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Süße Träume

Lindsay Gordon (Hg.)

SÜSSE
TRÄUME

und andere
paranormale erotische Stories

Aus dem Englischen von
Marietta Lange

Inhalt

Süße Träume
A.D.R. Forte

Magie für Anfänger
Sabine Whelan

Das Ende des Piers
Angel Blake

Krimi
Portia Da Costa

Süße Träume

A. D. R. Forte

Achtzig Prozent unserer wachen Stunden sind wir an unserem Arbeitsplatz. Nach meiner Berechnung ist es allerdings verdammt viel mehr als das, und wenn man so viel Zeit mit anderen verbringt, lernt man sie gut kennen. Wirklich gut. Wenn sie nervös oder ärgerlich sind, oder wenn sie lügen. Oder sich klammheimlich freuen. Man lernt, was sie bewegt. Es sind die kleinen Dinge; Gesten, der Ton der Stimme, Ausdrücke, die sie immer wieder gebrauchen.

Man lernt so viel, dass man die Person auswendig kennt. Man könnte ihre Sätze beenden, weil man weiß, was sie sagen würden und wann sie die Augen verdrehen. Man lernt, mit ihrem Kopf zu denken und merkt es nicht einmal, bis man feststellt, dass man vollkommen grundlos mit ihnen lacht.

So gut kannte ich ihn irgendwann. Furchterregend gut.

Aber ich dachte mir nichts dabei, weil ich keine Männer mag. Noch nie, kein Interesse. Ich bin ihnen nicht bewusst aus dem Weg gegangen; ich habe nur einfach bei einem Jungen nie diesen Funken gespürt, der mir das Rückgrat und bis zwischen die Beine hinunterläuft. Zum ersten Mal habe ich das bei einem Mädchen in der zehnten Klasse mit langem, vollkommen glattem Blondhaaar und kleinen runden Brüsten empfunden. Sie roch immer nach Körperspray mit Frangipani-Duft, und ihre Nähe sorgte dafür, dass meine empfindsamsten Körperteile prickelten und sich mir der Kopf drehte. Sie war meine Erste, und danach kamen viele andere.

Aber keine Männer. Jahrelang nicht. Mein ganzes Erwachsenenleben lang nicht; bis zu diesem Tag im Pausenraum, als er etwas vollkommen Blödes sagte und ich vor Lachen herausplatzte und mir beinahe Kaffee auf den Schoß schüttete. Er saß grinsend da, und Sonnenlicht schimmerte in seinem Haar. Ich sah in sein Gesicht, und mein Herz pochte auch noch weiter, als ich zu lachen aufgehört hatte. Mir fiel auf, dass mir beim Anblick der Uhr an seinem Handgelenk am ganzen Körper heiß wurde. Ich bemerkte seine Finger und stellte mir vor, wie sie zwischen meine Beine griffen. Und dann wandte ich den Blick ab.

Es nützte nichts.

Ich ging heim zu der wunderschönen Frau, mit der ich mein Leben und mein Haus teile und lag mit geschlossenen Augen unter ihr. Stellte mir vor, wie seine Finger mich berührten, wie er mich küsste. Wie er seinen harten Schwanz zwischen die Lippen meiner Pussy schob und zusah, wie ich mich unter ihm wand.

Noch nie hatte ich eine solche Fantasie gehabt und wusste nicht, was ich tun sollte. Das war wie Betrug, es war böse. Der Gedanke daran erregte mich mehr, als ich mir vorstellen konnte.

Am nächsten Morgen stand ich in der Dusche und spielte mit meinen Brustwarzen. Ich überlegte, wie er wohl nackt aussah, und begehrte ihn so heftig, dass es wehtat. Und ich wusste, was er sagen würde, und wie. Wusste genau, wie er mich ansehen würde, bevor er den Mund auf meine Lippen legte. So etwas lernt man, selbst wenn man die Person nie wirklich dabei beobachtet hat. Der Instinkt sagt es einem.

Ich bin mir sicher, er hat gemerkt, dass sich zwischen uns etwas verändert hatte, denn er verhielt sich ebenfalls fast unmerklich anders. Er lächelte seltener, dafür aber länger. Besonders wenn niemand anderer in der Nähe war. Wenn er mit mir sprach, klang seine Stimme weicher. Er tauchte immer gleichzeitig mit mir irgendwo auf; im Pausenraum, an der Rezeption, im Parkhaus.

Manchmal erwischte ich ihn dabei, wie er mit seinem Ehering spielte und ihn vom Finger zog und wieder ansteckte. Dann sah er auf und schaute mich ein paar Sekunden lang an, bevor er den Blick wieder abwandte. Typisch mein Glück, einen Mann zu begehren, der genauso vergeben war wie ich.

Ich dachte, es würde weggehen; ich wünschte es mir. Das war eine vorübergehende Schwärmerei, die irgendwann im Sande verlaufen würde, sagte ich mir, und versuchte mich in seiner Gegenwart wie immer zu verhalten. Aber etwas drängte sich dazwischen, sorgte dafür, dass ich ins Stottern geriet und mir immer viel zu warm war, sogar im kältesten Raum. Ließ mich jedes Mal, wenn er mich anlächelte, vergessen, was ich sagen wollte. Monate vergingen, bis mir klar wurde, dass ich mich vor dem Offensichtlichen versteckte.

