie bist du zurückgelangt?“

„Ace war in meiner Nähe und hat mich gehalten. Diesem Mann verdanke ich mein Leben. Wenn ich mit jemand anderem da oben gewesen wäre … Ich weiß nicht, ob alle so schnell wie Ace reagiert hätten.“

„Vertrauen in die Crew ist sehr wichtig. Auf der ganzen Welt gibt es bestimmt nicht mehr als drei Menschen, denen ich in gefährlichen Situationen blind mein Leben anvertrauen würde.“

„Nur drei? Also ich vertraue allen Kameraden, mit denen ich da oben war. Bei den neuen Anwärtern weiß ich das aber erst, wenn wir zusammen im All sind.“

„Macht dir das keine Angst? Klingt sehr riskant.“

Er lachte leise. „Deine Sache mit dem Haikäfig damals fand ich viel riskanter. Ehrlich, als ich die Episode gesehen habe, habe ich verkrampft auf der Stuhlkante gesessen.“

„Mein Dad hat mich damals gerettet, aber das hast du ja gesehen. Die Situation war ein bisschen wie bei dir. Die Schwachstelle im Stahl haben wir erst bemerkt, als der Käfig nachgegeben hat. Der Hai hat in den Käfig gebissen, und mein Bein hat in sein Maul geragt. Mein Dad hat dem Hai einen Faustschlag auf die Maulspitze versetzt und …“

Hemi legte die Hand auf ihre, obwohl Jessie so gelassen über den Vorfall sprach, als würde sie erzählen, wie sie als Kind vom Fahrrad gefallen war. „Tut mir leid.“

„Was denn?“

„Dass ich gefragt habe.“

„Das ist schon lange her. Im Gegensatz zu anderen Vorfällen.“

Hatte sie erst kürzlich wieder dem Tod ins Auge gesehen? Hemi hatte ihre Abenteuer nicht mehr verfolgt, seit er der Air Force beigetreten war, um ins Raumfahrtprogramm aufgenommen zu werden. „Willst du darüber reden?“

Sie schüttelte den Kopf und trank einen Schluck. „Ganz sicher nicht.“

„Lieber tanzen?“

„Ich bin darin nicht so gut“, erwiderte sie, stellte jedoch ihr Glas ab.

„Ich aber.“ Hemi wackelte mit den Augenbrauen.

„Ehrlich?“

„Ich bin immer ehrlich. Das hat mein Dad mir und meinen Brüdern von frühester Kindheit an eingetrichtert. Und meine Mom hat darauf bestanden, dass wir alle tanzen lernen. Sie meinte, Frauen lieben es, zu tanzen, und Männer, die es nicht tun, würden etwas verpassen.“

Jessie lächelte. „Klingt nach guten Eltern.“

„Die hatte ich.“

Hemi führte sie auf die Tanzfläche und zog sie zu dem langsamen Song in die Arme, sodass ihre Körper sich fast berührten. Eine Hand legte er ihr an die Taille, die andere hielt er mit ihrer verschränkt. Offenbar konnte Jessie sehr wohl tanzen. Ihre Beine streiften seine, und die ganze Zeit über beobachtete sie ihn so eingehend wie während der Unterhaltung.

„Da hat deine Mom wirklich etwas Gutes getan“, stellte sie leise fest.

„Sie war für uns vier wilde Jungs die Allerbeste.“

„Vier Söhne? Klingt sehr lebhaft. Welcher davon bist du denn?“

„Rate mal.“ Die meisten Leute hielten ihn wegen seiner Führungsqualitäten für den Erstgeborenen, aber diese Eigenschaft besaßen auch seine Brüder.

„Du bist selbstbewusst, aber nach dem, was du über deine Eltern erzählt hast, schätze ich, das trifft auch auf deine Brüder zu. Du bist verwöhnt, deshalb … der Jüngste?“

„Verwöhnt? Wie kommst du darauf?“

„Du gehst fest davon aus, dass du alles bekommst, was du haben willst.“

„Das … Das liegt nur daran, dass ich gut bin in dem, was ich tue. Mit verwöhnt sein hat das nichts zu tun.“

„Schon klar.“ Schweigend sah sie ihn einen Moment an. „Und? Habe ich recht?“

„Hast du“, gab er zu. „Die meisten halten mich für den Ältesten.“

„Kann ich mir vorstellen, aber dafür fehlt dir das Verantwortungsbewusstsein. Als Ältester würdest du niemals ins All fliegen und deine Familie zurücklassen.“

„Wow. Das trifft mich.“

„Ich sage auch immer die Wahrheit. Außerdem weiß ich ja bereits, dass du ein Mensch bist, dessen Zukunft in den Sternen liegt.“

„Richtig. Sonst noch was?“

„Wie du schon gesagt hast, das ist alles sehr persönlich für ein erstes Date.“

„Dann ist dies also ein erstes Date?“ Wieder zwinkerte er.

„Könnte sein.“

„Gut. Wenn dies ein erstes Date ist, dann bedeutet das, es gibt noch mehr.“

„Warten wir erst mal ab, wie es endet, bevor wir voreilige Schlüsse ziehen.“

Er mochte sie. Als er sie in der Ecke hatte stehen sehen, hätte er sie beinahe in Ruhe gelassen. Aber irgendetwas an ihrer Art hatte ihn angezogen. Ihre langen Beine hatten ihn in seinem Entschluss bestärkt.

Wie natürlich sie war! Wenn sie ihn aus ihren großen blauen Augen ansah und die hübschen, sinnlichen pinkfarbenen Lippen leicht öffnete, musste er unwillkürlich an zerwühlte Laken und endlose heiße Nächte denken.

„Allerdings halte ich ein zweites Date für keine gute Idee.“

„Wieso nicht?“

Der Song war gerade zu Ende, und sie lächelte ihn an. „Weil ich deine Ausbilderin bin. Wir sollten unsere Beziehung auf das Berufliche beschränken. Aber danke für diesen Tanz.“

In dem Punkt war er völlig anderer Ansicht als sie. Wieso konnte zwischen ihnen nicht mehr sein als zwischen Ausbilderin und Schüler? Jemand rief seinen Namen, und Jessie trat einen Schritt zurück. Hemi wandte sich nur kurz um, um zu sehen, wer ihn gerufen hatte, und als er wieder nach vorn sah, war sie gegangen.

2. KAPITEL

Beim Betreten der Trainingshalle für Martial Arts atmete Jessie tief aus. Sie war erleichtert darüber, all die vielen Lichter und die Musik hinter sich gelassen zu haben. An Partys oder anderen gesellschaftlichen Anlässen teilzunehmen war für sie anstrengend. Viele Menschen um sich herum war sie nicht gewohnt. Als Kind war sie von ihren Eltern auf der Jacht unterrichtet worden, und später hatte sie den Großteil ihrer Zeit auf einsamen Expeditionen verbracht.

Das alles hier war für sie neu und aufregend. Lieber wäre sie nach draußen gegangen. Ein paar Ausflüge hatte sie auf der Bar T Ranch bereits unternommen, um Übungen für das Überlebenstraining zu planen, doch um nachts loszulaufen, kannte sie sich nicht gut genug aus.

Sie zog sich die Schuhe aus, und sobald sie die Trainingsmatten unter den Fußsohlen spürte, kam sie innerlich zur Ruhe. Die High Heels ließ sie neben der Tür liegen und ging zur Umkleide, wo sie sich ihren weißen „Gi“ anzog, den traditionellen Kampfanzug. Sobald sie sich den schwarzen Gürtel zuknotete, ging ihr Atem tiefer und ruhiger.

Hemi. Thor. Sie mochte es, dass alle Astronauten sich gegenseitig diese Rufnamen gaben. Das kam sicher daher, dass die meisten Anwärter zuvor beim Militär gewesen waren. Bei dieser Mission arbeitete die NASA jedoch nicht mit dem Militär zusammen, sondern mit einer zivilen Organisation namens „Final Frontier“.

Sie verließ die Umkleide und fing zu joggen an. Ruhig atmend drehte sie ihre Runden und ließ ihren Gedanken ebenfalls freien Lauf.

Zum ersten Mal seit einer kleinen Ewigkeit sah sie nicht sofort den Mount Everest und Alexi vor sich, sondern Hemis Gesicht. Man merkte ihm die Selbstsicherheit an, weil er schon so viel erreicht hatte, und auch die Leidenschaft für seinen Job. Allerdings sah Jessie ihn im Moment nicht als Astronautenanwärter vor sich.

Nach einer Viertelstunde hörte sie auf zu joggen und durchlief die unterschiedlichen Taekwondo-Folgen, die sie als Kind auf der Jacht ihrer Eltern erlernt hatte.

„Hier hast du dich also versteckt.“

Sie beendete noch ihre seitliche Trittfolge, bevor sie sich zur Tür umwandte. Dort im Schatten stand Hemi.

„Auf Partys halte ich es nie lange aus“, gab sie leise zu.

„Ich auch nicht. Wegen meines Jobs muss ich oft auf Partys, aber bis zum Ende bin ich noch nie geblieben.“ Er trat ins Licht. „Hast du gerade Taekwondo gemacht?“

Sie nickte.

„Was dagegen, wenn ich mitmache?“

„Überhaupt nicht. Ich habe den schwarzen Gürtel. Dritter Dan.“

„Vierter.“ Frech lächelnd streifte er sich die schwarzen Schuhe ab und ging zur Umkleide.

Jessie ließ den Kopf nach vorn sinken. Hemi brachte sie aus dem inneren Gleichgewicht. Warum war sie eigentlich hier in die Halle gekommen? Was hatte sie hier finden wollen? Sie trauerte immer noch um Alexi. Mit ihm hatte sie auch einen Teil ihrer Seele verloren. Ihre Eltern hatten gesagt, sie brauche einfach Zeit. Aber wie viel? Ihr Vater hatte gesagt, sie müsse ihren Mut wiederfinden, doch ihre Mutter befürchtete, sie habe ihr Herz und ihre Seele verloren.

In Hemis Nähe spürte sie wieder die prickelnde Neugier auf frische Abenteuer. Und jetzt hatte er sie hier aufgespürt und wollte mit ihr kämpfen.

Ging es um Sex? War es nicht mehr als körperliche Lust?

Vielleicht sollte sie sich auf eine Affäre mit ihm einlassen. Verboten war es nicht, aber würde sie ihn noch unvoreingenommen beurteilen können, wenn sie mit ihm schlief? Oder war es bereits zu spät? Schon jetzt war er für sie mit seinen muskulösen Armen und dem tiefen Lachen mehr als nur einer von vielen Kandidaten. Dieses Lachen konnte sie nicht vergessen.

Sie hörte, dass er in die Halle zurückkehrte, und er tippte sich grüßend an die Stirn, bevor er zum Aufwärmen im Kreis durch die Halle lief.

Als sie das letzte Mal mit einem Mann allein gewesen war, war es Alexi gewesen. Die Erkenntnis traf sie tief. Er war nicht mehr da.

Sie wollte gehen.

Sie wandte sich um und war schon auf halbem Weg zur Tür, als Hemi sie an der Hand zurückhielt.

„Ich hätte dich nicht für jemanden gehalten, der wegläuft.“

Sie war noch nie ein Feigling gewesen. Sie stellte sich jeder Herausforderung auf der Welt, aber das hier … allein mit einem Mann wie Hemi … das war heute Abend zu viel für sie.

Diesen Job hatte sie angenommen, um zu sich selbst zurückzufinden, nicht um etwas mit einem der Anwärter anzufangen.

„Ich laufe nicht weg.“ Sie hob den Kopf und sah ihm in die unergründlichen dunkelbraunen Augen.

„Liegt es an mir?“

„Ein bisschen“, gab sie zu. „Ich bin mir nicht sicher, ob das alles eine gute Idee ist.“

„Ist es denn eine schlechte Idee?“

Seine unbekümmerte Art tat ihrer müden Seele gut. Insgeheim wünschte Jessie sich, dass er sie zum Bleiben überredete. Warum wollte sie dann überhaupt weg? „Ein Match. Dann gehe ich.“

„Wir sollten eine Wette abschließen.“

„Glaubst du, du kannst mich besiegen?“ Sie konnte sich immer auf ihre Fähigkeiten verlassen.

„Das tue ich. Also, wenn ich gewinne, bekomme ich den Kuss, vor dem du vorhin geflüchtet bist.“

„Was für ein Kuss? Wir haben getanzt“, widersprach sie, doch unwillkürlich ging sie bereits seine Stärken und Schwachstellen durch.

„Der Kuss, den ich mir holen wollte, als der Song zu Ende war. Und was tust du, falls du gewinnst?“

„Wenn ich gewinne, dann … lässt du mich in Ruhe. Abgemacht?“

„Abgemacht.“ Er ließ ihre Hand los, trat ein paar Schritte zurück und verbeugte sich.

„Bereit?“

Tritten auszuweichen und Schläge abzuwehren war genau das, was er gebraucht hatte. Er wusste, dass er zu den Topanwärtern für die Mission gehörte, aber er hatte auch andere Kandidaten entdeckt, die ebenfalls gute Chancen hatten. Für seinen Erfolg würde er hart und hochkonzentriert arbeiten müssen. Doch das bedeutete nicht, dass er nicht auch Spaß haben konnte.

Er hielt sich beim Kämpfen nicht zurück, weil er merkte, dass auch Jessie alles gab. Was die Kraft anging, war sie ihm unterlegen, doch sie war schnell und clever. Schon seit sehr langer Zeit hatte er keinem Menschen mit solchen Reflexen gegenübergestanden.

Mit einem Tritt traf sie ihn am Kinn und ging sofort wieder in die Ausgangsposition zurück.

„Entschuldigung.“ Sie lächelte, weil sie ihn überlistet hatte. „Ich dachte, den hättest du kommen sehen.“

Er rieb sich das Kinn. „Ich war abgelenkt.“

„Wodurch?“

Durch sie. Aber das lag nur an den Hormonen. Oder etwa nicht? „Ich dachte gerade, dass ich jetzt verstehe, wieso du so gut bist im Überleben. Dein Verstand arbeitet blitzschnell, und du stellst dich sofort auf jede neue Situation ein.“

Sie nickte. „Das ist eine der wichtigsten Lektionen. Genau darüber werde ich am Montag mit deiner Gruppe reden.“

„Was könnte denn noch wichtiger sein?“ Er sah, wie sie ihren Atem kontrollierte.

„Nicht zu sterben.“

Er lachte. „Genau das hat unsere Mom uns immer nachgerufen, wenn wir auf unseren Fahrrädern losgerast sind: ‚Macht keinen Unsinn, der euch umbringt.‘ Laut unserer Mom haben wir ständig irgendwas Dummes gemacht.“

„Haben deine Brüder dich denn nicht beschützt?“

„Manchmal. Als Jüngster der Familie haben sie mich immer aufgezogen. Ace sagt, das sei der Grund, wieso es mir nichts ausmacht, wenn die anderen im Team Scherze auf meine Kosten machen. Daran bin ich gewöhnt.“

Es stimmte. Nichts konnte ihn erschüttern. Er tat alles, egal, was die NASA, die Ausbilder oder die Ärzte von ihm verlangten. Ihm ging es nur um sein Ziel: die Reise in den Weltraum. Als Spezialist für Spektroskopie würde seine Aufgabe bei der Cronus-Mission darin bestehen, die Zusammensetzung von Gesteinsproben zu analysieren.

„Du siehst beängstigend aus, wie du da so stehst, Thor.“

Er schüttelte den Kopf. „Hast du jemals etwas getan, weil du Angst davor hattest? Nur um zu beweisen, dass du es kannst?“

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Alles, was ich tue, tue ich aus genau diesem Grund.“

„Aber du wirkst so …“

„Mutig. Angstfrei?“

„Genau.“

„Wie oft hat man das schon über dich gesagt?“, fragte sie zurück.

„Schon sehr oft. Meistens heißt es dann auch, ich sei unvorsichtig, dumm und überwältigend gutaussehend“, fügte er hinzu.

„Kann ich mir denken.“ Sie strich sich das Haar nach hinten. „Ich muss jetzt unter die Dusche. Danke für diesen Kampf.“

„Wir sind noch nicht fertig.“

„Leider doch. Ich habe dich besiegt, Thor. Deshalb gehe ich jetzt.“

Ja, sie hatte ihn tatsächlich besiegt. „Revanche?“

„Nicht heute.“

Erst in diesem Moment fiel ihm auf, dass sie die ganze Zeit über bedrückt wirkte. Während der Party hatte sie es gut überspielt, und genau wie jeder andere Mann hatte auch er bei dieser kühlen Blondine lediglich die Schönheit bemerkt und nicht die Frau, die sich hinter der Fassade verbarg.

Ihr Haar löste sich aus dem eleganten Knoten, und sie wirkte erschöpft. Vor irgendetwas lief sie davon. Vielleicht brauchte sie im Augenblick eher einen Freund als einen Lover.

„Alles okay?“

Sie runzelte die Stirn. „Natürlich. Was sollte denn nicht stimmen?“

„Du wirkst … als ob du reden wolltest.“ Er ging zum Wasserspender und füllte zwei Pappbecher. „Und? Möchtest du reden?“

„Eigentlich nicht.“ Sie nahm ihm den Becher ab, trank in leer und zerknüllte ihn, bevor sie Hemi wieder ansah.

Es kam ihm vor, als könne sie ihm bis tief in die Seele sehen. Was mochte sie dort entdecken? Sein gesamter Tagesablauf bestand in Vorbereitungen für die Mission und Training, um sich körperlich fit zu halten. Doch seelisch war er noch nicht bereit.

„Kann das zwischen uns bleiben?“, fragte sie leise. „Ich meine … können wir nur wir zwei sein? Nicht Ausbilderin und Anwärter?“

Er nickte. „Du kannst dich auf mich verlassen. Immer, Jessie.“

Eindringlich erwiderte sie seinen Blick. „Du hast mich schon wieder überrascht. Die meisten Leute denken, ich bräuchte niemanden. Sie sehen mich im Fernsehen auf meinen riskanten Touren in extreme Gegenden und halten mich für eine Einzelgängerin. Den meisten ist gar nicht bewusst, dass ich die ganze Zeit über ein Team bei mir habe.“

„Ehrlich gesagt wirkst du sehr einsam. Deshalb habe ich angenommen, dass du jemanden brauchst.“

Auf dem Weg aus der Trainingshalle den Pfad entlang zum See fragte Jessie sich, ob das nicht doch alles eine schlechte Idee war. Hemi faszinierte sie. In dieser muskulösen Brust schlug ein großes Herz, und er war ein guter Zuhörer. Es steckte mehr in ihm als ein von sich selbst überzeugter Kerl.

Sex war okay, denn körperliche Lust war nichts anderes als eine Reaktion auf einen anderen Menschen. Jessie war scharf auf ihn, und wenn sie mit ihm im Bett landete, wäre das rein körperlich. Aber wenn sie einen Mann mochte und gleichzeitig scharf auf ihn war … dafür war sie noch nicht wieder bereit.

Die Bar T Ranch bestand aus einem großen Haupthaus, zwei Schlafhäusern und zahlreichen Scheunen. Zu Fuß brauchte man von dort aus knapp fünf Minuten bis zu den neuen Unterkünften, in denen die Cronus-Anwärter und einige der Ausbilder untergebracht waren. Die Anwärter schliefen in vier umgebauten Schlafhäusern, die im Viereck um einen kleinen Platz angeordnet waren. Jeder Anwärter hatte ein eigenes kleines Apartment mit Wohnbereich und Bad, und pro Gebäude teilten alle sich eine Gemeinschaftsküche. Die Apartments waren nicht schlecht, doch Jessie war froh darüber, dass man ihr ein separates kleines Cottage zugeteilt hatte.

Nachdenklich folgte sie jetzt Hemi und fragte sich, ob sie nicht lieber zurückgehen sollte. Es war lange her, seit jemand sie so fasziniert hatte wie er.

Er wandte sich zu ihr um. „Der Platz, zu dem ich will, ist gleich dort vorn.“

Statt der weißen Kampfanzüge trugen sie jetzt die üblichen Sweatshirts und Hosen der NASA, wie alle anderen Beteiligten der Cronus-Mission. Jessie hatte sich Wanderschuhe angezogen, aber es waren nicht die Bergsteigerstiefel, die sie sich für den Aufstieg zum Mount Everest zugelegt hatte. Die Schuhe, die sie getragen hatte, als Alexis Kräfte ihn verlassen hatten und sie ihn nicht hatte retten können.

Sie seufzte.

Hemi streckte ihr die Hand entgegen. „Hier muss man im Dunkeln ein bisschen aufpassen.“

Sie legte die Hand in seine. Schon früh hatte sie gelernt, in unbekannter Umgebung Hilfe anzunehmen. Sie kannte die Umgebung nicht so gut, wie sie gern würde. Doch das würde sich noch ändern.

Viele Trainingsstunden mit den Anwärtern würden in Räumen mit einstellbarer Temperatur stattfinden, doch ein paar Exkursionen nach draußen hatte sie ebenfalls eingeplant. Dort würden dann einige Überraschungen auf die Kandidaten warten, denn die Teilnehmer der Mission mussten auf jede Situation angemessen reagieren können.

