Logo weiterlesen.de
Sylter Blut

Über Ben Kryst Tomasson

Ben Kryst Tomasson, geboren 1969 in Bremerhaven, ist Germanist und Pädagoge (M.A.) und promovierter Diplom-Psychologe. Er hat einige Jahre in der Bildungsforschung gearbeitet, ehe er sich als freier Autor selbständig gemacht hat. Tomassons Leidenschaft gehört den Geschichten, die das Leben schreibt, den vielschichtigen Innenwelten der Menschen und dem rauen Land zwischen Nordsee und Ostsee. Wenn er nicht schreibt, verbringt er seine Zeit am liebsten mit einem guten Buch am Meer – oder mit seiner Frau im Café.

Informationen zum Buch

Mördersuche undercover.

Kari Blom kehrt auf Wunsch der Sylter Kollegen für einen neuen Undercover-Einsatz auf die Insel zurück: Eine Diebesbande raubt dort Villen aus und stiehlt wertvollen Schmuck – und plötzlich gibt es einen Toten. Eine heiße Spur führt zu einem Sicherheitsunternehmen, das die Objekte eigentlich schützen soll. Kari wird in das Familienunternehmen eingeschleust und stößt schon bald auf tiefe Konflikte unter den Mitarbeitern. Und auch privat gerät sie in eine Zwickmühle: Der attraktive Hauptkommissar Jonas Voss kennt nun Karis wahre Identität.

Gefährliche Ermittlungen mit der ungewöhnlichen Heldin Kari Blom.

1.

Die alten Damen liefen im Gänsemarsch durch den Garten. Es war eine klare Nacht, am Himmel funkelten die Sterne, und der Wind trug den salzigen Geruch des Meeres herüber. Im Osten wurde es langsam hell.

Fanny Riepenhusen zog die Kapuze ihrer Regenjacke vom Kopf und suchte in den Taschen nach dem Schlüssel für die Terrassentür. Sie tastete nach dem Lichtschalter, und die Lampe neben der Markise flammte auf und warf ihr gelbes Licht auf die roten Terracottafliesen und den frisch gemähten Rasen. Dahinter lag der Garten, der zu der reetgedeckten Villa gehörte, einem der älteren und bescheideneren Anwesen im mittlerweile mondänen Kampen.

»Zieht bloß die dreckigen Stiefel aus«, sagte sie zu den Frauen, die ihr folgten. »Da im Regal stehen Pantoffeln. Ich habe gerade erst den Teppich reinigen lassen.«

Sie wandte sich wieder der Tür zu und hob die Hand, in der sie den Schlüssel hielt. Im nächsten Moment stieß sie einen erstickten Schrei aus. Direkt neben dem Türgriff klaffte ein Loch im Glas, eine kreisrunde Öffnung, groß genug, um hineingreifen und die Tür öffnen zu können.

»Ach du liebe Zeit!« Witta Claaßen, unter deren Kappe weiße Dauerwellen hervorlugten, schlug eine Hand vor den Mund. »Sag nicht, da ist jemand eingebrochen.«

Grethe Aldag zog die Augenbrauen zusammen. Sie war die Einzige, die keine Kopfbedeckung trug und ihre eisgrauen Haare dem Wind ausgesetzt hatte. »Genau so sieht’s aber aus«, konstatierte sie.

Marijke Meenken beugte sich neugierig vor. »Das waren Profis«, befand sie. »Die haben einfach ein Stück der Scheibe mit dem Glasschneider herausgetrennt.« Sie griff nach der Klinke und zog die Terrassentür auf.

Witta erwischte sie am Arm. »Marijke! Du willst doch da nicht reingehen? Was ist denn, wenn die Einbrecher noch da sind?«

Fanny, immer noch mit dem Schlüssel in der erhobenen Hand, keuchte erschrocken auf. »Um Himmels willen!«

Marijke schob ihre Kapuze von den grauen Locken und kramte ihre Taschenlampe hervor, ein großes und schweres Gerät, das nicht nur ein hervorragendes Licht machte, sondern sich nötigenfalls auch zum Zuschlagen eignete. »Die werden die Beine in die Hand nehmen«, prognostizierte sie und betrat entschlossen das dunkle Wohnzimmer. »Immerhin sind wir zu fünft.«

Angst hatte sie, wie sie interessiert feststellte, nicht. Vielleicht, weil sie nicht wirklich glaubte, dass im Inneren des Hauses eine Gefahr lauerte. Womöglich aber auch, weil sie einfach zu alt dafür war. Sie hatte in ihrem Leben weiß Gott schwierigere und gefährlichere Situationen bewältigt.

Grethe, seit jeher furchtlos und zupackend, folgte ihr umgehend, und auch Alma Grieger, die alle unschönen Seiten des Lebens mit Zuckerguss versüßte, wollte nicht zurückstehen. Nur Witta, schon in der gemeinsamen Schulzeit ein Hasenfuß, rang weiter die Hände.

»Wir sollten lieber die Polizei rufen«, schlug sie flüsternd vor, als fürchtete sie, im nächsten Moment von den Ganoven entdeckt und niedergestreckt zu werden.

»Tu das«, entgegnete Marijke freundlich. »Ich habe mein Handy nicht dabei.«

Für einen Augenblick wurde die Sorge auf Wittas Gesicht von einer anderen Emotion abgelöst. »Das machst du doch mit Absicht«, beschwerte sie sich und vergaß dabei, ihre Stimme zu senken. »Damit du die Telefongebühren sparen kannst.«

Marijke verdrehte die Augen. Aber sie kannte ihre Freundin ja nicht anders. Unter allen negativen Gemütsbewegungen, von denen Witta Claaßen beherrscht wurde, rangierte der Geiz an oberster Stelle.

»Mädels!« Alma, die ihre orangerot gefärbten Haare mittlerweile ebenfalls von der Kapuze befreit hatte, wedelte mit den Armen. »Jetzt hört doch damit auf. Wir haben im Moment wirklich andere Sorgen.«

Marijke, die ihrer Freundin nur zustimmen konnte, schaltete die Taschenlampe ein und ließ den Lichtstrahl durch Fannys Wohnzimmer wandern. Er erfasste einen hellen Tisch und eine cremefarbene Couchgarnitur, ein Bücherregal und einen aus rötlichen Steinen gemauerten Kamin. Gregor Riepenhusen, Fannys Mann und ehemaliger Geschäftsführer der Sylter Welle, legte Wert auf ein gediegenes Ambiente.

Grethe, die neben ihr stand, brummte verächtlich. »Das sieht alles aus wie immer«, vermerkte sie.

Fanny, die offensichtlich nicht tatenlos zusehen wollte, wie ihre Freundinnen ihr Haus durchsuchten, lief an ihnen vorbei. Dass sie dabei dunkle Flecken auf dem weißen Flokati hinterließ, bemerkte sie nicht. Marijke dachte kurz darüber nach, ob zumindest sie ihre Gummistiefel ausziehen sollte, entschied sich aber dagegen. Einem möglichen Einbrecher auf Strümpfen gegenüberzutreten, schwächte die eigene Position unnötig.

Sie warf einen Blick zurück auf die Terrasse, wo Witta gerade ihr Seniorenhandy mit dem großen Bedienfeld hervorzog und mit zusammengekniffenen Augen darauf starrte. Wenn sie es schaffte, die Tasten Eins und Null zu finden, würde die Polizei in wenigen Minuten hier sein.

Fanny strebte auf die Tür zum Flur zu.

»Die Briefmarken!«, rief sie dabei. »Gregor kriegt einen Herzinfarkt, wenn die weg sind.«

Was sehr unglücklich wäre, denn tatsächlich hatte er eben erst einen solchen erlitten und befand sich derzeit zur Kur in Mitteldeutschland.

»Ich dachte, ihr habt ’nen Tresor?«, erkundigte sich Grethe, ohne ihre mangelnde Wertschätzung für das Hobby von Fannys Gatten verbergen zu können.

»Sicher.« Fanny hielt kurz inne und drehte sich zu Grethe um. »Aber wenn das Profis waren … Und da sind ja nicht nur die Briefmarken drin, sondern auch der Familienschmuck von Gregors Mutter. Da sind ein paar wirklich wertvolle Stücke dabei.« Sie griff sich an den Hals. »Wenn ich doch bloß die Perlenkette umgelegt hätte«, klagte sie.

»Wer trägt denn ’ne Kette zum Vogelbeobachten?«, knurrte Grethe.

»Ich meine ja nur«, Fanny wandte sich wieder der Tür zum Flur zu, »wenn ich sie tragen würde, wäre sie jetzt nicht weg.«

»Du weißt doch noch gar nicht, ob se weg is«, stellte Grethe richtig.

»Nein.« Fanny öffnete die Tür. »Aber wenn die Einbrecher den Tresor gefunden haben …« Sie führte den Satz nicht zu Ende, sondern erstarrte mitten in der Bewegung. Ihr Mund blieb offen stehen, doch es drang kein Laut heraus.

»Was is nu wieder?«, erkundigte sich Grethe. »Hast du ’n Gespenst gesehen?« Marijke schob sich an Fanny vorbei und richtete den Lichtkegel ihrer Taschenlampe auf das dunkle Bündel, das am Fuß der Treppe lag. Es war ein Mensch, komplett in Schwarz gekleidet, mit einer Sturmhaube über dem Kopf, wie sie Motorradfahrer als Schutz vor Kälte unter dem Helm trugen. Er lag in einer dunklen Pfütze. Erst als Marijke das kleine Loch in seinem Pullover bemerkte, begriff sie, dass es Blut war.

