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Süß, sexy – skandalös …

Katherine Garbera

Süß, sexy – skandalös …

PROLOG

Geoff Devonshire hatte eigentlich keine Zeit für seinen leiblichen Vater, den er ohnehin noch nie getroffen hatte. Sein Terminkalender war heute voll. Allerdings war er auch ein bisschen neugierig, daher entschied er sich, zu dem Treffen im Hauptgebäude des Everest-Konzerns zu gehen, zumal sein Büro nur zwei Häuser entfernt lag, in einer der teuersten Gegenden Londons.

Als er aus dem Fahrstuhl trat, führte man ihn zum Konferenzzimmer am Ende des Flures.

„Guten Tag, Sir“, begrüßte ihn die gut aussehende Sekretärin. „Sie sind der Erste. Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“

Geoff verneinte und ging hinüber zu der Fensterfront, um auf die Themse zu schauen. Es war ein kühler Vormittag im März, und die Sonne drang nur hin und wieder durch die dichte Wolkendecke.

Die Tür hinter ihm wurde geöffnet, und als er sich umdrehte, hörte er, wie die Sekretärin Henry Devonshire – einen seiner Halbbrüder – begrüßte. Der ehemalige Rugbyspieler hatte sich inzwischen einen Namen beim Fernsehen gemacht. Das war im Grunde aber auch schon alles, was Geoff über ihn wusste, denn auch sie hatten sich vorher noch nie getroffen.

„Geoff Devonshire“, stellte Geoff sich vor.

„Henry“, erwiderte sein Halbbruder und schüttelte ihm die Hand.

Geoff fühlte sich ein wenig unbehaglich, die ganze Situation wirkte etwas bizarr. Doch bevor er noch etwas sagen konnte, wurde die Tür erneut geöffnet, und Steven Devonshire kam herein.

Sie alle drei waren uneheliche Söhne von Malcolm Devonshire, und Geoff überlegte, dass die Boulevardpresse ein Vermögen zahlen würde, um ein Foto von diesem Zusammentreffen zu schießen.

Edmond, Malcolms Anwalt und rechte Hand, betrat den Raum und bat die drei Brüder, sich zu setzen. Geoff lehnte sich zurück und betrachtete die anderen. Malcolm hatte die Vaterschaft seiner drei Söhne anerkannt, hatte monatlich einen Scheck geschickt, sich ansonsten aber nicht um sie gekümmert.

Geoffs Mutter, Prinzessin Louisa von Strathearn, war trotz ihres Titels nur eine entfernte Verwandte der königlichen Familie. Sie war ein Partygirl gewesen und hatte ihre Affäre mit Malcolm und die Schlagzeilen, die sie damit heraufbeschworen hatte, genossen. Bis sie herausgefunden hatte, dass sie nur eine von drei Frauen war, mit denen Malcolm liiert gewesen war. Enttäuscht hatte sie sich in ihr Landhaus zurückgezogen und hatte es, soweit Geoff wusste, in den Jahren nach seiner Geburt kaum verlassen.

Henry, der Zweitälteste der Brüder, war der Sohn einer berühmten Popsängerin aus den Siebzigern, und Steven, der Jüngste, war der Sohn von Lynn Grandings, einer mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Physikerin. Einigen Wirbel hatte es gegeben, als herauskam, dass Geoff und Steven beide nach Eton gehen würden, woraufhin Geoffs Mutter kurzfristig entschieden hatte, ihren Sohn auf ein exklusives Internat in Amerika zu schicken.

Die Altersunterschiede zwischen ihnen waren gering, denn unerhörterweise waren sie alle im selben Jahr geboren worden.

„Warum sind wir hier?“, fragte Henry.

„Malcolm hat eine Nachricht für Sie vorbereitet“, erwiderte Edmond.

Warum jetzt, fragte sich Geoff. Ihm kam es merkwürdig vor, dass Malcolm seine drei Kinder auf einmal zu einem Treffen zusammenrief.

„Mr. Devonshire liegt im Sterben“, erklärte Edmond. „Er möchte, dass das Werk, für das er so hart gearbeitet hat, durch Sie alle weiterlebt.“

Geoff wäre fast aufgestanden und gegangen. Er wollte nichts von Malcolm. Er hatte nie etwas gewollt. Malcolm hatte seiner Mutter das Herz gebrochen. Und da er zwei Schwestern hatte, Gemma und Caroline, verabscheute Geoff Männer, die Frauen so skrupellos behandelten.

Doch er blieb sitzen und nahm die Mappe entgegen, die Edmond jedem von ihnen reichte, während er sich fragte, was ihn wohl erwartete. Die handgeschriebenen Zeilen stellten eine Überraschung dar.

Malcolm wollte, dass er die Fluglinie übernahm, die zum Everest-Konzern gehörte. Und wenn er mit diesem Unternehmen mehr Gewinn erwirtschaftete als seine beiden Brüder in ihren Sparten, würde er die Leitung des Gesamtkonzerns übertragen bekommen.

Geoff überlegte schnell, was es bedeuten würde, den Geschäftszweig eines großen Konzerns zu leiten. Obwohl Fliegen seine große Leidenschaft war, hatte er nie danach gestrebt, eine Fluglinie zu besitzen, zumal seine eigenen Geschäftsinteressen vielfältig waren. Trotzdem würde er solch ein Angebot nicht unbedingt ausschlagen. Hier bot sich die Chance, das, was Malcolm sich hart erarbeitet hatte, zu nehmen und … ja, was? Die Versuchung war groß, das Ganze in den Ruin zu treiben. Er brauchte das Geld nicht, und seine Mutter würde von Malcolm keinen Cent annehmen. Sie verfügte über ihr eigenes Vermögen.

Während Henry und Steven mit Edmond sprachen, lehnte Geoff sich zurück. Schließlich fragte Edmond ihn: „Was sagen Sie dazu?“

„Ich bin auf sein Geld nicht angewiesen“, erwiderte Geoff. Er hatte einen Titel und ein Vermögen von seinen Großeltern mütterlicherseits geerbt und brauchte im Grunde nicht einmal zu arbeiten. Trotzdem verfolgte er seine geschäftlichen Interessen mit Freude, denn Untätigkeit war nichts für ihn.

„Können wir das Ganze kurz unter uns besprechen?“, fragte Steven.

Edmond nickte und verließ das Zimmer. Sobald die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, stand Steven auf. Geoff hatte das eine oder andere über ihn und die Porzellanfirma, die er vor dem Ruin gerettet hatte, gehört. Steven war ein Mann, der über großen Geschäftssinn verfügte, was es wohl schwer machen würde, ihn in diesem Wettstreit, den Malcolm ausgeschrieben hatte, zu schlagen.

„Ich denke, wir sollten es machen“, sagte Steven.

„Ich bin mir nicht sicher“, erwiderte Geoff. „Er sollte keine Bedingungen an sein Testament knüpfen. Wenn er uns etwas hinterlassen will, soll er es tun und gut.“

„Aber es betrifft auch unsere Mütter“, warf Henry ein.

Alles, was Malcolm seit Geoffs Geburt getan hatte, hatte sich in irgendeiner Form auf seine Mutter ausgewirkt. Und Geoff wusste nicht, wie diese Sache ausgehen würde. Seine Mum wollte nichts mehr mit Malcolm zu tun haben. Andererseits wollte Geoff gern etwas für sie erreichen, um all das, was Malcolm ihr angetan hatte, wenigstens in gewisser Weise wiedergutmachen zu können.

„Stimmt, es betrifft sie auch“, meinte Geoff nachdenklich. „Ich verstehe, was ihr meint. Wenn ihr zwei euch darauf einlassen wollt, mache ich auch mit. Ich brauche zwar weder seine Zustimmung noch sein Geld, aber was soll’s. Betrachten wir es einfach als sportliche Herausforderung.“

Die anderen beiden stimmten zu, und sie erklärten Edmond, dass sie die Herausforderung, die ihr Vater ihnen präsentiert hatte, annehmen würden. Wenig später verließ Geoff zusammen mit Henry das Büro.

„Hast du ihn jemals getroffen?“

„Malcolm?“, fragte Geoff.

„Ja.“

„Nein. Du?“ Geoff war immer davon ausgegangen, dass Malcolm sich für keinen seiner Söhne interessiert hatte. Er wäre überrascht, wenn es anders wäre.

Henry schüttelte den Kopf. „Aber sein Vorschlag ist interessant.“

„Stimmt“, meinte Geoff. „Ich habe allerdings keine Ahnung, wie man eine Fluglinie leitet.“

Henry lachte. „Glaubst du, ich weiß, wie man eine Plattenfirma führt?“

„Ich habe das Gefühl, dass Steven uns um einige Längen voraus ist“, sagte Geoff. „Man muss sich ja nur anschauen, was er mit Raleighvale Porzellan gemacht hat. Ich habe nur Übung im Managen von Stiftungen und Geschäften, die gut laufen.“

„Ich auch“, meinte Henry.

Nachdem sie sich voneinander verabschiedet hatten, saß Geoff in seinem Wagen und überlegte, wie er Everest-Airlines in seinem ohnehin vollen Terminplan unterbringen sollte. Er würde einen Weg finden. Das tat er immer, wenn es um seine Verantwortlichkeiten und Pflichten ging.

Allerdings wäre es schön, wenn er wenigstens einmal etwas nur für sich tun könnte. Er erfüllte seine familiären Verpflichtungen, indem er Benefizveranstaltungen und andere, vom Königshaus organisierte gesellschaftliche Anlässe besuchte, die seiner Mutter oder seinen Schwestern wichtig waren. Jetzt würde er versuchen, die Firma, die von dem Mann gegründet worden war, der ihn in die Welt gesetzt hatte, in ein noch profitableres Unternehmen zu verwandeln. Und sei es nur, um es seinem Vater zu beweisen.

Geoff gefiel die Herausforderung. Henry und Steven waren beide würdige Gegner, und dass sie sich unter diesen Bedingungen das erste Mal getroffen hatten, war irgendwie passend. Hier bot sich ihm die Chance, zu beweisen, dass er, als der älteste der Devonshire-Erben, den größten Teil der Erbschaft genießen sollte.

1. KAPITEL

Die Veranstaltung an diesem Abend war extrem langweilig – die Art von Wohltätigkeitsessen, die Geoff am liebsten mied. Doch er war ein Devonshire und zudem ein Mitglied der königlichen Familie, also gab es Dinge, die ließen sich einfach nicht umgehen. Zumindest bot der William-Kent-Saal im Hotel Ritz einen äußerst ansprechenden Rahmen.

Mary Werner, Tochter eines Milliardärs, war an diesem Abend seine Begleiterin. Sie kam aus angesehenen Kreisen und würde eine gute Ehefrau für ihn abgeben, wenn er darauf aus wäre. Er vermutete, dass ihre Familie insgeheim darauf wartete, dass er ihr einen Antrag machte.

Seine Halbschwestern, die dreiundzwanzigjährige Gemma und die zwei Jahre jüngere Caroline, nannten sie seine jungfräuliche Braut. Er tat dann immer so, als wäre er empört, wusste aber, dass sie recht hatten. Mary, so hübsch und nett sie auch war, war etwas zu zahm für ihn.

Am Eingang zum Ballsaal klickten auf einmal die Kameras. Geoff blickte über die Schulter und sah, dass Amelia Munroe den Fotografen ein Lächeln schenkte. Sie trug ein eng geschnittenes rotes Kleid, das ihre üppigen Kurven besonders gut zur Geltung brachte, und hielt einen kleinen Hund auf dem Arm. Das Tier bellte jedes Mal, wenn ein Blitzlicht aufleuchtete.

