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Tanze Tango mit dem Leben

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Prolog
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Epilog
  22. Bildtafelteil

Über die Autorin

Nicole Nau, 1963 in Düsseldorf geboren, hat dort einige Jahre als Grafik-Designerin gearbeitet, bevor sie sich in Argentinien zur professionellen Tänzerin ausbilden ließ. Heute lebt sie in Buenos Aires und ist mit dem Tango- und Folklore-Tänzer Luis Pereyra verheiratet. Sie ist in Argentinien so bekannt, dass es mehrere Briefmarken von ihr gibt. Jeden Herbst kommt sie nach Deutschland auf Tournee. Mehr über Nicole Nau und Luis Pereyra auf www.tangofolklore.com.

Nicole Nau
mit Andrea Micus

Tanze Tango
mit dem Leben

Die Geschichte einer
leidenschaftlichen Liebe

Für Maria, Silvan und Joshua, die mit beiden Marias auf uns warten.

Und für Brigitte, die meine große Leidenschaft für Bücher teilte.

PROLOG

Ahora con todo«, murmelt Luis und nickt mir fast unmerklich zu. Wir geben noch einmal alles. Die Bühne ist tiefschwarz. Ein Lichtkegel taucht uns in milchig gelbes Licht. Ich trage ein leuchtend rotes Satinkleid, dazu rote lange Handschuhe. Meine rehbraunen Haare habe ich zu einem Zopf gebunden. »Vamos«, signalisiert mir Luis mit einem Händedruck auf meinem Rücken. Wir tanzen den Taquito Militar, den Soldatenstiefel, eine Milonga, atemberaubend schnell, mit rasanten Schrittkombinationen und schwindelerregenden Drehungen. Rasend schnell hakeln sich unsere Beine bei den Ganchos ineinander, surren unsere Unterschenkel bei den Voleos in einem Halbkreis um die Achse. Es ist das berauschende Finale unserer fast zweistündigen Show.

Dann ein kräftiger Akkord. Schlusspose. Aus.

Ein Lächeln umspielt Luis’ Gesicht. Aber seine dunklen Augen blitzen angestrengt. Wir sind erschöpft, doch hochzufrieden. Die 1200 Zuschauer in der Düsseldorfer Tonhalle sind noch mucksmäuschenstill. Das Orchester spielt jetzt ganz sensible Tango-Klänge, Alma en Pena, die schmerzende Seele. Scheinbar spielerisch führt mich Luis zu den wehmütigen Klängen vom Bühnenzentrum zur Seite, unablässig fixiert vom Lichtkegel. Eingehakt gehen wir über die Stufen hinab ins Parkett zu unseren Zuschauern und tanzen auf dem Gang zwischen den Stuhlreihen langsam dem Foyer entgegen. Ganz eng, ganz innig. Zwei Körper, miteinander und mit dem Tanz und der Musik vereint. Jetzt gibt es nichts anderes mehr als uns auf der Welt! Noch höre ich nur die sanften Klänge des Bandoneons von der Bühne, dazu das vorsichtige Klacken unserer Absätze auf dem Parkett. Doch dann beginnen einige Besucher zu klatschen, und schnell wird daraus ein tosender Applaus, der uns beide wie ein wärmender Mantel umhüllt. Ich schließe die Augen und genieße die Anerkennung. Das Klatschen ist für uns Künstler der Balsam auf unsere oft erschöpften Seelen. Es gibt uns Kraft, auch das Letzte zu wagen und immer weiterzumachen, um noch perfekter zu werden.

Ich spüre Luis’ rasendes Herz an meiner Brust, fühle seinen heißen Atem in meinem Gesicht, seine nasse Stirn an meiner, und wiege mich zu dieser unvergleichlichen Mischung aus Applaus und einem Tango-Lied in seinen Armen. Wange an Wange lassen wir unsere Show mit diesem herrlichen Bad in der Menge ausklingen. Ich weiß nicht, wie lange mich Luis sanft tanzend durch die Stuhlreihen führt. Ich weiß nur, dass ich jede Sekunde von ganzem Herzen auskoste. Ich weiß, dass ich glücklich bin. Weil ich die Arme gefunden habe, in die ich für dieses Leben gehöre: Luis’ Arme! Und weil ich durch dieses Leben tanzen darf und Erfolg damit habe …

KAPITEL 1

Bridge over troubled Water von Simon and Garfunkel. Ich liebe dieses Lied! Mit geschlossenen Augen höre ich auf die Musik und lasse mich vom Rhythmus bewegen. Seit Stunden tanze ich durch das Wohnzimmer der elterlichen Wohnung und bin in Gedanken ganz weit weg.

Plötzlich klirrt irgendwo ein Glas. Was ist passiert? Ich bleibe abrupt stehen und halte den Atem an. Ist etwas mit Mama?

Es ist ein kalter Oktober-Abend 1977. Ich bin 14 Jahre alt und allein zu Hause mit meiner Mutter und meiner erst eineinhalb Jahre alten Schwester Joëlle. Meine ältere Schwester Mylène ist schon 16 und darf bei einer Freundin schlafen. Papa arbeitet als Grafiker und hat immer viel zu tun. Wenn er an wichtigen Projekten arbeitet, kommt er am frühen Abend nur kurz nach Hause, sieht nach, ob alles okay ist, und verschwindet dann wieder in sein Büro in der Düsseldorfer Innenstadt. Er vertraut mir und weiß, dass ich mich immer gut um Joëlle kümmere. Denn für Mama ist das seit einiger Zeit schwierig geworden. Papa spricht nicht gern darüber. Aber alle wissen es: Mama trinkt!

Auf Zehenspitzen gehe ich leise über den Flur zu ihrem Schlafzimmer. Vorsichtig drücke ich die Klinke herunter und öffne einen Spalt weit die Tür. Mama liegt rücklings auf dem Bett. Sie trägt ein dunkles Strickkleid mit einem schicken Leopardengürtel, dazu nur noch einen cremefarbenen Pumps. Der andere liegt wie achtlos weggekickt unter einem Sessel.

Ihr halblanges dunkelblondes Haar ist unfrisiert und hängt strähnig ins Gesicht. Ihr Mund ist weit geöffnet. Sie atmet schwer.

Mama liegt schon seit drei Stunden so im Bett. Den ganzen Nachmittag hindurch hat sie im Wohnzimmer Wein getrunken. Als sie sich wieder hinlegen wollte, rief sie mich zu Hilfe. Ich habe sie vom Sofa hochgezogen, untergehakt und versucht, ins Bett zu bringen. Das war nicht einfach. Denn nach zwei Flaschen Wein hat sie immer Mühe, auf den eigenen Beinen zu stehen. Aber ich will nicht, dass sie fällt. Sie schämt sich immer sehr, wenn sie gestürzt ist, und lallt dann irgendwelche Ausreden von Schwindelattacken und zu hohen Absätzen. Mama denkt immer noch, dass niemand weiß, dass sie Alkoholikerin ist. Und weil ich will, dass sie wenigstens einen Rest von Würde behält, stütze ich sie immer, so gut es eben geht, mit ganzer Kraft.

Auch heute wollte ich ihr ersparen, volltrunken vor den Füßen der eigenen Tochter zu landen. Das sollte sie nicht auch noch erleiden müssen. Sie nicht und ich nicht. Und meine Schwestern genauso wenig. Also biss ich mir lieber die Lippen blutig, als sie fallen zu lassen. Und wirklich, ich schaffte es auch diesmal!

Ich bugsierte Mama schließlich ans Fußteil ihres Bettes, von wo sie laut stöhnend auf die Matratze plumpste. Dann saß sie da wie ein hilfloses Kind, mit ganz rührendem Blick, und sah mich noch einmal orientierungslos an, bevor sie nach hinten sackte, weich in die dicken Kissen fiel und in fast demselben Moment einschlief.

Mama wird jetzt die nächsten zwei, drei Wochen jeden Abend so im Bett liegen. Sie ist eine Quartalstrinkerin, wie Papa uns einmal erklärt hat. Das heißt, es gibt Zeiten, in denen sie trinkt, und Zeiten, in denen sie keinen Tropfen Alkohol anrührt, also »trocken« ist.

Wenn Mama nüchtern ist, ist sie die beste Mama der Welt. Sie liebt uns drei Mädchen und unternimmt viel mit uns. Wir backen zusammen, spielen Karten, nähen Kleider, toben auf den Rheinwiesen und fahren Fahrrad. Dreieinhalb Frauen, die ein super Team sind: Mama, Jahrgang 1934, schlank, schön, eine Traumfrau. Sehr gepflegt im Äußeren, sehr geschliffen im Umgang, elegant und kultiviert. Mylène, meine ältere Schwester, die nie genau weiß, was sie möchte, aber auf jeden Fall mit dem Kopf durch die Wand will. Joëlle, unser Nesthäkchen, das bei jeder Gelegenheit zu weinen beginnt. Und natürlich ich, ihre »Nicoleta«, auf die sie in diesen Phasen immer so stolz ist.

Wenn ich aus der Schule komme, nimmt sie mich als Erstes fest in die Arme und streichelt mir über den Kopf. Dann will sie wissen, was ich erlebt habe, und stellt viele Fragen: »Wie war es denn heute? Was hat der Lehrer gesagt? Hast du wieder gezeichnet?« Mama ist immer sehr geduldig, wenn ich ihr meine Klassenarbeiten zeige, und freut sich riesig über die guten Noten. Meine Bilder und Skizzen lobt sie überschwänglich, und besonders gut gelungene wie ein abgezeichnetes Wollknäuel oder die Skizze eines Hundes hängt sie in den Flur. »Du wirst bestimmt einmal Künstlerin, und dann kann ich in einer Galerie deine Bilder bewundern«, sagt Mama oft. Sie ist von Stolz erfüllt. Und das nicht nur, weil ich so gut in der Schule bin und so schön malen kann, sondern auch, weil ich so gewissenhaft auf meine kleine Schwester aufpasse, häufig den ganzen Haushalt schaffe und sogar darauf achte, dass Mylène, wenn sie spät nach Hause kommt, noch etwas zu essen bekommt. Und auch, weil ich immer aufräume, bevor Papa in der Tür steht und sich lautstark über das ganze Chaos aufregen kann.

Mama nimmt mich dann oft in den Arm, hält mich fest und fragt mich lachend: »Weißt du eigentlich, dass ich dich ganz doll lieb habe?«

Es ist unser Spiel, und ich steige sofort darauf ein und frage: »Wie lieb hast du mich denn?«

Dann legt sie mit gespielter Nachdenklichkeit den Kopf zur Seite, scheint einen Moment überlegen zu müssen und sagt schmunzelnd: »Aber, meine Nicoleta, so lieb, wie man ein so wunderbares Kind wie dich nur haben kann!«

Und schon liegen wir zwei uns selig in den Armen und halten uns fest. Ganz fest.

Aber leider ist Mama nicht immer nüchtern. Und besonders belastend für mich ist, nie zu wissen, wann ihre Trinkphase beginnt. Gut, es gibt bestimmte Anzeichen dafür, dass Mama wieder Alkohol braucht. Wenn ich aus der Schule komme und sie im Wohnzimmer sitzt, statt in der Küche für uns zu kochen, dann ist es ernst. Meistens hat sie dann auch diesen komischen Blick, und ich bin sofort hellwach. Steht in der Küche eine Weinflasche? Erzählt sie, dass sie so gern mit Wein kocht? Ich beobachte, wie sie aufsteht. Hat sie Mühe, das Gleichgewicht zu halten? Ja! Das war es dann. Es geht wieder los.

Etwas tapsig kommt sie dann auf mich zu. »Wie war dein Tag, Liebes?« Diese Frage stellt sie mir immer. Aber ich weiß längst, dass sie heute nicht an der Antwort interessiert ist, und schweige. In diesen Momenten würde sie meine Worte sowieso nicht verstehen. Ich kann an ihrem Gang, dem Tonfall ihrer Frage, der Art, wie sie sich bemüht, etwas zu kochen, an all dem kann ich sofort erkennen, ob Mama nur angesäuselt oder bereits volltrunken ist.

Und wenn sie zu tief ins Glas geschaut hat, dann scheint sie eine ganz andere Person zu sein. Im günstigsten Fall ist sie nur abweisend und mit sich selbst beschäftigt. Dann möchte sie liegen oder Musik hören oder einfach nur in Ruhe Wein in sich hineinschütten. Wie lieb sie mich hat, kann sie mir dann nicht mehr sagen. Wie auch? Ihr fallen doch die entsprechenden Wörter gar nicht mehr ein. Am liebsten möchte sie nicht gestört werden und wimmelt mich deshalb ab. In einem Tonfall, der keine Widerrede duldet, gibt sie mir Anweisungen: »Geh in den Supermarkt und kauf mir eine Flasche Wein!«

Doch das ist oft nur die Ruhe vor dem großen Sturm. Denn Mama trinkt ja weiter, und mit jedem Schluck wird sie unberechenbarer. Um der in ihr aufsteigenden Wut zu entgehen, beeile ich mich, ihr alles recht zu machen, koche, stelle meiner Schwester das Essen hin, füttere die Kleine und wasche ganz schnell ab. Dann versuche ich, aus dem Haus zu kommen, bevor Mylène geht und ich bleiben muss. Denn einer muss ja immer fürs Baby da sein. Das hat uns Papa eingebläut.

Wenn ich rechtzeitig wegkomme, versuche ich, zu einer Freundin zu gehen. Wenn niemand Zeit hat, laufe ich durch die Straßen. Ich sehe mir Schaufenster an, beobachte die Tiere am Rheinufer, spiele mit den Hunden der Nachbarin. Ich hoffe, dass die Zeit schnell vergeht und ich bald wieder nach Hause kommen kann. Dann, wenn Mama so betrunken ist, dass sie schläft, und ich den ganzen Absturz nicht miterleben muss.

