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Sinnliche Küsse unter spanischer Sonne

1. KAPITEL

„Ich kann auf keine Party gehen!“ Ärgerlich funkelte Keisha ihre Freundin an. „Ich habe nichts anzuziehen und auch kein Geld, um mir etwas kaufen zu können. Außerdem droht mir der Rausschmiss aus meinem Haus. Also, warum fragst du überhaupt?“

„Weil es genau das ist, was du brauchst“, erklärte Gillian energisch. Sie war groß und schlank und mit ihrem langen roten Haar auf eine unkonventionelle Art schön. „Du gehst schon viel zu lange nicht mehr unter Leute.“

„Und ich habe auch keine Lust dazu.“ Zorn blitzte aus Keishas grünen Augen, doch Gillian ignorierte ihre Worte.

„Ich kann dir eins von meinen Kleidern leihen.“

Früher einmal hätten die Sachen ihrer Freundin ihr gepasst. In den letzten drei Jahren hatte Keisha allerdings so stark abgenommen, dass sie fast knabenhaft wirkte. Mit ihrem blassen Teint und dem langen aschblonden Haar fühlte sie sich alles andere als attraktiv. „Ich will trotzdem nicht mitkommen.“ Sie presste die Lippen zusammen.

„Du kannst mich jetzt nicht im Stich lassen“, konterte Gillian. „Auf keinen Fall gehe ich allein dahin. Komm, wir sind schon seit einer Ewigkeit nicht mehr zusammen losgezogen. Tu es für mich, ja?“

Keisha lächelte schwach, denn inzwischen kam sie sich richtig egoistisch vor. Gillian war ihr immer eine gute Freundin gewesen, und sie freute sich schon lange auf die Party. War es wirklich so schlimm, wenn sie ihr den Gefallen tat?

„Okay, ich komme mit. Aber nur dir zuliebe.“

Als Keisha später an dem Abend auf der Party erschien, fühlte sie sich so gut wie lange nicht mehr, denn Gillian hatte wahre Wunder vollbracht. Sie hatte ihr das lange blonde Haar zu einem eleganten Knoten hochgesteckt, mit dezentem Make-up ihre Augen betont und ihr ein Kleid geliehen, das ihrer knabenhaften Figur schmeichelte.

Ihr neues Selbstbewusstsein half Keisha dabei, lockerer zu werden. Drei harte Jahre lagen hinter ihr, und es war höchste Zeit, sich zu amüsieren und das Leben zu genießen.

Als sie jedoch den Blick über die anderen Gäste schweifen ließ, stellte sie fest, dass es ein großer Fehler gewesen war zu kommen. Auf der anderen Seite des Raumes stand Hunter Donahue. Sie wurde aschfahl und hätte am liebsten sofort die Flucht ergriffen. Aber er hatte sie bereits bemerkt und musterte sie finster. Prompt krampfte ihr Magen sich zusammen.

Schnell wandte sie sich zu Gillian um, doch die unterhielt sich gerade. Als Keisha wieder in Hunters Richtung sah, war er zu ihrer großen Erleichterung verschwunden.

Im nächsten Moment berührte jemand sie an der Schulter, und ein Schauder lief ihr über den Rücken.

„Was machst du denn hier?“

Verzweifelt fragte sie sich, warum der Klang seiner Stimme noch immer eine so starke Wirkung auf sie ausübte. Sie hatte eine aufregende Zeit mit Hunter verbracht, aber dann war ihre Ehe gescheitert, und sie hatte ihn vor drei Jahren verlassen. Seitdem war sie ihm nicht wieder begegnet.

Keisha versuchte den Gedanken daran zu verdrängen, wie heiß sie sich geliebt hatten. In seiner Gegenwart fiel es ihr allerdings nicht leicht, zumal Hunter jetzt ihr Kinn umfasste, damit sie ihn ansah.

In seinen wunderschönen blauen Augen lag noch derselbe sinnliche Ausdruck wie damals … Schnell riss sie sich zusammen. Wie konnte sie so etwas denken? Schließlich waren Hunter und sie geschieden.

„Mit wem bist du hier?“

Er schien genauso wenig begeistert über ihre Anwesenheit wie sie über seine. Trotzdem fragte sie sich, ob er auch jenes Knistern spürte oder ob sie die Einzige war, die sich an die ersten, wundervollen Monate ihrer Ehe erinnerte.

„Wer ist er?“ Hunter ließ den Blick über die Gäste schweifen.

Die Party fand in einem der exklusivsten Hotels in London statt und diente einem wohltätigen Zweck. Keisha konnte sich jedoch nicht mehr erinnern, welcher es war.

„Es ist kein Er, sondern eine Sie“, erklärte sie. „Hast du ein Problem damit, dass ich hier bin?“ Ruhig erwiderte sie seinen Blick. Sie hätte Hunter kaum einen Vorwurf daraus machen können, denn sie hatte ihn verlassen.

„Nein“, erwiderte er. „Ich bin eher schockiert, schätze ich. Du hast dich verändert, Keisha. Ich hätte dich kaum erkannt. Du bist sehr dünn geworden.“

Betont lässig hob sie die Schultern. „Das geht dich nichts an.“

Er hingegen wirkte noch muskulöser als damals. Wahrscheinlich trainierte er immer noch jeden Tag im Fitnessstudio. Für ihren Geschmack war er viel zu attraktiv …

„Oh doch, das tut es“, widersprach er. „Ich würde gern wissen, was du gemacht hast, seit du … mich verlassen hast.“ Dann nahm er ihre Hand, um sie demonstrativ zu betrachten. „Aha, kein Ring. Du hast also nicht wieder geheiratet?“

Keisha schüttelte den Kopf, während sie ihm schnell ihre Hand entzog. Die Gefühle, die seine Berührung ausgelöst hatten, alarmierten sie. Anders, als sie geglaubt hatte, empfand sie offenbar doch noch etwas für ihn.

Mach dich nicht lächerlich, ermahnte sie sich dann. Warum kannst du ihn nicht einfach vergessen? Wir sind geschieden, und Hunter bedeutet dir nichts mehr.

„Dass du abgenommen hast, hat nicht zufällig etwas mit mir zu tun, oder?“

Unter seinem forschenden Blick schnürte sich ihr die Kehle zu, und ihr Herz begann, wie wild zu pochen. Sie hatte ihn verlassen, weil er viel zu viel gearbeitet und sie vernachlässigt hatte – und weil er eine Affäre gehabt hatte.

Nicht weil sie ihn nicht mehr geliebt hatte.

Drei Jahre waren eine lange Zeit, und sie hatte angenommen, sie wäre darüber hinweg. Und nun musste sie feststellen, dass sie immer noch etwas für Hunter empfand.

Erneut fragte Keisha sich, ob es ihm ähnlich ging. Hoffentlich nicht, denn wenn er seinen Charme spielen ließ, würde sie ihm nicht widerstehen können!

Allerdings war sie jetzt älter und um einiges erfahrener. Sie hob das Kinn und funkelte Hunter an. „Bestimmt nicht!“ Dann wich sie einen Schritt zurück.

Über seine Schulter hinweg sah sie, wie Gillian in ihre Richtung blickte. Am liebsten hätte sie sie zu sich gerufen und sie gebeten, sofort zu gehen. Hunter durfte jedoch auf keinen Fall merken, wie durcheinander sie war.

Als junges Mädchen hatte sie sich geschworen, nie zu heiraten. Ihr Vater war gekommen und gegangen, wie es ihm passte, und ganz verschwunden, als sie neun gewesen war. Nach dem Schulabschluss hätte sie am liebsten studiert, konnte es aus finanziellen Gründen aber nicht. Ihre Mutter war seit dem Verschwinden ihres Vaters depressiv und hatte nie gearbeitet. So fühlte Keisha sich verpflichtet, den Lebensunterhalt für sie beide zu verdienen, und fand einen Job in Hunters Werbeagentur.

Alle weiblichen Angestellten waren in ihren charismatischen Chef verliebt, und selbst die Männer bewunderten ihn. Mit dem tiefschwarzen Haar und den funkelnden blauen Augen sah er aus wie ein Filmstar, was ihm selbst nicht bewusst zu sein schien. Mit seiner selbstsicheren und lässigen Art nahm er alle für sich ein.

Als sie einmal einen Ordner mit Papieren fallen ließ und er ihr half, diese einzusammeln, fühlte Keisha sich geschmeichelt. Der kurze, aber intensive Blickkontakt mit ihm weckte nie gekannte Gefühle in ihr. Und als Hunter sie einige Tage später zum Essen einlud, schwebte sie im siebten Himmel.

Natürlich sagte sie zu, obwohl sie ihm gegenüber sehr unsicher war. Ihr Alter und ihre Unerfahrenheit schienen ihn allerdings nicht abzuschrecken. Er traf sich weiter mit ihr und eroberte ihr Herz im Sturm. Bald darauf machte er ihr einen Heiratsantrag, und drei Monate später, kurz nach ihrem neunzehnten Geburtstag, feierten sie Hochzeit.

Es war nur eine kleine Zeremonie in ihrer Gemeindekirche.

Ihre Mutter hatte sich ein neues Kostüm zugelegt, und Keisha trug ein weißes Satinkleid, das ihre Figur perfekt betonte. Es war der schönste Tag in ihrem Leben, und sie würde ihn niemals vergessen.

Im Überschwang der Gefühle hatte sie ihren Vorsatz, den Männern niemals zu vertrauen und nie zu heiraten, völlig vergessen. Hunter war der Mann fürs Leben und würde sie niemals im Stich lassen, davon war sie fest überzeugt.

Ihre ebenso kurze wie stürmische Affäre war natürlich das Gesprächsthema im Büro gewesen. Während ihre Kolleginnen sie beneidet hatten, waren die meisten Männer erleichtert gewesen und hatten gewitzelt, dass sie von nun an nicht mehr auf ihre Freundinnen oder Frauen aufpassen müssten.

„Und, warum bist du so abgemagert?“

Hunters Stimme riss sie aus ihren Gedanken, und Keisha war froh darüber, weil sie nicht weiter darüber nachdenken wollte, was hätte sein können. Es war eine Bilderbuchromanze gewesen, eine Märchenhochzeit – und jetzt blieben ihr nur noch die Erinnerungen.

„Ich glaube nicht, dass es dich wirklich interessiert“, konterte Keisha kühl.

„O doch“, widersprach Hunter in sinnlichem Tonfall.

Der Klang seiner Stimme war für sie oft der Auftakt zu leidenschaftlichen Begegnungen gewesen. Wenn Hunter so mit ihr gesprochen hatte, hätte sie alles für ihn getan.

Selbst jetzt spürte sie, wie sie darauf reagierte.

„Ich bin dir nichts schuldig“, erklärte sie. „Und nun lass mich bitte in Ruhe, damit ich den Abend genießen kann.“

Hunter hatte nicht die Absicht wegzugehen. Als er Keisha bemerkte, hatte er seinen Augen nicht getraut, denn damals hatte er geglaubt, er würde sie niemals wiedersehen.

Vor drei Jahren hatten ihre jugendliche Unschuld, ihr bezauberndes herzförmiges Gesicht und ihre sinnlichen Lippen ihn über alle Maßen fasziniert. Sie war ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen, und als sie seinen Heiratsantrag annahm, war er überglücklich.

Dass sie womöglich noch nicht bereit war, sich dauerhaft zu binden, kam ihm gar nicht in den Sinn. Er liebte sie über alles und wollte den Rest seines Lebens mit ihr verbringen.

Auf sein Drängen hin gab Keisha ihren Job in seiner Agentur auf und wohnte bei ihm in seinem Apartment in der City. Einige Monate später zogen sie in ein Haus in Surrey, und er war so glücklich wie nie zuvor. Als Keisha ihn dann kurz nach ihrem ersten Hochzeitstag verließ, war er am Boden zerstört.

Sicher, er arbeitete viel und hatte gewusst, dass sie nicht begeistert darüber war. Vielleicht hätte er sie nicht überreden sollen zu kündigen, doch wie hätte er sich in ihrer Nähe auf seine Arbeit konzentrieren können?

Als sie ihm klarmachte, wie langweilig es auf Dauer war, allein zu Hause zu sitzen, hatte er ihr vorgeschlagen, sich ein Hobby zu suchen. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass sie ins Fitnessstudio gehen würde. Eines Tages hörte er zufällig, wie sie am Telefon zu ihrer Freundin Gillian sagte, wie sexy die Männer dort seien, besonders einer. Ihm gegenüber erklärte sie anschließend, dieser sei nur ein guter Freund und außerdem glücklich verheiratet.

„Warum trittst du nicht auch ein? Dann kannst du ihn kennenlernen“, meinte sie. „Er heißt Marc Collins. Ich kenne ihn durch eine ehemalige Klassenkameradin.“

Aber er hatte abgelehnt, weil es offenbar doch keinen Grund zur Eifersucht gab. Keisha wiederum vermutete, er hätte eine Geliebte, was schon oft Anlass zu Auseinandersetzungen gewesen war. Schließlich hatte er angenommen, sie würde ihm glauben, dass es niemanden gab.

Wie sehr er sich getäuscht hatte!

Eines Abends war er kurz vor Mitternacht aus der Agentur nach Hause gekommen, als Keisha die Bombe platzen ließ und ihm eröffnete, dass sie ihn verlassen würde. Er erkannte sie kaum wieder, weil sie dabei so kühl und distanziert wirkte.

Fassungslos blickte er sie an. „Du machst Witze, Keisha.“

Doch es war ihr ernst. Sie redeten die ganze Nacht miteinander, und er versuchte sie mit allen Mitteln umzustimmen. Nachdem Keisha ihm schließlich versprochen hatte, bei ihm zu bleiben, hatten sie den besten Sex bisher gehabt. Ihre Begegnungen waren immer sehr aufregend und leidenschaftlich gewesen, aber dies war etwas anderes. Es schien ihm, als würden sie ihren Treueschwur erneuern. Auf dem Weg zur Arbeit am nächsten Morgen fühlte er sich großartig und war fest davon überzeugt, dass sie alle Probleme gelöst hatten.

Aber als er an dem Abend nach Hause kam, war sie fort.

Er rief ihre Mutter an. Er rief alle an, die vielleicht wussten, wo sie steckte. Ohne Ergebnis. Zuerst machte er sich Sorgen und spielte mit dem Gedanken, die Polizei zu rufen. Dann wurde ihm allerdings klar, dass er sie schlecht als vermisst melden konnte. Sie hatte ihn verlassen, weil sie nicht glücklich war.

Und sie hatte ihn getäuscht.

Allmählich wich seine Besorgnis dem Zorn. Wie konnte sie ihm das antun? Warum war sie einfach gegangen? Er hatte geglaubt, ihre Liebe wäre durch nichts zu erschüttern.

Wenig später fand er heraus, dass es nichts mit seiner Arbeit oder seinen vermeintlichen Frauengeschichten zu tun hatte. Es war nur ein Vorwand gewesen. Sie war diejenige, die eine Affäre hatte. Sie hatte behauptet, dieser Marc Collins wäre nur ein guter Freund, und er hatte ihr geglaubt. Dann sah er sie eng umschlungen mit ihm auf der Straße – jedenfalls nahm er an, dass es Marc Collins war. Und selbst wenn nicht, war sie offenbar in diesen Mann verliebt.

Sie küsste ihn in der Öffentlichkeit!

Er war angewidert und fühlte sich zugleich gedemütigt. Keisha hatte ihn belogen! In seinem unbändigen Zorn wäre er am liebsten auf die beiden zugestürmt, um ihr den Hals umzudrehen und ihn k. o. zu schlagen. Aber so tief würde er nicht sinken. Was hätte es auch für einen Sinn gehabt, nachdem ihre Ehe gescheitert war?

Stattdessen blieb er stehen und beobachtete, wie die beiden Hand in Hand weitergingen.

Es war ihm unendlich schwergefallen, weil er zutiefst verletzt war. Und dann stellten sich Schuldgefühle ein. Womöglich hätte Keisha ihn nicht verlassen, wenn er mehr Zeit für sie gehabt hätte.

Tagelang zerbrach er sich den Kopf darüber, bis er zu der Überzeugung gelangte, dass er nicht allein dafür verantwortlich war. Keisha hatte ihm vorgeworfen, er würde sie betrügen. Dabei hatte sie ihn belogen.

Hunter fragte sich, wie lange die beiden schon zusammen sein mochten, und versuchte zu ergründen, wann Keisha und er sich voneinander entfremdet hatten. Im Nachhinein musste er sich eingestehen, dass es in ihrer Ehe nicht so glatt gelaufen war. Sie hatten sich oft gestritten, weil er so viel arbeitete, und Keisha hatte ihm unterstellt, dass er sich mit einer anderen Frau traf. Offenbar war es ihm nicht gelungen, sie vom Gegenteil zu überzeugen, und sie hatte sich das gleiche Recht herausgenommen.

Allerdings hatte er sie nie betrogen, was es umso schwerer für ihn machte.

Irgendwie war es ihm gelungen, sich zusammenzureißen und weiterzumachen. Er hatte mehr denn je gearbeitet und versucht, Keisha zu vergessen und sich von ihrer Bitte um eine schnelle Scheidung nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Und er hatte geglaubt, es wäre ihm gelungen.

Doch nun, da er sie wiedersah und die Schmach erneut durchlebte, wusste er, dass er Keisha genauso wehtun wollte wie sie ihm. Er liebte sie nicht mehr, war allerdings fest entschlossen, sich an ihr zu rächen.

„Ich habe nicht die Absicht zu gehen, Keisha“, erklärte Hunter schroff, während er mühsam seinen Zorn unterdrückte. „Ich möchte mit dir tanzen.“ Die Band spielte gerade einen langsamen Walzer, und ehe Keisha etwas entgegnen konnte, nahm er ihre Hand und zog sie aufs Parkett.

Zuerst hielt er sie enger an sich, als er es hätte tun sollen. Dann wurden sie lockerer und bewegten sich im Takt über die Tanzfläche. Während Hunter über banale Dinge plauderte und es bewusst vermied, über sie beide zu sprechen, merkte er, dass Keisha immer noch etwas für ihn empfand.

Natürlich war es keine Liebe. Inzwischen bezweifelte er sogar, dass sie je so tiefe Gefühle für ihn gehegt hatte. Aber sie fühlte sich körperlich zu ihm hingezogen.

Und das konnte er ausnutzen!

Ärgerlich fragte sich Keisha, wie sie nach all den Jahren noch so auf seine Nähe reagieren konnte. Als der Tanz endete, löste sie sich schnell von ihm, doch Hunter umfasste ihr Handgelenk.

„Warum so eilig? Der Abend fängt doch erst an.“

„Für dich vielleicht, aber nicht für mich“, konterte sie, während sie sich seinem Griff entwand. Gillian würde etwas zu hören bekommen, denn ihr Exmann war der Letzte, dem sie hier hatte begegnen wollen.

Ihre Ehe war ein großer Fehler gewesen. Sie war viel zu jung und unerfahren für einen Mann wie Hunter gewesen und hatte für ihn immer nur an dritter Stelle gestanden – nach seiner Arbeit und den anderen Frauen. Noch einmal würde sie nicht auf ihn hereinfallen.

Hunter gab sich völlig ungerührt. Er lächelte sogar, wenn auch etwas verkrampft. „Und, wer ist die Lady, die uns zusammengeführt hat?“

„Gillian. Erinnerst du dich an sie?“, fragte Keisha. „Hätte ich mich bloß nicht von ihr überreden lassen, hierherzukommen!“

„Der Meinung bin ich nicht.“

Sie sah ihm in die Augen – und bekam weiche Knie, wofür sie sich sofort verfluchte.

Schnell blickte sie sich nach Gillian um, die allerdings verschwunden war.

„Heißt das, du freust dich, mich zu sehen?“ Skeptisch sah sie zu ihm auf.

Mit seinen einsneunzig überragte Hunter sie um einen Kopf. Sie hatte es immer toll gefunden, einen so großen Partner zu haben, an den sie sich anlehnen konnte.

„Und ich bin überrascht“, erwiderte er. „Ich möchte wissen, was du in den letzten drei Jahren gemacht hast.“ Unvermittelt verfinsterte sich seine Miene, und er umfasste ihren Arm. „Und zwar alles.“

Plötzlich bekam Keisha Angst, denn dies war eine ganz neue Seite an ihm. „Lass mich los!“, protestierte sie. „Du tust mir weh!“

„Ich bringe dich irgendwohin, wo wir ungestört miteinander reden können“, sagte er leise, aber mit einem harten Unterton.

Sie schauderte und sah sich wieder nach ihrer Freundin um. Die hatte sich anscheinend diskret zurückgezogen, nachdem sie sie mit Hunter gesehen hatte.

Da sie Gillian schon seit Jahren kannte, war diese natürlich über alles informiert. Allerdings war sie restlos begeistert von Hunter und hatte sie oft gedrängt, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und sich wieder mit ihm zu versöhnen.

Nun führte er sie in eine ruhige Ecke, wo er sie auf einen Stuhl verfrachtete.

Trotzig funkelte Keisha ihn an. „Du vergeudest nur deine Zeit.“

„Das glaube ich nicht.“ Er nahm zwei Gläser Champagner vom Tablett eines Obers und schob ihr eins über den niedrigen Tisch zu, bevor er sich auch hinsetzte.

Obwohl sie eigentlich nichts trinken wollte, führte sie das Glas an die Lippen und leerte es in wenigen Zügen, was ihm ein zufriedenes Lächeln entlockte.

In den drei Jahren hatte er sich sehr verändert. Sein schwarzes Haar, das er früher immer fast schulterlang getragen hatte, war jetzt ganz kurz. An den Schläfen zeichneten sich bereits feine graue Strähnen ab. Die ehemals funkelnden blauen Augen blickten ernst, und der sinnliche Zug um seinen Mund war verschwunden. Hunter wirkte nicht mehr wie ein charismatischer Filmstar, sondern wie ein knallharter Geschäftsmann.

Ärgerlich fragte Keisha sich, warum ihr all das überhaupt auffiel. Er ging ihr viel zu sehr unter die Haut, sie hatte ihn nie wirklich vergessen, vor allem nicht ihre leidenschaftlichen Nächte. Ob es überhaupt einen anderen Mann gab, der ihre Sinne so wecken konnte wie er?

Aber in einer Ehe drehte sich nicht alles nur um Sex. Hunter und sie hatten sich nicht einmal vertraut.

„Noch ein Glas Champagner?“

Als Keisha nickte, winkte Hunter den Ober herbei.

„Und, gefällt dir, was du siehst?“

Verlegen wandte sie den Blick ab. „Du hast ein paar graue Haare.“

„Wahrscheinlich weil ich so viel arbeite. Wir haben stark expandiert. Inzwischen haben wir Agenturen in Europa, und nächstes Jahr hoffe ich, eine in New York eröffnen zu können. Ich bin kaum noch zu Hause.“

„Das überrascht mich nicht“, bemerkte sie ironisch, woraufhin er einen wütenden Laut ausstieß.

„Du wusstest, dass ich keine andere Wahl hatte. Vielleicht sollte ich mich sogar glücklich schätzen. Du bist nicht für die Ehe mit einem Geschäftsmann gemacht.“

Schweigend nahm Keisha ihr Glas vom Tisch, um einen Schluck zu trinken. Dann drehte sie es zwischen den Fingern und betrachtete es.

„Du hast also nicht aus Kummer abgenommen?“ Forschend betrachtete Hunter sie. „Ist es wegen eines anderen Mannes?“

Sie ignorierte seine Frage. „Ich freue mich für dich. Du hast dir den Erfolg verdient.“ Aber selbst in ihren Ohren klang es nicht ehrlich.

„Danke“, erwiderte er leise. „Jetzt erzähl mal, was du in all den Jahren gemacht hast. Deine Mutter hat mir mitgeteilt, dass du weggezogen bist.“

Verblüfft sah sie ihn an. „Du hast mit meiner Mutter gesprochen?“

„Dachtest du etwa, ich würde nicht nach dir suchen?“ Er zog die Augenbrauen hoch.

„Sie hat es mir nie gesagt.“ Keisha konnte nicht fassen, dass ihre Mutter es ihr verschwiegen hatte. Und nun konnte sie sich nicht mehr bei ihr bedanken, was das Schlimmste war.

„Sie wollte mir nicht verraten, wohin“, fuhr Hunter fort. „Sie meinte, falls ich versuchen sollte, dich zu finden, würde ich es mit ihr zu tun bekommen. Wer weiß, was für eine Geschichte du ihr aufgetischt hast, denn sie hat sich mir gegenüber verhalten, als wäre ich krank im Kopf.“

Dass ihre Mutter sich so für sie eingesetzt hatte, wunderte Keisha. Allerdings hätte es Hunter nicht von seiner Suche abhalten dürfen, wenn er sie wirklich hätte finden wollen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie presste die Lippen zusammen. „Sie ist vor Kurzem gestorben.“

„Oh!“, erwiderte er. „Das wusste ich nicht. Es tut mir leid.“

Er schien es ernst zu meinen, denn er sah so aus, als würde er sie am liebsten in die Arme nehmen. Sie hoffte, er tat es nicht. Auf keinen Fall wollte sie seine Nähe spüren. An ihre Mutter zu denken machte sie verletzlich. Hätte sie ihren Tod nur nicht erwähnt!

„Das muss es nicht“, erklärte sie deshalb schroff. „Sie war sehr krank. Letztendlich war es eine Erlösung für sie.“

„Sicher vermisst du sie.“

Keisha nickte.

„Und, wo wohnst du jetzt?“

„In ihrem Haus“, antwortete sie zögernd. Wie lange noch, wusste sie aber nicht, und das machte ihr Sorgen. „Und gibt es einen Mann in deinem Leben?“ Erstaunt blickte sie ihn an und stellte fest, dass er sie for

schend betrachtete. Hoffentlich kam er nicht auf die Idee, es noch einmal zu versuchen! „Das geht dich nichts an.“ Wieder zog Hunter die Augenbrauen hoch, ging allerdings nicht darauf ein – zumindest vorerst.

Seit ihrer Ehe mit ihm hatte es keinen Mann mehr in ihrem Leben gegeben. In den ersten zwölf Monaten hatte sie erst einmal Abstand gebraucht. Dann hatte sie ihre Mutter gepflegt und keine Zeit für eine Beziehung gehabt.

„Ich rufe mir jetzt ein Taxi“, verkündete Keisha und stand auf. „Wenn du Gillian siehst, richte ihr bitte aus, dass ich gegangen bin.“

Doch er hielt sie zurück. „Wenn du unbedingt wegwillst, bringe ich dich nach Hause“, sagte er in jenem für ihn typischen verführerischen Tonfall.

Und als er ihr Handgelenk umfasste, während er ebenfalls aufstand, wusste Keisha, dass sie verloren war.

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