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So sexy und so verführerisch

1. KAPITEL

„Bist du etwa ein Stalker, Alex Harper? Als Rechtsanwalt müsstest du wissen, dass so etwas nicht legal ist.“ Stirnrunzelnd musterte Amanda Crawford den gut aussehenden Mann, der neben den Briefkästen ihres Apartmenthauses stand.

Alex Harper spielte das Unschuldslamm, jedoch ohne sich viel Mühe zu geben. Seine kaffeebraunen Augen glänzten, Amanda kam es fast so vor, als würde sein amüsierter Blick Funken sprühen. Sie verspürte eine verräterische Wärme in sich aufsteigen, kämpfte sie jedoch hastig nieder.

Triumphierend zog Alex einen kleinen messingfarbenen Schlüssel aus der Tasche seines schwarzen Mantels. „Ich bin nur vorbeigekommen, um Julias Post abzuholen. Viele Briefe landen immer noch hier, statt bei Max. Weil ich sowieso gerade in der Nähe zu tun hatte, habe ich angeboten, in ihren Briefkasten zu schauen.“

Seine Ausrede klang immerhin glaubhaft. Bevor Julia vor drei Monaten Alex’ besten Freund geheiratet hatte, war sie Amandas Mitbewohnerin gewesen. Aber Amanda traf Alex in letzter Zeit einfach zu oft. Das konnte kein Zufall sein. Julias Post war sicher nicht der einzige Grund, aus dem er samstagabends in der Park Avenue 721 auftauchte – ausgerechnet zu der Zeit, wenn Amanda nach Hause kam. Wo immer sie zu tun hatte, begegnete sie Alex früher oder später.

„Weißt du, es gibt bei der Post doch Nachsendeaufträge. Ich werde Julia mal so ein Formular mitbringen oder besser gleich selbst ausfüllen“, erwiderte sie.

Alex stand jetzt so dicht neben ihr, dass sie die schmelzenden Schneeflocken in seinem dunklen Haar glitzern sah und einen Hauch seines Eau de Cologne wahrnahm. Diesen Duft von Calvin Klein hatte Amanda schon immer sehr gemocht, besonders wenn ein gut gebauter Mann ihn benutzte.

Hör auf damit, wies sie sich zurecht. Du musst deine Energie jetzt ganz auf das Geschäft konzentrieren. Lass dich nicht wieder von Männern ablenken, schon gar nicht von diesem!

Ein Meter achtzig groß, brauchte Amanda kaum zu jemand aufzublicken, der nicht gerade Profi-Baseballspieler war. Erst recht nicht, wenn sie wie an diesem Tag die exklusiven hohen Lederstiefeletten trug. Alex bildete da eine Ausnahme. Aber darüber wollte Amanda nicht nachdenken.

„Ich sorge schon dafür, dass Julia ihre Post bekommt. Schließlich wohne ich hier“, fügte sie hinzu. „Übrigens, oben habe ich noch ein paar Briefe.“

„Gut, dann komme ich eben mit rauf und nehme sie mit. Wir sind nämlich gleich zum Abendessen verabredet.“

Du bist genau in die Falle getappt, die er dir gestellt hat, Amanda.

Ärgerlich wandte sie sich von Alex ab und stapfte durch die marmorgeflieste Eingangshalle in Richtung Aufzug. Henry, der Hausmeister, saß hinter seinem großen schwarzen Tisch und telefonierte. Als er Amanda erkannte, nickte er ihr zu. Wohl wissend, dass er sie nicht aus den Augen lassen würde, winkte sie ihm im Vorbeigehen zu.

Alex war immer noch neben ihr. „Komm doch heute Abend einfach mit zu den beiden“, schlug er vor.

„Nein, danke, ich habe noch eine Menge zu tun.“ Das stimmte nicht ganz. Sie wollte nur noch ihre Konten durchsehen, um das Geld für die dringendsten Rechnungen zu überweisen. Aber wenn sie Alex’ Einladung annahm, würde sie ihn dadurch nur ermutigen. Nicht dass ein Playboy und Womanizer wie er eine Ermutigung brauchte. Amanda hatte nicht einmal mit ihm geflirtet. Alex war jedoch sehr selbstbewusst, und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, ließ er sich nicht davon abbringen.

„Wie lange willst du mich noch hinhalten, bevor du endlich mit mir ausgehst, Amanda?“

„Vergiss es, Alex, ich werde niemals mit dir ausgehen, und ich will dich auch nicht hinhalten. Also bewahre dir deinen Stolz und hör auf, mich zu fragen.“ Mittlerweile waren sie am Aufzug angelangt. Als Amanda die Aufwärts-Taste drückte, sah sie Alex’ Spiegelbild auf der dunklen Glasfassade.

„Ich gebe nie auf, wenn mich etwas oder jemand wirklich interessiert“, erklärte er fest.

Ihr lief ein Schauer über den Rücken. Das schrieb sie dem rekordverdächtig kalten Novemberwetter zu. Alex’ tiefe Stimme und das Funkeln in seinen Augen haben nichts damit zu tun, sagte Amanda sich.

„Vor allen Dingen, wenn die Frau sich genauso für mich interessiert“, fuhr er fort.

Seine Worte klangen so entschlossen, dass Amanda zunächst sprachlos war. Offensichtlich wusste er genau, wie er auf sie wirkte. Und wenn schon, dachte sie, davon werde ich mich trotzdem nicht beeindrucken lassen. „Für jemand, der als brillanter Kopf gilt, bist zu ziemlich schwer von Begriff.“

Er lächelte nur amüsiert. „Tatsächlich?“

Warum sollte Amanda sich bemühen, ihn zu überzeugen? Er würde ihr sowieso nicht glauben. Schweigend senkte sie das Kinn und spürte den Kragen ihres Kaschmirmantels an der Wange.

Wenn sie ehrlich war, musste sie zugeben, dass es ihr schmeichelte, wie verwegen Alex um sie warb. Amanda war jedoch klug genug, um sich auf keinen Casanova wie ihn einzulassen. Er war ein notorischer Herzensbrecher, der von einer Frau zur anderen wanderte. Selbst wenn Amanda etwas mit ihm anfing, wäre es nicht von langer Dauer und würde für sie doch früher oder später mit schrecklichem Liebeskummer enden. Und genau das hatte sie schon zu oft erlebt. Sie hatte die Nase voll von unglücklichen Beziehungen und untreuen Männern.

„Was macht das Partygirl …“, setzte er an.

„Partyplanerin“, verbesserte sie ihn prompt und ärgerte sich über ihren schnippischen Tonfall. Ihre Eltern waren strikt dagegen gewesen, dass sie sich in dieser Branche selbstständig machte. Immer wieder rieten sie, sich „entweder einen ordentlichen Beruf“ zu suchen oder einen reichen Mann zu heiraten. Amanda konnte es einfach nicht mehr hören.

Alex ließ sich jedoch nicht beirren. „Du feierst mit allen möglichen Leuten Partys, nur nicht mit mir!“

Noch bevor sich die Türen des Aufzugs vollständig geöffnet hatten, zwängte sich Amanda schon in die Kabine. Alex folgte ihr und stellte sich so dicht vor sie, dass sie sich an die Wand presste. „Die Leute bezahlen mich dafür“, erwiderte sie.

„Aha, darum geht es. Ich muss dich also beauftragen.“

„Ja.“

„Gut zu wissen.“

Statt auf die Bemerkung einzugehen, sah Amanda die Post durch, die sie aus ihrem Briefkasten geholt hatte. Rechnungen über Rechnungen, also nichts Neues. Ihre Firma „Amanda’s Affairs“ lief zwar immer besser, aber der Umsatz stieg nicht schnell genug, als dass Amanda die anlaufenden Raten ihres Darlehens hätte zahlen können.

Wenn sie nicht bald den Auftrag für ein großes, gewinnbringendes Event an Land zog, musste sie ihre geliebte Firma aufgeben. Oder, was noch viel schlimmer wäre, Amanda müsste ihre Eltern um eine Finanzspritze bitten. In beiden Fällen drohte ihrem Vater eine Kehlkopf-Entzündung, weil er ihr wieder endlose Vorträge darüber halten würde, dass seine Tochter den ehrwürdigen Namen Crawford beschmutzte. Das kannte Amanda bereits zur Genüge.

Als der Aufzug jetzt mit einem kleinen Ruck auf ihrer Etage hielt und Amanda aussteigen wollte, streifte Alex ihre Schulter. Prompt wurde Amanda heiß. Wie sie es hasste, dass er sie so leicht aus der Fassung bringen konnte!

