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Studi-Coach: Studieren für Anfänger

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Vorwort

Ein Blick zurück

Die Studienzeit ist eine ganz besondere Zeit im Leben, an die ich mich noch gerne zurückerinnere. Auf der einen Seite genießt man eine Reihe von Freiheiten, auf der anderen Seite übernimmt man mehr Verantwortung als zu Schulzeiten. Viele Studierende ziehen aus dem „Hotel Mama“ aus und stehen auf eigenen Füßen. Aufgrund der zahlreichen Freiheiten und frischen Ansprüche ist es wichtig, Struktur und Pläne zu haben, um den richtigen Studienund auch Lebensweg zu finden. Aus dem Grund habe ich während meiner Studienzeit ausführlich Literatur zu den Themengebieten Lernen und Lerntechniken, Zeitmanagement und Lebensplanung studiert. Ein angemessener Studienratgeber existierte zu dieser Zeit leider nicht. Es standen zwar sehr viele Werke zum wissenschaftlichen Arbeiten, die mich freilich auch sehr interessierten, zur Verfügung, aber eben kein Studi-Coach-Buch. Heutzutage ist diese Lücke zwar weit weniger groß, da ein paar Werke zur Auswahl stehen.

Der Nutzen des Buches

Meiner Analyse nach deckt jedoch keines dieser Werke das ganze Spektrum eines Studi-Coaches in allen relevanten Bereichen ab. Womit ein zentraler Vorteil dieses Werkes angesprochen wird: Hier finden Sie eine besondere Schwerpunktsetzung, die sich von bestehenden Büchern zum Studienerfolg abgrenzt. In komprimierter Form werden Themengebiete wie Selbstmarketing, Lerntechniken, Ernährung angesprochen – mit ihren wichtigsten Aspekten. Auf das Anschaffen von mehreren Büchern kann also getrost verzichtet werden – es sei denn, Sie wollen Ihr Wissen weiter vertiefen. Wenn Sie darauf verzichten, sparen Sie sich viel Lebenszeit, die oft zu spezialisierten Inhalte zu lesen und zu verstehen. Ein Randthema in diesem Buch bleibt lediglich das wissenschaftliche Arbeiten. Dieser Thematik habe ich aufgrund deren Komplexitätsgrades ein eigenes Buch gewidmet (Voss 2014), in dem von der Themenfindung bis zur -präsentation deren ganzer Prozess abgehandelt wird.

Die Lesbarkeit steht im Zentrum

Auf Lesbarkeit und Anwendungsbezug der dargebotenen Sachzusammenhänge wurde hier besonderer Wert gelegt, eine leichte Verständlichkeit steht eindeutig im Mittelpunkt. Daher unterstützen zahlreiche Beispiele, Merkhilfen und Abbildungen das Lesen. Am Anfang eines jeden Kapitels ist zudem noch ein Überblick zu den folgenden Ausführungen und elementaren Lernziele zu finden.

Was mach das Buch zu einem Studi-Coach?

Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Seinen Ursprung findet das Wort „Coach“ im Ungarischen, wo im 15. Jahrhundert gut gefederte Kutschen als „kosci“ bezeichnet wurden – also ein Transportmittel, das einen Fahrgast von einem Ort zu einem anderen beförderte. Von Ungarn aus breitete sich der Begriff „Kutsche“ in ganz Europa aus. Im Englischen wurde daraus das Wort „coach“. Englische Studenten übertrugen das Wort „coach“ auf ihre Tutoren, denn diese waren schlicht ein der Kutsche vergleichbares „Fortbewegungsmittel“, um Studierende erfolgreich durch ihr Studium zu befördern. Deshalb taucht der Begriff „Coach“ auch im Sport auf, wo er den Trainer bezeichnet. Bei letzteren Tätigkeiten spielt weniger das örtliche als vielmehr das persönliche Veränderungsinteresse eine Rolle. Genau hier setzt auch das vorliegende Buch an: Sie sollen eine Hilfe für Ihren persönlichen Veränderungsprozess im neuen Lebensabschnitt „Studium“ haben. Auf Ihrem herausfordernden Abenteuer wird dieses Buch zu einem wichtigen Reiseführer.

Das Buch basiert auf Erfahrungen und Schilderungen

Die Erfahrungen und Tipps, die ich Ihnen an die Hand geben will, speisen sich aus meinen eigenen Studienerfahrungen. Es geht zudem meine langjährige Lehr- und Forschungspraxis an Hochschulen (u.a. Universität zu Köln, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) und aktuell an der HWZ – Hochschule für Wirtschaft Zürich ein. Im Rahmen der genannten Tätigkeiten habe ich immer wieder aktives Coaching von Studierenden betrieben und eine Reihe von wissenschaftlichen Projekten zu „Anspruchsdenken“, „Problemen“ und „Motivation“ der Studierenden erhoben. In der Lehre unterrichte ich aufgrund meiner Spezialisierung das Fach Lern- und Arbeitstechnik sowie weitere Eingangsinstruktionen für Studierende. Die im Studi-Coach vermittelten Inhalte sind also in der Hochschulpraxis sowohl in der Lehre als auch im Coachingprozess bewährt. Die typischen Probleme und Wünsche der Studierenden wurden mir während der Arbeit mit Studierenden als Dozent und Studiengangleiter besonders bewusst. Um meine Beratungskompetenz zu optimieren, habe ich selbst noch eine entsprechende Coaching-Ausbildung absolviert.

Die Zielgruppe

Alle Studierenden, die ein wissenschaftliches Studium an einer Hochschule beginnen und erfolgreich absolvieren wollen, zählen zur zentralen Zielgruppe dieses Werkes. Sämtliche Themengebiete wurden speziell für Studierende und alle, die es werden wollen, aufbereitet. Die Inhalte und Problemlagen sind auf zahlreiche Studiengänge übertragbar, da sich vergleichbare Situationen in den Studiendisziplinen finden.

Danksagungen

Mein Dank gilt den vielen Studierenden, die durch sinnvolle Tipps und ihre Fragen in Lehrveranstaltungen und Beratungssituationen das Niveau des Werkes steigern konnten. Diese Anregungen sind selbstverständlich auch weiterhin herzlich willkommen. Über die Mitteilung von Erfahrungen und kritischen Hinweisen von Leserinnen und Lesern dieses Werkes würde ich mich ebenso freuen. Schreiben Sie einfach an meine Adresse studi-coach@uvk.de.

Prof. Dr. Rödiger Voss, Zürich im Sommer 2015

Was kommt auf Sie zu?

Der Aufbau des Studi-Coachs

Nach diesem Eingangskapitel werden Eigenschaften und Verhaltensweisen von erfolgreichen Studierenden dargestellt, die aus zahlreichen persönlichen Interviews und wissenschaftlichen Studien abgeleitet wurden. Prüfen Sie also in Form einer Situationsanalyse genau, welche dieser Merkmale Sie aktuell erfüllen: Nur wer sich selbst und vor allem seine Fähigkeiten und Möglichkeiten kennt, weiß auch um seine Studienkompetenz. Kein Problem, wenn Sie nicht alle Kriterien erfüllen. Dafür gibt es ja schließlich den vorliegenden Studi-Coach. Im Anschluss wird das Zeitmanagement thematisiert. Sie werden merken, dass gerade im Studium ein gelungenes Zeitmanagement sehr wichtig ist. In den darauf folgenden Kapiteln geht es um Lern- und Lesestrategien. Seien Sie nicht abgeschreckt von den vielen alternativen Methoden: Studienerfolg bedeutet nicht, alle anwenden zu müssen, sondern die richtige Verbesserungsoption für sich zu wählen. Erfolgreiche Studierende wissen aber über zahlreiche Alternativen Bescheid und können sie bei Bedarf anwenden – ein Zusammenhang, der vielfach bewiesen wurde, wie etwa bei mathematischen Lernstrategien in der Studie von Montaque & Bos (1990). Nicht zu vergessen ist auch der Aspekt der Ordnung, der im Teil der Lern- und Arbeitstechnik integriert ist. Im Volksmund heißt es nicht zu Unrecht „Ordnung ist das halbe Leben“. Im Studium ist dieser Anteil nicht minder hoch. Greifen wir auf eine weitere Weisheit mit lateinischem Ursprung zurück: „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“. Viele Studierende beherzigen diese Tugend nicht, was sich bereits im Studium negativ auswirken kann. Zudem ist die Gesundheit auch für das zukünftige Wohlbefinden ein wichtiges Gut. Aus dem Grunde wird den Themen Ernährung, Ergonomik, Entspannung sowie Sport und Fitness ein eigenes Kapitel zugestanden. Sämtliche im Studium gewonnenen Kompetenzen bringen Ihnen wenig, wenn Sie diese nicht richtig „verkaufen“ können. Im letzten Kapitel geht es deshalb um die Vermarktung Ihrer Fähigkeiten: Um Marketing und Social Media. Im Anhang des Buches wird auf die Literatur verwiesen. Ist Ihnen im Text ein Wort unklar, dann hilft ein Blick in das Glossar, welches sich ebenfalls am Ende des Buches befindet.

