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Stern der Liebe über Sizilien

Lucy Monroe

Stern der Liebe über Sizilien

1. KAPITEL

Unschlüssig stand Antonio vor dem kleinen Juweliergeschäft, auf dessen Firmenschild in altmodischen Goldbuchstaben „Adamo & Söhne – Juwelen“ zu lesen war. Wie sollte er nur das, was er vorhatte, am besten in Angriff nehmen?

Normalerweise scheute er vor einer Konfrontation nicht zurück. Als erfolgreicher Unternehmer und Sicherheitsexperte hatte er oft mit hartnäckigen, manchmal sogar gefährlichen Widersachern zu tun. Aber diesmal war der Gegner kein Geschäftsmann, sondern seine ehemalige Geliebte.

Ihm war klar, dass Elisa jedes Eingreifen in ihre Privatsphäre empört zurückweisen würde, auch wenn es auf Anweisung ihres besorgten Vaters geschah. Seit einem Jahr mied sie ihn wie die Pest. Mittlerweile hasste sie ihn ebenso leidenschaftlich, wie sie ihn einst geliebt hatte.

Er konnte es ihr nicht einmal verübeln.

Grund genug dazu hatte sie, aber aus ihrem Leben verbannen ließ er sich deshalb noch lange nicht. Er hatte ihr unrecht getan, und dieses Unrecht würde er wiedergutmachen, etwas anderes ließen sein sizilianisches Temperament und sein Ehrgefühl nicht zu.

Er öffnete die Ladentür und runzelte die Stirn, als kein Summer ertönte. Diese simple Vorrichtung, die dem Personal ankündigte, dass jemand den Verkaufsraum betrat, war für ein Juweliergeschäft unerlässlich. Unzufrieden machte er die Tür hinter sich zu und sah sich um.

Sie stand an einer der Glasvitrinen und unterhielt sich mit zwei Kunden, dem Anschein nach ein junges Paar. Was sie sagte, konnte er nicht verstehen, aber ihre Stimme klang so melodisch wie einst. Die goldbraune Mähne hatte sie im Nacken zu einem strengen Zopf geflochten, was die schöne Linie des Halses betonte. Nur zu gut erinnerte er sich an die kleine Ader, die in bestimmten Situationen sichtbar pochte …

Sie trug eine ärmellose Bluse, deren Farbe hervorragend zu ihren Augen passte – moosgrün –, und dazu einen etwas dunkleren schmalen Rock, der fast bis an die Knöchel reichte und ihre Figur bestens zur Geltung brachte. Ein hoher Schlitz ließ die schönen Beine ahnen, die sie so oft und so leidenschaftlich um seine Hüften geschlungen hatte.

Antonio biss die Zähne zusammen. Ihre Wirkung auf ihn war heute noch ebenso stark wie damals, und er bezweifelte, dass sich das jemals ändern würde. In den letzten zwölf Monaten hatte er keine andere Frau angerührt. Sie war es, die er wollte – auch wenn er sie deswegen heiraten musste.

Sie zu heiraten war sowieso der einzige Weg, um seine Schuld zu sühnen.

Sie sagte etwas zu dem Pärchen, bevor sie um die Vitrine herumging und aus einer der Schubladen ein Display mit Diamantringen hervorholte. Als sie sich aufrichtete, sah sie ihn.

Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. Sie starrte ihn an, als wäre er ein Gespenst. Das Display entglitt ihren Händen und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Verkaufstisch.

„Ist Ihnen nicht gut?“, fragte der junge Mann besorgt.

Elisa zwang sich zu einem Lächeln. „Nein, danke, mir fehlt nichts. Ist … ist das der Ring, den Sie sehen wollten?“

Die junge Frau nickte glücklich, bevor sie sich dem Mann neben ihr zuwandte und ihn so verliebt ansah, dass es Elisa einen Stich versetzte. So glücklich war sie auch einmal gewesen, bevor Antonio alles zerstört und das grausame Schicksal ihr das Baby genommen hatte.

Sie zog den Ring mit dem Solitär aus der Halterung und hielt ihn den beiden entgegen. „Wollen Sie ihn nicht anprobieren?“

Der junge Mann griff danach und steckte ihn seiner Begleiterin an den Finger.

„O David …“, hauchte sie. „Er sitzt wie angegossen.“

Elisas Lächeln vertiefte sich. Es war so gut wie sicher, dass sie den Ring verkaufen würde, und Signor di Adamo hatte die Einnahme bitter nötig. Seine finanzielle Lage war alles andere als rosig.

„Er ist wunderschön“, kam es von der Tür her.

Beim Klang seiner Stimme zuckte sie zusammen. Sie hatte gehofft, dass die Gestalt dort drüben nur in ihrer Einbildung existierte. Ein Albtraum, aus dem sie im nächsten Moment erwachen würde …

Die junge Frau drehte sich um und strahlte den Unbekannten an. „Vielen Dank, Signor.“

„Dem Ring nach vermute ich, es besteht Grund zum Gratulieren.“

David schmunzelte. „Allerdings. Sobald wir wieder daheim sind, wird geheiratet.“

Die zukünftige Braut nickte glücklich. „Ist das nicht romantisch?“ Mit einem zärtlichen Blick auf den Verlobten fuhr sie eifrig fort: „Wir kommen aus Amerika und haben uns im Urlaub kennengelernt. Für uns beide war es die erste Reise nach Europa, und hier in Italien gefällt es uns so gut, dass wir um zwei Wochen verlängern.“

„Und uns außerdem verlobt haben“, fügte der zukünftige Ehemann mit breitem Lächeln hinzu.

Ein Texaner, ging es Antonio durch den Kopf. „Meinen herzlichsten Glückwunsch“, erwiderte er höflich. „Ich bin sicher, Sie werden sehr glücklich miteinander sein.“

Beinahe hätte Elisa laut gelacht. Nur zu genau wusste sie, wie er über die Ehe dachte. Betont wandte sie sich wieder an das junge Paar, das außer dem Brillantring auch noch die Eheringe aussuchte und kaufte.

Als die beiden das Geschäft verließen, beugte sie sich über das Display und ordnete die übrigen Ringe neu.

„Es ist zwecklos, Elisa“, bemerkte Antonio nach einer Weile. „Ich löse mich nicht in Luft auf, und wenn du mich noch so hartnäckig ignorierst.“

Sie hob den Kopf und sah ihn an. Obwohl sie ihn aus ganzer Seele verachtete, war sie machtlos gegen die Wirkung, die er immer noch auf sie ausübte. Ihr Körper hatte anscheinend nichts vergessen, denn die Brustspitzen wurden hart, und Empfindungen, die sie zwölf lange Monate nicht mehr gekannt hatte, regten sich in ihr.

„Was willst du?“ Als ob sie das nicht wüsste!

Ihr Vater war Sizilianer, sie selbst lebte seit Langem in der Nähe von Rom und kannte den Stolz italienischer Männer. Wenn es um ihre Ehre ging, ließen sie nicht mit sich spaßen, allen voran die Sizilianer.

Dieser Sizilianer hatte einiges auf dem Gewissen, und jetzt wollte er Vergebung. Aber da konnte er lange warten!

„Dein Vater hat mich hergeschickt.“

„Papa? Ist etwas mit ihm nicht in Ordnung?“

Nachdenklich betrachtete er sie, und nach einer Weile wandte sie sich ab. Er hatte schon immer verstanden, in ihrem Gesicht zu lesen, doch er sah gleichzeitig zu viel und nicht genug. Ihre Sinnlichkeit hatte er erkannt, aber nicht die Liebe, die damit Hand in Hand ging, sonst hätte er wissen müssen, dass das Baby von ihm war.

Jetzt seufzte er. „Abgesehen davon, dass du ein Jahr lang nicht mehr zu Hause warst, ist alles in Ordnung.“

„Sizilien ist nicht mein Zuhause.“

„Aber dein Vater lebt dort.“

„Mit seiner Frau.“

„Und mit deiner Schwester.“

Ja, Annemarie lebte noch immer bei den Eltern, dabei war sie bereits zweiundzwanzig, nur drei Jahre jünger als sie. Ihre Halbschwester verspürte nicht das geringste Verlangen, auf eigenen Füßen zu stehen – etwas, das sie selbst von Kind auf gelernt hatte, denn ihre eigene Mutter duldete nicht, dass ihr jemand am Rockzipfel hing, auch nicht ihre Tochter.

„Annemarie wird bis zum Tag ihrer Hochzeit zu Hause bleiben.“

„Gibt es daran etwas auszusetzen?“

Elisa zuckte mit den Schultern. „Wir sind alle verschieden.“ Sie zog es vor, ihre eigenen vier Wände zu haben. Hier, in dieser Kleinstadt nicht weit von Rom, schrieb ihr keiner vor, was sie zu tun hatte. Ab und zu schickte ihr Chef sie auf Geschäftsreise, ansonsten bestimmte sie selbst.

„Der Summer an der Tür ist außer Betrieb.“

Einem Sicherheitsexperten fiel das natürlich sofort auf.

„Ich weiß.“

„Er muss repariert werden.“

„Wird er auch.“ Nach der Auktion, wenn wir Geld dafür haben.

„Willst du nicht wissen, weshalb dein Vater mich hergeschickt hat?“

„Ich nehme an, du wirst es mir sowieso mitteilen. Du sagst, es geht ihm gut.“

„Das stimmt, aber deinetwegen macht er sich Sorgen.“

Hätte sie Papa doch nur nicht von der Auktion und den Kronjuwelen erzählt! Als typisches sizilianisches Familienoberhaupt konnte Francesco Giuliano es nicht lassen, die Nase in die Angelegenheiten der Seinen zu stecken.

Elisa war das Ergebnis einer stürmischen Affäre zwischen ihm und der amerikanischen Filmschauspielerin Shawna Tyler, die ihm, als sie schwanger wurde, den Laufpass gab, da ihr die Rolle der braven Ehefrau nicht gefiel. Ebenso wenig wie die einer Mutter, ging es Elisa durch den Kopf.

„Weshalb macht er sich meinetwegen Sorgen?“, fragte sie. „Seit sieben Jahren passe ich selbst auf mich auf.“

„Er glaubt, man könnte versuchen, die Kronjuwelen von Mukar zu stehlen. Jeder weiß, wie wertvoll sie sind und wie umstritten ihr Verkauf ist. Sollte ein Überfall geschehen, bist du hier nicht sicher.“

„Unsinn! Adamo & Söhne ist ein Juweliergeschäft und dementsprechend abgesichert.“

„Vielleicht für eure Waren, aber nicht für die Edelsteine eines Kronprinzen.“ Ungeduldig winkte er ab. „Ihr Wert ist zehnmal so groß wie der eures gesamten Inventars. Und in Mukar gibt es viele Fanatiker, die mit der Abschaffung der Monarchie und dem Verkauf der Juwelen nicht einverstanden sind.“

„Mukar ist bankrott. Der ehemalige Kronprinz ist willens, alles zu tun, um sein Land vor dem Untergang zu retten.“

„Dennoch … Die Gefahr, dass dir etwas passiert, ist groß.“

Im Grunde konnte ihm das doch egal sein, er machte sich ja doch nichts aus ihr.

„Ich sehe keine große Gefahr.“

„Wenn nicht einmal der Summer funktioniert?“ Geringschätzig musterte er den Verkaufsraum. „Die Sicherheitsvorkehrungen sind unzureichend, und die Alarmanlage ist völlig veraltet. Jeder Gelegenheitsdieb kann bei euch einbrechen.“

„Hier wurde noch nie eingebrochen, nicht einmal vor Signor di Adamos Zeiten. Und er ist inzwischen weit über sechzig.“

„Ein alter Herr, mit anderen Worten. Zu schwach, um dir im Notfall zu Hilfe zu kommen. Die Zeiten haben sich geändert, heutzutage sind Überfälle keine Seltenheit, auch nicht in Kleinstädten wie dieser.“

„Das weiß ich, Antonio, ich bin ja nicht dumm.“

„Nein, aber viel zu naiv.“

„Ich kann auf mich aufpassen. Und die Juwelen sind hinter Schloss und Riegel.“

„Das genügt nicht.“

„Wie auch immer … Ob ich in Gefahr bin oder nicht, ist nicht deine Angelegenheit.“

„Doch, das ist es. Francesco hat mich mit deiner Sicherheit beauftragt.“

„Ich lasse mir von ihm keine Vorschriften machen. Wie ich lebe, ist meine Sache, und du …“ Sie verstummte, als die Tür aufging und ihr Chef mit seinem Enkel in den Laden kam.

„Signor di Vitale! Welch eine angenehme Überraschung! Sie haben Glück – diesmal ist meine tüchtige Mitarbeiterin nicht unterwegs.“

Im Stillen fragte sich Elisa, wie oft ihr Exlover im Laufe des Jahres wohl schon hier gewesen war.

„Signor di Adamo …“ Antonio schüttelte ihm die Hand, bevor er sich dem jungen Mann zuwandte. „Sie sind gewachsen, Nico. Nicht mehr lange, und Sie können das Geschäft Ihres Großvaters übernehmen.“

Nico lachte, aber der alte Herr meinte betrübt: „Wenn ich nicht vorher zumachen muss.“ Dann hellte sich seine Miene auf, und er lächelte. „Elisa ist meine ganze Hoffnung. Hat sie Ihnen von der Auktion erzählt?“

„Nicht sie. Ihr Vater.“

„Dieser jungen Dame verdanke ich, dass mich der Kronprinz mit dem Verkauf der Juwelen beauftragt hat. Aber wenn man so hübsch und intelligent ist wie sie, kann kein Mann Nein sagen. Habe ich recht, Signor di Vitale?“ Er zwinkerte ihm zu.

Elisa hätte ihm sagen können, dass weder das eine noch das andere Signor di Vitale daran gehindert hatte, sie sitzen zu lassen. Doch wozu? Er war ihr gleichgültig. Sie wollte weder seine Liebe noch seine geheuchelte Besorgnis, sie wollte nur, dass er möglichst bald wieder verschwand.

Ihr Wunsch ging nicht in Erfüllung. Antonio blieb. Er und Signor di Adamo überprüften die Sicherheitsvorkehrungen im Verkaufsraum und unterhielten sich über notwendige Reparaturen oder Änderungen.

Sie tat ihr Bestes, um ihm aus dem Weg zu gehen, doch er schien ihre Nähe absichtlich zu suchen. Als wisse er, welche Wirkung er immer noch auf sie hatte.

Nach einer halben Stunde ertrug sie es nicht länger und flüchtete in ihr kleines Büro, um an den Vorbereitungen für die Auktion zu arbeiten. Mochte ihr Chef sich um die Kundschaft kümmern.

Ganz in ihre Tätigkeit vertieft, hörte sie nicht, dass die Tür geöffnet wurde.

„Diesmal läufst du mir nicht davon.“

Antonio stand da und versperrte ihr mit seiner hohen breitschultrigen Gestalt den Fluchtweg. Sie presste die Lippen aufeinander und verbarg die Hände unter dem Schreibtisch, damit er nicht sah, wie sie zitterten. „Ich bin nicht davongelaufen, ich habe zu tun.“

„So wie bei meinen anderen Besuchen, bei denen du leider jedes Mal durch Abwesenheit geglänzt hast.“

„Das stimmt nicht, ich war nicht immer unterwegs.“

„Nein, beim ersten Mal warst du in deiner Wohnung und hast mich vor der Tür stehen lassen.“

Nicht nur das. Sie hatte ihm mit der Polizei gedroht, und er war tatsächlich gegangen, obwohl es ihm vermutlich ein Leichtes gewesen wäre, die Beamten abzuwimmeln.

„Trotzdem bist du wiedergekommen.“

„Und du warst nicht da.“

„Ich war auf Geschäftsreise.“

Er hatte den Fehler begangen, sie zwei Tage vorher aus Rom anzurufen, und ihr dadurch Gelegenheit gegeben, früher als vorgesehen abzureisen.

„Erzähl mir nichts, du bist davongelaufen, genau wie bei meinem nächsten Besuch.“

„Da war ich bei meiner Mutter in New York.“

„Du bist ein paar Stunden vor meiner Ankunft abgeflogen, weil du von Francesco erfahren hast, dass ich auf dem Weg zu dir war.“

„Papa dachte, ich würde mich über deinen Besuch freuen.“ Ihr Vater, ebenso wie der Rest der Familie, glaubte, dass sie und Antonio befreundet waren. Von ihrer einstigen Beziehung wusste er nichts. Unbeabsichtigt hatte er ihr mit dem Anruf einen großen Gefallen getan.

„Du bist weggelaufen, Elisa, streite es nicht ab. Aber damit ist jetzt Schluss, ich erlaube es nicht.“

„Du erlaubst es nicht? Zwischen uns ist es aus, ich will dich nicht mehr sehen. Kapierst du das nicht?“

Er erblasste – oder bildete sie sich das nur ein?

„Dein Vater hat mich gebeten, auf dich aufzupassen, und das werde ich.“

„Ich bin nicht in Gefahr.“

„Woher willst du das wissen?“ Langsam verlor er die Geduld. „Eure Sicherheitsvorkehrungen sind noch schlechter, als ich befürchtet hatte, ein Traum für jeden Gelegenheitsdieb. Signor di Adamo kann sich glücklich schätzen, dass euch noch keiner ausgeraubt hat.“

„Signor di Adamo hat kein Geld für Verbesserungen.“

„Das ist kein Grund. Stimmt es, dass du die meiste Zeit allein im Geschäft bist?“

„Und wenn schon. Das geht dich nichts an.“

„Alles, was dich betrifft, geht mich etwas an. Du bedeutest mir sehr viel.“

Wollte er sie verhöhnen? Sie hatte Monate gebraucht, um sich einzureden, dass sie über die Trennung hinweg war, und jetzt tauchte er plötzlich auf und wühlte alles, was sie vergessen wollte, wieder auf.

Ohne zu überlegen, sprang sie auf und war mit ein paar Schritten vor ihm. „Das ist eine Lüge“, zischte sie. „Nichts bedeute ich dir, nicht so viel!“ Sie schnipste mit den Fingern. „Für dich war ich jemand, mit dem du nach Lust und Laune ins Bett gehen konntest, und da das nicht mehr der Fall ist, bin ich für dich sogar weniger als nichts.“

„Du sagtest, das Baby wäre von mir.“

Bevor sie etwas dagegen tun konnte, packte er sie bei den Handgelenken und zog sie unerbittlich an sich. Seine Lippen formten Worte, die sie nicht verstand, obwohl sie so nahe beieinanderstanden, dass sie sich fast berührten.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Die Wirkung, die dieser Mann auf sie hatte, war unglaublich, und sie hoffte inständig, dass er sich dessen nicht bewusst war. Denn was sie einst so genossen hatte, erfüllte sie jetzt nur noch mit Abscheu für ihre eigene Schwäche.

„Ich verbiete dir, das, was wir hatten, in den Schmutz zu ziehen! Es war etwas Schönes, für dich und für mich. Mit wem du vor mir geschlafen hast, interessiert mich nicht.“

Vor ihm? Er war der Erste gewesen! Bevor sie ihn kennengelernt hatte, war sie noch Jungfrau gewesen. Nur hatten viele Jahre Gymnastik den Beweis ihrer Unschuld beseitigt. Er war natürlich davon ausgegangen, dass sie keine Anfängerin mehr war. Hatte vermutlich geglaubt, dass sie ihrer Mutter nachschlug und ihre Liebhaber wie Hemden wechselte.

„Schön oder nicht, es ist vorbei. Ich werde mich nicht mehr an dich verschwenden. Ich habe meine Lektion gelernt.“

Sie sah, wie er zusammenzuckte und sie gleich darauf zornig anfunkelte. Umso besser! Wenn er wütend wurde, ließ er sie vielleicht endlich in Ruhe.

„Damit brauchen wir uns jetzt nicht zu befassen. Ich bin hier, um für deine Sicherheit zu sorgen. Wie es zwischen uns weitergeht, darüber reden wir später.“

Sie riss sich los und kehrte an ihren Schreibtisch zurück. „Zwischen uns ist es aus, verstehst du das nicht? Ein für alle Mal. Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben.“

Eine Weile schwieg er, dann glitt sein Blick hinab zu ihrem Busen, wo die harten Spitzen deutlich bewiesen, dass sie nicht die Wahrheit sagte.

„Du lügst.“

Hastig verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Lieber gehe ich mit dem Glöckner von Notre Dame ins Bett als mit dir, Antonio Rafael di Vitale.“

Er wich zurück, als habe sie ihn geohrfeigt, doch im nächsten Moment hatte er sich wieder unter Kontrolle.

„Wie gesagt, im Moment geht es um andere Dinge. Das Alarmsystem muss repariert werden, sonst ist keiner von euch hier in Sicherheit. Und auch dann wäre es besser, wenn ihr ständig zu zweit im Verkaufsraum wärt.“

Elisa ließ sich in den Schreibtischsessel fallen. „Was du verlangst, ist unmöglich.“

„Dann müssen wir es möglich machen.“

„Dazu reichen die Mittel nicht aus.“

„Es ist trotzdem nötig.“

Hatte er nicht zugehört? Oder war der Begriff Geldmangel für ihn ein Fremdwort? Wundern würde sie das nicht – seiner Familie gehörte eins der angesehensten und erfolgreichsten Sicherheitsunternehmen auf der ganzen Welt.

Müde strich sie sich mit der Hand über die Stirn. „Signor di Adamo steht kurz vor dem Bankrott, die Geschäfte gehen von Jahr zu Jahr schlechter.“

„Die Einnahmen bei der Auktion werden seine Kasse wieder auffüllen.“

„Ich fürchte, dass das nicht ausreichen wird. Die Alarmanlage ist nicht das Einzige, was repariert werden muss.“ Sie dachte an die undichten Wasserleitungen und die fehlerhaften elektrischen Installationen des alten Gebäudes, in dem sich nicht nur das Geschäft, sondern auch die Wohnung des Eigentümers befand.

„Die Kosten gehen auf meine Rechnung.“

„Das würde Signor di Adamo nie akzeptieren.“ Der alte Herr war viel zu stolz, um Almosen anzunehmen. In dieser Hinsicht hatten er und sie die gleiche Einstellung. Es war einer der Gründe, weshalb sie so gern mit ihm zusammenarbeitete.

Antonio zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, wie man in solchen Situationen vorgeht.“

„Ja, aufs Manipulieren hast du dich schon immer verstanden.“

Er schüttelte den Kopf. „Gib dir keine Mühe, cara. Ich lasse mich nicht von dir provozieren.“

„Das liegt mir fern. Ich will dich weder provozieren noch weiter mit dir streiten.“ Es war nicht einmal gelogen. Ihre Wut war verraucht, sie wollte nur noch, dass er sie allein ließ.

„Das freut mich.“

„Ich möchte, dass du gehst.“

„Alles kann man nicht haben, dolcezza.“

Dolcezza – Süße. So hatte er sie früher genannt. Der Kosename öffnete alte Wunden, die zwar nicht mehr bluteten, aber noch längst nicht verheilt waren. „Nenn mich nicht so.“

„Wo sind die Kronjuwelen jetzt?“, fragte er, ohne ihre Worte zu beachten.

„In Sicherheit, das habe ich doch bereits gesagt.“

„Wo?“

„Im Tresorraum.“

„Du meinst, hier bei euch?“

„Ja.“

„Dein Vater behauptet, sie sind noch in Mukar und sollen erst in ein oder zwei Wochen geliefert werden.“

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