Logo weiterlesen.de
The Rough – Fesselnde Harmonie

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über diese Reihe
  4. Über das Buch
  5. Über die Autorin
  6. Titel
  7. Impressum
  8. Danksagung
  9. Prolog
  10. 1
  11. 2
  12. 3
  13. 4
  14. 5
  15. 6
  16. 7
  17. 8
  18. 9
  19. 10
  20. 11
  21. 12
  22. 13
  23. 14
  24. 15
  25. 16
  26. 17
  27. 18
  28. Epilog
  29. In der nächsten Folge

Über diese Reihe

Reiche Erbinnen, heiße Rockstars und ein geheimer BDSM-Club – Die eBook-Reihe The Rough – Secrets of a Rockstar bietet prickelnde Liebesgeschichten voll erotischer Spannung.

Über diese Folge

Gwen Hamilton gehört zu den reichsten und bekanntesten Frauen in Hollywood. Niemand ahnt jedoch, dass sie zusammen mit ihrer Schwester Ricki Herrin von LAs exklusivstem Privatclub ist. Gwen muss schnell feststellen, dass dieses unerwartete Erbe befreiender und sinnlicher ist als alles, was sie bisher erlebt hat. Sie möchte nichts mehr, als die Fesselspiele selbst auszuprobieren, kann sich jedoch nicht so recht an den Gedanken gewöhnen, eine Sub zu sein – bis sie den sexy Gitarrist Mal Kennealy trifft. Der heiße Rockstar verkörpert alles, was Gwen nie wollte. Aber mit jedem verführerischen Befehl erkennt sie, dass an Mal gebunden zu sein, ihre dunkelsten Herzenswünsche erfüllen könnte …

Über die Autorin

Cecilia Tan ist Autorin und Sex-Aktivistin. Ihr BDSM-Liebesroman Slow Surrender gewann den RT Reviewers Choice Award in der Kategorie Erotic Romance, sie selbst wurde mit dem RT Career Achievement Award in derselben Kategorie ausgezeichnet. Sie ist Gründerin und Herausgeberin von Circlet Press, einem Verlag für erotische Science Fiction und Fantasy und Initiator des Fetish Fair Fleamarket. Im Jahr 2010 wurde sie in die Saints & Sinners Hall of Fame aufgenommen.

Danksagung

Wenngleich das Schreiben ein einsames Unterfangen ist, das Büchermachen ist es nicht. Meine Worte würden Sie nicht erreichen ohne die Liebe und Ermutigung meiner Agentin Lori Perkins, die Unterstützung meines Lebens- und Liebespartners seit fünfundzwanzig Jahren, Corwin, und das fähige Team bei Forever, Megha Parekh, Madeleine Colavita, Marissa Sangiacomo, Elizabeth Turner, Jodi Rosoff und den Rest der Mannschaft. Ich genoss außerdem den Rat und die Ermutigung der Schriftstellerin Melanie Fletcher, die ein frühes Manuskript auf eine Probefahrt mitnahm, sowie der Erstleser Beth Bernobich und Don Luis. Und dank Jessica und Chas bei Rockstar Literary, die sich mit der Werbung und Reklame für mich abmühten, hatte ich Zeit, das Buch tatsächlich zu schreiben.

Danke an Girl Scout Cookie für die Lektion in Feuerspielen und an verschiedene Leute vom Geeky Kink Event für die Hilfe bei den, äh, ›Recherchen‹ zu Fantasy-Rollenspielen: Ihr wisst, wer gemeint ist. Und an alle von der New England Leather Alliance und dem Fetish Fair Fleamarket, die die Fackel der S&M-Bewegung weitertragen, Jack, Percy, Iya, Leah, Amanda, Kerry, Danny, Rob, Dyanne, Maggie und andere. Ebenso CandiAnne von NLA International – Leute, ihr seid wunderbar und rockt die Welt.

Außerdem möchte ich der verstorbenen Tanith Lee für inspirierende Fantasien über Jahrzehnte hinweg danken.

Der letzte Dank geht an die Baristas von Simon’s Coffee Shop, wo der größte Teil dieses Buches geschrieben wurde, und den Jungs vom Bourbon Coffee auf der Mass. Ave., wo der Großteil der Überarbeitungen stattfand: Beide Läden spielen tolle Musik, bei der man so ein Buch schreiben kann, und sie sorgten dafür, dass der Tee nicht ausging.

Prolog

Vignette

GWEN

Den einzigen Rat, den mein Vater mir je gegeben hat, habe ich mir zu Herzen genommen: »Lass sie nie sehen, dass du weinst.«

Diese Worte gingen mir durch den Kopf, als ich ein paar zerknitterte und zusammengefaltete Blätter umklammerte, während ich zusammen mit einem Dutzend anderer Frauen auf einer Bank vor dem Raum saß, in dem das Vorsprechen stattfand. Mindestens drei Mädchen waren schon in Tränen aufgelöst herausgekommen, und ich überlegte, was der Regisseur und der Casting-Agent wohl zu ihnen gesagt hatten. Hatten sie sich über ihre Klamotten lustig gemacht? Ihr Gewicht? Hatten sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten auseinandergenommen? War das alles nur eine Art Test, um zu sehen, ob man dem Druck standhielt?

Der Regisseur, Miles Redlace, war ein stadtbekanntes Arschloch. Aber wie man weiß, liebt Hollywood Arschlöcher, wenn sie genial sind. Er war im Augenblick gerade ›der‹ Regisseur, der hippe, heiße, unausstehliche Gewinner von zwei Oscars und irgendwie auch der Grund dafür, dass ich in diesem Film mitspielen wollte. Seine Kritiker sagten, er sei nicht exzentrisch, er würde es nur mögen zu fluchen und Leute zu beleidigen, die für ihn arbeiteten.

Ehrlich gesagt waren Beleidigungen womöglich noch besser als mein letztes Vorsprechen, bei dem sie kaum zur Kenntnis genommen hatten, dass ein Schauspieler vor ihnen stand. Ich hatte mich im ganzen Leben noch nie so wenig ernst genommen und so gedemütigt gefühlt. Und dann bekam ich noch mit, wie der Casting-Regisseur sagte, er sei enttäuscht, wie wenig Mühe sich die Leute gäben. Woher wollte er wissen, wie viel Mühe ein Schauspieler sich gab, wenn er nie von seinem Handy oder seinem Kreuzworträtsel aufblickte?

Dennoch hatte ich mir seine Worte zu Herzen genommen. Für dieses Vorsprechen hatte ich falsche Tattoos auf Schultern und Arme angebracht, hatte mein natürliches Blond vorübergehend in Rot verwandelt und trug einen falschen Nasenring. Ich tat alles, um diese Figur zu sein, zu sein, was die Produzenten sich hoffentlich vorgestellt hatten.

Meine Schwester Ricki hat mich gefragt, wieso ich überhaupt zu solchen Castings ginge. »Lass mich die Finanzierung auf die Beine stellen, und wir denken uns ein eigenes Projekt für dich aus«, hat sie gesagt.

Sie würde nie verstehen, wieso so ein Ego-Projekt nicht das war, was ich wollte, denn sie konnte ja nicht ahnen, wieso ich mich nicht auf das Geld oder den Namen der Familie verlassen wollte, um meine Karriere ans Laufen zu kriegen.

Ich wollte mir selbst etwas beweisen. Ich wollte beweisen, dass ich die Rolle meines Talents wegen bekam. Ich hatte immer einen Künstlernamen angegeben, auch wenn jeder, der ein bisschen aufpasste, mich hätte erkennen können. Außer vielleicht dieses Mal. Ich erkannte mich nicht mal selbst im Spiegel wieder.

Die Tür ging auf, und ein weiteres Mädchen kam entmutigt heraus. Uns auf der Bank schaute sie nicht einmal mehr an; sie warf das Drehbuch einfach in den Papierkorb und ging geradewegs zum Parkplatz.

Wir alle, auch ich, sahen aus wie frisch vom College. Außer zweien, die ich für älter hielt, nachdem ich ihnen bei einem Gespräch zugehört hatte. Aber schließlich möchte jeder jung aussehen – selbst wenn es nicht um die Rolle eines achtzehnjährigen, rebellischen Punk-Rock-Girls in einem Film mit dem Arbeitstitel Wild Child geht.

Ich wusste, wie es in Hollywood lief. Ich war in der Filmbranche aufgewachsen, und ich war Realistin. Ich wusste, dass ich es auf die harte Tour machte. Aber ich musste es auf meine Art machen.

»Ginger Hill?«, rief die Produktionsassistentin an der Tür. Ich brauchte einen Moment, bis mir wieder einfiel, dass das der Künstlername war, den ich mir ausgesucht hatte.

Ich sprang auf, das Adrenalin durchströmte mich. »Hier!«

»Ach nein, Moment«, sagte die Frau mit einem Blick auf ihr Klemmbrett. »Marian Foy, Sie zuerst. Hill, Sie sind dann die Nächste.«

Beschämt ließ ich mich auf die Bank zurücksinken. Wieso empfand ich so? Es war ihr Fehler gewesen, aber trotzdem wünschte ich mir, es würde sich ein Loch in der Erde auftun und mich verschlucken.

Na toll. Jetzt gehst du da mit einer knallroten Birne und total aufgeregt rein. Mein Herzschlag hatte sich beschleunigt, und es fühlte sich nicht danach an, als würde er sich so rasch wieder beruhigen.

Ich packte das zusammengefaltete Drehbuch fester, um zu verhindern, dass meine Hände zitterten. Würde sich so ein Wild Child benehmen?, dachte ich. Natürlich nicht! Das würde da reinmarschieren, als würde es einen Scheiß drauf geben, was die denken. Die Frage war, ob ich diese Einstellung da drinnen überzeugend würde rüberbringen können, wenn ich innerlich das Gegenteil empfand. Ein großer Schauspieler konnte das.

Eine Ewigkeit – vielleicht auch nur einen qualvollen Augenblick – später öffnete sich die Tür erneut. Ich erwartete, dass Marian Foy herausgetrottet kommen würde. Aber nein, es war wieder die Produktionsassistentin. »Vielen Dank, dass Sie alle gekommen sind, aber wir haben die Rolle besetzt.«

Ein paar Frauen stöhnten auf. Eine schmiss das Drehbuch in den Abfalleimer, wo es mit einem dumpfen Rascheln landete.

Ich hätte hinausstürmen sollen, als trüge ich Kampfstiefel, aber nein, die Rolle war besetzt. Ich versuchte also einfach ladylike zu meinem Auto zu gehen. Ladylike hieß für mich, mit kleinen, energischen, dabei aber nicht hastigen Schritten, den Blick auf den Horizont gerichtet und in der verzweifelten Hoffnung, das gespielte Lächeln auf meinem Gesicht möge nicht allzu lächerlich wirken.

Lass sie nie sehen, dass du weinst. Dad hatte mir nie gesagt, wer ›sie‹ waren, aber ich nahm an, es bedeutete alle.

1

Real Life

Vignette

GWEN

Als ich am Forum ankam, hatte das Konzert schon angefangen. Gott sei Dank hatte Ricki uns VIP-Parkausweise und Backstagetickets besorgt. Der VIP-Parkplatz lag direkt neben dem Parkplatz des Tourbusses der Band – ein riesiges Ding mit dem Logo von THE ROUGH auf der Seite –, und ich konnte einen Security-Mann sehen, der vor einer Seitentür stand, die in die Arena führte.

Ich umklammerte meine Handtasche, als ich auf ihn zuging. Er trug schwarze Kleidung und die Teamjacke der Band, und um seinen Hals hing ein Schlüsselband mit ein paar laminierten Ausweisen. »Hi, tja, ist das die richtige Tür? Da wartet ein Backstageausweis auf mich«, sagte ich zu ihm.

Er schaute mich von oben bis unten an. »Ach, wirklich?«, sagte er, als glaube er mir kein Wort und mache sich nur über mich lustig. »Und wer genau hat dafür gesorgt, dass Sie auf der Liste stehen?«

»Meine Schwester. Oder ihr Freund. Axel Hawke? Haben Sie vielleicht schon mal von ihm gehört?«

Er lachte. »Das können Sie einem anderen erzählen.«

»Okay, im Ernst, ich bin Gwen Hamilton.« Sein Benehmen fing echt an, mich zu nerven.

Amüsiert verzog er den Mund. »Weißt du, Süße, wenn du drauf aus bist, es dir mal richtig besorgen zu lassen, dann tun dir ’ne Menge Jungs in deinem Kaff zu Hause sicher gern den Gefallen.«

»Wie bitte?«

»Okay, okay, schon kapiert. Du bist den ganzen Weg hergekommen, um ’nen echten Eins-a-Rockstarpimmel abzukriegen. Welchen hättest du denn gern? Ich sag dir, ob du sein Typ bist. Der Einzige, der tabu ist, ist Axel. Der ist monoton, und seine Freundin ist hier zur Unterstützung.«

»Monogam meinen Sie, und ich hab’s Ihnen schon gesagt – seine Freundin ist meine Schwester.«

»Er steht ja schon auf so abgefahrenes Zeug, aber ich glaub nicht, dass Inzest …«

Die Tür ging auf, und ein Typ steckte seinen Kopf heraus. Er war groß und dürr und die Hälfte seines Kopfes war rasiert. »Gilbert, hast du hier ’n Problem?«

»Entschuldigen Sie«, sagte ich. »Haben Sie die Gästeliste? Ich stehe nämlich drauf, und der Schwachkopf hier hält es für witzig, mich sexuell zu belästigen.«

Der Typ kam heraus, mit einem Klemmbrett in der Hand. »Name?«

»Gwen Hamilton.«

»Können Sie sich ausweisen?«

»Ja.« Ich kramte meinen Führerschein aus meiner Tasche und zeigte ihn ihm.

»Okay, kommen Sie mit.« Er boxte Gilbert gegen den Arm. »Sei nett.«

Gilbert rieb sich den Arm und hielt die Tür auf. »Ach komm, Nick. Woher hätt ich denn wissen sollen, dass sie auf der Liste steht? Sie sieht aus wie ’n x-beliebiges Groupie.«

»Indem du auf die Liste schaust«, sagte Nick und wedelte mit dem Klemmbrett. »Sie hat wahrscheinlich irgend ’nen Fanclub-Wettbewerb gewonnen oder so. Sei nett, sonst landest du noch auf YouTube.« Als die Tür sich hinter uns schloss, sagte er: »Bitte entschuldigen Sie, Miss. Hier.« In dem Flur stand ein Podest auf Rollen. Er zog ein Schlüsselband dahinter hervor, an dem ein laminierter Ausweis hing, auf den er mit einem Edding seine Unterschrift setzte.

Ich hängte ihn mir um den Hals.

»Wenn die Band von der Bühne kommt, gehen sie da durch zum grünen Zimmer.« Er zeigte nach links einen Flur hinunter. »Die Hauptparty findet da drüben statt« – dann zeigte er nach rechts –, »und wenn Sie den Rest der Show sehen wollen, dann geradeaus.«

Ich bedankte mich und ging geradeaus. Die Musik wurde lauter. An einem Betonpfeiler einer der Treppen, die nach oben führte, hing ein Schild mit der Aufschrift blick AUF DIE Bühne. Nichts wie rauf.

Als ich die Stufen hochstieg, war ich immer noch ein wenig wütend, was für ein Arschloch der Türsteher gewesen war, aber dann wurde es mir klar: Er hatte mich wie ein Groupie behandelt, das sich auf ein Konzert schleichen will, weil ich genauso aussah. Er hatte es mir abgekauft. Sogar als ich ihm gesagt habe, wer ich bin, hat er es entweder nicht geglaubt oder meinen Namen nicht gekannt. Das war schon möglich; mein Name war alles andere als allgemein bekannt. Aber trotzdem durchlief mich ein Schauder, als ich merkte, wie sicher er sich seiner Sache gewesen war.

Die Stufen führten auf eine Plattform weiter oben, auf der ein paar andere Leute mit Ausweisen um den Hals die Show verfolgten. Einige sahen aus wie Groupies, und ich fragte mich, ob es der Security-Mensch ernst gemeint hatte, als er sagte, ein paar von den Jungs seien ›zu haben‹.

Aber ich hielt mich nicht mehr lange damit auf, die anderen Leute zu beobachten, nachdem ich angefangen hatte, mir die Band anzusehen.

Axel, der Leadsänger, stand genau in der Mitte, doch auf der Seite der Bühne, mir am nächsten, stand der Gitarrist, Mal. Wir waren uns ein oder zwei Mal kurz bei Branchenveranstaltungen begegnet. Ich hatte bei diesen Gelegenheiten den Eindruck gewonnen, dass er nie lächelte und selten sprach, sondern sich wie ein grimmiger Wasserspeier im Hintergrund hielt.

Auf der Bühne hingegen war er lebendig, explosiv, sprang mit seiner Gitarre hoch in die Luft, landete wieder und schleuderte seine langen dunklen Haare nach vorn und mit einem Ruck des Kopfes wieder zurück. Er lächelte immer noch nicht, aber er stand Axels Energie in nichts nach, wenn er mit wilden Grimassen sang und dann über den langen Laufsteg ins Publikum spazierte, ein Solo spielte und dabei die Gitarre praktisch bumste.

Purer Sex. Einhundert Prozent purer Sex, der auf zwei Beinen ging und Gitarre spielte.

Als der Song vorbei war, riss er sich das T-Shirt vom Leib und warf es ins Publikum. Seine Arme und seine Brust wirkten wie aus einem Fitnesswahn-Werbeclip: Auch du kannst solche Bauchmuskeln haben! Solche Oberarme! Ich hätte gewiss nichts dagegen gehabt, da mal hinzufassen.

Ich war von der Show so gebannt, dass ich gar nicht bemerkte, dass die anderen die Plattform verließen, als die Band sich verbeugte. Eine der Frauen kam wieder die Treppe herauf, als ich gerade überlegte, was ich jetzt machen sollte.

»Komm schon«, sagte sie. »Wenn du einen abkriegen willst, dann ist nach der Zugabe genau die richtige Zeit.«

Einen abkriegen? Ich war mir nicht sicher, was sie meinte, aber ich hatte so meine Vorstellungen. Ich folgte ihr nach unten zum grünen Raum. Wir kamen an mehreren Türen vorbei, an denen Zettel klebten:

Einsingen, Garderobe, Nur Bandmitglieder. Sie führte mich in ein Zimmer ohne Beschriftung an der Tür.

In dem Raum befanden sich ein Dutzend Frauen, manche tranken aus Wasserflaschen von einem Tablett auf einem Tisch, manche zogen ihren Lippenstift nach, manche plauderten. Einige saßen auf Klappstühlen, aber die meisten standen. Ich holte meinen eigenen Lippenstift aus der Tasche, um etwas Zeit zu gewinnen und mir über alles hier klar zu werden.

»Ich hatte schon mal was mit Samson«, sagte gerade eine Frau mit schwarz geschminkten Katzenaugen, ähnlich wie meinen, zu einer anderen. »Aber er hat heute Morgen getwittert, dass er erkältet ist, deshalb weiß ich nicht, ob er heute Abend mitfeiert.«

»Am letzten Abend der Tour? Da kannst du davon ausgehen, dass sie alle feiern«, sagte die Frau, die zurückgekommen war, um mich zu holen. Sie hatte rote Haare und einen breiten Nietengürtel, den sie doppelt um ihre Hüften geschlungen hatte. »Stört mich nicht, wenn er erkältet ist. Ich hätte nichts dagegen, das Brot von einem Samson-Sandwich zu sein.« Sie und die andere Frau klatschten sich ab.

Okay, es schien also, als hieße ›einen abkriegen‹ tatsächlich das, was ich vermutet hatte – zum Sex ausgesucht zu werden.

»Wie war noch mal deine E-Mail-Adresse?«, fragte das Katzenauge. »Ich hätte gern ein paar von den Fotos, die du heute Abend gemacht hast.«

»Na klar. Ich poste sie auch noch auf meiner Website.« Die Rothaarige wühlte in ihrer Handtasche und holte einen Stapel Visitenkarten mit einem Foto der Band auf der einen und ihren Kontaktdaten auf der anderen Seite heraus. »Hier.« Sie verteilte sie. Ich nahm eine, um nicht die Einzige zu sein, die sie ablehnte.

Ich sollte zu der Party gehen, sagte ich mir. Eigentlich gehörte ich nicht hierher. Aber ich war neugierig, wie lange ich es durchhalten könnte. Wann würde es jemandem auffallen, dass ich nicht dazugehörte?

Eine dritte Frau gesellte sich zu uns, die gerade eine Flasche Wasser leerte. Sie sah aus, als habe sie getanzt, an einigen Stellen klebte ihr das dünne T-Shirt auf der Haut. »Stimmt es, dass Mal richtig grob ist?«

»Ich hatte noch nie was mit Mal«, sagte das Katzenauge achselzuckend. »Bei all dem Bondagekram und so Zeugs in ihren Videos sollte man denken, dass mindestens einer von denen schwer kinky ist. Mal sieht ganz danach aus.«

Die Frau, die mich hergebracht hatte, zuckte die Achseln. »Ich hab sie mal zusammen mit ’ner Freundin in Indianapolis gesehen. Sie hat gemeint, er sei riesig.«

»Fotos her, oder ich glaub dir nicht«, warf ich ein, und mehrere Frauen lachten laut los.

»Tja, Bilder hatte sie keine, aber am nächsten Tag konnte sie kaum gehen«, sagte sie, was noch mehr Gelächter hervorrief.

Dann kam der Roadie herein, der mir vorhin geholfen hatte, und alle wurden sofort still. Er hatte eine Taschenlampe in der Hand. »Okay, meine Süßen«, sagte er. »Mal ist so weit.«

Niemand regte sich.

»Wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass keine von euch auf den Kinky-Scheiß steht?«

»Ich steh drauf«, sagte ich und wollte schon die Hand heben wie in der Grundschule. Dann dachte ich mir, dass ein Wild Child das nicht tun würde, und ließ es in einem Fingerschnipsen enden.

»Na toll. Komm mit.«

Ich folgte ihm nach draußen auf den Korridor und wunderte mich, als er nur ein paar Schritte vor der Tür stehenblieb und sich zu mir umdrehte. »Nur um sicherzugehen – du stehst doch auf den Kink-Scheiß, oder? Mal ist keine gewöhnliche Nummer.«

»Das bin ich auch nicht«, sagte ich mit der frechsten Stimme, die ich hinkriegte.

»Wenn’s dir zu viel wird, geh einfach, okay?«

Genau das hatte ich auch vorgehabt, bevor die Dinge zu weit gingen, aber das konnte ich keinesfalls zugeben. Wenn überhaupt hatte mich unsere kleine Plauderei nur noch neugieriger gemacht, auf welchen »Kink-Scheiß« Mal wohl stand. Peitschen? Rohrstöcke? Bondage? Nichts davon würde mich aus der Fassung bringen.

Schon der Gedanke daran turnte mich ein bisschen an – und der an die Wahnsinns-Bauchmuskeln und die Brust, die er auf der Bühne präsentiert hatte. »Geht klar.«

»Na schön. Komm mit.« Er führte mich weiter den Korridor entlang, vorbei an mehreren Türen, bis wir an eine mit einem Zettel kamen, auf dem KENNEALLY, GITARRE stand. Der Roadie zog einen Edding aus der Tasche, schrieb unten die Worte NICHT STÖREN dazu und sagte dann: »Okay, Süße, geh rein. Und pass auf dich auf.«

Ich war mir nicht ganz sicher, was er damit meinte, doch ich öffnete die Tür, schlüpfte hinein und schloss sie hinter mir, ohne zu ahnen, was mich auf der anderen Seite erwarten würde.

Was ich im Dämmerlicht flackernder elektrischer Kerzen zu sehen bekam, war Mal Kenneally, der sich auf einer mit einem Batiktuch bedeckten Couch zurücklehnte. Der gesamte Raum war mit bedruckten Stoffen behängt, sodass es aussah wie am Waschtag in einem türkischen Harem, während von irgendwoher fette, exotisch anmutende Musik ertönte. Eine Frau fuhr ihm mit ihren langen Nägeln durch die Haare und breitete sie hinter ihm aus wie die glänzend schwarzen Schwingen irgendeines Raben aus dem Märchen. Lecker! Als er merkte, dass ich den Raum betreten hatte, schlug er die Augen auf und murmelte etwas zu der Frau, die ihm auf die Schulter klopfte und dann rasch verschwand. In der düsteren Beleuchtung konnte ich ihr Gesicht kaum erkennen, und ich bezweifelte, dass sie mich ihrerseits sehr gut sehen konnte.

Na wenn schon. Ich war nicht hier, um die sittsame, brave Gwen zu spielen. Ich marschierte zu dem Couchtisch, stemmte die Hände in die Hüften und verkündete: »Ich hab gehört, du spielst gern mit dem Feuer.« Zum Nachdruck ließ ich meine feuerroten Haare fliegen.

Er ließ seine Blicke langsam an mir auf- und abwandern, als wollte er sich alles genau einprägen, von meinen schwarzen Lammfellstiefeln, den Netzstrümpfen aufwärts bis zu den abgeschnittenen Jeansshorts, dem Unterhemd und den falschen Tattoos. (Okay, ein richtiges Tattoo hatte ich auch, aber das konnte er nicht sehen.)

Seine Stimme war tief. »Die Frage, meine Liebe, ist, ob du gern mit dem Feuer spielst.«

»Ich bin dabei«, sagte ich und reckte das Kinn in die Luft.

Sein Lächeln wurde langsam wärmer. »Ach ja? Gewöhnlichen Sex finde ich langweilig.«

»Ich bin auch kein gewöhnliches Groupie«, antwortete ich. Okay, das war irgendwie schon die Wahrheit – vielleicht kam es der Wahrheit vielleicht sogar zu nahe? Mein Herzschlag beschleunigte sich durch die Angst, er könnte meinen Schwindel durchschauen. Das wäre demütigend gewesen.

Wie weit willst du das eigentlich noch treiben?, fragte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf. Du kannst jederzeit abhauen, sagte ich mir. Ich beschloss zu gehen, sobald er zu grob wurde. Wenn er mich packte oder misshandelte, würde ich einfach sagen, das sei nicht mein Ding, und verschwinden. Das sei nicht meine Art kink, und das stimmte auch. Ansonsten, dachte ich mir, würde ich mitspielen und sehen, was passiert. Wild Child, dachte ich. Wild Child.

»Runter mit den Shorts«, sagte er.

Ich schluckte und bekam rote Wangen, als mir klar wurde, dass er gleich meine Unterwäsche zu sehen bekommen würde. Mein albernes, pfirsichfarbenes Baumwollhöschen, kein bisschen sexy, aber eigentlich hatte ich auch nicht vorgehabt, es irgendwem zu zeigen, als ich heute zum Vorsprechen gegangen war. Vielleicht sollte ich jetzt doch einfach abhauen …

Aber so weit war ich noch nicht. Ich wollte nicht. Ich verzog ein bisschen das Gesicht, knöpfte meine abgeschnittene Jeans auf und ließ sie fallen. Umständlich stieg ich heraus.

Sein Blick blieb an meinem Höschen hängen, er schien es aber weder komisch noch albern zu finden. »Komm näher«, sagte er.

Ich ging um den Couchtisch herum und dann noch näher, als er mir irgendwie mit den Augen zu verstehen gab, dass ich noch nicht nahe genug war. Ich blieb stehen, als ich ihm so nahe war, dass er die Hand ausstrecken und mich anfassen konnte.

Was er jedoch nicht tat. Er hatte sich noch nicht einmal aufgerichtet. »Dein Mittelfinger«, sagte er. »Steck ihn mir in den Mund.«

Ein bisschen war ich verdutzt, aber in der Rolle, die ich spielte, zeigte ich ihm zuerst frech den Stinkefinger, bevor ich ihm mit der Fingerspitze zärtlich auf die Zunge tippte.

Er erwiderte meinen Blick, während er seine Zunge um meinen Finger kreisen ließ. Er saugte ihn tiefer ein, und es fühlte sich an, als würden samtige Wellen um meine Haut spülen. Wenn sich das auch nur entfernt so anfühlte wie das, was ein Typ spürt, wenn er einen geblasen bekommt, dann ist es kein Wunder, dass die Kerle so darauf abfahren. Wie soll ich es erklären? Sein Mund war zärtlich und fest zugleich, seine Zunge sowohl weich als auch muskulös, und je länger es ging, desto mehr schienen mich seine Blicke zu durchbohren. Es war nur mein Finger, aber irgendwie fühlte es sich so an, als würden sich seine mündlichen Fertigkeiten auf noch andere empfindsame Teile meines Körpers auswirken.

Als er den Mund öffnete und mich losließ, glitzerten seine Lippen, und mein Finger war feucht von seinem Speichel.

»Und jetzt reib dir mit dem Finger über die Klit.« Er formulierte es wie einen Vorschlag, aber es kam an wie ein Befehl.

Ich hob den Bund des Höschens und der Netzstrumpfhose und tat wie geheißen. Ich schnappte kurz nach Luft, als mein feuchter Finger leicht über meine geschwollene Klit strich. Sie war viel stärker geschwollen, als ich bei dem, was bisher passiert war, gedacht hätte.

»Böses Mädchen«, zischte er. »Unartiges Mädchen. Sich so anzufassen.«

»Ja«, hauchte ich durch zusammengebissene Zähne. Genauso war es. Ich war die wilde Göre, die es sich besorgte, anstatt ihre Hausaufgaben zu machen oder Geige zu üben.

»Zeig sie mir«, sagte er als Nächstes.

»Was zeigen?«

»Deine nasse, geschwollene Klit.« Seine Zungenspitze zuckte heraus und leckte über seine Lippen. »Es sei denn, du tust nur so.«

Mein Herz pochte, als ich mich wieder fragte, ob er sich dachte, dass ich alles nur spielte – warum sonst hätte er das sagen sollen? Doch meine Erregung war echt. Ich schätze, er meinte es als eine Art Herausforderung. Ich legte einen Stiefel auf die Armlehne der Couch und zerrte mein Höschen zur Seite. Eine Masche der Netzstrumpfhose spannte sich dabei über meine Klit, und ich musste nach Luft schnappen, aber zwischen den einzelnen Maschen war so viel Platz, dass er mein erregtes Fleisch sehen konnte.

Seine Zunge schnellte erneut heraus, fuhr diesmal aber langsam und sinnlich über seine Unterlippe.

Er krümmte einen Finger, um mir zu sagen, ›Komm näher ran‹.

Ich zog ein wenig fester an meinem Höschen, um sicherzugehen, dass meine Klit völlig entblößt war, und beugte das Knie, als ich mich ihm entgegenlehnte.