»Nein«, sagte sie und drehte sich zu Grethe um, verwundert darüber, dass sie nicht schrie und ihr Herz nicht raste. Stattdessen empfand sie eine seltsame Distanz, als wäre das alles nur ein böser Traum. »Kein Gespenst. Eine Leiche.«

2.

Jonas Voss schreckte hoch, weil er ein dumpfes Klingeln hörte. Er richtete sich auf und stöhnte unwillkürlich, als ein scharfer Schmerz durch seinen Kopf schoss. Er hatte am Abend zu viel getrunken, wieder einmal. Seit dem letzten Sommer griff er öfter zur Flasche, als ihm guttat. Seit Kari Blom wieder verschwunden war. Seit sie ihn zum zweiten Mal verlassen hatte.

Er wälzte sich aus dem Bett und taumelte die Stufen ins Wohnzimmer hinunter. Wie so oft in den letzten Monaten sah es aus, als wäre ein Sturm hindurchgefegt.

Voss watete zwischen Sofakissen, dem Lego-Nachbau einer mittelalterlichen Schlacht und den Greenpeace-Broschüren hindurch, in denen Finja zur Vorbereitung ihres Referats über die Gefährdung der Meere gelesen hatte. Dabei hatte er am gestrigen Abend eigentlich für Ordnung sorgen wollen, nachdem er Jasper und Finja bei Schulfreunden zu einer Übernachtungsparty abgesetzt hatte. Aber dann war er doch vor dem Fernseher versackt. Und eine Haushaltshilfe gab es nicht mehr.

Olivia Fernandez, das spanische Au-pair-Mädchen, das zwei Jahre bei ihnen gelebt hatte, war nach ihrem Herbsturlaub in der Heimat nicht zurückgekehrt. Sie hatte sich in einen jungen Mann verliebt und war ihm nach Sevilla gefolgt, wo er studierte und sie ihren Schulabschluss nachholen wollte. Eine vernünftige Entscheidung, soweit sie Olivias Lebensweg betraf, aber eine Katastrophe für Jonas. Wenn er ehrlich war, konnte er seine beruflichen Fälle als Kriminalhauptkommissar weitaus besser lösen als die Probleme eines alleinerziehenden Vaters.

In den letzten Monaten hatte er eine ganze Reihe von Kindermädchen engagiert. Die eine Hälfte hatte aufgegeben, weil Jasper sie nicht gemocht hatte und ihnen so lange auf die Nerven gegangen war, bis sie die Arbeit hinwarfen. Und die andere Hälfte war von Finja vergrault worden, die sich mit ihren dreizehn Jahren für erwachsen genug hielt, um allein auf sich und ihren drei Jahre jüngeren Bruder aufzupassen. Hätte Jonas’ Vater, Opa Redlef, nicht ab und an ausgeholfen, hätte Voss längst Schiffbruch erlitten. Aber auf die Dauer konnte es so nicht weitergehen.

Er fand das klingelnde Telefon zwischen zwei Sofakissen und nahm das Gespräch an. Während er sich anhörte, was seine Kollegin Hannah Behrends zu berichten hatte, verstärkten sich seine Kopfschmerzen.

Es hatte wieder einmal ein Einbruch in eine Kampener Villa stattgefunden. Doch dieses Mal waren nicht nur Geld und teurer Schmuck entwendet worden. Dieses Mal gab es auch einen Toten.

* * *

Als er eine halbe Stunde später seinen rostigen Passat vor dem Grundstück im Brönshooger Weg abstellte, waren die Rechtsmedizinerin aus Kiel und die Kollegen von der Spurensicherung aus Flensburg bereits vor Ort. Offenbar hatte er nicht zu den Ersten gehört, die informiert worden waren.

Die Haustür der reetgedeckten Villa öffnete sich, und Voss’ Kollegin Hannah Behrends trat heraus. Sie streifte ungeduldig den weißen Tyvek-Anzug ab, der zum Betreten eines Tatorts nötig war. Darunter trug sie Jeans und Turnschuhe und einen roten Pullover, der ebenso leuchtete wie unter dem blonden Bob ihre blauen Augen. Vermutlich, weil sie im Gegensatz zu ihm Fälle liebte, die spannender waren als der Diebstahl von Fahrrädern und Handtaschen.

»Endlich«, sagte sie und betrachtete ihn stirnrunzelnd. »Ich habe drei Stunden lang versucht, dich zu erreichen.«

Jonas Voss konnte an ihrem Blick ablesen, dass er genauso zerschlagen aussah, wie er sich fühlte. Er hatte nicht die Energie aufgebracht, sich zu rasieren, und seine wirren braunen Haare hatten sich den Bemühungen, sie mit der Bürste zu bändigen, erfolgreich widersetzt. Er schob die Ärmel seiner abgewetzten Lederjacke nach oben und dachte, dass er sich wirklich zusammenreißen musste. Andernfalls würde er über kurz oder lang wie ein Penner herumlaufen.

»Ich habe das Telefon nicht gehört«, sagte er lahm. »Es lag unter den Sofakissen.«

Hannah lächelte ihn an. »Wenn du Hilfe brauchst … zu Hause oder mit den Kindern …«

Sie sprach nicht weiter, aber Voss verstand die Botschaft auch so. Hannah ließ seit Jahren keinen Zweifel daran, dass sie ihn mochte und gerne den Platz der Frau einnehmen würde, die in seinem Leben fehlte. Und vielleicht hätte er ihr sogar eine Chance gegeben – wäre da nicht Kari Blom gewesen. Kari, die ihm im Sommer vor zwei Jahren sein Herz geraubt hatte, als sie für die Recherchen zu einem Buch über einen Sylter Bauunternehmer auf die Insel gekommen war. Kari, die angeblich Schriftstellerin war, im letzten Jahr aber an der Kasse eines Delikatessenmarkts gearbeitet hatte und beide Male in die spektakulären Mordfälle verwickelt gewesen war, in denen Voss und Hannah ermittelt hatten. Und jedes Mal, wenn der Täter gefasst war und er geglaubt hatte, es könnte eine Chance für sie beide geben, war sie einfach verschwunden.

Jonas Voss schüttelte den Gedanken ab. Wenn er sein Leben wieder in den Griff bekommen wollte, war der erste und wichtigste Schritt, sich Kari endlich aus dem Kopf zu schlagen.

»Was ist denn passiert?«, erkundigte er sich.

Hannah stellte ihr Lächeln ein und zog stattdessen ihr iPad hervor.

»Wieder ein Einbruch«, sagte sie sachlich, ohne sich ihre Enttäuschung über Voss’ Zurückweisung anmerken zu lassen.

»Das Haus gehört Gregor und Fanny Riepenhusen«, erläuterte sie. »Riepenhusen ist der ehemalige Geschäftsführer der Sylter Welle. Die Einbrecher haben mit einem Glasschneider ein Loch in die Terrassentür geschnitten und sich darüber Zutritt verschafft. Sie haben im Arbeitszimmer des Hausherrn etliche Schubladen durchwühlt und den Tresor aufgebrochen. Wir haben gerade Fotos gemacht, damit die Besitzer sehen können, ob etwas fehlt. Der Tresor ist jedenfalls leer.« Sie hielt ihm das iPad hin, und er sah auf dem Display eine massive Stahltür mit einem Tastenfeld.

»Wie haben die den aufgekriegt?«, erkundigte er sich. »Wissen die Kollegen das schon?«

»Ja, allerdings.« Hannah schnitt eine Grimasse. »Auf die denkbar einfachste Art, die du dir vorstellen kannst. Die Diebe haben die Tasten mit Fingerabdruckpulver bestäubt. Dadurch kann man sehen, welche Ziffern benutzt worden sind und welche nicht. Wenn man weiß, wie viele Stellen der Code bei dem Tresormodell hat – was man problemlos im Internet nachlesen kann –, bleiben nicht viele mögliche Zahlenkombinationen übrig. Die hat man schnell durchprobiert.«

Jonas Voss verspürte widerwilligen Respekt und schnalzte mit der Zunge.

»Clever. Und dann?«

»Dann ist es möglicherweise zum Streit gekommen. Jedenfalls liegt einer der Einbrecher tot im Flur. Erschossen.«

Jonas Voss blickte zum Haus. »Spuren?«

»Bisher nicht.«

»Und wer hat den Toten gefunden?«

»Fanny Riepenhusen. Sie war mit ein paar Freundinnen auf einer Nachtwanderung an der Odde, um Vögel zu beobachten.« Erneut stahl sich ein Lächeln auf Hannahs Lippen. »Wir kennen die Damen übrigens. Sie gehören alle zum Sylter Häkelclub. Neben Fanny waren es«, sie warf einen Blick auf die Liste, die sie auf ihrem iPad erstellt hatte, »Witta Claaßen, Alma Grieger, Grethe Aldag und Marijke Meenken.«

Voss spürte, wie ihn widersprüchliche Gefühle durchzuckten, eine Mischung aus plötzlicher Sehnsucht und heftiger Abwehr. Marijke Meenken war die Frau, in deren Gartenhaus Kari während ihrer Besuche in den vergangenen beiden Jahren gewohnt hatte. Und Marijke und ihre Häkelfreundinnen hatten bei der Aufklärung der Mordfälle, in die Kari verwickelt gewesen war, kräftig mitgemischt. Unter diesen Umständen würde es nicht leichter werden, Kari zu vergessen. Oder war sie womöglich sogar wieder auf Sylt? Jonas Voss wagte nicht, danach zu fragen, weil Hannahs Laune dann vermutlich unter den Nullpunkt sinken würde.

»Hast du schon mit den Damen gesprochen?«, erkundigte er sich stattdessen.

»Nein. Nur ganz kurz mit Frau Riepenhusen.« Hannah schob ihr iPad zurück in die Tasche. »Sie sind alle ein bisschen neben der Spur. Sie brauchten erst mal einen Schnaps. Und ich dachte, wir machen das zusammen.«

Jonas Voss schaute wieder zum Haus. Einen Schnaps hätte er jetzt auch gern gehabt.

»Also dann«, sagte er.

* * *

Es sah aus wie eine Gartenparty. Fast hätte Jonas Voss gelacht, als er die fünf alten Damen sah. Doch das wäre in dieser Situation wohl kaum die passende Reaktion gewesen.

Weil sie nicht ins Haus durften, um keine Spuren zu zerstören, hatten die Häkelfreundinnen den Tisch und die hölzernen Klappstühle von der Terrasse in den hinteren Teil des Gartens geschafft und die Auflagen aus dem Holzhaus geholt, in dem die Riepenhusens ihre Gartengeräte verwahrten. Sie hatten sich in Wolldecken gewickelt und die Kapuzen ihrer bunten Regenjacken über die Köpfe gestülpt. Es war noch kalt an diesem frühen Samstagmorgen, so wie an den meisten Morgen in diesem wechselhaften Frühling.

Die Frauen sahen allerdings nicht so aus, als würden sie frieren. Jede von ihnen hielt ein Schnapsglas in der Hand, und auf dem Tisch stand eine Flasche Küstennebel, in der sich kaum noch ein Daumenbreit Flüssigkeit befand. Entsprechend gelöst wirkten die Damen, als sie Jonas Voss und Hannah Behrends freundlich zuwinkten. Den Schock über den Fund des Toten hatten sie offenbar schnell überwunden. Nur die grauhaarige Frau in der grünen Regenjacke, bei der es sich um Fanny Riepenhusen handeln musste, machte einen mitgenommenen Eindruck. Schließlich war es ihr Haus, in dem der Tote gefunden worden war.

Voss schaute zur Terrassentür, über die sich die Einbrecher Zugang verschafft hatten. Jetzt waren dort die in weiße Tyvek-Anzüge gehüllten Kollegen von der Spurensicherung am Werk und suchten nach Spuren. Einer der Männer blickte zu ihm herüber und tippte sich grüßend an die Stirn. Voss erwiderte die Geste und ging dann an der Terrasse vorbei ans Ende des Gartens.

»Hallo.« Jonas Voss blieb neben dem großen Holztisch stehen und musterte die Mitglieder des Häkelclubs. Er konnte sich noch gut an sie erinnern.

Die Frauen nahmen eilig ihre Kapuzen ab. Sie gehörten zu einer Generation, die noch Wert auf Etikette legte. Eine von ihnen stand auf und reichte ihm die Hand. Sie hatte kurze graue Locken und wache, leuchtende Augen. Marijke Meenken, Kapitänswitwe, wohnhaft in Braderup.

»Hallo, Herr Kriminalhauptkommissar Voss«, begrüßte sie ihn und wandte sich dann seiner Kollegin zu. »Und Frau Behrends, richtig?«

»Kriminalkommissarin Behrends«, korrigierte Hannah.

»Ja natürlich, Kindchen«, sagte Marijke Meenken und tätschelte ihr den Arm.

Jonas Voss verspürte schon wieder den Impuls zu lachen und wandte sich eilig den anderen Damen zu. Eine hagere Frau in einer steifen weißen Regenjacke mit einer Frisur, die an Marlene Dietrich erinnerte, rückte ihre Dauerwelle zurecht. Witta Claaßen, Kampener Landarztwitwe.

»Ich hoffe, Sie finden die Täter schnell«, näselte sie. »Man fühlt sich ja seines Lebens nicht mehr sicher.«

»Nu übertreib mal nicht«, mischte sich ihre Sitznachbarin ein. Blauer Anorak, eisgraue Haare und eine stoische Miene. Grethe Aldag, Witwe des Keitumer Klempnermeisters Etzard Aldag. »Die haben ja nicht uns angegriffen. Die murksen sich nur gegenseitig ab.«

Voss sah sie interessiert an. »Wie kommen Sie darauf?«, erkundigte er sich. »Dass der Einbrecher von einem Komplizen erschossen wurde?«

Grethe wandte ihm den Kopf zu. Voss wusste, dass sie um die achtzig war, aber ihre grauen Augen waren wach und klar wie die eines jungen Mädchens.

»Wer soll’s denn sonst gewesen sein?«, entgegnete sie. »Fannys Mann Gregor ist nicht auf Sylt, und eine Pistole hat er auch nicht. Und dass zufällig irgendjemand anderes im Haus war, der einen Grund hatte, diesen Mann zu töten, ist doch wohl mehr als unwahrscheinlich.«

Jonas Voss nickte. Dasselbe hatte er auch gedacht.

Witta Claaßen griff sich an die Brust. »Schlimm genug!«, sagte sie. »Das zeigt doch, dass diese Leute skrupellos und gewaltbereit sind. Was passiert denn, wenn sich ihnen beim nächsten Mal jemand in den Weg stellt?«

Grethe machte eine wegwerfende Geste. »Da würd’ ich mir keine Sorgen machen. Die geben Fersengeld und hauen ab.«

Die Landarztwitwe funkelte sie böse an. »Du hast leicht reden. Bei dir bricht ohnehin keiner ein. Da gibt es ja nichts zu holen.«

Grethe hob die Augenbrauen. »Tja. Da kannste mal sehen, dass das Bodenständige auch seine Vorteile hat.«

Witta rümpfte die Nase. Marijke Meenken ging dazwischen, ehe der Disput weiter ausarten konnte.

»Kinder!«, schimpfte sie. »Ihr benehmt euch wie ein paar dumme alte Gänse. Vielleicht denkt ihr auch mal daran, dass hier ein Mensch gestorben ist. Und dass man Fanny und Gregor bestohlen hat.« Sie blickte ihre Häkelfreundinnen auffordernd an. »Wir sollten Kommissar Voss helfen, die Ganoven zu ergreifen.«

Witta und Grethe neigten beide nicht zu übermäßiger Selbstkritik, protestierten aber nicht. Alma Grieger, die den inneren Zirkel des Häkelclubs komplettierte, stellte ihr Schnapsglas ab und fuhr sich durch die orangerot gefärbten Haare. Sie war, wie Voss wusste, die Witwe eines Westerländer Bäckers und diejenige in der Runde, die mit ihrer guten Laune die Risse kittete.

»Wenn wir das können«, sagte sie entgegenkommend.

Hannah aktivierte die Tastatur auf ihrem iPad. »Erzählen Sie uns doch bitte genau, wie Sie den Toten gefunden haben.«

»Ach.« Almas Miene verdüsterte sich. »Das war so eine schöne Nachtwanderung. Wir waren an der Hörnum-Odde. Da haben wir letzte Woche einen Uhu entdeckt, der in einem Baum neben dem Leuchtturm sein Nest gebaut hat. Wir wollten sehen, ob es den Sturm gestern gut überstanden hat. Und ob die Uhus ihren Nachwuchs füttern.«

»Ach so?« Jonas Voss fiel wieder ein, dass die alten Frauen nicht nur gemeinsam häkelten, sondern auch begeisterte Hobby-Ornithologinnen waren.

»Alma.« Marijke Meenkens Stimme klang ungeduldig. »Ich glaube kaum, dass das für die Kommissare wichtig ist.«

»Aber sie«, Alma deutete auf Hannah Behrends, »hat doch gesagt, wir sollen es ganz genau erzählen.«

»Das heißt aber nicht, dass du bei Adam und Eva anfangen musst«, monierte Witta Claaßen.

Doch Alma ließ sich nicht beirren und berichtete haarklein die ganze Geschichte von der Ankunft im Garten über den versäumten Schuhwechsel bis hin zum Streit, ob man nun hineingehen oder lieber die Polizei rufen solle, und schließlich von dem mehrheitlichen Entschluss, die Sache selbst in Augenschein zu nehmen.

Voss verspürte etwas, das verdächtige Ähnlichkeit mit Zahnschmerzen hatte.

»Sie hätten das nicht tun dürfen«, tadelte er. »Vermutlich haben Sie damit den größten Teil der Fährten im Haus selbst verursacht und damit die Spuren der Täter überdeckt.«

»Oje!«, entfuhr es Marijke Meenken, und sie schaute reumütig zu Fanny Riepenhusen. »Wir hätten die Pantoffeln anziehen müssen.«

»Nein.« Voss sah die alten Damen streng an. »Sie hätten das Haus gar nicht betreten dürfen. Das ist Sache der Polizei. Frau Claaßen hat vollkommen richtig gehandelt.«

Die Augen von Witta Claaßen leuchteten auf.

Hannah warf ihrem Kollegen einen schiefen Blick zu.

»Vor allem«, ergänzte sie, an die alten Frauen gewandt, »hätten Sie das Haus nicht betreten sollen, um sich selbst nicht zu gefährden.«

Voss hüstelte ertappt. »Ja, natürlich. Die eigene Sicherheit geht immer vor.«

Witta Claaßen wandte sich ihren Häkelfreundinnen zu.

