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SoulCity - Protokoll

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© 2016 Roland Schunke

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback: 978-3-7345-3622-9
Hardcover: 978-3-7345-3623-6
e-Book: 978-3-7345-3657-1
E-Book: 978-3-7345-3657-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

SoulCity

Mannheimer Bürgerbühne

SoulCity - Protokoll

über die erste Produktion der Bürgerbühne des Nationaltheaters Mannheims

Ein besonderer Dank allen Ensemble – Mitgliedern

Andy, Anja, Hans, Irabelle, Katharina, Melanie, Miri,

Özlem, Rainer, Renate H., Renate S., Reyhan, Ulla

In bewegender Erinnerung an Traugott „Kosi“ Kosian

SoulCity

Mannheimer Bürgerbühne

Ein Dankeschön an das Team des Nationaltheaters, die uns stets professionell begleitet haben

RegieLajos Talamonti
Bühne, KostümAnke Niehammer
Musikalische BeratungJoe Völker
LichtDamian Chmielarz
DramaturgieStefanie Bub,
Tilman Neuffer
ProduktionsleitungAlexander Bauer
RegieassistenzTarik Goetzke
InspizienzRichard Albrecht
RegiehospitanzElizabeth Burris
AusstattungshospitanzNele Schmitt

Prolog

Für uns beginnt dieser Abend mit der Ewigkeit vor unserem Erscheinen, vor unserer Geburt. In der geben wir den Dingen Zeit sich zu entwickeln, damit etwas zu sehen ist, wenn wir kommen. Während wir noch nicht da sind, wird das Mondgestein aus der Erde gerissen, versinken Farnwälder unter die Meere und Reptilien lernen fliegen. Der opponierbare Daumen wird erfunden. Dann stehen wir schon an der Schwelle. So betrachtet ist jeder hier eine Erfolgsgeschichte. Niemand hier in diesem Haus ist zur Unzeit gestorben. Keiner unserer Vorfahren ist gegangen, gefressen worden ohne ein kleines Packet Gene zu hinterlassen aus dem über viele Generationen WIR geworden sind. Und auch wir haben uns noch nicht vom Collini Center gestürzt, der größten Eigentümergemeinschaft Deutschlands. Irgendwo, vor sehr langer Zeit, haben unsere direkten Verwandten in einer Höhle gesessen, sind Tieren nach gejagt, haben Feuer entzündet, dessen Licht heute noch brennt. Dessen Wärme heute noch wärmt. Dann folgt das Weltalter unseres Daseins. In dieser Zeit überzeugen wir uns vom Stand der Dinge. Das gilt auch für den heutigen Abend. Danach, in der zweiten Ewigkeit, wenn wir gestorben sein werden, überlassen wir die Dinge wieder ihrem Lauf. Nicht ohne uns davon überzeugt zu haben, dass unser Dasein und das übrige nicht wirklich zusammenpassen. (Miri)

Jedem Anfang soll ein Zauber innewohnen

Der 12.05.2015 hätte ein ganz normaler Tag sein können. Da ich solches schreibe, dürfen Sie gerne vermuten, dass es eben kein normaler Tag war. Sicherlich für jene nicht, die sich an diesem Tag des Datums wegen das Ja-Wort gaben. Aber davon wollte ich eigentlich nicht erzählen. Sicher war es auch kein normaler Tag für alle, die sich für den SAP-Marathon vor Wasserturm und Rosengarten versammelten, um ihre physischen und psychischen Kräfte zu messen. Bedauerlicherweise durfte ich mich auch dazu zählen. Ich zog das große Los, als einige Kollegen meinten, sich als Mannschaft anzumelden. Mir, gerade kein begnadeter Läufer, sollten 4,5 km zugewiesen werden. Damit erklärte ich mich einverstanden. Als der 12.05.2012 mit leicht verregnetem Sonnenlicht erwachte, sagten zwei unserer Mannschaft für den Lauf ab und, da niemand anderer bereit war einzuspringen, durfte ich diese Ehrenrunden drehen. Aber auch davon wollte ich nicht erzählen. Das Besondere an diesem Tag war für mich und etwa 50 andere ein Treffen in der Lobby des Studio - Werkhaus in der Mozartstraße, eine Nebenbühne des Nationaltheaters Mannheim. Was war vorausgegangen. Ende März oder Anfang April 2012, veröffentlichte das Nationaltheater Mannheim im Wochenblatt der Stadt Mannheim und auf seiner Internetseite folgenden Text:

Das Nationaltheater sucht musikbegeisterte Mannheimerinnen und Mannheimer, die Lust haben, Theater zu spielen.

Wie klingt Ihr Leben? Wir klang es, als sie noch jünger waren? Was erzählt Ihnen der Klang über die Zeit, in der Sie leben? Soul, Schlager, Rock, Rap, Pop, Jazz, Klassik, Folk – was gibt Ihnen den Takt vor? Welcher Sound richtet Sie auf? Sorgt für Rhythmus und Stimmung in Ihrem Alltag? Welche Geschichten über Sie, das Leben, die Stadt und die Zeit öffnet „Ihre“ Musik?

Verraten Sie uns Ihr Lieblingslied, Ihre Geschichtsschreibung, Ihre geheimsten und Ihre gemeinsamen musikalischen Praktiken, geben Sie uns Einblick in Ihre Plattensammlung, Ihre Erinnerungen, Ihre Gedanken!

Wir suchen Chorsänger, Bandmitglieder, Groupies, DJs, Unter-Der-Dusche-Singer, Ruhe- und Ekstasesucher, die Xavier Naidoos von gestern und morgen –kurz: MannheimerInnen zwischen 20 und 70 Jahren, in deren Seele die Musik wohnt, um zu erfahren: Wie klingt Mannheim?

Ziel ist eine Theaterproduktion, die im September 2012 Premiere haben wird. Wenn Sie Lust haben, auf der Bühne zu stehen und mitzuspielen, freuen wir uns über Ihre E-Mail!

Informations- und Austauschwochenende: 12./13.05.2012

Anmeldung bis 30. April per Mail an stefanie.bub@mannheim.de mit kurzer Beschreibung Ihrer Person und Ihrer musikalischen Leidenschaft sowie Angabe Ihrer Telefonnummer.

NATIONALTHEATER MANNHEIM

Das genaue Erscheinungsdatum ist mir nicht mehr in der Erinnerung. Und dafür gibt es einen Grund: Ich habe den Text zwar in der Zeitung überflogen aber mangels weitergehendem Interesse nicht gelesen. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht interessiert war oder darüber nachdachte, was damit gemeint sein könnte. Zum damaligen Zeitpunkt war dieser Text für mich ohne mich berührende Information. Mir und sicher auch vielen anderen geht es sicher oft so. Unser Hirn filtert die Unmenge der auf uns einströmenden Informationen nach unserem jeweils geltenden Bewusstseinsbefinden. Manches wird sodann nicht erkannt oder unwissentlich verworfen.

Wenige Tage später sprach mich eine gute Bekannte auf diese Annonce an. Sie fragte, ob ich das gelesen hätte. Mit einem ungläubigen Ja-Schon-Aber bekundete ich ein oberflächliches Wissen. Als sie aber fragte, was ich davon hielte, musste ich passen. Dann riet sie mir den Text, den Sie mir dann per Mail zukommen ließ, nochmals ausgiebig zu lesen. Ich wäre genau der Richtige, um dort mitzuspielen. Auf meine etwas naive Nachfrage des warum, meinte sie, ich könne doch hervorragend singen und Musik machen und hätte zudem langjährige Bühnenerfahrung, das wäre doch für mich völlig „easy“.

Ich las die Anzeige und war mir unschlüssig. Ja, es klingt gut. Nein, das ist doch sicher nichts für mich, vielleicht – ob die mich überhaupt haben wollen? Ich habe zwar einen Großteil meines beruflichen Lebens im sicheren Wasser des Berufsbeamtentums verbracht, aber meine innerste Bestimmung gehörte der Musik. Es würde zu weit führen, zu erläutern, warum mein Weg letztendlich nicht in den Bereich der Musik mündete. Nur dies: Als Sechsjährigen befragte mich Vater beiläufig während eines Mittagsessens, was ich „mal werden möchte“. Wie aus der Pistole sprudelte es aus mir heraus: Musiker. Ich hatte damals eine glockenreine Stimme, trällerte alles, was ich im Radio hörte und durfte, was eher einem musste glich, sonntäglichen Besuch auf einem in die Mitte gerückten Stuhl thronend unterhalten. Meine erste Bühne. Meinem Vater schien die Aussage, Musiker werden zu wollen, nicht recht zu sein. Von diesem Tag an verbarg er eine Geige, die er nicht gut aber doch für den Hausgebrauch, insbesondere an Weihnachten, leidlich spielte. Er wollte hierdurch wohl keine äußeren Anreize setzen, meinen Wunsch zu beflügeln, Musiker zu werden.. Zu einem viel späteren Zeitpunkt hörte ich ihn einmal sagen, dass sein Onkel Kapellmeister war und dieser in seinen alten Tagen die Kartoffeln „aus dem Schweinetrog fraß“, in den Jahren ab 1920! Doch was hat dies mit der beabsichtigten Produktion im Nationaltheater zu tun? Ich habe in vielen Ensembles gespielt und gesungen und es gab nie Beanstandungen an dem, was ich ablieferte. Meine Musikerkollegen und auch das Publikum habe ich stets aufs Beste zufriedenstellen können. Aber, es war immer ein seelischer Spagat zwischen Zweifeln am eigenen Können mit Versagensängsten und vielen widergekäuten Gedanken ans Aufhören bis zu überheblich wirkendem Auftreten, dem rechten Maß entrückt.

Ich erinnere mich an die Aussage eines Musikerkollegen, Werner (Saxophon, Klarinette). Mit ihm spiele ich seit 35 Jahren zusammen und nie haben wir uns über unser gegenseitiges Spiel geäußert. Allein die Tatsache, dass wir es so lange miteinander ausgehalten haben, sollte Anerkennung für jeden von uns sein. Doch wenige Wochen vor dem 12.05.2015 meinte er anlässlich eines Telefonats nach einem Auftritt, ich denke, es war ihm ein besonderes Bedürfnis: Wenn du singst, hört man wie deine Seele mitswingt.

Mitte April 2012 ich meine Bewerbung an Steffi Bub gemailt.

„Sehr geehrte Frau Bub, auf der Internetseite des NTM, das ich regelmäßig besuche, habe ich Ihre Information gelesen, dass Sie Musikbegeisterte suchen. Nun, ob ich in Ihr Schema passe?

Verwaltungsleiter beim Amtsgericht Mannheim

Mein musikalisches ‚Leben‘

Ich stehe seit meinem 15. Lebensjahr auf der Bühne. Angefangen habe ich mit der Wandergitarre, in diversen Jugendbands. Zwischen dem 22. Und 27. Lebensjahr habe ich von der Musik gelebt.

Danach Abitur, FH-Studium, Dipl. Rechtspfleger (FH)

Ich singe auch recht gut, sagt man, mag Jazz und Swing, Bigbands und habe ein reichhaltiges Programm z.B. New York, My way, Funny Valentine, Moonlight in Vermount, Fly me to the moon …

Ich habe seit Jahren ein Swing Quartett (TAKE SWING) und spiele Kontrabass.

….

Wer mich kennt, weiß, dass ich viel Musik in mir habe und auch lebe.

Herzlichen Gruß“

Am 07.05.2012 erhielten ich und alle anderen Interessenten folgende Nachricht:

Betreff: Nationaltheater-Projekt – Einladung zum Informations- und Auswahlwochenende

Liebe Musik- und Theaterbegeisterte,
wir freuen uns sehr über Ihr Interesse, bei unserem Theaterprojekt über Mannheimer und „ihre“ Musik mitzumachen und laden Sie herzlich zum Info- und Auswahlwochenende ein.

Bitte kommen Sie am Sa, 12.05. um 15:00 Uhr zu einem ersten Kennenlernen zu uns ins Nationaltheater. Dieses Kennenlernen wird voraussichtlich in Form eines Gesprächs in einer Kleingruppe stattfinden und ca. 20 Minuten dauern. Sie brauchen nichts Besonderes vorzubereiten oder mitzubringen.

Bitte seien Sie spätestens 5 Minuten vor diesem Termin an der Pforte des Werkhauses, Mozartstraße 5 (Außentreppe hochgehen).

Diejenigen von Ihnen, die wir dann ein zweites Mal für Sonntagnachmittag (13.05.) einladen möchten, rufen wir spätestens am Sonntagmorgen an.

Da wir sehr viele Anmeldungen bekommen haben, und wir Sie gern alle kennenlernen möchten, freuen wir uns, wenn Sie uns helfen, einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen! Sollten Sie am Samstag nicht kommen können oder doch nicht mehr am Projekt teilnehmen wollen, teilen Sie uns dies bitte mit.

Wir freuen uns sehr darauf, Sie am Samstag kennenzulernen.

Herzliche Grüße

Steffi Bub

Am 10.05.2012 notierte ich in meinem Tagebuch:

Am Samstag, 12.05.,15:00 Uhr Studio Werkhaus. Vorgespräch wegen Theaterprojekt. Ich gehe hin und höre mir das mal an. Ruhig, unaufgeregt, abwartend, interessiert. Wenn ich in Frage komme, melden sie sich am Sonntagmorgen.

Pünktlich, wie gebeten 5 Minuten vor der Zeit, fand ich mich in der Lobby des Werkhauses ein. Heute kann ich zugeben, ganz so ruhig und unaufgeregt, wie ich dies vermerkte, war ich nicht. Bereits am Morgen trieben allerlei widersprüchliche Gedanken über das nachmittags Kommende, das Kommen-Könnende, das Vielleicht-Werdende und alles Mögliche und Unmögliche ein grausames Was-Wäre-Wenn-Spiel. Sobald Neues auf mich zukommt, versuche ich stets wie ein Schachspieler „1000 Züge“ vorauszuahnen, ohne zu wissen, welche Eröffnung gespielt wird. Bereits eine Stunde vor dem Termin bin ich in Richtung Nationaltheater gelaufen, um auf keinen Fall – bis zu jenem Zeitpunkt kannte ich das Studio Werkhaus noch nicht – zu spät zu kommen.

Um 15:00 Uhr saßen sechs Bewerberinnen und Bewerber an einem Tisch zusammen mit Steffi Bub, Tarik Goetzke und einer weiteren Person des Nationaltheaters, deren Name ich nicht mehr weiß. Das erste was uns mitgeteilt wurde: „Beim Theater sind alle per Du!“ BEIM THEATER!! Sogleich wurden wir aufgefordert der Reihe nach zu erzählen. Was man beruflich und privat macht? Was verbindet man mit Mannheim? Welche Musik hört man, spielt man gerne? Warum möchte man bei diesem Projekt mitmachen? Ich werde erzählt haben, was ich schon schrieb, dass ich Verwaltungsleiter beim Amtsgericht Mannheim sei, dass ich Gitarre und Kontrabass spiele und dass mir Swing-Musik besonders am Herzen liege. Da ich die Frage, warum ich mitmachen möchte, aufgrund meiner leidvollen Gedankenspiele erwartet hatte, war ich um eine Antwort nicht verlegen. Ich sähe mich in der Lage, einen guten Beitrag zum Gelingen der Produktion beizutragen und fände es äußerst spannend, einmal „das Theater“ auf der Bühne und nicht im Zuschauerraum zu erleben.

Am Sonntag stand ich früh auf. Der Samstag war wegen des Laufwettbewerbs und des Treffens im Theater zu kurz, um die Wohnung aufzuräumen. Das Wochenende bleibt für einen Berufstätigen oft der einzige Zeitraum, um für Ordnung zu sorgen. Allerdings kam ich nicht wie gewohnt in Trab, die Strapazen der 12,5 km vom Vortag drückten auf eine Stimmung, die Regeneration dauerte an. Den Putztrieb habe ich mit Bad und Küche befriedigt und mich dann einer Tätigkeit zugewandt, die für mich absolut stress- und gedankenlos verläuft. Ich rührte einen Hefeteig an, um daraus einen Zopf für die Woche zu backen. Beim Backen und Kochen kann ich abschalten, da fallen alle lieb- und unliebsamen Gedanken von mir ab. Um 11:20 Uhr hatte es sich mit der Ruhe. Ich erhielt den angekündigten Anruf des Theaters und ich wurde gebeten, mich um 15:30 Uhr in der Lobby im Werkhaus einzufinden. Und wenn ich zuvor schrieb, dass alle Gedanken abgefallen wären, sollte ich des relativieren. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten spülten sich Gedankenfetzen zwischen Mehl und Zucker, was wäre, wenn sie mich nicht nehmen?. Die Rosinen wurde handverlesen zum Teig gegeben, ja-nein-ja-nein, und beim zweiten Kneten des aufgegangenen Teigs packte ich kräftig zu. Ich ärgerte mich über einen Gedanken, der mir das Bild einer Waage vor die Augen führte, deren Ausschlag zeigte, dass ich für zu leicht befunden würde.

Nachmittags saßen wir zu viert (Wer neben mir anwesend war, weiß ich nicht.) , mit Steffi und Tarik an einem Tisch. Tarik versuchte uns Sinn und Ausgestaltung der Produktion zu erläutern und welcher Art unsere Aufgaben sein würden. Ich möchte jetzt nicht den Eindruck vermitteln, dass Tarik unfähig gewesen wäre, seine Vorstellungen klar und deutlich zu vermitteln, allein ich hatte Schwierigkeiten, den Nebel vor meinen Augen zu entfernen.

Jeder soll seine Tagesmuster notieren. Und wenn es einem schlecht ginge, aufschreiben, wie man sich dann fühle und was man täte, um dies zu überstehen?

Es ging also darum, höchst Persönliches preiszugeben. Ich schaute in die Runde und fragte mich, ob die anderen ähnlich dachten. Ich in mich. Würde ich bereit sein, ich, der so eine Art einsamer Wolf ist, öffentlich nicht gerade intime aber doch mich ganz persönlich berührende Erlebnisse preiszugeben und meinen Lebenslauf ohne wenn und aber offenzulegen?

Als hätte Tarik meine Gedanken, will ich das, mache ich da mit, erraten, fügte er sachlich an: „Von den aktuell zweiundzwanzig verbliebenen potentiellen Mitspielerinnen und Mitspielern springen sicher noch einige ab. Wir rechnen mit einer Gruppengröße zwischen acht und sechzehn.“

Es klang wie eine betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse für die Produktion von Pfannen und Töpfen: Schwund ist eingerechnet.

Musik solle auch gemacht werden und wenn möglich, eine Band zusammengestellt werden. Und als letztes meinte er: Wer jetzt noch da ist, IST DABEI!

Dieser Satz ist in meinem Tagebuch rot unterstrichen und ich gebe es gerne zu, es war ein tolles Gefühl, rührend und berührend. ICH BIN DABEI. Doch nicht zu leicht!

Sodann folgten für den Augenblick des kurzen Adels belanglose Informationen. Steffi übermittele an alle in den nächsten Tagen Fragen und Aufgaben. Die Proben begännen am

20.08.2012, die Premiere solle am 28.09.2012 stattfinden. Direkt nach der Premiere sollen zwei bis drei Vorstellungen angeboten werden, und für die Spielzeit 2012/2013 würden weitere zwölf bis dreizehn Vorstellungen vorgesehen.

Auf den Nachhauseweg haben wir vier noch etwas miteinander gesprochen. Da wusste ich, dass mindestens eine von uns, die nichts Persönliches preisgeben wollte, absagen würde. Als ich dann alleine nach Haue ging, ging, interessierte mich dies nicht mehr. Für mich war es der Aufbruch zu etwas Neuem, etwas Anderem, etwas Forderndem. Ich hätte sogleich loslegen können, denn mein Inneres hüpfte förmlich vor Freude. Ein Projekt für die komplette Spielzeit. Unglaublich, ich durfte dabei sein. Ich hoffte sogleich, dass es etwas Gutes wird und dass ich von mir alles forderte, was ich zu geben vermochte. Die Erwartung, dass ich zum Gelingen etwas beitragen könnte, machte mich stolz. Was würde ich neues lernen und welche tollen Eindrücke von der Theaterarbeit könnte ich mitnehmen?

Am Montag, dem 14.05.2012 habe ich Steffi geschrieben:

„Liebe Steffi, zunächst möchte ich anmerken, dass ich mich über eure Bekanntschaft gefreut habe.

Ich habe mir die beiden letzten Tage und die bei euch gewonnenen Eindrücke durch den Kopf gehen lassen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich gerne mitarbeite möchte und das mit allem, was mir möglich ist.“ Und sodann habe ich, im vorauseilenden Gehorsam, bereits einiges aus meinem Leben erzählt.

Am 14.05.2012 las ich im Mannheimer Morgen:

Nationaltheater:Neues Programm veröffentlicht

Mannheim.Mit 39 Premieren in Oper, Junger Oper, Schauspiel, Ballett und Schnawwl sowie rund 70 Wiederaufnahmen in allen Sparten will das Nationaltheater in seiner 234. Spielzeit ab September die Menschen in Mannheim und der Region begeistern. Zum ersten Mal Kündigt das Haus am Goetheplatz bei der Pressekonferenz gestern auch an, vermehrt mit den Bürgern der Stadt Theater machen zu wollen. Als Pilotprojekt, aber laut Oberbürgermeister Peter Kurz durchaus als sechste Sparte angedacht, startet am 28. September die „Mannheim Bürgerbühne“ mit „Soulcity“.

Und nun war meine Welt bis zum 16.05.2012, 13:24 Uhr in bester Ordnung.

Doch dann sah ich eine E-Mail von Steffi in meinem elektronischen Briefkasten.

„Liebe

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