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Süßes blondes City-Girl

PROLOG

Alles, was Brock Logan sich wünschte, war eine gut gehende Ranch, Sicherheit für seine Kinder und Frieden.

An den Aufregungen einer Romanze war er nicht interessiert. Denn den Fluch einer Leidenschaft hatte er kennengelernt, als seine Frau sich von ihm trennte und ihn mit gebrochenem Herzen und zwei kleinen Kindern zurückließ. Brock atmete tief durch. Wie froh er war, dass er seinen Sohn und seine Tochter hatte!

Ansonsten wollte er nur seine Ruhe haben.

Er stand auf der hölzernen Veranda des alten Hauses, das von seinen Vorfahren erbaut und von ihm vergrößert worden war, und schaute zu den dicken Regenwolken hoch, die sich am Himmel zusammenbrauten. Nervös knüllte er das Fax in seiner Hand zusammen.

“Wir könnten Regen gebrauchen”, sagte sein jüngerer Bruder Tyler, der zu ihm trat.

“Ja, aber einen richtigen Landregen, nicht nur einen Schauer. Flüchtige Besucher brauchen wir genauso wenig”, fügte er mit einem Blick auf das Fax hinzu.

“Besucher?”, fragte Tyler. “Von wem ist denn das Fax?”

Brock biss sich auf die Lippen. “Von Greg Roberts, unserem Anwalt. Er faxt, dass unser stiller Teilhaber uns besuchen will.”

“Stiller Teilhaber? Doch nicht diese Chambeaus?”

“Die Chambeau”, korrigierte Brock seinen Bruder, “es gibt nur noch eine. Felicity Chambeau.” Er zog das Fax glatt. “Ihr Anwalt hat Greg kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass sie als Partnerin des Vertrages, den unsere Urgroßväter geschlossen haben, ihren hiesigen Wohnsitz besuchen möchte.”

Tyler wirkte besorgt. “Ist das nicht das Haus, in dem unser Vormann wohnt?”

Brock nickte. Er zog den Hut vom Kopf und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. “Genau. Und da der Mann ein echter Profi ist, den wir jetzt unbedingt brauchen, möchte ich, dass er sich hier wohlfühlt. Nachdem der Coltrane-Bulle sich auf einer meiner Weiden vergnügt hat, könnte es nämlich eine anstrengende Kälbersaison werden. Nun sieht es so aus, als würde es in mehr als einer Hinsicht schwierig werden.”

“Wo soll sie denn wohnen?”

Ruhe und Frieden kann ich vergessen, dachte Brock missmutig. “Bei mir im Haus. In Blackstone gibt es kein anständiges Hotel.”

Tyler grinste. “Vielleicht bringt sie ja ein bisschen Leben in die Bude.”

Brock sah seinen Bruder finster an. “So was brauche ich nicht!”

Alles, was Felicity Chambeau wollte, war, die Hälfte ihrer Erbschaft loszuwerden. Müde schaute sie aus dem Fenster des Taxis, in dem sie durch eine Gegend fuhr, die ihr völlig unbekannt war. Geld, das nur auf dem Konto herumlag, war nutzlos. Deshalb hatte sie sich das Ziel gesetzt, es einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Außerdem wollte sie von dieser verdammten Liste herunter, auf der jedes Jahr die fünfzig reichsten Frauen des Landes notiert waren. Solange sie noch auf dieser Liste stand, würde sich ein Mann immer nur aus finanziellen Gründen für sie interessieren.

Felicity hatte nicht besonders viel Nützliches gelernt, aber Geld loszuwerden konnte doch nicht so schwierig sein. Irgendwie würde sie das schon hinkriegen.

Ihre Anwälte hatten ihr geraten, erst einmal irgendwohin zu fahren, wo es ruhig war, bis der Skandal allmählich vergessen war und die gerichtlichen Untersuchungen nicht mehr in den Schlagzeilen der Zeitungen auftauchten. Wenn Felicity an etwas Ruhiges dachte, dachte sie an ein hübsches kleines Schloss in Südfrankreich. Ihre Anwälte meinten aber etwas, das näher lag – in Texas zum Beispiel –, falls sie eine Zeugenaussage machen musste.

Texas war ihr genauso fremd wie Europa. An die Skyline von Manhattan gewöhnt, fand sie das platte Land und den endlosen grauen Himmel ziemlich trostlos. Selbst die Taxifahrt war langweilig, da der Fahrer beharrlich schwieg.

Felicity schloss die Augen und lehnte sich zurück. Vielleicht hatte ihre stete Unrast sie in Schwierigkeiten gebracht. Nach dem Tod ihrer Eltern war sie von einer Wohltätigkeitsveranstaltung zur anderen gehetzt.

Beschäftige dich, meide den Schmerz, schau nicht in den Spiegel, vermeide Trennungen und emotionale Verluste, schüttle das Gefühl der Leere ab! Das waren ihre Leitsätze gewesen.

Und so war sie in die offenen Arme ihres Finanzberaters Douglas geeilt. Dem hatte sie vertraut. Aber er dankte ihr das damit, dass er das Land mit einem beträchtlichen Teil ihres Geldes und mit einer exotischen Tänzerin namens Chi Chi verließ. All das hatte ziemlich viel Aufsehen erregt, und obgleich Felicity keineswegs pleite war, hatte sie doch das bittere Gefühl, eine schwere Niederlage erlitten zu haben.

Mehr noch als von Doug war sie von sich selbst enttäuscht. Die Geschichte hatte ihr die Sinnlosigkeit ihrer hektischen Aktionen vor Augen geführt. Und nun – sie schaute nach draußen – war sie mitten im Nichts gelandet, in Texas.

Vielleicht wurde es Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen.

Aber davor hatte sie Angst. Doug war nicht der Einzige, der ihr gezeigt hatte, dass kein Mann sie um ihrer selbst willen lieben würde. Also konnte sie den Wunsch zu heiraten gleich aufgeben.

Sie konnte der Auseinandersetzung mit sich selbst nicht ausweichen, denn mehr als sich selbst hatte sie nicht.

Ein merkwürdiges Gefühl beschlich sie. Sich mit sich selbst zu konfrontieren erforderte Mut. Vielleicht würde sie die Frau ja gar nicht mögen, die ihr im Spiegel entgegenblickte. Sie atmete tief ein. Wenn ihr diese Frau nicht gefiele, dann gäbe es vielleicht eine Möglichkeit, sich zu ändern. Die einsame Umgebung könnte ihr dabei helfen. Denn hier gab es bestimmt kaum Ablenkungen.

1. KAPITEL

Es goss in Strömen. Der Taxifahrer hupte. Felicity stand am Eingang des Logan-Hauses und blickte in die blauen Augen und das wenig freundliche Gesicht eines großen, kräftigen Mannes.

Es war nicht nur seine Größe – alles an ihm kam ihr gewaltig vor: die breiten Schultern, die Hände, die momentan auf den festen Oberschenkeln lagen, selbst die kantigen Wangenknochen. Er wirkte wie ein energischer Mann, der keinerlei Unsinn duldete, schon gar nicht von einer problembeladenen Frau aus New York.

Als es donnerte, zuckte Felicity erschrocken zusammen. Vor Gewittern hatte sie schon immer Angst gehabt. Sie versuchte trotzdem zu lächeln. “Hallo, ich bin Felicity Chambeau.” Die Hand streckte sie ihm vorsichtshalber nicht hin, die würde er vermutlich zerdrücken. Ein alberner Gedanke, aber sie war müde, und er war so riesig.

“Sie kommen zu früh”, sagte er und musterte sie kühl.

Sicher ist er gerade mit etwas Wichtigem beschäftigt, dachte Felicity. “Ich …”, begann sie, schwieg dann aber. Auch noch zu stottern wollte sie sich ersparen. “Ich möchte Sie nicht lange stören. Vielleicht zeigen Sie mir nur mein Haus.”

“Da wohnt jetzt mein Vormann mit seiner Frau und den drei Kindern.”

Felicity blinzelte nervös. “Ach so.”

“Ich könnte sie natürlich bitten, woanders hinzuziehen.”

“Oh, nein”, versicherte sie. “Das sollten Sie nicht tun.”

Er nickte. “Sie können hier wohnen.”

Bei ihm? Felicity schluckte. Er schien davon genauso wenig erbaut zu sein wie sie. “Und Sie sind Mr Logan?”

“Brock Logan”, antwortete er und neigte leicht den Kopf. Dabei konnte Felicity eine große Narbe an seiner Wange sehen.

Brock signalisierte dem Taxifahrer, direkt vorzufahren, und der Mann lud Felicitys Koffer und Taschen aus. Felicity bezahlte. Brock schaute missmutig auf ihr Gepäck. Als er einen Schritt nach vorn machte, wich Felicity reflexartig zurück. Als sie daraufhin beide in die gleiche Richtung auswichen, stießen sie prompt zusammen, und Felicity, die leise aufschrie, stürzte beinahe. Aber Brock fing sie mit seinen kräftigen Händen auf. Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt. Felicity nahm den Geruch nach Moschus und Leder wahr. Ein eindeutig männlicher Geruch und ganz anders als der, den sie von den eleganten Männern kannte, mit denen sie sonst zu tun hatte.

Meine Güte, was für ein Anfang! dachte sie.

Brock zog sie hoch und stellte sie wieder auf die Füße. Ihr Herz klopfte wie verrückt. Seine Hände waren fest und warm, und eine Aura von Ehrgefühl und Anständigkeit umgab ihn – Eigenschaften, die man heutzutage selten fand.

“Vielen Dank”, stieß sie verlegen hervor.

Er ließ sie achselzuckend los, nahm ihre drei Koffer und ging ins Haus. “Hier entlang.”

Felicity nahm ihre Taschen und folgte ihm durch die Diele zu einer breiten Treppe mit geschwungenem Geländer. Sie schaute sich eilig um. Das Haus war geräumig, das viele Holz strahlte Wärme aus, und an der Wand hingen Porträts, die auf eine lange Familientradition hinwiesen.

“Frühstück gibt es um sechs”, verkündete Brock, “Abendessen um achtzehn Uhr, Mittagessen, wann Sie wollen. Wenn Sie sich etwas kochen, räumen Sie danach bitte alles wieder weg. Meine Haushälterin liebt es nicht, hinter anderen herzuräumen.”

Mit anderen Worten: Erwarte hier keine Luxusbehandlung, dachte Felicity, während er sie in ein kleines Zimmer führte, in dem ein Bett, eine Kommode, ein Nachtschrank und ein Schreibtisch standen.

Brock knipste die Nachttischlampe an. “Das Bad ist den Flur hinunter.”

“Ihr Haus ist sehr schön.” Felicity strich über die Kommode, die aus Kirschholz war. “Die Möbel wirken gar nicht wie vom Land.”

“Meine Vorfahren stammen aus Virginia.”

Felicity nickte. “Ihre Frau oder Ihr Innenarchitekt haben es ganz wunderbar eingerichtet.”

“Ich bin nicht verheiratet.” Sein Blick war hart. “Allerdings habe ich zwei Kinder. Bree und Jacob sind ziemlich lebhaft, aber ich werde sie bitten, Sie nicht zu behelligen. Mein Bruder, Tyler, ist Arzt, hält sich jedoch genauso oft hier auf wie in der Stadt. Meine Schwester Martina arbeitet in Chicago für eine Computerfirma und kommt auch gelegentlich her. Unsere Haushälterin heißt Addie. Sie hält alles gut instand, ich hoffe also, dass Sie ihr keinen Ärger machen.”

Felicity nahm die Informationen auf und nickte. “Ich werde mich bemühen, niemanden zu stören.”

Brock schaute sie zweifelnd an. “Falls Sie spazieren gehen, halten Sie sich von der Bullenweide fern.” Er hielt kurz inne. “Und vom Männerquartier.”

Felicity nickte wieder und schaute sich um. Konnte man hier überhaupt irgendwohin gehen? “Schön, dass hier wenigstens ein Fenster ist.”

Brock sah sie lange an. “Ja.”

Humor schien er nicht zu haben. Und der Blick seiner blauen Augen verunsicherte sie.

“Wie lange bleiben Sie?”, fragte er.

“Ich weiß es noch nicht. Das hängt auch von meinen Anwälten ab. Ich dachte, ich würde hier ein bisschen Einsamkeit finden, aber …” Sie hob die Schultern.

Er zog eine Braue hoch. “Dieser Besuch ist ein Rat Ihrer Anwälte?”

“Ja.” Felicity dachte an das Durcheinander, das sie hinterlassen hatte. “Das ist zu kompliziert, um es jetzt zu erklären. Vielen Dank für Ihre Gastfreundlichkeit und die Zeit, die Sie sich heute Abend für mich genommen haben.”

Brock schaute sie erneut lange an. “Haben Sie keine Familie?”

Seine Frage machte ihr erneut ihre Einsamkeit bewusst. Sie straffte sich. “Nein, aber das macht nichts.” Wenn sie es stets wiederholte, würde sie es eines Tages vielleicht sogar selbst glauben.

Er wirkte nicht überzeugt. Etwas Seltsames lag in seinem Blick. So als verstünde er sie.

“Einen Moment noch”, sagte er und verließ das Zimmer. Kurz darauf kam er mit Handtüchern und Waschlappen zurück, die er auf die Kommode legte. “Falls Sie jetzt duschen möchten … die Kinder schlafen schon.”

Sie führte seinen Satz lächelnd zu Ende. “Also singen Sie nicht unter der Dusche.”

Brock schmunzelte beinahe. “Ja.” Er schaute sie noch einmal kurz an.

“Vielen Dank, dass Sie mich so kurzfristig bei sich aufnehmen.”

Er nickte. “Gute Nacht, Miss Chambeau.”

“Gute Nacht, Mr Logan.”

Er schloss die Tür hinter sich, und sie war allein.

Mit einem Blick aufs Bett nahm Felicity sich vor, vierundzwanzig Stunden durchzuschlafen, traumlos und ohne störende Gedanken an ihren Exfinanzberater, der sie so schamlos ausgenommen hatte, oder an den kräftigen Rancher mit dem aufregenden Blick und dem fehlenden Humor.

Selbst nachdem er geduscht und einen Whisky getrunken hatte, nahm Brock immer noch ihr Parfüm im Haus wahr. Felicity war nicht so, wie er sie sich vorgestellt hatte – nämlich ziemlich aufgerüscht. In ihrem schwarzen Hosenanzug wirkte sie eher elegant. Ihr blondes Haar hatte sie schlicht hochgesteckt, das Make-up war dezent, und an den schlanken Händen steckten keine protzigen Ringe. Sie schien ihre Trümpfe nicht ausspielen zu wollen. Wieso wohl? Trauerte sie um jemanden? Ihre Eltern waren seit Jahren tot, aber in ihren grünen Augen war ein Hauch von Traurigkeit zu sehen gewesen, der ihn berührt hatte. Und ihre leicht geöffneten Lippen, so dicht vor seinen, als sie beinahe gestürzt wäre, hatten eine Sehnsucht in ihm geweckt, die ihn daran erinnerte, wie lange er schon allein lebte.

Er goss sich noch einen Whisky ein. Es konnte doch nicht sein, dass ihr tapferer Versuch, einen Kummer zu kaschieren, eine verborgene Saite in ihm zum Klingen brachte?

Felicity schlief fest, bis sie durch laute Schritte vor ihrer Tür geweckt wurde. Es war schon Nachmittag, aber eigentlich hatte sie vierundzwanzig Stunden durchschlafen wollen.

“Denk an Schafe”, murmelte sie und versuchte sich welche beim Sprung über ein Gatter vorzustellen. Die lauten Schritte ließen sie jedoch an Brock Logans Stiefel denken. An seine langen Beine, die muskulösen Schenkel, seinen so kräftigen, männlichen Körper …

Stöhnend schob sie die Decke beiseite. Die Wirklichkeit ließ sich nicht verleugnen. Sie war nicht in Manhattan, sondern auf einer Ranch.

Und warum? Weil du darüber nachdenken wolltest, wieso dein Finanzberater dich wohl gebeten hat, seine Frau zu werden. Die Erinnerung daran war wie die Berührung mit einer Drahtbürste.

Felicity schleuderte das Kissen gegen die Wand und rollte sich aus dem Bett. Das Nachthemd, ihre Haare, alles war in Unordnung. Wie so oft.

“Einen Morgenmantel”, murmelte sie und begann, in ihren Koffern herumzuwühlen. Dabei stieß sie auf ein gerahmtes Bild. Erstaunt hielt sie inne. Hatte ihre Haushälterin, Anna, vielleicht das gehütete letzte Foto von ihr und ihren Eltern eingepackt?

Als sie das Bild auspackte, starrte sie entsetzt in das Gesicht ihres Exverlobten Doug.

Brock, der mit Bree, seiner Tochter, gerade im Flur stand, hörte plötzlich einen wütenden Schrei, dann ein dumpfes Geräusch und splitterndes Glas. Mit einem Blick in Richtung Gästezimmer sagte er zu seiner Tochter: “Geh mal in dein Zimmer.”

“Irgendwas ist kaputtgegangen”, bemerkte Bree, deren Augen fiebrig waren.

“Ich kümmere mich darum. Geh du ins Bett.”

Sobald Bree verschwunden war, klopfte Brock und öffnete vorsichtig die Tür zum Gästezimmer. “Miss Chambeau?”

Felicity stand mit zerzausten Haaren und in einem kurzen Hemd, das ihre hübschen Beine freigab, mitten im Raum. Durch den seidigen Stoff konnte man ihre Brustspitzen sehen. Bei dem Gedanken daran, dass sie darunter nackt war, wurde sein Mund trocken.

Ihre grünen Augen funkelten, ihr Gesichtsausdruck drückte dennoch eher ein Schuldgefühl aus. Brock sah den zerbrochenen Bilderrahmen.

“Miss Chambeau?”, wiederholte er.

Felicity senkte den Blick. Brock wartete ab.

“Das ist das Bild meines ehemaligen Finanzberaters. Ich … es ist runtergefallen … Ich hatte nicht damit gerechnet, es in meinem Koffer zu finden. Der miese Kerl ist mit meinem Geld getürmt. Es geht nicht um das Geld, davon ist noch genug da, aber ich habe ihm vertraut! Ihn beinahe sogar …” Sie hielt inne. “Ich hoffe, er wird in Südamerika, wo er mit seiner exotischen Tänzerin hingeflüchtet ist, von einer Riesenkakerlake angefressen und stirbt langsam und schmerzvoll.” Sie holte Atem. “Aber das ist wohl nicht der passende Moment, darüber zu reden, entschuldigen Sie.”

Brock staunte, wie schnell sie die Fassung wiedergewann. Die Geschichte war vermutlich komplizierter, als er es wissen wollte. “Bewegen Sie sich nicht, sonst holen Sie sich einen Splitter in den Fuß. Ich hol was zum Auffegen.” Kopfschüttelnd verließ er das Zimmer. Auch das noch! Eine verrückte Reiche mit einer Figur, die jeden in Westtexas zum Wahnsinn treiben könnte …

Mit Schaufel und Besen kehrte er zurück. Felicity war schon dabei, Scherben in den Abfallkorb zu werfen. “Ich hatte doch gesagt, bewegen Sie sich nicht.”

“Ich habe diese Scherben verursacht, also muss ich sie auch beseitigen.”

“Hören Sie, meine Tochter ist krank, und eine Kuh wird bald zum ersten Mal kalben. Ich habe keine Zeit, Sie ins Krankenhaus zu fahren, weil Sie sich Schnittwunden geholt haben.”

“Ach”, fragte sie teilnahmsvoll, “Ihre Tochter ist krank?”

Brock fegte eilig die Scherben zusammen und bemühte sich, nicht Felicitys Duft einzuatmen. “Ja, Bree ist krank. Ich habe sie gerade von der Schule abgeholt. Möchten Sie das Foto behalten?” Darauf war ein gut aussehender Mann mit einem etwas weichen Kinn zu sehen.

“Nur um es zu verbrennen.”

Sie griff danach, aber er nahm es ihr wieder ab. “Nicht hier.” Sonst ging sein Haus noch in Flammen auf. “Ich bewahre es für Sie auf. Sie waren wohl mehr als Freunde, wie?”

“Nein, nicht mal Freunde.”

Der trostlose Ausdruck in ihren Augen berührte ihn. Aber damit wollte er sich nicht belasten. “Ich muss meine Tochter ins Bett bringen und zurück an die Arbeit.”

“Vielen Dank. Was hat sie denn?”

“Es ist vermutlich nur eine leichte Infektion, aber der Kinderarzt wohnt in Blackstone, meine Haushälterin hat heute frei, und eine Kuh wird bald kalben. Mit Ihnen scheint alles in Ordnung zu sein, darum gehe ich jetzt.” Er wandte sich zur Tür.

Als er schon fast unten war, hörte er ihre Schritte hinter sich.

“Entschuldigen Sie!”

Ungeduldig drehte er sich um. “Ja?”

“Wie alt ist Ihre Tochter denn?”

“Sieben, warum?” Brock klang gereizt.

“Ich könnte mich um sie kümmern”, bot Felicity an.

Er schaute an ihr herunter. “In dem Aufzug?”

Felicitys Wangen röteten sich. “Nein, ich ziehe mich gleich an.”

Brock schien immer noch Zweifel zu haben.

“Ich könnte ihr Saft bringen und ihr etwas vorlesen.”

Bree würde das bestimmt gefallen, dachte Brock sofort. Aber seine Tochter sollte den stillen Teilhaber der Ranch nicht allzu sehr ins Herz schließen. Er hoffte, dass Miss Chambeau ihnen recht bald wieder den schönen Rücken kehrte und nach New York zurückfuhr.

“Sie scheinen sehr beschäftigt zu sein, aber wenn Sie sie lieber allein lassen wollen …”

“Nein, nein …”, er fluchte innerlich, “vielen Dank.” Das klang eher missmutig.

“Das mache ich gern. Ich ziehe mich nur schnell an.”

Wollte er wirklich, dass sich diese Frau um seine Tochter kümmerte? Na ja, es wäre ja nur für ein paar Stunden. Seine Haushälterin würde bald zurück sein. Aber Felicity Chambeau beunruhigte ihn irgendwie. Leider nicht so sehr wegen ihres Charakters, sondern eher in erotischer Hinsicht.

Vor sich hin murmelnd, ging er in Brees Zimmer und erklärte ihr, dass Felicity sich eine Weile um sie kümmern würde.

Bree bestürmte ihn sogleich mit Fragen. “Woher ist sie?”

“Aus New York. Sie ist kein Cowgirl, kann dir aber etwas vorlesen.”

“Ist sie alt?”

“Nein.”

“Ist sie hübsch?”

Brock zupfte an seinem Kragen. “Das musst du entscheiden.”

“Aber wie findest du sie denn?”

Zum Glück erschien Felicity gerade in der Tür. Ihre Haare hatte sie zum Pferdeschwanz zusammengebunden, sie trug schwarze Jeans und eine weiße Seidenbluse. Brock musste daran denken, wie sie in dem leichten Hemd und mit zerzaustem Haar ausgesehen hatte.

Er stellte die beiden einander vor und sagte zu Bree: “Du hast ja meine Handy-Nummer. Falls irgendwas ist, ruf mich an.”

“Handy-Nummer?”, wiederholte Felicity. “Ich wusste gar nicht, dass es in Texas auch ein Mobilfunknetz gibt.”

Brock verzog den Mund. “Wir sprechen hier vielleicht etwas langsamer, aber wir haben trotzdem schon fließendes Wasser und Telefon. Was haben Sie denn erwartet?”

Felicity zuckte die Schultern. “Festanschlüsse, vielleicht.”

“Die haben wir natürlich auch. Aber ein Handy ist bequemer, weil man überall erreichbar ist.” Er setzte seinen Hut auf.

Bree schaute ihren Vater forschend an.

“Ruf an, wenn du mich brauchst, Kleines.”

Selbst nachdem Brock Logan gegangen war, empfand Felicity noch immer seine Gegenwart. Merkwürdig, dachte sie.

Bree musterte sie aufmerksam. Mit Kindern hatte Felicity kaum Erfahrung. Sie hatte ihre Hilfe nur angeboten, weil Brock als alleinerziehender Vater im Augenblick etwas überfordert zu sein schien, es aber nie zugeben würde. Nun, sie hatte zwar wenig Erfahrung mit Kindern, aber sie erinnerte sich gut daran, eins gewesen zu sein.

Die Wangen des Mädchens waren durch das Fieber leicht gerötet, aber ihr Blick wirkte wach und neugierig.

Felicity lächelte. “Du hast die Augen deines Vaters.”

Bree nickte und lächelte. “Seine Haare auch.” Sie zog an ihrer langen Mähne. “Aber das sieht man nicht, weil er sie nie so lang wachsen lässt.”

“Und du lächelst öfter als er, nicht?”

Bree nickte wieder. “Onkel Tyler sagt immer zu Daddy, er soll etwas fröhlicher sein und sich nicht so ernst nehmen.” Sie rollte mit den Augen. “Mein Bruder ist auch immer so ernst.”

“Dein Bruder, Jacob”, sagte Felicity mehr zu sich selbst.

“Ja, Ma'am, mein Zwillingsbruder.” Bree legte den Kopf schief. “Du sprichst irgendwie komisch.”

“Das kommt daher, weil ich aus New York bin”, erklärte Felicity.

“Du kannst ja nichts dafür, dass du nicht aus Texas bist”, sagte Bree mitfühlend. “Hier wird es dir bestimmt viel besser gefallen.”

Felicity lachte leise. “Wie kommst du darauf?”

“Texas ist der schönste Platz der Welt”, antwortete Bree entschieden. “Hier möchte jeder wohnen.” Sie fuhr mit der Hand über die Quiltdecke. “Nur meine Mum nicht. Die ist nach Kalifornien gezogen, weil sie zum Film will.” Als sie das Kinn hob, erinnerte sie Felicity erneut an Brock. “Daddy sagt, Jacob und ich seien viel lustiger als Filme.”

Die Mischung aus Stolz und Verletzlichkeit in Brees Blick berührte Felicity. Unwillkürlich dachte sie daran, wie oft ihre Mutter es vorgezogen hatte, auf eine Party zu gehen oder eine aufregende Reise zu machen, als Zeit mit ihr, ihrer Tochter, zu verbringen. War Brock ein Mann mit Charakter? Sie hatte gedacht, diese Spezies sei längst ausgestorben …

“Ich glaube auch, dass ihr beiden viel lustiger seid als Filme.”

“Daddy ist der liebste Mensch der Welt”, erklärte das Mädchen und schaute Felicity erneut forschend an. “Tante Martina sagt, alles, was er braucht, ist eine Frau, die ihn mal ein bisschen durcheinanderbringt. Aber hier auf der Ranch gibt es nicht viele Frauen. Willst du das nicht übernehmen?”

Felicity blinzelte erschrocken. Auf keinen Fall! dachte sie, bemühte sich aber, gelassen zu bleiben. “Darüber muss ich nachdenken. Aber jetzt könnte ich dir vielleicht erst mal etwas vorlesen.”

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