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Sitting Bull

Sitting Bull

Sein Leben und Vermächtnis

Ernie LaPointe

Urenkel von Sitting Bull

Sein Leben und Vermächtnis

von
Ernie LaPointe
Urenkel von Sitting Bull

aus dem Amerikanischen
übersetzt von
Martin Krueger

Für meine Schwester Marlene Anderson – für ihre unermüdliche Unterstützung und Liebe.

Für meine Frau Sonja – für ihre bedingungslose Liebe, ihre Unterstützung, ihr Charisma und ihre außergewöhnliche Weisheit.

Und für meine Kinder und Enkel, damit sie verstehen, wer ihr Lakota-Vorfahre wirklich war.

Inhalt

Danksagung von Ernie LaPointe

Einführung des amerikanischen Herausgebers

Vorwort

Einführung

Jumping Badger (Springender Dachs)

Er verdient sich seinen Namen

Der Bund der starken Herzen

Jumping Bull

Frauen und Kinder

In die Sonne starren: Die erste Vision

Begegnung mit den Amerikanern

Der Häuptling der Lakota

Arrow Creek

Gebrochene Versprechen

Die Weichen sind gestellt

Die Schlacht am Fetten Gras Fluss

Im Land der Großen Mutter

In Kriegsgefangenschaft

Vorübergehende Haft

BILDTEIL (18 Abb.)

Der Geistertanz

Verrat

Der Mord an Tatanka Iyotake

Die Bestattung der Toten

Wegzug von Standing Rock

Die Grabstätte Tatanka Iyotakes

Das Erbe bewahren

Anhang 1

Anhang 2

Glossar

Nachwort des deutschen Herausgebers

Danksagung von Ernie LaPointe

Die folgenden Personen und Institutionen waren hilfreich, freundlich und großzügig mit ihrer Zeit und ihrem Wissen.

Mein Dank gilt:

Meiner verstorbenen Mutter Angelique Spotted Horse-LaPointe, meinen Großonkeln John Sitting Bull (Refuses Them) und Henry Little Soldier für ihre mündlichen Überlieferungen, die ich in diesem Buch niederschrieb, meiner Schwester Marlene Andersen für das Auffrischen meiner Erinnerungen; Serle Chapman, einem großen Schriftsteller des wahren Westens, der die Wahrheit sucht und der mich mit Original-Fotografien versorgte; Lani Van Eck, meiner Redakteurin, die mich überredete, meine mündliche Geschichte in einem Buch niederzuschreiben; Bill Billeck vom Smithsonian Institution in Washington, D.C., der mir die Genehmigung erteilte, Teile des Berichtes betreffend der Rückführung der Haarlocke und der Leggins meines Urgroßvaters zu veröffentlichen; meinem Freund Bill Matson, dem Filmproduzenten, der mich während der Aufnahmen unserer DVDs und beim Schreiben dieses Buches stets ermutigte; Bess Edwards, die Großnichte von Annie Oakley (Sure Little Shot), die mir eine Geschichte erzählte, die ich in dieses Buch integriert habe. Ihre Freundschaft bedeutet mir sehr viel. Ferner Sion Hanson, dem Urgroßneffen von James Hanson, der mir seine Geschichte erzählte; Sharon Small, Kuratorin am Little Bighorn Battlefield Museum; Carol Bainbridge, Direktorin am Fort St. Joseph Museum in Niles, Michigan; der Library of Congress, dem Glenbow Museum in Calgary, Canada; Ken Woody und Michael „Bad Hand“ Terry, die mich mit Gibbs Smith bekannt machten.

Mein spezieller Dank gilt Euch: Gibbs, für Deine königliche Gastfreundschaft und meiner Verlegerin Michelle Branson für Deine Geduld; vielen Dank auch an die Mitarbeiter (die gesamte Belegschaft, das Personal) von Gibbs Smith und meiner Frau Sonja für die Herstellung des Familienstammbaums, das Aufspüren aller
Papiere und rechtlichen Dokumente, die meiner mündlichen
Erzählung Glaubwürdigkeit verleihen.

Pilamaya Yelo (Danke) an alle, die mein Leben bereicherten und mir Richtung und Inspiration gaben.

Ernie LaPointe

Einführung
des amerikanischen Herausgebers

Dies ist Ernies Geschichte über das Leben seines Urgroßvaters. Am Anfang zögerte er, die mündlichen Überlieferungen in schriftlicher Form wiederzugeben. Erst nach reiflicher Überlegung und nachdem er von einer Reihe von Menschen (einschließlich mir) dazu ermutigt wurde, stimmte er zu. Das Argument, das ihn von meiner Seite her am meisten überzeugte, war die Beständigkeit dieses Mediums. Seit tausenden von Jahren sind Bücher ein kontinuierlicher Bestandteil menschlichen Lebens. Schriftliche Aufzeichnungen überdauern für immer.

In vielerlei Hinsicht ist dies keine gewöhnliche Biographie, es ist eine schriftliche Form der mündlichen Überlieferung, die Vorteile, aber auch Schwierigkeiten mit sich bringt. Mündliche Tradition funktioniert innerhalb ihres eigenen Rahmens von Übereinkünften und Rhythmen, von denen sich nicht alle leicht übersetzen lassen. Eine gesprochene Erzählung kann eine Reihe von dramaturgischen Hilfsmitteln nutzen, die in schriftlicher Form nicht zur Verfügung stehen.

Das Sprechen ermöglicht dem Erzähler, ein Tempo und einen Tonfall zu wählen, die den Hörer direkt in die Handlung der Geschichte führen. Eine leichte Veränderung des Tempos erzeugt Stimmung, schneller werden schafft Spannung oder langsames Sprechen führt zu Behaglichkeit. Der Tonfall drückt gefühlsmäßig so viel aus, dass weitere Erläuterungen überflüssig werden. Die Veränderung des Tonfalls kann entweder Verachtung und Trotz, oder Bescheidenheit zum Ausdruck bringen.

Auch Körpersprache kommt zum Einsatz. In der mündlichen Tradition der Lakota werden Geschichten von Angesicht zu Angesicht erzählt. Indem der Erzähler seinen Körper vollkommen ruhig hält, kann er die Aufmerksamkeit auf seine Worte lenken, oder aber durch seine Gesten die Aussage dessen, was er ausdrücken will, verstärken und erweitern. Ein Meister der mündlichen Überlieferung – und Ernie ist ein solcher Meister – ist ein wahrer Performance-Künstler, der die Zuhörer in seinen Bann zieht.

Mündliche Überlieferung unterscheidet sich auch vom Inhalt her von einer schriftlichen Standardbiographie. Die konventionelle Biographie stützt sich auf eine chronologische Entfaltung der wichtigsten Ereignisse im Leben ihres Protagonisten. Es wird ein hohes Maß an Anstrengung aufgewendet, um einen Überblick über das Leben des Individuums in seinem geschichtlichen Kontext zu einer Chronik zusammenzufassen. Ursache und Wirkung, Reiz und Reaktion werden zu Kriterien, nach denen die Hauptfigur eingeschätzt, erklärt und am Ende bewertet wird.

Bei der mündlichen Überlieferung ist die Absicht etwas anders. Chronologie ist nicht so wichtig, und es wird weniger Wert darauf gelegt, jede Einzelheit detailliert wiederzugeben. Statt-dessen rückt die episodische Erzählung in den Mittelpunkt, und jede dieser Episoden hat eine Pointe. In diesen intensiven, Wert beladenen Geschichten geht es um die Moral. Im Grunde genommen kann eine Standardbiographie ihren Lesern das Bild eines sorgfältig gewebten Wandteppichs vermitteln, wo jeder Faden straff und präzise platziert ist, um durch diese Genauigkeit in der Gesamtdarstellung ein sachliches Bild zu gewährleisten. Eine mündliche Geschichte hingegen ist mehr mit einem gut gearbeiteten Quilt vergleichbar, deren einzelne Flecken aus leuchtenden Farben zusammenarbeiten, um ein warmes, impressionistisches Muster zu schaffen.

Eine der Herausforderungen beim Schreiben dieses Buches war es, beide Formen zu verschmelzen, den Fluss gesprochener Überlieferung in die Struktur der schriftlichen Form einzubinden. Ernie bestand darauf, dass nichts in diesem Buch, das nicht absolut und unbedingt die Wahrheit ist, und zwar so wie er sie kennt und persönlich erlebt hat, mit einbezogen werden durfte.

Dies brachte das zweitwichtigste Problem bei der Erstellung dieser schriftlichen Erzählung hervor: Die Wahrheit, die Ernie in dieser Arbeit zu vermitteln versucht, ist eine Lakota Wahrheit.

Ernie ist wirklich ein zweisprachiger Mensch. Trotzdem gibt es Übersetzungsprobleme, die zwischen der Lakota Sprache und dem Englischen aufkommen. Es ist ein konzeptionelles Problem, eine Frage von sehr unterschiedlichen Weltanschauungen. Die Sicht der Lakota über unseren Platz als Menschen im Universum steht im krassen Gegensatz zu den Vorstellungen, wie sie in den Vereinigten Staaten gelebt werden. Diese Unterschiede sind grundlegend und prägen die Form der gesamten Kultur.

Das Verständnis der Natur unseres Seins und der Zweck unserer Existenz sind Werte, mit denen wir alle tief verwurzelt sind, und die uns vom ersten Aufblitzen unseres Bewusstsein an gelehrt wurden. Sie bilden die zentrale Basis für unsere Weltanschauung und wie wir mit anderen umgehen. Aber was sind ehrenwerte Ziele, und wie sollten wir Erfolg definieren?

In der Kultur der Vereinigten Staaten wird uns beigebracht, unsere unveräußerlichen Rechte auf „Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück“ zu schätzen. Dieses sind jedoch kulturelle Wertvorstellungen, die zwar von entscheidender Bedeutung für unsere Gesellschaft sind, vielleicht aber eine weniger große Rolle in Bezug auf die Werte in anderen Kulturen spielen könnten.

Ich könnte zum Beispiel nicht aufzählen, wie oft ich gehört habe, dass Ernie Werte wie Ehre, Respekt, Demut und Mitgefühl hervorgehoben hat. Wenn Sie dieses Buch lesen, werden Sie diesen Kern-Werten immer wieder begegnen. Wenn Sie auch ein Angehöriger der Lakota Kultur sind, haben diese Werte wahrscheinlich ebenfalls eine grundlegende persönliche Bedeutung für Sie.

Wenn Sie wie in meinem Fall kein Lakota sind, dann wird Ihr Verständnis, so einfühlsam und gut gemeint es auch sein mag, durch die Wertvorstellungen der Kultur geprägt sein, die Ihnen Ihre Grundeinstellung über das Leben gelehrt hat. Es ist diese unausweichliche Tatsache der Existenz, die zu so vielen unserer interkulturellen Missverständnisse führt. Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg ist oft außergewöhnlich kompliziert.

In der Entstehungsphase dieses Werkes traf ich mich regelmäßig mit Ernie und seiner Frau Sonja und hatte mit ihnen Kontakt. Ich konnte beobachten, wie Ernies Vertrauen in seine Fähigkeiten, die Geschichte seines Urgroßvaters schriftlich wiederzugeben, Früchte trug. Dies ist das Produkt seines Geistes – oder noch wichtiger – das seines Herzens.

Es ist mir eine große Ehre und ein Privileg, an diesem Unternehmen beteiligt gewesen zu sein.

Pilamaya.

DR. LANI VAN ECK
Professor für Anthropologie und
Mitbegründer von Wounded Knee: Das Museum

Vorwort

Mein Name ist Ernie LaPointe. Mein Lakota Name ist Kangi Sie (Crowfoot). Ich bin eines von vier Urenkelkindern von Sitting Bull (Tatanka Iyotake). Ich schreibe dieses Buch über die Familiengeschichten – traditionelle mündliche Überlieferungen – die mir, meiner älteren Schwester Marlene Andersen sowie meiner Nichte und meinem Neffen von meiner Mutter, Angelique Spotted Horse-LaPointe erzählt wurden. Dieses Buch ist keine vollständige Biographie, weil ich nur die Geschichten wiedergebe, die mir meine Mutter über meinen Urgroßvater erzählte. Meine Nichte und mein Neffe haben bereits die Reise in die Geisterwelt gemacht, und meine Schwester Marlene hat mir die rechtliche Vollmacht gegeben, die Angelegenheiten, die unseren Urgroßvater betreffen, zu regeln. Wir sind die direkten Nachkommen von Sitting Bull.

Die Lakota glauben, dass die Zahl vier in allen Dingen heilig ist. Wir sind vier verschiedene Wege gegangen, um unsere Abstammungslinie zu Sitting Bull zu ermitteln, weil unsere Familienbande heilig sind. Zuerst führte uns unser Weg durch die mündlichen Überlieferungen, die in diesem Buch wiedergegeben wurden. Anschließend beschritten wir den zweiten Weg durch den „Pfad des Papiers“ – rechtliche Dokumente, Landzuweisungen, Einschreibungen in Stammeslisten, Geburtsurkunden und andere Stammesdokumente. Wir haben diese Informationen dazu benutzt, um einen gründlichen und gut dokumentierten Familienstammbaum zu erstellen. Der dritte führte durch unsere heiligen Zeremonien, als der Geist unseres Urgroßvaters uns während einer Rückführungszeremonie für seine Leggins und seine Haarlocke als seine Enkel anerkannte.

Der vierte Weg wird durch unsere DNA bestätigt werden; eine moderne Methode, um aus genetischen Codes Verwandtschaft zwischen Menschen aus der Vergangenheit und der Gegenwart festzustellen. Der DNA-Test wird derzeit von einem Spezialisten in Dänemark durchgeführt, der sich in erster Linie auf alte DNA konzentriert. Der Test ist kompliziert, weil die Haarsträhne vom Museum zur Konservierung chemisch behandelt wurde. Wir erwarten die Untersuchungsergebnisse bis Ende 2010. Es ist wichtig, dass die Abstammungslinie nachvollzogen und anerkannt wird, weil das den Wahrheitsgehalt unserer Geschichten über Tatanka Iyotake untermauern wird.

Es ist meine Absicht, alle Menschen über den wahren Sitting Bull aufzuklären. Der Versuch, die mündlichen Geschichten, die mir von meiner Mutter erzählt wurden, in eine schriftliche Biographie einzubinden, war problematisch, weil diese Geschichten über unseren Urgroßvater in Lakota wiedergegeben wurden, und es ist nicht leicht, diese Worte in die amerikanische Schriftsprache zu übersetzen. Ich schrieb dieses Buch in der dritten Person, auf die gleiche Weise, wie die mündliche Geschichte mir erzählt wurde. Ich benutze den Namen Tatanka Iyotake, wenn ich von meinem Urgroßvater spreche, denn das war sein Name: Büffelstier-Der-Im-Begriff Ist-Sich-Hinzusetzen. Ich glaube, der Name, den ihm die weißen Amerikaner gaben, bezeichnet nicht den wahren Tatanka Iyotake. Sitting Bull bedeutet nicht: Büffelstier-Der-Sich-Hinsetzt oder Sitzender Büffelstier.

Es wurden viele Geschichten über unseren Urgroßvater geschrieben und es sind Filme über ihn und sein Leben gedreht worden, aber die Ironie des Ganzen ist, dass keines dieser Werke besonders genau ist. Die erste Person, die etwas über unseren Urgroßvater schrieb, war ein Mann namens Walter Campbell, der das Pseudonym Stanley Vestal verwendete. Er kam in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren zur Standing Rock Indian Reservation, weil man damals wie auch heute davon ausging, dass alle Verwandten von Sitting Bull dort leben würden.

Doch das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Er interviewte die Verräter und Mörder unseres Urgroßvaters: Sitting Bulls Neffe One Bull und One Bulls Tochter Cecilia nebst Bull Head und Eugene Little Soldier – nicht zu verwechseln mit Sitting Bulls Stiefsohn Henry Little Soldier – waren die wichtigsten Informationsquellen. Es scheint, dass Cecilia diejenige war, die behauptete, ihr Vater sei Sitting Bulls Adoptivsohn gewesen. Tatanka Iyotake aber hat One Bull niemals adoptiert, weil Lakota keine Blutsverwandten adoptieren. Eine Adoption ist eine Wahl, und beide Seiten müssen sich einverstanden erklären, einander als Verwandte anzunehmen. Wenn sie bereits miteinander verwandt sind, dann ist dies nicht möglich. Auf Grundlage dieser Interviews schrieb Vestal ein Buch mit dem Titel: „Sitting Bull, Champion der Sioux“.

Der einzige Autor, der einen Versuch machte, die Blutsverwandten in der Pine Ridge Reservation zu befragen, war Walter Camp, aber er starb, bevor sein Buch über die Indianerkriege veröffentlicht wurde. Walter Camp besuchte auch Sitting Bulls Neffen White Bull auf der Cheyenne River Reservation und erfuhr von Sitting Bulls Tochter Standing Holy.

Im Jahre 1912 war sie das einzige noch lebende Kind. Warum Vestal niemals nach Pine Ridge kam, um mit Standing Holy oder ihren Halbbrüdern, John Sitting Bull (Refuses Them) und Henry Little Soldier zu sprechen, ist nicht bekannt. Vielleicht hat man ihm nichts davon erzählt oder aber er hat sich entschieden, sie zu ignorieren.

Stanley Vestals Arbeit und seine archivierten Interviews sind zur Grundlage für viele andere Bücher geworden, eines wissenschaftlicher als das andere. Historiker, Wissenschaftler und Autoren betrachten Vestals Arbeit als authentisch und genau, und nur sehr wenige haben versucht herauszufinden, was die Nachkommen über Tatanka Iyotake wissen.

Meine Mutter hatte Angst die Geschichte zu erzählen. Es passierte sehr oft, dass, wenn sie ihre Verwandtschaft mit Tatanka Iyotake erwähnte, die Töchter One Bulls auftauchten und ihr drohten. Einmal wurde meine Mutter von einer Tochter One Bulls in den Straßen von Rapid City, South Dakota, angegriffen. Als kleiner Junge von etwa fünf Jahren war ich schockiert zu sehen, wie brutal sich diese Frauen verhielten.

Ich bin bereit, die Geschichte zu erzählen, weil es notwendig ist, sie endlich weiterzugeben.

Ich denke, es wird Zeit, dass wir Natives jetzt unsere eigenen Geschichten erzählen. Unsere Kultur und unsere Geschichte müssen von uns erzählt werden. Wir haben sie erfahren und leben auch weiterhin mit ihr, und ich denke, die Anthropologen und weißen Autoren sind lange genug blind durch unsere Kultur und das Erbe unserer Vorfahren gelaufen.

Ho Hetchetu Yelo, Pilamaya Pelo

Ernie LaPointe

Einführung

„Große Männer werden gewöhnlich von ihren Neidern zu Fall gebracht.“

Es geschah im Morgengrauen des 15. Dezember 1890. In Tatanka Iyotakes Dorf herrschte Ruhe und es war unbewacht. Dreiundvierzig Metallbrüste – wie die indianische Polizei genannt wurde, aufgestellt vom Indianeragenten McLaughlin – schlichen sich leise in das Lager, mit der Absicht, den unliebsamen Rivalen zu verhaften oder zu beseitigen. Es ging in erster Linie um die Vorherrschaft bei den Lakota. Eine Abteilung Kavallerie zur Unterstützung der indianischen Polizei wartete ganz in der Nähe.

Es gab nur ein Problem: Tatanka Iyotake hatte zwei Frauen und zwei Blockhütten. Die Polizei musste also beide Häuser durchsuchen, ehe sie den alten Häuptling schlafend in der größeren Hütte vorfand.

In der Zeit, die Tatanka Iyotake zum Anziehen brauchte, war das Lager erwacht. Seine Anhänger hatten sich außerhalb der Hütte versammelt. Die Polizei räumte einen Weg durch die Menge, und Leutnant Bull Head und Sergeant Shave Head eskortierten Tatanka Iyotake zu den Pferden. Sergeant Red Tomahawk ging hinter Tatanka Iyotake, einen Revolver auf den Kopf des Häuptlings gerichtet.

In der Absicht, die Verhaftung zu verhindern, begannen die Anhänger Tatanka Iyotakes die Polizisten zu bedrängen, und ein Kampf brach aus. Catch the Bear, einer von Tatanka Iyotakes Gefolgsleuten, feuerte und traf Bull Head in die Seite. Als Bull Head fiel, schoss er Tatanka Iyotake durch die Brust. Red Tomahawk schoss ebenfalls auf Tatanka Iyotake, einmal durch das Herz und dann in den Kopf.

Vierzehn Menschen starben an diesem Tag. Dazu gehörten Tatanka Iyotake, sein Sohn Crowfoot, sein kleiner Assiniboine Bruder Jumping Bull und fünf seiner Anhänger.

An jenem schicksalhaften Morgen endete in der Nähe des Grand River auf der Standing Rock Indian Reservation das Leben eines Vaters, Großvaters, Anführers, heiligen Mannes und Sonnentänzers. In dem Moment, als der Geist Tatanka Iyotakes seinen Körper verließ, begann der spirituelle Zerfall seiner Verwandten und seines Tiyospayes (seiner erweiterten Familie). Ein Prozess, der nun schon 120 Jahre andauert.

Jumping Badger (Springender Dachs)

Das Leben dieses Lakota Sonnentänzers begann im Jahre 1831, in dem Jahr als die Bad Bow Gruppe des Hunkpapa Stammes der Tiatunwan Lakota an den Ufern des Elk Rivers lagerte, der heutzutage unter dem Namen Yellowstone River bekannt ist. Das Wort Tiatunwan bedeutet: „Sie suchen nach einem Lagerplatz“. Diese Menschen wanderten durch ein Gelände von unvorstellbarer Größe, folgten riesigen Büffelherden und streiften frei durch weite, offen liegende Landstriche. Die Weißen sprachen ihren Namen falsch aus und nannten sie „Teton“.

Das Kind war das zweite von vier Kindern und der einzige Sohn von Her Holy Door Woman und Returns Again. Seine ältere Schwester war Good Feather Woman. Seine jüngeren Zwillingsschwestern nannte man Twin Woman und Brown Shawl Woman. Returns Again war sehr stolz auf seinen neugeborenen Sohn und gab dem Kind den Namen Jumping Badger. In der Kultur der Lakota erhielt ein Junge seinen ersten Namen gemäß einem Ereignis, was sein Vater vielleicht gerade gesehen oder erlebt hatte. Als Erwachsener wurde ihm dann ein Name gegeben, der eine bemerkenswerte Handlung in seiner Jugend oder im Erwachsenenalter würdigte.

Jumping Badger war anders als die anderen Jungen in seinem Alter. Während die anderen eher abenteuerlustig, lebhaft und oft draufgängerisch waren, hielt sich Jumping Badger immer zurück. Er dachte nach, ehe er handelte. Hätte er in diesem Jahrhundert gelebt, so hätte man ihn als begabtes Kind gesehen und ihn für seine Selbstdisziplin gelobt, und auch dafür, dass er stets alles in Betracht zog, bevor er handelte.

Aber seine eigenen Leute missverstanden ihn und hielten sein Verhalten für zaghaft und schwach. Sie gaben ihm den Spitznamen Hunkesni, „der sich langsam bewegt“, und riefen ihn auch so.

Wenn ein Junge bei den Lakota ein bestimmtes Alter erreicht hatte, wandte sich sein Vater an einen Bruder oder Schwager. Er übergab diesem vertrauenswürdigen Mann ein Geschenk und eine gefüllte Pfeife. Dann bat er ihn um Hilfe, damit dieser seinem Sohn die Wege der Lakota zeigte.

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