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Mein geheimes Verlangen

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Autorenvita
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Spiel mit dem Feuer – Mein geheimes Verlangen
  7. In der nächsten Folge

Über dieses Buch

Schon immer fühlte sich Isabelle zu Jochen, den Mann ihrer besten Freundin Jenny, hingezogen. Schließlich war sie es auch, die Jochen damals auf der Studentenparty als erstes kennen gelernt hatte. Als Jenny ihr dann auch noch erzählt, wie heftig die beiden es auf seinem Flügel treiben, bekommt Jenny dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf. Regelmäßig hat sie feuchte Träume, in denen sie und Jochen die Hauptrollen spielen. Die Situation verschärft sich als Isabelles eigener Ehemann Sebastian immer mehr Zeit im Büro verbringt. Isabelle fühlt sich alleine und ausgerechnet Jochen scheint Verständnis für sie zu haben. Die beiden kommen sich gefährlich nahe. Wird Isabelle sich auf das verbotene Abenteuer einlassen?

Mein geheimes Verlangen erzählt die Geschichten von Frauen im besten Alter und der Erfüllung ihrer heimlichsten erotischen Wünsche.

Autorenvita

Anabella Wolf (* 1983 in Essen) studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim. Danach war sie drei Jahre Lektorin im größten deutschen Heftromanverlag, bevor sie sich als Autorin selbstständig machte. Sie schreibt Heftromane und Belletristik, mal mehr, mal weniger pikant, aber immer mit Happy End. Sie benutzt viele Pseudonyme und lebt und arbeitet in Berlin.

Alina umklammerte die Schultüte mit beiden Händen und kam Schritt für Schritt die drei Stufen herunter. Ich verkniff mir ein Grinsen. Ich hatte sie noch kein einziges Mal so sorgsam mit etwas umgehen sehen. Selbst wenn sie die alte Kristallschüssel meiner Oma auf den Tisch stellen sollte und ich ihr einschärfte, dass das gute Teil auf keinen Fall kaputtgehen durfte, war meine kleine Tochter nicht halb so vorsichtig.

»Wo ist denn dein Bruder?«

Sie hob die Schultern, wobei die Schultüte in ihren Armen ein Stückchen nach unten rutschte. Sie erschrak und drückte die blaue Tüte mit den roten Piraten noch enger an sich. Ich streichelte ihr kurz über die langen schwarzen Haare – eindeutig meine Gene – und lief zur Haustür. »Max!«, rief ich die Treppe hinauf. »Maximilian. Allerhöchste Eisenbahn.«

»Geht das jeden Morgen so?«, fragte Sebastian und kam mit offener Krawatte aus der Küche. Er band sich den Schlips vor dem Spiegel im Flur.

Ich betrachtete ihn und lächelte. Nächsten Winter würden es fünfzehn Jahre sein. Wo war die Zeit geblieben? Wir waren keine dreißig mehr. Sebastian hatte graue Schläfen, obwohl er eigentlich dunkelblond war, und mein Schneewittchen-Schwarz, wie er es nannte, brauchte inzwischen auch ein wenig »Colorationsnachhilfe« von Tina, der Friseurin meines Vertrauens. Aber trotz der offensichtlichen Veränderungen waren die letzten Jahre nur so an mir vorbeigerauscht. An manches erinnerte ich mich, als sei es gestern gewesen. Mein Blick fiel auf Sebastians breite Schultern. Und an manches würde ich gerne denken, als wäre es wirklich gestern gewesen. Und wenn ich dann nachrechnete, wie lange es tatsächlich schon her war …

»Max!« Ich schrie nun fast die Treppe hinauf und seufzte. »Wie soll das erst werden, wenn er in der Pubertät ist und Haargel und Mädchen für sich entdeckt?«

»O Gott.« Sebastian lachte und ging zurück in die Küche. »Vielleicht bleibe ich doch in Frankfurt«, hörte ich ihn sagen, während er mit den Schubladen klapperte.

Seine Worte versetzten mir einen Stich. »Das ist nicht witzig«, sagte ich, während ich ihm folgte.

Er stand vor der Kochinsel, in der einen Hand die Rolle Alufolie, in der anderen die Schere. »Natürlich nicht. Entschuldige.«

Ich lehnte mich an den Türrahmen. »Ich dachte, wir wollen beide, dass du hier in Heidelberg arbeitest und nicht mehr pendeln musst. Jeden Tag Frankfurt und zurück ist zu weit, um deine Kinder aufwachsen zu sehen. Ich dachte, darauf hätten wir uns geeinigt.«

Er lächelte mich an. »Haben wir doch auch, Isa. Ich habe gekündigt, heute ist mein letzter Tag.« Er drehte sich zum Ofen und öffnete ihn. Darin stand der Kuchen, den ich gestern noch für seinen Abschied im Büro gebacken hatte.

»Manchmal gibst du mir das Gefühl, dass du das gar nicht richtig willst.«

»Dein Kuchen riecht fantastisch. Niemand wird die Brötchen vom Caterer wollen.« Er zwinkerte mir zu, aber meine eisige Miene ließ ihn ernst werden. Er kam um die Kücheninsel herum und zog mich an sich. »Ich liebe dich, Isa. Und du hast recht. Es ist das Beste für uns, wenn ich mehr Zeit hier in Heidelberg verbringe.«

Sebastian roch so gut. Schon immer hatte ich seinen Duft geliebt. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich wusste, dass er mich liebte. Aber ich wusste auch, dass er nicht gesagt hatte, dass er den neuen Job in Heidelberg ebenfalls wollte.

»Mama!«, rief Alina von draußen. »Ich komm zur spät zur Schule!«

Sebastian lachte. »Das wird sie schon in wenigen Wochen nicht mehr sagen. Dann wird sie lieber im Bett bleiben wollen.«

»Denk dran, dass du noch ein paar Fotos von ihr mit der Schultüte machst, wenn du heute schon nicht dabei sein kannst.«

Er schob mich von sich und sah mir in die Augen. »Es ist ein wichtiges Meeting. Ich will mich von der Firma im Guten trennen, man weiß nie …«

Ich runzelte die Stirn. »… ob man wieder zu ihr zurückkehren will?«

»Nein, ob man noch einmal auf ihre Empfehlung angewiesen ist. Das Unternehmen ist ein großer Player in meiner Branche. Ich will nicht, dass man mich dort negativ in Erinnerung behält.«

»Hauptsache, du willst dich trennen.«

»Mama!« Alinas Stimme klang ungeduldig.

»Fotos«, schärfte ich Sebastian ein und nickte mit dem Kopf in Richtung Flur. Er zog sein iPhone aus der Anzughose und ging an mir vorbei.

»Wir haben noch Zeit, Maus!«, rief ich in den Vorgarten hinaus und ging die Treppe in den ersten Stock hinauf. »Max?!«

Mein Sohn war nicht im Bad, aber ich sah von der Tür aus, dass er sich die Zähne bereits geputzt hatte. Die Wasserlache unter seinem Zahnputzbecher ließ keinen Zweifel daran aufkommen.

Ich schob seine Zimmertür auf und traute meinen Augen nicht. Er lag angezogen auf dem Bett und schlief. Ich stieg über ein paar Actionfiguren hinweg, ging zu ihm und rüttelte an seiner Schulter. Das Kissen verrutschte, und ich sah schwarzes Plastik aufblitzen. »Max, aufwachen.«

Er blinzelte mich an. Seine dunkelblonden Haare waren verwuschelt, seine Augen von Schlaf verklebt. »Ich zieh mir nur schnell Socken an«, sagte er, als habe er gar nicht mitbekommen, dass er noch einmal eingeschlafen war. Er beugte sich zum Boden und hob das Sockenpaar auf, das dort tatsächlich schon bereitlag.

Ich zog die Playstation Portable unter seinem Kissen hervor und hielt sie ihm vors Gesicht. »Hab ich dir nicht gestern gesagt, dass du sofort schlafen sollst?«

Er senkte den Kopf. »Ja«, sagte er leise.

»Und hast du mir nicht versprochen, dass du es auch tun wirst?«

»Ja.« Seine Stimme klang jetzt noch leiser.

»Max«, sagte ich halb enttäuscht, halb verärgert. »Du hast mich angelogen.«

»Nein, ich wollte ja auch sofort schlafen, aber dann konnte ich nicht und wollte mich nur müde spielen und …«

»Das ist mir egal. Manchmal braucht es ein Weilchen, bis man einschläft. Das ist kein Grund, ein Versprechen zu brechen. Ich werde die hier«, ich hob die Playstation ein Stückchen höher, »jetzt konfiszieren. Du kriegst sie erst am Wochenende wieder.«

»Was?«

»Keine Widerrede. Und jetzt beeil dich. Es ist der erste Schultag deiner Schwester. Wir müssen los.«

Kurz darauf marschierte er beleidigt voran und verabschiedete sich auch nicht von seinem Vater. Alina hingegen sagte überschwänglich Tschüss, und ich stellte mich schon mal darauf ein, gleich mit einer ganzen Reihe von Fragen gelöchert zu werden.

Als ich selbst ins Auto einstieg, spürte ich Sebastians Blick auf meinem Hintern. Ich drehte mich noch einmal um, und da stand er direkt vor mir, küsste mich und lächelte. »Du siehst toll aus.«

Ich lachte. »Du auch.«

Jenny gähnte und ließ den Kopf nach vorn fallen. Sie stützte sich auf ihren Händen ab, die roten Locken kringelten sich um ihre Finger. Ich stellte die Kaffeetasse vor sie hin und setzte mich neben sie. Mein Stuhl schrappte über das Kopfsteinpflaster.

Jenny verzog das Gesicht. »Ist das laut …« Sie nahm einen großen Schluck Milchkaffee und wischte sich den Schaum mit dem Ärmel ihrer Bluse vom Mund.

»Ja, es ist schrecklich, dass in dieser Stadt überall so romantisches Kopfsteinpflaster liegt«, sagte ich spöttisch. »Du benimmst dich, als hättest du einen Kater.«

»Ich bin seit drei Uhr wach.«

»Ach, komm. Du liebst deinen Job«, sagte ich.

Jenny gähnte wieder und blinzelte in die Sonne.

»Wenn du dich jetzt noch über das schöne Sommerwetter beschwerst, obwohl wir morgen schon September haben, dann schütte ich dir meinen Kaffee in den Schoß«, drohte ich scherzhaft.

»Du bist aber gut drauf«, stellte Jenny fest.

Ich hob die Schultern. »Morgen arbeite ich endlich wieder.«

»Stimmt. Die Tierärztin kehrt zurück zum lieben Vieh.«

»Zu Klein- und Haustieren«, verbesserte ich. »Seit acht Jahren habe ich jetzt nicht mehr gearbeitet.«

»Dass du das überlebt hast«, sagte Jenny und zog an einer ihrer Locken, die immer länger wurde. »Ich muss zu Tina.«

Ich schlürfte Milchkaffee und schüttelte den Kopf über meine alte Freundin. Wir kannten uns seit dem Studium. Damals hatte ich manchmal gedacht, dass Jenny mit der Zeit schon aufhören würde, um sich selbst zu kreisen, spätestens wenn sie Kinder haben würde … Aber sie hatte nie Kinder gewollt und war auch heute mit dreiundvierzig noch genauso egozentrisch wie als Dreizehnjährige – nur, dass sie inzwischen mehr Erfahrung hatte.

Jetzt sah sie mich an. »Mach dir keinen Kopf. Im schlimmsten Fall stirbt ja bloß ein Wellensittich, wenn du zu sehr aus der Übung bist.«

Ich legte den Kopf in den Nacken und lachte. »Ja, ja. Kein Job auf der Welt ist so wichtig wie deiner.«

Sie hob die Schultern und schüttete den restlichen Kaffee in sich hinein. Dann sah sie erst in die leere Tasse und dann zu mir. »Die nächste Runde geht auf mich.«

»Ich hab noch.«

Sie nahm meine Tasse und trank sie aus. »Nein, stimmt nicht«, sagte sie, fixierte den Barista drinnen im Café und hob die Hand.

»Jenny, hier ist Selbstbedienung.«

»Das sehen wir noch«, sagte sie ungerührt, starrte den Barista an und hielt die Hand weiter in die Luft. »Weißt du, Isa. Manchmal muss man sich im Leben bedienen lassen. Und manchmal muss man sich selbst bedienen und sich einfach nehmen, was einem gefällt.«

Ich lächelte und nickte. »Ich hab mir den Job genommen, obwohl ich nicht arbeiten müsste.«

Jenny schnaubte. »Halbtags. Du hättest ruhig richtig zugreifen können. Sich einfach mal vom Leben nehmen, was man wirklich will. Wofür hast du denn sonst studiert und promoviert, Frau Doktor Teller?«

»Alina ist heute eingeschult worden, Jenny. Ich habe jetzt zwei Kinder, die nachmittags von der Schule nach Hause kommen.«

»Ach so?« Sie sah mich an. Ihre Hand immer noch oben. »Und da musst du dann auch da sein?«

»Ich habe Kinder bekommen, um sie auch zu sehen.« Ich lachte. »Er wird nicht kommen.«

»Doch, das wird er.«

»Ich freu mich auf den neuen Job und lass ihn mir von dir nicht madig machen.«

»Nein, nein«, sagte Jenny und klang ehrlich einfühlsam. »Jeder muss sein Ding machen. Wir können nicht alle sechzig Stunden die Woche im Krankenhaus verbringen und lebensrettende OPs durchführen.«

»Und Gott sei Dank müssen wir nicht alle um drei Uhr nachts dafür aufstehen.«

Jenny sah jetzt wieder zu dem Barista. »Süß mit dieser braunen Schürze, oder?«

»Aber das hilft nichts, wenn er dir keinen Kaffee bringt.«

»Schadet aber auch nichts.«

Ich sah von Jenny zu dem Barista und wieder zurück. Sie erzählte immer allen, Chirurgin zu werden sei ihre Entscheidung gewesen, aber in Wahrheit war es anders gewesen. Jenny war für Allgemeinmedizin einfach nicht einfühlsam genug. Für das Stellen von umfassenden Diagnosen und den Umgang mit möglicherweise schwerkranken Patienten und ihren Angehörigen war einfach eine gehörige Portion Mitgefühl notwendig. Und die fehlte ihr. Das hieß aber nicht, dass Jenny im Leben sonst nicht alles bekam, was sie wollte. Vielleicht auch gerade, weil sie so wenig Mitgefühl hatte und das auch ausstrahlte.

Vielleicht sah der Barista das ähnlich. Jedenfalls stand der junge Mann jetzt tatsächlich an unserem Tisch.

»Hier ist eigentlich Selbstbedienung.«

Jenny lächelte. »Ja, aber da du nun schon einmal da bist … Ich hätte gern noch zwei Milchkaffee.«

Er seufzte genervt, dann aber nickte er. »Na gut. Ist ja nicht so viel los.«

Er wollte schon gehen, als Jenny noch etwas einfiel. »Und sag mal, kannst du was anderes in den Schaum machen als diese Herzen?« Sie zeigte auf ihre leere Tasse.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und lachte verblüfft über ihre Dreistigkeit.

»Was denn?«, fragte sie. »Du siehst aus, als hättest du mehr drauf, als Herzen aus Kaffee zu malen. Ist es jetzt ein Verbrechen, das Beste in den Menschen zu sehen?«

»Ich guck mal, was ich mit Kaffee und Milch machen kann«, sagte er und wollte wohl immer noch genervt klingen, war aber doch auch geschmeichelt.

Jenny sah ihm beim Weggehen auf den Hintern. Dann grinste sie und sah auf die Uhr. »Ob Jochen für heute schon fertig ist? Dann kann er mich vielleicht gleich ins Bett bringen …« Sie zwinkerte mir zu.

Jochen war Komponist, ein wilder Künstlertyp, den Jenny vor fast zwanzig Jahren geheiratet hatte. Er war schmal und oft irgendwie schüchtern, aber wenn er am Klavier saß, sprühte er vor Leidenschaft. Seine dunklen Augen hatten etwas Raubtierhaftes, während die braunen Locken ihn nach wie vor aussehen ließen wie einen unschuldigen Jüngling.

Eigentlich war ich es gewesen, die ihn damals angesprochen hatte. Es war auf einer Mensaparty gewesen. Er hatte mit einer Flasche Wein allein in der Ecke gestanden, hatte mich sehr fasziniert – und war dann später mit Jenny nach Hause gegangen.

Das war lange her. Und als ich Sebastian kennenlernte, war Jochen längst vergessen. Ein Schwarm aus vergangenen Tagen … Ich schob das Bild von Jochen vor meinem inneren Auge beiseite.

»Vielleicht nehme ich ihn auch einfach mit unter die Dusche. Das heiße, prickelnde Wasser wird mich schon wach machen, und dann können wir den ganzen Nachmittag miteinander Spaß haben. Vergnügt ihr euch auch manchmal einfach so, mitten am Tag auf dem Flügel?«

Ich schluckte. Dann aber setzte ich schnell eine amüsierte Miene auf. »Erstens arbeitet Sebastian tagsüber im Büro, zweitens haben wir keinen Flügel, und drittens toben meistens zwei Kinder durchs Haus.«

Jenny legte ihre Hand auf meine. »So schlimm?«

Ich lachte. »Wieso schlimm? Wir können nur tagsüber nicht einfach übereinander herfallen und immer und überall heißen Sex haben.«

»Also macht ihr das dann jeden Abend, wenn die Kinder schlafen?«

Ich spürte, wie mir ihre Worte einen Stich versetzten. Ich wollte schon Ja sagen, ich wollte lügen, aber dann schüttelte ich den Kopf und senkte den Blick. »Es ist … in letzter Zeit … also, es ist ein bisschen ruhig in unserem Bett geworden.«

»Ein bisschen?«, fragte Jenny lauernd.

Der Barista kam und brachte uns Kaffee mit kunstvollen Ornamenten im Milchschaum.

Jenny beachtete weder ihn noch den Schaum. Sie zog irgendwo einen Zehner hervor und hielt ihn dem jungen Mann hin, ohne den forschenden Blick von mir zu nehmen. »Stimmt so.«

»Wow, das ist ein tolles Muster«, sagte ich schnell mit so viel Anerkennung in der Stimme, wie ich aufbringen konnte. »Guck mal, Jenny. Sieht das nicht wahnsinnig toll aus?«

»Ja, ja«, sagte Jenny und scheuchte den Barista mit einer Handbewegung weg.

»Er hat hier echt was Hübsches gezaubert und uns den Kaffee auch noch gebracht. Trotz Selbstbedienung. Du bist unmöglich«, sagte ich empört.

»Und du bist untervögelt.«

»Schsch!«, machte ich und spürte, wie ich rot wurde.

»Sex ist der Klebstoff jeder guten Beziehung. Ihr müsst vögeln, Isa.«

Ich strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus meinem Zopf gelöst hatte, und nickte. »Es war so stressig in den letzten Jahren. Erst die Kinder, dann der Job in Frankfurt. Der allein hat Sebastian ja schon aufgefressen, von der ewigen Pendelei ganz zu schweigen.« Ich lächelte. »Aber das ist ja jetzt vorbei. Morgen fängt Sebastian die neue Stelle hier in Heidelberg an. Ich hoffe wirklich, dass uns das mehr Zeit und Ruhe lässt.«

»Zeit und Ruhe?« Jenny lachte. »Was ihr braucht, ist Feuer und Leidenschaft. Aber nenn es, wie du willst.« Sie zwinkerte mir zu.

Ich trank einen Schluck Kaffee und spürte ein kleines Prickeln in meinem Bauch, wenn ich an das kommende Wochenende dachte, das erste seit Langem, an dem Sebastian nicht fünf Tage Frankfurt und eine lange Rückfahrt in den Knochen stecken würden …

Das Kläffen war unerträglich. Eigentlich war es mehr ein Quietschen. Ich unterdrückte den Impuls, mir die Ohren zuzuhalten. Ich wollte gerade die Spritze ansetzen, als der kleine Mischling mich auch noch anknurrte. Ich lächelte die Hundebesitzerin an. Sie hatte mir vor fünf Minuten noch wie eine freundliche Rentnerin ausgesehen, jetzt war ich mir da nicht mehr so sicher. Ihre Miene zeigte Sorge und Ärger. »Ich glaube, der Kleine hat Angst, Frau Doktor Teller.« Sie betonte das Doktor, als glaubte sie nicht, dass ich den Titel rechtmäßig trug.

Ich rang mir ein Lächeln ab.

»Oder Sie haben Angst. Sie sind aber doch Tierärztin, oder?«

Ich räusperte mich. »Natürlich, Frau …«, ich sah zu der Karte des Hundes hinüber. »… Hugo.«

Das Frauchen presste die Lippen aufeinander, sah zur Tür, wohl in der Hoffnung, dass gleich eine »richtige« Ärztin hereinmarschierte, und dann zurück zu mir. »So heißt der Hund. Mein Name ist Schneider.«

Ich legte die Spritze zur Seite und atmete tief durch. Jetzt galt es, erst einmal sowohl den Patienten als auch sein Frauchen zu beruhigen. Hilfe suchend sah ich mich in dem Behandlungsraum um. In der Mitte befand sich die Liege, auf der Hugo mit verkrampften Beinen stand und halb bellte, halb quietschte. Um uns herum waren die Wände mit Unter- und Oberschränken zugestellt, fast wie in einer Küche. Aber ich kannte mich nicht aus. Ich wusste noch nicht, wo die Leckerlis aufbewahrt wurden. Und dass es außerdem Nervennahrung für die Tierhalter gab, bezweifelte ich überdies.

Ich schenkte Frau Schneider dennoch ein weiteres Lächeln und wandte mich zielsicher einem Oberschrank zu. Ich riss ihn auf, als wüsste ich genau, was sich dahinter verbarg. Frau Doktor Georg und ihre Sprechstundenhilfen hatten mir natürlich alles gezeigt.

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