Logo weiterlesen.de
Terror auf der Shining Star Ranch

Terror auf der Shining Star Ranch

 

Western von Pete Hackett

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

 

Es waren fünf maskierte Kerle, die im Hof der Shining Star Ranch von ihren Pferden sprangen und durch die Halle in die Bar stürmten. Sie hatten unterarmdicke Knüppel dabei. Mit den Colts in den Fäusten und brutalen Fußtritten verjagten sie die Gäste.

Dann nahmen sie die schweren Knüppel in beide Fäuste.

Abel O'Connor, der alte Schotte, griff unter den Tresen und holte blitzschnell die Winchester hervor. Drei Finger lagen im Repetierhebel, der Zeigefinger krümmte sich um den Abzug.

"Verschwindet, oder …"

Abel schwenkte die Winchester im Halbkreis und bedrohte so jeden der Kerle.

"Nimm die Knarre runter, Gipsgesicht!", herrschte ihn einer der Eindringlinge mit schneidender Stimme an. "Einen von uns triffst du vielleicht. Die anderen werden dir dann aber die Birne zu Brei klopfen."

Mit einem flatternden Atemzug des lähmenden Entsetzens ließ Abel das Gewehr sinken.

Joana rief erregt: "Was soll das werden, Mister? Wer schickt euch? Aus welchem Grund schneit ihr hier herein und …"

Sie brach ab. Sie begriff die Sinnlosigkeit ihrer Fragen. In ihrem Kopf rotierten die Gedanken. Ihr Denken driftete auseinander, und es gelang ihr nicht, eine klare Linie hineinzubringen. Sie war völlig konfus.

"Dreimal darfst du raten, Blondy", rief einer der Kerle, von deren Gesichtern sie nur die Augen sahen. "Aber du wirst wohl nie draufkommen."

Und dann fingen sie an, die Einrichtung kurz und klein zu schlagen.

Es schepperte, krachte, knirschte und klirrte. Der Lärm, den die Kerle veranstalteten, war höllisch.

Ängstlich drängten sich die Mädchen in einer Ecke zusammen. Das Entsetzen und die Verzweiflung prägten die Gesichter. Aber niemand, weder Joana Sloane, noch Jaqueline, noch Marylou oder Abel O'Connor wagten angesichts der rabiaten Kompromisslosigkeit der Schläger gegen dieses Werk der sinnlosen Zerstörung einzuschreiten, und das neue Mädchen, es hieß Belinda, wagte vor Angst kaum zu atmen.

Als es in der Bar aussah, als hätten die Vandalen gewütet, stieß einer der Kerle unter dem hochgezogenen Halstuch grollend hervor: "Ihr werdet den Laden sicher wieder aufbauen. Aber dann kommen wir aufs Neue. Und beim nächsten Mal brennen wir das Gerümpel wahrscheinlich nieder."

Es klang wie ein höllisches Versprechen.

Der Sprecher gab seinen Kumpanen einen Wink. Sie rannten nach draußen, warfen sich auf ihre Pferde und stoben im gestreckten Galopp davon.

"Gütiger Gott", ächzte Joana, die blondhaarige Schönheit, fassungslos.

"Dieses Schlägerkommando haben wir Stan Stryker zu verdanken", kam es im Brustton der Überzeugung von Abel, und seine sonst klare und exakte Stimme klang brüchig.

Jaqueline presste eine Hand vor den Mund und starrte erschüttert auf das Schlachtfeld, das die Bande hinterlassen hatte.

Marylou griff sich an den Kopf. "Es ist wie ein schlimmer Traum", murmelte sie bestürzt. Sie stand noch voll und ganz im Banne des Geschehens.

Die Nerven der Leute von der Shining Star Ranch lagen blank.

"Jemand muss sofort Waco holen", stieß Joana hervor. Und mit dem nächsten Atemzug: "Das mache ich. Ich muss mich nur schnell umziehen. Abel, sattelst du mir das Pferd?"

Der Butler nickte. Es konnte das alles verstandesmäßig noch gar nicht erfassen.

