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So bilde ich erfolgreich aus

Dr. Anna K. Flamm/ Eberhard P. Flamm

So bilde ich erfolgreich aus

Aus der Praxis
eines Ausbildungsbeauftragten

Vorwort

Was Ausbildung anbelangt, sind sich die Unternehmen bewusst, dass sie heute in die Fachkräfte von morgen investieren. Doch was bedeutet das genau in einer Arbeitswelt, die sich im strukturellen Wandel befindet?

Sicher ist, es wird quer durch alle Betriebsgrößen und Branchen zu neuen Dienstleistungs- und Produktionsprozessen kommen, denn an den großen Schlagworten Digitalisierung und Transformation führt kein Weg vorbei. Genauso sicher ist, dass Digitalisierung und Transformation nicht ohne qualifizierte Fachkräfte funktionieren, die über ein breites Wissen verfügen. So wird kaum ein Berufsbild künftig ohne IT-Zusatzqualifikation auskommen. Neue Berufe entstehen - Berufe, die mit motivierten Auszubildenden wachsen und sich weiterentwickeln. Technologisch breit aufgestellte, zukunftsorientierte Unternehmen, wie die meisten Mittelständler, haben sehr gute Chancen, den Wandel erfolgreich zu meistern und hoch qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Jugendliche sollten diesen Wandel als Chance zu einem Aufbruch in die eigene berufliche Zukunft wach verfolgen. Denn eine gute Ausbildung ist ein wichtiger Eckpfeiler des Berufsfundaments. Um dieses Fundament erfolgreich zu legen, braucht es Unternehmen, die ausbilden, Jugendliche mit Engagement und Begeisterung für neue Berufsbilder und - ganz wichtig - Ausbildungsbeauftragte, die bereit sind, den Wandel hin zur Digitalisierung mitzugestalten und für ihre Berufsbilder, neue Tools und neue Methoden zu begeistern.

Nie waren die Zeiten in Sachen Ausbildung spannender als jetzt. Ausbildungsbeauftragte, die für ihr Berufsbild brennen, können ihr Feuer an ihre Auszubildenden weitergeben und es so in die Zukunft tragen. Worauf es entscheidend ankommt, ist, den jungen Menschen zu vermitteln, dass die Ausbildung erst den Start in ein Berufsfeld bedeutet, ein elementares Rüstzeug, das es im Laufe des Arbeitslebens immer wieder neu zu erweitern und anzureichern gilt. Im Wandel zur Industrie 4.0 sind Abstraktionsvermögen, selbstständiges Handeln, Systemverständnis und Veränderungsbereitschaft wichtig, es reicht nicht aus, auf dem Stand der Ausbildung stehen zu bleiben. Der wichtigste Impuls, den Ausbildungsverantwortliche also bei ihren Auszubildenden setzen können, ist, ihnen in der Ausbildung die Begeisterung für Veränderung zu vermitteln, die Freude an ernst gemeintem Austausch, der neue Perspektiven eröffnet, und die Bereitschaft, immer wieder über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich weiterzuqualifizieren.

Die richtigen Menschen für die Zukunft von morgen zu begeistern, das ist Kernaufgabe der Ausbildungsbeauftragen in diesem disruptiven Umfeld. Wie das in der Praxis gelingen kann, zeigt dieses Buch, das langjährige Ausbildungserfahrung und moderne Ansätze von beiden Autoren spannend und kurzweilig aufbereitet. Ein lesenswertes Buch zur Ausbildung! Ich verspreche Ihnen eine interessante Lektüre und wünsche dem Buch und seinen Autoren viel Erfolg! Holen Sie sich hier das Rezept für eine moderne Ausbildung im Wandel!

Heidrun Riehle

Stv. Hauptgeschäftsführerin wvib e.V

Tim Machert wird Ausbildungsbeauftragter

1. Ausbilden ist elementar - auch bei der Hartung AG

2. Das Ausbildungsbeauftragten-Memo-Buch

3. Tims Rückblick

Auftrag, Rechte und Pflichten als Ausbildungsbeauftragte*r

1. Ein erstes, klärendes Gespräch

2. Ziele der Berufsausbildung

3. Ausbildende, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte

3.1 Handlungsfähigkeit vermitteln

3.2 Weisungsbefugnis und Fürsorgepflicht

3.3 Sorgfaltspflicht und Befolgen von Weisungen

3.4 Rolle, Rechte und Pflichten des Ausbildungsbeauftragten

4. Von der Ausbildungsordnung in die konkrete Ausbildung

Tim Machert bereitet sich auf seinen Azubi vor

1. Prinzipien für eine erfolgreiche Ausbildungsplanung

2. Die Welt der Azubis

3. Lutz’ Führungstipps

3.1 Führungstätigkeiten

3.2 Führungsstile

4. Organisatorische Vorbereitung auf den ersten Tag

Tim Machert bildet aus

1. Eine intensive erste Woche

2. Tim setzt sich mit dem Lehren und Lernen auseinander

3. Jonas lernt, Daten in ein System einzupflegen

4. Tim lernt, Führungsfehler zu vermeiden

5. Tim anerkennt Jonas‘ gute Leistung

6. Finja erklärt, wie man motiviert und bewusst kommuniziert

7. Tim kritisiert das Verhalten von Jonas

8. Zum Ausbilden unter Zeitdruck

9. Tim instruiert Jonas mit der ARIVA-Methode

Tim Machert verabschiedet seinen ersten Azubi

1. Finja und Tim blicken zurück und sprechen über Beurteilungen

2. Tim führt das Abschlussgespräch mit Jonas

3. Finja erläutert Tim, wie er immer besser werden kann

Tim Machert zieht seine Bilanz

1. Tim blickt auf seine Zeit als Ausbildungsbeauftragter

2. Wie bleibt man fit und am Ball?

3. Quintessenz

Literaturverzeichnis

Tim Machert wird Ausbildungsbeauftragter

1. Ausbilden ist elementar - auch bei der Hartung AG

Ausbilden ist elementar. Denn gute Fachkräfte sind schwer zu finden. Wer selbst ausbildet, macht sich unabhängig vom Arbeitsmarkt und stellt sicher, dass er über Nachwuchs verfügt, der das eigene Unternehmen von Grund auf kennt, mit dessen Prozessen und Regeln vertraut ist und sie gewinnbringend weiterführen kann. Damit spart sich das Unternehmen Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten, hat generell weniger Reibungsverluste bei der Einarbeitung zu beklagen und kann stattdessen – bei einer guten Ausbildung – auf die Identifikation seiner Auszubildenden mit ihrem Ausbildungsbetrieb bauen. Mehr noch: Das Unternehmen profitiert von den Arbeitsergebnissen und Leistungen seiner Auszubildenden, es erhält durch sie neue Ideen und Erkenntnisse, bleibt in der Auseinandersetzung mit ihnen geistig rege. Und das spricht sich rum. Erfolgreiche Ausbildungsbetriebe übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, genießen einen guten Ruf auf dem Arbeitsmarkt und haben ein positives Image. Wer ausbildet, hat somit in vielerlei Hinsicht einen Nutzen von seinem Engagement.

Ob ein Unternehmen junge Menschen ausbildet, ist letztlich eine unternehmenspolitische Entscheidung. In welchen Berufsbildern es ausbildet, hängt in der Regel von der mittelfristigen Unternehmensplanung ab, von der Unternehmensentwicklung, der Arbeitsmarktsituation in bestimmten Berufsfeldern und von der Eignung für bestimmte Berufsbilder.

Bei der Hartung AG, einem aufstrebenden Unternehmen, das weltweit erfolgreich agiert, ist man sich dieser Tatsachen bewusst. Seit Jahren spielt die Ausbildung junger Menschen hier eine wichtige Rolle, so dass wohl alle Mitarbeitenden den schon legendären Satz des Personalleiters Lutz Herwegh mitsprechen können: „Unsere Fachkräfte von morgen werden nicht geboren, sie werden von uns ausgebildet.“

Gerade weil dem so ist, sitzen Lutz Herwegh, seine jüngere Mitarbeiterin, die Ausbildungsleiterin Finja Janson, und Tim Machert, Einkäufer bei der Hartung AG, gerade im Büro von Finja Janson. Tim hat sich entschieden, in der Ausbildung als Ausbildungsbeauftragter mitzuwirken. Personalchef Lutz will ihm zu seiner Entscheidung gratulieren und dem frisch gebackenen Ausbildungsbeauftragten ‚ein paar wichtige Worte‘ mit auf den Weg geben.

„Nun Tim, ich bin sehr froh, dass du ab jetzt deine profunden Kenntnisse als Einkäufer an unsere Auszubildenden weitergibst. Du weißt ja: Unsere Einkäufer von morgen werden nicht geboren, sie werden von uns ausgebildet - von qualifizierten Fachkräften wie dir. Finja hatte mir mitgeteilt, dass in deiner Abteilung ein neuer Ausbildungsbeauftragter benötigt wird und ich war mit ihrem Vorschlag, dich zu fragen, sehr zufrieden. Jetzt bin ich glücklich, dass du die Verantwortung übernimmst und unseren jungen Auszubildenden den Einkauf und das professionelle Verhalten eines qualifizierten Einkäufers nahe bringst, damit wir auch in Zukunft gute Qualität zu besten Preisen beziehen und auf eine verlässliche Lieferkette bauen können. Übrigens, die jungen Leute wollen geführt werden. Bisher hast du ja noch keine Mitarbeitenden, die dir unterstellt sind - sobald der Azubi aber bei dir ist, bist du Vorgesetzter und damit Führungskraft. Das wird eine Herausforderung, die dich auch persönlich prägen wird. Stimmt‘s, Finja?“

„Oh ja. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man als Fachkraft seine Aufgaben alleine für sich erledigt oder ob andere von den eigenen Entscheidungen und Anweisungen abhängig sind. Auf einmal hat alles, was man tut oder lässt, Auswirkungen. Und, was man nicht vergessen darf: Die Azubis hören nicht nur, was man sagt, sie achten auch darauf, was man tut.“ „Und dann vergleichen sie auch noch, ob das übereinstimmt.“

2. Das Ausbildungsbeauftragten-Memo-Buch

„Ausbildungsbeauftragter sein, ist eine wichtige und zukunftsweisende Aufgabe, nicht nur für die Auszubildenden, sondern auch für dich selbst. Sie wird dich weiterbringen und prägen. Du wirst auf einmal Antworten geben auf Fragen, die du dir bisher vielleicht gar nie gestellt hast. Und du wirst Dinge lernen und erklären, von denen du bisher noch keine Vorstellung hast. Das ist spannend und hält agil. Damit alles Neue, was auf dich zukommt, einen Platz finden kann, schenke ich dir dieses Ausbildungsbeauftragten-Memo-Buch. Es ist ein sehr nützliches Werkzeug und gleichzeitig ein Zeichen der Wertschätzung der Hartung AG. Noch ist es leer, aber mit jedem Thema, das du besprichst, mit jeder Frage, die du dir oder andern stellst, füllen sich die Seiten. Nutze es sorgfältig und geschickt. Jede Eintragung macht es wertvoller. Bei Finja bist du bei allen Fragen, die unweigerlich auf dich zukommen werden, in guten Händen. Und wenn du einmal einen Tipp von einem alten Ausbildungshasen brauchst, meine Tür steht dir auch offen, sollte Finja nicht erreichbar sein.“ Lutz steht auf und schüttelt Tim die Hand.

Finja gratuliert ihm ebenfalls: „Vielen Dank, Tim - und auf eine gute Zusammenarbeit. Wenn du morgen um halb elf zu mir ins Büro kommst, können wir gerne deine grundlegenden Fragen, die du mir gemailt hattest, besprechen.“ „Vielen Dank an euch beide. Finja, wir sehen uns dann morgen.“

3. Tims Rückblick

Nach dem Gespräch mit Finja und Lutz geht Tim mit einem guten Gefühl nach Hause. Er ist jetzt also Ausbildungsbeauftragter. Finja und Lutz trauen ihm zu, dass er Verantwortung übernehmen und einer wichtigen Aufgabe neben seiner Tätigkeit als erfolgreicher Einkäufer bei der Hartung AG gerecht werden kann. Das ist toll. „Tim, Du weißt ja: Unsere Einkäufer von morgen werden nicht geboren, sie werden von uns ausgebildet - von qualifizierten Fachkräften wie dir…“ Beim Gedanken an Lutz‘ Rede muss Tim schmunzeln. Es ist ein stolzes Schmunzeln, ein Schmunzeln von einem erfolgreichen Einkäufer, der hoch motiviert ist, nun auch ein erfolgreicher und guter Ausbildungsbeauftragter zu sein.

Auftrag, Rechte und Pflichten als Ausbildungsbeauftragte*r

1. Ein erstes, klärendes Gespräch

Am nächsten Vormittag sitzt Tim - wie besprochen - wieder bei Finja im Büro: „Hallo Tim, schön, dass du da bist. Wir hatten ja gestern ausgemacht, dass wir heute einen Blick auf die grundlegenden Fragen richten, auf die es beim Ausbilden ankommt.“

„Ja, genau, das ist mir sehr wichtig. Ich habe sehr gerne zugesagt, als du mich gefragt hast, ob ich Ausbildungsbeauftragter in unserer Abteilung werden möchte, muss aber ehrlich zugeben, dass seit diesem Moment viele Fragezeichen in meinem Kopf herumspuken. Es wäre toll, wenn du mir helfen könntest, sie verschwinden zu lassen und stattdessen Antworten auf Fragen zu finden wie: Wofür bin ich als Ausbildungsbeauftragter überhaupt verantwortlich? Wie sieht meine Rolle aus? Was muss ich tun, was soll ich tun und was darf ich von den Auszubildenden erwarten?“

„Das mache ich gerne. Mein Vorschlag: Wir schauen gemeinsam ins Berufsbildungsgesetz, wo die meisten Ausbildungsfragen geregelt sind, so auch deine Rechte und Pflichten. Dann unterhalten wir uns über unsere jeweilige Rolle in der Ausbildung und dann werfen wir einen Blick auf das Thema Ausbildungsordnung, wo ich auch auf deine Fachkompetenz angewiesen bin, wenn es darum geht, was man im Einkauf alles vermitteln kann. Bist du einverstanden? „Das klingt für mich ganz vernünftig.“

2. Ziele der Berufsausbildung

„Dann fangen wir am besten ganz vorne mit Zielen und Begriffen der Berufsbildung an, wie sie der Gesetzgeber im Berufsbildungsgesetz definiert. Klingt im ersten Moment vielleicht trocken, ist es aber eigentlich gar nicht. Und es ist essentiell, denn nur, wenn man versteht, was man tun soll, kann man es auch richtig machen. Die Ziele, die mit der Berufsausbildung erreicht werden sollen, fasst der Gesetzgeber in § 1 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) folgendermaßen zusammen:

Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen. (§ 1 Abs. 3 BBiG)

„Kannst du etwas mit diesem Juristendeutsch anfangen, Tim?“ „Wenn ich es richtig verstanden habe, will der Gesetzgeber erstens, dass die Auszubildenden handlungsfähig werden und zweitens, dass sie genügend Berufserfahrung sammeln.“ „Richtig – dabei soll die ganze Ausbildung eine sinnvolle Struktur aufweisen, das meint der Text mit dem geordneten Ausbildungsgang. Deshalb gibt es auch eine Ausbildungsordnung. Dazu kommen wir später noch. Wie sammelt man deiner Meinung nach im Einkauf Berufserfahrung?“

„Ganz einfach, indem man mitarbeitet.“ „Bestens. Darf dein Auszubildender also mitarbeiten, wenn du ihm gezeigt hast, wie es geht?“ „Er darf nicht nur, er muss sogar, wenn ich das Berufsbildungsgesetz befolge, denn ohne Mitarbeit keine Berufserfahrung.“ „Genau. Ich sehe, du hast den Text durchdrungen.“

3. Ausbildende, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte

„Jetzt schauen wir uns ähnlich klingende Begriffe an, die gerne einmal für Verwirrungen sorgen, wenn sie verwendet werden. Es geht um die Begriffe Ausbildende, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte. Menschen und Institutionen, die mit einem Auszubildenden einen Ausbildungsvertrag abschließen, bezeichnet das Berufsbildungsgesetz als Ausbildende. In § 10 Absatz 1 BBiG heißt es:

Wer andere Personen zur Berufsausbildung einstellt (Ausbildende), hat mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag zu schließen. (§ 10 Abs. 1 BBiG) Aus diesem Vertrag ergeben sich für Ausbildende verschiedene Verpflichtungen. Was die Ausbildenden genau zu tun haben, steht im § 14 BBiG. Darauf werfen wir jetzt einen Blick, denn es ist die Grundlage für unsere Rechte und Pflichten als Mitwirkende bei der Ausbildung. Eine wichtige Sache möchte ich vorher noch ansprechen: Den Ausbildungsvertrag schließt bei uns die Hartung AG mit der oder dem Auszubildenden ab. Ausbildende ist also die Hartung AG.“

„Kann eine AG denn ausbilden? Schließlich ist sie ja kein Mensch?!“

3.1 Handlungsfähigkeit vermitteln

„Ganz genau, eine AG ist eine juristische Person, die nicht ausbilden kann. Das können nur natürliche Personen. Sehen wir uns also an, wozu die AG durch den Berufsausbildungsvertrag verpflichtet wird und überlegen uns dann, wer was erfüllen muss. So dürfte einiges klarer werden.

(1) Ausbildende haben

1. dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann,

2. selbst auszubilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen,

„Ok, weil die AG nicht selbst ausbilden kann, muss sie eine*n Ausbilder*in ausdrücklich damit beauftragen. Das bist in unserem Fall dann du als Ausbildungsleiterin, richtig?“

„Das siehst du vollkommen richtig, Tim. Deshalb muss ich bei der Hartung AG dafür sorgen, dass die Auszubildenden die Handlungsfähigkeit erlangen können und dass die Ausbildung so geplant wird, dass sie all das lernen können, was die Ausbildungsordnung vorschreibt.“

„Das hab ich verstanden, was mir aber noch nicht ganz klar ist, ist, woher ich das Recht habe, auszubilden.“ „Das ist eine sehr zentrale Frage: Woher bekommt man als Ausbildungsbeauftragter das Recht, Auszubildende auszubilden und damit zu führen, ihnen Weisungen zu erteilen, Rückmeldung zu geben, sie bei schlechtem Verhalten zu ermahnen und sie so zu Fachkräften heranzuziehen? Auch das regelt das Berufsbildungsgesetz. Dort steht unter anderem im § 28 BBiG:

(1) Auszubildende darf nur einstellen, wer persönlich geeignet ist. Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist.

(2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder wer nicht selbst ausbildet, darf Auszubildende nur dann einstellen, wenn er persönlich und fachlich geeignete Ausbilder oder Ausbilderinnen bestellt, die die Ausbildungsinhalte in der Ausbildungsstätte unmittelbar, verantwortlich und in wesentlichem Umfang vermitteln.

(3) Unter der Verantwortung des Ausbilders oder der Ausbilderin kann bei der Berufsausbildung mitwirken, wer selbst nicht Ausbilder oder Ausbilderin ist, aber […] die für die Vermittlung von Ausbildungsinhalten erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und persönlich geeignet ist.

Was bedeutet das jetzt konkret für uns? Es verdeutlicht noch einmal, dass die Hartung AG nicht selbst als Ausbilderin tätig sein muss, sondern auch eine persönlich und fachlich geeignete Person bestellen kann, welche die Verantwortung für die Ausbildung übernimmt. Fachlich geeignet ist dabei, wer die erforderlichen beruflichen Kenntnisse und die erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind. Diese Person bin ich, wie du schon richtig gesagt hattest. Ich kann nun in meiner Funktion als Ausbilderin unter meiner Verantwortung Leute bei der Berufsausbildung mitarbeiten lassen, die selbst keine Ausbilder*innen sind, die aber genau wie ich persönlich geeignet sind und über die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhaltenötig sind: die Ausbildungsbeauftragten.

3.2 Weisungsbefugnis und Fürsorgepflicht

Betrachten wir hierzu noch weitere wichtige Vorschriften des §14 BBiG:

(1) Ausbildende haben

4. Auszubildende zum Besuch der Berufsschule sowie zum Führen von schriftlichen Ausbildungsnachweisen anzuhalten, soweit solche im Rahmen der Berufsausbildung verlangt werden, und diese durchzusehen,

5. dafür zu sorgen, dass Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet werden.

Erinnerst du dich noch an das, was Lutz gestern gesagt hat? Als Ausbildungsbeauftragter bist du eine Führungskraft für die Auszubildenden. Du vertrittst, wenn Auszubildende bei dir im Einsatz sind, die Ausbilderin, die wiederum dafür verantwortlich ist, dass die Verpflichtungen, welche die Hartung AG eingegangen ist, auch eingelöst werden.“

„Das heißt, weil ich zur Mitwirkung an der Ausbildung beauftragt bin, muss ich darauf achten, dass Auszubildende auch zur Berufsschule gehen und ihr Berichtsheft führen, solange sie bei mir in der Abteilung sind.“ „Ganz genau. Du bist sozusagen mein verlängerter Arm im Einkauf. Du bringst den Auszubildenden das erforderliche Einkaufswissen bei und achtest als ihr ‚Chef vor Ort‘ darauf, dass sie zum Profi erzogen werden und weder körperlich noch seelisch oder sittlich gefährdet werden.“

„Damit habe ich ja so etwas wie einen Erziehungsauftrag. Ich muss den Auszubildenden nicht nur die fachlichen Einkaufstätigkeiten beibringen, sondern ihnen auch noch zeigen und vorleben, wie ein Einkaufsprofi sich verhält.“ „Sehr richtig. Wie sagt unser lieber Lutz immer so schön: ‚Unsere Fachkräfte von morgen werden nicht geboren, sie werden von uns ausgebildet.‘ Und zwar so ausgebildet, dass sie sich wie wirkliche Profis verhalten und unser Unternehmen vorbildlich repräsentieren. Also: Mach die Azubis zu würdigen Vertretern unseres Hauses. Zeig ihnen, dass wir stolz auf sie sein wollen!“ „Klingt nach einer großen Aufgabe. Haben denn die Auszubildenden laut Gesetzgeber auch Verpflichtungen?“

3.3 Sorgfaltspflicht und Befolgen von Weisungen

„Klar. §13 BBiG beschreibt das Verhalten während der Berufsausbildung. Für Ausbildungsbeauftragte wie dich ist es wichtig, folgende Vorschriften zu kennen:

Auszubildende haben sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben… Sie sind insbesondere verpflichtet,

1.

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