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Skurriles aus tierärztlichen Praxen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

SELBST ERLEBTE GESCHICHTEN

Der vermisste Geldschein

Das Grillfest

Der Hund mit Durchfall

Der eifersüchtige Schäferhund

Der vergessene Patient

Jörgl und Cäsar

GEHÖRTE GESCHICHTEN

Die Waldbestattung

Der braune Bomber

Der Hofhund

Der Katzenraum im Tierheim

Das Wunder

Die Flohstichdiagnose

Der angeschossene Kampfhund

Der Tigerkrimi

Der unfreundliche Dsungare

Die besonderen Plätzchen

Die Bilche

Die zwei Rehpinscher

Die Zitzenamputation

Die Tierkörperbeseitigung

Die Gebärmutterverdrehung

Die Klapperschlange

Die Schnappschildkröte

Die Geschichte von Meica

Die Wunderspritze

Das Wartezimmer

Der tote Pudel

Die kesse Bäuerin

Der Schlangenbesitzer

Die Schweinebäuerin

Der Grüne Leguan

Der seltsame Bauernhof

Die geheimnisvollen Pudel

Der Zwergdackel

Der intelligente Mischling

Die Verwechslung

Der Busenbeißer

Der fliegende Goldhamster

Der Spulwurm im Marmeladeglas

Der Hygieneeimer im Badezimmer

Die freundlichen Begleiter

Die aufregende Geburt

Der Vorstadtgigolo

Der gemeine Metzger

Die Martinsgansvergiftung

Der besondere Tierschutz

Das traurige Ende eines Wellensittichs

Die Spezialkastration

Der Tollwutverdacht

Die Notbremsung

Die handylose Zeit

Das Leinenzwang-Missverständnis

Die Zombiekatze Taiga

Die Henne Lisbeth

Der vornehme Herr

Das Huhn im Paradies

Der Hund und die Kirschen

Der unmögliche Wunsch

Die festliegende Kuh

Die Praxisgebühr

Der abgestürzte Wellensittich

Der geizige Bauer

Der Gebärmuttervorfall

Der Jagdhund im Testament

Die Kastration eines Hengstes

Die unvergessliche Silvesternacht

Das Grab im Garten

Das hustende Pony

ZWIEGESPRÄCHE

WOVON ICH NOCH GEHÖRT HABE

Der Autor

Die Illustratorin

Vorwort

Meine Kollegin, die Tierärztin Dr. Eva Maria Dämmer, richtete im Dezember 2013 im Internetforum eine E-Mail an die Tierärzteschaft. Sie wollte eine Sammlung von skurrilen Praxisbegebenheiten zusammentragen, um diese später zu veröffentlichen. Ich war von dieser Idee sofort hellauf begeistert. Eine große Anzahl aus dem Forum beteiligte sich mit Beiträgen und freute sich auf die Sammlung.

Aus den verschiedensten Gründen kam die Bearbeitung der Beiträge allerdings zum Erliegen.

Als ich mich im Februar 2016 bei Frau Dämmer meldete, um nachzufragen, wie es um die Sammlung stünde, bot sie mir die Storys an, um ihre Arbeit zu vollenden. Nach einigen Wochen der Überlegung entschloss ich mich Mitte Mai 2016, einen Versuch zu starten, und machte mich ans Werk. Probeleser bestärkten mich, weiterzumachen.

Meine unzureichenden Schreibkenntnisse hat dankenswerterweise meine liebe Schwester Gabriele Steffans verbessert.

Die Kollegin Dr. Anja Becker, freiberufliche Lektorin, hat die Fertigstellung der Geschichten professionell begleitet.

Dieser Band soll gleichzeitig ein Aufruf sein: Liebe Kolleginnen und Kollegen, schicken Sie mir weiterhin Ihre Geschichten! Denn das Leben hört nicht auf, skurrile Geschichten zu schreiben. Gerade in der Tiermedizin.

Ihr Edgar Dahmen

Tierarzt aus Dachau

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Der vermisste Geldschein

Vor gerade einmal sechs Wochen hatte ich als junger Tierarzt meine erste Assistentenstelle angetreten. Noch war ich nicht so routiniert, dass ich jeden neuen Fall ohne vorherige Überlegungen einfach auf mich zukommen lassen wollte. Deshalb stellte ich bei telefonischen Anmeldungen neuer Krankheitsfälle wesentlich mehr Fragen, als es später, nach mehreren Jahren Praxistätigkeit, notwendig war. So konnte ich das Gehörte in Ruhe überdenken, einen Untersuchungsplan vorbereiten, Instrumente zurechtlegen und die Therapiemöglichkeiten ausloten.

Dies alles war nach einem gewissen nächtlichen Hilferuf nicht nötig. Die Anruferin vermisste einen 100-DM-Schein. Mehr als eine Stunde lang hatte sie die ganze Wohnung abgesucht. Da keine andere Person im Hause war, blieb als einziger Verdächtiger der Cocker Spaniel übrig.

Schon des Öfteren hatte der sich an den unmöglichsten Gegenständen vergriffen. Es war auch schon vorgekommen, dass er sich danach erbrach. Auf diese Weise hatte die Besitzerin früher schon mal ein Stofftaschentuch, einen Ring und einen Filzstift zurückerhalten. Doch dieses Mal schien der Magen des Hundes nicht rebellieren zu wollen, da musste der Tierarzt nachhelfen. Während ich mir die ganze Geschichte anhörte, dachte ich darüber nach, ob dies wirklich ein Notfall war.

Natürlich war es kein Notfall. Einen Geldschein zu verdauen ist für einen Hundemagen kein Problem. 100 DM waren aber Ende der 60er Jahre viel Geld. Für einen jungen Assistenten immerhin zehn Prozent des Monatsgehalts. Auch dem Praxisinhaber waren Einnahmen ohne eigene Leistung nicht unsympathisch. Nicht nur aus dem Grunde hatte er die Dienstanweisung so verfasst, dass jeder Nachtanruf immer wie ein Notfall betrachtet werden muss; schließlich würde sich der Tierbesitzer ja Sorgen machen und würde nicht grundlos nachts anrufen.

Die Frau und ich einigten uns darauf, den Geldbetrag zu teilen, sofern der Schein wieder zutage kommen sollte, und verabredeten uns in der Praxis. Dort bekam der Hund nach kurzer Untersuchung eine subkutane Apomorphin-Injektion und nach wenigen Minuten fing der Cocker an zu würgen. Unglaublich, was der so alles aus sich herausbrachte! Neben normalem Futter, Gras, Teilen eines zerbissenen Gummiballs und außer viel Undefinierbarem erschien auch der noch gut zu erkennende Geldschein.

Für die Hundebesitzerin wusch ich den Schein, sodass er, obwohl leicht zerbissen, in jeder Bank umgetauscht werden konnte.

Ich bekam – wie ausgemacht – 50 DM direkt ausgehändigt, mein Chef stellte am nächsten Tag die Rechnung und alle Beteiligten waren zufrieden.

Leider sollte das der einzige Nachteinsatz mit Sondervergütung während meiner gesamten Assistentenzeit bleiben.

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Das Grillfest

Einen knapp halbjährigen Dackelwelpen kann man nicht stundenlang alleine lassen. Das dachten sich auch die Hundebesitzer und nahmen ihn zu einem Grillfest mit. Dort gab es neben Bratwürsten und Koteletts auch die besonders beliebten Spareribs. Diese werden ganz unkonventionell mit beiden Händen gehalten und das Fleisch wird mit den Zähnen vom Knochen abgefieselt, bevor man sie ablegt und sich dem nächsten Teil widmet.

Irgendwie erwischte unser kleiner Dackel so ein abgenagtes Stück und machte sich daran zu schaffen. Bis einer der Partygäste – der schon mal gehört hatte, dass man Hunden keine Knochen vom Geflügel und Schwein geben sollte, die könnten nämlich splittern – das bemerkte. Schnell wollte er dem kleinen Hund den Knochen wegnehmen, um größeres Unheil zu verhüten. Doch der Hund war schneller und hatte ruckzuck das ganze Stück heruntergeschluckt. Da der Knochen in der Speiseröhre steckte und fast genau so lang war wie diese, fing der Hund an zu würgen. Erfolglos.

Grillabende finden selten während der Sprechzeiten eines Tierarztes statt, Notfälle folgen keinem Stundenplan. Das lernt man in der Praxis schnell.

Ich konnte den Knochen im gesamten Halsbereich des Welpen tasten. Eine Röntgenaufnahme zeigte, dass das untere Ende bis in den Magen reichte, während das obere in Kehlkopfnähe endete. Eine einfache Entfernung war also unmöglich.

Da der Hund nach einer Beruhigungsinjektion inzwischen aufgehört hatte zu würgen und sich auch sonst nicht auffällig benahm, verzichtete ich auf eine Überweisung in die Tierklinik und bestellte ihn, wenn er weiter ruhig bleiben würde, für den nächsten Tag wieder in die Praxis. Bei der Nachuntersuchung machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Auf dem Röntgenbild war der Knochen um etwa einen Zentimeter kürzer geworden! Der Magen leistete hervorragende Arbeit. Da der Hund trinken konnte, und es ihm auch sonst gut ging, wurde auf weitere Eingriffe verzichtet. Das erwies sich als richtig.

Weitere Röntgenuntersuchungen in den nächsten Tagen zeigten deutlich, dass der Knochen keinen Schaden in der Speiseröhre anrichtete. Im Gegenteil: Er wurde mit jedem Tag um etwa einen Zentimeter kürzer und war nach zehn Tagen vollständig verdaut.

Das hätte der Magen eines erwachsenen Menschen nicht geschafft.

 

Der Hund mit Durchfall

Ein Hundebesitzer kam wegen des Durchfalls seines Tieres in meine Praxis und wollte ein Medikament kaufen. Drei Beutelchen Entero-Sediv wollte er von der Tierarzthelferin, das habe immer schon geholfen. Es entwickelte sich ein Gespräch zwischen den beiden, danach verwies sie den Mann an mich.

Dem Tierbesitzer erklärte ich, dass Durchfall nicht gleich Durchfall sei und dass man zunächst mal nach der Ursache der Symptome suchen sollte, bevor man ein Medikament einsetzt.

Die Ursache sei immer dieselbe, entgegnete er. Der Hund würde beim Gassigehen alles Fressbare in sich hineinschlingen und dann bekäme er halt Durchfall. Das war plausibel. Die Helferin gab dem Mann also drei Beutelchen Entero-Sediv und kassierte 3 DM. Damit sollte der Fall erledigt sein.

War er aber nicht.

Nach ein paar Tagen stand der Mann wieder in der Praxis und beschwerte sich lautstark, dass unser Mittel nichts taugen würde. Die Krankheit habe sich sogar verschlimmert. Andauernd renne der Hund zur Haustür und wenn man ihn rausließe, würde er ständig pressen und mittlerweile nur noch Wasser absetzen. Er wolle endlich etwas Vernünftiges haben.

Ich nahm das ursprüngliche Gespräch wieder auf und erklärte ihm, dass er den Hund zur Abklärung der Ursache in die Praxis bringen müsse.

Ja, das wäre ja noch schöner, meinte der Mann, wegen des bisschen Durchfalls eine Untersuchung. Nein, das käme überhaupt nicht in Frage. Wenn ich ihm nichts geben würde, dann hole er sich eben was aus der Apotheke, die hätten sicher was da.

Darauf ich: „Bitte, wenn Sie meinen, aber lassen Sie sich um Gotteswillen kein Mexaform andrehen. Das geben die Apotheker jedem Menschen gegen Durchfall und für den Hund ist das giftig.“

Wütend verließ der Mann die Praxis. Und mindestens genauso wütend war ich.

Wiederum ein paar Tage später kam er dann doch mit dem Hund in die Praxis. Der Durchfall war immer noch nicht besser, insbesondere der Stuhldrang war für den Hund sehr lästig. Ich ließ mir meine Zufriedenheit nicht anmerken und begann mit der Untersuchung. Gleich beim Fiebermessen stellte ich etwas Ungewöhnliches fest: Ich stieß mit dem Thermometer gegen etwas Metallisches und aus dem After hing ein kleines Fädchen heraus. Die rektale Untersuchung ergab, dass es sich um einen Angelhaken handelte, den der Hund wohl (mit oder ohne Beute, wer weiß) verschluckt hatte.

Die Magen-Darm-Passage war problemlos verlaufen, allerdings nur bis zum Schließmuskel des Afters. Der hatte ein besonderes Pflichtbewusstsein.

 

Der eifersüchtige Schäferhund

In meine Praxis kam während der offenen Sprechstunde eine junge Frau mit ihrem Schäferhund. Sie berichtete, dass ihr Hund im Schlafzimmer den gesamten Nachttisch abgeräumt habe. Papiertaschentücher, Nachtcremes, Gute-Nacht-Guttis und was sonst noch alles auf einem Nachttisch seinen Platz hat, hatte der Hund gefressen.

Mit eingeklemmtem Schwanz und gesenktem Kopf kam er mit seiner Besitzerin, einer äußerst attraktiven Mittdreißigerin, in die Praxis.

Zunächst untersuchte ich den Hund. Sein Leib war bereits etwas aufgetrieben. Ich erfuhr, dass die Besitzerin allein mit ihm lebte und dass der Hund sehr eifersüchtig über sein Frauchen wachte. Bei Besuch musste sie ihn immer wegsperren, da er gegenüber jedem, der die Wohnung betrat, aggressiv wurde. Wenn der Besucher wieder gegangen war, durchsuchte er hochgradig aufgeregt die ganze Wohnung. Dabei verschlang er auch schon mal die verschiedensten Teile. Diesmal habe er alles erwischt, was auf dem Nachttisch lag.

Nachdem ich dem Hund eine subkutane Apomorphin-Injektion gegeben hatte, übergab die Helferin der Frau einen Plastikeimer. In diesen sollte der Hund hinein erbrechen. Da das Wartezimmer fast voll besetzt war, nahm sie in Sichtweite zum Empfang in einer Ecke Platz. Es dauerte nur wenige Minuten, da hörte man einen furchtbaren Schrei.

Der Hund hatte erbrochen und der Besitzerin war es nicht gelungen, das Erbrochene aufzufangen. Mit hochrotem Kopf stand sie da, hatte den leeren Eimer in der Hand und schrie immer noch. Eine Riesenmenge Mageninhalt hatte sich über den Fußboden ergossen und darin schwammen – acht bis zehn lose Kondome!

Die Reaktionen der übrigen Leute im Wartezimmer waren geschlechtsspezifisch unterschiedlich. Kopfschüttelnd und mit vorwurfsvollen Blicken die weiblichen, belustigt grinsend die männlichen Patientenbesitzer.

Alle hatten auf jeden Fall eine nicht alltägliche Geschichte aus der Tierarztpraxis zu erzählen.

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Der vergessene Patient

Eine schon etwas betagte Hundebesitzerin ließ ihren Liebling regelmäßig in meiner Praxis untersuchen und behandeln. Ich mochte die alte Dame. Schließlich war sie seit meiner Praxiseröffnung vor etwa 25 Jahren eine zufriedene Kundin. Ihr jetziger Hund war seit dieser Zeit bereits der dritte, den sie von mir betreuen ließ.

Seit dem Tode ihres Mannes vor ungefähr einem Jahr war sie, da ohne Führerschein, auf ein Taxi angewiesen. Deswegen sollte es ihrem Hund aber nicht an notwendigen Untersuchungen fehlen.

„Er ist doch das Einzige, was mir noch geblieben ist“, pflegte sie immer zu sagen.

Auch an diesem Tag kam sie mit dem Taxi in die Praxis. Sie hatte den Termin minutengenau eingehalten, meldete sich beim Empfang an und nahm im Wartezimmer Platz. Da kein anderer Tierbesitzer dort war, konnte sie annehmen, als Nächste aufgerufen zu werden. Doch das dauerte heute länger als üblich.

Offenbar hatte der Doktor einen zeitaufwendigen Fall zu verarzten, dachte sie. Nach ungefähr zwanzig Minuten erkundigte sie sich bei der Helferin am Empfang, wie lange sie denn wohl noch warten müsse. Heute habe sie es ausnahmsweise ziemlich eilig. Die Helferin gab die Beschwerde an mich weiter.

Ich beeilte mich besonders, ging danach, um die Dame mit ihrem Shih Tzu persönlich zu empfangen, in den Warteraum. Diese stand auf, redete auf mich ein, ihr Hund habe ...

Dabei blickte sie an sich hinunter, schaute sich um, drehte sich im Kreis – aber der Hund war gar nicht da!

Meinen Patienten hatte sie zu Hause vergessen.

 

Jörgl und Cäsar

Ein Sprichwort sagt, dass die Kollegialität unter Tierärzten im Quadrat zur Entfernung voneinander steigt. Nicht so bei Jörgl und mir. Wir wohnten nicht weit voneinander entfernt in der gleichen Stadt und verstanden uns blendend.

So ließ er seine Hunde lieber von mir behandeln, als sie selbst zu therapieren.

Einer seiner Hunde, Cäsar, der war genauso ein besonderer Hund wie Jörgl ein besonderer Mensch war. Allein die Umstände, wie Cäsar in seinen Besitz kam, sind es wert, erzählt zu werden.

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