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Sinnliches Spiel mit dem Feuer

Mira Lyn Kelly

Sinnliches Spiel mit dem Feuer

1. KAPITEL

Blitzlicht explodierte vor seinen Augen. Aufgeregte Reporterstimmen, die sich gegenseitig zu übertönen suchten, drangen wie Maschinengewehrfeuer an sein Ohr.

„Mr Evans!“

„Schauen Sie bitte einmal hier rüber!“

Nate Evans stand mit angestrengtem Lächeln unter dem Vordach eines der exklusivsten Hotels von Chicago, gab vage Antworten auf die eher leichten Fragen und wartete insgeheim auf die eine Frage, die garantiert noch kommen würde.

Es dauerte nicht lange.

„Mr Evans! Würden Sie uns erklären, warum Sie sich in den vergangenen Monaten so völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen haben?“

Die Frage durchschnitt die Stille dieses frühen Herbstabends wie ein Messer.

Die Meute wusste, dass sie auf einer heißen Spur war.

Doch er war auf den Angriff vorbereitet. Genau genommen, begrüßte er ihn sogar.

Nate täuschte Überraschung vor, tat so, als müsse er einen Moment überlegen, und entgegnete dann: „Ich schätze, ich hatte beruflich so viel zu tun, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie sehr ich mich abgekapselt habe.“

Seine Antwort befriedigte nicht mal die mildeste Neugier. Außerdem handelte es sich um eine Lüge. Er hatte sich in den vergangenen sechs Monaten bedeckt gehalten. War untergetaucht, um der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu entgehen. Währenddessen strebte der Albtraum seines Lebens ganz allmählich einem unbefriedigenden Ausgang zu. Sechs Monate fernab des Schweinwerferlichts, weit weg von irgendwelchen Kameras, nur um festzustellen, dass seine Abwesenheit verdächtig genug wirkte, um neue Gerüchte und Spekulationen zu produzieren.

Welche Schönheit hat diesem Junggesellen das Herz gebrochen?

Die reißerische Schlagzeile hatte ihn wie eine Faust in den Unterleib getroffen. Es war ein kleines Vermögen nötig gewesen, um sie verschwinden zu lassen.

Sein Dad hatte eine solche Art Publicity nicht verdient.

Genauso wenig wie Bella – das kleine Baby, das Gefühle in ihm geweckt hatte, die Nate nie für möglich gehalten hätte. Sie war so rein und kostbar und liebenswert. Und auch wenn sie nicht zu ihm gehörte, hatte er doch geschworen, sie vor allem Unbill dieser Welt zu beschützen.

Genau aus diesem Grund war er heute hier. Die erste Gala-Veranstaltung, die er besuchen konnte, um die Presse von seiner Fährte abzulenken.

Er schenkte den Kameras sein schönstes Raubtiergrinsen. „Ich schaue also besser mal nach, ob sich einige der Ladys da drinnen noch an mich erinnern.“ Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging die paar Schritte bis zu dem großen Eingangsportal hinüber. Dabei sah er so aus, als wolle er nicht eine Minute der Party verpassen. In Wirklichkeit hätte er sich lieber einen Weisheitszahn ziehen lassen als die „Society-Hochzeit des Jahres“ zu besuchen.

Aber er brauchte ein Ablenkmanöver – je schneller, desto besser. Also war er hier.

Er würde sich kopfüber in das Meer aus schimmernder Seide und angeberischem Gepränge stürzen und nach dem größtmöglichen Skandal suchen. Er würde eine Schönheit an Land ziehen, die die Boulevardpresse auf ihren Titelseiten ablichten konnte. Eine, die so viel Aufsehen erregte, dass die Medien sich nicht länger für seine jüngste Vergangenheit interessierten.

Eine, die wusste, wie der Hase lief.

Das war der heikle Part, denn Nate gehörte nicht zu der Sorte Mann, die sich an eine Frau band. Mit der Liebe hatte er nichts am Hut. Genauso wenig wie mit „für immer und ewig“.

Rasch überflog sein Blick die gesellschaftliche Elite Chicagos, die in dem goldenen Ballsaal versammelt war. Er suchte nach einer Frau, die auf seiner Wellenlänge lag, einer, die er für sein Vorhaben einspannen konnte. Doch nach kaum fünf Minuten realisierte Nate, dass er sich verrechnet hatte – und zwar nicht zu knapp.

Eine Frau zu finden, die er zur Schau stellen konnte, war einfach genug. Es gab mindestens hundert Kandidatinnen, die willig mit den Wimpern klimperten. Doch wann immer ein perfekt frisierter Kopf sich kokett in seine Richtung drehte, verwandelte sich die Apathie, die in den vergangenen sechs Monaten so mühelos dafür gesorgt hatte, dass er allein blieb, in etwas Dunkleres. Überall witterte er Hintergedanken.

Und dann sah er sie.

Payton Liss schob sich durch die Menge und benutzte geschickte Ausweichmanöver, um den Händen, die geschüttelt werden wollten, zu entgehen, und um sich nicht auf den tratschenden Smalltalk einzulassen, der jede Hochzeit begleitete – egal, was das gesellschaftliche Protokoll vorschrieb.

Das brave Mädchen aus seiner Vergangenheit. Brandts kleine Schwester. Miss Tabu höchstpersönlich.

Payton brauchte sein Geld nicht. Seinen Namen würde sie auch nicht wollen. Und sie würde ihm trotz allem, was damals mit Brandt geschehen war, helfen, weil sie gewohnheitsmäßig das Richtige tat.

Na ja, meistens tat sie das Richtige.

Seine Mundwinkel zuckten, als er beobachtete, wie sie sich ein paar Hors d’œuvres vom Buffet schnappte und klammheimlich aus der Tür schlüpfte.

Nates Füße hatten sich bereits in Bewegung gesetzt, noch ehe er seinen Plan zu Ende gedacht hatte.

Ganz in schlecht sitzenden Taft gehüllt, lehnte Payton Liss die Schultern an die Wand hinter sich. Sie streckte die Beine auf dem Boden ihres Verstecks aus – einem wundersamerweise unverschlossenen Hauswirtschaftsraum, den sie rein zufällig drei Hochzeiten zuvor entdeckt hatte – und blockierte die Tür mit einem Fuß. Sie war eine Brautjungfer aus der zweiten Garde, und sie befand sich auf der Flucht.

„Keine Chance, Nate. Die Frauen werden dich garantiert aufspüren. Geh und such dir deine eigene Abstellkammer.“

Durch den Spalt zwischen Tür und Rahmen wurde sie von einem Paar eisblauer Augen gemustert, was ihr schlagartig in Erinnerung rief, welche Wirkung dieser Blick einst auf sie gehabt hatte. „Du öffnest jetzt die Tür, Payton, oder ich kehre schnurstracks zur Party zurück – und dort erzähle ich jedem Idioten, den ich treffe, dass du allein hier drin bist … und heulst.“ Das letzte Wort verkündete er mit der arroganten Selbstgefälligkeit eines Mannes, der wusste, dass er bereits gewonnen hatte.

Ihr stockte der Atem, während sie ihn voller Empörung anstarrte. „Ich heule nicht!“ Sich verstecken, ja. Auch ein bisschen schmollen. Aber heulen? Niemals.

„Denk bloß mal an das Gerede“, fügte Nate schadenfroh hinzu.

Ihr Magen verkrampfte sich. Das Gerede war ja der Hauptgrund, weshalb sie hierher geflüchtet war.

Das Gerede um die „arme Payton“.

„… so ein gutes Mädchen … hatte sich so auf ihre Hochzeit gefreut … war ganz verzweifelt, als er sie verlassen hat … genau das, was ihr Vater sich gewünscht hat, aber was hat er denn erwartet …“

Sie konnte all das nicht mehr hören.

Von denen hatte doch keiner eine Ahnung. Doch selbst wenn sie die Wahrheit herausgebrüllt hätte, würde ihr niemand glauben. Sie hatte zu lange und zu überzeugend ein ruhiges, stets fügsames Mädchen gespielt, das gar nicht existierte. Und wofür? Für nichts und wieder nichts! Auch wenn ihr Verhalten noch so perfekt gewesen war, es hatte ihren Vater nicht vor dem schwachen Herz schützen können, das ihn die letzten fünfzehn Jahre seines Lebens plagte. Wenn sie an seinen Tod vor einem Jahr dachte, kamen ihr immer noch die Tränen. Immerhin ruhte er jetzt in Frieden, und auch wenn sein Tod ihr das Herz gebrochen hatte, so befreite er sie doch auch.

Aber trotz aller Veränderungen, die sie vorgenommen hatte, blickte niemand wirklich hinter die Fassade auf die wahre Frau, die sich darum bemühte, auszubrechen. Deshalb würde dies ihr letztes gesellschaftliches Ereignis sein. Sie brauchte ein richtiges Leben. Eines, das sie nach ihrem eigenen Geschmack gestalten konnte.

Der gelangweilte Seufzer holte Payton in die Gegenwart zurück. Zu Nate, der sich wieder in ihr Leben mischte, nachdem er vor all den Jahren daraus verschwunden war. „Letzte Chance, Baby, oder ich rede. Da draußen treiben sich genug Leute rum, die nur drauf warten, sich den Mund zu zerreißen.“

Er würde es wirklich tun, der Mistkerl, dachte sie und gab dem unerklärlichen Lächeln nach, das aus der Asche der Erinnerungen zu steigen schien, die sie mit diesem Mann verband.

Nate kannte keine Tabus, wenn es darum ging, das zu bekommen, was er haben wollte. Und jetzt – nach einer Dekade, in der sie wenig mehr getan hatten, als sich flüchtig zu grüßen, wenn sie sich zufällig begegneten – wollte er in ihr Versteck eindringen.

„Jetzt, Payton.“

Mit einem widerwilligen Seufzen nahm sie den Fuß von der Tür und brachte sich in eine sitzende Position auf dem Boden, den sie mit einem Stoß Tischtücher ausgelegt hatte.

„Also gut, komm rein. Aber beeil dich, damit dich niemand sieht.“

„Kluges Mädchen.“ Er schlüpfte durch die Tür, die er mit einem Fuß zustieß. Es war eine geschmeidige Bewegung, die Payton dazu veranlasste, ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

Verdammt, er sah besser aus, als es einem Mann gestattet sein sollte. Sein Haar war immer noch dunkelblond und ein bisschen kürzer als früher, aber in seiner herrlichen Zerzaustheit wirkte es einfach unwiderstehlich. Schultern und Brust schienen breiter zu sein, auch wenn er immer noch athletisch schlank war und ein Selbstbewusstsein ausstrahlte, das in seiner Umgebung Komplexe auslösen musste. Der maßgeschneiderte Smoking stand ihm hervorragend. Die Flasche Champagner, die er lässig in der Hand hielt, war wie ein perfekt abgestimmtes Accessoire.

Nate wirkte in seiner ungezwungenen Eleganz auf eine Weise einschüchternd, der gegenüber sie eigentlich immun war.

Andererseits handelte es sich hier um Nate Evans. Mit ihm war es von Anfang an anders gewesen. Ja, er verkörperte alles, was Payton sich niemals zugestand.

Endlich fragte sie ihn: „Was machst du hier?“

Er schaute sie eindringlich an, seine Mundwinkel zuckten nur ein ganz klein wenig. „Ich suche nach dir.“

Es war sicherlich nicht als der Verführungsversuch gemeint, nach dem es klang, da war sie sicher. Nate hatte sie nie unter diesem Blickwinkel betrachtet und würde es auch nie tun. Sie wartete darauf, dass er seine Aussage erläuterte, doch stattdessen schaute er sich in dem kleinen Raum um, in dem sich Geschirr, Servierwagen und Tabletts stapelten. „Hübsch hast du es hier.“

„Vielen Dank, es ist ganz praktisch. Noch ein paar Wochen, und ich werde Besuch empfangen können.“

Er hob eine Augenbraue, als er ihre provisorische Sitzgelegenheit entdeckte. Sein Blick verdüsterte sich. „Aber jetzt erwartest du doch keinen Besuch, oder?“

Hitze breitete sich über ihren Hals und ihre Wangen aus, als ihr klar wurde, wie ihr kleines Nest auf einen Playboy wie ihn wirken musste. „Nein, nein.“ Heftig schüttelte sie den Kopf. „Ich mache es mir nur für eine Weile gemütlich. Ich kann mich frühestens in einer Stunde verabschieden, aber bei all dem Gerede habe ich es einfach nicht ausgehalten zu bleiben.“

„Verstehe. Sie sind wie die Geier da draußen.“ Er tippte mit der Schuhspitze gegen ihre Hüfte. „Rutsch rüber. Ich will auch rein ins Nest.“

Payton rückte zur Seite und machte ihm Platz. Als er sich zu ihr niederließ, spannte der Stoff seiner Hose kurz, und darunter zeichneten sich harte Muskeln ab. Augenblicklich schnellte ihr Puls hoch und damit auch die Temperatur in dem Raum, der ihr noch vor einer Minute eher kühl vorgekommen war.

„Was ich nicht verstehe, ist, warum du allein hierherkommst. Und ich bete wirklich, es liegt nicht daran, dass du diesen Idioten von Exfreund namens Clint zurückhaben willst“, sagte Nate.

Payton verdrehte die Augen. Zu viel der Hoffnung, dass Nate die Gerüchte um ihre Trennung nicht zu Ohren gekommen waren. „Nein, Gott, nein. Das hier ist mein größter Albtraum. Ich hatte geplant, mir etwas Ansteckendes einzufangen, sodass ich hätte absagen können. Aber eine Brautjungfer ist mir zuvorgekommen, und so wurde ich vom einfachen Gast aufgewertet. Was für ein Glück!“

Nate lächelte amüsiert, während er ihr wenig vorteilhaftes Brautjungfernkleid begutachtete. „Wenn du meinst.“

Plötzlich musste Payton laut losprusten. „Und was ist mit dir? Es ist eine Hochzeit, und du stehst seit drei Jahren auf der Liste der begehrtesten Junggesellen ganz oben. Du bräuchtest schon an jedem Arm eine Begleiterin, um diese Veranstaltung unbeschadet zu überstehen. Ich bin erstaunt, dass du es aus dem Ballsaal geschafft hast, ohne eine lange Schlange von Single-Frauen hinter dir herzuziehen.“

Diesmal war es Nate, der lachte und dabei seinen Kopf zurückwarf. „Payton, Payton. Das ist ganz schön frech für ein braves Mädchen wie dich!“

Ihr Herz machte einen Satz, und ihr Blick glitt unwillkürlich zu seinen Lippen.

„Und wie kommt es nur, dass ich der Einzige bin, der dein freches Mundwerk zu hören bekommt?“

Sie konnte nicht zulassen, dass er sie weiterhin so ansah. Das Letzte, was sie brauchte, war Nate Evans, der sie daran erinnerte, was sie nicht haben konnte. Mit ihm zu flirten, wenn er in ihr nie mehr sehen würde als Brandts kleine Schwester. Das brave Mädchen.

Genug. Sie musste wissen, was der Mann, der vor all den Jahren wortlos aus ihrem Leben verschwunden war, jetzt von ihr wollte, und dann musste sie dafür sorgen, dass er verschwand, ehe sie etwas wirklich Dummes tat. „Was willst du?“

Die Frage stand im Raum. Nate hob die Champagnerflasche, nahm einen tiefen Schluck, drehte den Kopf und schaute sie eindringlich an. „Ich will dich, Payton. Du musst so tun, als wären wir liiert. Schon seit einem ganzen Monat, um genau zu sein.“

Nate beobachtete, wie Payton erst erbleichte und dann feuerrot anlief. Sie keuchte ungläubig, ehe sie das eine Wort ausstieß, das Klarheit bringen sollte. „Was?

