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TIFFANY EXKLUSIV BAND 25

BARBARA BOSWELL

Ganz oder gar nicht

Als Neurochirurg ist Dr. Trey Weldon geschickt und sehr einfühlsam – als Verführer eher nicht. Sein frecher erster Annäherungsversuch zeigt bei Schwester Callie keinen Erfolg. Jedenfalls vorläufig …

ELISE TITLE

Donner, Blitz und heiße Küsse

Elizabeth sorgt sich um Peter. Die Folgen seiner Gehirnerschütterung werden immer schlimmer. Vor allem, wenn sie in seiner Nähe ist. Dass er ihr sogar ohnmächtig in die Arme fällt, hat ungeahnte Folgen …

GINA WILKINS

So schön wie im Roman

Nur allzu gerne nimmt Kane die bekannte Schriftstellerin bei sich auf. Alexandra ist nicht nur humorvoll und intelligent, sondern auch äußerst sexy. Doch eines Tages ist sie plötzlich verschwunden …

JILL SHALVIS

Ein Ausrutscher ins Glück

Bei ihrer ersten Begegnung ist Daisy dank ihrer Ungeschicklichkeit mit Eric im Hibiskus gelandet. Die Umstände, die sie jetzt zu ihm auf die Unfallstation geführt haben, sind allerdings noch viel peinlicher …

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Ganz oder gar nicht

1. KAPITEL

Im Operationssaal drängten sich Kollegen und Studenten, die Dr. Trey Weldon, dem bekannten Neurochirurgen, bei der Arbeit zusehen wollten. Der Zustand des Patienten galt als hoffnungslos. Man hatte ihn an Dr. Weldon überwiesen, der eine riskante, aber vielversprechende Operationsmethode für solche Fälle entwickelt hatte.

„Es ist ja wirklich heute voll hier“, sagte ein Medizinstudent leise. „Jeder will dem Meister bei der Arbeit zusehen.“

„Ja, Dr. Weldon ist wirklich der Beste“, bemerkte ein zweiter Student bewundernd.

„Ruhe bitte.“ Eine Schwesternschülerin sah die beiden strafend an. „Dr. Weldon spricht.“ In ihrem Ton klang unüberhörbar Ehrfurcht mit.

Dr. Weldon war gerade dabei, die Probleme der arteriovenösen Missbildungen zu erklären, verschlungenen oder missgebildeten Arterien oder Venen im Gehirn, die sich mit der Zeit übermäßig dehnten, auf das umgebende Gewebe Druck ausübten oder sogar platzten. Er hob bei der Bemerkung der Schwesternschülerin automatisch den Kopf und sah Callie Sheely, die OP-Schwester, kurz an.

Ihre Blicke trafen sich nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber er bemerkte das Funkeln in ihren großen dunklen Augen und wusste, dass sie unter dem Mundschutz über die Worte des jungen Mädchens lächelte.

Die Lippen des Chirurgen verzogen sich ebenfalls amüsiert. Vor nicht allzu langer Zeit hätte er nicht bemerkt, was es da zu lachen gab. Er fand damals auch die übertriebene Ehrfurcht völlig selbstverständlich. Er hatte sich mit den Jahren an Lob und Bewunderung dermaßen gewöhnt, dass es ihm ganz normal vorkam.

Bis Callie auftauchte. Trey würde nie ihr Grinsen vergessen, als ein jüngerer Kollege ihn übermäßig lobte. Das war das erste Mal, dass er sie im Operationssaal gesehen hatte.

Als er sie später gefragt hatte, hatte sie wieder gelacht und gemeint, sie fände es witzig, wie seine Bewunderer um ihn herumscharwenzelten und ihn mit Lob überhäuften.

Trey war von ihrer Offenheit überrascht gewesen. Bisher hatte es niemand gewagt, so mit ihm zu sprechen. Aber er ärgerte sich nicht darüber, sondern fand ihre Einstellung erfrischend.

„Natürlich ist die Bewunderung Ihrer Fans wirklich ehrlich“, hatte sie dann ernster hinzugefügt. Und diese aufrichtige Bemerkung hatte ihm mehr bedeutet als die anbetenden Blicke seiner jungen Kollegen und Studenten.

Seitdem sah er immer zu Callie hinüber, wenn die Komplimente wieder einmal etwas zu dick aufgetragen wirkten, und wusste, dass sie unter ihrem Mundschutz genauso lächelte wie er.

Trey fuhr mit der Operation fort und erklärte dabei seinen Zuschauern sein Vorgehen. Gleichzeitig musste er wieder an Callie Sheely denken, und wie wenig Ehrfurcht sie vor seinem gottähnlichen Ruf hatte.

Trey hatte die Fähigkeit, gleichzeitig verschiedene Dinge zu denken und zu tun und alles doch voneinander getrennt halten zu können. Es war eine Gabe, die er schon immer besessen hatte und die ihm selbstverständlich war.

Er bewegte den kleinen Finger leicht zur Seite, und Callie reichte ihm sofort das Gewünschte, ein kleines scharfes Skalpell, das er selbst für seine Zwecke entworfen hatte. Nur selten musste er Callie während einer Operation um ein Instrument bitten, höchstens dann, wenn zum Beispiel unvorhergesehene Komplikationen eintraten und er improvisieren musste.

Normalerweise wusste sie von früheren Operationen genau, welche Instrumente wann benötigt wurden. Und wenn er etwas anders machen wollte, dann ging er vorher mit ihr die einzelnen Schritte durch, und sie wusste, was von ihr erwartet wurde.

Trey bewunderte ihr fantastisches Erinnerungsvermögen wie auch ihre Fähigkeiten als Operationsschwester. Selbst in Stresssituationen blieb sie ruhig, und er hatte noch nie mit jemandem so gut zusammengearbeitet wie mit Callie Sheely. Im OP war sie wie ein Teil von ihm.

Diese Art von intuitivem Einklang war etwas ganz Neues für ihn. Ganz sicher hatte es so etwas in seinem privaten Bereich bis heute noch nie gegeben. Aber hier im Operationssaal waren Callie und er eins, verstanden sie sich ohne Worte und bildeten eine ungewöhnliche Einheit.

Trey hob wieder den Blick und sah in Callies dunkle, warme, ausdrucksvolle Augen. Intelligenz funkelte darin, Lebensfreude und …

„Gibt es noch Fragen?“, unterbrach er seine eigenen Gedanken.

In letzter Zeit hatte er immer häufiger ganz überraschend an Callie Sheely denken müssen. Er sah sie plötzlich vor sich, egal ob er gerade im OP stand oder allein in seiner Wohnung war, ob er mit Kollegen sprach oder sein Mittagessen allein in der Kantine einnahm, und dachte an ihre Augen, ihren Humor, ihr Lächeln …

Aber solche Gedanken gehörten nicht in ihre berufliche Beziehung. Und das war das Einzige, was ihn und Callie schließlich verband. Es war die einzige Verbindung, die sie jemals haben würden, die einzige Verbindung, die er wollte. Es durfte nicht anders sein.

Aber es störte ihn, wie sie manchmal plötzlich und unerwartet von seinen Gedanken Besitz ergriff. Er konnte es sich schließlich nicht leisten, dass sich sein scharfer Verstand Fantasien hingab.

„Ich wiederhole, gibt es noch Fragen?“ Er merkte selbst, wie ungeduldig das klang.

Und er wusste auch, dass seine Ungeduld nicht eigentlich gegen die Studenten gerichtet war, die ihm schweigend und ein wenig eingeschüchtert zuhörten.

„Dann kann ich also annehmen, dass jeder verstanden hat, was es mit arteriovenösen Missbildungen und diesem Eingriff auf sich hat?“ Trey konnte dem kurzen Schritt von Ungeduld zu Sarkasmus nicht widerstehen.

Eine der Medizinstudentinnen meldete sich mit einer etwas dümmlichen Frage, die Trey aber ausführlich beantwortete. Er musste sich von den Gedanken an Callie ablenken. Sie durfte ihm nicht unter die Haut gehen, auch wenn er viel zu viel an sie dachte. Nein, sie arbeiteten nur zusammen, nichts weiter. Sie waren noch nicht einmal oberflächlich miteinander befreundet. Sie hatten sich noch niemals außerhalb des Krankenhauses getroffen.

Und das war auch gut und richtig so.

Nein, sie ging ihm nicht unter die Haut.

Callie Sheely hörte der gründlichen Erklärung von Trey Weldon aufmerksam zu. Der weiche, melodische Ton seiner Stimme blieb wie immer nicht ohne Wirkung auf sie. Nur Trey konnte verführerisch und sexy klingen, während er die Schwierigkeiten eines gefährlichen Eingriffs beschrieb.

Callie beobachtete jeden seiner Handgriffe genau, um bereit zu sein, wenn er bestimmte Instrumente bei der Arbeit brauchte. Seine Stimme half ihr dabei, sich zu konzentrieren, wenn sie auch gleichzeitig von ihr fasziniert war, ja, mehr als das, erregt wurde. Trey Weldons Stimme war ausgesprochen sexy, dunkel, männlich und beinahe hypnotisierend.

Das war einfach nicht fair. Ihr Chef sah nicht nur gut aus, war brillant und talentiert, sondern er hatte dazu noch eine Stimme, die jedem Kinohelden Ehre gemacht hätte. Und sie musste diese Stimme täglich hören und sollte davon unbeeindruckt bleiben.

Sie kannte schließlich die Regeln nur zu gut. Sie war Dr. Weldons Untergebene, und auch nur als solche sah Trey Weldon sie, sollte er sie überhaupt wahrnehmen. Es war eben nicht so wie in den Märchen ihrer Kindheit, wo die arme Küchenmagd vom Prinz geheiratet wurde. Im wirklichen Leben blieb man unter seinesgleichen.

Callie seufzte leise und konzentrierte sich wieder auf Trey Weldon, der geschickt das kleine Skalpell handhabte, das sie ihm gereicht hatte, und dabei den Zuschauern sein Vorgehen erläuterte.

Seine Methodik war wirklich fehlerlos. Wie jedes Mal war Callie tief davon beeindruckt, wie mühelos er die kompliziertesten Eingriffe im Gehirn durchführte. Auch alle anderen sahen ihm gespannt zu. Dr. Trey Weldon, der außerordentlich begabte Neurochirurg am Tri-State-Krankenhaus wurde von seinen Kollegen nicht nur respektiert und bewundert. Er war ein Star, eine „Supernova von einem Chirurgen“, wie der Wissenschaftsreporter einer lokalen Pittsburgher Zeitung gemeint hatte. In seinem Artikel hatte er die Fähigkeiten des Chirurgen in den höchsten Tönen gelobt, hatte seinen eindrucksvollen Werdegang geschildert und die Anstrengungen der Krankenhausleitung, die Dr. Weldon endlich vor achtzehn Monaten für ihr Krankenhaus hatte gewinnen können.

Callie hatte den Artikel aufbewahrt und las ihn immer dann, wenn sie in Gefahr war zu vergessen, wie weit ihre Welt von der Dr. Trey Weldons entfernt war. Das fing schon mit ihrer Herkunft an.

Die Weldons hatten schon große Ländereien in Virginia besessen, als Callies Vorfahren noch als arme Bauern im alten Europa ihr Leben fristeten. Callie war zwar der Meinung, dass eine unterschiedliche Herkunft oft keine Rolle spielte, wusste aber auch, dass die Weldons viel Gewicht auf die richtige Abstammung legten. Das hatte sie nicht nur dem Artikel entnehmen können, sondern es klang auch aus beiläufigen Bemerkungen von Trey selbst immer wieder heraus.

Der Sohn von Winston und Laura Weldon, die auch in dem Artikel erwähnt wurden, hatte gesellschaftlich nichts mit ihr, der Tochter von Jack und Nancy Sheely gemein, deren Großeltern vor der Armut in Irland und Russland geflohen waren, nur um dann in kaum besseren Verhältnissen in Pittsburgh zu leben. Aber sie hatten hart gearbeitet und ihren Kindern und Enkelkindern eine gute Ausbildung ermöglicht. Doch zu den oberen Zehntausend gehörten sie ganz sicher nicht.

Die Weldons zählten schon seit Jahrhunderten zum „Adel“ der amerikanischen Südstaaten.

„Alles in Ordnung?“ Trey sah sie fragend an.

Callie riss sich zusammen. Sie nickte. Es war das erste Mal, dass er ein persönliches Wort an sie richtete. Für ihn gab es weder Hunger noch Durst, wenn er neun bis zehn Stunden hintereinander operierte. Und er erwartete eine solche Disziplin auch von seinen Mitarbeitern.

„Wirklich?“, fragte er wieder.

Sie sah ihn erstaunt an. „Ja, bestimmt.“ Warum fragte er sie das? Sah sie müde aus? Hatte er Angst, dass sie den Tupfer fallen ließ?

Aber Trey lächelte nur ganz kurz, nickte und fuhr mit dem Eingriff fort.

„Trey Weldon bei einer Gehirnoperation zuzusehen ist das Beeindruckendste, was es gibt“, sagte Jimmy Dimarino häufig zu Callie. Jimmy hatte seine ärztliche Grundausbildung gerade hinter sich und wollte auch Neurochirurg werden. Er versuchte, so vielen Operationen von Dr. Weldon beizuwohnen wie möglich und setzte Callie immer zu, ihm die Termine für die Operationen mitzuteilen. Callie gehörte seit zwölf Monaten zu dem persönlich ausgesuchten Operationsteam und wusste daher, welche Eingriffe wann geplant waren und auch, wann Notoperationen anstanden.

Sie teilte Jimmy mit, was sie wusste, denn sie kannten sich schon aus der Sandkiste. Sie waren Nachbarn gewesen, waren zur selben Schule gegangen und hatten auch kurzfristig in der achten Klasse einmal füreinander geschwärmt. Heutzutage fühlte Jimmy nicht nur Freundschaft für Callie, sondern bewunderte sie auch, was nicht unwesentlich damit zu tun hatte, dass sie zu Dr. Weldons Team gehörte.

„Die AVM ist beseitigt“, sagte Trey jetzt. „Das umgebende Gewebe wurde davon kaum in Mitleidenschaft gezogen, und der Patient sollte sich schnell und problemlos erholen.“

Es klang beinahe wie ein Befehl, der automatisch befolgt werden würde. Callie lächelte unter ihrem Mundschutz und blickte dann auf. Trey sah ihr direkt in die Augen. Die Zeit schien stillzustehen. Dann blickte er zur Seite. „Fritche, übernehmen Sie den Rest.“ Er wandte sich um und ging unter beifälligem Gemurmel und vereinzeltem Klatschen aus dem OP.

Scott Fritche, der gerade seine Ausbildung zum Facharzt in Neurochirurgie begonnen hatte, trat an den Operationstisch. Callie blieb und assistierte ihm. Sie hatte mit Fritche schon ein paarmal vorher zusammengearbeitet und war erstaunt, wie ungeschickt er sich heute anstellte.

„Ich wette, Fritche hat länger dazu gebraucht, die Wunde zu schließen, als Trey für die ganze Operation.“ Quiana Turner zog sich den Mundschutz vom Gesicht, als sie neben Callie den Operationssaal verließ.

Callie lächelte über diese Übertreibung. „Wir sind durch Trey wirklich verwöhnt“, sagte sie. „So gut wie er ist so leicht keiner, schon gar nicht ein Jemand, der erst am Anfang seiner Karriere steht.“

„Fritche ist wirklich nicht so ein toller Hecht, wie er immer glaubt.“ Leo Arkis trat neben sie. Leo machte die Vorarbeiten für das Weldon-Team und sprang auch manchmal für Callie oder Quiana ein, wenn es nötig war.

„Er hätte sich wohl kaum dümmer anstellen können. Schade, dass Trey es nicht gesehen hat. Er hätte Scott mit einem Blick in einen Eiszapfen verwandeln können.“

Callie hob die Augenbrauen. „Das ist wirklich ein bisschen zu hart, Leo. Fritche war einfach nervös und ist unerfahren. Ich finde es auch nicht nett, wie du ihn vor Trey schlecht machst und …“

Sie brach ab, als sie in den erst kürzlich renovierten Aufenthaltsraum traten und Trey Weldon sahen.

Er zog sich gerade das T-Shirt seiner OP-Kleidung über den Kopf und warf es auf einen Stuhl. Sein nackter Oberkörper mit den starken, gut ausgebildeten Muskeln glänzte im Licht der Leuchtstoffröhren. Die Baumwollhose hing ihm tief auf den Hüften und zeigte seinen flachen Bauch mit dem Bauchnabel und der nach unten führenden Linie feiner schwarzer Haare.

Callies Mund wurde trocken.

„Donnerwetter!“, sagte Quiana leise neben ihr. „Was für ein Körper!“

„Wer macht wen schlecht, Sheely?“ Trey sah Callie fragend an.

Sie senkte den Blick und überlegte. Sie wollte ihm nicht von Fritches unterdurchschnittlichen Leistungen berichten. Trey konnte Fehler nicht besonders gut verzeihen, aber ein Fehler in seinem OP, das war undenkbar. Trey Weldon machte einfach keine Fehler bei seinen Operationen.

Sie lächelte und sah ihn an. „Sagen wir mal, Ende gut, alles gut.“

Sie hätte wissen sollen, dass Trey sich damit nicht zufriedengeben würde. Er zog die Augenbrauen zusammen und fixierte sie streng mit seinen blauen Augen. „Sheely, reden Sie nicht in Rätseln.“

Callie fuhr sich nervös mit der Zungenspitze über die Oberlippe. Warum musste er sie gerade jetzt zur Rede stellen, wo er halb nackt vor ihr stand? Sie hatte Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. „Also …“

„Ich weiß nicht, ob Sie das schlecht machen nennen würden, Dr. Weldon“, ließ sich jetzt Leo hören. „Aber Fritche hat da heute wirklich Mist gebaut. Ich finde, das sollten Sie wissen“, fügte er noch selbstgerecht hinzu.

Treys Miene verdunkelte sich. „Ist mein Patient …“

„Nein, es ist alles in Ordnung“, unterbrach ihn Callie schnell. „Fritche machte ein paar kleinere Fehler, die zu beheben waren. Wir hätten Sie sonst sofort gerufen.“

„Glücklicherweise war Sheely da, die eingreifen konnte, bevor Fritche irgendeinen Schaden anrichten konnte“, warf Leo ein. „Es ist wirklich nichts passiert.“

„Okay, gut.“ Trey klopfte Leo väterlich auf die Schulter. „Ich kann mich ja darauf verlassen, Leo, dass Sie immer ehrlich zu mir sind.“ Sein Lächeln verflog, als er sich jetzt Callie zuwandte. „Aber wie ist es mit Ihnen?“ Er sah sie ernst an. „Ich möchte mit Ihnen sprechen, Sheely, und zwar sofort.“

Er schob sie am Ellbogen auf die eine Seite des Raumes und baute sich mit seiner Länge von eins achtzig so vor ihr auf, dass die anderen sie nicht sehen konnten. Er ließ seine Hand unter ihrem Ellbogen, und Callie gab sich die größte Mühe, sich davon nicht ablenken zu lassen. Es war nicht, als ob er sie sonst nie berührte. Er legte ihr die Hand auf den Rücken oder die Schulter, wenn sie vor ihm durch eine Tür ging, ergriff sie auch schon einmal beim Handgelenk, wenn er ihr begeistert seine neuesten Methoden beschrieb, und hielt sie wie jetzt am Ellbogen, wenn er sie irgendwohin führen wollte.

Es war Callie klar, dass ihm diese Berührungen gar nicht bewusst waren. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie ein Mensch aus Fleisch und Blut war, eine Frau. Seine Berührungen waren automatisch und auf keinen Fall persönlich, so als ob er eine Tür öffnete oder ein Treppengeländer anfasste.

Manchmal wünschte sich Callie wirklich fast schon, das leblose Objekt zu sein, als das Trey Weldon sie behandelte. Aber die Wärme seiner kräftigen Finger auf ihrer Haut riefen Gefühle in ihr hervor, die alles andere als leidenschaftslos waren.

Manchmal, wenn sie allein im Dunkeln in ihrem Bett lag, kam ihr die Ironie ihrer Situation besonders zu Bewusstsein. Sie war immer so vernünftig und nüchtern gewesen, hatte auch als Teenager nie für irgendjemanden geschwärmt, hatte immer ihren kühlen Kopf behalten, und ausgerechnet sie hatte sich jetzt im reifen Alter von sechsundzwanzig hoffnungslos verknallt, und um das Ganze noch klischeehafter zu machen, sie hatte sich als Krankenschwester in einen Arzt verliebt, der einer ganz anderen Gesellschaftsschicht angehörte als sie. Es war schon beinahe peinlich, vor allen Dingen, weil ihre Gefühle nicht erwidert wurden.

Callie machte sich nichts vor. Sie wusste, dass Trey niemals außerhalb der Arbeit an sie dachte. Dennoch konnte sie nichts dagegen tun, dass seine Berührungen sie innerlich erbeben ließen. Sie musste ihre Gefühle für ihn geheim halten, durfte sich absolut nichts anmerken lassen. Und das war ihr bisher auch vollkommen gelungen.

Niemand, am allerwenigstens Trey, würde wissen, welche Wärme sich bei seiner leichtesten Berührung in ihr ausbreitete, noch wie heftig sie dieser süße Schmerz durchfuhr, wenn er sie mit seinen tiefblauen Augen ansah.

Aber in eben diesen Augen zeigten jetzt nichts als Kälte und Zorn. Callie erwiderte seinen Blick, was nicht einfach war, weil Trey die Kunst der wortlosen Einschüchterung perfekt beherrschte, genauso wie er einen mit Worten fertigmachen konnte.

Aber Callie ließ sich von Trey niemals einschüchtern, ganz gleich, ob auf verbaler oder nonverbaler Ebene. Weil sie wusste, dass Trey von ihr erwartete, so hart und gefühllos zu sein wie er selbst? Oder weil er es brauchte, dass sie ihm Paroli bot? Callie unterdrückte ein Stöhnen. Warum suchte sie bloß immer nach der Bestätigung, dass sie für Trey Weldon mehr war als nur eine fähige OP-Schwester?

„Ich habe mehr von Ihnen erwartet, Sheely.“ Trey sah sie auf diese kalte und leicht überhebliche Art und Weise an, die andere Mitarbeiter schon hatte in Tränen ausbrechen lassen.

Aber nicht Callie. Sie hatte einmal gehört, wie er zu Leo sagte: „Sheely ist hart im Nehmen. Sie ist die einzige Frau, mit der ich zusammengearbeitet habe, die noch nie geweint hat. Nicht eine einzige Träne.“

Das war natürlich nicht wahr und nur ein weiterer Beweis dafür, wie wenig er sie kannte. Sie hatte bei den traurigsten Fällen geweint, wenn sie mit den Familien der Patienten mitlitt, die selbst Trey Weldons Fähigkeiten nicht hatten retten können. Aber sie hatte noch nie vor Trey Weldon geweint, das stimmte. Callie wusste, dass Treys Bemerkung Leo gegenüber ein sehr großes Kompliment war, und sie wollte sich dieses Kompliments weiterhin wert erweisen.

„Die Patienten haben Besseres von Ihnen verdient, Sheely“, sagte Trey mit schneidender Stimme. „Sie verdienen Ihren vollen Einsatz, und wenn für Sie anderes wichtiger ist …“

„Nichts ist mir wichtiger als das Wohlergehen unserer Patienten. Ich gebe ihnen alles, Dr. Weldon.“ Callie versuchte ihrer Stimme die gleiche Härte zu verleihen, die Treys Worte unterstrichen. Aber Weldon klang um einiges eisiger. Wie immer, wenn er zornig war.

Das bedeutete allerdings nicht, dass Callie ihre Wut nicht auch äußern konnte. Es gab nichts, was sie ärgerlicher machte, als wenn jemand an ihrem Pflichtbewusstsein den Patienten gegenüber und an ihrem Einsatzwillen zweifelte.

Und dass ausgerechnet Dr. Weldon das tat, war unerhört. Sie gab ihr Letztes für ihn und ihre Patienten. Callie merkte, wie die Wut über den Schmerz wegen seiner Ungerechtigkeit die Oberhand gewann.

„Und was Scott Fritche angeht, Dr. Weldon …“, ihre Stimme wurde lauter, und ihre dunklen Augen blitzten vor Wut, „er war heute einfach ein wenig nervös. Er ist schließlich erst in seinem ersten Jahr hier in der Neurochirurgie, ist also relativ unerfahren und sollte plötzlich vor einer großen Zuschauermenge …“

„Versuchen Sie doch nicht, ihn zu entschuldigen“, unterbrach Trey sie unwirsch und verzog verächtlich den Mund. „So etwas darf einfach nicht passieren.“

Beide blieben weiterhin stehen und starrten einander an. Dann zog Callie sich mit einem Ruck die Haube vom Kopf und warf sie in den Behälter für die schmutzige Wäsche. Ihr dicker Pferdeschwanz kitzelte sie im Nacken.

„Wenn du die Fassung verlierst, dann hast du schon verloren.“ Das hatte ihr Vater immer gesagt. Dazu war es jetzt allerdings zu spät. Sie hatte die Fassung gründlich verloren. Jetzt kam es auch schon nicht mehr darauf an.

„Darf nicht passieren?“, wiederholte sie spöttisch. „Dann entlassen Sie mich doch.“

„Nicht schon wieder!“ Leo stöhnte übertrieben dramatisch. Er und Quiana waren näher herangekommen, um nur ja nichts zu verpassen. „Es ist, als ob man eine Wiederholung im Fernsehen zum vierhundertsten Mal sieht. Man weiß genau, wie es ausgeht.“ Er nahm Quiana beim Arm. „Komm, wir gehen lieber zum Mittag­essen.“

„Einverstanden.“ Quiana ging vor ihm aus der Tür.

„Zum vierhundertsten Mal?“ Trey sah Callie fragend an.

Vielleicht nicht ganz so häufig, musste Callie schweigend zugeben. Aber häufig genug, dass sie wusste, er würde sie nicht feuern. Nach ihrem ersten Wutausbruch war sie sich dessen nicht so sicher gewesen, aber heute wusste sie, dass Dr. Weldon sie im Operationssaal brauchte. „Leo übertreibt mal wieder“, sagte sie leise.

Trey zog die dunklen Augenbrauen zusammen. „Niemand wagt es, so mit mir zu reden wie Sie, Callie.“

„Soll das eine Drohung sein?“ Callie richtete sich gerade auf und hob den Kopf. Allerdings verschwand sie mit ihren eins sechzig neben dem hochgewachsenen Trey Weldon.

„Regen Sie sich nicht so auf. Es war keine Drohung, sondern einfach die Feststellung einer Tatsache.“

„Das ist ja auch kein Wunder.“ Callie verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. Nur weil sie in ihn verknallt war, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich von ihm alles gefallen ließ. „Sie sind doch praktisch ein Gott hier. Keiner kann es verstehen, dass Sie sich ausgerechnet Pittsburgh ausgesucht haben, wo Sie doch jedes andere Krankenhaus mit Kusshand genommen hätte. Deshalb begegnet jeder Ihnen mit einer solchen Ehrfurcht.“

„Und warum sollte ich mich nicht für Pittsburgh entschieden haben?“

„Warum sollten Sie, wenn Sie ebenso in eines der wirklich berühmten medizinischen Zentren des Landes hätten gehen können wie das Johns Hopkins Center oder das Massachussetts General Hospital oder die Duke University?“

„Warum machen die Leute aus Pittsburgh denn ihre Stadt immer schlecht?“

„Wir geben ungern an und übertreiben auch nicht. Wir wissen, dass es berühmtere Adressen gibt als Pittsburgh. Warum wollten Sie dann ausgerechnet …“

„Sheely“, unterbrach er sie leise, „stellen Sie mich bitte nicht auf ein Podest.“

„Das brauche ich überhaupt nicht. Sie stehen nämlich schon drauf. Wahrscheinlich sind Sie da schon geboren, und Sie sind sich dessen auch durchaus bewusst.“

Ein Mann, der so brillant und erfolgreich war wie Trey Weldon und dazu noch fantastisch aussah, musste einfach wissen, was er darstellte und wie sehr er bewundert wurde. Und das nicht nur hinsichtlich seines Berufes. Er war einer der begehrtesten Junggesellen der Stadt, ja, des Bundesstaats Pennsylvania, ganz abgesehen von seinem Heimatstaat Virginia.

Callie hatte selbst miterlebt, wie sich die Frauen ihm buchstäblich zu Füßen warfen. Sie hatte mit Leo und Quiana oft darüber Witze gemacht. Das heißt, sie hatte nicht ganz so herzhaft darüber lachen können. Und was das Schlimmste war, sie war sicher, dass er besonders unter den Damen der besseren Gesellschaft sehr begehrt war, in einer Welt, in die sie, Callie, nicht gehörte.

Sie warf noch einen langen Blick auf seinen nackten Oberkörper und spürte, wie die Wut wieder in ihr aufstieg. „Und wir sind hier auch nicht im Fitnesscenter“, brach es aus ihr heraus. „Ziehen Sie sich Ihr Hemd wieder an. Bitte“, fügte sie leiser hinzu.

Trey nahm das T-Shirt vom Stuhl und zog es sich wieder über. Er sah sie erstaunt an. „Ich verstehe nicht ganz. Um was geht es denn hier?“ Er fuhr sich langsam mit der Hand durch das kastanienbraune Haar, das er aus praktischen Gründen ziemlich kurz trug.

Callie ertappte sich bei dem Gedanken, wie sich sein Haar anfühlen mochte. So dicht und kräftig, wie es aussah, oder überraschend weich? Sie riss sich zusammen. „Wir haben von Ihrer Überqualifikation für Pittsburgh gesprochen.“

Er winkte ungeduldig ab. „Nein, das meine ich nicht, Sheely.“

Callie schilderte ihm nun genau, welche Ungenauigkeiten Fritche unterlaufen waren, die aber alle leicht berichtigt werden konnten. „Es war wirklich keine große Sache, auch wenn Leo es als eine solche hinstellte. Wir haben doch beide angehende Fachärzte erlebt, die schon mehr Erfahrung hatten als Fritche und sich gröbere Fehler erlaubt haben, ohne dass es negative Auswirkungen hatte.“

„Es kommt mir aber so vor, als hätten Ihre Kollegen recht gehabt. Sie haben Fritche wirklich entscheidend geholfen, Sheely. Wer weiß, was ohne Sie geschehen wäre.“ Trey verschränkte jetzt die Arme vor der Brust, wie um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen.

Jede andere wäre davon eingeschüchtert gewesen, aber nicht Callie. Sie genoss das Spiel seiner kräftigen Muskeln, den Anblick seiner breiten Schultern und fühlte, wie ihr vor Erregung warm wurde.

Callie merkte plötzlich, dass sie ihn mit halb geöffneten Lippen anstarrte und richtete schnell den Blick auf ein Poster hinter ihm an der Wand. Es war die Ankündigung für den jährlichen Frühlingsball des Krankenhauses, einer Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der nicht wie sonst die Preise so hoch waren, dass nur die Reichen hingehen konnten. Für diesen Ball gab es Eintrittskarten, die auch für die Angestellten des Krankenhauses erschwinglich waren.

Callie war bisher jedes Jahr hingegangen, manchmal mit Jimmy, manchmal mit anderen Freunden oder Bekannten. Aber in diesem Jahr hatte sie keine rechte Lust dazu. Sie sah wieder zu Trey hin, der sie ärgerlich anstarrte.

„Sheely, wenn es Ihnen recht ist, würden Sie bitte bei der Sache bleiben oder wenigstens so tun, als interessiere es Sie? Es geht hier um Scott Fritche, der meinen Patienten im OP in Gefahr gebracht hat.“

Callie blickte ihn aus ihren großen Augen ernst an. „Wirklich, Dr. Weldon, der Patient war nie in echter Gefahr.“ Sie biss sich auf die Unterlippe und atmete tief durch. „Ich war doch dabei und wusste, was zu tun war. Natürlich hätte ich Sie sofort gerufen, wenn ich irgendwelche Zweifel gehabt hätte.“

Trey nickte kurz. „Sie wissen, dass mein Team perfekt zusammenarbeiten muss, Sheely. Wir können uns keine Fehler leisten und …“

„Ja, ich weiß, jedes Rädchen muss seinen Teil tun. Leo, Quiana und ich, wir …“

„Von Ihnen dreien ist überhaupt nicht die Rede“, unterbrach Dr. Weldon sie ungeduldig. „Ich weiß, dass es keine Besseren hier in der Gegend gibt. Ich habe Sie alle drei sechs Monate lang sorgfältig beobachtet, bevor ich Sie für mein Team ausgewählt habe. Aber mit Fritche ist das etwas anderes. Wenn er nicht wirklich gut ist, dann muss er umsatteln, bevor er echten Schaden anrichten kann.“

„Trey, vielleicht sollten Sie wissen, dass Leo aus persönlichen Gründen etwas gegen Scott hat. Es ist keine Übertreibung, dass Leo Scott am liebsten irgendwie schaden möchte. Natürlich nicht körperlich, aber beruflich würde er ihm gern Steine in den Weg legen.“

„Warum denn?“

„Weil Scott Fritche früher mit Leos Cousine Melina befreundet war und dann mit ihr Schluss gemacht hat. Sie ist Schwesternschülerin hier im Krankenhaus und war untröstlich, als …“

„Sheely, wir sind hier nicht in einer Soap-Opera“, unterbrach sie Trey wieder mit schneidender Stimme. „Es interessiert mich absolut nicht, wer mit wem befreundet war und Schluss gemacht hat. Mir geht es nur um das Wohlergehen meiner Patienten, und ich muss herausfinden, ob …“

„Meinetwegen.“ Callie war plötzlich sehr müde. „Wozu soll man auch erst herausfinden, was wirklich passiert ist, bevor man sich eine Meinung bildet? Offensichtlich haben Sie sich ja schon entschieden.“

„Sheely, Sie sind wirklich …“

„Ich mag nicht mehr darüber sprechen.“ Callie wandte sich um und ging schnell aus der Tür.

„Sheely, kommen Sie sofort zurück!“

Sie ignorierte seinen Befehl und flüchtete in den leeren Umkleideraum für Frauen. Glücklicherweise war der noch für Männer gesperrt.

Nur ein paar Augenblicke später kam eine große, hübsche blonde Krankenschwester durch die Tür. „Sheely, Trey Weldon will mit dir reden. Er hat gesagt, sofort.“

Jennifer Olsen hatte ein Jahr später als Callie die Schwesternausbildung beendet und arbeitete jetzt auf der Entbindungsstation. Es war kein Geheimnis, dass sie selbst so schnell wie möglich Mutter werden wollte, allerdings erst nachdem sie einen passenden Ehemann gefunden hatte, am liebsten natürlich einen Arzt mit einem guten Einkommen.

Callie fragte sich, was Jennifer hier in den Umkleideräumen der Chirurgie zu suchen hatte, aber Jennifer kam ihrer Frage zuvor.

„Ich wollte Karen fragen, ob sie mit einigen von uns zum ‚Squirrel Den‘ gehen will.“

Callie kannte Karen Kaminsky, die aus Jennifers Jahrgang war und jetzt als OP-Schwester arbeitete. „Du musst sie gerade verpasst haben. Vielleicht ist sie beim Mittagessen.“

„Ach so. Sheely, Trey Weldon …“

Callie seufzte. „Sag ihm einfach, du hättest mich nicht gesehen.“

„Aber ich kann ihn doch nicht anlügen.“

„Nein, natürlich nicht.“ Callie biss die Zähne zusammen.

Zweifellos war Trey genau der Mann, den Jennifer heiraten und zum Vater ihrer Kinder machen wollte. Pech, Jen, dass du ebenso wenig aus der richtigen Familie kommst wie ich, dachte Callie düster. „Hör zu, Jen, wir hatten nur eine kleine Meinungsverschiedenheit als Arzt und Schwester. Absolut nichts Persönliches.“ Aber eine kleine innere Stimme sagte Callie, dass sie es sehr persönlich nahm, Trey in puncto Scott Fritche nicht überzeugen zu können.

„Ja, er wartet da draußen“, sagte Jennifer verschwörerisch, „da werde ich ihm wohl auch irgendetwas erzählen müssen.“ Sie schwieg und sah Callie abwartend an. „Sheely, was ist eigentlich mit dir und Trey Weldon? Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich so direkt bin. Geht ihr miteinander?“

„Nein.“ Callies Herz schlug schneller. Leider hatte sie ihn privat noch nicht kennengelernt. Wer weiß, vielleicht konnte er sehr zärtlich und leidenschaftlich sein, war aber gleichzeitig so diskret, dass nur die Frau, die er wirklich begehrte, diese Seite von ihm kannte. Sie würde alles darum geben, diese Frau zu sein.

„Sheely?“ Jennifers Stimme schien aus ganz weiter Ferne zu kommen. „Weißt du zufällig, ob Trey zu dem Frühlingsball geht?“

Callie zuckte zusammen. Jennifers Frage hatte sie auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Sie seufzte leise. Wann würde sie endlich diese Teenagerfantasien aufgeben? Es war doch so hoffnungslos.

„Ich habe keine Ahnung, Jennifer. Er hat nichts von dem Frühlingsball gesagt.“

„Es ist zwar schon ziemlich spät. Bis zum Ball sind es nur noch zwei Wochen, aber der Typ, mit dem ich gehen wollte, kann plötzlich nicht. Er ist Anwalt und muss zu irgendeiner blöden Konferenz“, fügte sie noch schnell hinzu.

„Ja, das ist natürlich dumm.“ Callie versuchte, verständnisvoll zu klingen.

„Und ich habe mir schon ein Kleid gekauft. Ich will auch nicht, dass Joshua denkt, dass ich zu Hause sitze und Däumchen drehe, weil er nicht kommen kann. Vielleicht frage ich einfach Trey. Fragen kostet ja nichts.“ Jennifer lächelte siegessicher.

Callie nickte und wandte sich ihrem Schrank zu, damit Jennifer ihr Gesicht nicht sehen konnte.

„Bis später dann, Sheely!“, rief Jennifer und verließ den Umkleideraum.

Callie zog sich das T-Shirt ihrer OP-Kluft über den Kopf und streifte gleichzeitig die Hose ab. Die Sachen waren ihr mindestens zwei Nummern zu groß.

„Glauben Sie bloß nicht, Sie könnten sich hier verstecken und die Beleidigte spielen, Sheely. Sie müssen mir zuhören.“

Callie stand da wie erstarrt.

„Trey … ich meine Dr. Weldon, Sie können hier nicht einfach hereinkommen.“

Callie wandte sich um, als sie hörte, wie die Tür des Umkleideraums aufgerissen und hart gegen die gekachelte Wand schlug. Sie hörte Treys wütende und frustrierte Stimme und Jennifers lauten Protest.

Aber es ging alles so schnell, dass sie nicht einmal Zeit hatte, ihre Hose hochzuziehen. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, stand Trey Weldon direkt vor ihr.

Und sie stand vor ihrem offenen Schrank in ihrem weißen Baumwoll-BH und dem weißen Slip.

Trey sah sie starr aus seinen blauen Augen an. Callie sog scharf die Luft ein, schnappte sich hektisch das Oberteil ihrer OP-Kleidung und hielt es schützend vor sich.

Jennifer kreischte.

2. KAPITEL

Trey konnte sich nicht rühren, es war, als wäre er in Stein verwandelt worden. Er konnte sich nicht bewegen, und kein Wort kam über seine Lippen.

Und er konnte den Blick nicht von Callie abwenden. Er stand nur da und starrte sie an, wie sie jetzt auch ihre Hose aufhob und vor sich hielt.

Aber ihre entzückende Erscheinung hatte sich schon in sein Hirn eingebrannt. Er sah sie vor sich mit ihrer samtweichen Haut, dem flachen Bauch, mit ihren schlanken, wohlgeformten Beinen und den festen, vollen Brüsten. Es war erstaunlich, wie genau er dieses Bild vor Augen hatte.

Er sah auch noch ihren BH und ihren Slip vor sich, beides aus zarter weißer Baumwolle, schlicht, praktisch und das genaue Gegenteil dieser Spitzenteile, die in einschlägigen Geschäften ausgestellt waren und angeblich die sexuellen Fantasien der Männer anregen sollten.

Es schien, als brauchte er solche Ermutigung nicht. Allein der Anblick von Callie in ihrer schlichten weißen Baumwollunterwäsche genügte, um in seinem Körper eine eindeutige Reaktion auszulösen. Instinktiv trat er einen Schritt näher an Callie heran.

„Dr. Weldon, falls Sie es nicht gemerkt haben sollten, Sie befinden sich im Umkleideraum der Frauen“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Trey starrte sie nur weiter an, hörte dann plötzlich das Kreischen von Jennifer im Hintergrund und sah sich verwirrt um. „Was ist?“

Callie stöhnte. „Ich habe das Gefühl, als sei ich in einer besonders blöden Soap-Opera gelandet. Ich hätte nie geglaubt, dass Sie es fertigbrächten, unintelligent auszusehen, aber …“

„Ich weiß überhaupt nicht, was Sie meinen“, unterbrach Trey sie schnell. Er hatte sich mühsam gefasst. „Ich sehe selten fern, und mit Soap-Operas verschwende ich nun schon gar nicht meine Zeit.“

„Vielleicht könnten Sie da aber noch etwas lernen.“ Callie musste grinsen. „Wie man sich zum Beispiel aus Situationen wie dieser rettet.“

Jennifer hatte aufgehört zu schreien und sah neugierig zu ihnen hinüber. „Streitet ihr euch? Gab es eine private Auseinandersetzung? Ist er hinter dir hergelaufen, Callie?“

„Verdammt“, fluchte Trey leise, „sie wird es im ganzen Krankenhaus ausposaunen.“

Callie schüttelte energisch den Kopf. „Sie sind aus Versehen durch die falsche Tür gegangen, Dr. Weldon“, sagte sie laut. „Der Umkleideraum für die Männer ist gegenüber.“

„Das ist wohl mehr als unwahrscheinlich“, ließ sich Jennifer hören.

Trey musste ihr recht geben. „Ja, diese Erklärung ist wohl mehr als unzureichend“, flüsterte er.

„Manchmal funktionieren gerade die dümmsten Ausreden.“ Calie zuckte mit den Schultern.

„Was hatten Sie denn mit Callie vor, Dr. Weldon?“, fragte Jennifer jetzt misstrauisch. „Was wäre geschehen, wenn ich nicht aufgetaucht wäre?“

Trey fühlte, wie eine neue Welle der Erregung durch seinen Körper strömte. Ja, was hätte er getan, wenn Jennifer nicht da gewesen wäre? Er versuchte, den Gedanken zu verdrängen. Was war nur mit ihm los? Warum war er absichtlich hier eingedrungen, obgleich er hier nichts zu suchen hatte? Hatte er denn nicht begriffen, dass Callie Sheely vor ihm weggelaufen war?

Sie war mitten in ihrer Auseinandersetzung gegangen, hatte ihn ungeduldig und frustriert zurückgelassen, aber diese Empfindungen waren ihm ja keineswegs fremd. Absolut nicht. Das war nichts Neues, wenn man wie er, eigentlich seit er drei Jahre alt war, immer der Klügste und meistens Jüngste in seiner Gruppe war. Aber dass diese Gefühle auch eine sexuelle Komponente hatten, dass er impulsiv wie ein heißblütiger Macho darauf reagierte, dass Callie ihn stehen gelassen hatte, das war ganz neu.

Ein solches Verhalten passte einfach nicht zu ihm. Er war immer darauf bedacht gewesen, als Denker, Planer und sorgfältiger Stratege zu gelten, und das war ihm auch gelungen. Man hielt ihn für diszipliniert und für einen Kopfmenschen, einen typischen Neurochirurgen.

„Er ist nur aus Versehen hier hereingekommen, Jennifer“, versuchte Callie die Kollegin zu beruhigen. „Dr. Weldon ist zwar ein brillanter Chirurg, aber er hat absolut keinen Orientierungssinn. Er geht immer links, wenn er rechts gehen sollte und umgekehrt. Stimmt das nicht, Dr. Weldon?“

Er hätte fast automatisch protestiert. Das Gegenteil war nämlich der Fall. Er hatte einen ausgezeichneten Orientierungssinn und konnte sich in kürzester Zeit in jeder fremden Stadt zurechtfinden. Aber ehe er damit herausplatzte, sah er glücklicherweise zu Callie. Sie rollte mit den Augen und presste die Lippen zusammen.

„Ja, Callie hat recht“, sagte Trey schnell. Wie konnte er vergessen, dass sie ihn bloß aus einer peinlichen Situation erretten wollte? Eine Situation, die ganz anders ausgesehen hätte, wenn Jennifer nicht erschienen wäre. Callie Sheely, seine absolut zuverlässige OP-Schwester, hatte vor ihm gestanden, nur in ihrem schlichten weißen BH und Slip, und er hatte darauf stärker reagiert als auf jede Schönheit in schwarzem G-String oder edlem Spitzenbody. Und es kam ihm so vor, als hätte keine Frau, die er kannte, eine so pfirsichzarte Haut wie sie. Was war nur mit ihm los?

Trey schluckte. „Es tut mir leid, ich habe mich in der Tür geirrt.“ Er wandte sich schnell um und ging aus dem Raum.

„Er hat sich also in der Tür geirrt?“ Jennifer war neben Callie getreten. „Er ist also hier aus Versehen hereingekommen? Soll ich das wirklich glauben?“

„Du kannst glauben, was du willst.“ Callie versuchte, möglichst unbekümmert zu klingen. Aber innerlich war sie total aufgewühlt. Sie spürte immer noch Treys Blick auf sich. Es war wie eine zärtliche Berührung gewesen. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn Jennifer nicht da gewesen wäre?

„Warum hat er denn sein Hemd verkehrt herum an?“, bohrte Jennifer weiter. „Es sieht ganz so aus, als hätte er etwas von dir gewollt, und dann bist du vor ihm weggelaufen, und er hat dich hierher verfolgt.“

„Wir haben gemeinsam viele Stunden im OP gestanden, Jennifer. Du kannst das nachprüfen. Und das mit dem Hemd ist mir gar nicht aufgefallen. Auf so was achte ich nun wirklich nicht.“

„Ach ja?“ Jennifer grinste ironisch.

Callie holte schnell ihr Sweatshirt und ihre bequeme Hose aus dem Schrank und zog sich an. Sie warf einen kurzen Blick in einen nahen Spiegel. Ihre Figur war in dem formlosen Aufzug kaum zu erkennen. Sie hatte heute Morgen um sechs keinen Gedanken daran verschwendet, was sie anziehen würde. Im Krankenhaus zog sie sich sowieso sofort um. Und es war ihr auch jetzt egal, wie sie aussah.

Halt, überlegte sie. Selbst wenn Trey draußen auf mich warten würde? Ja, auch dann, versuchte sie sich einzureden. Sie registrierte, dass ihr Pony zerzaust war, und ihr Pferdeschwanz konnte auch ein paar Bürstenstriche vertragen.

Aber damit würde sie sich jetzt nicht aufhalten. Trey Weldon wartete bestimmt nicht auf sie. Er hatte heute schon etwas Undenkbares getan und war hinter ihr hergelaufen. Der kühle, disziplinierte Verstandesmensch würde nicht zum zweiten Mal etwas Undenkbares tun.

Aber wenn er es nun doch tat? Callie fühlte, wie sich ihr Puls beschleunigte. Im Spiegel sah sie, dass ihre Augen fiebrig glänzten. Ihre Wangen hatten sich gerötet, nur ihre Lippen waren blass. Sie hatte einen Lippenstift in ihrer Tasche, aber sie würde sich nicht anmalen, nur weil vielleicht Trey Weldon vor der Tür stehen könnte.

Sie griff nach ihrer Tasche und ging auf die Tür zu. „Tschüs, Jennifer.“

„Übrigens werde ich Trey Weldon nicht fragen, ob er mit mir zum Ball gehen möchte“, sagte Jennifer schnell. „Ich bin nicht der Typ, der einer anderen ihren Mann ausspannt.“

Jennifer dachte offensichtlich, dass sie mit Trey befreundet war. Wenn es doch nur so wäre! Callie seufzte, schüttelte den Kopf und ging aus der Tür.

„Sheely.“

Sie blieb stehen. Trey stand an die Wand gelehnt, nur ein paar Schritte von der Tür entfernt. Er trug immer noch das Hemd verkehrt herum, und Callie hatte unwillkürlich das Bild vor Augen, wie er mit nacktem Oberkörper im Aufenthaltsraum stand, die Hose gefährlich tief auf den Hüften.

Sie biss die Zähne zusammen und ging den Gang hinunter.

Trey ging im Gleichschritt neben ihr. „Ich vermute, dass Ihre Bekannte jetzt ganz schnell Gerüchte über uns verbreiten wird.“

„Meinen Sie wirklich?“ Callie konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Sie war vollkommen durcheinander. Auf der einen Seite freute sie sich, weil er wirklich auf sie gewartet hatte, auf der anderen Seite sagte ihre Vernunft ihr, dass das absolut nichts zu bedeuten hatte. Aber sie genoss es, ihn so dicht neben sich zu haben, dass er hin und wieder mit dem Arm ihre Schulter streifte.

Aber dann brachte Trey Abstand zwischen sich und sie, und Callies Freude verflog.

„Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich Sie in eine Lage gebracht habe, die leicht falsch interpretiert werden kann“, sagte Trey steif.

Er hatte sie zum ersten Mal Callie genannt!

Aber wer weiß, ob ihm das überhaupt bewusst war. Sie sah ihn kurz von der Seite her an. Sie war für Trey immer „Sheely“ gewesen. Während des ganzen Jahres ihrer Zusammenarbeit hatte er sie nur „Sheely“ genannt, wie auch übrigens alle ihre Kollegen und früher schon die anderen Schwesternschülerinnen. Manche Leute wurden eben immer beim Nachnamen genannt, andere beim Vornamen. Callie wusste nicht, warum das so war. Wie wunderbar hatte „Callie“ aus Treys Mund geklungen!

Er riss sie aus ihren Gedanken. „Ich habe Sie in eine unangenehme Situation gebracht, Sheely. Ich kann verstehen, wenn Sie ärgerlich sind.“

Er hatte offenbar ihr Schweigen falsch interpretiert. „Ich bin nicht ärgerlich“, versicherte sie schnell. „Wenn man es sich recht überlegt, dann war das Ganze doch eigentlich ziemlich komisch.“

„Ich kann es eigentlich nicht so witzig finden. Mir klingen noch die Ohren vom Geschrei dieser Person.“

„Dieser Person?“, wiederholte Callie betont.

„Ich glaube, ich habe sie schon mal irgendwo gesehen, aber ich weiß nicht, wo.“ Trey blickte Callie fragend an. „Sollte ich sie kennen?“

„Sie heißt Jennifer Olsen, und sie wollte Sie gerade fragen, ob Sie mit ihr zum Frühlingsball gehen wollen, als Sie wie ein Nashorn in OP-Kleidung durch die Tür stürmten.“

„Mit ihr zum Ball? Sie scherzen wohl, Sheely.“

„Wieso? Tanzen Sie nicht gern? Oder können Sie es nicht?“ Plötzlich ging ihr auf, warum sie ihm von Jennifers Absicht erzählt hatte. Insgeheim hatte sie gehofft, dass er so wie jetzt reagieren würde und klarmachte, wie wenig Lust er darauf hatte, mit der entzückenden, großen blonden Jennifer zum Ball zu gehen. Callie versuchte ein zufriedenes Lächeln zu unterdrücken.

„Doch ich kann es“, gab er ernst zurück. „Ich habe es in Miss Marthas Tanzstunde gelernt. Außerdem musste ich auch diverse Benimmkurse über mich ergehen lassen.“ Er seufzte. „Danach habe ich mir geschworen, mir so etwas niemals mehr zuzumuten.“

„Miss Martha muss ihre Klassen ja wie ein Feldwebel geführt haben.“ Callie lachte. „Tanzen sollte doch Spaß machen und keine Folter sein.“

„Wirklich? Finden Sie, dass Tanzen Spaß macht, Sheely?“

„Es kommt wahrscheinlich darauf an, mit wem man tanzt.“ Das war ihr, ohne dass sie es wollte, herausgerutscht. Verdammt, sie klang ja wie ihre kleine Schwester Bonnie, die keine Gelegenheit ausließ, um zu flirten. Callie hatte sich geschworen, dass sie sich dazu nie herablassen würde, und jetzt dieser plumpe Ausrutscher! Callie wand sich innerlich, vor allen Dingen, als Trey sie nur kühl musterte.

„Und mit wem würden Sie gern tanzen, Sheely? Mit Scott Fritche?“

„Ich habe Scott Fritche von Zeit zu Zeit im OP assistiert. Ich tanze nicht mit ihm.“

„Aber würden Sie es gern?“

Callie hob abwehrend die Hand. „Trauen Sie mir bitte etwas mehr Menschenkenntnis zu. Scott geht am liebsten mit ganz jungen Schwesternschülerinnen aus. Jede Frau über einundzwanzig ist zu alt für ihn. Er wird nie erwachsen sein.“

„Noch ein Grund mehr, ihm vielleicht von der Neurochirurgie abzuraten.“ Trey zog die Augenbrauen zusammen. Er war mit den Gedanken wieder bei seinem geliebten Beruf.

Callie atmete innerlich auf. Sie hätte sich beinahe vor Trey blamiert, aber er hatte ihre dumme Bemerkung wohl nicht zur Kenntnis genommen. Es hatte schon seine Vorteile, dass er sie nur als seine OP-Schwester und nicht als Frau betrachtete.

Sie waren bei den Fahrstühlen angekommen, und Trey blickte auf seine Uhr. „In einer knappen Stunde haben wir eine Laserbehandlung.“

Calie nickte. „Ja, der Patient ist Doug Radocay. Ich habe, glaube ich, schon mal erwähnt, dass seine Großmutter in der Nähe meiner Eltern lebt.“

„Ja, das haben Sie. Übrigens habe ich auch neulich zufällig gehört, wie Sie seine Versicherung dazu gebracht haben, für die Operation zu zahlen. Sie haben sehr geschickt Druck ausgeübt, Sheely.“ Er sah sie beinahe bewundernd an.

„Ich habe es Ihnen nur nachgemacht, Dr. Weldon.“

„Ach ja?“

„Ich habe mich einfach gefragt, was Sie in einer ähnlichen Situation sagen und welche Technik Sie anwenden würden, um die Bürokraten nach Ihrer Pfeife tanzen zu lassen.“

„Das ist Ihnen ja offenbar gelungen.“ Trey drückte auf den Knopf für den Aufzug. „Ich gehe in der Kantine noch eine Kleinigkeit essen. Kommen Sie mit?“

„Vielleicht.“ Sie sah an sich herunter. „Ich hatte eigentlich etwas mitbringen und im Aufenthaltsraum essen wollen. Aber ich habe es vergessen. Eigentlich wollte ich mich nicht so, wie ich aussehe, in der Öffentlichkeit zeigen.“

„Es ist nichts verkehrt an Ihrem Aussehen“, widersprach Trey sofort.

Callie blickte ihn an. „Sie brauchen mir kein Kompliment zu machen. Ich weiß genau, dass ich schlampig ausschaue.“

Der Aufzug öffnete sich mit einem Summen, und sie gingen hinein.

„Dann sage ich es anders.“ Trey grinste und drückte auf den Knopf für den Keller, wo sich die Kantine befand. „Sie sehen in diesem Aufzug nicht schlechter aus als mit Haube und sterilem Kittel.“ Er grinste wieder. „Ist das besser?“

Callie war fasziniert. Trey lächelte höchst selten. Quiana hatte mal zu ihm gesagt, dass er wohl sein Lächeln rationiere. Er hatte nur trocken bemerkt, er gehöre nicht zu denen, die dauernd lächelten.

Deshalb hatte sein amüsiertes Lächeln jetzt auch so eine große Wirkung auf sie. Verwirrt sah sie ihn an, und er erwiderte ihren Blick. Callie spürte eine seltsame Hitze in sich aufsteigen, Trey hingegen wirkte ruhig und gelassen trotz der vielen aufreibenden Stunden im OP.

Callie fuhr mit der Hand über ihren Pferdeschwanz und versuchte dann, ihren Pony glatt zu streichen. Ihr sah man die anstrengenden Stunden sicherlich an.

Der Aufzug hielt, und die Tür öffnete sich. Eine größere Gruppe wartete darauf, einzusteigen. Die Kantine war nur ein paar Meter entfernt, und Callie und Trey gingen darauf zu.

„Wahrscheinlich sollten wir uns lieber bei den Sandwiches anstellen. Als warmes Gericht gibt es heute wieder zähen Braten.“ Er schob sie am Ellbogen auf die eine Schlange zu.

„Ja.“ Callie nickte. „Seit meiner Ausbildungszeit, und das ist schon ein ganzes Weilchen her, kann ich diesen sogenannten Braten nicht mehr vertragen.“

„So lange kann das ja noch nicht her sein, Callie.“ Trey blickte sie prüfend an. „Sie sehen doch noch wie ein Teenager aus.“

„Danke für das Kompliment. Aber das ist schon lange her. Ich bin sechsundzwanzig.“

Es hatte eine Zeit gegeben, da war ihr sechsundzwanzig uralt vorgekommen. Jetzt, wo sie das Alter erreicht hatte, fand sie es völlig normal. „Du lieber Himmel, Callie, jetzt bist du schon sechsundzwanzig!“, hatte ihre vier Jahre jüngere Schwester Bonnie gesagt, als Callie die Kerzen auf ihrem Geburtstagskuchen ausgeblasen hatte.

„Sechsundzwanzig.“ Trey lächelte wieder. „Das ist wirklich noch sehr jung, Sheely. Ich werde im Oktober dreiunddreißig.“

„Sie sind wirklich sehr jung, wenn man bedenkt, welche Position Sie haben“, stellte Callie fest. „Sie sind auf Ihrem Gebiet sehr angesehen, obwohl Sie noch so jung sind. Aber Sie haben das College ja auch in drei Jahren beendet und für das Medizinstudium auch nur …“ Sie schwieg verwirrt. Was plapperte sie da?

„Sie haben offenbar meine Personalakte gründlich studiert. Haben Sie vor, mich um eine Gehaltserhöhung anzugehen, und schmeicheln mir deshalb?“

Callie wurde rot. Wenn Trey eine Ahnung hätte, wie viel sie über ihn wusste! Sie hatte sämtliche Informationen, die sie in den hauseigenen Publikationen über ihn gefunden hatte, regelrecht verschlungen.

„Ich wollte Sie nur daran erinnern, dass viele hier Sie noch für ein Wunderkind halten.“

„Ein Wunderkind“, wiederholte er nachdenklich. „So hat man mich lange genannt. Aber wenn man erst einmal dreißig ist, dann kann man sich wirklich nicht mehr als Kind bezeichnen.“

„Manche Männer bleiben immer Kinder“, sagte Callie, und das klang ein wenig bitter. Sie dachte an Scott Fritche und seine Vorliebe für junge Mädchen und an ihren Bruder Kirby, der nur eineinhalb Jahre jünger war als sie und immer noch bei ihren Eltern wohnte, um sich angeblich darüber klar zu werden, was er später mal machen wollte.

„Das stimmt“, antwortete Trey ernst. „Und dann gibt es wieder Kinder, die schon viel klüger sind, als es ihr Alter vermuten ließe. Ich war ein solches hochbegabtes Kind und Sie sicher auch, Sheely.“

„Ich habe mich eigentlich nie für besonders klug gehalten.“ Callie schwieg. Gerade jetzt benahm sie sich alles andere als klug. Wie konnte sie sich nur so hoffnungslos in den unerreichbaren Trey Weldon verlieben?

„Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel, Sheely. Ich halte nichts von falscher Bescheidenheit. Sie waren schließlich Klassenbeste auf der Highschool und auch die Beste Ihres Jahrgangs beim Schwesternexamen. Das hätten Sie nicht erreicht, wenn Sie nicht intelligent wären.“

Callie sah erstaunt zu ihm auf. „Woher wissen Sie das alles?“

„Ich habe mich natürlich erkundigt, bevor ich Ihnen den Job in meinem Team anbot.“

„Aber Sie sagten doch, Sie hätten mich bei der Arbeit beobachtet und mich deshalb …“ Sie schwieg.

„Ja, aber ich habe mir ebenfalls Ihre Zeugnisse angesehen. Ich wollte sicher sein, dass ich die fähigste Mitarbeiterin bekomme, die sich finden lässt. Und das bedeutet für mich jemand, der sich nicht nur vom Wissen her für den Job eignet, sondern auch die nötige Charakterstärke besitzt. Nichts anderes kam für mein Team infrage.“

„Ja, die fähigste Mitarbeiterin, das bin ich.“ Sie griff nach einem Tablett und stellte sich vor der Essensausgabe an. Wissen und Charakterstärke? So hätte er auch Schwester Benedicta beschreiben können, die strenge Direktorin ihrer Highschool.

Er konnte es ja wohl kaum deutlicher machen, dass sie in ihm keinerlei romantische Gefühle weckte. Es wurde Zeit, dass sie sich der schonungslosen Wahrheit stellte: Ihre Verliebtheit war nicht nur dumm, sondern regelrecht absurd. Glücklicherweise wusste niemand davon. Und dann dachte sie an Jennifer. „Ich bin nicht der Typ, der einer anderen ihren Mann ausspannt“, hatte sie gesagt. Hatte sie doch irgendetwas gemerkt?

Callie zuckte bei dem Gedanken zusammen. Vielleicht gingen die Gerüchte schon bald um. Sollte sie einfach alles lachend abstreiten, oder sollte sie sich lieber schon mal irgendeine Erklärung zurechtlegen?

Ihr Herz klopfte schneller, als Trey sich jetzt dicht hinter sie stellte. Sie atmete seinen Duft ein und schloss kurz die Augen. Sie fühlte seinen Atem in ihrem Nacken und sehnte sich danach, sich gegen seine breite Brust zu lehnen. Was würde geschehen, wenn sie diesem Impuls nachgeben würde? Sollte sie ihm nicht ruhig zeigen, wie sie empfand, damit er sie endlich als Frau wahrnahm und nicht nur als zuverlässige Mitarbeiterin? Sie begehrte ihn, sie sehnte sich nach ihm. Warum sollte sie es nicht riskieren und es ihn wissen lassen?

„Dr. Weldon?“

Callie zuckte zusammen und machte unwillkürlich einen Schritt vorwärts. Sie drehte sich um und sah Scott Fritche auf Trey zukommen. Sie hatte das Gefühl, als erröte sie bis zu den Haarwurzeln. Gleichzeitig war ihr Kopf wieder klar. Sie war wieder sie selbst. Wie konnte sie überhaupt daran gedacht haben, Trey zu signalisieren, wie sehr er sie anzog?

„Fritche“, Trey zog die Augenbrauen zusammen, „ich wollte heute noch mit Ihnen sprechen. Das können wir dann ja auch jetzt erledigen.“ Er nickte Callie kurz zu und ging dann mit dem jüngeren Mann an einen weiter entfernt liegenden Tisch.

Callie zog sich ein fertiges Sandwich aus dem Automaten, griff nach einer Flasche Apfelsaft, zwang sich zu einem Lächeln und ging auf den Tisch zu, an dem Quiana, Leo und ein paar andere Kollegen aus der Chirurgie saßen.

Eine halbe Stunde später stand sie wieder im Operationssaal, um zusammen mit dem Rest des Teams bei der Laseroperation von Doug Radocay zu assistieren. Wie üblich waren viele Studenten zum Hospitieren gekommen. Doug war örtlich betäubt, und Trey rekapitulierte seine Krankengeschichte.

„Dieser Achtundzwanzigjährige hatte letzten Monat während seines üblichen morgendlichen Joggings zum ersten und bisher einzigen Mal einen Krampfanfall. Er ging zu seinem Hausarzt, der keine neurologischen Symptome oder Hirnabnormalitäten feststellen konnte. Er vermutete, dass der Patient durch die sportliche Aktivität ausgetrocknet war, verschrieb ihm aber vorsichtshalber ein Mittel gegen Krampfanfälle. Weitere Interventionen wurden nicht für nötig gehalten. Gibt es so weit irgendwelche Fragen?“

Nach einer kurzen Pause erkundigte sich einer der Medizinstudenten: „Und warum ist er dann jetzt hier?“

Treys Blick traf Callie. „Gute Frage. Ich lasse Callie darauf antworten. Sheely?“

„Mich?“ Callie sah ihn erstaunt an.

„Ich möchte gern, dass Sie uns erzählen, wie Sie eine zusätzliche Behandlung für diesen Patienten gesucht und gefunden haben, Callie.“

Callie? Er hatte wieder Callie gesagt. Sie sah, wie Quiana der anderen Schwester zuzwinkerte.

Callie räusperte sich. „Ich kenne Doug, den Patienten, schon sehr lange. Er ist der Enkel von Mrs Radocay, einer Nachbarin meiner Eltern. Und sie sagte zu meiner Mutter, dass ihrer Meinung nach Dougs Probleme nicht ausreichend untersucht worden seien.“

Sie beschloss, lieber nichts von Mrs Radocays Ruf als Hellseherin zu sagen, deren Voraussagen man in der Nachbarschaft viel Glauben schenkte. Wenn sie meinte, etwas sei wirklich verkehrt mit ihrem Enkel, dann war sicher auch etwas dran.

Als sie schließlich Trey davon erzählte, nachdem bei der Tomografie ein Tumor in Dougs Gehirn entdeckt worden war, hatte er sich über sie lustig gemacht. Sie hatten schließlich beschlossen, das Thema nicht mehr zu berühren.

„Und meine Mutter bat mich, Dr. Weldon zu fragen, ob er Doug als Patienten annehmen würde, und er war damit einverstanden“, schloss sie ihren Bericht.

Wozu sollte sie noch ausmalen, wie viel Mühe es sie gekostet hatte, Trey zu überreden? Drei Wochen hatte sie dazu gebraucht. Wie hatte sie das fertiggebracht? Manchmal wunderte sie sich noch heute darüber. Trey Weldon tat nichts, wovon er nicht wirklich überzeugt war.

Ich stimme vollkommen mit der Diagnose und der Behandlung des Hausarztes überein, hatte er gesagt.

„Aber können Sie ihn sich nicht trotzdem einmal ansehen?“ Sie hatte nicht nachgelassen.

Und dann hatte er erstaunlicherweise doch eingewilligt. Und jetzt standen sie hier am Operationstisch.

„Wollen Sie jetzt bitte übernehmen, Dr. Weldon?“, fragte sie dann in jenem etwas unterwürfigen Ton, den Untergebene berühmten Chirurgen gegenüber haben.

„Danke, Schwester Sheely“, sagte er übertrieben geschäftsmäßig und sah kurz zu ihr hin. Dann fuhr er fort zu berichten, dass man bei der Computertomografie einen winzigen Tumor im Anfangsstadium gefunden hatte.

„Es lebe die besorgte Großmutter!“, rief einer der Zuschauer.

„Ja.“ Trey räusperte sich. „Wir werden diesen Patienten natürlich regelmäßig untersuchen, aber seine Heilungschancen sind ausgezeichnet.“

In kurzer Zeit war der Eingriff beendet, und Doug wurde aus dem OP geschoben.

„Sheely, ich möchte, dass Sie mit mir zusammen mit seiner Familie sprechen.“ Trey ergriff sie beim Handgelenk, als sie zwischen Leo und Quiana auf die Umkleideräume zuging.

Er zog sie zurück und fasste jetzt ihren Ellbogen.

„Sie haben wohl Angst vor der Großmutter mit dem siebten Sinn, Dr. Weldon“, witzelte Leo. „Hoffentlich hat sie ihren Turban und die Kristallkugel zu Hause gelassen.“

„Mrs Radocay ist keine Wahrsagerin, Leo“, sagte Callie streng. Hätte sie Leo nur nichts von Mrs Radocays besonderen Fähigkeiten erzählt!

Trey hielt sie immer noch fest, als er jetzt seine Haube abnahm. Callie tat es ihm nach und schüttelte ihren Pferdeschwanz. Seine warme Hand fühlte sich wunderbar an.

Sie gingen auf das Treppenhaus zu, dem schnellsten Weg zum Wartezimmer, das einen Stock tiefer lag.

„Ich war gespannt, ob Sie den Zuschauern etwas von den geheimnisvollen Ahnungen der Großmutter erzählen würden“, bemerkte Trey, während sie die Treppe hinuntergingen.

„Sind Sie nicht froh, dass ich es nicht getan habe? Es wäre doch sicher peinlich für Sie gewesen, wenn sich Ihre OP-Schwester als New-Age-Anhängerin geoutet hätte.“

„Ich bin vor den Studenten nicht in Verlegenheit zu bringen, Sheely. Das ist doch reine Energieverschwendung.“

„Sie glauben wohl immer noch nicht, dass Mrs Radocay wirklich wusste, dass da etwas mit Doug nicht stimmte, obgleich die wissenschaftlichen Untersuchungen ihr recht gegeben haben?“

Treys Griff wurde fester. „Es war ein glücklicher Zufall, Sheely. Ich würde wetten, dass Dougs Großmutter sich schon immer übermäßige Sorgen um ihn gemacht hat. Und nach Tausenden von falschen Alarmmeldungen …“

„Hat sie diesmal ins Schwarze getroffen?“ Callie lachte. „Das Gesetz des Zufalls?“

„Ja, wir sind ja schließlich hier nicht in der Scheinwelt des Kinos.“

„Ich dachte, Sie gehen nicht ins Kino.“

Trey ließ ihren Arm los und stieß die Tür zum Treppenhaus auf. „Selten.“

„Und dann sehen Sie sich sicher keine albernen Filme an.“

Er sah auf sie herunter und lächelte. „Nein, Sheely, nie.“

Sein Lächeln wärmte sie durch und durch, und einen Augenblick lang standen sie nur da und sahen einander an.

Jemand kam die Treppe heruntergepoltert. Trey und Callie fuhren auseinander wie ein ertapptes Liebespaar.

„Callie, ich habe gerade Doug gesehen.“ Jimmy Dimarino, Assistenzarzt in der Neurochirurgie und ein alter Freund aus Callies Kindheit, stürzte auf sie zu. Er hob sie hoch und wirbelte sie im Kreis herum. „Er wird wieder ganz gesund werden. Dem Himmel sei Dank! Oh, Callie, seit ich von seinem Gehirntumor gehört habe …“ Jimmy stellte sie wieder auf den Boden und zog sie an sich. Er hatte Tränen in den Augen. „Ich musste immer an ihn denken. Weißt du noch, wie wir Fangen gespielt haben und Verstecken, wenn er zu Besuch bei seiner Großmutter war? Und Doug war es auch, der …“

„Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich jetzt gern mit der Familie meines Patienten sprechen.“ Treys Stimme klang eisig.

Callie und Jimmy starrten ihn an und merkten gleichzeitig, dass sie in der Tür standen und den Weg blockierten.

„Dr. Weldon, es tut mir so leid“, stotterte Jimmy verlegen und trat zur Seite. Er streckte die Hand aus. „Ich bin Jim Dimarino und …“

„Ich weiß, wer Sie sind“, unterbrach ihn Trey knapp und ignorierte die ausgestreckte Hand. Er hatte den gut aussehenden jungen Arzt schon viel zu oft mit Callie gesehen, hatte beobachtet, wie sie auf den Gängen des Krankenhauses und in der Kantine miteinander lachten und scherzten. Sie waren seiner Meinung nach ein wenig zu gern miteinander zusammen. Sobald ihm dieser Gedanke bewusst wurde, versuchte Trey ihn zu unterdrücken, ebenso wie das Gefühl, dass ihm etwas Entscheidendes entging.

„Jimmy und ich sind zusammen aufgewachsen“, sagte Callie, um das plötzliche Schweigen zu brechen. Unsere Familien sind gut miteinander befreundet und leben noch in derselben Nachbarschaft und …“ Sie brach ab und wurde rot.

Was plapperte sie da für einen Unsinn? Trey war offensichtlich ungeduldig und ganz sicher absolut nicht an irgendwelchen banalen Informationen über sie und Jimmy interessiert.

„Ich habe Ihnen schon häufig beim Operieren zugesehen, Dr. Weldon“, versuchte Jimmy die Situation zu retten, „aber heute konnte ich leider nicht dabei sein, weil …“

Ohne ein Wort ging Trey an ihm vorbei und in Richtung Warte­zimmer.

Callie und Jimmy sahen einander an.

„Oh, oh!“, stöhnte Jimmy. „Ich glaube, er ist wütend. Habe ich ihn irgendwie genervt, Callie?“

„Er hatte es nur eilig, mit der Familie zu sprechen.“ Callie hatte nicht vor, Treys Verhalten mit Jimmy durchzugehen. „Komm, lass uns den Radocays guten Tag sagen.“

Sie nahm ihn bei der Hand, und gemeinsam eilten sie den Gang hinunter zum Wartezimmer.

3. KAPITEL

Trey war gerade dabei, Doug Radocays Eltern, seiner Verlobten, seinem Bruder und seiner Großmutter von der erfolgreichen Operation zu berichten, als Callie Hand in Hand mit Jimmy Dimarino in das Wartezimmer trat.

Trey brach mitten im Satz ab, aber die Radocays schienen davon nichts zu merken. Sie sprachen alle durcheinander, weinten vor Freude und fielen sich in die Arme. Als Callie und Jimmy zu ihnen traten, wurden auch sie umarmt.

Trey trat einen Schritt zurück und beobachtete die Szene. Er bemühte sich darum, gleichgültig auszusehen, wusste aber nicht, ob es ihm gelang. Er empfand alles andere als Gleichgültigkeit.

Statt sich wie sonst mental von seiner Umgebung zurückzuziehen und eine Schutzwand zwischen sich und den anderen aufzurichten, um sich sein seelisches Gleichgewicht zu bewahren, fühlte er einen wenig vertrauten inneren Aufruhr. Wut stieg in ihm hoch, gleichzeitig fühlte er sich hilflos und so verwirrt, dass es zum Verrücktwerden war. Der Anblick von Callie Sheely, Hand in Hand mit Jimmy Dimarino, hatte sich ihm schmerzhaft eingebrannt, als hätte ihn der Blitz getroffen.

Er war eifersüchtig. Trotz seiner festen Absicht, unkontrollierbare und schädliche Emotionen zu vermeiden, konnte er diese nicht unterdrücken. Er war eifersüchtig. Er war krank vor Eifersucht.

Er hatte sich noch nicht ganz von dem Schock erholt, dass Jimmy Dimarino sie in der Luft herumgewirbelt hatte. Es hatte wehgetan zu sehen, dass zwischen beiden offensichtlich eine enge, liebevolle Verbindung bestand. Und jetzt das Händchenhalten – das war wirklich der Gipfel. Trey fühlte, was er nie vorher zugelassen hatte: dass Callie ihm gehörte und keinem anderen.

Trey verzog die Lippen zu einem ironischen Lächeln. Das war ihm noch nie passiert. Mit seiner Intelligenz und seinem Talent hatte er bisher immer die Ziele erreicht, die er sich gesetzt hatte, ja er war sogar über sie hinausgegangen. Das Wunderkind, aus dem ein außerordentlicher Arzt geworden war, den manche einen Helden nannten, hatte noch auf nichts und niemanden eifersüchtig sein müssen.

Und wie war es mit der Eifersucht in seinem Liebesleben?

Er hatte bisher diese unangenehme Falle immer vermieden. Sexuelle Eifersucht verlangte mehr Leidenschaft, als er gewillt war, einer einzigen Person entgegenzubringen.

Seine wenigen Affären waren immer nach einem bestimmten Schema abgelaufen, wo Eifersucht keinen Platz hatte. Darauf hatte er geachtet. Er hatte sich stets sorgfältig bei den verfügbaren und gesellschaftlich passenden jungen Damen umgesehen, und die gewählte Frau hatte sein Interesse grundsätzlich erwidert. Daraus entwickelte sich dann eine lockere Beziehung, die niemals besonders lange dauerte. Normalerweise war er derjenige, von dem die Trennung ausging, manchmal hatte auch die Frau Schluss gemacht, wenn sie merkte, dass er zu einer dauerhaften Bindung nicht bereit war.

Wer letzten Endes Schluss gemacht hatte, war Trey immer gleichgültig gewesen. Sein Stolz wurde nicht verletzt, tiefere Gefühle waren nicht im Spiel. Sicher hatte er vor, eines Tages zu heiraten, aber er hatte sich fest vorgenommen, diesen Schritt erst mit vierzig zu tun. Er sprach mit anderen nicht mehr darüber, weil man ihm sowieso nicht glaubte, dass er bei einem solchen Entschluss bleiben konnte.

Aber Trey wusste, dass es für ihn möglich sein würde. Er würde mit vierzig heiraten, nicht einen Tag eher. Seine Braut würde aus einer guten Familie kommen und sich problemlos in die Welt der Weldons einfügen.

Von ihm aus sollten andere Männer mit unpassenden Frauen flirten, sollten sich Hals über Kopf in Ehen stürzen, die ihnen nur Unglück bringen konnten. Er würde solche Fehler vermeiden und immer daran denken, was seine Mutter ihm von dem Desaster ihrer ersten Ehe erzählt hatte und im Vergleich dazu von der zweiten so sehr viel glücklicheren, die sie als reifere Frau eingegangen war.

„Ich weiß, dass Sie das Leben meines Enkels gerettet haben.“ Doug Radocays Großmutter, eine kleine Frau mit einem von Falten durchzogenen Gesicht, lächelte ihn aus tränenfeuchten Augen an und nahm seine Hand in ihre beiden. „Es sind gute Hände“, murmelte sie dabei, „Hände, die heilen können.“

Trey fühlte sich bei ihren Worten ein wenig unwohl. Er verstand, dass die Familien seiner Patienten ihm dankbar waren, aber er wollte nicht angebetet werden wie ein Gott. „Mrs Radocay“, begann er also, um die ihm zugeschriebenen übernatürlichen Kräfte abzustreiten, als sie ihn unterbrach.

„Ich weiß ja, dass Sie im Augenblick nicht über Doug sprechen wollen“, sagte sie leise. „Ihr Kopf ist voll von Callie.“

Trey zuckte zusammen. „Ich weiß nicht, was Sie meinen, Mrs Radocay“, brachte er mühsam heraus. Er atmete tief durch. „Ich würde Ihnen gern alle Fragen beantworten, die Sie bezüglich Ihres Enkels haben. Es tut mir leid, dass Sie einen anderen Eindruck hatten.“

„Das macht nichts, ich verstehe schon“, antwortete Mrs Radocay freundlich, „Callie ist ein liebes Mädchen, und es wird Zeit, dass sie den richtigen Mann findet.“

„Sie irren sich, Mrs Radocay“, widersprach er. „Callie Sheely und ich arbeiten nur zusammen, wir sind nicht privat befreundet.“

„Schon gut.“ Mrs Radocay klopfte ihm mütterlich auf die Hand. „Ich sehe schon, was hier los ist. Als Callie hier in das Zimmer trat, haben Sie sie ja förmlich mit den Augen verschlungen. Und den armen Jimmy hätten Sie am liebsten aus dem Fenster geworfen. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Callie und Jim sind seit ihrer Kindheit Freunde, sonst nichts. Wenn Sie Callie wollen, dann werden Sie sie bekommen.“

Es war, als erließe sie ein Dekret, aber statt einfach darüber zu lachen, verfiel Trey in Panik. Wollte er Sheely? Nein, das konnte nicht sein. Es war nicht akzeptabel, es war albern. Er konnte Sheely nicht wollen. Er würde sich nicht erlauben, sie zu wollen.

Aber wie passte das zu der Eifersucht, die ihn vorhin gepackt hatte? Oder zu der plötzlichen Erregung, die ihn ergriffen hatte, als er sie so spärlich bekleidet im Umkleideraum gesehen hatte? Und warum hatte er so einen starken Drang, sie immer zu berühren? Er musste zugeben, dass er das Bedürfnis hatte, sie so oft wie möglich anzufassen. Und dabei handelte es sich nicht um ein kameradschaftliches Die-Hand-auf-die-Schulter-Legen. Auch wenn sie sich nur flüchtig berührten, durchzuckte es ihn heiß. Zum Beispiel vorhin, als er in der Kantine so dicht hinter ihr gestanden hatte. Sein Herzschlag hatte sich beschleunigt, er hatte tief ihren Duft eingeatmet und Callies erotische Ausstrahlung so stark gespürt, dass er einen Schritt zurück machen musste. Das Verlangen, das er fühlte, passte absolut nicht zu seinen Plänen, erst mit vierzig zu heiraten.

Er durfte diesen Empfindungen nicht nachgeben. „Ich fürchte, Sie irren sich, Mrs Radocay“, sagte er deshalb, und es schien ihm plötzlich ungeheuer wichtig, sie davon zu überzeugen, fast so, als könnte er sich damit selbst überzeugen. „Es ist unmöglich“, fuhr er fort. „Ich habe eine eiserne Regel, dass ich mich niemals mit einer Mitarbeiterin einlasse. Das ist viel zu gefährlich. Man könnte verklagt werden.“ Eigentlich klang das ganz vernünftig, aber warum kam es ihm hinsichtlich seiner Beziehung zu Callie so albern vor?

Mrs Radocay schien das auch so zu empfinden. Sie lächelte amüsiert. „Ich bin sicher, dass Callie Sie nicht verklagen wird, Dr. Weldon.“

Trey schüttelte den Kopf. „Es ist nicht nur das“, sagte er eindringlich, „wir kommen aus völlig unterschiedlichen Welten, sind ganz anders aufgewachsen …“

„Unterschiedliche Welten?“ Mrs Radocay sah ihn nachdenklich an. „Das wissen Sie wohl genau, mein Lieber?“

Die Augen der alten Frau schienen in ihn hineinsehen zu können, registrierten alles, was er tief in sich verschlossen hielt. Es war, als kenne sie sein Geheimnis, dass er nämlich nicht als ein Weldon geboren war, sosehr er auch zu der Familie zu passen schien. Und eben diese Anpassung hatte er sich zum Lebensziel gemacht.

Nein, niemand konnte die Gedanken eines anderen lesen. Er, Trey, glaubte nicht an irgendwelchen paranormalen Unsinn. Es wurde Zeit, dass er dieses anstrengende Gespräch beendete. „Mrs Radocay, entschuldigen Sie mich bitte. Ich habe jetzt meine Visite zu machen.“

„Ich wollte Sie nicht erschrecken, Dr. Weldon.“ Die alte Frau sah etwas verlegen aus. „Nach allem, was Sie für unseren Doug getan haben. Ich hatte gedacht, Sie wüssten, wie es um Sie und Callie steht, aber da habe ich mich wohl geirrt. Sie wissen es wenigstens noch nicht.“ Sie tätschelte wieder seine Hand. „Und es kommt nicht darauf an, in welche Familie wir hineingeboren werden, sondern was wir aus unserem Leben machen. Aber auch das glauben Sie noch nicht.“ Sie wandte sich um und verließ den Raum.

„Es ist nichts zwischen Sheely und mir, und es wird auch nie etwas sein“, sagte er leise vor sich hin. Er musste hier raus. Er ging schnell auf die Tür zu.

Callie holte ihn im Flur ein. „Genug Bewunderung für heute? Sie machen ja ein Gesicht, als wollten Sie fliehen.“

„Wieso?“

„Sie sehen aus, als ob jemand Sie mit seinem Geplapper gelangweilt hat.“

„Wollen Sie vielleicht behaupten, ich sei zu der Familie meines Patienten unhöflich gewesen, Sheely?“, fuhr er sie an. Es war gut, seinen Ärger ein wenig an ihr auszulassen, vor allen Dingen, weil sie ja die Ursache seiner Unzufriedenheit war.

Callie zuckte zusammen. „Nein, ich meinte ja nur …“

„Tun Sie nicht so, ich weiß genau, was Sie gemeint haben.“ Er lief die Treppe hinauf, und Callie folgte ihm. Als er auf dem Absatz angekommen war, drehte er sich schnell um. „Warum laufen Sie mir hinterher?“

Sein Angriff war so plötzlich gekommen, dass sie rückwärts stolperte und gefallen wäre, hätte Trey ihr nicht schnell einen Arm um die Taille gelegt. Er hielt sie fest und hob sie hoch, auf den Treppenabsatz neben sich. Sie war so zierlich und leicht wie eine Puppe, und er empfand eine urmännliche Befriedigung über seine Stärke, die wahrscheinlich noch von seinen Vorahnen aus der Steinzeit stammte.

„Ich bin Ihnen nicht hinterhergelaufen“, sagte Callie atemlos. Sie streifte seine Hände, die ihre Taille noch umfasst hielten, mit einem Blick. „Ich wollte noch einmal nach Doug sehen, mich dann umziehen und nach Hause gehen. Und Dougs Zimmer und der Umkleideraum sind beide auf diesem Stockwerk.“ Sie schluckte.

Trey starrte ihr in die Augen und konnte den Blick nicht von ihr lösen. Wie von allein begannen seine Finger ihren schmalen Rücken zu streicheln.

„Sie wollen sie, und Sie werden sie bekommen.“ Wieder hörte er Mrs Radocays Stimme. Sie schien ihn dazu zu ermutigen, Callie in die Arme zu nehmen und ihre leicht geöffneten, vollen Lippen zu küssen.

Er erinnerte sich plötzlich an einen wilden erotischen Traum, den er mehr als einmal von diesem Mund gehabt hatte. Nach dem Aufwachen, beglückt, aber betreten, hatte er mit Gewalt das Bild der Frau aus dem Traum aus seinem Kopf verbannt. Jetzt tauchte das Bild plötzlich wieder auf, vergrößerte sein Verlangen und verstärkte seine Erregung.

Die Frau in den Träumen war Callie gewesen. Er stöhnte auf.

„Trey, was ist denn los?“

Ihre Stimme war so weich, so sexy.

Er sah auf ihren Mund, der leicht geöffnet war vor Erstaunen. Er sehnte sich so sehr nach ihr, dass es plötzlich sinnlos schien, sich dagegen zu wehren. „Das ist los, Callie“, sagte er heiser und zog sie näher zu sich heran.

Er würde genau das tun, was er wollte, denn Callie wollte es auch, das konnte er in ihren dunklen Augen lesen.

Langsam beugte er sich zu ihr hinunter, während sie sich ihm gleichzeitig entgegenreckte, und drückte den Mund auf ihre warmen Lippen. Callie stellte sich auf die Zehenspitzen, legte ihm die Arme um den Hals und schmiegte sich an ihn. Sie stöhnte leise auf, als er jetzt mit der Zunge vordrang und die Süße ihres Mundes erforschte.

Als er nun die Hände auf ihren Po legte und sie an sich presste, erschauerte sie vor Entzücken. Er streichelte ihre Oberschenkel, fühlte, wie sie sich an ihn drängte, und wurde davon noch erregter. Er küsste sie noch intensiver und rieb sich an ihr, wollte mehr, wollte alles.

Callie erwiderte seine Küsse mit einer Glut, wie sie sie bisher nur im Traum erlebt hatte. Sie konnte immer noch nicht ganz begreifen, dass das, was sie erlebte, Wirklichkeit war. Trey hielt sie in seinen Armen, küsste sie und begehrte sie. Seine Küsse waren leidenschaftlicher als alles, was sie vorher erlebt hatte. Aber das war kein Wunder. Er war eben perfekt bei allem, was er tat.

Wellen pulsierender Hitze durchströmten sie, und sie nahm nur noch Trey wahr. Seinen festen Oberkörper, der sich an ihre Brüste presste, seinen starken Arm, mit dem er sie an sich drückte. Er drängte ein Knie zwischen ihre Schenkel, bewegte das Bein langsam auf und ab und setzte dadurch ihr Innerstes in Brand. Aufstöhnend presste sie sich an ihn, spürte, wie groß seine Erregung war. Die Knospen ihrer Brüste wurden hart und richteten sich auf . Unwillkürlich stellte sie sich vor, wie Trey sie sanft liebkoste, wie er ihre Brüste küsste und streichelte.

Ihr wurden ganz plötzlich die Knie weich, und hätte Trey sie nicht so fest umarmt, wäre sie auf den Boden gesunken. Benommen vor Verlangen, klammerte Callie sich an ihn. Sie genoss seine männliche Stärke, seine Leidenschaft und erwiderte seine Küsse mit der gleichen Begierde. Sie konnte nicht genug von ihm bekommen. Sie wollte mehr von der Süße seiner Lippen, wollte seine Hände überall spüren, wollte seinen muskulösen Körper auf sich ziehen, wollte ihn ganz spüren. Und während Trey sich immer heftiger an ihr rieb, sie immer fordernder küsste, näherte sie sich dem Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gab. Es war so gut, so schön. Nur noch ein paar Herzschläge, und die Lust würde sie fortreißen.

Und dann war es ganz plötzlich vorbei. Ihre Knie zitterten so sehr, dass sie sich am Treppengeländer festhalten musste. Sie seufzte leise, konnte nicht verstehen, was geschehen war.

Das Geländer fühlte sich kalt an, und das Treppenhaus war plötzlich so kühl, dass Callie zitterte. Sie sehnte sich nach Treys Umarmung, fieberte nach der Hitze seiner Leidenschaft.

Callie atmete vorsichtig ein. „Trey?“ Beinahe hätte sie ihre eigene Stimme nicht erkannt.

Er stand ein paar Schritte von ihr entfernt an der Wand und starrte Callie mit einem wilden Glitzern in den Augen an. Er trat einen Schritt auf sie zu, und genauso plötzlich, wie er sie vorhin an sich gerissen und geküsst hatte, wandte er sich ab.

Als er sie wieder ansah, glitzerten seine Augen nicht mehr, und sein Gesichtsausdruck war undurchdringlich. „Das hätte nicht geschehen dürfen.“

Callies Herz war schwer wie ein Stein. Sie sehnte sich mit jeder Faser ihres Körpers nach Treys Berührung, nach seinen Zärtlichkeiten. Ihr Herz verlangte nach seinem liebevollen Blick, nach ein paar zärtlichen Worten.

Sie hoffte, er würde zugeben, dass das, was zwischen ihnen geschehen war, richtig und wunderbar und vollkommen natürlich war. Dass angesichts ihrer neuen Gefühle füreinander ihre Beziehung jetzt eine andere Ebene erreicht hatte. Oder erwartete sie da zu viel von ihm?

Sie schluckte. Wenn er nun ihre Gefühle überhaupt nicht erwiderte? Wenn Leidenschaft für ihn eine ganz andere Bedeutung hatte als für sie? Das schien leider durchaus denkbar, denn in diesem Augenblick sah Trey unnahbarer aus denn je.

„Es wird nicht wieder geschehen“, erklärte er mit Nachdruck. „Ich kann mich nur entschuldigen, dass ich es so weit kommen ließ.“

Callie erstarrte. Entschuldigen? Kaltes Entsetzen und Enttäuschung überfielen sie und verwandelten sich in Wut. „Nicht nötig, Trey. Ich brauche keine Entschuldigung. Soll ich mich vielleicht auch noch bei Ihnen entschuldigen?“

„Natürlich nicht.“ Er fuhr sich immer wieder nervös mit der Hand durch das kurze Haar. „Ich übernehme die volle Verantwortung. Und es gibt auch keine Entschuldigung für mein Verhalten. Ich verstehe selbst nicht, was über mich gekommen ist.“ Er richtete den Blick auf einen imaginären Punkt hinter ihr. „Ich will auch nicht mehr darüber sprechen. Es ist sinnlos.“

Callie drängte energisch die aufsteigenden Tränen zurück und schluckte. „Ja, es ist sinnlos. Vergessen Sie die Entschuldigung und übernehmen Sie nur die volle Verantwortung.“

Am liebsten hätte sie ihm gesagt, was er mit dieser vollen Verantwortung tun könnte, aber sie nahm sich zusammen. Innerlich kochte sie. Es war so unfair. Sie waren beide für die Leidenschaft ihrer Umarmung verantwortlich gewesen, hatten gegeben und genommen, und nun entschied er einfach, das alles sinnlos sei und dass er nicht mehr darüber sprechen wollte. So als hätte sie keine Meinung, ja als gäbe es sie überhaupt nicht.

Aber eigentlich war das typisch für ihr Verhältnis zueinander. Er war der Meister, sie die Untergebene. Er hatte zu bestimmen; sie tat, was er von ihr verlangte. Nur jetzt hatte er sie auch noch zurückgewiesen. Er hatte keine Ahnung, was über ihn gekommen war. Er konnte sich nicht vorstellen, warum er sie geküsst hatte.

Callie biss die Zähne zusammen. Sie musste ebenfalls so tun, als hätte sie vorhin einen kurzen geistigen Aussetzer gehabt, alles andere wäre zu erniedrigend. „Sie haben recht.

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