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Sommerstürme

Man sollte nicht an dem zweifeln, was man tut, sondern darüber nachdenken, was man will. Ohne Angst zu haben, was daraus werden könnte!

Prolog

Zehn Tage zuvor

Kira zupft ungeduldig an meinem Ärmel herum. »Aber warum darf ich denn den Hund nicht streicheln? Er sieht doch toootal lieb aus.« Sie schenkt mir das schönste Lächeln, das eine Siebenjährige mit riesiger Zahnlücke zu bieten hat.

»Weil du keine fremden Hunde anfassen sollst«, erkläre ich ihr geduldig und füge mit gesenkter Stimme hinzu: »Außerdem finde ich nicht, dass er besonders freundlich aussieht.«

»Aber ich finde schon!« Trotzig schiebt Kira die Unterlippe vor. »Und ich kenne mich viel besser mit Hunden aus als du! Tausendmal besser sogar!«

Bevor ich etwas erwidern kann, öffnet sich die Tür des Behandlungszimmers und die blonde Tierarzthelferin erscheint auf der Bildfläche. Zu meiner Erleichterung ruft sie den wirklich kein bisschen freundlich aussehenden Drahthaarterrier samt seines ebenso muffeligen Herrchen in den Behandlungsraum.

»Menno, jetzt ist er weg«, beschwert sich Kira. »Jetzt kann ich mich gar nicht mehr mit ihm anfreunden.«

»Aber hast noch alle zehn Finger, Schätzchen.« Ich grinse sie an. »Stell dir mal vor, wie Mama guckt, wenn wir nach Hause kommen, und dir fehlt die Hälfte deines Zeigefingers?«

Kira verschränkt die Arme vor der Brust. »Is’ doch egal«, brummt sie. »Hauptsache, Bonni hat keine Bauchschmerzen mehr.«

Bonni ist Kiras Hamster, wegen dem wir überhaupt hier sind und dem nun wieder Kiras ungeteilte Aufmerksamkeit gehört.

Allerdings nur einen kurzen Moment. Dann öffnet sich schwungvoll die Eingangstür der Kleintierpraxis und herein kommt ein mittelgroßer brauner Hund, der so viel Fell hat, dass man im ersten Moment gar nicht erkennen kann, wo bei ihm vorne oder hinten ist. Er hüpft wie ein strubbeliger Flummi durchs Wartezimmer, und zwar direkt auf meine kleine Schwester zu. Mit einem verzückten Schrei rutscht Kira von ihrem Stuhl auf die Knie und ich weiß, dass meine Hundevorsicht übertrieben ist, nur weil mich in ihrem Alter mal ein riesiger Rüde ins Knie gezwackt hat, aber ehe ich auch nur: Nein! Nicht anfassen, Kira!, denken kann, hält sie das Wollknäuel schon mit einem glückseligen Lächeln im Arm.

»Jack, hey, was soll das denn?«, erklingt eine männliche Stimme. Nicht besorgt oder gar schuldbewusst, sondern ziemlich amüsiert.

Ich wende mich dem mutmaßlichen Besitzer zu und will ihm deutlich zu verstehen geben, dass ich es echt nicht toll finde, dass er seinen Hund einfach so ins Wartezimmer stürmen lässt. Zumal er nun auch noch meiner Schwester begeistert quer durchs Gesicht schleckt, was Kira zum Kaputtlachen toll findet.

»Also wirklich …«, beginne ich – und verstumme abrupt.

»Hi«, sagt er und lächelt mich entschuldigend an. »Jack ist einfach nicht zu halten, wenn er Kinder sieht.«

Ich nicke nur, mehr nicht. Kein Wort. Einfach, weil …

Der gut aussehende Typ lässt sich auf einen Stuhl mir gegenüber sinken. »Er mag dich«, sagt er zu Kira.

»Jack ist sooo, sooo süß«, zwitschert meine kleine Schwester und drückt ihr Gesicht in das Hundefell.

Ich sollte sie davon abhalten. Auch wenn der Typ mir gegenüber offenbar ganz relaxt ist. Wir kennen Jack nicht. Wir kennen den Typen nicht. Wer weiß schon, was Jack alles einfällt! Kindern in die Nase zu beißen, oder so?!

Aber … aber … ich kriege einfach keinen Ton heraus. Seit Jacks Herrchen das Wartezimmer betreten hat, scheint die Luft zum Zerschneiden dick, sie flirrt über unseren Köpfen. Und ich kann diesen Typen auf keinen Fall angucken. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich gucke stattdessen angestrengt an ihm vorbei.

Und dann hebt er den Kopf und schaut mich an. Unsere Blicke treffen sich irgendwo in der Mitte des Wartezimmers. Er lächelt. Seine Augen funkeln, irgendwie herausfordernd, als hätte er mich durchschaut. Sie sind braun. Und er schaut mich so offen aus ihnen an, dass ich jetzt doch am liebsten etwas sagen würde. Aber ich kann nicht. Mir wird heiß, mir wird kalt, mir wird heiß-kalt.

Ein Gefühl überkommt mich, als würde es nichts anderes mehr geben. Als wäre die Welt für einen Moment stehen geblieben, hätte aufgehört, sich zu drehen. Alles ist zur Ruhe gekommen, nur damit dieser Blick und dieses Lächeln mich bis in mein Herz und bis auf den tiefsten Grund meiner Seele hinein berührt.

Und ich weiß nur, dass plötzlich alles ganz anders ist.

1

Jana zieht sich immer auf dem Weg zur Schule an. Oder anders: Sie verwandelt sich, bevor wir die Schule erreichen. Von der unauffälligen 17-Jährigen, die in dem locker fallenden hellgrauen T-Shirt, der Jeans und den Sneakers als nettes Mädchen von nebenan durchgeht, in eines der auffälligsten It-Girls des Kranich-Gymnasiums.

Heute zum Beispiel trägt sie ein hellblaues Tanktop, das genauso kurz und eng ist wie der Pencil-Skirt, dazu trendige Riemchensandalen mit Keilabsatz, die so hoch sind, dass mir allein vom Anblick schwindelig wird.

Jana praktiziert das schon fast so lange, wie wir zusammen zur Schule gehen, also seit der sechsten Klasse. Da wir Nachbarinnen sind, teilten wir seitdem nicht nur den Schulweg – sondern auch Janas großes Geheimnis. Wegen ihrer Pastoreneltern, die garantiert alles andere als happy wären, wenn sie ihrer Tochter zufällig so über den Weg laufen würden. Wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob sie sie überhaupt erkennen würden. Nach der klamottenmäßigen Verwandlung folgen nämlich Haare und Make-up. Der Unterschied ist so krass, das selbst ich, die das Schauspiel ja nun Tag für Tag live miterlebt, immer wieder erstaunt bin.

»Wie lange willst du das eigentlich noch so machen?«, frage ich sie.

»So lange, wie ich muss«, erwidert Jana, während sie Lippenstift aufträgt. »Wenn ich 18 bin, schlüpfe ich aus meinem Kokon, breite die Arme zur Seite aus und rufe: Voilà, Mama, Papa, das bin übrigens ich, Jana. Also, die echte Jana.«

»Hauptsache, du bist danach nicht Vollwaise«, erwidere ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Janas Sinn für Theatralik ist legendär. »Könnte nämlich gut sein, dass deine Eltern synchron der Schlag trifft.«

Jana lacht. »Die doch nicht. Nee, da mache ich mir echt keine Sorgen. Zumal sie doch ’nen direkten Draht zum lieben Gott haben und garantiert mit dem da oben ein langes und missionsreiches Leben auf Erden vereinbart haben.«

Ich steige in ihr Lachen ein. Natürlich ist es echt heftig, wie Jana über ihre Eltern redet. Aber ich möchte wirklich nicht in ihrer Haut stecken. Janas Vater ist Pastor. Das an sich wäre ja eigentlich kein Problem, denn heutzutage sind Pastoren in der Regel ganz normale Menschen. Doch Janas Vater scheint leider irgendwie in der Zeit stecken geblieben zu sein. Irgendwo im vorletzten Jahrhundert, als eine Frau ihrem Mann noch artig zu Diensten sein musste und weder eine eigene Meinung haben noch eigenes Geld verdienen durfte. Dementsprechend angepasst ist Janas Mutter, die all ihre erzieherische Energie darauf verwendet, aus ihrer Tochter ein jüngeres, biederes Abbild ihrer selbst zu formen.

Na ja, sie verschwendet ihre Energie darauf, das trifft es eher, denn Jana ist das komplette Gegenteil ihrer Mutter.

Janas Eltern sind wirklich megaanstrengend, was letztendlich auch der Grund dafür ist, dass sich zwischen uns in all den Jahren keine richtige Freundschaft entwickeln konnte. Auch wenn Jana es nie offen ausgesprochen hat, so weiß ich doch, dass ihre Eltern mich nicht besonders mögen. Keine Ahnung, warum – vielleicht, weil meine Familie und ich keine Kirchengänger sind.

Seite an Seite betreten wir die Schule. Während Jana sich direkt aufs Mädchenklo verzieht, um ihren Kajalstrich vorm großen Spiegel zu perfektionieren, schlendere ich rüber zur Infotafel, wo ich Pauli und Lea sehe.

Doch weit komme ich nicht. Eine Hand legt sich von hinten auf meine Schulter, und als ich mich umdrehe, blicke ich direkt in Simons strahlend blaue Augen.

Er küsst mich flüchtig auf den Mund, um mir anschließend fast ein wenig vorwurfsvoll mitzuteilen: »Ich hab dich gestern Abend ziemlich vermisst, Süße. Nicht dass diese Sache mit den Mädelsabenden zur Gewohnheit wird.« Simon wackelt mit den Augenbrauen und lässt mir keine Chance, darauf etwas zu erwidern. Denn schon hat er mich rüber zum Schulkiosk gezogen, der jetzt noch geschlossen ist, um seinem flüchtigen Kuss einen wesentlich intensiveren folgen zu lassen.

»Simon, bitte nicht hierömppf…«

Doch Simon ist anderer Meinung, was das Küssen vor acht Uhr morgens und in aller Öffentlichkeit angeht, und legt sich noch mehr ins Zeug. Seine Zungenspitze bahnt sich ihren Weg zu meiner, während seine Hände über meinen Nacken den Rücken hinuntergleiten.

Küssen kann Simon, das muss man ihm lassen. Und zwar mit vollem Körpereinsatz. Nur finde ich, ist dies weder der geeignete Zeitpunkt noch der Ort, an dem ich leidenschaftlich mit meinem Freund herumknutschen möchte.

Also klopfte ihm erst sacht, dann aber etwas nachdrücklicher auf die Schultern. »Hör aufgrumpf…«

Endlich scheint er es zu kapieren und gibt meinen Mund frei.

Atemlos schnappe ich nach Luft. »Simon, jetzt lass das doch …«

Er mimt den Unschuldigen. »Hey, darf ich meine Freundin etwa nicht küssen?«

Ich schüttele den Kopf. Dann nicke ich. »Natürlich darfst du das. Aber nicht so und schon gar nicht hier.«

Er grinst mich herausfordernd an. »Wie, so?« Schon hat er die Hand erneut nach mir ausgestreckt. »Was ist denn an so verkehrt, Süße?« Er kommt mit seinem Gesicht ganz nah an meins. Doch bevor sich seine Lippen erneut auf meine legen, erklingt Janas Stimme neben uns.

»Habt ihr kein Zuhause oder warum müsst ihr euch mal wieder in aller Öffentlichkeit abknutschen?«

Für einen Moment ist Simon abgelenkt. Ich nutze ihn, um auf Abstand zu ihm zu gehen und mich flugs bei Jana unterzuhaken. »Wir sehen uns später, Simon«, erkläre ich und ziehe Jana fast schon im Laufschritt mit mir durch die Halle rüber zum Treppenhaus, wo ich immer zwei Stufen auf einmal nehmend in die erste Etage hetze.

»Kann es sein, dass du gerade vor deinem Freund geflüchtet bist?«, fragt mich Jana, als wir kurz darauf vor Raum 12 stehen, in dem gleich unser Französischkurs stattfinden wird.

Ich schüttele den Kopf. »Blödsinn!« So eng bin ich mit Jana nicht, als dass Simon und ich sie etwas angingen.

Jana zuckt mit den Achseln. »Kam mir nur so vor. Simon auch. Der hat ganz schön blöd aus der Wäsche geguckt, als du eben so durchgestartet bist.«

Ich hole tief Luft. »Sah es wirklich nach Flucht aus?« Meine Stimme ist eher ein Flüstern.

Prompt legt sich Janas Stirn in Falten. »Oha«, macht sie. »Das klingt jetzt irgendwie nach Sturm im Paradies. Was ist los? Habt ihr Stress?«

Abwehrend hebe ich die Hände und bin froh, als sich die Tür öffnet und Claas und Luca aus dem Raum schlendern.

»Wo wollt ihr hin?«, fragt Jana.

»Der Gruber ist krank. Franze-LK fällt aus«, erklärt Claas knapp.

»Hä?«, wundert sich Jana. »Steht das an der Infotafel?«

Claas hebt die Schultern. »Kein Plan. Hat Pauli gerade gemeint.« Damit eilen die beiden den Gang hinunter. Nach einigen Schritten dreht sich Luca noch einmal zu uns um und ruft: »Wir gehen rüber zu Davus. Kommt ihr mit?«

Jana guckt mich fragend an. »Wollen wir?«

Unentschlossen hebe ich die Schultern. »Weiß nicht.«

»Eventuell kommen wir nach«, entscheidet Jana. Dann legt sie mir die Hand auf den Unterarm und sagt: »Dir ist wohl mehr danach, in Ruhe zu quatschen. Oder irre ich mich? Also ich kann gut zuhören. Echt!«

»Worüber … ich meine, wie kommst du darauf?« Ich sehe sie fragend an. Janas Kajalstrich umrahmt ihr Auge so dick wie mit Edding gemalt, stelle ich dabei fest, aber anscheinend gefällt es ihr so.

»Du kannst vielleicht Simon etwas vormachen, Kim«, meint sie. »Aber bestimmt keinem Mädel, das Augen im Kopf hat.« Sie klimpert mit den Wimpern, die aussehen wie Fliegenbeine.

Keine zehn Minuten später sitzen wir ganz hinten bei dem Klettergerüst auf einer der drei braunen Bänke. Hier toben normalerweise nur die Kleinen in den Pausen auf dem Klettergerüst herum und das Beste ist, erklärt mir Jana, hier schaut auch kein Lehrer vorbei, sodass sie hier in den Pausen ungestört rauchen kann. Typisch Jana, denke ich: Wenn schon bad girl, dann richtig. Und damit sind wir beide so grundverschieden, dass es mich fast wundert, als Jana meine linke Hand umfasst und mir prüfend in die Augen blickt, als wären wir viel vertrauter als Schulweg-Partnerinnen und Nachbarinnen.

»Haben sich die Schmetterlinge etwa ausgeflattert? Ist bei der größten Lovestory, die das Kranich-Gymnasium je erleben durfte, langsam die Luft raus?« Sie schaut mich von unten her an.

Ruckartig entziehe ich ihr meine Hand und schüttele den Kopf. »Quatsch! Bestimmt nicht. Ich bin nach wie vor glücklich mit Simon … absolut …«

»… aber?«, bohrt sie nach.

Erneut schüttele ich den Kopf. Diesmal nicht so vehement. »Kein Aber«, behaupte ich.

Jana lacht auf. »Kim, Geheimnisse? Die rieche ich auf drei Meilen gegen den Wind! Ich hab das schon ’ne ganze Weile im Blick.« Sie nickt nachdenklich. »Und eben? Da bist du deutlich, sehr, sehr deutlich zu Simon auf Abstand gegangen.«

Ich atme tief durch und sehe ein, dass es sinnlos ist, Jana wird eh keine Ruhe geben. Wenn ihre Neugierde erst einmal geweckt ist, kann sie ziemlich hartnäckig sein. Ein tiefer Seufzer noch, dann erkläre ich leise: »Es ist wirklich nicht so, dass ich Simon nicht mehr … liebe.«

Jana fällt mir ins Wort. »Okay, aber du merkst hoffentlich selbst, wie schwer dir gerade das Wort liebe über die Lippen gekommen ist, oder?«

So klipp und klar, wie sie es formuliert, klingt es falsch. Ich winke ab und versuche mich an einer Erklärung, die sich richtig anfühlt für die widersprüchlichen Gefühle in mir. »Nein! Jana, jetzt übertreibst du. Ich glaube schon, dass ich Simon noch gernhabe. Aber ich mag es einfach nicht, dass er mich immer so für sich in Beschlag nimmt. Er entscheidet alles für uns. Angefangen vom Film, den wir uns im Kino ansehen, bis hin zu meinem Berufsweg. Und bin ich nicht seiner Meinung, dann ist er gleich bockig oder er setzt mich irgendwie unter Druck.« Ich halte kurz inne, um erneut zu seufzen. »Aber noch … na ja, schlimmer ist Simons Planerei. Sie … sie macht mir irgendwie Angst. Wir sind 18, okay, er fast 19, aber trotzdem können wir doch nicht schon unser ganzes Leben durchplanen! Studieren, wann heiraten, wie viele Kinder, wo wir wohnen, welches Auto …« Jana sieht mich abwartend an, als ich innehalte. »Wenn ich Simon nicht hin und wieder ausbremse, dann bestellt er schon die Stiefmütterchen, die wir später in unseren Vorgarten pflanzen.« Ich lache auf. Es soll belustigt klingen, aber es fällt bitter aus. Und ja, auch ein wenig verzweifelt. »Wir sind doch noch viel zu jung, um jetzt schon so weit im Voraus zu planen! Oder? Wer weiß schon, was noch so alles passiert …«

»Das ist krass«, findet Jana. »Der spinnt, der Gute! Und zwar ganz gewaltig!«

Automatisch nehme ich Simon in Schutz. »Er meint es ja nicht böse. Bestimmt nicht. Außerdem macht Simon alles für mich.«

»Ja, ja«, fährt Jana fort und verzieht ihren Mund. »Und dann sieht er dazu auch noch so oberaffengeil aus und hat rein zufällig stinkendreiche Eltern. Wenn man euch so zusammen sieht, dann denkt man, da hat sich doch ganz logisch das zusammengefunden, was zusammen sein muss. Welcome Mister Dreamtyp und sein Dreamgirl.«

Getroffen von ihrem so offen zur Schau getragenen Spott rücke ich ein Stück von ihr ab. War es ein Fehler, mich ihr anzuvertrauen? »Was soll das? Machst du mir etwa Vorwürfe, dass ich mich nur in Simons Geld verknallt habe?«

Jana hebt die linke Schulter. »Es klingt halt so, als hättest du vor lauter paradiesischen Zuständen die Bodenhaftung verloren …«

»Jana? Geht’s noch?!«, blaffe ich sie an. »Willst du mir unterstellen, ich meckere auf hohem Niveau?« Ich mache Anstalten, mich von der Bank zu erheben.

Doch Jana hält mich am Unterarm fest. Sie sieht richtig geknickt aus. »Sorry, Kim, echt, das wollte ich gar nicht sagen. Ich weiß auch nicht, warum ich dich gerade so angegiftet habe.« Sie hebt die Hände, lässt sie wieder fallen und räumt schließlich ein: »Vielleicht bin ich nur neidisch. Ihr seid toll zusammen, finde ich. Zumindest von außen betrachtet. Und ich … na ja, du weißt ja, wie meine Eltern drauf sind. Es ist einfach so, dass du alles hast, was ich nicht tun und haben darf.« Sie schaut mich flehend an. »Ist echt scheiße von mir, sorry, ich weiß. Nimm’s mir bitte nicht übel, Kim.«

Ich sinke langsam auf die Bank zurück. Jana atmet auf. Dann schüttelt sie den Kopf. »Ich fasse es nicht. Da fordere ich dich auf, mit mir über deine Probleme zu quatschen, und was mache ich: Ich heule dir die Ohren mit meinem Scheiß voll.«

»Kein Problem«, sage ich und zucke mit den Schultern. »Du hast es ja auch echt nicht leicht. Ich halte alles, was ich habe, vielleicht wirklich für zu selbstverständlich. Da hast du ja irgendwie recht«, lenke ich ein. »Ich denke, es ist an der Zeit, Simon das einfach mal klipp und klar zu sagen und nicht im Stillen rumzuheulen. Schließlich ist er ja alles andere als schwer von Begriff.« Ich gebe mir Mühe, meine Stimme heiter und zuversichtlich klingen zu lassen. Jana hat schon Kummer genug. Zumindest bis sie achtzehn Jahre alt ist – aber wer weiß schon, was dann kommt? Ob sie sie machen lassen? Oder rausschmeißen?

Wenn ich darüber nachdenke, dann sind meine Probleme mit Simon absolute Peanuts im Vergleich zu Janas ständigem Stress mit ihren Eltern.

Kaum zu Ende gedacht, läutet es zur Pause und Jana und ich müssen uns vor den heranstürmenden Fünftklässlern in Sicherheit bringen. Sie erobern das Klettergerüst – eine wehmütige Erinnerung an die Schulzeit flackert in mir auf, an die echte Kindheit, die für mich irgendwie langsam, aber sicher zu Ende geht.

2

Als ich die kleine Holztür zum Vorgarten aufschiebe, jätet meine Mutter gerade Unkraut. Das Knarren der Pforte lässt sie aufblicken.

»Oh, hallo, Kim.« Sie streicht sich mit dem Handrücken eine braune Haarsträhne aus dem verschwitzten Gesicht. Dann sieht sie sich suchend um. »Wo ist denn Simon? Hat er dich heute gar nicht mit dem Auto gebracht?«

Ich zucke mit den Schultern. »Sieht ganz so aus.«

»Was soll das heißen?«, fragt sie stirnrunzelnd zurück.

»Dass er etwas Besseres vorhat«, sage ich achselzuckend, was allerdings eine glatte Lüge ist. Doch wie meine Mutter mich schon wieder löchert! Wie jeder zu meinen scheint, dass ich ohne Simon keinen Schritt mehr machen kann! Als wären wir siamesische Zwillinge. Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren.

Ohne einen weiteren Kommentar will ich an ihr vorbei zur Haustür gehen, doch sie hält mich am Arm fest. »Ist etwas passiert, Kim? Habt ihr euch gestritten?«

»Nein, Mama, haben wir nicht. Bist du jetzt zufrieden?«

Sie mustert mich perplex und fährt dann mit sanfter Stimme fort: »Sag mal, Kim, was ist denn los? Warum bist du denn so gereizt? Du kommst mir schon seit einiger Zeit irgendwie verändert vor.«

Mit einem weiteren Schulterzucken schüttele ich ihre Hand ab und verschwinde im Haus, bevor sie mich mit noch mehr Fragen bombardieren kann.

Tief durchatmend lasse ich meine Tasche neben den Garderobenschrank sinken und marschiere in die Küche. Dort nehme ich mir einen Apfel aus der Obstschale und beiße hinein. Doch ich stelle sofort fest, dass er mir nicht schmeckt, und werfe ihn in den Abfalleimer, bevor ich hinauf in mein Zimmer laufe.

Mein Handy klingelt. Der Anrufer wird mir auf dem Display als Unbekannt angezeigt. In den letzten neun Tagen hat er immer wieder versucht, mich zu erreichen, dieser Unbekannte, der in Wahrheit kein Unbekannter für mich ist. Einen Moment lang betrachte ich das Handy, ringe mit mir, möchte einerseits wirklich gerne drangehen und weiß doch, dass es nicht richtig wäre – und das verdammt noch mal nicht fair ist!

Irgendwann verstummt der Klingelton. Ich halte das Telefon noch immer in der Hand, starre auf das Display, mein Herz ist ganz schwer, mein Magen flau. Schließlich lege ich es auf meinen Schreibtisch. Einen Moment lang bleibe ich unentschlossen mitten im Zimmer stehen, dann nehme ich mein Handy erneut in die Hand, um endlich auf Simons WhatsApp-Nachrichten zu antworten.

Muss fürs Vorabi lernen. Komme aber später zu dir. Ein Kussmund-Smiley und dann ein tiefes Seufzen. Wann habe ich mir eigentlich dieses ständige Seufzen angewöhnt? Das ist ja schrecklich – wie so eine alte Oma oder, nein, wie Janas Mutter. OMG!

Da klingelt es erneut. Doch diesmal ist es nicht der unbekannte Anrufer, sondern Simon und ich spüre Ärger in mir aufsteigen. Ich habe ihm doch geschrieben, dass ich lernen muss! Warum kann er sich nicht einfach mal damit zufriedengeben?

»Hey, meine Süße, wo bist du denn nach der Schule so plötzlich abgeblieben? Ich habe mir Sorgen gemacht!«

»Musst du aber nicht!« Meine Stimme klingt schroffer, als ich es beabsichtigt habe. Ich weiß ja selbst nicht, welche Laus mir über die Leber gelaufen ist … und das tut mir leid. Er macht alles für mich – und genau das fühlt sich zu viel an. Ich seufze. Schon wieder. Aber wie soll ich Simon erklären, dass ich ja wohl alt genug bin, um auch mal alleine den Weg vom Gymnasium zurück nach Hause zu finden – ohne ihn zu verletzen?

»Auweia.« Simon schnalzt mit der Zunge. »Habe ich irgendetwas angestellt?« Er hört sich schuldbewusst an und plötzlich komme ich mir albern vor. Und auch irgendwie mies. Mein Herumgezicke ist total übertrieben.

Was soll das Theater? Warum empfinde ich es plötzlich als Bevormundung, nur weil mein Freund mich wie seit knapp einem Jahr nach der Schule nach Hause fährt?

»Es tut mir leid«, räume ich schließlich kleinlaut ein. »Ich weiß auch nicht … ich wollte dich gar nicht so doof anmachen, wirklich nicht.«

Simon lacht leise ins Telefon und gurrt dann: »Hm, Süße, gegen anmachen hab ich gar nichts einzuwenden.«

»Du bist unmöglich«, erwidere ich und muss unwillkürlich lachen. Simon schafft es immer, mich zum Lachen zu bringen. Das mag ich so an ihm. Egal wie mies ich drauf bin, zwei, drei Sätze von ihm und schon weiß ich gar nicht mehr, warum ich eigentlich wütend war.

»Deshalb liebst du mich ja auch so.«

»Stimmt!«, erwidere ich und ja, irgendwie hat er recht. Und dass er nun mal meint, schon unser ganzes Leben durchplanen zu müssen, ist ja auch irgendwie total süß von ihm, richtig romantisch sogar. Simon kann sich eben vorstellen, den Rest seines Lebens mit mir zu verbringen, und das ist im Grunde genommen die schönste Liebeserklärung, die es gibt.

»Alles wieder gut?«, fragt er leise.

»Ja.«

»Zum Glück.« Er klingt erleichtert und ich schäme mich, weil ich so verunsichert bin, so in Gedanken nicht bei ihm, sondern bei … Schluss jetzt damit!, befehle ich mir selbst.

»Ich hab’s mir gerade anders überlegt«, verkünde ich entschlossen. »Lernen kann ich auch noch später. Ich komme zu dir. Passt es dir in einer halben Stunde?«

»Ich freue mich. Aber soll ich dich nicht abholen?«

»Nein. Ein paar Schritte zu Fuß tun mir ganz gut«, entgegne ich.

»Okay«, gibt er zögerlich nach. »Dann bis gleich, und wenn du es dir noch anders überlegst, ich bin …«

»Bis gleich«, sage ich schnell und lege einfach auf.

***

Als ich eine halbe Stunde später in Simons lächelndes Gesicht schaue, überkommt mich das schlechte Gewissen wie eine Flutwelle. Er zieht mich überschwänglich in seine Arme und küsst mich auf den Mund, als hätten wir uns tage-, nein wochenlang nicht gesehen. Dann aber hält er mich ein wenig auf Abstand und mustert mich nachdenklich. »Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich dir manchmal ziemlich auf den Geist gehe. Stimmt’s?«

»Ein wenig«, entschließe ich mich, halbwegs ehrlich zu ihm zu sein, und löse mich seufzend aus seiner Umarmung. »Ich finde nur, es muss doch auch mal möglich sein, dass wir getrennt voneinander etwas unternehmen. Manchmal habe ich einfach auch mal Lust, einen Abend mit meinen Mädels zu verbringen.«

Simon streckt seine Hand nach mir aus und streicht mir mit einer unendlich zärtlichen Geste eine lange braune Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus meinem Pferdeschwanz gelöst hat. »Ich weiß, Kim, ich weiß. Ich hab es mal wieder ein bisschen übertrieben mit meiner Eifersucht und …«

»Eifersucht?«, falle ich ihm erschrocken ins Wort. Ahnt er etwas? »Aber warum denn das?«

Simon grinst mich schief an. »Wegen gestern Abend. Im Allgemeinen bin ich auf jeden eifersüchtig, der Zeit mit dir verbringt, die eigentlich ich mit dir verbringen möchte. Aber keine Angst, zukünftig reiße ich mich zusammen und führe mich nicht wie ein kompletter Vollidiot auf, wenn du dich mit anderen triffst … also mit weiblichen. Keine anderen Typen oder so.«

Ich atme erleichtert auf und verwuschele ihm dann sein perfekt gestyltes Haar. »Wenn Jana und Pauli wüssten, dass du eifersüchtig auf sie bist.« Ich grinse. »Die würden dich so dermaßen damit aufziehen!«

Er beißt sich auf die Unterlippe und schaut mich süß von unten her an.

Dann füge ich hinzu: »Nur zur Info: Du spinnst, mein Lieber. Aber gut, dass du es jetzt wenigstens einsiehst.« Ich strecke den Arm aus, um ihm noch mehr die Frisur zu zerstören, da packt er meinen Arm.

»Hey, du nennst mich einen Spinner, na warte, meine Rache wird grausam über dich kommen!«

Simon umfasst blitzschnell meine Taille und lässt seine Finger auf Wanderschaft gehen. Da ich unglaublich kitzelig bin, kriege ich vor lauter Kichern und Kreischen bald keine Luft mehr und bin Simons Händen an meinem Bauch und dann seinen Lippen an meinem Hals hilflos ausgeliefert. Ich will ihn wegschubsen, aber Simon lacht nur und ich steige schließlich in sein Lachen ein. Vor lauter Grübelei hatte ich schon fast vergessen, wie viel Spaß ich immer mit Simon habe.

»Wie die kleinen Kinder«, findet er, als er von mir ablässt, und dem habe ich nichts hinzuzufügen. Nur, dass ich ihn an mich ziehe, die Arme um seinen Nacken lege und ihm einen langen Kuss gebe.

Danach verändert sich sein Gesichtsausdruck. Er beugt sich leicht zu mir vor, wickelt eine meiner Haarsträhnen um den Finger und raunt mir mit vielsagendem Blick zu: »Wie soll ich Ihre Zeichen deuten, Mylady? Hat Ihnen meine grausame Rache etwa gefallen?«

Ich weiche einen Schritt von ihm zurück. »Aber Mylord, wie kommen Sie denn darauf?«, erkläre ich mit gespielter Empörung, aber gleichzeitig hoffe ich, dass seine Mutter nicht plötzlich auftaucht. Meine roten Wangen und Simons verstrubbelte Haare sprechen wahrscheinlich Bände. Und wir stehen schließlich noch immer in der imposanten Eingangshalle der Villa seiner Eltern herum.

Als hätte Simon meine Gedanken gelesen, ruft er: »Darf ich Ihnen meine persönlichen Gemächer zeigen, Mylady?« Damit stürmt er ganz und gar nicht Mylord-mäßig an mir vorbei, sprintet die breite Marmortreppe hinauf in die erste Etage und ruft mir von oben zu: »Ich warte auf Sie in meinem Zimmer!«

Kopfschüttelnd folge ich ihm. Als ich kurz darauf den Raum betrete, liegt er schon ausgestreckt auf seinem Bett und grinst mir entgegen. »Mylady, schmeißen Sie sich an meine breite Brust!«

Ich zeige ihm einen Vogel. »Simon, du hast eindeutig ’nen Knall!«

Er verzieht die Augen zu schmalen Schlitzen und macht einen albernen Schmollmund, während er mit der Hand auf die Tagesdecke neben sich klopft.

In Erinnerung daran, dass seine Mutter schon zwei Mal schlechtes Timing bewiesen hat, während Simon und ich in seinem Zimmer rumgemacht hatten, gebe ich zaghaft zu bedenken: »Deine Mutter ist doch bestimmt irgendwo im Haus und …«

»Auweia!«, fällt mir Simon ins Wort und schlägt sich übertrieben theatralisch die Hand auf den Mund. »Wenn sie mitbekommt, wie die Freundin ihres einzigen Sohnes ihren kleinen Liebling verführt, ich schätze, dann trifft sie glatt der Schlag. Davon erholt sie sich bestimmt nie mehr.«

»Spinner!«, sage ich und lasse mich neben ihm aufs Bett sinken.

»Deshalb passe ich ja so perfekt zu dir«, raunt Simon mir ins Ohr, bevor er anfängt, daran herumzuknabbern, und dann flüstert: »Ich liebe dich, Süße.«

Ich kann nichts erwidern, weil Simons Lippen inzwischen zu meinen gewandert sind und mich daran hindern zu sprechen. Anders als heute in der Schule lasse ich den Kuss geschehen. Simon ist witzig, ich mag, wie er mich zum Lachen bringt. Und er ist mein Freund und so soll es auch bleiben. Dass ich seit Neuestem an jemand anderen denken muss, hat nur damit zu tun, dass Simon mich manchmal mit seiner Eifersucht und Bevormundung erdrückt. Aber er hat ja versprochen, an sich zu arbeiten, und dann wird bestimmt alles gut.

Etwas später liegen wir zusammengekuschelt nebeneinander und ich betrachte Simon von der Seite. Meine Gedanken haben sich erneut woandershin verirrt, nämlich zu Jana, die mir auf der Bank bei den Klettergerüsten noch gesteckt hat, dass ihre Eltern sie nicht mit zur Surffreizeit lassen wollen. Es ist echt unfassbar, wie die drauf sind.

»Was ist?«, fragt mich Simon. »Du bist so still.«

»Ach.« Ich schüttele den Kopf. »Ich habe nur gerade an Jana gedacht.«

Simon dreht sich auf die Seite und stützt seinen Kopf auf dem Ellbogen ab. »Du denkst also an Jana, während wir in meinem Zimmer alleine sind? Das riecht nach Rache …« Er will sich auf mich stürzen, doch ich rolle mich blitzschnell zur Seite.

»Nein, Simon, jetzt lass das mal. Ich mache mir wirklich ihretwegen Gedanken …«

Er verharrt in der Bewegung. »Ist es mal wieder wegen ihren Eltern?«

»Ja!« Ich hole tief Luft. »Die haben echt den Schuss nicht mehr gehört, Pfarrer hin oder her. Die setzen sie total unter Druck. Das färbt voll auf Jana ab, denn heute Morgen war sie richtig ätzend zu mir, fast schon gehässig. So kenne ich sie gar nicht.«

Simon verzieht den Mund. »Inwiefern?«

Ich winke ab, als ich merke, dass ich mich verplappert habe. Ich will Simon auf keinen Fall auf die Nase binden, dass ich mich bei Jana über ihn ausgeheult habe. Gerade jetzt, wo alles wieder okay ist bei uns. »Ach, ist egal. Auf jeden Fall haben sie ihr verboten, nächste Woche mit nach Sylt in die Surffreizeit zu kommen.«

Simon setzt sich im Bett auf. »Echt? Dazu ist es doch jetzt wohl eindeutig zu spät. Montag geht’s los. So kurzfristig können die doch keinen Rückzieher mehr machen.«

Ich zucke mit den Schultern. »Ich weiß es auch nicht so genau. Bin ja nicht so dicke mit ihr«, winke ich ab. Doch nach einer kurzen Pause füge ich hinzu: »Ich finde es nur einfach krass, was für einen verrückten Plan sie geschmiedet hat, um mit nach Sylt kommen zu können, und wie ihre Eltern ihr dann doch wieder alles versaut haben. Als hätten sie ’nen siebten Sinn dafür, wenn Jana sie hinters Licht führen will.«

»Plan?«

Erneut zucke ich mit den Schultern. »Wenn ich ihr morgendliches Gerede richtig verstanden habe, dann hat sie sich zur Surffreizeit angemeldet, sogar das Geld dafür aus eigener Tasche bezahlt, aber ihren Eltern kein Wort davon gesagt.«

»Wie bescheuert ist das denn?« Simon schüttelt verständnislos den Kopf. »Und wann wollte sie es ihnen sagen? Beim Kofferpacken? Kurz bevor der Bus Richtung Sylt abfährt?«

Ich richte mich ebenfalls auf und fahre mir mit der Hand durch die Haare, schüttele sie aus und binde meinen Pferdeschwanz neu. »Keine Ahnung. Ich sag ja, sie hat es mir nebenbei auf dem Schulweg gesteckt. Ihre Eltern denken wohl, dass sie im Tischtennis-Kurs ist und die Fahrt irgendwo ins Sauerland in ein biederes Sportlandschulheim geht.«

Simon nickt. »Tja, und jetzt haben sie mitgekriegt, dass ihr braves Töchterchen auf dem Surfbrett die Sylter Küste unsicher machen will. Samt anwesender Surfertypen, versteht sich.«

»So muss es wohl gewesen sein. Aber so richtig habe ich nicht kapiert, wie Janas Eltern nun hinter ihren Plan gekommen sind. Auch wenn Jana irre anstrengend sein kann und mich manchmal etwas nervt, aber ihre Eltern sind schon krass drauf und verbieten ihr wirklich alles, was Spaß macht und meiner Meinung nach auch völlig okay ist. Ich meine, was bitte schön ist schlimm daran, nach Sylt in die Surffreizeit zu fahren?« Verständnislos schüttele ich den Kopf. »Ich muss da immer wieder dran denken. Wie bescheuert ihre Eltern sind und … na ja, auf jeden Fall tut mir Jana wirklich leid. Total!«

Simon beugt sich vor, gibt mir einen schnellen Kuss auf den Mund und springt dann aus dem Bett.

»Ich hab eine Idee! Lass uns doch Jana mal anrufen und überlegen, ob uns vielleicht gemeinsam eine Lösung einfällt.«

Ich bin baff. »Simon …« Ich wundere mich wirklich, dass er sich so für Janas Probleme interessiert. Außerdem bin ich bestimmt die Letzte, von denen Janas Eltern sich in irgendeiner Weise beschwatzen lassen würden. Ich schnappe nach Luft, um Simon das auch so zu sagen. Doch dazu kommt es nicht. Es klopft an Simons Tür und im nächsten Moment steht seine Mutter im Zimmer.

»Oh, Entschuldigung, ihr zwei. Ich konnte ja nicht ahnen, dass du auch hier bist … Hallo, Kim«

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