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So wird man Rockstar und Millionär

Ebenfalls von Gene Simmons erschienen:

Die Geschichte von KISS: Unsere Anfangsjahre

(mit Ken Sharp und Paul Stanley)

KISS Kompendium

(mit Paul Stanley)

Ladies of the Night: A Historical and Personal Perspective on the Oldest Profession in the World

Sex Money KISS

KISS: Behind the Mask

KISS: The Early Years

(mit Paul Stanley)

Widmung

Gewidmet meiner Mutter, die mich den Wert jedes Pennies zu schätzen lehrte.

Meiner Familie Shannon, Soph & Nick, die mir die wichtigsten Aspekte des Lebens vermittelten.

Den USA, die einem kleinen Einwanderersohn all die Möglichkeiten eröffneten, die sie auch den im Lande geborenen Söhnen und Töchtern bieten.

Inhalt

Vorwort von John Varvatos

Einleitung

Teil I: ICH

1

Ein junger Unternehmer

2

Ankunft in den USA

3

Die Entdeckung des Fernsehens und der amerikanischen Kultur

4

Die Entdeckung von „Junior Achievement“ und das kapitalistische Geschäftsmodell

5

Meine ersten Jobs und ihr Einfluss auf mich als Unternehmer

6

Wer bin ich?

7

KISS

8

Entwicklung von Marken und das Musikbusiness

9

Ich bin ein Unternehmer

10

Gene Simmons Family Jewels

11

Philanthropie: etwas zurückgeben

Teil II: DU

12

Wer bist du?

13

Du – das individuelle Me, Inc.-Geschäftsmodell

14

Vorbilder

15

Urlaub, Freizeit und andere Zeitverschwendungen

16

Prioritäten: Praktiziere, was du predigst

17

Single oder verheiratet? Karriere oder Familie?

18

Brillant-verrückte Ideen: der Entwurf des geeigneten Business-Modells

19

Die Bedeutung dessen, dich selbst zu verkaufen und deine Geschichte zu erzählen

20

Sprich Englisch

21

Weibliche Unternehmer

22

Unternehmer-Kids

23

Versagen: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker

24

Investitionen

25

Zusammenfassung

Danksagungen

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Ich wuchs in einem Vorort von Detroit auf. Meine Eltern und wir fünf Kinder bewohnten einen etwas über 90 Quadratmeter großen Bungalow mit drei Schlafzimmern und einem kleinen Badezimmer. In dieser bescheidenen Umgebung erkannte ich die Bedeutung der Familie. Ich lernte darüber hinaus auch den Wert der Unabhängigkeit zu schätzen und die harte Arbeit kennen, die nötig ist, um sie zu erlangen.

Ich trug Zeitungen aus, reinigte Swimmingpools, mähte Rasen und betankte Autos – machte das, was auch immer nötig war, damit ich an Geld gelangte, um meiner eigenen Identität in diesem einengenden Umfeld Gestalt zu verleihen. Soweit ich mich zurückbesinnen kann, war es die Musik, die mir den emotionalen Freiraum bot, wohingegen mir die Klamotten den nötigen Schliff verpassten. Mein gesamter Verdienst landete beim lokalen Schallplattenhändler und in den Boutiquen.

Im Alter von 15 Jahren beschaffte ich mir einen Job in einem Herrenbekleidungsgeschäft, brachte Klamotten an den Mann und nutzte den Angestelltenrabatt. Während andere nur ein einziges Hemd verkauften, stellte ich Outfits, ja sogar komplette Garderoben zusammen und erhielt dafür stattliche Umsatzbeteiligungen. Mit 18 ging ich zum College und widmete mich einem vormedizinischen Studium. Ich finanzierte es durch ein Studiendarlehen, arbeitete aber die ganze Zeit über noch als Verkäufer von Herrenbekleidung. Aus dem vormedizinischen Studium entwickelte sich letztendlich ein Abschluss als Lehrer im Bereich Naturwissenschaften. Allerdings verdiente ich als Verkäufer deutlich mehr denn als Lehrer, und so entschied ich mich, in der Modebranche zu bleiben.

Mit 25 eröffnete ich als Geschäftspartner einen Laden für Männerbekleidung. Während der nächsten drei Jahre lernte ich wie ein Besessener alles über Geschäftsführung, da ich als Ankäufer und Händler tätig war und sogar eine eigene Marke kreierte. Bei der Tätigkeit fiel ich dem Präsidenten von Ralph Lauren auf, der mir einen Job als Chef der Verkaufsabteilung für den Mittleren Westen anbot. Eineinhalb Jahre später bat man mich, nach New York umzuziehen, um dort als Verkaufsleiter der gesamten Abteilung für Herrenmode vorzustehen.

In dieser kreativen Umgebung – im Alter von 29 Jahren – ging mir ein Licht auf, und ich entdeckte meine wahre Berufung. Ich wollte Kleidung selbst designen, die Kleidung, die ich schon all die Jahre verkauft hatte.

Um dieser Bestimmung zu folgen, fasste ich Gelegenheiten beim Schopfe, nahm Risiken auf mich und musste Lehrgeld bezahlen. Fünf Jahre später war ich Vorsitzender der Designabteilung für Calvin Kleins Herrenmarken. Einige Jahre darauf kehrte ich zu Ralph Lauren zurück, um die Abteilung „Design für Männermode“ zu leiten. Es ist einer der bedeutendsten Jobs in der globalen Modebranche.

1999, nun in den Vierzigern, verließ ich das beeindruckende Label, um meine eigene Firma John Varvatos zu gründen. Mit einem fantastischen Team haben wir eine der Top-Designermarken der Welt aufgebaut. Es war ein schwieriger, holperiger Weg mit vielen Schlaglöchern – und so wird es auch bleiben –, aber die Ergebnisse rechtfertigen den Kampf. Ich befinde mich in der komfortablen Lage, viele meiner Leidenschaften verfolgt und umgesetzt zu haben: Ich arbeitete mit den größten Rockmusikern der Welt, habe meine eigene Radiosendung beim Sirius Satellitenradio, entwarf ein Auto für Chrysler und publizierte mein erstes Buch über Rock’n’Roll und Mode. Niemand hat jemals behauptet, dass es leicht werden würde. Harte Arbeit, Leidenschaft, eine Vision und die Fähigkeit, die Messlatte stetig höher zu legen, gehören zu den Bedingungen, um ganz oben zu bleiben. Für mich gibt es eine Goldene Regel – meiner Vision und meiner Marke treu zu bleiben.

Obwohl Gene Simmons’ Weg sich deutlich von meinem unterscheidet, haben wir Gemeinsamkeiten, und ich sehe in ihm einen Geistesverwandten. Wir haben beide Marken aufgebaut, die sich durch eine einzigartige Identität auszeichnen und eine klar erkennbare „DNS“. Wir haben beide niemals vergessen, woher wir kommen. Und was genauso wichtig ist: Unsere Leidenschaft und die Hingabe sind heute sogar noch größer als zuvor. Diese Werte stellen den Kern von So wird man Rockstar & Millionär dar. Die sich unter Schwierigkeiten angeeignete Weisheit wird hier als eine Art Straßenkarte für den Erfolg ausgebreitet, von der jeder profitieren kann.

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Der Name John Varvatos ist zu einem allgemein präsenten Begriff geworden. Seine Mode ist überall zu sehen. Mein Sohn Nick Simmons traf ihn bei einem Event und übermittelte mir die Botschaft, dass Varvatos die Möglichkeit begrüßen würde, mit KISS zu arbeiten. Kurz darauf flogen KISS zu einer Fotosession nach New York, gefolgt von einer nur für geladene Gäste zugänglichen Show. Vor dem Treffen mit John Varvatos hätte ich kaum ahnen können, dass er einen exzellenten Geschmack hat – nicht nur, was Kleidung anbelangt, sondern auch Kostüme. Das Foto zeigt John Varvatos am 1. Januar 2000.

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Möglicherweise wirst du dir als Erstes die Fragen stellen: „Was denkt dieser Typ wohl, wer er ist? Und warum schreibt ein Rockstar ein Business-Buch?“

Gute Fragen. Weiterlesen.

Bevor wir anfangen, möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Buch zwei getrennte große Teile aufweist.

Einer ist „ICH“ betitelt. Wie in „ME, Incorporated“.

Der andere heißt „DU“. Wie in „YOU, Incorporated“.

Natürlich stecken in jedem „YOU“ gewisse Charakterzüge von „ME“ und in jedem „ME“ gewisse Charakterzüge von „YOU“. Wie im ganz normalen Leben auch. Wir sind gar nicht so unterschiedlich.

Am Ende jedes Kapitels des „DU“-Teils wirst du einen Kasten mit Anmerkungen finden, betitelt „Die Kunst des Mehrwerts“. Dort sind die Erfahrungen und Ratschläge des Buches in den 13 Grundprinzipien des Erfolgs zusammengefasst. Warum 13 Prinzipien? Zuerst einmal reagiere ich nicht abergläubisch, sondern glaube eher an harte Arbeit. Aber ich bin auch ein Fan von Sun Tzus Klassiker, des in 13 Kapitel unterteilten Die Kunst des Krieges. Mein Buch und seine Prinzipien lassen sich ebenfalls als eine Kunst des Krieges auffassen, mit denen man die Kämpfe des täglichen Lebens bewältigt.

Du kannst den mir gewidmeten großen Teil „ICH“ überschlagen und mit dem Lesen des dir gewidmeten Teils „DU“ beginnen. Vielleicht möchtest du das Buch aber auch von Anfang bis Ende studieren. Beides ist okay. Dennoch möchte ich zur Vorsicht mahnen: Bitte funktionalisiere meine Erfahrungen nicht als Blaupause oder eine Art Abkürzung zur Vermeidung harter Arbeit und des Selbststudiums, denn dies sind unabdingbare Voraussetzungen, um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden. Meine Erfahrungen und meine Reise gehören zu mir. Ich war zum Selbststudium gezwungen. Um es bis ganz nach oben zu schaffen, musste ich mir einen Weg durch den vor mir liegenden Irrgarten bahnen.

Um es bis ganz nach oben zu schaffen, musst du ähnlich vorgehen – aber allein.

Mach dir Notizen.

Stell Fragen.

Nimm an Gruppendiskussionen teil.

Lies das Buch mit Freunden und der Familie.

Sprich darüber.

Lebe es.

„Mache es einfach!“

Während ich diese Zeilen schreibe, sind KISS durch eine erdrutschartige Wahl der Fans gerade in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen worden. Das übertrifft noch die Verleihung des eigenen Sterns auf dem „Hollywood Walk of Fame“, die Überreichung zahlreicher Stadtschlüssel und die Erlaubnis, die Glocke sowohl in der Börse von New York als auch in der Torontos zu läuten. Als meine Mutter und ich erstmals den Boden dieses großartigen Landes betraten, lag das alles, kurz gesagt, weit außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Obwohl ich in Israel geboren wurde, kann ich dir verraten, dass die USA für mich das gelobte Land sind. Nicht nur für mich, sondern auch für Menschen aus allen Schichten, aller Hautfarben und aller Nationalitäten. Ich werde immer in der Schuld dieses Landes stehen, da es mir erlaubt, frei zu atmen, große Träume zu träumen und all das zu erreichen, was ich mir je vorgestellt habe. Ich möchte den USA und seinen Menschen dafür danken, dass sie dem kleinen Immigrantensohn ermöglichten, dass seine Träume wahr wurden.

Geh raus und unternimm alles, damit sich auch DEINE Träume erfüllen.

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„Das Geheimnis des Erfolgs liegt darin, anzufangen.“

AGATHA CHRISTIE

(Britische Autorin und Dramatikerin)

Wenn du meine Autobiografie gelesen hast, wird dir vieles bekannt vorkommen. Egal, auch wenn wir unser Leben zu Papier gebracht haben, geht es weiter. Ich erlebte einige Veränderungen – mit meiner Familie, meiner Frau und sogar der Art und Weise, wie ich meine Vergangenheit betrachte. Meine gesamte Lebensgeschichte, von der du lesen wirst, wirkte sich auf meine Identität als Geschäftsmann und Unternehmer aus. Lass uns die Uhr zurückstellen und uns erinnern – auch wenn du es schon gehört hast.

Wir beginnen mit dem „ME“.

Wie kam ich hierher?

Ich wurde am 25. August 1949 in Haifa, Israel, geboren, und zwar in einem Klinikum mit Ausblick auf das Mittelmeer. Meine Mutter und mein Vater, beide Ungarn, hatten den Zweiten Weltkrieg überlebt. Ihnen war die Flucht nach Israel gelungen, kaum sechs Monate nach der Anerkennung der Unabhängigkeit des Staates. Meine Mutter Florence zählte zu den Überlebenden der Nazi-Konzentrationslager. Sie war im Alter von 14 Jahren in einem Lager interniert worden und musste erleben, wie ihre Mutter und ihre Großmutter zusammen in die Gaskammer gingen. Auch ihr Bruder wurde ermordet. Meine Mutter begegnete später meinem gerade aus dem KZ entkommenen Vater Feri Witz in Jánd, Ungarn. 1949 gelang ihnen die Einwanderung in den neuen Staat Israel.

Als ich sieben Jahre alt war, verließ Vater unsere Familie. Es folgte die Erkenntnis, dass wir ohne ihn ganz allein auf uns gestellt waren. Nachdem man uns den Teppich unter den Füßen weggezogen hatte, lag es an Mutter – und später dann an mir –, für den Lebensunterhalt aufzukommen. Das stellte eine schwer zu bewältigende Lektion dar, eine Lektion, die ich schon sehr früh lernen musste.

Das Leben in Israel in den Jahren 1949 bis 1958 war hart. Wir lebten in einem Einzimmer-Apartment mit durchlöcherten Wänden, verursacht durch die verschiedenen israelisch-arabischen Konflikte der Zeit. Zuhause besaßen wir keinen Fernseher. Tatsächlich hatte ich noch nie etwas vom Fernsehen gehört und konnte mir gar nicht vorstellen, was das war.

Wir verfügten über keine Toilette in der Wohnung. Stattdessen stand draußen ein Holzverschlag, in dessen Mitte ein Loch im Erdboden war, also ein Plumpsklosett. Es gab kein Toilettenpapier, und so sahen wir uns gezwungen, Lumpen zu benutzen, die danach gewaschen und erneut benutzt wurden. Wir besaßen keine Badewanne oder Dusche, und so füllte Mutter eine Metallwanne mit Wasser und zog sie zur Erwärmung nach draußen in die Sonne. Ich badete dort. Zahnbürste war für mich ein Fremdwort, genau wie Zahnpasta. Oder Papiertaschentücher.

Als ich schließlich erfuhr, dass Amerikaner Papiertaschentücher benutzten, empfand ich es als regelrechten Schock, dass man sich mit einem dünnen Papier die Nase putzte und es danach wegwarf. Wir nahmen immer ein Stofftaschentuch und wuschen es später. Nie wurde etwas weggeworfen, denn wir waren bettelarm. Wir besaßen natürlich kein Auto, und zu der Zeit hätte ich mir nie vorstellen können, jemals eins zu besitzen. Man ging zu Fuß. Oder man nahm einen Bus. Ein Telefon? Fehlanzeige! Wir konnten uns keines leisten, und so blieben uns Telefongespräche verwehrt.

In Israel rationalisierte man in den Fünfzigern Nahrungsmittel, da der neue Staat (1948 gegründet, also ein Jahr vor meiner Geburt) unter Startschwierigkeiten litt. Die Infrastruktur steckte noch in den Kinderschuhen. Fließendes Wasser gab es nur sporadisch, und Lebensmittel waren Mangelware. Auf gar keinen Fall gab es Marken, wie wir sie hier kennen, denn ein Brot war einfach nur ein Brot. Butter war Butter. Man erhielt einen Bezugsschein, um wöchentlich Milch und ein wenig Fleisch zu kaufen. Keine Markennamen, nur Milch und Fleisch. Auch konnte man Reis und Brot erwerben, doch ich sah niemals Markennamen. Alle Nahrungsmittel in den Lebensmittelgeschäften wurden in großen Säcken aufbewahrt. Man schnappte sich eine Papiertasche oder eine Zeitung, um dann das Essen darin zu verpacken oder einzuschlagen und es mit nach Hause zu nehmen. Wir besaßen keinen Kühlschrank, sondern hatten nur eine Kiste zur Aufbewahrung von Eis, eine Art Möbel, das im Grunde genommen als Klimaanlage fungierte.

Trotz des Mangels an Luxusgütern in der Jugend war ich stets glücklich. Und ich bin es immer noch. Da ich mit wenig aufwuchs, benötige ich nicht viel, um zufrieden zu sein. Als Kind mochte ich am liebsten Brot und Marmelade. So lange wie ich mein geliebtes Brot mit einem Berg von Marmelade in den Händen hielt, fühlte ich mich glücklich. Heute kommt das einem Angriff auf meine Taille gleich. Wenn Toast und Marmelade beim Frühstück an der Reihe sind, schmiere ich eine dicke Lage auf das geröstete Brot. Nick, Sophie und Shannon ziehen mich ständig damit auf. Die Marmelade und der Toast entführen mich in meine Kindheit. Sie wirken wie eine Art unbewusste Erinnerung, dass man nicht viel zum Glück benötigt, solange man in Ruhe und Geborgenheit mit einem vollen Magen schlafen kann. Ja, mir ist klar, dass das alles ein bisschen abgedroschen klingt. Aber es ist vielleicht ein sinnvoller Gedanke, den man sich zu Beginn der Reise zum Erreichen seiner unternehmerischen Ziele vergegenwärtigen sollte.

Man braucht nicht viel! Jedoch bedeutet das nicht, sich dagegen zu wehren, alles zu haben.

Die ersten Schuljahre in Israel verliefen ereignislos. Ich besuchte zuerst den Kindergarten und danach die Grundschule, spielte mit Steinen im Dreck. Wir rannten herum und lachten. Es war eine glückliche Zeit.

Ich muss aber gestehen, dass ich nicht mit großer Begeisterung in die Schule ging. Eines Tages entschied ich mich zum Schwänzen, versteckte mich unter dem einstöckigen Holzgebäude der Schule und blieb dort bis zum Ende des Unterrichts. Danach machte ich mich auf den Heimweg. Natürlich war ich nicht so geschickt darin, meine Mutter hinters Licht zu führen, und schon bald fand sie heraus, dass ich gelogen hatte. Ich lernte eine weitere harte Lektion des Lebens: Lügen funktionieren einfach nicht. Tatsächlich fand ich heraus, dass Lügen sogar Schmerzen verursachen – und zwar am Hintern.

Meist war ich ein Einzelgänger. Das bin ich immer noch. Wir lebten in einem kleinen Dorf am Fuße des Berg Karmel (ja, der Berg Karmel, der in der Bibel erwähnt wird), ganz in der Nähe der Stadt Haifa. Meine Mutter konnte es sich nicht leisten, Spielzeug zu kaufen, aber ich war zu jung, als dass mich das gestört hätte. Ich hatte einen langen Stock und einen Stein – und das waren meine Spielzeuge. Zudem konnte ich zum Berg Karmel ausweichen, wo ich kletterte und meinen Tagträumen nachhing. Die Haltung von Haustieren war aus finanziellen Gründen undenkbar, aber mit sechs Jahren fand ich einen Skarabäuskäfer, den ich in einer dieser alten Streichholzschachteln hielt, die ich dann mit Zuckergranulat befüllte. Der Käfer war für mich ein Weggefährte, ähnlich einer Katze oder einem Hund, und ich redete mit ihm.

Meine Reise als junger Geschäftsmann – in einer Umgebung mit minimalen Ressourcen und Möglichkeiten – begann mit einem nur schwer vorstellbaren kleinen Unternehmen. Eines Tages, ich bin mir nicht sicher, wie und warum, kam ich auf die Idee, den Berg Karmel zu erklimmen, Kaktusfrüchte zu pflücken und sie den heimkehrenden Menschen in den Bussen zu verkaufen, die in unserem Wohnort Tiraat HaCarmel den letzten Halt einlegten. Ich entschied mich dafür, das Geschäft mit einem Partner aufzuziehen, und wählte dafür meinen Freund Schlomo, einen marokkanischen Jungen meines Alters, aus, der unter uns wohnte.

Daraus leitete sich eine weitere wichtige Lektion für das Leben ab. Oftmals ist man nicht in der Lage, alles allein zu bewerkstelligen, und so muss man sich mit aller Vorsicht einen geeigneten Partner aussuchen. Die Wahl des richtigen Partners ist eine sehr wichtige Entscheidung und kann den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Die ausgewählte Person sollte auf jeden Fall das gleiche Arbeitsethos haben.

Schlomo und ich verbrachten den ganzen Tag damit, auf dem Berg Karmel Kaktusfrüchte zu ernten und diese dann zum Bushalteplatz runter zu schleppen. Wir legten die Früchte in einen mit Eis und Wasser gefüllten Bottich, den wir uns vom örtlichen Lebensmittelhändler geliehen hatten, und verkauften sie an die von der Arbeit kommenden Leute.

Sowohl Schlomo als auch ich verspürten das Gefühl, ein Ziel zu verfolgen, und Stolz. Wir hatten den Eindruck, etwas Wichtigem nachzugehen. Uns war nicht klar, dass es sich um eine geschäftliche Unternehmung handelte. Wir hätten gar nicht gewusst, was der Begriff bedeutet. Aber wir spürten, dass wir durch harte Arbeit möglicherweise etwas verdienen konnten. Und das war eine aufregende Vorstellung: Geld verdienen!

Ist es auch immer noch!

Nach einem Tag harter Arbeit fanden wir fasziniert heraus, ganze zwei Dollar gemacht zu haben. (Ich vereinfache die Summe, um euch die Umrechnung vom israelischen Schekel zu ersparen, der damaligen Währung.) Bis auf das „Schweiß-Kapital“ – also die Arbeit, die wir investierten – hatten wir praktisch keine Kosten. Und somit stellten die zwei Dollar unseren Nettoprofit dar. Wir teilen die Summe, womit mir also ein Dollar blieb. Man muss sich daran erinnern, dass 1956 ein Dollar schon ein stattliches Sümmchen bedeutete. Heutzutage wären zehn Dollar das Äquivalent, abhängig davon, wie man die Inflationsrate und den Wechselkurs rechnerisch justiert.

Zurück in meine Kindheit: Langsam wurde es dunkel. Schlomo und ich brachten den Bottich zurück und kletterten schleunigst zu unserem Haus hinauf. Auf dem Weg hielten wir bei einem Eiskaffee, wo ich mir für zwei Cents ein riesiges Eishörnchen gönnte. Bis heute kann ich mich lebhaft an den Geschmack erinnern. Es war das köstlichste Eishörnchen meines Lebens, da ich es ganz allein von meinem Geld gekauft hatte. Nichts schmeckt besser als etwas, das man sich verdient hat. Und die Hosentasche war immer noch mit Münzen prall gefüllt.

Als ich zuhause ankam, fand ich Mutter völlig aufgelöst vor, denn ich hatte mich den ganzen Tag nicht sehen lassen. Ich nahm die Münzen aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. Plötzlich klagte sie nicht mehr darüber, welche Sorgen sie sich gemacht hatte. Ihr verblüffter Gesichtsausdruck wird für immer und ewig in meinem Bewusstsein eingebrannt sein. Sie legte mit weit aufgerissenen Augen die Hände auf den Mund, drückte mich ganz fest und sagte in einem Mischmasch aus Ungarisch und Hebräisch: „Das ist mein kleiner Mann.“

Obwohl meine Hände, die Arme und das Gesicht von den Stichen der Kakteen schmerzten, erkannte ich in diesem Moment, dass Arbeit etwas Gutes war. Aus Arbeit resultierte Geld. Arbeit und Geld bedeuteten Essen. Arbeit und Geld bedeuteten Glück.

Und das war die grundlegendste Lektion des Kapitalismus, die ich jemals lernte, obwohl ich damals noch viel zu jung war, um sie zu verstehen. Ich wusste lediglich, dass ich Stolz verspürte. Auch Mama war stolz. Und ich hatte eine riesige Eiscremetüte gegessen, die ich mir selbst verdient hatte.

Im Schweiße deines Angesichts, die Frucht deiner Arbeit – oder Worte, die einen ähnlichen Sinn ergeben! Sie stehen in einem Buch, das meine Vorfahren schrieben. Es ist der größte Bestseller aller Zeiten. Möglicherweise hast du schon einmal davon gehört: Es nennt sich die Bibel.

Mit Me, Inc. habe ich meine eigene Bibel verfasst. Eine Bibel, die dir hoffentlich hilft. Eines Tages wirst du deine eigene schreiben.