Objektiv gesehen sprach nichts für diesen Mann – abgesehen davon, dass er beruflich sehr erfolgreich war, viel Geld verdiente und noch dazu umwerfend gut aussah. Er sollte durchaus auch Humor haben, jedenfalls sagte man es ihm nach. Trotz allem hatte Amanda sich fest vorgenommen, ihn abblitzen zu lassen.

Sie ging weiter und zog den Schlüssel aus ihrer Designer-Handtasche. Nachdem Amanda ihn in das Sicherheitsschloss gesteckt hatte, brauchte sie ihn nur ganz leicht zu drehen. Das Gebäude stammte zwar noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, aber es war in sehr gutem Zustand. Die Park Avenue war eine der besten Adressen der Stadt. Nur dank Julias guter Beziehungen war Amanda an das luxuriöse Apartment gekommen. Und jetzt machte sie sich Sorgen, weil sie die Miete bald vielleicht nicht mehr allein aufbringen konnte.

„Momentchen, ich hole gleich …“

„Ich würde gern noch auf einen Sprung hereinkommen.“ Schon hatte Alex den Arm ausgestreckt, um ihr die Tür aufzuhalten. Und dabei streifte er Amandas Schulter schon wieder. Und wieder reagierte ihr Körper heftig bei der Berührung.

Warum ausgerechnet er?, schoss es ihr durch den Kopf. Warum muss gerade Alex Harper mein Gefühlsleben so durcheinanderbringen?

Sekundenlang schaute sie ihn an und überlegte, ob sie ihn überhaupt in ihre Wohnung lassen sollte. Aber es ist ja nur für ein paar Minuten, beruhigte Amanda sich. Wortlos ging sie weiter und in ihr Wohnzimmer, wo sie in einem Korb die an Julia adressierten Briefe und Zeitschriften sammelte.

Schnell bückte sie sich und nahm das ganze Bündel heraus. Als sie sich wieder umwandte, stand Alex jedoch plötzlich so dicht hinter ihr, dass sie den Atem anhielt. Spontan hob sie die Hände, um ihn auf Distanz zu halten. Die Umschläge stießen gegen seinen flachen Bauch. „Hier, das ist Julias Post. Danke fürs Abholen. Ich bring dich noch zur Tür.“

Alex blieb einfach stehen und ließ sie nicht vorbei. Während er die Post entgegennahm, blickte er Amanda fest in die Augen. Und in dem Moment, in dem sich ihre Finger berührten, fühlte sie sich wie vom Blitz getroffen. Ihr Herz schlug höher, der Atem ging schneller, und zu ihrem Entsetzen überkam sie heißes Verlangen.

Erst als sie ihn blinzeln sah, war sie von seinem Bann befreit. Angespannt beobachtete sie, wie Alex sich in ihrem hauptsächlich in Pink und Weiß gehaltenen Wohnzimmer umschaute. Zweifellos entging ihm kein Detail der neuen Dekoration: die Schalen und die drei mundgeblasenen Glasvasen, die Amanda bei einem Antiquitätenhändler auf dem Land zu einem lächerlichen Preis erstanden hatte, der neue Lampenschirm mit dem Erdbeermuster sowie der zitronengelbe Sari, den sie über die Lehne des weißen Sofas drapiert hatte.

„Du hast umdekoriert, nachdem Julia ausgezogen ist.“

„Ein bisschen.“ Alex war schon oft in der Wohnung gewesen, aber immer mit Julia und Max zusammen. Komisch, dachte Amanda, wenn er hier mit mir allein ist, scheint er viel mehr Raum einzunehmen. „Denk an deine Einladung. Du willst doch nicht zu spät zum Dinner kommen.“

„Ich habe es nicht eilig.“

Verzweifelt biss sie sich auf die Lippe.

Dann hörte sie Alex sagen: „Ich möchte mehr, als nur Julias Post abholen, Amanda.“

Als ob sie das nicht längst gemerkt hätte. Dennoch beeindruckte es Amanda, dass er es tatsächlich aussprach. Und sie hatte schwache Momente erlebt, in denen sie durchaus an mehr gedacht hatte. Sich auf mehr mit Alex einzulassen, das war ein verlockender Gedanke. Er musste verdammt viel Erfahrung mit Frauen haben und ein toller Liebhaber sein, den Gerüchten zufolge jedenfalls.

Aber das Timing passte überhaupt nicht. Zurzeit war kein Platz für einen Mann in ihrem Leben. Amanda musste sich um ihre berufliche Existenz kümmern.

Entschlossen kreuzte sie die Arme vor der Brust. „Ach, Alex, du weißt doch, wie ich darüber denke. Meine Antwort ist und bleibt: Nein.“

Seine Mundwinkel zuckten, als müsste er ein Lächeln unterdrücken. Amanda hätte schwören können, dass er es genoss, wenn sie sich diese Wortgefechte lieferten. Sonst würde er sie wohl kaum immer wieder dazu herausfordern. „Du änderst hoffentlich deine Meinung, wenn du meinen Vorschlag gehört hast“, erklärte er ungerührt.

Ein Vorschlag – das klang nicht so, als könnte sie sich dafür begeistern. Sie war sich fast sicher, dass sie auch dazu Nein sagen würde.

Inzwischen hatte Alex seinen Mantel ausgezogen und über den Arm geworfen. Sein anthrazitfarbener Anzug, kombiniert mit weißem Hemd und dunkelroter Seidenkrawatte, saß perfekt. „Ich habe einen Auftrag für ‚Amanda’s Affairs‘.“

Das waren die einzigen Worte, die ihn vor dem Rauswurf schützten. „Womit willst du mich denn beauftragen?“

„Meine Firma, Harper & Partners, hat gerade den Zuschlag für ein größeres Immobilienprojekt bekommen. Ich möchte die Angestellten für ihre harte Arbeit belohnen.“

Alex versteht es, das Interesse einer jungen Geschäftsfrau zu wecken, dachte Amanda. Eine Party, das wäre sowohl für ihre Firma als auch für seine Firma gut. „Und was für ein Event schwebt dir vor?“

„Das Fest sollte für ein paar hundert Gäste sein, einschließlich meiner Freunde, Klienten und einiger Prominenter, damit es spannend wird. Wo das Ganze stattfindet, überlasse ich dir. Aber die Räumlichkeiten sollten schon erstklassig sein, zum Beispiel der Metropolitan Club.“

Also ein Event von beachtlicher Größe und gesellschaftlicher Bedeutung, ging es Amanda durch den Kopf. Ihr Verstand arbeitete auf Hochtouren. Die Gäste aus den gehobenen Kreisen werden sich an mich erinnern, wenn ihnen die Party gefallen hat. Dann könnten sie mich mit etwas Glück auch für ihre Feste engagieren.

Sie war sich auch bewusst, dass Alex Beziehungen hatte, die ihr sehr von Nutzen sein konnten. Schließlich arbeitete er als Anwalt hauptsächlich für wohlhabende Manager und bekannte Persönlichkeiten. Nicht dass Amanda sich keine guten Kontakte aufgebaut hätte. Aber je mehr es gab, desto besser war es fürs Geschäft.

Was wird er wohl für Bedingungen stellen, fragte sie sich. Ein cleverer Anwalt wie er knüpfte sicher Forderungen an ein solches Angebot.

Amanda schnippte mit den Fingern. „Ich möchte mehr Details wissen.“

Ohne zu zögern, nannte er ihr ein Budget, bei dem sie fast Herzrasen bekam. „Meine Bedingung ist, dass die Party noch diesen Monat stattfindet, so früh wie möglich.“

„Das könnte problematisch werden.“

„Wenn du es nicht schaffst, vergebe ich den Auftrag anderweitig.“

Es lief also doch auf ein Machtspiel hinaus. Obwohl Wut in ihr aufstieg, zwang Amanda sich, ruhig zu bleiben. „Wieso kommst du auf die Idee, dass ich deine Party so kurzfristig organisieren kann?“

„Julia hat erwähnt, dass bei dir ein größerer Auftrag storniert worden ist.“

Das stimmte. Eine Verlobungsparty war abgeblasen worden, weil die Braut mit dem jüngeren Bruder ihres Verlobten durchgebrannt war. Eine unangenehme Geschichte. Amanda hatte zwar die Anzahlung, um die bereits entstandenen Kosten zu decken, aber ein Gewinn würde für sie kaum herausspringen.

Dennoch hätte sie Alex am liebsten zur Konkurrenz geschickt. Er war sehr anspruchsvoll und ungeduldig, dazu arbeitswütig – ein Workaholic wie ihr Vater. Er würde ihr die Arbeit nicht leicht machen. Es sei denn, er hielt sich aus allem heraus. Aber wie Amanda ihn einschätzte, war das nicht seine Art.

Andererseits konnte sie es sich nicht leisten, Nein zu sagen. „Wenn wir ins Geschäft kommen, werde ich mich einzig und allein um deine Party kümmern. Ist das klar?“

Er zog eine Augenbraue hoch und warf Amanda ein hintergründiges Lächeln zu. „Amanda …“

„Lass das, Alex, ich habe wirklich kein Interesse daran, deine neuste Eroberung zu werden.“

Sie sah seine makellosen Zähne, sein Lächeln war enorm selbstsicher und sexy. Prompt verspürte Amanda ein warmes Prickeln und war froh, weil sie nichts Enganliegendes anhatte, sondern eine lavendelblaue Tunika, über der sie einen breiten Wildledergürtel trug. Sonst hätte Alex vielleicht gemerkt, dass sie leicht zitterte.

Mit tiefer Stimme sagte er: „Aber wir würden uns wirklich gut ergänzen.“

Gerade das machte ihr ja Angst. Natürlich war er ein Traummann, aber eben nur so lange, bis er eine Frau fallen ließ. Dann hätte Amanda eine weitere gescheiterte Beziehung hinter sich. Ihre Eltern würden nicht aufhören, ihr das vorzuwerfen.

Er räusperte sich. „Wie du richtig sagtest, bin ich Rechtsanwalt und weiß sehr wohl, dass ich nichts erzwingen kann. Lass uns das Geschäftliche morgen besprechen, um vier Uhr im Park Café.“

Jetzt fühlte sie sich überrumpelt. „Aber du lässt mir keine vierundzwanzig Stunden Zeit?“

„Es dürfte genügen, um für dich zu klären, ob du dir die Sache zutraust.“

Schon drehte er sich auf dem Absatz um, ging mit langen Schritten aus dem Apartment und zog leise die Tür hinter sich zu.

Amanda machte sich nichts vor. Sie würde sich sehr viel Arbeit aufhalsen. Aber andererseits reizte es sie, Alex’ Herausforderung anzunehmen.

Außerdem brauchte sie das Geld.

Amanda verstärkte den Griff um ihre Laptop-Tasche, wappnete sich gedanklich gegen eine weitere Charme-Offensive von Alex und stieß die Eingangstür des Park Cafés auf.

Es war eines ihrer Lieblingscafés und lag ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Oft wenn Amanda abends noch Appetit bekam, musste es ein Schokoladen-Walnuss-Muffin von hier sein. Besonders wenn das Gebäck frisch aus dem Ofen kam und die Schokoladen-Chips noch zart schmelzend waren, gab es nichts Köstlicheres, fand sie.

Schon beim Eintreten umfing sie eine angenehme, unbeschreiblich wohltuende Wärme. Das muss an dem schneidend kalten Wind draußen liegen, dachte Amanda. Mit Alex hat das absolut nichts zu tun, auch wenn er aufsteht, sobald er mich sieht.

Heute war er leger gekleidet. Über einer schwarzen Hose trug er einen taubengrauen Kaschmir-Pullover mit der Aufschrift BITTE NICHT FLIRTEN.

Leichter gesagt als getan, fand Amanda, als Alex sie zur Begrüßung so unwiderstehlich charmant anlächelte, dass sie innerlich fast dahinschmolz. Er zog für sie einen Stuhl zurück und deutete auf ihre Laptop-Tasche. „Hast du dich vorbereitet?“

„Das ist doch selbstverständlich, ich bin ein Profi, Alex. Deswegen hast du mich doch auch engagiert. Also, ich habe eine Liste mit den verfügbaren Räumlichkeiten und Daten. Natürlich ist sie nicht besonders lang, weil die begehrtesten Lokale für Monate, wenn nicht für ein ganzes Jahr, im Voraus ausgebucht sind. Ich kann dir gern Fotos davon im Internet zeigen, das Café hat WLAN.“

Offensichtlich hatte es Alex nicht eilig. Er zuckte nur die Schultern. „Ich habe bei Trish schon das Übliche für dich bestellt. Sie hat mir versprochen, dir deinen Café Latte zu machen, sobald sie dich hereinkommen sieht. Ofenfrische Muffins kommen auch gleich.“

„Oh, danke, wie aufmerksam!“

Amanda stellte ihre Tasche ab und nahm den Laptop heraus. Nachdem sie den Computer eingeschaltet hatte, half Alex ihr aus dem Mantel und hängte ihn über den freien Stuhl, wo er seinen Mantel hingelegt hatte. Auch die kleinste Berührung wirkte elektrisierend auf Amanda. Was statische Aufladung doch ausmacht, dachte sie kurz, wies sich jedoch sofort zurecht. Unsinn, du weißt genau, dass es an Alex liegt.

Sie setzte sich ihm gegenüber und schob ihm einen Ausdruck zu, sobald Alex wieder Platz genommen hatte. „Also, das sind die verfügbaren Lokale mit Gästekapazität und Preisen. Der Metropolitan Club ist nur noch an einem einzigen Tag zu haben. Aber ich glaube, die Trianon Suite vom Carlyle Hotel wäre sowieso die bessere Wahl. Ein Wochenende ist noch frei.“

„Ausgezeichnet, dann nehmen wir doch die Trianon Suite.“

Dass es so einfach sein würde, hatte Amanda nicht zu hoffen gewagt. „Hast du auch schon die Gästeliste, Alex?“

Lächelnd zog er einen Zettel aus seiner Brieftasche.

Während sie die Namensliste überflog, war Amanda sich ihres Herzschlags bewusst. Alex verkehrte in den besten Kreisen. Wenn die Party nur zwei oder drei der angesehenen Gäste gefiel und sie Amanda engagieren würden, wäre ihre Firma gerettet.

Plötzlich fiel ein Schatten auf das Blatt Papier. Irritiert sah Amanda auf und stieß einen erschrockenen Laut aus. Curtis, ihr heruntergekommener betrügerischer Exfreund, stand neben ihr. Sie musste sich sehr zusammenreißen, um gelassen zu bleiben.

„Hi, Amanda.“

„Hallo, Curtis. Ich habe jetzt leider keine Zeit für dich. Bitte entschuldige mich.“

Zweifellos wollte er sich nicht abwimmeln lassen. „War schon an deiner Wohnung, aber du …“

„Ich muss arbeiten, Curtis.“

„Diese Woche wird doch die erste Rate von deinem Firmendarlehn fällig. Kannst du überhaupt so viel Geld zurückzahlen?“

Hitze stieg ihr in die Wangen. Alex durfte auf keinen Fall von ihrer finanziellen Situation erfahren! Womöglich zog er seinen Auftrag dann zurück. Verlegen erwiderte Amanda: „Curtis, wir können uns später unterhalten, okay?“

Er schob die Hände in die Manteltaschen und rührte sich nicht vom Fleck. „Ich könnte dir etwas Bargeld leihen, wenn du abgebrannt bist.“

Das Geld, das er ihr leihen wollte, war wahrscheinlich sowieso ihres, weil er es unterschlagen hatte. Das konnte sie in Alex’ Gegenwart allerdings schlecht ausdiskutieren. Fieberhaft überlegte Amanda, wie sie Curtis jetzt loswerden konnte. „Warum redest du nicht mit meinem Anwalt über Geld?“

Obwohl sie nur bluffte, weil sie Curtis kaum etwas nachweisen konnte, bemerkte sie, wie er zusammenzuckte. Er fing sich jedoch schnell wieder. „Du brauchst nicht gleich ungemütlich zu werden, Amanda. Wir wissen doch beide, dass du kein Aufsehen machen willst, damit deine Eltern nichts von deinen … Schwierigkeiten erfahren.“

Sie unterdrückte ein Fluchen. Als sie zu Alex hinüberschaute, erwiderte er ernst ihren Blick und stand auf. Oh nein, er hat das Vertrauen verloren. Amanda wurde flau im Magen. Das Geschäft, das sie so dringend brauchte, drohte zu scheitern. Verzweifelt suchte sie nach einer Ausrede, um die Situation irgendwie zu retten. Allerdings fiel ihr absolut nichts ein.

Im nächsten Moment erkannte Amanda, dass Alex gar nicht daran dachte, sich zurückzuziehen. Erleichtert sah sie, wie er Curtis die Hand schüttelte. „Ich glaube, wir haben uns noch nicht kennengelernt. Ich bin Alexander Harper, Amandas Finanzberater.“

Curtis’ Pupillen weiteten sich, erstaunt riss er den Mund auf. Aus seinem Gesicht war jegliche Farbe gewichen, und er zuckte zusammen. Alex musste seine Hand sehr fest gedrückt haben. Kein Wunder, dass Curtis sie hastig zurückzieht, dachte Amanda.

Verunsichert schaute er von Alex zu Amanda. „Ich bin Curtis Wilks, Amandas Freund“, stellte er sich schließlich vor.

„Exfreund“, stellte sie klar. „Seit du unsere Wohnung gekündigt hast und ausgezogen bist, während ich verreist war, will ich nichts mehr mit dir zu tun haben.“

Er hatte sie tatsächlich aus heiterem Himmel mit einem Stapel Rechnungen alleingelassen. Unglücklicherweise war der Mietvertrag nur auf seinen Namen ausgestellt worden. Daher hatte Curtis die Wohnung einfach kündigen und die Kaution einstecken können. Amanda hätte auf der Straße gestanden, wäre sie nicht bei Julia untergekommen.

Jetzt fing Curtis sich. „Also, wegen dieses Darlehns …“

Alex unterbrach ihn. „Wenn Amanda finanzielle Unterstützung braucht, werde ich das organisieren. Ist das klar?“, erklärte er in frostigem Ton.

Überrascht sah Amanda ihn an. Sie war zwar nicht gewohnt, dass ihr jemand zu Hilfe kam, aber es tat irgendwie gut.

„Ja, ja.“ Curtis gab sich geschlagen und trat einen Schritt zurück. „Wir seh’n uns, Amanda.“

Darauf kann ich gut verzichten, dachte sie, während sie beobachtete, wie er das Café verließ.

„Komm, pack deine Sachen“, sagte Alex. „Sie sollen uns die Bestellung mitgeben.“

„Wieso?“

„Ich will erst einmal wissen, was in deiner Firma läuft. Du möchtest deine finanzielle Lage doch sicher nicht in aller Öffentlichkeit mit mir besprechen. Darum ist es wohl besser, wenn wir zu dir gehen.“

Die Vorstellung, Alex in ihre Wohnung zu bitten, gefiel Amanda nicht besonders. Entschlossen blieb sie sitzen. „Ich möchte meine Finanzen überhaupt nicht mit dir besprechen.“

„Gut, wenn du mich nicht einweihst, gebe ich dir den Auftrag eben nicht.“

Seufzend brachte sie hervor: „Okay, wir gehen zu mir.“

2. KAPITEL

„Lass uns erst einmal Kaffee trinken“, sagte Alex, nachdem sie die Mäntel abgelegt hatten.

Seit sie das Café verlassen hatten, mied Amanda den direkten Blickkontakt mit ihm. Wortlos ging sie mit der Tüte Gebäck in ihre kleine Küche, nahm zwei Teller aus dem Schrank und verteilte die Muffins darauf. Sie griff routiniert nach Kaffeebechern und stellte sie auf den modernen Tisch. Alex entging jedoch nicht, dass ihre Bewegungen zögernd waren.

„Amanda?“

Endlich sah sie ihn an. „Was hat Julia dir schon alles über mich erzählt?“

„Kaum etwas.“ Das war die Wahrheit. Sosehr er auch versucht hatte, die Frau seines besten Freundes über Amanda auszufragen, Julia hatte nichts ausgeplaudert. „Ich weiß nur, dass du dich von Curtis Wilks getrennt hast und an keiner neuen Beziehung interessiert bist.“

Und das hatte Julia wohl nur erwähnt, weil Amanda jeden Annäherungsversuch von ihm abgeschmettert hatte – obwohl es deutlich zwischen ihnen funkte. Er verstand zu viel von Frauen, um nicht zu merken, dass Amanda ihn attraktiv fand.

Seufzend strich sie sich mit den Fingern durch ihr blondes Haar, und es lag gleich wieder perfekt.

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