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The Addams Family – Das Buch zum Film

Prolog

Vor dreizehn Jahren.

Auf einem schroffen Kliff, das steil über dem tosenden Meer aufragte, waren die Vorbereitungen für eine Hochzeit in vollem Gange.

Eine Addams-Hochzeit.

Es gab keine weißen Blumen. Es gab keine bauschigen Spitzenkleider. Die Kirche unten im Dorf war leer, und die Dorfbewohner schauderten, als sie die Braut die Straße zum Kliff entlangschreiten sahen. Entfernte Blitze flackerten am dunklen Himmel. In Begleitung ihrer schwarz gekleideten Brautjungfern und eines Schwarms Fledermäuse stieg die Braut den Weg zum Kliff empor.

»Die gehören nicht hierher!«, zischte eine Frau aus dem Dorf.

»Sie machen unseren Kindern Angst!«, bemerkte eine andere Frau.

»Was glauben die, wer sie sind?«, fauchte ein weiterer Dorfbewohner.

Die Braut und ihre Brautjungfern folgten dem verwilderten Pfad und verschwanden schließlich in der düsteren Nacht.

Die Dorfbewohner starrten ihnen ängstlich und hasserfüllt hinterher.

»Sie müssen verschwinden!«, sagte einer. Und die anderen nickten.

Morticia Frump erklomm den Hügel zum Kliff. Sie hatte das Zischen der Dorfbewohner gar nicht beachtet. Genauso wenig wie die Zeigefinger, die auf sie gerichtet waren. Ihr war gleichgültig, was die anderen sagten. Das waren langweilige, normale Leute. Kleingeister mit Vorurteilen.

Nein, heute gab es schönere Dinge, an die Morticia denken konnte. Ihre Hochzeit nämlich. Gleich würde sie nicht nur den Mann ihrer Träume heiraten. Ihre Hochzeit würde auch zwei großartige Familien vereinen. Die Familien Frump und Addams. Es waren die beiden verrücktesten Familien, die es auf der ganzen Welt gab, und sie hatten so viel gemeinsam.

Den ganzen Vormittag hatte Morticia mit Vorbereitungen verbracht. Ihre kniehohen Stiefel waren angeschraubt. Ihr Korsett war so eng geschnürt, dass sie fast keine Luft bekam. Ihre Fingernägel hatte sie in geschmolzenes Blei getaucht, damit sie diese schöne stumpf graue Farbe annahmen. Und ihr Kleid sah aus, als wäre es aus einem Grab gestohlen … was höchstwahrscheinlich der Fall war.

Morticia sah gruselig aus. Genau, wie sie es liebte.

Als sie oben auf dem Kliff angekommen war, blieb sie stehen. Zwischen ihr und dem bröckelnden Rand der Steilküste erstreckte sich eine schmale Ebene. Es waren etwa zehn Schritte, bis man einhundertfünfzig Meter tief in das stürmische Meer stürzen würde. Ziemlich unsicheres Gelände im Dunkel der Nacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Gäste aus Versehen das Kliff hinunterstürzte, war ziemlich hoch. Ein perfekter Ort für eine Hochzeit.

Morticia lächelte. Alle Frumps und Addams, die sich für die Hochzeitsfeier versammelt hatten, lächelten zurück. Die komplette Hochzeitsgesellschaft stand auf dem schmalen Streifen am Rand des Kliffs. Jeder Einzelne von ihnen war seltsam. Manche sahen unheimlich aus. Andere verrückt. Ein paar richtig eklig.

Aber alle waren begeistert, dabei zu sein.

Morticia wurde bereits von Gomez, ihrem Bräutigam, erwartet. Gomez war nervös und schwitzte in seinem tiefschwarzen Traueranzug. Die Band – eine bunt gemischte Truppe aus Leierkastenspielern und Posaunenbläsern – stimmte einen fürchterlichen Trauermarsch an. Gomez horchte auf.

Dann blickte er zu Morticia.

Gomez hatte Magenkrämpfe und sah alles verschwommen. Seine Knie zitterten, und seine Ohren dröhnten. So schrecklich ging es ihm noch nie. Er genoss das Gefühl und hoffte, es würde ewig anhalten.

Tätschel, tätschel. Gomez’ Hand durchsuchte nervös seine Taschen. Tätschel, tätschel.

Tätschel, tätschel.

Tätschel.

Tätscheltätscheltätscheltätscheltätschel. Wo war der Ring? Gomez schaute sich hektisch um. Hatte er ihn fallen gelassen? Blitzschnell huschte eine Hand heran. Eine körperlose Hand, die auf ihren Fingern trippelte wie eine Ratte auf vier Beinen. Die Hand hüpfte in die Luft, schnippte scharf mit den Fingern und schleuderte Gomez etwas entgegen. Mit einer schwungvollen Bewegung fischte er den Ring aus der Luft.

»Danke, Eiskaltes Händchen«, murmelte er erleichtert.

In diesem Moment schritt Morticia auf ihn zu, und alle Gedanken purzelten aus Gomez’ Gehirn heraus. Er konnte sie nur noch anstarren.

Morticia.

Sie … sie sah aus wie siebzig Schlangen, die in ein Abendkleid gestopft waren. Sie sah aus, als würde sie jedem ohne Zögern einige Tausend Volt durch den Kopf jagen. Sie sah aus wie eine Kräuterhexe in einem Nachtclub. Sie sah nach einer Menge Ärger aus. Sie sah aus wie das Letzte, was man sieht, bevor man tot umfällt.

Sie sah unbeschreiblich schön aus. Nein. Sie sah unbeschreiblich aus.

Morticia blieb neben Gomez stehen. »Meine Schöne«, hauchte er ihr zu. Sie blinzelte ihn an.

Erst als der Priester auftauchte, konnte Gomez seinen Blick von Morticia lösen. Die Hochzeitszeremonie begann.

»Abscheuliche Brüder und Schwestern«, wandte sich der Priester mit erhobenen Armen an die Hochzeitsgesellschaft. »Es ist eine Ehre, der Vereinigung dieser beiden fürchterlichen jungen Menschen … und dieser beiden ganz und gar schauderhaften Familien beizuwohnen!«

Die Menge stieß einen Freudenschrei aus, der einem das Blut in den Adern gefrieren und das Herz warm werden ließ.

Dann richtete der Priester seine Worte an Morticia.

»Morticia Frump, willst du Gomez Addams zum Ehemann nehmen, ihn drangsalieren und quälen, in Krankheit und Verderben, bis du tot umfällst?«

Morticia nickte eifrig.

Während auf dem Hügel die Hochzeitszeremonie in vollem Gange war, versammelten sich die Dorfbewohner am Fuß des Hügels. Sie hatten endgültig genug von den Addams und den Frumps. Hasserfüllt machten sie sich zum Angriff bereit.

Der Priester drehte sich nun zu Gomez.

»Gomez Addams, willst du …?«

»Ja, ja, tausendmal ja!«, unterbrach ihn Gomez. Er wollte nicht unhöflich sein, aber er konnte es nicht abwarten, endlich verheiratet zu sein! Morticia war die perfekte Frau. Sie war kalt, grausam und furchterregend. Gomez drückte heftig Morticias Hand. Sie drückte zurück und bohrte dabei ihre mit Blei lackierten Fingernägel in seine Haut. Er zuckte vergnügt zusammen.

Immer mehr Dorfbewohner hatten sich mittlerweile dem wütenden Mob angeschlossen. Im Feuerschein ihrer Fackeln stampften sie den Hügel hinauf. Sie schwenkten Mistgabeln, Schaufeln und Spaten, und einige von ihnen schoben ein selbst gebautes Katapult vor sich her.

Es hätte wie ein feierlicher Zug aussehen können, wenn sie nicht so mörderische Absichten gehabt hätten.

Der Priester lächelte. »Hiermit erkläre ich euch zu …«

»Monster!« Der durchdringende Schrei zerriss die Nachtluft.

Die Hochzeitsgäste drehten sich um. »… Mann und Frau«, schob der Priester ängstlich flüsternd hinterher, doch keiner hörte mehr so recht zu. Denn der wütende Mob kleingeistiger Dorfbewohner hatte die Hügelkuppe erreicht.

»Oje!«, murmelte Morticia mit weit aufgerissenen Augen. »… ein wütender Mob kleingeistiger Dorfbewohner.«

Die Hochzeitsgesellschaft rannte schreiend auseinander, als die ungebetenen Gäste mit erhobenen Waffen auf sie losgingen. Nun wurde das Katapult gespannt und mit Brandbomben geladen.

»Schon wieder?!«, stöhnte Gomez.

Morticia schüttelte seufzend den Kopf. »Warum folgen uns diese Quälgeister überallhin?«, rief sie, während sie einem Schuh auswich. »Können sie mit ihren Mistgabeln nicht auf jemand anderen losgehen?«

Das Katapult schleuderte einen Feuerball in die Luft, der genau in ihre Richtung flog. Gomez riss Morticia zur Seite. »Vielleicht sollten wir das später besprechen«, schlug er vor. Die Hochzeitsgäste hasteten panisch auseinander und flohen in die Dunkelheit der Nacht.

Morticia und Gomez flüchteten mit Gomez’ Mutter und seinem Bruder Fester. Aber schon bald waren sie in die Enge getrieben.

»Ich halte sie auf!«, sagte Großmutter Addams. Sie zog ihr Schwert und schwang es angriffslustig durch die Luft. Für einen Augenblick wichen die Dorfbewohner zurück.

»Haltet euch an meiner Rückenbehaarung fest!«, schrie Fester und riss sich sein Hemd herunter. Gomez und Morticia krallten sich in sein üppiges Rückenfell, und Fester hastete mit ihnen davon.

Morticia brach es das Herz. Ihre perfekte Hochzeit war ruiniert. Die Erinnerung an diesen Tag war beschmutzt. Und die Familie war nun in alle Winde zerstreut. Morticia liebte eigentlich Chaos mit Höllenqualen, aber nur, wenn sie es selbst verursachte. Das … das war schlichtweg fies.

Normalen Leuten konnte man einfach nicht vertrauen. Das nahm immer ein böses Ende.

Gomez legte tröstend seinen Arm um sie. »Wir sind sicher, meine Liebe«, sagte er zärtlich. »Das ist das Wichtigste.«

Morticia wischte sich die Tränen weg. Dabei achtete sie darauf, dass sie ihre Schminke schön verschmierte.

»Jetzt hast du Augenringe wie ein Zombie«, sagte Gomez bewundernd.

»Oh, gut«, sagte Morticia. Sie fühlte sich schon ein wenig besser. »Aber wohin sollen wir jetzt gehen?« Die Frumps waren bisher aus fast jeder Stadt in Westeuropa vertrieben worden. Und die Addams waren schon durch ganz Osteuropa gezogen. Es hatte in den letzten Jahrhunderten einfach zu viele Mistgabeln schwingende Mobs gegeben. Morticia dachte nach. Sansibar? Oder vielleicht sollten sie ihr Glück in Australien versuchen?

»Wir werden ein neues Zuhause finden. An einem Ort, der exotisch … zauberhaft … wie für uns gemacht ist«, sagte Gomez.

»Oh«, hauchte Morticia. »Denkst du, was ich denke?«

Gomez lächelte sie an. »Ja, mein Schatz. Wir beide wissen, wo wir hinmüssen.«

New Jersey enttäuschte sie nicht.

Es war barbarisch, unkultiviert, derb, verwirrend und dreckig. Und es stank. Überall.

»Unglücklich, Liebling?«, fragte Gomez, während er Morticias Hand nahm und sie küsste. Es war mitten in der Nacht, und sie rasten eine Landstraße entlang. Um sie herum waren hohe Bäume und sanft geschwungene Hügel. Der Mond glitzerte zwischen abgestorbenem Sumpfgras. Er spiegelte sich in dem stinkenden Morastwasser, das sich zu beiden Seiten der Straße erstreckte.

»Ja«, hauchte sie. »Ich bin schrecklich unglücklich. Es ist wunderbar

»Liebling«, sagte Gomez mit besorgtem Blick, »ist das eine Falte, die ich da auf deiner fahlen Stirn sehe? Ist etwas nicht in Ordnung?«

Morticia drückte seine Hand. Eiskaltes Händchen riss das Lenkrad herum, und die Limousine schoss in die nächste Kurve. Der dichte Nebel, der sich plötzlich gebildet hatte, hüllte die Straße in dunklen Dunst.

»Wir können nicht ewig unterwegs sein, mein Lieber«, antwortete Morticia. »Ich will wieder ein Zuhause haben. Ich will, dass unsere Kinder in Ruhe und Frieden aufwachsen. Ich will Gräber aussuchen.«

Wumm!

Es gab einen heftigen Ruck. Das Auto war gegen ein Hindernis gefahren und kam mit kreischenden Bremsen am Straßenrand zum Stehen. Morticia, Gomez und Eiskaltes Händchen hasteten aus dem Wagen.

Etwa zwanzig Meter hinter ihnen lag ein gewaltiger Körper mitten auf der Straße. Sie eilten zu ihm. Es war ein riesiger Mann in einer Art Krankenhaushemd. Er war bewusstlos.

Gomez drehte ihn um. Auf dem Rücken des Hemds stand: Staatliche Anstalt für geisteskranke Straftäter.

Morticia blickte sich um. Der Nebel hatte sich kurzfristig etwas gelichtet. Auf einem Hügel hinter einem schmiedeeisernen Tor war ein schauriges Ungetüm aufgetaucht. Eine monströse, verschnörkelte Ruine einer Villa, die weit genug von der Straße entfernt war, dass sie wirklich unbehaglich wirkte. Das Gebäude hatte eine schiefe Turmspitze und eine Million zerbrochene Fenster. Ein Blitz durchzuckte den Himmel. In seinem flackernden Licht schien sich das Haus zu krümmen und zu biegen.

»Oh, Gott sei Dank!«, sagte Morticia. »Ein anständiger Platz zum Übernachten.«

Am Eisentor klapperte ein verblichenes Schild im Wind. Staatliche Anstalt für geisteskranke Straftäter stand darauf. Das Gebäude war offenbar schon lange verlassen – mit Ausnahme des gigantischen Anstaltsinsassen, den sie angefahren hatten.

Dieser Koloss rappelte sich gerade auf und schlurfte schwerfällig auf Morticia und Gomez zu. Seine Arme hielt er steif nach vorn gerichtet, und er gab ein abgrundtiefes Heulen von sich.

»NNNNIIIIAAAAAAHHHH!«, brüllte er und stand so dicht vor Morticia und Gomez, dass er sie mit einem Handstreich hätte niederstrecken können.

Gomez lächelte gut gelaunt und drückte ihm ihre Koffer in die Hand.

»Danke, alter Junge!«, sagte er. »Gehen Sie voraus!«

Die monströse Gestalt schaute überrascht auf die Koffer, zuckte kurz mit den Schultern und führte Morticia und Gomez durch das Tor zu der verlassenen Irrenanstalt. Eiskaltes Händchen tänzelte hinterher.

Morticia lächelte zufrieden. Wie praktisch, dass sie ein Haus mit Butler gefunden hatten! Sie beobachtete ihn, als er schwerfällig wie ein Froschlurch den Weg hinaufschlurfte. Lurch … was für ein perfekter Name. Lurch, der Butler.

Morticia hakte sich bei Gomez unter, und sie folgten Lurch zum Eingangsportal. Gomez entfernte mit eleganter Geste das Absperrband mit der Aufschrift Polizeiabsperrung. Betreten verboten. Dann traten sie ein.

Sie wurden von kalter, muffiger Luft und absoluter Stille empfangen. Dann drang ein schwaches Geräusch durch die Dunkelheit: das Rascheln von umherhuschenden Ratten.

Morticias Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Sie blinzelte in die Eingangshalle. Neben der Treppe entdeckte sie mit Kreide gezeichnete Umrisse eines Körpers auf dem Fußboden.

»Es ist gruselig«, sagte Gomez nachdenklich. »Verrückt.«

Morticia schaute nach oben und blickte einem ausgestopften Elchkopf in die Augen. Er zwinkerte ihr zu.

»Unheimlich«, ergänzte sie. »Gespenstisch.«

Plopp! Plopp!

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