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Süße Rache, heiße Nächte

1. KAPITEL

„Was meinst du, welcher Look wird einen Frauenhelden wie den Filmproduzenten Luc Gambrelli am ehesten aufmerksam machen?“ Darci zog ein weißes Kleid aus dem Schrank und drehte sich zu Kerry um. „Die verschämte Jungfrau?“

Sie hielt das Kleid vor sich. In einer geraden Linie fiel es Darci bis zu den Knien, und die schlichte Eleganz betonte ihre große, schlanke Statur. Sie strich die schwere rote Mähne aus ihrem herzförmigen Gesicht und schaute mit verschmitzt blitzenden moosgrünen Augen an sich herab.

Ihre Mitbewohnerin und langjährige Freundin Kerry lachte leise über diese Modenschau. „Was steht noch zur Verfügung?“

„Der sexy Vamp.“ Darci warf das weiße Kleid aufs Bett und brachte ein kleines Schwarzes zum Vorschein, mit dünnen Trägern und großzügigem Dekolleté, eng anliegend und kurz. Es ließ der Fantasie wenig Raum, als Darci es jetzt an sich drückte und mit verführerischem Augenaufschlag das Haar zurückschüttelte.

„Hm …“, Kerry verzog das Gesicht. „Es sollte irgendwo dazwischen liegen, glaube ich. Grant hat mir mal anvertraut, dass jeder Mann sich wünscht, eine Frau möge in der Öffentlichkeit lieblich und schön wie ein Engel sein und sexy wie der Teufel in seinem Bett.“

Darci zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Mein großer Bruder hat so etwas zu dir gesagt?“

„Vor Jahren, noch zu Uni-Zeiten.“ Kerry, eine grazile Brünette, lachte über Darcis perplexe Miene. „Wir waren alle gerade von einer Party zurückgekommen, und er beklagte sich, dass er wohl nie die perfekte Frau finden würde.“

„Na, vielleicht hat er da mit seinen Zweifeln sogar recht gehabt. Mit achtundzwanzig ist er noch immer Junggeselle. Und genau wie bei mir ist eine Beziehung für ihn vorerst wohl nicht in Sicht“, fügte Darci mit einem leichten Stirnrunzeln hinzu. „Sonst hätte er mich nicht gebeten, ihn auf die Filmpremiere zu begleiten.“

Ihr genau fünf Minuten älterer Zwillingsbruder war ein bekannter Regisseur. In den letzten vier Jahren hatte er sich in rasantem Tempo in den Hollywood-Himmel hochgearbeitet. Die letzten beiden Filme unter seiner Regie hatten enorme Gewinne an den Kinokassen eingespielt. Mit seinem jetzigen Film hoffte er, die Erfolgsserie fortsetzen zu können. Bei der morgigen Premiere würde auch der Produzent des Filmes anwesend sein – nämlich Luc Gambrelli.

Ein zu schöner Zufall, um sich die Chance entgehen zu lassen …

Kritisch begutachtete Darci die beiden Kleider. „Du denkst also, irgendwo dazwischen, ja? Hm … Es würde wohl helfen, wenn man wüsste, ob Luc Gambrelli Rothaarige, Brünette oder Blondinen bevorzugt.“

„Kommt wahrscheinlich auf den Wochentag an“, erwiderte Kerry hämisch. „Montags eine Blondine, dienstags eine Brünette und am Mittwoch dann einen Rotschopf – oder so ähnlich. Wenn man den Zeitungsberichten der letzten Jahre Glauben schenken will, soll er angeblich für jeden Tag eine andere Frau haben“, setzte Kerry erklärend hinzu, als sie Darcis verständnislose Miene sah.