Die Beispiele und Hilfen im Studi-Coach

Sie finden zweierlei Beispieltypen in diesem Werk: Studienbeispiele und Beispiele aus der Forschung. Studienbeispiele sind direkte Praxisfälle aus dem Studienleben. Es handelt sich um selbst erlebte Erfahrungen, von Studenten berichtete Fälle oder allgemeine Praxisproblemlagen. Beispiele aus der Forschung beziehen sich auf Studienergebnisse aus wissenschaftlicher Forschung rund um das Studentenleben sowie auf Forschungsansätze, die direkt darauf zu übertragen sind. Der Punkt Studi-Tipp betitelt Hilfsprogramme (Internetseiten, Software), die Studierende für das Lernen nutzen können. Zudem finden Sie unter diesem Punkt eine Reihe von erprobten Ratschlägen, um Ihr Studienverhalten zu optimieren.

Wie lese ich den Studi-Coach?

Teilweise finden sich Klammern hinter einigen Aussagen. Das bedeutet, dass auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus Fachartikeln zurückgegriffen wird, um die entsprechende Aussage zu untermauern. Beispiel: Gerade das Positive zu finden und dadurch Motivation zu gewinnen unterscheidet die erfolgreichen von den erfolglosen Studierenden (Çetingöza & Özkal 2009). Das heißt, Çetingöza & Özkal sind Autoren einer Studie zu der Thematik „Motivation im Studium“, die im Jahr 2009 veröffentlicht wurde. Um dann Genaueres über die Quelle zu erfahren, müssen Sie nur ein paar Seiten weiter hinten zum Literaturverzeichnis blättern. Dort finden sich Informationen zum genauen Titel der Veröffentlichung und zum Erscheinungsort. Wenn Sie die Studie lesen wollen, können Sie sich diese nun leicht besorgen.

Die Lesbarkeit soll durch eine Visualisierung der Inhalte eines jeden Kapitels am Beginn des Kapitels vereinfacht werden. Schauen Sie sich diese Grafik vor dem Lesen und nach dem Lesen des Kapitels an, damit Sie durch diese Eingangsinformation noch besser sensibilisiert für die Inhalte sind. Dem gleichen Zweck dienen die Zielformulierungen am Anfang des Kapitels.

1   Mit vorteilhaften Fähigkeiten und Eigenschaften auf die Studienrallye

Zentrale Ziele dieses Kapitels

  Ihre Rolle als Studierender einer Hochschule erkennen

  Notwendige Fähigkeiten und Eigenschaften für den Studienerfolg kennenlernen

  Zum eigenen Study-Leader durch proaktives Verhalten werden

1.1   Das neue Leben als Studierender

Die Hochschule – eine unbekannte Welt

Auf den ersten Blick wirkt eine Hochschule wie eine normale Schule mit viel mehr Schülerinnen und Schülern. Zudem bietet sich die schöne Möglichkeit, sich auf eher wenige Fächer zu begrenzen und diese auch noch relativ frei wählen zu können. Lassen Sie sich davon nicht blenden, Sie kommen in eine veränderte Welt. Es existieren eine Reihe von Unterschieden zwischen Schul- und Hochschulzeit hinsichtlich Stundenplan, Lernstoff, Betreuung und Selbstverantwortung. Fangen wir beim Stundenplan an.

Der Stundenplan ist doch nicht so frei zu gestalten

An Fachhochschulen oder Dualen Hochschulen ist der Stundenplan in der Regel ziemlich genau vorgegeben. Aber auch an Universitäten können Sie nicht alle Fachveranstaltungen beliebig nach Ihren Vorstellungen belegen: Fast alle Studienfächer geben besonders für den Bachelor-Studiengang mehr oder weniger verbindliche Stundenplan-Empfehlungen heraus. Dieser Unterschied zwischen Schule und Hochschule ist aus der Perspektive folglich gar nicht so groß. Nun aber zu sichtbaren Unterschieden: Vergessen Sie den Umfang des Stundenplan von ca. 25–30 Wochenstunden zu Schulzeiten. Lernen an der Hochschule findet zwar auch in den Veranstaltungen statt, aber etwa nur zur Hälfte der Zeit. In der anderen Zeithälfte ist Selbststudium gefragt, d.h. in Bibliotheken oder zu Hause am Schreibtisch.

Es ist viel zu lernen

Der Lernstoff ist zwar im Wesentlichen auf ein Fachgebiet zentriert, aber dieses ist sehr breit angelegt. Des Weiteren bietet sich eine viel größere Stofffülle, weshalb die Prüfungen viel umfangreicher als zu Schulzeiten sind. Um den Einsatz innovativer oder um eine Optimierung alter Lernstrategien kommen Sie als Studierender fast nicht umhin.

Die Betreuung wird minimiert

Klassenlehrer oder Stufenleiter gehören der Vergangenheit an. Viele Informationen werden Ihnen auch nicht wie selbstverständlich von der Hochschule zugestellt, Selbstbeschaffung ist gefragt. An vielen Hochschulen bestehen jedoch Mentoren-Systeme, die Studierenden einen Ansprechpartner zuweisen. Daneben gibt es oft spezielle Studienfachberater, die über die Studienfächer informieren. Der Studierende ist freilich gefragt, deren Meinung auch selbst einzuholen. Die Selbstständigkeit zeigt sich auch in dem eingeschränkten Kontakt zu den Dozierenden. Der Dozent ist eher ein Berater, der nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Auf seinem Lehrgebiet ist er in der Regel ein absoluter Experte und weit tiefer spezialisiert als ein Lehrer in der Schule. Dozierende werden Sie in der Regel aber nicht fragen oder kontrollieren, ob Sie in der Vorlesung gewesen sind, ob Sie Ihre Aufgaben gemacht oder ob Sie gelernt haben. Wenn Sie Ihre Leistung in der Prüfung nicht erfüllen, werden Sie eben schlecht benotet.

Noch mehr zur Selbstverantwortung

Der Grad der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ist auch in anderen Bereichen weit höher als zu Schulzeiten. Dazu gehört etwa die sorgsame Vor- und Nachbereitungszeit von Lehrveranstaltungen, wobei Fachbücher und Artikel in Fachzeitschriften gelesen und Übungsaufgaben gelöst werden müssen. Sie scheinen auch sehr viel Ferien (vorlesungsfreie Zeit) an einer Hochschule zu haben. Diese Zeit ist jedoch reserviert für Berufspraktika bzw. Schulpraktika, Prüfungsvorbereitungen, Ferienjobs zur Finanzierung des Studiums oder für die Vorbereitung des nächsten Semesters. Für das Lesen wissenschaftlicher Bücher und Aufsätze benötigt man Zeit und Ruhe, die man während der Vorlesungszeit kaum findet. Studierende, die die vorlesungsfreie Zeit als reine Ferienzeit nutzen, werden im Studium eher schlechter abschneiden und wenige Zusatzqualifikationen (vgl. Kap. 7.4) erwerben. Sie können es schon deutlich herauslesen: Eine umfangreichere, professionellere Arbeitsorganisation ist zum Überleben in der Hochschullandschaft vonnöten.

Hochschule breites Fachstudium
große Stofffülle
umfangreiches Lernen für Prüfungen
hoher Grad an Selbstständigkeit
großer Anteil des Eigenstudiums
eingeschränkter Kontakt zu Dozenten
viele Informationen müssen selbst beschafft werden

Tab. 1: Neues Rollenprofil für Studierende an der Hochschule im Überblick

Über den Sinn eines Studiums

Ziel eines Studiums ist nicht die reine Wissensaneignung, sondern die Entwicklung von persönlichen Fähigkeiten wie analytischem und logischem Denken oder mündlicher und schriftlicher Kommunikation. Man verwendet in diesem Zusammenhang auch das Wort Kompetenz. Eine Kompetenz eignet man sich z.B. durch intensives Training an. Mit einem Studium erweitert man seine Handlungskompetenz (vgl. Abb. 1), indem man seine Fach-, Methoden-, Human- und Sozialkompetenz verbessert. Während in früheren Zeiten ein besonderes Augenmerk auf fachliche Kompetenzen gelegt wurde, ist heutzutage unumstritten, dass Wissen in vielen Studiengängen sehr kurzlebig ist. Es ist durch Training on the job oder durch Weiterbildung situationsentsprechend zu aktualisieren. Ein Studium ist keine pure Fachausbildung, sondern führt zur Bildung einer sozial kompetenten, erfahrenen und gefestigten Persönlichkeit. Die erworbene Handlungskompetenz befähigt zur Ausfüllung eines Jobs sowie zur Lebensführung.

Abb. 1: Im Studium angesprochene Kompetenzen

Kompetenzen Schritt für Schritt ausbauen

Man kommt nicht ganz ungerüstet an eine Hochschule. Sie haben bereits eine Schullaufbahn absolviert und eine Reihe von Kompetenzen erworben, die im Studium reaktiviert werden müssen. Im Erststudium und den darauf folgenden Aus- und Weiterbildungen werden die Kompetenzen Schritt für Schritt angereichert, das eigene Handlungsspektrum wird infolgedessen wesentlich erhöht (vgl. Abb. 2). Selbstverständlich geht im Studienprozess auch einiges wieder verloren, wie ein Teil des tiefen Fachwissens. Vor allem die Methoden- und Persönlichkeitskompetenz werden jedoch stetig erweitert.

Abb. 2: Ausbau der Handlungskompetenz im Studienverlauf

1.2   Nötige Fähigkeiten und Eigenschaften

1.2.1   Proaktiv sein

Was macht proaktives Denken aus?

Proaktiv sein bedeutet, selbst die Verantwortung für sein Leben zu tragen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass unsere Gedanken über all unsere Aktionen, unsere Fähigkeiten, unsere Beziehungen zu anderen Menschen und unsere Motivation bestimmen. Wir haben glücklicherweise die Freiheit, Dinge zu tun oder zu lassen, solange wir nicht grob gegen rechtliche oder moralische Regeln verstoßen.

Study-Leader durch proaktives Verhalten

Proaktive Studierende konzentrieren sich auf Momente im Studium, die sie beeinflussen können, sowie darauf, sich an gewissen Vorgaben der Hochschule zu orientieren und diese pflichtgemäß einzuhalten und kreativ auszufüllen. Sie werden zu ihrem eigenen Study-Leader und entwickeln ihre „studentische Identität“ – sie designen ihr eigenes Studium. Das schließt eine lebendige, selbst forschende und erkundigende Lebenseinstellung ein. Sie sind kein passiver Konsument in einer Lehrveranstaltung, sondern hinterfragen die Lehrinhalte und arbeiten diese aktiv nach. Aktives Mitarbeiten in Lehrveranstaltungen steigert die Aufmerksamkeit und damit den Lernerfolg. Eine proaktive Einstellung umfasst auch die Offenheit, neue Lern- und Lesemethoden (vgl. Kap. 4 und 5) auszuprobieren und diese genau auf die Anwendbarkeit im eigenen Studienleben zu bewerten, um für kommende Aufgaben gut gerüstet zu sein.

Abb. 3: Proaktives versus reaktives Verhalten

Herausforderungen suchen, heißt proaktiv sein

Ein Studium sollte nicht als bloße Pflichtaufgabe angesehen werden. Vielmehr sollte es als Herausforderung, mit der man persönlich reift, betrachtet werden. Durch diese Sichtweise kann Ihr Selbstbewusstsein Schritt für Schritt weiter wachsen: Reaktive Formulierungen wie „hätte ich nur“, „ich kann nicht“ oder „so bin ich eben“ sind in dieser proaktiven Sichtweise hinderlich. Stattdessen werden Sie selbst tätig, um die Herausforderungen im Studium und Leben allgemein zu bewältigen und dabei für weitere, noch an-spruchsvollere Aufgaben zu lernen. Dieser Zusammenhang sollte auch in Sätzen ausgedrückt werden: „ich will…“ oder „ich kann…“. Nicht ein potenzielles Versagen sollte also Bezugspunkt des Denkens sein, sondern ein erfolgreiches Erledigen der Aufgaben. Proaktive Studierende verbessern mit Durchhaltewillen, auch in Motivationstiefs, ihre Leistung, z.B. durch umfangreiche Wiederholungen des Lernstoffs.

Ab ...

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