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Terras kosmische Bestimmung: SF Abenteuer Paket

von Alfred Bekker, Gerd Maximovic, Reinhard Köhrer, Margret Schwekendiek, W.W.Shols, Harvey Patton, Dietrich Wachler, Freder van Holk

Terras kosmische Bestimmung: SF Abenteuer Paket

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Inhaltsverzeichnis

  • Terras kosmische Bestimmung: SF Abenteuer Paket
  • Copyright
  • Das Meer der Finsternis
  • In den Höhlen
  • Übersicht Alfred Bekker's Sternenkrieger
  • Signale aus dem Nichts
  • Das Artefakt
  • Das Reservat
  • Die Gedankenbombe
  • Weg der Erde
  • Planet der Maschinen
  • Roboterintrigen
  • Station des Schreckens
  • Clayborn und die Drachenwelt
  • Mission Blaue Sonne
  • Die dreizehnte Tafel

Terras kosmische Bestimmung: SF Abenteuer Paket

von Alfred Bekker, Gerd Maximovic, Reinhard Köhrer, Margret Schwekendiek, W.W.Shols, Harvey Patton, Dietrich Wachler, Freder van Holk

Dieser Band enthält folgende Science Fiction Abenteuer:


Alfred Bekker: Das Meer der Finsternis

Alfred Bekker: In den Höhlen

Alfred Bekker: Signale aus dem Nichts

Alfred Bekker: Das Artefakt

Dietrich Wachler: Das Reservat

Gerd Maximovic: Die Gedankenbombe

Reinhard Köhrer: Weg der Erde

Margret Schwekendiek/Alfred Bekker: Planet der Maschinen

Freder van Holk: Roboterintrigen

W.W.Shols: Station des Schreckens

Harvey Patton: Clayborn und die Drachenwelt

Alfred Bekker: Mission blaue Sonne

Dietrich Wachler: Die dreizehnte Tafel


Martin Takener, Commander des terranischen Raumschiffs NOVA GALACTICA begibt sich in das System der blauen Sonne. Die letzten Vertreter der ehemals mächtigen und technisch fortgeschrittenen Alienwandler-Spezies der Nugrou werden hier auf ihrer Heimatwelt gefangen gehalten. Eine Spur führt zu einem rätselhaften Artefakt, das eine ganze Galaxie in einenn verheerenden Krieg stürzen könnte...



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /COVER: Wolfgang Sigl

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Das Meer der Finsternis

​Alfred Bekker




Da war nichts, außer einem unergründlichen Meer aus Dunkelheit. Kein Gefühl, kein Licht, kein Geräusch. Nicht einmal so etwas wie ein Gedanke. Er hing im Nirgendwo, ohne sagen zu können, was vorher war oder später einmal sein würde, ohne zu wissen wer er war... Ohne überhaupt etwas zu wissen. Sein Bewußtsein war dumpf und voller Furcht, die er nicht zu erklären vermochte. Es war finsterste Nacht um ihn herum und er hatte das Gefühl, zu schweben, zu schwimmen, zu taumeln, sich zu drehen. Und zu fallen. Es herrschte eine abgrundtiefe Furcht in ihm, die alles regierte. Diese Furcht schien das Hauptelement seines verschwommenen Ichs zu sein. Eine Furcht, die nicht durch die alles umgebende Finsternis verursacht war, sondern durch ihr Gegentetl, der brennenden Flut greller Bilder. Langsam kam er hinauf zur Oberfläche seines Bewußtseins. Es wurde heller, aber alles war nach verschwommen und unklar. Es war so viel Licht, daß da plötzlich von allen Seiten auf ihn zuströmte, daß es kaum auszuhalten war. Konturen zeichneten sich ab. Manche waren ihm bekannt, andere nicht. Ständig gewann alles um ihn herum an Klarheit und Schärfe bis es weh zu tun begann. Er hörte jetzt auch Geräusche, so viele unklare, scheinbar zusammenhanglose Stimmen und Laute, deren Intensität in stetigem Zunehmen begriffen war und schließlich ohrenbetäubend wurde. Das alles war ihm auf furchtbare Weise vertraut und schmerzte. Es schien ihm, als müßten seine sämtlichen Nervenenden längst von diesem Feuerwerk verbrannt sein. Die Furcht ergriff ihn wieder mit ihren eisernen Klauen, ließ ihn augenblicklich zurückfahren und wieder untertauchen. Tief, immer tiefer, immer weiter weg von der Oberfläche, immer weiter weg von der Oberfläche und dem Licht und den Bildern und Stimmen... Es war wieder dunkel um ihn. Und stille.


***


Ein Strand, ein Meer und ein Himmel, der vom konkurrierenden Zwielicht einer Doppelsonne beherrscht wurde. Weit draußen brachen sich die Wellen, die Luft war erfüllt vom Geruch nach Salz und anderen Dingen, die undefinierbar waren. Später wußte er, daß dieser Strand auf dem vierten Planeten des Sebuan-Systems lag, aber damals war er kaum älter als zweieinhalb Standardjahre und gerade aus dem Nebel der Unbewußtheit erwacht.


***


Er saß dumpf und reglos in seinem computergesteuerten Rollstuhl und blickte leer auf den endlos scheinenden Ozean von Rigel III (Trivialname: Asimov - nach einem altterranischen Schriftsteller). Salz lag in der Luft und man konnte sehen und hören, wie sich die Wellen an der steinigen Küste von Morrow Island brachen. Der apathische Patient wurde von Larus den betonierten Weg entlanggeschoben. Larus tat das nicht aus unmittelbarer Notwendigkeit heraus, denn erstens hätte er auch dem Computer die Fortbewegung des kleinen Gefährts überlassen können und zweitens fiel diese Art der Betreuung auch überhaupt nicht in den Bereich seiner Pflichten. Sein elektronischer Kofferpsychiater hatte ihm den Grund verraten - und im Grunde seines Herzens hatte er ihn immer gewußt. Der Patient wandte nicht den Kopf, als die Strahlen der Sonne, um die Asimov seine Bahn zog, ihm ins Gesicht schienen. Er reagierte nicht auf seine Umwelt. Vielleicht konnte er es nicht, vielleicht wollte er es auch gar nicht. Larus empfand eine tiefe Schuld gegenüber diesem pflanzenhaften Wesen.

Es ist unverantwortlich gewesen, das Experiment durchzuführen! dachte Larus zum hundertsten Mal. Wir hätten es nicht tun dürfen! Das Risiko war viel zu groß!

Larus hatte von Anfang an Bedenken gehabt und diese auch geäußert. Die wissenschaftlichen Grundlagen waren lückenhaft und unzureichend gewesen, die Versuche an Tieren hatten nicht den erwünschten Durchbruch gebracht. Aber es war dennoch geschehen und obwohl es Malejew gewesen war, der das letzte Wort gehabt hatte, konnte sich Larus eines unguten Gefühls nicht erwehren.

Du bist nur ein kleines unbedeutendes Rädchen in der Hierarchie des Cartani-Konzerns! versuchte er sich stets einzureden. Er war zwar wissenschaftlicher Leiter des Forschungscamps, aber das hörte sich nach mehr an, als es in Wirklichkeit war. Malejew war der Bevollmächtigte des Cartani-Konzerns für dieses Projekt, aber kein Wissenschaftler. Und allein schon in dieser Befehlshierarchie manifestierte sich etwas, das Larus während seiner Arbeit gerne vergaß: Die Tatsache nämlich, daß es auf Morrow nicht in erster Linie um einen Dienst an der Wissenschaft ging, sondern darum, eine Möglichkeit zu schaffen, die Bevölkerung eines Planeten absolut kontrollieren und beobachten zu können. Natürlich würde man als Nebenprodukt tiefe Einblicke in die Natur der menschlichen Wahrnehmung und des bisher kaum ausgeloteten Konflikts zwischen subjektiver und objektiver Realität erhalten. Außerdem - wer hätte das mit Sicherheit ausschließen mögen? - bestand die Möglichkeit, daß durch ein Gelingen der Symbiose zwischen menschlichem Gehirn und gentechnologisch gezüchteten Plasmawesen ein Schritt nach vorn in der evolutionären Entwicklung des Menschen geschähe: Ein mit der Gabe der objektiveren (weil umfassenderen) Wahrnehmung ausgestatteter Übermensch. Larus hatte sich trotz des unübersehbaren und in seinen Augen zurmindest fragwürdigen Hauptzwecks des Projektes, der Faszination, die im Allgemeinen von dieser Arbeit ausging, nicht entziehen können. Es war etwas Großes, Bedeutsames an dem er mitarbeitete; etwas, das einen besessen machen konnte und dem irgendwo auch etwas Gefährliches, Abgründiges innewohnte. Das erste Opfer gab es bereits zu beklagen: Es hieß Jesper Greene und war statt zum Übermenschen zu einer Pflanze geworden. Es schien wie ein überaus zynischer Witz, den sich die Plasmawesen ausgedacht hatten, um alle, die auf der Morrow-Insel arbeiteten der Lächerlichkeit preiszugeben. Armer Greene! Aber war er nicht ohnehin auf dem besten Weg in den Wahnsinn gewesen?

Laß deine kläglichen Versuche, dich zu rechtfertigen und zu entschuldigen! wies Larus sich selbst zurecht. Es git keinerlei Anlaß, deinen Anteil an Greenes Untergang zu relativieren!


***


Diese tägliche Ausfahrt des Patienten empfand Larus als sehr deprimierend. Er fragte sich, wie es Dr. Lemieux und all den anderen (aber vor allen Dingen Malejew) gelang, so zu tun, als hätten sie mit dem Schicksal Greenes nichts zu tun, ja, als hätte er nie auf ihrem Operationstisch gelegen und als hätten sie ihn nie als ihr Versuchskaninchen benutzt. Er konnte nicht verstehen, weshalb sie so wenig menschliche Regung zeigten (und wieder kam ihm dabei in besonderem Maße Malejew in den Sinn).

Larus sah deutlich Malejews kahlgeschorenen Schädel vor seinem geistigen Auge; um den Mund spielte ein zynisches Grinsen und auf dem Arm trug er seinen hirnlosen Pudel. Vom Anfang ihrer Bekanntschaft an, als Larus hierher nach Morrow auf Asimov gekommen war, um die wisseschaftliche Leitung des Projekts zu übernehmen, war sein Verhältnis zum Bevollmächtigten des Cartani-Konzerns gleichermaßen von Furcht und Unbehagen auf der einen und Interesse auf der anderen Seite geprägt gewesen.

Aber bis zum heutigen Tage war es Larus nicht gelungen, größere Einblicke hinter Malejews äußere Fassade zu bekommen. Der Kahlkopf schirmte sich geschickt gegen jegliche Versuche ab, in sein Inneres zu dringen. Daher war es fast unmöglich, mit ihm außerhalb des dienstlichen Bereiches Kontakt aufzunehmen - es sei denn, es ging um den Austausch einiger zynischer Bemerkungen. Aber da konnte Larus nicht mithalten. Wenn Malejew nicht gerade mit irgendwelchen dienstlichen Angelegenheiten beschäftigt war, fand man ihn stets allein, nur in Begleitung seines Pudels, der das einzige Wesen zu sein schien, mit dem ihn mehr, als nur das unmittelbar Notwendige verband.

So kühl auch seine Beziehungen zu den ihn umgebenden Menschen gestaltet sein mochten, so war sein Verhältnis zum Projekt gänzlich anderer Natur. Hier zeigte sich Malejew von geradezu fanatischer Besessenheit und konnte mitunter in einen Zustand überschwenglicher Euphorie gelangen. Wenn Larus es recht betrachtete, dann wußte er nur sehr wenig über Malejew. In den Datenspeichern von Morrow war fast nichts über ihn zu finden. Nicht einmal Angaben auf welchem Planeten er geboren war.

"Hallo, Dr. Larus!" rief eine Männerstimme und riß den wissnschaftlichen Leiter des Camps damit aus seinen Grübeleien. Er hatte die rasch und mit langen Schritten daherschreitende Gestalt Dan Lemieuxs nicht bemerkt und war für den Bruchteil eines Augenblicks etwas verwirrt.

Als Lemieux Larus erreicht hatte, blieb er stehen, um zuerst ihn und dann Greene mit einem nachdenklichen Blick zu bedenken.

"Ich mache mir Sorgen um Sie, Larus!"

"Weshalb?"

"Weil Sie sich die bedauerliche Angelegenheit mit Greene zu sehr zu Herzen nehmen!" Und nach kurzer Pause fügte er noch hinzu: "An Ihrem Gesicht sehe ich, daß ich Recht habe. Widersprechen Sie mir also nicht!" Larus' Züge wurden sichtlich angespannter und es schien ganz offensichtlich so, daß ihm dieses Thema unangenehm war.

"Unser aller Versagen ist Schuld daran, daß ein Mensch mit eigenständiger Persönlichkeit zu etwas degeneriert ist, das dumpf und stumm vor sich hin vegetiert wie ein Baum oder wie Gras!"

"Greene wußte, daß das Risiko hoch war", erklärte Lemieux so ruhig es ihm möglich war. "Was geschehen ist, ist bedauerlich und aller Wahrscheinlichkeit auch nicht wieder rückgängig zu machen." Er packte Larus bei den Schultern und die beiden wechselten einen Blick, der jedem von ihnen das Unverständnis des anderen zeigte.

Larus schätzte Lemieux als sachkundigen und intelligenten Mitarbeiter, aber seine Art über die Sache mit Greene zu reden fand den eindeutigen Widerwillen des Projektleiters. Er spürte, daß es Lemieux nicht wirklich darum ging, ihm seinen Schuldkomplex zu nehmen. Das Wohlwollen und das Mitgefühl, das der Arzt mit seinen Worten zu vermitteln suchte, schien irgendwie nicht wahrhaftig zu sein, auch wenn Larus nicht genau zu sagen vermocht hätte, weshalb er so empfand. Ein unsicheres, flüchtiges Lächeln spielte um Lemieuxs Mund und irritierte Larus ein wenig. Ich frage mich, ob er wirklich begreift, was mich bewegt! überlegte Larus. Während sie einige Momente lang schwiegen, schien sich die Atmosphäre zwischen ihnen aufzuladen. Beiden bereitete die Situation jetzt Unbehagen, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

"Die Wissenschaft...", meinte Lemieux schließlich und kratzte sich am Ohr. "Wir stehen alle im Dienst der Wissenschaft und des Fortschritts. Wir beide ebenso wie seinerzeit Carlott. Leider kommt es immer wieder vor, daß diese große Aufgabe, die wir uns stellen, die Aufgabe der Erkenntnisvermehrung, Opfer fordert. Opfer, die uns manchmal unverhältnismäßig erscheinen mögen, aber sind sie nicht letztendlich durch das hohe Ziel gerechtfertigt, die Menschheit in ihrer Entwicklung weiterzubringen?"

Wenn Lemieux derartige Plattitüden dahersagte, gelang ihm dies in der Regel nie ohne einen Schuß unfreiwilliger Komik, der von Larus nicht unbemerkt blieb.

Die Wahrheit ist höchstwahrscheinlich, daß er über solche Dinge überhaupt nicht nachdenkt! dachte Larus mit einem bitteren Gefühl. Deshalb klingt es so merkwürdig, wenn er so etwas sagt!

Die beiden Wissenschaftler verabschiedeten sich voneinander und Larus war wieder allein mit Greene, dessen Augen matt ins Leere starrten und weder das Meer noch die Steilküste und den wunderschönen Himmel von Asimov wahrzunehmen schienen. Bisweilen kamen Larus absonderliche Gedanken, wenn er Greene so ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt dahinvegetieren sah.

Was, wenn sein Bewußtsein - entgegen allen Prognosen - eines Tages doch zurückkehrte? Mußte es nicht ein verbitterter, von Haß- und Rachegedanken erfüllter Greene sein, der dann aus dem Abgrund der Unbewußtheit emportauchen würde? Wie würde er reagieren, wenn er begriffen hatte, was mit ihm geschehen war? Welche ungeahnten Deformationen mußte eine Seeie davontragen, die so schrecklichen Leiden ausgesetzt wurde? Larus war sich in solchen Augenblicken mit sich selbst nicht ganz darüber einig, ob es am Ende nicht gar ein für den Betroffenen positives Faktum darstellte, daß ein Zurückholen seines Bewußtseins aus der autistischen Einsiedelei fürs Erste völlig ausgeschlossen war und aller wissenschaftlichen Voraussicht nach auch bleiben würde. Vielleicht, so überlegte Larus manchmal, würde man ihm gar keinen Gefallen damit tun, ihn aus seiner Dumpfheit zu wecken.

Während Larus seine gewohnte Runde mit Greene zu Ende führte, hatte er - wie stets - das Gefühl, die Zeit schritte gerade jetzt besonders langsam voran. Sie schien deutlich zähflüssiger als zu anderen Tageszeiten und jede Minute hatte zu seinem Leidwesen Platz genug für ein gutes Dutzend unliebsamer Gedanken. Am Schluß dieser täglichen selbstauferlegten Bußehandlung, brachte Larus den Patienten zurück in sein Quartier. Wenn er dann wieder hinaustrat in das heiße Sonnenlicht, war das jedesmal wie eine Erlösung. Er fühlte sich dann ein wenig besser und gestattete es sich, Greene für den Rest des Tages nicht die beherrschende Rolle in seinem Leben und seinen Gedanken spielen zu lassen. Was dann folgte war zum größten Teil Routine. Er gab hier und da Anweisungen, ließ sich Laborergebnisse und Computerberechnungen zeigen und ging durch die verschiedenen Versuchsanlagen. Wenn er dann später in seinem Büro am Terminal saß und sich den Gesamtstand der Forschungen auf Morrow ansah, so mußte er wohl oder übel zugeben, daß offensichtlich auf der Stelle getreten wurde. Der anfängliche Elan, der das Projekt die erste Zeit hindurch begleitet hatte, war verflogen; Fortschritte ließen sich immer schwieriger erreichen. Larus war nicht der einzige, der das bemerkte. Überall im Camp machte sich eine resignative ratlose Stimmung breit.

"Wir müssen unbedingt die Großcomputer des Sol-Systems anzapfen!" erklärte Dr. Dr. Sora Samabi, als sie am Abend in Larus Büro kam und dort einen verzweifelten Projektleiter vorfand. "Das mag zwar ein Vermögen an Gebühren kosten, aber ohne eine massive Aufstockung unserer Computerkapazitäten werden wir auf absehbare Zeit hinaus keinen Durchbruch erzielen. Oder ist Cartani zu geizig, die dafür anfallenden Gebühren aufzubringen?"

Samabi war eine kleine, stämmige Frau mit glattrasiertem Kopf, auf dem es nur zwei zentimeterdicke Haarstreifen von der Form ihrer Initialen gab und die zu einer heftigen, fast beschwörend wirkenden Gestik neigte. Larus nickte ihr zu und lehnte sich hinter seinem Terminal zurück.

"Sie wissen so gut wie ich, daß das unmöglich ist, weil dieses Projekt geheim bleiben muß. Mit den Gebühren hat das nichts zu tun!"

"Dann sorgen sie bitte dafür, daß ein Großcomputer nach Morrow geschafft wird!"

"Malejew befindet sich zur Stunde auf der Erde. Vielleicht kann er die Konzernoberen für den von ihnen schon so lange geforderten Großrechner erweichen."

Samabis Züge wurden finster.

"Ich möchte es hoffen!" brummte sie.

Larus sah in ihren Zügen ehrlichen Zorn, aber da war noch etwas anderes, etwas, das schwer zu bestimmen war. Besorgnis vielleicht.

"Ich weiß, daß sie vollkommen Recht haben, aber ich bin nicht der Mann, der hier etwas ändern könnte", sagte Larus hilflos.

Sora Samabi beugte sich daraufhin über den Tisch und meinte fast flüsternd: "Könnte es sein, daß man auf den oberen Etagen von Cartani dieses Projekt bereits mehr oder weniger abgeschrieben hat?"

Larus erstarrte.

"Es ist nur ein ganz vager Verdacht. aber..." Sie zog die Augenbrauen in die Höhe. "Vielleicht wird man das Camp in nächster Zeit schließen..."

"Das ist Unsinn!" rief Larus. "Ich weiß nicht, wer ihnen das eingeredet hat, aber mir ist jedenfalls von solchen Dingen nichts bekannt!"


***


Dr. Connet Larus betrachtete stumm Greenes matte Augen, die auf die an der Wand hängenden Musikinstrumente gerichtet waren. Der Patient war vollkommen reglos. Nicht ein Muskel zuckte in seinem zur Maske erstarrten Gesicht. Fast wie eine Puppe saß er da und Larus konnte sich vom Anblick dieses Seelenlosen einfach nicht lösen.

Er ist kein Mensch mehr! dachte er. Nicht im eigentlichen Sinne jedenfalls... Vielleicht hat Dr. Samabi mit ihrer Ansicht Recht, daß es das Beste wäre, ihn einzuschläfern... Larus erschrak über seine eigenen Gedanken. Ja, für dich wäre das die einfachste Lösung! entlarvte er sich selbst und das Gefühl, das ihn dabei überkam, war sehr bitter. Greene führt dir ständig dein Versagen vor: als Mensch und als Wissenschaftler gleichermaßen! Aber was, wenn nun doch etwas von Greenes Bewußtsein übriggeblieben ist? Was, wenn er seine gegenwärtige Existenz als angenehm empfindet und sich auf seine Weise am Leben freut? Man müßte wissen, was hinter dieser verdammten Stirn abläuft! überlegte Larus. Ist es nicht eine Ironie? Unsere Raumschiffe sind tief in den Weltraum gedrungen, haben fremde Galaxien erforscht - aber die paar Zentimeter, die unser Gehirn ausmachen, bieten uns immer noch mehr Rätsel als die Millionen Parseks da draußen...

Ein Stöhnen entrang sich unvermittelt Greenes Mund und Larus erschrak. Seit der Operation war nichts über die Lippen des Patienten gekommen. Kein Laut. Was konnte das zu bedeuten haben? Larus suchte sofort nach den möglichen Ursachen für diese Lautäußerung, aber er fand nichts. Vielleicht hatte Greene Schmerzen. Vielleicht hatte er auch einfach nur ungeschickt geatmet, sodaß es sich wie ein Stöhnen anhörte. Larus postierte sich so, daß er dem Patienten ins Gesicht sehen konnte. Aber dieser einmaligen Lautäußerung, von der man nicht sagen konnte, was sie bedeutete oder wodurch sie bewirkt worden war, folgte keine Zweite. Greenes Lippen waren geschlossen. Seine Züge blieben starr und unbeweglich. Für Larus war es jedesmal schmerzhaft in dieses Gesicht zu schauen, das ihm jedesmal aufs Neue wie ein Vorwurf schien. Aber er zwang sich dazu, hinzusehen, so als würde durch die Qual, die er fühlte, etwas von der Schuld abgetragen werden können, die er auf sich geladen zu haben meinte. Warum mußte er auch so empfindsam und dünnhäutig sein und sich diese Sache so sehr zu Herzen nehmen? Warum war er nicht wie Lemieux oder Malejew, die für solche Situationen deutlich besser gerüstet zu sein schienen. Manchmal wünschte er es sich wirklich.


***


Es war finsterste Nacht um ihn herum und er hatte das Gefühl, zu schweben, zu schwimmen, zu taumeln, sich zu drehen. Und zu fallen. Es herrschte eine abgrundtiefe Furcht in ihm, die alles regierte. Diese Furcht schien das Hauptelement seines verschwommenen Ichs zu sein. Eine Furcht, die nicht durch die alles umgebende Finsternis verursacht war, sondern durch ihr Gegenteil, der brennenden Flut greller Bilder. Es war dunkel um ihn. Und stille.


(c) Alfred Bekker


In den Höhlen

von Alfred Bekker

Chronik der Sternenkrieger




Ein CassiopeiaPress E-Book

Die abweichende Original-Printausgabe erschien in der Romanreihe „STERNENFAUST“ unter dem Titel „In den Höhlen der Ganador“.

© 2005,2008,2013 by Alfred Bekker

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de



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Mitte des 23. Jahrhunderts werden die von Menschen besiedelten Planeten durch eine kriegerische Alien-Zivilisation bedroht. Nach Jahren des Krieges herrscht ein brüchiger Waffenstillstand, aber den Verantwortlichen ist bewusst, dass jeder neue Waffengang mit den Fremden das Ende der freien Menschheit bedeuten würde. Zu überlegen ist der Gegner.

In dieser Zeit bricht die STERNENKRIEGER, ein Raumkreuzer des Space Army Corps , unter einem neuen Captain zu gefährlichen Spezialmissionen in die Weite des fernen Weltraums auf...




Alfred Bekker schrieb die fesselnden Space Operas der Serie CHRONIK DER STERNENKRIEGER. Seine Romane um DAS REICH DER ELBEN, die GORIAN-Trilogie und die DRACHENERDE-SAGA machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er schrieb für junge Leser die Fantasy-Zyklen ELBENKINDER, DIE WILDEN ORKS, ZWERGENKINDER und ELVANY sowie historische Abenteuer wie DER GEHEIMNISVOLLE MÖNCH, LEONARDOS DRACHEN, TUTENCHAMUN UND DIE FALSCHE MUMIE und andere. In seinem Kriminalroman DER TEUFEL VON MÜNSTER machte er mit dem Elbenkrieger Branagorn eine Hauptfigur seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einem höchst irdischen Mordfall. Im November 2012 erschien mit DER SOHN DER HALBLINGE sein nächster großer Fantasy-Epos bei Blanvalet.


>+++<


Samtran VIII, Nalhsara der Fulirr, Residenz des Flottenkommandanten…

Marrashtuorr ließ seine Riechzunge kurz aus dem reptiloiden Maul hervorschnellen. Ein Zeichen der Nervosität. Aber der gegenwärtige Befehlshaber jener Flotte aus Einheiten der sauroiden Fulirr und der Methan atmenden Naarash, die sich im Samtran-System gesammelt hatte, um sich für den Angriff auf das Territorium der Humanen Welten vorzubereiten, wusste, dass eigentlich von ihm erwartet wurde, sich beherrscht und stark zu geben.

Narashtirr, der zweite Fulirr im Raum starrte derweil auf den großen Bildschirm, wo gerade die eingehenden Abstimmungsergebnisse erschienen. Die Allgemeinheit des Nalhsara entschied über Krieg oder Frieden. Lange hatte die große Mehrheit der Fulirr auf Grund der zu erwartenden hohen Verluste davor zurückgeschreckt, den Großangriff auf den Picus-Sektor und das von Menschen kontrollierte Wurmloch tatsächlich zu beginnen, nachdem man bei ersten Vorstößen gescheitert war.

Doch nun standen die Zeichen auf Krieg. Immer deutlicher zeichnete sich eine Mehrheit für einen sofortigen Angriff ab.


*


Etwas abseits standen mehrere Gestalten in Raumanzügen, deren Helmvisiere keinerlei Blick ins Innere gewährten. Die entfernt humanoiden Körper schienen über sehr kräftige Arme und Beine zu verfügen.

Außerdem hatten sie offenbar an der Vorderseite des Kopfes einen langen Fortsatz. Ob es sich dabei um ein Maul, einen Schnabel oder einfach nur um einen sehr tiefen Zierkamm handelte, war nicht bekannt.

Es handelte sich um Methan atmende Naarash.

Gator, der regierende Handelsherr des Handelshauses Algorar weilte mit seinem Gefolge in der Schwebenden Stadt.

Es war dem Naarash-Handelsherrn gelungen, etwas zu schaffen, was vor ihm noch niemand geschafft hatte: Eine Flottenkoalition verschiedener Naarash-Handelshäuser, die allesamt ein einziges Ziel einte: Sie wollten das sich im Besitz der Menschen befindliche Wurmloch unter ihre Kontrolle bringen. Und da ihr Versuch, das Wurmloch auf eigene Faust zu erobern, kläglich am Widerstand des Space Army Corps gescheitert war, hofften sie nun, dieses Ziel mit Hilfe eines Verbündeten zu erreichen, dessen Ziele in dieser Hinsicht offenbar einigermaßen kongruent mit ihren eigenen waren.

Am problematischsten war vermutlich die Zeit nach dem Sieg über die Humanen Welten, wie sich das Staatsgebilde der Menschheit nannte. Dann wurde nämlich die Beute aufgeteilt und der Naarash-Handelsherr hoffte natürlich darauf, dass es letztendlich seine Seite sein würde, die am Ende das Wurmloch unter ihre Kontrolle bekam, mit dessen Hilfe eine Passage in ein fünfzigtausend Lichtjahre entferntes Raumgebiet erreicht werden konnte.

Doch noch war es nicht so weit.

Noch konnte alles an der Unentschlossenheit seiner Fulirr-Verbündeten scheitern, bei denen alle Entscheidungen durch das »Nalhsara« gefällt wurden. So wurde nicht nur das Staatsgebilde und das Territorium der Sauroiden bezeichnet, sondern der Begriff beinhaltete vor allem auch die Gesamtheit aller Fulirr.

Die Allgemeinheit.

Sie stimmte darüber ab, was zu geschehen hatte und nötigenfalls auch, wer die beschlossenen Maßnahmen durchführen musste.

Eine sehr radikale Form direkter Demokratie, die dem Handelsherrn des Hauses Gator suspekt war. Gator war lediglich dem Kapitänsrat der Flotte des Handelshauses Algorar gegenüber verantwortlich. Dessen Mitgliedern musste er in regelmäßigen Abständen Rede und Antwort stehen und sie überzeugen, ihn gegebenenfalls in seinem Amt zu bestätigen.

In den Perioden dazwischen jedoch war – Gators Handlungsfreiheit recht groß – und die Loyalität der Kapitäne eine Ehrensache.

Ich frage mich ernsthaft, wie es dieses unentschlossene Volk von Reptilienabkömmlingen jemals geschafft hat, doch ein vergleichsweise großes, wenn auch dünn besiedeltes Sternenreich aufzubauen und darüber hinaus einen jahrzehntelangen Krieg gegen die K'aradan zu führen, wenn sie stets vor einer strategischen Entscheidung dazu gezwungen sind die Allgemeinheit aller stimmberechtigten Bürger zu befragen!

In Gators etwas geringschätziger Meinung hatte dies den Naarash bisher einen Vorteil gebracht – nämlich, dass sie von allen Völkern, die den Naarash bekannt waren, die beste Datenübertragungstechnik entwickelt hatten, um jederzeit ein korrektes Abstimmungsergebnis des Nalhsaras sicherstellen zu können.

»Die Abstimmung ist beendet«, erklärte Narashtirr, der Adjutant des Kommandanten, zufrieden und riss den Naarash damit aus seinen Gedanken.

Dem Verborgenen Gott sei Dank hat diese Folter nun ein Ende!, durchfuhr es Gator.

Das Ergebnis war eindeutig.

Narashtirr wandte sich an seinen Kommandanten Marrashtuorr und meinte: »Das Nalhsara hat sich für einen sofortigen Angriff entschieden!«

»Ja, so sieht es leider aus!«

»Warum leider?«, fragte Narashtirr. »Jeder hatte die Möglichkeit, seine Stimme abzugeben. Du auch.«

»Das habe ich auch getan«, verteidigte sich Marrashtuorr.

»Sind Sie etwa nicht der Meinung, dass wir das Wurmloch unter unsere Kontrolle bringen sollten?«, wunderte sich Narashtirr, denn über die Medien hatte der Kommandant der Flotte bei Samtran VIII stets etwas anderes gesagt und immer darauf hingewiesen, was für eine immense Bedeutung Wurmloch Alpha, wie die Menschen es nannten, für die Fulirr besaß.

»Ich meine eigentlich nur, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen ist«, entgegnete Marrashtuorr. »Es wäre besser, wir würden mit unserem Angriff noch warten, bis die Umstände günstiger sind und wir mit weniger Verlusten zu rechnen haben.«

»Verluste sind unvermeidlich«, erklärte Narashtirr sehr nüchtern.

»Das mag sein. Aber die Bevölkerung des Nalhsara erwartet offenbar beides zugleich von uns! Die Eroberung des Wurmlochs, aber bitte ohne Tote.«

Die Abstimmungsergebnisse verschwanden vom Bildschirm.

Sie machten dem Bild eines offenbar schon recht betagten Fulirr Platz, dessen Schuppen nicht mehr im besten Zustand waren.

Das war Hrrarr, der Ehrenflottenkommandant, dessen Pflicht es jetzt war, Marrashtuorr den Auftrag zu erteilen, mit der bei Samtran VIII gesammelten Flotteneinheiten in Richtung der Grenze zu den Humanen Welten aufzubrechen.

»Sie haben das Abstimmungsergebnis zur Kenntnis genommen, Marrashtuorr?«, fragte der alte Hrrarr.

Der Flottenkommandant nahm Haltung an und ballte die rechte Pranke zu dem Fulirr-Äquivalent einer Faust.

»Das habe ich. Unsere Schiffe stehen bereit. Ich kann jederzeit den Angriff befehlen.«

»Dann tun Sie dies – und zwar umgehend.«

»Jawohl!«


*


Ein halbes Lichtjahr vom Samtran-System entfernt befand sich der Leichte Kreuzer NEPTUN unter dem Kommando von Commander Raphael Wong auf Erkundungsmission. Sicherheitshalber flog die NEPTUN im Schleichflug, nachdem zunächst in einem mehrstündigen Bremsmanöver die beim Austritt aus dem Sandström-Raum erreichte Geschwindigkeit von 0,4014 LG auf unter 0,2 LG gedrosselt worden war.

Sämtliche Systeme waren auf ein absolut notwendiges Minimum zurückgefahren worden, um verräterische Emissionen zu vermeiden.

Zwar bestand trotz der überlegenen Technologie der Fulirr keinerlei Gefahr, dass die NEPTUN unmittelbar der feindlichen Fernortung auffiel. Verräterische Emissionen brauchten schließlich ein halbes Jahr, ehe sie auf diese Entfernung im Samtran-System zu orten waren. Allerdings bestand in diesem Raumsektor immer auch die Gefahr, auf gegnerische Patrouillen zu stoßen, die aus weitaus geringerer Distanz ihre Ortungssysteme auf Hochtouren laufen ließen und dann natürlich unter Umständen in der Lage waren, beispielsweise die typische Signatur eines Ionentriebwerks anzumessen, wie es zur Standardausstattung der Space Army Corps Schiffe gehörte.

Die NEPTUN hatte ständig mindestens eine Sandström-Sonde auf Empfang.

Mit Hilfe dieser aus K'aradan-Technologie stammenden Sonden war es dem Space Army Corps erstmals möglich, im Sandström-Raum Ortungen vorzunehmen. Allerdings mussten die Sonden dafür auf mindestens vierzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um in den Sandström-Raum eindringen und von dort senden zu können.

Da dieser Beschleunigungsvorgang einige Stunden dauerte, und stets die Gefahr bestand, dass der Kontakt zwischen Schiff und Sonde irgendwann abbrach, wurden bei besonders wichtigen

Beobachtungsmissionen stets zwei Sonden zeitverzögert eingesetzt. Ansonsten bestand die Gefahr, dass man für mehrere Stunden keine Sandström-Ortung besaß und zumindest in Bezug auf den Zwischenraum blind war.

Seit einer Woche versah die Crew der NEPTUN bereits ihren Dienst mehrere Lichtjahre jenseits der unsichtbaren Grenze zwischen dem Machtbereich der Fulirr und dem Territorium der Humanen Welten.

Eine gewaltige Armada hatte sich im Samtran-System zusammengefunden – bereit, sich des Wurmlochs bei Alpha Picus gewaltsam zu bemächtigen.

Commander Raphael Wong saß in seinem Kommandantensitz und schlug die Beine übereinander. Äußerlich wirkte er gelassen, wozu zweifellos auch sein asiatisch geprägtes Gesicht beitrug. Innerlich jedoch war er auf das Höchste angespannt.

Ihm war – wie jedem an Bord – klar, dass der große Krieg um Wurmloch Alpha und die mit ihm verbundene Verheißung einer schnellen Verbindung in ein 50.000 Lichtjahre entfernt liegendes Raumgebiet jederzeit beginnen konnte.

Eigentlich ist es verwunderlich, dass der Angriff nicht längst stattgefunden hat, überlegte Wong. Die Flottenstärke der vereinigten Fulirr und Naarash reichte längst aus.

Zwar war die Überlegenheit der Fulirr in letzter Zeit durch die Verwendung der Sandström-Sonden etwas gemildert worden, da es nun möglich wurde, im Sandström-Raum herannahende Schiffe bereits bei ihrem voraussichtlichen Austrittspunkt im Normalraum mit Dauerfeuer zu empfangen.

Aber die technologische Überlegenheit der Fulirr war ansonsten unangefochten. Ihre Antimaterieraketen stellten die stärkste Waffe dar, denen die Menschheit bisher begegnet war.

Vergeblich hatten Wissenschaftler der Humanen Welten versucht, diese Technologie zu kopieren. Und die Fulirr, denen es zuvor gelungen war, die Menschheit als Verbündete in den Konflikt hineinzuziehen, der seit vielen Jahrzehnten mit unverminderter Härte zwischen dem Reich der K'aradan und dem Nalhsara tobte, hatten es zwar verstanden, den Humanen Rat und die Führung des Space Army Corps mit dem Versprechen eines Technologie-Transfers zu ködern, andererseits aber dafür zu sorgen, dass so gut wie kein Anwendungswissen die Seiten gewechselt hatte.

Die menschlichen Versuche, auf Grundlage des Fulirr-Wissens eine eigene Antimateriewaffe zu entwickeln, waren seinerzeit kläglich gescheitert, wie Raphael Wong sich nur zu gut erinnerte. Schließlich war er damals auf der STERNENKRIEGER I Erster Offizier unter Commander Rena Sunfrost gewesen, als der Leichte Kreuzer zur Durchführung des ersten Tests ins Apollo-System aufgebrochen war.

»Captain, eine der Sonden misst einen Eintritt in den Sandström-Raum an. Die Position entspricht dem Samtran-System. Ein zweiter Eintritt in den Sandström-Raum erfolgte kurz danach«, meldete Lieutenant Derek Batista, der Ortungsoffizier der NEPTUN.

»Wie der Beginn der großen Invasion sieht das nicht gerade aus«, kommentierte Lieutenant Brian Mayer, der Erste Offizier. »In den letzten Tagen haben immer wieder mal ein paar Schiffe das System verlassen…«

»Allerdings gab es keine Schiffe, die noch hinzugekommen wären, um die Armada der Fulirr und Naarash zu verstärken«, gab Derek Batista zu bedenken.

»Sie meinen also, wir können davon ausgehen, dass die Phase der Flottenkonzentration abgeschlossen ist«, glaubte Raphael Wong.

»Ja, Sir«, bestätigte Batista. »Im Wesentlichen ist sie das allerdings schon seit Wochen. Nach den Messungen, die sowohl wir als auch die anderen Kundschafterschiffe vorgenommen haben, sind innerhalb der letzten vierzehn Tage – gerade mal fünf Einheiten im Samtran-System eingetroffen.«

»Captain, der Eintrittsvektor der beiden soeben im Sandström-Raum angemessenen Fulirr-Raumer sollte uns zu denken geben«, meldete sich Lieutenant Pemmo Nebbson zu Wort. Er war der Funkoffizier der NEPTUN und als solcher für den Empfang jener Signale zuständig, die von den Sandström-Sonden zum Mutterschiff gesandt wurden. Die Verarbeitung der eingehenden Daten lag dann wiederum federführend beim Ortungsoffizier. Allerdings hatte natürlich auch Nebbson zwangsläufig ständigen Zugriff auf die Daten, da es ihm anders gar nicht möglich gewesen wäre, Übermittlungsfehler oder eine nachlassende Sendeleistung der Sonde rechtzeitig zu erkennen.

Gerade Letztere kündigte sich nämlich in der Regel durch eine immer schlechter werdende Daten-Dichte und Qualität an, wie sich im Laufe der Zeit gezeigt hatte.

»Ich bitte um eine Erläuterung, Lieutenant«, sagte Commander Wong.

»Der Eintrittsvektor verrät uns, dass der voraussichtliche Punkt, an dem die beiden Schiffe in den Normalraum zurückkehren werden, außerhalb der Ortung unserer Sandström-Sonden liegt. Unser Bordrechner vermutet den Austrittspunkt in einer Entfernung von mindestens vier Lichtjahren zum Samtran-System.«

»Das würde auf Alpha Picus und Wurmloch Alpha zutreffen«, stellte Wong düster fest.

»Zumindest dürfte feststehen, dass die beiden Schiffe eigentlich nur innerhalb des Territoriums der Humanen Welten rematerialisieren können.«

»Vielleicht handelt es sich um irgendeine Erkundungsmission«, überlegte Lieutenant Celine Al-Malik, die Waffenoffizierin der NEPTUN. »So ähnlich wie wir auch vorgehen, um die Flottenkonzentrationen des Gegners im Auge zu behalten.«

»Captain, sollen wir Commodore Soldo über die beiden Schiffe informieren?«, fragte Lieutenant Brian Mayer.

»Durch die Benutzung des Sandström-Funks würden wir unsere Tarnung aufgeben«, gab Lieutenant Nebbson zu bedenken.

Wong überlegte kurz.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Nähe vorgeschobene Einheiten der Fulirr befanden, war recht groß.

Die über die Sandström-Sonden angemessenen Zwischenraum-Passagen der letzten Tage ließen das fast schon als gesicherte Erkenntnis erscheinen. Falls man die Funkstille brach und den Sandström-Sender der NEPTUN benutzte, musste das eigentlich von diesen Schiffen bemerkt werden.

Das wiederum bedeutete nichts anderes, als dass die Mission der NEPTUN damit beendet war. Sie konnte es dann wahrscheinlich gerade noch schaffen, rasch genug zu beschleunigen, um in den Sandström-Raum zu entkommen, ehe stärkere Verbände der Fulirr erschienen und die NEPTUN mit ihren gefürchteten Antimaterieraketen unter Feuer nahmen.

»Was ist Ihre Meinung, Templeton?«, erkundigte sich Wong bei Lieutenant Pierre Templeton, dem Ruderoffizier des Leichten Kreuzers, der sich bisher noch gar nicht zur Sache geäußert hatte.

»Meiner Einschätzung nach können die beiden angepeilten Fulirr-Einheiten nicht so viel Schaden anrichten, wie durch die Aufhebung der Funksperre entstehen wurde. Unser Posten wäre unbesetzt. Wir sind im Moment die am weitesten vorgeschobene Einheit und die Ortungsreichweite der Sandström-Sonden, die sich auf weiter zurückgezogenen Positionen befinden, reichen nicht bis ins Samtran-System. Daher kommt unserem Schiff im Moment eine Schlüsselposition zu.«

»Letzteres ist eine Einschätzung, die ich teile«, sagte Wong nickend.

»Sir, darf ich etwas anmerken«, meldete sich Lieutenant Celine Al-Malik zu Wort. Die Waffenoffizierin hatte sich von ihrer Konsole abgewandt, über die sie normalerweise im Gefechtsfall die Steuerung des Schiffs übernahm.

»Bitte, Lieutenant«, gab Wong zurück.

»Es könnte sich bei dem Aufbruch der beiden Fulirr-Schiffen um ein taktisches Manöver handelt, das dem Großangriff vorausgeht.«

»Sie denken, dass diese Schiffe ausgesandt wurden, damit wir die Sandström-Funksperre brechen«, schloss Wong.

»Ja, Sir. Die Fulirr wüssten dann, wie gut sie beobachtet werden und können sich immer noch überlegen, ob sie ihre Invasion bereits starten oder noch verschieben…«

»Dass diese Invasion unmittelbar bevorsteht, dafür sprechen eigentlich alle Erkenntnisse«, meinte Mayer. Der Erste Offizier der NEPTUN kratzte sich nachdenklich am Kinn und fügte dann noch hinzu: »Insbesondere könnte die verstärkte Sandström-Funk-Aktivität innerhalb des Nalhsara darauf hindeuten, dass gegenwärtig eine Abstimmung vonstatten geht!«

»Eine Abstimmung mit hohem Datenaufkommen, an der sich die Gesamtheit der Fulirr beteiligt«, stimmte Nebbson zu. »Das scheint mir plausibel zu sein.«

Raphael Wong atmete tief durch. Es ist meine Entscheidung.

Er erhob sich aus seinem Schalensessel, wandte den Blick kurz in Richtung des Panorama-Schirms, auf dem die relativ nahe Sonne Samtran deutlich hervorgehoben zu sehen war und befahl schließlich: »Die Sandström-Funksperre bleibt aufrecht erhalten. Wir beobachten weiter die Flottenbewegungen des Gegners.«

»Aye, Sir«, bestätigte Mayer.

Zwei Stunden dauerte es, ehe die nächsten Eintritte in den Sandström-Raum durch die Sonden geortet wurden.

Inzwischen hatte die NEPTUN den Kontakt zu einer dieser Sonden verloren, was unweigerlich irgendwann geschah. Eine weitere war aber rechtzeitig auf den Weg geschickt worden, um den Ausfall zu ersetzen, sodass der Ausfall an Ortungsdaten nicht allzu lange andauerte.

Nach fünf Stunden waren bereits vierzig Einheiten angepeilt worden, die in den Sandström-Raum eingetreten waren.

Die Eintrittsvektoren verrieten, dass die Schiffe des Gegners zwei Gruppen bildeten, die offensichtlich auch zwei verschiedene Ziele ansteuerten, die mindestens ein paar Lichtjahre voneinander entfernt positioniert sein mussten.

Jetzt endlich gab Wong den Befehl, die Funksperre zu brechen.

»Funk! Schicken Sie eine Transmission an Commodore Soldo auf der LIBERTY«, verlangte Wong von Lieutenant Pemmo Nebbson. »Ruder! Maximale Beschleunigung und schnellstmöglicher Übertritt in den Sandström-Raum. Wir kehren zurück.«

»Ich nehme an, dass man im Picus-Sektor schon sehr bald jede Einheit brauchen wird«, glaubte Lieutenant Templeton.

Der Ruderoffizier nahm ein paar Schaltungen an seiner Konsole vor. Ein Rumoren durchlief die NEPTUN. Die Ionentriebwerke liefen warm und sorgten schon bald für einen erheblichen Schub.

Dennoch würde der Leichte Kreuzer für die nächsten Stunden noch im Normalraum festsitzen. Aber wir haben einen Trumpf auf unserer Seite, dachte Wong. Solange wir dafür sorgen, dass wir immer ausreichend Sandström-Sonden im Zwischenkontinuum haben, können wir den Feind orten – er uns aber nicht!

Dies war kein taktisches Geplänkel mehr, um Beobachterschiffe dazu zu verleiten, ihren Schleichflug aufzugeben und durch Benutzung des Sandström-Senders zu verraten.

Dies war der Beginn des Krieges!


*


Viele Lichtjahre entfernt, im Gebiet der K'aradan…

Die sichelförmige STERNENKRIEGER II materialisierte aus dem Sandström-Raum.

Warten wir ab, was wir hier finden werden, ging es Captain Rena Sunfrost, der Kommandantin des Sondereinsatzkreuzers, durch den Kopf.

Es war noch nicht lange her, da traf die Crew der STERNENKRIEGER in einem dreihundert Lichtjahre horizontal zur Spiralebene der Galaxis gelegenen System von sieben Dunkelwelten auf die Rodanag. Dem Raumgebiet hatte Professor Jack Metz die Bezeichnung Dark Area gegeben.

Ein Name, der sich bald auch für das Siebenersystem selbst eingebürgert hatte. Die krakenähnlichen Geschöpfe waren offenbar die degenerierten Verwalter eines künstlichen angelegten Objekts von gigantischer Größe gewesen. Wie die legendären Basir und die Etnord waren sie ein Hilfsvolk der Hochzivilisation der Alten Götter gewesen, die überall in der Galaxis Rudimente ihrer Baukunst und ihrer Technik hinterlassen hatten. Eine Hohlwelt gehörte ebenso dazu wie die zu einem exakten Siebeneck angeordneten Monde des Planeten Tardelli IV, der deshalb auch den Namen Heptagon erhalten hatte. Die sieben dunklen Welten – ebenfalls zu einem exakten Heptagon angeordnet und auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden – waren das bisher phantastischste dieser gigantischen Bauwerke.

Seine Funktion hatte die STERNENKRIEGER Crew wenig später kennen gelernt.

Dieses Siebeneck von Dunkelwelten diente offenbar der Erschaffung von Wurmlöchern, die als Transportpassagen dienten.

Eine Flut von sehr charakteristischen, fünfdimensionalen Impulsen hatte Heptagon erreicht, war von dort wie bei einer Relais-Station weitergeleitet worden und hatte schließlich jenen geheimnisvollen Ort in der Dark Area erreicht.

Die STERNENKRIEGER hatte die Bildung des Wurmlochs durch gezielten Beschuss der technischen Anlagen verhindern können.

Sehr wahrscheinlich handelte es sich um den Invasionsversuch jener parasitären Organismen, die auch die menschlichen Siedler im 50.000 Lichtjahre entfernten Trans-Alpha-Sektor übernommen hatten und deren Armada nur darauf wartete, ihr Einflussgebiet endlich auch auf die andere Seite von Wurmloch Alpha ausdehnen zu können.

Inzwischen galt es als gesicherte Erkenntnis, dass auch jenes Wurmloch, das die Sonne Alpha Picus umkreiste und jetzt der Grund für so viele außenpolitische Verwicklungen war, einen künstliche Ursprung hatte.

Der planetare Nebel, der Alpha Picus umkreiste, stellte wohl die Restmaterie eines Systems von Sieben Dunkelwelten dar, das wahrscheinlich in einem vor Äonen tobenden Krieg vernichtet worden war.

»Die Austrittsgeschwindigkeit beträgt 0,4112 LG!«

Lieutenant John Taranos, seines Zeichens Ruderoffizier der STERNENKRIEGER II, nahm ein paar Schaltungen an seiner Konsole vor.

»Bremsmanöver einleiten«, befahl Lieutenant Commander Steven Van Doren, der Erste Offizier.

»Wir orten die charakteristischen fünfdimensionalen Impulse, die auch im Dark-Area-System und den Heptagon-Monden angemessen wurden«, meldete sich nun Lieutenant Wiley Riggs zu Wort.

Der junge, außerordentlich begabte Ortungsoffizier mit den dunklen, leicht gelockten Haaren berührte ein paar Sensorfelder seines Touchscreens und aktivierte ein Teilfenster des Panorama-Schirms. Es zeigte eine schematische Positionsdarstellung mit einem markierten Radius von zwei Lichtstunden, was jenem Bereich entsprach, der von den Sensoren der STERNENKRIEGER ohne Zeitverzögerung abgetastet werden konnte.

Eine Markierung erschien plötzlich innerhalb dieses Radius.

Wenig später eine zweite und dritte.

»Captain, die Schiffe unserer K'aradan-Eskorte materialisiert gerade im Leerraum«, meldete Riggs.

»Damit war ja zu rechnen«, meinte Van Doren.

Nach der Rückkehr der STERNENKRIEGER aus dem System der sieben Dunkelwelten hatte der Humane Rat diplomatische Kontakte mit sämtlichen Sternenreichen in unmittelbarer Nachbarschaft der Humanen Welten aufgenommen, um ihnen deutlich zu machen, dass sie gut daran taten, innerhalb ihrer Territorien nach ähnlichen Siebenersystemen zu suchen.

Möglicherweise waren diese nichts anderes als Einfallstore der Etnord.

»Captain, eine Transmission des Flaggschiffs des K'aradan-Verbandes«, meldete Lieutenant Susan Jamalkerim, die Kommunikationsoffizierin der STERNENKRIEGER. »Der Kommandant möchte Sie sprechen.«

»Auf den Schirm mit ihm!«, befahl Sunfrost.

»Aye, aye, Captain!«

Wenig später erschienen Gesicht und Oberkörper eines K'aradan auf dem Panorama-Schirm der Brücke. Seine Haut war leicht rotbraun getönt, wie es für die sehr menschenähnlichen

»Söhne Aradans« durchaus typisch war. Von der äußeren Anatomie her war ein K'aradan von einem Menschen nicht zu unterscheiden – allerdings galt dies nicht für die Anordnung der inneren Organe und die Physiologie. Der Umstand, dass K'aradan die meisten lebenswichtigen Organe zweifach besaßen, machte sie körperlich sehr viel widerstandsfähiger und robuster als Menschen. Außerdem waren ihre Augen wesentlich leistungsfähiger. Die K'aradan stammten von einer Spezies flugfähiger Jäger ab, die – ähnlich den irdischen Greifvögeln – auf ein sehr gutes Sehvermögen angewiesen waren. So gab es bei den K'aradan fünf Farbrezeptoren, während irdische Säugetiere nur drei besaßen und selbst Reptilien und Vögel lediglich mit vier Rezeptoren ausgestattet waren. Außerdem nahmen sie sehr viel mehr Einzelbilder pro Sekunde auf, als dies beim menschlichen Auge der Fall war. So erschien einem K'aradan selbst eine schnelle Bewegung vergleichsweise wie in Zeitlupe, sodass er seinerseits sehr schnell darauf reagieren konnte. »Reflexe wie ein K'aradan« war auch unter Menschen zu einer Redensart geworden, wenn jemand über eine außergewöhnlich gute Reaktionszeit verfügte.

Der Mann auf dem Bildschirm war kahlköpfig. Auf der linken Seite trug er auf dem Schädel eine Tätowierung, die ihn als Angehörigen eines Hohen Adelshauses auswies.

Sein Name war Sev Baldor aus dem Haus Candovan. Damit gehörte er einem der drei regierenden Erhabenen Häuser an, die das Erbtriumvirat auf Aradan stellten. Dass die K'aradan diese Mission unter das Kommando eines Angehörigen der erhabenen Triumvirats-Häuser stellten, kam einer besonderen Respektsbezeugung gleich. Es machte darüber hinaus aber auch deutlich, welch hohe Priorität das Triumvirat dieser Mission einräumte.

Die STERNENKRIEGER war bereits im Grenzgebiet mit Sev Baldors kleinem Flottenverband zusammengetroffen, um die Einzelheiten der Mission abzusprechen.

Die K'aradan hatten in einem vierhundert Lichtjahre von der Grenzregion zu den Humanen Welten entfernt gelegenen Gebiet ihres im Vergleich zu den Humanen Welten riesigen Sternenreichs genau jene charakteristischen fünf dimensionalen Impulse geortet, wie sie sowohl von Heptagon als auch vom Dunkelwelten-System bekannt waren.

Sie waren bisher neben den verbündeten Ontiden die Einzigen, die die Gefahr ernst nahmen, dass möglicherweise die Etnord oder sogar eine hinter diesen parasitären Intelligenzen stehende Macht versuchte, ein weiteres Wurmloch zu errichten, nachdem Wurmloch Alpha durch die Explosion der STERNENKRIEGER I kurzzeitig unpassierbar und inzwischen vermint worden war.

Es bestand die Gefahr einer groß angelegten Invasion des gesamten Raumsektors – was Naarash und Fulirr bislang einfach nicht zur Kenntnis genommen oder als gezielte Desinformation der Humanen Welten interpretiert hatten.

»Seien Sie gegrüßt, Captain Sunfrost«, sagte Sev Baldor, dessen bunte und mit Orden behängte Uniform seiner Erscheinung etwas Geckenhaftes gab. »Ich hoffe, Sie haben die Sandström-Passage gut überstanden.«

»Danke der Nachfrage, Kommandant Baldor«, erwiderte Sunfrost. »Unsere Ortungssysteme laufen bereits auf Hochtouren, um den Ursprung der 5-D-Impulse zu finden. Über erste Ergebnisse werden wir Sie mit einer gesonderten Transmission in Kenntnis setzen, sobald etwas Verwertbares vorliegt.«

»Danke, Captain.«

Die K'aradan wussten sehr genau, dass sie auf das Wissen, das die Flotte der Humanen Welten – und hier insbesondere natürlich die Crew der STERNENKRIEGER II – gesammelt hatte, angewiesen war. Andererseits war es Commander Sunfrost durchaus bewusst, dass den K'aradan stets das Gefühl gegeben werden musste, dass ihre Souveränität gewahrt blieb.

Schließlich fand diese Operation auf dem Territorium des Reiches von Aradan statt, was bedeutete, dass die letzte Entscheidungsgewalt immer beim zuständigen Kommandanten der K'aradan-Flotte lag – oder gegebenenfalls sogar beim Triumvirat selbst, wenn es um Fragen von weit reichender Bedeutung ging.

»Möglicherweise könnten Sie uns Ihre Suchparameter mit dem Datenstrom dieser Transmission übersenden«, schlug Baldor vor. »Dann wäre es möglich, unser ortungstechnisches Vorgehen aufeinander abzustimmen.«

»Veranlassen Sie das, Lieutenant Riggs!«, wies Sunfrost ihren Ortungsoffizier an.

»Jawohl, Captain«, meldete Riggs und nahm ein paar Schaltungen an seiner Konsole vor. »Daten sind übertragen.«

Eine am oberen Bildrand des Panoramaschirms eingeblendete Statusanzeige bestätigte den Datentransfer.