»Hab ich’s euch nicht gesagt?«

»Ach was.« Grethe Aldag wischte ihren Einwand beiseite. »Wir haben uns ja nicht auf die Räuber gestürzt. Wir haben bloß mal geguckt.«

»Das war sehr leichtsinnig von Ihnen«, beharrte Hannah. »Schließlich hätten die Diebe noch im Haus sein können.«

»Einer von ihnen war auch noch drin«, bemerkte Grethe. »Aber der war tot.«

Witta kräuselte die Lippen. »Das konntet ihr aber nicht wissen.«

Marijke seufzte. »Wir waren zu viert. Und ich hatte meine Taschenlampe dabei. Die ist groß und schwer. Notfalls hätte ich sie dem Langfinger über den Schädel gezogen.«

Jonas Voss betrachtete die alte Dame und stellte fest, dass er ihr das tatsächlich zutraute. Er beschloss, die Diskussion nicht weiter fortzusetzen. Er hatte nicht das Gefühl, dass er die Häkelfrauen zur Einsicht bewegen würde, und im Augenblick gab es Dringenderes zu tun.

»Und dann?«, fragte er.

»Fanny ist plötzlich eingefallen, dass die Einbrecher in Gregors Arbeitszimmer sein könnten«, berichtete Marijke weiter. »Er hat dort einen Tresor für seine Briefmarkensammlung. Fanny hat die Tür zum Flur aufgerissen, und da hat sie den Mann entdeckt.«

Jonas Voss wandte sich an Fanny Riepenhusen, die Einzige, die bisher keinen Ton gesagt hatte.

»Was haben Sie gesehen?«

Fanny hob den Kopf, als würde sie aus einem tiefen Traum erwachen. In diesem Fall wahrscheinlich einem Alptraum.

»Nichts«, sagte sie. »Zuerst habe ich gar nichts gesehen. Nur einen dunklen Haufen. Dann ist mir klar geworden, dass es sich um einen Menschen handelt. Und dass das um seinen Körper herum Blut ist.«

Voss schaute zu Hannah, die alles, was die Frauen berichteten, auf ihrem iPad notierte.

»Der Tresor«, sagte er. »War der für jeden sichtbar oder versteckt?«

»Versteckt?« Fanny Riepenhusen schaute verwirrt. »Ach so, ja. Gregor hatte ein Bild davor gehängt. Irgendwas Abstraktes. Kandinsky, glaube ich.«

Jonas Voss schmunzelte. Es war normal, dass Menschen unter Schock nur schwer zwischen relevanten und unwichtigen Informationen unterscheiden konnten.

»Und wer wusste von diesem Tresor?«, fragte er weiter.

»Niemand!«, sagte Fanny empört. »Na ja, außer unseren Freunden natürlich. Aber die würden ja nicht mit Einbrechern gemeinsame Sache machen.«

Hannah rief ein Bild auf ihrem iPad auf und zeigte es der Hausbesitzerin.

»Können Sie erkennen, ob da irgendwas fehlt?«

»Nein.« Fanny Riepenhusen kniff die Augen zusammen. »Das sieht alles aus wie immer. Aber in den Schubladen war auch nichts Wertvolles. Das ist alles im Tresor.«

Hannah schob das Foto beiseite und zeigte das nächste.

»Den haben die Einbrecher aufgebrochen«, erklärte sie.

Fanny blickte auf das Bild des leeren Tresors.

»Oh Gott! Gregors Briefmarken! Und der Familienschmuck seiner Mutter. Alles weg!« Sie schaute zu Grethe. »Hab ich’s nicht gesagt? Ich hätte die Kette doch umlegen sollen.«

Grethe beugte sich vor, um ebenfalls auf das Display zu sehen.

»Tja«, konstatierte sie. »Nu isse jedenfalls weg.«

Voss kämpfte erneut gegen unangebrachte Heiterkeit. Er räusperte sich und sah die Häkelfrauen ernst an.

»Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?«, erkundigte er sich.

Die alten Damen wechselten fragende Blicke. Schließlich hob Marijke Meenken stellvertretend für alle die Hände.

»Tut mir leid«, erklärte sie. »Ich fürchte, mehr können wir Ihnen nicht sagen.«

Voss wandte sich an Fanny Riepenhusen. »Eine Frage hätte ich noch.«

»Ja?«

»Haben Sie eine Alarmanlage?«

»Selbstverständlich!« Fanny erhob sich halb von ihrem Stuhl und sank dann wieder zurück. »Jetzt, wo Sie das fragen … Das ist komisch. Eigentlich hätte sie auslösen müssen, und der Sicherheitsdienst, der sie eingebaut hat, hätte nach dem Rechten sehen müssen.« Sie dachte kurz nach. »Ich bin mir sicher, dass ich sie eingeschaltet habe, ehe wir zur Odde gefahren sind.«

Jonas Voss kniff die Augen zusammen. Für sich genommen waren Einbruchdiebstähle auf einer Insel wie Sylt mit vielen teuren und häufig leer stehenden Zweitwohnsitzen nicht ungewöhnlich. Doch der Einbruch bei den Riepenhusens war der dritte innerhalb von fünf Wochen. Und alle drei Fälle wiesen merkwürdige Besonderheiten auf.

Zum einen war – anders als bei Einbruchdiebstählen üblich – nicht alles durchwühlt worden. Normalerweise suchten Diebe systematisch nach Wertgegenständen. Sie zogen sämtliche Schubladen auf und öffneten alle Dosen, die oben auf Schränken standen, weil die Leute an solchen Orten oft Geldreserven versteckten, und natürlich nahmen sie alle Flachbildschirme, Handys, Kameras und dergleichen mit. Doch bei den beiden letzten Einbrüchen, genau wie bei diesem, hatten die Einbrecher das nicht getan. Es schien, als hätten sie genau gewusst, wo sie nach Beute suchen mussten – und wie man die Alarmanlage wirksam umging.

Das war der zweite Punkt, der Voss irritierte. In fast jeder Sylter Villa gab es Sicherheitssysteme, komplizierte Anlagen, die einen Alarm auslösten, wenn Türen oder Fenster von außen geöffnet wurden oder eine Lichtschranke passiert wurde. Das Signal ging in den meisten Fällen direkt an den Security-Dienst, der dann sofort ein Team zu der betroffenen Adresse schickte und die Polizei informierte. Bei den beiden vorherigen Einbrüchen allerdings hatte genau wie hier die Alarmanlage versagt.

Selbstverständlich konnte Fanny Riepenhusen sich täuschen. Es kam oft genug vor, dass Hausbesitzer nur glaubten, sie hätten den Alarmschutz aktiviert, während sie es in Wirklichkeit vergessen hatten. Doch wenn auch hier das System nicht funktioniert hatte …

Er wollte gerade einen der Kriminaltechniker anfunken, um sich danach zu erkundigen, als er aus dem Augenwinkel eine in weißes Tyvek gehüllte Gestalt bemerkte, die auf ihn zukam. Erst als sie die Kapuze abnahm und ihren blonden Lockenkopf enthüllte, erkannte er Professor Doktor Susanne Lorenz vom Rechtsmedizinischen Institut am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Er ging ihr entgegen, damit die alten Damen nicht mitbekamen, worüber er mit ihr sprach.

»Moin«, sagte die Rechtsmedizinerin, die nie mehr Worte als nötig verlor. Jonas Voss, der an Leichenfundorten ebenfalls nicht sonderlich redselig war, empfand das als angenehm.

»Moin«, erwiderte er. »Können Sie schon etwas sagen?«

Susanne Lorenz vollführte eine vage Geste mit der rechten Hand, die in einem weißen Latexhandschuh steckte. »Keine großen Überraschungen. Der Mann wurde erschossen, aber das sieht man ja auch so. Todeszeit schätzungsweise zwischen Mitternacht und zwei Uhr heute Morgen.«

Also vermutlich relativ kurz, nachdem Fanny mit ihren Vogelfreundinnen zu ihrer Exkursion aufgebrochen war.

»Die Kollegen von der Spurensicherung haben zwei Patronenhülsen gefunden«, ergänzte die Rechtsmedizinerin. »Sie sind schon per Kurier auf dem Weg nach Kiel in die KTU

Der Täter hatte also zweimal abgedrückt. Und die Kriminaltechniker im LKA würden feststellen können, mit welchem Waffentyp die Schüsse abgegeben worden waren und ob die Waffe möglicherweise schon bei anderen Straftaten verwendet worden war.

»Der erste Schuss hat die rechte Schulter des Opfers getroffen«, berichtete Susanne Lorenz weiter. »Der zweite ging durch die Brust direkt ins Herz.«

Sie blickte zurück zum Haus.

»Todesursächlich war vermutlich der Treffer ins Herz«, fuhr sie dann fort. »Der Abstreifring zeigt, dass der Schuss nahezu aufgesetzt war, der Schusskanal verläuft gerade. Der tödliche Einschuss kam also aus kurzer Distanz von vorn. Sonstige Verletzungen habe ich nicht feststellen können, aber wir entkleiden den Leichnam natürlich auch erst in der Rechtsmedizin vollständig.«

»Das heißt, Täter und Opfer haben beide am Fuß der Treppe gestanden?«, fragte Voss. »Er ist nicht die Stufen heruntergestürzt?«

»Nein.« Die Rechtsmedizinerin lächelte knapp. »Das können wir aufgrund der Körperlage ausschließen. Der Kopf des Toten weist zur Treppe. Wäre er gestürzt, müssten die Füße zu den Stufen zeigen. Und der Einschusswinkel wäre ein anderer, wenn man ihn beim Heruntersteigen beschossen hätte.«

Voss nickte nachdenklich.

