Logo weiterlesen.de
Stories, die von Mördern handeln

Alfred Bekker

Stories, die von Mördern handeln

22 Kurz-Krimis/ Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Stories, die von Mördern handeln

 

© 2014 Digitalausgabe AlfredBekker/CassiopeiaPress

Ein CassiopeiaPress E-Book

www.AlfredBekker.de

 

Inhalt

Alfred Bekker mit M. Munsonius: Die Toten Augen von Schmilka

Alfred Bekker mit Rupert Bauer: Passauer Mords-Dessert

Alfred Bekker: Nach all den Jahren

Alfred Bekker: Ein Hai im Swimming-Pool

Alfred Bekker mit M.Munsonius: Killer im Käfig

Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine

Alfred Bekker mit W.A.Hary: Treffpunkt Hölle

Alfred Bekker: Der Satansbraten

Alfred Bekker: Ein Mann für besondere Aufträge 

Alfred Bekker: Kein Grund zum Feiern

Alfred Bekker: Der perfekte Coup

Alfred Bekker: Der Juwelen-Coup

Alfred Bekker: In der Falle

Alfred Bekker: Robbies Coup

Alfred Bekker: Der Safe des Country Sängers

Alfred Bekker: Der Motorrad-Mörder

Alfred Bekker: Der Barbier von Lloret de Mar

Alfred Bekker: Das Mörderschiff

Alfred Bekker: Wer killte den Zahnarzt?

Alfred Bekker: Der Pförtner sah den Mörder

Alfred Bekker: Tote Zeugen reden nicht

Alfred Bekker: Wann starb Joe Brodkey?

 

Die toten Augen von Schmilka

von Alfred Bekker & Marten Munsonius

Der Himmel ist ein Ozean aus weiß und blau. In diesem Juli ist es besonders warm. Auf den Wanderwegen steht die Luft wie gefangen zwischen den alten Felsen und den waldreichen romantischen Schluchten. Nicht einmal die Insekten haben die Kraft die heiße Luft mit ihren Geräuschen zu erfüllen. In der Ferne kommt über die Anhöhe eine einsame Gestalt. Von der anderen Seite aus dem Tal kommt ein zweiter Wanderer, gefolgt von einer versprengten Gruppe weiterer Touristen. Sie gehen langsam aufeinander zu.

Eine Frau in den besten Jahren bist du, hat jemand mal zu mir gesagt. Aber das stimmt nicht. Die besten Jahre sind längst vorbei. Eine schwache Erinnerung. Schatten. Ein süßlicher Geruch, der die ganze Wohnung erfüllt. Und Fliegen. Es war alles mal ganz anders…

Es ist traurig.

Keiner von ihnen ist geblieben, dabei bin ich eine gute Gastgeberin.

Sie erschrecken schon, wenn sie das Haus betreten.

Ja, es ist ein sehr altes Fachwerkhaus, das etwas erhöht abseits der Hauptstraße steht. Ich habe es vor vielen Jahren geerbt und leider kein Geld es aufwändig zu restaurieren. Nach der Wende kam ziemlich rasch die Schließung unseres Kombinats und dann starb meine Mutter, zu der ich in den letzten Jahren wenig Kontakt gehabt hatte, überraschend nach einem unglücklichen Sturz, und ich übersiedelte von Dresden zurück in meinen Geburtsort Schmilka.

Das Holz an den Wänden ist nachgedunkelt, die Möbel sind alt und in einigen Schränken ist der Holzwurm.

Weshalb beklagen sie sich alle über einen bestimmten Geruch, von dem sie nicht sagen können, wodurch er verursacht wird und von dem sie nicht wissen, woher er kommt? In diesem Haus in der Nähe der Schmilkaer Mühle lebten Generationen, ein angrenzender Stall wurde später ein erweiterter Teil des Wohnzimmers.

„Vielleicht daher dieser Geruch“, sage ich.

„Echt?“

„Ja.“

„Glaube ich nicht.“

Mein Zureden hilft nicht viel. Er will nicht bleiben um mit mir zu reden.

Ich weiß nicht warum.

Ist es zuviel, was ich da verlange? Das kann ich mir nicht vorstellen. Nur reden… Und doch, es ist immer dasselbe. Sie wollen nicht bleiben. Ich versuche, sie ein wenig auf andere Gedanken zu bringen, wenn ich von den Vorzügen Bad Schandaus erzähle, dem wunderbaren Kneippkurort mit seinen uralten Kirchen, den romantischen Museen und einem traditionellen Marktplatz.

Ich kann von Glück sagen, wenn sie sich wenigstens mit mir an den gedeckten Tisch setzen.

Ich zünde die Kerzen an. Eine nach der anderen, bis sie den Raum in ein warmes, weiches Licht tauchen, denn in den alten Häusern sind die Fenster nicht groß und auch bei Tag fällt nicht immer genügend Licht in die Stube.

Der Flackerschein der Kerzen fällt auf seine ebenmäßigen Züge und taucht sie in ein diffuses Licht. Sein Gesicht wirkt weicher, als es in Wirklichkeit ist. Seine Augen sind so wässrig blau, dass ich darin zu versinken drohe. Er hat schwarze Haare, und sein Kinn ist mit einem leichten Bartflaum bedeckt. Er erinnert mich an Matschek – damals. Unseren Vorarbeiter im Kombinat. Ein kräftiger Mann, nicht mehr ganz jung, aber einer, der mir zuhörte. Und – dem ich zuhörte. Ich hing an seinen Lippen, wenn er von der goldenen Freiheit im Westen sprach, leise nur, denn man wusste nicht genau, wer vielleicht bei Horsch & Guck beschäftigt war. Das konnte sehr ungemütlich enden.

Matschek, er versprach mir die Freiheit, er versprach mir ein Leben in Saus und Braus, und er mochte meine Brüste.

Ich hätte es ahnen müssen. Es kam, wie es kommen musste. Am 10. November 1989 war Matschek zusammen mit einigen Kollegen nicht zur Arbeit erschienen, sondern mit den Trabbi nach Berlin, hieß es. Er kam nie wieder, und die Fabrik ist heute geschlossen.

Abgewickelt.

Arbeitslos.

Der Begriff erschreckte mich.

Ich wartete.

Nahm kurzfristige Jobs an und hoffte, dass Matschek eines Tages der Prinz war auf einem weißen Pferd, der mich aus meinen Dornröschenschlaf wach küsste. Ich kellnerte zuletzt in den neuen Kneipen im Schatten von Frauenkirche und Kreuzkirche in der Weißen Gasse. Die von Drüben kamen wussten nicht was Broiler sind, und ich wollte schließlich nur noch weg von dem ganzen Zirkus. Es kommt mir vor, als wäre es bereits fernste Vergangenheit, als ich den Brief öffne, ein amtliches Schreiben. Es ging um den Tod meiner Mutter und um eine Testamentseröffnung.

Ich stand auf einer der Elbbrücken – keine Träne in den Augen – und sah hinüber zu der Ruine der Frauenkirche. Der Wiederaufbau war voll im Gange.

Aufbruch.

Ich würde zurückkehren in meinen Geburtsort.

Ohne Matschek.

Alles hinter mir lassen.

Matschek! Ich merkte nicht, wie ich den Brief wütend zerknüllte.

Ich konnte ihn nicht gehen lassen.

Ich konnte einfach nicht. Nicht schon wieder.

"Sie wollen wirklich schon gehen?"

Sein Gesicht wirkt verlegen.

"Ja."

"Aber..."

„Es ist schon spät.“

„Finde ich nicht.“

Ein verlegenes Lächeln. Schweißtropfen auf der Stirn.

"Ich muss mich auf den Weg machen. Verstehen Sie mich doch, es ist höchste Zeit..."

Noch einmal versuche ich, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, seine aufkommenden Zweifel zu zerstreuen.

„Wir könnten morgen einen Ausflug ins Sandsteingebirge unternehmen.“

Er holt tief Luft. Ehe er etwas sagen kann, erzähle ich schnell weiter.

„Der Malerweg! Wir könnten auf den Spuren Casper David Friedrichs wandeln, die majestätischen Tafelberge haben ihn zu einigen seiner schönsten Landschaftsbilder inspiriert. Oder Richard Wagners Lohengrin ist untrennbar mit der Sächsischen Schweiz verbunden…“ Er starrte mit ausdruckslosen Augen durch mich hindurch, als habe er mir gar nicht zugehört. "Sehen sie, ich habe den Tisch gedeckt!" Ich breite meine Hände in einer großzügigen Geste weit aus.

"Hören Sie, ich will Sie nicht kränken, aber..."

"Aber?"

"Ich weiß nicht, ob es richtig war, Ihre Einladung anzunehmen... Was ich sagen will ist..."

"Bitte, Sie können mir das nicht antun! Ich habe für Sie gekocht!"

"Das ist sehr nett, aber - "

"Alles ist vorbereitet... "

Er runzelt genau in diesem Moment die Stirn.

"Vorbereitet?"

Viele von ihnen haben genau in diesem Moment die Stirn gerunzelt.

Ich kann es unmöglich erklären, aber es ist so.

Ich habe kein gutes Gefühl.

"Es gibt Lachs in Kräuterbutter. Dazu einen guten Wein. Es wird Ihnen schmecken..."

Ich habe etwas Schlimmes getan.

Na ja, das haben die meisten Menschen in ihrem Leben vielleicht irgendwann schon mal getan. Aber das, was ich hier tat, ist von besonderer Scheußlichkeit. Ich weiß es, aber ich kann es nicht ändern.

Ich empfinde auch keine Schuld.

Es ist so gekommen.

Geschehen und vorbei.

Reden wir lieber über etwas anderes.

Ich sehe ihm in die Augen, diese leuchtend blauen Augen, die mich eigentlich ganz friedlich anblicken.

Er sitzt mir gegenüber, mit diesen Augen, mit seinem schmalen und energisch wirkenden Mund, mit dem feingeschnittenen Gesicht, das mich ein wenig an Matschek erinnert. Sein Mund lächelt nicht mehr. Er ist vielmehr unbeweglich, etwas starr, ich weiß auch nicht.

Ich hebe mein Glas und proste ihm zu.

Er schweigt.

Ich rede mit ihm. Oder besser: Ich erzähle ihm alles Mögliche. Über mich. Über meine Ansichten. Über die Erhabenheit des Elbsandsteingebirges, über die Stille abseits der bekannten Wanderwege, von dem Meer, das es vor mehr als einhundert Millionen Jahren gewesen sein mag, spanne ich den Bogen zu Gott und der Welt.

Nein, vielleicht doch nichts über Gott. Was ich damit sagen will ist Folgendes: Gott hat in dieser Geschichte eigentlich nichts verloren.

Ich sollte ihn aus dem Spiel lassen.

Um seinetwillen.

Mein Mund produziert Worte. Eins nach dem anderen, ohne Unterlass. Ganze Absätze. Einen kleinen Roman. Eigentlich bin ich sonst ein schweigsamer Mensch, vielleicht sogar schüchtern. Wie gesagt, ich lebe zurückgezogen mit meinen drei Katzen. Das Haus, in dem ich wohne, steht etwas einsam, nicht weit von dem Quellbach entfernt, der in die Elbe mündet.

Ich habe es für mich allein und das ist gut so.

Oft bin ich oben bei den felsigen Tafelbergen, umgeben von romantisch versponnenen Wäldern.

Die zerklüfteten Felsmassive laden zum klettern ein. Es herrscht ein starker Wind dort. Und erst die herrlichen Wanderwege, vorbei an Wasserfällen und Felsentore…Man trifft Leute dort. Touristen. Manchmal komme ich mit ihnen ins Gespräch und lade jemanden zu mir nach Hause ein.

Zum Essen.

Die meisten wollen nicht, aber bei einigen gelingt es mir.

Kein Mensch kann immer allein sein. Kein Mensch. Auch ich nicht.

Ein Tag vergeht. Und ein weiterer.

Ich lasse ihn am Tisch sitzen. Er blickt mich starr an, wenn wir uns unterhalten. Er wollte sich in das älteste Haus am Ort ein Urlaubsquartier buchen, der Mühle, die jetzt ein Ferienhaus ist. Ob er wohl gewusst hat, dass es das erste Gebäude im Ort war? 1655 – eine lange Zeit. Aber wir müssen alle manchmal etwas warten. Auch länger. Er hat jetzt viel Zeit.

Oder hätte ich ihn doch gehen lassen sollen?

Vielleicht.

Ich konnte es einfach nicht.

Es war mir unmöglich.

Ich brauchte ihn. Ich brauche Matschek.

Und ich hoffe nur, dass ich ihm nicht allzu sehr wehgetan habe. Jedenfalls hat er nicht geschrieen. Er war wohl sofort tot. Ganz bestimmt war er das. Und er würde nun bleiben. Mir zuhören. Mich nicht noch einmal einfach verlassen.

Am vierten oder fünften Tag nahm ich ihn mit großer Anstrengung mit hinüber und setzte ihn in einen der alten Ohrensessel, die bei mir im Wohnzimmer stehen. Wir saßen jetzt beieinander. Es war schön.

Jedenfalls besser, als wenn man alleine dasitzt.

Von Tag zu Tag gab es mehr Fliegen im Haus und mir war klar, woher das kam.

Ich betrachtete wehmütig sein Gesicht. Es schien Matschek immer weniger ähnlich zu sehen.

Schade, aber ich würde mich von ihm verabschieden müssen.

Ich schob es noch ein paar Tage vor mir her. Schließlich hatte ich mich an seine Gesellschaft gewöhnt. Er hörte mir wie früher zu. Manchmal erlaubte ich seiner Hand meine Brüste zu liebkosen. Wie früher.

Aber dann wollte er meine Brustwarze nicht loslassen, seine kalten und trockenen Finger hielten sie fest umklammert.

So blieb er wenigstens bei mir. Ich spürte es.

Und - dennoch, das Ende war unvermeidlich.

Ich löste ein paar Fußbodenbretter, unter denen ich eine Art Grube angelegt hatte und legte ihn zu den anderen. Friedlich liegt er dort und wird mich niemals wieder verlassen.

Ein Hai im Swimming-Pool

von ALFRED BEKKER

Es war eine Villa in traumhafter Umgebung. Die Leiche schwamm angekleidet im Swimming-Pool. Fünf Schüsse hatten den großen, kräftig wirkenden Mann mit den bereits angegrauten Haaren getötet.

"Ich habe alles so vorgefunden und sofort die Polizei angerufen", sagte seine Frau, eine elegant gekleidete Mittdreißigerin. Kommissar Gernot stand nachdenklich daneben und sah den Kolegen von der Spurensicherung zu, wie sie den Tatort absuchten. Ein bißchen hatte Gernot bereits über das Opfer erfahren. Jürgen Ritter, 38, Geschäftsmann. Das klang besser, als es war, denn Ritter war weithin als gnadenloser Kredithai verschrien gewesen.

"Haben Sie eine Idee, wer Ihren Mann ermordet haben könnte?"

"Nein", sagte Patricia Ritter sehr schnell.

"Überlegen Sie gut. Ich weiß, daß es für Sie jetzt nicht leicht ist, darüber zu reden..."

"Wissen Sie, mein Mann kämpfte im Geschäftsleben immer mit harten Bandagen..."

Gernot nickte. "Fünf Schüsse... Da hat jemand große Wut gehabt", stellte er etwas sachlicher fest. "Ich brauche die Kundenlisten Ihres Mannes."

"Mit der Firma habe ich nichts zu tun", sagte Patricia Ritter schulterzuckend. "Unsere Büros sind in der Stadt. Sprechen Sie doch mit Herrn Marksen, das ist der Partner meines Mannes.

*

Björn Marksen saß hinter einem dicken Eichen- schreibtisch und sah Kommissar Gernot durch dicke Brillengläser hindurch an. "Eine furchtbare Sa- che", murmelte er, nachdem der Kommissar geendet hatte."Und Sie denken, daß einer unserer Kun- den...?"

"Nun, Ihre Firma ist ja dafür bekannt, nicht gerade mit Samthandschuhen vorzugehen, wenn sie Ihre Schulden eintreibt", versetzte Gernot.

Marksens Gesicht wurde steinern. "Wir haben vielen Menschen geholfen", stellte er fest.

"Sie vergeben Kredite an Leute, die bei keiner Bank noch Geld bekommen würden und treiben sie da- mit vollends in den Ruin."

"Wollen Sie mich beschimpfen?" giftete Marksen.

"Ich brauche Ihre Kundenlisten und will mit den Mitarbeitern sprechen!" Kommissar Gernot zeigte Marksen einen Durchsuchungsbefehl. "Fangen wir mit Ihnen an. Wie wird sich Ritters Tod auf die Firma auswirken?"

Marksen runzelte die Stirn. "Sein Tod ist natür- lich ein unersätzlicher Verlust, das ist klar", sagte er einem Ton, den Gernot als Heuchelei emp- fand.

Gernot hakte nach. "Ich meine finanziell."

"Finanziell sind wir gegenseitig durch eine Le- bensversicherung abgesichert", sagte Marksen. "A- Aber schließen Sie daraus jetzt nichts Falsches. Ich habe für die Tatzeit ein Alibi. Ich hatte Ge- burtstag und ein gutes Dutzend Gäste eingeladen."

*

In der Firma waren noch zwei Sekretärinnen sowie ein junger Mann mit schlaksiger Figur und scheuem Auftreten beschäftigt. Er hieß Benrath und war für die Buchhaltung zuständig. Besonders gesprächig war er nicht. Die beiden Sekretärinnen waren dafür um so redseliger. "In letzter Zeit wirkte Herr Ritter irgendwie bedrückt", meinte die eine von ihnen und ihre Kollegin war derselben Ansicht.

"Ja, er war auch oft beim Arzt. Ich weiß das genau, weil ich die Termine absprechen mußte."

"Bei was einem Arzt war er?" fragte Gernot.

"Bei einer Psychologin, Dr. Inge Borowski. Viel- leicht haben ihn die Drohanrufe so mürbe gemacht."

"Drohungen?" echote Kommissar Gernot. Die beiden Sekretärinnen sahen sich an, dann sagte die Ältere der beiden: "Das kommt immer wieder mal vor. Aber einer ist in letzter Zeit besonders aufgefallen... Er hat sich nie mit Namen gemeldet, aber ich habe seine Stimme wiedererkannt! Er heißt Holgar Ser- ner."

*

Kommissar Gernot trieb Serner in seiner Stammkneipe auf, wies sich aus und sagte ihm gleich, worum es ging. "Sie haben Ritter telefonisch bedroht. Ihm würde etwas passieren und so weiter..."

Serner hatte dicke Augenringe und ein eingefallenes Gesicht. "Dieser Mann hat mich rui- niert!" sagte er bitter. "Er hat mir einen Kredit aufgeschwatzt und mir eingeredet, ich könnte damit mein Haus retten! Aber stattdessen ist der Schuldenberg groß geworden, daß ich zwei Leben bräuch- te, um ihn wieder abzuzahlen!"

"Ich habe mich erkundigt, Sie besitzen eine Sportpistole vom selben Kaliber wie die Kugeln, die in Ritters Körper steckten."

Serner trank sein Bier auf und seufzte. "Ich weine diesem Kerl keine Träne nach!" sagte er. Aber ich habe ihn nicht umgebracht."

"Wo waren Sie am Donnerstag abend zwischen sechs und acht?"

"Zu Hause. Allein."

Also kein Alibi, dachte Gernot. "Können wir zu Ihnen nach Hause gehen und Sie zeigen mir Ihre Waffe?"

"Ich habe die Waffe verkauft. Sie wissen, daß ich nicht gut bei Kasse bin und da kam jemand, der einen unwahrscheinlichen Preis dafür bot..."

"Wer war das?"

Serner hatte noch nicht geantwortet, da tönte plötzlich der Wirt durch den Schankraum. "Ist hier ein Kriminalkommissar? Telefon für Sie!"

*

Am Abend besuchte Kommissar Gernot noch einmal den Tatort, die Villa der Ritters. Zu seiner Überraschung traf er dort neben Patricia Ritter auch Benrath, den unscheinbaren, schlaksigen Buch halter an. Den Gläsern nach, die auf dem Tisch standen, hatten die beiden Sekt getrunken.

"Gibt es etwas zu feiern?" fragte der Kommissar.

Benrath blickte zu Boden und Patricia Ritter rieb nervös die Hände aneinander.

"Was wollen Sie damit sagen?" zischte sie.

Der Kommissar blieb ruhig.

"Vielleicht feiern Sie ja die Nachricht, daß Ihre Lebensversicherung ausgezahlt wird, Frau Ritter ebenso wie die zugunsten von Herrn Marksen, der in dieser Runde eigentlich noch fehlt!" Gernot wartete die Antwort gar nicht erst ab, sondern fuhr fort: "Der Tod Ihres Mannes dürfte aufgeklärt sein."

"Wer hat ihn ermordet?" fragte Patricia Ritter und verschränkte dabei die Arme. Sie wirkte abwei- send. Gernot lächelte dünn.

"Niemand", erwiderte der Kommissar. "Die Obduktion hat ergeben, daß Ihr Mann an Tablettenvergiftung gestorben ist. Selbstmord also. Nach Auskunft seiner Psychologin litt er schon seit langem an Depressionen..."

"Das ist doch Unfug!" fauchte Patricia. "Weswegen sollte er Depressionen haben?"

Gernot zuckte die Schultern. "Zum Beispiel, weil seine Frau ein Verhältnis mit seinem Buchhalter hatte... Außerdem ging es mit der Firma bergab und er wußte nicht, wie er die Talfahrt stoppen konnte. Er hat Tabletten genommen und ist gestorben. Aber bei Selbstmord zahlt keine Versicherung. Sie, Frau Ritter haben nicht zuerst die Polizei angerufen, sondern Benrath. Und der erinnerte sich an Serner, einen Sportschützen in finanzielle Nöten. Er fuhr hin, kaufte ihm die Waffe ab und dann wur- den damit die Schüsse abgegeben und alles so arrangiert, daß es wie Mord aussah."

Einen Augenblick lang sagte niemand etwas, dann brachte Benrath heraus: "Es war Marksens Idee. Ich habe ihn auf seiner Geburtstagsfeier angerufen und er meinte, das die Firma den Bach runtergeht, wenn die Polizei einen Selbstmord annimmt!"

Gernot nickte. "Ich muß Sie bitten, mit aufs Präsidium zu kommen."

PASSAUER MORDS-DESSERT

 

von Alfred Bekker & Rupert Bauer

 

 

Sie hatten sich zu einem gepflegten abendlichen Tête-à-tête verabredet.

"Ich kann auch über nacht bleiben", hatte Nadine gesagt.

"Sagt dein Mann nichts dazu?"

"Nein, Robert."

"Aber..."Er runzelte die Stirn.

"Die Wahrheit ist: Ich habe ihn schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen."

"Hattet ihr Streit?"

"Ja, ein bißchen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm kommt und er einfach davonläuft und nicht wieder auftaucht."

Jetzt saßen sie vor einem vorzüglichen Essen. Robert war ein guter Hobby-Koch und hatte sich gehörig ins Zeug gelegt.

Es war ein alter Jugendtraum von ihm, Koch in einem Restaurant der haute cuisine zu sein.

Am liebsten in seinem bevorzugten Speiselokal, dem Stiftskeller in der Heiliggeistgasse in seiner Heimatstadt Passau.

Dorthin führte er gerne seine Gäste aus. Es gab da drei Möglichkeiten in einem gepflegten Ambiente zu dinieren: Entweder am einem lauschigen Sommerabend im Stiftsgarten oder im rustikalen Keller. In letzterem fühlte man sich sofort ins Mittelalter versetzt.

Am liebsten aber speiste er im Bischofszimmer mit seiner uralten Wandtäfelung. Genau das Richtige als Herrenzimmer für die älteste deutschsprachige Vereinigung, die schon über 800 Jahre zählt. In einem Geheimfach in diesem Raum wird die Gründungsurkunde aus dem 12. Jahrhundert aufbewahrt.

Aber aus diesen Plänen war nichts geworden.

Er hatte Jura studiert und war Anwalt geworden.

Robert hatte Lachs mit Kräuterbutter auf den Tisch gebracht, und er sah mit Genugtuung, dass Nadine solche Kostbarkeiten zu würdigen wusste.

Sie hoben die Weingläser und prosteten sich zu.

"Auf meinen charmanten Gast", sagte Robert.

"Auf einen exzellenten Koch!", erwiderte Nadine freundlich lächelnd. "Und auf einen faszinierenden Mann!"

"Sagen wir einfach: Auf uns!"

Sie nickte.

"Ja, das ist gut. Damit bin ich auch einverstanden."

Zum Nachtisch gab es köstliche Eistorte. Robert hatte sie selbstverständlich eigenhändig kreiert.

Nadine dachte kurz an ihren Mann und daran, was er wohl sagen würde, wenn er sie hier mit Robert hätte sehen können.

Nadines Mann war temperamentvoll und sehr eifersüchtig. Und vor allem war er nicht bereit, Nadine freizugeben Nadine wiederum war keine sehr starke Persönlichkeit. Sie hatte zwar schon oft Robert gegenüber angekündigt, dass sie sich nun endlich von ihrem Mann trennen wollte, aber wenn es dann ernst wurde, schreckte sie regelmäßig davor zurück.

Das war ein Punkt, den Robert nur schwer schlucken konnte und den er auch nicht verstand.

Er mußte es hinnehmen, schon deshalb, weil ihm wirklich etwas an Nadine lag. Er würde ihr soviel Zeit geben, wie sie brauchte.

"Was weiß dein Mann eigentlich von mir?", fragte Robert.

"Er weiß, dass da etwas ist. Aber er weiß keinen Namen. Er kennt dich also nicht, jedenfalls soweit ich weiß." Sie lachte und zeigte dabei ihre strahlend weißen Zähne.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Stories, die von Mördern handeln" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen