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Terminal 3 - Folge 3

Über das Buch

Lennard Fanlay ist Sicherheitschef des Flughafen San Francisco. In jeder Folge von TERMINAL 3 löst er einen Fall. Die Geschichten werden aus seiner Sicht und der Perspektive weiterer Beteiligter geschildert.

Mysteriöse Vogelschwärme am Flughafen von San Francisco verbinden drei Menschen: Um endlich an das große Geld zu kommen, wird Lester Simmons Teil eines wahnwitzigen Plans – und muss erfahren, dass die besten Freunde auch zugleich die gefährlichsten sind. Thomas Riley ist bereit, für eine alte Liebe alles hinter sich zu lassen. Und Lennard Fanlay erkennt in letzter Sekunde, wer im Hintergrund die Fäden zieht …

Drei Menschen. Drei Schicksale. Eine Geschichte.

Erscheint in monatlichen Folgen.

Über die Autoren

Ivar Leon Menger studierte Kommunikations-Design und arbeitet heute als Werber, Regisseur und Hörspielautor für internationale Werbeagenturen, den Axel Springer Verlag, RTL Television, ProSieben und Sony/BMG Music Entertainment. Seine Kurzfilme, Werbespots und Hörspiele erhielten zahlreiche Preise. Er zeichnet als Autor und Herausgeber für das Konzept TERMINAL 3 verantwortlich.

John Beckmann wurde bekannt als Autor der Hörspiel-Krimiserie Lady Bedford und als Mitautor von Darkside Park.

Lennard Fanlay

Sie liegt neben mir und schläft. Ich kann sie atmen hören. Sie heißt Melanie.

»Aber eigentlich nennen mich alle nur Mel«, hat sie gesagt und mir ihre Hand hingehalten. »Mel«, habe ich gesagt, und es hat mir gefallen. Gestern, in dieser Bar in Marina.

Ich liege auf der falschen Seite des Betts, von hier aus kann ich den Funkwecker nicht sehen. Ich setze mich auf, und dunkle Locken gleiten von meiner Schulter. Draußen ist es noch tiefe Nacht. Es hat endlich aufgehört zu regnen. Die Straßenlaternen werfen gelbe Fächer durch die Jalousien. Es ist fünf Uhr zwölf.

Ich stehe auf. Der Boden ist mit Kleidungsstücken übersät. Meinen, ihren. Erst im Badezimmer schalte ich das Licht an. Ich drehe die Dusche auf und betrachte mich im Spiegel, bis das Wasser warm wird. Die Ringe unter meinen Augen haben die Farbe von Kohle. Ich ziehe die Wangen hoch, zähle die kleinen Falten.

Als ich aus der Dusche komme, lehnt Melanie an der Küchenzeile. Sie trägt Sweatshirt und Jogginghose von mir. »Stehst du immer so früh auf?« Sie lächelt, und ich versuche es ebenfalls. »Wo hast du Zucker?«, fragt sie und stellt einen Becher in den Kaffeeautomaten.

»Im Schrank«, sage ich.

Sie sieht jung aus. Jünger als letzte Nacht. Mitte, Ende zwanzig. Sie sagte, sie habe vor zwei Jahren ihr Kunststudium beendet, aber was heißt das schon? Manche Leute studieren, bis sie vierzig sind.

Sie hält den Zuckerspender hoch. »Du auch?«

»Nein. Danke.«

Sie dreht sich um. Ein Löffel klimpert gegen Porzellan. »Ist alles in Ordnung, Leo?«, fragt sie.

»Klar«, sage ich.

Aus dem Schlafzimmer vibriert mein Mobiltelefon. »Entschuldige mich bitte.« Ich schalte das Licht an und suche in den Kleiderbündeln nach meiner Hose. Sie liegt unter dem Bett. »Fanlay«, sage ich, als ich das Telefon endlich am Ohr habe.

»Hallo Mr Fanlay …« Es ist Marc. »Bitte entschuldigen Sie die frühe Störung, aber … Wir haben hier so was wie ein Problem.«

»Und das wäre?«, frage ich.