»Sie wissen, dass wir dieser Mission höchste Priorität einräumen und sich durch die gemeinsame Bewältigung dieser Krise unser Bündnis vertiefen wird.«

»Das entspricht auch der Auffassung unserer Regierung«, gab Sunfrost zurück und dachte: Nicht mehr lange und ich bin eine so gute Diplomatin, dass ich Bruder Guillermo Konkurrenz machen könnte! Genau in diesem Augenblick öffnete sich die Schiebetür der Brücke und der Olvanorer trat ein. Jetzt zu sagen: Wenn man vom Teufel spricht… wäre vielleicht etwas arg unpassend, Rena!

Der Angehörige des Wissenschaftlerordens der Olvanorer tat seinen Dienst an Bord der STERNENKRIEGER als wissenschaftlicher Berater. Außerdem waren seine diplomatischen Fähigkeiten inzwischen legendär – doch Geschick im Umgang mit anderen Spezies sagte man den Olvanorern ja im Allgemeinen nach. Offenbar wurden sie gerade in dieser Hinsicht auf der Brüderschule von Sirius III geschult. Bruder Guillermo war zwar kein Teil der Space Army Corps Hierarchie, genoss an Bord der STERNENKRIEGER jedoch die Privilegien eines Offiziers.

»Ich denke, wir haben alles besprochen, Captain«, sagte Sev Baldor. Er straffte dabei die Haltung und fügte hinzu: »Wir hören voneinander. Baldor Ende.«

Die Verbindung wurde unterbrochen. Auf dem Panoramaschirm in der Zentrale der STERNENKRIEGER war jetzt eines der tellerförmigen K'aradan-Schiffe zu sehen.

Es war nun wirklich nicht das erste Mal, dass Sunfrost und ihre Crew einer Gruppe von K'aradan-Schiff begegneten. Bis vor kurzem hatte das Reich von Aradan noch zu den außenpolitischen Gegnern gezählt, während die Menschheit zusammen mit den sauroiden Fulirr gegen sie gekämpft hatte.

Aber die erneute Öffnung von Wurmloch Alphas hatte alles verändert. Alte Bündnisse hatten sich aufgelöst und neue waren entstanden, denn auf einmal gab es in der hintersten Provinz der Humanen Welten etwas, dass alle anderen galaktischen Mächte dieser Sternenregion ebenfalls begehrten. Eine Nullzeit-Verbindung in einen 50.000 Lichtjahre entfernten, Trans-Alpha genannten Sektor.

Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass Sunfrost ein Tellerschiff der K'aradan auf dem Schirm hatte, so gab es doch eine weithin sichtbare Veränderung.

Der Teller des Schiffes drehte sich nicht…

Eigenartig. Bei der ersten Begegnung mit Sev Baldors Flottille ist mir das nicht aufgefallen, ging es Sunfrost durch den Kopf.

Dafür wurde es ihr nun umso deutlicher. Die K'aradan verfügten offenbar seit neuestem über Antigrav-Technik, die ihnen von den Humanen Welten geliefert worden war. Bisher waren die K'aradan darauf angewiesen, künstliche Schwerkraft durch die Fliehkraft drehender, radarartiger Konstruktionen herzustellen. Doch das war nun vorbei. Der Antigrav hatte seinerzeit Industrie, Wirtschaft und Raumfahrt der Erde revolutioniert – und zweifellos würde sich ein ähnlicher Revolutionsprozess nun auf vielen K'aradan-Welten ereignen.

Die Menschheit hatte im Gegenzug ebenfalls Zugang zu wichtigen Technologien erhalten – etwa den Sandström-Sonden. Auch die Raumminen, die derzeit die Alpha-Seite des Wurmlochs vor einem eventuell daraus hervorkommenden Feind sicherten, stammten von den K'aradan.

Der jahrelang erhoffte Technologie-Transfer mit den Fulirr hatte nie wirklich funktioniert – aber bei den K'aradan trug er bereits erste sichtbare Früchte.

»Captain…«, meldete sich Bruder Guillermo jetzt auf seine gewohnt zurückhaltende und etwas schüchtern wirkende Art und Weise.

»Bruder Guillermo. Haben Sie ein Anliegen?«, fragte Sunfrost.

»Ich möchte mich an der Auswertung der Ortungsdaten beteiligen, Ma'am.«

»Gerne, Guillermo. Ich glaube, Lieutenant Riggs wird sich über die Unterstützung sehr freuen.«

»Danke, Ma'am.«

»Eigenartig…«

»Was meinen Sie, Captain?«

»Sie tauchten genau in dem Moment auf, in dem ich an Sie gedacht habe…«

»Ich kann Ihnen versichern, dass beides nur in einem zeitlichen Zusammenhang steht, Ma'am.«

»Ja, natürlich. Und woher wussten Sie, dass wir aus dem Sandström-Raum ausgetreten sind und die Zielregion erreicht haben?«

»Es sind die Resonanzgeräusche der Mesonentriebwerke. Sie werden bei Einsetzen des Bremsvorgangs eingeschaltet und sind in meiner Kabine recht gut zu hören. Nicht, dass ich mich darüber beklagen möchte, aber es war deutlich genug, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

»Sicher.«

Bruder Guillermo nahm seinen Platz bei Lieutenant Riggs ein.

Rena Sunfrost wandte sich an Van Doren. »I.O., Sie haben die Brücke. Ich bin in meinem Raum.«

»Aye, Captain«, bestätigte der Erste Offizier der STERNENKRIEGER II.


*


An Bord der SEELE ARADANS, dem Flaggschiff der aus insgesamt drei Einheiten bestehenden Flottille unter dem Kommando von Sev Baldor verließ der Kommandant des Schiffes ebenfalls die Brücke und überließ sie seinem Ersten Offizier und Stellvertreter Subkommandant Mak Golens, der aus demselben Adelshaus stammte wie sein Kommandant.

Golens war ein entfernter Neffe. Sev Baldor mochte ihn nicht.

Aber es gehörte zur Hauspolitik, ihm einen Posten in der Flotte zu geben und Baldor hatte sich dem Ansinnen von ganz oben nicht entziehen können.

Mak Golens war nach Baldors Ansicht nur mit mäßigen Fähigkeiten ausgestattet. Eigentlich reichten seine bisher erbrachten Leistungen nach Baldors hohen Maßstäben nicht aus. Außerdem ergab sich das Problem, dass einige rangniedere Offiziere fähiger waren als der Erste Offizier und daher früher oder später dessen Autorität missachten würden. Das war nur eine Frage der Zeit, davon war Sev Baldor überzeugt.

Bisher hatte Baldor bei der Personalauswahl für sein Schiff davon profitiert, dass er dem Hause eines Erbtriumvirs angehörte. Nur die Besten waren auf die SEELE ARADAN versetzt worden.

Golens passte einfach nicht dazu.

In diesem Fall hatte sich der Vorteil, einem erhabenen Haus anzugehören, in einen Nachteil verkehrt, denn natürlich hatte sich Baldor dem Wunsch, seinen Großneffen als Ersten Offizier an Bord zu nehmen, nicht entziehen können.

Schließlich hatte der Erbtriumvir persönlich in dieser Hinsicht interveniert, was äußerst selten vorkam.

Mochten die verfluchten Götter des Übels wissen, was man ganz oben mit diesem Mann noch vorhatte.

Baldor durchschritt einen Korridor.

Der Großneffe ist wahrscheinlich im Moment auch die kleinste Sorge, die du dir machen solltest, ging es dem K'aradan-Komandanten durch den Kopf.

Bei dieser Mission ging es vielleicht um sehr viel mehr. Die Informationen der Humanen Welten waren durchaus glaubwürdig, wonach eine geheimnisvolle, uralte Rasse mit der mythischen Bezeichnung »die Alten Götter« offenbar dazu in der Lage gewesen war, Wurmlöcher zu öffnen und wieder zu schließen.

Die Etnord, die nun die ehemaligen Menschheitskolonien in Trans-Alpha übernommen und deren Bewohner zu ihren Soldaten umfunktioniert hatten, warteten jenseits des Wurmlochs im Gebiet der Menschen darauf, ihre Invasion beginnen zu können. Konnte es sein, dass sie über die Technologie jener uralten Superrasse verfügten, von denen sich überall im bekannten Universum mehr oder weniger starke Spuren fanden?

Der Gedanke beunruhigte Sev Baldor sehr.

Vor 2600 Jahren hatte sich jenes Wurmloch ebenfalls geöffnet. Und durch 5-dimensionale Strahlenschauer, die mit dem Krieg zweier verbitterter Feinde in Zusammenhang standen, war das Reich der K'aradan bis in seine Grundfesten erschüttert worden. Für Jahrhunderte waren jegliche Überlichtkommunikation und der Flug durch den Zwischenraum unmöglich gewesen. Ein großer Teil des K'aradan-Reichs war offenbar in einen Zustand der Primitivität zurückgefallen.

Auch dazu hatten die Menschen interessante Einzelheiten herausgefunden, die in den Mauern der Residenz des Fürstgouverneurs von Assano gespeichert waren, wo sie die Zeiten aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Gesteins überdauert hatten.

Jene historische Phase vor 2600 Jahren, als das K'aradan-Reich einen jähen Sturz erlebte und anschließend fast ein halbes Jahrtausend verging, ehe die in die Primitivität zurückgefallenen Teile des Reiches wieder reintegriert werden konnten, war für die historische Erinnerung der K'aradan eine traumatische Erfahrung. Schon deshalb war das Interesse des Triumvirats riesengroß, den Hinweisen nachzugehen, die auf eine bevorstehende Invasion per Wurmloch vorlagen.

War es eine der alten Mächte jener düsteren Zeit, über die das meiste auch für die K'aradan noch im Dunklem lag?

Tatsache war, dass die Informationen der Menschen über eine Armada, die sich in 50.000 Lichtjahren Entfernung darauf vorbereitete, diesen Raumsektor zu erobern, sehr glaubhaft.

Das Tragische ist, dass unsere mächtigen sauroiden Feinde diese Wahrheit nicht hören wollen, ging es Baldor durch den Kopf.

Die Fulirr attackierten weiter die Grenzregionen des K'aradan-Reichs. Allerdings hatten sie die Intensität ihrer Angriffe stark zurückgefahren. Im Augenblick konzentrierten sie sich offenbar ganz darauf, den Menschen das Wurmloch abzunehmen – zusammen mit ihren geheimnisvollen Naarash-Verbündeten.

Kommandant Sev Baldor erreichte schließlich seinen Raum.

Die Schiebetür öffnete sich, und er trat ein.

Der Raum war mit den Ehrenzeichen jener Häuser geschmückt, aus denen die an Bord Dienst tuenden Offiziere stammten. Der Bildschirm nahm nur einen kleinen Teil der Wand ein. Ein kleineres Display stand auf dem Tisch. Es wurde über ein Terminal mit herkömmlicher Tastatur bedient, reagierte aber auch auf Spracheingabe.

Ein Mann hatte hinter dem Tisch Platz genommen.

Auf meinem Platz, dachte Sev Baldor und fühlte Ärger in sich aufkeimen. Die Gesellschaft der K'aradan war standesbewusst. Normalerweise hätte es niemand gewagt, seine Respektlosigkeit auf diese Weise zu demonstrieren – es sei denn, er war darauf aus, von dem Betreffenden sofort zum Drachenreiter-Duell gefordert zu werden.

Aber für den Mann, der hier Platz genommen hatte, galten andere Regeln.

Es handelte sich um Lurdre Traanlak, den Chef des K'aradan-Geheimdienstes Narumet. Ein gefürchteter Mann – und einer der mächtigsten Instanzen innerhalb des Reiches. Er gehörte keinem Haus an. Normalerweise wäre es für jemanden wie ihn unmöglich gewesen, bis ganz in die Spitze der Reichshierarchie aufzusteigen. Niemand, der eine hohe Position in der Flotte, in der Verwaltung, bei den Sicherheitskräften oder in der Industrie erreicht hatte, schaffte dies ohne die Protektion durch ein Haus.

Nur für den Narumet galt dies nicht.

Hier wurde jemand bevorzugt, der keinem Haus und damit auch keiner der Adelskoalitionen innerhalb des K'aradan-Reichs angehörte. Jemand, der unparteiisch war. Lurdre Traanlak hatte inzwischen als Graue Eminenz des Narumet eine Position erreicht, die selbst die Mitglieder der Erhabenen Häuser und des regierenden Erbtriumvirats bisweilen unruhig schlafen ließ.

Es gab niemandem im Reich von Aradan, über den der Narumet-Chef nicht brisante Informationen erlangt hatte, die er nur bei passender Gelegenheit hervorzaubern musste, um den Betreffenden damit zu vernichten.

»Es freut mich, dass Sie eine so eingespielte Mannschaft haben, dass Ihre Anwesenheit auf der Brücke bei dieser Mission selbst während einer so heiklen Phase wie der, in der wir uns gerade befinden, nicht nötig zu sein scheint«, äußerte Traanlak.

Sein Tonfall troff nur so vor Sarkasmus und beißender Ironie. Aber die vielen kleinen Bosheiten, die dieser Mann ständig verteilen konnte, waren nicht einmal das Unangenehmste für Sev Baldor.

Das Schlimmste war die unverhohlene Arroganz, mit der er alle behandelte, von denen er glaubte, es sich erlauben zu können. »Die SEELE ARADANS ist ein gut geführtes Schiff«, verteidigte sich Baldor. »Außerdem ist es nichts Ungewöhnliches, dass der Erste Offizier den Kommandanten vertritt. Aber als jemand, der nie in der Flotte gedient hat…«

»Sie haben Recht – ungewöhnlich ist das nur, wenn der Erste Offizier nicht die dazu nötigen Fähigkeiten mitbringt!« Traanlak lächelte kalt. »Na kommen Sie, ich erzähle Ihnen doch nichts Neues. Sie mussten Ihren Großneffen an Bord aufnehmen, sonst wäre Ihre Position im Haus Candovan ziemlich prekär geworden. Wer stellt sich schon gegen den Willen eines Erbtriumvirs? So etwas würde – zumindest offen – ja nicht einmal ich wagen!« Traanlak kicherte. Was genau ihn dabei erheiterte, blieb Sev Baldor verschlossen.

»Hat es einen bestimmten Grund, weswegen Sie sich hier in meinem Raum aufhalten?«

»Irritiert Sie das? Habe ich Ihr Territorium verletzt? Das tut mir Leid. Dabei dachte ich, da es doch nun schon gut zwanzig Millionen Jahre her ist, dass unsere Vorfahren als gierige Beutejäger am Himmel Aradans kreisten und sich aus Höhen von zweihundert bis dreihundert Metern auf Kleintiere stürzten. Da könnte man langsam mal so etwas wie einen evolutionären Fortschritt erwarten!«

»Wie auch immer… Was wollen Sie?«

»Ich habe Ihr Gespräch mit Captain Sunfrost auf dem Bildschirm mitverfolgt!«

»Sie hätten auf der Brücke anwesend sein und Ihre alte Bekannte Sunfrost begrüßen können«, erwiderte Baldor. »Sagten Sie mir nicht, dass Sie diese Frau auf Assano kennen gelernt hätten?«

»Ich habe seinerzeit veranlasst, dass ihr Außenteam festgenommen und ihr Schiff beschossen wird. Eine direkte Begegnung hatten wir nicht. Allerdings kenne ich Sunfrost trotzdem sehr gut. Einer meiner Agenten diente längere Zeit auf ihrem Schiff…«

»Interessant.«

»So weit man einen Menschen tatsächlich kennen kann«, setzte Traanlak noch hinzu.

Genetisch sind unsere Völker nicht miteinander verwandt, aber kulturell scheinen wir mehr Gemeinsamkeiten zu haben, als es unserer Würde lieb sein kann…, dachte Baldor.

»Kommandant, ich habe Ihnen ja schon vor einer Weile erklärt, dass ich in diesem Fall im Hintergrund bleiben möchte. Und nun habe ich noch ein paar Dinge mit Ihnen zu besprechen, die absolut unter uns bleiben müssen. Setzen Sie sich, Kommandant!«


*


Nach und nach trafen erste Daten ein, die auf die ehemalige Existenz eines ähnlichen Objekts hindeuteten, wie es das System der sieben Dunkelwelten in der Dark Area darstellte.

Zunächst schien die Interpretation des Materials nicht ganz einfach zu sein. Aber langsam formte sich ein Bild.

Größere und kleinere Materiebrocken wurden geortet, deren Zusammensetzung jener des Systems der Sieben Dunkelwelten in der Dark Area entsprach. Diese chemischen Übereinstimmungen waren dermaßen exakt, dass sie kein Zufall sein konnten. Das stand ziemlich bald fest.

Allerdings waren es deutlich mehr als nur sieben dunkle Brocken, die an diesem Ort durch das All geisterten. Manche dieser Objekte hatten Planetengröße, andere glichen nur etwas größeren Bruchstücken.

»Wir haben es offenkundig mit den Trümmern eines Siebenersystems zu tun«, erläuterte Bruder Guillermo.

Auf dem Panoramaschirm wurde jetzt das Bild des dunklen Weltraums ausgeblendet. Es machte einer schematischen Darstellung Platz, die die bereits georteten Materiebrocken anzeigte.

Zwei der Dunkelwelten waren danach nahezu unbeschadet erhalten geblieben, eine weitere wies auf der Oberfläche Anzeichen für Einschläge anderer Himmelskörper auf. Die anderen Objekte, die zu dem Schwarm von Bruchstücken gehörten, der von diesem zweiten Siebenersystem geblieben war, waren mehr oder weniger unregelmäßig geformt. Immer weitere Bruchstücke wurden von den Sensoren erfasst und tauchten auf der schematischen Darstellung auf.

Der Bordrechner nummerierte sämtliche Objekte einfach durch. Inzwischen war er bei Objekt 2234 dieses namenlosen System angelangt.

Dass es sich tatsächlich um ein System handelte, machten die anschließenden Bahnberechnungen klar, die Bruder Guillermo mit Unterstützung des Bordrechners anstellte. Die Bahnverläufe wurden in der schematischen, scheinbar dreidimensionalen Darstellung eingeblendet. Die kleineren Objekte umkreisten die größeren und auch diese zogen sich gegenseitig an und umkreisten dann zumeist einen gemeinsamen Gravitationsschwerpunkt.

»Die angemessenen Impulse gehen von Objekt 442 aus«, meldete Lieutenant Riggs. Das betreffende Objekt wurde auf der schematischen Darstellung farblich hervorgehoben. »Es handelt sich um eines der verhältnismäßig unzerstörten Objekte. Die Masse entspricht etwa der der Erde. Der Durchmesser ist etwas größer.«

»Irgendwelche Signaturen?«, fragte Van Doren, während seine Finger über die Sensorfelder seiner Konsole glitten.

»Bis jetzt nicht, Sir«, meldete Riggs. »Aber wir sind noch etwas zu weit entfernt dafür.«

»In voraussichtlich sieben Stunden werden wir diese Trümmer eines Siebenersystems erreicht haben«, erklärte Taranos und fügte grinsend hinzu: »Unsere K'aradan-Freunde werden etwas später dort eintreffen.«


*


Während der weiteren Annäherung an das Planetengroße Objekt 442 ließ Sunfrost volle Gefechtsbereitschaft herstellen.

Schließlich war die STERNENKRIEGER bei ihrer letzten Annäherung an ein Siebenersystem von einem Schwarm robotisch gesteuerter Raumschiffe angegriffen worden.

»Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs ist diesmal allerdings wesentlich geringer als beim letzten Mal«, war Van Dorens Meinung. »Schließlich richtete sich der Angriff, dem wir bei unserem Besuch des ersten Dunkelwelten-Systems in der Dark Area ausgesetzt waren, vornehmlich gegen unsere ontidischen Begleiter.«

»Sie haben Recht, I.O. Aber ich möchte auf Nummer sicher gehen und nichts riskieren. Schließlich müssen wir annehmen, dass die einzelnen Siebenersysteme untereinander in Kontakt stehen, sodass sie diesmal besser vorbereitet sind.«

»Im ersten Dunkelwelten-System hatten wir doch einen relativ kooperativen Kontakt zu den Rodanag«, erinnerte Bruder Guillermo.

Die vielarmigen Kopffüßer waren offenbar ein Hilfsvolk der Alten Götter, dessen Aufgabe die Bewachung des ersten Dunkelwelten-Systems gewesen war. Ob die Rodanag zu diesem Zweck auch in anderen Siebenersystemen eingesetzt worden waren, darüber konnte bislang nur spekuliert werden.

Bruder Guillermo hielt schon seit längerem besonders nach den typischen Energiesignaturen Ausschau, die im Dark-Area-System auf Aktivitäten dieses Volkes hingewiesen hatten.

Allerdings waren die Rodanag der Dark Area nur noch in der Lage gewesen, einen Teil der Anlagen, die innerhalb der Dunkelwelten eingerichtet worden waren, in Funktion zu halten. Das technische Wissen musste ihnen in einem über Jahrhunderte währenden Degenerationsprozess abhanden gekommen sein.

Ob das allerdings nur für die Rodanag des Dark-Area-Systems oder für alle Angehörigen dieser Spezies galt, darüber konnte nur spekuliert werden.

Was die Trümmer dieses Siebener-Systems anging, wusste man bislang natürlich noch nicht einmal, ob es überhaupt von Rodanag bevölkert war.


*


Als sich die STERNENKRIEGER II Objekt 442 bis auf zwei Lichtstunden genähert hatte, meldete die Ortung einen Schwarm von mindestens hundert Raumschiffen, die in einem Umkreis von etwa einer halben astronomischen Einheit um Objekt 442 operierten.

»Können Sie genauere Angaben zu den Schiffen machen?«, fragte Commander Sunfrost an Lieutenant Riggs gewandt.

Dieser schüttelte den Kopf. »Die Signaturen, die wir bislang anmessen konnten, passen zu keinem Vergleichsmuster in unseren Speichern. Das bedeutet, dass Schiffe des Space Army Corps derartigen Schiffen bislang nicht begegnet sind. Die Form variiert genau wie die Größe sehr stark. Die größten Einheiten haben etwa das Volumen eines Dreadnoughts. Die kleinsten erreichen gerade die Ausmaße unserer Landefähren.«

»Das wirklich Erstaunliche sind die Beschleunigungswerte, die manche dieser Einheiten erreichen«, erklärte Bruder Guillermo. »In diesem Punkt übertreffen sie die Möglichkeiten unserer herkömmlichen Ionentriebwerke bei weitem – und selbst das neuartige Mesonentriebwerk der STERNENKRIEGER II würde von ihnen abgehängt werden.«

»Ich kann einige Funkemissionen abhören«, erklärte unterdessen Lieutenant Jamalkerim. »Die Signale müssen noch entschlüsselt werden. Der Bordrechner ist gerade damit beschäftigt.«

»Interessant ist, dass diese Schiffe nicht nur untereinander in Kontakt stehen, sondern auch im Binär-Code der Rodanag mit Objekt 442 kommunizieren«, ergänzte Steven Van Doren, der sich die Kommunikationsdaten auf seine Konsole geholt hatte.

»Die in diesem Code gehaltenen Botschaften kann unser Translatorsystem problemlos übertragen«, sagte Jamalkerim. Die Kommunikationsoffizierin der STERNENKRIEGER drehte sich in ihrem Schalensitz herum und sah Sunfrost an. »Captain, das Kommunikationsvolumen ist unglaublich groß! Diese Schiffe bombardieren Objekt 442 geradezu mit einer Flut von Abfragen und…«

»Gebeten«, ergänzte Bruder Guillermo mit einem Blick auf das Display, an dem er tätig war. Er blickte auf und bemerkte erst jetzt, dass die Aufmerksamkeit aller auf ihn gerichtet war.

Etwas verlegen ergänzte er: »Es tut mir Leid, aber ich finde einfach keinen passenderen Begriff! Die Wesen in den Schiffen nennen sich Dabsokaar – während im Inneren von Objekt 442

offenbar tatsächlich eine Gruppe von Rodanag die Katastrophe überlebt hat, die sich hier vor langer Zeit ereignet haben muss.«

»Ich messe starke fünfdimensionale Impulse«, unterbrach in diesem Augenblick Lieutenant Wiley

Riggs den Olvanorer. »Captain, es handelt sich wieder um jene charakteristischen Impulse, die wir auch im ersten Dunkelwelten-System und auf Heptagon angemessen haben«, erklärte Van Doren.

»Wenn diese Siebenersysteme Anlagen zur Initiierung von Wurmlöchern sind, dann dürften diese 5-D-Impulse in diesem Fall wohl nicht von großem Erfolg begleitet sein«, meinte Lieutenant Robert Ukasi.

Der Taktik-Offizier der STERNENKRIEGER hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte wie gebannt auf den großen Panorama-Bildschirm, der jetzt in den Infrarotmodus geschaltet worden war, sodass man die Bruchstücke des Siebenersystems sehen konnte. Diese Bruchstücke unterschieden sich deutlich in ihrer Emission von Wärmestrahlung.

Der obere Rand des Bildschirms wurde durch eine Datenzeile gebildet, auf der die Temperaturdaten einzelner angemessener Objekte sichtbar wurden. Viele der Bruchstücke waren Minus 260 Grad kalt. Manche lagen noch darunter.

Himmelskörper, die niemals vom wärmenden Licht einer Sonne beschienen worden waren, sondern deren Energie früher aus den Aggregaten in ihrem Inneren gestammt hatte. Doch die subplanetaren Anlagen waren offenbar bei der großen Mehrzahl der Trümmerobjekte nicht mehr aktiv. Daher herrschten dort Temperaturen, die nahe am absoluten Kältepunkt von Minus 273,5 Grad Celsius lagen. Bei dieser Temperatur kam die Bewegung der Moleküle zum Stillstand.

»Die angemessenen Resonanzen von 5-D-Impulsen flauen derzeit gerade wieder ab«, sagte Lieutenant Riggs. »Die gemessenen Werte sinken immer weiter.«

»Ich will nicht hoffen, dass wir jetzt erneut Zeuge des Versuchs werden, ein Wurmloch zu initialisieren«, sagte Van Doren etwa sarkastisch.

»Ich glaube, angesichts der Zerstörungen, die in diesem System zu finden sind, besteht da keine Gefahr!«, glaubte Bruder Guillermo.

»Ich hoffe nur, dass Sie recht behalten«, sagte Sunfrost.

»Die Kommunikation zwischen den Dabsokaar-Schiffen und den Rodanag von Objekt 442 verändert sich«, stellte Lieutenant Jamalkerim indessen fest. »Es treffen eine Flut von Danksagungen bei den Rodanag ein.«

»Was geht hier vor sich?«, fragte Rena Sunfrost. »Irgendwelche Ideen?«

»Ich konnte mir bis jetzt erst einen sehr groben Überblick über diese Kommunikationsflut verschaffen«, sagte Bruder Guillermo. »Glücklicherweise wird das meiste davon in dem uns bereits bestens bekannten Binärcode der Rodanag abgewickelt, sodass es so gut wie keine Übersetzungsprobleme gibt und wir es auch nicht mit einer Zeitverzögerung durch die Computerbearbeitung zu tun bekommen. So viel lässt sich allerdings bereits sagen: Die Dabsokaar haben die Rodanag zu Hunderttausenden um etwas gebeten, dass sie wenig später empfangen haben und nun in Dankesreden als das größte fassbare Glück und die Erfüllung ihrer transzendenten Sehnsüchte preisen.«

»Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, worum es sich dabei handeln könnte?«, hakte Sunfrost nach.

»Die zeitliche Korrelation zu den 5-D-Impulsen ist sehr auffällig, Captain«, fand Lieutenant Riggs.

Rena erhob sich aus ihrem Schalensitz und trat ein paar Schritte auf Steven Van Doren zu. »Wie sollen wir uns verhalten, I.O.?«

»Ich würde angesichts der Übermacht dieser Raumschiffe eine Annäherung im Schleichflug bevorzugen, Captain«, erklärte der Erste Offizier der STERNENKRIEGER. »Ich habe mir die angemessenen Signaturen dieser Schiffe noch mal angesehen und mit den Suchfunktionen unseres Bordrechners bearbeitet. Dabei habe ich keinerlei Anzeichen für das Vorhandensein eines Überlichtantriebs gefunden. Dafür aber sehr deutliche Emissionen von offenbar sehr leistungsstarken Impulstriebwerken.«

»Es tauchen mehrere Objekte im Ortungsbereich auf«, meldete Riggs. »Ihre Geschwindigkeit liegt teilweise bei 0,6 LG!«

»Das sind doch Werte, bei denen sich bereits die Zeitdilatation bemerkbar machen dürfte!«, meinte Sunfrost.

»Zwar nicht gravierend«, meinte Lieutenant Taranos, »aber auf jeden Fall ist der Effekt bereits so störend, dass kein Schiff der Humanen Welten ohne Not bis in diesen Bereich beschleunigen würde – und davon abgesehen, muss man ja anschließend auch noch bremsen können.«

»Damit haben die Dabsokaar offenbar keine Probleme«, war Lieutenant Riggs überzeugt. »Nach den Einflugvektoren zu urteilen ist Objekt 442 das Ziel dieser sich schnell nähernden Schiffe. Sie müssen also in zwei Lichtstunden auf eine Geschwindigkeit herunter gekommen sein, die das Einschwenken in ein Orbit erlaubt.«

Bruder Guillermo wirkte nachdenklich. Er kratzte sich am Kinn.

Irgendetwas beschäftigt ihn und ich hoffe, dass er uns noch an seinem Gedankengang teilnehmen lässt, ging es Rena Sunfrost durch den Kopf.

»Ich glaube… ich weiß nicht…«, murmelte er.

»Bruder Guillermo?«, sprach Rena ihn an.

Der Olvanorer wandte sich zur Kommandantin der STERNENKRIEGER herum und zuckte mit den Schultern. Er wirkte jetzt – wie so oft – etwas verlegen. Ein noch ziemlich junger Mann, der nicht so recht zu wissen schien, was er von den Dingen zu halten hatte…

Aber Rena wusste nur zu gut, dass dies nur die Oberfläche war. In Wahrheit zeichnete sich Bruder Guillermo durch ein sehr sicheres Urteilsvermögen und eine für sein Alter erstaunliche Reife aus. Allerdings traute er selbst seinen Fähigkeiten wohl nicht immer ganz so wie andere. Für Rena Sunfrost jedenfalls war die Beratung durch Bruder Guillermo schon oft eine wesentliche Grundlage gewesen, wenn sie schwere Entscheidungen zu treffen gehabt hatte.

Ein Ruck ging durch Bruder Guillermos Körper. Er hob die Augenbrauen und sagte schließlich: »Unsere Schiffe würden wir schon deswegen nicht wesentlich über 0,4 LG beschleunigen, weil uns ab dieser Marke der Sandström-Antrieb für den Überlichtflug zur Verfügung steht. Aber vielleicht ist das bei den Dabsokaar nicht der Fall! Wir konnten bislang keinerlei Anzeichen dafür entdecken, dass sie über Sandström-Aggregate verfügen. Gut, vielleicht sind ihre Maschinenräume besonders gut isoliert, sodass keinerlei typische Emissionen registriert werden konnten. Genauso gut ist denkbar, dass sie ein ganz anders Prinzip des Überlichtflugs anwenden. Doch viel wahrscheinlicher erscheint mir die Variante, dass sie allein auf ihre Unterlichttriebwerke angewiesen sind!«

»Selbst bei dem Erreichen einer Geschwindigkeit von 0,6 LG oder vielleicht sogar mehr brauchten sie Jahre von einem Stern zum anderen«, gab Taranos zu bedenken.

»Eine Reise Erde – Alpha Centauri würde keine sechs Jahre bei diesen Schiffen dauern«, gab Bruder Guillermo zu bedenken. »Wenn man bedenkt mit welchem vergleichsweise primitiven Antriebssystem die Menschheit es seinerzeit geschafft hat, bis zur Wega vorzudringen, ist das gar nicht mal so übel!«

»Gibt es Hinweise auf die Bewaffnung dieser Schiffe?«, fragte Sunfrost.

»Bislang nicht«, erklärte Riggs.

Lieutenant Commander Robert Ukasi meldete sich zu Wort. Der Taktikoffizier der STERNENKRIEGER koordiniert im Gefechtsfall den Einsatz der Waffenoffiziere an den zehn Gauss-Geschützen. Im Augenblick hatte er sich die Orter-Daten auf die Konsole geladen, um sie nach waffentypischen Signaturen zu durchsuchen. Seine Finger schnellten über den Touch Screen. »Ich bin noch nicht ganz fertig, aber ich denke, wir müssen noch deutlich näher heranfliegen, bevor sich da irgendeine Aussage machen lässt. An der Außenhülle einiger Einheiten lassen sich Metalllegierungen nachweisen, die irgendeine Art von Wuchtkanonen oder anderen Projektilwaffen entsprächen. Aber vielleicht handelt es sich auch nur um die Außenbeschichtung der Panzerung…«

»I.O., ich greife Ihren Vorschlag auf und lasse die STERNENKRIEGER In den Schleichflug gehen«, sagte Sunfrost. »Zumindest so lange, bis die Kommunikation zwischen den Dabsokaar und den Rodanag genauer ausgewertet ist und wir uns ein besseres Bild der Lage machen können.«

»Aye. Captain«, bestätigte Van Doren.

»Vorher möchte ich Kontakt mit den K'aradan aufnehmen, Lieutenant Jamalkerim! Schließlich müssen wir uns mit Ihnen abstimmen.«

»Verbindung wird aufgebaut, Captain!«, meldete Susan Jamalkerim.

»Captain, eine Kleinigkeit noch…«, mischte sich Bruder Guillermo ein.

Rena Sunfrost runzelte die Stirn. Was ist denn jetzt? Habe ich irgendetwas Wichtiges übersehen?

»Captain, Sie sollten Kommandant Baldor fragen, ob sich die K'aradan bereits für einen Namen entschieden hätten!«

»Einen Namen?«, echote Rena etwas irritiert.

»Für dieses System – wenn man es so nennen mag. Ich glaube nicht, dass es in den K'aradan-Katalogen schon einen offiziellen Namen für diese Ansammlung von Gesteinsbrocken gibt, auch wenn sie sich auf ihrem Territorium befinden. Wenn doch, dann ist das auch nicht weiter schlimm, denn…«

»Bruder Guillermo, entschuldigen Sie, aber ist das jetzt wirklich so wichtig?«, fragte Van Doren.

Wenn man nicht gleich erkennt, dass eine Bemerkung von Bruder Guillermo WICHTIG sein könnte, liegt das meistens nicht an ihm – sondern an einem selbst, wusste Rena.

»Es ist wichtig, Captain«, beharrte Bruder Guillermo. »Sie können den K'aradan auf diese Weise deutlich machen, dass Sie ihre territoriale Herrschaft über diesen Raumsektor respektieren und sie nicht bevormunden wollen. Vielleicht gelingt es Ihnen dadurch, Ihre Vorstellungen bei der weiteren Vorgehensweise zu einem größeren Prozentsatz durchzusetzen.«

Was für ein ausgefuchster Diplomat, ging es Rena durch den Kopf. Man sollte sich stets die Zeit nehmen, sich anzuhören, was dieser Olvanorer zu sagen hat.

»Ein guter Vorschlag, Bruder Guillermo«, fand die Kommandantin der STERNENKRIEGER. Auch Van Doren nickte.

Wenig später wurde der Kanal freigeschaltet und das Gesicht von Kommandant Sev Baldor erschien auf dem Hauptschirm der STERNENKRIEGER.

Ein spöttisches Lächeln spielte um seine Züge, wobei Rena sich nicht sicher war, ob sie die Mimik eines K'aradan wirklich richtig zu interpretieren wusste. »Seien Sie gegrüßt, Captain Sunfrost. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?«

Die Ortungssysteme der K'aradan waren zwar bei der Feinortung teilweise leistungsfähiger als jene der Menschen und was die Ortung im Sandström-Raum anging, hatten sie sogar ein Monopol. Aber was die Reichweite betraf, so waren die Ortungssysteme der STERNENKRIEGER denen der sie begleitenden K'aradan-Schiffe um etwa die Hälfte überlegen.

Eine Lichtstunde weit vermochten die K'aradan ohne Zeitverzögerung Objekte von der Größe eines Raumschiffs zu erfassen. Das bedeutete, die Ansammlung von Dabsokaar-Schiffen war noch außerhalb ihres Erfassungsbereichs.

Knapp setzte Sunfrost die K'aradan über die neue Lage in Kenntnis.

»Fremde Raumschiffe auf unserem Territorium?«, ereiferte sich Sev Baldor.

»Unseren bisherigen Erkenntnissen nach ist es keine Eroberungsflotte. Unser wissenschaftlicher Berater Bruder Guillermo glaubt sogar, dass sie nicht einmal über einen Überlichtantrieb verfügen«, stellte Rena die Neuigkeiten gleich wieder ins richtige Verhältnis. »Unsere Ortungsdaten gehen Ihnen mit dieser Transmission als Datenstrom zu, sodass Sie über alles informiert sind!«

»Danke!«

Es schien Sev Baldor ganz und gar nicht zu gefallen, auf die Hilfe der STERNENKRIEGER angewiesen zu sein.

So hielt Rena den Augenblick für gekommen, ihn nach dem Namen des Trümmersystems zu fragen.

»Diese vagabundierenden Brocken sind nie auf irgendeine Art und Weise beachtet worden«, erklärte Baldor. »Zumindest nicht in jenen Epochen, aus denen wir Aufzeichnungen besitzen, die detailliert genug wären, um das näher bestimmen zu können. Daher hat das System einen vollkommen neuen Namen bekommen. Es heißt Kar'shandre.«

»Kar'shandre«, wiederholte Sunfrost. Sie hatte den Eindruck, das Sev Baldor zufrieden aussah. Danke für den Rat, Bruder Guillermo.

Die Notwendigkeit, sich zunächst im Schleichflug Objekt 442 zu nähern, wurde von Sev Baldor nicht bestritten, obwohl dies die Reise verzögerte. Schließlich waren die STERNENKRIEGER und ihre K'aradan-Begleitschiffe dazu gezwungen, Objekt 442 in einem weiten Bogen anzufliegen.

Da die Bremsmanöver auf ein Minimum reduziert wurden und möglichst nur durchgeführt werden sollten, wenn man sich im Ortungsschatten anderer Objekte des Kar'shandre-Systems befand, brauchte man einen entsprechend längeren Weg, um die Geschwindigkeit zu drosseln.

»Sie haben die größere Erfahrung mit Anlagen dieser Art und ihren Bewohnern«, sagte Baldor, wobei sich Rena nicht ganz sicher war, ob in seinen Worten nicht auch ein leicht spöttischer Unterton mitschwang. »Also werden wir tun, was Sie vorschlagen. Schließlich ist Ihr Interesse, diesen mysteriösen Feind zurückzuschlagen, mindestens genauso groß wie unseres!«

Die Verbindung wurde unterbrochen.

Rena Sunfrost seufzte und blickte fragend in Richtung von Bruder Guillermo. Na, das war doch schon ganz passabel als Aushilfsdiplomatin, oder?

Bruder Guillermo war jedoch gedanklich bereits wieder mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Seine Finger glitten in geradezu rasendem Tempo über die Sensorfelder seines Touch Screens. Das Gesicht bekam nun einen fast fanatischen und etwas verkniffenen Zug.

Schließlich hatte der Olvanorer wohl gefunden, was er offenbar in den Datenbanken der STERNENKRIEGER so intensiv gesucht hatte…

»Kar'shandre – der Name bezieht sich auf Shandre, den altk'aradan'schen Gegenspieler des erhabenen Lichtgottes Tembor«, sagte Bruder Guillermo. »Dem Mythos nach wurde Shandre von einem zaubermächtigen Verbündeten verraten, was zur Folge hatte, dass er auf ewige Zeiten in seine Burg Kar'shandre verbannt wurde…«

Na, wenn das kein schlechtes Omen ist, dachte Rena und berührte dabei das Projektil einer Steinschlosswaffe, die ein echsenartiger Bewohner des Planeten Dambanor II einst auf sie abgefeuert hatte und ihr jetzt als Talisman diente.


*


Man nannte ihn Geralgar, was in der Sprache der Rodanag der Schöne bedeutete. Geralgar war der oberste Krisenfall-Entscheider der Rodanag des Verheerten Landes, wie sie ihre Heimat seit jenen fernen Tagen nannten, da sie das Opfer einer furchtbaren Zerstörungsmacht geworden war.

Geralgar war sich sehr wohl bewusst, dass er es auch deshalb zum Krisenfall-Entscheider gebracht hatte, weil er von den anderen Rodanag als schön empfunden wurde – wobei dieser Begriff bei den Angehörigen seines Volkes beinahe ein Synonym für groß war.

Eine Laune der Natur bin ich – vielleicht auch ein Geschenk der Hohen Mächte. Wer weiß?, dachte Geralgar. Jedenfalls war der mit einer Reihe tentakelartiger Extremitäten unterschiedlicher Größe ausgestattete Kopffüßler etwa doppelt so groß, wie es dem Durchschnitt seiner Art entsprach.

Schon als er die Membran seines Weicheis durchbrach, nachdem sein Bewusstsein kurz zuvor erwacht war, hatte er eine für Rodanag außergewöhnliche Größe gehabt und war von den Brutpflegern sehr bewundert worden. »Ein so schöner Nachwuchs!« hatten sie alle immer und immer wieder ausgerufen. »Und wie groß er ist!«

In der gesamten Bewohnten Provinz des Verheerten Landes hatte sich die Nachricht vom Schlupf eines Riesenjungen wie ein Lauffeuer verbreitet.

Sein Aufstieg an die Spitze seines Volkes war vorgezeichnet gewesen. Von Anfang hatte ihn eine Aura der Sympathie und der Bewunderung umgeben. Eine Aura, die für Geralgar selbst nicht erklärlich war.

Geralgar hatte in den Schriften der Alten schließlich gelesen, dass seine Größe letztlich nichts weiter als eine Mutation war.

Die Alten hatten mehr gewusst als die jüngeren Generationen der Rodanag – wenn auch nicht ganz so viel wie die Basir oder die Etnord…

Ganz zu schweigen von den Erhabenen…

Aber seit Erstere verschwunden und Letztere wahrscheinlich tot waren, nachdem sie diesen Teil des Universums in ihren sinnlosen Kämpfen vollkommen verheert hatten, sodass man selbst Jahrtausende später die Folgen noch sehen konnte, war der Großteil ihres Wissens verloren gegangen.

Immer weniger Rodanag hatten sich mit der Bedienung von Maschinen zur Datenspeicherung ausgekannt.

Elektromagnetische Entladungen auf Grund von irreparablen Systemfehlern in den technischen Anlagen unter der Oberfläche dieses planetengroßen Himmelskörpers waren die Folge.

Außerdem war es immer wieder zu starken Strahlungsschauern mit fünfdimensionaler Komponente gekommen, was den technischen Fortschritt nicht gerade förderte – waren dadurch doch ganze Speicherbereiche unwiederbringlich verloren gegangen.

Geralgar bewegte sich auf seinen teilweise recht unterschiedlich dicken Tentakeln ein Stück nach vorn. Vor ihm befand sich eine dreidimensionale Projektion, die das Verheerte Land und seine Außenbereiche darstellte. Die Position eines jeden Bruchstücks war exakt nachgebildet und bei Bedarf ließen sich einzelne Bereiche heranzoomen.

Geralgar wusste, dass Sensoren überall in den Bruchstücken verteilt waren, die jetzt noch sendeten. Nach all den Äonen, die seit dem großen Krieg vergangen waren, lieferten sie immer noch Daten und informierten die Rodanag über das, was im Verheerten Land und in unmittelbarer Nachbarschaft geschah.

Über lange Zeiträume hinweg waren die Rodanag allein in der Bewohnten Provinz gewesen. Die Tatsache, dass es außer den Basir, den Etnord und den Erhabenen Göttern noch andere Lebewesen im Universum gab, war sogar schon von einigen unter den Rodanag bestritten worden. Manche waren der Meinung gewesen, dass dies nur erfundene Geschichten gewesen seien, mit denen insbesondere die Götter – mitunter auch einfach die Erhabenen genannt – ihre Unentbehrlichkeit für die Rodanag hätten herausstreichen wollen.

Es hatte viele Diskussionen gegeben.

Endlose Dispute über Dinge, die kein lebender Rodanag je gesehen hatte und die anhand des in der Bewohnten Provinz vorhandenen und vor allem auch zugänglichen Datenmaterials auch nicht belegbar waren.

Bis die ersten Dabsokaar im Verheerten Land auftauchten, ging es dem schönen Geralgar durch den Kopf.

Zuerst waren es nur ein paar wenige Raumschiffe dieses Volkes gewesen, deren Angehörige als Raumnomaden durch das All zogen. Ohne festes Siedlungsgebiet auf einem bewohnbaren Planeten reisten sie in ihren höchst unterschiedlichen und teilweise auch sehr eigenwillig wirkenden Raumschiffen durch das All.

Was sie in die Bewohnte Provinz gezogen hatte, war den Rodanag zunächst nicht klar gewesen.

Aber es waren mit der Zeit immer mehr geworden. Nomaden des Alls, die durch irgendetwas unwiderstehlich angezogen wurden.

Inzwischen wussten die Rodanag, was es war, das die Fremden so in Verzückung versetzte, dass sie in den Rodanag verehrungswürdige Glücksbringer sahen und sie mit Dank- und Bittgebeten bedachten wie Gottheiten.

Es waren die Botschaften, die in unregelmäßigen Abständen das Verheerte Land erreichten. Sie lösten bei den Dabsokaar etwas aus, dass sie für Glückseligkeit hielten.

»Wir werden etwas unternehmen müssen«, sagte einer der beiden anderen Rodanag im Raum.

Die beiden waren deutlich kleiner als Geralgar. Ihr Körpervolumen betrug etwa die Hälfte. Sie hießen Maltranar und Baralbar und waren die Stellvertreter Geralgars im Amt des Obersten Krisenfall-Entscheiders.

Der offizielle Titel, den sie beide trugen, lautete Unterstützer und ihre Aufgabe bestand darin, den Krisenfall-Entscheider so gut wie möglich bei seinen Entscheidungen zu beraten.

Maltranar trat etwas vor und deutete auf eine ganz bestimmte Stelle innerhalb der Projektion. Er benutzte dazu einen seiner feineren Tentakel, an deren Enden sich jeweils noch viel feinere Greiforgane befanden. »Die Verehrung durch die Dabsokaar mag uns am Anfang geschmeichelt haben, aber inzwischen werden sie zu einer ernsten Bedrohung. Erst kürzlich gelang es uns nur mit Mühe, eine Gruppe besonders fanatischer Dabsokaar davon abzuhalten, mit ihrem Raumboot anzudocken und in die Bewohnte Provinz zu kommen, um sich das zu nehmen, worauf sie ein Anrecht zu haben glauben…«

»Ich weiß«, murmelte Geralgar in einer Sprache, die von Schnalz-und Brummlauten gekennzeichnet wurde.

»Andererseits wüsste ich nicht, wie wir uns gegen sie wehren könnten!«

Früher, in jener Zeit, als das Verheerte Land noch einen anderen, ruhmreicheren Namen getragen hatte und als Transporttor diente, hatte es unzählige kleinere Raumschiffe gegeben, die zwischen den einzelnen Welten des Siebenersystems hin und her geflogen waren. Von einer Dunkelwelt zur anderen zu gelangen, war kein Problem gewesen. Heute muteten diese Überlieferungen wie erfundene Märchen an, die darüber hinwegtäuschen sollten, dass man sich an einem nicht gerade besonders gastlichen Platz im Universum aufhielt.

Ein Ort ohne Sonne, dessen Wärme einzig und allein aus dem Inneren der Bewohnten Provinz kommen konnte.

Und auch diese Wärmequelle war längst nicht mehr so verlässlich und stark, wie es noch vor zwei oder drei Generationen den Anschein gehabt hatte.

Die robotischen Kampfschiffe waren größtenteils bereits bei der Verheerung zerstört worden, aber Transporteinheiten hatte es auch in der Zeit danach noch gegeben – bis schließlich eine nach der anderen nicht mehr funktionierte. Das technische Wissen der Rodanag hatte in den Zeitaltern, die seit dem großen Krieg vergangen waren, stark nachgelassen.

Gleichzeitig hatten immer mehr Systeme ihre Funktion eingestellt. Die Bewohnte Provinz war immer kleiner geworden. Schließlich beschränkte sie sich auf einige Sektoren eines einzigen Himmelskörpers.

»Unser Problem ist, dass wir nur sehr eingeschränkt dazu in der Lage sind, die Botschaftsimpulse selbst zu erzeugen«, fasste Maltranar zusammen. »Die Dabsokaar glauben, dass wir ihnen ihr Glück vorenthalten wollen, dabei kommen die Botschaften in der Regel aus weiter Ferne und werden von der Anlage in der Bewohnten Provinz nur weitergesandt. Wir können sie nur selten beeinflussen!«

»Aber das alte Wissen, das unsere Vorfahren darüber besaßen, muss doch reaktiviert werden können!«, dröhnte Geralgar in den Raum hinein.

»Das ist bislang leider kaum gelungen«, gab Maltranar ziemlich kleinlaut zu. »Mittelfristig könnte es uns vielleicht gelingen, die Signale zu verstärken, aber meiner Beobachtung nach lässt die Wirkung der Impulse immer schneller nach.«

»So?«, fragte Geralgar. »Du meinst, es tritt ein Gewöhnungseffekt auf, wie wir ihn bei stimulierenden Substanzen kennen, die bei uns so überaus knapp sind, da ihr Vorrat in der Bewohnten Provinz nicht erneuert werden kann…«

Maltranar spreizte zwei unterschiedlich große Tentakel in einem Winkel von fünfundvierzig Grad ab, was bei den Rodanag als eine Geste der Zustimmung galt.

»Genauso ist es, o schöner Geralgar!«, bestätigte Maltranar die Worte des Obersten Krisenfall-Entscheiders.

Er dachte, dass es grundsätzlich nicht schaden konnte, seinem obersten Herrn ein wenig zu schmeicheln. Dass es Geralgar ziemlich auf das empfindsame Rodanag-Nervengewebe ging, dass ihm so häufig ausgerechnet mit diesem Aspekt seiner Persönlichkeit geschmeichelt wurde, davon ahnte Maltranar nichts. Geralgar fühlte sich häufig auf seine Schönheit reduziert und die Privilegien, die ihm dadurch von seinem Eischlupf an gewährt worden waren, empfand er als peinlich. Ewig hatte ihn die Frage gequält, ob er das, was er in seinem Leben bisher erreicht hatte, auch ohne diese besondere Eigenschaft hätte erreichen können. Schließlich war es nicht sein Verdienst, als Mutant mit Übergröße geboren worden zu sein. Es war ihm in den Brutkasten gelegt worden und auf die Frage, ob er es auch ohne diesen eigentlich unfairen Vorteil bis zum Obersten Krisenfall-Entscheider gebracht hätte, würde er wahrscheinlich niemals letztgültig beantwortet bekommen.

Vielleicht sollte ich das Ganze von einer anderen Warte aus betrachten, ging es ihm durch den glupschäugigen Kopf, während er sein Gewicht auf einen der kräftigeren Tentakel verlagerte. Vielleicht wärst du nicht ohne die Eigenschaft der übergroßen Schönheit zum Obersten Krisenfall-Entscheider der Rodanag des Verheerten Landes geworden – aber wenn du ein Nichtskönner gewesen und dem Amt nicht gewachsen gewesen wärst, hätten dich deine Artgenossen ganz gewiss nicht lange in dieser Position belassen! Also hast du dann doch jedes Recht darauf, stolz auf deine Leistungen zu sein…

Maltranars Worte drangen unterdessen in Geralgars Gehörzellen, die gut verborgen in der Beuge unterhalb der Tentakelansätze verborgen waren. »Die Flut von Dankesgebeten, die uns die Dabsokaar übersandten, dauerte bei der Begegnung mit den ersten ihrer Raumschiffe, die hier auftauchten, noch gut doppelt so lange wie nach dem letzten Impuls. Ihre Dankbarkeit ist schneller erschöpft und die Gier nach weiteren Impulsen scheint sie inzwischen sehr viel schneller wieder ergriffen zu haben!«

»Der Vorfall mit dem Dabsokaar-Schiff, das in der Bewohnten Provinz versuchte anzudocken, sollte uns sehr vorsichtig werden lassen«, mischte sich nun Baralbar in das Gespräch ein. »Was tun wir, wenn sich die Besatzung von ein oder zwei Dutzend ihrer größeren Schiffe zusammenrotten und die Bewohnte Provinz angreifen? Wir hätten kaum die Macht, es zu verhindern. Dieser Tatsache müssen wir ins Auge sehen!«

Geralgar ließ eine Mischung aus einem Schnalzen und einem Zischen aus der Sprechmembran herausdringen, die vom eigentlichen Mund getrennt war.

Beides wurde von einem Brummlaut unterlegt. Ein Ausdruck des Erstaunens und der Ratlosigkeit. Genau das ist der Punkt, der mir schon seit längerem große Sorgen macht und verhindert, dass ich mich noch in aller Ruhe meinen Rekreationsphasen zu widmen vermag. Ich finde einfach keine Ruhe, was angesichts der bedrohlichen Situation auch nicht verwunderlich ist…

Aber Geralgar hütete sich davor, von diesen inneren Zweifeln auch nur das kleinste bisschen nach außen dringen zu lassen. Schließlich war er der Krisenfall-Entscheider. Man erwartete von ihm, dass er die Situation löste und seine Einfälle dazu beitrugen, dem Volk der Rodanag des Verheerten Landes gegen alle Widrigkeiten eine gute Zukunft zu sichern.

Geralgar war von so viel Optimismus in sein Amt getragen worden und hatte sich anfangs der rückhaltlosen Unterstützung aller sicher sein können. Wie einen Erlöser hatten sie ihn angebetet in der Hoffnung, sich keine eigenen Gedanken mehr über ihre Zukunft machen zu müssen. Und ich war dumm genug ihnen zu glauben, so wie ich dumm genug war, die Schmeicheleien in Bezug auf meine Schönheit zu glauben.

Geralgar wandte den Kopf und starrte auf die 3-D-Projektion in der Mitte des Raumes. Er erinnerte sich noch daran, dass es in seiner Jugend möglich gewesen war, diese Projektion in einem guten Dutzend Räumen innerhalb der Bewohnten Provinz zu aktivieren.

Jetzt war nur noch dieser Raum übrig geblieben, der darum den Namen Saal der weiten Sicht bekommen hatte. Niemand wusste, weshalb die Projektion der Ortungsdaten anderswo nicht mehr aktiviert werden konnte, wie auch niemand wusste, weshalb eigentlich nicht mehr einzelne Teilbereiche herangezoomt werden konnten. Diejenigen unter den Rodanag, die sich selbst die Systemspezialisten nannten, hatten vergeblich versucht, den alten Zustand wiederherzustellen.

Aber es war ihnen bis heute nicht gelungen und Geralgar hatte den leisen Verdacht, dass sie im Grunde viel zu wenig über jenes System wussten, dessen Spezialisten sie eigentlich hätten sein sollen.

Wir leben in einem endlosen Äon des Verfalls und des Niedergangs, ging es Geralgar durch den Kopf. Ein Gedanke, der ihn zeitweilig zutiefst deprimierte. Aber es gibt keine Möglichkeit, an diesem Zustand etwas zu ändern. Der Weg des Schicksals ist für uns vorgezeichnet – und er führt direkt in den Abgrund des Vergessens. Es sei denn, eines Tages würden doch noch die Götter zurückkehren. Und wenn sie nicht mehr existierten, dann wenigstens ihre Helfer, die Etnord oder die Basir…

Aber abgesehen von einigen rätselhaften Botschaften, die die noch funktionierenden Empfänger der Bewohnten Provinz als eine Art Relaisstation an irgendeinen Ort in den geheimnisvollen Tiefen des Kosmos abstrahlten, hatten die Rodanag nichts mehr von diesen Wesen gehört.

Es gab sporadischen Kontakt zu den Rodanag eines anderen Siebener-Systems, dass sich den Berichten nach in einem nicht ganz so maroden Zustand befand wie das Verheerte Land. Die Impulse, die bei diesen Kontakten verwendet wurden, waren weitaus schwächer als jene, die aus der Weiten Ferne stammten und vielleicht zehntausende von Lichtjahren unterwegs gewesen waren. Die Dabsokaar empfanden auch sie als angenehm, aber nur in der Anfangszeit hatten sie sie sich dadurch noch in mentale Ekstase versetzen lassen. Inzwischen war ein Stadium der Desensibilisierung erreicht, in dem die Raumnomaden einen derartigen Impuls nicht einmal mehr größere Dankgebete für würdig hielten. Die Botschaften aus der fernen Weite konnten durch die Rodanag jedoch nicht beeinflusst werden. Blieben sie aus, steigerte sich die Unzufriedenheit der Dabsokaar und die Rodanag warteten mittlerweile immer mit großer innerer Anspannung auf sie.

