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Sprache und Politik in Lateinamerika

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Digitaler Wahlkampf in Kolumbien (2010)

Einleitung

Die Kandidat*innen und ihre Parteien

Die Kommunikationsformen im Online-Wahlkampf

3.1  Blogs

3.2  Der Microblogging-Anbieter Twitter

3.3  Das soziale Netzwerk Facebook

Die Wahlkampfdiskurse

4.1  Der Demokratiediskurs

4.2  Der Gerechtigkeitsdiskurs

4.3  Der Gleichberechtigungsdiskurs

Abschließende Betrachtung

Literatur

Online-Präsenzen der Kandidat*innen

II Los lexemas efímeros en la campaña presidencial colombiana de 2010

Introducción

Particularidades de la comunicación política (online)

Marco contextual

Identificación de lexemas efímeros

Unidades léxicas efímeras

5.1  El Movimiento La Voz de la Consciencia

5.2  Instituciones

5.3  Sobrenombres, insultos y escándalos

5.4  Otros

Resumen

Bibliografía

III Umbruch in der gendersensiblen Realität – Sprachpolitik in Brasilien unter Dilma Rousseff

Einleitung

Die Verwendung femininer Formen von Berufs- und Amtsbezeichnungen

Der gendersensible Gebrauch von Sprache

Die Erhöhung der Alphabetisierungsrate von Frauen

Fazit

Literatur

Vorwort

In der Wissenschaft gilt das Diktum ‚Publish or perish‘. Dem Veröffentlichen geht, das ist naheliegend, das Verfassen eines Beitrags voraus. Diesem wiederum geht häufig ein Vortrag voraus, der auf einer Tagung gehalten wird. Die Beiträge solcher Tagungen werden dann in Form von Sammelbänden dokumentiert und so auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Das ist grundsätzlich eine gute Idee und wird dem Aufwand gerecht, den ein gut vorbereiteter Vortrag erfordert, der – im Idealfall – neue Erkenntnisse präsentiert. Von Vorteil ist es entsprechend, wenn die Veröffentlichung zeitnah erfolgt – so werden aktuelle Ergebnisse in den laufenden Diskurs eingespeist und können fortan rezipiert werden. Für mich als Verfasserin ist es zudem motivierend, das Ergebnis meiner Arbeit in Händen halten und das Projekt abschließen zu können.

Eine Reihe meiner Artikel wartet seit mehreren Jahren auf ihre Veröffentlichung. In meiner Publikationsliste tragen sie den Vermerk ‚angenommen‘. Auf ‚angenommen‘ folgt normalerweise ‚im Druck‘ und schließlich, nach Erscheinen, das Jahr der Publikation. Solange ein Beitrag nicht publiziert wurde, existiert er im Grunde nicht. Der Vermerk ‚angenommen‘ hat nur einen geringen Wert, gerade in Zeiten, in denen Publikationslisten von einigen gezielt aufgebläht werden, um sich gegenüber der Konkurrenz zu empfehlen.

Wir schreiben das Jahr 2021. Vor genau zehn Jahren habe ich meinen ersten Vortrag auf einem Fachkongress gehalten. Ich hatte mich riesig gefreut, dass die Vorträge in einem Sammelband publiziert werden sollten – es wäre meine erste Publikation gewesen. Ich habe meinen Beitrag fristgerecht eingereicht. Damals dachte ich noch, dass Fristen im ursprünglichen Wortsinn zu verstehen seien, ein Überschreiten der Abgabefrist zum Ausschluss meines Beitrags führen würde. Weit gefehlt. Seither habe ich den Beitrag ein paar Mal aktualisiert, alle Online-Quellen überprüft und ggf. nachrecherchiert, immer dann, wenn es ein Signal gab, dass die Publikation (doch noch) anstehe. Genauso bin ich bei zwei weiteren Artikeln verfahren, die die Ergebnisse von Vorträgen abbilden, die ich in den Jahren 2015 und 2016 gehalten habe. Alle diese Beiträge behandeln aktuelle Themen, also Themen, die vor sechs, sieben und zehn Jahren aktuell waren. Zwei dieser drei Artikel sind Teil des vorliegenden Bandes. Bei dem dritten besteht noch Hoffnung, dass er, wie vorgesehen, publiziert wird.

Der dritte Beitrag dieses Buches hat eine andere Geschichte: Er sollte in einem Sammelband erscheinen, der bereits veröffentlicht wurde. Ich habe wieder die Frist eingehalten; sorgfältig formuliert und alle wissenschaftlichen Standards berücksichtigt. In dem Beitrag geht es u. a. um das Thema Gleichberechtigung. Ich hinterfrage darin kritisch die Darstellung dieses Themas in kolumbianischen Wahlkampagnen – auch im Hinblick auf die Verwendung gendersensibler Sprache. Damals, als ich den Artikel verfasst habe, gab es noch Herausgeberinnen, die auf der Verwendung des sogenannten generischen Maskulinums bestanden. Kommentarlos haben sie mir das Gender-Sternchen (*) aus meinem Beitrag gestrichen. Ich habe meinen Artikel also – nicht leichtfertig, aber sicher auch nicht schweren Herzens – zurückgezogen.

,Publish or perish‘ – in diesem Sinne viel Spaß bei der Lektüre meines Buches, das aus der Not geboren ist, aber zum Wunschkind wurde.

Dinah Leschzyk, im Februar 2021

Einleitung

Das vorliegende Buch setzt sich aus drei Beiträgen zusammen – Fallstudien, die sich an der Schnittstelle von Politik und Sprache in Lateinamerika bewegen. Zwei der Aufsätze thematisieren die politische Kommunikation in Kolumbien, der dritte behandelt die brasilianische Sprachpolitik.

Im ersten Beitrag, „Digitaler Wahlkampf in Kolumbien (2010)“, wird die Nutzung sozialer Medien im kolumbianischen Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2010 überblicksartig dargestellt. Analysiert werden Blogs, Tweets und Facebook-Posts, die von den neun Kandidat*innen veröffentlicht wurden. Der Fokus liegt auf kritischen Themen wie Diskriminierung und Korruption, mit denen Kolumbien tagtäglich zu kämpfen hat. Die gesamte Studie, meine Dissertation, ist 2016 unter dem Titel „Politische Online-Kommunikation im kolumbianischen Präsidentschaftswahlkampf. Eine Kritische Diskursanalyse“ erschienen.

Der zweite Beitrag greift einen sehr spezifischen Aspekt des kolumbianischen Präsidentschaftswahlkampfs auf: Wörter und Ausdrücke, die Parteien und Politiker*innen im Kontext dieses diskursiven Ereignisses gebildet haben, und die nach der Wahl wieder aus dem Wortschatz verschwunden sind. Er trägt den Titel „Los lexemas efímeros en la campaña presidencial colombiana de 2010“ und ist auf Spanisch verfasst.

Thema des dritten Beitrags ist die Sprachpolitik der ehemaligen brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Rousseff, die von 2011 bis 2016 regierte, war die erste Frau in der Geschichte Brasiliens, die das höchste politische Amt des Landes innehatte. Seit ihrem Amtsantritt forderte sie, mit der geschlechtsadäquaten Anredeform presidenta adressiert zu werden. Dieser Wunsch wurde vielfach missachtet, von politischen Opponent*innen ebenso wie von Medienvertreter*innen. Der Beitrag mit dem Titel „Umbruch in der gendersensiblen Realität – Sprachpolitik in Brasilien unter Dilma Rousseff“ zeigt einerseits, welche Argumente gegen den Gebrauch der femininen Form angeführt werden, und andererseits, welche sprachpolitischen Maßnahmen in Rousseffs Amtszeit angestoßen wurden, um die Sichtbarkeit diverser Geschlechter zu erhöhen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Punkte: Die Verwendung femininer Formen von Berufs- und Amtsbezeichnungen, der gendersensible Gebrauch von Sprache, und die Erhöhung der Alphabetisierungsrate von Frauen.

I Digitaler Wahlkampf in Kolumbien (2010)

Einleitung

Für Analysen der Zusammenhänge von Sprachgebrauch und Machtverhältnissen sind Wahlkämpfe von besonderer Relevanz. In ihnen werden Machtfragen neu verhandelt. Dies geschieht öffentlichkeitswirksam. Die Kommunikation erfolgt zugespitzt: Sie ist auf den Wahltag ausgerichtet und ihr Erfolg zeigt sich unmittelbar im Wahlergebnis. Die erste erfolgreiche Netzkampagne liegt mittlerweile dreizehn Jahre zurück: Im US-Präsidentschaftswahlkampf Barack Obamas 2008 war das Internet für die politische Kommunikation erstmals entscheidend. Seitdem gewann der digitale Wahlkampf immer mehr an Bedeutung.

Im kolumbianischen Präsidentschaftswahlkampf 2010 traten neun Kandidat*innen unterschiedlichster politischer Couleur gegeneinander an.1 Sie alle nutzten die sozialen Medien2 für ihre Kampagnen – ein Novum in der Geschichte des Landes. Diese offizielle Wahlkampfkommunikation habe ich mittels einer Kritischen Diskursanalyse nach Norman Fairclough untersucht.3 Die zentralen Ergebnisse werden in diesem Beitrag präsentiert.4 Das zugrundeliegende Diskursmodell umfasst drei Dimensionen: ‚Text‘, ‚Kontext‘ und ‚diskursive Praxis‘ (vgl. Fairclough 2015: 56ff.). An diesen orientieren sich die drei Analyseschritte, die im englischen Original als Description, Interpretation und Explanation bezeichnet werden (vgl. Fairclough 2015: 58f.).5 Gegenstand der Untersuchung sind alle Blogtexte, Facebook-Posts und Tweets, die die Kandidat*innen und ihre Kampagnenteams im Vorfeld der Wahlen publiziert haben.6

Charakteristisch für die Kommunikation in Wahlkämpfen sind Worthülsen, Behauptungen und Versprechen. Die Analyse zielt darauf, diese aufzubrechen und so die Wahlkampfkommunikation transparenter zu machen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung kritischer Wahlkampfthemen. Hierzu zählen u. a. Korruption, ungleiche Bildungschancen und Diskriminierung. Die Kandidat*innen verwenden bei der Darstellung dieser Themen unterschiedliche Formulierungen und Schwerpunktsetzungen. Die Analyse der verschiedenen Ausdrucksweisen soll die ideologischen Einstellungen sichtbar machen, die der Texterstellung zugrunde liegen. Dabei wird auch der kommunikative Rahmen der Diskurse betrachtet und gefragt, welchen Stellenwert die sozialen Medien im Wahlkampf eines lateinamerikanischen Landes im Jahr 2010 einnehmen, handelt es sich doch um einen der ersten großen Wahlkämpfe, in denen Twitter und Co. zum Einsatz kamen.

Die Kandidat*innen und ihre Parteien

Eckpfeiler des politischen Systems in Kolumbien bilden das Parlament und das Präsidentenamt (vgl. Constitución Política 1991: Art. 114/189), das als das wichtigste politische Amt im Land gilt (vgl. Basset 2011: 8). Ausgeübt werden kann es verfassungsgemäß von in Kolumbien geborenen Personen über 30, die die kolumbianische Staatsbürgerschaft besitzen (vgl. Constitución Política 1991: Art. 191 und 204). Die Direktwahl durch die wahlberechtigte Bevölkerung findet regulär im Vier-Jahresrhythmus statt (vgl. Constitución Política 1991: 190). Die Kandidatur erfordert entweder die Bürgschaft einer vom Wahlrat anerkannten Partei/politischen Bewegung oder die Unterstützung einer bestimmten Anzahl wahlberechtigter Bürger*innen (vgl. Registraduría Nacional, a: 10; Ley de Garantías 2005: Art. 7).

Die Präsidentschaftskandidaturen 2010 waren von einer großen Vielfalt politischer Parteien und Bewegungen geprägt. Diese unterschieden sich stark hinsichtlich ihrer Etabliertheit in der Politik. So präsentierte neben den beiden kolumbianischen Traditionsparteien Partido Liberal Colombiano (PLC) und Partido Conservador Colombiano (PCC) u. a. auch die erst 2009 gegründete Partido Verde (PV) mit dem ehemaligen Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, Antanas Mockus, einen Kandidaten (vgl. Congreso Visible).

Auch die politische Erfahrung und der Bekanntheitsgrad der Kanndidat*innen waren höchst unterschiedlich. Juan Manuel Santos (Partido Social de Unidad Nacional, PSUN) etwa war bis zu seiner Kandidatur Verteidigungsminister gewesen (vgl. Votebien 2010a). Er positionierte sich im Wahlkampf als legitimer Nachfolger des amtierenden Präsidenten Álvaro Uribe. Santos startete seine Kampagne offiziell erst, nachdem das Verfassungsgericht ein Referendum für eine zweite Wiederwahl eines Präsidenten abgelehnt hatte – und damit eine dritte Amtszeit Uribes ausgeschlossen war (vgl. Corte Constitucional; El Tiempo 2010b). Santos’ Familie gilt als eine der mächtigsten des Landes (vgl. León 2010) und stellte bereits in der Vergangenheit einen Präsidenten (vgl.

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