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Tabubruch

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© 2017 Daemona de Lucca

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN  
Paperback: 978-3-7439-2991-3
Hardcover: 978-3-7439-2992-0
e-Book: 978-3-7439-2993-7

Druck in Deutschland und weiteren Ländern

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 – Eine neue Welt

Kapitel 2 – Erfahrungen

Kapitel 3 - Abschied ins Ungewisse

Kapitel 4 - Das neue Studio

Kapitel 5 - Studio aus?

Kapitel 6 – Neuanfang

Kapitel 7 -Phantome

Kapitel 8 - Auf und ab – Hin und her

Kapitel 9 - Mietlinge und Vermietlinge

Kapitel 10 – Umzug

Kapitel 11 – Robert

Kapitel 12 – Burnout

Kapitel 13 - Ein Kapitel für sich

Kapitel 14 - Geschichten zum Schmunzeln aus dem Studio Alltag

Kapitel 15 – Zukunftsaussichten

Vorwort

Das Thema Profi-SM, dargestellt durch das glitzernde Bild der herrischen Domina in hohen Lederstiefeln, der sämtliche Männer zu Füßen liegen, wird heute breit in den Medien diskutiert. Ein Teil der Gesellschaft steht diesen Szenarien mit Abscheu und Unverständnis gegenüber, ein Teil ist fasziniert von dem Gedanken, wie man mit solchen armen Geschöpfen scheinbar leichtes Geld verdienen kann. Beide Sichtweisen sind banal. Dass der Beruf der Domina viel Wissen, harte Arbeit und beträchtliche Investitionen verlangt, wird in den klischeehaften Darstellungen gerne übergangen.

Auch ist der sich hingebende Part kein emotional verstörtes, armes Geschöpf, sondern ein Mensch, der den Mut aufbringt, sich seinen Phantasien zu stellen und sich einer Person seines Vertrauens völlig auszuliefern und das nicht nur körperlich, sondern auch auf der psychischen Ebene. Das bedenkt niemand.

Woher auch? Das erfahren ja nur diejenigen, die sich intensiv mit SM beschäftigen und ihn auch erleben wollen. SM ist, wenn alle Grundvoraussetzungen erfüllt sind, wie ein gemeinsamer Seelenflug, ohne dass sexuelle Kontakte nötig sind. Um ihn genießen zu können, ist völliges Loslassen von Zeit und Raum, ist ein beidseitiges bedingungsloses Vertrauen Grundvoraussetzung. Unabhängig, ob dafür bezahlt wurde oder nicht.

Der Mensch kann sich Zeit und Technik erkaufen, aber nicht dieses High-End-Gefühl, um das es im SM eigentlich geht. Wer seinen Geist nicht freilassen kann, wird das Fliegen nicht lernen. Das erfährt der aktive Teil, wenn er sich auf sein Gegenüber nicht emotional einlässt. Genauso geht es dem passiven Part, der nur die Rolle des „Passiven“ spielt, insgeheim aber nicht gerne jemandem anderen die Führung überlassen möchte. Gründe hierfür sind meistens die Angst vor sich selbst oder auch die Furcht verletzt zu werden, was nicht nur körperlich geschehen kann.

Psychische Abstürzte im SM sind schlimm und gefährlich. Geschehen solche Abstürze dem passiven Part, so braucht es psychologisches Fingerspitzengefühl des aktiven Gegenübers, um ihn emotional wiederaufzubauen. Es gibt da keinen Unterschied zwischen dem privaten Spiel und der bezahlten SM-Dienstleistung.

Als ich September 2003 meine ersten zarten Versuche in die Profi-Welt begann, sah ich Handlungen, die andere lediglich aus finanziellen Gründen taten. Emotional war so etwas für mich persönlich schwer zu verarbeiten. Was mich anfangs belastete, hatte nichts mit dem Demütigen und Schlagen von Menschen zu tun. Auch wenn mich einige Albträume heimsuchten, waren es Erfahrungen, die durchaus wertvoll für mich und meinen weiteren Werdegang waren.

In meinem Buch möchte ich im Detail die Geschichte erzählen, die ich auf dem Weg in den Profi-SM erlebt habe. Von Anfang an möchte ich Sie in eine Welt begleiten, von der die meisten nur in groben Zügen berichten. In akribischer Kleinstarbeit versuchte ich meine Erinnerungen möglichst chronologisch und ehrlich wiederzugeben.

Durch Recherchen in alten Fotos, alten SM-Führern und Erinnerungen von einigen beteiligten Personen, die gelegentlich in der Geschichte auftauchen, ist mir das, glaube ich, ganz gut gelungen. Zur Bewahrung der Diskretion sind selbstverständlich alle Namen verfremdet.

Davon, dass nicht alles eitler Sonnenschein war und ich viele Fehler gemacht habe, möchte ich genauso berichten wie über meine Erfolge. Ich möchte alles so ungeschönt und tabulos erzählen, wie es sich zutrug und so, wie ich es empfand und erlebte.

Ich spickte mir aus all den vielen SM-Erlebnissen, Sessions und Menschen jene heraus, die mir nicht nur nachhaltig in Erinnerung geblieben sind, sondern auch solche, an denen man auch gut die breite Palette des Sado-Masochismus darstellen kann. Es sind einige außergewöhnliche Phantasien dabei, die wahrscheinlich nicht jeder nachvollziehen kann oder sogar von Grund auf ablehnt. Aber jedes Spektrum der Phantasie hat seine Berechtigung, verdient Toleranz und gehört zum Menschsein dazu. Genauso wie die unterschiedlichen Umgangsweisen mit seiner Neigung. Einige erfreuen sich ihrer, andere haben große Probleme mit ihrer Veranlagung. Einige fühlen Dankbarkeit nach ihren Sitzungen, andere konsumieren Sessions, rechnen auf und versuchen das finanziell Beste für sich herauszuholen. Andere leben ihre Phantasien nur am Telefon aus oder machen sich einen Spaß daraus – warum auch immer, Schein-Termine zu vereinbaren.

Ich erzähle von Menschen, die mir am Herzen lagen, von jenen die mich belogen und betrogen haben, von Begegnungen, die in Freundschaften münzten und die immer noch bestehen, von Sessions, die absolut in die Hose gingen und von SM-Erlebnissen, die einzigartig waren. Ich erzähle vom Mythos des schnellen Geldes und wie es in der Realität wirklich aussieht, von Kontakten mit den Behörden, die mich fast zur Verzweiflung brachten.

Berichten möchte ich auch von privaten Erlebnissen und von Herausforderungen, die nicht nur viel Kraft kosteten, sondern auch sehr prägend waren.

Ich erzähle Ihnen von der Achterbahn der Gefühle, die das Leben erweckt.

Alles, was Sie lesen werden, hat sich genauso zugetragen. Nehmen Sie sich Zeit, hinter dem Vorhang zu spitzeln, und werden Sie Zeuge der verschiedensten Neigungen, Intrigen und kuriosesten Situationen.

Kapitel 1 – Eine neue Welt

Im Mai 2003 eröffnete ich einen kleinen Dessous-Laden. Ich wurde gerade 26 Jahre alt. Vorher hatte ich eine Ausbildung als Bürokauffrau abgeschlossen. Diese Ausbildung wurde von dem Verein eines Lehrer-Zusammenschlusses organisiert, der für schwer vermittelbare Jugendliche Betriebe suchte, in denen sie eine Ausbildung absolvieren konnten. Aufgrund meines flippigen Erscheinungsbildes im düsteren Gothic-Look und meinem, durch verschiedene Aushilfstätigkeiten geprägten, etwas wilden Lebenslauf galt ich als schwer vermittelbar. In dieser Zeit herrschte ein extremer Mangel an Ausbildungsstellen am Arbeitsmarkt und die Bewerberzahl auf freie Stellen war entsprechend hoch.

Der Verein verschaffte mir die Chance, diesen Beruf zu erlernen. Die Ausbildung geschah in mehreren verschiedenartigen Betrieben, die ich jeweils für ein Jahr besuchte. Das erste Unternehmen verkaufte Spielautomaten an Kneipen, Spielhallen und Automatenaufsteller. Der zweite Betrieb stellte hochwertige Kabel her. Die dritte und letzte Station der Ausbildung sollte in einem Architekturbüro stattfinden.

Im ersten Jahr betreute ich die alte, aufgestaute Ablage der Firma und absolvierte parallel die normale Berufsschule. Im zweiten Betrieb durchzog ich dann die verschiedenen Bereiche der Kabelfirma vom Lager bis hin zu Buchhaltung, so wie es in einer normalen Ausbildung gehandhabt wird.

Durch die guten schulischen Leistungen konnte ich die Ausbildungszeit um ein Jahr verkürzen und ersparte mir die letzte Station in dem Architekturbüro.

In der Kabelfirma herrschten menschliche Zustände wie im Mittelalter. Die Mitarbeiter wurden von dem Chefehepaar wie ihr Eigentum behandelt. Die Chefetage riss mit „dringenden Anliegen“ die Angestellten regelmäßig aus ihrer Mittagspause. Eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung erlitt einen Herzinfarkt und bekam die Kündigung direkt ins Krankenhaus gesandt. Die Firma hatte eine hohe Fluktuation von Angestellten, die sich nach kurzer Zeit anderweitig bewarben, sofern es ihre Qualifikation zuließ. Bevorzugt hatte man Personen eingestellt, die in einem gewissen Abhängigkeits-Verhältnis standen, so dass sie sich vieles gefallen ließen. Alleinerziehende Mütter und Menschen mit schwierigen Biographien waren die erste Wahl. Die Vertreter verließen die Firma schneller, als sie eingestellt wurden.

Bei den chinesischen Produktionspartnern wurde ich gerne als interessanter Exot bei Firmentreffen integriert. Die asiatischen Geschäftspartner waren von meinem Makeup und den Piercings völlig fasziniert. Das ging solange gut, bis ich dem Chefehepaar irgendwann ein Dorn im Auge war. Ich nahm regelmäßig die Kolleginnen aus der Buchhaltung zur Mittagspause in ein nahegelegenes Café mit. Außer Haus waren die Kolleginnen nicht mehr so einfach abgreifbar für die Chefs wie im Pausenraum.

Um ihren Unmut darüber klarzustellen, wurde ich drei Wochen vor der IHK-Abschlussprüfung zwangsbeurlaubt. Als Grund nannte man „privates Surfen im Internet“.

Die Berufsschule schloss ich in den meisten Fächern mit „gut“ ab. Ich hatte nur einige Diskrepanzen mit der Religionslehrerin. Sie vertrat die Ansicht, dass der Film Matrix unter religiösen Gesichtspunkten verstanden werden sollte. Die Dreifaltigkeit Gottes wäre durch die Figuren Morpheus, Trinity und Neo charakterisiert.

Diese Interpretation konnte man sich vielleicht noch gefallen lassen. Aber als sie in einer ihrer Stunden den Schülern kleine Puppen in die Hände drückte und verlangte, damit religiöse Darstellungen nachzuahmen, war mir das mit meinen 24 Jahren doch zu viel. Der Revoluzzer-Geist kochte in mir auf. Durch einige blasphemische Darstellungen, die mir spontan einfielen, kippte ihr Unterricht völlig ins Lächerliche.

Ab da mochte sie mich nicht mehr. Bei meiner Geschichte des Luzifers, der als gefallener Engel Gottes aus dem Himmelreich verbannt wurde und eigentlich nichts Böses im Sinn hatte, standen ihr alle Haare zu Berge vor Entsetzen. Die viel jüngeren Schüler hingen an meinen Lippen, um die Geschichte weiter zu hören. Die Religionslehrerin fand meine Erzählung aber nicht ganz so gut und verbot mir den Mund.

Genau zu dieser Zeit rührte ein Satanisten-Mord die Presse auf. Das Pärchen, das einen Ritual-Mord beging, kam auch noch aus der Gothic-Szene. Unsere ständigen Diskrepanzen führten dazu, dass sie mich bei unserer letzten gemeinsamen Unterrichtsstunde vor allen anderen Schülern mit sorgenvollem Blick fragte: „Was machst du denn, wenn du fertig bist? Was soll nur einmal aus dir werden?“

Ich war nicht wirklich auf den Mund gefallen und amüsierte mich königlich an ihrem klischeehaften Schubladendenken: „Ich möchte Domina werden. Aber das wird leider nichts. Da muss man sich als Sklavin hocharbeiten. Daran wird es dann wohl scheitern.“

SM war für mich kein Fremdwort, auch wenn ich persönlich nichts mit dieser sexuellen Spielart zu tun hatte. Den ersten Kontakt mit SM hatte ich schon mit 18 Jahren bei SM-Partys, die in einem Gothic-Club regelmäßig stattfanden. Mich interessierte vor allem die Musik, die dort gespielt wurde. Die Aktivitäten der anderen Teilnehmer wurden von mir nicht recht wahrgenommen. Für mich war das eine ganz normale Veranstaltung bis auf den Unterschied, dass der Eintritt immer 15 statt 5 Mark kostete. Gothic und SM gehörten irgendwie zusammen und man hat darüber auch kein großes Aufsehen gemacht. Es war einfach normal.