Sobald Jessie und Hemi die hölzerne Anlegeplattform betraten, löste ein Bewegungsmelder die Beleuchtung aus.

„Da wären wir.“ Er zog sie zu zwei Eisenstühlen, die nebeneinander auf der Plattform standen.

Ein leichter Wind kam vom See und wehte ihr das Haar aus dem Gesicht. Sie blickte auf das Wasser, das im Mondlicht glitzerte, und setzte sich. Sie nahm den Geruch von Hemis teurem Rasierwasser wahr und seinen ganz eigenen, männlichen Duft. An diesen Duft würde sie sich noch lange erinnern, wenn dieser Job bereits beendet war.

„Als ich das erste Mal hierher kam, hat es mich überrascht, wie laut es hier ist. Ich dachte, es müsse vollkommen still sein.“

Sie lächelte ihn an. „Ein Stadtkind?“

„Eigentlich ja, obwohl ich nicht weit vom Meer aufgewachsen bin.“

„Den Großteil meiner Kindheit habe ich auf der Jacht meiner Eltern verbracht. Ich weiß zwar, welche Insekten giftig sind, und bei welchen Pflanzen man Ausschlag bekommt, aber eine Ranch ist etwas anderes.“

Er legte den Arm hinter ihr auf die Rückenlehne ihres Stuhls. Er berührte sie nicht, doch sie spürte seine Körperwärme.

„Wovor hast du Angst, Jessie?“

Zehn Monate waren jetzt seit Alexis Tod vergangen, und dieses Trauma hatte sie immer noch nicht überwunden. Das erkannte sie daran, dass sie vor Hemi zurückschreckte, obwohl sie sich so sehr zu ihm hingezogen fühlte.

„Vor Situationen, die ich nicht kontrollieren kann. Wenn ich hilflos bin.“

„Wann zum Beispiel?“

„Im Umgang mit Menschen. Niemand kann wirklich vorhersagen, wie sie in Extremsituationen reagieren. Ich habe mehr Grenzerfahrungen erlebt als die meisten, und trotzdem weiß ich manchmal nicht, was ein Mensch als Nächstes tun wird.“

„Wann genau?“

„Jetzt zum Beispiel.“ Sie war es leid, sich gegen ihre Sehnsucht zu wehren. Deshalb beugte sie sich zu ihm und küsste ihn.

Seine Lippen fühlten sich fest an, sein Atem war frisch. Ganz sachte spürte sie seine Zungenspitze an den Lippen, bevor er die Zunge wieder zurückzog. Jessie neigte den Kopf und vertiefte den Kuss.

Ein erregendes Prickeln durchlief sie. Es war schon sehr lange her, seit sie so empfunden hatte. Sie fühlte sich lebendig.

Seit er sie auf der Party angesprochen hatte, war sie ihm ausgewichen. Weil sie in seiner Nähe wieder etwas empfand.

Es war nichts Ernstes. Das konnte es auch gar nicht sein. Schließlich hatten sie sich gerade erst kennengelernt. Aber was auch immer es war, sie war noch nicht bereit dafür. Sie brauchte einen Moment zum Durchatmen.

Jessie unterbrach den Kuss und zog die Schuhe aus, bevor sie aufstand. Dann wandte sie sich Hemi zu und sah ihn an. Schweigend erwiderte er den Blick aus seinen großen, dunklen Augen, die so unergründlich waren wie der Marianengraben.

Sie zog sich das Sweatshirt und die Hose aus und stand in Slip und BH vor ihm, bevor sie sich umdrehte und in den See tauchte. Sobald das Wasser sie umfing, empfand sie den tiefen inneren Frieden, den sie an Land nie verspüren konnte.

3. KAPITEL

Hemi betrachtete das Wasser, das im Mondlicht glitzerte, und die atemberaubende Frau, die darin schwamm. Jessie war eine komplizierte Frau, und erst in diesem Moment glaubte er, sie ein bisschen besser zu verstehen.

Er zog sich bis auf die Boxershorts aus und folgte ihr mit einem Sprung ins Wasser. Im ersten Moment war es kalt, und er bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut, doch sobald er zu schwimmen anfing, empfand er das Wasser als erfrischend.

Jessie blieb immer knapp außerhalb seiner Reichweite, tauchte und kam ein paar Meter weiter wieder nach oben. Hemi ließ sich auf dem Rücken neben sie gleiten.

Ein bisschen erinnerte es ihn an seine Weltraumausflüge. Dort oben, bei der ISS, war er auch im All getrieben. Insgeheim hatte er in der ewigen Dunkelheit des Kosmos nach etwas gesucht, doch er hatte es bis jetzt nicht gefunden.

„Wovor hast du Angst, Hemi? Was treibt dich an, nachdem du dort oben fast umgekommen wärst?“

Er zuckte mit den Schultern. Wie sollte er diese Leere tief in sich beschreiben? Dadurch würde er schwach wirken, und er war schließlich der unbesiegbare Thor, zumindest für seine Brüder und Schwestern unter den Astronauten.

„Hemi?“

Es klang fast hypnotisch. So hatte Hemi sich immer den Ruf der Sirenen vorgestellt, die die Seeleute in die Irre leiteten.

„Ich weiß es nicht“, gab er zu. „Ich fliege ins All hinauf, trainiere und suche die Herausforderung einer neuen Mission. Ich will Dinge tun, die noch niemand zuvor getan hat, aber da ist immer diese …“ Er wandte ihr das Gesicht zu.

Das lange blonde Haar reichte ihr bis auf die nackten Schultern. Der dünne hautfarbene BH war jetzt durchsichtig, und Hemi sah, dass ihre Nippel aufgerichtet waren.

Ganz cool bleiben, sagte er sich. Nicht dran denken, dass sie fast nackt ist und keine Armlänge von dir entfernt.

Es fiel ihm schwer, sich weiter zu unterhalten, statt einfach zu ihr zu schwimmen und sie in die Arme zu schließen. Er wollte ihren warmen Körper spüren, wenn sie ihn mit Armen und Beinen umschlang.

„Sprich es aus“, drängte sie ihn.

„Da ist immer diese Leere.“ Verdammt, das hatte er für sich behalten wollen! Es war wie eine hässliche Wahrheit, die er vor aller Welt verbarg und manchmal auch vor sich selbst. „Und ich weiß nicht, was ich tun muss, um sie zu füllen.“

Wahrscheinlich wäre es klüger gewesen, das nicht ausgerechnet einer Ausbilderin gegenüber einzugestehen, die ihn letztlich beurteilen würde.

„Und das lässt dich Risiken eingehen.“ Die Arme weit ausgebreitet ließ sie sich neben ihm rücklings im Wasser treiben. „Dieselbe Leere trage ich auch in mir.“

„Wirklich?“ Seine Stimme klang tiefer und rauer als zuvor. Seltsam, aber dieses Eingeständnis erregte ihn noch mehr. Ihre offene und ehrliche Art war für ihn unglaublich sexy. Das Haar umfloss ihren Kopf, und Hemi konnte nicht anders: Er musste ihr auf die Brüste sehen. Unter dem nassen BH ragten die erregten Nippel hart empor.

Er streckte den Arm nach ihr aus, doch im letzten Augenblick ließ er ihn sinken, weil Jessie wieder so vertraulich zu ihm sprach wie zu einem Freund. Leider machte es ihm seine Erektion schwer, sich auf etwas anderes als auf ihr Aussehen zu konzentrieren. Er fühlte sich, als würde er unter ihrem Zauber stehen.

„Fast alle Menschen kennen das. Die meisten versuchen, es in der tagtäglichen Routine zu vergessen, oder sie kaufen sich unnötige Dinge, aber manche Menschen können es nicht so einfach ignorieren.“

„Und dann werden sie so traurig wie du vorhin?“

Sie erstarrte. „Ja. Genau so.“

„Was hat dich denn bedrückt?“

„Die Erinnerung an Alexi. Er war mein Partner beim Bergsteigen und mein Verlobter. Er wollte Dinge, die er sich selbst nicht einzugestehen getraut hat.“

„Und du? Hast du Angst, dir einzugestehen, was du willst?“

„Ja. Deshalb bin ich hier und werde versuchen, dir und den anderen Anwärtern alles beizubringen, was ich über das Überleben in feindlicher Umgebung weiß. Vielleicht ist es das, was mir fehlt, um innerlich endlich Frieden zu finden.“

„Ich hoffe, es funktioniert.“ Einen Augenblick schwieg er. „Ich mag dich, Jessie. Ich möchte, dass du glücklich bist.“

„Du kennst mich doch kaum.“

„Trotzdem. Als du von der Party weggegangen bist, da … da dachte ich erst: Vergiss es. Wenn sie mich nicht will, dann will ich sie auch nicht.“

Sie trieb etwas von ihm weg und wölbte die Hand dicht an der Oberfläche. Gerade als Hemi erkannte, was sie vorhatte, schoss ihre Hand bereits durchs Wasser, und ein gezielter Strahl traf ihn ins Gesicht.

„Vergiss das hier nicht, Thor.“ Sie konnte den belustigten Tonfall nicht ganz unterdrücken.

Er wischte sich das Wasser aus den Augen und blickte sich um. Sie war weg. Die Oberfläche des Sees war fast spiegelglatt.

Er trieb wieder auf dem Rücken, um die Beine zu entspannen, und wartete. Das Wasser mochte ihr Element sein, aber früher oder später musste sie auftauchen.

Das tat sie auch. Direkt hinter ihm. In dem Moment, in dem Hemi sie hörte, attackierte sie ihn auch schon mit dem nächsten Wasserstrahl.

Er rollte herum und nutzte seine Erfahrung vom Wasserpolo, um blitzschnell zu ihr zu kraulen. Im Näherkommen sah er den Schreck in ihren Augen. Wie sehr er sie begehrte! Das Verlangen nach ihr erfüllte ihn bis in die Zehenspitzen und ließ alles andere verblassen.

Hemi erreichte sie und schlang einen Arm um ihre Taille. Mit seinen Beinstößen hielt er sie beide über Wasser, und unwillkürlich legte Jessie ihm die Arme um den Nacken. Ihre fast nackten Brüste pressten sich an seine breite Brust.

Sein Herz schlug so laut, dass Jessie es bestimmt auch hörte. Heiß schoss ihm das Blut durch die Adern.

Hart und erregt spürte er ihre Nippel an seiner Brust. Er verstärkte den Griff, drückte sie an sich und blickte ihr tief in die Augen. Keiner von ihnen fühlte sich in diesem Augenblick leer oder einsam. Wenn es für Hemi ein Ziel gab, dann war es, Jessie den Grund für ihren Kummer vergessen zu lassen.

„Du hast mich, Hemi.“ Langsam strich sie ihm über die Bartstoppeln und hinauf bis zum Muttermal unter seinem Auge.

„Im Moment kann ich dich halten, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich dich habe, Jess.“

„Jess? Ich kann mich nicht erinnern, dir erlaubt zu haben, mich so zu nennen.“

„Lady, wir schwimmen fast nackt in diesem See. Das nehme ich mal als Erlaubnis.“

„Erlaubnis wozu?“ Ihr Tonfall klang vielsagend.

Was ging in ihr vor? Vorhin hatte sie zugegeben, dass sie sich einsam fühlte, aber jetzt, im Wasser, wirkte sie mit sich vollkommen im Einklang.

Ähnlich ging es ihm, wenn er im Simulator in der Schwerelosigkeit trainierte. Wenn jede Kleinigkeit viel umständlicher war, bekam alles eine neue Klarheit. Ging ihr das genauso?

„Noch ein Kuss. Das ist es, was ich im Augenblick von dir will“, sagte er, und seine vollen sinnlichen Lippen glänzten feucht im Mondlicht.

„Nur noch ein Kuss? Das reicht uns beiden sicher nicht.“

„Stimmt, aber es ist ein Anfang.“

Sie umfasste sein Gesicht und strich ihm durchs Haar. Sie legte eine Hand an seinen Hinterkopf, zog ihn eng zu sich und stieß sich nach oben aus dem Wasser.

Ihre Lippen berührten sich, und es war, als würde ein Blitz zwischen ihnen einschlagen.

Hemis Erektion richtete sich noch mehr auf und rieb an ihren Schenkeln. Sein Griff um ihre Taille verstärkte sich, und einen Moment lang vergaß er das Wassertreten.

Dann zog er sie seitlich an sich, löste den Mund von ihren Lippen und schwamm in flacheres Wasser, bis er auf dem schlammigen Grund des Sees stehen konnte.

Das Wasser reichte Jessie bis an die Schultern.

Sie fühlte sich sicher. Mit beiden Beinen umschlang sie seine Hüften.

Es kam Hemi vor, als habe er mit ihr etwas gefunden, wonach er überhaupt nicht gesucht hatte.

Es war der letzte klare Gedanke, bevor er den Kopf senkte und den Mund wieder auf ihren presste.

Heiße Lust durchströmte ihn. Tief drang er mit der Zunge vor und umspielte ihre Zunge mit der Zungenspitze.

Ihr Griff verstärkte sich, und mit der freien Hand strich sie ihm über die Brust. Spielerisch drückte sie seine Brustmuskeln, dann strich sie tiefer, bis zur Hüfte, glitt bis zu seinem Po und zog ihn an sich.

Hemi hob den Kopf und blickte ihr ins Gesicht. Ihre Augen waren halb geschlossen, die Lippen leicht geöffnet. Das Haar trieb hinter ihr auf der Oberfläche. Es kam ihm vor, als würde sich tief in ihm etwas verändern.

Er konnte es nicht genau deuten, aber dieser Kuss war anders. Jessie war anders.

Mit einem Arm hielt er weiter ihre Taille umfasst und hob Jessie leicht an, bis ihre Brüste aus dem Wasser kamen.

Er hielt den Atem an und sah zu, wie sie sich auf seine Schultern stützte und näher an ihn drängte.

Ihre Brüste hoben sich ihm entgegen, und aufstöhnend senkte er die Lippen darauf.

Mit einer Hand strich sie ihm durchs nasse Haar, während er durch den zarten BH hindurch ihre Nippel mit der Zunge und den Lippen reizte.

Sie umschlang ihn noch enger mit den Beinen und drängte gegen seine Erektion zwischen ihren Schenkeln.

Sie schmiegte sich so eng an ihn, dass Hemi kaum sagen konnte, wo sein Körper aufhörte und ihrer begann. Sie hatte tief in ihm einen Hunger auf mehr als nur Küsse geweckt. Doch am liebsten hätte er diesen Kuss niemals beendet.

Mit beiden Händen strich er ihren Rücken hinab zur schmalen Taille. Er drückte ihre Hüften und umfasste ihren Po.

Aufreizend saugte sie an seiner Zunge, bevor sie die Stirn an seine lehnte. Hemi spürte jeden ihrer Atemzüge heiß und kalt an der Wange und am Hals.

Wieder stützte sie sich auf seine Schultern, öffnete die Augen und blickte ihn eindringlich an.

Als wären sie füreinander geschaffen. Sie war größer als die meisten Frauen, und damit perfekt für ihn.

Am liebsten hätte er sie für alle Zeiten so eng an sich gepresst einfach festgehalten. Er sah, wie sie an den Armen eine Gänsehaut bekam. Ihre Nippel drückten sich noch verlangender an seine Brust.

Jessie ließ ihn alles um sich herum vergessen.

Er schob die Hüften vor und rieb sich fordernd an ihr. Er wollte nichts sagen, um diesen magischen Augenblick nicht zu verderben. Diese Nacht sollte ewig andauern.

In diesem Augenblick wurde ihm bewusst, dass Jessie für die nächsten sechs Wochen hier auf der Bar T Ranch eine seiner Ausbilderinnen sein würde. Er konnte nicht Sex mit ihr haben und dann so tun, als sei nichts passiert.

Mit geschlossenen Augen lehnte er die Stirn an ihre. Wie konnte er die Lust, die in ihm tobte, abkühlen? „Nimmst du die Pille?“, fragte er leise.

Er selbst war kerngesund. Bei der NASA durchlief er ständig medizinische Tests, er war auf alle denkbaren Krankheiten geprüft worden. Er war überzeugt, dass Jessie auch vollkommen gesund war.

Jessie löste sich von ihm. Ohne ihren wärmenden Körper wurde ihm sofort kälter.

„Das tue ich. Aber, verdammt, wie konnte das so schnell eskalieren?“ Sie atmete tief durch. „Ich kann nicht … Tut mir leid, Hemi. Ich wollte nicht, dass so was geschieht. Ich erkenne mich selbst kaum wieder.“

Er nickte nur. Wie konnte sie vor etwas zurückschrecken, das sich so gut und richtig anfühlte? „Schon okay“, brachte er hervor.

„Danke. Es ist eigentlich nicht okay, denn ich habe dich heiß gemacht und dann …“

„Wir haben uns gegenseitig heiß gemacht, Jessie. Ich kann es mir auch nicht ganz erklären, wie sich das so schnell entwickeln konnte, aber es ist passiert. Das lässt sich nicht leugnen.“

Sie biss sich auf die Unterlippe, und er schloss die Augen, denn ihr Anblick reichte schon, um ihn zu erregen. Er wandte sich ab und watete zur Anlegeplattform zurück. Jessie schwamm ihm nach, doch er sah erst wieder zu ihr, als sie sich auf der Anlegerplattform beide angezogen hatten. Sie war wieder distanziert.

Gerade als sie aufstehen wollte, griff er nach seinen Schuhen, und ihre Hände berührten sich. Sie waren sich so nahe, dass Hemi einfach nicht anders konnte: Er umfasste ihr Gesicht, strich ihr mit einem Finger am Ohr entlang und beugte sich vor.

Es war kein wilder, lustvoller Kuss, eher gefühlvoll und zärtlich. Mit diesem Kuss drückte Hemi all die Sehnsucht aus, die ihn bei dem Gedanken erfüllte, Jessie in Ruhe zu lassen.

Er glaubte, sie bereits zu kennen, obwohl er nur das von ihr wusste, was sie ihm von sich offenbart hatte. „Es tut mir leid, dass ich mich habe mitreißen lassen.“

„Mir nicht. Ich dachte nur … Ich kann das nicht, Hemi. Ich muss einen Kurs leiten, und du wirst einer der Teilnehmer sein und …“

„Und da kannst du es nicht gebrauchen, dass einer deiner Schüler scharf auf die Kursleiterin ist. Verstehe.“

Mit beiden Händen strich sie ihm über die Brust bis zur Taille, zog ihn an sich und lehnte den Kopf dicht an sein Herz.

Hemi musste sich beherrschen, damit sein Herz nicht laut und heftig klopfte. Sie sollte nicht merken, wie sehr ihn bereits diese leichte Berührung erregte.

„Es tut mir leid.“ Sie zog sich zurück, hob ihre Schuhe auf und ging in Richtung ihres kleinen Cottages.

Hemi folgte ihr. Konzentriere dich nur auf die Mission, sagte er sich. Du willst dabei sein, wenn sie losfliegen.

Doch als Jessie die zwei Stufen zur Veranda hinaufstieg, die Tür aufschloss und sich zu ihm umwandte, stand er nur da und wartete.

Keiner von ihnen bekam ein Wort heraus.

Hemi konnte es kaum erklären, aber mit ihr in dem See zu schwimmen war für ihn fast genauso gewesen, als sei er in eine Rakete gestiegen und ins Weltall hinauf geflogen. Und dieses Gefühl verdankte er einer Frau, die ihn unbedingt auf Abstand halten wollte. „Gute Nacht.“

„Gute Nacht, Hemi.“

4. KAPITEL

An ihrem ersten Unterrichtstag erwachte Jessie noch vor Tagesanbruch. Sie kochte sich einen Kräutertee und ging mit dem Becher hinaus auf die Veranda. Sie setzte sich auf den Holzstuhl, den ihr Vater für sie zu ihrem sechzehnten Geburtstag gebaut hatte. Er hatte ihn hellblau lackiert, und obwohl die Farbe mittlerweile abblätterte, war es immer noch ihr Lieblingsstuhl. Jessie ließ ihn sich mit ihren Besitztümern nachschicken, wo auch immer ihr vorübergehendes Zuhause gerade war.

Sie legte die Füße aufs Geländer und ließ den Blick über die Ländereien der Ranch schweifen. Ein Weg wand sich zwischen Zedern hindurch zu der Einrichtung, wo sie auf ihre Auszubildenden treffen würde.

Offiziell wäre es das erste Treffen, doch viele von ihnen hatte sie bereits gestern auf der Party kennengelernt.

Einschließlich Hemi.

Im Traum hatte sie sein Gesicht vor sich gesehen, und immer noch gingen ihr seine Fragen durch den Kopf. Dass ein Mann sie so offen umwarb, war für sie etwas Neues.

Wenn sie nicht gerade auf einer ihrer Expeditionen war, ließ sie sich beim Kontakt mit Menschen einfach treiben, beobachtete, und wenn ihr alles zu eng wurde, flüchtete sie. Diesmal wollte sie, dass alles anders war. Sie wollte wieder etwas empfinden, auch wenn sie insgeheim befürchtete, dass sie dazu überhaupt nicht mehr in der Lage war.

Gestern Nacht, als sie mit Hemi im See geschwommen war, hatte sie es einen kurzen Moment lang wieder empfunden.

Dann hörte sie Laufschritte, und eine Gruppe von sechs Anwärtern der Cronus-Mission kam den Pfad entlang um eine Kurve gejoggt.

Hemi lief voran, und ihm folgten zwei Frauen, dann ein Mann und noch zwei weitere Frauen. Alle winkten ihr kurz zu und liefen weiter.

Jessie blickte ihnen nach und stellte fast wehmütig fest, dass sie noch nie Teil eines Teams gewesen war. Ihre Familie bestand aus lauter Individualisten, und bei den meisten ihrer Expeditionen hatte sie sich entweder allein durch die Wildnis gekämpft, oder sie hatte eine Gruppe angeführt, für die sie verantwortlich gewesen war.

Die Cronus-Kandidaten spornten sich gegenseitig an, obwohl alle vierundzwanzig Anwärter um die wenigen Plätze bei der ersten Mission wetteiferten.

Jessie hatte die Unterlagen zu allen Kandidaten gelesen. Jeder war auf irgendeinem Gebiet herausragend. Das Einzige, was sie alle verband, war der unbändige Drang, hinauf zu den Sternen zu gelangen.

Sie trank ihren Tee aus, kehrte ins Cottage zurück und fand bei ihren Tai-Chi-Übungen innerlich zur Ruhe.

Nachdem sie geduscht hatte, band sie sich das Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, zog sich die khakifarbene Cargo-Hose an und dazu ein schwarzes T-Shirt.

Für die Anwärter hatte sie sich schwere Prüfungen überlegt, denn sie musste die Kandidaten auf jedes mögliche Versagen der Technik vorbereiten. Das oberste Ziel lautete, dass niemand während der Mission starb, und dieses Ziel verstand Jessie sehr gut.

Heute würde sie unterrichten, in einer ungewohnten Umgebung mögliche Gefahren zu erkennen. Und dann würde Jessie die Kandidaten testen, indem sie ihnen zeigte, wie sie überleben konnten, wenn die Klimakontrolle beschädigt war und die eisige Kälte des Weltalls ins Schiff drang.

Während sie sich mit Sonnencreme einrieb und die Lippen eincremte, musste sie an den Vorabend denken, der ihr jetzt wie ein süßer Traum vorkam, losgelöst von der Realität.

Beim Gedanken an Hemi mit seiner offenen, direkten Art schlug ihr Herz ein bisschen schneller. Es war schon sehr lange her, dass ein Mensch ihren Puls beschleunigt hatte anstatt eines bevorstehenden Abenteuers.

Hemi hatte sich möglichst cool gegeben, als er heute früh an Jessies Cottage vorbeigejoggt war. Sie war von Grund auf ehrlich und so wunderschön, dass er die halbe Nacht lang erregt da gelegen und sich ausgemalt hatte, sie seien nach dem nächtlichen Bad bei ihm im Bett gelandet.

Fast glaubte er, ihre vollen Brüste zu spüren, ihre Augen zu sehen und ihr blondes Haar, das im Wasser im Mondlicht schimmerte. Obwohl er sich gerade bei dem Dauerlauf vollkommen verausgabt hatte, reichte der Gedanke an sie, und schon war er wieder erregt.

Es war nicht das erste Mal, dass er auf eine Frau scharf war, aber das hier war anders.

Leider konnte er es im Moment überhaupt nicht gebrauchen, dass seine Konzentration unter seinen erotischen Fantasien litt. Seine Chancen standen nicht schlecht, dass er als stellvertretender Kommandant der Cronus-Mission ausgewählt wurde. Das durfte er nicht riskieren, nur weil er ständig mit einer Erektion herumlief.

Nach einem eiskalten Duschbad betrachtete er sich im Spiegel und rief sich alles in Erinnerung, was er im Leben brauchte, um glücklich zu sein.

Er berührte das Muttermal an seinem rechten Auge. Seine Mutter hatte gesagt, das sei ein Zeichen des Glücks, und dieses Glück würde er heute brauchen. Auch wenn er sich alles im Leben hart erarbeitet hatte, vertraute er ab und zu auf die Überzeugung seiner Mutter, dass seine Vorfahren ihn mit diesem Muttermal für große Taten ausgewählt hatten.

Ihm stand ein anstrengender Schulungs- und Trainingstag bevor. Heute würde das Team in einem Nachbau des Raumschiffs trainieren, in dem auch die lange Mission stattfinden würde. Alle mussten lernen, wie dieses Schiff notfalls zu reparieren war, denn der Weg war weit, bis sie die Position im All erreichten, an dem die Raumstation errichtet werden sollte.

Diese Raumstation würde auf halbem Weg zwischen Erde und Mars liegen. Mit jeder Mission würden weitere Komponenten dorthin befördert werden, doch anfangs würde die fünfköpfige Crew auf minimalem Platz mit dem Notwendigsten auskommen müssen. Achtzehn Monate dauerte die Reise zu der Station und zurück. Geplant waren zwei Monate für den Aufbau der Station, bevor die Crew die Rückreise zur Erde antrat.

Natürlich stand heute Nachmittag auch Überlebenstraining bei Jessie auf dem Plan. Hoffentlich kann ich mich auf den Unterricht konzentrieren, dachte er, denn sonst ergeht es mir wie Ace.

Sein guter Freund Ace wäre aus gesundheitlichen Gründen fast vom Cronus-Team ausgeschlossen und in die Verwaltung versetzt worden. In dieser Hinsicht ging Dennis keinerlei Risiken ein. Alle Teilnehmer mussten in Topform sein.

Das bedeutete, dass Hemi keine Zeit blieb, eine große kühle Blondine anzuhimmeln.

Kopfschüttelnd verließ er sein Quartier und traf auf Izzy Wolston, die gerade ihr Apartment abschloss. Ihr Rufname war Bombshell, weil sie den sinnlichen Körper eines Pin-up-girls und ein hübsches, herzförmiges Gesicht hatte. Bei so einem Körper übersahen viele Männer ihren durchdringend intelligenten Blick.

„Bist du bereit?“, fragte sie.

„Schon seit ich hier angekommen bin, kann ich’s kaum erwarten. Deshalb habe ich die Party gestern Abend auch kaum genießen können.“

Sie nickte. „Mit dieser Party sollten wir uns hier eingewöhnen, bevor das Training losgeht.“

„Wahrscheinlich haben sie nur sehen wollen, wie wir uns verhalten, wenn wir uns unbeobachtet fühlen.“

„Gut möglich, dass wir ständig überwacht werden, seit feststeht, dass wir dabei sind.“

Schweigend gingen sie zum Ausbildungszentrum, vorbei am Schwimmbecken und den Fitnessgeräten, und betraten den Vortragsraum, wo jeder Teilnehmer seinen straff durchgeplanten Terminplan ausgehändigt bekam.

Hemi ging den Zeitplan durch, um sicher zu sein, dass ihm ausreichend Zeit im Observatorium blieb, um die Daten der Erkundungssonde aus der Region der geplanten Station zu analysieren. Schließlich gehörte es zu seinen Aufgaben, nach Anomalien zu suchen, die möglicherweise die Sicherheit der Raumstation gefährdeten.

Als er den Duft von frischen Wildblumen wahrnahm, sah er auf, und dort stand Jessie und unterhielt sich mit Ace und einem der Ernährungsspezialisten. Es fiel Hemi schwer, den Blick wieder von ihr abzuwenden.

Ganz ruhig, Mann, sagte er sich. War das alles nicht zu schnell passiert? Sein Vater sagte, er habe sich auf den ersten Blick in Hemis Mutter verliebt, als sie damals auf einem Festival selbstbewusst und kraftvoll ein Gedicht der Maori vorgetragen hatte. Hemi hatte das immer als Unsinn abgetan, dass ein Mann einer Frau so schnell erliegen konnte … Andererseits war er Jessie erst gestern Abend das erste Mal begegnet.

Als er sie lachen hörte, ging er unwillkürlich ein paar Schritte auf sie zu, bevor er merkte, was er tat, und schnell den Hörsaal verließ, um sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.

„Willkommen beim Überlebenstraining 101. Ich habe eure Akten gelesen und kenne eure bisherige Ausbildung. Einige von euch wissen schon einiges von dem, was ich euch unterrichten will, aber ich kann euch versprechen, dass das erst der Anfang ist.“

Jessie stand in dem Schulungsraum vor vierundzwanzig Schülern und blickte durch das einzige, abgedunkelte kleine Fenster. Nicht mal die Sonne war zu sehen. „Bei vielen Übungen geht es um Unerwartetes, daher werde ich euch … nennen wir es mal … überraschen, und ihr müsst auf die neue Situation reagieren. Ich kann euch nicht verraten, was geschehen wird, aber im Verlauf der nächsten sechs Wochen werden wir euch mit Situationen konfrontieren, die euch eine Vielzahl von Fähigkeiten abfordern. Manche der notwendigen Reaktionen werden wir zuvor trainieren, anderes werdet ihr aus anderen Kursen kennen.“

„Dann lasst uns mit dem Spaß anfangen“, verlangte Hemi, und die übrigen Anwärter nickten lächelnd.

„Ich weiß nicht, wie’s den anderen geht, aber ich bin zu allem bereit“, stellte eine der Frauen fest.

Jessie wusste aus den Akten, dass die junge Frau Isabelle Wolsten hieß und von allen Izzy oder Bombshell genannt wurde.

Zustimmendes Murmeln erfüllte den Raum.

„Prima. Wir fangen mit extremer Kälte an. Falls einige von euch mich noch nicht kennen: Ich habe an einigen Touren auf den Mount Everest teilgenommen und war auch schon auf den übrigen neun höchsten Gipfeln. Heute geht es um euer Verhalten, falls in der Raumkapsel die Temperatur plötzlich abfällt und ihr nicht an das nötige Werkzeug für die Reparatur gelangt.“

Viele der Anwärter klappten ihre Laptops auf und fingen an zu tippen.

Jessie erklärte, dass es leichter sei, sich warm zu halten, als erst auszukühlen und sich dann wieder aufzuwärmen. Während sie erzählte, wie sie sich in der Wildnis warmgehalten hatte, ließ sie den Blick über die Anwärter schweifen.

Es gab ungefähr gleich viele Männer und Frauen. Hemi überragte die anderen, doch alle wirkten körperlich topfit.

„Machen wir eine kurze Pause. Im Nebenraum stehen Protein-Shakes bereit. In ein paar Minuten komme ich zu euch.“

Die meisten Anwärter gingen hinaus, doch Hemi blieb noch, und Jessie ging zu ihm.

Wie gut er roch! Nach dem Duft seines Rasierwassers könnte sie süchtig werden.

Doch sie wusste, dass der gestrige Abend ein Fehler gewesen war. Eine Affäre kam nicht infrage, nicht mal eine Freundschaft mit einem der Anwärter. Jessie war nur zum Unterrichten hier.

„Was gibt’s?“ Sie musste Hemi dazu bringen, den anderen in den Nebenraum zu folgen, denn dort würden sie in weniger als fünf Minuten extremer Kälte ausgesetzt sein.

„Ich weiß, dass wir gesagt haben …“

„Jetzt kann ich nicht mit dir darüber reden“, unterbrach sie ihn. „Später vielleicht? Nach dem Dinner?“

„Da habe ich mich im Observatorium angemeldet.“

„Können wir uns dort treffen?“ Sie versuchte, ihn zur Tür zu drängen.

„Sicher, aber es dauert nicht lange.“

Sie nickte. Anscheinend würde er sich nicht von der Stelle bewegen, solange er nicht gesagt hatte, was er loswerden wollte. „Schieß los.“

„Gestern Abend habe ich mich mit dir verbunden gefühlt, Jess. Du willst lieber auf Abstand bleiben, weil wir Schüler und Ausbilderin sind, und normalerweise würde ich das akzeptieren, aber mein Verstand und mein Körper sind sich in dieser Hinsicht nicht einig.“

Sie schloss die Augen. Auch ihr Körper war mit diesem Vorsatz nicht einverstanden. Hemis sexuelle Ausstrahlung hatte sie letzte Nacht kaum schlafen lassen. Alles an ihm wirkte auf sie wie ein großes, leuchtendes Warnschild, lieber die Finger von ihm zu lassen und aus sicherer Distanz heraus abzuwarten, bis dieser unbändige Reiz nachließ.

„Lass uns später darüber reden.“ Sie sah zur Uhr. Nur noch zwei Minuten, dann musste er im Pausenraum bei den anderen sein. „Dieses Training ist unglaublich wichtig, und ich will zwischen uns nichts überstürzen. Außerdem muss ich jetzt dringend etwas trinken. Ich rede sonst nie so viel.“

Er nickte. „Gehen wir. Dann sehen wir uns heute Abend im Observatorium.“

„Gut. Danke, Hemi.“

Sie folgte ihm in den Flur und zum Pausenraum. Schnell zählte sie die Anwärter durch, um sicher zu sein, dass alle versammelt waren. Es stand nur noch ein Protein-Shake auf dem Tisch, und Hemi nahm ihn sich.

„Willst du einen Schluck? Vielleicht gibt es auch noch Wasser im Kühlschrank“, bot er an.

„Alles bestens. Ich hole mir mein Wasser aus dem Spind. Bin gleich zurück.“ Beim Hinausgehen verschloss sie die Tür und drückte auf einen Knopf, wodurch die Temperatur im Raum abgesenkt wurde.

Durch das Fenster in der verschlossenen Tür sah sie Hemi in die Augen. Er zog eine Braue hoch und trank seinen Shake aus. Anscheinend begriff er, dass dies ein Test war. Sie wandte sich um, um zum Überwachungsraum zu gehen.

Ihren Job hatte sie erledigt. Würden Hemi und die anderen sich der Aufgabe gewachsen zeigen, so wie Jessie es vermutete?

Zusammen mit Ace McCoy, Dennis Lock und Dr. Tomlin beobachtete sie die Anwärter und war stolz auf Hemi. Er war der geborene Anführer. Und er erinnerte sich an das meiste von dem, was Jessie gerade in dem Kurs erklärt hatte.

Am Ende der Simulation drückte sie einen Knopf, sodass sich wieder die normale Raumtemperatur einstellte. „Gut gemacht, ihr alle“, sagte sie über Mikrofon. „Ihr lernt sehr schnell.“

„Das stimmt“, fügte Ace hinzu. „Jetzt geht es in den Fitnessraum aufs Laufband. Wir wollen überprüfen, wie die Kälte sich auf eure Reflexe ausgewirkt hat. Dazu sehe ich euch zum Mannschaftstraining im Simulator, Dr. Tomlin und ihr Team werden euch untersuchen.“

Jessie machte sich Notizen und versuchte, nicht ständig auf den Monitor zu sehen, der Hemi auf dem Laufband zeigte. Das fiel ihr schwerer, als ihr lieb war.

5. KAPITEL

„Die Tests sind gut gelaufen.“ In seinem Büro nahm Dennis gegenüber von Jessie Platz. Als Verantwortlicher des Cronus-Programms musste er oft nach Houston ins Johnson Space Center, sodass er nur jede zweite Woche hier in Cole’s Hill war.

„Ich bin gespannt, wie die Ergebnisse aussehen, wenn alle noch besser trainiert sind. Einige der Anwärter haben sehr überrascht reagiert.“ Jessie sah in ihre Notizen. Hemi hatte von allen am besten abgeschnitten.

„Darauf bin ich auch gespannt. Ich möchte, dass Sie an meinen wöchentlichen Treffen mit Ace und Dr. Tomlin zur Beurteilung der Anwärter teilnehmen. Das Meeting ist freitags um zehn, und wenn ich gerade in Houston bin, machen wir eine Videokonferenz.“

„Einverstanden.“ Sie notierte es sich. Regelmäßige Meetings und Unterricht vor einer Gruppe, das alles war neu für sie, doch sie gewöhnte sich schnell ein.

Bei der Arbeit für die NASA blieb niemandem viel Zeit, sich Gedanken über die Vergangenheit zu machen oder sich zu überlegen, was hätte sein können, wenn …

Jessie musste sich voll und ganz auf die Gegenwart konzentrieren. Das Einzige, was ihr schwerfiel, war, Hemis Anziehungskraft zu ignorieren.

„Das wär’s. Jede Woche bewerten wir die Fortschritte der Anwärter durch das Training mit Ihnen, und gegebenenfalls müssen Sie den Schwerpunkt dann entsprechend anpassen.“

„Sehr gern.“ Sie packte ihre Sachen zusammen und sah zu Dennis. Wenn sie Hemi nicht ignorieren konnte, dann musste sie es jetzt ansprechen, bevor sie ging. „Eines noch.“

„Ja?“

„Da gibt es einen Anwärter, und ich … ich weiß zwar, dass in den Vorschriften nichts steht, was ausdrücklich ein Date zwischen Ausbilder und Anwärter untersagt, aber … Wäre das okay?“ Auf keinen Fall wollte sie Hemis Chancen gefährden, bei der ersten Mission dabei zu sein, indem sie sich heute Abend mit ihm traf.

Dennis verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Nein, darüber steht nichts in den Vorschriften. Aber so ein Date könnte den Anwärter von seinem eigentlichen Ziel ablenken. Und wie wollen Sie als Ausbilderin objektiv bleiben, wenn Sie ihn bewerten müssen?“

„Da haben Sie recht. Ich lege es auch nicht darauf an.“

„Das habe ich auch nicht angenommen. Die menschliche Natur ist sehr spannend.“ Dennis lächelte. „Was auch immer passiert, wir sind alle erwachsen, und solange es nicht zu Problemen führt, können Sie tun, was immer Sie wollen.“

„Danke, Dennis.“ Wieso hatte sie Hemi ausgerechnet hier und jetzt getroffen? Sie nahm sich fest vor, ihm gegenüber bei ihren Beurteilungen weiterhin vollkommen objektiv zu bleiben.

„Keine Ursache. Bis nächste Woche.“

Sie verließ das Ausbildungsgebäude und kehrte zu ihrem Cottage zurück.

An die Eingangstür war eine Notiz geheftet.

Jessie,

ich bin zu einer Nachtübung mit meinem Team eingeteilt. Können wir uns morgen früh unterhalten? Ich laufe immer um sechs Uhr, wenn du Lust hast, lauf doch mit. H.

Jessie war enttäuscht und erleichtert zugleich. Zum Glück fiel die Aussprache mit ihm heute Abend aus. Dadurch blieb ihr mehr Zeit, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Andererseits war sie enttäuscht, dass sie ihn heute nicht mehr sehen würde.

Aus einer Schublade zog sie das nächstbeste T-Shirt, und dazu zog sie sich Joggingshorts an. Sobald sie die Sportschuhe angezogen hatte, verließ sie das Cottage durch die Hintertür. Sie lief bereits los, während sie sich das Haar zum Pferdeschwanz zusammenband und die Sonnenbrille aufsetzte.

Mit jedem Laufschritt fühlte sie sich wieder mehr wie sie selbst. Genau das hier hatte sie jetzt gebraucht. Sie lief bis zu der Schlucht, von der Molly ihr erzählt hatte, und bahnte sich vorsichtig einen Weg hinunter. Von dem Bach, der diese Schlucht geformt hatte, war im Augenblick nicht mehr übrig als ein Rinnsal und feuchter Sand.

Entschlossen blickte sie an der gegenüberliegenden Steilwand hinauf. Mit solchen Herausforderungen wurde sie leicht fertig. Ein Hindernis konnte analysiert, eingeschätzt und überwunden werden. Menschen waren da anders, erst recht Hemi.

Auch damit werde ich fertig, sagte sie sich. Ich komme mit allem zurecht.

Kurz nach Mitternacht verließ Hemi seine Unterkunft. Er war erschöpft von dem anstrengenden Tag, der hinter ihm lag, trotzdem konnte er nicht schlafen. Ohne wirkliches Ziel im Sinn ging er los, und es überraschte ihn selbst, dass er sich am See wiederfand.

Aber letztlich hatte er den ganzen Tag lang immer wieder daran gedacht, wie er hier mit Jessie zusammen gewesen war.

Bisher hatte er noch nie etwas bereut. Er traf Entscheidungen und verfolgte sein Ziel. Zumindest hatte er das bislang immer gedacht.

Jessie brachte ihn durcheinander.

Der erste Kurs mit dem Kältetest lag jetzt drei Tage zurück, und seine Einladung zum morgendlichen Joggen hatte Jessie nicht angenommen.

Sein Bruder Manu hatte ihm schon vor Langem gesagt, dass es nichts brachte, einer Frau nachzulaufen, und an diesen Ratschlag musste er jetzt denken, als er sich an den Rand der Anlegeplattform setzte, Schuhe und Socken auszog und die nackten Füße ins Wasser hielt.

Die Nachtwind rauschte leise in den Bäumen am Ufer, und das Zirpen der Grillen erfüllte die Luft, doch Hemi war trotz dieser friedvollen Umgebung innerlich aufgewühlt.

Als er Schritte auf der Plattform hörte und den Duft wahrnahm, wusste er auch ohne sich umzudrehen, dass es Jessie war.

„Hätte nicht gedacht, dich hier zu sehen.“

Er schüttelte den Kopf. „Du gehst mir aus dem Weg, also wärst du sicher nicht hergekommen, wenn du damit gerechnet hättest, dass ich hier bin.“

„Ich gehe dir nicht aus dem Weg.“ Sie streifte sich die Schuhe ab und setzte sich neben ihn.

„Wie nennst du es denn sonst?“

„Klugheit.“ Sie lehnte sich nach hinten auf die Ellbogen, ließ die Beine pendeln und das Wasser spritzen.

„Du findest also, du verhältst dich klug?“

„Genau. Im Augenblick kann ich gar nicht genau sagen, wer ich eigentlich bin. Und das ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um sich mit einem Mann einzulassen. Noch dazu einem wie dir.“

Er sah sie an. „Was heißt das denn, ‚mit einem Mann wie mir‘?“

Sie seufzte, und das blonde lange Haar glitt ihr über die Schulter. „Du bist so selbstsicher, dass ich mich spielend leicht in dich verlieben könnte. Vielleicht würde ich sogar glauben, ich sei die Frau, die du in mir siehst. Aber das wäre nicht wahr.“

„Für mich bist du eine starke und mutige Frau, die Dinge wagt, die ich nie riskieren würde.“ Er zog die Füße aus dem Wasser und lächelte sie an. „Das macht dich im Innersten aus.“

„Mir kommt es so vor, als hätte ich meine Seele verloren.“ Sie blickte in den Himmel. „Ich empfinde nicht mehr so wie früher, als wäre mit Alexi auch ein Teil von mir in dieser Gletscherspalte verschwunden.“

„Du brauchst einfach Zeit, um seinen Tod zu verarbeiten.“

Darauf erwiderte sie nichts, doch kurz darauf rückte sie etwas dichter zu ihm und lehnte den Kopf an seine Schulter. „Lenk mich irgendwie ab, Hemi. Haben Astronauten auch solche Geschichten wie die Seeleute?“

„Hast du schon mal die Geschichte der Wega gehört, eines der hellsten Sterne am Himmel?“ Er legte ihr einen Arm um die Schulter. „Beim alljährlichen japanischen Tanabata-Festival geht es um die Geschichte der Prinzessin Orihime, der Tochter des Himmelskaisers. Sie hat immer nur gewebt und war sehr einsam. Deshalb hat ihr Vater sie mit dem Kuhhirten Hiroboshi zusammengebracht, und die beiden haben sich auf den ersten Blick ineinander verliebt und geheiratet. Aber dann haben sie ihre Arbeit vernachlässigt, und Orihimes Vater war so wütend darüber, dass er die beiden Liebenden am Himmel durch die Milchstraße voneinander getrennt hat. Sie sind die Sterne Wega und Altair.“

„Wie traurig.“

„Ja, aber einmal im Jahr formt in der Legende Deneb, der dritte Stern des Sommerdreiecks, eine Brücke aus Elstern über die Milchstraße, sodass die beiden sich treffen können, vorausgesetzt, es regnet nicht. Deshalb hoffen die Japaner immer, dass an Tanabata eine sternklare Nacht ist.“

„Was für eine schöne und auch traurige Geschichte.“ Sie lehnte den Kopf nach hinten.

Als er sich vorbeugte und die Lippen auf ihre presste, fühlte er sich wie der himmlische Kuhhirte, und sie war seine Himmelsprinzessin, die er niemals auf Dauer bei sich behalten konnte.

Sie mochte denken, sie habe ihre Seele verloren, doch Hemi wusste, dass er sich allmählich in Jessie verlor, denn sie war ihm so wichtig wie bisher nur das Weltall.

Endlich waren die Tage vorüber, in denen Jessie sich eingeredet hatte, sie habe die richtige Entscheidung getroffen, als sie Hemis Einladung zum Joggen ausgeschlagen hatte.

Seine Lippen fühlten sich warm und fest an, und er küsste sie mit derselben wilden Direktheit, mit der er alles im Leben anging. Sie spürte seine warmen Finger im Nacken. Zärtlich und fordernd zugleich streichelte er sie, bis sie sich enger an ihn schmiegte.

Sie legte die Arme um seine Brust und die Stirn an seine Schulter, um die Wahrheit auszublenden, dass diese Anziehungskraft zu nichts führen konnte.

„Ich kann nicht schlafen, ohne davon zu träumen, dich in meinen Armen zu halten. Mich verfolgen unsere Küsse hier am See“, gab er leise und mit tiefer Stimme zu.

Sie sah ihn an, und ihr Herz setzte einen Schlag lang aus. „Ich komme auch nicht los von dir, Hemi, sosehr ich es auch versuche. Ich laufe, klettere Steilwände hinauf, und trotzdem muss ich ständig an dich denken. Ich will dich.“

„Ich will dich auch. Aber dann fällt mir wieder ein, was du gesagt hast. Dass wir …“

Mit einem Finger auf den Lippen brachte sie ihn zum Schweigen. Tagelang hatte sie sich innerlich gesträubt, aber jetzt war sie doch in seinen Armen gelandet. Und sie bereute es keine Sekunde. „Als wir das letzte Mal hier am See waren, hast du mich gefragt, ob ich die Pille nehme. Da hätte ich einfach Ja sagen sollen, aber ich bin vor meinen eigenen Empfindungen erschrocken.“

Es ist nur Lust, sagte sie sich. Dieser selbstsichere Mann will gefährliche Dinge tun, von denen ich ihn nicht abhalten kann. Sobald die Ausbildung zu Ende ist, gehen wir beide unserer Wege.

Sie stand auf, und auch Hemi sprang auf, bückte sich und reichte ihr dann ihre Schuhe.

Sie verschränkten die Hände und gingen langsam den Pfad entlang.

Jessie gefiel es, seine Hand zu halten, und an der Weggabelung zog sie Hemi mit sich zu ihrem Cottage. Sie schleuderte die Schuhe auf die Veranda und führte ihn ins Haus.

„Komm her, Frau“, stieß er heiser aus.

Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Du kommst zu mir.“

Bei seinem strahlenden Lächeln wurde ihr ganz heiß. Wie ein Tiger seiner Beute, so näherte Hemi sich ihr, und als er dicht vor ihr stand, zog sie ihn an sich und forderte den Kuss ein, nach dem sie sich so brennend sehnte.

Es war kein so behutsamer Kuss wie am See. Heiß und verlangend schmiegten sie die Münder aufeinander. Der Kuss würde erst enden, wenn sie sich beide nackt in den Armen lagen.

6. KAPITEL

Hemi spürte den kühlen Holzboden unter den nackten Sohlen. Seine Jeans spannte sich im Schritt, und auch das T-Shirt kam ihm zu eng vor. Vor ihm stand Jessie, eine Frau, die sich nahm, was sie wollte. Nichts hätte erregender auf ihn wirken können.

Dicht vor ihr blieb er stehen. In weichen Wellen umspielte das blonde Haar ihre Schultern, und Hemi nahm eine der seidigen Strähnen in die Hand. Spielerisch wickelte er sich die Strähne um den Finger, und Jessie neigte den Kopf und musterte ihn eindringlich.

„Bist du dir sicher bei dem hier?“, fragte er leise nach.

Sie nickte, und leise stöhnend legte er die Hand flach in ihre Halsbeuge.

Wie groß und schön sie war! Es gefiel ihm, dass er sich kaum vorzubeugen brauchte, um sie zu küssen. Hemi war zu allem bereit, um Jessie dabei zu helfen, wieder zu sich zu finden.

Schnell verdrängte er diese Gedanken. Er wollte nur noch fühlen. Er wollte sie nackt sehen und jede Stelle ihres erregenden Körpers berühren.

Ganz leicht strich er an ihrem Hals hinauf. Mit dem Daumen berührte er ihren Mund.

Unwillkürlich umschloss sie seinen Daumen mit den Lippen und saugte.

Wie ein Stromschlag durchschoss ihn die Lust. Seine Erregung war so groß, dass ihm die Jeans viel zu eng wurde. Hemi öffnete den Reißverschluss, um seiner Erektion mehr Freiraum zu verschaffen.

Langsam strich Jessie ihm über die Brust hinab und glitt mit der Hand in seine Jeans.

Jede Berührung ihrer Finger ließ ihn innerlich wie im lodernden Feuer brennen. Er spürte, wie sie noch tiefer glitt und ihn umfasste. Drängend schob er die Hüften vor, zog den Daumen aus ihrem Mund und strich ihr über die Lippen. Keine Sekunde länger konnte er sich zurückhalten. Er beugte sich vor und saugte an ihrer sinnlichen Unterlippe.

Stöhnend ließ sie den Kopf nach hinten sinken, und Hemi umfasste ihre Taille. Immer tiefer drang er mit der Zunge in ihren Mund vor.

Verdammt! Sie schmeckte genauso himmlisch, wie er es in Erinnerung hatte. Er kam um vor Hunger nach ihr. Egal, wie sehr er den Kuss vertiefte, er schien nicht intensiv genug zu sein.

Unablässig streichelte und massierte sie ihn zwischen den Schenkeln, und der Schauer, der ihm den Rücken hinabrieselte, ließ keinen Zweifel: Er war kurz davor zu kommen.

Hemi zog die Hüften zurück. Immer noch ließ sie die Fingerspitzen an seiner Erregung auf und ab gleiten. Spielerisch reizte sie ihn bis kurz vor dem Orgasmus.

Er packte ihre Hand und zog sie aus seiner Jeans. Entschlossen hob er Jessie hoch und trug sie die zwei Schritte zu dem kleinen Kommodentisch an der Wand.

Dort setzte er sie ab und schob sich zwischen ihre Beine. Unablässig strich er ihr mit der Hand an der Taille auf und ab und glitt dann unter ihr T-Shirt.

Ihre Haut fühlte sich so seidenweich an! Zitternd schob er das Shirt höher und entblößte ihren schlanken, gebräunten Bauch. Mit beiden Händen umfasste er sie, spürte jeden ihrer Atemzüge, und ihre vollen Brüste streiften seine Finger.

Erregt glitt er mit einem Finger noch höher und reizte durch das T-Shirt hindurch ihren Nippel.

Jessie stöhnte auf. Sie drängte sich seiner Hand entgegen und streifte sich ungeduldig das T-Shirt ab.

Hemi trat einen Schritt zurück. Ihre geraden Schultern wirkten zierlich, ihr Haar war zerzaust. Ihr Dekolleté war gerötet, und die runden Brüste waren von einem schlichten weißen BH verdeckt.

Alles an ihr wirkte natürlich und erdverbunden. Hemi wollte Teil davon sein. Er sehnte sich nach so einer natürlichen Verbundenheit, die ihm den nötigen Halt gab, wenn er sich von allem lösen und ins All fliegen musste.

Doch dieser Augenblick gehörte nur ihnen beiden.

Im Vergleich zu ihrer schmalen Taille wirkten ihre Brüste noch größer. Die Shorts saß tief auf ihren Hüften, und als sie jetzt langsam die Finger in den Saum schob, hielt Hemi den Atem an.

„Du bist dran. Zieh dein Hemd aus.“

Wieder lief ihm ein erregender Schauer über den Rücken. Es gefiel ihm, dass sie das Kommando übernahm. Sie war ihm in jeder Hinsicht ebenbürtig. „Ich bin aber noch nicht damit fertig, dich anzusehen.“

Aufreizend neigte sie den Kopf zur Seite. „Und? Gefällt dir, was du siehst?“

„Sehr sogar.“ Sie war tatsächlich wie eine Sirene. Es zog ihn zu ihr hin wie noch zu keiner Frau zuvor.

Mit gespreizten Fingern strich er ihr über den Bauch bis zum Nabel und noch tiefer, hinab in ihre Shorts.

Schwer atmend schlang er den freien Arm um sie und hob sie vom Kommodentisch.

Geschickt streifte er ihr die Shorts bis zu den Knien hinab, bevor er Jessie wieder hinsetzte.

Sie ließ die Füße vor und zurück pendeln, bis die Shorts zu Boden glitt.

Sie stützte sie sich auf dem Tisch auf, lehnte sich zurück, und Hemis Blick ging von ihrem BH zum farblich passenden Slip.

Entschlossen schlang sie die Beine um seine Hüften und zog ihn am Hemd dicht zu sich.

Hemi stützte sich mit beiden Händen an die Wand hinter ihr, und Jessies warmer Atem streifte seine Brust. Im Vergleich zu der lustvollen Hitze, die sie in ihm entfachte, fühlte die Wand sich eiskalt an.

Sie schob ihm das Hemd hoch. Ihre Fingerkuppen streiften das Tattoo an seiner Seite, und Hemi erzitterte, als sie mit den Fingern den Konturen folgte. Es kam ihm vor, als würden uralte Instinkte in ihm wach.

„Ist dieses Motiv für deine Familie von besonderer Bedeutung?“ Sie beugte sich vor.

Hemi fühlte ihren Atem auf der nackten Haut. Sachte ließ sie die Finger an den kreisförmigen Mustern des Tattoos entlanggleiten. „Meine Vorfahren kommen aus Neuseeland, und das war ursprünglich das Motiv für eine Gesichtstätowierung.“

Er führte ihre Hand zu der Stelle vorn an seiner Hüfte, wo das Tattoo in einer Spitze endete. „Es erzählt die Geschichte meiner Familie und zeigt, zu welchem Stamm wir gehören. Die Bedeutung ist leider nicht mehr bekannt, aber mein Bruder und ich haben uns das hier machen lassen, als wir sechzehn wurden.“

„Es ist wunderschön. Zieh das Hemd aus, damit ich es ganz sehe.“

Er folgte der Aufforderung und spürte ihre Hände an dem Muster.

„Hemi, vielleicht kann ich mehr über deine Familie und euren Stamm herausfinden. Jede Familie hat ihre ganz eigene Tätowierung.“

„Aber nicht heute Nacht“, widersprach er. „Allerdings würde ich wirklich gern mehr darüber erfahren.“

Lächelnd sah sie ihn an. „Du überraschst mich immer wieder. Es ist so groß.“ Sie schob ihm Jeans und Boxershorts nach unten und musste dabei den elastischen Bund der Shorts nach vorn ziehen, damit der Stoff über Hemis Erektion glitt.

Die Hose fiel zu Boden, und Hemi drehte sich um, damit sie den Rest des Tattoos sehen konnte.

Es zog sich links über seinen Po hinab bis über den Schenkel.

Hemi erzitterte, als sie darüberstrich. Sie wirkte von dem Tattoo vollkommen fasziniert, und das gefiel ihm, denn diese Tätowierung war ein Teil von ihm. Jessie wusste, welche Bedeutung sie für ihn hatte, und dafür mochte er sie umso mehr.

Sie packte seinen Po, ließ sich vom Kommodentisch gleiten, schmiegte sich an Hemis Rücken, schob die Arme um ihn herum und umfasste seine Erektion. Aufreizend massierte sie ihn, und sein Glied wurde noch härter.

Zwischen den Schultern spürte er Jessies Küsse, und sie hörte nicht auf mit der lustvollen Massage. Hemi war zu keinem Gedanken mehr fähig. Er bestand nur noch aus Empfindungen. Mit jedem Atemzug sog er Jessies Duft ein. Ihre Nähe und ihre ungehemmte Sexualität hüllten ihn ein. Stöhnend umfasste er ihre Hand und wandte sich zu ihr um. Er strich ihr durchs Haar und blickte ihr in die Augen.

Was auch immer mit ihnen beiden geschah, er konnte es nicht länger ignorieren. Das hier war viel mehr als nur Sex.

Eindringlich erwiderte sie seinen Blick, als würde auch sie es spüren.

Hemi bemerkte die leidenschaftliche leichte Rötung ihrer Haut. Tief atmete er ihren Duft ein, diese unverwechselbare Mischung aus Wildblumen und leidenschaftlichem Sex.

Seufzend senkte er den Kopf und ließ seine Lippen über ihre gleiten. Spielerisch küsste er sie auf die Wange und flüsterte Jessie all die Dinge zu, die er gern mit ihr tun wollte.

Als Antwort umfasste sie seine Taille und zog ihn enger an sich.

Hemi strich ihr den Rücken auf und ab, streifte ihr den Slip ab und hob Jessie wieder auf den Kommodentisch. Ungeduldig zog er ihr den Sport-BH über den Kopf.

Sein lustvoller Blick reichte, und ihre Nippel richteten sich auf. Sie lehnte sich rücklings an die Wand und neigte den Kopf leicht zur Seite, während Hemi ihren Körper betrachtete.

Sie spreizte die Schenkel, und wie gebannt hing sein Blick an den sorgfältig gestutzten Härchen dazwischen.

Ihre weiche gebräunte Haut erinnerte ihn daran, dass Jessie die meiste Zeit in freier Natur irgendwo auf diesem Planeten verbrachte, während all sein Streben darauf ausgerichtet war, diesen Planeten zu verlassen. Er brannte vor Sehnsucht nach ihr, doch gleichzeitig war ihm bewusst, wie verschieden sie beide waren.

Schnell verdrängte er diesen Gedanken und beugte sich zu ihrem Nabel vor. Sie strich ihm mit beiden Händen durchs Haar, und er konnte nicht genug davon bekommen, ihre Finger am Kopf zu spüren. Immer tiefer drückte sie seinen Kopf hinunter.

Mit einer Spur von Küssen näherte er sich ihrem Schoß. Spielerisch reizte er die empfindsamen Innenseiten ihrer Schenkel mit den Zähnen und glitt mit Lippen und Zunge immer tiefer ihr Bein hinab. Er reizte ihre Kniekehle, und Jessie bekam eine lustvolle Gänsehaut.

Langsam näherte Hemi sich wieder den feuchten Lippen zwischen ihren Schenkeln und strich mit zwei Fingern dazwischen entlang.

Ihr Kitzler ragte glitzernd und erregt empor.

Hemi beugte sich noch weiter vor. Mit der Zunge glitt er über die kleine Knospe, und mit den Fingern drang er in sie ein. Aufreizend saugte er an der erregten Klitoris, und Jessie krallte sich stöhnend in seine Schultern.

Drängend schob sie die Hüften vor und erwiderte jede Liebkosung seiner Zunge und seiner Finger.

Ihr sinnliches Stöhnen erfüllte den Raum. Hemi spürte ihre Schenkel auf seinen Schultern, schmeckte ihre Lust und fühlte ihre Feuchte an den Fingern. Das alles machte ihn rasend vor Erregung. Alles in ihm drängte darauf, eins mit ihr zu werden, aber zuerst wollte er ihre Lust stillen.

Keuchend drängte sie sich an seinen Mund, dann stieß sie einen langen tiefen Lustschrei aus.

Immer sanfter fuhr er mit seinen Liebkosungen fort, dann richtete er sich auf und stützte sich mit beiden Händen seitlich von ihr auf den Kommodentisch.

Schwer atmend schlang Jessie die Arme um ihn und lehnte den Kopf an seine Brust. Sie hörte, wie wild sein Herz schlug.

Er trat noch näher. Seine Erektion berührte sie zwischen den Schenkeln, und unwillkürlich spreizte Jessie die Beine etwas weiter. Hemi spürte die feuchte Glut an seiner Erektion und schob die Hüften vor. Tief drang er in sie ein.

Jessie legte den Kopf in den Nacken und zog Hemis Kopf zu sich herab. Ihre Münder trafen sich, und lustvoll umspielten sich ihre Zungenspitzen.

Hemi fing an, sich zu bewegen. Er wollte es langsam und stetig, aber innerlich brannte seine Lust. Er wollte sich ihr für immer einprägen, damit sie ihn nie vergaß, auch dann nicht, wenn er ins Weltall abhob.

Keuchend hob er den Kopf und bewegte die Hüften immer schneller. In ihm tobte das Verlangen, als würde es niemals wieder versiegen. Wieder strich er ihr durchs Haar, neigte ihren Kopf nach hinten und sah sie an. Ihre Augen waren halb geschlossen, der Mund leicht geöffnet, und alles an ihr strahlte ungezügelte Leidenschaft aus.

Sie packte seinen Po, und das gab ihm den Rest.

Er kam ungestüm und wild. Seine Lust entlud sich, und noch während die glutvollen Schauer ihn durchrasten, spürte er, wie sie sich um seine Erektion anspannte und seinen Namen ausstieß.

Hemi schloss die Augen. Er lehnte die Stirn an die Wand hinter ihr und hielt Jessie geborgen an sich gedrückt. Langsam strich er ihr den Rücken hinab und wartete, bis sie beide wieder ruhig atmen konnten und in die Realität zurückkehrten.

Schließlich öffnete er die Augen und sah Jessie ins Gesicht.

Lächelnd erwiderte sie seinen Blick, und sein Herz zog sich zusammen. Hemi umschloss sie noch enger.

„Tja, das …“

Auch er lächelte.

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