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„Für das Unternehmertum gibt es kein großartigeres Land auf der Welt als die USA. In jeglicher Hinsicht, von der Hightech-Welt Silicon Valleys, wo ich lebe, über die Forschungs- und Entwicklungslaboratorien der Universitäten bis hin zu den unzähligen Inhabern kleinerer Geschäfte in einer Fußgängerzone nehmen Amerikaner Risiken auf sich, öffnen sich neuen Ideen und – was am wichtigsten ist – sorgen für Arbeitsplätze.“

ERIC RIES

(Unternehmer aus Silicon Valley, dem der Verdienst zugeschrieben wird, als Pionier die mit minimalem Aufwand initiierte Start-up-Bewegung angestoßen zu haben.)

1958, als ich achteinhalb Jahre alt war, saß ich mit meiner Mutter in einem Flugzeug Richtung New York. Mein Onkel Joe hatte uns die Tickets für den Flug in die USA zukommen lassen. Mutter erklärte, dass ich mir keine Sorgen machen solle, denn schon nach zwei Zwischenlandungen würden wir aussteigen.

Es war mein erster Flug in einer viermotorigen Propellermaschine der El Al Israel. Wie sich herausstellte, wurde es ziemlich turbulent, und ich musste mich übergeben. Allerdings war ich gleichzeitig überrascht und erfreut, dass man einfach so dasitzen konnte und Stewardessen das Essen reichten. So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Ich liebe immer noch den Service bei Flugreisen.

Nachdem wir auf dem LaGuardia Airport gelandet waren, beeindruckten mich die unglaublichen Dimensionen von allem, was ich sah. In den USA schien wirklich alles größer zu sein, was meine Vorstellungskraft überstieg: die Gebäude. Die Autos. Die Essensportionen. Die Größe der Menschen. Es war einfach alles riesig.

Nach unserer Ankunft zogen wir in den Keller des Hauses meiner geliebten Tante Magda und von Onkel Larry in Flushing, Queens. Onkel Harry war der Bruder von Mum. Mich beeindruckte der mit Nahrungsmitteln gefüllte Kühlschrank. Stell sich das einer vor. Es war kein Restaurant, doch trotzdem besaßen sie einen mit Essen gefüllten Kühlschrank. Ich hatte bisher noch nie so ein Ding gesehen. Sie besaßen ein eigenes Haus, ein Auto, ein Fahrrad und einen bis oben hin gefüllten Kühlschrank – unglaublich.

Ich lernte damals auch Cocoa Marsh kennen, einen Schokoladensirup, den ich augenblicklich liebte. Noch mehr verblüffte mich ein großes Glas Marmelade. Als Tante Magda mein ehrfurchtsvolles Starren bemerkte, gab sie mir einen Löffel und sagte auf Ungarisch: „Na los, probier schon.“ (Sie sprach kein Hebräisch, und ich war des Englischen nicht mächtig.)

Ich dachte, dass sie gemeint habe, dass ich alles essen dürfe, und so verputzte ich mit einem Löffel das ganze Glas.

Meine Cousinen Eva und Linda, Tante Magda, Onkel Harry und meine Mutter konnten sich vor Lachen kaum halten. Ich wusste nicht, warum. Ich hatte in meinem jungen Leben noch nie etwas so Köstliches gegessen.

Und da gab es noch Wonder Bread. Lieber Gott – wie ich das Brot liebte. Für mich schmeckte es wie Kuchen. Oft aß ich es ohne einen Belag. Und nachdem ich erst mal Ketchup entdeckt hatte, gab es kein Halten mehr! Ich verschlang Ketchup-Sandwiches, die aus einem riesigen Klecks Ketchup zwischen zwei Scheiben Wonder Bread bestanden. Überall musste Ketchup drauf: Auf Thunfisch, auf Rühreier, einfach auf alles. Ich mache das noch immer.

Tante Magda und Onkel Harry erlaubten mir und Mutter zwei Jahre lang, in ihrem Keller zu wohnen. Ich werde ihnen auf immer und ewig dankbar sein. In dieser Zeit erlebte ich vieles zum ersten Mal: ein Fahrrad zu fahren, meine Zähne zu putzen und in einem geschlossenen Raum in einer Wanne zu baden. Und zum ersten Mal im Leben saß ich auf einer Toilette. Damals zeigte man mir auch Toilettenpapier. Ich musste mir nie mehr den Hintern mit Lumpen abputzen. Als ich das Klopapier zum ersten Mal benutzte, warf ich es in den Papierkorb, denn ich wusste nicht, dass man es die Kloschüssel runterspülte.

Jeder Tag entwickelte sich zu einer aufregenden Erfahrung. Die Straßen waren voller Autos und Menschen. Die Häuser standen alle in einer geraden und ordentlichen Linie. Jeder schien glücklich und wohlgenährt zu sein. Hier schien es völlig normal zu sein, Kids meines Alters mit einem großen Eishörnchen in der Hand spazieren gehen zu sehen. Dieser Schatz, ein Eishörnchen, für das ich so schwer hatte arbeiten müssen, war für die Kinder hier ganz normaler Alltag. Fast schon öde. Darin zeigt sich der Luxus der USA – es ist alles relativ.

Als ich zum ersten Mal zum Ende der Straße ging, in der Tante Magda und Onkel Harry wohnten, hatte ich Angst, die kreuzende Fahrbahn zu überqueren. Egal in welche Richtung ich blickte – die Straßen schienen mit Autos vollgestopft zu sein. Ich hatte zuvor noch nie eine Ampel gesehen und verstand somit auch nicht, wie man denn auf die andere Seite gelangen konnte. Als ich bemerkte, wie Passanten die Straße überquerten, folgte ich ihnen schleunigst. Und dort – auf der anderen Seite – besuchte ich den ersten Supermarkt.

Zu behaupten, ich wäre vor Ehrfurcht erstarrt gewesen, würde der Reaktion nicht gerecht. Das hier übertraf einfach alles, was ich mir jemals hätte vorstellen können. Es wirkte auf mich wie eine Stadt voller Lebensmittel, wobei die sich kreuz und quer dahinziehenden Gänge die Straßen darstellten. Ich erlebte einen mir vollkommen neuen Überfluss. Niemals hätte ich ahnen können, aus 50 verschiedenen Kaffeesorten auswählen zu dürfen. In Wahrheit hätte ich mir eigentlich nie vorstellen können, allzu große Wahlmöglichkeiten zu haben.

Während eines Besuchs meiner Mutter bei ihrem anderen Bruder, meinem Onkel George, und seiner Frau Florence sah ich den ersten Fernseher. Es war ein großes Möbelstück, vielleicht einen Meter breit, mit zuklappbaren Türen an jeder Seite und einem großen gebogenen Bildschirm in der Mitte. Es muss wohl die Zeit der Abendnachrichten gewesen sein, denn ich erinnere mich an die Nahaufnahme des Gesichts eines Mannes in diesem Kasten in schwarz-weiß. Ich stellte mir vor, wie er dort drinnen saß und zu uns sprach. Ich starrte nur noch auf den Bildschirm, vollkommen überwältigt vom Wunder des Fernsehens. Beim Besuch von Onkel George und Tante Florence ging ich einmal nach draußen und schlenderte die Straße entlang. An der Ecke bemerkte ich ein auffälliges rotes Metallobjekt. Es war nicht groß und schien über einen Hebel zu verfügen. Ich streckte den Arm aus und riss daran.

Um mich herum brach sofort die Hölle aus. Eine Glocke schrillte mit ohrenbetäubendem Lärm. Ich stand wie angewurzelt da. Innerhalb weniger Sekunden hörte ich die näherkommenden Sirenen. Ich hatte noch nie einen Straßenfeuermelder oder diese Art Sirenen gehört, geschweige denn einen Feuerwehrwagen gesehen. Als ich panisch zurück zu Onkel Georges Haus rannte, sauste an mir das längste und größte Fahrzeug vorbei, das ich je in meinem Leben erblickt hatte. Es war blutrot lackiert, genau wie diese Metallkonstruktion, die so einen entsetzlichen Lärm machte, und größer als ein Bus. Ich bemerkte sogar zwei Fahrer, von denen einer vorne und der andere hinten saß. Die Sirenen erschreckten mich zu Tode. Schnell rannte ich in Onkel Georges Haus und setzte mich vor Angst wie von Sinnen still in eine Ecke. Das hört sich jetzt wie eine Übertreibung an, doch ich fühlte mich damals wie ein Außerirdischer. Ein Fremder in einem fremden Land.

Mutter war eine stolze, unabhängige Frau. Obwohl ihre Brüder George und Larry ihr die Miete für eine Unterkunft und Hilfe anboten, entschied sie, dass wir beide später eine eigene Wohnung suchen und ausziehen sollten. Sie weigerte sich, ein Darlehen anzunehmen und bestand darauf, für ihren Lebensunterhalt allein aufzukommen. Sie brachte mir diese Haltung bei – niemals ein Bittsteller zu sein. Mum zog nach Brooklyn, um mich von der Straße fernzuhalten. Das war noch bevor ich die englische Sprache gemeistert hatte oder etwas von der amerikanischen Kultur wusste. Allerdings konnte sie sich kein Apartment für uns beide leisten und schrieb mich daraufhin im theologischen Seminar der Yeshiva Torah Vadas an der Third Street und Bedford Avenue ein, im Stadtteil Williamsburg.

Es war eine jüdische Institution, sehr konservativ und spezialisiert in Bibelstudien. Mit der Yeshiva University wurde das Arrangement getroffen, bei der Scheinlen-Familie zu leben, die eine Bäckerei besaß, während Mum übergangsweise bei ihrem Bruder Larry wohnte. Die Scheinlens behandelten mich wie ein Familienmitglied. Ich werde ihnen für immer und ewig dankbar sein, dass sie mir ein behütetes Umfeld boten und damit Mum die Chance gaben, mit Blick auf Arbeit vorwärtszukommen – auch damals weigerte sie sich, Almosen anzunehmen.

Die Yeshiva stellte eine harte und schwierige Erfahrung dar. Ich musste an sechs Tagen in der Woche um 6 Uhr aufstehen und um 7.30 Uhr dort sein. Wir begannen unseren Tag mit einem Gebet im Tempel, zumindest die, die tatsächlich beteten. Um 8.30 Uhr fing der Unterricht in den Fächern amerikanische Geschichte, Mathematik und Englisch an. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Bibelstudien in verschiedenen Räumlichkeiten. Nach 18 Uhr kehrten wir nochmals in die Yeshiva zurück und nahmen das Abendessen zu uns, wonach sich die Bibelstudien bis 21.30 Uhr hinzogen.

Im Alter von achteinhalb Jahren sah ich zum ersten Mal Santa Claus, und zwar auf einer Reklametafel für Kent-Zigaretten. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie etwas von Santa oder Weihnachten oder Jesus Christus gehört. Santa trug einen Rauschebart und paffte eine Zigarette. Auf seinem Kopf entdeckte ich eine Fellmütze, wodurch ich annahm, dass es sich um einen russischen Rabbi handelte. Und dann hörte ich Geschichten von Jesus, dass er auch ein Jude und sogar ein Rabbi gewesen sei und dass keiner der ihn anbetenden Menschen der jüdischen Religion angehöre. Er war Gott und gleichzeitig (!) der Sohn Gottes, und da gab es sogar noch einen Heiligen Geist.

Das verwirrte mich. Und so begann mein Interesse an der Theologie und unterschiedlichen religiösen Glaubensansätzen. Begierig begann ich das Neue Testament zu lesen, den Koran und weitere geistliche Bücher. Ich erfuhr etwas über den Islam, der sowohl die Christen als auch die Juden wertschätzte. Damals lernte ich so viel, dass ich bei heutigen Begegnungen mit den verschiedensten religiösen Fanatikern im Vorteil bin. Wenn sie versuchen, mich zu überzeugen, wird es sehr schwierig, denn ich kann ihnen problemlos mit Psalm und Zeile kontern. (Kleiner Hinweis: Der Stolz war schon immer meine Lieblingssünde.)

Für mich bedeuteten die USA eine vollkommen neue Welt, die ich mir nie hätte vorstellen können, voller unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Religionen, die alle zusammenlebten. Ich empfand es als aufregend, dass die Amerikaner so unterschiedliche Menschen willkommen hießen und Immigranten die gleichen Chancen boten wie den im Land selbst Geborenen. Das verblüffte mich und zählt zu einem der Gründe, warum ich die USA bis zum heutigen Tag aus ganzem Herzen liebe.

Ich durfte alles lesen, was ich wollte, und meine Meinung sagen. Darüber hinaus waren Mutter und ich frei – es gab keine Nazis, die uns umbringen wollten, oder angrenzende Staaten, die unser Verschwinden begrüßt hätten. Die freie Meinungsäußerung war im Gegensatz zu meiner früheren Heimat nicht ständig bedroht.

Durch die Einwirkung des neuen Umfelds begann ich meine Stärke zu spüren. Ich entwickelte ein neues Lebensgefühl. Daran war das Fernsehen nicht ganz unschuldig. Ich sah Superman, der von einem anderen Planeten kam, aber dennoch zu wahrer Größe aufstieg. Ich fühlte mich – ja, wie Superman. Mein Selbstwertgefühl wuchs, und ich war endlich jemand, da mir die USA das Recht einer eigenen Identität zusicherten. In den USA herrschte die Vorstellung: „Nichts ist unmöglich.“ Man erkannte die Einstellung auf den Gesichtern der Menschen, die zur Arbeit fuhren, und man empfand es beim Fernsehen, wenn irgendwelche Kerle durch die Luft folgen und Kugeln an ihnen abprallten. Man roch sie förmlich. Man spürte es überall. Sie mussten nicht zwangsläufig aus den USA kommen – wie Superman, der von Krypton stammte, und später die Beatles, die von Großbritannien aus ihren Siegeszug antraten. In meiner jungen Perspektive betrachtet, schien das Heldentum sich im Leistungsdenken des amerikanischen Schmelztiegels der Kulturen auszudrücken.

Die USA lehrten mich, dass niemand besser ist als der andere. Egal welche Hautfarbe, welchen Akzent oder religiösen Glauben man hatte – niemand durfte sich herausnehmen, dir ein Gefühl der Minderwertigkeit zu vermitteln.

Niemand!

Diese Grundeinstellung gehörte zu den Faktoren, durch die ich vorwärtskam und von denen ich mich niemals abbringen ließ. Der einzigartige amerikanische Geist der Individualität und des Stolzes erlaubten mir, mich mit der Idee des Unternehmertums auseinanderzusetzen: Man konnte nicht nur einiges erreichen – man konnte alles erreichen. Diese Vorstellung und das zugrundeliegende Gefühl ermöglichten es mir, zusammen mit meinem Partner Paul Stanley eine Band zu gründen.

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