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Sinnliche Nacht mit süßen Folgen

1. KAPITEL

„Tut mir leid, Claiborne. Die Entscheidung ist gefallen. Sie sind raus aus dem Geschäft. Vielen Leuten gefällt die traurige Berühmtheit nicht, die Sie in letzter Zeit aufgrund Ihrer Bekanntschaft mit Mitchell Butler und seiner schönen Tochter Alicia erlangt haben.“

Jake machte gar nicht erst den Versuch, sich zu verteidigen, indem er sich selbst als ein Opfer Butlers darstellte.

Er umklammerte den Telefonhörer, blieb jedoch stumm. Er würde nicht betteln.

Seit Wochenbeginn belagerten die Journalisten sein Haus und sein Büro. Er hatte alles versucht, den Medien seinen Stand der Dinge darzulegen. Doch die Presse drehte ihm das Wort im Mund herum und stellte ihn als Schuldigen in Butlers Unterschlagungsskandal hin.

Nach einem letzten Klicken im Telefonhörer ertönte das Freizeichen.

Einen Moment lang dachte Jake an Mitchell Butler und seine schöne Tochter. Hatte sie ihren Vater bei dessen Machenschaften unterstützt?

Jake Claiborne legte den Hörer auf. Sein Kopf begann zu schmerzen. Im Grunde hatte er mit einem solchen Anruf ohnehin gerechnet.

Er würde sich keine Gedanken über sie machen. Oder über die Nacht, die er in ihren Armen verbracht hatte. Oder darüber, wie kühl und unnahbar sie sich seitdem verhielt. Nicht, dass er ihr einen Vorwurf machen konnte, nein, überhaupt nicht. Schließlich hatten er und Hayes Daniels, Geschäftsführer im Unternehmen seines Zwillingsbruders, das FBI auf Mitchell gehetzt – genau nach der Nacht, in der er mit Alicia geschlafen hatte.

Zweifellos war sie so schuldig wie ihr Vater. Für eine solche Hexe auch nur den Hauch eines Gefühls zu empfinden, würde nur weiteres Unheil nach sich ziehen. Nein, er musste jetzt nach vorne schauen.

Sein Blick blieb auf dem von ihm eigenhändig gebauten Modell von New Orleans hängen, das faszinierend naturgetreu wirkte. Die Miniatur des geradezu unverschämt futuristischen Stadions, das er und sein Team noch bis vor wenigen Augenblicken hatten bauen wollen, schien ihn zu verhöhnen, was den Schmerz in seiner rechten Schläfe noch verschlimmerte.

Denk nicht an sie.

Noch vor sechs Wochen war Mitchell Butler ein reicher, mächtiger und angesehener Mann gewesen. Seine Werft war inzwischen zahlungsunfähig, und die Fusionspläne mit Claiborne Energie gehörten der Vergangenheit an. Seine behütete Tochter hatte ihren Job als Redakteurin beim Louisiana Observer verloren. Millionen von Dollar waren von Butlers Bankkonto auf den Kayman-Inseln verschwunden. Oder waren es Milliarden? Die in den Medien genannten Zahlen schnellten in astronomische Höhen.

Mitchell war pleite und mit ihm seine Investoren. Butler, der meistgehasste Mann in Louisiana, hatte außer Jake noch eine ganze Menge anderer Leute in den Ruin getrieben.

Am liebsten hätte Jake die kleine Modellstadt auf dem Boden zerschmettert, doch er beherrschte sich und balle nur die Hände zu Fäusten. Er brauchte jetzt unbedingt einen Moment für sich, um nicht mehr an die Butlers zu denken und wieder zu sich zu kommen.

Wie sollte er seinen Angestellten die schlechte Nachricht beibringen?

Am besten, er stellte sich ihnen gleich. Dann hatte er es hinter sich.

Er schob die Hände in die Taschen seiner verblichenen Jeans und ging von seinem Büro in das seiner Sekretärin.

„Vanessa. Bitten Sie alle in den Konferenzraum. Sagen wir in fünf Minuten. Und stellen Sie keine Telefonate durch.“

Vanessa war zwanzig Jahre älter als er, alleinerziehende Mutter von drei Söhnen und seit ihren bitteren Eheerfahrungen mit einem eisernen Willen ausgestattet. Sie tippte ungerührt weiter auf der Tastatur ihres PC.

Jake trat näher und flüsterte: „Ich kann nichts dafür, dass Ihr Ex Sie betrogen und eine andere Frau geschwängert hat.“

Sie runzelte die Stirn und blickte vom Bildschirm auf.

„Ich wollte nur sehen, ob Sie meine Anwesenheit überhaupt bemerkt haben“, erklärte er.

„In fünf Minuten. Konferenzraum. Alle Mitarbeiter. Keine Telefonate.“ Sie drehte sich von ihm weg, drückte den Knopf der Sprechanlage und gab seine Anweisungen weiter.

Zehn Minuten später stand Jake mit rasenden Kopfschmerzen vor sechzig seiner Angestellten.

„Ich habe schlechte Nachrichten“, begann er und versteifte sich angesichts der bleich werdenden Mienen. Diese Menschen enttäuschen zu müssen, die auf ihn zählten, schmerzte ihn fast so sehr wie sein eigenes Versagen.

„Wir werden die Mittel für den Bau des Stadions nicht bekommen. Jones will noch nicht einmal die letzten Änderungen der Pläne bezahlen … daher fürchte ich … dass mir keine andere Wahl …“

Er wollte gerade sagen, dass er leider einige Mitarbeiter in sein Büro bitten müsse, um mit ihnen über ihre Kündigung zu sprechen, als Vanessa mit finsterem Blick auf ihn zustürzte und ihm ein schnurloses Telefon in die Hand klatschte.

Ihre Miene war derart frostig, dass er gar nicht wagte zu fragen, was denn in diesem Augenblick so wichtig sein könnte.

„Die Alarmanlage Ihres Hauses ging los. Der Sicherheitsdienst meinte, es sei eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen und ein Bewegungsmelder zerstört worden.“

„Und? Sagen Sie ihm, er soll die Polizei holen.“

Vanessas dünne, nachgezeichnete Augenbrauen zuckten nach oben. „Ist bereits geschehen. Officer Thomas ist am Telefon und sagt, eine Miss Alicia Butler sei vor Ihrem Haus und verlange, Sie zu sehen … und sie hat ihre Katze und einen Koffer bei sich. Was ist da los?“

„Keine Ahnung.“

Was machte diese Frau vor seinem Haus? Sie hatte seine Anrufe nicht angenommen, und jetzt war sie mit ihrer Katze bei ihm zu Hause? Hatte sie versucht einzubrechen? Warum? Sein Puls beschleunigte sich. Vor Wut, wie er sich einredete.

„Claiborne hier“, bellte er ins Telefon.

„Mr Claiborne, hier spricht Officer Thomas. Entschuldigen Sie die Störung, aber wir haben hier eine ganze Meute von Journalisten und etliche aufgebrachte Mitbürger.”

„Ich weiß.“ So ging das nun schon, seit der Zeitungsartikel erschienen war, in dem man ihn beschuldigte, Mitchell Butler bei der Unterschlagung von Geldern für ‚Houses of Hurricane Victims‘ geholfen zu haben. Diesen Fonds für Hurrikan-Opfer hatte Jake ins Leben gerufen und dummerweise die Verantwortung dafür Mitchell übertragen.

„Als ich bei Ihrem Haus eintraf, fand ich eine Miss Alicia Butler und ihre Katze auf Ihrer Veranda vor, Sir“, erklärte der Polizeibeamte. „Anscheinend sind ihr einige der Investoren ihres Vaters von ihrer Wohnung aus gefolgt, und jetzt hat sich die Stimmung hier ziemlich aufgeheizt. Irgendjemand hat einen Stein durch ein Fenster an der Straßenseite geworfen und ist dann geflohen. Ich habe Miss Butler und ihre Katze in meinen Streifenwagen gebracht. Sie ist ziemlich aufgelöst, und die Katze mauzt ununterbrochen.“

Jake hatte ein großes, modernes Haus in einer Top-Wohnlage gemietet. Unglücklicherweise wohnte seine Vermieterin Jan Grant in unmittelbarer Nachbarschaft. Sie war sowohl neugierig als auch rechthaberisch und hatte sich bereits darüber beklagt, dass unverschämte Reporter sie belagerten. Wenn jetzt auch noch die Polizei auftauchte, würde sie womöglich vollends durchdrehen und ihn aus dem Haus werfen.

„Das ist mir alles sehr unangenehm, Officer. Lassen Sie mich einen Moment nachdenken. Ich bin gerade in einer Besprechung.“

Er rieb sich nachdenklich die Stirn und überlegte, was er tun sollte. Eigentlich wollte er sich jetzt um die Entlassungen kümmern … andererseits steckte Alicia anscheinend ziemlich in der Klemme. Sie musste einen triftigen Grund gehabt haben, um bei ihm aufzutauchen. Aber welchen?

Seit Mitchell angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden war, war sie vom FBI, der Presse und den Investoren ihres Vaters bedrängt worden. Auf den Bildern, die er im Fernsehen von ihr gesehen hatte, hatte sie sehr dünn und verletzlich gewirkt.

Gegen seinen Willen erinnerte er sich an die Nacht, die es nie hätte geben dürfen, und an einen schönen, seidenglatten Frauenkörper unter seinem … einen Körper, der so in Einklang mit seinem Körper schwang wie kein anderer. Die saubere und anständige Alicia Butler hatte ihn fast um den Verstand gebracht. Am liebsten hätte er jede Erinnerung an sie ausgelöscht, doch trotz allem, was er über ihren Vater seit jenem Abend gehört hatte, wollte ihm das nicht gelingen.

Tatsächlich hatte er ständig an Alicia gedacht und daran, wie süß sie war und was sie in jener Nacht so viele Male getan hatten.

Als er die Augen seiner Angestellten auf sich gerichtet spürte, verdrängte er jeden Gedanken an Sex mit Alicia. Jetzt galt es zu handeln.

„Sie sagen, sie hat ihre Katze dabei? Und einen Koffer?“

In seinem Kopf schrillten nun sämtliche Alarmglocken. Sie war nicht nur einfach auf einen Sprung bei ihm vorbeigekommen.

„Die junge Dame wirkt ziemlich mitgenommen.“

„Wie … meinen Sie das?“, fragte Jake nun ziemlich besorgt.

„Sie spricht so leise, dass ich sie kaum verstehen kann.“

Jake erinnerte sich an Alicias honigsüße Stimme, die seinen Namen flüsterte, während sie miteinander schliefen.

Die Gesichter seiner Mitarbeiter verschwammen.

„Ich komme sofort und kümmere mich um alles“, sagte er.

Erleichtert verabschiedete sich der Polizeibeamte von ihm.

Jake reichte das Telefon an Vanessa zurück.

„Ich wusste gar nicht, dass Sie Alicia Butler näher kennen“, zischte Vanessa, kaum dass sie allein in seinem Büro waren.

Ihr vorwurfsvoller Ton nervte ihn. Ohne sie eines Blickes zu würdigen, nahm er die Autoschlüssel aus der Schublade und warf sich sein Jackett über die Schulter.

„Tu ich auch nicht.“

„Was macht sie dann vor Ihrer Haustür?“

„Sobald ich es weiß, werde ich es Ihnen berichten, okay?“

„Was sich da vor Ihrem Haus abspielt, gefällt mir überhaupt nicht. Das liefert nur noch mehr negative Schlagzeilen. Diese Butlers sind Diebe, und Sie werden mit ihnen über einen Kamm geschoren. Wir werden diesen Skandal kaum überleben können.“

„Glauben Sie, ich weiß das nicht? Ich schlage vor, Sie kümmern sich ums Büro, während ich herausfinde, was sie will, okay?“

„Ja, natürlich. Das Ganze macht mich einfach nervös.“

Während er zu seinem Parkplatz ging, krampfte sich sein Magen zusammen bei dem Gedanken an all die Leute, die er wegen Alicia Butler und ihrem Vater entlassen musste.

Zur Hölle mit ihr.

Als Jake in seiner Auffahrt scharf bremste, kamen augenblicklich sechs Reporter über das nasse Gras auf ihn zugestürmt. Kaum hatte er die Autotür geöffnet, hielten sie ihm schon ihre Mikrofone vor die Nase.

Im Haus nebenan war der Vorhang am vorderen Fenster zur Seite geschoben, damit seine Vermieterin auch nur ja nichts verpasste.

„Was will Alicia Butler bei Ihnen?“, bestürmte ihn einer der Journalisten.

Ohne ihn einer Antwort zu würdigen, schaute Jake zu der zusammengesunkenen Gestalt in dem Polizeiauto. Dann wanderte sein Blick zu dem eingeworfenen Fenster.

Eigentlich hätte er ja auf Alicia wütend sein sollen, aber er musste daran denken, wie sehr die Presse in den letzten Wochen auf sie eingeprügelt hatte.

Wie sie so auf dem Rücksitz des Polizeiautos kauerte, konnte er keine Ähnlichkeit mit der großen, eleganten Lady feststellen, mit der er geschlafen hatte, oder mit der abweisenden Frau, die ihn am nächsten Morgen zum Teufel geschickt hatte. Er konnte nicht wütend auf sie sein. Dumm wie er war, empfand er sogar Mitleid mit ihr.

Ein Polizist, vermutlich Officer Thomas, wies überflüssigerweise zum Streifenwagen. „Sie ist da drüben.“

„Danke.“

Als Jake über seinen vom Regen aufgeweichten Rasen auf den Streifenwagen zulief, versanken seine italienischen Slipper im Matsch.

„Alicia?“, rief er barsch und klopfte gegen die Scheibe.

Sie ließ das Fenster ein paar Zentimeter hinunter. Um ihre mandelförmigen braunen Augen mit den langen Wimpern war Mascara verschmiert. Trotz ihrer Magerkeit und Blässe fand er sie genauso anziehend wie in jener einzigen gemeinsamen Nacht.

Er öffnete die Tür, ergriff ihre eiskalte Hand und half ihr heraus.

Sie trug ein weißes, hauchdünnes Kleid, das an ihrem Körper klebte. Beim Anblick der Regentropfen auf ihren vollen Lippen empfand er einen fast körperlichen Schmerz – er wusste noch genau, wie weich sich diese Lippen angefühlt hatten und wie süß sie schmeckten.

Sein Mund wurde schmal, als die Erinnerungen ihn übermannten. Was hatte sie eigentlich hier zu suchen?

„Danke, dass du so schnell gekommen bist.“

„Wie bist du hierhergekommen?“, fragte er.

„Taxi.“

„Ziemlich mutig, in einem Taxi zu kommen mit der ganzen Meute von Reportern, die dich verfolgten.“

„Ich … habe nicht nachgedacht. Entschuldige, dass ich dich in Verlegenheit bringe.“

„Du hättest mich anrufen können. Wir hätten uns irgendwo heimlich treffen können.“

„Tut mir leid. Ich hasse das alles so sehr wie du.“

Der Polizist hatte recht gehabt … sie sah krank aus. Ihre Augen, die in jener gemeinsamen Liebesnacht vor Vergnügen geblitzt und gefunkelt hatten, waren jetzt trüb und verschwollen.

„Miau!“

Jake warf einen Blick auf Officer Thomas, der zu den Reportern hinübergegangen war und mit ihnen redete. Lieber wäre es ihm, er würde sich um Alicia kümmern.

Doch statt dem Polizisten ein Zeichen zu geben, zog er sie an der Hand aus dem Auto und machte eine Kopfbewegung in Richtung seiner Haustür. Dann holte er ihren Koffer und den Katzenkorb aus dem Polizeiwagen. Fauchend krallte sich das Tier an die Wände seines Käfigs, aber Jake achtete nicht weiter darauf, sondern folgte Alicia. Er holte die Schlüssel aus der Hosentasche, sperrte auf und öffnete die Tür dann mit solcher Wucht, dass sie gegen die Innenwand prallte.

Er trat zur Seite, damit Alicia eintreten konnte. Doch sie blieb unschlüssig auf der Schwelle stehen und starrte ihn an, bis ihm nichts anderes übrig blieb, als „Möchtest du nicht hereinkommen?“, zu sagen.

„Ja“, flüsterte sie heiser.

„Also dann, Ladies first.“

Ein krachender Donner folgte auf einen grellen Blitz, der anscheinend irgendwo ganz in der Nähe eingeschlagen war.

Gus, der Kater, warf sich daraufhin wie verrückt heulend in seinem Käfig herum.

„Deine Katze fände es auch besser, hineinzugehen“, sagte Jake.

„Er ist wasserscheu, und Donner hasst er.“

„Tja, wenn du nur gekommen bist, um vor meiner Haustür Interviews zu geben, dann viel Spaß dabei. Gus und ich würden allerdings jetzt lieber reingehen und eine Dose Thunfisch aufmachen.“

Er schob den Koffer und den Katzenkorb in seine ultramoderne Diele und tastete nach dem Lichtschalter. Alicia hatte sich noch immer keinen Millimeter von der Stelle bewegt.

„Das ist hier nicht gerade das, was man neutralen Boden nennen könnte“, flüsterte sie.

„Erinnere mich nicht daran.“

Unversehens überfiel ihn die Erinnerung, wie sie sich die Kleider vom Leib gerissen hatten, als sie diese Schwelle mal überschritten hatten. Damals hatte er sich nicht die Mühe gemacht, das Licht einzuschalten. Kaum nackt, waren sie übereinander hergefallen. Ihm wurde heiß, als er daran dachte, wie er sie auf dem Teppich genommen hatte, auf dem er jetzt stand. Sie war ihm so anbetungswürdig und sexy erschienen.

In diesem Moment erhellte das Blitzlichtgewitter der Reporter ihr aschfahles Gesicht.

Die kleine Sorgenfalte zwischen ihren dunklen Augenbrauen vertiefte sich, und ihr Gesicht wurde noch weißer. Als er beschützend nach ihr greifen wollte, sprang sie ins Innere seines Hauses.

Verdammt, er wollte sie doch nur beruhigen.

Sie drückte sich so weit wie möglich von ihm entfernt an seine Mahagoni-Wand, wobei sich ihr Brustkorb unter dem dünnen Kleid heftig hob und senkte.

Bei dem Gedanken an ihre Brüste mit den rosafarbenen Spitzen wurde ihm heiß. Ihm wurde schlagartig bewusst, dass er seitdem jede Nacht aufwachte und sich nach ihr sehnte.

Ärgerlich darüber, dass sie sich anscheinend vor ihm fürchtete, während er durch ihre Anwesenheit völlig aus der Bahn geriet, knallte er die Tür zu. Alicia begann zu zittern.

„Du frierst ja“, sagte er ziemlich barsch, um seine Besorgnis zu vertuschen.

„E-entschuldige. Die K-klimaanlage.“ Sie holte tief Luft. „Und mein Kleid tropft deinen schönen Boden nass.“

„Er ist aus Stein, er wird schon nicht aufweichen. Aber warte kurz. Ich schalte die Klimaanlage aus und hole dir ein paar Handtücher.“

Ehe sie etwas einwenden konnte, war er schon im Flur verschwunden und holte aus dem Gästebad ein paar flauschige weiße Handtücher. Als er zurückkam, zog er sein Jackett aus, legte es um Alicias Schultern und drückte ihr die Handtücher in die Hand.

Obwohl sich ihre Finger nur ganz kurz berührten, spürte er doch, wie eiskalt ihre Hände waren.

„Danke“, sagte sie leise und begann, sich das Haar trocken zu rubbeln. „Tut mir leid, dass ich so viele Umstände mache.“

„Kein Problem.“ Er wandte den Blick von ihrem verstörten Gesicht.

Wieso wollte er ihr eigentlich helfen? Ihre Probleme gingen ihn doch nun wirklich nichts an, oder? Er hätte mindestens ein Dutzend Gründe nennen können, warum er sie hassen sollte. All die Menschen zum Beispiel, für die seine Wohltätigkeitsorganisation nun keine Häuser bauen konnte, und die Angestellten, die er bald entlassen musste. Doch sie wirkte ja selbst nur wie ein Häufchen Elend, wie sollte er da wütend auf sie sein?

Am liebsten hätte er sie umarmt, damit sie endlich aufhörte, vor Kälte zu zittern. Doch das sollte sie keinesfalls merken, daher schlug er ihr ziemlich unfreundlich vor: „Du wirst dich wohler fühlen, wenn wir dich erst einmal aus diesen nassen Kleidern heraus haben.“

„Wir?“ Sie wurde über und über rot. Auch sein Herz schlug schneller, als ihm bewusst wurde, was seine Worte implizierten. Mühsam zwang er sich, seinen Blick von ihren verführerischen Brüsten abzuwenden.

Hatte sie sich etwa absichtlich dieses hauchdünne, durchsichtige Teil angezogen, damit er sie anstarrte? Ohnmächtige Wut erfüllte ihn, weil sie ihn so leicht erregen konnte.

„Ich wollte eigentlich sagen, dass am Ende des Flurs ein Badezimmer ist. Vielleicht erinnerst du dich, dass du dort schon mal geduscht hast.“

Wieder errötete sie, und er hätte diesen letzten Satz gern zurückgenommen.

„Ich bringe dir einen Bademantel und mehr Handtücher“, sagte er knapp.

Er ging ihr voran den Flur entlang und war sich dabei des Klapperns ihrer Absätze überdeutlich bewusst.

Als sie das Bad betrat, schienen sich die Wände aus beigefarbenem Marmor wie eine Falle um ihn zu schließen. Er erinnerte sich daran, wie sie beim Duschen gelacht hatten, nachdem sie sich nahezu überall in seinem Haus geliebt hatten. Er hatte ihr das Haar gewaschen, sie trocken gerubbelt und dann wieder in sein Bett getragen, wo er sie stundenlang in den Armen hielt.

Unter dem Vorwand, weitere Handtücher zu holen, verließ er das Bad und ließ sie allein. Ihm war klar, dass er um seiner selbst willen rasch herausfinden musste, was sie wollte, um sie dann so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Vom ersten Augenblick an hatte sie ihn fasziniert, als sie am Arm seines Bruders in einem engen goldenen Etuikleid auf der Feier zum achtzigsten Geburtstag seines Großvaters erschienen war. Als Cici ihn gebeten hatte, sich um Alicia zu kümmern, damit sie mit Logan tanzen konnte, hatte er seine Chance sofort ergriffen. Logan war dann plötzlich mit Cici verschwunden, und er hatte Alicia angeboten, sie nach Hause zu fahren.

Sie erschien ihm so süß und wunderschön – gar nicht wie ihr berechnender Vater. Und da sie als Autorin und Redakteurin arbeitete, war sie auch ganz und gar nicht das oberflächliche reiche Mädchen, für das er sie gehalten hatte. Als er sie dann auch noch küsste, nachdem sie über einen seiner Scherze gelacht hatte, war es passiert: Sie standen plötzlich beide in Flammen.

Am Morgen nach ihrer Liebesnacht hatte Logans Geschäftsführer Hayes Daniels ihm den unwiderlegbaren Beweis präsentiert, dass Alicias Vater kriminell war. Jake sah daraufhin gemeinsam mit seinem Wirtschaftsprüfer die Bücher und Bankunterlagen von ‚Houses for Hurricane Victims‘ durch und entdeckte alarmierende Abweichungen. Daraufhin zeigten Jake und Hayes Mitchell bei den Polizeibehörden an.

Alicias Vater war ein Betrüger, Jake sollte sie sich besser vom Leibe halten. Doch sie wirkte so verloren.

Auch nachdem er herausgefunden hatte, dass ihr Vater ‚Houses for Hurricane Victims‘ bestohlen hatte, war sie in seinen Gedanken stets präsent gewesen. Unzählige Male hatte er bei ihr angerufen, doch sie hatte nicht darauf reagiert. Wahrscheinlich gab sie ihm die Schuld am Untergang ihres Vaters.

Und trotzdem fand er sie noch immer anziehend.

Schon bei dem ersten zaghaften Kuss, als ihre lackierten Finger seine Haut durch den Stoff seines Baumwollhemdes versengt hatten und ihre Lippen so süß und heiß seinen Kuss erwiderten, hatte er fast unerträgliche Lust empfunden.

Es hätte ihm eine Warnung sein sollen, dass ein einziger Kuss eine solche Leidenschaft auslöste, doch statt die Finger von ihr zu lassen, hatte er sie eng an sich gezogen.

Und er begehrte sie noch immer. Daher wäre es am besten, wenn sie sein Haus blitzartig verließe, bevor er eine echte Dummheit beging.

2. KAPITEL

Jake fegte die Glasscherben in der Diele zusammen, öffnete eine Dose Thunfisch in der Küche und ließ den Kater aus seinem Katzenkorb, als er ein dumpfes Geräusch aus dem Badezimmer hörte.

Mit angelegten Ohren und in voller Panik raste der Kater aus der Küche und warf dabei einen Blumentopf aus Porzellan um.

Ohne sich um das erschreckte Tier oder die Erde aus dem zerbrochenen Topf zu kümmern, lief Jake zum Bad und klopfte an die Tür.

„Alicia?“

Als sie nicht antwortete, geriet er in Panik.

„Alicia? Alicia! Alles okay?“

Keine Antwort.

Er hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür, und als er nach wie vor keinen Laut aus dem Bad hörte, versuchte er, den Türknopf zu drehen, und siehe da, er bewegte sich. Dichter Wasserdampf umhüllte ihn, als er die Tür weit aufstieß. „Alicia?“

Blindlings tastete er sich durch den feuchten Nebel bis zur Dusche und öffnete die Glastür.

Dort fand er sie zusammengekrümmt auf dem Boden liegen, während das warme Wasser über ihre nackten Hüften lief. Er drehte den Wasserhahn zu, hob die ohnmächtige Alicia auf und trug sie in sein Wohnzimmer zum Sofa, wo er sie abtrocknete und ihr einen Bademantel überzog.

Sorgfältig achtete er darauf, ihren nackten Körper so wenig wie möglich anzusehen. Trotzdem fiel sein Blick auf das herzförmige Geburtsmal auf ihrer linken Brust, das er in jener Nacht so leidenschaftlich geküsst hatte.

Er hob ihr Handgelenk an und fühlte ihren Puls. Er ging gleichmäßig und stark, und Jake lächelte erleichtert.

„Alicia! Wach auf!“

Sie murmelte etwas Unverständliches und drehte den Kopf weg.

Hatte sie sich etwa am Kopf verletzt? Hatte sie eine Gehirnerschütterung?

„Daddy!“, flüsterte sie. „Daddy! Wo bist du?“

Jake fuhr mit den Fingern durch ihr Haar und untersuchte ihre Kopfhaut nach einer eventuellen Platzwunde. Schließlich fand er eine Beule.

„Mach die Augen auf!“, befahl er ihr.

Zu seiner Überraschung flatterten ihre langen Wimpern, und ihre vollen, sexy Lippen bebten.

Langsam kam sie zu sich. „Jake … bist du das? Was ist los? Warum schreist du mich an?“

Sie streckte die Hand aus und fasste nach seiner. „Wo bin ich?“

„In meinem Wohnzimmer.“

„Was mache ich hier?“

Das fragte er sich allerdings auch.

„Wo sind meine Kleider?“ Ihre Stimme wurde laut. „Was hast du mit mir gemacht?“

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