Als ich die Ausbildung abschloss, erübrigte sich natürlich die Frage, ob ich in der Kabel-Firma bleiben konnte oder nicht. Ich bestand die Prüfung bei der IHK, und danach musste ich mich arbeitslos melden.

Mit den üblichen Studentenjobs, die ich vor der Ausbildung immer bekam, versuchte ich mich über Wasser zu halten. Doch galt ich jetzt als überqualifiziert und für den erlernten Beruf reichte es nicht. Mir fehlte die dreijährige Berufserfahrung.

Vor der Ausbildung hatte ich in einem Erotikladen gearbeitet und ließ mich von dort aus nach Köln versetzen. Der zuständige Bereichsleiter mochte mich und schätzte meine geleistete Arbeit. Er erfüllte mir den Wunsch, in der neuen Kölner Filiale zu arbeiten.

Nun herrschte aber in dem Kölner Laden ein anderes Betriebsklima, als ich es sonst gewohnt war. Der Filialleiter hatte Probleme mit der Tatsache, dass ihm der Bereichsleiter ohne Rücksprache einfach jemanden in seinen Laden gesetzt hatte. Auch seine Mitarbeiterin sprach dem zu. Beide mobbten mich und intrigierten gegen mich. Schlussendlich durfte ich nur noch in der unteren Verkaufsfläche aufpassen, dass nichts geklaut wurde. Nach drei Monaten entschloss ich mich, wieder in die Heimat zurück zu kehren. Das Ein-Zimmer-Appartement übernahm für mich eine Freundin, die unbedingt nach Köln ziehen wollte.

Meine Erfahrungen aus Köln inspirierten mich nun zu der Idee, selbst ein Geschäft für Dessous und Erotikartikel aufzubauen. Auf pornographische Medien wie Magazine und DVD Filme wollte ich allerding verzichten.

Nachdem ich einige Gründerseminare als Vorbereitung zur Selbstständigkeit besucht hatte, bürgte mein Vater für ein Darlehn. Wie es das Schicksal wollte, fand ich auch den idealen Ladenstandort.

Mein damaliger Lebensgefährte Christian, der zu dem Zeitpunkt in die Arbeitslosigkeit rutschte, half mir beim Renovieren und beim Aufbau des Geschäfts.

Pünktlich zum gewünschten Eröffnungstermin glänzte der Laden frisch renoviert und wurde mit Ware bestückt. Die ersten Umsätze klingelten in der Kasse und wir sahen zuversichtlich in die Zukunft. Leider entwickelte sich dieses Jahr auch zu jenem des Jahrhundertsommers. Bei über 40 Grad angestauter Dauerhitze gingen die Geschäfte in den Sommermonaten gar nicht gut.

Die Tatsache, dass die Kundschaft auch immer nach besonderen Bestellungen verlangte, tat ihr Übriges, um mir das Einzelhandelsgeschäft nicht leicht werden zu lassen. Die bestelle Ware wurde, trotz Anzahlung, meistens nicht abgeholt. Die zuverlässigsten Kunden kamen aus der Erotik-Branche.

Die Frauen aus dieser Branche betraten das Geschäft, probierten an und kauften. Völlig unkompliziert. So lernte ich eine junge Prostituierte näher kennen, die in Begleitung eines Laufhausbesitzers meinen Laden aufsuchte.

Die Frau fragte mich, ob ich denn nicht auch an ihren Arbeitsplatz Bekleidung für sie und ihre Kolleginnen liefern könnte. Ohne lange zu überlegen, nahm ich ihr Angebot an. Ich bewaffnete mich mit sämtlichen Katalogen, die ich vorrätig hatte, und machte mich auf den Weg in die hiesige Laufhausstraße.

Gerüchteweise wurden dort fremde weibliche Wesen als Konkurrentinnen angesehen und angefeindet, sobald sie die berüchtigte Straße betraten. Mit dieser düsteren Legende im Hinterkopf musste ich mich zuerst überwinden, die Absperrung in die verruchte Zone zu überqueren.

Die Laufhausstraße war trotz der eintretenden Dunkelheit nicht ganz so belebt. Gelegentlich durchstreiften einige Männer, entweder in Gruppen oder vereinzelt, die Gasse. Die Schaufenster der sich anbietenden Damen waren beleuchtet. Die Frauen standen Spalier und sobald ein Mann vorbeilief, setzten sie sich mit aufreizenden Posen in Bewegung, um ihre potentiellen Kunden zu animieren, damit sie nähertraten. Mich ließen sie außer Acht. Ich huschte möglichst geschwind an ihnen vorbei.

Als ich die richtige Laufhausnummer erreichte - sie befand sich in der Mitte der Straße -, zögerte ich einen Augenblick hineinzutreten. Für einen kurzen Moment verließ mich die Courage. Nach einem tiefen Atemzug fasste ich allen Mut zusammen und trat ein. Der Geruch, der mir als erstes auffiel, war undefinierbar. Der vertraute Mief eines Treppenhauses mischte sich mit den Düften verschiedenartigster Parfüms. In jeder Etage verwinkelten sich mehrere Zimmer, die teils verschlossen waren und teils offenstanden. Die dort tätigen Damen saßen auf einem Hocker vor ihrem Zimmer, rauchten und warteten auf Kundschaft.

Anhand der Zimmernummer und der genauen Beschreibung, wo ich die junge Kundin in dem riesigem Komplex ausfindig machen konnte, ging ich hoch in die dritte Etage. Gelegentlich kreuzten vorübergehende Männer meinem Weg, die den einen oder anderen Blick in die Zimmer oder zu den Damen hinwarfen und unverrichteter Dinge wieder abzogen.

Irgendwann fand ich die junge Kundin auf einem Hocker vor ihrem Zimmer.

Erfreut begrüßte sie mich und bat mich einzutreten. Die Tür ließ sie offen, falls ein Interessent für sie erscheinen würde.

Das Zimmer enthielt ein großes Bett, einen kleinen Tisch mit Stuhl und eine Waschgelegenheit. Sie hatte den Raum ganz nach ihrem Geschmack dekoriert und ihm eine persönliche Note verliehen. Wahrscheinlich wohnte sie auch dort. Die meisten Damen nutzen ihre Zimmer auch als Unterkunft. Soweit ich mich erinnere, kostete die Tagesmiete zwischen 120 und 150 Euro. Die Benutzung des Aufenthaltsraumes mit einer großen Küche, Security und Hausmeister Service waren im Preis enthalten. In jedem Zimmer gab es ein Notfallsystem, das die Security alarmierte, sollte es Probleme mit einem der Kunden geben.

Die junge Frau bestellte einige Artikel wie Wäsche, Strümpfe und Schuhe. Nachdem wir das erledigt hatten, schickte sie mich den Gang hinauf zu einer Kollegin, die ebenfalls bestellen wollte. Sie erwartete mich schon im Kreise anderer Damen, die auf ihrem Bett Platz genommen hatten. Ich konnte einen umfangreichen Auftrag verbuchen. Die Artikel sollte ich gleich nach Lieferung vorbeibringen. Anscheinend war es praktischer für die Damen, auf diesem Weg die nötigen Bekleidungen zu bekommen, als sich selbst in die Stadt zu begeben und ihre Arbeitszeit zu opfern.

Die Damen des Laufhauses, die hier ihren Lebensunterhalt erwirtschaften, vertraten verschiedene Nationalitäten, Meine junge Kundin kam aus Deutschland. Sie hatte vor kurzem ihren 18ten Geburtstag gefeiert. Ihr jugendliches Äußeres präsentierte sie in Schulmädchen-Kleidung mit passenden seitlichen Zöpfen. Als Begründung, warum es sie schon mit so jungen Jahren in ein Laufhaus verschlagen hatte, nannte sie mir die Verdienstmöglichkeiten. Hier konnte sie genügend Geld verdienen, ohne dass eine Ausbildung von Nöten sei. Sie versicherte mir, dass sie gut mit ihren Kunden zurechtkäme.

Als die Bestellungen eintrafen, machte ich mich erneut auf den Weg in die Laufhausstrasse. Inzwischen wurde das zur Routine. Auch den Besitzer des Laufhauses lernte ich nun besser kennen und fand ihn recht sympathisch. Im Aufenthaltsraum des Bordells saß er öfter und pausierte mit den Damen, die sich bei ihm eingemietet hatten. Er bot mir eine Führung durch das ganze Haus an. Wir kamen dabei auch in den Keller, wo sich der SM-Raum befand. Ich verkaufte auch einige SM-Artikel wie Peitschen, Manschetten und anderes Fessel-Equipment im Laden und fand daher den Raum am interessantesten.

Der Laufhausbetreiber bot mir an, den SM-Raum zu mieten, falls ich daran Interesse haben sollte, das Thema zu vertiefen. Das Angebot lehnte ich dankend ab. Ich hatte damals noch keine Ahnung von der Materie und schon gar kein Interesse, in einem Laufhaus zu arbeiten. Das ging mir dann doch etwas zu weit.

Es interessierte mich aber schon, ob eine Domina wirklich keine Intimkontakte mit ihren Kunden ausübte. Der Laufhausbetreiber winkte ab. Er erklärte mir, ohne Intimkontakte funktioniere gar nichts.

Dann klagte er die allgemeine Wohnungsprostitution an. Mit dem Begriff wird die Prostitution in privaten Wohnungen bezeichnet. Seine Vermietungen litten darunter sehr und immer mehr Frauen böten sich dort tabulos an.

Tabuloser Service wurde in seinem Hause nicht geduldet. Seiner Meinung nach käme keine Prostituierte, die etwas auf sich hielt, auf die Idee, sich küssen zu lassen oder gar ohne jeglichen Schutz Geschlechtsverkehr und Oralverkehr anzubieten. Er erklärte mir, dass es Schutzfolien für die Geschlechtsteile der Frau für den Oralverkehr gab. Schon der Verzicht auf Schutzfolien galt als tabulos.

Nach seiner Führung in diese verborgene Welt nahm ich die bestellte Ware, die ich im Aufenthaltsraum abgestellt hatte, an mich und brachte sie nach und nach an die Frau. Zu guter Letzt kam meine junge Kundin dran, die sich auch an diesem Abend als Schulmädchen mit Zöpfen und kariertem Röckchen auf ihrem Hocker präsentierte. In ihrem Zimmer legte ich die Bestellungen und weitere Kataloge auf das Bett. Sie setze sich zu mir und begann die neuen Angebote zu durchstöbern.

Auch diesmal hatte sie die Türe nicht zugemacht und gelegentlich schaute ein Herrenkopf neugierig herein. Immer versuchte sie dann, die Herren zu motivieren, doch etwas länger zu bleiben. Ich nahm es nach dem dritten Mann schon gar nicht mehr zur Kenntnis. Als ein Gespräch etwas intensiver wurde, musste ich doch mal aufschauen. Die Stimme kam mir so bekannt vor. Und wer stand an der Türe und versuchte mit dem jungen Mädchen ins Geschäft zu kommen? Einer meiner ehemaligen Lehrer aus der Berufsschule. Ach du Schande! Unsere Blicke trafen sich für zwei Sekunden. Seine Augen weiteten sich und nach einem Wimpernschlag verschwand er höchst peinlich berührt. Das war ja eine Nummer. Er ist Lehrer und geht zu einer jungen Prostituierten, die sich wie ein Schulmädchen kleidet.

Es wunderte mich nun nicht mehr, dass er die jungen Mädchen in der Klasse bevorzugt hatte. Ich selbst bin mit ihm gut zurechtgekommen, auch als Älteste, die keine Attitüden der Hilf- und Schutzlosigkeit aufwies.

Kontakt hielt ich noch zu der Freundin, die mein Kölner Appartement übernommen hatte. Wir telefonierten gelegentlich. In einem unserer Gespräche erzählte sie mir von der Idee, sie wolle sich in einem Domina-Studio bei einer Baroness bewerben.

Ich hielt diese Idee für eine ihrer schlechtesten, mit der sie je angekommen war. Die Vorstellung, man müsse sich im BDSM-Bereich als Sklavin hocharbeiten, um die passive Seite besser zu verstehen, war immer noch präsent bei mir. Die Erzählungen des Laufhausbetreibers, dass auch Dominas Intimkontakte anboten, taten ihr Übriges, damit ich mir Sorgen machte. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon die Freundin im Kölner Sumpf versinken.