Zehn Minuten später jagte Joana über die Brücke, die den Rio Bonito überspannte, und gleich darauf hämmerten die Hufe ihres Pferdes durch die Main Street von Lincoln.

Vor dem Marshal's Office riss sie das Pferd zurück, gewandt sprang sie ab und stürmte hinein.

Waco saß hinter dem Schreibtisch und schrieb irgendeinen Bericht in eine Kladde. Er zeigte Verblüffung, als Joana regelrecht hereinplatzte.

"Du?"

Joana musste erst einmal Atem schöpfen. Ihre Brust hob sich.

"Auf der Shining Star Ranch hat ein Rudel vermummter Randalierer alles kurz und klein geschlagen, Waco", sprudelte es aus Joanas Mund. "In der Bar sieht es aus, als hätte eine Granate eingeschlagen. Nichts ist mehr heil. Es gibt nur noch Trümmer und einen Haufen Scherben."

"Gütiger Gott!", entfuhr es Waco. Er stemmte sich mit einem Ruck in die Höhe, ließ den Stift fallen. "Seid ihr wenigstens unversehrt geblieben, oder …"

"Sie haben keinem von uns auch nur ein Haar gekrümmt. Allerdings drohten sie, wiederzukommen, falls wir den Betrieb auf der Shining Star Ranch noch einmal aufnehmen sollten. Sie versprachen, alles niederzubrennen."

Waco schob seine Gestalt um den Schreibtisch herum. Sein Zahnschmelz knirschte übereinander. Sein Gesicht wirkte wie aus Granit gemeißelt. "Sie waren maskiert?"

"Ja."

"Ist dir an einem der Schufte irgendetwas bekannt vorgekommen? Jeder Mensch hat irgendwelche Eigenarten, die typisch für ihn sind und die ihn verraten, selbst wenn er sich noch so maskiert. Hatte einer der Banditen …"

"Nein. Wenn du mich fragst, dann war keiner von ihnen aus der Gegend. Wahrscheinlich hat Stan Stryker diesen Schlägertrupp ins Land geholt. Wer sonst außer ihm hat Interesse daran, bei uns alles zu Klump zu schlagen?"

"Das werde ich herausfinden", knirschte Waco und der Zorn schnürte ihm den Hals ab. Er war drauf und dran, sofort in den 'Lonesome Rider Saloon' zu stürmen, um Stryker mit seinen Vorwürfen zu konfrontieren. Aber gab es, außer dem berechtigten Verdacht, auch nur einen einzigen Hinweis, dass Stryker hinter der Gemeinheit steckte? Also besann sich Waco eines anderen. "Ich will mir das Chaos erst mal ansehen. Reiten wir hinaus zur Ranch."

Joana begleitete Waco zum Mietstall. Dann trugen ihre Pferde sie zur Shining Star Ranch.

Dort war in der Bar tatsächlich nichts mehr ganz. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Regal. Ein Berg Scherben von den Flaschen, Gläsern und den riesigen Spiegeln, die die Rückwände der Regale bildeten, lag hinter dem Tresen. Und dieser sah schlimm ramponiert aus von den wuchtigen Knüppelhieben. Die Kupferplatte war nur noch Schrott. Der Messinghandlauf ein total verbogenes Gestänge. Zu gebrauchen war er jedenfalls nichts mehr. Er roch intensiv nach vergossenem Schnaps.

Die Kerle hatten ganze Arbeit geleistet.

Das war Terror par excellence.

Mit versteinertem Gesicht und vor ohnmächtiger Wut verdunkelten Augen registrierte Waco alles.

Und der Jähzorn angesichts des Bildes, das ihm mit schmerzlicher Schärfe in die Augen sprang, übermannte ihn. "Jetzt reicht es mir!", knurrte er. "Das Maß ist voll."

Der brennende Zorn in ihm, der sich in seinem Ausmaß und seiner überwältigenden Macht schon fast einem verzehrenden Hass näherte, besiegte die Vernunft, die ihn in der Stadt noch zurückgehalten hatte, auf Stan Stryker loszugehen.

In Waco waren beim Anblick dieses Zeugnisses der barbarischen Zerstörung nach und nach sämtliche Sicherungen durchgebrannt.

Er schaute nacheinander die drei Mädchen an, dann blieb sein Blick an Abel hängen. "Räumt den Schutt auf", grollte er. "Natürlich werden wir die Bar wieder herrichten. Zunächst aber …"

Er machte auf dem Absatz kehrt.

Joana folgte ihm schnell. Bei seinem Pferd holte sie ihn ein. Sein linker Fuß stand schon im Steigbügel, seine Linke umklammerte das Sattelhorn.

"Renn jetzt nicht blindwütig ins Verderben, Waco", mahnte sie. "Du bist randvoll mit Wut und …"

"Ich koche vor Wut", schnappte er.

"Wir können nur vermuten, dass Stryker hinter dieser Niedertracht steckt. Mehr nicht. Vermutungen aber reichen nicht, um ihm einen Strick zu drehen."

"Ich bin überzeugt davon, dass dieses Werk auf sein Konto geht."

"Aber es gibt nicht den geringsten Beweis. Solltest du nicht alles erst ein wenig sitzen lassen und verarbeiten, ehe du zu Stryker reitest. Ein wütender Mann macht allzu leicht Fehler und ist nur die Hälfte wert. Wahrscheinlich warten Stryker und seine Halsabschneider nur darauf, dass du aufkreuzt und den wilden Mann spielst."

Er starrte sie an, als hätte sie etwas völlig Unsinniges von sich gegeben.

Gefühl und Verstand lagen bei ihm unvermittelt in zäher Zwietracht.

Plötzlich entspannten sich seine Züge. Er nahm den Fuß aus dem Steigbügel. "Du hast recht", knurrte er. "Ich muss wohl wirklich erst Ordnung in meinem Verstand schaffen."

"Dann komm", murmelte sie erleichtert. "Gehen wir in mein Zimmer."

Er folgte ihr. Ja, sie hatte klar erkannt, dass er, getrieben vom blinden Hass, nur den Kürzeren ziehen konnte. Vor allem, wenn seine Gegner auf ihn vorbereitet waren.

In ihrem Zimmer angekommen fackelte Joana nicht lange. Sie zog sich aus, und dann half sie ihm aus der Kleidung.

 

*

 

Seiner Potenz hatte der Überfall auf die Shining Star Ranch nichts anhaben können. Sein Johnny stand steil und war zum Bersten mit Blut gefüllt.

Joana drückte ihn aufs Bett nieder. Sie setzte sich auf ihn. Langsam ging sie tiefer. Sein Penis glitt in sie hinein, füllte sie aus und schien sich noch wenig aufzublähen.

Waco griff nach ihren festen, runden Brüsten, fühlte die Härte der Knospen, strich sachte mit den Daumen darüber und spürte, wie sie wuchsen. Er stemmte ihr sein Becken entgegen. Sie kreiste leicht mit den Hüften, manipulierte ihn mit der Muskulatur ihres Unterleibs und er spürte heiß ihre Feuchtigkeit.

Das Testosteron, das seinen Geschlechtstrieb steuerte, schlug Purzelbäume. Die Geilheit übermannte ihn. Er vergaß im Überschwang der Empfindungen, dem er nichts entgegenzusetzen hatte und der ihn hinweg spülte, das Trümmerfeld drüben in der Bar. Die Flamme des Zorns war heruntergebrannt und verlosch schließlich ganz.

Im Rausch des hormonellen Feuerwerks, dem er in seinem Innersten ausgesetzt war, das Körper und Verstand aufpeitschte und triebhafte Instinkte wachrief, warf er Joana herum.

Sein Pfahl rutschte aus ihrer Scheide.

Er bog ihre Beine in die Höhe, beugte sich über sie, arretierte ihre Beine mit seinen breiten Schultern, zwängte sich zwischen ihre Oberschenkel und stemmte sich mit beiden Armen neben ihren Achseln ab. Ihre schlanken, wohlgeformten Beine standen V-förmig in die Höhe, die Unterschenkel kippten auf seinen Rücken.

Der Körper Joanas war biegsam und geschmeidig. Sie war in der Mitte regelrecht abgeknickt

Und dann drang er erneut in sie ein.

Sie war ihm in dieser akrobatisch anmutenden Stellung voll und ganz ausgeliefert, ihm absolut geöffnet.

Er fing an in den Hüften zu schwingen, stieß tief in sie hinein. Erst langsam, mit Genuss, jeden seiner Stöße bis zur Neige auskostend. Dann wurden seine Bewegungen schneller. Joanas Augen fingen an zu glänzen. Die Wollust rötete ihre Wangen. Die Leidenschaft ließ sie stöhnen. Bald wurden aus den Stöhnlauten abgehackte, spitze Schreie. Ihre Lippen sprangen auseinander. Sie drückte ihre Körpermitte gegen ihn.

"O mein Gott", schrie sie, "du machst mich rasend! Ja, ja, oooh – aaah …"

Es riss sie mit im Wirbelsturm der sexuellen Entzückung, sie hob ab, das Gefühl der absoluten Lust schickte Wogen aufgepeitschten Adrenalins durch ihren Körper und hob sie auf eine Wolke, auf der ihr Geist der rauen und bitteren Wirklichkeit entfloh.

Er raubte ihr mit seinem wilden, fast aggressiven Sex nahezu den Verstand.

Waco beschleunigte seine Stöße. Er spürte den weichen Widerstand, wenn er tief in ihr war. Zurück - wieder hinein … Immer wieder, immer schneller und heftiger. Manchmal klatschte Haut gegen Haut.

Wie in Ekstase warf Joana ihren Kopf hin und her. Ihre blonde Mähne flog. Ihr Becken bäumte sich ihm entgegen, ihre Muskulatur verkrampfte.

Der Orgasmus bei ihr war wie eine Eruption. Der erlösende Schrei kämpfte sich in ihrer Brust hoch und brach über ihre geöffneten Lippen. Die 'Lava' aus der Tiefe ihres Körpers schleimte sein Glied ein und es flog regelrecht hin und her.

Sie schwitzten. Wie Fieber rann es durch ihre Adern. Ihre Pupillen hatten sich geweitet. Waco keuchte, seine Muskeln und Sehnen arbeiteten im Rhythmus seiner Bewegungen. Ein kräftiger Stoß, sein Oberkörper fiel über sie, er spürte, wie es heiß durch seine Samenstränge pulsierte. Der Reiz tobte bis unter seine Haarspitzen, er konnte es nicht länger zurückhalten. Stoßweise ergoss er sich in sie. Joana erbebte und hörte seinen erlösenden Seufzer dicht neben ihrem Ohr.

Ihre Körper lösten sich voneinander. Er fiel neben sie auf das Bett.

"Jetzt fühle ich mich um 100 Prozent besser", stieß er zwischen zwei tiefen, rasselnden Atemzügen hervor.

"Du warst heute ungezähmter und ungestümer als jeder wild lebende Hengst, Waco. Es war allererste Sahne."

"Danke für die Blumen."

Er starrte zur Decke hinauf. Sie beobachtete ihn von der Seite. "Du denkst an Stryker, nicht wahr?"

"Ja. Ich bin mir sicher, dass er den Schlägertrupp auf die Shining Star Ranch schickte. Aber ich mache mich lächerlich, wenn ich es ihm auf den Kopf zu sage. Denn ich habe nicht den geringsten Beweis."

"So ist es", murmelte Joana bedrückt. "Er würde sofort die Gelegenheit beim Schopf nehmen und in der Stadt für Furore gegen dich sorgen - im Verein mit seinem Duz-Freund Potter."

Er nickte. Potter ließ keine Gelegenheit aus, um an dem Stuhl zu sägen, den Waco als Marshal in der Stadt einnahm. Und der Bürgermeister stand mit seiner Aversion gegen ihn, Waco Jordan, nicht völlig allein. Ein Gesetzeshüter, der zugleich Chef eines Puffs war, war einer Reihe von Leuten ein Dorn im Auge.

"Nun, die Schufte haben versprochen, zurückzukehren, sollten wir den Betrieb wieder aufnehmen. Dann, hoffe ich, bin ich zur Stelle. Und gnade demjenigen Gott, der die Bande für ihre Drecksarbeit bezahlt."

Joana war froh, dass er so weit besänftigt war, um nicht blindwütig in die Stadt zu reiten und sich dort in einem aussichtslosen Krieg gegen Stan Stryker zu verzetteln.

Sie griff nach seinem halb erschlafften besten Stück. Es war noch feucht von der Flüssigkeit ihres Körpers. "Werden wir das Stehaufmännchen wohl noch einmal dazu bewegen können, sich aufzurichten?", lächelte sie.

"Gib dein bestes, Honey", versetzte er. "Du wirst es nicht bereuen."

Joana ließ sich nicht zweimal bitten.

 

*

 

Es war zwei Stunden nach Mitternacht. In Lincoln brannte nur noch im 'Lonesome Rider Saloon' Licht. Eine Handvoll Unermüdlicher hockte noch im Schankraum herum. Die Huren saßen auf den Barhockern wie die Hühner auf der Stange. Heute ging wohl kaum noch etwas, aber Stan Stryker verlangte von den Mädchen, dass sie präsent waren, bis der letzte Gast das Lokal verlassen hatte.

Kundenservice war das A und O in seinem Geschäft.

Draußen stiegen fünf Reiter von ihren Pferden. Sie warfen die Leinen über den Querholm und griffen nach den Knüppeln, die in ihren Deckenrollen hinter den Sätteln steckten.

"Okay", grunzte einer von ihnen, ein hochgewachsener, breitschultriger Bursche mit eingeschlagener Boxernase und aufgeworfenen Lippen. "Vollenden wir hier das Werk."

Sie zogen sich die Halstücher bis unter die Augen, rückten ihre Hüte tiefer in die Stirn, zogen die Colts.

Dann stürmten sie hinein.

Wild schlugen die Batwings der Flügeltür.

Die Kerle verteilten sich blitzschnell im Schankraum.

Lähmung machte sich bei den Anwesenden breit.

"Raus!", brüllte der Anführer der Bande und fuchtelte wild mit dem Sixshoter. "Wer bei drei nicht draußen ist, wird, wenn wir hier fertig sind, auf allen vieren hinauskriechen."

Stan Stryker selbst war nicht anwesend. Nur zwei seiner Rausschmeißer und der Keeper waren da.

"Eins!", zählte der Maskierte.

Das Wort fiel wie ein Hammerschlag in die lastende Stille.

Und plötzlich kam Leben in die Gestalten an den Tischen und bei der Theke. Füße scharrten auf den Dielen, Stühle rückten und fielen polternd um, Gläser kippten um und Whisky rann über die Tischkanten.

Einige der Mädchen rutschten von ihren Hockern. Sie drängten zur Treppe.

Die Gäste behinderten sich gegenseitig, kämpften mit den Ellenbogen, um bei drei draußen zu sein. Panik hatte um sich gegriffen, Flüche wurden laut, die Angst trieb sie und jeder war sich selbst der Nächste.

Die beiden Rausschmeißer zogen sich zurück, wollten zur Hintertür. Die entsetzt geweiteten Augen des Keepers waren unablässig in Bewegung. In ihnen zeigte sich der Ausdruck einer tiefsitzenden Furcht vor den vermummten Gestalten, die keinen Zweifel offen ließen, dass sie hier gleich den Teufel aus dem Sack lassen wollten.

Auf dem Vorbau und auf den Gehsteigen verklangen die Schritte der fliehenden Gäste.

"Ihr bleibt!", peitschte die Stimme des Wortführers der Schläger.

Gemeint waren die beiden Rausschmeißer. Sie blieben wie angewurzelt stehen. Keiner der beiden wagte es, nach dem Sechsschüsser an seinem Oberschenkel zu greifen. Mit der Intensität von Männern, nach denen das tödliche Verhängnis die knöcherne Klaue ausstreckte, begriffen sie, dass ihr Leben an einem seidenen Faden hing. Ohne dazu aufgefordert zu werden hoben sie die Hände, um ja kein Missverständnis aufkommen zu lassen.

"All right, Leute. Fangt an."

Der Befehl kam glasklar und scharf.

Sie droschen alles zusammen, was ihnen vor die Knüppel geriet.

Stühle flogen in die großen Frontfenster und ließen sie klirrend zerbersten. Scherben regneten auf den Vorbau und den Gehsteig.

Oben hob es Stan Stryker fast von der Matratze. Er sprang regelrecht in seine Hose. Das Mädchen, dem er heute seine Gunst geschenkt hatte, saß aufrecht im Bett. Als der Barbesitzer halb angekleidet auf den Korridor stürzte, sah er Corby aus einer der anderen Türen treten. Corby hatte nur die Hose an. Er war barfuss, sein Oberkörper war nackt. In seinen Augen war die stumme Frage zu lesen. In Corbys Faust lag der Colt.

Ohne ein Wort zu verlieren rannten sie zur Treppe.

Der Lärm unten war ohrenbetäubend.

Die Szene, die sich Stryker und seinem Leibwächter bot, war eindeutig.

Corbys Rechte flog hoch, sein Daumen riss den Hahn zurück.

Einer der Randalierer sah ihn. Er brüllte eine Warnung und warf sich zur Seite. Der Schuss drohte den Saloon aus allen Fugen zu sprengen. Die Kugel riss die Dielen auf. Der Maskierte zog blitzschnell und feuerte zurück. Aber Corby war zur Seite geglitten. Das Geschoss hieb in die Treppe und riss einen dicken Span heraus.

Stan Stryker, der waffenlos war, schleuderte sich herum und floh in Todesangst zurück in die obere Etage. Im Schankraum wummerte es jetzt erneut. Es war nicht der Kerl, der am Boden lag. Einer der anderen Schläger hatte abgedrückt. Heiß brannte die Kugel über Corbys Oberarm.

"Fallen lassen!", brüllte ein heiseres Organ. "Fallen lassen und hoch die Hände!"

Der Krach war abgebrochen. Jeder der maskierten Kerle hatte jetzt die Kanone in der Faust. Corby ließ den 45er fallen, als hätte er sich daran plötzlich die Finger verbrannt, richtete sich auf und hob die Hände in Schulterhöhe. Aus der Schramme an seinem Oberarm rann Blut. In seinem Gesicht zuckten die Muskeln. Er blickte dem höhnisch grinsenden Tod ins kalte Auge.

Im Schankraum sah es aus wie in Richmond nach der entscheidenden Schlacht der Yankees gegen die Rebellen General Lee's anno '65.

"Sehr vernünftig", lobte der Anführer des Rudels. "Das hier -" er vollführte eine umfassende Armbewegung über das Chaos, das sie angerichtet hatten, "- war lediglich eine Warnung. Macht den Laden dicht. Sollte er wieder in Betrieb gehen, setzen wir euch den roten Hahn aufs Dach. Ich hoffe, wir verstehen uns."

Corby nickte wie unter Zwang.

"Gehen wir", rief der Maskierte. Er warf seinen Knüppel fort.

Auch die anderen ließen ihre Schlaginstrumente zurück und rannten zur Tür. Ihr Anführer sicherte kurz nach draußen. Die Luft schien rein zu sein.

Sie hetzten ins Freie, nahmen die Leinen vom Holm und sprangen in die Sättel. In einer hochschlagenden Staubwolke stoben sie aus der Stadt.

 

*

 

Als Waco am nächsten Morgen in die Stadt kam, erwartete ihn ein Menschenauflauf.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Terror auf der Shining Star Ranch" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen