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Tiffany Duo Band 0147

Lyn Stone

Ein Agent zum Verlieben

1. KAPITEL

Damien Perry öffnete seine Bierflasche und schüttelte lachend den Kopf. Es war ein bitteres Lachen, wie immer in den letzten Tagen. Dass ein Mann auf den Absender eines Briefs schauen musste, um zu wissen, wer er selbst gerade sein sollte, war schon traurig.

Mit dem Daumen strich er über den Poststempel des Umschlags, der neben ihm auf der Koje lag. ‘Nashville, Tennessee’. Ach ja, seine Rolle als Attentäter.

Seit fast zehn Jahren nahm er nun schon unterschiedliche Identitäten an, und langsam wurde der Job langweilig. Das FBI lieh ihn häufig an andere Sicherheitsbehörden aus, als wäre er ein Ausrüstungsteil.

Er hatte überlegt, ob er kündigen sollte. Die Bezahlung war miserabel, selbst wenn man die Spesen einrechnete, mit denen er die Designerkleidung kaufte, die er bei Einsätzen wie dem letzten brauchte. Außerdem hatte er sein Erbe gut angelegt und musste eigentlich gar nicht mehr arbeiten.

Aber was würde er tun, wenn er nicht mehr beim FBI war? Sein Jurastudium nutzen und eine Anwaltskanzlei eröffnen?

Damien schnaubte abfällig und nahm einen Schluck Bier, bevor er die Schuhe abstreifte und es sich in der Koje bequem machte. Doch dann fiel sein Blick wieder auf den Umschlag.

Er riss ihn auf. Kein Brief, nur eine Visitenkarte.

Lächelnd las er den Namen. “Marian Olivia Jensen”. In Nashville kannte er nur eine Frau namens Jensen. Das musste sie sein. Was konnte Molly von ihm wollen? Er drehte die Karte um. “Bitte rufen Sie mich an. Ich brauche ihre Hilfe. Es ist dringend. M.J.”, las er vor sich hin murmelnd.

Er ließ sich auf die schmale Koje in der Kabine der Anna Louise zurückfallen und betrachtete die Visitenkarte genauer. Unter ihrem Namen stand die Berufsbezeichnung “Freie Grafikerin”, darunter die Nummern von Postfach, Telefon und Fax.

Woher wusste sie, wo er zu erreichen war?

Vermutlich von Michael Duvek, dem FBI-Regionaldirektor in Memphis. Abgesehen von ihrem Bruder war Duvek der Einzige, den sie beide kannten.

Aber Damien kannte Molly eigentlich kaum. Er war ihr nur zweimal begegnet, als er vor sechs Monaten in Memphis im Krankenhaus gelegen hatte. Nach dem Fiasko in Nashville. Sie hatte ihren Bruder besucht. Ford Deveraux, den FBI-Agenten mit dem er ein Zimmer geteilt hatte, nachdem sie beide verletzt worden waren. Unbewusst strich er über die Narbe unterhalb des Brustkorbs.

Seltsam, dass sie sich an ihn erinnerte. Damien war gerade erst aus der Narkose erwacht und noch benommen gewesen, als Deveraux ihn mit seiner Schwester bekannt gemacht hatte. Er hatte die Augen geöffnet und direkt in ihr Lächeln geschaut. Ein unvergessliches Lächeln.

Bei ihrem nächsten Besuch waren sie zusammen in die Cafeteria gegangen, damit Deveraux und dessen Verlobte ein wenig allein sein konnten.

Das war alles gewesen – ein scheußlich schmeckender Kaffee und fünfzehn Minuten belangloser Unterhaltung. Doch eine Frau wie sie konnte er nicht vergessen. Allein an sie zu denken brachte ihn zum Lächeln.

Sie war groß, nur eine Handbreit kleiner als seine einmeterneunzig. Schlank und anmutig, aber zu sportlich für ein Model. Makellose Haut, rotbraunes Haar, das wie poliertes Kupfer glänzte, und ein Lachen, das ihre grünen Augen wie Smaragde funkeln ließ.

Damien erinnerte sich daran, wie gern er sie damals berührt hätte. Einfach nur, um herauszufinden, ob ihre Lebensfreude ansteckend war. Er hatte sich nicht getraut, aber zum Glück hatte sie eine Hand um seinen Arm gelegt, um ihn zu stützen. Schon das war den anstrengenden Weg vom Krankenzimmer zur Cafeteria wert gewesen.

Nach einem letzten Blick auf die Visitenkarte stand er auf. Wozu mochte sie ihn so dringend brauchen? Seine Neugier war geweckt, aber vielleicht wäre es nicht sehr vernünftig, dieser Neugier nachzugeben.

Von einem Ehemann hatte sie damals nichts gesagt, aber bestimmt war sie verheiratet. Sie hatte ihm damals Fotos ihres Babys gezeigt.

Molly Jensen war Ehefrau und Mutter. Und damit tabu. Eindeutig. Damien hatte gelernt, Tabus zu respektieren.

Doch dieses Mal ignorierte er die Lektionen, die das Leben ihm erteilt hatte. Er wollte sie wiedersehen. Also zog er ein T-Shirt an, ging von Bord und steuerte die Telefonzelle am Eingang des kleinen Jachthafens an. Er würde herausfinden, warum sie seine Hilfe brauchte.

“Oh, Syd, was soll deine Mom nur tun?”, fragte Molly ihre fest schlafende Tochter.

Das Telefon läutete zum vierten Mal, und wieder schaltete sich der Anrufbeantworter ein. Sie lauschte ihrer eigenen Stimme und wartete auf den Piepton. Ihr graute vor dem Lachen, dem tiefen Lachen, bei dem sie immer eine Gänsehaut bekam. Seit Mittag hatte sie schon drei solcher Anrufe ertragen müssen. Die Abstände wurden immer kürzer.

Wenn sie den Hörer abnahm, würde er vielleicht mit ihr reden und so tun, als würde er sich um sie und Sydney sorgen. Dennoch würde sie seine Worte als Drohungen erkennen. Und die waren schlimmer als das Schweigen, das gleich durch die Leitung dringen würde.

“Hallo, Mrs Jensen”, sagte jetzt eine tiefe Stimme. “Hier ist Damien Perry. Ich habe Ihre Karte bekommen. Wenn Sie …”

Sie riss den Hörer von der Gabel. “Warten Sie! Nicht auflegen! Einen Augenblick bitte, ich muss nur rasch mein Kind hinlegen.”

Molly rannte zum Laufgitter, legte das Baby neben seinen Teddy und eilte zurück an den Apparat. “Entschuldigung. Ich hätte mich sofort gemeldet, aber ich dachte … Sind Sie hier? In Nashville?”

“Nein. Ich wollte nur …”

“Wann können Sie herkommen? Sie können doch kommen, oder nicht? Ich meine, ich weiß nicht mehr weiter. Und ich dachte, da Sie ein guter Freund von Ford sind und er im Ausland ist und Mr Duvek mir nicht …”

“Beruhigen Sie sich, Mrs Jensen. Nicht so schnell. Haben Sie ein Problem?”

“Ms, nicht Mrs. Nein, für Sie Molly, aber das ist jetzt nicht wichtig. Ich brauche Ihre Hilfe, und zwar sofort. Bitte! Es geht um Leben oder Tod.”

“Wessen Tod?”, fragte Damien gelassen.

“Meinen.” Sie schluckte. “Und vielleicht auch Sydneys.”

“Wer ist Sydney?”

“Mein Baby. Erinnern Sie sich? Bitte, werden Sie kommen? Ehrlich, es gibt sonst niemanden, der mir helfen kann. Es ist viel verlangt, ich weiß, aber ich kann Sie bezahlen. Was immer Sie verlangen, ich kann es bezahlen. Vielleicht nicht alles auf einen Schlag, aber wir finden schon eine Regelung.”

“Warten Sie. Erzählen Sie mir, was ich für Sie tun soll.”

“Er soll endlich damit aufhören. Ich halte es nicht mehr aus. Heute hat er schon drei Mal angerufen und …”

“Wissen Sie, wer es ist?”, unterbrach er sie.

“Ja! Jack. Mein Exmann.”

“Molly, hören Sie mir zu”, befahl Damien ruhig. “Verriegeln Sie sämtliche Türen und Fenster und …”

“Die sind alle verriegelt!”

“Gut. Haben Sie die Polizei verständigt?”

“Natürlich! Aber die unternimmt nichts gegen ihn, weil ich nicht beweisen kann, dass er es ist. Erst muss er uns etwas antun. Aber dann kann es zu spät sein! Kommen Sie nun, oder nicht?”

Damien schwieg einen Moment. “Ja. Ich bin morgen bei Ihnen.”

“Ein Glück”, flüsterte sie erleichtert. “Danke.” Bald würde alles vorbei sein. Syd und sie würden sicher sein.

Allein Damien Perrys Stimme zu hören hatte ihr ein wenig von der Angst genommen, die im Moment ihr Leben beherrschte. Sein entschlossener, selbstsicherer Tonfall ermöglichte ihr, die Augen zu schließen und tief durchzuatmen.

“Eine Frau sollte nicht allein leben, Molly”, hatte Jack am Telefon gesagt. “Du weißt ja, was ihr alles zustoßen kann. Du und dein Baby, ganz allein in dem großen Haus – ein erschreckender Gedanke, findest du nicht? Aber ich möchte, dass du darüber nachdenkst.”

Und dann hatte er böse gelacht.

Wenn er jetzt anrief, sprach er nicht.

Manchmal parkte er vor dem Haus und blieb im Wagen sitzen. Wenn sie herauskam, folgte er ihr, bis sie sich mit ihrer Mutter oder Freunden traf. Erst dann sprach er sie an, um sich vor Zeugen bei ihr zu entschuldigen. In der Öffentlichkeit spielte er den leidenden Ehemann, der nicht ohne sie leben wollte. Aber Molly wusste, was er wirklich wollte.

Sie sah es in seinem Blick und hörte es in seiner Stimme. Jack wollte Rache.

Und da er in seiner krankhaften Eifersucht sogar daran zweifelte, dass er der Vater ihrer gemeinsamen Tochter war, würde er nicht mal davor zurückschrecken, Sydney etwas anzutun.

Molly kauerte sich auf der Couch zusammen, neben der geladenen Pistole. Sie zwang sich wach zu bleiben, denn sie durfte nicht einschlafen. Es wäre zu gefährlich.

“Beeil dich, Damien”, flüsterte sie. “Bitte, komm so schnell du kannst.”

Als es an der Haustür läutete, riss Molly die Augen auf. Sie musste eingeschlafen sein. Draußen schien bereits die Sonne. Sie nahm ihre Pistole, schlich nach vorn und schaute durch den Spion.

Mit einem abgründigen Seufzer der Erleichterung öffnete sie. “Wie gut, dass Sie hier sind. Ich dachte schon, Sie hätten es sich anders überlegt. Bitte kommen Sie herein.”

Sie ließ Damien herein und schloss hinter ihm ab. Plötzlich fühlte sie sich so sicher wie seit Wochen nicht mehr.

“Darf ich?”, fragte er, bevor er ihr die Pistole aus der Hand nahm, sie sicherte und in seine Tasche steckte. “Ich möchte nicht, dass Sie einen von uns beiden erschießen.” Dann lächelte er. “Hallo übrigens.”

“Hallo”, erwiderte Molly und starrte noch immer auf seinen Mund. Als ihr das bewusst wurde, blinzelte sie verlegen.

“Ich hätte Sie fast nicht wiedererkannt.” Sie lachte. “Bisher habe ich Sie ja nur in dem eleganten Krankenhaushemd gesehen … Also geht es Ihnen besser?”

“Ja, danke”, antwortete er, und sein Blick wurde noch wärmer.

Er sah wirklich gut aus. Geradezu umwerfend. Molly versuchte, ihn nicht gar zu auffällig zu mustern, aber es war schwer. Der Mann hatte Schultern wie ein Verteidiger beim Football und ein Gesicht, das selbst in Hollywood auffallen würde.

Sie musste aufpassen, sonst brachte er sie um ihren Verstand. Aber er war wirklich umwerfend. War er nicht sofort gekommen, um Syd und sie zu retten? Einfach so, ohne irgendwelche Einzelheiten zu kennen. Besser konnte sich ein Mann in ihren Augen nicht verhalten.

Ihre rechte Hand zuckte, um ihm eine Locke aus der gebräunten Stirn zu streichen. Im letzten Moment hielt sie inne und verwünschte ihr fast unbändiges Bedürfnis, ihn zu berühren.

Er war jedoch nicht zurückgewichen, hatte sich nicht bewegt, nicht mal geblinzelt. Er hatte sie nur angeschaut, mit einem Blick, der sie in seinen Bann zog.

Hatte er nicht die strahlendsten blauen Augen, die sie jemals gesehen hatte? Azur. Ihre Lieblingsfarbe.

Hastig riss sie sich von seinem Anblick los und starrte an ihm vorbei zur Küche. Wenn sie nicht aufhörte, sich wie ein Teenager aufzuführen, würde er sie nie ernst nehmen.

“Ich wollte gerade Frühstück machen? Möchten Sie auch etwas?”, fragte sie.

“Nur Kaffee. Oder Tee.”

“Tee? Zum Frühstück? Oh, Sie meinen heißen …”

Er lächelte wieder, dieses Mal richtig breit, und ihr Herz schlug so heftig, dass ihr fast der Atem stockte. Sie hatte die perfekten Zähne vergessen. Und die Grübchen. Du meine Güte, kein Wunder, dass sie solchen Unsinn redete.

“Was immer Sie nehmen, nehme ich auch”, sagte er.

Ein lauter, durchdringender Schrei zerriss die Stille. Molly fuhr herum und eilte ins Wohnzimmer, um Syd zu holen, bevor das Kind die ganze Nachbarschaft weckte.

“Ja, ja, Liebling, bin schon da. Saft kommt gleich. Aber erst wirst du gewindelt.” Molly machte sich daran, die Windel zu wechseln.

“Hat es Schmerzen?”, fragte Damien.

“Wie?”, erwiderte sie verwirrt. Es? “Syd? Oh, nein, es geht ihr gut. Sie ist nur nass und hungrig.”

Sie hob ihre Tochter aus dem Laufgitter und steuerte die Küche an. “Kommen Sie mit.”

Erst als Sydney ihren Apfelsaft bekam, verstummte sie. “Wie eine Sirene, die abgeschaltet wird, nicht wahr?”, meinte Molly lachend.

Sein Mundwinkel zuckte.

Sie legte mehrere Vanillewaffeln auf das Tablett des Kinderstuhls. “Setzen Sie sich doch”, forderte sie ihn auf. “Ich mache Kaffee.”

Sie nahm die Blaubeermuffins, die sie am Vortag gebacken hatte, aus der Mikrowelle und stellte sie auf den Tisch. “Möchten Sie Eier und Schinken? Ich glaube, ich habe noch welchen im Kühlschrank.”

“Nein, danke”, antwortete er höflich und legte die Hände auf den Tisch. “Sollen wir jetzt vielleicht über Ihr Problem reden, Ms Jensen?”

“Natürlich. Und bitte nennen Sie mich Molly. Schließlich sind Sie und Ford gute Freunde.”

Er sah aus, als wolle er widersprechen, und sie vermutete, dass es ihm nicht um die Anrede ging.

“Hören Sie”, begann sie hastig. “Vielleicht war es falsch, Sie anzurufen. Ich habe wirklich kein recht, sie in diese Sache mit hineinzuziehen, auch wenn sie Fords Freund sind.”

Noch während sie das sagte, flehte ihr Blick ihn an, ihr zu helfen. Bitte, Damien!

Er antwortete nicht sofort. Molly wartete mit angehaltenem Atem.

“Sie glauben also, Ihr Leben sei in Gefahr?”, fragte er ruhig.

Molly räusperte sich. “Ja, das glaube ich. Ich glaube, mein Exmann ist geisteskrank.”

“Und Sie trauen ihm zu, dass er gewalttätig wird?”

Sie hob das Kinn und sah ihn an, um ihrer Antwort Nachdruck zu verleihen. “Ja, Damien, er ist dazu imstande.”

Damien nickte und überlegte. Ihr gefiel, dass er nachdachte, bevor er eine Entscheidung traf. Sie wünschte, sie könnte das auch.

“Dann sollten wir ihn daran hindern, nicht wahr?”, sagte er.

“Sie werden uns also helfen?” Erleichtert ergriff sie seine Hände.

Er zog eine Augenbraue hoch. “Sehr gern sogar.”

Sehr gern sogar. Sie musste lächeln.

Damien Perry faszinierte sie. Sie liebte seine Stimme. Leider war die Situation zu prekär, um sich einfach zurückzulehnen und ihren beruhigenden Klang zu genießen.

Aber sie hatte ihn nicht angerufen, weil sie ihn so gern reden hörte oder weil ihr bei seinem Anblick die Knie weich wurden. Sie brauchte einen Mann, der mit ihrer Situation fertig wurde. Und sie zweifelte nicht daran, dass Damien Perry dieser Mann war.

Plötzlich merkte sie, dass sie noch immer seine Hände festhielt. Rasch ließ sie los. “Oh, Entschuldigung”, murmelte sie.

“Schon gut.”

Molly stand auf, goss dampfenden Kaffee in zwei Becher, stellte sie auf den Tisch und setzte sich wieder. Dann entfernte sie das Papier von einem Muffin und legte ihn Syd hin.

Sofort tauchte ihre Tochter den Muffin in den Saft und biss ab.

“Nehmen Sie einen Muffin. Ich erzähle Ihnen, was bisher passiert ist.”

Er kräuselte seine Nase ein wenig, als Syd ihn anstrahlte und der matschige Muffinteig aus ihrem offenen Mund quoll. “Nein, danke”, lehnte er ab.

Molly zuckte mit den Schultern. Damien war ein Mann von Welt, aber vermutlich auch ein Einzelgänger. Das sollte ihr recht sein, denn es war sicherer so. Sie wollte keinen neuen Mann in ihrem Leben. Schließlich litt sie noch immer unter dem Fehler, den sie beim ersten Mal begangen hatte.

Alles, was sie von Damien brauchte, war seine Hilfe. Und wenn er wieder fort war, würde sie vermutlich von ihm träumen.

“Erzählen Sie mir davon”, bat er sanft.

Ruckartig hob sie den Kopf und starrte in seine azurblauen Augen. Fast hätte sie ausgesprochen, woran sie gerade gedacht hatte. “Oh, Sie meinen das mit Jack.”

Er nickte, und sein Blick war irgendwie wissend. “Natürlich. Was sonst?”

2. KAPITEL

Damien fragte sich, was Molly Jensen wohl sah, wenn sie ihn anschaute, und warum er sie so zu verwirren schien. An seinem Beruf konnte es nicht liegen. Schließlich war ihr Bruder auch FBI-Agent.

Vielleicht fand sie ihn genauso attraktiv wie er sie. Sollte es so sein, hätte er nichts dagegen, wenn sie dem nachgab. Aber er wusste, dass sie das niemals tun würde. Frauen wie Molly Jensen ließen sich nicht auf flüchtige Affären ein. Sie wollten mehr als das, viel mehr. Zu viel für jemand wie ihn.

So sachlich wie möglich schilderte sie, wie sie ihren Exmann kennengelernt hatte und wie es zum dramatischen Ende der kurzen Ehe gekommen war.

Zwischendurch legte sie ihrer Tochter weitere Muffinstücke zu essen hin.

Das Kind hat ein paar unangenehme Angewohnheiten, dachte Damien, während er an seinem Kaffee nippte. Nun ja, vielleicht hatten alle Kinder die. Dieses jedenfalls hatte bisher wenig getan, was ihm gefiel. Bewundernswert war höchstens die Lautstärke, die es erreichte. Außerdem konnte es alleine essen, was er erstaunlich fand.

Irgendwie hatte er erwartet, dass das Kind noch immer keine Haare hatte und praktisch zahnlos war. Aber Sydney war beträchtlich gewachsen. Und sie hatte Locken, die nicht ganz so rot waren wie Mollys. Auch die großen Augen waren nicht so grün. Irgendwie faszinierte ihn diese Miniaturausgabe von Molly Jensen so sehr wie ihre Mutter.

“Und? Was denken Sie?”, fragte Molly plötzlich.

“Hmm?”

“Oh, das liebe ich an einem Mann. Aufmerksamkeit. Haben Sie mir überhaupt zugehört?”

“Natürlich. Ihr Ex hat angerufen, Sie sind zur Polizei gegangen, und …”

“Und die nimmt ihn erst fest, wenn er mir etwas antut. Etwas, das man ihm nachweisen kann. Aber dann könnte es schon zu spät sein. Ich habe ihn angezeigt, nachdem er mich verprügelt hatte, und er ist dafür ins Gefängnis gekommen, Damien. Ich habe Angst, dass er mich umbringen will. Und Sydney auch.”

Damien hörte ihr konzentriert zu. Zweifellos war Mollys Exmann verbittert, weil er ein paar Nächte hinter Gittern verbracht hatte. Und jetzt machte er Molly Angst, um sich an ihr zu rächen. Wenn Damien ihn sich erst mal vorgeknöpft hatte, würde er Ruhe geben.

“Was können wir tun, damit er endlich aufgibt?”, fragte sie leise.

Sie hörte sich an wie ein zutiefst verängstigtes Kind, das nicht wusste, was es tun sollte. In ihren grünen Augen stand die Bitte um eine Antwort, und ihre Unterlippe zitterte.

Damien spürte, wie ihr Anblick ihm ans Herz ging. In diesem Moment hätte er Jack Jensen mit bloßen Händen umbringen können, aber das würde er natürlich nicht tun. Ob sie ihm so etwas wohl zutraute? Er hatte keine Ahnung, was ihr Bruder ihr über ihn erzählt hatte.

Vor sechs Monaten war er als angeblicher Profikiller in Nashville untergetaucht und hatte Kontakt mit Rechtsextremisten aufgenommen, die einen liberalen Senator ermorden wollten. Bei der Festnahme hatte es eine Schießerei gegeben. Er war getroffen worden, und nach der Notoperation hatte er Molly im Krankenhaus kennengelernt. Anschließend hatte der nächste Auftrag ihn nach Florida geführt.

Vielleicht glaubte Molly, dass er als FBI-Agent uneingeschränkte Möglichkeiten hatte, aber da irrte sie sich.

“Uns wird schon etwas einfallen”, versicherte er ihr. Er würde mit der Polizei reden und Jensen einen gehörigen Schrecken einjagen. Das müsste reichen.

“Es … es ist nicht so, dass ich an allem schuld bin, wissen Sie?”

Dieses Mal musste er sich beherrschen, um nicht nach ihren Händen zu greifen. “Nein, natürlich nicht! Das habe ich auch gar nicht gedacht.”

Sie seufzte. “Ich bilde es mir nicht nur ein, wirklich nicht”, beteuerte sie. “Beim letzten Mal hat er versucht, mich zu töten. Und es ist ihm fast gelungen.”

“Was hat er?”, fragte Damien und war nun doch alarmiert.

“Versucht, mich umzubringen”, wiederholte sie fröstelnd. “Sie hätten seine Augen sehen sollen.”

Damien sah, wie Molly ihre Finger in die Ärmel ihrer Bluse krallte. Sie achtete nicht auf das Kind, das gerade auf seinem Stuhl herumtrommelte.

“Holen Sie mir Papier und einen Stift. Fangen Sie ganz vorn an und erzählen Sie mir alles”, verlangte Damien. “Ich will Daten, Uhrzeiten und die Namen von jedem, der irgendwie in die Sache verwickelt ist.”

Molly nahm einen magnetischen Notizblock mit Kugelschreiber von der Kühlschranktür, riss die Einkaufsliste ab und setzte sich wieder. Sie reichte ihm den Block.

“Na ja”, begann sie zaghaft und wich seinem Blick aus, als wäre es ihr peinlich. “Wir hatten einen Streit.” Sie rieb sich die Schläfe. “Jack hat zwei Jahre im Gefängnis abgesessen, weil er mich misshandelt hat. Er schwor, ich hätte ihn hereingelegt, aber mein Anwalt war großartig und die Richterin sehr verständnisvoll. Sie verpasste ihm die Höchststrafe. Als er wieder herauskam, rief er mich an. Er wollte eine Versöhnung. Ich lehnte ab.” Molly lachte gequält. “Ehrlich gesagt, ich habe es etwas drastischer formuliert.”

Zwei Jahre? Was hatte der Kerl ihr wohl angetan? “Wie schwer waren Sie verletzt?”, fragte Damien.

Molly lächelte matt, ballte eine Hand zur Faust und rieb mit der anderen über die Knöchel. “Ich habe fast so gut ausgeteilt, wie ich einstecken musste. Es ist erstaunlich, welche Kräfte man entwickelt, wenn man in die Enge getrieben wird.” Sie schüttelte die Faust, als würde sie noch immer schmerzen.

“Er hat Sie geschlagen”, stellte Damien mit eisiger Stimme fest.

“Mmm. Und mich gewürgt. Ich riss mich los und schlug zurück. Sein letzter Faustschlag warf mich nach hinten, und ich prallte mit dem Hinterkopf auf. Es hat ziemlich geblutet, und ich hatte eine schwere Gehirnerschütterung. Ich muss schlimm ausgesehen haben.”

Damien wehrte sich gegen die Wut, die in ihm aufstieg. Er musste objektiv bleiben. Molly war kein hilfloses, zerbrechliches Geschöpf. Sie war groß, stark und tapfer. Aber sie war eine Frau. Und damals war sie vermutlich zudem schwanger gewesen.

Damien räusperte sich und konzentrierte sich auf seine Notizen. “Hat er seitdem wieder etwas getan, das befürchten lässt, er könnte erneut gewalttätig werden?”, fragte er so sachlich wie möglich.

Molly starrte auf ihre Finger. Die Nägel waren kurz und nicht lackiert. “Oh, ja. Nach meiner Verabredung.”

“Eine Verabredung”, wiederholte er und schrieb es auf. “Was für eine und mit wem?”

“Meine erste und einzige seit der Scheidung. Vor einer Woche. Ich war mit Joe Malia bei einem Konzert. Er war ein Kollege aus dem Museum, in dem ich gearbeitet habe.”

Damien sah auf. “Ich dachte, Sie sind Grafikerin.”

“Bin ich. Freiberuflich. Broschüren, Logos, Illustrationen und so etwas. Die Arbeit im Museum war ein Teilzeitjob. Bis gestern. Sie haben mich gefeuert. Dafür hat Jack gesorgt. Genauer gesagt, sein Vater. Er hat Beziehungen.”

“Sie sagten gerade, der Mann, mit dem Sie ausgegangen sind, ‘war’ ein Kollege. Warum? Ist er ebenfalls entlassen worden?”

Molly sah ihn an, und ihre Augen verdunkelten sich vor Trauer und Zorn. “Zwei Tage, nachdem wir zusammen ausgegangen waren, kam er ums Leben. Er wurde angefahren. Fahrerflucht.”

Fast wäre Damien der Kugelschreiber aus der Hand gefallen. “Sie glauben, es war Mord?”

“Am Tag darauf rief Jack mich an und sagte, ich solle vorsichtig sein, wenn ich das nächste Mal eine Straße überquere.”

Als Damien nichts erwiderte, schluckte sie mühsam und fuhr fort. “Hören Sie, Jack war immer krankhaft eifersüchtig, aber ich schwöre, er hatte keinen Grund dazu. Er glaubte mir nicht und beschuldigte mich sogar, das Kind eines anderen Mannes zu bekommen. Darum ging es auch bei dem Streit. Bei dem, für den er ins Gefängnis gekommen ist.”

Das klang, als hätte es noch andere gegeben.

Damien starrte auf den Notizblock. Hoffentlich merkte sie nicht, wie wütend er war. Das Letzte, was sie brauchte, war noch ein Mann, der die Beherrschung verlor. Er musste ruhig bleiben.

“Ich verstehe”, sagte er schließlich, obwohl er keineswegs alles verstand. Warum war sie bei dem Mann geblieben? Er hatte nie begriffen, warum Frauen so etwas ertrugen. Noch dazu so eine wie diese.

Trotzdem bezweifelte er, dass Jack Jensen der Todesfahrer war, der Malia auf dem Gewissen hatte. Vermutlich war es ein tragischer Unfall gewesen, und Jack hatte ihn nur ausgenutzt, um Molly Angst zu machen.

Sydney patschte mit beiden Händen in der klebrigen Masse herum, die sie aus dem Muffin und dem Saft inzwischen gemacht hatte.

Gelassen stand Molly auf und beseitigte den Brei, als würde sie das jeden Morgen tun. “Ich muss Syd und meine Mutter so schnell wie möglich aus der Stadt bringen. Aber mir fällt kein sicherer Ort ein. Jack kennt jeden, den wir kennen. Außer Ihnen natürlich.”

“Das wäre allerdings vernünftig. Ich kümmere mich darum”, versprach Damien. Es war kein Problem. Wesentlich schwieriger würde es sein, Molly dazu zu bewegen, mit den beiden die Stadt zu verlassen.

“Danke”, sagte sie leise und drückte seine Hand.

Wie zuvor weckte die kurze Berührung etwas in ihm, das er nicht recht deuten konnte. Es war kein Verlangen, denn das kannte er bereits, seit sie ihm die Tür geöffnet hatte. Vielleicht schon vorher, wenn er ehrlich zu sich war. Schon bei ihrer ersten Begegnung hatte er es gespürt. Nein, es war etwas anderes, und er wollte lieber nicht darüber nachdenken.

Schweigend sah er zu, wie sie Haferflocken mit Zimt in der Mikrowelle aufwärmte und wieder Platz nahm, um ihre Tochter zu füttern.

“Lecker”, verkündete Syd, bevor sie einen Finger in den Brei steckte und Damien zum ersten Mal anschaute.

“Ja, das glaube ich dir”, erwiderte er unsicher.

“Guck mal!”, krähte Sydney stolz und spuckte einige Haferflocken aus, die direkt auf seinem Jackett landeten.

“Hör sofort auf, Sydney!”, befahl Molly streng. “Du darfst den netten Mann nicht anspucken.”

Sie warf ihm einen entschuldigenden Blick zu. “Tut mir leid. Syd ist erst neunzehn Monate alt. Eigentlich kommen Kinder nicht vor zwei Jahren in diese schreckliche Phase.”

Damien sah, wie die Lippen des Mädchens zitterten. Armes kleines Ding, dachte er. Sie hat mich gar nicht anspucken wollen.

“Ist schon gut. Wirklich”, sagte er, damit Sydney nicht wieder mit ihrem ohrenbetäubenden Geschrei anfing. “Sie hat ja sofort aufgehört.” Er lächelte dem Kind zu.

Molly nickte. “Stimmt. Syd ist sehr brav.”

“Mmm”, murmelte er nur, um ihren Stolz nicht zu kränken.

An seine eigene Mutter konnte er sich nicht erinnern. Er war mit drei Jahren zum Waisen geworden, und sein Onkel, ein Witwer in den Fünfzigern, hatte ihn adoptiert. Nur eine lange Reihe von Haushälterinnen hatte Damien ahnen lassen, wie es sein musste, bei einer Mutter aufzuwachsen.

Erst in diesem Moment wurde ihm schmerzlich bewusst, was in seinem Leben gefehlt hatte. Er durfte nicht riskieren, dass diesem Kind widerfuhr, was ihm selbst passiert war.

Er musste Molly vor ihrem brutalen Exmann beschützen, damit sie ihrer Tochter auch weiterhin all ihre Liebe geben konnte.

“Natürlich werden Sie Ihre Mutter und Ihre Tochter begleiten”, erklärte er ihr.

Sie schüttelte den Kopf. “Das kann ich nicht. Jack würde einfach nur warten, bis ich zurückkomme. Alles würde von vorn anfangen. Ich finde, diese Sache muss ein für alle Mal beendet werden, solange Sie noch hier sind, um mir zu helfen.”

Widerstrebend gestand er sich ein, dass sie recht hatte. Die Polizei würde nämlich erst eingreifen, wenn es vermutlich schon zu spät war.

Vielleicht sollte er ihr erlauben, in der Stadt zu bleiben. Zusammen konnten sie Jensen aus der Deckung locken und ihn dazu bringen, sie vor Zeugen zu bedrohen. Selbst wenn das nicht ausreichte, um ihn festnehmen zu lassen, konnte Damien ihm eine Lektion erteilen, die er nie vergaß.

Es war einen Versuch wert.

“Haben Sie ein Gästezimmer?”, fragte er.

Sie legte den Löffel hin und sah ihn voller Hoffnung an. “Sie bleiben hier? Bei mir? Sie sind großartig, wissen Sie das? Ich bin Ihnen ja so dankbar, Damien. Ford wird Ihnen auch danken.”

“Ich habe eine Idee”, meinte Damien. “Was glauben Sie, wie Jensen reagieren würde, wenn Sie einen Liebhaber bei sich aufnehmen?”

Ihr hübscher Mund blieb offen stehen, und ihre Augen wurden riesig. Dann lachte sie. Es war dieses volle, herzhafte Lachen, an das er sich von ihrer ersten Begegnung her erinnerte. Sein eigenes Lächeln wurde wie von selbst breiter. Sogar das Kind kicherte und klatschte in die klebrigen Hände.

“Jack würde durchdrehen”, erwiderte sie. “Nicht, dass ich ihm noch etwas bedeute. Aber das heißt nicht, dass er einen anderen Mann an meiner Seite ertragen würde. Nach ihm. Er hat immer gesagt …” Sie verstummte, und ihr Gesicht verfinsterte sich. “Nein, ich möchte nicht, dass es Ihnen so ergeht wie Joe, Damien. Das ist kein guter Plan.”

“Irgendwie müssen wir ihn aus der Deckung locken, und ich glaube, damit würde es uns gelingen. Ich kann auf mich aufpassen, Molly. Und auf Sie beide auch. Vertrauen Sie mir?”

Sie nagte an ihrer Unterlippe. Dann nickte sie.

Er stand auf und streckte die Hand aus. Sie zögerte nur kurz, bevor sie die Hand ergriff, um ihre Abmachung zu besiegeln. Zu seinem Erstaunen ließ sie sie nicht sofort wieder los.

“Iiiich!”, rief das Baby und griff nach ihm. Zaghaft hielt Damien dem kleinen Mädchen den linken Zeigefinger hin, und Syd umklammerte ihn mit ihrer winzigen, haferflockenbeschmierten Hand.

Sprachlos stand Damien da. Er verstand nicht recht, was hier vorging, aber es fühlte sich unglaublich gut an.

Nach einem Moment räusperte er sich verlegen, löste sich behutsam aus Sydneys Griff und stützte die Hände auf die Hüften. “Okay. Ich schlage vor, Sie packen ein paar Sachen zusammen, während ich telefoniere. Dann holen wir Ihre Mutter ab und …”

“Wir werden warten müssen, bis sie um sechs von der Arbeit kommt”, unterbrach Molly ihn.

Er nickte. “Vielleicht ist es besser, erst im Dunkeln aufzubrechen.”

“Ich werde Syd vermissen”, flüsterte Molly und strich sich über die Oberarme.

Spontan legte er eine Hand auf ihre Schulter. “Es wird alles gut werden”, versprach er ihr. “Dafür sorge ich.”

“Dafür sorgen wir beide”, verbesserte sie lächelnd, bevor sie kurz seine Hand streichelte und Sydney aus dem Hochstuhl nahm.

“Jetzt bringen Sie Ihre Sachen ins Gästezimmer, Liebhaber”, scherzte sie mit einem tapferen Schmunzeln. “Ich möchte wissen, ob uns das jemand abnimmt.” Sie lachte verlegen. “Sie … und ich zusammen? Eine ziemlich unwahrscheinliche Kombination, was?” Sie schüttelte den Kopf und seufzte, als wäre die Vorstellung geradezu absurd.

Damien lachte nicht. “Keine Angst. Man wird es uns abnehmen”, versicherte er ernst. “Ich würde es jedenfalls tun, wenn ich es mir erlauben könnte”, fügte er leise hinzu.

Die Stunden krochen dahin, während sie darauf warteten, dass es achtzehn Uhr wurde.

Anstatt fernzusehen, wie Molly es ihm vorgeschlagen hatte, beobachtete Damien sie unauffällig. Alles, was sie tat, faszinierte ihn. Egal, ob sie den Geschirrspüler ausräumte oder Wäsche zusammenlegte.

Syd dagegen betrachtete er, als wäre sie ein rätselhaftes Wesen von einem anderen Stern. Damien wahrte zu beiden Distanz, ließ sie jedoch nur kurz aus den Augen, um ins Nebenzimmer zu gehen, um seine neuen Schützlinge telefonisch an einem sicheren Ort anzumelden.

Nach einer Weile setzte Molly sich zu ihm auf die Couch. “Was für Lebensmittel soll ich einkaufen? Irgendwelche Vorlieben?”

“Wir gehen essen.”

“Aber doch nicht immer!”, protestierte sie. “Das wäre viel zu teuer.”

“Es geht schon. Wenn Jensen von uns erfahren soll, müssen wir in der Öffentlichkeit auftreten.”

Sie klopfte ein Kissen zurecht. “Oh, er wird bestimmt davon erfahren. Vielleicht weiß er sogar schon, dass ich einen Mann im Haus habe.”

“Wenn er wirklich für Joe Malias Tod verantwortlich ist, wird er bald reagieren. Vermutlich innerhalb der nächsten Stunden.”

“Fast hoffe ich das. Dieses Warten ist unerträglich.”

“Kann ich mir vorstellen.”

Sie seufzte. “Ich möchte, dass wir es hinter uns haben, bevor Ford zurückkommt. Sonst nimmt er sich Jack vor und bekommt Ärger.”

“Wie lange bleibt er fort?”

Molly fragte sich, ob die beiden über ihre Fälle sprachen. “Einen Monat, vielleicht länger. Er ist in Europa. In Bonn. Mary begleitet ihn. Sie wollen anschließend in der Schweiz Urlaub machen.”

Damien schwieg.

Sie berührte seinen Arm, bis er sie ansah. “Damien, ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich hätte Sie nicht um Hilfe bitten dürfen. Ihr Beruf ist schon gefährlich genug, aber das hier …” Sie dachte an das, was Joe Malia passiert war.

Er schaute ihr in die Augen. “Im Moment ist mir nichts wichtiger als Ihre Sicherheit, Molly. Dass Ford Ihr Bruder ist, hat damit nichts zu tun.”

“Aber warum? Warum helfen Sie mir dann?”, fragte sie verblüfft.

Damien wandte den Blick ab und zuckte mit den Schultern. “Sie haben gesagt, Sie brauchen mich. Das ist Grund genug.”

Es war zwar kaum vorstellbar, aber plötzlich überlegte sie, ob er wohl mehr von ihr wollte. Sie musste zugeben, dass Damien Perry ein äußerst attraktiver Mann war. Doch in ihrer Situation konnte sie es sich nicht leisten, an so etwas auch nur zu denken.

Aber wie konnte sie ihm das klarmachen, ohne es deutlich auszusprechen? Wäre es nicht unsagbar peinlich, ihn vor etwas zu warnen, an das er vielleicht gar nicht dachte?

Nun, vielleicht bildete sie sich das alles ja nur ein.

3. KAPITEL

“Du kannst sie jetzt nicht umbringen”, sagte Jack Jensen leise zu sich selbst und ließ den Fuß auf dem Gaspedal. Widerwillig fuhr er mit seinem dunkelblauen Mercedes zum zweiten Mal an ihrem Haus vorbei.

Am liebsten hätte er angehalten, um die Tür einzutreten und das Miststück zu erwürgen. Und den Typen, den sie bei sich hatte, gleich mit.

Aber er musste vorsichtig sein. Bisher war ihm das gelungen. Er hatte nicht vor, wegen seiner Exfrau auch nur noch eine einzige Stunde hinter Gittern zu verbringen. Er konnte warten.

Kurz darauf fuhr er rückwärts in die Einfahrt eines unbewohnten Hauses und verbarg seinen Wagen hinter einer hohen Ecke.

Dann stieg er aus und schlich dorthin, wo der Bastard sein Auto geparkt hatte. Er ging das Risiko ein, weil er verhindern wollte, dass die beiden zusammen untertauchten. Niemand entkam Jack Jensen.

Hastig befestigte er den mitgebrachten Gegenstand unter der Stoßstange und eilte zu seinem Mercedes zurück.

Jetzt brauchte er nur zu warten, bis Mollys neuer Freund das Haus verließ und Molly ins Bett ging.

Er hatte die ganze Zeit geahnt, dass sie jemanden hatte. Nur bei ihm hatte sie sich damals prüde gegeben, damit er ihr einen Heiratsantrag machte.

Das alles würde er ihr heimzahlen.

Die Anrufe waren für den Anfang ganz gut gewesen, aber jetzt war es an der Zeit, ein wenig zuzulegen. Der Unfall, bei dem Joe Malia getötet wurde, war ein Geschenk des Himmels gewesen.

Lächelnd dachte Jack daran, wie ängstlich sie seitdem am Telefon klang. Aber das reichte ihm nicht mehr. Jetzt hatte er Großes mit Molly vor.

Er tastete nach einem der Schlüssel, die von der Lenksäule herabbaumelten, und starrte zu Mollys Haus hinüber.

“Komm schon, Babe, warum schickst du ihn nicht endlich nach Hause und gehst zu Bett? Schalt das Licht aus. Mehr als eine halbe Stunde braucht Jackie Jensen nicht für seine kleine Überraschung. Du wirst noch an mich denken, glaub mir.”

Die Uhr auf dem Kaminsims schlug zehn. Molly hatte ihre Mutter angerufen und sie in ihren Plan eingeweiht. Jetzt musste sie ihr nur noch erklären, warum sie selbst die beiden nicht begleiten würde.

“Wir sollten aufbrechen”, meinte Damien und stand auf. Sein Blick ging von der schmalen goldenen Armbanduhr an seinem Handgelenk zum Laufgitter hinüber, in dem Syd sich gerade mit ihrem Teddybär über den Teppich wälzte. “Muss sie noch …”

“Auf den Topf?”, ergänzte Molly lächelnd. “Nein. Und sie wird einschlafen, sobald Sie Ihren Wagen anlassen.”

“Das ist gut.” Er nahm Mollys Gepäck und ging zur Hintertür, die zur Garage führte.

Molly schaltete die Außenbeleuchtung ein und folgte ihm, Syd und den Teddy auf dem Arm. Sehnsüchtig betrachtete sie den silbergrauen Lexus in der Einfahrt.

“Nehmen wir lieber meinen”, schlug sie seufzend vor.

“Trauen Sie mir nicht zu, dass ich Sie sicher ans Ziel bringe?”, fragte er kühl.

“Natürlich tue ich das. Ich dachte nur an den Kindersitz.”

“Ich wette, er passt auch in meinen Wagen. Geben Sie ihn mir.”

Er schien nicht zu wissen, worauf er sich einließ. Molly unterdrückte ein spöttisches Lächeln. “Na schön. Versuchen Sie es.”

Zehn Minuten später tauchte er mit ärgerlicher Miene und hochrotem Kopf wieder aus seinem Lexus auf. Molly hob Syd vom Kotflügel und reichte sie ihm. “Halten Sie Syd mal kurz. Ich habe mehr Übung.”

Er nahm ihre Tochter entgegen und hielt sie von sich ab, als wäre sie gefährlich. Mit einem verstohlenen Schmunzeln kroch Molly auf den Rücksitz und zerrte am Sitzgurt, den er durch die falschen Löcher geschoben hatte.

Als sie wieder ausstieg und sich zu den beiden umdrehte, stockte ihr der Atem. Damien hielt Sydney eng an sich gedrückt. Ihr Gesicht ruhte an seiner Halsbeuge. Er lehnte am Wagen, hatte die Augen geschlossen und klopfte mit einer Hand sanft auf Syds Rücken.

Es war das erste Mal, dass er ihre Tochter hielt, und der Mann wirkte wie verwandelt. Es fiel ihr schwer, die beiden zu stören.

“Soll ich sie wieder nehmen?”, fragte sie sanft.

Er riss die Augen auf und sah sie verwirrt an. “Ich glaube, sie schläft”, flüsterte er und machte keine Anstalten, ihr Sydney zu geben.

“Keine Angst.” Lachend streckte Molly die Arme aus. “Sie wird sofort wieder einschlafen, das verspreche ich.”

“Sie sind eine sehr gute Mutter, nicht wahr?”, meinte Damien nachdenklich, während er ihr vorsichtig das Kind übergab.

“Ich weiß nicht, wie gut ich bin, aber ich bin es sehr gern”, antwortete sie und drückte Sydney an sich. “Und ich werde nicht zulassen, dass Jack ihr etwas antut.”

Er legte eine Hand auf ihren Arm. “Glauben Sie wirklich, er würde ihr etwas antun, um sich an Ihnen zu rächen?”

“Ja.”

“Seien Sie ehrlich zu mir, Molly. Sind Sie sicher, dass Sydney Jacks Tochter ist?”

Sie schaute ihm in die Augen. Dass er sie das fragte, machte sie wütend, aber sie verstand, dass er es tun musste. “Absolut sicher. Jack ist der einzige Mann, mit dem ich je geschlafen habe. Und glauben Sie mir, der eine reicht.”

So. Das war deutlich gewesen. Damien nickte.

Hieß das, er glaubte ihr, dass Jack Syds Vater war? Oder hieß es, er akzeptierte, dass sie keine auch noch so flüchtige Beziehung wollte? Beides, so hoffte sie.

Sie setzte ihre Tochter in den Wagen und versuchte, das seltsame Gefühl im Bauch zu ignorieren, das seine Berührung in ihr ausgelöst hatte. Es ärgerte sie, dass sie so darauf reagierte, aber zugleich fand sie es keineswegs unangenehm.

Als sie unterwegs waren, schaltete sie das Radio ein. Es war auf einen Klassiksender eingestellt. Sie suchte, bis sie einen Sender mit Unterhaltungsmusik fand.

Es konnte nicht schaden, Damien klarzumachen, dass er und sie so gut wie keine Gemeinsamkeiten hatten. Aber er warf ihr nur einen belustigten Blick zu und klopfte im Rhythmus der Musik mit dem Zeigefinger aufs Lenkrad.

“Wo wohnt Ihre Mutter?”, fragte er, als sie die Gegend, in der Molly wohnte, hinter sich ließen.

“Etwa sechs Meilen von hier. Biegen Sie an der nächsten Ampel nach links ab und nehmen Sie die Ringstraße.”

Damien ließ sich die Adresse und die Abfahrt nennen, an der er die Hauptstraße verlassen musste, und fuhr absichtlich einmal ganz um die Stadt herum. Er wollte sichergehen, dass ihnen niemand folgte.

Als sie schließlich einen Komplex unauffälliger Apartmenthäuser erreichten, zeigte sie auf das zweite. “Sie können neben dem Taurus dort parken.”

Molly stieß die Beifahrertür auf und stieg aus, noch bevor er den Motor ausgestellt hatte.

“Nehmen Sie Syd, ja?”, bat sie und eilte zum Eingang.

Damien stieg etwas langsamer aus. Es gelang ihm, das schlafende Kind aus dem Sitz zu heben, ohne es zu wecken. Syd schmiegte sich an ihn, als er Molly folgte.

Die Frauen standen in der Wohnungstür und umarmten sich gerade herzlich, als er sie erreichte. Mutter und Tochter waren beide auffallend attraktiv.

Mrs Deveraux löste sich von Molly und sah ihn fragend an. Molly nahm seinen Arm auf so natürliche, selbstverständliche Weise, als würden sie sich schon ewig kennen.

“Mama, das ist Damien Perry, Fords Freund.”

“Freut mich, Sie kennenzulernen, Mrs Deveraux”, begrüßte er sie.

“Nennen Sie mich Brenda, bitte. Ich kenne Sie aus dem Krankenhaus. Sie haben geschlafen, als ich Ford besuchte.”

Im Moment fiel Damien kein Grund ein, warum er den beiden Frauen die Illusion nehmen sollte, dass er Deveraux gut kannte.

“Molly hat mir erzählt, dass Jack sie bedroht. Das ist doch wohl kein Fall für das FBI”, meinte sie stirnrunzelnd.

“Nein. Aber ich bin nicht dienstlich hier, sondern als Freund”, erklärte er. “Molly und ich kannten uns schon vorher.” Sollte sie doch denken, was sie wollte.

“Aha, jetzt verstehe ich”, erwiderte sie lächelnd und nahm ihm das Baby ab. “Wir machen eine kleine Reise, Syd!”, flüsterte sie. “Nur du und Mommy und ich.”

Damien sah ihr nach, als sie mit ihrer Enkelin ins Schlafzimmer ging.

“Wie soll ich es nur ertragen, von ihr getrennt zu sein?”, stöhnte Molly und sah ihn an. “Ich werde sie so sehr vermissen.”

Spontan zog er sie an sich, so selbstverständlich, wie sie gerade seinen Arm genommen hatte. Sie ließ es nicht nur zu, sondern legte den Kopf kurz an seine Schulter. Irgendwie fühlte es sich richtig an. Sehr richtig sogar.

“Was wird sie denken, wenn ich sie allein lasse?”, murmelte sie.

“Es wird nicht lange dauern.”

Sie schob die Arme unter sein Jackett und legte sie um seine Taille, bis er ihre Brüste spürte. Auch das fühlte sich gut an.

Er hätte die ganze Nacht so stehen bleiben können, doch ihre Mutter kehrte zurück. Behutsam umfasste er Mollys Schultern und schob sie von sich.

“Ich habe Sydney hingelegt, damit wir in Ruhe reden können”, sagte Mrs Deveraux. “Wohin fahren wir?”

“Nach Clarkston”, antwortete er. “Ich habe Ihnen dort ein Haus besorgt.”

“Ist es denn wirklich nötig, dass wir die Stadt verlassen? Wir könnten doch in ein Motel ziehen, bis Sie oder die Polizei Jack zur Vernunft gebracht haben.”

“Nein, Mom. Die Polizei kann ihn erst festnehmen, wenn er uns etwas angetan hat. Ich möchte, dass du und Sydney in Sicherheit seid.”

Brenda Deveraux blieb skeptisch. “Molly, ich mag Jack ebenso wenig wie du, aber nach allem, was er durchgemacht hat, wird er es wohl kaum wagen …”

“Ma’am?”, unterbrach Damien sie. “Ich glaube, Molly hat recht.”

Sie kniff die Augen zusammen. “Bestimmt übertreibst du, Molly. Jack würde nicht riskieren, erneut verhaftet zu werden!”

Molly ließ sich auf die Couch sinken und verschränkte die Arme vor der Brust. “Ich habe dir doch erzählt, dass er mich verfolgt hat. Dass er mich anruft und auslacht. Er hat dafür gesorgt, dass ich entlassen wurde. Außerdem bin ich überzeugt, dass er Joe Malia umgebracht hat.”

Über Mollys Kopf hinweg begegneten sich Brendas und Damiens Blicke. Plötzlich wirkte sie noch verängstigter als ihre Tochter.

“Oh nein!”, flüsterte sie voller Entsetzen.

“Du weißt, wie gewalttätig er ist, Mama. Er hat mich geschlagen. Brutal. Er hat gedroht, mich umzubringen, und es war sein Ernst. Er hat nur aufgehört, weil er dachte, ich wäre schon tot.”

Damien erstarrte. Das hatte er nicht gewusst. “Was ist noch geschehen, Molly?”

“Insgesamt hat er mich drei Mal verprügelt. Ich habe mich gewehrt. Mehrfach habe ich versucht, ihn zu verlassen, aber er schwor, dass er mich finden und töten würde. Als ich schwanger wurde, wusste ich, dass ich von ihm weg musste. An jenem letzten Abend hat er mich beim Packen überrascht.”

“Und vorher?”

“Die ersten beiden Male waren nicht so schlimm. Nur ein paar Ohrfeigen und blaue Flecke, und selbst die hätte es nicht gegeben, wenn ich mich nicht gewehrt hätte. Er ertrug es nicht, wenn ich mich verteidigte. Beide Male beruhigte er sich wieder und bat mich um Verzeihung. Er versprach, dass es nie wieder geschehen würde.”

Damien war entsetzt.

“Beim letzten Mal bekamen die Nachbarn alles mit. Als sie mir endlich zur Hilfe kamen, war ich wieder bei Bewusstsein und konnte ihnen erzählen, was geschehen war. Sie riefen die Polizei. Die fand Jack und nahm ihn fest. Mein Anwalt legte dem Richter die Atteste vor. Jack bekannte sich schuldig. Er wusste, dass alles an die Öffentlichkeit dringen würde, wenn sein Fall vor eine Jury kommt.”

“Ich finde immer noch, wir hätten Ford alles erzählen sollen”, meinte Brenda.

“Ford hätte ihn umgebracht. Ich wollte nicht, dass mein Bruder zum Mörder wird. Jack wusste das. Trotzdem hatte er Angst vor Ford. Was glaubst du, warum die Jensens keine Kaution für ihn gestellt haben? Hinter Gittern fühlte er sich sicherer.”

“Und jetzt hat er keine Angst mehr?”, fragte Damien.

Molly seufzte. “Offenbar nicht. Deshalb glaube ich, dass er inzwischen komplett den Verstand verloren hat.”

“Ich kann gut verstehen, warum Ihr Bruder so reagieren würde”, gab Damien zu und ballte die Fäuste. “Ich würde diesen Jensen auch gern umbringen.”

“Großartig!”, stöhnte Molly. “Ich versuche, Ford aus dieser Sache herauszuhalten, um ihn zu schützen, und jetzt fangen Sie genauso an.” Sie zuckte mit den Schultern und sah plötzlich vollkommen hilflos aus. “Damien, ich will doch nur, dass er mich in Ruhe lässt. Versprechen Sie mir, dass Sie keine Dummheit begehen. Ich habe gedacht, dass Sie vernünftiger sind als Ford. Deshalb habe ich Sie um Hilfe gebeten.”

Er holte tief Luft und atmete dann langsam aus. Er wusste, dass er Jensen töten konnte – und zwar so, dass man es ihm nicht nachweisen konnte. Aber Damien war ein gesetzestreuer Mensch.

“Ich werde keine Dummheit begehen, Molly”, versprach er und rang sich ein aufmunterndes Lächeln ab. “Das verspreche ich.” Er wandte sich ihrer Mutter zu. “Clarkston ist nicht weit entfernt, aber dort müssten Sie und das Kind in Sicherheit sein”, wechselte er geschickt das Thema.

Mollys Mom nickte. “Ich habe meiner Mitarbeiterin gesagt, dass ich an die Ostküste fliege, um neue Ware zu kaufen.”

“Gute Idee.” Damien nickte anerkennend. “Mit etwas Glück werden Sie nicht lange fortbleiben müssen.”

“Lass uns fahren”, schlug Molly vor. “Damien kann es sich nicht erlauben, zu lange hierzubleiben.” Sie sah ihn an, als warte sie auf seinen Widerspruch.

Ihre Mutter lächelte. “Ich weiß Ihre Hilfe zu schätzen, Damien, wirklich. Ford ist Ihnen jetzt einen Gefallen schuldig, was?”

“Er ist mir gar nichts schuldig”, antwortete er mit Nachdruck. “Ich tue das hier für Molly und Sydney. Und jetzt natürlich auch für Sie.”

Oh je, dachte Molly. Sie ahnte, was ihre Mutter denken musste, und beschloss einzugreifen, bevor ihre Mutter womöglich ein Brautkleid entwarf.

“Komm schon, Mama. Holen wir deine Sachen, damit wir aufbrechen können.”

Wenig später lud Damien Brendas Gepäck in den Kofferraum seines Mietwagens, während Molly das Baby wieder in den Kindersitz schnallte. Zu seiner Enttäuschung stieg sie hinten ein und überließ ihrer Mutter den Beifahrersitz.

Nachdem sie losgefahren waren, machte er ein paar unnötige Umwege und schaute immer wieder in den Rückspiegel.

Währenddessen lobte Brenda Deveraux ihre Tochter in den höchsten Tönen und streute dabei einige lustige Episoden ein, die sie mit Sydney erlebt hatte.

Er musste lächeln, denn ihm war klar, was Mollys Mutter damit bezweckte, und er fühlte sich geschmeichelt.

Als er kurz darauf wieder in den Rückspiegel schaute, erstarb sein Lächeln. “Halten Sie sich gut fest, Ladys”, warnte er. “Wir haben Gesellschaft.”

4. KAPITEL

Der Lexus schleuderte um die Kurven der Landstraße und raste mit quietschenden Reifen durch die Dunkelheit. Molly legte einen Arm um Sydney und hielt sich mit der anderen Hand am Rücksitz fest.

Sie warf einen Blick nach hinten und sah, wie die Scheinwerfer kleiner wurden. Kurz darauf waren sie ganz verschwunden.

“Für einen Mietwagen ist der hier ganz schön schnell”, bemerkte Molly atemlos. Damien bremste zwar sanft ab, aber sie beruhigte sich nicht so schnell.

Im Gegenteil. Zusammen mit ihrer Mutter schrie sie auf, als er die Scheinwerfer ausschaltete und auf eine ungepflasterte Seitenstraße abbog. Wie er sehen konnte, wohin sie fuhren, war ihr rätselhaft. Sie schloss die Augen.

Einige Minuten später hielt er an und stellte den Motor ab.

“Verriegeln Sie die Türen und bleiben Sie sitzen”, wies Damien sie an, bevor er ausstieg und in der Nacht verschwand.

“Kurz entschlossen ist er ja, was? Ich frage mich, ob er immer so schnell ist”, flüsterte Brenda mit einem nervösen Lachen.

“Sei still, Mama!”

“Was macht Sydney?”

“Schläft wie ein Murmeltier”, antwortete Molly, während sie durch die Heckscheibe starrte. “Kannst du etwas erkennen? Was hat er vor?”

“Traust du ihm nicht zu, dass er auf uns aufpasst?”

“Natürlich. Ich frage mich nur, wo er hin ist.”

“Ich bezweifle, dass ein Junge wie er sich jemals verirrt.”

“Junge?”

Brenda lachte wieder. “Ich mag ihn.”

Ich auch, dachte Molly. Viel zu sehr. Sie starrte in die Dunkelheit, sah und hörte jedoch nichts. “Er muss Augen wie eine Katze haben!”

Ein paar Minuten lang saßen sie schweigend da, bis Molly den Lichtstrahl bemerkte, der hin und wieder aufflackerte und matt über das Laubwerk links und rechts der Straße wanderte.

Beide Frauen zuckten zusammen, als etwas gegen den Wagenboden stieß. “Was um alles in der Welt hat er vor?”, flüsterte Molly.

Das Geräusch wurde lauter und wanderte weiter. Plötzlich tauchte Damiens Gesicht an der Seitenscheibe auf.

Hastig entriegelte ihre Mutter die Fahrertür, und er stieg ein. Er reichte Molly eine Taschenlampe, die kaum größer war als ein Kugelschreiber. “Halten Sie das. Richten Sie das Licht auf meine Hände.”

“Was tun Sie?”, fragte sie, als er das kleine Messer an seinem Schlüsselbund aufklappte.

“Ein Peilsender”, murmelte er. “Ich muss ihn außer Betrieb setzen.”

Sekunden später schnallte er sich an. “Alles in Ordnung.”

Er startete den Wagen und fuhr langsam rückwärts, bis sie wieder auf der Hauptstraße waren. Dann schaltete er die Scheinwerfer ein und fuhr weiter, als wäre nichts geschehen. In die entgegengesetzte Richtung.

“Was haben Sie gemacht?”, fragte Molly.

“Ich habe nach diesem Ding hier gesucht”, erklärte er und hielt einen kleinen schwarzen Gegenstand hoch. “Es saß an der Stoßstange. Ich wusste, dass Jensen uns nicht folgte, als wir die Stadt verließen. Jedenfalls war er nicht so dicht hinter uns, dass ich ihn bemerken konnte.”

“Wo zum Teufel sollte Jensen so etwas herbekommen?”

Damien zuckte mit den Schultern.

“Ich glaube es nicht”, entrüstete Molly sich.

“Das erste Beweismittel gegen ihn”, sagte er nur und ließ den Sender in seiner Jackentasche verschwinden.

Schlagartig ging Molly auf, dass Jack an ihrem Haus gewesen sein musste, um den Sender anzubringen. In ihrer Einfahrt, an Damiens Lexus. Was, wenn er sich an den Bremsschläuchen zu schaffen gemacht oder eine Bombe angebracht hätte?

“Aber woher wusste er, dass wir weg wollten?”, fragte sie.

“Ich habe sämtliche Räume nach Abhörgeräten abgesucht. Auch das Telefon. Ich nehme an, er beobachtet das Haus oder lässt es zumindest beobachten. Er will wissen, wohin Sie gehen, um dann plötzlich und unerwartet aufzutauchen. Ich wette, an Ihrem Wagen befindet sich schon eine ganze Weile so ein Peilsender.”

Molly schlug die Hände vor das Gesicht. Erst nach einer Weile hob sie den Kopf und beobachtete ihn im Rückspiegel. Selbst im Schein der Instrumente schimmerten seine Augen blau.

Wie schaffte er es nur, so gelassen zu bleiben und sie mit einem einzigen Blick gleichermaßen zu beruhigen und aufzuwühlen?

Kurz nach ein Uhr morgens fuhr Damien durch Clarkston, die Kleinstadt, in der er für Brenda Deveraux und Mollys Tochter ein Haus gemietet hatte. Er bog auf eine Tankstelle ein, parkte im Halbdunkel und stellte den Motor aus.

“Keine Menschenseele zu sehen”, sagte Brenda.

Sie klang erschöpft. Bis auf das Baby waren sie alle hundemüde. Damien hoffte, dass Jensen ihre Spur verloren hatte. Er blieb jedoch wachsam.

Die Straßen waren leer, und selbst der kleine Supermarkt gegenüber war geschlossen. Ganz Clarkston schien zu schlafen.

Damien fuhr weiter und zählte die Häuser nördlich der ersten Ampel, bis er das erreichte, das er suchte.

Es war ein Häuschen, wie man es in jeder Kleinstadt in den Südstaaten fand. Zweistöckig, mit einer breiten Veranda, auf der Säulen das vorgezogene Dach trugen. Es lag an der Hauptstraße, eingerahmt von Häusern, die genauso aussahen. Zwei Querstraßen weiter, das wusste er, befand sich die mit drei Beamten besetzte Polizeistation.

Vermutlich rechnete Jensen damit, dass er seine Schützlinge in der Anonymität einer Großstadt versteckte. Manchmal war es besser, das zu tun, was der andere mit Sicherheit nicht erwartete.

Als er das örtliche FBI-Büro angerufen und von der Gefahr erzählt hatte, in der Fords Schwester sich befand, hatte Agentin Kim Avery ihm dieses Haus empfohlen. Es war perfekt. Selbst die Miete war erschwinglich, aber natürlich würde er Molly nicht erzählen, dass er sie selbst bezahlte. Er würde sie in dem Glauben lassen, dass es sich um ein Haus des FBI handelte.

“Das sieht ja wunderschön aus, Damien!”, rief Brenda begeistert, als er auf das Grundstück einbog und das Scheinwerferlicht einen Moment lang die Fassade erhellte.

“Fast wie zu Hause, hoffe ich”, sagte er und stieg aus, um Sydney vom Rücksitz zu nehmen. Irgendwie freute er sich darauf, das Kind wieder im Arm zu halten. Er gestand es sich zwar ein, wollte jedoch nicht über den Grund nachdenken. Sydney war süß, das war alles. Auch jetzt faszinierte ihn wieder, wie vertrauensvoll sie in den Armen eines Fremden schlief.

An der Haustür reichte er Syd ihrer Mutter. “Lassen Sie mich zuerst hineingehen”, sagte er und bückte sich, um den Schlüssel unter dem Blumentopf hervorzuholen. Kim hatte ihm genau beschrieben, wo er ihn finden würde.

“Warten Sie hier im Schatten, wo man Sie von der Straße aus nicht sehen kann”, befahl er den beiden, und sie gehorchten ohne Widerspruch.

Damien zog die Waffe, entsicherte sie und schloss die Tür auf. Nach einer kurzen, aber gründlichen Inspektion schaltete er das Licht im Wohnzimmer an und kehrte zu Molly und ihrer Mutter zurück. “Hereinspaziert, meine Damen.”

Das Haus war im viktorianischen Stil eingerichtet. Der Eigentümer war verstorben, und die Erben vermieteten es möbliert, bis sie es verkaufen konnten. Damiens Kollegin hatte den Kühlschrank gefüllt und die Betten frisch bezogen.

“Altmodisch, aber gemütlich”, meinte Molly anerkennend und strich mit der Hand über einen Damastsessel, bevor sie den breiten Flur entlangging und eine Schlafzimmertür öffnete.

Brenda folgte ihr. Damien holte das Gepäck aus dem Wagen. Er stellte es in den Flur, schloss die Haustür ab und löschte das Licht im Wohnzimmer. Dann ging er zu den Frauen.

Staunend standen sie vor einem altmodischen Kinderbett.

“Brenda, ich erkläre Ihnen jetzt Ihre Tarnung”, begann er. “Sie sind Kim Averys Tante, also benutzen Sie deren Nachnamen. Kim ist eine FBI-Agentin aus Nashville, eine Kollegin Ihres Sohnes. Sie ist hier in Clarkston aufgewachsen.”

Brenda runzelte sie Stirn. “Ich glaube nicht, dass ich sie kenne.”

“Das macht nichts. Kim ist Ihre Kontaktperson, wenn Sie uns erreichen wollen. Sie dürfen uns auf keinen Fall direkt anrufen. Kims Nummer steht auf der Liste in der Küche. Sie wird sich bald bei Ihnen melden. Verlassen Sie das Haus so selten wie möglich. Natürlich können Sie in den Garten hinter dem Haus gehen.”

“Ich glaube, wir werden uns hier recht wohlfühlen”, meinte Mollys Mutter.

“Ruhen Sie sich aus. Molly und ich werden eine Weile im Wohnzimmer warten, um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist. Wir wollen vor Tagesanbruch wieder in Nashville sein, aber wir werden Sie wecken, bevor wir aufbrechen.”

Zu seiner Überraschung nahm Brenda ihn in die Arme. “Vielen Dank, Damien. Ich weiß, dass Sie auf meine Kleine aufpassen werden. So, wie es ihr Bruder tun würde, wenn er hier wäre.” Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, nahm sein Gesicht zwischen die Hände und küsste ihn auf die Wange.

“Und passen Sie auch auf sich selbst auf, hören Sie?”, fügte sie hinzu und strich ihm über die Schultern, bevor sie sich von ihm löste.

“Natürlich”, versprach er verlegen und sah zu Molly hinüber, doch die war damit beschäftigt, es ihrer Tochter in dem neuen Bett bequem zu machen.

In diesem Moment beugte sie sich hinab und küsste Sydney auf die Stirn. Es war ein Kuss, wie er ihn von Brenda bekommen hatte. Liebevoll, besorgt, voller Zuneigung.

Damien spürte, wie ein merkwürdiges Gefühl in ihm aufstieg und ihm die Kehle zuschnürte. Eine Sehnsucht nach Wärme. Nach einer Familie, in der er sich geborgen fühlen konnte. Er durfte sich nicht daran gewöhnen, sonst würde er nie genug davon bekommen.

Hastig schüttelte er das Gefühl ab, denn mehr als zwei Wochen durfte diese Aktion nicht dauern. Außerdem, was wusste ein Mann wie er schon darüber, wie es in einer Familie zuging? Wurde er auf seine alten Tage etwa gefühlsselig?

Sanft nahm er Mollys Arm und zog sie zur Tür. “Schlafen Sie gut”, flüsterte er Brenda zu. “Molly, Sie können sich auf die Couch legen. Ich werde Wache halten.”

Aber das Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Kontakt, dass diese drei in ihm geweckt hatten, ließ sich nicht so einfach unterdrücken. Kaum hatten Molly und er das dunkle Wohnzimmer erreicht, da gab er diesem Bedürfnis nach, drehte sich zu ihr um und zog sie an sich. Ohne zu überlegen, was er tat, presste er die Lippen an ihre Schläfe und hielt sie fest. Zu seinem Erstaunen wehrte sie sich nicht.

“Sie brauchen keine Angst zu haben”, flüsterte er. “Ich werde Sie vor ihm beschützen.”

“Ich weiß”, antwortete sie leise. Ihre Stimme zitterte, aber nicht vor Furcht.

Als ihm bewusst wurde, dass sie nicht die ganze Nacht hindurch so dastehen konnten, führte er sie zur Couch.

“Versuchen Sie, ein wenig zu schlafen”, forderte er sie mit rauer Stimme auf.

“Setzen Sie sich zu mir”, bat sie ihn und klopfte auf das Polster.

Damien starrte auf ihre kräftige Hand mit den langen, schmalen Pianistinnenfingern. Sein Blick wanderte an ihrem Arm hinauf, bis er an den farbenfrohen Herzen hängen blieb, die über der linken Brust auf das Sweatshirt gestickt waren. “Das wäre nicht sehr klug”, murmelte er.

Molly griff nach seiner Hand und zog daran. Er setzte sich.

“Fühlen Sie es auch, Damien?”, fragte sie sanft.

Er konnte so tun, als würde er nicht verstehen, was sie meinte. Aber was hatte das für einen Sinn? Jedes Mal, wenn er sie berührte, schlug sein Herz schneller. Natürlich fühlte er es auch. “Ja, ich fürchte, das tue ich.”

“Natürlich kann nichts daraus werden”, fuhr sie fort. “Das habe ich Ihnen schon gesagt, aber ich möchte sicher sein, dass Sie mich richtig verstehen. Das hier ist für mich kein Spiel, Damien.”

“Oh, ich glaube Ihnen. Kein Spiel.” Er atmete tief durch.

Unzählige Menschen hatten ihm vorgeworfen, gefühlskalt und leidenschaftslos zu sein. Noch nie im Leben war er so kurz davor gewesen, die Beherrschung zu verlieren und etwas zu tun, was so gar nicht zu ihm passte. Er begehrte diese Frau wie keine zuvor.

Molly schob die Finger zwischen seine, drückte die Hand und legte ihre andere darauf. “Glauben Sie mir, Damien, es wird vorbeigehen. Wahrscheinlich liegt es nur an der ungewöhnlichen Situation, in der wir beide stecken. Und bis dahin sollten wir es einfach ignorieren.” Sie sah ihn an. “Finden Sie nicht auch?”

Er zuckte mit den Schultern. “Wenn Sie wollen … Aber dann muss ich aufstehen und mich woanders hinsetzen. Denn sonst werde ich Sie küssen.”

Sie schwieg, und er hoffte inständig, dass ihr Schweigen Zustimmung bedeutete.

Langsam, um ihr Zeit zu lassen, näherte er sich ihrem Gesicht. Zaghaft berührte er ihre Lippen mit seinen, und dann gab es plötzlich kein Halten mehr.

Eine ungeheure Erleichterung durchströmte ihn, als sie den Kuss erwiderte und er sie schmecken, ihre Zunge an seiner fühlen konnte. Zwischen ihnen flackerte eine Leidenschaft auf, die sie beide zu verschlingen drohte.

Molly wehrte sich nicht dagegen, sondern schmiegte sich an Damien, während er sie mit sich zog, bis sie halb auf der Couch, halb auf dem Boden lagen.

Irgendwo in seinem Hinterkopf meldete sich eine warnende Stimme, die ihn aufforderte, sich zurückzuhalten und Molly die Initiative zu überlassen. Aber das konnte er nicht, denn er wollte mehr, immer mehr. Er vertiefte den Kuss, drängte sich an sie und schob ein Knie zwischen ihre Schenkel …

“Wie wäre es mit einem Kaffee?”

Das Licht ging an, und Damien und Molly fuhren auseinander wie zwei ertappte Teenager.

“Oh!”, Brenda lachte. “Ich denke …”, verlegen wedelte sie mit dem Arm, “… ich gehe einfach wieder zu Bett.”

“Nein! Warte!”, rief Molly. “Mama, es ist nicht so, wie du denkst!”

“Oh, Molly, spar dir das. Du bist mir keine Erklärung schuldig. Tut mir leid, dass ich euch gestört habe.” Sie drehte sich um und ging davon.

“Brenda?”, sagte Damien ein wenig atemlos.

Sie blieb stehen und sah ihn an. Im Halbdunkel erinnerte ihr verschmitztes Lächeln ihn an Mollys.

“Ja, Agent Perry?”

“Ein Kaffee wäre nicht schlecht.”

“Genau!”, verkündete Molly etwas zu laut. Sie sprang auf und rannte zur Tür, wo sie wie angewurzelt stehen blieb.

“Die Küche ist auf der anderen Seite”, meinte Brenda belustigt und zwinkerte Damien zu. “Meine Tochter braucht jemanden, der auf sie aufpasst.”

Er wusste nicht, was er sagen sollte, und nickte nur. Er wollte lachen, aber Molly schien die Situation überhaupt nicht komisch zu finden.

Brenda hakte sich bei ihm ein und folgte Molly seufzend durchs Esszimmer in die Küche. “Keine Angst, Damien”, sagte sie leise. “Ich werde jetzt nicht meine Schrotflinte herausholen und sie zwingen, meine Tochter zu heiraten, nur wegen eines kleinen Kusses.”

Ein kleiner Kuss? Auch darauf wusste Damien nichts zu erwidern. Wäre Brenda nur zwei Minuten später aufgetaucht, hätte sie bestimmt mehr als nur einen Kuss gesehen. Und das wusste sie auch.

Und wenn schon. Molly war fast dreißig, kein unerfahrenes junges Mädchen mehr. Sie und er konnten tun, was sie wollten. Sie waren beide erwachsen.

Aber noch während er sich zu rechtfertigen versuchte, meldete sich sein schlechtes Gewissen. Molly sah das nicht so locker. Und, ehrlich gesagt, er auch nicht. Nicht bei ihr.

Vielleicht hatte er sie regelrecht überfallen, ihr gar keine Gelegenheit zum Nachdenken gegeben. Schließlich hatte sie Angst und war von ihm abhängig.

Nun, sie hatten nicht miteinander geschlafen, und es war äußerst unwahrscheinlich, dass er je wieder in Versuchung geraten würde. Molly hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass sie von ihm nur seine Hilfe wollte.

Brenda stieß ihm den Ellbogen in die Seite. “Ich mag Sie, Damien”, flüsterte sie so leise, dass Molly es nicht hören konnte. “Aber wenn Sie nur mit ihr spielen wollen, sollten Sie es lieber lassen.”

Damien nickte nur. Er hatte nicht gespielt. Und genau deshalb sollte er sich von jetzt an beherrschen.

5. KAPITEL

Die ganze Rückfahrt nach Nashville über verfluchte Molly ihre impulsive Art. Sie hatte sich nicht nur von Damien küssen lassen. Nein, sie hatte ihn sogar noch dazu ermutigt. Was hatte sie sich bloß dabei gedacht?

Wenn sie ehrlich war, hatte sie gar nichts gedacht. Selbst jetzt, lange danach, spürte sie den Druck seiner Lippen an ihren. Noch immer schmeckte sie ihn und bebte vor Verlangen.

Er brauchte sie nur anzusehen, und es ging ihr durch und durch. Auch in diesem Moment hatte sie das Gefühl, am ganzen Körper zu glühen. Nur, weil sie an ihn dachte!

Und als wäre das alles nicht schon peinlich genug, hatten sie sich auch noch von ihrer Mama überraschen lassen. Diese Erniedrigung hatte sie sich allerdings selbst eingebrockt.

Sie warf Damien einen Blick zu. Wie cool er blieb! Er war nicht einmal errötet. Doch jetzt wusste sie, was er hinter seiner starren Maske verbarg. Der Mann war reines Dynamit.

“Ich habe es dir doch gesagt”, murmelte sie.

“Was denn?”

“Dass wir es nicht ausleben dürfen!”

“Soll ich mich entschuldigen?”, fragte er gelassen.

“Nein. Sorge einfach nur dafür, dass es sich nicht wiederholt.” Sie wusste, dass sie zickig klang, aber das war nicht zu ändern. Sie wollte keine Affäre mit ihm.

“Deine Mutter hat mir gesagt, ich soll mich zurückhalten”, erzählte er wie beiläufig.

“Sie hat was?”

Er nickte. “Brenda sorgt sich um dich. Sie befürchtet, dass ich mit dir nur … spiele. Ja, so hat sie es genannt.”

Molly verdrehte genervt die Augen.

“Und? Spielst du?”

Damien sah sie an, zog eine Augenbraue hoch und schaute wieder auf die Straße. “Nein.”

Was meinte er damit? Dass er es ernst meinte? Mit ihr oder mit dem Sex? Molly fragte nicht nach.

Eine Weile später hielt sie das angespannte Schweigen nicht mehr aus. “Es tut mir leid, dass ich dir nicht geben kann, was du willst.” Das stimmte, aber momentan konnte sie keine weiteren Komplikationen in ihrem Leben gebrauchen. “Ich kann es einfach nicht.”

“Bist du sicher, dass du weißt, was ich will?”, fragte er leise. “Um ehrlich zu sein, vielleicht weiß ich es selbst nicht.”

Sie lachte spöttisch.

“Nein, wirklich”, beteuerte er. “Wahrscheinlich bist nicht du es, die mich anzieht, sondern das, wofür du stehst.”

“Großartig! Was für ein Kompliment! Vielen Dank!” Mit gespreizten Fingern fuhr sie sich durchs Haar.

Auf seinem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Verlegenheit und Bedauern. Er fuhr an den Straßenrand, hielt an und drehte sich zu ihr.

“Ich habe es nicht so gemeint, wie es sich anhört. Es ist nur … dass du aus einer Welt stammst, die ich nie kennengelernt habe. Du führst ein Leben, das mir fremd ist. Du und Sydney und deine Mutter, ihr seid …”

“Eine nicht besonders heile Familie? Und das reizt dich?”

“Hör auf”, befahl er scharf. “Mach dich nicht über das lustig, was zwischen uns beiden ist. Du kannst nicht wissen …”

“Doch, ich kann. Mein Vater hat uns verlassen, als ich noch zu jung war, um mich jetzt an ihn zu erinnern. Mama musste arbeiten und hatte kaum Zeit für uns. Ford und ich waren wild und rebellisch, die schlimmsten Kinder des Viertels. Und es war kein sehr nettes Viertel!”

“Klingt wunderbar.”

“Und um dem zu entgehen, habe ich einen Mann geheiratet, der mich erst geschwängert und dann verprügelt hat. Die beiden dachten, ich sei selbst schuld, und vielleicht war ich das sogar. Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt noch miteinander reden.” Sie verstummte, als sie die Betroffenheit in seinem Blick sah.

“Aber ihr liebt euch”, sagte er leise. “Oder?”

“Sicher, aber was ist daran so besonders. In einer Familie liebt man sich. Was bleibt einem anderes übrig?”

Langsam schüttelte er den Kopf, bevor er wieder auf die Straße blickte und losfuhr.

“Ich will doch nur weiterleben, ohne dauernd Angst zu haben”, sagte sie, als sie Nashville erreichten. Sie sagte es zu sich selbst, und erst als Damien antwortete, merkte sie, dass sie die Worte laut ausgesprochen hatte.

“Dafür werde ich sorgen”, versprach er. “Ich werde erst gehen, wenn es nichts mehr gibt, wovor du Angst haben musst.”

Molly schaute zur Seite, damit er ihre Tränen nicht sah.

Es war noch dunkel, als Damien in Mollys Einfahrt hielt. Sämtliche Häuser waren dunkel, nur die Straßenlaternen beschienen die gepflegten Vorgärten. Ein friedliches Viertel. Eine Welt, in der er sich fremd vorkam.

Er lehnte sich zurück, schnallte sich los, stieg jedoch nicht aus. “Warte im Wagen, bis ich mich im Haus umgesehen habe. Er denkt, wir haben die Stadt verlassen, also brauchst du dir wahrscheinlich keine Sorgen zu machen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme.”

Molly sah ihn nicht an, sondern nickte nur.

Damien stieg aus und überprüfte erst das Grundstück, dann das Haus. Er fand keine verdächtigen Spuren, also steckte er seine Waffe wieder ein und machte Licht. Danach öffnete er die Haustür und winkte Molly zu sich.

Er beobachtete, wie sie ausstieg und aufs Haus zukam. Ihre Art, sich zu bewegen, war weiblich und anmutig, aber auch geschmeidig und selbstsicher. Nach allem, was sie durchgemacht hatte, erstaunte ihn das.

Er ergriff ihre Hand und zog sie ins Haus. “Du brauchst Schlaf”, sagte er, während er hinter ihr abschloss. Sie war blass und hatte Schatten unter den Augen.

“Was ist mit dir?”, entgegnete sie. “Du hast doch auch kein Auge zugetan.”

Erneut stieg das warme Gefühl in ihm auf. “Mir geht’s gut. Geh zu Bett, Molly.”

Sie war zu müde, um mit ihm zu diskutieren.

Damien hielt Wache. Hin und wieder nickte er ein, zuckte jedoch bei jedem Geräusch hoch und erwachte fünf Stunden später, gegen zehn Uhr vormittags.

Er hörte eine Dusche rauschen, dann wurden Schubladen geöffnet und wieder geschlossen. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie sehr er sich darauf freute, Molly wiederzusehen und den Tag mit ihr zu verbringen.

Und dann stand sie im Türrahmen, ein Lächeln auf dem Gesicht. Die Schatten unter den Augen waren entweder verschwunden oder unter einem leichten Make-up verborgen.

Sie trug ein cremefarbenes Seidentop, eine fließende Jacke und rostbraune Hosen. Die langen Locken waren an einer Seite mit einem Perlmuttclip hochgesteckt. Goldene Kreolen und eine schmale Gliederkette betonten den schlanken Hals. So, wie sie jetzt aussah, hätte sie auf die Laufstege der besten Designer gepasst.

Hatte sie sich für ihn so angezogen? “Gehen wir weg?”, fragte er. “Du siehst wunderschön aus.”

Ihre Wangen röteten sich ein wenig, und sie trat verlegen von einem Fuß auf den anderen.

Damien lächelte. “Lass uns in die Stadt fahren. Jeder in Nashville sollte dich so sehen.”

Molly verzog das Gesicht. “Ich muss dir wohl einen Kaffee machen. Der Schlafmangel lässt dich halluzinieren.”

Lachend schüttelte er den Kopf. “Ich dusche und rasiere mich rasch. Zehn Minuten?”

Er ging ins Gästezimmer und wollte gerade seinen Koffer öffnen, als er Mollys Aufschrei hörte. Er rannte zur Küche, doch sie kam ihm bereits entgegen und warf sich in seine Arme.

Damien drückte sie an seine Seite, um die Hand mit der Waffe frei zu haben. “Was ist passiert?”, fragte er, als er nichts Ungewöhnliches sah.

“Gift!”, flüsterte sie panisch. “Rattengift!”

“Wo?”

Sie löste sich aus seinem Arm, zog ihn in die Küche und zum offenen Schrank über der Kaffeemaschine.

“Da!” Sie zeigte auf eine gelbschwarze Schachtel, die an einer Ecke aufgerissen war und zwischen den Lebensmitteln stand. “Die gehört dort nicht hin!”

“Wo hast du sie vorher aufbewahrt?”

“Gar nicht!”, rief sie. “Jedenfalls glaube ich nicht, dass wir jemals Rattengift hatten. Und wenn doch, so wäre die Schachtel im Lagerraum hinter der Garage. Er hat sie in den Schrank gestellt, da bin ich sicher.”

“Wann?”

Sie hob die Arme und seufzte. “Gestern war sie noch nicht da.” Ihr Blick ging zu der Schachtel. “Sie ist offen, Damien! Glaubst du, er hat …”

“Ich glaube, wir sollten nichts essen oder trinken, das aus einer angebrochenen Packung oder Flasche stammt. Die Frage ist, wie ist er ins Haus gelangt? Wer außer dir hat einen Schlüssel?”

“Nur Mama und Ford. Sie hat ihren bei sich, das habe ich gesehen. Aber Ford hat seine Autoschlüssel …”

“Zu Hause gelassen, als er mit Mary nach Europa geflogen ist?”, unterbrach er sie.

Molly nickte. “Und an dem Ring hat er auch seinen Schlüssel zu diesem Haus. Er wohnt draußen auf dem Land in einem alten Haus. Natürlich hat es eine Alarmanlage, aber vermutlich hat Jack im Gefängnis ein paar Tricks gelernt.”

“Mit Sicherheit. Vermutlich hat er einen Abdruck vom Schlüssel gemacht und das Original dort gelassen. Und bestimmt war er schlau genug, an der Schachtel keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Trotzdem sollten wir der Polizei den Vorfall melden.” Er ging ans Telefon.

Eine halbe Stunde später hielt ein Streifenwagen hinter seinem Lexus. Damien drehte sich zu Molly um. “Wir sagen ihnen nicht, für wen ich arbeite.”

“Warum nicht?”

“Sie mögen es nicht, wenn das FBI sich einmischt. Außerdem spricht sich so etwas schnell herum. Wenn Jensen erfährt, mit wem er es zu tun hat, wird er sich vielleicht ruhig verhalten, bis ich fort bin.” Er nickte zur Haustür hinüber.

Molly öffnete sie. “Danke, dass Sie so schnell gekommen sind, Officer Sharps.”

“Ms Jensen. Sie haben mal wieder ein Problem?”

“Kommt Ihr Kollege denn nicht mit herein?”, fragte Molly mit einem Blick auf den Streifenwagen. Damien sah, dass der zweite Beamte sitzen geblieben war und in einem Taschenbuch blätterte.

“Nein, Ma’am. Ich glaube, den brauchen wir nicht.”

Officer Sharps klang ziemlich herablassend. Offenbar hatte Molly schon häufiger mit ihm zu tun gehabt.

Der junge Beamte schaute auf sein Klemmbrett, bevor er Molly anerkennend musterte. Damien konnte es ihm nicht verdenken, aber es gefiel ihm gar nicht.

“Sie haben uns wegen eines möglichen Einbruchs gerufen”, begann Sharps. “Was genau meinen Sie mit ‘möglich’?”

Sie ließ ihn herein.

“Nun ja, eigentlich war es kein richtiger Einbruch”, gab sie zu. “Ich glaube eher, es war mein Exmann. Und er hat einen Schlüssel benutzt, den er nicht haben darf.”

“Aha.” Der Officer klopfte mit dem Stift auf das Klemmbrett. “Er hat den Schlüssel also gestohlen?”

“Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er mich noch immer bedroht und in meiner Abwesenheit hier war. Er hat etwas in meinem Küchenschrank zurückgelassen.”

“Ich verstehe. Und dann hat er Sie angerufen und Ihnen gesagt, wo Sie es finden können, ja?” Der Beamte klang belustigt. “Oder ruft er inzwischen nicht mehr an, sondern kauft für Sie Lebensmittel ein?”

Molly funkelte ihn an. “Vorgestern hat er drei Mal angerufen”, entgegnete sie eisig.

“Sind Sie sicher, dass er es war?” Der Stift klopfte wieder gegen das Klemmbrett. “Hat er mit Ihnen gesprochen?”

“Nein, aber wer soll es sonst gewesen sein?”, entgegnete sie scharf.

“Wir haben Ihnen doch vorgeschlagen, sich eine Geheimnummer geben zu lassen”, erinnerte er sie gereizt.

“Das kann ich nicht”, protestierte sie. “Meine Nummer steht auf den Visitenkarten, die ich ausgebe. Wie sollen Kunden mich denn erreichen?”

“Hmmm … Und wer sind Sie?”, fragte der Officer Damien, als hätte er ihn gerade erst bemerkt.

“D.J. Perry”, stellte Damien sich vor. “Ich war hier, als Ms Jensen diese neue Drohbotschaft fand.”

“Und wie genau sieht die aus, Ma’am? Möchten Sie sie mir vielleicht zeigen?”

Molly ging in die Küche. Damien sah ihr an, wie mühsam sie sich beherrschte.

Sharps folgte ihr gemächlich.

“Da!”, rief sie und zeigte auf die Giftschachtel. “Die hat er hier gelassen! Geöffnet!”

Der Beamte schüttelte den Kopf. “Hat er etwas vergiftet?”

Langsam drehte sie sich zu ihm um. “Nun, das werden wir erst wissen, wenn wir etwas essen”, antwortete sie zuckersüß.

Sharps lachte und richtete den Stift auf sie. “Gute Idee!”

Damien beschloss, sich einzumischen, bevor sie auf den Idioten losging.

“Officer, uns ist klar, dass Sie aufgrund dieser Anschuldigung niemanden festnehmen können. Ms Jensen möchte nur, dass dieser Vorfall in die Akte aufgenommen wird”, erklärte er ruhig.

“Das ist ja wohl das Mindeste!”, fügte Molly hinzu.

Damien warf ihr einen warnenden Blick zu. “Und vielleicht könnten Sie ein paar Nachforschungen anstellen”, fuhr er fort. “Natürlich nur, wenn Sie ihr helfen wollen. Wenn nicht, möchte ich, dass Sie es in Ihrem Bericht vermerken. Schreiben Sie bitte auch, dass Sie hier waren, weitere Ermittlungen jedoch für unnötig hielten.”

“Wozu?”

“Damit Ms Jensens Familie Sie später verklagen kann.”

“Verklagen? Weswegen?”, fragte Sharps verblüfft.

“Wegen unterlassener Hilfeleistung”, erklärte Damien ruhig. “Wenn Ms Jensens Exmann seine Drohung wahr macht und ihr etwas antut, könnte man Ihnen vorwerfen, es nicht verhindert zu haben.”

“Aber hier liegt kein Einbruch vor, und ich sehe keinen Beweis dafür, dass ihr Exmann etwas damit zu tun hat. Sie könnte die Schachtel selbst dort hingestellt haben, um ihn zu belasten. Oder Sie könnten es getan haben. Was erwarten Sie von mir?”, fragte Sharps zornig.

Damien senkte den Kopf und tat, als müsse er nachdenken. “Wenn ich Sie wäre, würde ich dafür sorgen, dass man mir später nichts vorwerfen kann. Suchen Sie nach Fingerabdrücken und lassen Sie überprüfen, ob irgendwelche Lebensmittel vergiftet wurden. Was halten Sie von meinem Vorschlag?”, fragte er freundlich.

Sharps kniff die Augen zusammen und versuchte, einschüchternd zu wirken. “Für wen halten Sie sich eigentlich, Mister? Was fällt Ihnen ein, mir zu sagen, wie ich meine Arbeit machen soll?”

“Ich bin Anwalt”, erwiderte Damien lächelnd. “Und ein Zeuge, falls einer gebraucht wird.”

“Sie sind ihr Anwalt?”, fragte der Beamte und klang schon vorsichtiger.

Damien schüttelte den Kopf. “Nein. Aber sie braucht mir nur einen Dollar zu geben, und ich bin es. Kennen Sie Jack Jensen?”

Sharps zögerte, dann räusperte er sich. “Nicht persönlich, nein.”

“Aber Sie wissen, dass er zwei Jahre im Gefängnis verbracht hat, nachdem er gewalttätig wurde, nicht wahr?”

Der junge Beamte nickte.

“Wollen Sie etwa persönlich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn dieser Frau etwas zustößt? Wenn Sie ihre Bitte um Hilfe ignorieren und nicht alles tun, was in Ihrer Macht steht, werden Sie das nämlich.” Betrübt schüttelte Damien den Kopf und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Sie sind doch ein guter Polizist, oder?”

“Natürlich. Ich werde die Spurensicherung anrufen, aber ich weiß nicht, ob sie in diesem Fall jemanden herschicken werden. Keine Anzeichen für einen Einbruch, keine Geschädigten, nichts, außer der Schachtel Gift. Die nehme ich natürlich mit und bringe sie ins Labor.”

“Tun Sie das. Und nehmen Sie ins Protokoll auf, dass Sie die Spurensicherung informiert haben. Wir wollen doch nicht, dass man Ihnen später ein Versäumnis vorwirft.”

“Nein!” Sharps sah Molly an. “Ich werde tun, was ich kann, Ma’am.” Er notierte alles gewissenhaft und hielt ihr das Klemmbrett mit dem Formular hin, damit sie es unterschreiben konnte. Danach zog er Latexhandschuhe an und steckte die Giftschachtel in einen durchsichtigen Plastikbeutel.

Damien wusste, dass sie unbeachtet in irgendeinem Regal landen würde, aber das machte nichts. Wichtig war, dass dieser Vorfall polizeilich registriert war und ein vor Gericht verwertbarer Beweis dafür existierte.

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