Logo weiterlesen.de
So prickelnd wie Champagner

Nicola Marsh

So prickelnd wie Champagner

1. KAPITEL

Der bronzene Gott war praktisch nackt. Die Bewegungen seiner harten Muskeln unter der glänzenden gebräunten Haut waren deutlich zu erkennen, als er ein Tablett mit Cocktails und Champagnergläsern durch die Menge trug.

„Wenn du die Augen noch weiter aufreißt, fallen sie dir bald aus dem Kopf.“

Starr Merriday blinzelte, dann war der Bann gebrochen. Widerstrebend wandte sie den Blick von dem Kellner ab und sah ihre beste Freundin Kitty – genannt Kit – an.

„Du bist selbst schuld, schließlich hast du mich in diese Höhle des Lasters mitgenommen.“

Kit zog vielsagend die Augenbrauen hoch und lachte. „Ja – und du genießt es offenbar sehr.“

„Ich muss gestehen, es hat auch seine guten Seiten“, räumte Starr ein. Wieder betrachtete sie den Kellner, ließ den Blick von seiner muskulösen Brust mit den dunklen Härchen hinunter zu seinem Nabel gleiten …

„Himmel, was muss man eigentlich tun, um hier etwas zu trinken zu bekommen?“

Kit lächelte frech. „Dir ist wohl ein bisschen heiß geworden, stimmt’s?“

„Kann man so sagen.“ Starr war sehr dankbar, dass die Kellner von der Taille abwärts bekleidet waren – und noch dankbarer, dass Kit sich eine der berüchtigten Cocktailpartys ihrer umtriebigen Mutter ausgesucht hatte, um sie, Starr, gebührend zu verabschieden. Denn ein Raum voller halb nackter Männer war das beste Mittel, um sie von der Tatsache abzulenken, dass sie keine Arbeit, kein Zuhause und kein Geld hatte.

„Sieh nicht hin, aber ich glaube, er taxiert mich“, sagte Kitty und wies mit dem Kinn diskret auf den bronzefarbenen Gott.

In dem Moment, als Starr hinüberschaute, stolperte er. Das Tablett glitt ihm aus der Hand und ein Großteil der Cocktails ergoss sich über einen neben ihm stehenden Gast.

Amüsiert und mitfühlend zugleich beobachtete Starr, wie der Kellner den Schaden zu beheben versuchte, während der Gast ihn stirnrunzelnd mit einer Handbewegung wegscheuchte.

Inmitten der halb nackten Männer wirkte der elegant gekleidete Mann fehl am Platz, als er sich die Krawatte gerade rückte und versuchte, trotz des Champagners und der Mojitos, die seinen Armani-Anzug durchnässt hatten, cool zu wirken.

„Ich misch mich jetzt mal unters Volk“, kündigte Kit an. „Vielleicht finde ich ja ein weniger ungeschicktes Exemplar.“

Während ihre Freundin auf die Bar zusteuerte, glitt Starrs Blick unwillkürlich zu dem Mann zurück. Eigentlich waren geschniegelte Typen in schicken Outfits nicht ihr Fall, doch dieser hier war irgendwie anders: Er hatte eine ganz besondere Haltung, war groß und strahlte eine Aura von Autorität und Unbezwingbarkeit aus. Trotz des Unfalls mit den Cocktails wirkte er nach wie vor stilvoll und stolz. Ein wenig gebieterisch ließ er den Blick über die Menge gleiten – bis er ihrem begegnete.

Starr schrak zusammen und senkte die Lider. Erstaunt stellte sie fest, dass ihre Haut prickelte und ihr Herz schneller schlug. Klug wäre es gewesen, sich jetzt schleunigst davonzumachen. Doch klug hatte sie schon lange nicht mehr gehandelt, wie der chaotische Zustand ihres Lebens eindrucksvoll belegte.

Vielleicht hing ihre unerklärlich heftige Reaktion auf den Fremden ja damit zusammen, dass sie sich schon zu lange in diesem Raum voller halb nackter Männer aufhielt. Doch als Starr langsam den Kopf hob und ihre Blicke sich erneut begegneten, zeigte ihr Körper dieselben unkontrollierbaren Symptome.

Der Mann hob fragend eine Augenbraue und verzog süffisant den Mund. Am liebsten wäre Starr auf der Stelle zu ihm hinüber gegangen, um unmissverständlich klarzustellen, dass sie kein Interesse an ihm hatte. Doch als der arrogante Zug nun einem Lächeln wich, wusste sie, dass sie sich etwas vormachte und der Anziehung des Fremden bereits erlegen war.

Starr war nur hergekommen, um nicht den ganzen Abend darüber zu grübeln, in was für einer Lage sie sich aufgrund einer einzigen Fehlentscheidung befand: Sie hatte sich auf den falschen Mann eingelassen. Doch das würde ihr nicht noch einmal passieren.

Warum also warf sie jetzt einem Fremden vielsagende Blicke zu, obwohl sie gar nicht die Absicht hatte, der Sache weiter nachzugehen?

Starr steuerte auf den verglasten Balkon der im fünfzigsten Stock gelegenen Suite zu, von dem aus man einen tollen Blick auf Sydney hatte. Vielleicht würde ihr die frische Luft helfen, wieder zur Vernunft zu kommen. Na klar, dachte Starr ironisch. Und bestimmt geschieht dann auch gleich noch ein zweites Wunder.

Sie trat aus dem überfüllten Raum auf den Balkon und war froh, ganz für sich zu sein.

Kein Zweifel, Kits Mum wusste, wie man eine Party schmiss. Nachts erwachte Sydney zum Leben, es wurde bis zum Morgengrauen getanzt, und Starr liebte das über alles. Sie beobachtete, wie eine Fähre vom Circular Quay zu einer Fahrt ablegte, die auch sie selbst unzählige Male gemacht hatte. Tief unter ihr glitzerten die Lichter der Stadt, und dass Starrs Abschied unmittelbar bevorstand, tat ihr noch immer weh – obwohl sie eine Woche lang Zeit gehabt hatte, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Sydney war jetzt ihre Vergangenheit und Melbourne ihre Zukunft.

„Auf der Flucht?“, fragte plötzlich jemand hinter ihr; der Klang der tiefen Stimme ließ Starr erbeben und sie fuhr herum.

Der fremde Mann stand vor ihr – und er war aus nächster Nähe noch viel atemberaubender. Sie konnte nicht erkennen, welche Farbe seine Augen hatten oder was sie ausdrückten, aber in seiner Stimme schwang ein leicht amüsierter Unterton mit.

Er war ihr auf den Balkon gefolgt und versuchte offenbar, ihr eine Reaktion zu entlocken. Starrs erster Impuls war, ihn zum Teufel zu jagen, aber sie war nun einmal kein Mensch, der sich in Selbstmitleid suhlte. Und jetzt war doch sicher genau der richtige Zeitpunkt, um ihr neues Vorhaben – Gleichgültigkeit gegenüber dem männlichen Geschlecht – auszuprobieren.

„Ich brauchte einfach etwas frische Luft. Und wie lautet Ihre Erklärung?“

„Da drinnen sind mir zu viele Leute“, er wies mit dem Daumen hinter sich. „Und die einzigen interessanten stehen hier draußen.“

„Ziemlich lahme Ausrede“, stellte Starr fest.

Als der Fremde sie mit einer Geste dazu aufforderte, neigte Starr sich unwillkürlich näher zu ihm. „Möchten Sie mir vielleicht dabei helfen, meine Technik zu perfektionieren?“

„Nein. Ich habe keine Lust auf seichten Small Talk und dumme Sprüche.“

Er lachte. „Wie wäre es dann mit einem anspruchsvollen Gespräch?“

„Kein Interesse.“ Energisch tippte Starr ihm mit den Fingern gegen die Brust. Als sie seine festen Muskeln spürte, wurde ihr klar, dass sie einen Fehler gemacht hatte, denn die Berührung glich einem Stromschlag. Hastig zog sie die Hand zurück.

Um seinen Mund zuckte es leicht, doch der Fremde wich nicht von der Stelle. „Ich habe verstanden.“

Schlagartig wurde Starr bewusst, dass ein so männlicher Typ wie er ihr Widerstreben sicher als Herausforderung empfinden würde.

„Das heißt allerdings nicht, dass ich nachgeben werde.“

Sein gebieterischer Tonfall ließ Starr erstaunt die Augenbrauen hochziehen. Was maßte dieser Kerl sich eigentlich an?

„Sofern Sie mich nicht mit der Aussicht auf eine Traumstelle in Melbournes bester Tanzkompanie dazu nötigen, Ihnen weiter zuzuhören, können Sie verschwinden.“

Doch ihre Streitlust schien ihn ganz und gar nicht abzuschrecken. Er verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich gegen das Geländer und sah sie interessiert an. „Sie brauchen Arbeit in Melbourne?“

„Ja.“

Und zwar ziemlich dringend. Die Tanzkompanien in Sydney kamen nicht mehr infrage, also hatte Starr sich ein Flugticket nach Melbourne gekauft, um nach Kräften vorzutanzen und eine Stelle zu finden – irgendeine Stelle – und sich ein neues Leben aufzubauen.

„Ich hätte einen Job zu vergeben.“

Starr hob das Kinn und warf dem Fremden einen vernichtenden Blick zu, was diesen, nach seinem selbstbewussten Lächeln zu schließen, jedoch nicht im Geringsten zu beeindrucken schien. „Ach ja? Als Putzfrau vielleicht? Oder als Köchin?“

„Nicht ganz. Ich brauche eine Allround-Sekretärin.“

„Tja, da sind Sie bei mir leider an der falschen Adresse.“

Er neigte sich so nah zu ihr, dass ihr Herz heftig zu schlagen begann und sie sich am liebsten an seinen breiten Oberkörper geschmiegt hätte. Um sich zu beruhigen, atmete Starr tief durch. Doch dabei stieg ihr eine betörende Mischung aus dem Duft frischer Limonen, Tequila und Erdbeeren in die Nase.

„Sind Sie immer so abweisend?“

„Sind Sie immer so direkt gegenüber Leuten, die Sie nicht kennen?“

„Dass wir uns nicht kennen, lässt sich ja leicht ändern.“

Als er ihr die Hand reichte, hatte Starr keine andere Wahl, als diese zu schütteln. Sie biss sich auf die Lippe, als erneut ein leichter Stromschlag ihren Arm zu durchzucken schien.

„Ich heiße übrigens Callum Cartwright, leite die Cartwright Corporation und suche dringend vorübergehend eine Assistentin, bis ich diese Stelle dauerhaft besetzen kann.“

„Ich heiße Starr Merriday und bin keine Assistentin, sondern Tänzerin.“

„Wie schade“, fand der atemberaubende Fremde und reichte ihr eine Visitenkarte. „Für den Fall, dass Sie es sich anders überlegen.“

Starr schnaufte leise. „Sie geben nie auf, stimmt’s?“

„Nein, das Wort ‚aufgeben‘ gehört nicht zu meinem aktiven Wortschatz.“

Sie drehte das Kärtchen in den Fingern hin und her und hätte nur zu gern einen Blick darauf geworfen, wollte ihm diese Befriedigung aber nicht gönnen.

„Lassen Sie mich raten: Sie sind einer von diesen fordernden, kontrollierenden Chefs, die ein ‚Nein‘ einfach nicht akzeptieren.“

Einen kurzen Moment lang spiegelte sich ein merkwürdiger Ausdruck auf seinem Gesicht, den sie nicht deuten konnte. „Man schafft es nicht, der Beste zu werden, indem man sich vorschnell zufriedengibt – egal womit.“

„Das werde ich mir merken.“

„Sind Sie ganz sicher, dass ich Sie nicht doch locken kann?“

Starr hätte ihm eine endgültige Abfuhr erteilen können, um absolut kein Risiko einzugehen. Doch darauf hatte sie keine Lust mehr, denn diese Taktik hatte sie in den letzten Jahren nicht sonderlich weit gebracht: Sie war die Beste in ihrem Job gewesen, ihrer Tanzkompanie sieben Jahre lang treu geblieben und hatte ihrem Partner vertraut. Und was hatte ihr das genützt?

„Das kommt darauf an“, erwiderte sie deshalb und lehnte sich näher zu ihm, während ihre Sinne verrückt spielten. „Was können Sie mir denn bieten?“

Nun konnte sie erkennen, dass er dunkle, geheimnisvolle Augen hatte, deren Ausdruck ihr deutlich zeigten, dass der Fremde sie anziehend fand. Starr spürte seine Erregung wie einen sinnlichen Kokon, der sich um sie beide legte. Das Prickeln, das sie bei den kurzen Berührungen verspürt hatte, kehrte um ein Vielfaches verstärkt zurück und verleitete sie dazu, sich in Gefahr zu begeben.

„Wenn Sie die Stelle nicht wollen, was wollen Sie dann?“

Starr wollte flirten, sich weiblich und begehrenswert fühlen – all die Dinge, die in ihrer letzten Beziehung gefehlt hatten. Doch sollte sie sich deshalb wirklich an ihrem letzten Abend in Sydney auf einen One-Night-Stand einlassen?

Einen schier endlosen, aufregenden Moment lang, in dem Callum Cartwright ihr tief in die Augen sah, war die Verlockung übermächtig.

2. KAPITEL

Callum war an diesem Abend nur deshalb auf eine weitere langweilige Cocktailparty gegangen, weil er einen potenziellen Geschäftspartner umwerben wollte.

Er hatte die obligatorische Runde gedreht, Hände geschüttelt, Bekannten auf die Schulter geklopft und dann geduldig abgewartet, bis er gehen konnte, ohne unhöflich zu erscheinen. Doch genau in diesem Moment hatte dieser Trampel von Kellner ihn angerempelt.

Callum hatte sich ziemlich geärgert, bis sein Blick dem der umwerfenden Blondine auf der entgegengesetzten Seite des Raums begegnete, und plötzlich war sein durchnässter Anzug vergessen gewesen.

Er glaubte fest daran, dass man immer seinen Instinkten folgen sollte. Genau auf diese Weise hatte er es in der Finanzbranche, in der die Cartwright Corporation eine beherrschende Stellung einnahm, zu einem Millionenvermögen gebracht.

Also war er der blonden jungen Frau nachgegangen, als sie geflüchtet war. Dann hatte sie ihn mit Worten abgewiesen – und er sie verbal herausgefordert. Ganz eindeutig nicht ohne Wirkung: Ihre funkelnden Augen und ihr sinnlicher Mund hatten etwas ganz anderes ausgedrückt als ihre defensive Körpersprache.

Als er den Vibrationsalarm seines Handys spürte, sah er nach, wer der Anrufer war. Dann bat er die atemberaubende junge Frau, auf ihn zu warten, und ging zum anderen Ende des Balkons.

Sein Handy war ständig an – eine unverzeihliche Unhöflichkeit, wie seine letzte Assistentin immer wieder angemerkt hatte. Aber sie leitete ja auch kein Unternehmen und musste nicht den Überblick über finanzielle Transaktionen im Umfang von mehreren Milliarden Dollar behalten. Der Markt schlief nicht, und auch Callum tat es dieser Tage kaum.

Seit jener verhängnisvollen Nacht, durch die er überhaupt erst in dieser Branche gelandet war, hatte er kein einziges Mal durchgeschlafen. Und genau aus diesem Grund musste er diesen Anruf entgegennehmen: Denn der Anrufer war der einzige Mensch, der genau verstand, was in jener Nacht geschehen war – und der immer noch versuchte, auf seine eigene Art damit umzugehen.

Callum atmete tief ein. „Hallo Rhys, wie geht’s dir?“

„Ganz gut, Bruderherz. Und dir?“

„Wie immer. Wo steckst du denn?“

„Ich bin gerade ein paar Tage in Japan, dann geht’s weiter in die Staaten.“

„Kommst du irgendwann wieder nach Hause?“

„Mal sehen.“

Das bedeutete Nein, wie üblich. Während Callum sich nach dem Unfall in seine Aufgabe, das Familienunternehmen zu führen, gestürzt hatte, war Rhys geflüchtet. Er hatte in einem anderen Bundesstaat Australiens studiert und das Land sofort nach dem Abschluss verlassen. Seitdem machte er um Melbourne sowie um alles einen Bogen, was es mit sich brachte, ein Cartwright zu sein.

Darum beneidete Callum ihn. Auch er war vor langer Zeit einmal so, als er sorglos, egoistisch und verantwortungslos gewesen war. Als sein älterer Bruder noch gelebt hatte.

Die „Cartwright-Jungs“ hatten die Leute sie genannt, und sie waren ein echtes Team gewesen – vor dem Unfall, bevor Archie gestorben war und sein Tod ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte.

„Und wo bist du?“

„In Sydney, bei so einer langweiligen Cocktailparty, geschäftlich.“

Rhys zögerte, und als er sprach, war deutlich zu hören, dass er besorgt war: „Aber ist das nicht besser, als den heutigen Abend allein zu verbringen?“

Callum gab eine einsilbige Antwort, schob sich die freie Hand in die Tasche und zwang sich, seine angespannten Schultern ein wenig zu lockern. Er wollte über dieses Thema nicht reden. Das wollte er nie. Denn es würde nicht das Geringste ändern, darüber zu sprechen, was vor genau vierzehn Jahren passiert war.

„Ich verbringe den Abend mit ein paar Freunden.“

„Gut.“

Das Schweigen, das nun eintrat, zog sich in die Länge, wie immer bei ihren seltenen Telefongesprächen. Sie hatten einander dieser Tage nicht viel zu sagen, und bei den meisten Themen kamen sie unweigerlich auf die Vergangenheit zu sprechen.

Callum räusperte sich und blickte auf die Uhr. „Brauchst du etwas? Geld?“

„Nein, alles in Ordnung, aber trotzdem danke.“

„Also gut, ich muss dann mal auflegen.“

„Cal?“ Rhys’ leiser Atem war zu hören, dann sagte er: „Was damals passiert ist, war nicht deine Schuld.“

Als tiefer Schmerz Callum durchzuckte und ihn eines Besseren belehrte, legte er schnell auf. Natürlich war es seine Schuld gewesen – jeder einzelne Moment dieser schrecklichen Nacht vor vierzehn Jahren.

Meist gelang es ihm, nicht daran zu denken, indem er sich in seine Arbeit vertiefte. Doch an Abenden wie diesem wurde er von der Erinnerung überwältigt wie von einer mächtigen Lawine.

Müde rieb er sich die Augen, schob das Handy in die Hosentasche und blickte sich suchend um. Die blonde junge Frau war verschwunden.

Callum wollte den Flirt dort weiterführen, wo sie unterbrochen worden waren, denn die schlagfertige, temperamentvolle Blondine war genau die Ablenkung, die er jetzt brauchte. In dieser Nacht wollte er alles vergessen.

Er hatte ihr die Stelle nur angeboten, um sie herauszufordern, auch wenn ein kleiner Teil von ihm gehofft hatte, sie würde darauf anspringen. Denn Callum brauchte wirklich dringend eine vorübergehende Aushilfe. Die einzige Zeitarbeitsfirma, der er vertraute, hatte acht Wochen lang keine Assistentin verfügbar, und so langsam wurde es eng.

Auch eine wunderschöne Tänzerin mit ziemlich großer Klappe, einem Namen wie eine Filmschauspielerin und einem Körper, der eher für die Bühne prädestiniert war als fürs Büro, würde ihm in seiner misslichen Lage schon sehr helfen.

Wieder ließ Callum den Blick umherschweifen und entdeckte sie schließlich unter einer riesigen Pflanze beim Foyer. Ihm war klar, dass er eigentlich ins Hotel zurückfahren und sich mit einem exklusiven Single-Malt-Whisky trösten sollte. Stattdessen ging er wie ferngesteuert auf die Frau zu. Genau in diesem Moment blickte sie auf, warf ihr blondes Haar zurück und sah ihn aus tiefblauen Augen neugierig an. Was bei Callum nicht ohne Wirkung blieb.

Sie strahlte geradezu vor Lebendigkeit, von den Zehenspitzen, deren Nägel silbern lackiert waren, bis zu ihrem leicht zerzausten blonden Haar. Die junge Unbekannte war eigentlich gar nicht sein Typ, aber auf irgendetwas an ihrer Forschheit sprang sein Instinkt an.

„Erhoffe ich mir zu viel, wenn ich vermute, dass Sie auf mich warten?“

„Allerdings.“

„Ich hatte Sie doch vorhin gebeten, dass Sie nicht weggehen.“

Sie zuckte die Schultern. „Ich tue eben nicht immer das, was man von mir erwartet.“

Ja, sie hatte wirklich Temperament! Genau das brauchte Callum jetzt: leidenschaftlichen, frechen Übermut, damit ihn die schmerzlichen Erinnerungen nicht überwältigen würden.

„Trotzdem sind Sie immer noch hier.“

Sie legte den Kopf zur Seite und sah ihn aufmerksam an. „Ich wollte mich von einer Freundin verabschieden, aber offenbar hat sie sich mit einem der knackigen Kellner davongemacht.“

„Was? Mit so einem muskelbepackten, solariumgebräunten Neandertaler?“

Die junge Unbekannte hatte den schönsten Mund, den Callum je gesehen hatte: volle Lippen, ebenmäßige weiße Zähne und ein Lächeln, das Männer alles vergessen lassen konnte.

Als sie aus dem Schatten der riesigen Pflanze trat, zeigte sich noch einmal, wie unglaublich attraktiv diese Frau war. Das hatte weniger mit ihrem langen blonden Haar, den leuchtenden blauen Augen oder dem frechen Lächeln zu tun als mit der lebendigen, temperamentvollen Aura, die sie umgab. Ganz besonders auf einen Mann wie ihn, der sich in erster Linie mit seinem Unternehmen befasste, wirkte das äußerst faszinierend.

Noch nie war Callum einer Frau wie ihr begegnet: Er ging nur mit korrekt gekleideten, wohlhabenden Society-Damen aus, die stets kühl und gelassen blieben.

Starr Merriday dagegen strahlte heiße Leidenschaft aus und war das absolute Gegenteil der Frauen, mit denen er bisher zusammen gewesen war. Und genau deshalb konnte er sich einfach nicht losreißen.

„Ich würde Sie gerne nach Hause bringen, um sicherzugehen, dass Sie wohlbehütet ankommen.“

Callum rechnete damit, sofort eine Abfuhr entgegengeschmettert zu bekommen, und wartete ab, fasziniert von Starrs natürlicher Schönheit, ihrer Anmut und ihrem feurigen Temperament.

Am liebsten hätte er verlangt, sie nach Hause begleiten zu dürfen, sodass er noch mehr Zeit mit ihr verbringen konnte. Seine letzte Assistentin hatte das als zwanghaft bezeichnet: Er musste alles und jeden unter Kontrolle haben. Und es stimmte: Callum war es gewohnt, die Dinge in der Hand zu haben.

„Sie wollen mich nach Hause bringen?“ Provokant schob Starr eine Hüfte vor.

„Stimmt.“

Als sie ihre äußerst sinnliche Unterlippe zwischen die Zähne nahm, musste Callum den starken Drang unterdrücken, sie zu küssen. Er wollte sie. Es war eine irrationale, heftige und leidenschaftliche Sehnsucht.

Sie nickte kurz und legte ihm die Hand auf den Ellenbogen. „Also gut, wie Sie wollen.“

Am liebsten hätte Callum ihre Hand genommen und wäre mit Starr in eins der exquisiten Zimmer des Hotels gerannt. Doch als er losging, blieb sie stehen und lächelte verschmitzt. „Hier entlang.“ Sie führte ihn in Richtung der Aufzüge.

„Sie wohnen hier im Hotel?“

Starr nickte. „Nur heute. Ein Abschiedsgeschenk von meinen Freunden. Heute ist nämlich mein letzter Abend in Sydney.“

„Eine tolle Stadt“, sagte Callum, der Melbourne vor einigen Jahren im Sturm erobert und dort sein Vermögen aufgebaut hatte. „Ihnen ist klar, dass mein Angebot mit der Stelle ernst gemeint war, oder?“

„Wir finden doch sicher interessantere Gesprächsthemen als den Umstand, dass ich keine Arbeit habe“, entgegnete Starr.

Sie ging zu den Aufzügen, und Callum folgte ihr.

Er verspürte erneut heftiges Verlangen. Er wollte sich in ihr verlieren, wollte sich heißer Leidenschaft und wildem Sex hingeben und nichts mehr wahrnehmen als diese Frau.

Als der Aufzug schließlich kam, öffneten sich die Türen mit einem leisen „Pling“. Das Innere war opulent und äußerst stilvoll in Gold und Chrom gestaltet, und bodentiefe Spiegel zeigten die leichte Verzückung ihrer Gesichter.

Starr betrat den Aufzug und zog leicht an Callums Hand. „Kommen Sie?“

Mittlerweile tat Callum immer das Richtige, er handelte vernünftig, umsichtig und überlegt. Doch in diesem Moment, als ihre Augen frech funkelten und ein herausforderndes Lächeln ihre verführerischen Lippen umspielte, tat er das, wofür er in seiner Jugend bekannt gewesen war.

„Unbedingt“, sagte er und stieg ebenfalls in den Fahrstuhl, ohne ihre Hand loszulassen.

Als Starr auf den Knopf für den fünfundzwanzigsten Stock drückte, verspürte er einen Adrenalinstoß, denn er hatte schon lange nichts so Untypisches, Impulsives mehr getan.

„Du bist so ruhig“, sagte sie und merkte ebenso wenig wie er, dass sie zur vertraulichen Anrede übergegangen war. „Worüber denkst du nach?“

Callum sah sie mit einem durchdringenden Blick an, unter dem seine meisten Mitarbeiter erzittert wären.

„Ich frage mich, was an dir mich so fasziniert.“

Starr schenkte ihm ein kokettes, entzückendes Lächeln. „Ich werte das mal als Kompliment.“

„Das solltest du auch.“

„Und, hast du mein Geheimnis schon gelüftet?“

Callum strich ihr mit der Fingerspitze über die Wange. „Ja, langsam, aber sicher.“ Er ließ die Finger auf ihrer zarten Haut ruhen und fügte hinzu: „Du bist einzigartig.“

„Und?“

„Und ich möchte mehr herausfinden.“

Wieder ertönte ein dezentes „Pling“, bevor die Fahrstuhltüren sich lautlos öffneten.

„Ich möchte die ganze Nacht damit verbringen, mehr zu entdecken.“

Callum hielt den Atem an, als Starr seinen Kragen griff und sanft zog, sodass sein Gesicht ganz nah an ihren verführerischen Lippen war.

„Das lässt sich bestimmt einrichten.“

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "So prickelnd wie Champagner" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen