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Sizilianische Leidenschaft

1. KAPITEL

„Eine Hochzeit?“ Emily Hyslop zog die Brauen hoch. „Du erwartest nicht ernsthaft von mir, dass ich über eine Hochzeit schreibe?“

„Ich dachte, du würdest begeistert sein von der Aussicht auf zwei Tage Sizilien.“ Dabei wusste Adam sehr wohl, dass es nicht so war.

Emily arbeitete als investigative Journalistin für eine große englische Zeitung. Und ihr Boss verlangte von ihr, dass sie über eine Hochzeit berichtete! Präziser ausgedrückt: Ihr Ex schickte sie zu einem Zeitpunkt nach Sizilien, in dem ihr Fall, an dem sie so hart gearbeitet hatte, kurz vor dem Durchbruch stand …

„Ich stecke doch mitten in der Hetherington-Sache.“ Emily bemühte sich, ihre Stimme so neutral wie möglich klingen zu lassen. „Du weißt, ich muss dieses Wochenende in Wales sein. Sie baggern bereits den See aus und …“

„Ich habe Dianne gebeten, für dich einzuspringen.“

Frustriert und wütend über die verräterische Röte auf ihren Wangen saß sie vor seinem Schreibtisch und versuchte, ruhig zu bleiben. Auf keinen Fall sollte Adam sehen, wie gekränkt sie war.

Bestenfalls konnte man ihren Beruf als heiß umkämpftes Schlachtfeld sehen, das durch Konkurrenz belebt wurde. Manchmal war es aber auch einfach nur brutal und perfide. Emily hatte etliche Monate in den Hetherington-Fall investiert, recherchiert, jeden Hinweis verfolgt und ihre Kontakte genutzt. Und jetzt sah es so aus, dass schon wieder Dianne die Früchte ihrer harten Arbeit erntete!

Um das zu verstehen, musste man nicht Einstein sein.

Schon lange hatte Emily den Verdacht, dass Dianne auch der Grund für den Bruch zwischen Adam und ihr war. Aber das störte sie nicht. Ihren Ex konnte diese intrigante Schlange ihretwegen haben, aber nicht ihren Job!

„Dianne hat fantastische Verbindungen und den nötigen Biss, um ein derart brisantes Thema anzupacken“, erklärte Adam. „Ich weiß, wie hart du arbeitest, allerdings habe ich den Eindruck, dass du mit deinen Möglichkeiten am Ende bist.“ Nicht dass er große Gewissensbisse bei dem empfand, was er tat, doch ein leichtes Unbehagen konnte er nicht leugnen. „Es wird eine Menge unangenehme Fragen aufwerfen, sollte tatsächlich ein Leichnam gefunden werden. Und die konsequent zu stellen, ist Diannes Stärke.“

Er schaute in ihre klaren blauen Augen, auf das lichtblonde Haar und versuchte sich davon zu überzeugen, dass Dianne recht hatte. „Wir sprechen doch nicht das erste Mal darüber, Emily. Wenn du in diesem Metier bleiben und Erfolg haben willst, musst du viel härter werden.“

„Und das erreiche ich, indem ich über eine Hochzeit schreibe?“, fragte sie sarkastisch. Hochzeitsreportagen hatte sie seit Jahren nicht gemacht, nicht seit ihren Anfängen bei der Zeitung.

„Sie passt perfekt in den Reiseteil über Sizilien, der ab nächster Woche erscheint.“ Adam hatte keine Lust, noch länger zu diskutieren. „Kopf hoch, Emily. Ich hätte selbst nichts gegen ein Wochenende im Süden. Stattdessen muss ich mich bei strömendem Regen in Wales herumdrücken …“ Zu spät wurde ihm bewusst, dass er sich verraten hatte.

„Also wirst du auch dort sein?“

„Es ist eine Riesenstory.“

Ja, und es war ihre Story!

Emily lächelte gezwungen, stand auf und kehrte an ihren Schreibtisch zurück. Sie fühlte die Blicke der anderen Mitarbeiter in ihrem Rücken. Keine Frage, dass jeder wusste, warum Adam sie zu sich zitiert hatte. Jetzt war sie dreißig und bereits acht Jahre bei der Zeitung. In den letzten Monaten hatte es Gerüchte um Personalkürzungen gegeben, und allmählich bekam sie den Eindruck, dass auch ihr Stuhl wackelte.

Wie gelegen ihrem Boss die strukturellen Veränderungen kommen mussten! Und wie dumm war sie gewesen, ihre eiserne Regel zu brechen, niemals Job und Privates zu vermischen. Mit gefurchter Stirn überflog sie das Briefing, das Adam ihr in die Hand gedrückt hatte. Ein Name stach ihr sofort ins Auge.

Corretti?

Die Correttis waren einer der berüchtigtsten Familienklans Siziliens. Erst letzte Woche hatte sie in den Fernsehnachrichten die Beerdigung des Familienoberhauptes Salvatore Corretti verfolgt. Das Aufgebot an Security war unglaublich gewesen. Fasziniert hatte sie die grimmigen Gesichter der Angehörigen studiert, deren Augen hinter großen Sonnengläsern verborgen waren.

Emily gab den Namen in eine Internetsuchmaschine ein, um sich ein bisschen gründlicher über die Correttis zu informieren. Plötzlich spürte sie, dass sich ihr Puls beschleunigte, wie jedes Mal, wenn sie eine neue Fährte aufnahm. Offenbar war die bevorstehende Hochzeit nicht einfach nur eine normale Liebesheirat.

Bei dem Brautpaar handelte es sich um Alessandro Corretti und Alessia Battaglia. In der italienischen Presse grassierten Gerüchte, dass Salvatore selbst diese Verbindung arrangiert hatte, um sich bei der umfangreichen Erneuerung von Hafenvierteln an der ­sizilianischen Küste der Rückendeckung des Battaglia-Klans zu versichern. Aber das war noch längst nicht alles. Die Verbindung und gemeinsame Geschichte der beiden Familien reichte bis weit in die Vergangenheit zurück.

Mit einem Ohr hörte Emily, wie Dianne telefonisch für das nächste Wochenende Hotelzimmer in Wales buchte – oder genauer gesagt, ein Hotelzimmer. Wahrscheinlich die Luxus-Suite mit Empfangssekt, üppiger Obstschale und einem Frühstück-im-Bett-Service. Entschlossen, sich davon nicht runterziehen zu lassen, widmete sich Emily wieder ihrer Recherche.

Die Correttis waren wirklich eine faszinierende Familie. Salvatore hatte sich als elternloses Straßenkind zunächst mit Diebereien über Wasser gehalten und später mit Charme und Entschlossenheit in die Mafia-Dynastie der Battaglias hochgedient. Doch irgendwann verließ ihn sein fast sprichwörtliches Glück, das Blatt wendete sich und auf seinen Kopf wurde ein Preis ausgesetzt.

Jagdfieber regte sich in Emily. Wenn es um diese Familie ging, konnte bei der Sizilienreise mehr herauskommen als ein langweiliger Hochzeitsreport. Und für sie war es höchste Zeit, ihre Karriereplanung wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sie musste nur noch überlegen, wie.

„Kann ich dich kurz sprechen?“

Emily schaute auf, direkt in das Gesicht ihrer Nemesis, der Heimsuchung in Form von Dianne, dem intriganten Biest. „Natürlich.“

„Ich brauche die Namen deiner Kontaktpersonen.“

„Selbstverständlich habe ich ihnen absolute Diskretion zugesichert.“

„Und woher weißt du, dass der See trockengelegt werden soll?“

„Dianne …“ Hilfloses Schulterzucken von Emilys Seite, dann sah sie auf die Uhr und stellte überrascht fest, dass es schon nach fünf war. Sie steckte bereits Hals über Kopf in der Corretti-Battaglia-Story und konnte es kaum abwarten, nach Sizilien aufzubrechen, um über die Hochzeit zu berichten – aber auf ihre Weise! Und ganz bestimmt hatte sie weder Zeit noch Lust, Dianne bei ihrem alten Fall zu assistieren.

„Ich brauche nur die Namen“, drängte Dianne. „Wir sind doch im gleichen Team.“

Frustriert spürte Emily, wie sie errötete. Aber hatte Adam ihr nicht eben noch vorgehalten, sie müsste viel härter werden? „Tut mir leid, ich kann dir nicht helfen“, sagte sie ruhig, schob ihre Unterlagen zusammen und erhob sich vom Schreibtisch. „Ich soll mich um eine Hochzeit kümmern und muss für Sizilien packen.“

„Ich kann es kaum abwarten zu hören, was die Braut trägt!“, höhnte Dianne.

„Das könnt ihr beiden dann am Sonntag beim gemeinsamen Frühstück im Bett nachlesen“, schoss Emily mit süßem Lächeln zurück.

Trotz ihrer Ausrede verschwendete Emily bis zum nächsten Morgen keinen einzigen Gedanken ans Packen. Obwohl es bereits Ende Mai war, fühlte es sich komisch an, Sommerkleidung und Sandalen aus dem Schrank zu suchen, während es draußen in Strömen regnete. Neben leichten Fähnchen und Espandrillos packte sie auch ein ...

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