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Sommerträume in Marbella

1. KAPITEL

Lippen, die ihren Nacken streiften, zart wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, aber viel sinnlicher. Seine Hand auf ihrer Schulter, um der kleinen Intimität den Anschein einer beschützenden oder freundschaftlichen Geste zu verleihen, bevor er ihr etwas ins Ohr flüsterte.

„Ich bin gleich wieder da. Geh nicht weg.“

Sie hatte sich nicht gerührt, nicht einmal umgesehen, und sie rührte sich auch jetzt nicht. Hauptsächlich, weil sie sich so zittrig und kraftlos fühlte, dass sie es einfach nicht konnte. In manchen Momenten wünschte Julia, sie würde nicht für die Eventagentur Prêt a Party arbeiten. Und dies war eindeutig einer von ihnen.

Jeder, der im Jetset etwas zählte, war hier auf Mallorca, genauer gesagt in der Gartenanlage der exklusiven Ferienvilla, die zurzeit an das aufregendste und berühmteste Ehepaar Hollywoods vermietet war. Angeblich gaben die beiden Superstars – in der Zeitschrift A-List Life auch die Royals von Hollywood genannt – die Party, um ihren ersten Hochzeitstag zu feiern. Bezahlt wurde sie vom extravaganten Besitzer und Chefredakteur der Zeitschrift, Dorland Chesterfield. Während die prominenten, so genannten Freunde der beiden „feierten“, mischten sich seine Fotografen unter die Gäste, und er interviewte das glückliche Ehepaar.

Ich werde allmählich zu zynisch, dachte Julia. Für Lucy, ihre Freundin und die Besitzerin von Prêt a Party, war dieser Auftrag wie ein Lottogewinn. Und natürlich verstand Julia, warum.

Dorland Chesterfield war nicht nur Millionär, sondern auch die einflussreichste Persönlichkeit in der Luxuspartyszene. Einen Event zu organisieren, den er sponserte – und sie waren obendrein noch für seine weltberühmte jährliche Sommerabschlussparty engagiert worden –, bedeutete wegen der im Anschluss zu erwartenden Neukunden so viel wie eine Lizenz zum Gelddrucken, hatte Lucys Ehemann Nick gesagt.

Als ihr Nicks unfreundliche Bemerkungen über Dorland einfielen, runzelte Julia die Stirn.

„Er ist ein dicker hirnloser Mann mit einem Starfimmel. Wenn er denn überhaupt ein Mann ist“, hatte Nick gespottet, nachdem Dorland ihnen den Auftrag gegeben hatte.

Sofort hatte Julia Dorland verteidigt. „Das stimmt nicht und ist unfair, Nick.“

Sicher, Dorland hatte Übergewicht. Und es wurde auch gemunkelt, dass er sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte, bevor er auf der Bildfläche der Highsociety erschienen war. Außerdem wurde über seine sexuelle Orientierung getratscht und spekuliert. Insgeheim hatte Julia den Verdacht, dass er zu den Menschen gehörte, die wirklich asexuell waren. Obwohl er dank des Erfolgs von A-List Life ständig von weiblichen und männlichen Möchtegernen umgeben war, konnte niemand mit Bestimmtheit sagen, dass Dorland schon einmal mit einem Mann oder einer Frau eine sexuelle Beziehung gehabt hatte. Julia war sicher, dass Dorland seine ganze Leidenschaft für die große Liebe seines Lebens reservierte: den Ruhm und diejenigen, die ihn besaßen. Er verstand die weibliche Psyche wie kein Zweiter und streichelte empfindliche Promi-Egos so erfolgreich, dass ihm sogar ansonsten unerreichbare Stars ihre Türen öffneten und Interviews gewährten.

Ohne Frage mochte und bewunderte Dorland die Berühmten wirklich, und sie spürten das und verhalfen ihm zu Exklusivberichten, wegen derer die Chefredakteure anderer Zeitschriften vor Neid mit den Zähnen knirschten.

Auch wenn Nick vorgab, Dorland zu verabscheuen und zu verachten, fragte sich Julia, ob er ihm nicht insgeheim einfach seinen Erfolg und seinen Reichtum missgönnte.

Sie, nicht Nick, hatte die beiden aufwendigen Events für Dorland organisiert und koordiniert. Und dabei mit mehr Mammutegos fertig werden müssen, als ein normaler Mensch je kennen lernen wollte. Währenddessen war Nick die meiste Zeit unterwegs gewesen und hatte Gespräche mit potenziellen neuen Kunden geführt. Die wirklich harte Arbeit hatte er Julia überlassen. Jetzt war er allerdings hier und sammelte die Lorbeeren ein.

Kummer und Schuldgefühle bedrückten ihr Herz. Früher hatte sie einmal davon geträumt, dass Nick und sie zusammenziehen oder sogar heiraten würden. Doch er hatte sie abserviert, kurz nachdem sie ihn mit Lucy bekannt gemacht hatte. Natürlich hatte sie ihr Bestes getan, um ihre Gefühle zu verbergen. Wieder und wieder hatte sie sich versichert, dass Herzen nicht wirklich brachen. Trotzdem war sie nach dem Ende der Affäre so deprimiert gewesen, dass sie befürchtet hatte, sich nie wieder davon zu erholen.

Ihre Wortwahl ließ sie das Gesicht verziehen. Nick und sie hatten ja nicht einmal eine Affäre gehabt. Er hatte sie verfolgt und ihr geschmeichelt, aber über einige leidenschaftliche Küsse war die Sache nie hinausgekommen. Und zum Glück hatte sie keine Gelegenheit gehabt, sich ihren Freundinnen anzuvertrauen.

Seit kurzem beklagte sich Nick bei ihr. Seine Ehe stecke in Schwierigkeiten und er glaube, einen Fehler gemacht zu haben. Und auch Lucy, so loyal sie Nick gegenüber auch sein mochte, sah seit einiger Zeit unglücklich aus.

Nachdem sie sich mit einem prüfenden Blick überzeugt hatte, dass draußen im Moment alles in Ordnung war, wollte Julia ins Haus gehen, um zu sehen, wie Dorland mit dem Interview vorankam. Plötzlich aber tauchte Nick vor ihr auf. Wieder legte er ihr die Hand auf die nackte Schulter und streichelte langsam die glatte sonnengebräunte Haut.

„Nicht“, sagte Julia warnend.

„Was nicht?“, fragte er spöttisch. „Hör nicht auf? Du willst es doch ebenso sehr wie ich.“

„Das stimmt nicht. Von allem anderen einmal ganz abgesehen, bist du mit Lucy verheiratet.“

„Erinnere mich bloß nicht daran!“

Unwillkürlich wich Julia vor ihm zurück. Sie wollte das nicht hören, und sie wollte diese Situation nicht. Aber Nick hielt sie fest und schloss den Abstand zwischen ihnen wieder.

„Weißt du noch, wie schön es mit uns war?“, flüsterte er heiser. „Wozu hältst du dich zurück? Warum sollen wir keinen Spaß miteinander haben, wenn wir uns doch beide danach sehnen? Ich könnte nachher in dein Zimmer kommen. Niemand braucht es zu erfahren, und wir …“

„Nein! Zwischen uns ist es aus, Nick. Ich meine das ernst. Und ich werde es mir nicht anders überlegen.“

„Oh doch, das wirst du“, sagte er leise und neigte den Kopf.

Jeden Moment würde Nick sie küssen. Panik und Schuldgefühle überwältigten Julia. Zuletzt hatte er sie im mondbeschienenen Garten des Luxushotels in den Tropen geküsst, wo sie ihn kennen gelernt und sofort angenommen hatte, dass aus ihnen ein Liebespaar werden würde. Aber am Ende des Urlaubs hatte er erklärt, er würde Lucy lieben. Kurz darauf hatte er Lucy geheiratet. Lucy war seine Ehefrau. Und sie war eine von Julias beiden besten Freundinnen. Auf keinen Fall wollte sie diese Freundschaft verraten.