Ob meine Bedenken und Argumente sie letzten Endes bewogen hatten, ihre Idee fallen zu lassen, blieb ihr Geheimnis. Sie selbst war recht sprunghaft mit ihren Zukunftsplänen.

Mich ließ das Thema SM nicht mehr los.

Der Kontakt zu der jungen Prostituierten brach gerade so schnell ab, wie er gekommen war. Es gab keinen Grund mehr, in das Laufhaus zu gehen. Die anderen Damen kannte ich nicht näher. Auch wechselten sie recht schnell ihre Wirkungsstätten. Hohe Fluktuation scheint in dieser Branche gang und gäbe zu sein. Die Kundschaft agiert nach dem Jägerund Sammler- Prinzip und ist stets auf der Suche nach neuen Errungenschaften.

Aus diesem Grund tauchte die junge Prostituierte eines Tages wieder in meinem Laden auf. Ihr Umsatz in dem Laufhaus ließ nach und sie suchte eine andere Wirkungsstätte. Sie fragte mich, ob ich sie zu einem Nobeletablissement in eine andere Stadt fahren könnte. Sie erhoffte sich durch einen Ortswechsel mehr Kundschaft. Sie besaß selbst keinen Führerschein. Der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschien ihr zu umständlich. Also fuhr ich sie dahin.

Der Platz ihrer Wünsche war eine eindrucksvolle Villa. Die Zimmer waren auf das edelste eingerichtet und der Empfangsraum einer Königin würdig. Völlig erschlagen von der Noblesse dieses Etablissements fuhr ich sie wieder zurück in den Laden. Ob sie dort jemals anfing, blieb für mich ungeklärt.

Ich konnte die Kundschaft im Laden bald nicht mehr ertragen. Das ständige „einen Zentimeter mehr oder weniger, dann wäre es ja perfekt und ich würde es kaufen“ oder „Das legen sie bitte zurück, ich überlege es mir noch einmal“ machten mich wahnsinnig. Der Einzelhandel ist ein undankbares Geschäft, zudem ich die Ware in Vorauskasse bezahlen musste und das alleinige Risiko trug, ob ich die Ware verkauft bekam oder nicht. Gerade der Hersteller für Dessous aus Italien traf die Konfektionsgrößen der deutschen Figuren meistens nicht. Die Dessous, die ein sehr schönes Design hatten, fielen eher zu graziös aus. Oder etwas direkter ausgedrückt: Der überwiegende Anteil der Kundinnen war zu unförmig für italienische Wäsche!

Die berufliche Langeweile zog ein und somit auch der Gedanke nach neuen Herausforderungen. In den vergangenen Wochen hatte ich viele Eindrücke im sogenannten Rotlicht-Milieu gesammelt und erfahren, dass das Milieu nicht ganz so schlecht war wie das in den Medien vermittelte Klischee. Je näher man mit der Szene vertraut wurde und die Personen und ihre Geschichten kennenlernte, umso mehr Verständnis empfand man für die Branche. Die meisten der Frauen führten diese Tätigkeit aus, um Geld zu verdienen, ihre Familien zu ernähren, und es gab auch einige, die einfach Spaß daran hatten.

Dass es auch Zwang und dunkle Geschichten gibt, sollte einem allerdings bewusst sein. Von derartigen düsteren Machenschaften zeigte sich mir kein einziges Beispiel. Weder in den Erzählungen der Frauen im Laufhaus noch durch Erfahrungen in meinem Laden, in dem das Milieu gerne eingekaufte.

Die Peitschen, Seile und Fesselutensilien, die im Laden aufgereiht hingen, inspirierten mich zu näherer Beschäftigung mit dem Thema SM. Nach dem Durchstöbern einiger Internetseiten kam ich immer mehr auf den Geschmack, das Gelesene selbst auszuprobieren. Davon, dass für mich nur die aktive Ausübung in Frage kam, musste ich Christian nicht groß überzeugen. Ich fand keinen Gefallen daran, mich demütigen und sexuell nötigen zu lassen. Noch nicht mal zu sogenannten „Ausbildungszwecken“, die als Erfahrung dienen sollten, die passive Seite besser zu verstehen. Mit der privaten Szene hatte ich mich noch nie auseinandergesetzt.

Jetzt wollte ich einmal Erfahrungen in einem professionellen SM-Studio machen.

An einem ruhigen Nachmittag durchforstete ich das Internet nach solchen Etablissements. Drei Seiten hatte ich auf Anhieb gefunden. Auf der ersten sah ich mir die Auflistung des Teams an. Es fiel mir gleich ein Name auf, den ich einmal in einem Gespräch vernommen hatte.

„Herrin Nadja - strenge Domina.“

Von ihr hatte ich gehört, dass sie ihren ganzen Hofstaat beim Einkauf hinter sich herzog und alles wuschelig machte. Sie wurde als arrogant und hochnäsig beschrieben. Sie behandelte jeden von oben herab. Das Studio fiel somit aus dem gesuchten Raster.

Das zweite Studio war vom ersten Eindruck sehr nobel und ansprechend. Ich überflog die ersten Seiten und konnte mit allen Begriffen, die hier aufgelistet wurden, rein gar nichts anfangen. Als ich auf die „Jobangebote“ stieß, gab es folgende Kategorien:

Domina – nur mit mehrjähriger Erfahrung

Bizarr-Ladys: jung, schlank für aktive/ passive Sessions mit Intim-Kontakten gesucht

Sklavinnen: gut belastbar gesucht

Das bestätigte meine Vermutung, dass sich Anfängerinnen zumindest als sogenannte „Bizarr-Lady“ hocharbeiten mussten, bis sie genügend Erfahrungen gesammelt hatten, um „befördert“ zu werden. Das Studio kam somit auch nicht in Frage.

Blieb noch Möglichkeit drei übrig. Diese Seite unterschied sich erheblich von den anderen. Sie machte einen bunten und wilden Eindruck. Die Informationen und Bilder waren so unübersichtlich, dass man schon fast einen Wegweiser brauchte, um nicht den Überblick zu verlieren. Die Texte versprühten einen kameradschaftlichen und freundlichen Geist. Auch hier gab es die Rubrik Jobangebote. Es hieß dort: „Ruf an, komm vorbei und du wirst nach deinen Vorstellungen angelernt.“

Das war schon interessanter. Es las sich nicht so von oben herab, wirkte nicht überheblich und klang offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Ich hatte sofort das gute Gefühl, bei der richtigen Adresse gelandet zu sein. Die Wahl war getroffen.

Die Handynummer von der Madame wurde schnell ins Handy geschrieben. Dort blieb sie erst mal eine Weile ungenutzt. Den Schneid anzurufen, fand ich nun doch nicht so leicht, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Der Anruf wurde von Tag zu Tag verschoben und manifestierte sich im Hintergrund meiner Gedanken. Eines Tages hatte ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und rief mit unterdrückter Rufnummer an. Es kam ein Freizeichen. Als sich eine Frauenstimme meldete, legte ich auf.

Der Mut hatte mich genauso schnell verlassen, wie er gekommen war. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich es nicht wagte, etwas zu sagen, sondern mich in die Feigheit flüchtete.

Ich kann bei jedem Gast verstehen, was in ihm vorgeht, wenn er das erste Mal in einem Studio anruft oder persönlich vorstellig wird. Man hat einfach die Hosen voll und zwar meist vor sich selbst und der eigenen Courage. Man muss es ja auch nicht unbedingt tun. Es ist ja freiwillig. Wenn man es aber nicht tut, dann spukt das Ungeschehene wie ein böser Geist im Kopf herum. Und der Gedanke ist stets präsent. Mir ging es jedenfalls so und vielen anderen wird es in ähnlichen Situationen genauso gehen.

Beim dritten Versuch nahm ich mir fest vor, endlich den Schritt zu wagen. Nach dem dritten Freizeichen meldete sich eine Stimme: „Hallo“.

Das innere Motivations-Mantra noch im Gehör, fühlte ich mich zu allem bereit. Nach einem tiefen Atemzug erzählte ich der fremden Frau mein Anliegen. Das Gespräch wurde recht knapp gehalten, was mir durchaus entgegenkam. Für nähere Fragen am Telefon hätte ich auch gar keinen Kopf gehabt. Ich war so nervös, dass ich es gerade schaffte, die Adresse, die Uhrzeit und das Datum zu behalten, das ich mit der Frau am Telefon für ein persönliches Kennenlernen ausgemacht hatte.

Die Aufregung des bevorstehenden Termins wurde immer größer. Sonntagsabends konnte ich fast nicht mehr einschlafen. Der Termin war montags um 11 Uhr in Madames Studio.

Recht gefasst fuhr ich zu der benannten Adresse und parkte im Hinterhof. Unter Spannung und mit Herzklopfen klingelte ich an dem Schild mit der Aufschrift „Studio“.

Nach kurzem Warten, das mir wie eine Ewigkeit vorkam, machte sich ein lautes Summen bemerkbar. Ich drückte gegen die Tür. Das Erste, was ich beim Betreten sah, war ein Käfig, der sich gegenüber der Eingangstür befand. In dem Käfig war eine Schaufensterpuppe mit Manschetten dekoriert, die die eintretenden Besucher schon vorahnen ließ, was sie erwarten könnte. Treppenstufen wiesen den Weg nach oben.

Die Treppe führte an eine zweite Türe. Diese öffnete sich, als ich vor den letzten Stufen stand. Eine schlanke, braungebrannte Frau mit einer markanten Brille, um die 45 Jahre alt, stand vor der geöffneten Tür und winkte mich hinein. Sie stellte sich mit ihrem Arbeitsnamen „Madame Calypso“ vor. Der erste Eindruck, den ich beim Eintreten in den geräumigen Empfangsraum wahrnahm, war ein eigenartiger Geruch, der dem eines Lösungsmittels ähnelte. In gewohnter Routine zeigte mir Madame Calypso ihre Räumlichkeiten. Ich hatte so etwas noch nie gesehen und war sehr beeindruckt.

Sie zeigte mir zuerst ein geräumiges, ganz in Rot gehaltenes Studio. Die Wände waren mit Aluminiumfolie beklebt und teilweise mit leuchtenden Schläuchen versehen. An den Haken, die dort befestigt waren, hingen unzählige Schlag- und Fessel-Instrumente, deren genaue Bedeutung ich nicht zuordnen konnte. Eine schwarze, lederbezogene Liege mit einem Spiegel darüber nahm den meisten Platz im Raum ein. In der Nähe befand sich zwischen Wand und Decke ein Balkengestell mit einem elektrischen Flaschenzug. Ein großer Schrank, dessen Funktion ich nicht erahnen konnte und ein Andreaskreuz komplettierten die Atmosphäre des Studios. In jedem der Räume stapelten sich bunte Handtücher in den Regalen.

Auch der zweite Raum war in Rot gehalten. Auch hier gab es Alufolie und Lichtschläuche an Wänden und Decke. Auch Spiegel waren da. Das Zentrum dieses Arrangements bildete ein gynäkologischer Stuhl in Spiegelnähe.

Direkt nebenan folgten zwei schwarzweiß gekachelte Klinikräume, die verwinkelt miteinander verbunden waren. Verschiedene Schränkchen an Wand und Boden erweckten den Eindruck eines medizinischen Unternehmens. Die Schränke und Vitrinen waren angefüllt mit diversen Spielsachen wie Dildos in verschiedenen Größen von klein bis unfassbar groß. Ein Krankenbett und ein weiterer großer gynäkologischer Stuhl standen dem Patienten für seine Behandlung zur Verfügung.

Neben der Klinik befand sich das Badezimmer. Vom Bad ging es direkt zur sogenannten „Liebeshöhle“, einem Zimmer, das dem „normalen“ Liebesakt diente. Das Arrangement dieser Einrichtung hatte ich schon zur Genüge in dem Laufhaus gesehen. Ein großes Bett war der Mittelpunkt.

Nach dem Rundgang führten wir ein ausführliches Gespräch in der Küche, die gleichzeitig als Aufenthaltsraum fungierte. Dort befanden sich eine alte Couch und ein Wohnzimmertisch aus den siebziger Jahren. Auf der Couch nahmen wir Platz und Madame bot mir ein Glas Wasser an.

Madame Calypso erklärte zunächst das Abrechnungssystem. Die Hälfte der getätigten Einnahmen war mein Verdienst. Recht unbedarft und sehr beeindruckt musste ich ihr gestehen, dass ich mit alldem keine Erfahrungen hatte, aber bereit war, mir das nötige Wissen anzueignen.

Madame Calypso wischte meine Bedenken mit einer Handbewegung weg: „Ach, das lernst du schnell!“

Diese ersten Eindrücke überforderten und faszinierten gleichermaßen. Je länger ich mich dort aufhielt, umso fesselnder wurde diese fremde Welt für mich. Auch mein Wissensdurst war geweckt. Ich fühlte mich unsäglich motiviert, meine Energie dort einzubringen und das Bestmögliche zu geben, um alles zu erlernen. Wir einigten uns darauf, dass ich gleich am nächsten Tag anfing.

Am nächsten Vormittag fand ich mich im Studio ein. Ich hatte in meinem Kleiderschrank ein Outfit in Lack gefunden und gleich angezogen.

Madame Calypso war noch nicht da. Es öffnete mir eine fremde Frau. Ich erklärte ihr beim Betreten der Räume, dass ich im Studio eine Ausbildung als Domina machen wollte.

Die Frau war ungefähr Anfang dreißig, hatte mittellange braune Haare, ein markantes Gesicht und sprach einen leicht osteuropäischen Dialekt.

Sie stellte sich mit Emma vor und bat mich zunächst in der Küche auf dem Sofa Platz zu nehmen. Es dauerte eine Weile, bis so nach und nach die anderen Kolleginnen eintrudelten. Am auffälligsten war eine völlig überdrehte Frau, Mitte dreißig, die erstmals ihren „Guten Morgen Jacky“ aus der Dose nahm.

Hin und wieder klingelte das Telefon und abwechselnd nuschelte eine der Frauen etwas in den Apparat, was ich bei dem lauten Schnattern der Frauen fast nicht verstand.

Gegen 13 Uhr trudelte auch Madame Calypso ein. Sie verbreitete eine große Hektik. Sie erwartete gleich einen Gast. Binnen kürzester Zeit stob der ganze Haufen auseinander und es kehrte Ruhe ein. In wenigen Augenblicken erschien Madame in einem kurzen Lackkleid mit Leoprint-Aufdruck.

„Du kannst zuschauen“, warf sie mir kurz und knapp entgegen.

Meine erste Session! Wie aufregend! Es klingelte an der Tür und Madame Calypso empfing den Gast mit freundlicher und vertrauenserweckender Stimme. Man hörte andere Türen schlagen, dann war Stille. Für eine gefühlte Ewigkeit saß ich auf dem Sofa wie auf glühenden Kohlen. Endlich wurde ich in den Klinikraum gerufen. Per Handzeichen wurde mir bedeutet, dass ich mich ruhig verhalten sollte. Der Gast lag fest verschnürt und mit verbundenen Augen auf dem gynäkologischen Stuhl. Madame nahm einen Katheter und führte ihn in die Harnröhre ein. Daraufhin pinkelte sie in einen Becher. Mit einer Spritze zog sie ihren Urin auf und füllte den Inhalt in das Ventil des Katheters.

„So, du geiles Stück, jetzt hast du einen Teil von mir in deinem Körper“, rief sie ihrem Delinquenten zu. Dann nahm sie einen riesigen Handschuh und machte sich am Enddarm des Patienten zu schaffen, bis ihre Hand völlig verschwand. Der Mann wand sich vor Lust und stöhnte mit völliger Hingabe.

Nach der Session musste ich sie fragen, ob es nicht gesundheitsschädlich sei, Urin in einen Körper zu füllen. Sie winkte ab. „Da kann nichts passieren und es ist für sein Kopfkino unheimlich erregend, wenn ein Teil von mir in ihm ist.“

Ebenso erstaunlich für mich war die Tatsache, dass eine ganze Hand so mir nichts, dir nichts in einem After verschwinden konnte. Das hatte ich vorher noch nie gesehen. In die Küche zurückgekommen fühlte ich mich völlig erschlagen und war hin und weg von dem Gesehenen.

Ich war nun Wochentags regelmäßig von 11 Uhr bis zum frühen Abend im Studio anwesend. Auch Emma nahm mich in eine ihrer Sessions mit rein. Als erste eigenständige Handlung urinierte ich auf einen fremden Mann, der auf einem Laken am Boden ausgebreitet lag.

Zuerst dachte ich, dass ich das nie im Leben auf Anhieb hinbekommen könnte. Aber plötzlich lief es wie von selbst und der Gast verrieb sich den Saft mit Freude auf seinen Körper. Danach pisste Emma ihn an, bis er sich in einer großen Lache aus Urin freudig ergoss. Die anfängliche Scheu vor dem Anpinkeln war schnell überwunden und es stellte auch überhaupt kein Problem für mich dar.

Meine erste selbstständige Session befasste sich mit Analerotik. Diese Handlungen wurden dort am häufigsten praktiziert. Der Gast bevorzugte gerade Frauen, die unerfahren waren, um sie in die Materie einzuführen. Zum ersten Mal schob ich, zuerst ganz behutsam, Finger um Finger in den After. Der Gast erklärte mir, dass man bei ihm gleich die volle Faust nehmen konnte. Und fürwahr, die Faust flutschte einfach so rein. Er war ganz stolz darauf, der Lehrmeister des Fistens zu sein. Er zeigte mir noch diese und jene Finger- und Handbewegung, die einen besonderen Genuss erzeugten. Nach der Session erklärte man mir, dass an dem Gast schon jede das „Fisten“ gelernt hätte.

Der nächste Gast, den ich für mich allein hatte, war ein Stammgast des Studios. Er fuhr immer in Höchstgeschwindigkeit mit seinem Geländewagen in den Hof hinein, als gäbe es dort keine Mauern. Aber stets bremste er sein Fahrzeug gerade noch rechtzeitig ab. Ein ganz Eiliger!

Er kam fast täglich, manchmal sogar mehrfach am Tage. Der Gast war Jockey von Beruf.

In der Session ging es darum, mit seinen Brustwarzen zu spielen. Außerdem sollte ich „geil gucken“. In dem kleinen Studio stand ich hinter ihm und stellte ihn vor dem Spiegel hin. Ich bemächtigte mich mit den Fingernägeln seiner Brustwarzen und zwirbelte diese abwechselnd hart und soft. Auf einmal hörte ich ein Geräusch, das ich mir nicht erklären konnte. Es war wie ein schnelles Wedeln, ähnlich dem Reiben von Holzwerk an einem Feuerstein. Um den Ursprung des mysteriösen Geräusches zu ergründen, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und schaute dem kleingewachsenen Mann seitlich über die Schulter. Das Spiel mit den Fingernägeln erregte ihn derart, dass er sein Genital, dessen bescheidene Größe seinen Körpermaßen entsprach, zwischen den beiden Handflächen hin und her rieb, um sich zu erleichtern. Ab da war er bei mir nur als der „Feuerleger“ bekannt.

Meistens suchte er schon morgens recht betrunken das Studio auf. Der Alkoholpegel erklärte auch seine Fahrweise. Wenn es ihn arg zwickte, kam er nach einigen Drinks in der Kneipe nochmals zur gleichen Sitzung. Je öfter er am Tag das Studio aufsuchte, umso besoffener kam er an. Wer die Sitzung durchführte, war ihm egal. Die Hauptsache für ihn war immer „Geil gucke!“.

Das waren die Hauptattraktionen in dieser Zeit. Die meisten Gäste, die das Studio frequentierten, waren eher für den bizarreren Bereich interessiert. Darunter verstand man, dass die Damen, meist recht leicht in Unterwäsche bekleidet, die erotischen und sexuellen Wünsche der Gäste erfüllten, sei es in der Liebeshöhle oder in einem eher bizarren Ambiente.

Die Frauen erfüllten alle Rollen und wechselten von der aktiven zur passiven Seite. Mit mir konnten die meisten Gäste nichts anfangen. So blieb ich fast immer im Aufenthaltsraum und wartete bis eine der Damen wieder aus den Räumen kam.

Mir machte das nichts aus. Ich vertrieb mir die Zeit mit Horrorfilmen, die ich von zu Hause mitgebracht hatte. Mittlerweile war ich auch gut Freund mit allen und genoss einfach die prickelnde Atmosphäre des Studios. Für meine Kolleginnen war es völlig unverständlich, wie man zwei Wochen lang täglich dasitzen konnte, ohne auch nur das Geringste zu verdienen. Sie würden das keine drei Tage mitmachen. Aber mir ging es ja auch nicht um Geld. Ich wollte Erfahrungen sammeln. Mir langte es, dabei zu sein und zu assistieren, wenn Hilfe benötigt wurde. Ich fühlte mich rundum wohl in dem Team bei Madame Calypso, auch wenn ich Dinge sah, die mich dann doch nachts öfters im Schlaf heimsuchten.

Gerade die Spiele mit Kot machten mir zu schaffen. Ich selbst sah es zwar nie, aber der Geruch, der durch die Räume drang, war schwer aus der Nase zu bekommen.

Ebenso befremdlich für mich war ein bekennender Liebhaber der braunen Genüsse: „Kack-Erich“. Er liebte es, wenn er den Kot der Damen in seine eigen mitgebrachte „Tubbaschüssel“ abgefüllt bekam und sich die Portion zu Hause in der Mikrowelle nochmals erwärmte. „Kack-Erich“ hatte ich nur einmal im Leben gesehen, als er klingelte. Er machte seinem Namen alle Ehre. Er wirkte recht bäuerlich und hatte schon einen recht speziellen Eigengeruch an sich. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie er es sich auf seinem Wohnzimmersofa gemütlich machte und sich seine braune Mahlzeit zum Tatort schmecken ließ.

Alle, die dort arbeiteten, hatten ein natürliches Verhältnis zu ihren körperlichen Ausscheidungen und gingen ganz selbstverständlich damit um. Madame Calypso rief öfter durch das Etablissement: „Kann eine gerade scheißen? Ich brauch‘ was!“

Ein Bild, das ich nie vergessen werde, war ein Mann, der nackt mitten auf dem Linoleumboden im Flur lag. Madame Calypso kam vorbei und stellte sich über ihn. Sie pinkelte einfach auf ihn drauf und rannte in ihre nächste Session. Der Gast blieb völlig nass dort liegen und niemanden interessierte es. Der Urin schwappte über ihn und den Boden hinweg.

Einen witzigen Fetisch hatte ein Mann, den ich nur vom Erzählen her kannte. Man nannte ihn „den Gurkenschiesser“. Ihm bereitete es erhebliches Vergnügen, sich Salatgurken rektal einzuführen und durch plötzlichen Druck herauszuschießen. Je weiter die Gurken flogen, umso freudiger wurde er. Er war der Star der Partys, die regelmäßig im Studio stattfanden.

Bei den Party-Veranstaltungen war ich nie anwesend. Ich wurde auch niemals gebeten, dort mitzumachen. Ich erinnere mich, dass dann kurz vor meinem Feierabend Madame Calypso recht hektisch wurde. Sie forderte die Frauen drängelnden Tones auf, sich endlich umzuziehen, es ginge gleich los.

Die Homepage und einige Print-Medien, die im Studio auslagen, verschafften mir ein ungefähres Bild davon, wie es dabei zuging. Man sah dort meistens nackte bis halbnackte Frauen, die unkenntlich gemacht waren. Die Damen steckten beide Fäuste in die Hintern verschiedener Herren.

Jede Zeit hat ihr Ende. Nach drei Wochen rief mich Madame Calypso in ihr Büro. Mit ruhigem und bestimmtem Ton erklärte sie mir, dass in ihrem Studio die Arbeit für mich keinen Sinn mache. Ich sei besser anderswo aufgehoben. Sie wüsste auch ein Studio, das sie mir empfehlen könnte. Es würde dort eher klassisch gearbeitet.

Die Ankündigung, nicht mehr kommen zu dürfen, traf mich wie ein Schwall kalten Wassers über den Kopf. Ich beteuerte ihr, die geringen Verdienstmöglichkeiten machten mir nichts aus. Ich würde gerne dableiben. Mir liefen die Tränen in die Augen. Ich hatte mich in dem Studio so wohl gefühlt. Das sollte jetzt alles vorbei sein?

Madame Calypso empfahl mir sanftmütigen Tones genau das Studio, wo auch Herrin Nadja arbeitete. Trotz aller Bedenken gegenüber Herrin Nadja, von der ich nichts Gutes gehört hatte, blieb Madame bei ihrer Meinung. Sie versicherte mir, sollten Probleme auftauchen, dann würde sie mir zur Seite stehen. Um die Vorbehalte gegenüber dem Studio zu mildern, erklärte sie mir, dass es schon lange nicht mehr Nadja gehörte und ich wahrscheinlich fast nichts mit ihr zu tun hätte. Sie rief sogleich dort an und empfahl mich als interessierte Anfängerin.

Das letzte Wort war gesprochen. Jetzt hieß es noch die Videofilme zusammen zu packen und sich von den Frauen, die wie jeden Morgen im Aufenthaltsraum saßen, zu verabschieden. Ich sollte gleich bei der Chefin des neuen Studios vorstellig werden. Madame Calypso nannte mir die Adresse und schickte mich auf die weitere Reise.

Kapitel 2 - Erfahrungen

Ich machte mich also auf den Weg in das unbekannte Etablissement. Was sollte ich auch tun? Ich fügte mich in mein Schicksal und versuchte, so unbefangen wie möglich zu wirken.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit klingelte ich an dem besagten Haus. Optisch machte es schon einiges mehr her als der 70er-Jahre-Bau, in dem sich Madame Calypsos Studio befand. Das Haus war Anfang des 20 Jahrhunderts im typischen Herrenhausstil erbaut. Ich läutete und wurde eingelassen.

Ein geräumiges Treppenhaus empfing mich. Auch die alten Stufen und das Geländer verrieten die Ästhetik der Jahrhundertwende. Das Studio befand sich im zweiten Stock. Dort angekommen stand ich vor einer alten, weißen Flügeltür. Auf einem goldenen Schild prangte die Aufschrift „Praxis“.

Der erste Eindruck verriet eine recht herrschaftliche Residenz für dominante Damen, die hier ihr Regiment führten.

Ein Flügel der Tür öffnete sich und ein roter, schwerer Vorhang, ähnlich dem in einem Theater, wurde vorgeschoben. Eine große, schlanke, brünette Dame Mitte der vierzig, in dezenter schwarzer Kleidung, erschien hinter der Portiere und reichte mir freundlich die Hand zum Gruß.

Sie führte mich in den Empfangsraum. Im Parkett des vornehmen Bodens spiegelte sich die Deckenbeleuchtung. Blickfang des Raumes war eine stilvolle Récamiere hinter einem Glastisch. Auf dem Tisch lagen fachbezogene Zeitschriften und Bücher. Hier konnte man warten und schmökern.

Mehrere große, weiße Türen im Gepräge der Gründerzeit verbargen die angrenzenden Räumlichkeiten. Alles wirkte formvollendet und erhaben. Es war gut vorstellbar, dass sich hier die Herren eher niederknieten als in dem anderen Studio. Allein schon das gehobene Ambiente wirkte ehrfurchtsgebietend, im Gegensatz zu der dunklen und wild zusammengewürfelten Einrichtung an meiner vorigen Wirkungsstätte.

Die Frau stellte sich als Studio-Inhaberin Lady Magdalena vor. Sie bat mich, in ihrem Büro Platz zu nehmen. Um dorthin zu kommen, mussten wir durch die Klinik, wo ich schon einen ersten Eindruck gewann.

Im Büro saß eine Frau, die sich ganz in den Bildschirm ihres Computers vertieft hatte. Es gab eine Couch und einen großen Wohnzimmertisch. Die riesige Schrankzeile an der Wand war mit Büchern und Magazinen überladen.

Nach Aufforderung nahm ich auf dem Sofa Platz. Magdalena begann das Gespräch mit einem kleinen Small-Talk. Sie wollte alles wissen, was sich im Studio von Madame Calypso ereignet hatte. Berichten konnte ich ja nicht viel. Außer dass ich mich dort sehr wohl gefühlt hatte, aber Madame Calypso die Ansicht vertrat, ich wäre in einem klassischen SM-Studio besser aufgehoben. Magdalena reagierte mit einem Lachen. Sie ahnte, wo der Hase im Pfeffer lag, und zog mir gleich den Zahn.

Sie stellte sofort klar, dass Zimmergäste in ihrem Hause zwar selten vorkamen, aber dass sich niemand in dem Team zu fein dafür fühle, auch diese Art der Kundschaft zu bedienen. Da war es also wieder, das unvermeidliche Thema! Nur mit dem Unterschied, dass man hier anscheinend gar nicht um die leidige Sache herumkam, was die Madame immerhin ermöglicht hatte.

Nach ihrer Ausführung drehte sich die Frau am PC um und nickte unterstützend Magdalena zu. Während ich diese Gepflogenheiten des Hauses erst mal verdaute, trat eine weitere Dame ein und begrüßte die beiden anwesenden Frauen mit Wangenkuss. Ich hatte sie von den Fotos auf der Internetseite noch in Erinnerung: Das war Herrin Nadja. Groß, füllig von Statur ging sie bestimmt schon auf die sechzig zu. Aber eine Ausstrahlung hatte sie, die man mit jener der Liz Taylor vergleichen konnte. Erhaben und distanziert musterte sie nach ihrem Begrüßungsritual das fremde Gesicht.

Die Damen plauderten ein wenig und kamen dann auf das für mich so unangenehme Thema zurück.

Meine Bedenken wegen des Zimmers und der damit verbundenen Praktiken wischte Nadja mit einer Handbewegung weg und zündete sich dabei mondän eine Zigarette an. „Das ist nicht so schlimm und so selten, dass jegliche Diskussion hinfällig ist.“

Die Sache war damit abgehandelt. Magdalena zeigte mir die Studioräume. Auf allen Böden glänzte das vornehme Stäbchenparkett. Das helle, zurückhaltende Grau der Wände, besonders die hohen, weißen Türen, verschafften dem Etablissement ein unglaubliches Flair. Die Klinik befand sich direkt vor dem Büro und sah aus wie eine ältere Arztpraxis. Sie war ausgestattet mit einem Krankenbett, einem Besprechungstisch und einem gynäkologischen Stuhl, der anscheinend nirgendwo fehlen durfte. Von hier führten Schiebetüren in weitere Studioräume.

Magdalena schritt durch die Klinik in das sogenannte „große Studio“. Ich sah dort die unterschiedlichsten SM-Möbel: einen Sklavenstuhl, eine Fesselliege, über der sich am Balkengestell ein Flaschenzug befand, und ein spezieller gynäkologischer Stuhl, der aber nicht besonders klinisch aussah. Alles wirkte sehr gepflegt und unterstrich die edle Atmosphäre. Die Utensilien hingen geordnet und aufreiht an Wandhaken oder waren in Vitrinen gut ersichtlich verstaut. Eine Ottomane mit kleinem Beistelltisch lud zum Verweilen ein.

Der angrenzende Raum wurde „das kleine Studio“ genannt. Hier befanden sich eine Fesselliege, ein freistehendes Andreaskreuz und ein großer Käfig. Eine Récamiere mit Beistelltisch und ein Kerzenhalter füllten dekorativ die Ecke aus. Auch hier hingen die verschiedensten Schlaginstrumente aufgereiht an Haken. Bilder der dort arbeitenden Damen, die in geschmackvoller Fetischmontur abgelichtet waren, säumten einen kleinen Teil der Wand.

Zum Schluss der Führung kamen wir in das sogenannte „Kuschelzimmer“, das auch den Durchgang zum einzigen Badezimmer des Studios bildete. Das Ambiente ist immer ähnlich: Ein großes Bett, eine Massagebank und ein riesiger Kleiderschrank machten das Zimmer nicht besonders schön, aber zweckdienlich. Im Gegensatz zu den anderen Räumen erschien mir die Einrichtung allerdings etwas stiefmütterlich behandelt. Es diente wohl eher dem Umziehen der Damen als amourösen Abenteuern.

Nebenan befand sich die Küche, die spartanisch, aber praktisch ausgestattet war. Es gab ein kleines altes Sofa, seine guten Zeiten hatte es schon lange hinter sich gelassen, und einen Küchentisch mit vier Holzstühlen. Die Einbauküche wirkte abgenutzt, sogar einige Schranktüren fehlten. Eine kleine Toilette grenzte an.

Im schlimmsten Fall, wenn ich zur „Zimmer-Aktivität“ genötigt werden sollte, konnte ich immer noch die Tasche packen und das Studio verlassen. Ich wollte es hier versuchen.

Vom Ambiente war ich sehr angetan und zuversichtlich, hier etwas lernen zu können. Auch die vielen offiziellen Auszeichnungen, die man stolz an die Wände gehängt hatte, bestätigten mich in meiner Meinung. Zudem schwanden die früheren Vorbehalte der strengen Herrin Nadja gegenüber. Sie hinterließ fast einen mütterlichen Eindruck bei mir.

Mit großem Enthusiasmus sah ich den neuen Herausforderungen entgegen.

Auch zeitlich konnte ich mir dies erlauben. Christian übernahm während meiner Studioaufenthalte das Ladengeschäft und hielt mir den Rücken frei.

Am ersten Arbeitstag, der gleich nach dem Kennenlernen folgte, öffnete mir die Frau, die beim Vorstellungsgespräch am Rechner gesessen hatte, die Tür. Freundlich begrüßte sie mich und zeigte mir meinen Platz in der Küche. Sie stellte sich mit Amelie vor und war anscheinend die rechte Hand von Magdalena.

Ich nahm auf einem der alten Holzstühle Platz. Amelie machte sich einen Kaffee und verschwand im Büro. Zwei Stunden später kam auch Lady Magdalena.

Sie begrüßte mich in der Küche, nahm sich ebenfalls was zu trinken. Dann ging auch sie in ihr Büro. Durch die verschlossene Türe hörte ich gelegentlich das Telefon läuten und entfernte Stimmen antworteten. Gegen Nachmittag klingelte es zum ersten Mal an der Tür. Ich hörte Absätze auf dem Parkett. Amelie nahm mit überschwänglicher Freude den Besucher in Empfang. Türen schlugen und Amelie erschien in der Küche, um ihrem Gast ein Getränk zu holen. Daraufhin hörte man kleine frauliche Schreie und ein stetiges Klatschen. Anscheinend arbeitete sie auch passiv. Nach einer guten Stunde betrat sie mit rotem Kopf und glänzenden Augen die Küche. Sie wirkte sichtlich entspannt und gut gelaunt. Amelie stellte das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine und war wieder entschwunden.

So gegen 18 Uhr packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den Heimweg. Zur Verabschiedung ging ich nochmal ins Büro. Amelie saß am Computer und Magdalena strickte auf der Couch.

Der darauffolgende Tag lief ähnlich ab. Ich saß alleine auf meinem Platz in der Küche. Bis auf die Unterbrechungen der beiden Damen im Büro, die sich Kaffee machten, passierte weiter nichts. Auch das Telefon schien ruhig zu bleiben, sofern man das von der Küche aus beurteilen konnte. Zumindest klingelt auch niemand an der Tür. Um mir die Zeit zu vertreiben, besorgte ich mir spezielle SM-Lektüre.

Am nächsten Tag blieb es ebenfalls ruhig. Nur fielen mir dieses Mal die Geräusche der ständig laufenden Waschmaschine und das Ticken der Wanduhr auf. Gelegentlich wurden die monotonen Laute unterbrochen, als sich eine der beiden Damen wieder mal etwas zu trinken holte.

Um die Zeit zu überbrücken, telefonierte ich mit Emma, mit der ich immer noch Kontakt hielt. Die Stille und das ständige Ticken der Uhr versetzten mich in einem tiefen Dämmerschlaf. Das war anscheinend einer der Tage, an denen nur gelegentlich das Telefon klingelte und sich ansonsten nichts rührte. Hin und wieder hörte ich Herrin Nadja aus dem Büro lachen. Die Geräusche von dort drüben waren der einzige Kontakt, den ich zu den Kolleginnen hatte.

Von den anderen Damen, die auf der Internetseite gelistet waren, erschien niemand zum Dienst. Vielleicht waren sie im Urlaub. Nur Herrin Nadja kam gegen Nachmittag mit ihrem kleinen Hund herein und verschwand wieder ohne großes Aufsehen. Amelie war morgens immer da. Magdalenas Zeit begann gegen ein Uhr. Gelegentlich klingelte es an der Tür. Entweder Amelie oder Herrin Nadja selbst empfingen den Gast. Zuschauen durfte man nicht. Auf ein entsprechendes Angebot wartete ich vergebens.

Gegen Sechs packte ich meine Sachen und verabschiedete mich. In diesem monotonen Rhythmus verbrachte ich die ganze Woche in der Küche. Ganz alleine mit dem Rotieren der Waschmaschine und dem Ticken der Uhr. Einmal am Tag wurde die schon vertraute Geräuschkulisse durch das Laufen der Spülmaschine ergänzt.

Derweilen hockte Amelie drüben vor dem Rechner, Magdalena strickte und Nadja döste auf der Couch. Nur gelegentlich wurde diese Stille durch Gespräche, Telefonate und das Klingeln der Tür unterbrochen. Jeden Tag der gleiche Trott! Welch ein Unterschied zu dem anderen lebhaften Studio! Ich kam ich mir so alleine in meiner Küche vor und fühlte mich von allen vergessen. Zwischendurch stellte ich mir selbst die Frage, was ich denn eigentlich hier sollte.

Die nächste Woche fing genauso an, wie die letzte aufgehört hatte. Die Waschmaschine und das Ticken der Uhr machten mich fast wahnsinnig.

Es klingelten meistens aktive Gäste für Amelie. Bei diesen Sitzungen durfte ich niemals zuschauen.

So auf mich alleine gestellt, beschäftigte ich mich mit den mitgebrachten SM-Handbüchern. Die ersten zwei Tage vergingen wieder im gleichen einschläfernden Rhythmus der Küchengeräte. Ziemlich frustriert und total erschöpft von der Müdigkeit des Nichtstuns und des Sitzens machte ich mich wie jeden Tag auf den Weg nach Hause. Der Rücken schmerzte von den harten Holzstühlen. Ich bekam schon Albträume von der Küche und den immer gleichen Geräuschen um mich herum.

Am folgenden Mittwoch änderte sich das. Eine junge Studentin kehrte aus ihrem Urlaub zurück und leistete mir in der Küche Gesellschaft. Nun konnte ich mich ein wenig unterhalten und die Zeit war nicht mehr ganz so dröge.

Die Studentin nutzte die Zeit des „Abhockens“, wie sie die Warterei nannte, um sich auf ihr Studium vorzubereiten. Sie klärte mich auch über die gesellschaftlichen Gepflogenheiten in diesem Studio auf.

Das „Fußvolk“, so beschrieb sie einen Teil des Teams, hockte immer in der Küche, während die „Herrschaften“, damit meinte sie die Studioleitung, also Magdalena, ihre rechte Hand Amelie und Herrin Nadja, im Büro saßen.

Sie selbst war im Studio seit zwei Monaten. Hätte sie nicht vorher Erfahrungen aus der privaten Szene sammeln können, wäre es ihr schwer geworden, sich hier was abzuschauen. Jede der Damen behielt ihr Wissen lieber für sich, als die „Konkurrenz“ zu fördern.

Ihrer Meinung nach wisse Magdalena selbst überhaupt nichts von SM und Nadja, die einen privaten Schicksalsschlag verarbeiten musste, verbrachte ihren Tag schlafend auf der Couch und wartete, bis Magdalena monatlich das Studio abzahlte. Die anderen Damen im Team weigerten sich, die Neuen für umsonst anzulernen.

Mit der jungen Studentin, die sich mit Henriette vorgestellt hatte, verstand ich mich vom ersten Tag an gut. Sie war eine durchtrainierte, schlanke Person, die einen intelligenten Witz versprühte. Wenn sie im Studio war, verschwanden die Zeiten der Langeweile sofort. An ihrem ersten Arbeitstag hatte sie auch gleich eine Session, wie man ihr vom Büro aus mitteilte. Sie versprach, mich mit hinein zu nehmen.

Der Gast klingelte pünktlich. Henriette war mit einem schwarzen Latexanzug bekleidet. Ihre kurzen, dunklen Haare unterstrichen ihre dominanten Gesichtszüge, die sie gerne zur Schau stellte. Sie öffnete ihrem Gast die Tür und geleitet ihn in das große, schwarze Studio. Ich wartete derweilen in der Küche, bis sie mich rein rief. Als es Zeit wurde, kam sie mit funkelndem Blick zu mir. „Willst du mal ein geiles Gummi-Objekt sehen?“, fragte sie süffisant, dabei winkte sie lockend mit dem Zeigefinger wie die Hexe bei Hänsel und Gretel.

Auf der großen Fessel-Liege lag ein in Latex gehüllter Mann, der sichtlich genoss, was mit ihm geschah. Henriette nahm ein langes, weißes Seil und band es um seinen Hals. Sie knotete eine Schlaufe nach der anderen entlang seines Körpers. Das Seil fixierte sie am Fußende der Liege, so dass es möglichst gerade auf der Körpermitte lag. Dann nahm sie zwei weitere Stränge. Sie stellte sich mir gegenüber und gleichzeitig fixierten wir das lose Ende des Seiles an einer der Haltevorrichtungen. Das andere Ende führten wir durch die schon gemachten Knoten auf dem Leib des Mannes. Nun zurrten wir fest, dass sich das Zwischenstück des Knotens wie ein Auge öffnete. Das lose Seil wurde durch eine Öse an der Liege gezogen. Das wiederholte sich beim nächsten Zwischenstück mit der folgenden Schlaufe. Das ganze Spiel wurde so lange fortgesetzt, bis der Mann fixiert und wie in einem verschlungenen Netz gefangen war. Ich versuchte mir diese Kunst einzuprägen. Das sogenannte Rauten-Bondage ist einfach, aber effektiv.

„Na, wie gefällt er dir?“ Henriette genoss die Wehrlosigkeit ihres Gummiobjektes. Kaum, dass eine Antwort hätte kommen können, kletterte sie auf die Kopfseite ihres Opfers. Sie stand über ihm und drohte, dass sie ihm mit ihrem Latexhintern die Luft zum Atmen nehmen würde. Und bei der Drohung ließ sie es nicht bleiben. In der nächsten Sekunde setze sie sich auf sein, mit einer Latexmaske verhülltes Gesicht. Sie schaute auf die Wanduhr und zählte die Sekunden, wie lange er ihr Gewicht und das Gefühl der Atemlosigkeit aushielt. Nach dreißig Sekunden zappelte er mit dem Kopf. Daraufhin erhob sie sich und ließ einen Moment von ihm ab. Er schnappte nach Luft und seine Erregung steigerte sich.

„Das muss länger gehen!“, forderte sie ihn auf. Kaum hatte er ausgeatmet, war das Gesicht wieder unter dem Hintern verschwunden. Das Spiel wiederholte sich, bis er seine Erregung nicht mehr aushalten konnte und von alleine ejakulierte. Zügig befreiten wir den Mann von seiner Fixierung. Als sie die Maske von seinem Kopf nahm, konnte ich glückliche Augen sehen, die mich dankbar anstrahlten.

Das war die erste Latexsession, die ich sah. Die Kunst mit den Seilen, die Hingabe des Mannes und vor allem das Glück in seinen Augen, das ihn nach der Sitzung geradezu aufblühen ließ, beeindruckten mich dermaßen, dass ich von da an nicht nur dem Material Latex verfallen war, sondern auch den großen Intensionen, die damit zusammenhingen.

Die Sessions mit Henriette machten sehr viel Spaß und man lernte unglaublich viel von ihrer stilvollen Art und ihrem technischen Wissen.

Leider war sie nur an drei Tagen in der Woche anwesend und ich musste die restliche Zeit alleine in der Küche verbringen. Mehr Kolleginnen gab es im Team nicht. Die anderen Frauen, die ich auf der Homepage gesehen hatte, erschienen nicht mehr.

Eines Tages kam Amelie zu uns in die Küche mit folgendem Anliegen: Sie brauchte Hilfe bei einer Session. Wir sollten lediglich im großen Studio so tun, als ob wir uns umziehen würden. Ihr Gast, den sie alle Blumen-Bernd nannten, wollte neugierig durch die leicht geöffneten Flügeltüren spitzeln und von ihr dann auf frischer Tat ertappt werden. Wir taten wie uns geheißen und spielten unsere Rollen. Im richtigen Moment erwischte Amelie den lüsternen Schlingel beim Spannen. Die beiden Flügeltüren gingen auf. Wir sahen, wie sie den „Spanner“ an den Ohren zog und kräftig ausschalt. Sie stellte ihn in der Mitte des kleinen Studios auf. Der Erwischte sah schamerfüllten Hauptes nach unten. Er wirkte wie ein kleiner Schulbub. Amelie drückte jeder von uns ein Paddel in die Hand. Damit konnten wir den frechen Lüstling für seine Spannerei abstrafen. Zu dritt gingen wir im Kreis um den sich schämenden kleinen Mann herum. Jedes Mal, wenn eine an seinem Hintern vorbeikam, folgte sogleich ein Schlag. Das ganze Prozedere dauerte einige Minuten, bis sie uns dankend hinaus winkte.

Es kamen nun auch etwas ereignisreichere Tage.

An die Langeweile des „Abhockens“ hatte ich mich ein wenig gewöhnt. Auch mit der Einsamkeit, die dann herrschte, wenn Henriette abwesend war, hatte ich mich inzwischen abgefunden.

Einmal saß ich wieder alleine in der Küche, während Amelie eine Sitzung abhielt. Sie hatte gerade damit begonnen, da läutete ein weiterer Gast an der Tür. Magdalena öffnete und bat den Herrn ins Foyer. Der Besucher wurde immer mit der Frage: „Ins Studio, in die Klinik oder in den zärtlichen Bereich?“ begrüßt. Bei der letzteren Offerte hielt ich stets die Luft an. Vor allem dann, wenn niemand sonst zur Verfügung stand. Bisher war ich ja verschont geblieben und das sollte auch so bleiben. „Ins Studio“ sagte er.

Magdalena kam kurz darauf in die Küche „Da ist ein Gast ohne Termin gekommen. Er sitzt im kleinen Studio und hätte gerne ein Wasser. Du musst die Session machen. Amelie ist beschäftigt. Redscht` halt mit ihm, was er möcht`.“ Ihre badische Herkunft konnte Magdalena nicht verleugnen. Sie hatte einen sehr breiten Dialekt.

Stirnrunzelnd fragte ich sie, was ich wohl mit ihm anfangen sollte. Magdalena drehte sich um und stand schon in der weit geöffneten Küchentür „Das kriegst du schon hin.“ Sie verschwand im Büro und verzichtete auf weitere Erklärungen.

Jetzt galt es, mich zu beweisen. Ganz wohl war mir nicht dabei. Zunächst fing ich mit dem bestellten Wasser an. Beim Eintreten ins Studio wartete der Mann schon ungeduldig darauf, wann es endlich weiterging. Ich reichte ihm das gewünschte Getränk und versuchte das Vorgespräch zu führen, um zu erfahren, welche Spielarten ihn interessierten.

„Ha, ein bissel SM halt. Nix was weh tut.“

Ich erklärte ihm, dass dies eine meiner ersten Sessions war und ich noch nicht so viel Erfahrung hatte.

Bei den wenigen Sitzungen im Studio von Madame Calypso hatten die Gäste genau gewusst, was sie wollten, und gaben entsprechende Vorgaben. Ich bat ihn also um mehr Informationen.

Der Mann war jedoch nicht bereit, mehr von sich preiszugeben. Er legte mir das Geld für eine Stunde auf den Tisch und zog sich aus. Jetzt stand er nackt vor mir und wartete, bis ich auf den Gedanken kam, ihn endlich ins Badezimmer zu bringen. „Dusche will ich vorher.“

Während er sich wusch, zündete ich die Kerzen an. Dann sammelte ich aus den Vitrinen einige Spielsachen zusammen, die harmlos aussahen. Nach einer Weile kam er ins Studio zurück. „Hasch mich vergesse im Bad?“

Vor lauter Überlegen und Richten hatte ich es wirklich vergessen, ihn aus dem Bad zurück zu holen. Die Gäste dürfen sich aus Gründen der Diskretion nicht begegnen. Ein jeder wurde ins Bad begleitet und auch wieder zurückgeführt, nachdem man sich vergewissert hatte, dass das Foyer leer war.

Ich schaltete den CD-Spieler ein. Stimmungsvolle Musik erklang. Ich wollte zunächst einmal mit einem Klassiker beginnen. Ich nahm Manschetten und legte sie dem Mann um die Hand- und Fußgelenke. Dann führte ich ihn an das Kreuz und band ihn fest. Eine soft wirkende Peitsche lachte mich an und los ging es. Als der erste Schlag seinen Hintern berührte, schrie er schon los: „Net des. Des tut weh.“

Verdutzt hielt ich inne. Sofort band ich ihn los. Nun war guter Rat teuer. Dann fiel mir die Fessel-Liege ein. Auf dem kurzen Weg dahin fing er an, mir unter den Lackrock zu greifen. Reflexartig schlug ich die Hand weg.

„Stell dich doch net so an!“ Er wurde jetzt richtig ungehalten. Mit einem „So etwas geht hier nicht!“ bugsierte ich ihn auf die Liege.

Mit Seilen versuchte ich ein ähnliches Arrangement zu knüpfen, wie ich es bei Henriette gesehen hatte. Als der mir mittlerweile sehr unsympathische Widerling die Seile sah, wehrte er vehement ab. „Des mag ich net!“

Alle Arten von Fesseln lehnte er mit einem Kopfschütteln ab. Dann lag er halt unfixiert auf der Liege. Ich nahm eine der brennenden Kerzen aus dem Kerzenhalter. Als ich zur Liege zurückgekehrt war, schnellte seine Hand erneut in meine Richtung. Vor lauter Schreck zog ich mich zur Seite. Das Wachs tropfte dabei auf seinen Körper. Er schrie laut auf: „Spinscht du?“

Als wir uns beide von dem Schrecken erholt hatten, stellte ich die Kerze schnell wieder zurück. Ich versuchte mein Glück mit einem Vibrator, den ich in seinen Hintereingang stecken wollte. Als er das Teil schon von weitem misstrauisch beäugte, presste er seine Beine krampfhaft zusammen. „Des mag ich net“.

Die Session war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Alles, was ich mir überlegt hatte, lehnte er entweder ab oder es tat ihm weh. Ich war mit den Nerven völlig am Ende.

Verzweifelt fragte ich ihn, was er denn überhaupt möchte.

Er war nur noch genervt. Vor allem meine Zickerei beim Fummeln ärgerte ihn. Es kam nur noch ein „Piss mich halt einfach an und gut is.“

Ich empfand die ganze Situation als entwürdigend. Ich holte ein Handtuch aus dem Regal. Anscheinend gab es hier kein Plastiklaken. Er legte sich auf das ausgebreitete Tuch.

Der einzige Lichtblick für mich war, dass ich recht schnell und viel musste. Ich stellte mich über ihn und ergoss den angestauten Blasendruck auf seinem Körper. Er rubbelte wie wild an seinem Geschlecht. Dabei versuchte er mir ständig unter den Rock zu sehen, was ich ihm allerdings verwehrte. Nun sank seine Begeisterung auf einen Tiefpunkt. Aber irgendwie kam er dann doch noch und die Horror-Sitzung hatte ein Ende.

So grauenhaft hatte ich mir meine erste selbständige Session nicht vorgestellt. Als der Gast aus der Dusche kam und sich anzog, musste ich Magdalena Bescheid geben, dass die Sitzung beendet war. Es war hier üblich, die Studioleitung zu informieren, wenn ein Gast ging, denn man wollte bei der Verabschiedung seine Zufriedenheit feststellen.

Dass er keine Lobeshymnen für mich parat hatte, war mir klar. Nachdem er gegangen war, rümpfte Magdalena die Nase und meinte abschätzig zu mir: „Das war wohl nix“. Wie ein begossener Pudel stand ich da. Magdalena drehte sich ohne weitere Reden um und entschwand im Büro.

Und ich saß wieder alleine in der Küche. Aber dieses Mal in Begleitung des unangenehmen Gefühls, völlig versagt zu haben. Als ich mich abends wie gewohnt im Büro verabschiedende, teilte mir Magdalena mit, am nächsten Abend würde ein Fotograf neue Bilder vom gesamtem Team für die Homepage machen. Über einen Künstlernamen für die Werbung sollte ich auch nachdenken. Zumindest wertete ich das als Zeichen, dass sie mich nicht gleich rausschmiss.

Wegen des anstehenden Fototermins waren alle an diesem Tag anwesend. Die Zeit in der Küche verging diesmal wie im Fluge. Sogar Nadja gesellte sich kurz zu uns und redete eine Weile mit Henriette.

Herrin Nadja bereitete sich in der Küche auf eine Session vor. Im Gespräch bot sie mir an, mich dabei hereinzunehmen. Nadja hatte einige Titel und Auszeichnungen als Domina erreicht. Es war bestimmt beeindruckend und eine große Ehre ihr zuzusehen. Sie nahm nur noch selten Sessions an.

Gespannt darauf, wie jemand der ganz Großen in der Szene ihre Sitzungen kreierte, wartete ich ab.

Es läutete an der Tür. Nadja zog sich noch gekonnt die Lippen nach, bevor sie ihren Gast empfing. Ein enges, sehr figurbetontes, langes Lederkleid brachte ihre femininen Rundungen besonders würdevoll zur Geltung. Mit hocherhobenem Kopf schwebte sie ins Entree. Ihr Spiel begann schon beim Einlass. Man hörte ihren herrschaftlichen, herablassenden Ton in der Küche. Nadja konnte schon beim Öffnen der Tür ihren Gast in den Bann ziehen. Sie verschwand mit ihm in einem der Studios.

Kurz darauf wurde ich ins kleine Studio gerufen. Als ich den Raum betrat, mussten sich erst meine Augen an die Finsternis gewöhnen. In der Dunkelheit, die nur vom Kerzenschein spärlich erhellt wurde, sah ich einen nackten, knienden Mann demutsvoll vor seiner Herrin kauern. Nadja lag in mondäner, leicht arroganter Haltung auf der Récamiere und rauchte genüsslich eine Zigarette. Unsicher, da ich nicht genau wusste, wohin mit mir, setzte ich mich in eine Ecke, um die Situation nicht zu stören.

Mit strengen Augen fixierte Herrin Nadja ihr nacktes Gegenüber und musterte es von oben bis unten. Man spürte die Unsicherheit des Mannes und seine gespannte Erregung.

Die Stille wurde durch Nadjas klare und bestimmte Stimme durchbrochen. Zitternd und voller Erregung beantwortete er ihre Fragen. Ich war fasziniert von der Aura und wie sie nur durch ihre Anwesenheit, ihre vornehme Wortwahl und ihre Gestik den Raum von ihrer Persönlichkeit durchfluten ließ. Wie ein Voyeur beobachtete ich die Szene.

Als erste Handlung band sie die Hoden des Mannes mit einem Lederbändchen ab. Danach nahm sie sich seine Brustwarzen mit ihren Fingernägeln vor und quälte jene so lange, bis ihr Opfer den angemessenen Gesichtsausdruck zeigte. Langsam erhob sie sich fast lautlos von der Récamiere. Hocherhobenen Hauptes stand sie vor dem immer noch knienden Gast. Sie blickte ihn von oben herab geringschätzig an. In der Position muss sich der Mann recht klein vorgekommen sein. Nadja band Ledermanschetten an seine Hände und befahl ihm aufzustehen. Sie fixierte ihn an dem Andreaskreuz.

Mit den verschiedenartigsten Peitschen behandelte sie sein Hinterteil. Er wand sich voller Genuss bei den auftreffenden Schlägen. Kerzengerade stand sie im Raum. Jeden Schlag zelebriere sie in einer Erhabenheit, dass mir der Atem dabei stockte. Alles wirkte fließend und in sich stimmig. Es waren gar nicht die Handlungen selbst, die diese Faszination auslösten, sondern die majestätische Vollkommenheit, mit der sie jeden einzelnen Schlag ausführte.

Mitten in diesem emotionalen Schauspiel richtet Nadja auf einmal das Wort an mich. Von einer Sekunde auf die nächste zuckte ich erschrocken zusammen. Völlig perplex wusste ich gar nicht, was ich machen sollte. Mit der Situation völlig überfordert, verharrte ich steif in der Ecke. Herrin Nadja hatte eine Frage an mich gestellt. Ich war aber so tief in dieses ganze bewundernswürdige Geschehen versunken, dass der Sinn der Frage einfach an mir vorbeigegangen war. Ich wusste keine Antwort und stammelte kleinlaut etwas vor mich hin. Meine Unsicherheit war unverkennbar.

Herrin Nadja bemerkte das sofort und führte mich dem fremden Mann vor. Das war ihr ein Freudenschmaus. Sie weidete sich an meiner Unsicherheit: „Siehst du Sklave, du bist nicht der einzige, der im Raum hier vor Angst zittert. Das Lehrmädel da drüben ist noch nicht mal fähig eine gescheite Antwort zu geben, nicht mal den Mund kriegt sie auf. Und so was schimpft sich dominant. Welche Schande!“

Der Sklave, der inzwischen wieder vor der Récamiere auf dem Boden kniete, wagte einen verstohlenen Blick in meine Richtung.

Ich wurde rot vor Scham. Ich wusste mir keine Rettung aus dieser peinlichen Situation. Das Studio zu verlassen wäre nur ein weiter Beweis meines Versagens gewesen. Innerlich hoffte ich, dass sie die Aufmerksamkeit wieder ihrem Gast widmete und ihrem bösen Spiel mit mir überdrüssig würde.

Ich verharrte still in meiner Ecke wie ein Kaninchen, das stumm einem Raubtier in die Augen sieht. Nadja ließ von mir ab und setzte sich wortlos auf ihre Récamiere.

Die restliche Session über ignorierte sie mich und führte ihre Handlungen in der ihr eigenen königlichen Art zu Ende, während ich auf glühenden Kohlen saß und mit den Tränen kämpfte. Ich hätte am liebsten diesen Raum verlassen, um ihr nicht noch mehr Munition zu geben.

Als die Sitzung beendet war und der Gast glücklich über seine Ejakulation am Boden kauerte, nutzte ich die Gelegenheit, um möglichst ohne großes Aufsehen mit runtergeschlucktem Ego und unterdrückten Tränen zu verschwinden.

Ich hatte die Küche für mich. Alle anderen waren schon im Büro versammelt. Ich musste mich zunächst mit einer Zigarette beruhigen und das Geschehene Revue passieren lassen. Mich ärgerte nicht nur meine eigene Unsicherheit, sondern auch die Ungerechtigkeit Nadjas, weil sie mich so bloßgestellt hatte. Es fehlte jedoch die Zeit, intensiver darüber nachdenken. Nadja rauschte in die Küche und wies mich in einem Ton zurecht, der mich sprachlos machte: „Wenn du schon in meiner Sitzung zusiehst, so erwarte ich von dir, dass du auch das Studio aufräumst. Das gehört sich so. Das nennt man Anstand. Und was machst du? Du sitzt

hier und lässt mich alles alleine machen!“

Peng! Dann war sie verschwunden. Jetzt ging es mir noch schlechter. Vom Büro kam Magdalena in die Küche geeilt. Ich solle mich für die Fotos zurechtmachen.

Ich musste mich zusammenreißen. Der Fotograf war schon an der Arbeit und ich kam als nächste an der Reihe. Im großen Studio war ein Fotoset aufgebaut. So gut wie möglich versuchte ich die verschmierten Augen mit Makeup zu retten.

Nach kurzer Zeit wurde ich gerufen. Ich posierte recht hilflos mit irgendwelchen Gegenständen in der Hand in verschiedenen Haltungen, die der Fotograf vorschlug. Mein eingeknicktes Ego war mit Sicherheit nicht besonders fotogen an diesem Tag. Die Fotos schoss er in kürzester Zeit. Mir fiel auf Anhieb nichts wirklich Weltbewegendes ein. Zusätzlich nagten die Zweifel, ob ich mich überhaupt für eine Studio-Tätigkeit eignete, nach all den Misserfolgen.

Nach dem Fotografieren gesellte ich mich zu den anderen im Büro, die allesamt auf der Couch saßen. Ich fand keinen Platz mehr und blieb am Türrahmen stehen. Nadja lag halb ausgestreckt auf dem Sofa und musterte mich mit bösen, funkelnden Augen. Amelie saß am Rechner, Magdalena strickte wie so oft und Henriette saß neben Nadja und sah mich an.

Ganz langsam zog Nadja an ihrer Zigarette. Sie ließ hörbar den Rauch aus der Lunge entweichen. Ihr Blick dampfte förmlich vor Wut und fixierte mich streng. Dann entlud sich das Gewitter.

Ihre Worte waren hart und schneidend. „So geht das nicht. Selbst eine Sklavin hat mehr Ausstrahlung und dominantes Erscheinen als du. Es war eine Schande für mich, dich dabei zu haben. Und dann räumst du noch nicht einmal mein Studio auf, sondern drückst dich einfach vor der Arbeit und lässt mich alles alleine machen. So wird aus dir nie was, das garantiere ich dir.“

Die anderen im Büro starrten teilnahmslos in eine andere Richtung. Magdalena strickte weiter, als ginge sie das alles nichts an. Amelie schaute auf den Monitor. Ich wünschte mir, der Boden möge sich auftun und mich verschlingen. Da er das aber nicht tat und ich ohnehin gehen wollte, verabschiedete ich mich in kleinlautem Ton.

Das Thema Studio war für mich erledigt. Wie ein heulendes Stück Elend kam ich zu Hause an und konnte mich kaum mehr beruhigen. Ich fühlte mich so gedemütigt. Es war für mich keine Frage mehr, dort niemals wieder zu erscheinen.

Als ich mich beruhigt hatte, rief ich am späteren Abend Magdalena über ihre Handynummer an. Kurz und knapp teilte ich ihr meine Entscheidung mit. Einen Moment wurde es ruhig am anderen Ende der Leitung. Dann fragte sie mich nach meinen Gründen.

Ja, die waren schnell erklärt: Nadja mochte mich einfach nicht! Magdalena versuchte mich zu überreden, meine Entscheidung nochmal zu überdenken. In verständnisvollem Ton erklärte sie mir, dass Nadja mit neuen Frauen im Team immer Probleme hätte. Aus dem Grund seien ihr schon viele Mitarbeiterinnen verloren gegangen. Sie versprach dafür zu sorgen, dass so etwas nicht wieder geschah.

Innerlich begann ich zu schwanken und abzuwägen. Eine Nacht wollte ich nochmal darüber schlafen und am nächsten Morgen entschied ich mich, die Flinte nicht ins Korn zu werfen. Ich ließ es auf einen zweiten Versuch ankommen.

An diesem Morgen war ich die Erste in der Küche. Amelie, die mir geöffnet hatte, hatte sich ins Büro verzogen.

Ungewöhnlich früh betrat Nadja die morgendliche Küche und machte sich einen Kaffee. Ich saß an meinem gewohnten Platz. Meinen gesamten Mut musste ich zusammennehmen, um den Stier bei den Hörnern zu packen. Bevor sie etwas sagen konnte, sprach ich sie direkt an: „Warum kannst du mich nicht leiden. Was habe ich dir getan?“

Nadja setzte sich wortlos zu mir. Sie packte ihre Zigaretten auf den Tisch. Eine zündete sie sich sogleich an. Der Kaffee dampfte vor ihr. Meine direkte Konfrontation hatte sie irritiert. Sie zog an der Zigarette und blies den Rauch aus. „Wie kommst du darauf, dass ich dich nicht leiden kann?“ Sie könne sich gar nicht vorstellen, wie ich zu dieser Einschätzung käme.

In einem ruhigen Gespräch sprach ich ganz offen die Situation des gestrigen Tages an und erklärte ihr, wie ich mich gefühlt hatte.

Nadja war perplex. „Entschuldige, dass du das so aufgefasst hast. Das war nicht meine Absicht.“ Als Zeichen ihrer Wiedergutmachung bot sie mir eine Zigarette an. Wir rauchten sie gemeinsam als Friedenspfeife und ab da war das Eis zwischen uns gebrochen.

Als Zeichen ihrer Sympathie nahm Nadja mich sogar mit ins Büro, damit ich nicht alleine in der Küche sitzen musste.

Wir verstanden uns nun bestens. Die Kälte und Härte, die mir Nadja gestern entgegengebracht hatte, war ins genaue Gegenteil gewechselt.

Nadja wurde sanft und gutmütig wie ein Lamm. Sie erzählte viel über ihr Privatleben, das von Höhen und Tiefen geprägt wurde. Eines Tages lud sie mich zu sich nach Hause ein. Sie zeigte mir Einblicke in ihre Vergangenheit, als sie im Varieté als Tänzerin gearbeitet hatte und ihr sogar Angebote aus Paris gemacht wurden. Auch von den dunklen Seiten ihres Lebens, als sie in jungen Jahren dem Alkohol verfallen war, berichtete sie. Nur mit Mühe und Not war sie der tödlichen Sucht entkommen. Morgens hatte sie die Flaschen mit ihren zittrigen Händen nicht greifen können und musste sie mit ganzem Körpereinsatz umstoßen, um den auslaufenden Schnaps vom Tisch zu schlürfen, bis ihre Hände aufgehört hatten zu zittern und sie wieder zugreifen konnte. So erzählte sie als Frau, die heute fest im Leben stand, von überwundenem Elend.

Auch davon, warum sie Magdalena das Studio verkauft hatte, sprach Nadja. Magdalena kam aus dem Bordellgewerbe. Wie die vielen anderen Frauen, die sie aufnahm, versuchte Nadja sie auszubilden. Magdalena konnte sich mit der Tätigkeit als Domina nicht anfreunden.

Nadjas Studioverkauf war für Magdalena ein Glück. Das heran schreitende Alter machte sich bei Nadja bemerkbar und sie fühlte sich der ständigen Verantwortung, die sie all die Jahre auf sich genommen hatte, überdrüssig. Sie konnte sich gut vorstellen Magdalena, die Studioleitung zu übergeben. Für beide war das eine Win-Win-Situation. Der vereinbarte Betrag im Kaufvertrag wurde monatlich per Ratenzahlung beglichen.

Während wir im Büro saßen, zog Nadja ältere Werbe-Printmedien hervor. Sie erzählte interessante Geschichten über die eine oder andere Domina, die dort abgebildet war.

Wenn Nadja ihren Mittagsschlaf hielt, übernahm ich hin und wieder das Gassi-Gehen mit ihrem Hund. Oft hatte Nadja Beschwerden mit Beinen und Rücken. Durch ihre Freundschaft wurde ich komplett in das Studio integriert. Das Privileg, im Büro zu sitzen, übertrug sich auch auf Henriette. Wir drei wurden ein gutes Team. Wir scherzten viel und die Zeit der notorischen Langeweile war Geschichte.

Henriette und ich arbeiteten nun schon seit fast vier Wochen zusammen. Bei jedem Zimmergast, der klingelte, wurde uns angst und bange, er könne an uns abfallen. Mittlerweile war ich lange genug hier, dass ich auch die Tür öffnen durfte. Das war ein erheblicher Vorteil. Nützlich war auch die Faulheit von Magdalena, die sich nur ausnahmsweise von der Couch erhob, um den Einlass zu besorgen. Stand ein Herr für den „zärtlichen Bereich“ vor der Tür, wurde er von uns beiden recht kalt und herablassend empfangen. So kam der Mann gar nicht auf die Idee, romantische Gefühle zu entwickeln, und fragte gleich nach einer Kollegin.

Nadja half mir bei der Auswahl eines richtigen Künstlernamens. Anfangs wählte ich den Namen Dämona, nach einer gleichnamigen Comicfigur. Auf der Homepage wurde ich unter „Lady Dämona“ beworben. Nadja mochte die „Lady“-Bezeichnung überhaupt nicht. Sie wollte eine „Herrin“ aus mir machen. Lediglich mein jugendliches Alter und die fehlende Erfahrung stimmten dafür noch nicht. Als Jungdomina sollte ich vorerst gelten.

Um meine Namensgebung zu perfektionieren, fielen ihr einige Zunamen ein. Unter all den Vorschlägen blieb sie bei „de Lucca“ hängen. Lucca sei eine alte Mafiosi-Stadt in Italien, in der sie einmal ihren Urlaub verbracht hätte.

Freudestrahlend hatte sie den Namen für mich gefunden: „Du nennst dich ab sofort „Daemona de Lucca.“ Der Name steht für sich selbst und du brauchst keinen Lady- oder Herrinnen- Titel. Das klingt dominant genug. Überlege es dir aber gut. Wenn man einen Namen ausgesucht hat, sollte man auch dabei bleiben. Es ist schlecht für das Image, wieder zu wechseln.“

Ein weiterer guter Rat von ihr, den ich nie vergessen werde: „Auch wenn du nicht jahrelang im Profi-SM dabeibleiben möchtest, was du hier lernst, lernst du fürs Leben und kannst jederzeit dieses Wissen nutzen, falls du dich entscheidest, wieder in deinem früheren Beruf zu arbeiten.“

Eines nahen Tages hielt Nadja Henriette und mir eine ihrer großen Standpauken: „Ihr seid so talentiert im Studio, wie ich das schon lange nicht mehr erlebt habe. Ich verbiete euch jemals in das Zimmer zu gehen. So etwas habt ihr nicht nötig. Aus euch sollen gute klassische Dominas werden. Merkt euch das! Und verwendet ja nicht die Gossen-Sprache! Das schickt sich nicht für würdevolle Damen. Und wehe, ihr werdet eine von den Kack- und Kotz-Dominas. Das könnt ihr mir nicht antun.“ Nadja vertrat die Ansichten der uralten Schule. Frauen, die „Dirty Games“ anboten, fielen in ihren Augen unter die Rubrik „Schmuddel-Dominas“, die mit Scheiße und Kotze Geld machen und sonst nichts können. Wir sollten edle, erhabene Herrinnen werden, die in ihren Sessions gut aussahen und sich nicht würgend, mit hochrotem Kopf über einen Gast beugten, um ihr Essen heraus zu kotzen.

Den Ängsten, die wir mit dem Zimmer hatten, war nun ganz offiziell ein Ende gemacht. Nadja stellte das auch vor Magdalena klar. Begeistert war sie von der Neuigkeit nicht gerade. Aber sie fügte sich zähneknirschend. „Wenn man das Angebot runter reduziert, darf man nicht mit mehr Verdienst rechnen.“ Als kleines Trostpflaster für Magdalena arbeitete seit kurzem eine Bardame namens Eva für den zärtlichen und bizarren Bereich. Sie war dankbar für jeden Gast, den wir ihr zuschusterten. Eva war eine Frau Mitte vierzig, hatte kurze blondierte Haare und eine Rubensfigur. Ihre Körbchen-Größe Doppel-D betonte sie stets mit ihrem osteuropäischen Dialekt. Eva war eine herzliche Frau und mit allen Wassern gewaschen. Sie wusste genau, wo es langging.

Nadja nahm mich regelmäßig mit in ihre Sessions und brachte mir das nötige Know-How bei. In der Klinik zeigte sie mir zuerst das Klistieren. Zu diesem Zweck nahm sie einen Irrigator, der an einem Infusionsständer hing. Mit dem Einlaufbehälter, an dem ein langer Schlauch mit Absperrventil baumelte, folgte ich ihr in die Küche. „Gut handwarmes Wasser und einen Spritzer Seife. Mehr braucht das nicht für den Einlauf. Die Seife sorgt dafür, dass der Gast schneller auf das Klo geht, da Seife Krämpfe verursacht.“

Mit dem befüllten Irrigator ging es zurück zum Patienten. Den Behälter hängte sie wieder an den Infusionsständer und schon konnte es losgehen. Nadja steckte die Klistierspritze, in der mittig ein Absperrhahn saß, in den Hintern des Gastes. Das Wasser lief wie nichts rein. Ganze zwei Liter bekam er verabreicht. Nach kurzer Zeit und durch die Unterstützung von Nadjas Händen, die auf seiner Bauchdecke drückten, musste er auf die Toilette, um sich zu erleichtern.

Danach folgte das Nadeln von Brustwarzen und Hodensack des nun gereinigten Patienten. In dieser Klinik-Session durfte ich das Nadeln üben. Nadja machte es vor und ich tat es ihr nach. Das Ganze hatte ich mir viel schwerer vorgestellt, als es war. Die zu stechende Hautfläche musste desinfiziert werden. Dann die Nadeln aus der sterilen Verpackung herausgenommen und möglichst flach parallel zur Haut einstechen! Das war einfach und machte viel Vergnügen. Vergnügen bereitet es auch dem Patienten. Er gab sich jedem Piekser vollkommen hin. Ich nadelte nicht nur den Brustwarzen-Vorhof, mit dem wir begonnen hatten, sondern auch noch den kompletten Hodensack an der Naht hinunter. Nach der Sitzung war der Gast so begeistert, dass er sich vor Nadja hinkniete und ihr die Schuhspitze küsste. Danach folgten meine Schuhe, die auch einen Kuss abbekamen. Nadja erfreute das ungemein. „Ach, ein devoter Klinik-Patient. Das hat man selten.“ Wir beide brachten ihn zur Tür und verabschiedeten uns.

Die nächste Lektion, die sie mir beibrachte, handelte vom richtigen Peitschen. Diese Übung kam an einem Sonntagmittag dran. Nicht nur die Handhabe der einzelnen Schlagwerkzeuge, sondern auch das Handling mit der Bullenpeitsche, der Königin aller Peitschen, lehrte sie mich. Einmal konnte ich live zusehen, wie sie mit diesem edlen Schlagwerkzeug umging, Mit welchem Stolz jeder einzelne Schlag ausgeführt wurde und wie präzise sie genau da traf, wo sie wollte! Es gab nichts Eleganteres, als gekonnt und gezielt mit dieser erlesenen Peitsche auszuholen. Als Übungsobjekt nahm ich Christian mit. Um sich vor den Schlägen zu schützen, hatte er seine Lederhose angezogen. SM war überhaupt nicht sein Ding, aber er machte jeden Blödsinn mit.

Nun stand er am Kreuz. Auch nach dem Ertragen etlicher Schlagwerkzeuge wurde er nicht müde und hielt geduldig hin. Die kurzschwänzigen Peitschen waren schnell erlernt. Das Gefühl für die Länge und die Härte der Peitschen ging mir nach und nach ins Blut über. Nur die Körperhaltung ließ noch zu wünschen übrig. Nadja bemängelte das akribisch. Nach jeder Beuge des Oberkörpers schrie sie mich an. „Achtung! Haltung!&

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