Endlich hob er den Kopf von der Couch, um meine pochende Möse mit dem Mund zu berühren und seine Zunge genau dorthin zu stecken, wo ich es mir vorgestellt hatte. Mein Gott, war der gut. Jede Berührung seiner Zunge fühlte sich gut an, jede Bewegung ihres samtigen Fleischs, jedes Zucken ihrer frechen Spitze. Nach wenigen Minuten hatte ich Mühe, aufrecht stehenzubleiben, sodass er mich mit einer Hand unter dem Körper stützte. Bald rann ihm eine Mischung aus Spucke und meinen Säften an seinem Handgelenk herunter.

Meine Erregung steigerte sich immer weiter, und ich vergaß, wo ich war, vergaß, wer ich zu sein vorgab. Das Einzige, was in meinem Universum noch zählte, war, wie nahe ich dem Orgasmus war. Sehr nahe, aber noch nicht ganz dort. Verdammt. Ich brauchte etwas, was mich über die Schwelle trug. Das war sogar so, wenn ich zu Hause meinen Vibrator benutzte. Oft musste man mich zwicken oder so, um mich über die Kante zu stoßen. Ich hatte schon gedacht, es könne daran liegen, dass der Vibrator mich unempfindlich gemacht hatte und ein Schmerz nötig war, um zu den Nerven durchzudringen, aber das hier? Hier standen sämtliche Nervenenden in Flammen, waren elektrisiert, voll unter Strom.

Ich wollte, dass er mir in die Klit biss, sie zwischen seinen Zähnen gefangen hielt, während er mich erbarmungslos mit der Zungenspitze folterte, oder mir seine gesamten Finger reinrammte, aber nichts davon tat er, er fuhr einfach fort, mir Lust zu bereiten, was eine ganz andere Art der Folter war.

Ich brachte nur noch ein Wimmern zustande. »Steck mir deine Finger rein. Bitte, mein Gott, ich brauch da was.«

»Wenn du was in dir haben willst, darfst du zwischen zwei Sachen wählen«, sagte er, wobei er sich beim Reden meine Säfte aus dem Gesicht leckte. »Den Hals von ’ner eiskalten Bierflasche oder meinen Schwanz.«

»O fuck!«

»Also meinen Schwanz? Du drückst dich nicht ganz klar aus.«

O fuck, aber wirklich. Ich war nicht bereit, so weit zu gehen, mental meine ich. Ich war nicht bereit, mit diesem Sexgott von Rockstar bis zum Ende zu gehen. Und der Gedanke an kaltes Glas an meinem superheißen Fleisch hörte sich geradezu lachhaft gut an. Kann jemand so kurz vor dem Orgasmus wirklich noch klar denken? Ich jedenfalls nicht in diesem Moment. Grunzend warf ich den Kopf zurück. »Wo ist diese Bierflasche. Das hört sich mal nach ’ner Herausforderung an.«

In seinem Lachen schwang ein Hauch Begeisterung mit. »Herausforderung, und ob.« Er stellte mich auf die Füße, stand auf, um eine Flasche Bier aus dem Kühler zu holen, und öffnete sie. Dann trank er einen Schluck aus der Flasche und stellte sie auf den Couchtisch.

»Vielleicht willst du dich ja untenrum freimachen«, schlug er vor. »So sehr ich auch auf die Netzstrümpfe stehe.«

Ich schälte mich aus meinen Lammlederstiefeln und zog mir die Netzstrümpfe und das Höschen über die Beine. Dann zog ich die Stiefel wieder an, nicht weil ich sexy wirken wollte, sondern weil ich dachte, ich hätte einen besseren Stand darin.

Er fand es allerdings sexy. Ich hob den Kopf und sah, dass er wieder auf der Couch lag. Er hatte sich selbst die Hose runtergezogen, während ich noch mit meiner kämpfte, und fuhr mit einem Finger an seiner steifen Wahnsinnslatte auf und ab. So ganz nackt wirkte er irgendwie weniger lächerlich als manch andere Männer. Seine Beine waren recht muskulös, seine Brust knackig, sein Hals kräftig und elegant und sein Schwanz noch mehr. Ich fing an, meine Wahl bezüglich der Bierflasche zu bereuen.

Aber Herausforderung ist nun mal Herausforderung. Ich drehte mich um, von ihm weg, und stellte je einen Fuß neben den Couchtisch.

Ich hielt die Flasche in einer Hand und senkte mich nach und nach darauf ab, bis ich spürte, dass der gläserne Rand mich berührte. Das Glas war kalt und beschlagen.

Ich ging noch tiefer, bis die feuchte Härte mühelos in mich eindrang. Ich stieß einen überraschten Laut aus. Es fühlte sich gut an. Ich ging nach oben und stieß dann wieder abwärts. Sehr gut.

»Ungezogenes Mädchen«, keuchte er mit vor Lust rauer Stimme. »Böses Mädchen.«

»Und wie«, flüsterte ich. »O Scheiße, tut das gut.«

»Mach weiter, bis ganz tief runter, fick dich damit.«

Ich hatte keinen anderen Gedanken im Kopf, als zu tun, was er verlangte, während die Flasche mich dehnte und Wogen der Lust bis in mein Innerstes schickte.

»Jetzt geh hoch«, sagte er, »ganz rauf, ganz rauf.«

Ich wimmerte, so leer fühlte ich mich, und schaute mich über die Schulter nach ihm um.

Er nahm die Bierflasche, leckte den gläsernen Rand ab und dann legte er sich auf die Couch und trank in großen Schlucken. »Hier, jetzt ist sie wieder kalt.«

Diesmal hielt er die Flasche auf seinem Bauch fest, nur Zentimeter von seinem Schwanz entfernt, und forderte mich wieder heraus.

Ich stieg auf die Flasche, diesmal ihm zugewandt, und stützte mich mit den Händen zu beiden Seiten seines Kopfes ab. Die Flasche gab nicht nach, und ich musste mich selbst langsam auf- und abbewegen. Er brachte seinen Daumen so in Stellung, dass ich beim Auf- und Abgehen meine Klit auch an seinem Finger rieb. Das spornte mich an, noch schneller zu werden, aber es ging nicht – jedes Mal, wenn ich zu schnell wurde, erinnerte das harte Glas mich, langsamer zu machen. Ich wimmerte und stöhnte. Ich glaube nicht, dass ich mich je mehr danach gesehnt hatte zu kommen als in diesem Moment.

»Darf ich …«, hörte ich mich keuchen. »Darf ich noch mal wählen?«

»Bekommen ungezogene Mädchen eine zweite Chance?«

Mein Verstand schaltete in den höchsten Gang. Wir hatten einen Punkt erreicht, an dem sich nicht mal mehr die Frage stellte, ob ich den ganzen Weg mit ihm gehen könnte. Es war eine moralische Notwendigkeit geworden. »Sie bekommen eine, wenn … ihr Meister mit ihnen zufrieden ist.«

»Ah, ich verstehe. Na ja, dieser Meister hier ist soweit sehr zufrieden mit der Vorstellung seines Mädchens. Was würde sich sein Mädchen denn als Belohnung wünschen?«

»Seinen Schwanz. Darf das Mädchen ihn haben? Bitte? Oh, Scheiße, bitte …«

»Wenn sie ihm ein Kondom überzieht, vielleicht. Sie sind in der Kiste hinter meinem Kopf. Auf.«

Ich kletterte von ihm herunter, um die schwarze Kiste zu öffnen, eine Mischung aus Werkzeugkiste, Erste-Hilfe-Kasten und Nähkorb. Zwischen dem Verbandszeug und den Schraubenziehern lag ein halbes Dutzend eingeschweißter Kondome. Ich holte eines heraus und riss die Verpackung auf.

Er setzte sich auf. »Zieh’s mir mit dem Mund über.«

Ich warf ihm einen anzüglichen Blick zu. Woher sollte er wissen, dass Madison mir diesen Trick erst kürzlich beigebracht hatte? Wir hatten an Bananen geübt.

Jetzt hatte ich allerdings keine Banane vor mir. Welches Wort man auch dafür benutzte – Schwanz, Latte, Riemen, Specht, Penis – es war ein herrlich angeschwollenes Organ. Das Kondom war nicht befeuchtet. Wie Maddie es mir beigebracht hatte, speichelte ich die konvexe Seite gut ein, bevor ich die Spitze in den Mund saugte und sie dann über der Eichel ansetzte.

Mit der Kraft meiner Lippen rollte ich das Ding über den Schwellkörper. In seiner Brust grollte es leise. Ich arbeitete mich drei bis fünf Zentimeter nach unten vor, ehe ich aufgab und Luft holte. Noch dazu war sein Schwanz länger als die Banane, an der ich geübt hatte, und Deep-throat-Praktiken waren nicht meine Stärke. Ich knabberte mich also an der Seite des Schafts abwärts und benutzte Lippen und Kinn, um es ein Stück weiter abzurollen.

Dann übernahm er und sorgte unter Zuhilfenahme seiner Finger dafür, dass er ganz bis zur Schwanzwurzel eingepackt war.

»Komm und hol ihn dir, Mädchen.«

Ich setzte mich über seine Beine und rieb meine feuchte Möse an seinem Schaft, um das Kondom richtig einzuglitschen.

»Setz dich auf. Zeig sie mir«, sagte er. »Zeig sie mir.«

Ich stieß die Hüften nach vorn und gewährte ihm einen ausgiebigen Blick auf die glänzende Öffnung. Mit den Daumen strich er bewundernd über die Ränder meiner Schamlippen.

Dann sah er meine echten Tattoos: schwarze Buchstaben, wo meine Oberschenkel und meine Schamlippen sich trafen. Auf der einen Seite waren die Worte LIEBE SCHMERZ zu lesen, auf der anderen EXCRUCIA – der Name der Heldin einer Fantasy-Buchserie, die ich liebte, Schwert der Schmerzen, über eine Konkubine, die Kaiserin wurde. Ich fragte mich, ob er sie gut genug sah, um sie lesen zu können. Er ließ den Daumen fast beiläufig über meine Klit wandern. Seine Stimme klang vorsichtig neutral. »Das war der Name von meiner ersten Band.« Offensichtlich konnte er sie lesen.

O nein. Jetzt hält er mich für eine Stalkerin. »Das ist aus einem Buch«, platzte ich heraus.

»Ja, ich weiß. Über eine Schmerzschlampe.« Er fuhr mit dem Finger in mich hinein und ich japste, als er damit wackelte. »Eine Frau, die darauf abfuhr.«

»Eine Frau, die bei Herausforderungen aufblühte«, sagte ich. Das Wort Schmerzschlampe hatte ich noch nie gehört, doch als ich wahrnahm, wie er es sagte, zog sich in mir alles vor Begierde zusammen.

»Hmm-mmh. Fordere dich doch mal selbst heraus und bring mich mit deinem gierigen Schwanzloch zum Kommen«, brummte er.

Je versauter er redete, desto geiler wurde ich. »Herausforderung angenommen.« Ich streckte die Beine, um mich aufzurichten, und nahm ihn dann in mich auf, indem ich mich ein paar Zentimeter absenkte und ihn den Anblick genießen ließ. Er fühlte sich unglaublich an, viel besser als die Bierflasche.

Er wackelte mit dem Daumen an meiner Klit, sodass meine Beine nachgaben, und mit einem Stöhnen sank ich wieder nach unten.

»Heilige Scheiße, bist du eng«, sagte er. Seine Hände packten mich an den Hüften, und er stieß in mich hinein. Er hielt mich fest, während er mit den Hüften kreiste.

Von innen her erfüllte er mich bis ins Mark mit einer so intensiven Lust, dass es an Schmerz grenzte. Ich hatte nicht vor zu erklären, dass der Dildo, der mein übliches Spielzeug ›für innen‹ war, kleiner war als er. Stattdessen sagte ich einfach zustimmend: »Oh, Scheiße.«

Er ließ mir mein eigenes Tempo und schob die Hände unter mein Hemd zu meinen Brüsten. Ich merkte es kaum, als er mir das Hemd über den Kopf zog und mit Daumen und Fingern mit meinen Brustwarzen spielte.

Anerkennend brummend entdeckte er, dass sich in meiner Möse wellenartig die Muskeln verkrampften, wenn er mir in die Brustwarzen zwickte. »Das ist mein Mädchen«, sagte er. »Melk meinen Schwanz mit deinem Körper. Gleich saugst du das Sperma aus mir raus.«

Apropos kommen. Das wollte ich ja. Und wie ich es wollte. Aber ich hatte eine Ebene erreicht, auf der sich alles fantastisch anfühlte, aber nichts mich der Entspannung näherbrachte, die außer Reichweite blieb. Meine Bewegungen wurden heftiger und ebenso die kleinen Schreie aus meiner Kehle. Er schob eine meiner Hände zwischen meine Beine, um mich zu ermutigen, es mir selbst zu besorgen, aber selbst das reichte nicht. Der Schweiß strömte mir über die Haut. Es dauerte zu lange, einfach zu lange; ich würde nie mehr dahin kommen …

»Was brauchst du noch, meine Süße?«, vernahm ich seine Stimme leise und eindringlich. »Sag’s mir.«

»Beiß mich«, sagte ich, und eine schreckerfüllte Sekunde lang dachte ich, er könnte am falschen Ende ansetzen, aber nein, er wusste, worum ich bat. Er hörte nicht auf, seinen Schwanz in mich hineinzupumpen, er hob und senkte mich mit seinen Händen und ich hörte nicht auf, mich verzweifelt zu befingern. Mit einer Hand hinter dem Rücken und einer in meinen Arsch gekrallt, stülpte er den Mund über meine Brustwarze und biss zu.

Ich schrie. Ich schrie und kam unter so heftigen Krämpfen, dass mir die Zähne klapperten.

Er warf mich auf die Couch auf den Rücken und rammte zwei Finger in mich hinein, während seine Zunge wieder mit ihren sinnlichen Attacken über meine Klit herfiel. Ein weiterer Orgasmus folgte dem ersten, oder vielleicht endete der auch gar nicht richtig, sondern ging einem Donnergrollen gleich direkt in einen noch gewaltigeren über.

Und dann blinzelte ich, schwer atmend und unter den Nachbeben erschauernd, aber ganz eindeutig auf der absteigenden Seite des Gipfels, hoch zur Decke. Wow.

Ich hob den Kopf. Er war auf die Knie zurückgesunken. Seine Haare waren eine verschwitzte Mähne, die ihm an Stirn und Schultern klebte. Seine Hände lagen auf seinen Oberschenkeln, und er schnappte nach Luft. Sein Schwanz war immer noch halb steif, das jetzt volle Kondom hing noch daran. Offenbar war er irgendwann währenddessen gekommen. Ich hatte leichte Schuldgefühle, weil ich von meinem eigenen Höhepunkt so überwältigt wurde, dass ich seinen irgendwie verpasst hatte.

Er fing meinen Blick auf. »Ein braves Mädchen würde seinem Meister damit helfen.«

Ich bleckte die Zähne. »Ich bin zwar kein braves Mädchen, aber für dich werd ich brav sein.« Ich setzte mich auf und schloss zärtlich meine Hand um seine Eier, während ich das Kondom ergriff. Er stöhnte und erschauerte und pumpte noch einen Schwall Samen in meine Hand, als ich den Gummi herunterzog.

Er nickte in Richtung Eingang. »Dort ist das Bad.«

Ich ging, entsorgte das Kondom, benutzte die Toilette und wusch mich ein bisschen.

Wow. Meine empfindlichen Körperteile fühlten sich extraempfindlich an. Dann wusch ich mir die Hände, faltete ein paar Handtücher zusammen und feuchtete sie mit warmem Wasser an.

Ich verließ das Bad und wischte ihn ab, die Eier und die Schamhaare, und dann wusch ich liebevoll seinen inzwischen eingeschrumpelten Schwanz. Er lag still da und beobachtete mich.

Wir waren eindeutig fertig, und er war das Ebenbild von ›verausgabt‹. Ich zog die Shorts wieder an, die Netzstrümpfe waren nicht mehr zu retten. Mein Shirt fand ich hinter dem Erste-Hilfe-Kasten. Ich zog meine Stiefel an.

»Wie ist noch mal dein Name?«, fragte er, als ich nach meiner Tasche griff.

»Ich hab ihn nicht gesagt«, sagte ich, hauchte ihm einen Kuss zu und ging dann schnell durch die Tür.

Vignette

MAL

»Gute Party, hm?«, sagte Axel, als er im Flur in Richtung Cateringbereich an mir vorbeistürmte, ohne auf eine Antwort zu warten. Axel ist ein tanzender Derwisch, ein Aufziehhäschen mit Charisma und Charme. Manche Künstler werden es irgendwann müde, immer ›an‹ zu sein. Was Axel betrifft, der hat überhaupt keinen Aus-Knopf.

Er machte noch mal kurz kehrt. »Und ’ne gute Show heute Abend«, fügte er hinzu. »Toller Tourabschluss, meinst du nicht?«

Ich streckte mich; zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich vollständig. Wirklich toller Sex hat immer eine gute Wirkung auf mich, aber das war sogar noch darüber hinausgegangen. »Ja. Und ob.«

Er schaute mich von oben bis unten an. Axel ist mein ältester und bester Freund, und er kennt mich gut.

»Du hast schon eine abgekriegt, stimmt’s?«

Ich nickte nur. Ich hatte geduscht und meine Haare zu einem langen, feuchten Pferdeschwanz zurückgebunden, und als ich kein sauberes Hemd finden konnte, hatte ich mir einfach die Lederjacke übergezogen. »Sieht man’s mir an?«

»So entspannt hab ich dich seit Monaten nicht gesehen«, sagte er. »Gut. Dann reißt du vielleicht auch auf der Party keinem den Kopf ab.« Da es der letzte Abend unserer Tournee war, verwöhnte uns unsere Plattenfirma mit einer gigantischen Abschlussparty.

»Ich werd versuchen, mich von meiner besten Seite zu zeigen«, versicherte ich ihm. Ich bin kein Fan von Small Talk, aber mir ist klar, dass der Job es verlangt. Zweifellos würde Marcus von unserer Plattenfirma da sein, genau wie einige andere Manager von Basic Records, und es wurde von mir erwartet, einen guten Eindruck auf sie zu machen. Einige von denen hielten mich zweifellos für schwierig, besonders nach dem, was während der letzten Aufnahmesession passiert war.

Vielleicht hielten sie ja jeden für schwierig, dem das Künstlerische wichtiger war als das Finanzielle. Ich fragte mich, ob Larkin, der Produzent, den ich aus dem Aufnahmestudio geworfen hatte, es wagen würde, heute Abend auf der Party aufzukreuzen.

Ich folgte Axel in Richtung des Partylärms, als mein Handy in meiner Jackentasche summte. Ich ließ ihn vorgehen, während ich stehenblieb, um nachzusehen. Ich hatte eine SMS bekommen.

Mal, hier ist Layla, lange nicht gesehen! Tut mir leid, dich zu belästigen, aber ich brauche deine Hilfe.

Ich starrte auf die Worte. Mehr hatte sie nicht geschrieben. Zweifellos erwartete sie eine Antwort. Tut mir leid, dich zu belästigen. Ich stieß ein bitteres Lachen aus. Tut mir leid, dass ich deine private Handynummer ausspionieren musste, um dir diese passiv-aggressive Nachricht zu schicken, sollte das heißen. Ich hatte sie seit Jahren nicht gesehen, und sie war angewiesen worden, keinen Kontakt mehr zu mir aufzunehmen. Glaubte sie etwa, es hätte sich irgendwas geändert? Ich fragte mich, wie sie an meine Nummer gekommen war und ob ich sie erneut würde ändern müssen.

Layla war früher mal ein Fan gewesen, ein Groupie, und dann hatte ich versucht, mehr daraus zu machen – was sich als Fehler herausstellte. Die Trennung war hässlich und verletzend für uns beide gewesen, aber das war Jahre her. Einen Moment lang erwog ich, ihr um der alten Zeiten willen zu antworten. Aber nein, was hatte sie wohl angestellt, um an diese Nummer zu kommen? Ich fügte ihre Nummer meiner Adressliste zu, damit ich ihren Namen sah, wenn sie anrief, und wusste, dass es besser war, nicht zu antworten. Mehr konnte ich im Augenblick nicht tun.

Ich fing unseren Sicherheitschef im Flur ab, der auf dem Weg zum Cateringbereich war.

»Was ist?«, fragte er, kaum dass er mich auf ihn zukommen sah.

»Nick. Ich habe gerade eine Nachricht von Layla bekommen. Sie dürfte diese Nummer gar nicht haben.«

Er strich sich mit der Hand durch die kurzgeschorenen schwarzen Haare. »Hast du Angst, da könnte wieder ’ne Stalkingnummer draus werden?«

»Hoffentlich nicht. Ich hab nicht geantwortet. Ich weiß nicht mal, wo sie derzeit ist, aber ich dachte, ich geb dir Bescheid.«

»Das war die Blondine, richtig?« Nick arbeitete seit ein paar Jahren für uns und hatte ein sehr gutes Gedächtnis.

»Ja.«

»Ich werde ein Auge drauf haben. Heute Abend waren ’ne Menge Leute hier.« Er warf einen Blick in Richtung Cateringbereich.

»’n Haufen Leute vom Fanclub, die Leute von Basic, VIPs, alle und jeder, wie es scheint. Apropos Fans, ich hoffe, alles ist glatt gelaufen?«

Nick war der Mann, den wir für die Überprüfung der Groupies abgestellt hatten, die sich ein näheres und persönlicheres Erlebnis wünschten als nur ein Selfie und ein Autogramm. »Perfekt«, sagte ich. So perfekt, dass ich daran dachte, ihn zu bitten, mir Bescheid zu sagen, wenn er diese Frau noch einmal sah. Aber nein. Es war besser, die Sache nicht zu verkomplizieren, und wenn überhaupt, dann hätte ich die SMS von Layla als Zeichen nehmen sollen, mich auf nichts einzulassen. »Vielen Dank.«

»Keine Ursache«, sagte er mit einem flüchtigen Gruß und machte sich auf zu seiner nächsten Mission.

Ich ging weiter zum Cateringbereich, der in einem der großen Umkleideräume für Sportmannschaften aufgebaut worden war. Ich watete durch die wuselnde Menge und schüttelte ein paar Leuten die Hände. Dankte den Mitgliedern von Breakwater für ihren guten Job als Vorgruppe. Posierte für ein, zwei Selfies mit einigen unserer größten Fans. Erlaubte einem Mitarbeiter unseres Veranstalters, mich eine Weile mit irgendwas vollzuquatschen – ich bin mir nicht sicher, womit, da ich ausblendete, war er sagte. Ich ließ die Augen durch den Raum schweifen und suchte verzweifelt nach jemandem, mit dem ich mich anständig unterhalten konnte. Nach sechs Wochen unterwegs hatte ich keinem in der Band oder aus dem Team noch etwas zu sagen. Axel war in Begleitung seiner Freundin, der Erbin Ricki Hamilton. Sie klebten mehr oder weniger aneinander und wichen einander nicht von der Seite, da sie sich nicht mehr gesehen hatten, seit wir losgefahren waren. Ford, unser Bassist, stellte gerade Killian, der Leadsängerin von Breakwater, seinen Vater vor. Ich hätte mich gerne mit Mr Cutler über seine Gitarrensammlung unterhalten, hatte jedoch nicht vor, mich quer durch den Raum zu drängen und sie zu stören.

Manchmal fühlt man sich unter Leuten am einsamsten.

Christina, unsere Managerin und selbst voller Energie wie ein tanzender Derwisch, fing mich ab, als sie sah, dass ich nichts mit mir anzufangen wusste. »Mal, ich muss mal was Ernstes mit dir besprechen.«

Ich machte mich auf ein Gespräch darüber gefasst, dass ich darauf bestand, einen neuen Produzenten zu engagieren, wenn wir das nächste Mal ins Studio gehen würden. Keiner, ich eingeschlossen, wünschte sich, dass noch einmal so etwas passierte wie letztes Mal. »Ja, natürlich.«

Sie überraschte mich jedoch. Das nächste Album war nicht das, woran sie dachte: »Jetzt, wo die Tournee zu Ende ist, müssen wir eine Strategie entwickeln, wie die Band in den Medien im Gespräch bleibt.«

»Ich dachte, Capitol/Basic wollte noch eine Single aus dem Album auskoppeln, und wir sollen ein Video dafür drehen.«

»Darüber hinaus, meine ich. Du wirst doch noch ’ne Weile in L. A. bleiben, stimmt’s?«

»Ja, Christina.« Ich freute mich sogar schon auf eine kleine Auszeit in meiner Eigentumswohnung in Santa Monica.

»Gut. Ich möchte, dass du ernsthaft über Armschmuck nachdenkst.«

»Wie bitte?« Christina ist auf den Philippinen aufgewachsen, ich in England, aber obwohl wir beide Englisch sprachen, war ich mir manchmal total unsicher, ob ich sie richtig verstanden hatte. »Hast du gerade ›Armschmuck‹ gesagt? Oh.« Mir dämmerte, was sie damit meinte.

»Ja. Ernsthaft. Wir brauchen eine Frau, mit der du auf Veranstaltungen fotografiert werden kannst. Schau dir das mal an.«

Bei allen Sündern und Heiligen, die Frau führte Listen auf dem Handy, wie oft welche Fotos in welchen Zeitschriften und Medien erschienen.

Listen. Sie hatte sie daraufhin analysiert, ob der entsprechende Musiker in die Top 40 gekommen war, welche Art von Musik er spielte und welche Haarfarbe die Frau hatte, mit der zusammen er fotografiert worden war. Ohne Scheiß.

»Um die maximale Publicity-Wirkung zu erreichen, sollten wir eine Blondine für dich suchen.«

»Christina«, sagte ich entschieden, »Daten sind ja schön und gut, aber du weißt, dass ich mich nicht verabrede – und schon gar nicht mit Blondinen.«

»Ich weiß, ich weiß. Du bist allergisch gegen Beziehungen. Deshalb ist der Plan ja auch perfekt.«

»Moment mal. Was?«

»Es geht nicht um eine echte Beziehung. Es ist nur Show.«

»Das macht es nicht besser.« Ich drückte den Handrücken an die Stirn, als könnte das den Kopfschmerzen vorbeugen. »Ich habe Prinzipien. Ich habe Regeln.«

Axel schlich sich hinter mir an. »Natürlich hast du die, Mal. Was ist es denn diesmal?«

»Erklär mal Christina, wieso dieser Plan, mich mit ’nem blonden Armschmuck zu verkuppeln, nicht funktionieren wird.«

Axel zuckte die Achseln. »Ich hab dir gleich gesagt, dass es ihm nicht gefallen wird. Und sei es nur wegen seiner Ex-Blondinen.«

»Mal?« Unsere Managerin warf mir ihren schönsten fragenden Blick zu.

Ich versuchte, es zu erklären: »In meiner Jugend versuchten meine Eltern ständig, mich mit den, wie sie es nannten, richtigen Mädchen aus den richtigen Familien zusammenzubringen.« Mit anderen Worten Mädchen, die stinkreich waren wie wir und ganz oft überaus blond, da mein Vater versuchte, das halb spanische Blut meiner Mutter ›auszuradieren‹, in der Hoffnung auf Enkelkinder ohne das pechschwarze Haar und die braune Haut, wie ich sie geerbt habe.

Offenbar ist es mir gelungen, England und der vorsintflutlichen Einstellung meines Vaters zu entkommen, aber nicht dem allgegenwärtigen Bedürfnis, das Gesicht zu wahren.

Christina blieb hartnäckig. »Jetzt beiß dich nicht zu sehr an der Blondinensache fest, okay? Du weißt schon, dass es nicht um ein richtiges Date-Date geht, oder? Wir sagen ja nicht, du sollst eine echte Beziehung eingehen. Das ist alles nur fürs Image.«

Bevor ich einwerfen konnte, dass dieses ›nur fürs Image‹ der eigentliche Grund für meine Einwände war, mehr noch als die ›Blondinensache‹, platzte Axel altklug heraus: »Ich wüsste genau die Richtige.«

Grrrr, knurrte ich ablehnend. »Hört auf, mich verkuppeln zu wollen.«

Axel ignorierte meine Bemerkung. »Weißt du, wer perfekt wäre? Gwen Hamilton. Wir könnten zu viert auftreten.«

»Die Schwester deiner Freundin? Wäre das nicht fast schon inzestuös?«, fragte ich.

Er boxte mir gegen den Arm. »Ich liebe dich wie einen Bruder, Mal, aber so sehr nun auch wieder nicht.«

Ich verdrehte die Augen. Tatsächlich mochte ich Gwen Hamilton durchaus, aber bei ihr klingelten meine sämtlichen Alarmglocken. Sie gehörte zum alten Hollywoodadel und war zufällig blond, und wie ätzend wäre es erst, mit ihr zusammen zu sein, wenn Axel und Ricki sich dann trennen würden. Ich würde nie zwischen einer Freundin und Axel oder der Band wählen wollen. Das war der Garant für eine Katastrophe. Außerdem war Gwen Hamilton unzweifelhaft ein viel zu nettes Mädchen, um meine dunklen Bedürfnisse befriedigen zu können.

Ich versuchte, all diese Gedanken in einen stechenden Blick zu legen.

»Er will nicht mitspielen«, sagte Axel zu Christina.

»Nein, will er nicht«, stimmte Christina zu. »Willst du nicht noch mal drüber nachdenken, Mal?«

»Über was nachdenken, darüber, der Öffentlichkeit das Theater einer falschen romantischen Hypersexualität vorzuspielen, um die Albumverkäufe anzukurbeln?«

»Mal, jetzt sei nicht so«, bedrängte Axel mich. »Das wird ein Spaß. Wir werden zu Filmpremieren und Preisverleihungen und wer weiß was gehen müssen. Es würde komisch aussehen, wenn ich in Begleitung komme und du nicht.«

»Es muss ja nicht Gwen sein«, sagte Christina. »Wir können genauso gut ein Model anheuern. Wäre das besser? Einfach jemanden bezahlen. Das wäre nicht so gut wie eine, deren Namen man kennt, aber …«

»Ich denk drüber nach«, schnitt ich ihr das Wort ab und versuchte, das unerfreuliche Thema so schnell wie möglich zu beenden. »Okay, Christina? Ich denk drüber nach.«

»Hervorragend! Gwen ist doch angeblich heute Abend hier, oder, Axel?«

»Ich habe nicht gemeint …«

»Ricki meinte, ja. Ich habe sie allerdings noch nicht gesehen …«

Ich schloss die Augen und presste die Hände gegen die Stirn. Engel und Teufel, dachte ich, lasst mich diese Nacht überstehen, ohne dass ich mich der Schmeicheleien eines dämlich grinsenden Ebenbilds weiblicher Tugend erwehren muss.

Als ich es für den Rest des Abends vermeiden konnte, noch einmal Gwen Hamilton vorgestellt zu werden, hielt ich es für einen Sieg. Vielleicht würden Christina und Axel es sich noch anders überlegen. Ich konnte es nur hoffen.

2

Silver Screen