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Stufen des Bewusstseins

Gesche Rabten

Stufen des Bewusstseins

Vorwort von Gonsar Tulku Rinpotsche

Überarbeitet und herausgegeben von Schülern Gesche Rabtens unter der Leitung von Gonsar Tulku Rinpotsche

Das Umschlagmotiv stellt eine tibetische Butterlampe dar, die von Mönchen des Ganden Schartse Klosters im südindischen Exil zusammen mit anderen traditionellen Motiven in Sand gestreut wurde.

Das Licht in einem goldenen Gefäß symbolisiert den Zustand der Erleuchtung wie auch das Licht der Weisheit, das die Finsternis der Unwissenheit beseitigt.

Die Technik des Streuens von Sandbildern gehört zu den traditionellen Künsten im tibetischen Bud­dhis­­mus. Sie wurde von Buddha in den großen Tantras als besonders geeignet für das Herstellen von Mandalas empfohlen und ist bis heute in den großen Klöstern Tibets erhalten geblieben.

Vorwort des Herausgebers

Der vorliegende Text ist die Niederschrift eines Wochenendseminars, das der Ehrwürdige Gesche Rabten im Oktober 1983 in Basel hielt und das von Helmut Gassner aus dem Tibetischen ins Deutsche übersetzt wurde. Im Anschluss stellten die Zuhörer eine Reihe interessanter Fragen, die wir im Anhang präsentieren.

Gesche erläutert in diesem Kurs die allgemeine Natur und Funktionsweise des Geistes; darauf aufbauend die subtilen Zustände des Geistes im Schlaf und im Traum und wie man sie sinnvoll nützen kann, um ein ganz bestimmtes, äußerst weitreichendes Ziel zu erlangen. Dieses Buch vermittelt somit einen ersten gründlichen Einblick, der zu vertiefenden Studien anregen sollte.

Gesche Rabten ist einer der herausragenden Meister in der Übertragungslinie des großen Kyabdsche Tridschang Rinpotsche, denen wir es verdanken, dass die authentischen Unterweisungen des Buddhismus komplett erhalten sind und in den Westen gelangen konnten. Wir fühlen uns daher dem traditionellen Lehrstil dieser Meister, dem auch Gesche Rabten folgt, verpflichtet und bemühen uns, so nah wie möglich am gesprochenen Original zu bleiben, damit die eindringliche Klarheit, die Gesche Rabtens Darlegungen so besonders machen, auch bei der Lektüre spürbar bleibt. Wiederholungen, die die Funktion haben, bestimmte Punkte fest einzuprägen, wurden deshalb nur wenig gekürzt oder bearbeitet. Für eventuelle textliche oder inhaltliche Unzulänglichkeiten zeichnet einzig der Herausgeber verantwortlich.

Wir möchten an dieser Stelle dem Ehrwürdigen Gonsar Rinpotsche für seine weise Führung und Unterstützung danken, ohne die unsere Arbeit gar nicht möglich wäre. Unser Dank gilt auch allen Dharmafreunden für ihre hilfreichen Beiträge.

Wir freuen uns, die Unterweisungen Gesche Rabtens in dieser Form veröffentlichen zu können und sind sicher, dass niemand sie aus der Hand legt, ohne einen bleibenden Gewinn daraus gezogen zu haben.

Mögen die Halter dieser Unterweisungen lange leben, und mögen durch sie Mitgefühl und Weisheit in uns zunehmen.

Der Herausgeber

Le Mont-Pèlerin, im Februar 2000

Vorwort

Ich freue mich, dem Leser ein weiteres Buch in der Reihe von Veröffentlichungen der Edition Rabten vorstellen zu können.

«Stufen des Bewusstseins» enthält eine aufschlussreiche Unterweisung meines kostbaren Meisters Gesche Rabten Rinpotsche über eines der wichtigsten Themen des Buddhismus. Geist, oder Bewusstsein, ist nicht nur ein Religionen und Philosophien gemeinsames Thema; er ist de facto das Herzstück all unserer Erfahrungen, das eigentliche Merkmal, das die fühlenden Wesen vom Rest der existierenden Phänomene unterscheidet. Dank der Existenz des Geistes nehmen die fühlenden Wesen ungeachtet ihrer Größe und Form den höchsten Platz in den Lehren des Buddha ein. Das Gesetz des Karma, Wiedergeburt, Samsara, das zyklische Dasein, wie auch Nirvana, die Befreiung davon, erhalten ihre Bedeutung durch die Existenz des Geistes. Ohne ihn lösen sich alle Kriterien für die Wertmaßstäbe unserer konzeptuellen Welt wie gut/schlecht, falsch/richtig, bedeutend/unbedeutend etc. auf, weil sie auf der Erfahrung der fühlenden Wesen beruhen. Wegen seiner klaren und erkennenden Natur, die von Sichtbarkeit und Berührbarkeit frei ist, haben gewöhnliche Wesen wie wir Schwierigkeiten, seine eigentliche Natur zu erfassen, wenn auch nicht, sie zu erfahren. Trotzdem kann man durch eine genaue Kenntnis seiner Funktionen und subtilen Eigenschaften ein Verständnis des Geistes erlangen, auch ohne eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit zu entwickeln.