Darci überlegte. „Dann können wir nur hoffen, dass er den Dienstag für Rotschöpfe freihält!“ Kerry lächelte schief. „Hast du wirklich vor, das morgen Abend durchzuziehen?“

„Und damit Luc Gambrelli von seiner eigenen bitteren Medizin zu kosten geben? Ja!“ Darci suchte schon wieder in ihrem Kleiderschrank nach dem perfekten Kleid für den nächsten Abend. „Er hat Mellie das Herz gebrochen, vergiss das nicht. Ich werde Grant dazu bringen, uns beide miteinander bekannt zu machen. Hoffentlich gelingt es mir, sein Interesse zu wecken. Denn dann werde ich das ausgesprochene Vergnügen haben, ihn abblitzen zu lassen! Es ist höchste Zeit, dass eine Frau diesem arroganten Luc Gambrelli einmal klarmacht, dass nicht jedes weibliche Wesen ihm willig zu Füßen sinkt.“

„Meinst du nicht, es könnte Grants Karriere schaden, wenn du dich mit einem so mächtigen Filmmogul wie Gambrelli anlegst?“, gab Kerry zu bedenken.

„Das ist ja das Schönste daran.“ Darci grinste. „Mein großer Bruder ist momentan der absolute Liebling der Filmwelt. Sie werden sich hüten, ihn anzugreifen.“

Kerry sah noch immer besorgt drein. „Die Welt des Films ist wankelmütig. An einem Tag noch der Liebling aller und am nächsten schon der Ausgestoßene.“

„Meinst du wirklich, Luc Gambrelli ist armselig genug, um seinen Ärger an Grant auszulassen?“

„Könnte möglich sein“, erwiderte Kerry.

Lachend beugte Darci sich zu Kerry und umarmte sie. „Du warst schon immer der Schwarzseher unter uns.“ Dabei wusste sie genau – hätte die Freundin sie nicht immer gewarnt und zur Vorsicht gemahnt, wäre sie in den letzten Jahren wahrscheinlich sehr viel häufiger auf die Nase gefallen. Vielleicht hatten ihr Temperament und ihre Spontaneität etwas damit zu tun, dass sie ein typischer hitziger Rotschopf war.

Sie dachte nicht daran, von ihrem Vorhaben abzusehen. Nicht nach dem, was Luc Gambrelli Mellie angetan hatte …

„Dir ist schon klar, dass er morgen wahrscheinlich in Begleitung erscheinen wird, oder?“, versuchte Kerry sie noch immer zu bremsen.

„Eben nicht!“, trumpfte Darci auf. „Grant hat mir erzählt, dass Luc Gambrelli den Begleiter für Jackie Tunbridge, die weibliche Hauptrolle, mimt. Sie ist wohl neu in dem Geschäft und ziemlich nervös, und Gambrelli scheint auch vorsichtiger geworden zu sein, wen er wohin mitnimmt.“ Darci hielt inne und überlegte kurz. „Grant sagt, Luc Gambrelli will nicht in der Ehefalle enden, so wie sein Bruder und sein Cousin – Graf Wolf Gambrelli und Cesare Gambrelli.“

„Er ist mit den beiden verwandt?“ Kerry schnappte beeindruckt nach Luft.

Darci nickte. „Sein Bruder ist niemand Geringerer als der Graf.“ Noch immer schob sie die Kleider im Schrank hin und her und seufzte schließlich frustriert. „Es hat keinen Zweck. Ich werde morgen wohl einkaufen gehen müssen, um etwas Passendes zu finden.“

„Ich dachte, du hasst es, Sachen zum Anziehen zu kaufen“, erinnerte ihre beste Freundin sie.

„Um den ach so unwiderstehlichen Luc Gambrelli in seine Schranken zu verweisen, mache ich eine Ausnahme. Kerry, ich weiß, du hältst es für keine gute Idee. Aber man kann es dem Mann doch nicht einfach durchgehen lassen, was er mit Mellie gemacht hat. Er darf nicht ungestraft das Herz einer meiner besten Freundinnen brechen!“

Kerry, Mellie und Darci waren seit der Schulzeit Freundinnen und hatten auch Kontakt gehalten, nachdem sie in London alle verschiedene Karriererichtungen eingeschlagen hatten. Kerry hatte sich für ein Geschichtsstudium entschieden, Mellie war zur Schauspielschule gegangen, und Darci war Ärztin geworden. Grant, der Darcis Freundinnen ebenfalls von klein auf kannte und auch in London die Universität besucht hatte, hatte während der Studienzeit mit den Mädchen zusammen in einem Haus gewohnt. Die Jahre hatten die vier zusammengeschweißt, sie standen einander

so nah wie eine Familie. Wenn einer von ihnen verletzt wurde, dann litten alle anderen mit. Und vor sechs Wochen war Mellies zartes Herz von Luc Gambrelli gebrochen worden.

Grant war nach dem Examen nach Los Angeles gegangen, und die drei jungen Frauen hatten sich gemeinsam eine andere Wohnung in London gesucht. Vor sechs Monaten war Mellie, nach ersten Erfolgen auf der Bühne, ebenfalls nach L.A. übergesiedelt, um Chancen auf eine große Filmrolle zu erhalten. So war sie mit dem berühmten Produzenten Luc Gambrelli in Kontakt gekommen und hatte sich prompt in ihn verliebt.

Die beiden waren sich auf einer Party begegnet, Luc Gambrelli musste Mellie scheinbar völlig damit überrascht haben, sie sei angeblich die perfekte Besetzung für die Hauptrolle in seinem nächsten Filmprojekt.

Durch lange Telefonate und E-Mails über den Großen Teich hinweg waren Kerry und Darci auf dem Laufenden gehalten worden. Mellie hatte sich gar nicht schwärmerisch genug über den italienischen Filmproduzenten auslassen können. Luc Gambrelli hatte sie im wahrsten Sinne von den Füßen gerissen, hatte sie unablässig umworben und mit Blumen und Geschenken überhäuft, bis er sich seiner Eroberung sicher sein konnte und Mellie, verliebt bis über beide Ohren, willig in sein Bett gefallen war.

Danach war der Mistkerl sang- und klanglos verschwunden und mit ihm die Hoffnung auf die Hauptrolle in seinem Film. Mit gebrochenem Herzen musste Mellie erkennen, dass sie auf den ältesten Trick der Filmbranche hereingefallen war – die Casting-Couch. Nun, im Falle von Luc Gambrelli war es wohl eher ein großes Bett mit Seidenlaken gewesen!

Wenn Darci Grant also dazu bekam, dass er sie Luc Gambrelli vorstellte, und sie dann dessen pompösem Ego den wohlverdienten Dämpfer versetzen könnte, wäre Darci sehr zufrieden. Natürlich würde sie nichts davon erwähnen, dass sie Mellies Freundin war. Es wäre zu erniedrigend für Mellie, wenn Luc Gambrelli erfuhr, dass sie sich wirklich hoffnungslos in ihn verliebt hatte.

Besser wäre es natürlich noch, wenn Mellie Grant zu der Premiere begleiten würde, doch dann hätten sie Grant einweihen müssen, und das wollte Darci der Freundin ersparen.

„Ich halte es für komplett verrückt, dass du dich auch nur in zehn Meter Entfernung dieses tödlichen Charmeurs begibst“, meinte Kerry. „Denn es besteht ja auch immer die Möglichkeit, dass du dir damit ins eigene Fleisch schneidest.“

„Du meinst, er hat nichts für Rothaarige übrig?“

Kerry musterte Darci kritisch, bevor sie antwortete. „Auf jeden Fall wird er etwas für diese Rothaarige hier übrig haben. Du bist unglaublich schön und äußerst sexy – wie die Legionen von gebrochenen Herzen beweisen, die du über die Jahre hinter dir zurückgelassen hast.“

Falls das stimmen sollte, so hatte Darci es nie bewusst darauf angelegt. Sie hatte sich ganz auf ihre Ausbildung und ihre Karriere konzentriert und überhaupt nicht an eine Beziehung gedacht, schon gar nicht an eine feste. „Was meinst du dann mit ‚ins eigene Fleisch‘ schneiden?“, fragte sie nachdenklich.

Kerry seufzte. „Hast du schon mal daran gedacht, dass du, wenn du den Mann triffst, selbst seinem südländischen Charme erliegen könntest, so wie alle anderen Frauen auf diesem Planenten auch?“, warnte sie.

„Keine Chance!“, versicherte Darci überzeugt. „Sizilianische Playboys mit mehr Geld als Anstand reizen mich nicht im Geringsten!“

„Hast du diesen sizilianischen Playboy überhaupt schon mal gesehen?“ Natürlich hatte Darci Fotos von ihm gesehen. Es stand ja ständig etwas über den Mann in den Klatschspalten, wenn mal wieder die nächste schöne Schauspielerin an seinem Arm hing. Er war gut einsneunzig groß, hatte schulterlanges Haar von der Farbe dunklen Goldes, und sein braun gebranntes Gesicht wirkte wie von Künstlerhand gemeißelt, markant und mit ausgeprägten Zügen. Es war ein Gesicht, das allein beim Anblick den Puls jeder Frau in die Höhe schnellen ließ. Luc Gambrelli war nicht nur einer der begehrtesten Junggesellen der Welt, er war auch einer der attraktivsten.

Trotzdem … Luc Gambrelli, der millionschwere Sizilianer, der seine Frauen so oft wie seine Seidenhemden wechselte, würde schon bald die eine Frau treffen, die nicht vorhatte, auf seinen überwältigenden Charme hereinzufallen und sich seiner unwiderstehlichen Ausstrahlung zu ergeben.

Er stand kurz davor, die unnachgiebige und unnahbare Darci auf ihrem Rachefeldzug kennenzulernen.

2. KAPITEL

„Hast du Mellie in Los Angeles eigentlich öfter gesehen?“, fragte Darci ihren Bruder.

„Mellie?“ Grant hatte bisher den Blick über die schillernden Partygäste im Saal nach der Premiere schweifen lassen, drehte jetzt aber das Gesicht zu Darci.

„Ja, Mellie.“ Sie lächelte spöttisch. „Du weißt schon, meine alte Schulfreundin? Vor ein paar Jahren haben wir alle mal eine Zeit lang zusammen gewohnt.“

„Sehr lustig, wirklich“, meinte Grant gedehnt. „Ich fragte mich nur, warum dich das interessiert.“

Weil sie wissen wollte, ob Grant über die freudlose Angelegenheit zwischen Mellie und Luc Gambrelli im Bilde war! „Aber vielleicht schwebt der große Regisseur Grant Wilde ja jetzt in höheren Gefilden, sodass er sich an seine alten Freunde nicht mehr erinnern kann?“, frotzelte sie ihren Bruder weiter an.

„Du wirst immer lustiger, ehrlich“, wehrte er sich. „Ja, wir haben uns ein paar Mal getroffen, aber … Oh hallo!“ Lächelnd begrüßte er den Mann, der sich nun zu ihnen gesellte.

„Grant, sei doch so nett und mache mich mit der Schönheit bekannt, die dich heute Abend begleitet“, bat Luc Gambrelli den jungen Regisseur mit charmant heiserer Stimme. Sein Blick lag unverwandt auf der berauschend schönen Frau, die neben Grant stand und Champagner nippte. Denn seit die Party in vollem Gange war, floss dieser reichlich.

Laut den ersten Kritikerstimmen, die bei der Premiere zu hören waren, schien der Film ein glänzender Erfolg zu werden. In den Zeitungen morgen früh würde man dann wohl weitere Details erfahren.

Luc war der aufsehenerregende Rotschopf an Grant Wildes Seite sofort aufgefallen, kaum dass die beiden Arm in Arm vor dem Kino angekommen waren. Die Frau war viel zu schön, um nicht aus der Menge herauszustechen – selbst in einer so illustren Gemeinde wie heute Abend. Ihr langes rotes Haar erinnerte an die Gemälde Raphaels, ihre Augen waren von einem klaren, strahlenden Grün, ihre Haut makellos hell, außer ein paar winzig kleinen Sommersprossen auf ihrer Nase. Ergänzend dazu ein sinnlicher voller Mund und schließlich eine hinreißende Figur, die das eng anliegende giftgrüne Kleid bestens zur Geltung brachte.

Sie war schlank, mit endlos langen Beinen. Und während sie eine wespenschmale Taille hatte, so zeichneten sich ihre Brüste prall und fest deutlich unter dem anschmiegsamen Stoff ab, und der großzügige Ausschnitt gewährte zudem einen Blick auf das schimmernde, makellose Dekolleté.

Schon vorhin hatte sie seine Neugier erregt, als sie ihren Blick kühl und fast ein wenig gelangweilt über die Menge im Foyer hatte schweifen lassen. Dieser Blick hatte auch für einen Moment auf ihm gelegen, bevor sie dann desinteressiert weggeschaut hatte.

Dieser Moment hätte gereicht, um das Interesse eines jeden Mannes zu wecken, insbesondere aber das eines Mannes, der so oder so schon interessiert war.

Vor dem Film war leider keine Gelegenheit mehr gewesen, sich miteinander bekannt zu machen, doch Luc war fest entschlossen gewesen, sie nach dem Film auf der Party zu treffen.

Aus der Nähe konnte er sehen, dass sie noch schöner war, als er zuerst gedacht hatte. Haut wie Milch und Honig, die grünen Augen geradezu hypnotisierend unter den langen dunklen Wimpern und die Locken, von einem höchst ungewöhnlichen Rot, ergossen sich seidig über die bloßen Schultern. Zudem hatte Luc aus der Nähe einen äußerst verführerischen Einblick in ihr Dekolleté, denn obwohl sie sehr groß war, überragte er sie noch um Haupteslänge.

Seine Augen begannen zu glühen, als er sie anschaute und sich diesen großartigen Körper ohne das grüne Kleid vorstellte. Er stellte sich vor, wie es sein würde, sie zu küssen, sie zu schmecken, sie überall zu berühren …

Immer wieder von den schönsten Frauen der Welt umschwärmt, hatte er es manchmal für kurze Zeit zugelassen, von ihnen verführt zu werden. Jetzt empfand Luc seine spontane Reaktion auf die Schönheit dieser fremden Frau als eine Neuigkeit. Obwohl … bereits jetzt wusste er, dass die Neuigkeit in dem Moment ihren Reiz verlieren würde, da er diese Frau in seinem Bett gehabt hatte.

Falls es ihm überhaupt gelingen sollte, sie dorthin zu locken!

Denn die kühle Gleichgültigkeit, mit der sie ihn vorhin angeschaut hatte, lag auch jetzt in ihren Augen, da er vor ihr stand und sie ihm direkt ins Gesicht sah.

„Aber natürlich, gern“, antwortete Grant jetzt. „Das ist meine Zwillingsschwester Darci. Darci, darf ich dich mit Luc Gambrelli bekannt machen“, stellte er die beiden einander vor.

Grants Schwester? Diese Frau war Grants Zwillingsschwester?

Die beiden hätten unterschiedlicher nicht sein können. Grant war blond, während die Frau an seiner Seite eindeutig eine natürliche Rothaarige zwar. Das Einzige, was die beiden gemein hatten, war die überdurchschnittliche Größe und diese grünen Augen.

„Darci.“ Mit einem unmerklichen Nicken hielt Luc ihren Blick gefangen, doch anstatt die Hand, die sie ihm entgegenstreckte, zu schütteln, führte er sie an seinen Mund und fuhr mit den Lippen flüchtig über den Handrücken.

Ihre Haut fühlte sich weich und warm an, ihre Finger waren lang und schlank, und ihr Duft hüllte sofort alle seine Sinne ein.

Darci verfolgte jede seiner Gesten mit konzentrierter Aufmerksamkeit unter halb gesenkten Wimpern hervor. Still beglückwünschte sie sich, dass sie nicht einmal darum hatte bitten müssen, Luc Gambrelli vorgestellt zu werden, sondern dass er aus eigenem Antrieb zu ihr gekommen war.

Überraschend kam es nicht für sie. Sie hatte seinen dunklen Blick schon auf sich liegen gespürt, als sie mit Grant vor dem Kino angekommen war, und dann noch einige Male öfter. Zweifelsohne hatte es daran gelegen, dass sie in einem Saal voll berühmter Persönlichkeiten das wohl einzige unbekannte Gesicht war.

Allerdings mischte sich ein Wermutstropfen in den ersten Erfolg, als er sich über ihre Hand beugte und mit den Lippen darüberstrich, während seine dunklen Augen offen mit ihr flirteten. Kerrys Warnung kam ihr wieder in den Kopf …

Luc Gambrelli musste Mitte dreißig sein, und die Fotos in den Zeitungen hatten nicht gelogen – er war verboten attraktiv. Aus der Nähe war seine Ausstrahlung allerdings hundertmal stärker. Der Mann in Fleisch und Blut, der da vor ihr stand, strahlte eine eisern kontrollierte Energie aus, die ein Foto niemals einfangen könnte. Sein Körper war schlank und durchtrainiert, und in dem schwarzen Abendanzug mit schneeweißem Hemd sah er einfach umwerfend aus. Das dunkelblonde Haar bildete einen auffälligen Kontrast zu den schokoladenbraunen Augen und der gebräunten Haut. Als er jetzt den Kopf hob, schenkte er Darci ein raubtierhaftes und gleichzeitig bewunderndes Lächeln, ohne ihre Hand loszulassen.

Doch es waren sein Ruf und die eiskalte Art und Weise, in der er Mellie erst ausgenutzt und dann fallen gelassen hatte, die Darcis Entschluss, sich von seinem Aussehen und seinem überwältigenden Charme nicht blenden zu lassen, jetzt nur noch verstärkten.

„Mr. Gambrelli.“ Sie entzog ihm ihre Hand und hielt seinem Blick ungerührt stand.

„Nennen Sie mich doch Luc“, bat er und sah sie mit leicht zusammengekniffenen Augen abschätzend an.

„Wenn Sie wünschen …“ Sie nickte knapp, bot ihm aber bewusst nicht die gleiche Gefälligkeit an.

„Haben Sie auch mit dem Filmgeschäft zu tun, Darci?“, fragte er jetzt. „Sind Sie vielleicht Schauspielerin?“

„Tut mir leid, nein.“ Ihre Erwiderung war völlig unpersönlich, während sie seinen flirtenden Blick ungerührt erwiderte.

Und genau das fachte Lucs Interesse nur noch mehr an. „Sieht ganz danach aus, als könnte Jackie etwas Unterstützung mit den Reportern gebrauchen, Grant“, hob Luc an, ohne jedoch den Blick von Darci zu wenden.

„Teufel!“, entfuhr es Grant, als er sich umdrehte und sah, wie die junge unerfahrene Schauspielerin, die durch den Film über Nacht zum Star geworden war, von einigen der berüchtigtsten Reporter belagert wurde. „Ich sollte sie wohl wirklich besser retten. Darci …“

„Ich werde dafür sorgen, dass Darci sich während deiner Abwesenheit nicht langweilt“, versicherte Luc. Damit fasste er erneut nach Darcis Hand und legte sie in seine Armbeuge.

Dieser Mann nutzt schamlos jeden Trick aus!, dachte Darci düster, als sie sich an Lucs Seite gezogen fühlte. Die Wärme und Nähe seines Körpers waren verstörend.

Grant grinste ihn an. „Halte dich bei meiner kleinen Schwester zurück, verstanden, Luc?“, warnte er trocken.

Luc nickte zustimmend, dabei war er sich voll bewusst, wie jäh Darci sich versteift hatte. Eigentlich war er sich jedes auch noch so kleinen Details bewusst, das sie betraf. Angefangen bei ihrem herrlichen roten Haar, in dem er am liebsten sein Gesicht bergen wollte, bis hin zu den rot lackierten Fußnägeln, die aus den zierlichen Abendsandaletten hervorlugten und die er liebend gern geküsst hätte. Und dann würde er sich langsam, von unten nach oben, über ihren gesamten Körper arbeiten, hin zu den verführerischen festen Brüsten …

Grants Grinsen wurde breiter. „Ich sollte dich vorwarnen, Luc. Es braucht schon eine ganze Menge, um meine kleine Schwester zu beeindrucken“, sagte er noch, bevor er sich aufmachte, um seine Hauptdarstellerin vor der hungrigen Meute zu retten.