Nun, er hatte nicht erwartet, dass sie einfach so zustimmen und applaudieren würde.

Und verdammt, auch wenn er ihr Erröten wirklich anziehend fand, sollte er sich definitiv keine Gedanken um Paytons wundervolle Kurven machen, die sich so perfekt an seine Schenkel schmiegten. Keine gute Idee. War es noch nie gewesen.

„Ganz ruhig, Prinzessin. Trink einen Schluck.“

Payton schob die Champagnerflasche, die er ihr hinhielt, ungeduldig zur Seite. „Du willst, dass ich vorgebe, wir wären ein Paar?“

Er nickte. „Hier ist der Deal. Die Presse ist hinter mir her. Sie wollen etwas ausbuddeln, das vergraben bleiben soll. Deshalb brauche ich eine Ablenkung. Etwas Saftiges, in das sie ihre Zähne schlagen können. Und dafür brauche ich eine Freundin – jemanden, dem ich vertrauen kann. Du bist perfekt. Du bist sehr bekannt, geachtet, und alle werden glauben, dass du eine Beziehung zu mir nicht in der Öffentlichkeit ausgebreitet sehen willst.“

„Warum nicht?“, fragte sie. Dabei runzelte sie so verwirrt die Stirn, dass Nate am liebsten laut losgelacht hätte.

„Du bist Payton Liss. Du wünschst dir einen respektablen Ehemann. Eine ordentliche Familie.“ Er trank noch einen Schluck Champagner, ehe er sich ihr wieder zuwandte. „Einen angesehenen Namen.“

Und jeder wusste, dass Nate kein Mann zum Heiraten war. Es hatte mal eine Zeit gegeben – als er zum ersten Mal im Wirtschaftsteil der Zeitungen auftauchte – in der die Frauen mit „Liebe“ in den Augen und einem Ehevertrag in der Tasche Schlange gestanden hatten. Was für eine Wende für den Jungen, der keine Begleitung für den Abschlussball gefunden hatte, weil er keinen Treuhandfonds vorweisen konnte! Aber er war weder für die Liebe noch die Ehe geschaffen. Gott sei Dank erkannten das auch die Frauen irgendwann.

Unter seinem Blick schien sich das sanfte Braun von Paytons Augen zu verdunkeln, ihr Körper erstarrte, und ihre Stimme klang kühl. „Wenn das meine Prioritäten sind, warum sollte ich dann überhaupt eine Affäre mit dir haben?“

„Weil ich quasi die verbotene Frucht darstelle, eine nette Abwechslung“, versetzte er mit dreistem Grinsen. „Du mischst dich mal eine Zeit lang unter das gemeine Volk, nachdem die Sache mit Clint in die Hose gegangen ist. Ein Lückenbüßer, bis dir der nächste Blaublütler ins Netz geht.“

„Gemeine Volk?“, wiederholte sie ungläubig. „Du könntest meine Familie dreimal aufkaufen und wieder verkaufen.“

Sicherlich konnte er das … mittlerweile.

„Die Sache mit dem Namen“, gab er mit einem Achselzucken zurück. „Altes Geld mischt sich mit neuem. Geh auf meinen Plan ein, und du verleihst dem Gerede eine ganz andere Qualität. Du wirst kein Mitleid mehr zu spüren bekommen, weil dieser Idiot dich nicht geheiratet hat. Die Leute werden schockiert sein … und neidisch.

Paytons Miene hellte sich auf. „Selbstvertrauen ist ein echtes Problem für dich, was?“

„Hey, du bist diejenige, die von der langen Schlange gesprochen hat“, verteidigte er sich. Doch das Lachen verging ihm, als er ihr tief in die Augen blickte. „Ich brauche dich. Die Presse muss endlich aufhören, danach zu forschen, was ich in den vergangenen sechs Monaten getan habe. Sie sollen glauben, dass sie das große Geheimnis bereits gelüftet haben. Dass du das Geheimnis bist.“

Ihr Blick wanderte ruhelos durch den kleinen Raum.

Das hier sollte es sein. Der letzte gesellschaftliche Auftritt. Sie wollte aus den Zeitungen verschwinden und das Leben vorantreiben, auf das sie hinarbeitete. Das Leben, in dem man sie aufgrund ihrer Leistungen beurteilte und nicht aufgrund der Tatsache, wie erfolgreich sie ein Kleid trug oder was die Presse für ihre Prioritäten hielt.

Doch Nate wäre niemals zu ihr gekommen, wenn sein Geheimnis nicht wichtig wäre.

Und sie musste zugeben, dass ein Teil ihrer Seele, den sie viel zu lange vernachlässigt hatte, bei dem Gedanken frohlockte, was ihre Verbindung mit Nate Evans für ein Aufsehen erregen würde. Ja, da hätte das Gerede in der Tat eine andere Qualität.

Brandt würde toben. Innerlich musste sie grinsen, doch schnell wurde sie wieder nüchtern. Was auch immer zwischen Brandt und Nate vorgefallen war, die Zeit hatte es nicht abgemildert. Selbst nach zehn Jahren löste die Erwähnung von Nates Namen immer noch einen Tobsuchtsanfall in ihrem Bruder aus … und sie verstand immer noch nicht, warum. Genauso wenig wie sie begriff, weshalb Nate sich so abrupt von ihr abgewendet hatte. Und so vollständig.

Rasch warf sie einen Seitenblick auf den in einen Smoking gekleideten Schurken und erkannte dabei, dass dies ihre Chance sein könnte, es herauszufinden.

„Was ist damals mit Brandt geschehen? Warum hast du ihn so verletzt?“

Nates Unterkiefer verkrampfte sich. „Vielleicht hatte Brandt es verdient, ein bisschen verletzt zu werden.“

Ihr Bruder hatte im Laufe der Jahre eine Menge Dinge getan, die sie nicht guthieß. Nicht verstand. Insgeheim hatte sie immer angenommen, dass … „Wo bist du die ganze Zeit gewesen?“, fragte sie.

Ihre ruhige Frage ließ ihn innehalten, und die feinen Linien um seine Augen verloren ihr Lachen. „Die letzten sechs Monate habe ich hauptsächlich in Deutschland verbracht.“ Er rutschte unbehaglich umher, streckte ein langes Bein aus. „Ich habe ein neues Projekt gehütet, das sich nicht so entwickelt hat, wie ich es erwartet habe.“

Das war nicht das, was sie gemeint hatte. Sie hatte sich eher gefragt, wo er die letzten zehn Jahre gewesen war. Sie hatten sich so nah gestanden. Waren Freunde gewesen. Und dann, eines Tages, waren sie es nicht mehr. Bloß dass er jetzt zurückgekehrt war. Und sie darum bat, ihm die Freundin zu sein, die er brauchte.

„Willst du mir verraten, worum es hier eigentlich geht?“

Nate fuhr sich mit einer Hand übers Kinn. „Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich dein kleines Nest hier gerne verlassen.“

Er stand auf, griff in seine Hosentasche, um ein paar Geldscheine herauszunehmen, die er zusammen mit der Champagnerflasche auf einem der Servierwagen hinterließ. „Was hältst du davon?“ Er streckte die Hand aus und zog sie zu sich hoch. „Wir kehren in den Ballsaal zurück und geben der Meute etwas, worüber sie reden können.“

Es war verlockend. Zumal Nates leichte Berührung eine glühende Hitze in ihr auslöste. Sie wollte nicht, dass das aufhörte, doch als er sie auf den Gang hinausführte, wurden ihre Schritte immer langsamer.

Nate drehte sich um. Ihr Zögern schien ihn zu wundern. „Was?“

„Ich muss darüber nachdenken.“

Der Gedanke, dass das Getuschel um sie nicht länger mitleidig sein würde, war verlockend, und die Gelegenheit, wieder etwas Zeit mit Nate zu verbringen – nun, sie wusste nicht so genau, wie sie darüber dachte. Über eine Entscheidung solcher Tragweite sollte sie jedenfalls erst mal eine Nacht schlafen. „Gib mir den heutigen Abend, und ich rufe dich morgen an.“

Vor ihnen öffnete sich die Tür zum Ballsaal einen Spaltbreit, während ein Kellner oder sonst jemand hindurchging. Payton machte einen Schritt zurück, doch Nate hielt sie fest.

„Hör zu, Payton.“ Seine stahlblauen Augen ließen sie nicht eine Sekunde los. „Ich habe bereits darüber nachgedacht. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, und das Ergebnis wird uns beiden nützen.“

Er hatte bereits … „Was?“

Sein lockerer Griff verfestigte sich, so als könne sie jeden Moment davonstürmen. „Vertrau mir“, drängte er in einem Ton, der voller verführerischer Überzeugungskraft war.

Energisch schob sie das Kinn vor. Sie hatte Nate bereits gekannt, als er gerade erst anfing, diesen Ton zu kultivieren, und auch wenn sie nicht gänzlich immun war, so dachte sie gar nicht daran, dem nachzugeben. „Nein.“

Das konnte er gleich vergessen, dass er sie um den kleinen Finger wickelte, wie er es bei jeder anderen Frau, jedem Kind und jedem Mann auf diesem Planeten tat! Sie wusste ganz genau, wie er zu Werke ging, und das Letzte, was sie brauchte, war ein überheblicher Mann, der sie zu kontrollieren versuchte.

Um seine Mundwinkel zuckte es. Etwas an seinem Lächeln, das sie bereits unzählige Male gesehen hatte und das nichts Gutes verhieß, ließ sie äußerst wachsam werden. Ihr Magen flatterte. „Oh, nein, das tust du nicht“, keuchte sie.

„Komm schon … vertrau mir.“

Dieses Grinsen!

„Ich vertraue dir nicht“, schoss sie zurück, wobei ihr Herz wie verrückt pochte. Sie war eine Närrin, einem Mann zu vertrauen, der sie auf diese Weise ansah – als hätte sie gerade seine Woche gerettet mit diesem kleinen Katz-und-Maus-Spiel.

„Das solltest du aber“, schmeichelte er und trat einen Schritt auf sie zu. „Ich habe den Dreh raus. Bei mir gehen die Dinge immer auf.“

Payton starrte zu ihm hoch, während er immer näher kam – bis zu dem Punkt, an dem sich ihre Beine berührten. Er war ein böser Junge. Ein verdammt unwiderstehlicher böser Junge.

„Du bist arrogant“, warf sie ihm vor und lachte auf, als sie beinahe gegen seine Brust taumelte.

„Aber es gefällt dir“, neckte er und schaute sie auf eine Weise an, die sie dazu herausforderte, es doch zu leugnen. Aber, Gott steh ihr bei, das konnte sie nicht. Sein verrücktes Selbstvertrauen hatte sie schon immer geliebt.

Halbherzig stieß sie mit den Händen gegen seine Brust. „Was in aller Welt …?“

In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Ballsaal weit, und Nate zog Payton geschickt und mühelos an seinen harten, festen Körper.

Er zwinkerte ihr zu, ehe er eine Hand um ihren Nacken legte. „Vertrau mir. Ich habe das schon zuvor getan.“

Payton öffnete protestierend den Mund, doch es kam kein Ton heraus, weil Nate bereits den Kopf gesenkt hatte und zielstrebig ihre Lippen eroberte.

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