»Ich bin draußen auf dem Rollfeld. Hier ist alles voller Vögel! Ganze Schwärme sind das!«, sagt Marc, und jetzt erkenne ich auch die spitzen Schreie im Hintergrund. »Mr Cruffy ist auch schon da. Irgendetwas stimmt hier nicht. Wäre vielleicht ganz gut, wenn Sie sich das selbst ansehen würden.«

»In Ordnung«, sage ich. »Ich bin in zwanzig Minuten da.«

Ich lege auf, öffne den Kleiderschrank und ziehe mich an. Als ich zurück in den Flur komme, lehnt Mel immer noch an der Küchenzeile.

»Der Anzug steht dir«, sagt sie.

»Danke«, sage ich, und wir schweigen einen Augenblick lang.

»Du musst los?«, fragt sie.

»Mmh.«

»Zur Arbeit?«

»Ja.«

»Was machst du denn?« Sie nippt an ihrem Kaffee.

»Ich arbeite am Flughafen.«

»Stimmt«, sagt sie. »Das hattest du erzählt.«

Und dann gehe ich.

Thomas Riley

Als ich auf den Parkplatz biege, ist es noch dunkel. Fünf Uhr dreizehn, viel zu früh. Ich hasse es, zu früh zu sein. Es ist auch eine Form der Unpünktlichkeit.

Der Parkplatz ist leer. Nur bei den Eingängen stehen ein paar Autos, zur Straße und zum Wald hin ist alles frei. Ich drehe vier Runden, dann parke ich am äußersten Rand unter einer Laterne. Ich stelle den Motor ab, mache die Scheinwerfer aus.

Ich hab es zu Hause nicht mehr ausgehalten. Ich lag die ganze Nacht wach, aber damit hatte ich schon gerechnet. Nina hingegen hat geschlafen, tief und fest, wie immer. Irgendwann habe ich die Augen aufgemacht und an die Decke gestarrt. Meine Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt, und dann, dann habe ich es plötzlich nicht mehr ausgehalten. Kam von einer Sekunde auf die andere. Ich dachte, ich drehe gleich durch, wenn ich auch nur eine Minute länger liegen bleibe. Alles kam mir auf einmal zu klein vor: das Bett, das Schlafzimmer, das Haus. Ich konnte nicht mehr, ich musste einfach aufstehen. Keine Ahnung, was da los war. Aber was soll's, es ändert nichts, ich musste gehen.

Ich schaue in den Rückspiegel. Ich sehe aus wie immer, vielleicht etwas müde.

Ich trage meine braune Lederjacke und ein kariertes Hemd. Wie an einem ganz normalen Morgen. Als wäre alles wie immer. Um halb sechs klingelt Ninas Wecker. Es ist gut, dass ich vorher weg bin. Sie hätte es sofort bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Frauen merken so was immer schnell. Und Nina hat da ganz besonders feine Antennen. Und dann hätte sie wieder ihre Fragen gestellt, und ich hätte nicht gewusst, was ich antworten soll. Es war richtig, dass ich so früh gegangen bin.

Die E-Mail kam am Montagmorgen. Kein Betreff, keine Anrede. Nur zwei kurze Sätze. Bin am 24. in San Francisco. Würde dich gerne sehen. Nicole. Das war vor zwei Tagen. Seitdem ist nichts mehr so, wie es war. Alles ist aus dem Gleichgewicht geraten.

Nina habe ich erzählt, ich müsse runter nach L.A., wegen einer Baustellenbesichtigung. Nichts Besonderes. Ich bin Bauunternehmer, ich bin ständig unterwegs. Und sie hat mir geglaubt. Es gibt keinen Grund, warum sie mir nicht glauben sollte. Ich habe sie niemals angelogen. Nur dass ich auf der Baustelle in L.A. gerade erst letzte Woche war.

Ich hätte die E-Mail einfach löschen können, als ich den Absender sah. Nicole hat noch denselben Nachnamen. Ist nicht so, dass ich viel darüber nachgedacht hätte, aber insgeheim bin ich wohl davon ausgegangen, dass sie längst geheiratet hätte. Vielleicht hat sie's ja auch und nur ihren Nachnamen behalten. Was soll's, ich hätte die E-Mail auf jeden Fall ungelesen löschen können, oder Nina davon erzählen. Tat ich aber beides nicht. Stattdessen schrieb ich zurück. Montagabend, vom Büro aus. Danach löschte ich beide E-Mails, meine und die von Nicole, obwohl Nina so gut wie nie in die Firma kommt und erst recht nicht an meinen Computer gehen würde. In dieser Nacht habe ich schon nicht so gut geschlafen. Nicoles Antwort kam dann am nächsten Morgen. Sie habe am Vormittag ein wichtiges Meeting, schrieb sie. Ob wir uns nicht zum Frühstück treffen können. Sie wohne direkt am Flughafen, am Abraham Norton. Ob sechs Uhr zu früh sei. Vier kurze Sätze, nicht mehr. Kein Wort darüber, warum sie sich treffen wollte. Ich schrieb zurück und löschte abermals alle Beweise.

Heute Morgen habe ich geduscht und anschließend im Stehen noch einen Kaffee getrunken. Ganz normal, wie jeden Morgen. Ich habe sogar in der Küche das Radio angestellt. Doch die Tür zum Kinderzimmer blieb geschlossen. Die Kleine ist nicht aufgewacht, obwohl sie das sonst immer tut, beim leisesten Geräusch. Vielleicht wäre ich sonst dageblieben. Wenn sich ihre Tür geöffnet oder ich ihre Stimme gehört hätte, ich wäre dageblieben. Ganz bestimmt sogar.

Aber sie ist nun mal nicht aufgewacht, dieses Mal nicht, und deshalb sitze ich jetzt hier auf diesem dunklen Parkplatz und warte.

Ich halte meine Hände an die Lüftung, und plötzlich habe ich Angst, dass die Batterie den Geist aufgeben könnte, was eigentlich kompletter Schwachsinn ist, weil der Lexus keine zwei Jahre alt ist. Und trotzdem, der Gedanke bleibt. Schließlich drehe ich den Zündschlüssel ganz zurück. Die Lüftung geht aus, die Armaturen erlischen.

Es wird schnell kalt im Wagen. Ich atme kleine Rauchwolken. Gelbes Licht spiegelt sich auf der Motorhaube. Ich schaue auf die Uhr. Die Zeiger haben sich kaum bewegt. Fünf Uhr siebzehn. Es sind keine fünf Minuten vergangen. Ich steige aus und gehe zum Terminal hinüber.

Lester Simmons

Wir tragen Polizeiuniformen. Frank, Carl, Gordon und ich. Frank hat sie besorgt.

Ich weiß nicht, woher er sie hat. Er sagt, je weniger wir wissen, desto weniger können wir verraten, wenn etwas schiefgeht. Die Uniformen sehen echt aus, soweit ich das beurteilen kann. Ich fühle mich verkleidet. Wie in einem Clownskostüm.

Carls Jacke ist zu klein, die Ärmel sind zu kurz. Ich kann seine haarigen Unterarme sehen, sie reichen fast bis zu den Knien. Affenarme. Sein Bruder Gordon ist einen halben Meter kleiner als er. Auch sonst haben die beiden wenig gemein. Gordon sieht irgendwie krank aus. Er schwitzt, und wenn er raufschaut zu den Bildschirmen, ist sein Gesicht ganz grün.

Die Monitore hängen direkt über uns. Blauer Grund und weiße Buchstaben. Städtenamen, Ankunfts- und Abflugzeiten. Die erste Maschine startet in einer halben Stunde, die erste Landung wird in siebenunddreißig Minuten erwartet. Leute trotten an uns vorbei. Das Band-Labyrinth vor der Sicherheitskontrolle füllt sich. Alles geht seinen gewohnten Gang.

Gordon fragt: »Wie lange noch?«

Niemand sagt etwas. Wir warten.

»Wie lange noch?«, fragt Gordon noch einmal.

Er sieht mich an. Seine Pupillen fressen die Regenbogenhaut. Nur noch ein kleiner blauer Rand ist übrig.

Eine Gruppe Anzugträger marschiert auf uns zu, ihre Koffer surren. Sie bleiben vor uns stehen, die Anzugträger, und glotzen. Wie Zoobesucher. Einer sagt etwas. Ein anderer zeigt auf uns und legt die Stirn in Falten, ein Dritter greift in seine Jacketttasche. Wahrscheinlich sucht er nach seinem Blackberry, vielleicht aber auch nach Erdnüssen.

Wir sind keine Polizisten. Wir sind ein kostümierter Wanderzirkus. Die Tarnung ist aufgeflogen. Es ist vorbei, bevor es begonnen hat.

»Lester … entspann dich!«, murmelt Frank. Er hat sich die Haare kurz rasiert. Vorher waren sie schulterlang. Ich erkenne ihn kaum wieder. »Die interessieren sich für die Anzeige«, sagt er, »nicht für uns.«

Die Anzugträger ziehen weiter. Ich atme aus. »Ich bin entspannt«, sage ich.

Frank sieht mich an. Ich schaue auf meine Schuhe. Sie sind frisch geputzt. Auf dem linken Schuh klebt etwas. Ein weißer Fleck. Möwenscheiße.

»Du siehst nicht so aus, als wärst du entspannt«, sagt Frank.

»Bin ich aber.«

Ich lecke ein Taschentuch an und bücke mich, um die Möwenscheiße wegzuwischen. Ich rubbele über den getrockneten Kot, das Taschentuch zerreißt, und über mir sagt Frank: »Es ist so weit«, und ich blicke auf, wir alle schauen rauf zu den Monitoren. Die Anzeigen verändern sich.

Ein weißer Schriftzug hastet von Zeile zu Zeile. Verspätet. Alle Flüge verspäten sich. Ohne Zeitangabe. Es geht los. Endlich.

Lennard Fanlay

Ein schmutzig weißer Streifen hängt vor dem Nachthimmel. Große Scheinwerfer beleuchten die flügelschlagenden Leiber. Sie kommen aus Nordosten und ziehen nach Süden. Marc hat nicht übertrieben. Es sind Hunderte, vielleicht Tausende. Und es werden immer mehr. Ihre spitzen Schreie hallen über das Rollfeld.

»Hat fast schon biblische Ausmaße«, sagt der alte Mr Cruffy neben mir.

»Sind das ausschließlich Möwen?«, frage ich.

Mr Cruffy nickt und schlägt den Kragen seines Parkas hoch. »Größtenteils. Die kommen von der Küste herüber. Die Bucht liegt keine zwei Meilen entfernt.« Er zeigt vor uns ins Halbdunkel, dorthin wo die Start- und Landebahnen enden. Von dort kommt der Vogel-Strom und zieht in einem weiten Bogen über unsere Köpfe hinweg, um schließlich hinter uns, etwa auf Höhe des Sicherheitszauns wieder das Licht der Scheinwerfer zu verlassen.

»Sieht so aus, als hätten sie ein festes Ziel«, sage ich.

Mr Cruffy zuckt mit den Schultern, der Stoff seines Parkas raschelt. »Sieht so aus«, sagt er. »Aber da ist eigentlich nichts. Nur Wald. Und dahinter beginnt schon der Highway.«

»Hatten Sie so was schon mal?«

»So was? Nein. Soweit ich weiß, sind Möwen keine Zugvögel!« Er grunzt. Dann haucht er in seine Hände, reibt die Flächen aneinander. »Normalerweise wissen die Viecher auch, dass es hier nichts zu holen gibt. Und dass es gefährlich ist für sie. In den Wäldern gibt es Greifvögel, deshalb verirren sich sonst nur selten andere Vögel hierher.«

»Und trotzdem sind sie hier«, sage ich.

Wieder raschelt der Parka. »Die Biester haben halt ihren eignen Kopf.«

Ich schaue zum Strom hinauf. Er scheint eher stärker als schwächer geworden zu sein. Irgendetwas muss sie anlocken.

Marc kommt zurück. In der Hand hält er ein Walkie-Talkie.

Ich nicke ihm zu. »Und?«

»Nichts«, sagt er. »Rachel hat die Bänder überprüft. Alles wie immer, nichts Ungewöhnliches. Um kurz nach fünf kommen dann auf einmal die ersten Möwen.«

»Ja«, sagt Mr Cruffy. »Hat keine fünf Minuten gedauert, und der Himmel war voll von ihnen.«

Marc legt den Kopf in den Nacken. »Das hört ja gar nicht mehr auf.«

»Haben Sie die Polizei verständigt?«, frage ich Mr Cruffy.

»Was sollen die denn machen?«, fragt er zurück. »Die Biester abknallen?« Er grunzt. »Das Tierheim haben wir angerufen. Aber die wussten auch nicht weiter.«

»Und das heißt?«

Er zuckt mit den Schultern. »Das heißt, dass wir warten müssen, bis die Letzte von ihnen vorbeigeflogen ist. Kann ja nicht ewig so weitergehen.«

»Hoffen wir, dass sie nicht im Kreis fliegen«, sagt Marc.

Mr Cruffy schaut ihn an. Er versteht nicht. »Bis dahin bleibt der Luftraum auf jeden Fall gesperrt«, fährt er fort. »So kann hier keine Maschine starten oder landen.«

Ich schaue wieder zum Zaun hinüber, dorthin, wo das Flügelschlagen in der Dunkelheit verschwindet. Irgendetwas muss sie anlocken, denke ich.

Ich wende mich zu Marc. »Ich hoffe, das sind nicht Ihre besten Schuhe.«

Er schaut mich an. Er versteht nicht.

Thomas Riley

Abraham Norton International Airport. Die Buchstaben über dem Eingang sind schwarz und schlicht. Daneben steht etwas kleiner in geschwungenen Lettern: Der Ort, an dem die Welt zu Hause ist.

Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal hier gewesen zu sein. Ich mache nur selten Urlaub, und außerdem fliege ich nicht besonders gerne. Die Statik ist so schwer zu berechnen. Ich bleibe lieber mit den Füßen auf dem Boden.

Die breiten Glastüren gleiten zur Seite. Eine Frau mit Kinderwagen kommt mir entgegen. Ich gehe hinein.

Das Erste, was mir an Terminal 3 auffällt, ist die Decke. Über die gesamte Breite des Gebäudes spannt sich ein hohes Tonnengewölbe. Stahlträger stützen die Konstruktion, alles in mattem Silber. Am Fuße des Gewölbes, oberhalb der Widerlager, sind große dreieckige Fenster in Wand und Decke eingelassen. Dahinter der schwarze Nachthimmel.

Für einen Augenblick gelingt es dem Terminal, mich abzulenken. Dann entdecke ich den Treffpunkt: einen kleinen Buchladen gleich neben dem Eingang. Er hat noch nicht geöffnet, die Schaufenster sind dunkel. Ich betrachte die Auslage, lese einige Titel. Hauptsächlich Fachliteratur. Geisteswissenschaften, würde ich sagen.

Ich denke an Nicole, und wie so oft kommt es mir vor, als läge unsere gemeinsame Zeit schon sehr lange zurück. Viel länger, als etwas zurückliegen kann in meinem Alter. So als wären das alles gar nicht meine Erinnerungen, nichts aus meinem eigenen Leben, sondern etwas, das ein Freund mir erzählt hat, etwas das ich geträumt oder in einem Film gesehen habe.

Es ist kurz nach halb. Ich schaue mich um, schaue in die Gesichter der Menschen – es sind erstaunlich viele für diese Uhrzeit –, und plötzlich denke ich: Vielleicht ist sie ja schon da? Vielleicht sitzt sie hier schon irgendwo und wartet? Und beim Gedanken daran gehe ich auch schon weiter. Zwei Reihen aus metallenen Säulen teilen das Terminal, die Köpfe der Säulen leuchten.

Ich gehe schnell auf die andere Seite hinüber, denn ich will nicht, dass Nicole mich zuerst sieht. Dass sie sieht, dass ich schon da bin. So als wäre alles ganz einfach. Als würden zwei Zeilen genügen, um die letzen sechs Jahre einfach wegzuwischen.

Auch auf der anderen Seite befindet sich eine niedrige Ladenzeile unterhalb der dreieckigen Fenster. Auch hier sind die meisten Schaufenster noch dunkel, nur ein Zeitungskiosk hat bereits geöffnet. Mein Gang wird langsamer. Immer wieder schaue ich zwischen den Säulen hindurch. Doch es bleibt niemand vor dem kleinen Buchladen stehen.

In der Mitte des Terminals, zwischen den leuchtenden Säulen, befindet sich eine Art Garten mit Blumen und kleinen Palmen. Sieht alles ziemlich exotisch aus. Ich gehe an den leuchtenden Blüten vorbei ins Innere des Gartens und erkenne, dass die Blumenkästen kreisrund angeordnet sind. Sie bilden einen Ring, in welchem sich wiederum eine kreisförmige Bar befindet. Ich gehe näher heran. Alle Barhocker sind leer, und auch hinter dem Tresen ist niemand zu sehen. Ich setze mich. Der Tresen glänzt wie frisch poliert, Lichter spiegeln sich auf der Oberfläche. Ich drehe mich herum. Zwischen den Blättern und Blüten hindurch kann ich gerade noch den Buchladen erkennen. Dies hier ist ein guter Platz zum Warten.

»Kann ich Ihnen was bringen?«, fragt jemand.

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