Es wurmte mich, dass ich so wenig Selbstbeherrschung an den Tag legte, aber ich konnte mich einfach nicht von diesem Drang befreien. Ich gierte nach seiner Berührung wie ein Junkie nach einem Schuss. Bald explodiert mir der Kopf, dachte ich, und wie soll ich das dann erklären? War es normal, wenn man sich derartig danach sehnte, jemanden zu vögeln?

An dem Abend, an dem ich frustriert wie nie in meinem Leben heimkam, weil er einen Pullover getragen hatte, der eng um seine Brust und seine Arme saß und meinen gierigen Blicken ihren Umriss vorführte, war »normal« mir schnurzegal.

Ich brauchte eine Berührung, aber ich stellte fest, dass ich allein war. Verspätet fiel mir wieder ein, dass Casey dieses Wochenende zu ihrer Mutter gefahren war. Ich hätte etwas zerschlagen können, es mit bloßen Fäusten zerschmettern, um meine aufgestaute Energie abzubauen, aber das hätte auch nichts genützt. Ich war allein mit einem leeren Haus am Freitagabend und meiner Sehnsucht nach einem prachtvollen, verbotenen Mann.

Also tat ich das Einzige, was einem übrig bleibt, wenn man sich mies fühlt und keine Lösung dafür hat: fernsehen. Ich setzte mich schlecht gelaunt mit einer warmen Teigtasche aus dem Toaster auf die Couch und starrte den Bildschirm an, ohne etwas zu sehen. Jemand redete in diesem klugen, leicht überheblichen Tonfall, den die Sprecher in Dokumentarfilmen an den Tag legen, und ich wollte schon umschalten, als der Sinn der Worte bei mir ankam und meine Aufmerksamkeit weckte.

Träume. Das Tor in das unendlich weite, unerforschte Land des Unterbewusstseins, wo Gott weiß was lauerte. Klarträumen oder die Fähigkeit, das Unbewusste zu beherrschen und sein Geplapper in jede Richtung zu lenken, die man will. Trotz des beklommenen Gefühls, das mich dabei beschlich, saß ich still und hörte zu. Was, wenn ich die verworrenen Träume, in denen er mir erschien, kontrollieren könnte? Wäre das nicht schön.

Ich schnappte mir die Fernbedienung, hielt die Sendung an und ließ sie zurücklaufen. Ein Hoch auf Festplattenrecorder. Dann ging ich mir noch eine Teigtasche holen. Auf dem Rückweg blieb ich kurz am Küchentisch stehen und griff dann nach einem Stift und einem leeren Briefumschlag. Wieso nicht? Ich musste meinem fiebernden Hirn etwas zu tun geben, wenn es spätabends mit diesen expliziten, verdorbenen Bildern ankam. Warum sollte ich mir nicht das Klarträumen beibringen?

Ich machte es mir wieder gemütlich und sah die ganze Sendung von Anfang bis Ende an. Und dieses Mal machte ich mir Notizen.

Es war einfacher, als ich gedacht hatte. So einfach sogar, dass ich es bei meinem ersten Versuch an diesem Freitagabend hinbekam. Ich unterbrach einen faszinierenden Traum über die Renovierung unserer Veranda und machte daraus eine windumtoste Landstraße. Ein Ford Mustang, unter dem die Kilometer nur so wegschnurrten, der Wind in meinem Gesicht. Ich war ganz aus dem Häuschen, als ich aufwachte.

Vielleicht hätte ich da schon misstrauisch werden sollen. Angeblich war es doch schwierig, seine Träume zu kontrollieren. Aber ich dachte mir nichts dabei; ich konnte mich schon immer in allen Einzelheiten und komplett in Technicolor an meine Träume erinnern. Früher habe ich sie meiner Mutter erzählt, und sie schlug sie dann in einem ihrer Bücher nach und erklärte mir, was sie zu bedeuten hatten.

»Träume passieren nicht einfach so«, pflegte sie zu sagen.

Natürlich kam keine der Erklärungen aus den Traumdeutungsbüchern jemals an die Wahrheit heran. Damit hatte ich als Skeptikerin auch nicht gerechnet. Der Trick, den meine Mutter mir zu verraten vergessen hatte – oder vielleicht wollte sie, dass ich ihn selbst herausfand, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war – bestand darin, dass die wahre Bedeutung eines Traums die ist, die wir ihm selbst verleihen. Die Macht des Träumens liegt in dem, was unser Unterbewusstsein den verworrenen Bildern, die wir im Schlaf sehen, einflößt.

Und ich hatte jede Menge Stoff für meine Fantasie. Ich nahm alles, was mich Hardcore-Pornos und schmutzige Liebesromane gelehrt hatten und steckte es in die Fantasievorstellungen, die ich über ihn erschuf. Wir trieben es in Palastbetten, Toilettenkabinen von Nachtclubs und auf der Motorhaube des Mustangs. Ich sorgte dafür, dass sein Traum-Ich mir Lust verschaffte, bis ich nicht mehr konnte und schweißgebadet erwachte. Dann zitterten meine Beine und meine Klit immer noch, und mein Höschen war klebrig von meinen eigenen Säften.

Manchmal weckte ich dann Casey und zerrte ihr das Nachthemd herunter. Ich vergrub mein Gesicht in ihrer weichen Haut und ihren noch weicheren Locken und fiel über sie her, bis ich endlich befriedigt war. Morgens lachte sie und nannte mich eine Schlampe, und ich lachte darauf und küsste sie. Aber ich fühlte mich ein wenig schuldig, weil sie keine Ahnung hatte, was für eine Schlampe ich wirklich war.

Casey ahnte also nichts von den schmutzigen Tiefen, in die meine Gedanken jede Nacht tauchten, aber wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich gutes Geld darauf gewettet, dass er Bescheid wusste. Den ganzen Tag lang fing er meinen Blick auf und schüttelte lächelnd den Kopf, als kenne er die Fantasie, die ich vor meinem inneren Auge ablaufen ließ, wenn ich ihn ansah. Aber das war unmöglich; ich war mir sicher, dass ich mich einfach mit meiner Körpersprache verraten hatte. Auf der anderen Seite passierten merkwürdige Zufälle, die schwieriger zu erklären waren. Wie an dem Tag, an dem ich bemerkte, dass er Marvin Gaye hörte, nachdem ich in der Nacht zuvor davon geträumt hatte, wie ich ihn auf der Ledercouch einer Wohnung, in der ich vor Jahren gewohnt hatte, fickte, während wir Motown-Hits hörten und uns mit Brandy betranken. Er sah mich an, als ich an seinem Büro vorbeikam, und dann stieg ihm schuldbewusst das Blut in die Wangen, und er wandte den Blick ab. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte …

Als er anfing, mir aus dem Weg zu gehen, sagte ich mir, das könne nichts mit diesen seltsamen kleinen Zufällen zu tun haben. Es konnte nur sein schlechtes Gewissen wegen der Anziehung zwischen uns sein. Oder vielleicht die Hektik in der Firma, wenn sich alles überschlug und unsere Tage mit Meetings und Brandschutzübungen vollgepackt waren. Der Arbeitsstress, der Umstand, dass ich ihn nicht jeden Tag sah: Das musste der Grund dafür sein, dass ich daraufhin aufhörte, von ihm zu träumen. So musste es einfach sein.

Das Problem dabei war, dass ich nicht aufhören wollte. Ich konnte meinen Träumen immer noch jede Richtung geben, die ich wollte; vermochte immer noch zwischen ihnen hin- und herzuschalten wie zwischen den Szenen auf einer DVD. Aber ich war nicht mehr in der Lage, die süßen Fantasien über ihn heraufzubeschwören. Nicht einmal ein paar Augenblicke lang. Sie verblassten, und wenn ich stur an der Szene festhielt, verlor sie ihre Kraft, und ich sah zweidimensionale Bilder auf einem Schirm statt eines lebenden, atmenden 3D-Films.

Das wollte ich nicht. Ich wünschte mir dieses Gefühl bei ihm zu sein, so als könne ich ihn wirklich riechen und seine Haut schmecken. Spüren, wie sich meine Arme reckten, wenn ich sie um ihn schlang und er mit seinem Körper in meinen hineinstieß. Aber die Bilder waren hohl, daher versuchte ich es nicht weiter. Und ihm ging ich auch aus dem Weg.

Nicht die beste Idee der Welt.

Ich fühlte mich verlassen, wurde reizbar. Als hätte ich etwas verloren. Wahrscheinlich hatte ich das in gewisser Weise. Am Tag fehlte mir meine Dosis an Begegnung mit ihm, und nachts vermied ich es, in den REM-Schlaf zu kommen, weil ich fürchtete, durch unausgegorene Träume enttäuscht zu werden. Das Ganze zerrte an meinen Nerven. Ich stellte fest, dass ich in der Supermarktschlange oder am Fenster eines Drive-In völlig fremde Menschen anschnauzte; und bei den Leuten, die ich kannte, erschöpfte die Anstrengung, normal zu wirken, mich so, dass meine Fassade immer mehr Risse bekam. Bald würde ich durchdrehen.

Da ich ihn in der Firma, wo er sich distanziert verhielt, nicht erreichen konnte, wandte ich mich erneut den Träumen zu. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass es eine Barriere gab, gegen die ich nur heftig genug anrennen musste, damit ich durchbrach und mich wieder normal fühlte. Wobei »normal« den Ort in meinem Schlaf bedeutete, an dem ich ihn beinahe spüren konnte. Ich musste mir nur mehr Mühe geben.

Wie immer wanderte ich in meinen Träumen umher, aber jetzt war ich nicht auf der Suche nach fantastischen Panoramen und Landschaften. Ich wollte meine Träume real und unmittelbar erleben. Hier in der Gegenwart.

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