Logo weiterlesen.de
Sonderwünsche

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Sonderwünsche
  5. Deacon
  6. Liebe - laut wie eine Bombe
  7. Bitte komm wieder
  8. Unsere Empfehlungen

Rachel Kramer Bussel (Hg.)

SONDERWÜNSCHE

und andere erotische Hotelstorys

Aus dem amerikanischen Englisch von
Irma Motte

Sonderwünsche
Rachel Kramer Bussel

Ich liebe meinen Beruf als Hotel-Concierge, denn jeder Tag verläuft anders als der vorherige. An einem Tag werde ich gerufen mit der Bitte, einen Heimtrainer, ein Laufband, eine Yoga-Lehrerin oder einen Reiki-Heiler aufs Zimmer zu schicken, an einem anderen Tag eine kleine Schlange oder exotisches Essen. Die Spezialität meines Hotels liegt darin, den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen – für einen gewissen Preis, versteht sich. Ich bin die Person, an die man sich wendet, die Person, die die Dinge besorgt.

Ich werde vortrefflich bezahlt, was gut und richtig ist, wenn man sich vor Augen führt, dass ich verrückte Arbeitszeiten habe und oft die abgelegensten Winkel von Los Angeles aufsuchen muss. Mehr noch als die gute Bezahlung liebe ich an meinem Job aber, dass ich dauernd Menschen kennenlerne, jeden Tag, um genau zu sein. Ich habe einen Abschluss in Soziologie, habe jedoch schnell festgestellt, dass man über Menschen durch persönliche Kontakte viel mehr erfährt als aus Büchern. Und natürlich dadurch, dass sie einen in ihre Geheimnisse einweihen. Ich bin eine besondere Kombination aus Therapeutin und Zauberin, höre ihnen zu, wenn sie mir ihre seltsamsten Wünsche mitteilen, und lasse sie in Erfüllung gehen. Sie müssen sich nur dazu entscheiden, etwas zu wollen, und ich liefere es ihnen.

Ich mache diesen Job nun seit fünf Jahren, hab direkt nach dem College angefangen. Jedes Jahr habe ich einen saftigen Bonus bekommen und bin immer wichtiger für das Team geworden. Auch wenn mein Name weder in Pressemitteilungen noch in Reisemagazinen auftaucht, so sprach es sich schnell herum, dass unser Hotel jede erdenkliche Annehmlichkeit möglich machte. Meine Existenz blieb zunächst unbemerkt, doch einige Gäste empfahlen mich weiter, sodass ich bald namentlich angefragt wurde – meistens von Gästen, die erst dann mit dem Grund ihrer Anfrage rausrückten, wenn wir in ihrem abgeschlossenen Zimmer waren und sie sichergestellt hatten, dass niemand zuhören konnte. Hauptsächlich bekomme ich mein Geld dafür, diskret, effizient und gründlich zu sein – und fürs Zuhören, ohne zu verurteilen. Solange der Gast unsere Preise bezahlt, kann er alles haben: Waren, Dienstleistungen und sogar Sex. Auch wenn ich dachte, ich hätte in meinem Job schon so gut wie alles erlebt – auf Claudine hatte mich nichts davon vorbereitet.

Üblicherweise sind es Männer, die meine Dienste in Anspruch nehmen. Reiche Männer, manchmal HollywoodStars, denn unser Hotel befindet sich in Beverly Hills; manchmal Profi-Sportler, Politiker, Prinzen oder Millionäre. Manchmal aber auch ein wild gewordener Milliardär, der die flauschigsten Handtücher, täglich einen neuen Designer-Bademantel und privaten Zugang zum Whirlpool haben möchte, nicht zu vergessen eine schöne Frau, die ihm die Kissen aufschüttelt, und das – falls gewünscht – auch noch nackt. Mich stört nicht mal die obskurste Anfrage, denn letzten Endes weiß ich, dass ich damit den Aufenthalt eines Gastes verschönere und ihm den Service biete, den ihm kein anderes Hotel bieten kann.