»Haben Sie Hinweise darauf gefunden, ob es vorher eine handgreifliche Auseinandersetzung gab?«

Susanne Lorenz strich ihre widerspenstigen Locken zurück.

»Wie gesagt, es ist nur ein vorläufiger Befund, aber meiner ersten Einschätzung nach hat es außer den beiden Schüssen keine Angriffe vonseiten des Täters gegeben. Was das Opfer getan hat, können wir natürlich nur raten.«

»Also hat jemand den Einbrecher ertappt und einfach auf ihn geschossen?«, fragte Hannah Behrends, die dazugestoßen war. »Oder es waren mehrere Einbrecher, und es gab einen Streit? Unter Komplizen oder zwischen zwei Tätern, die zur selben Zeit in dasselbe Objekt eingebrochen sind?«

Die Rechtsmedizinerin wehrte ab.

»Die Interpretation überlasse ich Ihnen. Ich wollte Ihnen eigentlich nur das Foto geben, das ich von dem Toten gemacht habe.« Sie öffnete den Reißverschluss ihres Anzugs, zog ein Smartphone aus der Tasche und hielt es fragend hoch.

Hannah griff nach ihrem iPad. »Das können Sie mir direkt schicken«, schlug sie vor und diktierte der Rechtsmedizinerin ihre Mobilfunknummer.

Jonas Voss sah zu, wie sie die Zahlen eingab und nach einem leisen Piepen das Bild des toten Einbrechers auf dem Display erschien. Das war ohne Frage praktisch. Aber er selbst bevorzugte trotzdem Fotos, die man in die Hand nehmen konnte, und Notizen, die man mit Papier und Stift anfertigte. Auch wenn er für gewöhnlich weder das eine noch das andere fand, wenn er es brauchte.

Hannah hielt ihm ihr Tablet hin. »Hast du den schon mal gesehen?«

Jonas Voss kniff die Augen zusammen. Der Tote war ein junger Mann, vermutlich Anfang bis Mitte zwanzig. Die dichten dunklen Haare, von denen keines länger als zwei Zentimeter war, und der gleichermaßen sorgsam und phantasievoll gestutzte Bart ließen das Gesicht noch blasser erscheinen, als es im Tod ohnehin war.

»Nein«, sagte er.

Hannah deutete auf die Häkeldamen, die gerade den letzten Rest Küstennebel auf die Gläser verteilten und bereits wieder angeregt debattierten. »Wir sollten sie fragen, ob sie ihn kennen.«

Voss bedankte sich bei der Rechtsmedizinerin und sah zu, wie sie zurück zum Haus stapfte und die Kapuze ihres weißen Overalls über den blonden Lockenkopf stülpte, ehe sie eintrat. Dann ging er mit Hannah zu den Häkelfrauen.

»Verzeihen Sie«, unterbrach er ihr Gespräch. »Nur noch eine letzte Frage. Wir müssten wissen, ob Ihnen der Tote bekannt ist.«

Witta Claaßen schaute ihn missbilligend an. »Woher sollen wir das wissen? Der hatte doch so eine Schlupfmütze über dem Kopf. Eine Sturmhaube oder Skimaske oder wie man sonst noch dazu sagt. Und wir haben nichts angefasst. Wir sind ja nicht von gestern.«

»Nee. Du bist von vorgestern«, konterte Grethe Aldag und nahm das iPad entgegen, das Hannah ihr hinhielt. »Stell dir vor: Die haben ein Foto von dem Mann gemacht. Ohne die Sturmhaube.«

Witta presste verstimmt die Lippen aufeinander. Grethe musterte den Toten auf dem Display.

»Nee«, sagte sie schließlich und reichte das Gerät an Marijke Meenken weiter. »Den hab ich noch nie gesehen.«

Marijke kramte ihre Brille hervor und betrachtete das Foto eingehend. »Ich auch nicht«, bedauerte sie.

Witta riss ihr das Gerät aus der Hand. »Lass mich mal.« Sie wendete das iPad und gab einen erschrockenen Laut von sich, als sich das Foto automatisch drehte.

»Ach was. Das ist ja doll.« Sie schwenkte das Gerät wieder in die Senkrechte und gleich darauf erneut in die Waagerechte. Das Bild des Toten machte die Bewegungen geschmeidig mit.

»Haben Sie den Mann schon mal gesehen?«, fragte Hannah hoffnungsvoll.

»Hm?« Witta hörte auf, mit dem iPad zu spielen. »Ach so. Nein. Tut mir leid.« Sie gab das Gerät widerstrebend an Alma weiter. Die zog routiniert mit zwei Fingern das Foto auf dem Display größer.

Grethe zwinkerte Witta zu. »Tja. Das kann dein olles Seniorenhandy nicht, was?«

Witta hob das Kinn. »Nein. Aber so einen Tüddelkram brauche ich auch nicht.«

»Trotzdem hättste ihn gern«, feixte Grethe.

Alma schaute auf, ohne die beiden zu beachten.

»Nein. Ich kenne den Mann leider auch nicht«, erklärte sie und streckte Fanny Riepenhusen, die mit leerem Blick in ihr Schnapsglas starrte, das iPad entgegen.

Fanny schreckte auf. »Ach so.« Sie nahm das Gerät und warf einen flüchtigen Blick auf das Display. Im nächsten Moment weiteten sich ihre Augen, und sie fixierte das Bild ungläubig.

»Das …«, keuchte sie, »… das ist der Mann von Sylt Guard. Der die Alarmanlage eingebaut hat.«

Grethe lachte auf. »Kein Wunder, dass sie nicht angeschlagen hat«, bemerkte sie.

Jonas Voss spürte, wie sich sein Puls beschleunigte. Also war es in der Tat kein Zufall, dass bei den letzten drei Einbrüchen die Diebe offenbar so genau gewusst hatten, wo sie nach Beute suchen mussten. Und dass sie kein Problem gehabt hatten, die Sicherheitseinrichtungen zu überwinden. Alarmsysteme, die allesamt von Sylt Guard stammten. Er hatte geglaubt, dass die Täter womöglich einen Tippgeber in der Security-Firma hatten, doch tatsächlich waren es offenbar die Angestellten selbst, die sich als Diebe betätigten.

Hatten sie es hier mit organisiertem Verbrechen zu tun?

Er würde bei den Kollegen vom Landeskriminalamt in Kiel um Ermittlungshilfe ersuchen. Bei einem Fall von bandenmäßiger Kriminalität, der außerdem ein Todesopfer gefordert hatte, war das kaum zu umgehen. Hier auf Sylt fehlte einfach das Personal für umfassende Ermittlungen. Und die Tatsache, dass sich die Täter unter Umständen in einem lokalen Sicherheitsunternehmen verschanzten, machte die Sache nicht einfacher.

Die Beamten vom LKA hatten ganz andere Möglichkeiten. Sie verfügten über das neueste technische Equipment und konnten eine große Zahl von Verdächtigen observieren oder abhören. Womöglich würden sie sogar einen Undercover-Ermittler einschleusen, der die Organisation der Diebesbande von innen knackte.

Sollte er das vorschlagen? Vielleicht war es mit Kanonen auf Spatzen schießen, aber ihm gefiel die Idee.

3.

Das Wasser leuchtete in einem strahlenden Türkis. Der Himmel war von einem hellen, durchscheinenden Blau. Und die zarten weißen Wolken, die in einer geraden Linie vorbeizogen, sahen nicht so aus, als könnten sie diesem herrlichen Frühlingstag etwas anhaben.

Karolina Dahl joggte in lockerem Tempo den Spazierweg an der Förde entlang. Rechts von ihr blühten die Büsche in zartem Rosa, links streckten die Bäume ihr junges Grün der Sonne entgegen. Auf den Koppeln dahinter grasten einige Pferde, auf der anderen Seite der Förde ragte das Marineehrenmal in Laboe auf.

Karolina hatte ihren Twingo auf dem Parkplatz am Surfkiosk abgestellt und joggte jetzt zum schwarz-weiß gestreiften Bülker Leuchtturm, der auf halbem Weg nach Dänisch-Nienhof auf die Ostsee blickte.

Ein paar Meter von ihr entfernt landete eine Möwe auf dem Weg und zerrte an einer Plastiktüte herum. Karolina musste unwillkürlich an die Möwen auf Sylt denken, die den Touristen ihre Brötchen oder Eiswaffeln einfach aus der Hand stahlen, und eine plötzliche Sehnsucht erfasste sie. Nach dem unvergleichlich klaren Licht. Nach der salzigen Brise, die dort so viel intensiver war als hier an der Ostsee. Und nach Jonas Voss. Dem Mann, der ihr Herz ins Stolpern gebracht hatte, und mit dem es trotzdem keine Zukunft gab.

Zweimal hatte sie sich gewünscht zu bleiben und war doch gegangen. Weil sie andernfalls ihren Job hätte wechseln müssen. Und dieses Opfer war ihr zu groß erschienen. Doch seit dem letzten Sommer fragte sie sich immer wieder, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Sie verschärfte ihr Tempo, als sie merkte, dass ihre Gedanken wieder dieselben Schleifen zu drehen begannen. Sie überholte einen anderen Läufer und wollte gerade zu einem Sprint ansetzen, als das Telefon in ihrer Tasche zu klingeln begann.

Schwer atmend blieb sie stehen und nahm den Anruf entgegen.

»Hallo, Kari.« Die Stimme von Kriminalrat Ole Lund klang dynamisch und gut gelaunt wie immer. Seit er sich diesen Spitznamen für ihre Sylter Einsätze ausgedacht hatte, machte er sich einen Spaß daraus, sie damit anzusprechen.

»Hallo, Ole.« Karolina setzte sich auf eine der Bänke, die an der Promenade standen, und schaute auf die Ostsee. Sie wünschte sich, dass es Kari Blom nie gegeben und sie Jonas Voss einfach so, in ihrem richtigen Leben als Karolina Dahl kennengelernt hätte. Aber es war müßig. Die Vergangenheit ließ sich nicht ändern.

»Ich nehme an, du läufst?«, erkundigte sich ihr Vorgesetzter.

»Ja«, entgegnete Karolina knapp.

»Hm«, machte Lund. »Soll ich dich fragen, wovor du wegläufst? Nein …«, beantwortete er seine eigene Frage, ehe sie etwas erwidern konnte. »Ich vermute, ich weiß es auch so.«

Karolina löste ihre Wasserflasche vom Gürtel und trank. Sie hatte keine Lust auf Lunds Geplänkel. Und schon gar nicht auf seine Anspielungen auf die Diagnosen ihrer Mutter, einer Psychotherapeutin, die die Ansicht vertrat, dass ihre Tochter eine ungesunde Angst vor Nähe und vor Kontrollverlust hatte. Dass Lund und ihre Mutter womöglich recht hatten, machte die Sache nicht besser.

»Was willst du?«

»Oh, oh.« Lund lachte leise. »Hast du schlecht geschlafen?« Wieder wartete er ihre Antwort nicht ab. »Ich habe einen Auftrag für dich.«

Sofort verspürte Karolina die freudige Erregung, die sie jedes Mal durchströmte, wenn ihr Beruf eine neue Herausforderung für sie bereithielt.

»Gern. Hauptsache, es ist nicht wieder Sylt«, entgegnete sie.

Lund ging nicht darauf ein.

»Wir sollen in einem Fall von bandenmäßigen Schmuckdiebstählen Ermittlungshilfe leisten. Anscheinend sitzen die Täter in der Sicherheitsfirma, die für den Schutz der betreffenden Objekte zuständig ist«, erläuterte er.

»Aha?« Karolina stand auf und ging gemächlich den Weg an der Förde entlang, zurück in Richtung des Surfkiosks. Das klang interessant. Und ein Einsatz fernab irgendeines Meeres würde sie hoffentlich auf andere Gedanken bringen.

»Der Kollege, mit dem du zusammenarbeiten sollst, ist auf dem Weg zu mir«, sagte Lund. »Wann kannst du hier sein?«

Karolina warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. »Gib mir eine Stunde«, sagte sie.

»Gut.« Lund klang zufrieden. »Dann erwarte ich dich um fünfzehn Uhr in meinem Büro.« Karolina hörte ein leises Quietschen, wahrscheinlich, weil sich Lund in seinem Schreibtischsessel zurücklehnte. »Ich bin sicher, deine neue Aufgabe wird dir gefallen.«

Damit legte er auf, und Karolina schaute verblüfft auf ihr Smartphone.

So wie sie Ole Lund kannte, hatte die Sache einen Haken, den er ihr natürlich verschwiegen hatte. Mit einem unangenehmen Grummeln im Magen machte sie sich auf den Weg. Wirklich verärgert konnte sie dennoch nicht über Lund sein, dafür schätzte sie ihn zu sehr. Auch wenn er sie gelegentlich auf die Palme brachte. Im Ernstfall war er ein Freund, auf den sie sich zu hundert Prozent verlassen konnte.

4.

»Frau Behrends!« Burkhard Sievert, Eigentümer und Geschäftsführer der Firma Sylt Guard, schüttelte Hannahs Hand und musterte sie mit schiefgelegtem Kopf. »Muss ich mir Sorgen machen?«

Er winkte sie durch den Flur, ging vor ihr die Treppe nach oben und öffnete die Tür zu seinem Büro. Mit einer einladenden Geste forderte er sie auf, den Raum zu betreten.

Hannah Behrends atmete tief durch. Es war das erste Mal, dass sie allein hier war, um mit Sievert zu sprechen. Ohne Jonas Voss an ihrer Seite fühlte sie sich irgendwie unvollständig. Aber Kriminalrat Ole Lund vom LKA Schleswig-Holstein hatte darauf bestanden, dass Voss persönlich nach Kiel kam, um den Kollegen kennenzulernen, der als verdeckter Ermittler bei Sylt Guard eingesetzt werden sollte. Es blieb ihr also gar keine andere Wahl.

Sievert wies auf die Sitzgruppe in der Ecke des Raums.

»Bitte. Möchten Sie einen Kaffee?«

»Nein, danke.«

Hannah setzte sich auf einen der Besucherstühle. Sie bestanden aus durchsichtigem Plexiglas mit einem Rahmen aus Metall und waren dem Gestaltungskonzept des Chefbüros angepasst. Neben den Plexiglasstühlen gab es einen Schreibtisch mit gläserner Arbeitsfläche, einen niedrigen Couchtisch mit Glasplatte und Regalbretter aus Plexiglas, auf denen die Bücher und Aktenordner zu schweben schienen, dazu abstrakte Gemälde mit silbernen Metallrahmen. Die Fenster hinter dem Schreibtisch waren riesig, der Ausblick allerdings eher etwas für Liebhaber militärischen Ambientes. Hannah schaute auf einige Wohncontainer, eine Halle und den Schießstand des ehemaligen Lister Kasernengeländes.

Natürlich hatte sie das alles auch schon bei ihren vorherigen Besuchen gesehen, doch heute schien ihre Wahrnehmung auf besondere Weise geschärft. Vielleicht weil sie das Gefühl hatte, dass ihr jetzt, wo sie auf sich allein gestellt war, auf keinen Fall etwas entgehen durfte.

Burkhard Sievert nahm ihr gegenüber Platz.

»Ich hoffe, Sie suchen Ihren Juwelendieb nicht immer noch bei uns?«, knüpfte er an seine Eingangsfrage an. Er lächelte und versuchte, seinen Worten einen scherzhaften Klang zu geben, aber Hannah bemerkte die Anspannung in seinem Gesicht.

Sie beugte sich vor und betrachtete den Firmeninhaber. Mit seinem silbergrauen Anzug, dem anthrazitfarbenen Hemd und der silbrig glänzenden Krawatte sah er aus wie ein Mann von Welt. Er passte auch gut in sein Büro. Wäre sie gekommen, um ein Foto für eine Werbebroschüre zu machen, sie hätte nichts mehr an dem Bild ändern müssen.

Hannah überlegte, wie sie ihre Nachricht am besten überbringen konnte. Aber eigentlich gab es nur einen Weg: geradeaus.

»Letzte Nacht hat wieder ein Einbruch stattgefunden.«

»Aha?« Burkhard Sievert hob die Augenbrauen.

»In eine Villa im Brönshooger Weg in Kampen«, präzisierte Hannah. »Die Besitzer heißen Gregor und Fanny Riepenhusen.«

Burkhard Sievert erhob sich von seinem Stuhl und ging zu seinem Schreibtisch. Er tippte auf eine Taste, um den Rechner aus dem Standby-Modus zu wecken. »Da muss ich nachsehen«, erklärte er. »Aus dem Stegreif kann ich Ihnen nicht sagen, ob das Ehepaar bei uns Kunde ist.«

»Wir wissen, dass sie von Ihnen betreut werden«, entgegnete Hannah. »Frau Riepenhusen hat es uns gesagt.«

»Ach so?« Burkhard Sievert wandte ihr den Kopf zu. »Das ist natürlich peinlich. Womöglich müssen wir unser Überwachungssystem modifizieren. Wenn sich herumspricht, dass man mit uns nicht sicherer ist als ohne eine Security-Lösung … Das wäre eine Katastrophe.«

Er griff nach dem Hörer seines Telefons und drückte auf einen Knopf.

»Clemens? Kannst du bitte mal herüberkommen?«, fragte er, als am anderen Ende jemand abnahm, und legte ohne weitere Worte wieder auf.

Es dauerte nur ein paar Sekunden, ehe es an der Tür klopfte und ein zweiter Mann hereinkam. Sein Blick wanderte zwischen Hannah und Burkhard Sievert hin und her. Hannah registrierte ein schmales Gesicht, aschblonde Haare und kluge graue Augen hinter einer rotumrandeten Brille. Clemens Sievert, Buchhalter und Bruder des Firmeninhabers Burkhard Sievert.

»Was ist passiert?«, erkundigte er sich.

»Ein weiterer Einbruch«, sagte Burkhard Sievert. »Und wieder bei einem unserer Kunden.« Er deutete auf Hannah. »Du erinnerst dich an Kriminalkommissarin Hannah Behrends von der Kriminalpolizeistation Sylt?«

Clemens Sievert strich seinen dunkelblauen Pullunder glatt, den er über einem hellblauen Hemd trug.

»Selbstverständlich«, erwiderte er und lächelte Hannah an. »Wir sind der renommierteste Sicherheitsdienstleister auf Sylt«, sagte er dann. »Da ist es kein Wunder, wenn ein Großteil der Betroffenen zu unserer Kundschaft gehört.«

Hannah zog ihr iPad aus der Tasche. »Wenn es nur das wäre …«

Die Augen von Clemens Sievert verengten sich. »Was denn noch?«

Hannah räusperte sich. Es gefiel ihr nicht, dass sie den beiden Männern allein gegenübersaß. Es schuf ein Ungleichgewicht, das dazu führte, dass sie sich unterlegen fühlte. Aber nun war es zu spät, um einen Rückzieher zu machen.

»Wir haben festgestellt, dass in allen drei Fällen Ihre Alarmanlagen versagt haben«, erklärte sie.

Clemens Sievert wechselte einen Blick mit seinem Bruder, den Hannah nicht deuten konnte. Burkhard Sievert seufzte.

»Ja«, gestand er. »Wir haben den Verdacht, dass es möglicherweise ein technisches Problem mit den Geräten gibt. Ich habe mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen, und wir versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. Aber bisher haben wir keinen Defekt finden können.«

»Soll das heißen, Sie wussten, dass der Alarm nicht funktionieren würde?«

Burkhard Sievert hob abwehrend die Hände. »Nein. So kann man das nicht sagen. Es ist nur eine Möglichkeit. Genauso gut könnten die Einbrecher die Anlagen manipuliert haben.«

»Aber Sie können nicht ausschließen, dass es ein Systemfehler ist? Und trotzdem haben Sie die Geräte eingebaut?«

Burkhard Sievert richtete sich auf. »Natürlich nicht. Seit die Einbrüche bekannt sind, benutzen wir ein anderes Modell.«

»Und was ist mit den Kunden, bei denen Sie die Anlage installiert haben, die unter Umständen nicht richtig arbeitet? Haben Sie die über das Risiko informiert?«

Burkhard Sievert räusperte sich. »Äh. Nein.« Er lächelte verlegen. »Wir wissen ja noch nicht, ob dem wirklich so ist.«

Hannah musterte den Firmeninhaber. Es war kaum zu übersehen, dass ihm die Sache unangenehm war. Trotzdem schien er nicht bereit, seinen Fehler zuzugeben.

»Wir wollten unsere Kundschaft nicht unnötig in Aufregung versetzen«, erklärte er. »Wahrscheinlich hätten wir es tun sollen. Aber wer konnte denn ahnen, dass ausgerechnet in diese Häuser eingebrochen wird?«

Hannah schaltete ihr iPad ein.

»Vielleicht war es ja genau andersherum«, schlug sie vor. »Jemand ist dort eingestiegen, weil er wusste, dass der Alarm nicht ausgelöst werden würde.«

Burkhard Sievert funkelte sie an. »Haben Sie Hinweise darauf, dass jemand aus unserer Firma sicherheitsrelevante Informationen herausgegeben hat? Das kann nicht sein!«

Hannah zuckte unwillkürlich zurück, doch ausgerechnet Clemens Sievert kam ihr zu Hilfe.

»Kannst du es ausschließen?«, erkundigte er sich.

Statt auf Hannah, richtete sich Burkhard Sieverts Zorn jetzt auf seinen Bruder.

»Das ist nicht dein Ernst«, grollte er.

Clemens Sievert blieb unbeeindruckt.

»Wir müssen uns an die Fakten halten, oder nicht?«, sagte er. »Es gibt offenbar eine Einbruchserie. In Häuser, bei denen wir die Alarmanlage eingerichtet haben. Ein System, von dem wir wissen, dass es möglicherweise nicht ordnungsgemäß funktioniert.«

Burkhard Sievert gestikulierte ungeduldig. »Wie gesagt: Es besteht der Verdacht, dass bei diesem Modell ein technisches Problem vorliegt. Aber bisher haben wir darüber keine Gewissheit. Und selbst, wenn es tatsächlich der Fall sein sollte – das bedeutet doch nicht, dass die Einbrecher aus unserer Firma kommen.«

Clemens Sievert nahm seine rotgerahmte Brille von der Nase und betrachtete sie nachdenklich.

»Genau genommen«, überlegte er, »würde es uns sogar entlasten, wenn es an der Technik liegt.« Er sah seinen Bruder bedeutungsvoll an. »Würden die Diebe aus den Reihen unserer Mitarbeiter stammen, müssten sie nicht darauf bauen, dass das Alarmsystem womöglich nicht funktioniert. Sie wären in der Lage, es selbst außer Betrieb zu setzen. Für jemanden, der hier arbeitet, ist das eine Kleinigkeit.«

Burkhard Sievert verzog den Mund. »Das sind doch nur Gedankenspielereien. Unsere Angestellten sind absolut zuverlässig. Keiner von ihnen würde seine Stellung ausnutzen, um unsere Kunden zu bestehlen.«

Sein Bruder setzte eine bedenkliche Miene auf. Burkhard Sievert sah ihn scharf an.

»Ich würde für jeden unserer Mitarbeiter die Hand ins Feuer legen«, erklärte er kategorisch. »Schließlich sind wir ein Familienunternehmen, und auch wenn außer dir und meinen Söhnen noch ein paar Externe bei uns arbeiten, sind wir doch alle so etwas wie eine große Familie. Das verbindet, denkst du nicht?«

Clemens Sievert machte eine vage Handbewegung. »Ich weiß es nicht. Ich kann dir sagen, ob die Bücher stimmen. Aber ich kann den Leuten nicht in den Kopf schauen.«

Hannah zog ihr iPad aus der Tasche und tippte. Sie wusste bereits von ihren vorherigen Besuchen, dass Sylt Guard ein Familienbetrieb war, und auch auf der Internetseite war das sofort erkennbar – immerhin trugen gleich vier der aufgelisteten Mitarbeiter den Namen Sievert, darunter der Firmenchef und der Buchhalter. Dass sich aber – zumindest aus Sicht des Firmenchefs – die anderen Angestellten dem Unternehmen ebenfalls familiär verbunden fühlten, war eine wichtige Information. Und dass Clemens Sievert anscheinend dennoch Zweifel an der Integrität des einen oder anderen Bediensteten hatte, auch wenn er das in ihrer Gegenwart nicht so deutlich sagen wollte, war mehr als interessant. Sie überlegte, wie sie herausfinden könnte, wen er im Verdacht hatte. Vielleicht würde ja der Schock über die Nachricht, die sie zu überbringen hatte, die beiden gesprächiger machen?

»Letzte Nacht«, erklärte sie und beobachtete die beiden Brüder genau, »hat es nicht nur einen Einbruch gegeben, sondern auch einen Toten.«

»Wie bitte?« Die graublauen Augen von Burkhard Sievert richteten sich ungläubig auf sie, genauso wie die seines Bruders Clemens. »Doch nicht etwa der Besitzer des Hauses? Dieser Herr Riepen …«

»Riepenhusen. Nein. Ein Mann, den Frau Riepenhusen als Angestellten Ihrer Firma identifiziert hat.«

»Einer unserer Mitarbeiter …?« Burkhard Sievert fuhr sich nervös über den sorgsam gestutzten grauen Vollbart. Hannah sah, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Vermutlich überlegte er, wem von seinen Angestellten er an diesem Tag schon begegnet war. Auch sein Bruder wirkte verstört.

»Wer?«, fragte er mit einer Stimme, als hätte er den Mund voller Watte.

»Wir wissen nicht, um wen es sich handelt«, erläuterte Hannah. Sie öffnete das Foto des Toten und hielt es den Brüdern hin.

Die beiden schauten angespannt auf das Display – und atmeten im nächsten Moment beinahe gleichzeitig auf.

Burkhard Sievert, der schneller als sein Bruder bemerkte, wie befremdlich ihr Verhalten wirken musste, machte eine entschuldigende Geste.

»Bitte. Verstehen Sie das nicht falsch. Aber ich habe befürchtet, dass einer meiner Söhne …« Er räusperte sich und deutete auf das iPad. »Das ist Kevin Köhler«, erklärte er. »Er war noch nicht lange bei uns. Erst seit … acht oder neun Monaten. Mein Sohn Leif hat ihn mitgebracht. Er hat ihn sozusagen am Strand aufgelesen.«

Hannah kniff die Augen zusammen. Sie konnte Sieverts Erleichterung darüber, dass der Tote kein Angehöriger war, nachvollziehen, aber sie fand nicht, dass es der richtige Moment für Scherze war.

»Kevin war ein begeisterter Surfer, genau wie Leif«, beeilte sich Clemens Sievert, den Fauxpas seines Bruders auszubügeln. »Dabei haben sie sich kennengelernt. Leif hat Kevin überredet, bei uns anzufangen, und Kevin war Feuer und Flamme. Und jetzt …« Clemens Sievert setzte die rotumrandete Brille wieder auf und rückte sie umständlich zurecht, »… jetzt hat ihn sein Engagement für die Firma das Leben gekostet?«

Hannah biss sich auf die Lippen. Offenbar hatte sie sich nicht klar genug ausgedrückt. Sie schob ihr Tablet zurück in ihre Handtasche.

»Es tut mir leid«, erklärte sie. »Aber Kevin Köhler ist nicht … wie soll ich sagen … in Ausübung seiner Tätigkeit ums Leben gekommen. Er war einer der Diebe.«

Burkhard Sievert lachte auf.

»Fangen Sie schon wieder damit an? Meine Leute haben mit diesen Einbrüchen nichts zu tun. Wie Sie so etwas überhaupt denken können … Wenn Kevin tatsächlich in der betroffenen Villa war, dann deshalb, weil er letzte Nacht Dienst hatte. Sämtliche Alarmanlagen sind mit einem Notrufsystem gekoppelt. Wenn wir sehen, dass irgendwo Unregelmäßigkeiten auftauchen, fährt sofort einer unserer Mitarbeiter dorthin und kontrolliert die Lage. Kevin hat also vermutlich den Einbrecher gestellt, und der hat ihn erschossen. Aber Kevin war mit Sicherheit keiner der Täter. Er …«

»Herr Sievert.« Hannah unterbrach den Firmenchef ungeduldig. »Es tut mir wirklich leid. Aber die Situation ist eindeutig. Kevin Köhler trug keine Dienstkleidung, sondern Jeans, Pullover und Jacke, alles in schwarz. Und eine schwarze Sturmhaube über dem Kopf. Wie würden Sie das deuten?«

Burkhard Sievert sank auf einen der Besucherstühle. Er sah aus, als hätte jemand einen Kübel Eiswasser über ihm ausgegossen.

»Kevin?«, fragte er matt. »Kevin hat mit den Einbrechern gemeinsame Sache gemacht und ihnen verraten, wie sie sich Zutritt zu den Objekten verschaffen können?«

»Das wäre eine Möglichkeit«, entgegnete Hannah. »Die andere wäre, dass auch der oder die Mittäter aus Ihrer Firma kommen.«

Burkhard Sievert hob streitlustig das Kinn.

»Bitte«, sagte er steif und vollführte eine einladende Handbewegung. Seine versteinerte Miene ließ allerdings wenig Zweifel daran, dass es sich nicht um ein freundliches Willkommen handelte. »Sprechen Sie mit meinen Mitarbeitern. Sehen Sie sich um. Von mir aus stellen Sie alles auf den Kopf. Damit Sie begreifen, dass Sie sich irren.«

Clemens Sievert trat ans Fenster und gab einen überraschten Laut von sich. Hannah folgte seinem Blick und sah, dass soeben mehrere Mercedes-Vito-Busse auf den Hof fuhren. Die Türen öffneten sich, und ein kompletter Zug von Beamten der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin stieg aus und versammelte sich auf dem Exerzierplatz.

»Das tun sie schon«, kommentierte Clemens Sievert und deutete nach draußen. »Alles auf den Kopf stellen, meine ich.«

Burkhard Sievert machte eine wegwerfende Geste und fixierte Hannah ärgerlich.

»Sie verschwenden Ihre Zeit«, sagte er. »Sie werden hier nichts finden.«

Hannah straffte sich. Sie fühlte sich nicht besonders wohl in ihrer Haut. Aber sie würde den Teufel tun, sich das anmerken zu lassen.

»Das werden wir ja sehen«, konterte sie.

* * *

Burkhard Sievert wartete, bis die Bürotür hinter Hannah ins Schloss gefallen war. Dann ging er zu dem kleinen Schrank mit den Rauchglastüren hinter der Sitzgruppe und nahm eine Flasche Whisky heraus. Er betrachtete die goldschimmernde Flüssigkeit im Inneren und hob das Gefäß in Clemens’ Richtung.

»Für dich auch einen Drink?«

Sein Bruder verzog den Mund. »Danke. Nicht am frühen Morgen.«

Burkhard zögerte. Clemens hatte natürlich recht, aber er brauchte jetzt einen Schluck. Er goss sich einen Fingerbreit ein und setzte sich mit dem Glas in der Hand in seinen Schreibtischsessel. Sein Blick wanderte aus dem Fenster in den Hof, wo die uniformierten Beamten von ihrem Einsatzleiter in Gruppen aufgeteilt wurden, die sich in Richtung der Wohncontainer in Bewegung setzten.

»Ich kann es einfach nicht glauben«, verkündete er.

Clemens, der die Polizeischüler ebenfalls beobachtete, drehte sich zu ihm um.

»Was?«

»Dass wir ein schwarzes Schaf in der Firma haben. Hatten.«

Clemens lachte freudlos. »Du meinst Kevin? Da gibt es doch keine geteilten Meinungen. Er war ein Taugenichts.« Er presste die Lippen zusammen, als wollte er etwas zurückhalten, sprach es dann aber doch aus. »Was ich dir im Übrigen von Anfang an gesagt habe.«

Burkhard nippte an seinem Glas. Der Whisky rann durch seine Kehle und wärmte seinen Magen, doch die eisige Kälte in seinen Gliedern konnte er nicht vertreiben.

»Das ist eine Katastrophe.«

Clemens strich seinen Pullunder glatt. »Du übertreibst.«

»Findest du?« Burkhard musterte seinen jüngeren Bruder. Er wirkte so unbewegt wie immer. Hatte er überhaupt Gefühle? Wenn ja, dann versteckte er sie gut. Burkhard hatte noch nie wirklich sagen können, was in Clemens’ Kopf vorging. Dabei kannte er ihn von klein auf.

Aber Clemens war schon als Junge verschlossen gewesen. Später hatte er sich dann in Büchern vergraben. Geschichte, Technik, Mathematik – das waren die Dinge, für die sich der kleine Clemens begeistert hatte. Burkhard, der seine gesamte Freizeit mit Sport – und natürlich mit Mädchen – verbracht hatte, konnte mit diesem Bruder nicht viel anfangen. Aber dreizehn Jahre waren auch ein gewaltiger Altersunterschied.

Clemens war sechs gewesen, als Burkhard sein Abitur gemacht hatte und zur Marine gegangen war, genau wie sein Vater. Wenn er an seinen freien Tagen nach Hause kam, hatte er sich darüber gewundert, wie ein Junge in Clemens’ Alter ein derartiger Stubenhocker sein konnte. Burkhard erzählte von seinen Reisen, doch Clemens konnte er damit nicht faszinieren. Sie fanden einfach keine gemeinsame Ebene. Später, als Burkhard seine Jugendliebe Dagmar geheiratet und eine eigene Familie gegründet hatte, hatten sie sich kaum noch gesehen. Clemens hatte studiert und in Hamburg als Wirtschaftsprüfer gearbeitet. Bis Dagmar gestorben war und Burkhard mit den beiden pubertierenden Jungen allein dastand. Da hatte Clemens ohne viele Worte seinen Job aufgegeben und war zu Burkhard nach Sylt gezogen.

War das nicht ein Zeichen großer Zuneigung? Clemens hatte sich um Leif und Bjarne gekümmert und nebenbei die Buchhaltung von Sylt Guard auf Vordermann gebracht. Mit der Firma war es danach deutlich bergauf gegangen. Aber echte Wärme hatte sich zwischen ihnen trotzdem nicht eingestellt.

»Wenn das wahr ist«, sagte Burkhard, »wenn Kevin wirklich ein Einbrecher war – dann haben wir ein riesiges Problem.«

Clemens lehnte sich ans Fenster. »Eine einzige personelle Fehlentscheidung hat noch kein Unternehmen ruiniert«, gab er zurück. Er hob die Augenbrauen. »Allerdings … wenn die Polizei richtig liegt, wenn Kevin nicht allein gehandelt hat …«

»Wer denn noch?«, gab Burkhard schärfer zurück, als er beabsichtigt hatte.

»Nun ja.« Clemens deutete mit dem Kopf nach draußen zum Kasernenhof. »Kevin war ja nicht der Einzige, von dem ich dir abgeraten habe.«

Burkhard lachte auf. Er merkte, wie es in seinem Inneren rumorte. Er wusste genau, worauf sein Bruder anspielte, doch in diesem Fall musste er sich einfach irren. Thilo Mertens war schließlich ein alter Kamerad.

»Ich habe Thilo aus seinem finanziellen Schlamassel herausgeholfen«, sagte er. »Und du meinst, er bedankt sich dafür, indem er bei unseren Kunden einbricht?«

Clemens erwiderte seinen Blick leidenschaftslos. »Kannst du es ausschließen?«

In Burkhards Kehle stieg die Magensäure auf, und er trank noch einen Schluck Whisky, um sie zurückzudrängen.

»Ich kenne Thilo«, gab er zurück. »Er wirkt vielleicht nicht so. Aber er ist ein anständiger Kerl.«

Clemens schnaubte leise. »Dein Wort in Gottes Ohr«, murmelte er. In der nächsten Sekunde verengten sich seine Augen. »Aber gut. Lassen wir Thilo außen vor. Bleiben wir bei Kevin.« Er fixierte seinen Bruder. »Angenommen, er ist in die Villen eingestiegen, die wir beschützen sollen …«

»Dann?« Burkhard sah ihn fragend an. Er wusste nicht, worauf Clemens hinauswollte.

»Dann solltest du vielleicht darüber nachdenken, ob du Leif wirklich vertrauen kannst«, versetzte sein Bruder. »Er war es schließlich, der Kevin angeschleppt hat.«

Burkhard spürte, wie er wütend wurde. »Leif hat ihn mir lediglich vorgestellt. Ich habe mit Kevin gesprochen. Und ich hatte den Eindruck, dass er für den Job geeignet ist. Wenn es hier jemandem an Menschenkenntnis mangelt, dann mir.«

»Mhm.« Clemens musterte ihn durch seine rotumrandete Brille. »Das ist es, was dir eigentlich Sorgen macht, nicht wahr? Dass man dein Urteilsvermögen anzweifeln könnte.«

Burkhard leerte sein Whiskyglas in einem Zug. Er wollte die Bilder, die auf ihn einstürmten, nicht sehen. Doch sie ließen sich nicht aufhalten. Die Blicke seiner Parteigenossen. Die Urne mit den Wahlzetteln. Und das Ergebnis auf dem flimmernden Monitor.

»Es ist einfach ein denkbar schlechter Zeitpunkt«, stieß er hervor. »Du weißt, wie schnell einem solche Dinge in der Politik das Genick brechen können. Ich wollte für Sylt etwas bewirken im Landtag. Wenn man mich nicht wählt, kann ich alle meine Pläne in den Papierkorb werfen.«

Clemens nahm seine Brille ab und säuberte sie mit dem Hemdsärmel. »Natürlich«, entgegnete er.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Sylter Blut" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen