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Stürmische Liebe in Irland

Maureen Child

Stürmische Liebe in Irland

1. KAPITEL

„Sie können meinem Charme doch gar nicht widerstehen“, sagte Jefferson King und grinste selbstbewusst. „Geben Sie’s ruhig zu!“

„Charme?“ Maura Donohue richtete sich kerzengerade auf, wodurch sie noch respekteinflößender wirkte. „Glauben Sie wirklich, Sie können mich mit Ihrem Gesäusel so leicht überzeugen?“

„Leicht?“ Jefferson lachte. „Wir kennen uns zwar erst seit einer Woche, Maura. Aber eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen: Besonders leicht machen Sie es einem nicht gerade.“

„Freut mich, dass Sie zu dieser Erkenntnis gekommen sind“, erwiderte sie und lächelte charmant.

Sie fühlte sich geschmeichelt, das sah Jefferson ihr an. Keine andere Frau, die er kannte, wollte von einem Mann hören, sie sei schwierig. Maura Donohue bildete in dieser Hinsicht die absolute Ausnahme von der Regel. Das war ihm schon bei der allerersten Begegnung aufgefallen.

Jefferson war erst seit ein paar Tagen in Irland, um sich nach einem geeigneten Drehort für den neuen Film umzusehen, den die King Studios produzieren würden. Als er auf Mauras Schaffarm gelandet war, hatte Jefferson es sofort gewusst: Hier war der perfekte Schauplatz.

Nur Maura musste er noch davon überzeugen. Und das schien ein hartes Stück Arbeit zu werden.

„Ich sage Ihnen was“, fuhr er fort und lehnte sich gegen die weiße Steinwand. „Kein Mensch würde zu so leicht verdientem Geld Nein sagen.“

Sie warf sich das lange schwarze Haar über die Schulter und sah ihn mit ihren dunkelblauen Augen kampfeslustig an. „Höre ich da schon wieder das Wort ‚leicht‘ aus Ihrem Mund? Gerade sagten Sie doch noch, Sie hätten eingesehen, dass ich nichts mit Leichtmachen am Hut habe.“

Seufzend schüttelte er den Kopf. Diese Frau war offenbar nie um eine Antwort verlegen. Trotzdem: Sie war faszinierend, und er genoss den kleinen verbalen Schlagabtausch mit ihr. Als Chef der King Studios hatte Jefferson täglich mit Menschen zu tun, die sich fast gegenseitig die Köpfe einschlugen, um für ihn zu arbeiten. Normalerweise waren die Leute völlig aus dem Häuschen, wenn sie hörten, was er zu zahlen bereit war. Und bisher hatte noch jeder einen Vertrag bei ihm unterschrieben.

Außer Maura.

Seit Tagen kam er immer wieder zur Donohue Farm, um auf die starrsinnige Besitzerin einzureden. Jefferson hatte sie mit Komplimenten überhäuft, er hatte ihr Unsummen angeboten, die abzulehnen fast einem Verbrechen gleichkam. Er umgarnte sie mit allen erdenklichen Mitteln, damit sie endlich nachgab. Aber genau das tat sie nicht.

„Sie stehen mir im Weg“, herrschte sie ihn an.

„Entschuldigung.“ Er trat beiseite, um sie vorbeizulassen. Sie schleppte einen schweren Sack, und normalerweise hätte Jefferson mit angepackt, ohne zu zögern. Doch bei ihr machte er keinerlei Anstalten in der Art, weil er wusste, dass Maura seine Hilfe sowieso nicht annehmen würde.

Sie war eine starke und schöne Frau. Klug, schlagfertig und so sexy, dass er ständig an ihre sinnlichen Kurven denken musste. Das geschmeidige schwarze Haar fiel ihr weich auf den Rücken. Für Jefferson war die Versuchung groß, eine Strähne sanft zwischen den Fingern zu drehen und ihr Haar auf seiner Haut zu spüren. Den Kopf hielt sie stets stolz erhoben, und ihre blauen Augen mit den langen schwarzen Wimpern funkelten, wenn sie Jefferson die Meinung sagte.

Sie trug eine ausgewaschene Jeans und einen weiten Strickpulli aus grober Wolle, der bedauerlicherweise mehr versteckte als enthüllte. Allerdings sah Jefferson ihr das bei dem Wetter nach. Insgeheim sehnte er sich jedoch danach, endlich von ihr in ihr Haus gebeten und auf eine Tasse Tee eingeladen zu werden. Denn dann hätte er eine Chance, dabei zuzusehen, wie sie den Pullover auszog. Und vielleicht könnte er dann auch einen Blick auf das werfen, was sich darunter verbarg …

Im Moment blieb ihm nichts anderes übrig, als hinter ihr aus dem Stall hinaus in den eisigen irischen Wind zu treten, der ihm unbarmherzig ins Gesicht peitschte. Seine Ohren waren kalt, der Mantel nicht annähernd warm genug. Jefferson nahm sich vor, im Dorf eine warme Jacke und einige von diesen selbst gestrickten Wollpullovern zu kaufen. Das wäre außerdem eine gute Gelegenheit, sich bei den Ladenbesitzern beliebt zu machen. Schließlich kann es nicht schaden, die Leute dieses Örtchens auf meiner Seite zu haben, dachte Jefferson. Mit genügend Unterstützung im Rücken müsste es ein Kinderspiel werden, Maura zu überreden, an die King Studios zu vermieten.

„Wohin gehen wir?“, rief er und hatte das Gefühl, dass der Wind ihm die Worte ins Gesicht zurückblies.

Wir gehen nirgendwohin“, antwortete sie über die Schulter. „Ich fahre zu den Weiden, um Futter zu streuen.“

„Ich helfe Ihnen!“

Sie drehte sich um und musterte ihn von oben bis unten, bis ihr Blick auf seinen teuren Lederschuhen ruhte. Herausfordernd lächelte sie und fragte: „In diesen Schuhen? Einen Schritt in den Schlamm, und die sind ruiniert.“

„Wieso lassen Sie das nicht einfach meine Sorge sein?“

Empört hob sie den Kopf. „So etwas kann auch nur jemand sagen, der nicht darüber nachdenken muss, woher er sein nächstes Paar Schuhe bekommt.“

„Haben Sie eigentlich grundsätzlich etwas gegen reiche Menschen“, fragte Jefferson und lächelte amüsiert, „oder nur gegen mich?“

Sie grinste unverfroren. „Das ist eine gute Frage, finde ich.“

Jefferson lachte. Die Frauen, die er kannte, waren bei Weitem nicht so schlagfertig und selbstbewusst. Sie nickten einfach nur zu allem, was er sagte. Aus Angst, in Ungnade zu fallen, hielten sie lieber den Mund, statt ihre Meinung zu sagen. Und das galt nicht nur für die Frauen um ihn herum. Ganz Hollywood schien aus Jasagern zu bestehen, sobald Jefferson aufkreuzte.

Wahrscheinlich hatte es weniger damit zu tun, dass er zu einer berühmten Familie gehörte. Der Grund bestand wohl eher darin, dass er der Boss einer großen Filmproduktionsfirma war. Mit nur einer bloßen Kopfbewegung konnten er und seine Produzenten Träume wahr werden oder zerplatzen lassen. Deswegen taten die meisten alles, um von ihm beachtet zu werden. Jetzt auf jemanden zu treffen, der sich nicht im Geringsten darum scherte, was er sagte, empfand Jefferson als höchst erfrischend. Er hatte sich schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert wie hier.

Maura schlug die Ladeklappe ihres kleinen verbeulten Lastwagens zu und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen dagegen. „Wieso geben Sie nicht einfach auf, Jefferson King? Brauchen Sie die Herausforderung? Oder können Sie sich nicht mit einem einfachen Nein abfinden?“

„Ich gebe zu, oft bekomme ich dieses Wörtchen nicht zu hören.“

„Das glaube ich Ihnen sofort. Feine Schuhe, volles Portemonnaie. Wahrscheinlich werden Sie überall mit offenen Armen empfangen, oder?“

„Was haben Sie gegen ein gut gefülltes Portemonnaie?“

„Nichts. Es sei denn, jemand wedelt mir alle paar Minuten damit vor der Nase herum, weil er mich kaufen will.“

„Niemand will Sie kaufen“, widersprach er schnell. „Ich mache Ihnen bloß ein Angebot. Immerhin biete ich Ihnen ein kleines Vermögen, damit Sie mir eine Zeit lang einen kleinen Teil von Ihrem Hof für Dreharbeiten zur Verfügung stellen. Was soll daran schlimm sein?“

Sichtlich bemüht versuchte sie, das Lachen zu unterdrücken. „Ich habe ja nicht gesagt, dass es schlimm ist. Ich behaupte lediglich, dass ich Ihren Ehrgeiz, mich kleinzukriegen, merkwürdig finde.“

„Wie Sie bereits gesagt haben, ich liebe Herausforderungen.“ Das galt grundsätzlich für alle Männer der King-Dynastie. Und Maura war mit Abstand die größte Herausforderung, der er sich in der letzten Zeit gestellt hatte. „Warum nehmen Sie mich nicht einfach mit auf die Weiden und zeigen mir den Rest Ihrer Farm?“

Sie betrachtete ihn seelenruhig und fragte schließlich: „Warum wollen Sie mitkommen?“

Er zuckte mit den Schultern. „Um ehrlich zu sein, weil ich im Moment nichts Besseres zu tun habe. Und warum wollen Sie mich nicht mitnehmen?“

„Weil ich keine Hilfe brauche.“

„Sie scheinen sich Ihrer Sache ziemlich sicher zu sein“, setzte er nach.

„Bin ich“, versicherte Maura ihm.

„Na, dann gibt es doch keinen Grund, meine Gesellschaft abzulehnen. Es sei denn, Sie haben Angst, meinem außergewöhnlichen Charisma zu verfallen.“

Sie legte den Kopf zurück und lachte. Es war ein warmes, angenehmes Lachen. Es berührte Jefferson, aber es kratzte auch an seiner Eitelkeit. „Ah, Sie sind wirklich amüsant, Jefferson.“

„Dabei wollte ich das gar nicht sein.“

„Umso lustiger.“

Im Kampf gegen den kalten Wind versuchte er, den dünnen Mantel enger um sich zu ziehen. Wahrscheinlich versucht sie absichtlich, mich auf Abstand zu halten, redete Jefferson sich ein. Denn genau den wollte er verringern. Obwohl sie ihn inzwischen schon nicht mehr so feindselig behandelte wie noch an dem Tag, an dem er die Donohue Farm zum ersten Mal betreten hatte. Da hätte Jefferson nicht gewundert, wenn sie mit einem Gewehr auf ihn losgegangen wäre, um ihn vom Grundstück zu vertreiben.

Die irische Gastfreundschaft hatte er sich anders vorgestellt.

Aber Gott sei Dank galt Jefferson als derjenige der Kings, der mit der größten Geduld gesegnet war.

Und deshalb versuchte er jetzt, seine Taktik zu ändern. „Sehen Sie’s doch mal so. Während Sie mich herumfahren, können Sie in aller Ruhe überlegen, warum Sie nicht an mich vermieten wollen. Für die exorbitante Summe, die ich Ihnen biete.“

Sie hob den Kopf und fixierte ihn mit einem eisigen Blick. Der Wind zerrte an ihrem Haar, aber Maura verzog keine Miene. „Also gut. Wenn Sie so versessen darauf sind, dann kommen Sie meinetwegen mit.“

„Liebenswürdig und einladend wie immer“, murmelte er.

„Wenn Sie’s auf die liebenswürdige Art wollen“, erklärte sie ihm, „dann sollten Sie besser nach Dromyland Castle gehen. Da haben Sie höfliches Personal, gutes Essen und hübsche Gartenwege, auf denen man sich garantiert nicht die Schuhe schmutzig macht.“

„Danke, aber genau darauf habe ich keine Lust.“ Jefferson ging um den Wagen herum. „Deswegen bin ich ja hier.“

Maura lachte. „Zumindest sind Sie nicht auf den Mund gefallen.“

„Danke.“

Sie trat neben ihn. „Falls es Ihnen nichts ausmacht, würde ich meinen Laster gerne selbst fahren.“

„Bitte?“ Jefferson merkte, dass er vor der rechten Seite des Wagens stand, die Beifahrerseite. In Irland aber war es genau umgekehrt. „Ihnen ist klar, dass das Steuer bei Ihnen auf der falschen Seite ist?“

„Das ist immer eine Frage der Perspektive, oder?“ Sie scheuchte ihn von der Tür fort, und er ging schließlich auf die andere Seite. „Falsche Seite, richtige Seite – für mich macht das alles keinen Unterschied. Hauptsache, es sind beides meine Seiten.“

Jefferson legte die Hände auf das Dach des kleinen Trucks. „Ob Sie’s glauben oder nicht, Maura. Ich bin auf Ihrer Seite.“

„Ah“, entgegnete sie lächelnd, „fällt mir schwer, das zu glauben, Jefferson King. Ich glaube, Sie bewegen sich von Ihrer nie weg.“

Sie kletterte in den Wagen und ließ den Motor an. Jefferson sah zu, dass er schleunigst einstieg, denn er traute ihr durchaus zu, dass sie einfach ohne ihn losfuhr. Unberechenbar genug war sie. Und schön. Vor allem aber so verdammt störrisch, wie die Hügel Irlands grün waren.

Einem großen Amerikaner dabei zuzusehen, wie er an einem stürmischen Tag über eine mit Schafdung übersäte und durchnässte Wiese stapft, ist schon eine feine Sache, dachte Maura. Sogar an diesem Ort, an dem er furchtbar fehl am Platze war, stolzierte Jefferson King herum, als wäre er der Besitzer. Die Seiten seines grauen Mantels flatterten, der Wind fuhr ihm auch in das dichte dunkelbraune Haar. Angestrengt hatte er die Lippen aufeinandergepresst. Trotzdem machte er einfach weiter, das musste Maura anerkennen. Einen Futtersack nach dem anderen schleppte Jefferson King durch den Schlamm und füllte die Tröge.

Sobald die Körner in die Behälter rieselten, kamen von allen Seiten schwarze und weiße Schafe angelaufen, die ungeduldig auf ihr Futter gewartet hatten. Was seid ihr nur für gierige kleine Biester, dachte Maura lächelnd. Unterdessen drängelten sich die Schafe an Jefferson King vorbei und stießen ihn zur Seite.

Anders als die meisten Stadtmenschen war er nicht besonders zimperlich im Umgang mit den Tieren, das musste man ihm lassen. Die Städter beäugten die harmlosen Bergschafe für gewöhnlich, als wären es wilde Tiere, die sich auf sie stürzen wollten. Für einen reichen Amerikaner schien Jefferson King mit dieser Umgebung sogar merkwürdig vertraut zu sein. Obwohl er sich hartnäckig weigerte, Gummistiefel statt Lederschuhe zu tragen.

Sein Lachen riss sie aus den Gedanken. Ein Schaf hatte ihn mit dem Kopf angestoßen, sodass er um ein Haar im Schlamm gelandet wäre. Beim angenehmen Klang seines Lachens lächelte Maura. Warum aber plötzlich diese unerklärliche Hitze durch ihren Körper schoss, verstand sie nicht. Maura versuchte, es zu ignorieren. Doch das war gar nicht so einfach, wenn sie seinem strahlenden Lächeln begegnete.

Als sie zu guter Letzt noch weiche Knie bekam, wusste sie, dass ihr Körper ihrem Verstand nicht gehorchen würde.

Jefferson King ist es bestimmt gewohnt, dass Frauen ihn umschwärmen, dachte sie und betrachtete ihn interessiert. Er hatte breite Schultern, eine schmale Hüfte und große Hände, die für einen Hollywoodmogul ungewöhnlich rau und kräftig wirkten. Seine Beine waren lang, die Oberschenkel muskulös, und sein Po war extrem attraktiv.

Wieder und wieder ermahnte sie sich, dass er nur ein Gast auf dieser bezaubernden Insel war. Es war ihr Zuhause, nicht seins. Er war nur in Irland, weil er einen Schauplatz für seinen Film brauchte, nicht ihretwegen. Alles, worauf er aus war, war ihr Fleckchen Land. Aber natürlich würde er sofort wieder verschwinden, sobald sie seine verdammten Papiere unterzeichnet hätte. Zurück in seine Welt, die rein gar nichts mit ihrer zu tun hatte.

Der Gedanke gefiel ihr nicht. Vielleicht kann ich die Verhandlungen mit ihm, na ja, noch ein bisschen in die Länge ziehen, überlegte Maura.

„Sie machen den Eindruck, als hätten sie seit Wochen nichts gefressen“, rief Jefferson, während er auf sie zukam.

„Klar, hier draußen ist es ja auch sehr kalt. Das steigert ihren Appetit.“

„Wo wir gerade darüber reden …“, erwiderte er.

Seit er hier war, hatte sich bereits so etwas Ähnliches wie ein Alltagsritual zwischen ihnen entwickelt. Erst verbrachte Jefferson den halben Vormittag auf ihrer Farm und zählte ihr die Vorzüge auf, die sie genießen würde, wenn sie sein Angebot annahm. Dann saßen sie am Ende des Nachmittages in ihrer Küche vor einem Topf Suppe und tranken Tee. Seltsamerweise freute Maura sich auf diesen Teil des Tages immer am meisten.

Dennoch erwiderte sie: „Vielleicht geben die Schafe Ihnen etwas ab, wenn Sie freundlich fragen.“

„Verlockend.“ Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Aber ich hätte lieber etwas von diesem dunklen Brot, das Sie mir gestern angeboten haben.“

„Scheinbar sind Sie ganz wild auf irisches Sodabrot.“

Als er sie jetzt von oben bis unten musterte, hätte sie schwören können, dass in seinen Augen ein besonderer Glanz lag. „Ich bin sogar noch auf viele andere Dinge hier ganz wild.“

„Sie haben eine erstaunlich flinke Zunge, Jefferson King. Clever.“ Schon wieder bekam sie weiche Knie. Vor allem, weil sie sich vorstellte, was er mit dieser Zunge noch alles anstellen könnte.

„Ach ja?“

„Das wissen Sie ganz genau“, erwiderte sie und strich sich zwei dichte Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Aber Sie verschwenden Ihre Zeit. Entweder ich unterschreibe, oder eben nicht. So oder so, es ist allein meine Entscheidung. Sie können also nichts daran ändern.“

„Ah, aber es ist ganz allein meine Zeit, die ich verschwende, oder?“

„Natürlich“, sagte sie und war insgeheim froh, weil er nicht aufgab.

In Wahrheit zog sie sein Angebot ernsthaft in Erwägung. Seit er es ihr zum ersten Mal unterbreitet hatte, spielte Maura unzählige Möglichkeiten durch. Sie stellte sich vor, was sie mit dem Geld für das jahrhundertealte Haus tun konnte. Ganz zu schweigen von den Veränderungen für die Farm an sich, die durchführbar wären.

Seit Jahren hatte sie einen Mitarbeiter, der sie ab und zu unterstützte. Doch mit dem Geld von Jefferson King könnte sie endlich jemanden fest einstellen, der sie entlastete und einen Teil der harten Arbeit abnahm. Und selbst dann hätte sie immer noch genug übrig, um sich ein kleines Finanzpolster für schlechte Zeiten zu schaffen.

Doch noch war sie nicht bereit, auf seine Bedingungen einzugehen. Schon einmal hatte er sein Angebot erhöht, und Maura war überzeugt, dass er es auch ein weiteres Mal tun würde. Natürlich konnte er sich genauso gut eine andere Farm suchen. Aber keine ist so reizend wie meine, dachte Maura. Außerdem hatte er selbst gesagt, dass das Donohue Anwesen der ideale Schauplatz für seinen Film wäre.

Das sprach auch dafür, dass er sein Angebot nicht so schnell zurückziehen würde. Mauras Vorfahren waren allesamt erfahrene Händler gewesen. Sicherlich hätten sie nicht das erstbeste Angebot angenommen, sondern gewartet, bis sie das Beste herausgeschlagen hätten. Dabei war es nicht die Gier nach Geld, die Mauras Geschäftstüchtigkeit befeuerte. Sie stellte sich vielmehr vor, wie eine Filmcrew ihr wohlgeordnetes Leben, die Farm und ihr Land auf den Kopf stellen würde. Und ihr war klar, dass sie anschließend wahrscheinlich einen Teil seines Geldes brauchen würde, um das ganze Durcheinander wieder zu beseitigen.

Während ihr diese Gedanken durch den Kopf gingen, sah sie Jefferson King an. Er wandte den Blick von ihr ab und ließ ihn über die umliegende Landschaft schweifen. Sie kannte jeden Winkel dieses Landes – auch ohne seinem Blick zu folgen, wusste sie, was er vor sich sah. Grüne Felder, so weit das Auge reichte. Große Steinmauern, die wie jahrhundertealte Mahnmale aus dem Boden ragten. Hinter ihnen warfen die Partry-Berge ihre Schatten über die Landschaft, und vor ihnen erstreckte sich majestätisch der Loch Mask, dessen silbrig schimmernde Oberfläche an diesem grauen Tag wie geschmolzenes Metall wirkte. Im Hintergrund lag die Ruine eines alten Schlosses, die aussah, als könnte der Schwertstreich eines Ritters genügen, um das alte Gemäuer wieder erstrahlen zu lassen. Ringsherum weideten Schafe. Und der irische Wind küsste die Erde, die vom Regen gesegnet wurde. Die Menschen hier liebten jeden Quadratmeter des Landes, wie es jemand von außerhalb niemals vermocht hätte.

Nur zwei Kilometer entfernt am Ende der Landstraße, die sich durch die Landschaft schlängelte, lag das Dörfchen Craig. Hier und da standen kleine Gästehäuser und Farmen.

Doch mitten auf ihrem Weideland, in diesem Moment, hätte man meinen können, sie und Jefferson wären die einzigen Menschen auf der ganzen Welt. Sozusagen eine moderne Version von Adam und Eva – ohne Feigenblatt, dafür aber umgeben von blökenden Schafen.

„Habe ich Ihnen eigentlich erzählt“, brach er das Schweigen, „dass meine Urgroßmutter Irin war?“

„Sie meinen Mary Frances Rafferty King, geboren in der Grafschaft Sligo, die Ihren Urgroßvater während seiner Irlandreise kennengelernt hat? Sie hatten sich in einem Pub getroffen, oder? An einem Dienstag, nicht wahr?“ Maura lächelte. „Ja, ich glaube, Sie haben es schon erwähnt.“

Er lächelte ebenfalls. „Ich will Sie natürlich nicht langweilen.“

„Habe ich gesagt, dass ich mich langweile?“

„Nein.“ Als er einen Schritt näher trat, spürte sie seine Wärme, die die eiskalte Luft zu elektrisieren schien. „Sagen Sie’s ruhig, wenn Sie meiner überdrüssig sind. Dann tue ich alles, damit Sie mir wieder Ihre Aufmerksamkeit schenken.“

„Sie meinen, Sie werden nur versuchen, Ihr Bestes zu geben?“, parierte sie und wich leicht zurück. „Jetzt bin ich aber enttäuscht. Ich dachte, Sie sind der geborene Charmeur.“

„Wirklich?“ Er verringerte den Abstand zwischen ihnen wieder, indem er einen einzigen großen Schritt tat. „Interessant!“

„Ich habe nicht gesagt, dass Ihr Charme bei mir wirkt“, entgegnete Maura, die das kleine Wortgefecht genoss. Es war schon so lange her, dass sie einem Mann begegnet war, der sie auf verschiedene Weise ansprach. Wie schade, dass dieser hier bald wieder verschwunden sein wird, dachte sie. Sie ermahnte sich, das keinesfalls zu vergessen. Denn es wäre nicht gut, sich auf etwas einzulassen, das absolut aussichtslos war.

„Sie können mir nichts vormachen, Maura. Ich kriege Sie schon noch herum.“

„Tatsächlich?“

„Tatsächlich. Das letzte Mal, dass Sie mir gedroht haben, nicht an mich zu vermieten, war genau …“, er schaute auf seine Armbanduhr, „vor sechs Stunden.“

Immer noch lächelnd, erwiderte sie: „Das kann ich sofort ändern.“

„Ah, das wollen Sie doch gar nicht.“

„Nein?“ Oje, sein Lächeln ist mindestens so gefährlich wie eine geladene Waffe, dachte sie.

„Nein“, entgegnete er. „Denn Sie genießen meine Nähe. Ob Sie’s zugeben wollen oder nicht.“

Also schön, was das betraf, hatte er recht. Aber welche alleinstehende Frau würde sich nicht über die Gesellschaft von Jefferson King freuen? Schließlich spazierte hier nicht jeden Tag ein gut aussehender, reicher und interessanter Mann vorbei und machte ein unverschämt gutes Angebot. Was war also so schlimm daran, dass sie die Verhandlungen streckte, weil sie ihre diebische Freude daran hatte?

„Geben Sie’s zu“, raunte er ihr zu. „Sie trauen sich’s ja doch nicht.“

„Wissen Sie, Jefferson“, erwiderte sie ruhig und hielt seinem Blick stand. „Wenn ich Sie in meiner … Nähe haben möchte, habe ich keine Probleme damit, das zuzugeben. Weder vor Ihnen noch vor mir.“

2. KAPITEL

In Craig war Jefferson King eine kleine Sensation. Die Hälfte der Einwohner lag Maura damit in den Ohren, dass sie die Papiere unterschreiben solle, weil sie dann alle „berühmt“ würden. Es verstrich keine Minute, in der nicht irgendjemand seine Meinung zu dem Angebot kundtat.

Aber Maura ließ sich nicht unter Druck setzen. Weder von ihren Freunden noch von ihrer Schwester, und schon gar nicht von Jefferson. Sie würde ihm ihre Entscheidung mitteilen, wenn die Zeit reif war. Nicht früher und nicht später.

Angesichts der ganzen Aufregung hätte sie es sich wahrscheinlich zweimal überlegen sollen, bevor sie ihn in den Pub mitnahm, um dort zu Abend zu essen. Denn natürlich nutzten all ihre Freunde und Nachbarn die Gelegenheit, um sich auf Jefferson zu stürzen und ihr immer wieder auffordernd zuzunicken. Doch bei der Vorstellung, allein mit ihm in ihrem Haus zu sitzen, war Maura … nervös geworden. Schließlich war er ein enorm attraktiver Mann, der ihren Hormonhaushalt bereits bei der allerersten Begegnung durcheinandergebracht hatte. Deshalb war es Maura am sichersten erschienen, mit ihm in den Lion’s Den, also in die Höhle des Löwen, zu gehen.

Und wie sich herausstellte, hatte sie damit richtiggelegen. Sofort waren sie von dem halben Dorf umlagert, und Mauras Gefühle konnten erst gar nicht anfangen verrücktzuspielen. Das Anstrengende daran war allerdings, dass ein Haufen Dorfbewohner hartnäckig um Jeffersons Aufmerksamkeit buhlte.

Es war Anfang Dezember, und das schwache Licht, das auf die von den Rauchschwaden des Kohleofens verdunkelten Holzwände fiel, tauchte den Pub in eine schummrige Atmosphäre. Alles hier war aus Holz: Der im Laufe der Jahrzehnte ausgetretene Boden, die runden Tische und Stühle sowie die kleinen Sitzecken. Das Prachtstück bildete der Tresen aus poliertem Walnussholz, deren Platte Michael O’Shay unentwegt schrubbte. Auf einem Regal über dem Tresen stand ein Fernsehgerät. Gerade flackerte dort die Übertragung eines Fussballtuniers über den Bildschirm.

Ein Glas Guiness für Jefferson und ein Glas Harp Bier für Maura in Händen, trat Michael gemächlich an ihren Tisch. Nachdem er die Gläser abgestellt hatte, wischte er blitzschnell mit einem Lappen über die eigentlich noch saubere Tischplatte. Dann lächelte er sie so strahlend an, als wäre er der Weihnachtsmann persönlich. „Die Suppe und das Brot sind jeden Moment hier. Heute gibt’s Kartoffel-Lauch, von meiner Margaret selbst gemacht. Sie werden sie lieben. Wenn Ihre Filmleute hier sind“,

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