Gespräche wurden unterbrochen, als sämtliche Gäste die Köpfe zu ihr umwandten. Sie sagte etwas, wobei man deutlich den amerikanischen Akzent heraushören konnte, und lachte dann. Plötzlich störte es Geoff gar nicht mehr so sehr, dass er hier sein musste.

„Oh, es ist Amelia“, sagte Mary leise.

„Tatsächlich. Sie liebt große Auftritte.“

„Stimmt. Alle beobachten sie. Ich frage mich, wie sie das macht“, meinte Mary.

Geoff wusste genau, wie sie es machte. Sie zog die Aufmerksamkeit mit ihrer Figur, mit ihrer Ausstrahlung und mit ihrem Lachen auf sich. Sie bewegte sich wie eine Frau, der es an Selbstbewusstsein nicht mangelte. Ihr lockiges schwarzes Haar hatte sie hochgesteckt, nur einzelne Strähnen umschmeichelten ihr herzförmiges Gesicht. Von seinem Platz aus konnte Geoff ihre Augen nicht sehen, aber er wusste, dass sie strahlend blau waren. Männer begehrten sie – er eingeschlossen. Und wenn er Marys Reaktion richtig deutete, beneideten Frauen sie.

Obwohl die Paparazzi am Eingang aufgehalten wurden, schienen die Menschen im Saal nun nervöser zu sein, als Amelia hereinkam.

„Ich vermute, dass das internationale Kinderhilfswerk in diesem Jahr einer ihrer Lieblingswohltätigkeitsvereine ist“, sagte Mary.

„Scheint so“, erwiderte Geoff. Hubert Grace, ein Freund der Familie, entschuldigte sich hastig bei den Gästen am Tisch, und Geoff schüttelte den Kopf, als Hubert zielstrebig auf Amelia zuging.

„Was hat Hubert vor?“, fragte Mary.

„Keine Ahnung, aber wir sollten unser Gespräch fortsetzen“, meinte Geoff.

Er mochte sich zu Amelia hingezogen fühlen, doch aus Erfahrung hatte er gelernt, dass die Dinge, die er sich am meisten wünschte, für ihn die gefährlichsten waren. Und die, die ihn am ehesten seine innere Ruhe kosteten. Und dieser Wettstreit, den Malcolm ausgeschrieben hatte, erforderte seine ganze Konzentration und vorbildliches Verhalten – etwas, was ihn immer ein bisschen unruhig machte.

„Gute Idee. Ich frage mich, ob ihr bewusst ist, wie sehr sie die Leute ablenkt“, sagte Mary.

„Fühlst du dich von ihr gestört?“

Mary zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich.“

Mary war eine gut aussehende Frau – eine echte englische Rose mit heller Haut und glatten dichten Haaren. Ihre Augen waren blau und zeugten von ihrer Intelligenz. Aber sie war zahm. Sie befolgte die Regeln – so wie er auch, jedenfalls meistens. Die Stellung, die sie in der Gesellschaft einnahmen, erforderte das.

Noch einmal blickte er zu Amelia hinüber, die Hof hielt. Er wäre gern dort bei ihr gewesen, allerdings nicht als einer von vielen Anbetern. Er gab sich selten damit zufrieden, nur einer von vielen zu sein, und in diesem Fall war es nicht anders.

„Nicht wirklich?“, hakte er nach. „Gibt es etwas, worum du sie beneidest, Mary?“

Mary trank einen Schluck Wein und drehte sich dann zu Amelia um, die in eine Unterhaltung mit Hubert vertieft war. „Jeder beobachtet sie und spricht über sie, sogar ich. Na ja, ich wünschte, ich könnte in einen Raum kommen und sämtliche Frauen dazu bringen, sich zu wünschen, sie wären ich.“

Geoff musterte die Amerikanerin. Mit ihrem Mund, der wie geschaffen war zum Küssen, und ihrem kurvenreichen Körper sah sie fantastisch aus. Aber vor allem war es ihre Lebensfreude, die so anziehend wirkte. Sie kam aus einer wohlhabenden Familie, und ihr Bild erschien häufig in der Klatschpresse. Auf YouTube kursierte ein Video von ihr, das sie auf ihrer Jacht im Mittelmeer zeigte. Sie hatte schon so manches Mal für Skandale gesorgt, doch sie scheute niemals die Öffentlichkeit. Und Geoff musste zugeben, dass Amelia ihn faszinierte.

„Ich glaube, es liegt daran, dass sie nicht unbedingt den gesellschaftlichen Regeln folgt und sich nicht um das schert, was andere denken“, überlegte Geoff laut.

„Stimmt“, sagte seine Schwester Caroline, die wieder an den Tisch gekommen war. „Ihr redet über Amelia, oder?“

„Ja“, sagte Mary. „Ich beneide sie.“

Caroline lachte. „Ich bin auch eifersüchtig darauf, wie sie alle in ihren Bann zieht. Ich wünschte, ich könnte das auch.“

„Das kannst du, Caro, dir ist es nur noch nicht bewusst.“

„Ich glaube, da bist du der Einzige, der so denkt“, erwiderte sie und lächelte ihn an. Geoff vergötterte seine beiden Schwestern, die er mit großgezogen hatte, weil sein Stiefvater gestorben war, als die beiden vier und sechs gewesen waren.

„Der richtige Mann wird das auch erkennen“, sagte er.

„Und wann kommt der vorbei?“, wollte Caroline wissen.

„Wenn du dreißig bist“, antwortete Geoff.

„Na, dann werde ich mich bis dahin wohl mit dem Falschen vergnügen.“

„Nicht, wenn ich etwas dazu zu sagen habe.“

„Hast du ja zum Glück nicht“, meinte sie kichernd. „Du wirst viel zu sehr damit beschäftigt sein, Everest-Airlines zu leiten.“

Er verzog das Gesicht. Malcolms „Geschenk“ anzunehmen entpuppte sich als schwieriger denn gedacht. Die steigenden Ölpreise und die Wirtschaftskrise wirkten sich auch auf die Fluggesellschaften aus. Geoff hatte inzwischen schon ein paar Ideen entwickelt, wie er wieder schwarze Zahlen schreiben konnte, doch es würde sicherlich sehr viel mehr Zeit erfordern, als er diesem Job hatte widmen wollen.

Trotzdem entschied er, dass es an der Zeit war, nicht nur hart zu arbeiten, sondern sich auch ein bisschen Vergnügen zu gönnen.

„Das stimmt leider, Caro“, sagte er.

Mary schwieg während des Gesprächs, und Geoff vermutete, dass es damit zusammenhing, dass sie einen Heiratsantrag von ihm erwartete. Doch so sehr er Mary auch schätzte, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, den Rest seines Lebens mit ihr zu verbringen. Genau das war der Grund, warum er die Beziehung zu ihr nicht vertieft hatte. Sie war einfach zu ruhig. Er hatte weit mehr Spaß, wenn er sich mit seinen Schwestern unterhielt. Er konnte sie nicht heiraten, das wäre weder Mary noch sich selbst gegenüber fair. Sie verdienten beide etwas Besseres.

Er führte ein Leben, das von Pflichten bestimmt wurde, und daher wollte er, dass wenigstens seine Ehe mehr war als nur der Zusammenschluss von Familiennamen und Titeln. Er sehnte sich nach wahrer Zuneigung und einer wirklichen Ehe – nicht das, was er bei seinen Eltern erlebt hatte.

Die Affäre mit Malcolm hatte seine Mutter entscheidend verändert. In einer ihrer depressiven Phasen hatte sie ihm das einmal gestanden. Und die Ehe mit Carolines und Gemmas Vater war sie nur eingegangen, um ihren Ruf, den sie mit der Affäre beschädigt hatte, wiederherzustellen.

Geoff kannte also Vernunftgründe, die auch zu einer Ehe führen konnten, und die Vorstellung, nicht aus Liebe zu heiraten, vermittelte ihm ein Gefühl der Leere. Als er noch jünger war, hatte er häufig genug mitbekommen, wie seine sonst so strahlende Mutter verfiel, wann immer sie einen Artikel über Malcolm las, bis sie immer mehr Zeit zu Hause verbrachte, statt wie früher am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Für Geoff war klar, dass er etwas anderes wollte. Er wollte eine Frau, die seine Leidenschaft entfachte. Als er das perlende Lachen einer Frau hörte, drehte er sich zu Amelia um, die inmitten von mehreren eifrigen Verehrern stand. Er wollte sie.

Sie stand meist im Rampenlicht, etwas, was Geoff schon als junger Mann gelernt hatte zu meiden. Doch selbst das würde er in Kauf nehmen, wenn er damit seinem Ziel, Amelia Munroe zu erobern, näher kommen konnte. Schließlich war er es gewöhnt, sich das zu nehmen, was er wollte.

Während der Conférencier redete und redete, trank Geoff einen Schluck Martini und dachte an die Reise nach Botswana, die er zusammen mit Amelia für das Kinderhilfswerk unternommen hatte. Mit Bewunderung erinnerte er sich daran, wie mitfühlend und aufopfernd sie dort gewesen war. Nicht die verwöhnte Erbin, die auf Schritt und Tritt von der Presse begleitet wurde, sondern eine Frau, die im Schmutz gesessen und ein weinendes Kind getröstet hatte. Eine Frau, die sich mit den Einheimischen in deren Landessprache unterhalten hatte, als die Wasser und medizinische Vorräte abholen kamen, die die Hilfsorganisation verteilte. Als wäre es selbstverständlich, hatte Amelia erzählt, dass sie die Sprache auf einer Reise in dieselbe Region gelernt hatte, als sie vor ein paar Jahren schon einmal dort gewesen war.

Geoff war fasziniert gewesen, diese neue Seite an Amelia kennenzulernen. Sie jetzt in Höchstform zu erleben, erinnerte ihn daran, dass sie eine sehr vielschichtige, verwirrende und unglaublich schöne Frau war. Eine, die er unbedingt näher kennenlernen wollte.

Amelia Munroe lächelte Cecelia, Lady Abercrombie, an und nickte, während diese von dem Fiasko auf ihrer Dinnerparty in der letzten Woche berichtete. Amelia wünschte, sie wäre wirklich so rücksichtslos, wie sie in der Presse immer dargestellt wurde, denn dann könnte sie Cecelia jetzt einfach den Rücken kehren. Aber das brachte sie nicht über sich. Cecelia war eine der besten Freundinnen ihrer Mutter, und wenn sie nicht gerade endlos vor sich hin schwafelte, mochte Amelia sie eigentlich recht gern.

„Na ja“, meinte Cecelia, „eigentlich kannst du froh sein, dass du nicht gekommen bist.“

„Darüber bin ich gar nicht froh. Klingt, als wäre es sehr interessant gewesen.“

„Wärst du da gewesen, wäre es auf jeden Fall interessanter geworden“, erwiderte Cecelia. „Wie war es in Mailand?“

„Wunderbar. Mum hat eine neue Kollektion entworfen, die einfach spektakulär ist. Ich kann es kaum erwarten, dass sie sie der Welt präsentiert.“

„Ich fahre nächste Woche hin, um schon mal einen Blick darauf zu werfen“, sagte Cecelia. Obwohl sie bereits Anfang fünfzig war, sah sie mindestens fünfzehn Jahre jünger aus, denn sie war schlank und hatte perfekt blondiertes Haar.

„Das wird bestimmt eine schöne Reise“, sagte Amelia.

„Ja, ich bin schon ganz gespannt. Oh, ich sehe da gerade Edmond, Malcolm Devonshires rechte Hand. Ich würde gern wissen, wie es Malcolm geht, Liebes, macht es dir etwas aus?“

„Nein, natürlich nicht“, entgegnete Amelia und sah ihr hinterher. Cecelia war eine Klatschtante und wusste immer genauestens über das Privatleben der Menschen ihrer gesellschaftlichen Kreise Bescheid. Von einer Sekunde auf die andere vergaß Amelia die Freundin ihrer Mutter jedoch, als sie sah, dass ein Mann zielstrebig auf sie zukam.

Sie erkannte ihn sofort. Geoff Devonshire. Sie trafen sich häufig bei gesellschaftlichen Ereignissen und saßen beide im Vorstand des internationalen Kinderhilfswerks.

Der Mann mit dem dunklen Haar, das sich leicht wellte, und den strahlend blauen Augen hatte etwas, dem sie nicht widerstehen konnte. Sie dachte an das Foto, das sie einmal von ihm gesehen hatte. Darauf stand er neben seinem Learjet, trug eng anliegende Jeans – und sonst nichts.

Wow, hatte sie damals gedacht. Sein muskulöser Brustkorb war sehenswert, da konnten nicht mal die männlichen Models mithalten, die ihre Mutter, die bekannte Designerin Mia Domenici, für ihre Herbst-Modeschauen buchte. Doch anders als die meisten Männer hatte Geoff Amelia bisher kaum Beachtung geschenkt, und das frustrierte sie insgeheim.

„Guten Abend, Geoff“, begrüßte sie ihn, als er vor ihr stehen blieb. Sie beugte sich vor, um ihm den üblichen Kuss auf jede Wange zu geben, doch er überraschte sie, indem er ihr die Hände um die Taille legte und mit den Lippen ihren Mund streifte. Die Berührung hinterließ ein äußerst angenehmes Kribbeln bei Amelia, und sie legte den Kopf zur Seite, um Geoff zu mustern, wobei sie sich bemühte, ihn nicht wissen zu lassen, dass er sie aus der Fassung gebracht hatte. Sie war schließlich diejenige, die immer für Aufruhr sorgte!

„Das war ein bisschen sehr vertraulich“, meinte sie.

„Manchmal kann ich ein hinterhältiger Bursche sein“, erwiderte er lächelnd.

„Genau wie Hubert“, erklärte sie.

Geoff lachte, als sie dem älteren Mann kokett zuwinkte.

„Skandalös“, erwiderte er in scherzhaftem Ton.

Das ist das richtige Wort, dachte Amelia. Skandal könnte ihr zweiter Vorname sein. Obwohl sie in einer Welt voller Reichtum und Privilegien aufgewachsen war, hatten auch immer Skandale dazugehört. Sie war unehelich geboren worden, denn als ihre Mutter den Hotelmogul Augustus Munroe kennenlernte, war der noch verheiratet.

„Aber ich will nicht über Hubert sprechen“, fuhr Geoff fort und starrte sie mit seinen unglaublich blauen Augen an.

Amelia nippte an ihrem Champagner. „Nicht? Worüber möchtest du denn reden?“

„Abendessen. Morgen Abend.“

„Also, Captain Devonshire, ist das eine Einladung oder ein Befehl?“, fragte sie und benutzte einen von Geoffs vielen Titeln. Er war ein hoch dekorierter Kriegsheld aus dem ersten Golfkrieg, in dem er in der Luftwaffe gedient hatte.

Geoff lächelte. „Eine Einladung natürlich.“

„Aber bist du nicht mit Mary Werner liiert?“ Sie zierte sich ein wenig, um ihre Überraschung zu verbergen. Warum war er auf einmal an ihr interessiert, nachdem er sie so lange ignoriert hatte?

„Wir gehen ab und an aus. Ist das ein Problem?“, wollte er wissen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Exklusivität etwas ist, worauf du sonderlich viel Wert legst.“

Sie errötete. Wieso glaubte Geoff sie zu kennen? Aufgrund der Geschichten, die über sie in der Zeitung standen? Sie hatte sich immer sehr bemüht, nicht den Fehler ihrer Mutter zu wiederholen, sich mit einem verheirateten Mann einzulassen.

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