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So schreiben Sie mühelos ein tolles dickes Buch / So schreiben Sie einen sagenhaften Stil

Jürgen Müller

So schreiben Sie mühelos ein tolles dickes Buch / So schreiben Sie einen sagenhaften Stil

Creative Writing – Kreatives Schreiben





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort zum ersten Buch

George Simenon schrieb rund 400 Romane und 51 Erzählungen in nur vier Jahrzehnten Schriftstellerdasein, die meisten seiner Bücher vollendete er in weniger als zwei Wochen; Sie aber sitzen oft Stunde um Stunde vor dem leeren Bildschirm, starren auf die Tastatur, die klappern sollte, es aber nicht tut, und wenn Sie doch ein paar Zeilen oder Seiten zustande bringen, sind sie meist so schlecht, dass Sie sie am nächsten Tag wieder löschen müssen.

Warum empfinden die anderen Schreiblust und Sie nur Frust?

Warum fällt Ihnen nichts ein, andere aber produzieren ausgereifte Texte en masse?

Sie wollen ein Buch schreiben? Und es soll dick und toll werden? Und Sie wollen sich dabei nicht unnötig quälen müssen, sondern locker und zügig vorankommen und sogar Freude beim Schreiben empfinden?

Gut. Dann ist dieser Ratgeber genau das, was Sie brauchen, um Ihr Ziel zu erreichen.

So schreiben Sie mühelos ein tolles dickes Buch

Georges Simeon wusste haargenau, was er schreiben wollte, wenn er mit dem Tippen eines seiner unzähligen Manuskripte begann. Denn die zwei Wochen pro Roman beinhalten nur die reine Schreibzeit, nicht aber die Vorarbeiten wie das Ersinnen der Handlung und die Charakterisierung der Figuren.

Ja, er hatte sogar vor dem Schreiben immer genaue Pläne der Handlungsorte und Zimmerausstattungen angefertigt, um zu wissen, wo sich was befindet! Ohne diese Pläne konnte er nicht arbeiten und hätte genauso verzweifelt vor seiner Schreibmaschine gesessen wie Sie vor Ihrer Tastatur.

Das eingerechnet wird er zirka einen Monat pro Manuskript gebraucht haben – eine immer noch schier unglaubliche Leistung, gewiss.

Aber zum Glück muss niemand 400 Romane schreiben, um als Autor anerkannt zu werden. Die meisten Schriftsteller schreiben ein bis drei Titel pro Jahr und gelten trotzdem als produktiv. Dies zu Ihrer Beruhigung.

Was wir von Georges Simenon aber lernen können, ist, dass man erst seine Hausaufgaben machen muss, bevor man mit dem Schreiben beginnt. In einen Schreibrausch kann sich nur hineintippen, wer vorher weiß, was er schreiben will.

Wissen, was man schreiben will, ergibt Schreiblust; keine Ahnung, worüber man schreiben soll, Schreibfrust.

 

Regel Nummer 1: Setzen Sie sich nie vor die Tastatur, solange Sie nicht wissen, worüber Sie schreiben wollen oder wie der begonnene Text weitergeht. Ideen hat man vor dem Schreiben, nicht währenddessen! Es können höchstens noch welche hinzukommen.

 

Sie haben keine Ideen? Macht nichts! Nach der Lektüre des Kapitels Ideen am laufenden Band werden Sie nicht wissen, welche Sie zuerst umsetzen sollen.

Doch dazu später. Nehmen wir jetzt einmal an, Sie hätten eine Idee. Sagen wir, der Text soll von einem Aussteiger handeln, der hinauszieht in die Wildnis und sich dort allein behauptet.

Sie sind voller Tatendrang, haben jeden Tag zwei Stunden Zeit zum Schreiben und möchten nichts anderes als loslegen, doch bevor Sie es dürfen, müssen Sie erst einmal dies und das recherchieren, das ist Ihnen klar. Denn Sie sind Stadtmensch und wissen so gut wie nichts über das Leben in der Natur. Sie brauchen erst einmal genaue Informationen über Wald und Flur, Moor und Sumpf, Fuchs und Iltis. lm Zeitalter von Wikipedia und Co. ein Klacks in Form einiger Klicks, doch es kostet Zeit. Wollen Sie es richtig machen, sehr viel Zeit.

Elizabeth Georges zum Beispiel, die in Kalifornien lebende »Meisterin des englischen Spannungsromans«, reist vor jedem ihrer Romane erst einmal für Wochen oder Monate nach England, beschaut und fotografiert die im Voraus ausgewählten Handlungsplätze und macht sich mit der Arbeitsweise von Scotland Yard, der dortigen Sensationspresse und dem Treiben in Großbritanniens Unterhaus und vielen anderen Dingen, die sie für das jeweilige Buch wissen muss, vertraut.

Das alles empfindet sie als nötiges Übel, erst dann kehrt sie in die Vereinigten Staaten zurück und macht sich an die Erfindung der Romanfiguren.

Und erst danach, nach Monaten Arbeit, kommt sie zum vergnüglichen Teil der Sache: zur Rohfassung. Jetzt endlich darf sie schreiben. Spaß hat ihr das Ganze bisher nicht gemacht.

Andere Autoren ziehen erst einmal in die Stadt, über die sie schreiben wollen, leben mehrere Jahre in ihr, machen sich mit Milieu und Leuten vertraut, bis sie den kleinsten Winkel kennen, und wagen es erst dann, über diese Stadt zu schreiben. Aber dann ist das Buch voll von Atmosphäre und wird zumeist ein Welterfolg. Die Hausarbeiten haben sich gelohnt.

Wollen Sie sich nicht bei den Lesern durch ungenaue, fehlerhafte Beschreibungen blamieren, wollen Sie überhaupt erst einmal Leser gewinnen, dann müssen Sie ebenfalls erst einmal Ihre Hausarbeiten machen, sprich sich über alles, was Sie nicht wissen, gründlich informieren.

Anders geht es nicht, wenn Sie ernst genommen werden wollen. Die Zeiten, in denen die meisten Menschen ihr ganzes Leben auf der heimatlichen Scholle verbrachten und nicht wussten, wie es zwanzig Kilometer weiter aussah, sind leider längst vorbei. Mit Schwindeleien und Ausschmückungen kommen Sie nicht mehr durch.

Selbst wenn Sie Science Fiction oder Fantasy schreiben, müssen Sie eine stimmige Welt entwickeln. Dann erst recht! In diesem Falle müssten Sie entweder über die Wissenschaft oder über das Leben im Mittelalter Bescheid wissen.

Das bedeutet jetzt für Sie mit Ihrem geplanten Aussteiger-Roman, alles Mögliche über Wildschweine, Mischwälder, Hochgebirge, Wölfe und Rebhühner aus dem Internet herunterzuladen, Bildbände und Sachbücher zu kaufen und alles genau studieren, sich Notizen machen und und und ... Vielleicht wäre es auch angebracht, in eigener Person mal in den Wald zu gehen und dort Augen und Ohren offen zu halten.

Losschreiben wollen und nicht dürfen aber erzeugt Frust. In den nächsten Wochen können Sie noch nicht schreiben – erst die Arbeit, dann das Vergnügen, wie es so schön heißt.

Muss das so sein?

Ich sage Nein!

Um loslegen zu können, müssen Sie wissen, wie Ihr Buch beginnt, was Ihrer Hauptfigur im Verlauf der Handlung in etwa alles geschieht und – nicht zu vergessen! – wie es endet. Allein aus einer Ausgangssituation heraus einen ganzen Roman aufzubauen, ist unerhört schwierig. Das gelingt nur Stephen King und sonst kaum jemand. Ein in sich schlüssiges Ganzes wäre Zufall für Sie. Sie sollten also immer schon wissen, wie das Buch endet, bevor Sie sich ans erste Kapitel setzen.

Sich wochenlang mit einem Stufendiagramm, den Charakterstudien und Lebensläufen Ihrer Helden zu befassen, ist allerdings unnötig und erzeugt im Übrigen ebenfalls Frust. Ein grober Handlungsablauf und ein, zwei Charakterzüge der Hauptfiguren genügen vorerst allemal. Wenn Ihnen in der Mitte des Textes einfällt, dass Ihr Held doch lieber blaue statt braune Augen hat, können Sie das in Minutenschnelle durch »Suchen und Ersetzen« ändern. Schließlich leben wir nicht mehr im Schreibmaschinenzeitalter, wo Sie in diesem Falle den ganzen Text noch einmal abtippen müssten.

Was Sie jetzt machen, ist der goldene Mittelweg. Statt einfach drauflos zu schreiben oder aber vor dem Schreiben alles bis ins Klitzekleinste auszuarbeiten, arbeiten Sie mit groben Orientierungspunkten. Auch das führt zum Ziel. Der goldene Mittelweg muss nicht immer der schlechteste sein. Außerdem sparen Sie viel Zeit.

Wenn Sie also wissen, dass Ihr Held im ersten Kapitel in ein Moor gerät, im zweiten auf Wildschweine trifft und im dritten einen Fuchs beobachtet, so lassen Sie vorerst die Wildschweine Wildschweine und den Fuchs Fuchs sein. Heute beginnen Sie das erste Kapitel, und dieses handelt in einem Moor!

Gehen Sie ins Internet, geben Sie den Begriff »Moor« in einer Suchmaschine ein und laden Sie sich aus dem gigantischen Angebot das Wichtigste herunter. Das dauert vielleicht zehn Minuten. Drucken Sie das Ganze aus, überfliegen Sie es und unterstreichen Sie die wichtigsten Begriffe. Zeit: zwanzig Minuten.

Geschafft?

Gut. Sie wissen jetzt von Hochmooren und Niedermooren, von Torfmoosen und Weißtorf und Schwarztorf, von der Moosbeere, der Glockenheide und der Besenheide, vom Scheidigen Wollgras und dem Rundblättrigem Sonnentau mit seinem von Juli bis August sichtbaren Blütenstand. Sie wissen, wie die Moore entstanden und wie man sie trockenlegt. Sie wissen auch, wie eine Moorleiche entsteht und wie sie aussieht. Sie können ab sofort mit den Begriffen Sediment, Schilf, Rohrkolben und Moorhuhn brillieren und kennen den Unterschied zwischen einem Sumpf und einem Moor.

Und das reicht! Über Wildschweine können Sie sich informieren, wenn Sie das zweite Kapitel beginnen. Für heute aber haben Sie genug recherchiert. Nach nur einer halben Stunde Vorbereitungszeit können Sie loslegen und Ihren Aussteiger in ein Moor tapsen lassen. Aber lassen Sie ihn nicht vollständig versinken –Sie brauchen ihn später noch.

Nach einer weiteren halben Stunde dürften Sie die ersten 200 Wörter Ihres neuen Romans als Rohfassung getippt haben. Das schafft jeder. 200 Wörter Rohfassung schaffen manche in zehn Minuten. Schreiben Sie alles so auf, wie es Ihnen in den Sinn kommt, mit den einfachsten Worten und ohne nachzudenken. Kümmern Sie sich nicht um Grammatik und Rechtschreibung, Stil und Klang. Das kommt später. Das ist der nächste Schritt. Arbeiten Sie schön der Reihe nach.

Hören Sie jetzt auf mit dem Schreiben. Weitere Einfälle zum Verlauf der Handlung, die Ihnen vielleicht gerade jetzt in den Sinn kommen, notieren Sie vorerst nur stichpunktartig weiter hinten im gleichen Dokument.

Sie haben in etwa eine sogenannte Normseite von sechzig Zeichen à dreißig Zeilen vor sich liegen. Ihr fehlt nur noch der Feinschliff, sprich eine Überarbeitung, die sich gewaschen hat. Verwenden Sie dazu die letzten sechzig Minuten Ihrer zwei Stunden, die Sie fürs Schreiben Zeit haben.

Worauf Sie im Einzelnen bei der Überarbeitung zu achten haben, um ein wirklich »tolles dickes Buch« zu schreiben, erläutere ich ausführlich im Kapitel Eine einzige Überarbeitung macht's auch.

Sie haben eine halbe Stunde recherchiert, eine halbe Stunde geschrieben und eine Stunde am Text gefeilt. Und das hat Spaß gemacht. Abwechslung versüßt das Leben.

Klopfen Sie sich jetzt auf die Schulter, freuen Sie sich. Sie haben etwas geschafft. Sie haben eine ganze Seite fertig!

Das klingt nach nicht viel. Aber schon nach einem Monat werden es 30 fertige Seiten zu insgesamt 6000 Wörtern sein.

Gewiss: Stephen King, der seit Jahrzehnten jeden Tag einschließlich Geburtstag, Weihnachten und Silvester seine 2000 Wörter schreibt, bringt im gleichen Zeitraum 60000 Wörter zu Papier, also das Zehnfache.

Aber er hat im Gegensatz zu Ihnen noch nicht eine einzige Seite fertig! Sie sind ihm weit voraus. Bei ihm handelt es sich lediglich um eine Erstschrift, die er noch einmal vollständig überarbeiten, verbessern und kürzen muss, in der er ganze Kapitel neu schreiben und andere löschen wird. Und dann wird er noch ein drittes Mal damit beginnen, wie er es konsequenterweise bei jedem seiner Bücher tut: Stephen King schreibt drei Monate lang eine Erstschrift von 180000 Wörtern und dann überarbeitet er sie mindestens zwei Mal, bis sie ihm druckreif erscheint, was ebenfalls einige Monate dauert.

Glauben Sie, es macht Spaß, einen Text von 180000 Wörtern zu überarbeiten und während dieser Zeit nicht schreiben zu können, und das gleich zwei Mal hintereinander? Gott bewahre! Das ist Schwerstarbeit und Frust pur. Schließlich sind Sie Schriftsteller und kein Deutschlehrer, der gern Aufsätze korrigiert.

D

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