Irgendwie gelang es Julia, sich loszureißen, doch schon nach wenigen Schritten wurde sie erneut von hinten am Arm gepackt.

„Nein, Nick. Es war mir vollkommen ernst damit“, sagte sie scharf, ohne sich umzublicken.

„Wirklich? Anscheinend hat er das nicht geglaubt. Und ich glaube es auch nicht!“

„Silas!“ Bestürzt sah Julia den Mann an, der sie festhielt. „Wie …“, begann sie, aber er unterbrach sie.

„Wie viel ich gehört habe? Alles. Wie lange läuft das schon zwischen euch beiden?“

„Nichts läuft!“

Die eisblauen Augen zusammengekniffen und einen zynischen Zug um den Mund, warf Silas ihr einen ungläubigen Blick zu. Julia spürte die vertraute Mischung aus Ärger und Abneigung in sich aufsteigen.

„Es ist die Wahrheit“, betonte sie. „Ich kannte Nick schon vor Lucy, und von dieser Beziehung hat er gesprochen. Nicht, dass dich das überhaupt etwas anginge.“

„Offensichtlich glaubt er, dass du die Beziehung wieder aufnehmen willst“, sagte Silas seidenweich.

„Tja, da irrt er sich. Ich will es nicht.“

Silas sah sie zweifelnd an, was Julias Wut noch steigerte. Noch nie hatten sie sich gut verstanden. Sie ertrug ihn nur wegen ihres Großvaters, dessen Titel und Grundbesitz Silas eines Tages erben würde, da er von der männlichen Linie des jüngeren Bruders ihres Großvaters abstammte. Anstelle ihres Großvaters wäre sie nicht in der Lage gewesen, diesen amerikanischen Außenseiter ins Herz zu schließen.

„Aber du begehrst ihn.“

„Nein!“, widersprach Julia wütend. „Nick ist mit Lucy verheiratet. Und sie ist meine beste Freundin.“

„Das weiß ich. Allerdings weiß ich auch, dass du der Sache ein für alle Mal ein Ende machen würdest, wenn es dir wirklich ernst wäre.“

Langsam hatte Julia es satt. „Und was genau soll ich deiner Meinung nach tun?“, brauste sie auf.

So wie Silas die Schultern zuckte, konnten es nur sehr große, sehr muskulöse und sehr männliche Männer tun. Notgedrungen musste sie Notiz von seiner Männlichkeit nehmen, was – wie immer – eine prickelnde Erregung in ihr auslöste, die ihre Abneigung gegen ihn nur noch steigerte. Er hatte kein Recht, so verdammt sexy zu sein. Irgendwie kam es ihr völlig falsch vor, dass ein Mann, der sie so verärgerte, genau die athletische Figur hatte, die erwachsene Frauen wie hormongesteuerte Teenager reagieren ließ.

„Entweder du gibst deinen Job auf …“

„Das werde ich ganz bestimmt nicht tun“, unterbrach ihn Julia gereizt. „Jetzt, wo Carly mit Ricardo verheiratet ist und ein Baby bekommt, muss Lucy schon auf sie verzichten. Ich kann nicht auch noch gehen.“

„… oder du machst Nick Blayne unmissverständlich klar, dass du nicht zu haben bist.“

„Das habe ich ihm schon gesagt.“

„Aber er weiß doch, dass du es bist. Wenn du mit einem anderen Mann zusammen wärst …“

„Bin ich aber nicht.“

„Dann such dir einen, der so lange deinen Partner spielt, bis er aufgibt.“

„Wie bitte? Und wen, zum Beispiel?“

„Mich, zum Beispiel.“

Julia schüttelte den Kopf. „Nein. Kommt nicht in Frage! Niemals. Absolut nicht. Außerdem wissen sowieso alle, dass wir uns nicht ausstehen können.“

„Man hat schon von Paaren gehört, die feststellen, dass das, was sie für Liebe gehalten haben, in Wirklichkeit Abscheu ist. Warum soll es bei uns nicht umgekehrt sein?“

„Ich fasse es einfach nicht! Erwartest du im Ernst, dass ich eine Beziehung zu dir vortäusche?“

„Ich dachte, du willst Lucys Ehe schützen.“

„Will ich ja auch, aber nicht, indem ich mich zu deinem Opfer mache.“

„Eine sehr bacchische Metaphorik. Ich gebe allerdings zu, dass die Vorstellung, wie du dich mir hingibst …“

„Würde ich niemals tun. Nicht dir.“

„Aber Nick schon?“

„Nein!“

„Dann beweis es.“

Wütend sah Julia ihn an. „Worum geht es eigentlich, Silas? Was ist für dich dabei drin? Und was, in aller Welt, machst du hier überhaupt? Du hasst doch Partys wie diese.“

„Ich bin hier, weil du hier bist.“ Noch so ein lässiges Schulterzucken.

Unglaublicherweise sah sie im Geiste plötzlich vor sich, wie Silas sich nackt über sie beugte und diese breiten Schultern in der Morgensonne schimmerten …

Silas, nackt?

Ungesetzlich oder moralisch tabu war es zwar nicht, sich das vorzustellen, aber mit Sicherheit war sie es nicht gewohnt, in dieser Form an ihn zu denken. Vielleicht passierte einem so etwas, wenn man Mitte zwanzig war, sich sexuell überhaupt nichts mehr tat und man sein Sexleben nur auffrischte, indem man sich Wiederholungen von Sex and the City ansah.

„Oh ja, klar“, spottete sie und verdrängte schnell die vollkommen unangebrachten erotischen Gedanken.

Bevor sie ihn fragen konnte, warum er wirklich auf Mallorca war, sagte Silas kühl: „Du solltest bei dieser Hitze einen Hut tragen. Dein Gesicht glüht ja förmlich.“

Mit der Sonne hatte das allerdings nichts zu tun, wie sich Julia eingestand. Das war das Problem mit Silas. Obwohl sie ihn nicht mochte, konnte sie nicht umhin, ihn als gefährlich attraktiven und sexy Mann wahrzunehmen.

„Also, was willst du wirklich hier?“, fragte sie.

„Zum einen möchte ich, dass dein Großvater in Ruhe und Frieden leben kann und weiterhin bei guter Gesundheit bleibt. Wir wissen beide, wie sehr es ihn aufregen würde, wenn in den Zeitungen stünde, dass seine geliebte Enkeltochter in ein schmutziges Dreiecksverhältnis verwickelt ist. Und zum anderen … Sagen wir einfach, mir würde es im Moment ganz gut passen, wenn bekannt würde, dass ich eine Beziehung mit dir habe.“

Immer praktisch, vorausschauend und realistisch, war Silas zu dem Schluss gekommen, dass es nicht in seinem Interesse lag, mit Julia über Aimee DeTroite und die Schwierigkeiten zu sprechen, die sie ihm machte. Schließlich musste Julia das nicht unbedingt wissen. Und was Aimee betraf, die weiter unerwünscht und aufdringlich regen Anteil an seinem Privatleben nahm, so würde sie hoffentlich begreifen, dass sie ihre Zeit verschwendete, sobald sie von der Beziehung zwischen Julia und ihm erfuhr.

Nicht, dass es der einzige oder wichtigste Grund für das war, was er gerade tat.

„Tja, zumindest hast du nicht behauptet, mich zu begehren“, erwiderte Julia.

„Hättest du das denn gern?“

Dass er es nur behauptete oder dass er es wirklich meinte? Ihr Herz klopfte schneller. „Nur aus Spaß daran, dich zu zwingen, Farbe zu bekennen“, erwiderte sie zuckersüß.

„So, wie Nick dich gezwungen hat, Farbe zu bekennen?“, forderte Silas sie heraus.

„Es war mir vollkommen ernst mit dem, was ich ihm gesagt habe!“, brauste Julia auf.

„Dann beweis es.“

„Ich muss dir gar nichts beweisen.“

„Mir vielleicht nicht“, räumte Silas spöttisch ein. „Eher Lucy. Sie hat nämlich direkt neben mir gestanden, als Nick dich vorhin auf den Nacken geküsst hat.“

Beunruhigt sah Julia an Silas vorbei, dorthin, wo Lucy sich gerade mit Dorland Chesterfield unterhielt.

„Sie hat uns gesehen?“, fragte Julia besorgt. Sofort verdrängte die Sorge um ihre Freundin den Groll gegen Silas.

„Ja.“

Lucy, mit der sie schon ihr ganzes Leben lang befreundet war. Lucy, die sich immer bemühte, ihre Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit zu verbergen. Die am Boden zerstört wäre, sollte sie befürchten, dass ihr Mann sie mit ihrer besten Freundin betrog. Dazu darf es nicht kommen, ganz gleich, welche Opfer ich bringen muss, dachte Julia.

„Na schön, ich tue es“, sagte sie zu Silas. Es war jede Mühe wert, die Ehe ihrer Freundin zu schützen. Und ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen?

2. KAPITEL

„Ah! Da bist du ja!“

Hoffentlich war ihr nicht anzusehen, wie unbehaglich sie sich fühlte, als Silas auftauchte, ihr den Arm um die Schultern legte und sie mit rauer Stimme herzlich begrüßte. So sinnlich und intim, wie er mit ihr sprach, klangen seine Worte tatsächlich nach Liebesgeflüster.

„Hast du mich vermisst?“ Zuerst sah er ihr in die Augen, dann betrachtete er ihren Mund.

Verdammt, Silas hätte Schauspieler werden sollen. Zweifellos hätte er für seine Leistung einen Oscar bekommen. Sogar sie war darauf hereingefallen und hatte prompt körperlich auf ihn reagiert.

Und auch Lucy und Dorland Chesterfield bemerkten nicht, dass sie nur eine Schau abzogen. Beide waren viel zu erstaunt und entzückt, um irgendetwas anderes zu erkennen als das, was sie sehen sollten.

„Jules!“, quiekte Lucy. „Warum in aller Welt hast du mir nichts erzählt?“

Dorland tupfte sich das runde Gesicht mit einem Taschentuch ab und sah überglücklich aus. „Du meine Güte, was für eine herrliche Klatschgeschichte. Milliarden Dollar, ein Adelstitel und die Tatsache, dass Sie beide miteinander verwandt sind. Perfekt.“

„Nein, Dorland …“, begann Julia besorgt, doch ihr Widerspruch ging in Silas’ Worten unter.

„Wir wissen es selbst erst seit kurzem, stimmt’s?“

Julia sah ihn an. Vermutlich hatte er doch Recht gehabt mit der Hitze, denn sie fühlte sich plötzlich höchst seltsam. Ihr war schwindlig, sie fühlte sich leicht benommen, und ihr Herz flatterte. Wie schaffte Silas es nur, in dieser Situation so selbstbewusst, gelassen und stark wie immer auszusehen? Mehr noch, gerade warf er ihr einen so sinnlichen und verlangenden Blick zu, dass sie spürte, wie ihr die Farbe ins Gesicht stieg.

„Jules, du wirst ja rot!“ rief Lucy lachend.

Das Ganze war lächerlich! „Wir hatten doch abgemacht, es noch nicht bekannt zu geben.“ Julia zwang sich, in einem liebevollen Ton mit Silas zu sprechen, während sie seinen Blick nicht leidenschaftlich, sondern vorwurfsvoll erwiderte.

„Davon weiß ich ja gar nichts“, erwiderte Silas und brachte Lucy wieder zum Lachen.

„Allein, wie du Jules ansiehst, verrät alles, Silas. Du hast ihr gerade mit deinem Blick gesagt, dass du sie liebst und sie dir in dein Bett wünschst.“

„Hm … tja, es ist schon eine Weile her“, antwortete Silas schamlos.

Julia hingegen sehnte sich danach, ihm unter vier Augen zu erklären, was sie von seiner Begeisterung für seine neue Rolle hielt.

„Sie sollten Urlaub von Ihrer Stiftung machen und Zeit mit Julia verbringen“, warf Dorland ein.

Julia sah Silas triumphierend an. Denn genau das würde er keinesfalls tun. Er hatte sich in seinem eigenen Lügennetz verfangen, und das geschah ihm recht.

Zärtlich streichelte er ihr das Haar. Julia kämpfte gegen das Verlangen an, genüsslich den Kopf zurückzulehnen und mehr zu fordern.

„Genau das habe ich vor. Wo Julia hingeht, werde ich von jetzt an auch hingehen.“

Langsam geriet sie in Panik. „Das kannst du nicht machen! Ich arbeite …“

„Natürlich, aber nicht vierundzwanzig Stunden am Tag. Und wenn du nicht arbeitest …“

„Silas, nimm sie mir ja nicht vor Ende des Jahres weg“, flehte Lucy. „Wir haben so viele Aufträge, ich könnte es ohne sie nicht schaffen. Besonders jetzt nicht, da Dorland uns gebeten hat, seine große Sommerabschlussparty zu organisieren.“

„Du hast sie bis Ende des Jahres“, willigte Silas ein. „Aber, wie schon gesagt, wo Julia hingeht, gehe auch ich hin. Und ihre Freizeit gehört mir.“

„Du musst wirklich verliebt sein, Silas. Ich dachte, du hasst Partys und große gesellschaftliche Veranstaltungen.“

„Tue ich, aber ich liebe Julia mehr, als ich diese Events hasse.“

Nun hatte Julia es gründlich satt. „Darling, ich kann dich unmöglich solch ein Opfer bringen lassen. Selbstverständlich kannst du das nicht tun. Du würdest dich zu Tode langweilen, wenn du überall herumhängst und auf mich wartest. Außerdem werden wir den Rest unseres Lebens zusammen verbringen, was machen da schon einige Monate aus?“, fragte sie mit einem zuckersüßen Lächeln. Obwohl seine Augen gefährlich funkelten, würde sie auf keinen Fall klein beigeben.

„Mit dir zusammen zu sein, ist doch kein Opfer.“ Silas legte Julia den Arm um die Taille und zog sie an sich. Mit der freien Hand streichelte er ihr zärtlich die Hüfte. „Nein, mein Entschluss steht fest. Wo du hingehst, gehe ich auch hin. Es sei denn, Lucy hat etwas dagegen.“

„Natürlich habe ich nichts dagegen“, versicherte sie ihm. „Jules, du hast als Nächstes die Silverwoods auf deinem Kalender, die ihre Silberhochzeit und den achtzehnten Geburtstag ihres Sohnes am selben Abend feiern, richtig? Das wird eine große Sache.“ Sie zögerte einen Moment. „Nick meinte, du hättest durchblicken lassen, dass du dabei Unterstützung brauchst und ihn in Positano gern dabeihättest …“

„Nein! Ich meine, er braucht nicht mitzukommen.“ Sie konnte Lucy ja wohl kaum erzählen, dass sie nichts dergleichen gesagt und Nick gelogen hatte. „Nick muss mich missverstanden haben.“

„Und vergessen Sie nicht meine Sommerabschlussparty“, warf Dorland ein.

„Ja, auch die machst du, Jules. Ich übernehme die kleinen Sachen in Großbritannien. Dann hast du nach Dorlands Party nur noch die des Scheichs in Dubai.“

„In Ordnung.“ Verrieten ihre Stimme und ihr Gesichtsausdruck, wie angespannt sie war? „Es wird Zeit, das Büfett zu eröffnen, außerdem muss ich Champagner für den Trinkspruch bereitstellen und überprüfen, ob für das Feuerwerk alles an Ort und Stelle ist. Wenn ihr mich also bitte entschuldigen würdet …“ Als Julia gehen wollte, stellte sie fest, dass sie nicht wegkam. Ohne dass sie sich dessen bewusst geworden war, hatte Silas ihre Hand genommen und ließ sie nicht los. Julia warf ihm einen empörten Blick zu.

Doch Silas ignorierte das wütende Funkeln ihrer bernsteinfarbenen Augen ebenso, wie er ihr abwehrendes Kopfschütteln ignorierte, das ihr glänzendes goldbraunes Haar in Unordnung brachte.

„Würdest du bitte …“, begann sie mit zusammengebissenen Zähnen und verstummte, als Silas ihre Hand an den Mund zog und sehr langsam und sinnlich küsste. Bei dieser Berührung strömten Schock und Hitze durch ihren Körper und eine Lust, die sie niemals mit ihren wahren Empfindungen für Silas in Verbindung gebracht hätte. In diesem Moment machte Julia die Erfahrung, dass man tatsächlich weiche Knie bekommen und sexuelles Verlangen unbegreiflich und verräterisch sein konnte.

Nachdem Silas sie losgelassen hatte, war ihr so schwindlig, als hätte sie eine ganze Flasche Champagner getrunken. Tapfer versuchte sie, nicht einfach dazustehen und ihn anzustarren.

Noch immer schwärmten Dorlands Fotografen überall auf dem Grundstück herum und stöberten Prominente für die Sorte von Bildern auf, die von den Leserinnen der Zeitschrift mit so viel Leidenschaft betrachtet wurden. Ebenso sah man Legionen von PR-Leuten, Visagisten, Friseuren, persönlichen Fitnesstrainern, Ankleidefrauen aus Haute-Couture-Häusern, Astrologen – keinem Superstar, der bei klarem Verstand war, würde es einfallen, ohne seine Entourage zu reisen.

Überall wurde das weiße Pulver, die heiß geliebte „kleine Schwäche“ der Dummen und Berühmten offen herumgereicht, inzwischen konnte Julia schon nicht mehr zählen, wie oft ihr etwas angeboten worden war und sie abgelehnt hatte.

Wer gerne Promizeitschriften las, dem mochte der Lebensstil der Reichen und Schönen beneidenswert und glamourös vorkommen, aber in Wirklichkeit lauerte unter dem spannenden, aufregenden Glanz ein Abgrund, in dem die Stars von heute schnell verschwinden und vergessen werden konnten.

„Zum Glück haben sie bei Tiffany nachgegeben und Martina das Diamantcollier geliehen, an das sie ihr Herz gehängt hat“, hörte Julia den Chefredakteur gerade sagen.

„Nur dank Ihrer Hilfe“, warf sie ein, fest entschlossen, Silas nicht anzusehen.

„Ich habe ihnen erklärt, sie würden eine fantastische PR-Chance ungenutzt lassen, wenn sie es nicht tun“, rühmte sich Dorland.

„Vielleicht haben sie sich einfach Sorgen gemacht, dass sie nach dem Event auf ein Diamantcollier im Wert von mehreren Millionen Dollar verzichten müssen“, meinte Silas trocken. „Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass ein Star ein kostbares Schmuckstück ‚verliert‘, das nur geliehen ist.“

„Oh, Silas, das ist so ungezogen von Ihnen.“ Dorland schmollte theatralisch. „Wo wir schon beim Schmuck sind … Was für einen Ring wollen Sie Julia schenken? Etwas Neues? Oder ein Familienerbstück? Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie die ...

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