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Sri Lanka – Meine Seelenreise

Inhalt

Ein paar Worte zur Neuauflage

Kapitel 1: Einladung

Kapitel 2: Tschüss, Hamburg!

Kapitel 3: Meine eigene Praxis

Kapitel 4: Sri Lanka ruft

Kapitel 5: Erste Eindrücke

Kapitel 6: Ayurveda ist toll

Kapitel 7: Neuer Versuch

Kapitel 8: So geht es nicht weiter

Kapitel 9: Where is your husband?

Kapitel 10: Überraschung

Kapitel 11: Zuhause – aber wo ist das?

Kapitel 12: Neujahrsgrüße und eine Einladung

Kapitel 13: Welcome to Sri Lanka

Kapitel 14: Er wartet schon unter einer Palme

Kapitel 15: Love, love, love

Kapitel 16: Eine tolle Idee

Kapitel 17: »Die lassen ihr Gehirn im Flugzeug!«

Kapitel 18: Wir kaufen ein

Kapitel 19: Abwechslungen

Kapitel 20: Begegnungen und Grübeleien

Kapitel 21: Es wird geheiratet

Kapitel 22: Ein Schritt ins Ungewisse

Kapitel 23: Willkommen zurück

Kapitel 24: Ich feiere mich

Kapitel 25: Das nächste Kapitel

Kapitel 26: Plan A oder Plan B?

Kapitel 27: Mein Leben als Lehrerin in Sri Lanka

Kapitel 28: Die Villa

Kapitel 29: Loslassen

Kapitel 30: Liebe heilt

Kapitel 31: Zeit, zurückzukehren

Kapitel 32: Und wie lebe ich jetzt?

Kapitel 33: Mit Abstand sieht alles anders aus

Kapitel 34: Farben geben mir Einblicke in frühere Leben

Kapitel 35: Meine äußere Reise war eine innere

Mein Angebot

 

EIN PAAR WORTE ZUR NEUAUFLAGE

Seit der Veröffentlichung meines Buches Anfang 2017 ist eine Menge geschehen. Meine Erlebnisse in Sri Lanka, das Schreiben darüber und auch die Reaktionen meiner Leser haben in mir tiefe Prozesse ausgelöst. Ich habe meine Gefühle und meine Handlungen reflektiert und sehe heute alles nicht nur mit einem zeitlichen Abstand, sondern auch aus einer anderen Perspektive. Mit mehr Verständnis, mehr Mitgefühl, entspannter. Das tut gut, fühlt sich friedlich an. Ich bin inzwischen stolz auf das, was ich erlebt habe und in diesem Buch ohne Beschönigungen mit Ihnen teilen werde.

Bis hierher war es ein langer Weg. Ich hätte auch einen anderen gehen können, ich wusste, dass ich immer die Wahl hatte. Ich könnte voller Wut und Enttäuschung sein, aber das bin ich nicht. An den Erlebnissen bin ich gewachsen und das verdanke ich vielen großartigen Eigenschaften in mir: meinem Mut, der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen, meiner Geduld und schließlich meinem großen Wunsch, das Beste aus den Erfahrungen zu machen.

Wir alle sehen unsere Erlebnisse aus einem sehr kleinen Blickwinkel. Wir sind Menschen und keine Vögel, und auch keine Engel. Zum Zeitpunkt der dritten Auflage meines Buches (2020) sind genau zehn Jahre vergangen, seitdem ich mich auf das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens eingelassen habe. Ich habe die spirituelle Dimension meiner Erfahrungen entdeckt und sie hat mir einen tiefen inneren Frieden gegeben – und den Stolz, der mich nun erfüllt. Ich sehe die Dinge heute anders, weil ich mich auf die Suche gemacht habe und verstehen wollte, warum mir das alles passiert ist. Zum Glück habe ich dabei Menschen getroffen, die Antworten für mich hatten und mit Hilfe meines Horoskops und farbiger Flaschen einen Sinn darin erkennen konnten (mehr dazu später …). Es brauchte Geduld, bis diese Erkenntnisse zusammenkamen, aber es hat sich gelohnt und ich freue mich, meine Erfahrungen wie auch meine neue Sichtweise mit Ihnen zu teilen.

Ich erinnere mich daran, wie aufgeregt ich war, als ich mein Buch zum ersten Mal auf Amazon sah. Ich war stolz und habe mich gleichzeitig sehr geschämt. Eine innere Stimme führte mich und gab mir das Vertrauen, dass das Veröffentlichen richtig und wichtig war. Und diese Stimme hatte recht! Ich hätte niemals erwartet, dass mir das Schreiben so sehr helfen würde, innerlich zu heilen, und noch weniger hatte ich damit gerechnet, so viele Menschen damit zu inspirieren, allen voran Frauen!

Daher gehe ich mit dieser Auflage einen Schritt weiter und veröffentliche meine Erlebnisse endlich unter meinem richtigen Namen. Vor drei Jahren brauchte ich ein Pseudonym, hinter dem ich mich verstecken konnte. Heute kann ich voll und ganz zu meiner Geschichte stehen und bin bereit, mich zu zeigen. Ich möchte Ihnen mit diesem Buch zeigen, dass es nicht so wichtig ist, was genau wir erleben – es geht darum, wie wir damit umgehen! Aber ich will den Schluss nicht vorwegnehmen. Ich lade Sie ein auf eine Reise in ein tropisches Land im Indischen Ozean. Begleiten Sie mich auf dem mutigen Weg, der Stimme meines Herzens zu folgen!

Dieses Buch ist ein Erlebnisroman, in dem ich wahre Erlebnisse mit Ihnen teile. Nur die Namen der Mitspieler und Orte sind von mir geändert worden. Ich bin so offen wie nur möglich, damit Sie als Leser meinen Weg verstehen, der mich Schritt für Schritt zu diesen einschneidenden Erfahrungen geführt hat. Ich bin meinem Herzen gefolgt und es scheint, als hätte ich dabei meinen Verstand vergessen. So habe ich es ebenfalls lange gesehen, aber es fühlt sich heute mehr denn je an, als hätte es keinen anderen Weg für mich gegeben. Als ob es genauso hatte sein sollen.

Mein Buch handelt von meiner großen Liebe zu den Menschen in Sri Lanka und zu dem Land, in dem das Licht ganz besonders intensive Farben hervorbringt. Ich liebe Farben und ich liebe auch die Insel – trotz allem – noch immer.

Nachdem ich in den ersten Kapiteln von meinem Leben in Deutschland und der Schweiz erzähle, nehme ich Sie im Hauptteil mit nach Sri Lanka und lasse Sie an den Schätzen teilhaben, die ich nach meiner Rückkehr gefunden habe: Erkenntnisse, innere Prozesse der Verarbeitung. Sie erfahren, wie ich zu der selbstbewussten Frau wurde, die ich heute bin, wie ich in mir ganz viel Mut, Geduld, Ausdauer, Energie, Mitgefühl und Liebe entdeckte und die Fähigkeit, zu verzeihen. Dafür waren die Erlebnisse auf meiner Trauminsel essentiell – dafür bin ich heute dankbar.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen nun

Kerstin Joost

 

KAPITEL 1: EINLADUNG

Meine Lust zu reisen muss schon immer in mir gesteckt haben.

Ich erinnere mich an meine erste Lieblingsplatte, von der ich nicht mehr weiß, wie sie in meine Hände gekommen war, nachdem ich mit zwölf meinen ersten Plattenspieler bekommen hatte. Es war das erste Gerät, mit dem ich Musik hören konnte, weit vor der Zeit von CDs und MP3-Downloads.

Der Plattenspieler war auf einem riesigen Radio befestigt, das eine geflochtene Verkleidung vor den Lautsprechern und mechanische Knöpfe zum Umschalten von Radio auf Platte hatte. Für die Lautstärke und den Senderwechsel gab es große beigefarbene Drehknöpfe – ich liebte dieses Monstrum! Meine Eltern konnten sich damals eine richtige Stereoanlage leisten und vermachten mir diesen »Oldtimer«. Mit ihm kamen meine ersten Platten: das blaue Album von den Beatles sowie eine Märchen-Platte mit dem Titel: »Die Reisen des Odysseus«. Sie wurde zu meinem Lieblingsalbum. Auf dem Cover war ein Riese mit einem Auge auf der Stirn abgebildet – ein Zyklop, wie ich erfuhr – und kleine Männchen liefen verschreckt um ihn herum. Das waren Odysseus und seine Männer. Der Riese warf mit Felsbrocken nach ihnen und die Männer versteckten sich unter Schafen. So versuchten sie, zu ihrem Schiff zu gelangen und sich zu retten. Ich liebte diese Platte und hörte sie immer und immer wieder, obwohl es keine leichte Kost war. Auf seinen Reisen musste Odysseus nämlich stets um sein Leben kämpfen; dennoch zogen mich seine Abenteuer immer wieder in ihren Bann. Er begegnete einer Gefahr nach der anderen und viele seiner Begleiter starben. Alleine Odysseus überlebte die Strapazen und kehrte nach vielen Jahren zurück nach Ithaka, wo seine Frau und sein Sohn auf ihn warteten. Er war endlich zu Hause.

Was brachte er von seinen Reisen mit? Gold, Juwelen, Besitztümer? Nein – es waren vor allem Erfahrungen und Erkenntnisse, die ihn wachsen und reifen ließen und die er in gewisser Weise »mitbrachte«. Er war nicht nur äußerlich zu Hause angekommen, sondern auch innerlich. Für ihn war es eine spirituelle Reise gewesen, eine Initiation oder Einweihung. Das wurde mir aber erst später klar – als ich von meiner eigenen Reise nach Hause kam.

Ich denke immer wieder an diese Geschichte und finde es interessant, dass sie mir so früh im Leben begegnet ist. Denn auch ich bin schon mein ganzes Leben lang auf Reisen. Und wie Odysseus erlebe ich viele Abenteuer, die mich an meine Grenzen bringen, die mich herausfordern und die ich, wenn ich vorher wählen könnte, gar nicht wirklich erleben möchte. Denn es sind keine Abenteuer wie Bungeejumping oder Freeclimbing, die Menschen tun, um Freude und den »Kick« zu erleben; sondern Aufgaben, die ich zu bestehen hatte und die selten vergnüglich waren. Immer wieder stellten sie mich vor die Frage, wem ich den Vorzug geben sollte: meinem Verstand oder meinem Gefühl. Herz über Kopf oder Kopf über Herz? Sri Lanka und seine Menschen spielten eine wichtige Rolle auf meinem Weg und ich kann sagen, dass ich dort die schönsten Momente meines Lebens verbracht habe, aber auch die schwierigsten.

Land und Leute haben mich gerufen, gefordert, geliebt, verehrt, verletzt und geheilt. Ich wäre ohne diese Erfahrungen nicht die Frau, die ich heute bin. Auf der Suche nach meiner Heimat spielten diese Begegnungen eine prägende Rolle. Sie halfen, mein wahres Zuhause zu finden – in mir selbst. Ich weiß erst jetzt, was wichtig und richtig für mich ist und setze meine Prioritäten anders als früher. Jetzt bin ich die Nummer Eins in meinem Leben. Ich habe gelernt, dass ein gesunder Egoismus die Basis für ein erfülltes Leben ist und auch für jede gesunde Beziehung zu anderen Menschen. Heute lebe ich frei und unabhängig und fühle mich dennoch verbunden mit allem, was ist. Daher danke ich allen, die mir auf meinen Reisen begegnet und nun Teil meines Lebens sind. Jeder Lebensweg ist anders und nicht jeder Mensch hat die gleichen Herausforderungen zu bestehen. Ich hoffe von Herzen, Ihre sind leichter!

Fühlen Sie sich eingeladen, mit mir zusammen in die Erinnerungen meiner Reise einzutauchen und den Ruf Sri Lankas zu hören …

KAPITEL 2: TSCHÜSS, HAMBURG!

Vor über zwanzig Jahren, 1997, trat Sri Lanka zum ersten Mal in mein Bewusstsein. Es tauchte aus dem Nichts auf, wie ein Wal in der Weite des Meeres, und fühlte sich dennoch an, als wäre es immer schon in meinem Herzen gewesen. Ich wurde wie von einem Magneten angezogen, das Land schien mir immer wieder zu sagen: »Komm nach Hause, Kerstin!« Wenn man so etwas andauernd hört, muss man einfach gehen, oder nicht? Ich konnte mir kein Wachs in die Ohren kleben, so wie Odysseus in der Nähe der Sirenen – der Ruf kam von innen.

Zu der Zeit dieses Rufes lebte ich in der Schweiz, zusammen mit meinem Schweizer Mann Walter.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Deutschland, aber ich war schon immer eine Wandernde: Meine Eltern stammen aus Ostdeutschland und sind 1961 in den Westen geflohen. Über Berlin waren sie unter den Letzten, die noch vor Schließung der Mauer in den Westteil der Stadt reisen konnten und dann nach Hamburg ausgeflogen wurden. Sie ließen damit ihre Heimat und auch ihre Familien zurück, ohne zu wissen, ob und wann sie sie wiedersehen würden und ohne zu wissen, was sie auf der anderen Seite erwartete.

Meine Eltern waren mutig, vor allem, weil meine Mutter im sechsten Monat mit mir schwanger war. Dazu kam, dass keiner von ihnen eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen konnte: Mein Vater studierte Maschinenbau und war im letzten Semester, meine Mutter war mitten im Studium der Humanmedizin. Sie gingen dennoch und waren überzeugt, den Neubeginn zu schaffen, wollten ihrem Kind eine größere Freiheit ermöglichen, als sie sie erlebten. Es war kein leichter Start im Westen: Mein Vater musste sein Studium von vorne beginnen, da seine Scheine an den neuen Universitäten nicht anerkannt wurden. Meine Mutter durfte zum Glück weiterstudieren, für ihren Studiengang galten andere Regeln.

Im Sommer 1961 kam ich dann in Hamburg zur Welt. Wir blieben nicht lange dort; aus verschiedenen Gründen, die mit den Studiengängen meiner Eltern und einem Nebenjob meines Vaters zu tun hatten, zogen wir kurz nach meiner Geburt nach Aachen und blieben dort für sechs Jahre. Hier wurde ich eingeschult und meine drei Geschwister kamen auf die Welt, viel mehr weiß ich nicht aus dieser Zeit. Als ich knapp sieben war, zogen wir in eine kleine Stadt in Schleswig-Holstein, in der ich vier Jahre lang zur Schule ging.

Anschließend ging es in ein Dorf zwischen Hamburg und Segeberg, von wo ich mit dem Bus einen weiten Schulweg in die Stadt der Karl-May-Festspiele hatte. Alleine war ich allerdings nie: Mit drei Schulfreunden saß ich auf der Fahrt zusammen und spielte Quartett. Schöne Schnappschüsse in meiner Erinnerung. Nach weiteren zwei Jahren zogen wir in eine andere Kleinstadt, noch ein Stück näher Richtung Hamburg. Dort machte ich mein Abitur mit 2,2, was ich nach den vielen Schulwechseln immer noch großartig finde. Biologie und Mathematik waren meine Leistungsfächer, eine Wahl, die heute anders ausfallen würde – lediglich Kunst, mein weiteres Leistungsfach, passt heute noch.

Erst zu meinem eigenen Medizinstudium kehrte ich wieder in meine Geburtsstadt zurück und verbrachte dort die gesamten sechs Jahre bis zur Approbation. Meine Kindheit war geprägt von wechselnden Bezugspersonen und vielen Abschieden. Ich lernte, dass es sich nicht lohnte, neue Freunde zu finden, denn ich würde sie sowieso bald wieder verlieren.

Still bin ich schon immer gewesen, ein stilles Wasser und sehr tief, so stand es auch in meinem Poesie-Album. Ich redete nicht viel und zog mich in mein Schneckenhaus zurück. Das war auch deshalb wichtig, weil es zu Hause vor Spannung knisterte: Meine Eltern standen unter enormem Druck, uns alle zu ernähren. Sie hatten im Westen keine staatliche Unterstützung bekommen und auch keine Hilfe bei der Kinderbetreuung, denn alle Omas und Tanten waren weit weg. Es kriselte immer mehr zwischen ihnen und ich als Älteste versuchte, zwischen den beiden zu vermitteln. Sie sprachen nicht viel miteinander und ihre unausgesprochenen Worte machten die Luft schwer. Ich war ein hochsensibles Kind, nahm alles wahr und versuchte, Gewitter zu vermeiden. So war ich möglichst still und kümmerte mich um meine kleinen Geschwister. Früh lernte ich, die Bedürfnisse anderer zu spüren und vor meine eigenen zu stellen. Es dauerte Jahrzehnte, mir das wieder abzugewöhnen.

***

Nun war ich in meiner eigenen Wohnung in Hamburg und studierte ebenfalls Medizin. Ich mochte das Tor zur Welt mit dem großen Hafen, war gern an Alster und Elbe und in den vielen Parks. Es heißt, Hamburg habe mehr Brücken als Venedig und ich liebe Brücken. Für mich sind sie ein Symbol der Verbindung. Ich wollte auch immer eine Brücke sein zwischen meinen Eltern, so anstrengend das auch war.

Nach dem Staatsexamen fand ich in Hamburg keine Arbeitsstelle und sah mich gezwungen, umzuziehen. Ich fühlte mich schon länger sehr mit der englischen Sprache verbunden und spürte den Wunsch, eine Weile in England zu leben. Ein Arbeitsvertrag mit einem Hospital lag schon auf meinem Tisch, aber im letzten Moment änderte ich meine Pläne: Ein Mann kam dazwischen. Ich hatte im letzten Jahr meines Studiums ein Praktikum in der Schweiz gemacht und dort, während eines Urlaubs am Comersee, Walter kennengelernt. Wir waren beide in derselben Surfschule und während ich dort zum ersten (und einzigen) Mal auf einem Surfbrett stand, war Walter mit ein paar Freunden zum wiederholten Male dort. Wir blieben in Kontakt und unsere Beziehung vertiefte sich durch gegenseitige Besuche bis ich schließlich 1989 zu ihm in die Schweiz zog. Der Inhalt meiner Studentenbude war schnell verkauft und ich konnte sechs Umzugskisten mit der Bahn nach Zürich schicken. Das war der Start in einen neuen Lebensabschnitt und mein erster internationaler Umzug. Es sollten noch einige weitere folgen.

Walter war ein sehr gemütlicher Mensch: eher kräftiger Körperbau, nicht durch wahnsinnig viele Muskeln, sondern durch Kuschelpuffer. Ich meine: schön weich zum Ankuscheln! Er konnte mit einem Glas Rotwein, einem feinen Essen und mir einen Abend gut zu Hause genießen. Das gefiel mir. Wir redeten viel, philosophierten über das Leben und machten es uns gemütlich. Er fotografierte, spielte klassische Gitarre und war gern in der Natur unterwegs, ging wandern, langlaufen oder Fahrradfahren (»Velofahren«, wie es in der Schweiz heißt). Da er viele Jahre bei den Pfadfindern gewesen war, liebte er alles, was mit Feuermachen und Holzarbeiten zu tun hatte. Er war 24 als wir uns kennenlernten (ich 27) und er ließ unsere Beziehung langsam angehen – gemütlich eben. Das gefiel mir an ihm, denn ich war eine quirlige, beinahe ruhelose Frau, die sich nach Stabilität sehnte. Windig und wechselhaft wie mein Sternzeichen, die Zwillinge. Ich hatte bereits ein paar Beziehungen zu Männern gehabt, war damals aber seit zwei Jahren Single. Mein Freund wohnte in der Nähe von Zürich und während er arbeitete, schickte ich von seiner Wohnung aus Bewerbungen in die gesamte deutschsprachige Schweiz. Ich erhielt zunächst ein paar Absagen, bis ich schließlich zu einem Vorstellungsgespräch in den Kanton Obwalden eingeladen wurde.

»Sarnen, wo ist denn das?«, fragte Walter, der offenbar noch nie dort gewesen war. »Typisch Zürcher«, würden die Innerschweizer daraufhin antworten. Hier spürte ich zum ersten Mal, dass Welten zwischen beiden Kantonen liegen, obwohl man mit dem Auto in einer Stunde dort ist. Die Menschen aus Zürich sind dafür bekannt, dass sie mit einigem Stolz in der Nähe ihrer geliebten Stadt bleiben. Das kann ich inzwischen, wo ich einen Schweizer Pass habe und im Kanton Zürich wohne, gut verstehen. Aber dazu später!

Walter lernte die Innerschweiz mit mir zusammen kennen, denn ich bekam die Stelle im Krankenhaus. Er arbeitete in Zürich und besuchte nach Feierabend eine Abendschule, was anstrengend und zeitintensiv war. Auf diese Weise sahen wir uns anfangs nur am Wochenende und lernten uns langsam besser kennen. Ich hatte nach diesem ersten Job noch einige weitere in Krankenhäusern der Umgebung und wohnte dann jeweils in möblierten Ferienwohnungen, oft auf Bauernhöfen. Die Wände waren mit Holz vertäfelt, die Zimmerdecken niedrig und die Gardinen rot-weiß kariert, genauso wie man es aus Prospekten des Tourismusvereins oder den Heidi-Filmen kennt. Ich fühlte mich dort immer wie im Urlaub. Besonders hatten es mir die Schweizer Spezialitäten wie Raclette und Käse-Fondue angetan, aber auch der Schweizer Dialekt und die wunderschöne Natur mit Bergen und Seen.

Nachdem Walter seine Ausbildung abgeschlossen hatte, kündigten wir unsere Jobs und gönnten uns eine Auszeit. Neun Monate radelten wir durch Norwegen und Kalifornien, über die Baja California (Mexiko) und durch Neuseeland. Das war quasi eine Art Generalprobe für ein zukünftiges Zusammenleben und es gefiel uns gut. Es machte Spaß, einfach in den Tag hineinzuleben und immer wieder Neues zu entdecken. Durch unser Zelt konnten wir rund um die Uhr in der Natur sein, was ich sehr genoss und mich körperlich so fitmachte, wie ich sonst wohl zu keiner anderen Zeit in meinem Leben war. Auf der Reise beschlossen wir, nach unserer Rückkehr zu heiraten. Wir hatten mittlerweile einige Schwierigkeiten gemeistert und ich fand, wir passten gut zusammen. So war ich es, die ihm die Frage aller Fragen stellte.

Zurückblickend war es wohl mein großer Wunsch, in der Ehe eine Art Anker zu finden. Einen Menschen zu haben, der sicher für mich da war sowie eine gemeinsame Wohnung, ein Zuhause. Walter konnte mir das bieten und das war sehr wichtig für mich. Es war also beschlossene Sache und so heirateten Walter und ich ein halbes Jahr nach unserer Rückkehr in die Schweiz im Kanton Obwalden, am schönen Sarnersee.

***

Unsere erste gemeinsame Wohnung mieteten wir im Nachbarkanton Nidwalden, ebenfalls eine ländliche Gegend mit Bergen und Seen und vielen braun gefleckten Kühen – wirklich wie im Bilderbuch! Walter fand dort einen Job im Finanzcontrolling und wir richteten unsere erste gemeinsame Wohnung ein. Meine Familie kam uns gerne besuchen, weil wir schöne Ausflüge in die Berge machten – und natürlich auch Käsefondue.

Ich sammelte Erfahrungen auf verschiedenen Gebieten der Schulmedizin und durchlief die allgemeinmedizinische Grundausbildung. Mit der Zeit merkte ich, dass mich diese Form des Behandelns jedoch immer weniger zufriedenstellte; ich wollte nicht mehr nur Symptome kurieren, sondern vor allem den Krankheiten auf den Grund gehen. Nach einiger Suche entschied ich mich für die Homöopathie und begann 1995 eine zweijährige, intensive Ausbildung an einer Homöopathieschule in Zug. Um diese zu finanzieren, gab ich an der gleichen Schule Unterricht in medizinischen Grundlagenfächern wie Anatomie und Physiologie, sodass eine anstrengende Sechstagewoche vor mir lag. Innerlich spürte ich, dass ich mit dieser Taktung überfordert war, aber ich hielt durch und wurde schließlich als Homöopathin diplomiert. Es zeigte sich, dass eine Kämpferin in mir steckte – dieses Wissen sollte mir in zukünftigen Situationen noch helfen …

***

Nachdem Walter und ich zwei Jahre verheiratet waren und ich schon fünf Jahre in der Schweiz lebte, konnte ich mich einbürgern lassen und bekam den Schweizer Pass. Leider musste ich dafür meine deutsche Staatsbürgerschaft abgeben, was mir gar nicht gefiel. Ich war doch immer noch Deutsche! Doch da das deutsche Gesetz damals keine Doppelbürgerschaft erlaubte und ich keine Lust mehr hatte, mit einem Fremdenausweis herumzulaufen, nahm ich die Möglichkeit der Einbürgerung wahr. Eine Prüfung musste ich dazu nicht bestehen, aber meine Schüler in der Homöopathieschule machten zum Spaß einen Test mit mir wie bei den Schweizermachern. Das ist ein Film mit Emil Steinberger, in dem die Einbürgerungspraxis der Schweizer auf die Schippe genommen wird. Ein sehr lustiger Film! Ich musste in meinem Test nur ein paar Wörter auf Schweizerdeutsch sagen und ein paar Kantone aufzählen. Der Rest war dann nur noch Klamauk. Wir hatten viel Spaß und ich war gerührt von der Idee. Natürlich bestand ich mit Bravour und wir feierten anschließend ordentlich!

Ich wurde in Regensdorf, einer Kleinstadt im Kanton Zürich, eingebürgert und besitze seither einen sogenannten Heimatschein und einen Schweizer Heimatort. Regensdorf ist der Geburtsort von Walter und so wurde ich Bürgerin von Regensdorf und damit Zürcherin. Nun hatte ich also eine Heimat.

Alles war gut.

KAPITEL 3: MEINE EIGENE PRAXIS

Nachdem ich 1997 mein Diplom als Homöopathin in der Tasche hatte, eröffnete ich voller Freude meine eigene Praxis: Dr. Kerstin Joost, Praxis für Klassische Homöopathie. Ich war mächtig stolz auf mich! Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich noch genau an unsere Euphorie, das Suchen passender Räume, die Auswahl von Möbeln und Bildern. Es gab einen kleinen Tisch und Stühle für Kinder mit vielen Spielsachen und einen sehr beliebten Kochherd aus Holz – gerade von meinen kleinen Patienten wurde ich geliebt. Und es gab sogar eine Terrasse mit viel Sonne für meine Pausen, da die Praxis im Erdgeschoß lag. Es war die Erfüllung meiner Träume und ich war sehr glücklich.

Bevor es damals losging, wollte ich noch mal Urlaub machen und fuhr mit Walter ein paar Tage weg. Ich wollte vor meinem neuen Lebensabschnitt noch einmal tief Luft holen. Vorher ließ ich ein Inserat in der lokalen Tageszeitung schalten und betonte meinen alternativmedizinischen Ansatz. Würde das gutgehen? Ich war mir nicht sicher, immerhin hatte dieser in Funk und Fernsehen keinen allzu guten Ruf.

Als wir nach dem Kurzurlaub wiederkamen, traute ich meinen Ohren und Augen kaum: Die Tage waren offenbar die Ruhe vor dem großen Sturm gewesen! Als ich den Anrufbeantworter abhörte, war er voll mit Anrufen von Menschen, die gerne einen Termin mit mir vereinbaren wollten – ein Tsunami an Erwartungen rollte auf mich zu und mein Herz schlug freudig, aufgeregt und auch ein bisschen ängstlich vor dieser neuen Herausforderung. Würde ich das alles schaffen?

Mein Mann hatte für mich ein Computerprogramm geschrieben, weil ich die Abrechnung mit den Krankenkassen selbst erledigen wollte. Er wollte die Buchhaltung übernehmen. Ich hatte mir eine Kommode mit vielen Schubladen gekauft, in denen ich meine homöopathischen Medikamente aufbewahrte. Unzählige winzige Glasflaschen lagerten dort, damit ich jedes Heilmittel auch gleich an meine Patienten weitergeben konnte. Eine Untersuchungsliege, meinen Schreibtisch und ein Stethoskop – mehr brauchte ich nicht. So öffnete ich die Türen zu meiner ersten eigenen Praxis und freute mich, endlich das anzuwenden, was ich in den zwei Jahren auf der Homöopathieschule gelernt hatte. Endlich würde ich Menschen helfen können, ihre Krankheiten auf sanfte und zugleich tiefgehende Weise zu heilen.

Meine Patienten mochten mich aufgrund meiner aufgeschlossenen fröhlichen Art, sie hatten Vertrauen, da ich neben dem alternativmedizinischen Schwerpunkt auch die schulmedizinische Seite mitbrachte. Außerdem kam die Homöopathie gerade in Mode, was meiner Sichtbarkeit im Ort ebenfalls einen Schub verlieh. Es war wie eine Welle des Sichöffnens, der Akzeptanz und des Vertrauens in eine Heilmethode, die bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert existiert. Samuel Hahnemann hatte damals die grundlegenden Gesetze formuliert und Heilmittel getestet, mit denen ich zweihundert Jahre später arbeitete. In einigen Ländern ist diese Heilmethode schon fest etabliert, in England gibt es sogar homöopathische Kliniken (und dort sagt man, dass sogar die königliche Familie davon begeistert gewesen sei …)

Anyway – aus vielen Gründen strömten Hilfesuchende mit ihren Kindern in meine Praxis und ich war im richtigen Moment am richtigen Ort.

Mächtig stolz residierte ich hinter meinem 1,50 Meter langen und wunderschönen Schreibtisch und verschrieb Heilmittel. Ich ging ganz in dieser Arbeit auf und einige Jahre später, nachdem ich von meiner Praxis schon wieder hatte Abschied nehmen müssen, erhielt ich sogar die Gelegenheit, eine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Homöopathie zu verfassen. Mein Thema lautete: »Patientenzufriedenheit im Vergleich: Schulmedizin und Homöopathie«. Dafür waren viele Patienten befragt worden, welche Therapieform sie bevorzugten. Es wunderte mich nicht, dass die Homöopathie hier die Nase vorn hatte.

 

KAPITEL 4: SRI LANKA RUFT

Es dauerte nur wenige Monate, bis ich merkte, dass ich mich ausgebrannt fühlte. Die vielen Gespräche, der Notdienst, die vielen Abende, an denen ich Klienten betreute, die große Verantwortung auf meinen Schultern – ich musste das Stoppschild heben. Ich empfand keine Freude mehr an den vielen Anmeldungen, quetschte mein Hirn nach den richtigen Medikamenten aus und suchte parallel nach einer Lösung für mich. Mir wurde immer klarer: Ich muss in den Urlaub, und zwar alleine!

Bis heute weiß ich nicht, woher genau dieser Wunsch kam, aber ich sagte eines Abends zu Walter, dass ich eine Ayurveda-Kur in Sri Lanka machen wolle. Er verstand mich zunächst nicht, fragte, ob das ein Scherz sei. Ich verneinte, versuchte zu erklären, dass ich spürte, dass ich so eine Kur brauchen würde. Woher das kam – wie gesagt, ich weiß es selbst nicht genau. 1997 stand Sri Lanka nicht gerade auf der Hitliste von Booking.com oder TripAdvisor (wenn es diese Portale damals bereits gegeben hätte), denn der Norden der Insel war Kriegsgebiet und man war nie sicher, ob am Internationalen Flughafen in Colombo nicht ebenfalls Bomben hochgehen würden. Es gab 2001 tatsächlich einen Flugzeug-Angriff der Tamil Tigers auf den Airport, da war der Bürgerkrieg bereits im achtzehnten Jahr.

Seltsamerweise war mir auch klar, dass ich Ayurveda probieren wollte – und auch hier wusste ich nicht, wie ich darauf kam. In Frauenmagazinen mag etwas darüber gestanden haben, aber ich bin bis heute keine Konsumentin von Beauty-Heften. Wer oder was mich inspiriert hat, kann ich also nicht mehr sagen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass solche Entscheidungen, die wichtig für unser Leben sind, von höheren Kräften gelenkt werden, die das große Ganze im Blick haben. Denn mit Abstand gesehen ergeben auch Dinge Sinn, die man auf den ersten Blick nicht versteht – wie auch diese Entscheidung. Zum Glück fand ich schnell eine Vertreterin für meine Praxis, die ich nicht komplett schließen wollte.

***

Ich brauchte zunächst ein Visum. Das ging damals noch nicht so einfach wie heute, ich musste meinen Pass an das Sri-Lankische Konsulat in Bern schicken. Um das Visum zu beantragen, brauchte ich eine Hoteladresse; doch wohin sollte es überhaupt gehen? Ich holte mir Kataloge aus dem Reisebüro und suchte im Internet. Das »Svedana« an der Südspitze Sri Lankas sprang mir sofort entgegen, es wurde als eines der ältesten und größten Hotels der Insel gerühmt und einschlägig gut bewertet. Es hieß, es biete echtes traditionelles Ayurveda an und sei ausschließlich für Gäste, die eine intensive Entgiftungskur erleben wollen. Man solle für eine solche Kur zwei bis drei Wochen einplanen und mir gefielen die Beschreibung und die Fotos auf den ersten Blick, sodass ich einen Aufenthalt von 14 Tagen buchte.

Super! Nun konnte ich das Visum beantragen und shoppen gehen. Ich kaufte ein paar leichte Sommersachen, da es in den Reiseführern hieß, es seien rund ums Jahr an die 30 Grad zu erwarten. Ich eröffnete meinen ersten E-Mail-Account und erinnere mich noch gut daran. Unvorstellbar – bis dahin hatte ich gut ohne E-Mails gelebt! Heute kann ich mir ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen.

Langsam waren alle Vorbereitungen erledigt und es konnte losgehen: ab in die Kur! Zwei Wochen in ein Land, das ich nicht kannte und das sehr weit weg war. Zu einer Behandlung, von der ich so gut wie keine Ahnung hatte. Alleine. Ich war mir sicher, dass es das Richtige für mich war. Walter brachte mich zum Flughafen in Zürich und wir verabschiedeten uns voller Hoffnung, dass es mir nach meiner Rückkehr bessergehen würde. Ich reiste mit SriLankan Airlines, die damals noch direkt ab Zürich flog. Ich war unglaublich aufgeregt, als ich in Zürich in den Flieger stieg! Mit Walter zusammen war ich ja schon viel gereist, aber diese Reise gehörte mir ganz alleine. Angst hatte ich nicht, denn ich wusste, dass ich am Flughafen in Colombo von einem Fahrer des Hotels abgeholt werden würde. Und im Hotel hatte ich ein Rundum-Sorglos-Paket. So konnte ich mich nach dem Start entspannen und war glücklich, von der Last der Praxis befreit zu sein.

KAPITEL 5: ERSTE EINDRÜCKE

Ich weiß noch genau, in welchem Monat ich zum ersten Mal in Sri Lanka ankam: Es war Ende April und ich erinnere mich deshalb so gut daran, weil sich die erste Fahrt vom Flughafen zum Hotel für immer in mein Gedächtnis eingebrannt hat.

Wie vereinbart wurde ich am Flughafen in Colombo abgeholt. In der Ankunftshalle stand ein Fahrer mit meinem Namensschild und wir fanden uns schnell; an diesem Morgen war ich sein einziger Passagier. Es wurde gerade erst hell, als ich in den weißen Minibus einstieg und mich endlich ein wenig ausstrecken konnte. Der Flughafen der Hauptstadt liegt an der Westküste, etwa auf halber Länge der Insel. Bis zum Hotel Svedana an der Südspitze sind es zwar nur rund 130 Kilometer, aber damals gab es keinen anderen Weg, als auf der holprigen Küstenstraße durch viele kleine Dörfer zu fahren. Heute gibt es den sogenannten Expressway, die einzige Schnellstraße auf der Insel, die den Flughafen und Matara im Süden verbindet, was einen enormen Vorteil für die vielen Hotels an der West- und Südküste darstellt. Inzwischen wurde sogar ein zweiter Flughafen im Südosten der Insel gebaut, als Gesamtpaket mit Kongresszentrum und Internationalem Hafen – das Vermächtnis eines ehemaligen Präsidenten, das jedoch kaum genutzt wird.

Wir fuhren also auf der Schneckenroute durch das endlose Colombo und schließlich durch die erwachenden Dörfer. Ich sah Menschen vor geschlossenen Geschäften schlafen, viele armselige Holzhütten, aber auch viele Steinhäuser und Geschäfte mit großen modernen Schaufenstern. Kühe begannen langsam ihre Suche nach Futter und kreuzten gemütlich die Straße, abgemagerte Hunde suchten in Rudeln nach etwas Essbarem. Menschen standen mit frisch geölten Haaren am Straßenrand und warteten auf den Bus. Viele Frauen trugen einen farbenfrohen Sari, ein schöner Anblick. Mein Fahrer sprach nicht viel, im Radio lief leise sri-lankische Musik. Ich ließ die vielen neuen Eindrücke an mir vorbeiziehen und genoss die Vorfreude auf das Hotel. Obwohl ich am liebsten geschlafen hätte, wollte ich doch alles in mich aufnehmen und das lohnte sich: Auf einmal endete die Häuserzeile auf der rechten Straßenseite und wir fuhren direkt am Strand entlang! Freie Sicht auf den Indischen Ozean, weißer Sand, Wellen, Fischerboote – mein Herz lachte! Ja, hier war ich richtig, hier konnte ich mich erholen. Ich war hundemüde von der langen Reise und froh, dass ich mich ab sofort um nichts mehr zu kümmern brauchte. Oder – musste ich doch?

Mir fiel nämlich auf, dass mein Fahrer immer langsamer fuhr und unser Fahrzeug dabei immer mehr nach rechts driftete. In Sri Lanka herrscht Linksverkehr, also war die rechte Spur gar nicht gut, uns konnte jederzeit ein Auto entgegenkommen. Er schien müder zu sein als ich, denn irgendwann begriff ich, dass er immer wieder für eine halbe Sekunde einnickte. Meine Güte! Ich musste ihn aufwecken und sagte, wir sollten besser eine Pause einlegen. Das fand er auch und wir hielten am Straßenrand an. Dort standen wir eine Weile in der frischen Seeluft und streckten unsere müden Glieder. Man braucht für diese Strecke ungefähr fünf Stunden und ich weiß inzwischen, dass die Fahrer nur kurz in ihrem Bus schlafen können, nachdem sie bereits die fünf (je nach Verkehr auch mehr) Stunden für den Hinweg hinter sich haben. Was diesen Mann aber vollständig gekillt hatte, waren die vielen Partys, die er in den vergangenen Tagen erlebt hatte. Es muss also April gewesen sein, denn das ist in Sri Lanka der Party-Monat schlechthin. Eine Zeit voller Feste, die sich aus dem Mondkalender ergeben. Im April feiern sowohl die Singhalesen als auch die Tamilen ihre Neujahrsfeste und die gehen über mehrere Tage. Sri Lanka ist ein Land, in dem Menschen verschiedener Religionen und Abstammung leben. Es sind in der Mehrzahl Buddhisten, aber auch viele Muslime und Christen sowie Hindus, die heute überwiegend friedlich und tolerant zusammenleben. Da die Buddhisten zahlenmäßig dominieren, findet man ihre Tempel in jedem Dorf. Weiße Stupas, Gebetsfahnen und orange gekleidete Mönche gehören zu Sri Lanka und finden sich auf jeder Postkarte – »mit Gruß aus Sri Lanka!«

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