Eines Tages, das war wohl mittlerweile jedem Rodanag der Bewohnten Provinz klar, würden sich die Fremden holen, was sie begehrten…

Sie würden es zumindest versuchen und ehe sie feststellen konnten, dass sie einer Chimäre nachjagten, hatten sie dann vermutlich die Bewohnte Provinz zerstört und die Lebensgrundlagen der letzten Rodanag vernichtet…

Wäre es nicht deine Aufgabe als Krisenfall-Entscheider, etwas mehr Optimismus zu verbreiten?, meldete sich eine kritische Stimme irgendwo aus dem gewaltigen im Rodanag-Sinn des Wortes besonders schönen Hinterkopf des Kopffüßers, der jetzt beinahe regungslos zu einem Standbild erstarrt war. Das erfordert mentale Stärke und innere Stabilität – und angesichts der Lage mangelt es dir ebenso sehr daran wie allen anderen Bewohnern der Provinz. Aber dennoch wird von einem Krisenfall-Entscheider mehr erwartet als von einem gewöhnlichen Individuum…

Ganz besonders galt das für den Fall, dass dieser Krisenfall-Entscheider schön war…

Geralgars Augen fixierten eine ganz bestimmte Zone in dem von der Projektion erfassten Raumsektor.

Vier Objekte waren dort aufgetaucht, die dort zuvor noch nicht gewesen waren.

Ein kleiner Warnhinweis zeigte an, dass es sich um unbekannte Objekte handelte, die den Ortungsbereich des Verheerten Landes erst vor kurzem erreicht hatten.

»KOORDINATOR!«, sprach Geralgar die künstliche Intelligenz der Bewohnten Provinz an.

Auch ihre Funktionen waren im Laufe der Zeit auf ein Minimum zusammengeschmolzen und wenn man ihre Dienste anforderte, wusste man vorher nicht mit Sicherheit, dass sie auch tatsächlich reagierten. Geralgar grauste schon vor dem Tag, an dem der KOORDINATOR – wieso vieles andere – nicht mehr aktivierbar war.

Aber dieses Mal meldete er sich.

»Der KOORDINATOR erkennt dich als Krisenfall-Entscheider«, sagte eine für Rodanag-Gehörzellen angenehm klingende Stimme. »Deine Autorisation ist akzeptiert. Du wünschst meine Dienste?«

Der Krisenfall-Entscheider streckte einen seiner Tentakel aus und reichte damit in die Projektion hinein. »Ich möchte eine genauere Identifikation dieser vier Objekte.«

»Der automatische Abgleich mit bekannten Raumfahrzeugen hat ergeben, dass es sich nicht um Dabsokaar-Schiffe handelt«, erklärte der KOORDINATOR.

»Sind weitere Spezifikationen möglich?«, hakte Geralgar nach.

»Ist auf Wunsch in Bearbeitung. Ich gebe zu bedenken, dass dafür knappe Energieressourcen verbraucht werden und es ansonsten möglich wäre, das KOORDINATOR-System im Bereitschaftsstatus zu halten.«

»Ich möchte diese Identifikation trotz des damit verbundenen Mehrbedarfs an Energieressourcen!«, sagte Geralgar.

»Akzeptiert. Bedenken des KOORDINATORS wurden protokolliert!«

Geralgar spreizte zwei Tentakel ab und gab mit dieser Geste, die von einem Kameraauge des KOORDINATORS aufgezeichnet wurde, sein Einverständnis. Die KI verstand diese Geste.

Noch!, dachte Geralgar. Irgendwann wird der KOORDINATOR vielleicht nur noch über Sensorfelder eingegebene Befehle akzeptieren oder uns sonst was an Schwierigkeiten machen…

Über die geradezu legendären Fähigkeiten, die der KOORDINATOR zur Zeit des Großen Krieges gehabt hatte, kursierten noch heute Legenden unter den Rodanag. Geralgar hielt vieles davon für Übertreibungen. So war es offenbar eine der Aufgaben des KOORDINATORS gewesen, die Flotte von Abwehrraumdrohnen zu steuern und in den Kampf zu führen, wenn dies nötig war.

Das geschah vollkommen automatisch, ohne dass irgendein Rodanag dazu irgendetwas beitragen musste. Ein einziger Befehl des Krisenfall-Entscheiders genügte – und in dem Extremfall, dass vielleicht eine Kontaktaufnahme nicht möglich war oder es dem Feind durch einen Überraschungsschlag gelungen sein sollte, die Befehlshierarchie der Rodanag zu zerschlagen, war er sogar in der Lage gewesen, eigenständig zu reagieren.

Erst die Kontaktaufnahme mit einem mehrere hundert Lichtjahre entfernten Siebenersystem, in dem diese Funktionen des KOORDINATORS noch aktiviert waren, hatte Geralgar und den seinen gezeigt, dass vielleicht doch nicht alles ins Reich der Legenden gehörte, was man sich über das Computersystem der Bewohnten Provinz so erzählte…

Eine der Wände im Saal der weiten Sicht verwandelte sich in einen gigantischen Bildschirm. Allerdings deutete eine deutliche Unschärfe im rechten Bildrand darauf hin, dass sich auch hier ein Systemversagen ankündigte. Die Unschärferegion hatte sich seit dem Auftauchen der Dabsokaar verdoppelt. Das sprach nach Geralgars Ansicht für sich, aber leider gab es keinen lebenden Rodanag, der zu einer Reparatur in der Lage gewesen wäre.

Auf dem Bildschirm erschienen Datenkolonnen. Einst hatte es Rodanag gegeben, die in der Lage gewesen waren, diese Zeichen zu interpretieren. Heute stellten sie kaum mehr als magische Chiffren dar, von denen die Bewohner des Verheerten Landes ahnten, dass sie irgendetwas mit den Funktionen des KOORDINATORS zu tun hatten.

Die Abbildungen der angepeilten Raumschiffe erschienen in verschiedenen Bildfenstern. Es waren

lediglich Infrarotaufnahmen.

»Ein Objekt kann identifiziert werden«, erklärte der KOORDINATOR.

»Erbitte Spezifikationen!«, forderte Geralgar.

Manchmal musste man Befehle an den KOORDINATOR mehrfach wiederholen, bevor er sie ausführte. Einer der vielen Fehler, die sich im Lauf der Zeit in sein System eingeschlichen hatten. Fehler, die niemand beheben konnte, sodass sie sich mit der Zeit potenzierten und Wechselwirkungen ausbildeten – bis es schließlich zum Systemzusammenbruch kam.

Das Infrarotbild eines sichelförmigen Objekts wurde eingeblendet.

»Es handelt sich bei diesem Körper um ein Raumschiff, das bereits von den fernen Verwandten angemessen wurde!«, erklärte der KOORDINATOR. »Die Signaturen stimmen exakt überein. Bei unseren Verwandten tauchte dieses Schiff in Begleitung einer Einheit des Alten Feindes auf.

Glücklicherweise ist das hier nicht der Fall.«

»Aber es gibt Begleiter…«

»Ja, aber die können wir nicht identifizieren. In unseren Datenbanken befinden sich keine Vergleichsmuster mit einer hinreichend großen Übereinstimmung.«

Geralgar überlegte.

In einer ihrer letzten Botschaften hatten die entfernten Verwandten vom Auftauchen und dem ersten Kontakt mit diesem sichelförmigen Schiff berichtet, dass den seltsamen Namen STERNENKRIEGER trug. Geralgar erinnerte sich noch daran, wie sehr er sich darüber amüsiert hatte. Auch die Fernen Verwandten konnten sich keinen Reim darauf machen, wie Sterne Krieg führen konnten.

»Du erinnerst dich an die Schilderungen unserer entfernten Verwandten, nach denen dieses Schiff die Öffnung eines Wurmlochs verhinderte, indem es seine Waffen gezielt einsetzte«, gab Baralbar zu bedenken. »Leider liegt der letzte Kontakt zu den entfernten Verwandten schon eine Weile zurück und seitdem ist es uns nicht gelungen, ihn wiederherzustellen…«

»Wer weiß, ob nicht diese Fremden etwas mit dem Abbruch des Kontaktes zu tun haben!«, warf nun Maltranar ein.

»Abgesehen von diesem Eingreifen der Menschen berichteten unsere Verwandten aber auch von einem durchaus kooperativen Erstkontakt«, entgegnete Geralgar. »Die Tatsache, dass sie ihre Systeme auf Sparflamme laufen lassen und sich offenbar in einer Art Schleichflug der Bewohnten Provinz zu nähern versuchen, unterstützt meiner Meinung nach die These, dass sie in feindlicher Absicht hier sind«, glaubte Baralbar.

»Aber sie müssen über mächtige Waffen verfügen, wenn sie es schafften, die Öffnung eines Wurmlochs zu verhindern…«

Was genau ein Wurmloch war, hätte kaum einer der Rodanag noch zu erklären vermocht. Aber es war jedem Bewohner der Provinz klar, dass es sich dabei um eine Möglichkeit handelte, Materie in weit entfernte Raumsektoren zu transferieren. Aber damit war das Wissen bereits erschöpft.

Der Begriff Wurmloch war für die Rodanag einer von so vielen, die ursprünglich mal einen sehr konkret fassbaren Bedeutungsinhalt gehabt hatten und schließlich im Laufe der Zeitalter zu mystischen Worthülsen geworden waren, die das Geheimnis eigentlich nur noch mehr verbargen, anstatt es zu erklären.

»Wenn man die Erzählungen unserer Verwandten richtig deutet, dann waren die Wesen von der STERNENKRIEGER nur daran interessiert, die Ausbildung des Wurmlochs zu verhindern. Sie haben keineswegs einen weitergehenden Angriff gegen unsere Verwandten gestartet – und wenn das der Fall wäre, so bin ich mir sicher, dass wir davon gehört hätten.«

Baralbar und Maltranar spreizten jeweils gleich vier beziehungsweise fünf verschiedene Tentakel von sich, was ein Höchstmaß an Irritierung demonstrierte.

»Du solltest deinen Beratern sagen, was du vorhast«, meinte Baralbar, und Maltranar stimmte dem lauthals zu.

»Also gut«, sagte der Oberste Krisenfall-Entscheider. Der Blick seiner hervorquellenden Augen musterte seine beiden Gegenüber misstrauisch. Jetzt muss ich sehr diplomatisch sein, sonst nützt mir am Ende all meine Schönheit nichts, um Maltranar und Baralbar zu überzeugen!

»Den Berichten unserer Verwandten nach waren die Menschen allem Anschein nach in erster Linie auf der Suche nach Informationen. Sie suchten verloren gegangenes Wissen über den Großen Krieg, die Basir – und vielleicht auch über die niederträchtigen, insektoiden Alliierten, mit denen sie zu kooperieren schien. Ich schlage also vor, den Menschen ein Angebot zu machen…«

»Krisenfall-Entscheider! Das ist nicht dein Ernst!«, stieß Maltranar hervor.

Baralbars Empörung war so groß, dass er sogar ein Bein verlor. Er stieß es ab. Die Wunde schloss sich rasch wieder und im Zeitraum von mehreren Eigenrotationen der Bewohnten Provinz würde es nachgewachsen sein.

»Du bringst mich in Verlegenheit«, sagte Geralgar.

»Es geht um die Zukunft der Rodanag im Verheerten Land!«, ereiferte sich Baralbar. Die Schnalzlaute wurden mit einer so schnellen Geschwindigkeit durch die Sprechmembran ausgestoßen, dass sie sich zu einem schrillen Zirpen verdichteten.

»Oh ja, in diesem Punkt muss ich dir Recht geben!«, dröhnte Geralgar zurück. »Es geht um unsere Zukunft! Und mit diesem Raumschiff, das einen so grotesken Namen trägt, ist vielleicht unsere Rettung aufgetaucht. Ich bin es, der zum Krisenfall-Entscheider gemacht wurde. So ist es an mir, zu entscheiden – notfalls auch gegen das Votum meiner Berater!«


*


»Captain, wir bekommen eine Funktransmission im Binärcode der Rodanag«, meldete Lieutenant Jamalkerim. »Es ist allerdings nur ein Audiokanal.«

Sunfrost wandte sich Van Doren. »Kann es sein, dass man uns geortet hat?«

»Offensichtlich«, entgegnete er. »Vergessen wir nicht, dass die Siebenersysteme Hinterlassenschaften der Alten Götter sind. Dieses Volk ist uns technisch so weit überlegen wie wir dem Neandertaler! Schließlich hatten die Alten Götter die Macht, Monde und Planeten zu Siebenecken anzuordnen. Warum sollten sie nicht über eine sehr viel weiterreichende und vielleicht auch exaktere Ortung verfügen als wir?«

»Ich kann dieser Einschätzung nur zustimmen«, sagte Bruder Guillermo. »Die Rodanag des ersten Siebenersystems, auf das wir stießen, waren stark degeneriert, aber wir wissen ja nicht, inwiefern das auch hier der Fall ist. Außerdem ist es möglich, dass sich selbst dann noch sehr viel Anwendungswissen über die Zeitalter hinweg erhalten haben könnte und die Bewohner von Objekt 442 durchaus in der Lage sind, Ortungssysteme effektiv zu bedienen, auch wenn sie keinerlei Kenntnisse über deren technische Grundlagen haben.«

Habe ich denn ein wirklich profundes Wissen über die technischen Grundlagen des Mesonenantriebs?, ging es Sunfrost derweil durch den Kopf. »Ortung?«

»Ja, Ma'am!«, meldete sich Riggs.

»Gibt es irgendwelche auffallenden Veränderungen der Lage?«

»Nein, Ma'am. Ich glaube nicht, dass die Dabsokaar uns bereits bemerkt haben. Ihr Ortungsradius scheint geringer zu sein als der unsere. Die Rodanag haben wir allerdings in dieser Hinsicht wohl etwas unterschätzt. Ich registriere soeben einen Peilstrahl, mit dem wir abgetastet werden.«

»Lieutenant Jamalkerim! Öffnen Sie den Kanal zu den Rodanag«, befahl Sunfrost.

»Ja, Ma'am«, bestätigte die Kommunikationsoffizierin der STERNENKRIEGER und vollführte durch eine rasche Folge von Berührungen der Sensorfelder ihres Touch Screens mehrere wichtige Schaltvorgänge.

Unter anderem wurde das Translatorsystem aktiviert, wie eine Anzeige links oben auf der Bildfläche des Panoramaschirms deutlich machte.

Allerdings zeigte das Bild selbst auch weiterhin einen Infrarotscan des Systems, dem die K'aradan den Namen Kar'shandre gegeben hatten.

»Hier spricht Geralgar, der oberste Krisenfall-Entscheider der Rodanag des Verheerten Landes. Ich grüße das Raumschiff STERNENKRIEGER und seine Besatzung.«

Rena Sunfrost wechselte einen erstaunten Blick mit Van Doren.

Offenbar hat man uns bereits erwartet!, dachte sie und stellte sich dennoch vor. »Ich bin Rena Sunfrost, Captain der STERNENKRIEGER im Dienst des Space Army Corps der Humanen Welten.«

»Unsere Entfernten Verwandten haben uns von ihrer Begegnung mit euch berichtet«, erklärte Geralgar. »Wer sind eure Begleiter? Ihren Schiffstyp konnten wir nicht identifizieren!«

»Es handelt sich um K'aradan-Schiffe. Sie sind unsere Verbündeten.«

»Sind sie gut bewaffnet?«, erkundigte sich der Oberste Krisenfall-Entscheider zu Renas Überraschung.

»Sie wissen sich – genau wie wir – zu verteidigen. Aber wir kommen in friedlicher Absicht.«

»Unsere Entfernten Verwandten waren sich über eure Absichten nicht ganz einig«, erläuterte der Rodanag jetzt. »Ihr habt nach Informationen gesucht, die die Vergangenheit betreffen.«

»Das ist richtig.«

»Aber ihr habt auch durch euren Beschuss das Entstehen eines Wurmlochs verhindert.«

»Wir mussten eine unmittelbar drohende Gefahr abwenden.«

Es folgte eine Pause. Renas fühlte den Blick von Bruder Guillermo auf sich ruhen.

Na, habe ich jetzt diplomatisch alles vergeigt?, fragte sie sich.

Offenbar war sie nicht die Einzige, der diese Frage durch den Kopf ging. »Wir sind noch in Kontakt«, flüsterte Lieutenant Jamalkerim, nachdem sich der Rodanag mit seiner Erwiderung bedenklich viel Zeit ließ.

Schließlich sagte Geralgar: »Ich lade euch in unsere Bewohnte Provinz ein. Dort kann ich euch vielleicht ein auch für euch interessantes Angebot unterbreiten. Was denkst du darüber, Captain Sunfrost?«

»Es scheint um eine Art von Handel zu gehen?«, wich Sunfrost einer direkten Beantwortung der Frage zunächst aus.

Schließlich hatte sie nicht den geringsten Schimmer, worauf diese Unterhaltung eigentlich hinauslaufen sollte. Der Rodanag schien da sehr viel konkretere Vorstellungen zu haben, auch wenn Rena das Gefühl nicht loswurde, dass Geralgar ihr gegenüber nicht ganz offen war.

»Ja, es ist ein Handel«, bestätigte der Rodanag. »Wir würden euch die Auswertung unserer Datenspeicher gestatten, die wahrscheinlich die letzten Informationsquellen über die Basir sind…«

»Und was wäre unsere Gegenleistung?«, hakte Sunfrost nach, der die ganze Sache inzwischen ziemlich suspekt erschien.

»Darüber möchte ich mich gerne mit einer Delegation unterhalten. Menschliche Gäste wären uns sehr willkommen…«

»Wir werden darüber nachdenken und so schnell wie möglich unsere Entscheidung bekannt geben«, versprach Sunfrost. »Aber zuvor hätte ich noch ein paar Fragen.«

»Ich werde sie dir nach besten Wissen und Gewissen beantworten, Sunfrost«, erwiderte Geralgar. »Allerdings solltest du dabei bedenken, dass es Dinge gibt, die vielleicht wirklich besser von Sprechmembran zu Sprechmembran ausgetauscht werden.«

»Diesen Aspekt werde ich nicht aus den Augen verlieren«, erwiderte Rena. »Meine Frage bezieht sich auf die gut hundert Raumschiffe, die sich in einem Radius von einer halben astronomischen Einheit um den Himmelskörper bewegen, dem wir den Namen Objekt 442 gegeben haben.«

»Wir nennen ihn die Bewohnte Provinz«, gab Geralgar zurück. »Und was diese Schiffe angeht, so gehören sie nicht zu uns, sondern den Dabsokaar – fremden Raumnomaden, die sich zu uns verirrt haben.«

»Das haben wir inzwischen auch herausgefunden«, erwiderte Sunfrost.

»Du willst wissen, ob ihr etwas von ihnen zu befürchten habt?«, fragte Geralgar.

»Ja«, bestätigte Rena.

»Das habt ihr nicht«, meinte Geralgar. »Technisch sind diese Schiffe den euren vollkommen unterlegen. Die Dabsokaaer durchqueren im Unterlichtflug das All und leben an Bord ihrer Raumschiffe. Sie sind auf gewisse Art unsere Gäste. Ihr habt nichts zu befürchten.«

»Ich denke, wir werden mit ihnen Kontakt aufnehmen, bevor wir dich über die Annahme oder Ablehnung deines großzügigen Angebots informieren werden«, erklärte Sunfrost.

Es war schwer einzuschätzen, ob dem Rodanag Renas Antwort möglicherweise nicht behagte. Renas Intuition sagte ihr, dass es sich genau so verhielt. Vielleicht lag das aber auch einfach nur an der Verzögerung, mit der die Antwort gegeben wurde und die Rena so erschien, als suchte ihr Gegenüber erst noch nach einer diplomatisch verträglichen Formulierung, um ihr zu antworten.

»Es ist nichts dagegen einzuwenden«, sagte Geralgar. »Mein Angebot ist allerdings mit einer Bedingung verbunden.«

»Und die wäre?«, fragte Rena.

»Eure drei Begleitschiffe bleiben in einem Abstand von mindestens vier astronomischen Einheiten um die Bewohnte Provinz. Bitte verstehe das nicht falsch, aber wir wollen zunächst einmal ganz sicher gehen, dass ihr unsere Heimat tatsächlich in friedlicher Absicht aufsucht.«

»Dafür habe ich Verständnis«, erklärte Sunfrost.

»Das freut mich zu hören. Ich erwarte also deine Antwort.«

Die Verbindung wurde unterbrochen.


*


Rena atmete tief durch. Sie erhob sich von ihrem Schalensitz und ließ den Blick schweifen. Mit Ukasi, Taranos, Riggs, Van Doren und Jamalkerim war die Stammbesatzung auf der Brücke.

Dazu kam noch Bruder Guillermo, der die ganze Zeit über damit fort gefahren war, die aufgefangenen Funkbotschaften zwischen Rodanag und Dabsokaar weiter auszuwerten.

Inzwischen hatte sich der Olvanorer bereits ein sehr viel klareres Bild gemacht.

»I.O., ich bitte um Ihre Einschätzung!«, forderte Rena Sunfrost ihren Ersten Offizier auf. Van Doren war auf Grund der Tatsache, dass er gegenüber einer Besatzung feindlicher Qriid-Kämpfer Humanität hatte walten lassen und dabei die Sicherheit der eigenen Besatzung aufs Spiel setzte, vom Captain der DAEDALUS zum Lieutenant Commander und Ersten Offizier an Bord der STERNENKRIEGER herabgestuft worden.

Da er älter und raumerfahrener war, hatte sein Urteil in Renas Sicht der Dinge ein besonderes Gewicht. Anfangs hatte sie sich dagegen gesträubt, zu akzeptieren, dass einer ihrer Untergebenen offenbar deutlich mehr Kompetenz und Erfahrung besaß, als sie selbst.

Inzwischen hatte sie sich damit allerdings abgefunden – zumindest meistens – und sich vorgenommen, die Kompetenz ihres Ersten Offiziers auch in Anspruch zu nehmen. Letztlich konnte das immer nur von Vorteil für das Gelingen der gesamten Mission sein.

»Ich denke, wir sollten auf das Angebot der anderen Seite eingehen«, meinte Van Doren.

»Es könnte eine Falle sein«, glaubte indessen Ukasi.

»Wir mögen den Dabsokaar-Schiffen ja weit überlegen sein – aber erstens gilt das schon mal nicht für ihr Beschleunigungsvermögen und zweitens haben wir bislang nicht die kleinste Ahnung, welche Bewaffnung diese Schiffe besitzen. Vielleicht sind sie auch darin Spitze und am Ende sind wir von ihren Schiffen dermaßen eingekreist, dass wir ihre leichte Beute werden können!«

Bruder Guillermo hatte ganz andere Bedenken. »Ich glaube, der schwierigste Teil der Mission wird es sein, die K'aradan davon zu überzeugen, hier zurückzubleiben und einfach abzuwarten, bis wir den Orbit von Objekt 442 wieder verlassen!«

»Ich möchte zu bedenken geben, dass der Oberste Krisenfall-Entscheider der Rodanag vielleicht deswegen nichts mehr über Gegenleistung sagen wollte, weil er die Gefahr gesehen hat, dass er abgehört wird!«, war Lieutenant Jamalkerim überzeugt.

Van Doren war derselben Ansicht. »Darüber habe ich auch schon nachgedacht.«

»Kommunikation! Stellen Sie mir eine Verbindung zur SEELE ARADANS her!«, forderte Commander Sunfrost.

Jamalkerim nickte und strich sich dabei eine verirrte Haarsträhne aus den Augen, bevor sie ihre Finger über das Terminal ihrer Konsole gleiten ließ.


*


Zur gleichen Zeit im Alpha-Picus-System…

»Datentransfer von den Sandström-Sonden eins, vier und sieben!«, meldete Lieutenant Commander Seiichi Ishikawa, der Kommunikationsoffizier der LIBERTY, einem Dreadnought.

Die LIBERTY war das Flaggschiff von Commodore Thorbjörn Soldo, dem Kommandanten der Space Army Corps-Einheiten, die zur Verteidigung des Picus-Sektors gegen die sich sammelnde Armadas der Fulirr und der mit ihnen verbündeten Naarash zusammengezogen worden war.

Nachdem die Meldung von der NEPTUN unter Commander Raphael Wong eingetroffen war, dass der Großangriff offenbar begonnen hatte, wartete man nun im gesamten Picus-Sektor auf den drohenden Angriff. Mehr Sandström-Sonden als sonst üblich waren abgeschossen und auf 0,4 LG beschleunigt worden, um anschließend in den Zwischenraum einzutreten und von dort aus wertvolle Daten über herannahende Angreiferschiffe zu liefern.

Funkoffizier Ishikawa leitete die bei im eingehenden Signale der Sandström-Sonden an die Ortungsoffizierin Lieutenant Joline Pranavindraman weiter, die dann mit Hilfe einer speziellen Software für die Auswertung zuständig war.

»Es nähern sich mehrere Gruppen von Raumschiffen dem System«, erklärte Lieutenant Pranavindraman. »Den von den Sonden aufgezeichneten Signaturen nach beträgt das Verhältnis zwischen Naarash und Star-Schiffen etwa eins zu zehn! Die voraussichtlichen Austrittspunkte aus dem Sandström-Raum lassen sich bereits mit einer Sicherheit von 70 Prozent bestimmen. Je näher die Angreifer kommen, desto größer wird die Genauigkeit, mit der wir diese Punkte vorhersagen können!«

Ein Teil des Panoramaschirms zeigte jetzt eine Positionsübersicht des Gebiets rund um die planetenlose Sonne Alpha Picus, in deren unmittelbarer Nähe sich das Wurmloch geöffnet hatte.

Mit Hilfe k'aradan'scher Raumminen war der Durchgang durch die eigentliche Porta des Wurmlochs versperrt. Eine Abwehrmaßnahme, die sich gegen die in Trans-Alpha wartenden Schiffe der Etnord richtete, die den bisherigen Erkenntnissen nach eine Invasion des Alpha-Sektors planten.

Soldo erhob sich von seinem Kommandantensessel und trat ein paar Schritte auf den Panorama-Schirm zu.

»Es gibt fünfzehn Austrittspunkte?«, wunderte sich der Commodore.

»Ja, Sir!«, bestätigte Lieutenant Pranavindraman.

»Mit wie vielen Schiffen rechnen Sie pro Austrittspunkt?«, fragte der Kommandant der Space Army Corps Einheiten im Picus-Gebiet.

»Etwa dreißig mittlere bis große Kampfschiffe«, gab Joline Pranavindraman sofort Auskunft. »Der Austritt erfolgt voraussichtlich in etwa 12 Stunden.«

»Kommunikation!«, wandte sich Soldo an Ishikawa.

»Sir?«

»Stellen Sie eine Konferenzschaltung für alle Schiffe im Alpha-Picus-System her!«, verlangte der Commodore.

»Aye, Sir!«, bestätigte Ishikawa.

Wenig später war die Verbindung hergestellt und Soldo konnte seine Befehle an alle weitergeben. Etwa zweihundert Space Army Corps Schiffe unterschiedlicher Größe – vom Leichten Kreuzer bis zum gigantischen Dreadnought – hatten sich in der Nähe des Wurmlochs versammelt.

Die Sandström-Sonden hatten die Taktik der Space Army Corps-Verbände im Hinblick auf die Fulirr grundlegend geändert. Da man den Austrittspunkt eines feindlichen Schiffs voraussagen vermochte, wurden die Space Army Corps Einheiten genau an diesen Punkt konzentriert. Sie standen dann in fester Formation, wie sie bei den Schiffen der Humanen Welten ohnehin üblich war.

Das Feuer wurde deutlich vor dem Austrittszeitpunkt eröffnet, sodass die Fulirr direkt in einen wahren Hagel aus Gauss-Geschossen fliegen mussten.

Auf diese Weise hatte das Space Army Corps die überlegenen Sauroiden schon einmal aus dem Picus-System vertrieben.

Bis die Space Army Corps Schiffe ihre Gefechtspositionen erreicht hatten, würden Stunden vergehen.

Inzwischen waren ein paar verbündete Einheiten der K'aradan, der Ontiden und der Genetics eingetroffen.

Die Ontiden hatten etwa fünfzig ihrer Schiffe genau dort positioniert, wo die drei Sternenreiche das Nalhsara der Fulirr, das Königreich der Ontiden und die Humanen Welten aufeinander trafen.

Die Genetiker-Föderation der Drei Systeme, die sich erst vor wenigen Monaten aus dem Verbund der Humanen Welten herausgelöst hatte, war mit einer Flottille von zehn ihrer hochmodernen Schiffe vor Ort. Der Verband der Genetics stand unter dem direkten Kommando von Admiral Nobusuke M. McGrath, der bereits mit Soldo Kontakt aufgenommen hatte.

Erstaunlicherweise gab es bei der Integration der Genetic-Einheiten in das taktische Konzept des Oberkommandos des Space Army Corps keinerlei Schwierigkeiten. Soldo war bei dem Gedanken nicht wohl, auf die Hilfe der Genetics bauen zu müssen. Schließlich hatten sie selbst erst vor gar nicht so langer Zeit einen allerdings recht zaghaften Vorstoß unternommen, um Wurmloch Alpha dem Zugriff der Humanen Welten zu entziehen und in eigener Regie die Möglichkeit einer Passage von 50.000 Lichtjahren wirtschaftlich auszuschlachten.

Doch inzwischen waren auch die Genetics zu der Erkenntnis gelangt, dass sie das Wurmloch Alpha im Alleingang weder erobern noch halten konnten – zumal bereits mehrere Mächte wie Bluthunde auf jeden Fehler derjenigen lauerten, die im Moment die Kontrolle über das Wurmloch ausübten.

Commodore Soldo wünschte zum Abschluss seiner Befehlsausgabe allen beteiligten Crews viel Glück. »Ich hoffe, dass wir nicht allzu viele Verluste zu beklagen haben werden«, sagte er – aber er ahnte, dass die Wirklichkeit anders aussehen würde…

Die LIBERTY blieb zusammen mit dem Kernverband, der im Picus-Sektor operierenden Space Army Corps Einheiten in einem Abstand von 0,5 AE zur Porta des Wurmlochs. Wenn die Angreifer dieses Wurmloch bekommen wollten, mussten sie sich hier zum Kampf stellen. Soldo spekulierte im Übrigen auch darauf, dass es sich die Fulirr zweimal überlegen würden, ihre gefürchteten Antimateriewaffen in der Nähe des Wurmlochs einzusetzen.

Die Folgen konnten unabsehbar sein. Wenn bei einer Antimateriedetonation ein Mini Black Hole entstand, konnte niemand die Auswirkungen auf die Stabilität von Wurmloch Alpha vorhersagen.

Es gab in dieser Hinsicht verschiedene Berechnungen. Sie schwankten von einem kurzzeitigen katastrophalen Einfluss bis zur nachhaltigen Destabilisierung des Wurmlochs.

Möglicherweise verschwand es dann für immer, sodass den Angreifern dann nichts von ihrer angestrebten Beute blieb.

Wenn man an die Etnord auf der anderen Seite denkt, wäre es vielleicht sogar das Beste, überlegte Soldo.

Insgesamt zehn Dreadnoughts und zahlreiche kleinere Einheiten gehörten zu dem Verband, dem Soldo nun befahl, sich zur formieren. Bis zum Eintreffen der Feinde würden noch Stunden vergehen. Und diese Zeit musste zur bestmöglichen Vorbereitung genutzt werden.

»Commodore! Eine Transmission von der TAJ MAHAL!«, meldete Lieutenant Commander Seiichi Ishikawa.«

»Dann schalten Sie den Kanal frei!«, erwiderte Soldo.

Auf einem der Nebenbildschirme erschien das Gesicht von Commander Abdul Rajiv, dem Kommandanten des Leichten Kreuzers TAJ MAHAL.

Als die NEPTUN vom Rand des Samtran-Systems aus, den Aufbruch der Armada aus Fulirr und Naarash meldete, hatte Soldo die TAJ MAHAL mit einer ganz besonderen Mission betraut. Sie hatte die Aufgabe erhalten, die Forschungsstation Space Army Corps Base 567 zu evakuieren. Sowohl das gesamte Wissenschaftler-Team unter Professor Jack Metz, als auch alle Datenspeicher sollten gesichert werden. Beides sollte nicht in die Hände der Fulirr gelangen.

»Commodore, Professor Metz weigert sich, die Station zu verlassen«, meldete Rajiv. »Wir haben vor zwei Stunden an der Station angedockt und verhandeln seitdem mit ihm.«

»Geben Sie mir Metz«, knurrte Soldo. Es gibt auch wirklich nichts, womit man mich nicht behelligen würde, ging es ihm ärgerlich durch den Kopf. Für wen hält sich dieser arrogante Kerl eigentlich, dass er annimmt, wir würden ihm ein Rettungsschiff hinterherschicken und er denkt nicht mal daran, dieses Schiff auch zu besteigen.

»Wie Sie wollen, Sir«, sagte Abdul Rajiv. »Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Unterhaltung.«

Den werden wohl andere haben, dachte Soldo. Im nächsten Moment wurde das Bild Rajivs von dem abgelöst, was Jack Metz von sich zeigte.

Die Datenübertragung war etwas wackelig, dadurch waren manche Bildsequenzen leicht geschädigt.

»Commodore, ich lass mich nicht von der Station evakuieren!«, keifte Metz.

»Das haben andere entschieden, Professor. Ich bitte Sie einfach nur, der Crew von Captain Rajiv keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Kooperieren Sie, dann geht alles am schnellsten!«

»Pah!«, machte Metz und vollführte dabei eine wegwerfende Handbewegung.»Aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen werden meinen Mitarbeitern und mir hier die Arbeitsmöglichkeiten genommen! Wichtige Messungen sind gerade im Gang, Experimente müssen über Wochen und Monate verfolgt werden. Glauben Sie, ich ließe mich da von irgendwem einengen?«

»Sie werden es müssen, Professor«, sagte Soldo so ruhig er konnte. »Vergessen Sie nicht, dass Ihre Station dem Space Army Corps gehört. Sie haben keine andere Wahl, als die Befehle des Generalstabs auszuführen. Tun Sie es nicht, müssen Sie mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.«

Metz wurde blass. »Sie würden es nicht wagen, mich mit Gewalt von der Station zu entfernen, Commodore!«

»Sie irren sich gewaltig, Professor. Die von mir mit der Evakuierung betraute Crew hat sogar die Erlaubnis, notfalls Zwangsmittel anzuwenden. Sehen Sie zu, dass sämtliche sensiblen Daten aus den Stationsrechnern entfernt werden. Falls dies nicht möglich sein sollte, erwäge ich sogar die Einsetzung eines Selbstzerstörungsmechanismus!«

»Sie sind wahnsinnig, Soldo!«

»Ich befolge nur Befehle von ganz oben, Professor. Wenn Sie irgendwelche Einwände vorzubringen haben, sollten Sie sich dort beschweren. Und jetzt möchte ich Sie bitten, Commander Rajivs Anweisungen ausnahmslos Folge zu leisten. Hier findet in Kürze eine Raumschlacht von bisher nicht gekanntem Ausmaß statt. Und ich glaube kaum, dass Sie noch hier sein möchten, sobald es losgeht! Soldo Ende!«

Die Verbindung wurde unterbrochen. Für einen Sekundenbruchteil war noch Professor Metzs

fassungsloses Gesicht auf dem Schirm zu sehen, ehe es verblasste. »Ein unangenehmer Zeitgenosse, Sir«, konnte sich Commander Damien Duvalier, der Erste Offizier der LIBERTY eines Kommentars nicht enthalten.

Soldo nickte. »Ja – aber eines der größten Genies, das wir derzeit innerhalb der Humanen Welten haben.«

»Sympathisch finden muss ich ihn deswegen ja wohl nicht«, gab Duvalier zurück.

»Eine Sandström-Transmission von der NEPTUN«, meldete der Funkoffizier in diesem Moment.

»Kanal frei schalten!«, befahl Commodore Soldo. Auf einem Nebenbildschirm erschien das Gesicht von Commander Wong.

»Wir befinden uns auf dem Rückflug von der Erkundungsmission im Samtran-System«, erklärte Wong. »Bis auf einen wurden alle vorgezogenen Leichten Kreuzer jetzt nach Plan zurückgezogen.«

»Gute Arbeit, Commander Wong«, lobte Soldo. »Sollten wir es tatsächlich schaffen, diese Übermacht zurückzudrängen, dann ist das im Wesentlichen auch Ihr Verdienst!«

»Danke, Sir! Wir kehren jetzt ins Alpha Picus System zurück.«

»Nein, Commander. Ihre diesbezügliche Order habe ich geändert.«

»Sir?«

»Fliegen Sie Picus Major an«, wies Soldo ihn an. »Die dortigen Verteidigungskräfte sind etwas schwach besetzt und brauchen zusätzliche Kräfte.«

»Dann gehen Sie von einem Entlastungsangriff der Fulirr aus«, schloss Wong.

»Die wissen doch genau, wo unser schwacher Punkt ist. Wir können die Siedler der Picus Major Planeten nicht in so kurzer Zeit evakuieren.«

»Vielleicht hätte man damit schon vor Wochen anfangen sollen.«

»Das ist eine politische Frage, Commander«, wies Soldo ihn zurecht.

»Mag sein.«

»Wie auch immer, wir müssen mit der Lage zurechtkommen wie sie ist. Verstärkung aus allen Teilen der Humanen Welten ist im Anflug, wie mir Admiral Akato versicherte.«

»Das ist wenigstens mal eine gute Nachricht.«

»Soldo Ende.«

Die Verbindung wurde unterbrochen.

Soldo wusste, dass das Oberkommando des Space Army Corps sehr vorsichtig sein musste, Einheiten aus anderen Sektoren frühzeitig abzuziehen. Schließlich war es ja durchaus auch möglich, dass die Fulirr und ihre Verbündeten sich dazu entschlossen, irgendwo im Zentrum der Humanen Welten einen Angriff zu starten, um sich auf diese Weise Entlastung im Picus-Sektor zu verschaffen. Die Qriid hatten es schließlich ähnlich gemacht und das Wega-System – ein Herzstück der Humanen Welten – angegriffen und dort einen Brückenkopf zu errichten versucht.

Allerdings hatten die Qriid noch den Vorteil, dass wir sie im Sandström-Raum nicht orten konnten, überlegte Soldo. Die Fulirr können wir mit Hilfe der k'aradan'schen Sonden anpeilen, wenn Sie sich zum Austritt aus dem Sandström-Raum anschicken…

Trotzdem durfte die Flottendichte innerhalb der gesamten hundert Lichtjahre durchmessenden Raumkugel, die von der Erde und ihren Kolonien beherrscht wurde, nicht allzu sehr ausdünnen, wie man seit dem Qriid-Krieg und insbesondere dem Angriff auf die Wega leidvoll hatte erfahren müssen.

Nur wenige Minuten später traf die Nachricht auf der LIBERTY ein, dass auch im Picus Major System, in dem es immerhin zwei von Menschen besiedelte Planeten gab, ein sich nähernder Verband von Fulirr-Schiffen mit Hilfe von Sandström-Sonden geortet worden war.


*


Rena Sunfrost hatte Kontakt zur SEELE ARADANS aufgenommen.

Kommandant Sev Baldor war über die Lage längst informiert.

Seine Crew hatte den Funkverkehr zwischen den Rodanag und der STERNENKRIEGER abgehört und entschlüsselt, was auf Grund des simplen Binärcodes, den die Rodanag in diesem Fall verwendeten, auch keinerlei Schwierigkeit bedeutete.

»Commander Sunfrost, ich kann nicht sagen, dass ich besonders begeistert von der Übereinkunft bin, die Sie mit den Rodanag getroffen haben«, erklärte er. »Wir sind hier der Souverän in diesem Raumgebiet…«

»Einem Raumgebiet, das für das Reich der K'aradan bis vor kurzem nichts als ein Quadratlichtjahr ungenutzter, leerer Raum war«, gab Rena zu bedenken. »Ich glaube, es besteht die einmalige Chance, die Informationen der Rodanag-Datenspeicher auszuschöpfen. Wie viel dieser Aufzeichnungen überhaupt noch aufgerufen werden kann, ist natürlich zweifelhaft, aber ich bin überzeugt davon, dass es uns sehr helfen wird, wenn der Angriff der Etnord erfolgt. Vielleicht erfahren wir dann auch, ob es vielleicht noch mehr dieser Siebenersystem in unserem Sektor der Galaxis gibt. Systeme, die vielleicht noch funktionsfähig sind und über die unsere Feinde ein weiteres Wurmloch öffnen und ihre Invasion voranbringen können! Angesichts dieser Gefahr bin ich dafür, jedwede Eitelkeit zurückzustellen.«

Sev Baldor atmete tief durch. Eine Furche erschien auf seiner Stirn. Renas Argumentation schien im einerseits einzuleuchten – andererseits konnte er es wohl einfach nicht verwinden, dass er und sein Flottenverband die zweite Geige zu spielen hatten.

»Wie wäre es, wenn ein paar Ihrer Leute an unserer Delegation teilnehmen würden«, schlug Sunfrost vor. »Schließlich sollen Sie keineswegs von Informationen, die wir dort erhalten, ausgeschlossen werden oder sie nur aus zweiter Hand bekommen.«

»Ich werde darüber nachdenken«, erklärte Baldor.

Die korrekte Übersetzung dieses Satzes hätte wohl gelautet: Ich werde meine Vorgesetzten kontaktieren!, ging es Sunfrost durch den Kopf. Aber dazu wirst du ihm wohl Gelegenheit geben müssen… Selbst ein Kommandant, der einem der Erhabenen Häuser angehört, kann so etwas wohl nicht aus eigener Machtvollkommenheit entscheiden.

Die Verbindung wurde unterbrochen.

»Ich kann nur hoffen, dass Kommandant Baldor nicht versucht, seinen abstrusen Souveränitätsspruch gegen diese Flotte von Dabsokaar durchzusetzen«, unkte Bruder Guillermo.


*


Es dauerte nur wenige Minuten bis sich Baldor wieder meldete.

Lieutenant Jamalkerim wies darauf hin, dass die SEELE ARADANS in dieser Zeit keinerlei Funkkontakt aufgenommen hatte. Weder zu ihren Schwesterschiffen noch über Sandström-Funk zu ihrem Oberkommando.

»Das bedeutet, dass sich Baldors vorgesetzte Instanz an Bord der SEELE ARADANS befindet«, stellte Van Doren fest, und Rena musste ihm zustimmen.

Wenig später ließ Sev Baldor die Bombe platzen. »Lurdre Traanlak, der Chef unseres Geheimdienstes Narumet befindet sich an Bord der SEELE ARADANS. Er wird Sie zu den Rodanag begleiten!«

»Wir sind einverstanden«, erwiderte Sunfrost.

Im nächsten Moment meldete Riggs, dass eine Fähre aus dem Hangar der SEELE ARADANS ausgeschleust worden war und auf die STERNENKRIEGER zusteuerte.

So können sich die Zeiten ändern, dachte Sunfrost. Noch vor wenigen Monaten hätte unsere galaktische Abwehr sonst was darum gegeben, diesen Mann in ihre Gewalt zu bekommen –

jetzt begleitet uns Traanlak als Verbündeter und Mitglied unseres Außenteams!


*


Die Fähre der K'aradan dockte an die STERNENKRIEGER an und Sunfrost ließ es sich nicht nehmen, Traanlak persönlich in der Außenschleuse zu empfangen.

Zu diesem Zweck ließ sie sich von Bruder Guillermo begleiten.

Eigentlich war er zwar bei der Auswertung der Kommunikation innerhalb des Kar'shandre-Systems

unverzichtbar, aber Rena wollte bei dieser Begegnung gerne jemanden dabei haben, der andere so gut beurteilen konnte wie der Olvanorer.

Traanlak trat allein durch die Schleuse. Rena hatte damit gerechnet, dass er sich nur in Begleitung von mehreren Leibwächtern in ein Schiff der Humanen Welten wagte.

Mochte sich in den vergangenen Monaten auch viel im Verhältnis zwischen K'aradan-Reich und Humanen Welten zum Besseren getan haben, sodass man sich inzwischen gegenseitig als verlässliche Verbündete betrachtete, so war Rena durchaus bewusst, dass Lurdre Traanlaks Rolle dabei nach Ansicht von GalAb-Experten mehr als zwiespältig blieb. Seine politischen Ziele waren schwer einzuschätzen – abgesehen davon, dass man durch die eigenen Agenten wusste, dass es wohl Traanlaks langfristiges Ziel war, ein eigenes Hohes Haus zu gründen. Es gab sogar Spekulationen, nach denen er insgeheim die Alleinherrschaft im K'aradan-Reich anstrebte.

Aber dazu war er wohl doch nicht mächtig genug.

Bislang zumindest…

»Seien Sie gegrüßt, Captain Sunfrost«, sagte Traanlak.

»Willkommen an Bord, Sir«, erwiderte Sunfrost. »Sie sind allein gekommen?«

»Wie mir die Mitarbeiter des Narumet berichten, sind die Raumschiffe der Humanen Welten zumeist so konstruiert, dass wenig Platz für Quartiere bleibt. Daher dachte ich, ich mache Ihnen weniger Umstände.«

»Wie schön, dass Sie sich hier sicher fühlen.«

»Ich habe vollkommenes Vertrauen zu Ihnen, Captain. Wir sind Verbündete, das sollte niemand von uns vergessen, auch wenn wir für einige Zeit auf verschiedenen Seiten gekämpft haben. Aber diese Epoche ist nun vorbei. Ein flüchtiges Intermezzo – oder was meinen Sie?«

»Ich teile Ihren Optimismus, was das Bündnis zwischen K'aradan und Menschen angeht«, erklärte Sunfrost. Irgendwie hast du auch schon einmal überzeugender geklungen.

»Bringen Sie mich auf die Brücke«, verlangte Traanlak. »Ich möchte jede Einzelheit dieser Mission mitbekommen und eventuell eingreifen können!«

»Natürlich«, nickte Rena und wechselte mit Bruder Guillermo einen viel sagenden Blick.


*


Rho-Dong glich einem insgesamt etwa drei Meter langem Wurm, dessen hintere Körperhälfte auf einer Schleimspur über den Boden rutschte, während die vordere Hälfte zu einer Höhe von anderthalb Metern aufgerichtet war. Unterhalb des Kopfes befand sich ein Paar feingliederiger Extremitäten. Rho-Dong rutschte auf den farbig markierten Platz des Kommandanten zu. Der Boden der gesamten Brücke war mit einer Schleimschicht von mehreren Millimeter bedeckt, was einfach dadurch bedingt war, dass es sich um einen der am meisten frequentierten Räume des Raumschiffs EWIGE REISE handelte.

Eigentlich gab es Schleimentferner, die dafür zuständig waren, dass die Absonderungen der Dabsokaar nicht zu einem Sicherheitsrisiko wurden. Ein bisschen Schleim war notwendig für einen Dabsokaar, um sich fortzubewegen, aber zu viel Schleim konnte dazu führen, dass er ausrutschte.

Doch die Arbeitsmoral der Fußbodenreiniger hatte erheblich nachgelassen, seit sich die Dabsokaar im Bann der Glückseligkeit befanden. Rätselhafte Impulse, die von den Bewohnern der Dunkelwelt, um die die EWIGE REISE zusammen mit Dutzenden von weiteren Raumschiffen der Dabsokaar jetzt in einer stabilen Umlaufbahn kreiste, aus der Tiefe des Alls herbeigerufen und teilweise wohl auch selbst erzeugt werden konnten. Impulse, die eine noch nicht erforschte Wirkung auf die Dabsokaar-Gehirne hatte, die einem Zustand höchster Glücksekstase gleichkam.

Wenn es nur die Bodenreiniger wären, die völlig in den Bann dieser Impulse geraten wären…, dachte Rho-Dong sorgenvoll.

Aber im Grunde genommen galt das für die Führungsschicht der Dabsokaar genauso.

Alle vier genetischen Hauptlinien der zwitterhaften Dabsokaar waren von dieser Entwicklung betroffen – die Dong-Linie, aus denen sich die Führungskräfte und Raumkommandanten rekrutierten ebenso wie die kriegerischen Deng, die Dang, aus deren Reihen die meisten Techniker stammten oder die Dyng, die einfache Tätigkeiten wie das Reinigen der Böden vom Schleim der anderen verrichteten.

Rho-Dong war das gewählte Oberhaupt des Nomadenrates, der obersten Instanz, die die Dabsokaar kannten. Die meisten ihrer Schiffe oder Schiffsverbände hatten sich freiwillig der Autorität dieses Rates unterstellt, der für gewöhnlich die Ziele des Raumschiffskonvois festlegte, der im Unterlichtflug von System zu System flog. Immer auf der Suche nach genügend Rohstoffen. Hin und wieder trieben die Dabsokaar auch Handel. Nur sehr selten war es bislang vorgekommen, dass sich kleinere Gruppen auf Welten, die von ihren Lebensbedingungen her als geeignet erschienen, niedergelassen hatten. Das Gros der Dabsokaar war immer dem Ruf des Nomadenrates gefolgt. Ihre Heimat waren ihre Raumschiffe.

Aber seit das erste Dabsokaar-Schiff die Glückseligkeit empfangen hatte, war das anders geworden.

Immer mehr Schiffe der Raumnomaden waren im Orbit dieser Dunkelwelt hängen geblieben. Dass auf manchen von ihnen inzwischen die Rohstoffe knapp zu werden drohten und außerdem die Disziplin unter den Besatzungen erheblich nachgelassen hatte, schien sowohl eine Mehrheit im Nomadenrat als auch unter den Crews nicht weiter zu stören.

Dass die geistig etwas einfacher gestrickten Angehörigen der genetischen Dyng-Linie so dachten, wunderte Rho-Dong nur mäßig.

Er selbst hatte inzwischen erhebliche Zweifel, ob es wirklich der richtige Weg für die Dabsokaar sein konnte, sehnsuchtsvoll auf die Impulse der Glückseligkeit zu warten und darüber alles andere zu vergessen.

Aber wenn dann wieder einer dieser unvergleichlichen Impulsschauer durch sein Hirn brandete, machte auch Rho-Dong keine Ausnahme. Er wünschte sich dann nichts sehnlicher, als dass dieser Zustand auf ewig anhalten würde, und er wäre bereit gewesen, wirklich alles dafür zu tun, dass der nächste Glückseligkeits-Impuls nicht so lange auf sich warten ließ.

Manchmal hatte er danach sogar den Eindruck, dass die Rodanag aus einer sadistischen Neigung heraus den Zeitraum bis zur Abgabe des nächsten Impulses künstlich dehnten.

Schon seit längerem gab es daher Stimmen im Nomadenrat, die vorschlugen, die Dunkelwelt kurzerhand zu erobern, um die Glückseligkeit unter Kontrolle zu bekommen. Insbesondere die Vertreter der genetischen Deng-Linie machten sich für die Vorgehensweise stark, deren Gegner einzuwenden pflegten, dass bei einem Angriff auf die Rodanag die Gefahr bestand, dass die Quelle der Glückseligkeit für immer versiegte.

Schließlich konnte es sehr leicht zu einer Beschädigung von technischen Aggregaten kommen, die zur Erzeugung der Impulse gebraucht wurden.

Letztlich war dies das einzige Argument, das im Nomadenrat bisher noch keine Mehrheit für einen Angriff hatte entstehen lassen.

Doch nun war da dieses fremde Schiff aufgetaucht, das sich bislang noch außerhalb des Ortungsbereichs der Dabsokaar-Schiffe befand. Aber man hatte den Funkverkehr zwischen Rodanag und den Fremden abgehört. Der vergleichsweise primitive Code, den die Rodanag für diese Kommunikation verwendet hatten, hatte es den Dabsokaar sehr leicht gemacht, die Signale zu entschlüsseln.

Die Rodanag hatten ihren primitiven Binärcode dabei über ein Kontinuum geleitet, dass vielen Rassen als Zwischenraum bekannt war. Damit sollte eine zeitliche Verzögerung durch Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit bewirkt werden.

Auch die Dabsokaar nutzten diesen Zwischenraum für ihre Kommunikation und daher waren sie in der Lage, auch Signale, die auf diesem Weg geschickt wurden, zu empfangen.

Die Technik dazu hatten sie auf einer jener vielen Welten kennen gelernt, die sie im Laufe ihrer nie endenden Reise bereits besucht hatten.

Natürlich war ihnen auch bekannt, dass es raumfahrende Rassen gab, die auf dem Prinzip dieses Zwischenraums einen Überlichtantrieb entwickelt hatten. Ein Dabsokaar-Kapitän namens Garen-Dong hatte vor die paar Brennstoffzyklen einen solchen Antrieb, den er von einem Methan atmenden und sich hinter einem undurchsichtigen Helmvisier verbergenden Händler erworben hatte, in sein Schiff eingebaut. Die zum Eintritt in den Zwischenraum nötigen vierzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit zu erreichen war für Schiffe der Dabsokaar eine Kleinigkeit. Das Schiff Garen-Dongs entmaterialisierte also und kehrte wenig später in den Normalraum zurück. Die gesamte Besatzung war dem Wahnsinn verfallen. Einzig und allein die Tatsache, dass man sicherheitshalber eine Autopilotfunktion eingeschaltet hatte, war die Tatsache zu verdanken, dass das Schiff überhaupt zurückkehrte. Untersuchungen diagnostizierten später bei der Besatzung eine krankhafte Hirnveränderung, die durch den Aufenthalt im Zwischenraum ausgelöst worden war.

Spätere Tests im Labor ergaben, dass die Gehirne der Dabsokaar offenbar sehr empfindlich auf

5-D-Strahlungsimpulse jedweder Stärke reagierten. Eine besondere Sensibilität – andere sagten eine Schwäche – die sich aber nicht wegdiskutieren ließ. Es wurden noch ein paar zaghafte Versuche unternommen, den Zwischenraum zu erobern, aber sie endeten allesamt tragisch. Die Besatzungen wurden wahnsinnig, bevor sie schließlich an Sekundärschäden starben.

So fuhren die Dabsokaar darin fort, im Unterlichtflug das Universum zu durchreisen. Vielleicht würden sie irgendwann auf ein Volk treffen, dessen Überlichttechnik so fortschrittlich war, dass es auch den wurmartigen Dabsokaar möglich wurde, Raumfahrt über große Distanzen hinweg zu unternehmen.

Doch so, wie die die Lage im Moment war, würden sie diesen dunklen Ort nie wieder verlassen.

»Was werden wir mit dem Schiff der Fremden tun?«, fragte Ma-Dong, einer der anderen Brückenoffiziere auf der EWIGEN REISE.

Sämtliche Brückenoffiziere gehörten im Übrigen der genetischen Hauptlinie der Dong an, was eigentlich nicht verwunderlich war. Nur ein einziges Mal in der überlieferten Geschichte der Dabsokaar hatte es ein Deng zum Kommandanten eines Schiffs gebracht. Von den anderen, weitaus minderbegabten Hauptlinien mal ganz abgesehen.

»Die Rodanag haben dieses Schiff zu sich gerufen!«, gab Rho-Dong zu bedenken. »Aus welchem Grund das geschah, leuchtet mir zwar nicht so recht ein, aber es ist nun einmal eine Tatsache…«

»Na und?«, rief Ma-Dong. »Sollen wir uns denn mit ansehen, wie diese Fremden möglicherweise vor unseren Augen die Kontrolle über die Glückseligkeit übernehmen?«

»Wer sagt uns, dass ihre Hirne dafür überhaupt empfänglich sind?«, fragte Rho-Dong zurück. »Vielleicht sind die Fremden aus ganz anderen Gründen hier.«

»Ich bin dafür, dass wir den Nomadenrat einberufen und darüber entscheiden, ob und was zu tun ist!«, schlug Thu-Dong vor, der Steuermann der EWIGEN REISE.

»Damit die Fremden die Kommunikation des Nomadenrates abhören?«, fragte Ma-Dong kritisch. »Oder schwebt dir ein persönliches Treffen aller Bevollmächtigten auf einem der Schiffe vor? Nur die EWIGE WANDERSCHAFT bietet dafür genug Platz. Allerdings ist es auch schon viele Brennstoffzyklen her, seit zum letzten Mal ein Nomadenrat einberufen worden war, zu dem die Mitglieder hatten persönlich erscheinen müssen. Normalerweise geschah das nur in äußersten Krisenfällen.«

»Ich denke, es ist das Beste, erst einmal die Ruhe zu bewahren und abzuwarten, was die Fremden wollen!«, gab Rho-Dong zu bedenken.

Ma-Dong machte eine wegwerfende und eindeutig verächtliche Geste mit den zarten Extremitäten.

»Man sollte diesen Eindringlingen eine Salve unserer Geschütze vor den Bug knallen, dass es nur so scheppert – und ehrlich gesagt verstehe ich deine zögerliche Haltung nicht, Rho-Dong! Ich muss sagen, das war früher anders bei dir!«

Hier und da regte sich zustimmendes Gemurmel.

Jetzt kann es kritisch werden, dachte er bei sich.


*


Die STERNENKRIEGER war in den dichten Pulk, der im Orbit auf die Momente der Glückseligkeit wartenden Dabsokaar-Schiffe geflogen.

Sunfrost hatte volle Gefechtsbereitschaft angeordnet, da sämtliche Grußbotschaften, die man an die Dabsokaar gesandt hatte, bisher unbeantwortet geblieben waren.

Eine eindeutige Geste des Misstrauens, wie selbst Bruder Guillermo zugeben musste.

Gefechtsbereitschaft bedeutete unter anderem, dass sich die zehn Waffenoffiziere im Rang eines Lieutenants, die an Bord der STERNENKRIEGER Ihren Dienst taten, sich in ihren Gefechtsständen aufzuhalten hatten, von denen sie die Rechner für die schwenkbaren Gauss-Geschütze bedienten.

»Sicher ist sicher«, lautete Sunfrosts Kommentar gegenüber Lurdre Traanlak, dessen Anwesenheit auf der Brücke sie als unangenehm empfand.

Dabei konnte sie dem Narumet-Chef eigentlich nichts vorwerfen. Er hielt sich zurück, mischte sich nicht in Sunfrosts Führung des Schiffes ein, sondern beobachtete in erster Linie.

Er schien sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren, die ihn erwartete, sobald das Außenteam auf die Dunkelwelt wechselte, die von den Rodanag die Bewohnte Provinz genannt wurde.

Wahrscheinlich ist es einfach seine Art, die ich nicht leiden kann, dachte sie. Denn eigentlich verhält er sich viel unproblematischer als beispielsweise unser eigener Botschafter John Aljanov, der mich schon während mehrerer Missionen fast zur Weißglut gebracht hat.

»Eine Botschaft der Dabsokaar trifft ein«, sagte Lieutenant Susan Jamalkerim.

»Dann schalten Sie den Kanal frei, Lieutenant«, erwiderte Sunfrost.

»Tut mir Leid, Ma'am. Es handelt sich um eine Einweg-Transmission. Es ist nicht vorgesehen, dass Sie antworten.«

»Höflichkeit sieht auf jeden Fall anders aus«, meinte Van Doren.

Bruder Guillermo meldete sich zu Wort. »Aus ihrer Schiff zu Schiff Kommunikation sowie den Funksprüchen, die sie mit den Rodanag tauschen, ist zu ersehen, dass sie befürchten, wir könnten ihnen in irgendeiner Form die Teilhabe an dem streitig machen, was sie als die Glückseligkeit bezeichnen.«

»Damit meinen Sie die 5-D-Impulse?«, vergewisserte sich Sunfrost.

Bruder Guillermo nickte. »Ja, Captain. Die Dabsokaar scheinen panische Angst davor zu haben, dass unser Auftauchen dazu führt, dass sie keinen Zugang mehr dazu bekommen beziehungsweise dieser Zugang vielleicht eingeschränkt wird. Es wurde außerdem offen darüber diskutiert, dass wir wahrscheinlich nur die Vorhut einer größeren Flotte sind, deren Ziel es ein könnte, die Glückseligkeit für sich zu beanspruchen und die Dabsokaar zu vertreiben.«

Rena seufzte hörbar. Warum nehmen diese Narren dann nicht einfach Kontakt mit uns auf?, ging es ihr ärgerlich durch den Kopf.

Die Einweg-Transmission der Dabsokaar wurde auf dem Panoramaschirm abgespielt. »Es handelt sich um ein herkömmliches Funksignal mit einem Audio- und einem Videostream.«

Ein wurmähnliches Wesen erschien auf dem Schirm. »Es spricht Rho-Dong, Oberhaupt des Nomadenrates der Dabsokaar! Die Fremden, die uns die Glückseligkeit streitig machen, werden hiermit ultimativ aufgefordert, diesen Ort zu verlassen! Andernfalls werden sie den geballten Zorn jener spüren, die den Herren des Glücks dienen und sich ihre Glückseligkeit nicht rauben lassen werden! Der Einsatz von Gewalt ist unvermeidlich, wenn unseren Forderungen nicht Rechnung getragen wird!«

Die Verbindung wurde beendet.

»Eine Unverschämtheit!«, urteilte Lurdre Traanlak. »Sie scheinen nicht einmal zu wissen, auf wessen Territorium sie sich befinden!«

»Besonders nachdrücklich hat das Reich von Aradan seine Besitzansprüche auf diese Ansammlung von Trümmerbrocken bislang ja auch nicht angemeldet«, kommentierte Sunfrost.

Traanlak verzog das Gesicht. »Da muss ich Ihnen natürlich Recht geben, Captain.«

»Kommunikation!«, wandte sich Rena an Susan Jamalkerim.

»Schalten Sie den Kanal frei und senden Sie in derselben Frequenz und Übertragungsqualität zurück.«

»Kanal frei, Ma'am!«

»Wir beanspruchen Ihre Glückseligkeit nicht und wurden im Übrigen von den Wesen, die Sie die Herren des Glücks nennen, ausdrücklich zu einem Besuch eingeladen. Die Dabsokaar sollten diese Entscheidung der Rodanag akzeptieren. Von uns werden keine Kampfhandlungen ausgehen, aber wir sind durchaus in der Lage, uns auch gegen eine Übermacht erfolgreich zu verteidigen. Darüber hinaus stehen die verbündeten Flotten zweier Sternenreiche hinter uns, sodass wir in Kürze Verstärkung herbeordern könnten. Sunfrost Ende.«


*


Die STERNENKRIEGER schwenkte unterdessen in einen stabilen Orbit um die Bewohnte Provinz ein. Ein Außenteam wurde zusammengestellt. Die Rodanag nahmen noch einmal Kontakt auf und stellten klar, dass es ihr Wunsch war, die höchste Autorität an Bord persönlich zu sprechen.

»Wir sollten diesem Wunsch nachkommen, Captain«, riet Bruder Guillermo. »Und da die Rodanag nun einmal Sie als unsere höchste Autorität kennen gelernt haben, müssen Sie auch das Außenteam leiten. Ich weiß, dass dies in Anbetracht einer möglichen Gefechtssituation nicht nach Ihrem Geschmack ist, aber wir sollten unsere Gesprächspartner nicht schon vornherein verprellen.«

Er hat Recht, dachte Rena nach kurzem Nachdenken und wandte sich an Van Doren. »Sie haben das Kommando, I.O.«

»Aye, Captain.«

Zehn Minuten später ging das Außenteam an Bord der Fähre L-1, die von ihrem etatmäßigen Piloten Yakuf Bogdan geflogen wurde. Dem Außenteam gehörten außer Captain Sunfrost selbst und Lurdre Traanlak noch Bruder Guillermo, der Leitende Ingenieur Lieutenant Simon E. Erixon, der ebenfalls zum technischen Stab gehörende Fähnrich Clayton Gomes sowie Sergeant Ray Kelleney, der neue Kommandant der an Bord der STERNENKRIEGER stationierten Marines-Einheit an.

Ray Kelleney vertrat Sergeant Oliver Rolfson, der ein Offiziersstipendium an der Space Army Corps Akademy angetreten hatte. Kelleney wurde von drei seiner Männer in schweren Kampfanzügen begleitet. Ihre Aufgabe war es, für die Sicherheit des Teams zu sorgen.

Ein Peilstrahl erreichte das Beiboot bereits kurz nach der Ausschleusung aus seinem Hangar an Bord der STERNENKRIEGER.

»Hauptsache, Sie wissen, wo Sie andocken müssen, Bogdan!«, sagte Lieutenant Erixon etwas spöttisch.

Der zur Methanatmung fähige Genetic hatte eine Zusatzausbildung in Fremdtechnik und war daher für diese Mission genau der richtige Experte. Schließlich ging es unter anderem darum, Daten aus uralten, vermutlich sehr fremdartigen Rechnersystemen auf die STERNENKRIEGER zu transferieren – falls das überhaupt möglich war. Die ausschließlich zur Infrarotsicht fähigen Facettenaugen gaben Erixons Gesicht etwas Nicht-Menschliches, dass es immer ein bisschen schwierig machte, seine Mimik richtig zu interpretieren.

Auf dem Schalensitz neben ihm hatte Clayton Gomes Platz genommen. Der überaus begabte Fähnrich litt unter dem so genannten Wolfssyndrom, einem Gen-Defekt, der dafür verantwortlich war, dass er nahezu vollkommen von Haaren bedeckt war. Selbst seine Stirn war von einem dichten Pelz bedeckt.

Die L-1 folgte dem Peilstrahl und dockte schließlich auf der Oberfläche der Dunkelwelt an. Die Rodanag übersandten Daten von Schwerkraft, Sauerstoffgehalt und Temperatur, die innerhalb der Bewohnten Provinz herrschten. Die Werte waren für Menschen allesamt akzeptabel.

Dennoch legten alle Angehörigen des Außenteams Druckanzüge an, die im Notfall geschlossen werden konnten.

Nur bei den Marines war das nicht nötig. Ihre Panzeranzüge waren weltraumtauglich.

Zuerst verließ Kelleney die Schleuse, dann folgten seine Marines Raggie S. Terrifor, James Levoiseur und Norbert Gento. Sie waren schwer bewaffnet, wobei Gento anstatt des Gauss-Gewehrs mit einem Thermostrahler ausgerüstet war, während der Rest des Außenteams lediglich mit Nadlern bewaffnet war.

»Alles klar!«, meldete Kelleney von außen über Funk. Danach verließen auch die anderen das Schiff – mit Ausnahme von Bogdan, der an Bord die Stellung halten musste.

Sunfrost und ihre Crew befanden sich am Anfang eines breiten Korridors.

Vielarmige Kopffüßler kamen ihnen entgegen. Etwa ein Dutzend waren es. Sie blieben in einiger Entfernung stehen.

»Wir grüßen euch«, sagte einer von ihnen und die Translatoren der Menschen hatte kaum noch Schwierigkeiten mit der Übersetzung. »Mein Name ist Maltranar, ich bin ein Berater des Obersten Krisenfall-Entscheiders.«

»Captain Sunfrost. Wir wünschen mit dem Krisenfall-Entscheider zu sprechen.«

»Ich werde euch zu dem schönen Geralgar führen«, versprach Maltranar.

Sunfrost sah ihren Gesprächspartner etwas verwirrt an. »Den schönen Geralgar?«, fragte sie verwirrt.

»Größe ist Schönheit, sagt unsere Überlieferung«, erklärte Maltranar. »Folgt mir bitte.«


*


Das Team wurde in einen hallenartigen Raum mit zahlreichen quaderförmigen Konsolen geführt. Zahlreiche Rodanag waren in diesem Raum versammelt. Ihre Glupschaugen musterten die Gäste auf eine Weise, die Sunfrost nicht interpretieren konnte.

»Schönheit ist Größe«, wiederholte Bruder Guillermo leise den letzten Satz Maltranars.

Sunfrost war der Riese unter den Rodanag auch sofort aufgefallen. Je nachdem, wie er sich auf seine unterschiedlich stabilen Tentakelbeine stützte, musste er zwischen zwei Meter fünfzig und drei Metern hoch aufragen.

Die Marines gingen unwillkürlich in Abwehrhaltung.

Das gewaltige Monstrum bewegte sich auf die Delegation zu.

Der Riesen-Rodanag stieß ein paar schnalzende Laute zur Begrüßung aus, die laut der Interpretation des Translators durchaus freundlich gemeint waren.

Schönheit ist eben etwas sehr Relatives, überlegte Sunfrost.

»Der Oberste Krisenfall-Entscheider der Rodanag des Verheerten Landes sei gegrüßt«, ergriff jetzt Bruder Guillermo das Wort. »Unser Captain freut sich mit dir zu sprechen, Geralgar!«

»Die Freude ist ganz auf meiner Seite«, erklärte Geralgar. Er musterte den Olvanorer. »Und wer bist du?«

»Ein Berater unseres Captains.«

»Es ist wichtig, den richtigen Rat einzuholen«, sagte Geralgar. »Kein Entscheider kann erfolgreich sein, dem nicht die beste Beratung zur Verfügung steht.«

»Da stimme ich dir ausdrücklich zu«, erklärte Sunfrost.

»Wie gesagt, wir sind bereit euch am Wissen, das diese Anlage hat, teilhaben zu lassen.«

»Was müssen wir dafür tun?«, mischte sich nun Lurdre Traanlak ein.

Der schöne Geralgar hielt inne. Zwei seiner Tentakel verknoteten sich.

Eine nonverbale Botschaft?, fragte sich Rena. Es ist immer dasselbe… Man sollte offen aussprechen, was man will, anstatt nur vage Andeutungen zu machen, die dann niemand versteht…

»Du bist auch ein Berater, nehme ich an«, wandte sich Geralgar an Traanlak.

Der Geheimdienstschef widersprach nicht.

Der Riesen-Rodanag zog sich etwas zurück. Ein raschelnder Laut entstand, während er auf seinen Tentakeln über den glatten Boden lief. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Er ließ sich auf einer würfelförmigen Erhöhung nieder, die Rena zunächst für eine Konsole oder ein technisches Aggregat gehalten hatte, ehe ihr Geralgar bewies, dass es sich um ein Rodanagisches Sitzmöbel handelte.

Oder dazu umfunktioniert worden ist, weil niemand mehr weiß, was es wirklich sein könnte, dachte Sunfrost.

»Wir haben ein Problem mit den Dabsokaar, die hier ihre Glückseligkeit suchen. Mit großer Mühe konnten wir sie daran hindern, in die Bewohnte Zone einzudringen. Sie sind süchtig nach den 5-D-Impulsen, die uns aus der Tiefe des Raums erreichen.«

»Wer schickt diese Impulse ab?«, fragte Bruder Guillermo sofort.

»Wir wissen es nicht, aber es gibt Legenden darüber. Es könnten die Basir sein oder… vielleicht auch die verschwundenen Götter.«

»Und wohin werden diese Impulse weitergeleitet?«

»Auch das entzieht sich unserer Kenntnis. Wir können normalerweise nicht einmal ihren Bedeutungsgehalt erkennen. Wir wissen nur, dass es sie gibt. Mit unseren selbst erzeugten 5-D-Impulsen stehen wir mit einer anderen Welt in Kontakt, die ihr auch schon besucht habt. Aber das ist alles jetzt nicht so wichtig. Es geht um etwas anderes.« Er hielt inne, wandte kurz die großen Augen in Richtung seines eigenen Beraters Maltranar, so als müsste er sich von diesem noch einmal eine Bestätigung abholen und fuhr dann fort: »Ihr müsst uns von der Plage der Dabsokaar erlösen! Wie stark eure Bewaffnung ist, haben die Abwehrmechanismen unserer Entfernten Verwandten erfahren müssen. Ihr währt also in der Lage dazu. Und wir bitten euch darum: Rettet uns vor denen, die uns anbeten! Ihr seid unsere letzte Hoffnung!«


*


»Austritt aus dem Sandström-Raum!«, meldete Lieutenant Pierre Templeton, der Ruderoffizier des Leichten Kreuzers NEPTUN.

Commander Raphael Wong erhob sich aus seinem Schalensitz und blickte auf den Panorama-Bildschirm, der die Sonne Picus Major zeigte – davor die Schatten der beiden von Menschen besiedelten Trabanten Picus Major II und III, die sich auf eine Position zubewegten, in der sie in Konjunktion standen. Auf dem dritten Planeten lebte die Mehrheit der menschlichen Bevölkerung des Picus-Sektors, während Planet Nummer zwei nur dünn besiedelt war. Bei Nummer eins handelte es sich wiederum um eine Gluthölle von Merkurgröße, deren Tagseite bis über 700 Grad Celsius heiß wurde.

Hier und da blitzten Explosionen auf.

Und außerdem zeichneten sich mehrere Dunkelzonen ab, die sich ausdehnten.

Schwarze Löcher, erkannte Wong. Mini Black Holes, verursacht durch den Einsatz von Antimateriebomben der Fulirr…

Mit starken Verbänden hatten die Fulirr inzwischen angegriffen. Dutzende ihrer keilförmigen Raumschiffe waren aus dem Zwischenraum materialisiert. Wong war darüber bereits während der Sandström-Passage der NEPTUN durch Commodore Ronald Smith informiert worden, der von dem um Picus Major III kreisenden Spacedock 112 aus die lokalen Verteidigungskräfte im System befehligte. Dazu gehörten eine Reihe von unterlichtschnellen Raumbooten und inzwischen auch eine Staffel der neuen Jäger, die auf insgesamt vier Raumforts stationiert waren, die um die Planeten II und III kreisten. Diese Raumforts waren erst vor kurzem, im Zuge der sich

zuspitzenden galaktopolitischen Lage hier im Schnellverfahren installiert worden. Die

Mobilmachungsgesetze hatten es ermöglicht, die erheblichen industriellen Kapazitäten von Picus Major III für diesen Zweck einzusetzen.

Außerdem operierten im nur wenige Lichtjahre von Wurmloch Alpha entfernten Picus Major System noch jene Einheiten, die von Commodore Soldo im gesamten Picus-Sektor abkommandiert worden waren. Inzwischen war dieser Verband erheblich verstärkt worden, sodass neben zahlreichen Leichten Kreuzern wie der NEPTUN auch zwei Dutzend Schwere Kreuzer und zehn Zerstörer hier patrouillierten.

Der Großteil von Soldos Flotte war rund um Alpha Picus stationiert, wo man den Hauptangriff der vereinigten Fulirr und Naarash-Flotte erwartete.

Letzte Meldungen besagten, dass sich ein weiterer Flottenverband unter dem Kommando von Admiral Mark Akato dem Picus-Sektor näherte. Dass der Chef des taktischen Stabes persönlich sich der Sache annahm, machte deutlich, dass es hier tatsächlich um alles oder nichts ging. Die Flottenstärke innerhalb der Humanen Welten war bis zum Äußersten ausgedünnt worden. Auf diplomatischen Kanälen wurde versucht, die Verbündeten K'aradan, Ontiden und Genetics zum Einsatz größerer Unterstützungsflotten zu bewegen. Im Hinblick auf die Ontiden war man da auch erfolgreich gewesen.

Die Genetics hatten ihre Flottenpräsenz im Picus Sektor zwar verdoppelt, unterhielten insgesamt aber immer noch einen vergleichsweise kleinen Verband unter Admiral Nobusuke M. McGrath, der darüber hinaus ausschließlich um Wurmloch Alpha konzentriert war. Allerdings waren ihre Raumer effektiver als Standartschiffe des Star Corp vergleichbarer Größe.

»Versuchen Sie, Kontakt zu Commodore Smith zu bekommen«, forderte Wong.

Lieutenant Pemmo Nebbson schüttelte den Kopf. Der Funkkontakt zum Kommandierenden der lokalen Verteidigungskräfte des Picus Major Systems war schon während der Sandström-Flugphase nicht mehr herstellbar gewesen.

»Sir, da antwortet niemand!«, erklärte Nebbson. »Ich habe es auf allen Frequenzen versucht – Sandström-Funk inklusive!«

»Ortung? Was ist da los?«, fragte Wong.

»Captain… Spacedock 112 existiert nicht mehr«, erklärte Lieutenant Derek Batista stockend. Der Ortungsoffizier der NEPTUN ließ seine Finger über die Sensorfelder seines Touch Screens schnellen. »Ich finde auch zwei der vier Raumforts nicht mehr. Gerade wird die Zündung eines

Antimateriesprengkopfs in unmittelbarer Nähe des Orbits von Picus Major III angezeigt…«

»Das ist unfassbar, sie nehmen die unkalkulierbaren Folgen einfach in Kauf«, kommentierte Lieutenant Commander Brian Mayer fassungslos, was man jetzt auf dem Panorama-Schirm verfolgen konnte.

Die Antimaterie-Explosion war deutlich zu sehen. Ein Lichtblitz schien für einen Moment heller als die Sonne Picus Major. Doch dann fiel diese Kunstsonne in sich zusammen. Eine Dunkelzone bildete sich, breitete sich aus.

Normalerweise kollabierten diese Mini Black Holes nach kurzer Zeit wieder. Aber sie in der Nähe einer größeren Materieballung zu zünden, barg immer das Risiko, dass Materie von dem Black Hole angesaugt wurde und es damit in einen Zustand geriet, der nicht vorhersehbar war.

Zumindest nicht für die menschliche Wissenschaft, schränkte Commander Wong in Gedanken ein. Wie viel die Fulirr wirklich über Black Holes wissen, entzieht sich, wenn man es genau nimmt, unserer Kenntnis. Man kann also nur hoffen, dass die alles unter Kontrolle haben.

Dutzende von Klein-Raumschiffen der lokalen Verteidigungskräfte wurden in den Strudel der mörderischen Gravitation gerissen und bewegten sich unaufhaltsam dem Ereignishorizont zu. Doch bevor sie diesen erreichten, verdampften sie durch die mörderischen G-Kräfte, die hier herrschten. Es blieb buchstäblich nichts von ihnen. Dasselbe galt für eine gesamte Jägerstaffel, deren Aufgabe die Verteidigung des Orbits gewesen war. Sie verschwanden nacheinander von den Ortungsschirmen.

Eine Transmission vom Schweren Kreuzer ARES erreichte auch die NEPTUN. »Hier spricht Captain Lars Tradino. Ich übernehme als dienstältester Captain das Kommando des Verbandes, nachdem unser Kommandozentrum ausgefallen ist… Die anzustrebende taktische Ordnung ist in dem diese Nachricht begleitenden Datenstrom enthalten. Versuchen Sie Ihr Bestes und beten Sie für das Eintreffen von Verstärkung! Tradino Ende.«

»Taktische Daten sind eingetroffen und entschlüsselt«, meldete Lieutenant Nebbson.

»Dann werden wir uns in das taktische Konzept einfügen!«, beschloss Wong.

Eine schematische Darstellung erschien jetzt in einem Teilfenster des Hauptbildschirms. Die Positionen der Fulirr-Schiffe waren darauf ebenso verzeichnet wie die georteten Space Army Corps Einheiten. Immer wieder verschwanden Einheiten von dieser Darstellung. Meistens handelte es sich um Space Army Corps Schiffe.

»Kaum die Hälfte des ursprünglich hier stationierten Verbandes ist noch übrig, Sir!«, fasste Waffenoffizierin Celine Al-Malik die ziemlich aussichtslose Lage zusammen.

»Woran hat es Ihrer Meinung nach gelegen, dass die Fulirr-Schiffe diesmal nicht gleich beim Austritt aus dem Sandström-Raum aufgehalten werden konnten?«, fragte Wong.

»Sir, ich würde sagen, das lag an der puren Übermacht. Sie sind einfach durchgebrochen«, erklärte Celine Al-Malik ihre taktische Analyse. »Einfacher gesagt: Es waren zu wenig Verteidiger hier. Man hat offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der Entlastungsangriff der Fulirr auf Picus Major mit so großer Übermacht durchgeführt würde!«

»Captain, mehrere Einheiten treten aus dem Sandström-Raum aus!«, meldete Batista. »Aber es handelt sich nicht um Fulirr, sondern um Naarash. Sie setzen ihre Drohnenschwärme aus…«


*


»Wir sind keine Söldner«, stellte Sunfrost klar. »Aber vielleicht können wir dazu beitragen, eine Lösung zu finden, um ihren Konflikt mit den Dabsokaar zu lösen.«

»Es gibt keine Lösung«, erklärte Geralgar. »Die 5-D-Impulse haben offenbar eine verheerende Wirkung auf die Gehirne der Dabsokaar. Sie befinden sich dann in einem Ausnahmezustand.

Wir haben auf Dauer nicht die Möglichkeiten, uns gegen sie zu wehren. Dazu kommt, dass die Impulse bei ihnen eine immer geringere Wirkung erzielen und sie daher sehr viel aggressiver geworden sind. Wenn ihr uns nicht helft, so bedeutet das unser Todesurteil.«

»Ich schlage vor, dass wir zunächst einmal ihre Gegenleistung begutachten«, mischte sich Lurdre Traanlak ein.

»Natürlich«, sagte Geralgar. »Ihr könnt das Datenmaterial, soweit es zugänglich ist, gerne untersuchen. Wir verstehen nicht sehr viel von der alten Technik. Das Wissen, um die Bedeutung der Zeichen ist weitgehend verloren gegangen. Und manche Speicher lassen sich nicht mehr aufrufen. Folgt mir!«

Geralgar führte sie zu einem Heptaeder, der aus unzähligen siebeneckigen Flächen bestand, die in unterschiedliche Farben leuchteten. »Dies ist der Zugang zu den Speichern.«

»Wie aktiviert man ihn?«, fragte Erixon.

»Durch berühren der Felder. Früher gab es Rodanag, die Meister in der Handhabung der Berührungsfelder waren. Heute sind wir alle sehr unbeholfen darin. Eigentlich müsste er durch Befehle an einen zweiten Rechnerkomplex, den wir den KOORDINATOR nennen, zu bedienen sein, aber das funktioniert nur sporadisch.«

»Ich werde lieber versuchen, über mein Modul einen Zugang zu finden«, erklärte Erixon. Da die Facettenaugen des LI ausschließlich zur Infrarotsicht fähig waren, war er ohnehin ständig darauf angewiesen, ein spezielles Display zur Hand zu haben, dessen Anzeige nicht auf der Basis von Lichtunterschieden arbeitete, sondern stattdessen Temperaturunterschiede abbildete.

»Ich habe einen Zugang zum System gefunden«, stieß Erixon fast sofort hervor. »Fähnrich Gomes, legen Sie ein weiteres Übertragungsmodul an.«

»Ja, Sir«, bestätigte Gomes und befestigte ein Übertragungsmodul auf einer der siebeneckigen Flächen. Der Heptaeder begann aufzuleuchten. Diese Lichterscheinung pulsierte. Eine Holografie erschien. Sie zeigte eine Gestalt, die von weiten Gewändern verdeckt wurde.

Teilweise schienen Abbildungsfehler aufzutreten. Ein verschwommener Fleck breitete sich vom Kopf manchmal bis zur Körpermitte aus.

»Ich bin ein virtueller Archivar, geschaffen nach dem Ebenbild von Reigor, aus dem Volk der Basir, das den Göttern half und von ihnen belohnt wurde«, sagte die Holografie.

Die Wand hinter dem Heptaeder wurde erleuchtet und wenig später erschienen darauf Bilder wie auf einer gewaltigen Leinwand. »Wir, die Basir und die Etnord führen Krieg gegen die Krabbler zu Recht, denn diese haben sich dem Willen der Erhabenen entgegensetzt, denen wir dienen und denen wir alles verdanken.«

Auf den Bildern waren zunächst Raumschiffe zu sehen, dann Scharen insektoider Wesen. Es handelte sich zweifellos um Ontiden.

»Unsere Feinde sind widerspenstiger, als wir ahnten und haben bereits mehrere der Siebeneckigen Sternentore zerstört. Aber es ist der unumstößliche Beschluss der Erhabenen, dass wir die Ausbreitung dieser Plage Einhalt gebieten werden! Die Überlebenden werden sich kaum über den Stand von Tieren erheben, so lautet der Befehl der Erhabenen. Dass eine Reihe primitiver Völker durch die Auswirkungen dieses Kampfs in Mitleidenschaft gezogen wurde, nehmen die Erhabenen in Kauf.«

Bilder einer erdähnlichen Welt erschienen nun. Horden von K'aradan, die mit Hieb- und Stichwaffen auf reptilienartiges Wild Jagd machten, waren zu sehen.

»Das muss während des Dunklen Zeitalters gewesen sein, das vor 2600 Jahren begann«, meinte Lurdre Traanlak.

»Offenbar sind das Bilder einer jener K'aradan-Welten, die in die Barbarei zurückfielen.« Er wandte sich an Erixon.

»Halten Sie die Vorführung an!«

»Ich habe keinen Einfluss darauf«, erklärte Erixon. »Auf meine Befehle reagiert das System im Moment nicht. Es treten außerdem immer wieder Fehlfunktonen auf.«

Graue Flecken tanzten auf den Bildern, die immer größer wurden. Das Hologramm des Basir äußerte immer sinnlosere Sätze. Schließlich gab es nur noch unzusammenhängende Begriffe von sich. Plötzlich blieb die Aufzeichnung stehen. Sowohl die Bilder als auch die Holografie erstarrten.

»Tut mir Leid, da kann ich nichts machen«, sagte Erixon.

»Du brauchst auch nichts zu tun«, meldete sich Geralgar zu Wort. »Manchmal geschieht das einfach. Wir können es nicht beeinflussen, aber nach einiger Zeit verblassen die Bilder. Dasselbe gilt für die Holografie. Sie verschwinden einfach und irgendwann lässt sich das System wieder starten, wenn man eines der Siebenecke berührt…«

»Ich habe einen kleinen Teil der Daten aufzeichnen können«, sagte Erixon. »Aber der Speicher meines Moduls ist begrenzt. Wir müssten eine Übertragung auf den Bordrechner der STERNENKRIEGER durchführen.«

»Die Oberfläche der Dunkelwelten ist immer sehr stark abschirmend«, ergänzte Gomes. »Aber wenn wir die L-1 als Relaisstation nehmen, müsste es klappen.«

In diesem Augenblick meldete sich Bogdan.

»Captain, die STERNENKRIEGER wird angegriffen! Mehrere Dabsokaar-Schiffe feuern auf uns!«

»So haben Sie nun die Möglichkeit, sich das Recht auf eine Datenübertragung zu erwerben!«, kommentierte dies Geralgar, dessen eigener Translator offenbar von höchster Qualität war, denn er hatte verstanden, worum es in Sunfrosts Gespräch mit Bogdan ging.


*


»Commodore! Wir haben die gesamte Jägerstaffel verloren!«, meldete Joline Pranavindraman. Die Ortungsoffizierin des Dreadnoughts LIBERTY musste sich im nächsten Moment festhalten, da eine starke Erschütterung durch das Schiff ging.

Die künstliche Gravitation funktionierte nicht mehr einwandfrei. Von Manövern mit größerer Beschleunigung musste das Schlachtschiff Abstand nehmen.

Mehrere Treffer wurden auf verschiedenen Decks gemeldet.

Die Kontrolle über die Schiffsteuerung lag bei Commander Pel Damano, dem Waffenoffizier. Die LIBERTY feuerte ihre Breitseite ab, so wie die anderen Space Army Corps Schiffe, mit denen zusammen sie eine zentrale Kampfformation bildete.

Commodore Soldo wusste, dass die Lage mehr als aussichtslos war. Über Stunden hinweg war es den Space Army Corps Schiffen gelungen, die vereinigten Fulirr und Naarash schon beim Austritt aus dem Sandström-Raum abzufangen. Einen wesentlichen Beitrag leistete dabei das K'aradan-Kontingent, dessen Tellerschiffe sich in einem wirren Umkreis um das Alpha Picus System positioniert hatten und durch den verstärkten Einsatz von Sandström-Sonden eine bessere Ortung ermöglichten.

Aber schließlich war es den Fulirr doch an einer Stelle gelungen durchzubrechen und die verteidigenden Space Army Corps Verbände aufzureiben. Auch ein Unterstützungsverband der Genetics war dabei in den Einflussbereich eines Mini Black Hole geraten und auf Nimmerwiedersehen hinter dessen Ereignishorizont verschwunden.

Nur noch vier Schiffe von Admiral Nobusuke M. McGrath befanden sich in einem einsatzfähigen Zustand. Sie waren derzeit von einer Gruppe Naarash-Schiffen eingekreist, die Schwärme von voll robotischen Flugdrohnen losschickten, die Traserfeuer verschossen. Es gab bereits starke Beschädigungen.

Durch jenen Austrittspunkt, an dem die Verteidiger aufgerieben worden waren, strömte nun die Verstärkung der Fulirr herbei.

In weit auseinander gezogener Formation griffen sie die Space Army Corps-Schiffe an, die wiederum in einem engen Verband positioniert waren. Eine Antimaterierakete nach der anderen wurde auf den Weg geschickt.

An strategisch günstigen Positionen wurden die Sprengköpfe gezündet. Die Fulirr hatten den Vorteil, dass ihre Geschosse nicht einmal zu treffen brauchten. Unaufhaltsam breiteten sich dann die Dunkelzonen der Mini Black Holes aus und verschlangen jegliche Materie, die ihnen in die Quere kam. Bei größeren Objekten leuchtete ein kurzer Jet Stream wie ein Lichtblitz auf.

Wieder gingen Erschütterungen durch die LIBERTY. Ein Schwarm von Naarash Drohnen hatte das riesige, zylinderförmige Schlachtschiff unter Feuer genommen. Dessen Gauss-Geschütze verschossen unablässig ihre würfelförmigen Projektile. Eines der Naarash-Schiffe verwandelte sich in eine künstliche Sonne, die für Sekunden das Zentralgestirn des Alpha Picus Systems überstrahlte.

Wieder durchliefen Erschütterungen das Schiff. Das Licht flackerte kurz. Offenbar war die Energieversorgung kurzzeitig in Mitleidenschaft gezogen worden.

»Schadensbericht, I.O.!«, forderte Soldo.

»Schäden auf acht Decks!«, meldete Damien Duvalier. »Es liegt ein Hüllenbruch auf zehn Metern Länge vor. Zwanzig Besatzungsmitglieder sind höchstwahrscheinlich in den Raum geschleudert worden. Betroffene Sektion ist abgeschottet, der Rettungstrupp kommt nicht durch.«

Soldo atmete tief durch.

Die Unterstützung durch Admiral Akato ließ noch auf sich warten. Außerdem sollten zusätzliche Verbände der Ontiden eintreffen, aber deren Kampfkraft schätzte Soldo nicht allzu hoch ein.

Ein Großteil von Akatos Flotte musste im Übrigen zur Unterstützung der Verbände im Picus Major System eingesetzt werden, denn dort war die Lage noch verzweifelter als hier.

Mehrere Fulirr Schiffe hatten sich inzwischen in Richtung der Porta des Wurmloch vorgearbeitet, die wie ein flackerndes Fanal weithin im Weltraum sichtbar war.

Duvalier war das auch aufgefallen. »Sie versuchen die Porta unter ihre Kontrolle zu bekommen!«, stellte er fest. »Sehr gut, dann haben sie mit den Minen der K'aradan genug zu tun!«

Soldo schüttelte den Kopf. »Ob geplant oder durch Zufall – das Minenfeld ist längst durch Mini Black Holes geräumt worden.« Ihm blieb keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn Nebbson meldete, dass inzwischen auch am zweiten Austrittspunkt der Fulirr der Widerstand des Space Army Corps und einiger verbündete Ontiden und K'aradan gebrochen worden war. Nichts konnte die Aggressoren jetzt auch hier daran hindern, weiter vorzustoßen. Wie lange noch?, dachte Soldo.

Er dachte daran, den allgemeinen Rückzug zu befehlen. Die Schlacht war nicht mehr zu gewinnen. Die Fulirr und ihre Verbündeten waren zu überlegen. Der einzige Grund, weshalb die Sauroiden den Picus-Sektor nicht schon längst erobert haben, ist ihre Angst vor eigenen Verlusten! Aber nachdem sie die überwunden hatten, waren sie nicht mehr zu stoppen. Selbst wenn die Verbände von Admiral Akato jetzt eintrafen, konnten sie das Blatt nicht mehr wenden…


*


Die Schlacht zog sich dahin. Soldo hatte inzwischen den Befehl gegeben, sich an einem bestimmten Punkt in der Nähe des Picus Nebels – der nichts anderes als die Überreste eines Siebenersystems darstellte – zu sammeln und neu zu formieren.

Die Unterstützungsflotte von Admiral Akato traf ein. Die Einheiten materialisierten im Normalraum, aber der Verband war zu schwach, um die Fulirr besiegen zu können. Sie hatten sich das Alpha Picus System unter den Nagel gerissen und kontrollierten nun die Wurmloch-Porta. Wir haben nicht die Mittel, ihnen diese Kontrolle wieder zu nehmen, dachte Soldo.

Akato meldete sich. »Die Lage ist verzweifelt, Sir«, sagte Soldo.

»Im Picus Major System sieht es ganz ähnlich aus«, erklärte Akato. »Nur gibt es dort zwei Siedlerwelten, die wir nicht einfach so zurücklassen können!«

Was sollte das sein?, fragte sich Soldo. Eine Entschuldigung dafür, dass er den größten Teil seiner Schiffe nach Picus Major geschickt hatte? Es spielte keine Rolle mehr…

Es dauerte Stunden, bis sich die Reste der geschlagenen Flotte am Systemrand wieder einigermaßen formierten.

Zunächst wurden sie von den Naarash und den Fulirr verfolgt, aber dann schienen diese das Interesse an eine völlige Vernichtung des Feindes verloren zu haben.

Nebbson registrierte erstaunt, dass mehrere Fulirr-Schiffe beschleunigten und offenbar in den Sandström-Raum zurückkehren wollten. Zunächst entstand die Befürchtung, dass sie vielleicht weitergehende Ziele innerhalb der Humanen Welten anfliegen wollten, um Brückenköpfe einer noch größeren Invasion zu errichten.

Aber das war nicht der Fall.

Zumindest sprachen die von den Sandström-Sonden aufgezeichneten Eintrittsvektoren kurz nach

der Entmaterialisierung in den Zwischenraum eher dafür, das sie in Richtung Nalhsara unterwegs waren.

Zunächst war es nur eine vage Hoffnung, die durch nichts begründet werden konnte, als die eigene Angst.

Aber dann wurde es zur Gewissheit.

Die Fulirr zogen sich zurück, ein Schiff nach dem anderen beschleunigte, um in den Sandström-Raum zu gelangen. Die Naarash-Schiffe folgten ihren Verbündeten. Hier und da ließen sie zwar einen Schwarm von robotischen Kampfdrohnen zurück. Aber das war auch alles.

»Commodore, ich bekomme Meldungen aus dem Picus Major System herein!«, sagte Nebbson. »Danach ziehen sich die Fulirr dort ebenfalls zurück.«

»Freuen wir uns doch einfach darüber!«, schlug Damien Duvalier vor.

»Angesichts der Verluste fällt mir das schwer, I.O.«, sagte Soldo.

Ihm machte besonders zu schaffen, dass ganz gewiss nicht die Abwehr der Space Army Corps Flotte der Grund für den Rückzug der Sauroiden war. Was also war der wahre Grund…?


*


Ein paar leichtere Erschütterungen gingen durch die STERNENKRIEGER II, nachdem insgesamt fünf Dabsokaar-Schiffe ihre Wuchtgeschosse auf den Sondereinsatzkreuzer abgefeuert hatten.

»Ihre Projektilwaffen funktionieren im Prinzip ganz ähnlich wie unsere Gauss-Geschütze«, erklärte Lieutenant Riggs.

»Nur sind sie offenbar weitaus weniger leistungsfähig.«

»Die Außenpanzerung hält?«, fragte Van Doren.

»Ja«, bestätigte Riggs.

»Vorausgesetzt, wir geraten unter Dauerfeuer, dann müssten wir schon mit Schäden rechnen«, widersprach Ukasi.

»Taktik! Lassen Sie eine Salve abfeuern!«, befahl der Kommando führende Erste Offizier. »Wir wollen uns Respekt verschaffen und den Gegner auf Distanz halten. Sobald das geschehen ist, stellen Sie das Feuer wieder ein.«

»Aye, Sir!«, bestätigte Ukasi. Seine Finger glitten über seinen Touchscreen. »Gauss 1-10! Aggressor-Einheiten sind auf dem Ortungsschirm markiert. Feuer!«

Die Waffenoffiziere auf den Gefechtsständen programmierten ihre Rechner. Die schwenkbaren Gauss-Geschütze – sechs vorne und vier hinten – begannen zu feuern.

»Ich wäre dafür, etwas gründlicher aufzuräumen!«, meldete sich Lieutenant Kai Retseb von Gauss 2 zu Wort. Die Geschützoffiziere hatten ihren eigenen Kommunikationskanal – offiziell, um sich besser koordinieren zu können.

»Wenn du es wider Erwarten doch eines Tages mal zum Captain bringen solltest , kannst du die Befehle geben, Kai!«, erwiderte Lieutenant Paul Mandagor. Er war ein Real Martian, ein Nachfahre der ersten, umweltangepassten Marssiedler und konnte sich an Bord der STERNENKRIEGER nur mit einem Antigrav-Pak bewegen, da ihn sonst die Erdschwerkraft erdrückt hätte.

»Treffer!«, jubelte Lieutenant Branco Delkey von Gauss 1. »Ihr dürft mir alle einen ausgeben.«

Eines der Dabsokaar-Schiffe geriet ins Trudeln. Ein Gauss-Projektil hatte einen zehn Quadratzentimeter durchmessenden Kanal quer durch das Schiff gezogen und offensichtlich wichtige Systeme beschädigt. Atemluft und Wasser drangen nach außen und kondensierten. Das Schiff war manövrierunfähig und trudelte.

»Feuer einstellen und abwarten!«, befahl Ukasi.

»Der Gegner hat das Feuer ebenfalls eingestellt. Die Dabsokaar-Schiffe entfernen sich«, meldete Riggs.

»Dann haben sie offensichtlich genug«, meinte Ukasi hart.

»Nein, das könnte auch mit etwas anderem zusammenhängen«, glaubte Riggs.

»Sie haben eine Theorie, Lieutenant?«, fragte Van Doren.

»Ich messe gerade die Resonanz eines außergewöhnlich starken 5-D-Impulses. Es ist der bisher stärkste Impuls dieser Art, der je von uns gemessen wurde – unsere Messungen im Dark Area System bei dem Versuch, ein Wurmloch zu errichten eingerechnet!«

Van Doren atmete tief durch. »Ich verstehe«, murmelte er.

Die Dabsokaar sind jetzt high und können vor lauter Glückseligkeit nicht mehr kämpfen.


*


Der 5-D-Impuls war auch in der Bewohnten Provinz spürbar.

Die Anzeigen auf den Ortungsgeräten zeigten Maximalwerte an. Der Heptaeder verfärbte sich. Nur einzelne Siebeneck-Flächen leuchteten. Die anderen wurden schwarz.

»Ich bekomme keinen Kontakt mehr zum System«, stellte Erixon fest, während die Holografie des Basir langsam verblasste und mehr und mehr von grotesken Bildstörungen entstellt wurde.

Rena nahm über Bogdan, der die L-1 als Relais fungieren ließ, Kontakt zur STERNENKRIEGER auf und erfuhr auf diese Weise, dass im Moment wohl ein wahrer 5-D-Sturm über den Dabsokaar niederging.

»Die Lage ist also vollkommen unter Kontrolle, Captain«, versicherte ihr Erster Offizier.

»Das freut mich zu hören, I.O.«

»Sorge macht mir etwas anderes.«

»Was?«

»Die Bio-Signaturen der Dabsokaar lassen sich auf immer weniger Schiffen nachweisen«, erklärte Van Doren. »Ich habe unsere Schiffsärztin zu Rate gezogen. Dr. Nikolaidev ist der Meinung, die Dabsokaar sterben – und zwar sehr schnell. Dieses Phänomen hat sich innerhalb weniger Minuten nach Messung dieses ultrastarken 5-D-Impulses über ihre gesamte Flotte ausgebreitet. Möglicherweise war diese Stärke einfach zu viel für ihre sensiblen Hirne.«

Früher hat man so etwas wohl eine Überdosis genannt, dachte Rena. »Sagen Sie Riggs, er soll versuchen, den Zielort des Impulses anzupeilen!«

»Sie wissen, dass uns das auch in der Vergangenheit immer nur begrenzt gelungen ist!«

»Im Fall der Dark Area hat es funktioniert – und bei einem derart starken Impuls müssten wir es zumindest ungefähr erfahren können. Nehmen Sie außerdem Kontakt mit dem Oberkommando und mit Commodore Soldo auf und fragen Sie nach, wie wir uns verhalten sollen!«

»Aye, Captain.«

»Ich bin so schnell wie möglich wieder bei Ihnen an Bord. Sunfrost Ende.«

Rena wandte sich an Geralgar. »Ich glaube, das Problem mit den Dabsokaar seid ihr los«, erklärte sie. »Der letzte Impuls war so stark, dass er sie getötet hat!«

Geralgar schwieg einen Augenblick. Dann erklärte er: »Zumindest sind sie in einem Zustand gestorben, den sie als Glückseligkeit bezeichnen.«

Erixon und Clayton Gomes machten sich unterdessen an dem Heptaeder zu schaffen. »Ich glaube, es hat hier 5-D-Interferenzen gegeben, die auch den Speicher erheblich in Mitleidenschaft gezogen haben«, meinte er. »Im Moment lässt sich weder etwas abrufen noch übertragen. Weitere Speicherbereiche sind so gut wie tot. Ich habe keine Ahnung, ob sie sich reaktivieren lassen…«

»Das, was Sie bisher an Daten aufgezeichnet haben, dürfte schon sehr aufschlussreich sein«, hoffte Rena.

»Es ist nur ein Bruchteil«, widersprach Erixon. »Und außerdem ist fragwürdig, wie viel wir davon auch tatsächlich entschlüsseln können.«

»Zumindest wissen wir jetzt, dass die Ontiden vor 2600 Jahren sehr viel weiterentwickelt gewesen sein müssen als heute«, meldete sich nun Bruder Guillermo zu Wort. »Sie waren den Basir und den Etnord offenbar zunächst ein Gegner, den sie durchaus fürchteten…«

»…und den sie dann dermaßen in die Steinzeit zurückbombten, dass die ontidische Zivilisation quasi von vorne beginnen musste!«, ergänzte Erixon.

Wenig später erreichte Sunfrost über ihren Armbandkommunikator erneut eine Meldung von der STERNENKRIEGER. Der Befehl des Oberkommandos lag vor.

Die STERNENKRIEGER II hatte den Auftrag, dem Impuls zu folgen, soweit dies möglich war.

Ich möchte gar nicht wissen, was wir am Zielpunkt finden werden, dachte Sunfrost.

»Captain Sunfrost, ich werde hier zurückbleiben, wenn Sie die Bewohnte Provinz verlassen«, erklärte plötzlich Lurdre Traanlak. »Vorausgesetzt natürlich, unsere Gastgeber haben nichts dagegen.«

»Wir stehen tief in eurer Schuld«, sagte Geralgar und brummte dabei tief. Ein Klang, der bei einem Rodanag seines außergewöhnlichen Volumens immer ein bisschen an das Geräusch erinnerte, das in der Warmlaufphase der Ionentriebwerke auf den Standard-Schiffen des Space Army Corps entstand.

»Was haben Sie vor, Traanlak?«, fragte Sunfrost.

»Meine Leute werden mit ihren Schiffen hier andocken und mich an Bord nehmen.«

»Und dann versuchen Sie, an so viele Daten wie möglich zu kommen?«

»Es geht auch um unsere Vergangenheit, Captain Sunfrost.«

»Ja, ich weiß.« Und vielleicht hofft ihr ja wohl auch noch auf irgendeine wirkungsvolle Geheimwaffe der Erhabenen, bei denen es sich ja wohl nur um die anderswo als Tote Götter bekannten Wesen handeln kann!

»Leben Sie wohl, Captain Sunfrost.«

»Sie auch, Traanlak!«


*


Sunfrost und ihr Außenteam kehrten mit der L-1 an Bord der STERNENKRIEGER zurück.

Auf dem Panorama-Schirm der Brücke waren Dutzende von Dabsokaar-Schiffen zu sehen, die jetzt steuerlos im All trieben und die Bewohnte Provinz als leblose Satelliten umkreisten.

Ein tragisches, deprimierendes Bild, dachte Sunfrost, als sie die Brücke betrat.

»Ich habe den Kurs schon einprogrammieren lassen!«, erklärte Van Doren.

»Danke, I.O.«

»Der Zielpunkt dieses Impulses liegt übrigens weit im Gebiet des Nalhsara der Fulirr. Es lässt sich noch nicht genau lokalisieren, aber bis auf wenige Lichtjahre dürften wir schon dank der sorgfältigen Arbeit von Lieutenant Riggs daran sein. Übrigens passt das zu den Meldungen, die uns aus dem Picus Sektor erreicht haben. Die Vereinigten Flotten der Fulirr und Naarash haben ihren Angriff auf Wurmloch Alpha aus unerfindlichen Gründen abgebrochen. Und das kurz bevor sie einen endgültigen Triumph hätten feiern können!«

»Ich verstehe«, murmelte Sunfrost. »Gab es große Verluste?«

»Ja«, sagte Van Doren nur.

Rena schluckte. »Ruder!«

»Ja, Captain?«, meldete sich Taranos.

»Maximale Beschleunigung!«


*


Später, im Orbit der Bewohnten Provinz, an Bord der SEELE ARADANS…

»Die Datenbanken sind leider fast völlig zerstört, aber einige interessante Dinge über unsere Vergangenheit und die Geschichte dieses gesamten Raumsektors lassen sich daraus durchaus gewinnen«, sagte Lurdre Traanlak.

»An Geschichte bin ich eigentlich weniger interessiert«, sagte der K'aradan, der ihm gegenübersaß. Er hatte eine Tätowierung auf der Stirn, die drei miteinander verschlungene Kreise zeigte. Das Wappen des Erhabenen Hauses Candovan, dem auch einer der drei Erbtriumvirn angehörte.

»Ich weiß«, sagte Traanlak.

»Mir geht es um die Zukunft, Lurdre!«

»Mir auch.«

»Sagen Sie mir, wie lange werden wir uns noch auf diese Weise mit den Menschen verbrüdern, anstatt auf die eigene Stärke des Reiches von Aradan zu vertrauen?«

»So lange, wie es notwendig ist. Mein Langzeitplan sieht vor, dass wir Wurmloch Alpha unter unsere alleinige Kontrolle bekommen.«

»Das regierende Erbtriumvirat sieht das gegenwärtig noch ganz anders!«, gab der Mann mit den drei Stirnringen zu verstehen. »Und zumindest meinen Großcousin kenne ich so gut, dass ich es für ziemlich ausgeschlossen halte, von ihm in Kürze einen Meinungsumschwung zu erwarten.«

Lurdre Traanlak verzog das Gesicht. »Wer sagt denn, dass sich die Zusammensetzung des Erbtriumvirats nicht ändern könnte?«


ENDE

Übersicht Alfred Bekker's Sternenkrieger





Chronik der Sternenkrieger


Im Jahr 2234 übernimmt Commander Willard J. Reilly das Kommando über die STERNENKRIEGER, ein Kampfschiff des Space Army Corps der Humanen Welten. Die Menschheit befindet sich im wenig später ausbrechenden ersten Krieg gegen die außerirdischen Qriid in einer Position hoffnungsloser Unterlegenheit. Dem ungehemmten Expansionsdrang des

aggressiven Alien-Imperiums haben die Verteidiger der Menschheit wenig mehr entgegenzusetzen, als ihren Mut und ihre Entschlossenheit. Später übernimmt Commander Rena Sunfrost die STERNENKRIEGER und bricht mit ihr zu einer kosmischen Odyssee auf, die das Geheimnis einer ehedem übermächtigen Zivilisation entschlüsseln soll, die einst die Galaxis beherrschte.



Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.




Übersicht über die Serie “Chronik der Sternenkrieger”


in chronologischer Reihenfolge


Einzelfolgen:



Commander Reilly 1: Ferne Mission (Handlungszeit 2236)

Commander Reilly 2: Raumschiff Sternenkrieger im Einsatz

Commander Reilly 3: Commander im Niemandsland

Commander Reilly 4: Das Niemandsland der Galaxis

Commander Reilly 5: Commander der drei Sonnen

Commander Reilly 6: Kampf um drei Sonnen

Commander Reilly 7: Commander im Sternenkrieg

Commander Reilly 8: Kosmischer Krisenherd

Commander Reilly 9: Invasion der Arachnoiden

Commander Reilly 10: Das Imperium der Arachnoiden

Commander Reilly 11: Verschwörer der Humanen Welten

Commander Reilly 12: Commander der Humanen Welten

Commander Reilly 13: Einsatzort Roter Stern

Commander Reilly 14: Im Licht des Roten Sterns

Commander Reilly 15: Die Weisen vom Sirius

Commander Reilly 16: Die Flotte der Qriid

Commander Reilly 17: Ein Raumkapitän der Qriid

Commander Reilly 18: Commander der Sternenkrieger

Commander Reilly 19: Eine Kolonie für Übermenschen

Commander Reilly 20: Kampfzone Tau Ceti

Commander Reilly 21: Prophet der Verräter

Commander Reilly 22: Einsamer Commander



Terrifors Geschichte: Ein Space Army Corps Roman (Handlungszeit 2238)

Erstes Kommando: Extra-Roman (Handlungszeit 2242)

Erster Offizier: Extra-Roman (Handlungszeit 2246)

Chronik der Sternenkrieger 1 Captain auf der Brücke (Handlungszeit 2250)

Chronik der Sternenkrieger 2 Sieben Monde

Chronik der Sternenkrieger 3 Prototyp

Chronik der Sternenkrieger 4 Heiliges Imperium

Chronik der Sternenkrieger 5 Der Wega-Krieg

Chronik der Sternenkrieger 6 Zwischen allen Fronten

Chronik der Sternenkrieger 7 Höllenplanet

Chronik der Sternenkrieger 8 Wahre Marsianer

Chronik der Sternenkrieger 9 Überfall der Naarash

Chronik der Sternenkrieger 10 Der Palast

Chronik der Sternenkrieger 11 Angriff auf Alpha

Chronik der Sternenkrieger 12 Hinter dem Wurmloch (Von Doren 1.Offizier für Wong)

Chronik der Sternenkrieger 13 Letzte Chance

Chronik der Sternenkrieger 14 Dunkle Welten

Chronik der Sternenkrieger 15 In den Höhlen

Chronik der Sternenkrieger 16 Die Feuerwelt


Chronik der Sternenkrieger 17 Die Invasion

Chronik der Sternenkrieger 18 Planetarer Kampf

Chronik der Sternenkrieger 19 Notlandung


Chronik der Sternenkrieger 20 Vergeltung (I)

Chronik der Sternenkrieger 21 Ins Herz des Feindes (II)


Chronik der Sternenkrieger 22 Sklavenschiff

Chronik der Sternenkrieger 23 Alte Götter


Chronik der Sternenkrieger 24 Schlachtpläne (I)

Chronik der Sternenkrieger 25 Aussichtslos (II)


Chronik der Sternenkrieger 26 Schläfer

Chronik der Sternenkrieger 27 In Ruuneds Reich

Chronik der Sternenkrieger 28 Die verschwundenen Raumschiffe

Chronik der Sternenkrieger 29 Die Spur der Götter

Chronik der Sternenkrieger 30 Mission der Verlorenen


Chronik der Sternenkrieger 31 Planet der Wyyryy

Chronik der Sternenkrieger 32 Absturz des Phoenix

Chronik der Sternenkrieger 33 Goldenes Artefakt


Chronik der Sternenkrieger 34 Hundssterne (Wong ist Commander der Amsterdam)


Chronik der Sternenkrieger 35 Ukasis Hölle (Beginn des Lichtsonden-Zyklus, 2256)

Chronik der Sternenkrieger 36 Die Exodus-Flotte (Handlungszeit 2256)

Chronik der Sternenkrieger 37 Zerstörer (William das Kind taucht auf Taralon auf)

Chronik der Sternenkrieger 38 Sunfrosts Weg


Chronik der Sternenkrieger 39 Die Kolonie der Yroa (Nainovel trifft sich mit Odysseus)

Chronik der Sternenkrieger 40 Eine unendlich weite Welt


Chronik der Sternenkrieger 41 Black Hole X

Chronik der Sternenkrieger 42 Schwerkraftmonster


Chronik der Sternenkrieger 43 Lichtjahreweit entfernt

Chronik der Sternenkrieger 44 Mission Brauner Zwerg












Sammelbände:


Sammelband 1: Captain und Commander

Sammelband 2: Raumgefechte

Sammelband 3: Ferne Galaxis

Sammelband 4: Kosmischer Feind

Sammelband 5: Der Etnord-Krieg

Sammelband 6: Götter und Gegner

Sammelband 7: Schlächter des Alls

Sammelband 8: Verlorene Götter

Sammelband 9: Galaktischer Ruf

Sammelband 10: Sunfrosts Mission

Sammelband 11: Kosmisches Niemandsland

Sammelband 12: Der Drei-Sonnen-Krieg

Sammelband 13: Das Sternenreich der Menschheit

Sammelband 14: Die Raumflotte der Erde

Sammelband 15: Im Kampf gegen die Qriid

Sammelband 16: Kosmische Geheimnisse



Sonderausgaben:

Der Anfang der Saga (enthält “Terrifors Geschichte”, “Erstes Kommando” und

Chronik der Sternenkrieger #1-4)



Im Dienst des Space Army Corps (enthält “Terrifors Geschichte”, “Erstes Kommando”)




Druckausgabe (auch als E-Book):


Chronik der Sternenkrieger: Drei Abenteuer #1 -12 (#1 enthält Terrifors Geschichte, Erstes Kommando und Captain auf der Brücke, die folgenden enthalten jeweils drei Bände und folgen der Nummerierung von Band 2 “Sieben Monde” an.)



Ferner erschienen Doppelbände, teilweise auch im Druck.















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