Im Buddhismus steht der Geist wohlverdientermaßen im Mittelpunkt der Analyse und Untersuchung. Sowohl in den Unterweisungen der Sutras wie auch der Tantras wird er bis ins kleinste Detail beschrieben. Im «Abidharma» beispielsweise wird der Geist in verschiedene Arten wie Sinnes und Denkbewusstsein und dergleichen, eingeteilt und analysiert; ebenso in Funktionen wie Wahrnehmung, Schlussfolgerung, gültig/ungültig etc. und entsprechend seiner Natur in heilsam, unheilsam, neutral etc.

Im Tantra wird der Geist aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, nämlich unter dem Gesichtspunkt der Ebenen der Feinheit, die für unsere Erfahrungen im Leben und im Tod wie auch für eine geistige Entwicklung von besonderer Bedeutung sind. Genau dieser Punkt wird in dem vorliegenden Buch in umfassender Weise dargestellt, mit der Klarheit und Einfachheit, die für die Unterweisungen des Ehrwürdigen Gesche Rabten Rinpotsche kennzeichnend ist.

Gesche Rabten war einer der herausragendsten Pioniere des tibetischen Buddhismus in Europa, dessen Begegnung mit westlichen Schülern bereits 1968 in Indien stattgefunden hatte. Er war der erste tibetische Meister, den Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama persönlich mit der Aufgabe betraute, westliche Studenten im Dharma zu unterrichten. 1975 wurde Gesche von der schweizerischen Tibetergemeinschaft und den westlichen Schülern in die Schweiz eingeladen; im Lauf der Jahre gründete er in einigen europäischen Ländern fünf der wichtigsten Studienzentren für tibetischen Buddhismus. Er widmete sein ganzes Leben bis zu seinem Tod in selbstloser Weise dafür, den Wesen durch die beruhigenden und erleuchtenden Unterweisungen Buddhas von Nutzen zu sein.

Gesches Unterweisungen sind in ihrer Thematik unbegrenzt. Sie behandeln Themen der Logik, Philosophie, Psychologie und Phänomenologie wie auch die äußerst weiten und tiefgründigen Methoden der Meditation in Übereinstimmung mit den Sutras und Tantras ebenso wie praktische Lebensratschläge. Ein Teil der Unterweisungen, die Gesche im Westen gab, konnte mittels moderner Aufnahmetechnik glücklicherweise erhalten werden. In der Hoffnung, dass viele Menschen persönlichen Gewinn aus diesen kostbaren Unterweisungen ziehen können, werden durch die gemeinsamen Anstrengungen von Gesches Schülern Bücher wie das vorliegende herausgebracht. Dafür bin ich aus ganzem Herzen dankbar. Ich möchte die Aufmerksamkeit auch auf zwei weitere von Gesches Büchern lenken, nämlich auf «The Mind and its Functions» und «Schatz des Dharma», da sie in besonderer Weise geeignet sind, die Thematik, die in «Stufen des Bewusstseins» behandelt wird, zu vertiefen.

Ich hoffe, dass die Lektüre dieses Buches für jeden Leser zu einer Bereicherung wird.

Gonsar Tulku Rinpotsche

Geistiger Leiter

Rabten Choeling

Le Mont-Pèlerin, Februar 2000

Gesche Rabten

Wahrnehmung und allgemeine - Funktionsweise des Geistes

Ich freue mich sehr, Sie heute alle hier begrüßen zu dürfen und wünsche Ihnen viele Taschideleg.

In diesen zwei Tagen sollen Unterweisungen über die Anschauung des Buddhismus, besonders in Bezug auf den Geist des Menschen, gegeben werden. Wir werden zwei Tage lang dieses Gebäude benützen, und es wäre erfreulich, wenn wir als Resultat alle ein gewisses Verständnis des Gesagten mitnehmen könnten.

Viele von Ihnen haben sicher schon einige Kenntnis der Gedanken, die den Buddhismus prägen. Für Sie ist es empfehlenswert, die Unterweisungen der nächsten zwei Tage Ihrem bisherigen Verständnis hinzuzufügen und sie als Belebung und Erweiterung zu verwenden.

Sicher gibt es auch viele unter Ihnen, die bisher kein besonderes Interesse an diesen Gedanken hatten und lediglich gekommen sind, um einmal zu sehen, was hier vor sich geht und gesagt wird. Auch das ist ein guter Grund hierherzukommen, und ich schlage Ihnen vor, dass Sie gut zuhören und sich Gedanken darüber machen, was für Wirkungen solche Anschauungen haben, wenn man sie sich aneignet; und dass Sie sich überlegen, was Ihnen diese Gedanken in der Zukunft geben können, wenn Sie in schwierige Situationen geraten.

Wenn Sie in ein großes Einkaufszentrum gehen, betrachten Sie die verschiedenen Angebote und überlegen sich, was Ihnen nützlich sein könnte und was nicht, und kaufen dann das, was Ihnen am nützlichsten erscheint. Mit der gleichen Einstellung können Sie sich hier ebenfalls erst einmal alles anhören und sich überlegen, was nützlich sein könnte, und dann das, was Ihnen nützlich erscheint, auch wirklich anwenden.

Im Buddhismus wird ein Verständnis der Natur und Funktionsweise des Geistes als ein grundlegendes Wissen betrachtet. Sich ein solches Verständnis anzueignen wird ebenfalls als sehr wichtig gesehen, denn ganz gleich, ob man einer bestimmten Religion folgt oder nicht, ganz gleich, worüber man sich auch unterhält, das, was man letztlich sucht, hat immer eine Beziehung zum eigenen Geist. Deshalb ist ein Verständnis der Eigenschaften des Geistes so wichtig.

Die folgenden Erklärungen beschreiben zwar Gedanken und Anschauungen, die aus dem Buddhismus stammen, sind aber für alle zugänglich und nützlich; nicht nur für Personen, die eine Religion anwenden wollen, oder Personen, die den Buddhismus kennenlernen wollen, sondern für alle, die die unangenehmen Eigenschaften des Geistes überwinden möchten.

Viele unter Ihnen würden vielleicht auch gerne etwas über die Eigenart des Buddhismus in Bezug auf seine Philosophie und das Verhalten, das er vorschreibt, erfahren. Das Verhalten im Buddhismus hat zwei Merkmale. Das eine ist die Schadlosigkeit, das Vermeiden des Zuleidetuns, das Nichtdurchführen des Anderen-etwas-zuleide-Tuns. Diese Schadlosigkeit erstreckt sich dabei nicht nur auf Menschen, sondern auf sämtliche fühlenden Wesen. Das zweite Merkmal ist das Hilfeleisten, das Dem-anderen-von-Nutzen-Sein auf der Grundlage der Schadlosigkeit.

Eine Person, die den Buddhismus anwenden möchte, wird diese beiden Merkmale des Verhaltens befolgen, wobei es von den Fähigkeiten des einzelnen abhängt, in welchem Ausmaß das erreicht wird. Wenn wir also jemanden treffen, der vorgibt, Buddhist zu sein, dessen Verhalten aber nicht diesen beiden Merkmalen entspricht, dann ist das ein Fehler dieser Person. Es ist nicht als Mangel an den grundlegenden Merkmalen buddhistischen Verhaltens zu sehen.

Das trifft auch auf andere Religionen zu. Ein gemeinsames Merkmal der Religionen ist es, dass sie die Notwendigkeit einer Lebensführung zeigen, die durch Zuneigung zum anderen, durch Helfen und Dienen gekennzeichnet ist. Das heißt aber nicht, dass alle, die sich zu dieser Religion bekennen, auch einem solchen Leben folgen oder folgen können.

Das besondere Merkmal des Buddhismus in Bezug auf die Anschauung ist die Abhängigkeit. Es gibt viele Anschauungen im Buddhismus, aber das grundlegendste und bezeichnendste Merkmal aller dieser Anschauungen ist die Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit wird in verschiedener Subtilität, in gröberer, feinerer und so weiter beschrieben. Die letztliche und subtilste Abhängigkeit wird in der Anschauung dargelegt, dass die Dinge in Abhängigkeit vom erfassenden und benennenden Bewusstsein existieren.

Ganz gleich, um was für ein Wesen es sich handelt, ob Mensch oder Tier, alle haben das eine Merkmal, dass ihr Geist einerseits von dem Wunsch nach Angenehmem, nach Wohlbehagen, nach erfreulichen Dingen geprägt ist, und andererseits von dem Wunsch, alles Unangenehme, Unansehnliche und Unbequeme von sich zu weisen. Das bezieht sich nicht nur auf den Sehsinn, sondern auf alle Sinne. Bezüglich jedes Sinnes gibt es Dinge, die ein Wesen als angenehm empfindet, und solche, die es als unangenehm empfindet.

Wir wissen sicher aus eigener Erfahrung, dass es Dinge gibt, die wir sehr gerne sehen, an denen wir uns nicht sattsehen können; oder auch Dinge, die wir sehr gerne hören, so dass wir selbst andere Arbeiten unterbrechen, um ihnen zuzuhören. Ebenfalls gibt es Dinge, denen wir aus dem Weg gehen, die wir nicht sehen möchten, die wir nicht hören möchten, mit denen wir nichts zu tun haben wollen. Das alles muss nicht erst mit komplizierter Logik bewiesen werden, denn diese Dinge sind uns aus unserer eigenen Erfahrung sehr klar.

Ob es sich nun um etwas handelt, das uns angenehm ist, oder um etwas, das uns unangenehm ist, immer erscheint es uns so, als ob es von seiner eigenen Seite her bestehen würde. Das Unangenehme erscheint uns als ein externes, konkretes, unangenehmes Objekt, und das Angenehme ebenso. Wenn Sie sich zum Beispiel an jemanden erinnern, den Sie nicht mögen, und Ihnen diese Vorstellung in den Sinn kommt, dann ist sie begleitet von der Auffassung, dass dieser Mensch aus sich heraus, in sich selbst als etwas Unangenehmes und Schlechtes existiert.

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