Darci sah ihrem Bruder mit einem leicht zerknirschten Lächeln nach. Da ließ er sie allein mit diesem Wolf – im Wolfspelz! –, ohne sich auch nur noch einmal umzudrehen!

Aber Grant wusste ja auch nichts über ihre zwiespältigen Gefühle in Bezug auf den sizilianischen Filmproduzenten. Manche Dinge beichtete man eben nicht einmal seinem Zwillingsbruder, und Mellies Erniedrigung durch Luc Gambrelli gehörte zu diesen Dingen.

Dennoch … ihr Bruder musste wissen, welcher Ruf Luc Gambrelli vorauseilte. Aber wenn sie es recht bedachte, dann amüsierte Grant sich wahrscheinlich königlich darüber, welch großartiger Streich ihm eingefallen war, indem er sie in Gesellschaft dieses Mannes mit dem umwerfenden Charme zurückließ. Nur, wem dieser Streich gelten sollte, ihr oder Luc Gambrelli, konnte sie nicht sicher sagen.

Sie drehte sich zu dem Mann um, der nun so nah bei ihr stand. „Ich gehe davon aus, dass Sie das absichtlich gemacht haben“, murmelte sie spöttisch.

„Stimmt.“ Er klang keineswegs reumütig. „Aber stimmt es auch, was Grant über Sie gesagt hat?“ Er machte nur einen kleinen Schritt, stellte sich aber so vor sie hin, dass sie praktisch vom restlichen Saal abgetrennt war.

„Was? Dass ich nicht leicht zu beeindrucken bin? Welcher Meinung sind Sie denn?“, fragte sie provozierend.

Er hob anzüglich die Brauen. „Ich glaube nicht, dass Sie schon bereit sind, sich meine Meinung anzuhören“, konterte er heiser.

Darci blinzelte unwillkürlich. Die Provokation hatte er ihr zehnfach zurückgegeben. Denn sein vertraulicher Ton sagte ihr klar und deutlich, in welche Richtung seine Gedanken gingen.

Als wäre dieser abschätzende Blick aus den dunklen Augen, den er von Kopf bis Fuß über ihren Körper wandern ließ, nicht schon deutlich genug!

Nun, sie war kein verschüchtertes Mauerblümchen, auch keine relativ unbekannte Schauspielerin, die sich Hoffnungen auf den großen Durchbruch machte. Sie war eine achtundzwanzig Jahre alte Ärztin, und es würde ihr den größten Spaß bereiten, diesem Mann zu zeigen, dass sie sich durch nichts, was ihn betraf, beeindrucken lassen würde.

Darci trat zurück und zog gleichzeitig auch ihre Hand von seinem Arm. Erstaunlich, wie viel leichter ihr das Atmen fiel, jetzt, da sie die Wärme seines Körpers nicht mehr fühlte. „Lassen Sie es doch einfach drauf ankommen.“

Luc gefiel die Herausforderung scheinbar, denn er grinste. „Eine detaillierte Aufzählung oder nur ein allgemeiner Überblick?“

Darci nippte an ihrem Champagner, tat, als überlegte sie. Am liebsten hätte sie ihm das freche Grinsen vom Gesicht gewischt, doch noch war es nicht der richtige Zeitpunkt. Noch nicht.

Sie war fest entschlossen, den Schlag so hart wie möglich für ihn zu machen. Ihm sollte klar werden, dass er nicht jede Frau haben konnte. Die wenigen Minuten, die sie jetzt mit ihm verbracht hatte, bewiesen, dass er Interesse an ihr hatte. Ganz offensichtlich ein so starkes Interesse, dass sie sich fragte, ob sie ihren Plan nicht noch einen Schritt weiterführen sollte. Natürlich gab es da noch ein paar offene ‚Falls‘ …

Falls Luc Gambrelli sie tatsächlich um ein Wiedersehen bitten sollte.

Falls sie die Nerven hatte, dann zuzusagen, in dem vollen Wissen, dass sie nicht vorhatte, die Verabredung einzuhalten.

Sie sah ihm nun direkt in die Augen. „Die ausführliche Version, denke ich“, lautete ihre Antwort.

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