Manchmal wendet sich ein Paar an mich. Der Ehemann rennt von einem Meeting zum anderen, und die Ehefrau stirbt vor Langeweile und fragt nach einer geführten Tour durch die besten Geschäfte und Spas. Oder nach jemandem, der mit ihr in den Bergen wandert. Diese Damen sind für gewöhnlich mit Diamanten behangen und achten auf ihre Linie, weshalb sie ihr Essen gedünstet, perfekt gewürzt, aber ohne Fett bestellen. Meine Liste mit Wünschen, die ich für solche gut betuchten Damen bereits erfüllt habe, ist lang: Tätowierer, Feng-Shui-Spezialisten, Ernährungsberater, Nagelpflegerinnen, japanische Haarglätter-Profis und vieles mehr.

Aber Claudine wollte etwas ganz anderes. »Das hier bleibt vertraulich, oder? Sie haben das Zimmer doch nicht verwanzt oder so was?«, fragte sie, als ich ihr gegenübersaß. Mein Gesichtsausdruck blieb vollkommen professionell, auch wenn meine Neugierde geweckt war. Sie war ganz offensichtlich keine der feinen Damen, die in den Restaurants der obersten Kategorie speisten, um zu sehen und gesehen zu werden. Eine Reservierung in einem solchen Restaurant konnte es also nicht sein, was ihr auf dem Herzen lag. Ihre Eleganz rührte nicht von Designerklamotten, sondern von einer Aura, die Sex und Autorität versprühte. Ich ahnte, dass es sich um eine delikate Angelegenheit handelte.

»Selbstverständlich nicht. Ihre Privatsphäre und Zufriedenheit sind uns äußerst wichtig. Sind mir äußerst wichtig.« Ihre Vorsicht überraschte mich. Sie war jünger, als ich vermutet hatte, keine wohlhabende Witwe oder Geschäftsführerin, sondern eine junge Frau, die in meinem Alter sein konnte, also Ende zwanzig. Ihre Kleidung war nur oberflächlich betrachtet schlicht: Die Jeans war von einem Designerlabel, die weiße Bluse aus Seide, der weiße Spitzen-BH wunderschön geformt, sodass er ihren ebenso schönen Busen betonte, und die Leoparden-Pumps mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen zeugten von einer Frau, mit der man sich besser nicht anlegte. Sie trug weder Blumen im Haar noch sonst wo oder auf an ihrer Kleidung. Sie war eine Frau, die es ernst meinte, eine starke Frau, die genau wusste, was sie wollte. Und wer es ihr beschaffen konnte.

»Ich habe mir dieses Hotel ausgesucht, weil mir eine Freundin erzählt hat, dass Sie alles tun, um Ihre Gäste zufriedenzustellen. Ich habe bisher niemanden gefunden, der mir genau das ermöglichen konnte, was ich mir vorstelle. Sie sehen jedoch so aus, als ob Sie wüssten, wo Sie suchen müssen. Ich wünsche mir eine Orgie, und zwar morgen Abend. Ich möchte ein Zimmer voller sexy Männer und Frauen, die mich und einander befriedigen. Keine Profis, sondern normale gut aussehende Leute, die Spaß haben wollen. Und ich möchte Sie dabeihaben. Das ist ein Muss. Als Gast, nicht als Hotelangestellte. Alles vertraulich, natürlich. Nichts davon darf bekannt werden«, sagte Claudine und lächelte.

Ich hatte ihr gerade erst erzählt, alles beschaffen zu können, was sie sich wünschte, also konnte ich nicht ablehnen – nicht, wenn ich meinen Job behalten wollte, von meinem Stolz ganz zu schweigen. Stattdessen blickte ich sie gespannt an. In den letzten Jahren hatte man mich schon um alles Mögliche gebeten: wunderschöne Escorts, Fetisch-Experten, professionelle Subs und Dominas. Einmal sollte ich einem Hollywood-Star sogar persönlich die Badewanne einlaufen lassen, allerdings nicht mit Wasser, sondern mit feinstem Champagner. Er hatte seinen Luxuskörper in die prickelnde Flüssigkeit gesenkt und mich gefragt, während ich einen Korken nach dem anderen knallen ließ, ob ich nicht auch in die Wanne steigen wollte. Die Versuchung war groß, dennoch lehnte ich ab, aber nicht ohne mir vorher einen der heißesten Küsse meines Lebens abzuholen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Sonderwünsche" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen