Logo weiterlesen.de
Tee? Kaffee? Mord! Die fünf Portraits des toten Doktors

Inhalt

  1. Cover
  2. Tee? Kaffee? Mord! – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Prolog
  8. Erstes Kapitel
  9. Zweites Kapitel
  10. Drittes Kapitel
  11. Viertes Kapitel
  12. Fünftes Kapitel
  13. Sechstes Kapitel
  14. Siebtes Kapitel
  15. Achtes Kapitel
  16. Neuntes Kapitel
  17. Zehntes Kapitel
  18. Epilog
  19. Leseprobe – BUNBURRY

Tee? Kaffee? Mord! – Die Serie

Davon stand nichts im Testament …

Cottages, englische Rosen und sanft geschwungene Hügel: das ist Earlsraven. Mittendrin: das »Black Feather«. Dieses gemütliche Café erbt die junge Nathalie Ames völlig unerwartet von ihrer Tante – und deren geheimes Doppelleben gleich mit! Die hat nämlich Kriminalfälle gelöst, zusammen mit ihrer Köchin Louise, einer ehemaligen Agentin der britischen Krone. Und während Nathalie noch dabei ist, mit den skurrilen Dorfbewohnern warmzuwerden, stellt sie fest: Der Spürsinn liegt in der Familie …

Über diese Folge

Späte Rache an Louise! Die Köchin des Black Feathers erbt fünf gemalte Portraits aus einem angeblichen Nachlass und steht vor einem Rätsel: Alle Portraits zeigen Dr. Desmond van Gelder – einen Verbrecher, den sie als junge Agentin hinter Gitter gebracht hat. Louise ist entsetzt, als sie feststellt, dass van Gelder noch lebt – und dass er eine Geisel genommen hat! Ihr bleiben nur zehn Tage, um die Rätsel auf den Portraits zu entschlüsseln und so die junge Frau zu retten, die er gefangen hält …

Über die Autorin

Geboren wurde Ellen Barksdale im englischen Seebad Brighton, wo ihre Eltern eine kleine Pension betrieben. Von Kindheit an war sie eine Leseratte und begann auch schon früh, sich für Krimis zu interessieren. Ihre ersten Krimierfahrungen sammelte sie mit den Maigret-Romanen von Georges Simenon (ihre Mutter ist gebürtige Belgierin). Nach dem jahrelangen Lesen von Krimis beschloss sie vor Kurzem, selbst unter die Autorinnen zu gehen. »Tee? Kaffe? Mord!« ist ihre erste Krimireihe.

Ellen Barksdale lebt mit ihrem Lebensgefährten Ian und den drei Mischlingen Billy, Bobby und Libby in der Nähe von Swansea.

Ellen Barksdale

Tee? Kaffee?
Mord!

Image

DIE FÜNF PORTRAITS
DES TOTEN DOKTORS

Aus dem Englischen von Ralph Sander

Image

Prolog, in dem die Grundlage für einen Nervenkrieg gelegt wird

»Der Bus kommt in fünf Minuten, Mum«, sagte Doreen nach einem Blick auf den Fahrplan und ihre Armbanduhr. »Und selbst wenn er zu spät am Bahnhof ankommt, kann ich immer noch den nächsten Zug nehmen und bin trotzdem zeitig bei Amber.«

»Du hättest sagen sollen, wohin du willst, bevor du aus dem Haus gegangen bist«, beklagte sich ihre Mutter. »Wir haben schon Viertel nach zehn. Du kommst erst gegen Mitternacht bei Amber an.«

»Darum geht’s doch, Mum«, antwortete Doreen. »Morgen hat sie Geburtstag, und du weißt, dass sie morgen früh mit ihren Alten … ihren Eltern für drei Monate nach Australien geht. Da kann ich sie doch nicht einfach wegfliegen lassen, ohne ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Wenn ich dir das vorher gesagt hätte, hättest du mich doch sowieso nicht gehen lassen, richtig?«

»Allerdings, junge Dame«, erklärte ihre Mutter ärgerlich. »Dann gib Amber wenigstens Bescheid, damit sie dich am Bahnhof abholt.«

»Muu-hum«, sagte sie gedehnt. »Ich will sie überraschen. Das ist wohl schlecht möglich, wenn ich meinen Besuch ankündige, oder?«

»Ich sollte zu dieser Haltestelle kommen und dich abholen. Ich verstehe nicht, wie du so unvernünftig sein kannst. Es kann so viel passieren …«

»Mum, ich habe das Abwehrspray und den Elektroschocker, und wir haben zusammen den Selbstverteidigungskurs gemacht«, zählte sie geduldig auf. »Mir kann gar nichts passieren. Ah, da kommt der Bus, ich mache Schluss, Mum«, fügte sie hastig an und verabschiedete sich. Der Bus war zwar noch gar nicht zu sehen, aber sie wollte vermeiden, dass ihre Mutter noch länger auf sie einredete, obwohl ihr Entschluss feststand. Dad war an diesem Freitag mit ein paar Freunden über das Wochenende zum Surfen an die See gefahren, daher hatte Mum kein Auto. Sich zu Fuß auf den Weg zur Haltestelle zu machen wäre sinnlos gewesen, da man für die Strecke von ihrem Elternhaus bis hierher mindestens zwanzig Minuten brauchte.

Doreen steckte das Handy weg und fuchtelte mit der freien Hand in der Luft herum, um die Mücken zu vertreiben, die die grelle Lampe über dem Haltestellenschild umschwirrten. Sie hasste diese Haltestelle an Sommerabenden. Nein, falsch, sie hasste diese Haltestelle zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Nur weil in ihrem Heimatdorf die Straßen für einen Linienbus zu eng waren, musste man meilenweit laufen, um an der Landstraße auf den Bus zu warten. Im Sommer gab es hier keinen Schatten, im Winter froren einem mindestens die Füße ab, weil man manchmal eine Stunde oder länger herumstehen musste, ehe endlich ein Bus auftauchte – vorausgesetzt, er tauchte überhaupt auf.

Bei Regen gab es nichts, wo man sich unterstellen konnte, und wenn auch noch Sturm dazukam, half nicht mal mehr ein Schirm etwas. Hinzu kam, dass das Wasser bei zu viel Regen nicht schnell genug versickern konnte und sich eine riesige Pfütze bildete. Nachts stand man in der Dunkelheit da und wurde von der grellen Lampe beschienen. Mehr als einmal war sich Doreen wie auf dem Präsentierteller vorgekommen, weil ringsum alles in nächtliches Schwarz getaucht war und man nicht sehen konnte, ob sich in den Schatten irgendjemand herumtrieb.

Jetzt, Ende August, war es trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit zum Glück noch nicht stockfinster, dennoch war nicht viel von der Umgebung zu erkennen.

Sie sah nach rechts und machte in einiger Entfernung ein Scheinwerferpaar aus. Wieder sah sie auf die Uhr und atmete erleichtert auf. Der Bus würde sogar zwei Minuten zu früh hier sein. Ein Stich in den Oberarm ließ sie zusammenzucken und reflexartig nach der Mücke schlagen, die aber schon wieder das Weite gesucht hatte. Das ärmellose Top war für diese Haltestelle denkbar ungeeignet, doch es war viel zu warm, um irgendwas Langärmeliges zu tragen.

Als die Scheinwerfer näher kamen, stellte Doreen enttäuscht fest, dass es sich nicht um den Bus, sondern um einen Personenwagen handelte. Der Wagen – ein roter Kombi irgendeiner Marke, die Doreen nicht kannte – wurde langsamer und kam auf Höhe der Haltestelle zum Stehen. Das Beifahrerfenster fuhr herunter, der Fahrer, ein älterer Mann, beugte sich vor.

»Entschuldigen Sie, Miss. Kennen Sie sich in der Gegend aus?«, fragte er.

»Kommt drauf an, wo Sie hinwollen«, sagte sie und stellte sofort klar: »Ich werde aber nicht einsteigen, um Ihnen den Weg zu zeigen.«

»Kein Problem«, entgegnete der Fahrer und verließ sein Fahrzeug. In einer Hand hielt er eine Landkarte. Der Mann, der eine Art Baskenmütze trug, war von recht kleiner Statur und leicht untersetzt; er lächelte freundlich und kam um den Wagen herum. Der Mann nickte anerkennend. »Ihr Verhalten ist wirklich vorbildlich. Sie scheinen für Ihr Alter sehr vernünftig zu sein. Darf ich fragen, wie alt Sie sind? Sechzehn, siebzehn?«

»Sechzehn«, antwortete sie und erwiderte das Lächeln des Mannes.

Er stellte sich an seinen Wagen und breitete die Landkarte auf der Motorhaube aus. »Wenn Sie mir nur bitte zeigen könnten, wo genau ich mich befinde. Ich habe die Autobahn wohl eine Ausfahrt zu früh verlassen und irre jetzt schon eine halbe Stunde herum … Huch«, machte er und schlug nach einer Mücke, die an seinem Ohr vorbeigesurrt war.

»Mich haben diese Viecher auch schon zerstochen«, seufzte Doreen. »Ich hoffe, der Bus kommt bald, damit sie mich endlich in Ruhe lassen.«

»Oh, ich glaube, der Bus wird noch eine Weile brauchen«, sagte der Mann und verzog den Mund. »Zumindest wenn der Linienbus, den ich eben passiert habe, der ist, auf den Sie warten. Der steht nämlich irgendwo dahinten mit einer Reifenpanne am Straßenrand.« Er wies in die Richtung, aus der er gekommen war.

»Oh nein!«, rief Doreen erschrocken. »Dann komme ich ja heute Abend gar nicht mehr von hier weg.«

Der ältere Mann zuckte mit den Schultern. »Vielleicht ist der Reifen ja schneller gewechselt, als man meinen möchte.« Er zeigte wieder auf den Plan.

Reflexartig schlug sie erneut nach einer Mücke. Dabei hätte sie dem Mann fast eine Ohrfeige verpasst, weil der sich vorgebeugt hatte, um mit ihr auf die Landkarte zu sehen. »Oh, Entschuldigung«, murmelte sie und konzentrierte sich ganz auf die Karte. »Mal sehen, die Haltestelle ist … ähm … Auf Google-Maps ist das viel einfacher als … Au!«, rief sie, als eine besonders rabiate Mücke sie in den Oberarm stach.

»Ich bin da von der Autobahn abgefahren«, sagte der Mann und tippte auf eine Linie am rechten Kartenrand.

»Da sind Sie ab…, ab…« Doreen hatte Mühe, das Wort zu bilden. Sie versuchte es noch einmal, aber außer Gemurmel kam ihr nichts mehr über die Lippen. Allerdings wusste sie auch längst nicht mehr, was sie hatte sagen wollen. Die Karte sah sie nur noch verschwommen, und dann fielen ihr die Augen zu.

Zwei Dinge nahm sie noch wahr, ehe alles um sie herum dunkel wurde: Sie kippte vornüber auf die Motorhaube, und sie hörte den Mann sagen: »Ich glaube, ich nehme Sie doch besser ein Stück mit, Miss.«

Irgendwo in einem Winkel ihres Verstandes wollte sich Widerspruch regen, aber dazu kam es nicht mehr.

Image