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TIFFANY EXKLUSIV BAND 63

Erotische Geständnisse

1. KAPITEL

„Du trägst einen klassischen marineblauen Rock. Das wirkt nach außen hin sehr geschäftsmäßig, aber ich weiß, dass du darunter nackt bist. Du liebst das seidige Gefühl des Stoffs auf deiner Haut, nicht wahr, Skorpion?“

Trisha Bain schluckte, als sie die Worte auf dem Bildschirm ihres Computers las.

„Ja“, tippte sie und klickte dann auf „Senden“.

„Du betrittst mein Büro und schließt die Tür.“ Dein hinreißender Mund verzieht sich zu einem Lächeln, das alles andere verschwinden lässt. Du lehnst dich an die Tür und schaust mich mit deinen großen blauen Augen an – Augen, die deine geheimsten Gedanken preisgeben. Heute sagen deine Augen mir, dass du mich willst. Willst du mich, Skorpion-Frau?

„Ja“, tippte Trisha.

„Ich will dich auch, Baby. Ich habe dich schon immer gewollt.“

Sie erschauerte.

„Ich streiche mit der Hand über meinen Schreibtisch, und du kommst zu mir herüber. Dein Gang hat mich schon am Tag, als wir uns kennenlernten, verrückt gemacht. Du lässt dir Zeit, es macht dir Spaß, mich warten zu lassen.

Du setzt dich auf meinen Schreibtisch, legst deine Füße auf die Armlehnen meines Stuhls, spreizt deine langen sexy Beine für mich. Wie oft habe ich mir gewünscht, deine Beine zu berühren. Darf ich dich berühren, Skorpion-Frau?“

„Ja, bitte“, tippte sie.

„Ich lege meine Hände um deine Fesseln und lasse sie zu deinen Schenkeln gleiten. Deine Haut ist weich. Ich wusste von Anfang an, dass sie sich so samtweich anfühlen würde. Ich habe auf dich gewartet. Den ganzen Tag habe ich auf unser Treffen gewartet. Ich spüre, dass du zitterst. Du hast auch gewartet, nicht wahr?“

„Ja“, tippte sie atemlos.

„Ich streiche mit den Fingern durch deine Löckchen und stöhne, wenn ich die Hitze zwischen deinen Beinen fühle. Du bist feucht. Dein Duft erregt mich noch mehr, und ich muss dich einfach schmecken.“

Oh, du liebe Güte.

„Ich streichle dich mit der Zunge und lasse sie um dich herumkreisen. Das magst du, nicht wahr, Skorpion?“

Sie wand sich, als ihre sensibelste Stelle zu prickeln begann.

„Ja“, tippte sie.

„Du bist so feucht, so bereit. Dein Atem geht schwer, und du biegst deinen Kopf zurück. Ich hebe den Blick und beobachte, wie sich deine Brüste bei jedem deiner Atemzüge heben und senken – zuerst langsam, dann immer schneller. Deine harten Brustspitzen zeichnen sich unter deiner Bluse ab, und der Anblick erfüllt mich mit heißem Verlangen. Du bist kurz vor dem Höhepunkt. Du möchtest das, nicht wahr?“

Trishas Hände zitterten, ihre Zehen krümmten sich in ihren blauen Plüschhausschuhen. Der Fische-Mann kannte heute keine Zurückhaltung, aber nach dem hektischen Tag in der Agentur war ihr das gerade recht.

Sie legte ihre bebenden Finger auf die Tastatur und tippte: „Ja.“

„Es ist besser, wenn ich dich noch ein wenig hinhalte.“

Oh nein, bitte nicht.

„Meine Zunge berührt dich kaum. Du biegst deinen Rücken und drängst dich mir entgegen. Du versuchst, näher zu kommen, doch ich halte dich an den Schenkeln fest und lasse dich warten. Du fieberst danach, dass ich die gewisse Stelle berühre, die Stelle, die ich so gut kenne. Ich höre dich ‚Bitte‘ flüstern. Du willst dort berührt werden, nicht wahr?“

„Bitte“, tippte sie, kaum noch imstande, ihre Finger zu bewegen. Ihr Körper drängte nach Entspannung, aber Fisch47, das wusste sie, war noch nicht bereit.

„Jetzt bin ich bei der Stelle, Darling. Meine Zunge streicht mit leichten raschen Zügen daran entlang, dann fester, schneller, bis du in meinem Mund kommst. Du willst schreien, aber du musst still sein, weil man dich hören könnte. Du beißt dir auf die Lippe und unterdrückst dein Stöhnen, während du dich dem Gipfel näherst.

Du zuckst unter meinem Mund. Es fühlt sich so gut an, Baby. Ich bin groß und hart, und ich sehne mich danach, von dir umschlossen zu sein. Ich muss dich in die Arme nehmen, muss deine sexy Brüste auf meiner Haut fühlen und in dich hineingleiten, bis du um Gnade flehst.“

Trishas Mund wurde trocken. Sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und hätte sich am liebsten gestreichelt, um die sexuelle Spannung loszuwerden. Aber es war noch nicht an der Zeit. Sie musste ihn in sich haben.

„Darf ich dich jetzt nehmen, Skorpion-Frau?“

„Ja“, tippte Trisha hastig.

„Ich stehe von meinem Stuhl auf. Dein Blick ist verhangen, du bebst vor Erregung.“

Sie klammerte sich an ihren Stuhl, zu keiner Bewegung fähig, bis sie den Fortgang des Geschehens las.

„Ich öffne den Reißverschluss meiner Hose, und als du siehst, wie groß und hart ich bin, stockt dir der Atem.“

Sie sog scharf die Luft ein.

„Ich lenke meine Erektion zwischen deine Schenkel, berühre dich leicht mit der Spitze. Du beißt dir auf die Unterlippe, während deine Augen mich anflehen, in dich einzudringen. Du bist für mich bereit, nicht wahr, Skorpion-Frau?“

Sie hob ihre Hände zu den Tasten. „Bitte“, tippte sie mit rasender Schnelligkeit.

„Ich bewege meine Hände unter deinen Rock und umfasse deine Hüften. Du fühlst meine Finger tiefer wandern und dich ertasten. Dein Atem geht schnell und stoßweise. Vor Verlangen bebend, wartest du darauf, dass ich in dich eindringe.“

Sie ließ ihre Hände sinken und krallte die Finger in das Stuhlpolster.

„Mit einem einzigen Stoß dringe ich ein, und du ziehst dich fest um mich zusammen. Aus deiner Kehle dringt ein gedämpftes Stöhnen.“

Trisha machte einen scharfen Atemzug und schloss die Augen, um das Bild im Kopf zu bewahren. Es war an der Zeit, dem Fische-Mann die Führung zu überlassen. Sie schob eine Hand zwischen ihre Schenkel und begann sich zu streicheln.

„Ich bin härter als je zuvor. Deine Lider senken sich, und dein Lächeln sagt mir, dass du magst, was wir tun. Aber du brauchst mehr. Und ich auch. Wir haben es so lange gewollt.“

Eine Ewigkeit lang, dachte sie, während das Streicheln ihrer Finger schneller wurde.

„Ich lege meine Arme um dich und dringe tiefer in dich ein. Ich küsse deinen Hals, schmecke das Salz auf deiner feuchten Haut. Du duftest nach Lavendel. Das macht mich an, und ich gleite noch tiefer in dich hinein.“

Ja.

„Ich bringe dich mit einem letzten Stoß zum Höhepunkt. Dein Stöhnen sagt mir, wie sehr du es magst, wenn ich gleichzeitig deinen sensibelsten Punkt streichle, und so liebkose ich dich dort, während du dem nächsten Höhepunkt entgegentreibst.“

Trisha formte sich ein Bild aus den Worten auf dem Bildschirm. Es wurde heiß im Zimmer, ihr Atem ging kürzer.

„Mein Herz klopft wie wild. Du legst deine Hände auf meine feste feuchte Brust. Du spürst, wie ich in dir wachse. Ich bin kurz davor, Skorpion-Frau. Du fühlst dich so gut an. Ich muss alles von dir fühlen. Ich bewege mich in dir und schmiege mein Gesicht in deine warme Halsbeuge. Während ich dich mit heißen Stößen liebe, erzählst du mir deine Träume.“

Meine Träume?

„Was sind deine Träume, Skorpionfrau?“

Trisha starrte benommen auf den Bildschirm. Sie war kurz vor dem Orgasmus und Fische47 fragte sie nach ihren Träumen?

Kein Mann hatte ihr je eine solche Frage gestellt. Keiner hatte sich je für ihre Ziele und Träume interessiert. Aber andererseits war sie bezüglich ihrer Partner nie besonders wählerisch gewesen.

Und dieser war nur ein Cyberpartner.

LoveAstrology.com hatte mit Cybersex etwas Besonderes versprochen. Unter Verwendung der Sternzeichen wurden passende Partner ausgesucht, und so waren Skorpion63 und Fische47 zusammengebracht worden. Ihren Geburtsdaten nach waren Trisha und ihr Gefährte im Cyberspace die idealen Sexpartner.

Und so, wie sie sich momentan fühlte, musste Trisha den Machern von LoveAstrology die Note „ausgezeichnet“ geben.

Fische47 war wirklich gut.

Seine letzte Frage erschien nochmals auf dem Bildschirm. „Was sind deine Träume, Skorpion-Frau?“

Sie hob eine Hand zur Tastatur. „Ich möchte“, gab sie ein und klickte dann auf „Senden“, weil sie nicht wusste, wie sie den Satz beenden sollte.

„Es bleibt nicht mehr viel Zeit, Skorpion. Ich kann mich nicht länger zurückhalten. Gleich bin ich weg, Süße. Erzähl mir von deinen Träumen. Ich möchte wissen, wovon du träumst.“

„Ich möchte Liebe“, tippte sie und sendete.

„Dann werde ich dir Liebe schenken, Darling. Eine Traumliebe, nur für uns beide. Ich flüstere dir die Worte ins Ohr, während wir uns zusammen dem Gipfel nähern. Ich bin hart, mein süßes Skorpion-Mädchen, so hart. Ich versuche, länger durchzuhalten, aber du bist so warm und eng. Ich kann deine Schönheit nicht betrachten, ohne die Kontrolle über mich zu verlieren. Ich muss meine Augen schließen, aber dein blumiger Duft treibt mich näher an den Rand. Komm mit mir. Bist du bereit?“

„Ja“, antwortete sie.

„Dein Schoß hält mich fest umschlossen, und ich fühle den Moment der Entspannung nahen. Du beginnst zu schreien, aber man darf uns nicht hören. Ich verschließe deinen Mund mit meinem und ersticke deine Schreie, während ich mich in dir verliere.“

Und damit war es um sie geschehen. Sie stöhnte auf, als die Lust in ihr aufbrandete. Heiß pulsierte es zwischen ihren Beinen und ganz, ganz langsam verebbten die Hitzewellen und gingen in wohlige Wärme über.

„Du erbebst in meinen Armen. Deine Haut ist feucht, und deine himmlischen Brüste sind an meinen Körper gepresst. Dein seidiges dunkles Haar streift meinen Schreibtisch. Ich halte dich und betrachte dein schläfriges befriedigtes Lächeln. Du bist so schön. Ich drücke meine Lippen auf dein Dekolleté und schmecke die süße Haut zwischen deinen Brüsten. An meinen Lippen fühle ich deinen hämmernden Herzschlag, der langsamer wird, als wir uns eng umarmt ausruhen.“

Oh ja.

Dann entstand eine lange Pause. Trisha fühlte sich zu kraftlos, um die Tasten zu betätigen, und sie fragte sich, ob es ihm genauso ging. Sie wartete, und endlich erschienen wieder Worte auf dem Bildschirm.

„Wie fühlst du dich, Skorpion?“

Ihre matten Finger schafften es gerade eben, ein Wort zu tippen: „Gut.“

„Ich auch.“

Trisha brauchte noch einen Moment, um sich zu erholen. Sie wollte etwas Sinnvolles erwidern, statt nur Wortfetzen einzugeben.

„Ich …“, begann sie, um ihm zu bedeuten, dass sie in Kürze antworten würde.

„Nein, mein Skorpion-Mädchen. Dieser Abend gehört dir. Kriech in dein Bett. Kuschel dich unter die Decke und denk an mich. Träum von deinen Träumen, wenn du schlummerst.“

Sie starrte auf den Bildschirm, noch ganz benommen von dem, was gerade passiert war.

„Mach ich“, tippte sie.

„Gute Nacht, Darling. Und denk dran, wann immer du mich brauchst, ich bin nur einen Klick entfernt.“

Reglos las sie die Worte, während die Nachricht erschien, dass Fische47 sich abgemeldet hatte. Sie sah sich in ihrem Schlafzimmer um und stellte verblüfft fest, dass es irgendwann während des Chats dunkel geworden war. Das einzige Licht im Zimmer stammte von dem weiß leuchtenden Bildschirm.

Trisha atmete tief, um ihren Kopf zu klären, und lud dann den Chat herunter. Sie hatte alle Chats mit Fische47 gespeichert, weil sie zu gut waren, um vielleicht irgendwann im Cyberspace zu verschwinden. Also verwahrte sie in der Datei „Fische47“ die Erinnerungen an den Mann am anderen Ende der Leitung – wer auch immer er war.

Trishas Verstand sagte ihr, dass er vermutlich ein dickbäuchiger verheirateter Mann war, oder ein nach Sex hungernder College-Boy. Aber in ihren Fantasien gab es nur einen Partner für ihre erotischen Höheflüge: Logan Moore.

Er war das Objekt ihrer Begierde, seit sie vor zwei Jahren in der Werbeagentur Moore zu arbeiten begonnen hatte. Und in diesen zwei Jahren hatte er sie für alle anderen Männer, die ihren Weg kreuzten, gänzlich verdorben. Keiner reichte an Logan Moore und seine dunklen Mitternachtsaugen heran. Trisha hatte sich oft gefragt, was für Geheimnisse er in den bodenlosen Tiefen dieser Augen verborgen hielt.

Aber das würde sie nie herausfinden. Denn Logan war nicht nur ihr Boss, sondern auch ein Playboy mit einer Vorliebe für Supermodels und aufstrebende junge Schauspielerinnen. Mit all den glamourösen Schönheiten konnte Trisha Bain natürlich nicht mithalten.

Über ein Jahr lang hatte sie versucht, ihre Verliebtheit zu ignorieren. Sie war weiterhin mit Männern ausgegangen, in der Hoffnung, dass irgendwann Mr. Perfect daherkäme und sie den hochgewachsenen markanten Mann ihrer Träume vergessen ließ. Doch ihre Bemühungen erwiesen sich als zwecklos. Kein Mann würde ein gleichwertiger Ersatz für Logan Moore sein.

Kurz nach dieser bitteren Erkenntnis war Trisha zufällig auf LoveAstrology.com gestoßen, was sich als die perfekte Lösung herausstellte. Sie konnte online mit dem idealen Partner ihre sexuellen Fantasien ausleben, ohne durch einen realen Kontakt daran erinnert zu werden, dass dieser ideale Partner nicht Logan Moore war. Sie kombinierte die Worte eines Mannes mit dem Bild eines anderen Mannes und hatte ihren Traumprinzen.

Natürlich wusste Trisha, dass sie sich nicht ewig an einen Mann klammern konnte, der in der Wirklichkeit nicht existierte. Sie musste in ihrem Leben vorangehen, was vermutlich einen Jobwechsel bedeuten würde.

Ihre Fantasien von Logan Moore und ihr Abonnement bei LoveAstrology.com würden mit dem Abschluss der Werbekampagne enden, an der sie momentan arbeitete. In einigen Monaten würde diese Kampagne das Juwel unter ihren beruflichen Leistungen sein und ihr dabei helfen, einen gut bezahlten Job in einer der besten Agenturen zu finden.

Nur noch wenige Monate voller erotischer Fantasien, und sie würde Logan Moore vergessen und ihr Leben in neue Bahnen lenken.

Das war ihr Plan.

„Alles klar für das große Meeting?“

Trisha blickte von ihrem Schreibtisch auf und sah ihre Freundin Adrienne in der Tür ihres Büros. „Nicht ganz.“ Sie legte den in ihrer Hand zitternden Stift weg, um ihre Nervosität zu verbergen. „Devon hat gerade aus San Diego angerufen. Sein Flug geht später, und er wird nicht rechtzeitig zurück sein. Es wird also ein Meeting zu zweit, nur Logan und ich.“

Adrienne trat einen Schritt ins Büro. „Na und? Es ist deine Kampagne. Wozu brauchst du Devon?“

Mit Devon wäre es ein Dreiermeeting gewesen. Ohne ihn würde Trisha mit Logan in seinem Büro allein sein, was bedeutete, dass die Trennungslinie zwischen Realität und Fantasie gefährlich dünn werden würde.

Sie presste ihre Hände zusammen. „Ich bin einfach nur …“, begann sie und verstummte, weil sie nicht wusste, wie sie die Sache erklären sollte. Aber Adriennes wissendem Blick nach brauchte sie nichts zu erklären.

Ihre Freundin schloss die Tür. „Es hat mit Cyberman zu tun, stimmt’s?“

Trisha begriff noch immer nicht, warum sie Adrienne ihre Chats gebeichtet hatte. Sicher, Adrienne war seit ihrem gemeinsamen Studium in Berkeley ihre beste Freundin, und wenn Trisha etwas zu beichten hatte, dann kam nur Adrienne als Zuhörerin in Frage. Das Dumme war nur, dass Adrienne von Anfang an gegen die Chat-Idee gewesen war, und ihr Ich-hab’s-dir-ja-gesagt-Blick verhieß nichts Gutes.

Trisha wollte Mitgefühl und keine Moralpredigt.

Adrienne setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Sie machte es sich bequem. Offenbar wollte sie eine Weile bleiben. „Ich hab dir ja gleich gesagt, dass das mit Cyberman eine schlechte Idee war.“ Sie starrte Trisha einen qualvoll langen Moment an. Dann lächelte sie. „Warum sagst du Logan nicht einfach, dass du mit ihm ausgehen möchtest?“

Was war nun schlimmer, die Moralpredigt oder das Unvermögen ihrer Freundin, die Sache zu begreifen? „Ja, warum eigentlich nicht?“, wiederholte Trisha in sarkastischem Ton. „Weißt du, bei meiner Größe von eins fünfundsechzig bin ich für Logan Moore zehn Zentimeter zu klein.“

Wenn Trisha ihrem Boss gegenüberstand, war sie auf Augenhöhe mit seinem imposanten Brustkorb, aber der einen Meter sechsundachtzig große Logan bevorzugte Frauen, zu denen er sich nicht hinabbeugen musste.

„Außerdem sind meine Brüste echt“, fuhr sie fort. „Ich war nie auf einem Laufsteg, ich habe mich nie für Baywatch beworben, und ich bin keine künstliche Blondine.“ Sie legte ihre Hände übereinander. „Wie viele Punkte sind das gegen mich?“

Adrienne schnaubte. „Ach, du denkst immer, dass du alles weißt. Logan war nach seiner Scheidung mit einigen Partygirls zusammen, und du meinst, über sein Liebesleben Bescheid zu wissen. Glaub mir, er bevorzugt Frauen, die was im Kopf haben.“

„Klar. Carmella Beal war mordsgescheit. Was hat sie noch auf dem Bankett anlässlich der Preisverleihung gesagt?“ Trisha klapperte mit den Wimpern und zwitscherte: „Ich liebe Strände. Sie liegen so nah am Meer.“ Als Adrienne zu kichern begann, fügte sie hinzu: „Den Spruch sollte man auf ein Sofakissen sticken.“

„Stimmt, Carmella war ziemlich dümmlich, aber vielleicht hast du bemerkt, dass sie inzwischen von der Bildfläche verschwunden ist.“

Trisha nickte. „Ja. Wahrscheinlich lehrt sie jetzt an der Uni von Stanford Physik.“

„Also jetzt bist du gemein, Trisha.“

„Wieso? Jede Frau, die sich auf acht Zentimeter hohen Stilettos und mit XXL-Brüsten aufrecht halten kann, hat eine Professur in Ingenieurswissenschaften verdient.“

„Logan ist bei ihrem Ausspruch erstarrt.“

„Kein Wunder. Die Frau hat ihn wie einen kompletten Idioten aussehen lassen.“ Trisha schüttelte ärgerlich den Kopf. „Er hat es wahrhaftig nicht nötig, sich mit solchen dummen Hühnern abzugeben.“

„Nein, wirklich nicht. Aber das war nur eine vorübergehende Phase nach seiner Scheidung. Wir alle wissen das.“

„Hast du ihn je mit einer normalen Frau gesehen?“

„In den letzten sechs Monaten hat keiner ihn mit irgendeiner Frau gesehen. Ich glaube, das Kapitel Frauen ist für ihn erledigt.“

„Siehst du, da haben wir’s. Er ist das Dating-Spiel leid. Ich werde mich hüten, ihm nachzulaufen. Vielleicht täte ich es, wenn ich den Eindruck hätte, dass er interessiert ist. Aber der Mann hat mir nie irgendein Signal gesendet, nicht mal ein kleines Augenzwinkern. Ich kann unser berufliches Verhältnis nicht aufs Spiel setzen, indem ich einen unerwünschten Annäherungsversuch mache. Das ist die Sache nicht wert.“

Trisha ergriff ihren Stift und fügte ihren Notizen für das Meeting einige Ideen hinzu. Trotz Adriennes Bemerkungen über Logan und sie hatte die Frau es geschafft, ihre Nerven vorläufig zu beruhigen.

„Bill findet, dass ihr zwei perfekt zusammenpassen würdet.“

Ein eisiger Schreck durchfuhr Trisha. „Du hast mir doch versprochen, Bill nichts hiervon zu erzählen.“

Adrienne war seit vier Monaten mit Bill Jeffries zusammen, Logans Produktmanager und bestem Freund. Obwohl Trisha anfangs Vorbehalte wegen der Büroromanze gehabt hatte, musste sie zugeben, dass die beiden als Pärchen total süß waren. Sie hatten beide mittelblondes Haar, dunkle Augen und Wangengrübchen und sahen aus wie füreinander geschaffen. Und da sie nach vier Monaten noch so verliebt waren wie am ersten Tag, hatte Trisha das Gefühl, dass aus der Romanze der beiden mehr werden könnte.

Aber ganz gleich wie gut Adriennes Bürobeziehung lief – Trisha hatte nicht dieselben Freiheiten. Adrienne und Bill waren nur Kollegen, während Trisha in ihren Boss verliebt war. Und obwohl Romanzen in den Betriebsvorschriften nicht untersagt waren, würde eine Beziehung mit einem Vorgesetzten eine sehr heikle Angelegenheit sein.

Adrienne lehnte sich seufzend zurück. „Ich hab dir unzählige Male versichert, dass das Thema Logan und Cyberman unter uns bleiben wird.“

„Und ich habe meine Warnung ernst gemeint, Ade. Wenn ein Sterbenswörtchen davon zu Logan durchsickert, schicke ich allen in der Firma eine E-Mail, in der ich mitteile, wie du in Wirklichkeit heißt.“

Adrienne war in einer freigeistigen, von der Hippie-Kultur geprägten Atmosphäre aufgewachsen und hatte ihre Gesundheitssandalen und knöchellangen Röcke nie abgelegt. Aber es gab zwei Dinge bezüglich ihrer unkonventionellen Herkunft, die sie vor den Kollegen geheim halten wollte. Das eine war die radikale politische Einstellung ihrer Eltern, die unter anderem eine Verdammung der gesamten Werbebranche einschloss, also auch der Agentur Moore. Die Werbung, so ihre Eltern, betriebe Gehirnwäsche und würde somit die Gier der Konzerne noch anfachen.

Adriennes anderes Geheimnis war ihr wahrer Vorname Kolibri Eukalyptus, nach dem Lieblingsvogel und Lieblingsbaum ihrer Mutter. Sie hatte den Namen schon als Kind lächerlich gefunden und mit ihrem Schulabschluss abgelegt. Als Adrienne war sie dann in die „richtige“ Welt eingetreten.

Trisha drohte ihrer Freundin nur selten mit der Enthüllung ihrer Geheimnisse, aber verzweifelte Zeiten verlangten verzweifelte Maßnahmen.

„Ich schwör’s dir, Bill ist ganz von selbst auf die Idee gekommen“, beteuerte Adrienne.

Trishas Pulsschlag ging allmählich auf das normale Tempo zurück. „Und was hast du dann auf seine Bemerkung hin gesagt?“

„Dass ich seiner Meinung bin, aber dass es deine und Logans Angelegenheit sei. Ich hab mich schon mal als Vermittlerin betätigt und werde es nie wieder tun. Versprochen!“

Trisha atmete auf. „Danke.“

„Hör zu, Trisha, wenn du dich an Logan nicht herantraust, musst du dir wieder einen Freund suchen. Du brauchst ein richtiges Liebesleben und kannst jeden Mann haben, den du willst. Warum du im Internet mit diesem Fremden unanständig redest, will mir nicht in den Kopf. Du wirst doch wohl wissen, dass er ein pickliger Teenager ist.“

Trisha grinste. „Oder ein zahnloser alter Rodeoheld.“

„Als ob du das nötig hättest! Du hast einen echten Mann verdient. Ich verstehe nicht, warum du mit Hal Schluss gemacht hast. Der Typ war heiß.“

„Harley-Hal? Lederklamotten sind nicht mein Stil.“

„Trish, der Bursche war heiß und hat dich angebetet.“

„Er wollte, dass ich mir ein Tattoo machen lasse.“ Trisha zog eine Grimasse. „Ich werde nie die Braut eines Bikers sein.“

„Und Phil? Was hat dir an ihm nicht gepasst?“

„Er hatte nie einen Job.“

„Aber er studiert doch Medizin“, sagte Adrienne.

„Phil ist ein vierunddreißigjähriger ewiger Student. Er hat bereits seinen Abschluss in Jura, aber bemüht er sich um die Gerichtszulassung? Nein. Er beschließt, Medizin zu studieren. Er wird nie etwas erreichen. Er bleibt einfach an der Uni, damit seine Eltern ihn weiterhin unterstützen.“

„Seine Eltern sind steinreich, was bedeutet, dass er ebenfalls reich ist. Was für eine Rolle spielt es, ob er arbeitet oder nicht? Du würdest mit Sicherheit nicht in Armut enden.“

„Ich kann einen Mann nicht achten, der sich nicht bemüht, sein Leben selbst zu meistern.“

Adrienne seufzte. „Also irgendwas musst du tun. Du kannst nicht einen pickligen Jungen dazu benutzen, um dir sexuelle Freuden mit Logan vorzustellen. Hör auf damit, sonst kriegst du bald einen Nervenzusammenbruch.“ Sie zog Trishas Block vom Schreibtisch und zeigte auf die letzten Notizen. „Da! Du hast denselben Satz drei Mal geschrieben. Fängst du schon an zu stottern?“

„Ich bin nur etwas zerstreut.“

„Wegen Cyberman.“

„Nein!“, widersprach Trisha, aber sie klang nicht sehr überzeugend.

Adrienne warf den Block auf den Schreibtisch. „Cyberman ist ein pickliger Teenager. Wiederhol dir das, bis es sich dir eingeprägt hat. Lösch die Fantasien, mit denen dieser Typ dein Gehirn vernebelt, und ersetze sie durch ‚Pickelboy‘.“

Trisha glaubte nicht, dass sie das könnte. Sie hatte sich den letzten Sex-Chat so fest eingeprägt, dass nichts und niemand das Bild aus ihrem Kopf entfernen könnte – das Bild von Logan Moore, der ihr an seinem Schreibtisch unglaubliche Wonnen bereitete. Zum Glück trug sie heute nicht den marineblauen Rock, aber wenn Logan dasselbe weiße Hemd wie in ihrer Fantasie anhatte, dann würde sie in Schwierigkeiten geraten.

Wenn sie es genau bedachte, hatte Adrienne recht. Der Cybersex verkomplizierte ihre Arbeit, und sie musste das beenden, bevor sie in ihren Leistungen nachließ und sich ihre Aufstiegschancen vermasselte.

„Ich muss nur noch dieses Projekt durchziehen, dann kann ich gehen“, sagte sie.

„Meinst du es wirklich ernst mit der Kündigung?“

„Mir bleibt nichts anderes übrig. Ich muss Abstand zu Logan schaffen, bevor ich meinen Ruf ruiniere. Sobald die Werbung für Tyndale Resorts anläuft, habe ich etwas vorzuweisen, um woanders einen guten Job zu bekommen.“

„Einen ebenso guten wie das, was du jetzt hast?“

Adrienne wusste etwas. Ihre Frage und ihre bedeutungsvolle Miene sagten Trisha, dass sie Informationen hatte und darauf brannte, sie preiszugeben.

„Was weißt du, Adrienne?“

Ein breites Grinsen ging über Adriennes Gesicht. Es war dieses typische Höchste-Zeit-dass-du-fragst-Lächeln, das Trisha so gut kannte. Ihre Freundin beugte sich vor und flüsterte: „Es geht das Gerücht, dass Logan dich zur Geschäftsführerin befördern will.“

„Und wer ist die Quelle dieses Gerüchts?“

„Personalabteilung.“

Eine zuverlässige Quelle, aber trotzdem konnte Trisha es nicht recht glauben. Sie war erst zwei Jahre in der Firma, viel kürzer als die anderen Marketingleiter. Andererseits hatte keiner ihrer Kollegen so große Etats an Land gezogen wie sie.

Sie überdachte die Konsequenzen einer Beförderung und schüttelte den Kopf. „Mit solchen Plänen vergeudet er seine Zeit. Ich bleibe nicht.“

Adrienne starrte sie schockiert an. „Aber Trish, es geht hier um eine super Position. Welche andere Agentur macht eine achtundzwanzigjährige Frau zur Geschäftsführerin? Du wärst verrückst, solch eine Chance nicht zu ergreifen.“

Trisha hasste es, wenn Adrienne recht hatte. „Ich muss erst mal darüber nachdenken.“

„Du musst Cyberman den Laufpass geben. Du musst bezüglich Logan aktiv werden oder über ihn hinwegkommen und dir einen anderen suchen.“ Adrienne blickte zu Trishas Händen, die jetzt wieder zitterten. „Sieh dich bloß mal an. Du bist ein Nervenbündel. Die Cybersache funktioniert nicht. Du bist viel entspannter mit Logan umgegangen, bevor du mit Pickelboy angebändelt hast.“

Trisha seufzte. „Ich weiß. Aber ich mag ihn. Wenn wir chatten, hab ich manchmal das Gefühl, als ob er mich kennt. Es ist fast unheimlich, wie sehr wir uns in unserer Denkweise gleichen.“

„Unheimlich ist das treffende Wort.“ Adrienne warf Trisha ein warmes Lächeln zu, das an Mitleid grenzte. „Dieser Cybersex ist nichts für dich, Trisha. Mach Schluss mit Pickelboy, komm über Logan hinweg und nimm den Job an. Ruiniere deine Karriere nicht wegen eines Mannes. Du wirst das mit Logan hinkriegen. Du musst dich einfach nur bemühen.“

„Du hast recht“, antwortete Trisha. „Ich weiß, dass du recht hast.“

Leider waren Wissen und Handeln zwei verschiedene Dinge.

2. KAPITEL

„Hey! Was hast du morgen Abend vor?“

Logan blickte von seinen Notizen auf und sah Bill Jeffries mit einer Tüte Nüssen in der Hand in sein Büro kommen. „Was ist morgen? Donnerstag?“

„Den ganzen Tag“, sagte Bill und pflanzte sich auf einen Stuhl gegenüber Logans Schreibtisch.

Ohne nachzudenken murmelte Logan: „Ich hab ein Date.“

Bills Augen blitzten. „Ha! Ich wusste doch, dass du den Frauen nicht für immer abschwören könntest. Wer ist sie?“

Logan wünschte, er könnte diese Frage beantworten. Er hatte keine Ahnung, mit wem er sich zweimal wöchentlich im Dämmerlicht seines Arbeitszimmers traf. Er wusste nur, dass das Chatten mit Skorpion63 ihm von Mal zu Mal besser gefiel und dass er kein Date versäumen wollte.

„Es ist nicht die Art Date, die du meinst“, sagte er und bereute seine Bemerkung sofort.

Logan hatte nicht die Absicht, Bill von seinen Cybersex-Erlebnissen zu erzählen, ganz gleich, wie eng sie befreundet waren. Nachdem seine Eskapaden nach der Scheidung ihm den Ruf eines Playboys beschert hatten, würde er sich völlig lächerlich machen, wenn er gestand, dass er eine Internet-Liebesaffäre mit einer Unbekannten hatte.

Wie ein Mann in seiner Position bei Cybersex landen konnte, würde er nie begreifen. Es hatte als ein Jux begonnen, ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk seines Bruders Dane. Durch die Scheidung erschüttert und von seinem neuen Liebesleben frustriert, hatte Logan das Handtuch geworfen und sich überhaupt nicht mehr mit Frauen getroffen. Schließlich beichtete er Dane seinen Zustand, worauf sein Bruder ihn umgehend bei LoveAstrology.com anmeldete. Logan hatte ein Passwort und ein Date mit einer Frau bekommen, die er für eine virtuelle Prostituierte hielt. Eine dieser Ladys, die im Nachtfernsehen für ihre sprachlichen Verführungskünste warben.

Er hatte nicht vorgehabt, das Date einzuhalten, aber nach vier Gin Tonics und mit nichts anderem zu tun sagte er sich: Was soll’s? und loggte sich ein.

Zu seiner Überraschung entpuppte seine Partnerin sich als eine empfindsame und intelligente Frau, die genauso gehemmt war wie er. Ihr erster Chat war zum Lachen gewesen, tollpatschig und hilflos wie eben bei Leuten, die solche Dinge nicht gewohnt sind. Wäre er nicht beschwipst gewesen, hätte er die Stunde niemals durchgehalten. Er hatte sich sogar ein zweites Mal bei der Frau gemeldet, und ehe er sich versah, stand er unter ihrem Bann.

Er vermutete, dass sie eine frustrierte Hausfrau war, was ihm aus einem unerfindlichen Grund nichts ausmachte. Skorpion63 wurde für ihn der Inbegriff der idealen Frau. Und so erbärmlich es war, er brachte es nicht fertig, diese absurde Beziehung zu beenden.

„Was ist es dann, ein Geschäftsmeeting?“, fragte Bill.

„Etwas in der Art.“ Logan griff nach der Tüte und steckte sich eine Nuss in den Mund. „Wie kommt Megan mit der Anzeige für die Cream Donuts voran?“, wechselte er das Thema, bevor Bill ihn nach Einzelheiten ausquetschen konnte.

Leider biss Bill nicht an. „Du bist also wirklich mit den Frauen durch?“

„Die Donut-Werbung, Bill. Wie läuft es?“, fragte Logan nochmals. Er wollte nicht mit Bill über sein Liebesleben reden.

Bill nahm ihm die Tüte weg, schüttete sich ein paar Nüsse in die Hand und warf die Tüte auf den Schreibtisch. „Warum lädst du Trisha nicht mal zum Essen ein? Sie ist perfekt für dich.“

Logan hätte sich fast verschluckt. Mit Trisha Bain würde er sich nie im Leben einlassen. Und die Tatsache, dass sein Körper anderer Meinung war, machte sie nur noch gefährlicher.

„Sie ist ein Duplikat meiner Ex“, erklärte er.

Bill lachte. „Ach komm. Du kannst Trisha nicht mit Virginia gleichsetzen.“

Nein, Virginia Matthews, vorher Virginia Moore, war einzigartig, aber sie und Trisha hatten eines gemeinsam: Sie waren beide erfolgsbesessen. Und deshalb musste Logan die hübsche Trisha weit auf Abstand halten.

„Sie will gute Leistungen bringen, aber nicht dein Geschäft an sich reißen“, fügte Bill hinzu.

Logan wollte ihr gar nicht erst die Gelegenheit dazu geben. Er war ein dummer junger Unternehmer gewesen, als er Virginia heiratete. Dumm genug, um Entscheidungen nicht mit dem Kopf zu treffen, sondern mit seinem damals aktivsten Körperteil. So kam es, dass er die Hälfte seines Geschäfts von Virginia führen ließ, und als sie ging, nahm sie diese Hälfte mit. Die Firma Moore hatte drei Jahre gebraucht, um ihre Stellung als eine der Top-Werbeagenturen in San Francisco wiederzuerlangen. Aber Logan würde viel länger brauchen, um sein Vertrauen in die Frauen wiederaufzubauen. Besonders in Frauen mit dem Aussehen und der Intelligenz von Trisha Bain.

„Trisha macht ihren Job außerordentlich gut“, sagte Logan. „Ihre Entwürfe für Tyndale Resorts sind fantastisch. Tyndale ist von ihrer Arbeit begeistert, und es sieht ganz so aus, als ob wir den Auftrag kriegen. Das wird die Feder an unserem Hut sein, die uns wieder an die Spitze bringt.“ Und die zauberhafte Virginia Matthews wird sich schwarzärgern. Ach, er würde zu gern den Ausdruck in ihrem chirurgisch verschönten Gesicht sehen, wenn sie die Mitteilung erhielt, dass sie den Tyndale-Etat an den Mann verlieren würde, den sie vor drei Jahren übers Ohr gehauen hatte.

„Ihr beiden seid ein tolles Team“, sagte Bill.

„Ja, beruflich. Und da endet es. Ich habe meine Erfahrungen gemacht, wie du weißt. Dank meinem brillanten Urteilsvermögen in puncto Frauen hätten wir beide fast unsere Jobs verloren.“

Und die Tatsache, dass Trisha ständig seine Gedanken beschäftigte, war der Beweis, dass er nicht ein bisschen gelernt hatte.

Nach Virginia hatte er um alle Frauen aus der Werbebranche einen großen Bogen gemacht. Und die Frauen in seiner Firma waren erst recht tabu für ihn. Nur so konnte er sicher sein, dass er seine Agentur nie wieder gefährden würde. Aber nach zwei Jahren Arbeit mit Trisha hätte er seine Regel beinahe gebrochen. Zum Glück hatte er der Versuchung widerstanden. Trisha hatte all das, was ihn zu Virginia hingezogen hatte – Intelligenz, Humor, einen beweglichen Geist, ein hinreißendes Lächeln, – und alles in einem verführerischen Körper verpackt.

All diese fantastischen Eigenschaften konnte man zu einem einzigen Wort zusammenfassen: Nein. Sosehr Logan sich bemühte, ihre Unterschiede zu erkennen, er sah vor allem die Ähnlichkeit zwischen Trisha und Virginia. Sie war zu offensichtlich, um ignoriert zu werden.

„Du hast eines vergessen“, sagte Bill. „Ich kenne Trisha. Sie ist Adies beste Freundin, und ich weiß, dass sie keine zweite Virginia ist. Und falls du dich erinnerst, war ich es, der dich vor Virginia gewarnt hat. Aber du hast nicht hingehört.“

Stimmt, dachte Logan. Er war zu verliebt in Virginia gewesen und zu dumm, um Bills Warnungen ernst zu nehmen. Bei Virginia hatte sein Verstand versagt, und wenn er sie im Bett in den Armen hielt, glaubte er ihr alles, was sie ihm zuraunte. Dass sie ihn über alles liebte, dass sie sich eine Familie wünschte, dass sie eine wundervolle gemeinsame Zukunft haben würden.

Und dann heirateten sie.

Sie beschlossen, ihr Leben auf Partnerschaft zu gründen – beruflich und privat. Aber kaum hatten sie ihre Ziele abgesteckt, ließ Virginia die Bombe platzen. Kinder waren nicht ihre Zukunft, die Ehe war nicht ihr Ding. Das Einzige, was sie von Logan wollte, war eine Scheidung, einschließlich der Hälfte der Firma.

Er hatte einen enormen Kredit aufnehmen müssen, um sie auszuzahlen. So bekam sie das Geld und den Status, um ihre eigene Agentur zu gründen und ihm dann nach und nach seine Etats wegzuschnappen. Trotz allem schaffte er es, seine Agentur wieder nach oben zu bringen. Aber der Schaden, dem sie seinem Vertrauen in seine Instinkte zugefügt hatte, war irreparabel. Wie er so vollkommen blind hatte sein können, war ihm ein Rätsel, doch er hatte für seinen Irrtum teuer bezahlt. Die Heirat war ein Fehler, den er nicht wiederholen würde.

„Ich bin nicht interessiert“, sagte er.

„Wie du meinst. Aber irgendwann wirst du anfangen, auf deinen alten Kumpel zu hören. Ich weiß, was gut für dich ist.“

Logan versuchte aufs Neue, das Thema zu wechseln. „Warum hast du mich eigentlich wegen morgen Abend gefragt?“

„Adie und ich wollen in einen Klub gehen und uns eine Band anhören, die sie entdeckt hat. Wir dachten uns, dass es nett wäre, wenn ein paar Leute mitkämen.“

Logan hob die Augenbrauen. „Was für Leute?“

„Na, eben ein paar Freunde.“

Bills vage Antwort sagte Logan genug. „Hör auf mit deinen Versuchen, mich mit Trisha zusammenzubringen.“

„Ich versuche gar nichts. Trisha kommt nicht mal mit.“

Nun war Logan verwirrt. „Was habt ihr in Wahrheit morgen vor?“

Bill druckste eine Weile herum, bis er schließlich tief Luft holte und beichtete. „Also, es ist so eine Art Dichterlesung.“

Logan warf den Kopf zurück und lachte.

„Ach komm, Mann. Adriennes Mutter besteht darauf, dass sie hingeht. Es scheint etwas Besonderes zu sein, und sie möchte, dass die ganze Familie dort erscheint.“

„Ich gehöre nicht zur Familie.“

„Hinterher gibt’s Musik“, lockte Bill.

„Was denn? Gezupfe auf einem Sitar?“

„Wahrscheinlich.“

„Ohne mich.“ Obwohl es eine verlockende Vorstellung war, Bill dabei zu beobachten, wie er durch ein Hippie-Teehaus schlich und nach dem Bierausschank suchte.

„Tu mir den Gefallen, Mann. Hilf mir.“

Logan sah Bill verwundert an. „Soll das ein Witz sein, oder was? Ich hab noch immer Ohrenschmerzen von dem Punkrock-Festival, zu dem du mich letztes Jahr mitgeschleppt hast.“ Er schüttelte angewidert den Kopf. „Wie war noch mal der Name?“

„Fawn. Und es war alternativer Rock, kein Punk.“

„Für mich ist das alles dasselbe.“

„Du bist ein alter Muffel.“

„Und du hast einen bizarren Geschmack in puncto Frauen“, gab Logan zurück. „Adrienne ist wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.“

„Und Trisha wäre das auch. Ich verstehe nicht, warum du sie nicht willst. Ihr beiden würdet ein nettes konservatives Paar abgeben, mit Aktenkoffern und Fahrstuhlmusik.“

Logan ignorierte den Hieb. „Vergiss das mit mir und Trisha. Ich habe Pläne für sie, und die haben nichts mit Sex zu tun.“

Bills Augen blitzten auf. Insider-Informationen waren sein Leben. Er genoss es, in ein Geheimnis eingeweiht zu sein, und manchmal dachte Logan, dass Bill in einem früheren Leben eine Frau gewesen war.

„Pack aus, Junge. Lass mich nicht im Dunkeln.“

Logan grinste und schwieg. Er liebte es, Bill zu foppen, und umgekehrt war es genauso. Das gegenseitige Getrieze war ein Spiel, das sie miteinander spielten, seit sie sich vor zehn Jahren kennengelernt hatten.

Bill hielt seine Hände hoch. „Also?“

„Tyndale expandiert. Er besitzt sechs Ferienanlagen an der Westküste und plant einen luxuriösen Ferienclub in der Karibik. Wenn wir den Werbeetat bekommen, werden wir mehr Leute einstellen müssen.“ Logan langte nach der Zellophantüte und betrachtete einen Moment lang die Nüsse, um Bills Qual noch mehr in die Länge zu ziehen. „Ich glaube, Trisha hat das Zeug dazu, eine separate Reise-Abteilung einzurichten und zu leiten.“

„Dann ist das Gerücht also wahr.“

Logan knallte die Tüte auf den Schreibtisch, als Bills Grinsen ihm verriet, dass er eben verkohlt worden war. „Verdammt! Ich kann Sally wohl überhaupt nichts anvertrauen“, schimpfte er. Aber er ärgerte sich mehr über das verlorene Spiel mit Bill als über die Indiskretion seiner Personalchefin.

Bill lachte. „Sorry, alter Junge. Ich wusste das schon.“

„Dann behalt es für dich, obwohl es wahrscheinlich sinnlos ist. Ich habe noch nichts entschieden. Wenn wir Tyndale nicht kriegen, haben wir nicht genug Aufträge, um eine neue Abteilung einzurichten. Ich möchte nicht, dass Trisha enttäuscht ist, wenn aus der Sache nichts wird.“

„Mach dir darüber keine Gedanken. Du wirst Tyndale kriegen, und alles wird laufen wie geplant. Da bin ich mir ganz sicher.“

Pickelboy. Pickelboy. Pickelboy.

Trisha stand vor Logans Bürotür und wiederholte ihr neues Mantra, um ihre Nerven zu beruhigen. Sie hatte gehofft, dass Devon durch irgendein Wunder doch noch rechtzeitig zu dem Meeting zurückkäme. Aber er saß noch immer in San Diego fest.

Sie war auf sich selbst gestellt.

Trisha holte tief Luft, vertrieb die Erinnerung an den letzten Chat und betrat mit ihren Ordnern im Arm das Büro.

Kaum sah sie Logan hinter seinem Schreibtisch, war das Bild wieder in ihrem Kopf. Nicht nur, dass er das weiße Oberhemd trug, das sie sich während des Chats vorgestellt hatte. Er saß auch ohne Krawatte da, genau wie in ihrer Fantasie. Sein Hemd war oben aufgeknöpft und zeigte eine Spur dunklen Haars, die darauf hindeutete, dass seine kräftige Brust mit der idealen Dichte von Löckchen bedeckt war. Maskulin, aber nicht allzu behaart.

Er hatte seine Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, und seine Hände lagen auf den Armlehnen. Genau so hatte sie es beim Chatten vor sich gesehen.

Sie riskierte einen kurzen Augenkontakt und sah, wie Logans Blick über ihren Körper glitt. War er vielleicht doch an ihr interessiert? Leider verriet dieser Blick nicht genug, um ihre Frage zu beantworten.

Dennoch sandte seine kurze Musterung ein Prickeln durch ihre Brüste, das bis zu dem sensiblen Punkt zwischen ihren Schenkeln hinabwirbelte. Sie stand wie angewurzelt da, die Ordner an sich gepresst.

Er hob seine Hand und winkte. „Kommen Sie rein.“

Sekundenlang verweigerten ihre Füße ihren Dienst. Sie wollte nicht an seinem Schreibtisch sitzen, denn das Bild von ihr auf dem Schreibtisch drängte sich in ihre Gedanken.

Widerstrebend ging sie hinein, den Blick auf die Wand geheftet. Bloß nicht Logan ansehen und seinen Mund, der erst letzten Abend zwischen ihren Schenkeln …

Hitze durchflutete Trish, und sie befahl sich, zur Vernunft zu kommen und sich auf ihren Job zu konzentrieren. Sie war ein Profi und hatte ihre Position nicht dadurch erlangt, dass sie wegen zwei offenen Hemdknöpfen durchdrehte.

Mit festen Schritten durchquerte sie das Büro und setzte sich lässig auf einen Stuhl ihm gegenüber. Sie würde ihn einfach nicht ansehen. Schließlich waren sie hier zusammen, um die Anzeigenkampagne zu diskutieren und nicht, um einander in die Augen zu schauen.

Sie ließ die Ordner auf den Schreibtisch fallen und schlug den ersten auf. „Also das hier ist es. Ich glaube, die Anzeigen werden Tyndale gefallen.“

„Guten Tag, Trisha“, antwortete er.

Langsam hob sie den Blick von den Anzeigen zu seinem Gesicht. Als ihre Blicke sich trafen, durchzuckte sie ein Blitz.

Sieh ihm nicht in die Augen!

Sie blickte zu seinem Haar, zu diesen dunklen dichten Wellen, die sie in ihrer Fantasie schon so oft gestreichelt hatte.

Nein, das mit dem Haar war keine gute Idee. Ihr Blick glitt zu seiner Brust.

Nein, nicht die Brust.

Sein Ohr. Sie entschied, auf sein Ohr zu sehen, bis ihr einfiel, dass sie letzten Dienstag in ihrer Fantasie daran geknabbert hatte.

Während sie sein Gesicht nach einem Fixierungspunkt absuchte, merkte sie, dass sie, bildlich gesprochen, am Untergehen war. Sie brauchte einen Rettungsring. Schnell sah sie zu der Bronzeskulptur auf dem Sideboard. Eine Gruppe wilder Pferde – wie passend. Eine Horde wilder Pferde würde bestimmt die Begierde aus ihrem Kopf jagen.

„Sie sind immer ganz Business, nicht wahr, Trisha?“

Sie gab sich in Gedanken einen Tritt. Es war an der Zeit, dass sie sich wie eine erwachsene Frau benahm, die in der angesehenen Agentur Moore angeblich zur Geschäftsführerin befördert werden sollte. Und wenn sie diese Stelle haben wollte, musste sie sich beweisen, dass sie diese pubertäre Lüsternheit nach ihrem Boss bezwingen konnte und ein reifer Mensch war.

Sie räusperte sich. „Ich bin einfach nur aufgeregt wegen dieser Kampagne. Es ist das größte Projekt, an dem ich bisher gearbeitet habe, und ich habe das Gefühl, dass wir den Auftrag bekommen. Unsere Gruppe hat Ideen entwickelt, die dem Stil der Ferienanlagen entsprechen. Sie werden beeindruckt sein.“

Er blickte auf die Mappen. „Was Sie betrifft, Trisha, bin ich immer beeindruckt.“

Das half nicht gerade.

„Danke.“

Er nahm die Hände von den Armlehnen, faltete sie und lehnte sich zurück – entspannt, lässig und total sexy. Durch seine Bewegung wehte ein Dufthauch seines Rasierwassers zu ihr, was sie von Neuem erregte.

„Ich habe nur ein einziges Problem mit Ihnen, Trisha.“

Das kühlte sie sofort ab. Sie sah ihn abwartend an.

Sein leichtes Grinsen sagte ihr, dass er ihren Schreck bemerkt hatte. „Sie arbeiten zu viel, Trisha. Mir ist aufgefallen, dass Sie nur an zwei Abenden in der Woche vor sieben gehen.“

Das waren die Abende, an denen sie früher nach Hause ging, um in ihrer Fantasie Sex mit ihrem Boss zu haben.

Er beugte sich vor und stützte seine Ellbogen auf den Schreibtisch. Für ihr Gefühl war er etwas zu nah.

„Damit will ich sagen, dass ich nicht schuld sein möchte, wenn Sie sich Ihr Privatleben verderben.“

Zu spät.

„Wenn Sie noch einen Assistenten benötigen, brauchen Sie nur ein Wort zu sagen.“

Sie atmete tief und zwang sich zu entspannen. „Danke für das Angebot, aber Devon und ich kommen zu zweit prima zurecht.“

„Hm. Aber Ihr Freund würde es sicher begrüßen, wenn Sie Unterstützung bekämen, oder?“

Sie machte den Mund auf, brachte aber kein Wort hervor. Logan hatte sie noch nie auf ihr Privatleben angesprochen und sich immer auf das rein Geschäftliche beschränkt. Und da er der Grund war, warum sie mit keinem Mann zusammen war, wusste sie nicht, was sie antworten sollte.

Sein Lächeln schwand. „Sorry, ich wollte nicht in Ihrem Privatleben herumschnüffeln.“

„Aber Logan, ich bitte Sie. Sie haben mich nicht verärgert.“ Sie wollte nicht, dass er ihr Schweigen als Empörtheit deutete und sich wie ein Grobian fühlte. „Es ist nur … ich habe keinen Freund. Das ist alles.“

Seine Augen verdunkelten sich. Sie konnte nicht sagen, ob es Ungläubigkeit war oder Argwohn, oder sonst was. Aber irgendetwas änderte sich in ihm, und sie begriff beim besten Willen nicht, warum. Weshalb sollte es ihn kümmern, dass sie ungebunden war? Und warum reagierte er mit einem so offensichtlichen Missfallen? Viele in der Firma waren Singles. Logan war selbst Single. Wieso irritierte es ihn, dass sie keinen Freund hatte?

Als sie ihn fragen wollte, schnitt er ihr das Wort ab. „Es gibt mehr im Leben als nur Arbeit. Sie verlangen sich zu viel ab, und ich muss wissen, ob Sie Aufgaben delegieren können.“

So, da war es. Der Hinweis, dass er sie möglicherweise befördern wollte.

„Ich kümmere mich nur besonders intensiv um Tyndale. Denn ich weiß, wie wichtig Ihnen dieser Etat ist.“

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ja, der Etat ist mir wichtig, aber ich werde nicht meine besten Leute opfern, um ihn zu bekommen. Außerdem möchte ich, dass Sie nächste Woche für die Präsentation ausgeruht sind.“

Trisha spürte einen Kloß im Hals. Es rührte sie, dass Logan Moore ihr einen kleinen Einblick in sein Inneres gegeben hatte. Er zeigte nicht oft seine fürsorgliche hilfsbereite Seite, und sie fragte sich, was er sonst noch hinter seiner stoischen Professionalität verbarg.

„Ich schätze Ihre Besorgnis“, sagte sie. „Und ich verspreche Ihnen, dass ich mir freinehmen werde, sobald das hier in Druck geht.“

Er räusperte sich und griff nach dem Ordner. „Das ist ein vernünftiger Deal. Also, dann wollen wir mal loslegen.“

„Entschuldigt, dass ich zu spät komme.“

Trisha warf ihre Handtasche auf den Küchentresen im Haus ihrer Eltern, drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und setzte sich neben ihren Bruder Mark an die Esstheke. „Devon ist unterwegs, und ich musste alles allein deichseln“, erklärte sie.

„Kein Problem“, beruhigte ihr Vater sie. „Ich habe gerade eben die Kartoffeln aufgesetzt. Wir essen erst in einer halben Stunde.“

„Wie läuft es mit der Tyndale-Kampagne?“, fragte ihre Mutter.

„Gut. Logan ist sehr zufrieden, und ich schätze, wir haben gute Chancen, den Etat zu bekommen.“

Sie schenkte sich ein Glas Bordeaux ein, froh, nach dem langen Arbeitstag im Kreis ihrer Familie entspannen zu können. Obwohl sie alle in ihre Jobs eingespannt waren, kamen sie zwei Mal im Monat zum Abendessen zusammen. Es war ein altes Familienritual.

Trishas Eltern hatten beide Berufe mit hohen Anforderungen. Ihr Vater Philipp war Professor für Wirtschaft an der Universität Berkeley, und ihre Mutter Monica hatte eine leitende Position an der Sunwest Bank. Aber dennoch hatten die beiden immer dafür gesorgt, dass die Familie wenigstens einmal wöchentlich gemeinsam aß. Die Tradition reichte bis in Trishas Kindheit zurück, und obwohl sie und ihre Geschwister längst ausgezogen waren, kamen sie alle zu der Familienmahlzeit, die erst seit Kurzem zwei Mal im Monat stattfand.

Trishas Eltern hatten nie verlangt, dass sie kamen. Die Dinner waren offene Einladungen an jeden, der kommen konnte. Aber sie kamen immer. Ihre ältere Schwester Cheryl war hauptberuflich Mutter von zwei Kleinkindern, und die Familienessen waren ihre Chance, aus dem Haus zu kommen und ihrem Mann Kinder und Küche zu überlassen. Trishas jüngerer Bruder Mark steckte mitten in seiner Doktorarbeit in Psychologie und versäumte nie die Gelegenheit, nach Hause zu fahren, seine Wäsche im Schlepptau.

Für Trisha waren die Besuche eine Hilfe, um geerdet zu bleiben. Zu Hause wurde sie regelmäßig daran erinnert, was sie vom Leben wollte. Ihr wurde warm ums Herz, als sie ihre Eltern bei der Arbeit beobachtete. Die Szene vor ihr spiegelte wider, was sie in einer Ehe zu finden hoffte. Ihre Mutter und ihr Vater kochten gern zusammen. Sie hatten die Pflicht zu einer Kunst vervollkommnet und wieselten umeinander herum wie zwei Liebende. Es war symbolisch für die Art, wie sie ihr Leben führten. Anspruchsvolle Berufe und die Erziehung von drei Kindern miteinander zu vereinen, war keine leichte Aufgabe. Aber Philipp und Monica Bain hatten es immer leicht erscheinen lassen. Ihre gegenseitige Achtung, ihre feste Kameradschaft hatten ihrer beider Leben und ihre Familie zu einem Erfolg gemacht.

Trisha wünschte sich für ihre Zukunft das gleiche Leben und hoffte, den Mann zu finden, der sich mit ihr zusammen durchs Leben arbeiten würde, so wie ihre Eltern es taten. So wie Logan und sie in der Firma zusammenarbeiteten.

Sie verscheuchte den abwegigen Gedanken. Schließlich war sie hier, um die Gesellschaft ihrer Familie zu genießen.

„Du kommst gerade richtig“, sagte Mark, als Cheryl sich an die Esstheke setzte. „Du musst mir helfen.“

„Wobei denn?“

„Bald ist Valentinstag, und ich brauche eine Idee für ein Geschenk für Grace.“

„Dann wird es wohl ernst mit Grace, was?“, fragte Monica, die gerade Möhren klein schnitt.

„Vielleicht. Zwar denke ich noch nicht ans Heiraten, aber eine Frau, die während der Examenszeit mit mir fertig wird, verdient etwas Schönes, finde ich.“

Cheryl lachte. „Sie verdient es, heiliggesprochen zu werden.“

„Mach’s kurz. Was soll ich ihr schenken?“

„Natürlich Diamanten und Gold.“

„Ich hab gesagt, dass ich noch nicht ans Heiraten denke.“

„Ich dachte an eine Halskette, du Idiot.“

Mark runzelte die Stirn. „Was meinst du, Mom?“

„Eine Halskette wäre schön. Oder vielleicht ein Armband.“

Er drehte sich zu Trisha. „Hast du schon mal Schmuck zum Valentinstag gekriegt?“

Trisha konnte sich nicht erinnern, ob sie überhaupt je ein Geschenk zum Valentinstag bekommen hatte. Keine ihrer Beziehungen schien diese Stufe zu erreichen. Bevor es richtig ernst wurde, hatte sie bei dem betreffenden Mann immer einen gravierenden Fehler entdeckt.

„Nein, Schmuck habe ich nie bekommen“, sagte sie. „Aber Hal hat mir an einem Valentinstag eine Motorradfahrt entlang der Küste geschenkt. Das fand ich süß. Allerdings wurde der Ausflug nicht so, wie ich gehofft hatte.“

„Ich erinnere mich daran.“ Cheryl lachte. „Ihr seid in so einer zwielichtigen Bar gelandet, stimmt’s?“

„Es war ein schlimmer Schuppen. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass meine Kamera geklaut werden würde.“

„Was hast du bloß an dem Mann gefunden?“, fragte Cheryl. „Er war vollkommen anders als du.“

Trisha trank einen Schluck Wein. „Ich war von seinem Körper angetan und hab nicht dran gedacht, dass ein Charakter darin war.“

„Er war heiß“, stimmte Cheryl zu. „Sag mal, ist es wahr, was man über die Größe von Männerhänden sagt? Hal hatte große Hände.“

„Das will ich nicht gehört haben“, verkündete ihr Vater.

Cheryl verdrehte die Augen. „Also wirklich, Dad. Wir sind erwachsene Frauen. Wie, glaubst du, bist du zu deinen beiden Enkelkindern gekommen?“

Philipp krauste die Stirn und drehte sich zu seiner Frau. „Du hast mir erzählt, dass es göttliche Einmischung war.“

„War es auch, Schatz.“ Monica zwinkerte ihm zu. „Cheryl hänselt dich nur.“

„Können wir auf die Geschenkideen zurückkommen?“, fragte Mark in dem typischen quengeligen Ton des kleinen Bruders. Und das im Alter von fünfundzwanzig.

„Das haben wir dir doch schon gesagt. Schenk ihr eine Kette oder ein Armband“, sagte Cheryl. „Grace wird sich riesig freuen. Frauen sind sowieso leichter zu beschenken als Männer. Ich weiß nie, was ich Steve schenken soll.“ Sie blickte zu ihrem Vater. „Dad, was war dein bestes Valentinsgeschenk von Mom?“

„Das ist leicht zu beantworten. Ich bekam eine entzückende selbst gemachte Karte, in der in Goldschrift geschrieben stand, dass wir ein Baby bekommen würden. Und acht Monate später kamst du auf die Welt.“

„Sieben“, korrigierte Monica. „Du weißt doch, alle meine Babys sind zu früh gekommen.“

Philipp lachte. „Stimmt. Trisha hättest du beinahe während eines Geschäftsmeetings zur Welt gebracht. Ich entsinne mich, dass die Krankenschwestern sagten, du wärst die bestgekleidete schreiende Frau gewesen, die sie je auf der Entbindungsstation hatten.“

Monica stöhnte. „Es war schrecklich. Meine Fruchtblase ist in einem Konferenzraum voller Banker geplatzt.“

„Wenn ihr mich fragt“, mischte Mark sich ein, „wollte Trisha bei dem Meeting dabei sein.“

„Ja, klar“, erklärte Trisha grimmig.

„Gib’s zu, Schwesterherz. Du bist in einem Nadelstreifenkostüm zur Welt gekommen, und deine Karriere ist deine große Liebe. Du warst schon immer so.“

Trisha warf ihrem Bruder einen Blick zu. Stimmte es, was er sagte? Zugegeben, sie hatte immer davon geträumt, so wie ihre Mutter zu werden, die zu Schulveranstaltungen in klassischen Kostümen und mit einer perfekten Grace Kelly-Frisur erschien. Trisha war stolz auf ihre Mom gewesen und fand es toll, wenn sie vor ihren Mitschülern mit ihr angeben konnte. Ja, sie hatte sich schon als Kind vorgenommen, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten.

Aber war sie auf demselben Weg? Sie hatte als Einzige in der Familie keine ernsthafte Beziehung. Sogar ihr kleiner Bruder schien an eine Zukunft mit seiner Grace zu denken, während sie selbst vor allem an ihren beruflichen Aufstieg dachte. Wollte sie wirklich Karriere machen und alles andere zurückstellen?

Sie sah zu ihren Eltern und wusste die Antwort. Nein. Die Berufe ihrer Eltern waren nur ein Teil ihres breit gefächerten Lebens, während Trisha ihren Job über alles andere gestellt hatte.

Ihre Mutter war erst Spitzenmanagerin geworden, als alle Kinder groß waren. Bis dahin war sie nur Filialleiterin gewesen – ein Job, der kein Herumreisen erforderte und nur halb so viele Verpflichtungen mit sich brachte wie ihre jetzige Stellung. Trisha hingegen war ausgerechnet in die Werbung gegangen, eine Branche mit strikten Terminfristen und zahllosen Überstunden. Die Aussicht auf den Geschäftsführerposten erschien ihr jetzt nicht mehr so umwerfend. Zum einen wäre der Stress bei der Arbeit noch größer als jetzt, und zum anderen würde sie aufgrund des Vertrags mit Tyndale ständig unterwegs sein.

Sie musste an Logans Mahnung denken, sich nicht zu überarbeiten. Anscheinend hatte er ihre Arbeitsbesessenheit schon erkannt, bevor es ihr selbst bewusst geworden war. Das war ein weiterer Grund, warum sie einen Mann wie ihn brauchte. Einen Mann, der sie daran erinnerte, dass es im Leben um mehr ging als nur um Arbeit und Business.

Und wenn sie dieses reichere Leben wollte, dann müsste sie wohl den Geschäftsführerjob vergessen und sich bei einer anderen Agentur bewerben. Denn sie würde ihr eigentliches Lebensziel völlig aus dem Blick verlieren, wenn sie weiterhin für einen Mann schwärmte, den sie nicht haben konnte.

„Mark, sei nicht so hart zu deiner Schwester“, sagte ihre Mutter.

„Schon gut, Mom“, erwiderte Trisha. „Ich glaube, genau das musste ich hören.“

3. KAPITEL

„Ich möchte mit dir an einem tropischen Ort sein.“

Die Worte auf dem Bildschirm überraschten Logan. Bis jetzt hatte Skorpion63 Bürofantasien bevorzugt, was ihm durchaus recht war. Aber die Vorstellung von einem blauen Meer, einem weißen Strand und einer warmen Brise gefiel ihm auch verdammt gut.

„Hm, ich sehe dich in einem superknappen saphirblauen Bikini“, tippte er.

„Ich habe gerade im Meer gebadet und komme vom Strand. Mein Haar ist nass. Wassertropfen rinnen meinen Rücken hinab. Während ich durch die Hotelsuite gehe, nehme ich meinen BH ab und werfe ihn beiseite. In dem klimatisierten Zimmer kühlt das Wasser auf meiner Haut ab. Meine Brüste sind straff und fest, und die kalte Luft lässt meine Brustspitzen hart werden.

Mir ist es in dem Zimmer zu kühl, und ich trete auf den Balkon, um mich aufzuwärmen. Ich lehne mich an das Geländer und lasse die warme Brise über mich hinstreichen.“

Das war gut, dachte Logan, während Wärme sich in seinem Körper ausbreitete.

„Du hast mich nicht ins Zimmer kommen sehen“, tippte er. „Du denkst, dass ich noch geschäftlich in der Stadt bin, aber das Meeting hat nicht lange gedauert. Ich war eben im Pool und trage nichts als ein Handtuch um meine Hüften.“

„Ich spüre dich hinter mir. Du stehst in der Balkontür, und ich nehme den frischen Geruch deines nassen Haars wahr.“

„Der Anblick deines Pos erregt mich. Er ist nackt, bis auf den blauen Stoffstreifen in der Mitte. Wasser perlt deinen Rücken hinab und verschwindet unter dem Stoff. Dort möchte ich auch sein.“

Oh, wie sehr er das wollte. Er schloss die Augen und spielte die Szene in Gedanken durch. Eine heiße Welle durchflutete ihn, und seine Lenden spannten sich an. Er hob die Hände zur Tastatur und wollte seinem Text gerade mehr hinzufügen, als ihre Worte auf dem Bildschirm erschienen.

„Ich neige mich über das Geländer. Die warme Luft fühlt sich gut auf meiner Haut an, aber das Gefühl deiner Hände auf meinen Brüsten ist noch viel besser. Du drückst kleine zarte Küsse auf meinen Nacken, und ich erschauere bei deinen Liebkosungen.“

Das Bild bewirkte, dass seine Jogginghose zu einem Zelt wurde. Er sank in seinem Ledersessel zurück und überließ der Skorpion-Frau die Führung.

„Deine Finger liebkosen meine Brustspitzen, und mir stockt der Atem. Ich höre, wie dein Handtuch an dir hinabrutscht und auf den Boden fällt. Während du meine Brüste streichelst, fühle ich dich an meinem Rücken. Du bist so hart, so bereit. Ich spreize die Beine, weil ich dich zwischen meinen Schenkeln fühlen will.“

Hart vor Erregung, antwortete er ihr. „Ich nehme meine Hände von deinen Brüsten und lasse sie zu deiner Taille gleiten. Nun schiebe ich meine Daumen unter den Rand deines Tangas und ziehe den Stoff an deinen Beinen hinab. Du kickst den Tanga mit den Füßen fort, und da ich gebückt hinter dir stehe, kann ich nicht widerstehen und beiße zart in deine Pobacke. Ich bewege meine Hand um dich herum und streichle dich. Als ich die feuchte Hitze fühle, kann ich mich kaum noch beherrschen.“

„Ich will dich, Fische-Mann. Ich will, dass du von hinten in mich hineingleitest, während die Brise mein Gesicht liebkost. Ich fühle die Hitze deines Körpers, als du deinen Mund auf meine Schulter drückst und an meiner Haut knabberst. Schmerz und Lust vermischen sich zu einem unglaublichen Gefühl, das zwischen meinen Schenkeln eine prickelnde Hitze erzeugt.“

„Du machst mich wahnsinnig, Skorpion. Ich bin so hart, dass es schmerzt. Es genügt nicht, dass ich mich an dir reibe. Ich muss in dir sein, von deiner Hitze eingehüllt.“

Logan war so weit, etwas Action in diese Fantasie zu bringen, aber die Skorpion-Frau ergriff die Zügel.

„Ich umfasse das Geländer, während du mich bei der Taille hältst. Du bist groß und musst die Knie beugen, um dich in die richtige Stellung zu bringen. Mein Rücken ist gebeugt, mein Po an dich gepresst. Ich warte darauf, dass du mich nimmst. Bist du bereit, Fische-Mann?“

Logan starrte auf die Worte und konnte nicht ganz glauben, was er sah. Seine Skorpion-Frau war noch nie so kühn gewesen, und er fragte sich, was sie noch für ihn auf Lager hatte.

Er hob eine Hand zur Tastatur. „Ja.“

„Du lenkst dein Glied zu mir und dringst ein. Deine Hüften heben sich, dann richtest du dich auf und hebst mich hoch.“

Verdammt, er hatte sich kaum noch unter Kontrolle. Sein Herz hämmerte, während er auf die Fortsetzung wartete.

„Du umfasst mich und reizt mich mit den Fingern. Ich bin dir völlig ausgeliefert, Fische-Mann. Ich drehe und winde mich, aber in dieser Stellung kann ich nirgendwohin. Ich kann nichts anderes tun, als das Meer zu betrachten und mich deinen Liebkosungen hinzugeben.“

Logan schluckte. Er hatte sie noch nie so heiß erlebt, so bestimmend.

„Du hältst mich mit deiner Erektion, liebkost mich durch meine Schenkel hindurch. In dieser Stellung bin ich eng. Du kannst mich innen drin nicht streicheln. Du kannst nur tiefer gehen, indem du mit Hilfe meines Gewichts weiter eindringst.“

Seine Erregung wuchs und wuchs. So etwas hatten sie bisher noch nicht getan, und es gefiel ihm sehr.

„Ich keuche, ich ringe nach Luft, Fische-Mann. Du bist tief in mir, aber ich will mehr. Ich möchte, dass du mich noch kraftvoller nimmst. Du umschließt mich mit den Händen und gleitest in mich hinein. Ich schreie und umklammere dich mit meinen inneren Muskeln. Bitte, mach, dass ich komme. Streichle meinen empfindlichsten Punkt.“

Logan war hart wie noch nie und entschied, sich Entspannung zu verschaffen.

„Deine Finger liebkosen mich, während du von hinten in mich hineinstößt. Du fühlst, wie eng ich dich umschließe und wirst noch härter.“

Gütiger Himmel, hilf mir. Logan streichelte sich schneller.

„Von deiner Stirn tropft Schweiß und rinnt meinen Rücken hinab. Meine Atemzüge gehen keuchend, jeder Atemstoß mischt sich mit einem Schrei. Ich bin kurz davor, zu kommen, und dieses Mal wird der Orgasmus uns beide zerreißen.“

Das war eine Untertreibung.

„Du nimmst mich schnell und hart. Ich umklammere das Geländer, meine Schreie werden lauter, und mein Inneres zieht sich um dein hartes Glied zusammen. Meine Knie knicken ein, ich schlinge meine Füße um deine Beine. Lust durchzuckt mich und ich halte dich in mir fest, sodass du nicht zurückkannst. Du hörst mich einen Schrei ausstoßen, der über den einsamen Strand hallt.“

Logan starrte auf den Bildschirm, während er sich dem Höhepunkt näherte. Er wurde langsamer, um das Gefühl hinauszudehnen. Noch nie hatte die Skorpion-Frau ihn so angestachelt, und er fragte sich, was sie in diese sexy Sirene verwandelt hatte.

„Ich stoße dich mit den Hüften an, damit du deine Finger von meiner Liebesperle nimmst. Das Gefühl ist zu stark. Aber bei jeder deiner Liebkosungen ziehe ich dich tiefer in mich hinein.

Du legst deine Hand über mich und drückst fest, bis ich wieder aufschreie, und mit einem letzten festen Stoß befreist du uns beide.“

Logan schloss die Augen, als der Orgasmus ihn erfasste. Ein rauer Laut entwich seiner Kehle, sein Rücken bog sich während der machtvollen Befreiung, und als er die Augen endlich wieder öffnete, konnte er die Worte auf dem Bildschirm kaum lesen.

„Du bewegst dich immer wilder, hast völlig die Kontrolle über dich verloren. Jetzt schrammen meine Knie gegen das Holz des Geländers. Du ziehst deine Finger von mir fort und umfasst meine Hüften. Du drückst meinen Körper gegen das Geländer, während du dich in mir verströmst.“

Sein Herz hämmerte wild, und er ließ die Hände sinken.

„Mein Kinn sackt auf meine Brust, und mein Haar fällt über das Geländer. Behutsam gleitest du aus mir heraus, ziehst mich in die Arme und trägst mich zum Bett. Die Ekstase bebt noch in mir nach. Du streckst dich neben mir aus, und wir ruhen auf dem Bett, während die Meeresbrise die leichten Vorhänge bauscht und durch das Zimmer schwebt.“

Logan hatte keine Antwort. Dies war die intensivste aller Begegnungen gewesen, die er mit der Skorpion-Frau gehabt hatte. Er hatte sie noch nie so leidenschaftlich erlebt, so voller Feuer, und er wünschte sich mehr denn je, zu erfahren, wer sie wirklich war.

Ach, wenn sie doch nur eine Frau wäre, die er richtig berühren und erkunden konnte, statt nur durch die kalten Tasten seines Computers. Andererseits wollte er die Fantasiefrau nicht verlieren. In den letzten Monaten war Skorpion63 die einzige Frau gewesen, auf die er wirklich zählen konnte, und er wollte nicht zerstören, was sie geschaffen hatten.

Er hob eine Hand zur Tastatur. „Skorpion“, tippte er.

„Ja, Fisch?“

„Du bist erstaunlich.“

Nach einer kurzen Pause antwortete sie. „Dieser Abend gehört dir, Fische-Mann. Dies ist unser tropisches Refugium, das nur wir beide kennen.“

„Das gefällt mir, Skorpion.“

„Gute Nacht, Fisch.“

Er hob die Hände, um etwas zu tippen, das sie noch für eine Weile bei ihm halten würde. Sie teilten sich vor oder nach dem Sex oft ihre Gefühle und Gedanken mit, und an diesem Abend wollte er mehr. Aber die Skorpion-Frau klinkte sich mit drei Sternchen aus, wahrscheinlich weil sie es musste. Also ließ er sie widerstrebend gehen.

„Gute Nacht, Darling“, tippte er. „Und vergiss nicht, wann immer du mich brauchst, ich bin nur einen Klick entfernt.“

Er stand vom Schreibtisch auf und wanderte durch sein Haus am Yachthafen von San Francisco. Am Erkerfenster des Wohnzimmers blieb er stehen, um die Abendstimmung in sich aufzunehmen. Der Himmel war für einen Januartag ungewöhnlich klar und gewährte ihm einen fantastischen Blick über die Bucht.

Für diesen Blick hatte Logan gut bezahlt, und er wünschte, er könnte ihn mit der Skorpion-Frau im Arm genießen, statt hier allein zu stehen.

Er hätte sie eben fast nach ihrem Namen gefragt, hatte es aber wohlweislich doch nicht getan. LoveAstrology.com war keine Partnervermittlungs-Website. In der Werbung der Seite wurde die Anonymität betont, und das mit gutem Grund. Je weniger die Paare voneinander wussten, desto freier konnten sie ihre sexuellen Fantasien ausdrücken. Und nur darum ging es bei LoveAstrology.com. Um Fantasien. Die Seite wurde nicht als Dating-Service, sondern als reine Unterhaltung vermarktet. Es war ein Ort für Leute, die der Realität entfliehen und einen Kick erleben wollten.

Logan war nicht auf sexuelle Fantasien aus gewesen, als er sich in die Seite einloggte. Aber er wusste, dass die meisten Abonnenten von LoveAstrology auf Kicks scharf waren. Und da die Skorpion-Frau nie eine nähere Bekanntschaft vorgeschlagen hatte, war sie offenbar nicht daran interessiert.

Und im Grunde war es besser, wenn sie eine Fantasie blieb. Eine Fantasie, die wahrscheinlich irgendwo in Wyoming in einem Wohnwagen lebte.

Logan ging ins Bad, nahm eine ausgiebige Dusche, zog sich warm an und ging hinaus ans Wasser. Ein Spaziergang in der frischen Meerluft war besser, als drinnen herumzusitzen und über sein Liebesleben zu sinnieren.

Trisha sah die Layouts für die Ferienanlage „Kap Horn“ durch, legte die Bögen in die Mappe und ging zu Logans Büro. Sie brauchte seine endgültige Zustimmung, um die Präsentation bei den Tyndale-Leuten vorzubereiten.

Da Logans Assistentin nicht an ihrem Schreibtisch saß, lugte Trisha um die offene Tür herum und sah ihn telefonieren. Er blickte auf und winkte sie wie üblich herein, hob dann den Zeigefinger, um ihr zu bedeuten, dass er nur noch einen Moment sprechen würde.

Sie ging hinein und wartete, wobei sie verstohlen sein markantes Gesicht betrachtete. Logan Moore sah wirklich umwerfend aus.

Er lachte, und ein Schauer durchlief sie. Logan hatte das sinnlichste Lachen, das sie je gehört hatte, leise und leicht und weich. Es war ein Lachen, das sie sich gut im Dunkeln vorstellen konnte, zwischen den Laken.

Sie zwang den Gedanken fort. Solche Fantasien durfte sie nicht mehr zulassen, nachdem sie in den letzten Tagen große Fortschritte in ihren Bemühungen gemacht hatte, über Logan hinwegzukommen. Ihr erster Schritt war gewesen, vor den Chat-Dates bereits um halb sechs nach Hause zu fahren. Dadurch hatte ihre Zeit in der Firma sich beträchtlich verkürzt. Und dann die karibische Fantasie, die Balsam für ihre Nerven gewesen war. Sie war im Umgang mit Logan lockerer geworden und würde jetzt nicht wieder durchdrehen. Immer schön die Ruhe bewahren.

Sie trat ans Fenster und blickte über die Bucht, die heute bei einem strahlend blauen Himmel ebenfalls ruhig war. Sogar die Betriebsamkeit unten auf der Straße hatte etwas Entspannendes. Trisha fühlte sich sicher und gelassen, als sie ihre Gedanken von dem Mann am Schreibtisch zu dem anstehenden Gespräch lenkte. Sie bekam die Sache wirklich in den Griff, und das freute sie.

Bis eine Bemerkung von Logan alles fortfegte.

„Dann wäre wohl alles soweit geklärt“, sagte er ins Telefon und fügte hinzu. „Also, wann immer du mich brauchst, ich bin nur einen Klick entfernt.“

Trisha erstarrte. Die Mappe fiel ihr aus der Hand, aber sie bemerkte es kaum. Mit offenem Mund stand sie da, den Blick auf Logan geheftet, als er den Hörer auflegte. Seine Abschiedsworte klangen in ihren Ohren.

Wann immer du mich brauchst, ich bin nur einen Klick entfernt.

Wie viele Leute sagten das denn? Trisha hatte sie noch nie von jemandem gehört, außer von Fische47. Und nun Logan Moore. Die möglichen Konsequenzen begannen in ihrem Kopf zu wirbeln.

„Trisha“, hörte sie ihn sagen, aber sie brachte kein Wort heraus.

Er stand auf, sichtlich besorgt. „Sind Sie okay?“

Sie blickte hinab und sah ihre Anzeigenkampagne verstreut auf dem Boden liegen.

Er stürzte zu ihr und streckte eine Hand zu ihrer Schulter vor. Beim Anblick seiner sich nähernden Hand zuckte sie zusammen. Um ihre Reaktion zu verbergen, hockte sie sich hin und sammelte mit zitternden Fingern die Papiere zusammen.

„Was ist, Trisha? Sie sehen aus, als hätten Sie ein Gespenst gesehen.“

Sie suchte verzweifelt nach einer plausiblen Erklärung. „Ich bin nur … mir ist gerade eingefallen, dass ich einen Anruf machen sollte.“

Hastig hob sie die letzten Blätter auf und steckte alles in die Mappe. „Dieser Betrieb schließt gleich. Es geht um etwas sehr Wichtiges.“

Sie sprang auf und stieß ihm die Mappe in die Hände. „Kann ich das hierlassen?“

„Klar“, sagte er, aber seiner Miene nach zu urteilen glaubte er ihr die Story nicht.

„Eventuell muss ich heute früher gehen. Ich werde Devon sagen, dass er wegen der Anzeigen bei Ihnen reinschauen soll.“

Sie hörte ihn „Okay“ murmeln, als sie aus der Tür schoss. Draußen hastete sie schnurstracks zur Damentoilette. Es war der einzige Ort, wohin Logan ihr nicht folgen konnte. Und sie befürchtete, er könnte es tun, um sie zu fragen, was mit ihr los war.

Sie stürmte in den Waschraum. Kaum war sie drinnen, kam Martha Andrews, eine ihrer Kolleginnen, aus einer Kabine. Ihre Augen wurden schmal, als sie Trisha atemlos an dem Waschbecken lehnen sah.

„Bist du okay?“

„Tu mir bitte einen Gefallen, Martha. Könntest du Adrienne bitte sagen, dass sie herkommen soll? Es ist dringend.“

Martha musterte sie aufmerksam. „Ist alles okay mit dir?“, fragte sie nochmals mit einem seltsamen Unterton.

„Ja. Ich … ich muss nur mit Adrienne sprechen.“

Martha wusch sich rasch die Hände und trocknete sie ab. „Ich sag ihr Bescheid.“

„Danke.“

Während sie wartete, versuchte Trisha, ihre Nerven zu beruhigen. Adrienne würde sie für verrückt erklären und sagen, dass diese Sache nur ein Zufall sei.

„Trisha?“ Es tat unendlich gut, die Stimme ihrer Freundin zu hören.

Adrienne kam um die Ecke. „Was ist los?“

„Wir müssen reden.“ Trishas Stimme zitterte. „Aber nicht hier. Ist der Konferenzraum um die Ecke frei?“

Adrienne ging hinaus, und es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie zurückkam.

„Ja.“

Die beiden schossen in den Konferenzraum, und Trisha ließ sich auf den nächsten Stuhl fallen. „Oh, Adrienne. Was soll ich bloß machen?“

Adrienne zog den Stuhl neben ihr heran und setzte sich. „Was ist denn bloß passiert?“

Trisha konnte es nicht herausbringen. Die ganze Sache war einfach zu demütigend. Aber sie brauchte Adriennes Hilfe. „Ich glaube, Logan ist Cyberman.“

„Unmöglich!“

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er ist es. Ich habe so ein Bauchgefühl, und es ist ein schlechtes Gefühl, Adie.“

„Moment. Jetzt erklär mir bitte mal, wie du auf diese Idee kommst. Was zum Kuckuck ist passiert?“

Trisha setzte sich gerade hin, atmete tief durch und erzählte von Logans Telefonat und seinem Schlusssatz. „Genau dasselbe sagt Cyberman immer zu mir, bevor wir uns ausloggen. Es ist jedes Mal das Letzte, das er sagt.“

Nun atmete Adrienne tief durch, offenbar verarbeitete sie die Information.

„Das bedeutet noch lange nicht, dass er Cyberman ist.“

„Hast du diesen Satz schon mal von jemandem gehört?“

„Nein, aber das heißt nicht, dass keiner es sagt. Es ist ja keine außergewöhnliche Äußerung. Schließlich hat Logan nicht ‚Hula-bula-honki‘ oder etwas anderes Merkwürdiges gesagt.“

Trisha warf ihrer Freundin einen mürrischen Blick zu und fragte sich, wovon zum Teufel sie redete.

„Du weißt schon, was ich meine“, blaffte Adrienne. „‚Ich bin nur einen Klick entfernt.‘ Das ist kein superorigineller Satz, den keiner außer Logan sich ausdenken kann. Ich wette, das Ganze ist ein Zufall.“

„Das glaube ich nicht. Ich kann es nicht erklären, aber irgendwie weiß ich, dass Cyberman und Logan ein und dieselbe Person sind.“

„Trisha, lass uns die Sache mal vernünftig durchdenken. Logan und du seid auf derselben Internetseite gelandet. Wie hoch war da die Wahrscheinlichkeit?“

Trisha hatte keine Ahnung, aber sie schätzte, dass der Wahrscheinlichkeitsgrad ziemlich niedrig war.

„Wie hast du die Seite überhaupt entdeckt?“, fuhr Adrienne fort.

Trisha dachte zurück. „Ich hab unten in der Lobby eine Broschüre gefunden. Sie lag auf dem Boden, als ob jemand sie verloren hatte. Ich wollte sie in den Müll werfen, aber als ich die Anzeige sah … na ja, sie sah interessant aus.“

„Du hast die Broschüre unten gefunden?“

„Ade, in diesem Gebäude arbeiten Tausende von Menschen.“

„Einschließlich Logan.“

Wieder wurde Trisha von Angst erfasst.

„Was gedenkst du zu tun?“, fragte Adrienne.

So weit war Trisha noch nicht gekommen. „Tja also …

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