Ich mag Mama nicht sehen, wenn sie volltrunken ist. Ihr Gesicht ist dann aufgequollen, und wenn sie spricht, läuft ihr Flüssigkeit aus den Mundwinkeln. Sie ist eine vollkommen andere Frau als sonst: ungerecht, grob, nicht einzuschätzen. Mal weint sie und drückt uns Kinder fest an sich. Mal brüllt sie uns grundlos an, beschimpft uns als »faules Pack« und »dumme Gören«, die ihr das Leben verdorben hätten. Mama lässt uns dann immer wissen, dass sie wegen uns ihren Beruf aufgeben musste. Sie war Filmdisponentin in einem Archiv und schwärmt davon, wie viel Freude ihr der Beruf immer gemacht habe. Sie erzählt überhaupt viel, wenn sie getrunken hat. Meist sind es schaurige Geschichten von ihrer Flucht aus dem Osten in den letzten Kriegstagen. Weil ihre Mutter damals schon tot war, musste sie ihre kleinen Schwestern in einer Schubkarre in die Freiheit schieben. Sie erzählt auch immer von dem Motorradunfall, bei dem ihre Mutter starb, und den nackten Füßen vieler toter Kinder. Was um Himmels Willen sie wo genau gesehen und erlebt hat? Ich weiß es nicht. Es sind immer nur Bruchstücke, die wir erfahren. Aber sie muss unter irgendetwas sehr leiden.

Wenn Papa dazukommt, gibt es schnell Streit. Der Ablauf ist fast immer gleich: Papa sieht, dass Mama getrunken hat, und reißt sofort die Schranktüren auf. Aufgebracht durchsucht er alles nach Weinflaschen. Wenn er eine gefunden hat, läuft er ins Bad. Augenblicke später hören wir es gluckern. Mama rennt ihm nach. Die Tür knallt zu. Erst murmeln die beiden, dann schreien sie sich gegenseitig an, wütend und verletzt zugleich. »Warum lässt du nicht die Finger von dem Zeug«, brüllt Papa. »Diese Sauferei zerstört unsere Familie, wann begreifst du das endlich!« Mama schluchzt: »Gib mir das wieder. Das gehört mir!« Wir bekommen mit, dass sie miteinander rangeln. Manchmal klirrt Glas.

Wenn Papa aus dem Bad zurückkommt, lächelt er uns an. Er will uns damit beruhigen. Aber er wirkt unsäglich erschöpft. Mama torkelt dann nur noch um uns herum oder setzt sich aufs Sofa und starrt mit glasigen Augen ins Nichts. Manchmal raunzt Papa ihr dann noch etwas zu. Sätze wie: »Das macht alles kaputt!« oder: »Was bist du nur für eine Mutter?« Dann fängt Mama an, bitterlich zu weinen und macht Papa Vorwürfe: »Du bist ja auch nie zu Hause«, und: »Ihr macht ja eh alle, was ihr wollt!«

Meist schämt sich Papa später, weil er sich hat gehen lassen. Mama dagegen kennt solche Gefühle nicht mehr. Sie ist dann gegen jeden und alles. Und es ist sinnlos, sich auf Diskussionen mit ihr einzulassen.

Papa hat daher auch schnell gemerkt, dass diese grässlichen Streitigkeiten am schnellsten vorbeigehen, wenn er sich aus der Schusslinie bringt und gleich wieder ins Büro geht. Deshalb arbeitet er in diesen Phasen grundsätzlich bis in die Nacht hinein. Ich beneide ihn. Denn er kann die schlimme Zeit im Büro verbringen. Und ich? Wo soll ich denn hin? Ich verkrieche mich Abend für Abend ins Esszimmer an den großen Tisch und versuche, an etwas anderes zu denken als an meine betrunkene Mutter. Wenn sie im Rausch zu singen beginnt, oder besser zu kreischen, dann setze ich mir die Kopfhörer auf und lege mir eine Märchen-Kassette ein. Und dann träume ich mich davon, in eine Welt, in der ich eine schöne Prinzessin bin und in einem herrlich goldenen Kleid tanze. Ich bin dann weg, in meiner Welt, bis meine kleine Schwester mich am Arm zupft, weil sie Durst hat oder möchte, dass ich bei ihr schlafe.

Oft haben wir Glück, und Mama schläft die meiste Zeit der Trink-Tage durch. Dann ist wenigstens Ruhe. Ich sehe aber immer regelmäßig nach ihr. Denn ich habe Angst, dass sie irgendwann nicht mehr atmet und ich sie nie mehr in die Arme nehmen kann. Ich liebe meine Mutter. Auch, wenn es nicht immer leicht mit ihr ist. Aber Liebe ist nie leicht. Zumindest glaube ich das.

Mama atmet jetzt ganz ruhig. Neben dem Nachtschrank liegen die Scherben ihres Weinglases. Das muss das Klirren gewesen sein, das mich aufgeschreckt hat. Vermutlich hat sie im Rausch nach dem Glas gegriffen und es heruntergestoßen. Ich schleiche mich an ihr Bett und sammle die Scherben auf. Ich will nicht, dass Mama sich verletzt. Sie öffnet jetzt ein Auge. Ob sie mich sieht? Nein, ihr Blick ist ganz glasig. Sie ist weit weg. Ihr Atem streift mein Gesicht. Er riecht säuerlich nach Trauben. Ich hasse diesen Geruch. Warum kann Mama nicht von dem Zeug lassen? Ich werde nie verstehen, warum sie trinken muss. Auch Papa weiß es nicht. Ich habe ihn oft danach gefragt, aber nie eine Antwort bekommen. Nur ab und zu spricht er von sich aus darüber.

»Als wir uns kennenlernten, hat sie höchstens mal ein Glas Wein getrunken«, höre ich Papa dann sagen. Warum es irgendwann zwei Flaschen am Tag waren, kann sich Papa nicht erklären.

Ich sehe wieder Mama an. Vielleicht ist sie einsam an der Seite des erfolgreichen Mannes. Denn Papa ist kein normaler Grafiker, sondern Teilhaber einer berühmten Werbeagentur. Und weil er genug verdient, muss Mama nicht arbeiten, und wir können uns in bester Düsseldorfer Lage, an der noblen Rheinallee, ein großzügiges Haus mit üppigem Garten und Rheinblick-Terrasse leisten. Vielleicht hätte Mama aber lieber etwas anderes als teure Ziegel. Vielleicht hätte sie lieber einen Mann, der mehr Zeit mit ihr verbringt und ihr aufmerksam zuhört. Einen Mann, der sie abends in den Arm nimmt und mit ihr kuschelt. Obwohl sie natürlich auch allen Luxus haben will, eine Spülmaschine, eine Waschmaschine, ein Auto wie der Nachbar. Oder hätte sie einen Mann gebraucht, bei dem sie die starke, erfolgreiche Frau sein kann? Ich weiß nicht, warum Mama immer mehr Wein braucht, um das Leben ertragen zu können. Sie sagt es nie. Auch nicht in den Zeiten, in denen sie keinen Tropfen anrührt.

Ich streichle ihre dünnen weißen Arme. Sie sind ganz kalt. Arme Mama! Vorsichtig zupfe ich ihr die Decke über den immer schmaler werdenden Körper. Wenn sie es warm hat, schläft sie bestimmt bis morgen früh durch. Es wäre das Beste für uns alle.

Einen Moment lang setze ich mich zu ihr ans Bett. Eigentlich habe ich zwei Mütter und zwei Leben. Eine schöne Kindheit in einer der elegantesten Städte der Bundesrepublik, mit netten Freunden, berühmten Nachbarn wie Josef Beuys und all den interessanten Kollegen meines Vaters, mit der Modemesse und der ganzen Kunstszene, mit Schiffstouren auf dem Rhein und Familienessen auf der sonnendurchfluteten Terrasse. Und eine grausige mit durchweinten Nächten, mit Bädern, die nach Erbrochenem riechen, mit Wörtern und Sätzen, die nie hätten gesagt werden dürften, und Ängsten, die einem den Atem rauben. Eine Kindheit, die gar keine ist, weil ich nie ein sorglos spielendes Kind sein darf, sondern immer unter der Last der Verantwortung ächze. Ich will, dass diese Familie zusammenbleibt, und deshalb versuche ich, über all die Probleme den Mantel der Familienidylle auszubreiten.

Mama röchelt jetzt kurz. Ich streichle sie noch einmal. Dann stehe ich schnell auf und lösche im Schlafzimmer das Licht. Ich räume die Wohnung auf, lege meiner großen Schwester ein Zettelchen hin, damit sie sich freut, wenn sie morgen früh nach Hause kommt, und gebe der kleinen die Flasche. Ich funktioniere und mache mir selbst etwas vor. Ich will eine schöne Fassade, damit niemand sieht, wie kaputt unser Leben eigentlich ist. Am wenigsten ich.

Im Wohnzimmer blitzt wieder Papas Plattenspieler. Darüber steht seine Plattensammlung. Ich darf sie nie anfassen. Papa hat Angst, dass ich eine seiner Platten zerstöre. Wenn er wüsste, dass ich sie regelmäßig höre. Jetzt fische ich aus den glänzenden schwarzen Scheiben einen neuen Titel, The girl from Ipanema, und lege die Platte auf. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich an diesem und an vielen anderen Abenden zu Papas Platten schon getanzt habe. Rückblickend ist es mein halbes Kinderleben. Ich tanze und träume. Ich stelle mir vor, dass ich am Meer entlanglaufe, die Sonne meine Haut streichelt und die Luft nach einem nahen Getreidefeld riecht. Ich stelle mir aber auch vor, dass ich krank bin und sterben muss und alle an meinem Grab um mich weinen. Wenn ich tot bin, merken sie dann, dass es mich gibt? Es sind Momente tiefster Einsamkeit, denn wenn sich die Platte dreht, drehen sich auch die Gedanken in meinem Kopf. Die hellen und dunklen Bilder meiner Kindheit tanzen auf und ab, zum Rhythmus der Melodie: Ich muss zum Arzt und sitze allein im Wartezimmer zwischen all den Kindern, deren Mütter fest ihre Hände halten. Ich irre sonntags allein durch die Straßen und beneide meine Freundinnen, die etwas mit ihren Familien unternehmen. Ich sehe Klassenkameradinnen, die mit ihren Müttern durch die Stadt bummeln, während ich an der Haltestelle auf den nächsten Bus warte. Allein. Unbeachtet. Ein Kind, für das es nicht wirklich einen Platz gibt. Ich fühle mich nicht nur vernachlässigt. Ich fühle mich vergessen. Und je weniger jemand für mich da ist, desto mehr sehne ich mich nach Liebe und Beachtung, nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Und immer schneller drehe ich mich zur Musik, lasse meine Füße wie Trommelstöcke über das Parkett wirbeln, mal leise, fast zaghaft, mal fest und abrupt. Bis plötzlich Stille meinen Tanz unterbricht und statt Musik nur noch das gleichmäßige Klacken der anstoßenden Nadel zu hören ist und alles von vorn beginnt.

Erst wenn ich müde und erschöpft bin, tapse ich noch an Papas Schublade und hole mir seine Zeichenblöcke und bunte Stifte. Auf dem großen Esstisch breite ich die Papiere aus, horche kurz in mich hinein, und Augenblicke später surren die Farbspitzen über das schneeweiße Papier. Ich male alles, was ich sehe: den Blick aus dem Fenster auf die Rheinwiesen und den Fluss etwa. Ich habe dann nur Augen für die Farbnuancen, die ich aus den Stiften holen kann. Ich verliere meine Gedanken in Perspektiven, Licht und Schatten, male lachende und weinende Kindergesichter und Tänzerinnen, die in weitschwingenden prächtigen Kleidern der Wirklichkeit zu entschweben scheinen. Ich tanze und male abwechselnd, beides wie in Trance, vergesse meine röchelnde Mutter im Nachbarzimmer, die unruhig schlafende Schwester und den Vater, der sich Nacht für Nacht hinter der Fassade eines gediegenen Bürogebäudes vor der rauen Wirklichkeit versteckt. Er braucht die Arbeit, um das Leben auszuhalten. Ich aber bin 14 und brauche Farben und Tanz dazu. Sie sind meine Drogen. Wenn ich male, vergesse ich die dunklen Seiten der Welt um mich herum. Wenn ich tanze, fühle ich meine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, und mit jedem Schritt wiege ich mich in ein anderes, schöneres Leben.

KAPITEL 2

Nicole, räumst du Tisch 6 ab? Der Gast hat schon gezahlt.« Ich nicke und bahne mir den Weg durch die Reihen. Es ist Oktober 1986. Seit vier Stunden bediene ich im Café König. Ich mag den Job. Sechs Mark die Stunde, in der Regel nette Gäste und das Wichtigste: Ich habe die Nachmittags-Schicht. Da bleibt mir genug Zeit, um morgens mein Grafik-Design-Studium zu absolvieren und mich abends noch bei Team BBDO, einer der größten Werbeagenturen Deutschlands, um Entwürfe und Reinzeichnungen zu kümmern.

»Wie schaffst du das alles?«, fragen mich viele meiner Kommilitoninnen immer. Ich weiß dann nie eine Antwort. Ich bin eben gern auf Trab. Mama sagte kürzlich: »Weil du dann nicht nachdenken musst, du Tausendsassa!« Papa meinte: »Du brauchst die Abwechslung!« Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht eine Mischung aus beidem.

Ich jobbe seit meinem 16. Lebensjahr regelmäßig. Meistens als Kellnerin. Schon als junges Mädchen konnte ich nie genug zu tun haben. Ich wollte rund um die Uhr beschäftigt sein, um bloß keine Zeit zum Grübeln zu haben, aber natürlich auch, um aus dem Haus zu kommen. Weg von meiner Mutter und all den damit zusammenhängenden Problemen. Denn Mama und Papa verstanden sich immer weniger. 1980, ausgerechnet während meiner Abi-Phase, zog Mama aus. Es war beiden klar, dass es zusammen nicht mehr weitergehen konnte. Die Trennung verlief zwar unerwartet friedlich, war aber für uns alle doch sehr belastend. Zumal sie sich wochenlang hinzog, denn Mama fiel es schwer zu gehen, und sie schob ihren Auszug immer wieder hinaus. Als sie schließlich weg war, fühlten wir uns alle erleichtert. Endlich Frieden!

Mama wohnt seitdem in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in Bilk. Ich besuche sie dort oft. Sie hat einen Freund, Gustaf, einen zehn Jahre älteren warmherzigen Bauingenieur, der ihr viel Halt und Geborgenheit gibt. Ich mag ihn. Das neue Glück macht sie weicher, milder. Ob sie trinkt? Sie sagt nein, aber wenn ich bei ihr bin, sehe ich genau, dass sie nicht vom Alkohol weg ist.

Papa hat neuerdings auch eine Freundin: Barbara. Sie ist zehn Jahre jünger als Mama, sehr attraktiv und lebendig. Er hat sie bei Freunden kennengelernt. Barbara ist oft bei uns und scheint ganz nett zu sein. Aber es tut mir immer weh, wenn sie wie selbstverständlich an unsere Schränke geht oder etwas in der Küche vorbereitet. Als sie einmal Mamas Lieblings-Kaffeetasse mit den goldenen Sternen in die Hand nahm, begegneten sich unsere Blicke – und sie stellte die Tasse sofort wieder weg.

Ich hoffe, dass Papa mit ihr ein ruhigeres Leben führen kann. Das wünsche ich mir auch für Mama und ihren Freund. Die gemeinsame Zeit von »Heio und May« – wie sie sich immer nannten – ist jedenfalls endgültig vorbei. Sie haben genug miteinander gelitten, lange genug für ihre Familie gekämpft. Drei gesunde Kinder, ausreichend Geld, es hätte so schön sein können. Doch der viele Alkohol hat alles kaputt gemacht.

Mit dem Abitur in der Tasche mietete ich mir dann eine eigene Wohnung in der Altstadt. Für Papa war klar, dass ich damit auch finanziell auf eigenen Beinen stehe. Wieso, das erklärte er mir nicht. Ich merkte aber, dass ihm alles zu viel war, dass er jede Auseinandersetzung mied. Der Stress der vergangenen Jahre hatte ihm zugesetzt. Er war müde und wollte über nichts mehr diskutieren. Mit Barbara, Joëlle und der gerade geborenen gemeinsamen Tochter Anna Lena lebte er in einer neuen Familie. Und das zeigte er auch nach außen, indem er unser Haus vermietete und nach Krefeld zog.

Mylène und ich dagegen sind in Düsseldorf geblieben. Klar besuchen wir Papa in seinem neuen Heim, und wir sind dort auch immer willkommen. Aber wir haben bald den Eindruck, dass er uns nur noch als Überreste seines alten Lebens sieht. Ich fühle mich in seiner neuen Welt wie das fünfte Rad am Wagen. Und Mylène, mit der ich als Kind alles geteilt habe, braucht mich auch nicht mehr. Sie hat einen Freund und bekommt nun ein Baby. Und ich? Ich muss allein zurechtkommen. Auch finanziell. Ich will Papa um nichts mehr bitten.

Also heißt es nun, jeden Job anzunehmen, den ich bekommen kann. In der Gastronomie ist es am leichtesten. Ich bin belastbar, habe ein gutes Gedächtnis und bin nett zu den Gästen. Das mögen die Chefs. Ich arbeite wirklich viel. Nur für ein Hobby nehme ich mir trotzdem Zeit: das Tanzen. Zweimal in der Woche gehe ich zum Jazztanz, und jeden Freitag ziehe ich mit Julius und Thomas durch die Diskotheken und lasse mich von den heißen Disco-Rhythmen mitreißen. Bei Stevie Wonders I ain’t gonna stand for it oder Michael Jacksons Beat it vergesse ich alles um mich herum.

Julius und Thomas sind für mich das, was man beste Freunde nennt. Wir kennen uns aus der Disco. Julius ist knapp zehn Jahre älter als ich, nicht sehr groß, mit Glatze und kreisrunder Nickelbrille. Er arbeitet als Chemie-Laborant und hat einen wunderbar trockenen Humor. Thomas ist ungefähr gleich alt wie ich, Techniker, mit dunklem Wuschelkopf und voller verrückter Ideen. Sie wohnen beide in Neuss und sind als leidenschaftliche Segler fast jedes Wochenende auf dem Rhein. Aber Segeln ist nichts für mich. Ich treffe mich lieber mit ihnen zum Kaffeetrinken und Klönen, zum Lachen und Albern, aber noch lieber eben zum Tanzen. Fast jeden Freitag ziehen wir gemeinsam los, tanzen uns in den Düsseldorfer Großdiscos richtig in Trance und vergessen alles um uns herum. Wenn mich die Jungs irgendwann in der Nacht nach Hause fahren, bin ich total erschöpft, aber innerlich satt.

»Man sieht, wie es dir mit jedem Schritt auf der Piste besser geht und der ganze Druck von dir abfällt«, sagt Julius oft. Er hat recht damit. Wenn ich mich bewege, reinige ich mich. Von Anstrengung und Müdigkeit, aber auch von all dem Müll, der die Poren meiner Seele Tag für Tag aufs Neue verstopft. Neid am Arbeitsplatz, geplatzte Lieben, das ständige Hin und Her in meiner Familie. Deshalb suche ich jede Möglichkeit zu tanzen: Jazzdance, Disco-Rhythmen – und ab heute Abend auch noch Tango. Denn ich habe mich mit Julius zum Tango-Unterricht verabredet! Deshalb mache ich heute früher Schluss und gehe schnell nach Hause, um mich umzuziehen. Ich bin so gespannt, was uns erwartet. Tango? Ich weiß nicht viel darüber.

El Choclo, der Maiskolben, ist die einzige Tango-Nummer, die ich kenne. Ich summe sie heute schon den ganzen Tag. Genauer gesagt, summe ich sie seit vorgestern, denn da ist etwas Merkwürdiges passiert. Ich hatte meine erste Begegnung mit dem Tango. Das Thema fiel mir förmlich vor die Füße. Klingt komisch? Ist aber wahr!

Ich kam von meinem Job bei Team BBDO und rannte über den Karlsplatz, als mich etwas am Schuh störte. Ein Stück Papier hatte sich am Absatz verheddert. Ich zog es ab und wollte es gerade achtlos zusammenknüllen, als mir das Wort »Tango« ins Auge sprang. Es war schon dunkel, und ich musste erst unter die nächste Straßenlaterne gehen, um den Text lesen zu können: »Tango vom Río de la Plata« stand da, gedruckt in einer betont altmodisch wirkenden, schnörkeligen schwarzen Schrift auf gelblich-braunem Papier. Darüber war dick geschrieben: »Unterricht in der Binterimstraße«.

Die Binterimstraße ist in Bilk und nicht weit entfernt von meiner Wohnung, dachte ich mir. Dort ist also eine Tangoschule. Ich atmete die kalte Luft tief ein und schloss für einen Moment die Augen. In meinem Kopf ging ein Vorhang auf. Ich sah eine Bar im Dämmerlicht, mit roten Samtpolstern und schwarzen Thonetstühlen. Die Frauen waren elegant zurechtgemacht im 20er-Jahre-Look mit feuerroten Taftkleidern. Dazu trugen die Männer graue Zweireiher mit Nadelstreifen, passende Menjou-Bärtchen und gegelte Haare. Paare, die alle aussahen wie Ginger Rogers und Fred Astaire in einer Paraderolle. Wange an Wange schoben sie sich durch den Saal, begleitet von melancholisch klingender Geigenmusik. In meiner Vorstellung verband ich mit Tango eine Traumwelt zwischen Strumpfband und Netzstrümpfen, zwischen Halbwelt und Scheinwelt. Wie spannend!

Ich will Tango tanzen. Und am liebsten mit Julius. Er hat ein gutes Rhythmus-Gefühl. Zu Hause rufe ich ihn an. Er macht mit!

*

»Psst, warte! Hier muss es sein!« Ich ziehe Julius am Arm zu einem großen dunkelgrün lackierten Eisentor.

Es ist kurz vor acht Uhr abends und schon stockdunkel. Wir stehen vor einem lang gestreckten Backstein-Mietshaus. Eine kleine Lampe taucht den Eingang in warmes gelbes Licht. An dem riesengroßen alten Eingangstor zum Hinterhof ist die weiße Farbe abgeblättert. Der zerbeulte Briefkasten nebenan ist unsortiert mit Namensschildchen beklebt. An der unteren Klingel steht »Studio«. Hier wird also Tango unterrichtet. Was uns wohl erwartet? Ich bin unsicher.

»Na, dann übernehme ich mal die Verantwortung«, lacht Julius und drückt auf den Klingelknopf. »Ich bin gespannt, was du uns wieder eingebrockt hast!«

Lachend knuffe ich Julius in die Seite.

»L

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