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Sinnliche Küsse - gefährliches Geheimnis

1. Kapitel

 

John Crenshaws Telefon klingelte um sieben Uhr in der Frühe und riss ihn aus dem Tiefschlaf. Er griff nach dem Hörer, ohne die Augen zu öffnen.

"Crenshaw", murmelte er mühsam.

"Hier ist das Büro von Miss Kincaid. Einen Moment, bitte." Jackie Kincaid war Johns Vorgesetzte bei der National Security Agency.

John arbeitete seit vier Jahren beim Geheimdienst. Gleich nachdem er den Dienst in der Army quittiert hatte, wo er in einer Spezialeinheit gedient hatte, wollte ihn die Agency haben. Bis vor sechs Monaten war er dort im Außendienst gewesen. Dann hatte man ihn befördert.

Er hatte keinen blassen Schimmer, warum Jackie Kincaid ihn so frühmorgens zu Hause anrief. Er setzte sich seufzend auf und schwang die Beine aus dem Bett.

"John? Hier ist Jackie. Tut mir Leid, Sie um diese Zeit zu stören, aber gestern waren Sie nicht zu erreichen. Ich konnte nicht mal eine Nachricht hinterlassen."

"Ich war in den letzten zwei Wochen an der Westküste und bin erst heute Nacht zurückgekommen."

"Ich weiß, Sie haben diese Woche Urlaub, aber es hat sich etwas ergeben. Wir brauchen Sie."

"Ein Personalproblem?"

"Nein. Sie müssen in zwei Stunden an einer Besprechung mit einem anderen Dienst teilnehmen."

Er verzog das Gesicht. "Mit welchem?"

"DEA."

"Die Drogenbehörde? Das soll wohl ein Witz sein."

"Keineswegs. Können Sie rechtzeitig hier sein?"

John gähnte. "Sicher."

"Großartig. Bis dann."

John stand auf und streckte sich. Sein Körper war immer noch auf Pazifikzeit eingestellt, und das bedeutete, dass es für ihn jetzt vier Uhr nachts war.

Er ging in die Küche und setzte Kaffee auf. Im Bad stellte er dann fest, dass er einen neuen Haarschnitt bitter nötig hatte.

In Südkalifornien war er viel in der Sonne gewesen, so dass seine Haut jetzt tiefbraun und sein blondes Haar ausgebleicht war.

John duschte, rasierte sich, zog sich an und holte sich dann seinen Kaffee. Nach der ersten Tasse goss er den Rest in eine Thermoskanne, um ihn auf dem Weg zur Arbeit zu trinken.

Sein Porsche verbrachte viel mehr Zeit in der Garage als auf der Straße. John hatte sich auf ein paar freie Tage gefreut, um den Wagen mal so richtig ausfahren zu können. Dieses Auto war die Liebe seines Lebens, und warum auch nicht? Es wartete immer zu Hause auf ihn, wenn er kam, beschwerte sich nie darüber, dass er so spät dran war, verlangte keine Aufmerksamkeit und warf auch nicht sein Geld zum Fenster raus, wenn er weg war.

Als er den Motor startete, lächelte er unwillkürlich. Es klang fast wie das Schnurren einer Katze – Musik in seinen Ohren.

John fuhr zur Niederlassung der NSA und trank während der Fahrt seinen Kaffee. Als er angekommen war, ging er erst mal in sein Büro, um nach seiner Post zu sehen. Dann machte er sich auf den Weg zu Miss Kincaids Büro.

Ihre Assistentin sah gerade die Post durch und schaute auf, als John hereinkam. "Willkommen zurück. So braun gebrannt gefallen Sie mir noch besser. Ich wünschte, ich hätte nichts Besseres zu tun, als den ganzen Tag am Strand zu liegen."

John hob eine Augenbraue. "Das wünsche ich mir auch. Aber ich habe einen Termin bei Jackie."

"Gehen Sie gleich rein. Hm, diese Bräune steht Ihnen wirklich gut. Wahrscheinlich laufen Ihnen die Frauen in Scharen nach."

Er grinste. "Das muss mir entgangen sein."

Justine war Mitte dreißig, glücklich verheiratet und hatte drei kleine Töchter. Sie zog John immer damit auf, dass er ihre erste Wahl als Schwiegersohn wäre, wenn er bloß warten könnte, bis ihre Töchter erwachsen waren.

Er klopfte an Jackies Tür und trat ein.

Drei Männer und eine Frau saßen vor Jackies Schreibtisch. Sie drehten sich alle zu John um.

Einer der Männer stand auf.

Er war um die fünfzig, und sein dunkles Haar wurde bereits grau. Wahrscheinlich trainierte er mehrmals in der Woche, denn er wirkte sehr fit. So wie er John musterte, entging ihm vermutlich überhaupt nichts, und John hätte sich am liebsten die Schuhe mal eben an den Hosenbeinen poliert.

"John, das ist Sam Watson von der DEA. Und dies sind drei seiner Agenten: Jerry Greene, Hal Pennington und Ruth Littlefield." Die Agenten standen auf, und John schüttelte allen die Hände.

"Nun da wir vollzählig sind, schlage ich vor, dass wir in den Konferenzraum gehen. Da haben wir mehr Platz." Jackie ging voraus.

Sobald alle am Konferenztisch Platz genommen hatten, sagte Jackie: "Sam, erklären Sie doch John, warum Sie ihn sehen wollten."

Watson lächelte. Das verwandelte sein Gesicht völlig, und John kam zu dem Schluss, dass er wohl doch jünger war, als es auf den ersten Blick aussah.

"Danke, Jackie." Watson wandte sich an John. "Ich habe ein Problem mit meinem Büro in San Antonio. Einer meiner Männer wurde letzte Woche getötet, und es sieht so aus, als wäre ein anderer Agent dafür verantwortlich."

"Verdammt, das ist hart." John drehte sich zu den anderen Agenten um. "Man muss sich doch wenigstens auf seine Kollegen uneingeschränkt verlassen können."

Die drei machten eine finstere Miene.

"Ich muss jemanden hinschicken, der für uns verdeckte Ermittlungen anstellt. Und auf der Suche nach einem geeigneten Mann, dem ich vertrauen kann, bin ich auf Sie gestoßen. Sie haben ja jahrelang undercover gearbeitet."

"Das stimmt."

"Und Sie stammen aus Texas."

John grinste. "Das kann ich kaum leugnen."

"Ich habe außerdem erfahren, dass Ihre Familie dort gut bekannt ist."

"Na ja, wir sind ziemlich zahlreich."

"Sie wären der ideale Mann für mein Vorhaben."

John wartete.

"In den letzten Monaten haben wir Ermittlungen über eine Familie namens Patterson angestellt. Ihnen gehört eine Import/Export-Firma, und wir vermuten, dass es sich dabei um eine Tarnfirma handelt, die Waffen, Drogen und andere illegale Waren in die Vereinigten Staaten schmuggelt. Gregg, der Agent, der gestorben ist, sammelte Beweise gegen die Pattersons. Sie scheinen uns immer einen Schritt voraus zu sein, egal was wir unternehmen, also haben sie offenbar einen Informanten in unseren Reihen. Bei verschiedenen Razzien haben wir nichts gefunden, und man hat uns vorgeworfen, unschuldige Geschäftsleute zu belästigen."

Watson goss sich aus einem Krug Wasser ein. Nachdem er einen Schluck getrunken hatte, fuhr er fort: "Zwei Tage vor seinem Tod hat Gregg Kontakt mit mir aufgenommen und dabei seinen direkten Vorgesetzten übergangen. Er sagte, er hätte zwei Agenten in Verdacht. Offenbar wären wesentliche Informationen nicht weitergegeben worden. Er wollte herausfinden, was da los war. Ich habe ihn gebeten, mir Bescheid zu geben, sobald er mehr weiß. Das war das Letzte, was ich von ihm gehört habe. Zwei Tage danach kam er bei einem Autounfall um."

"Das klingt ja fast so, als hätte bei dem Anruf noch jemand mitgehört."

"So sehe ich das auch. Ich habe so getan, als würde ich an einen Unfall glauben, und die Agenten dort angewiesen, die Nachforschungen einzustellen. Die Pattersons müssen jetzt also annehmen, dass niemand mehr hinter ihnen her ist."

John verzog das Gesicht. "Wie komme ich da ins Spiel?"

"Wir brauchen jemanden, der engen Kontakt zu der Familie Patterson aufnehmen kann, ohne Verdacht zu erregen. Nachdem ich Ihre Akte gelesen hatte, habe ich Jackie gefragt, ob ich Sie für ein paar Monate ausleihen kann. Jerry, Hal und Ruth stammen aus dem Büro in Virginia. In Texas kennt sie niemand. Sie werden mit Ihnen zusammenarbeiten."

John kratzte sich am Kinn. "Es ist eine Weile her, seit ich zuletzt verdeckt ermittelt habe."

"Ich bezweifle, dass Sie Ihren Job verlernt haben. Sie waren verdammt gut."

"Wenn ich Sie richtig verstehe, soll ich in San Antonio als ich selbst auftreten, Kontakt mit der Familie Patterson aufnehmen und Beweise für illegale Aktivitäten sammeln."

"Genau."

"Haben Sie eine Vorstellung, wie ich nah an diese Leute herankommen soll?"

"Allerdings. Zu der Patterson-Familie gehört auch eine unverheiratete fünfundzwanzigjährige Tochter. Wenn sie sich mit ihr treffen, wird der Rest der Familie sich an Ihre Gegenwart gewöhnen und keinen Verdacht schöpfen."

"Sie wollen, dass ich mit ihr anbändle?"

"Richtig."

"Was ist, wenn sie kein Interesse hat?"

"Oh, bei Ihrem Charme, Ihrem Aussehen und der Tatsache, dass Sie aus einer sehr bekannten texanischen Familie stammen, wird es Ihnen sicher nicht schwer fallen, ihr Interesse zu wecken. Danach müssen Sie improvisieren. Je öfter Sie sie sehen, umso besser."

John sah erst Jackie an, dann die anderen. Ruth sah amüsiert aus. "Ich mag ja ein guter Undercover-Agent sein, aber wenn es um Charme und gutes Aussehen geht, fehlt mir doch einiges. Ich bin wirklich kein Ladykiller."

"Dann sollten Sie besser lernen, einer zu werden", meinte Watson. "Denn so werden Sie dort auftreten. Wir haben ein großes Haus für Sie vier gemietet."

John musterte seine Hände. "Ein Ladykiller soll ich also sein, ja?"

"Sie werden ein Playboy sein, der viel zu viel freie Zeit hat. Lassen Sie sich mit schönen Frauen sehen und treten Sie als Kunstmäzen auf."

"Kunst? Das soll wohl ein Witz sein?"

"Die Tochter – sie heißt Carina – ist Pianistin. Sie war im dritten Studienjahr auf der berühmten Juilliard School, als ihr Vater krank wurde. Da ist sie nach Texas zurückgekehrt und hat sich in San Antonio ein Apartment gemietet. Im nächsten Jahr will sie ihr Studium wieder aufnehmen. Sie müssen Interesse an Musik zeigen, Geld spenden und sich etwas ausdenken, wie Sie an sie herankommen. Eine enge Freundschaft mit ihr ist unbedingt nötig, wenn wir die Familie hinter Gitter befördern wollen."

"Ist Carina an dem Schmuggel beteiligt?"

"Schon möglich. Auch das sollen Sie herausfinden."

John nickte. "In Ordnung. Ich tue mein Bestes."

"Gut." Sam stand auf. Jackie, John und die drei Agenten taten das ebenfalls. Watson stellte seinen Aktenkoffer auf den Tisch, klappte ihn auf und reichte John eine dicke Akte. "Hier sind die Unterlagen über die einzelnen Familienmitglieder."

"Wann soll ich anfangen?" fragte John.

Sam lächelte. "Gestern?"

John nickte. "Verstanden."

2. Kapitel

 

Sechs Monate später

 

John bemerkte sie, sobald sie den Ballsaal betrat.

Carina Patterson war klein und zierlich. Sie trug ein kurzes, knallrotes, ärmelloses Kleid, das sich von ihrer hellen Haut und ihrem dunklen Haar effektvoll abhob. Der Lippenstift passte genau zum Kleid.

Sie war in Wirklichkeit viel schöner als auf den Fotos, die John von ihr hatte. Er beobachtete, wie sie sich mit mehreren Gästen unterhielt, und fand, dass ihre lebhafte Art und ihr strahlendes Lächeln wesentlich zu ihrer Schönheit beitrugen.

Er genoss es, ihr zuzusehen, als sie den Raum durchquerte. Es war, als würde sie sich zum Rhythmus einer Musik bewegen, die nur sie selbst hören konnte.

John stand mit mehreren wichtigen Persönlichkeiten von San Antonio an der Bar, konzentrierte sich aber nur halb auf das Gespräch. Alles im Saal schien zu glänzen – von dem teuren Kronleuchter bis zu den erlesenen Juwelen der Frauen. Das allgemeine Stimmengemurmel übertönte die leise Musik des kleinen Orchesters.

"John, wir können Ihnen gar nicht genug danken für das, was Sie heute für das Symphonieorchester getan haben", sagte Graham Scott, der Bürgermeister von San Antonio. "Es musste so lange ums bloße Überleben kämpfen."

"Es freut mich, dass diese Wohltätigkeitsveranstaltung so viel eingebracht hat", antwortete John. "Mit dem Erlös aus den Kartenverkäufen und der stillen Auktion müsste das Symphonieorchester seine Ausgaben für das kommende Jahr decken können."

"Als wir zuerst über diese Veranstaltung gesprochen haben, dachten wir, wir müssten die Kosten, die dabei entstehen, vom Erlös abziehen", erklärte Glenn Kingston, ein Geschäftsmann. "Aber durch Ihre Großzügigkeit kommt jetzt das gesamte eingenommene Geld dem Symphonieorchester zugute. Dadurch stehen wir tief in Ihrer Schuld, Crenshaw."

John grinste. "Keine Sorge. Ich kann es mir leisten."

Die anderen drei Männer lachten. Natürlich konnte er das. Immerhin war er ein Crenshaw.

Seit John in San Antonio eingetroffen hat, hatte er sich bemüht, ein Image als reicher, spendabler Playboy aufzubauen. Er hatte Kunstausstellungen, Museen und Konzerte besucht und dafür gesorgt, dass er immer mit einer schönen Frau gesehen wurde, bei jeder Veranstaltung mit einer anderen. Dadurch war ziemlich oft ein Foto von ihm in der Zeitung erschienen.

Inzwischen war sein Ruf gefestigt. Nicht einer dieser Männer hielt besonders viel von seinem Lebensstil. Aber sie alle stellten sich gut mit ihm. Keiner wollte sich mit einem Crenshaw anlegen, selbst wenn dieser keinen großen Ehrgeiz hatte. Deshalb wurde er überall empfangen und war auch im Country Club zugelassen worden, wo er mit mehreren Mitgliedern Golf spielte.

Jetzt wurde es Zeit, sich an Carina heranzumachen.

Er beobachtete sie weiter, als sie zu ihrem Tisch ging. Ein Mann und eine Frau saßen bereits dort, und John erkannte Carinas Eltern. Er wartete auf eine Pause im Gespräch. Dann fragte er lässig: "Wer ist denn diese dunkelhaarige Frau in dem roten Kleid?" Er deutete auf Carina.

Clint Jackson, ein Lokalpolitiker, antwortete: "Das ist Carina Patterson. Sie ist die einzige Tochter von Christopher Patterson. Er und seine Frau Connie lassen sich nur selten auf Veranstaltungen sehen. Ich bin froh, dass sie hier sind."

John tat so, als müsste er nachdenken. "Der Name sagt mir nichts. Wer ist er denn?"

"Bis zu seinem Schlaganfall vor ein paar Jahren war er sehr aktiv. Seine Firma importiert Waren aus aller Welt. Möbel, Teppiche, Statuen, so was in der Art. Wegen seiner Krankheit hat er das Geschäft seinen Söhnen Al und Ben übergeben."

"Carina sieht ihrer Mutter sehr ähnlich. Sie haben beide so etwas Exotisches."

"Connie Patterson stammt aus einer reichen Familie in Mexico City", erklärte Clint. "Es heißt, Chris habe sich damals auf den ersten Blick in sie verliebt."

"Kein Wunder. Sie sieht eher wie Carinas Schwester als wie ihre Mutter aus. Und Carina ist umwerfend. Wissen Sie, ob sie liiert ist?"

"Ich glaube nicht", sagte Clint. "Aber für den Fall, dass Sie Ihr Glück versuchen wollen, möchte ich Sie warnen. Al und Ben sind einige Jahre älter als Carina und haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Sie können zweifellos sehr unfreundlich werden, wenn ihr jemand wehtut."

"Sie glauben, ich genüge ihren Ansprüchen nicht?" fragte John amüsiert.

"Das habe ich nicht behauptet." Clint schmunzelte. "Immerhin sind Sie ein Crenshaw. Aber Sie haben den Ruf, sich mit ziemlich vielen Frauen zu treffen. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht. Sie sind ein toller Fang, und die Frauen werfen sich Ihnen an den Hals." Er grinste. "Meine Frau meint, Sie würden wie ein Filmstar aussehen und hätten auch die entsprechende Ausstrahlung. Ich kann das selbst nicht beurteilen, da Sie nicht mein Typ sind."

John lachte. "Das ist gut zu wissen."

"Aber wenn Al oder Ben glauben, Sie würden Carina an der Nase herumführen, dann können Sie was erleben."

"Verstanden. Könnten Sie mich jetzt bitte vorstellen?"

"Sicher." Während sie den Raum durchquerten, sagte Clint: "Wie ich sehe, lassen Sie sich nicht so leicht abschrecken."

"Ich lasse mich gar nicht abschrecken."

Mehrere Leute hielten John auf, weil sie ihm für seine Großzügigkeit danken wollten. Er lächelte, schüttelte Hände und dankte allen, dass sie gekommen waren. Als sie endlich den Tisch der Pattersons erreichten, sah John, dass Carinas Brüder und deren Frauen nun ebenfalls da waren.

"Guten Abend, Chris." Clint reichte Patterson die Hand. "Ich freue mich, Sie hier zu sehen."

Patterson hob seine linke Hand und griff damit nach Clints. "Das hätte ich nicht versäumen wollen."

"Ich möchte Ihnen gern John Crenshaw vorstellen. Er hat einige Hebel in Bewegung gesetzt, damit dieser Abend ein Erfolg wird." Er drehte sich zu John um. "John, es ist mir eine große Freude, Ihnen Christopher Patterson, seine Frau Connie, seine Tochter Carina, seinen Sohn Alfred, dessen Frau Marisa und seinen Sohn Ben und dessen Frau Sara vorstellen zu können."

John hatte nicht damit gerechnet, so viel Glück zu haben. Dass er jetzt die gesamte Familie auf einmal kennen lernte, war es wert, so viel Geld und Zeit in diese Wohltätigkeitsveranstaltung investiert zu haben. Und abgesehen davon war es auch für einen guten Zweck gewesen.

"Es freut mich sehr, Sie alle kennen zu lernen." Er schüttelte Hände.

Carina schaute nun auf. "Ich danke Ihnen für den heutigen Abend."

"Gern geschehen, Miss Patterson." Er zwinkerte ihr zu. Das erschreckte sie zuerst ein bisschen, aber dann lächelte sie.

So weit, so gut.

Aus dem Augenwinkel sah John, dass Al ihn nicht aus den Augen ließ. John tat so, als würde er es nicht bemerken. Schließlich kehrten er und Clint zur Bar zurück, holten sich neue Drinks und gingen dann zum Haupttisch.

Das Dinner war erstklassig, und die Reden waren glücklicherweise kurz.

Danach ging das Orchester von leiser Hintergrundmusik zu Showsongs über, um die Anwesenden zum Tanzen zu ermuntern. John entschuldigte sich bei den anderen Leuten an seinem Tisch und ging zu dem der Pattersons. Dort saßen jetzt nur Mr. und Mrs. Patterson.

"Mr. Patterson, sind Sie damit einverstanden, wenn ich Ihre Frau zum Tanzen auffordere? Ich verspreche auch, nicht mit ihr davonzulaufen, obwohl die Versuchung groß ist."

Patterson schmunzelte. "Natürlich dürfen Sie mit ihr tanzen. Aber vergessen Sie nicht, dass ich sie zuerst gesehen habe."

John drehte sich zu Connie Patterson um und merkte, dass sie rot geworden war. "Darf ich um diesen Tanz bitten?"

Sie nickte, und John reichte ihr die Hand. Sobald sie auf der Tanzfläche waren, sagte Connie: "Sie haben viel dazu beigetragen, den heutigen Abend zu einem Erfolg zu machen, Mr. Crenshaw. Wir sind Ihnen alle sehr dankbar." Sie hatte einen leichten Akzent.

John lächelte. "Bitte nennen Sie mich John."

"Wenn Sie mich Connie nennen."

"Gern. Danke. Sie tanzen übrigens sehr gut."

Jetzt lächelte sie ein bisschen traurig. "Chris und ich haben bis zu seinem Schlaganfall sehr viel getanzt. Ich weiß, dass er es genauso vermisst wie ich. Es war nett von Ihnen, mich aufzufordern."

"Glauben Sie mir, es ist mir ein Vergnügen." Das Orchester ging jetzt zu einem neuen, ähnlichen Song über. "Kommt Ihr Mann noch eine Weile länger allein zurecht?"

Sie schaute zum Tisch hinüber. "Er ist nicht allein. Carina ist wieder da."

Sie beendeten den Tanz und gingen zu Carina und ihrem Vater.

"Du hast wundervoll getanzt, Liebling", sagte Patterson zu seiner Frau. "Bitte nutz diese Gelegenheit und mach dir keine Sorgen um mich."

Sie setzte sich neben ihn. "Ich bin im Moment zu sehr außer Atem, um noch weiter zu tanzen." Sie lächelte John zu. "Noch mal vielen Dank."

"Gern geschehen." John wandte sich Carina zu. "Miss Patterson, darf ich um diesen Tanz bitten?"

Carina sah, wie ihre Mutter strahlte, und sagte: "Ja."

Sobald sie aufgestanden war, nahm John ihre Hand und führte sie auf die Tanzfläche. Sie war kleiner als ihre Mutter und reichte ihm kaum bis zur Schulter.

"Es war nett von Ihnen, meine Mutter aufzufordern", sagte sie nun. "Sie geht nicht mehr viel aus."

"Sie hat erwähnt, dass sie und Ihr Vater früher viel getanzt haben."

Carinas Augen glänzten, als sie sich daran erinnerte. "Ja. Es war wunderbar, ihnen zuzusehen. Sie hatten großes Talent und haben sich zusammen bewegt, als wären sie eins. Bestimmt vermissen sie es sehr."

"Wann hatte Ihr Vater denn den Schlaganfall?" fragte John.

"Vor zwei Jahren. Er war immer so aktiv und gesund, dass keiner von uns auf so etwas vorbereitet war. Ein paar Tage lang schwebte er in Lebensgefahr, aber er hat einen starken Willen. Er hat alles getan, was er konnte, um sich so fit wie möglich zu halten."

"Wie ich gehört habe, hat er ein erfolgreiches Importunternehmen", sagte John lässig.

"Meine Brüder haben es übernommen. Sie halten ihn auf dem Laufenden, aber unter ihrer Führung ist die Firma sogar gewachsen."

"Es muss eine Erleichterung für ihn sein, dass er sich auf die beiden verlassen kann."

"Er spricht nie von seiner Krankheit. Dass er jetzt im Rollstuhl sitzt, betrachtet er ganz nüchtern." Carina blickte zu ihrem Tisch hinüber. "Wir sind alle sehr stolz auf ihn."

"Wie ist es mit Ihnen? Gehen Sie oft aus?"

Sie lächelte wehmütig. "Eigentlich nicht."

"Würden Sie für mich eine Ausnahme machen?"

Sie sah ihn überrascht an. "Sie bitten mich um eine Verabredung?"

"Ja. Wie jedem anderen Mann hier sind Sie mir sofort aufgefallen, als Sie hereingekommen sind. Ich muss zugeben, dass ich Clint überredet habe, mich Ihnen und Ihrer Familie vorzustellen. Ich würde Sie wirklich gern wieder sehen."

Der Song ging zu Ende, und ein neuer begann. John tanzte weiter, und Carina sagte nichts davon, dass sie an ihren Tisch zurückwollte.

"Was haben Sie denn im Sinn?" fragte sie schließlich.

Er fing an zu lachen. "Das ist aber eine schwerwiegende Frage. Meine Absichten sind ganz unschuldig. Das versichere ich Ihnen. Wir könnten essen gehen, vielleicht am nächsten Samstag, falls Sie da noch nichts vorhaben."

Sie entspannte sich ein bisschen. "Das klingt harmlos genug."

"Ich gebe Ihnen mein Pfadfinderehrenwort, dass Sie bei mir sicher sind."

Er machte ein paar Drehungen, und Carina folgte seiner Führung wie ein Profi.

"Sie können aber gut tanzen", stellte sie dann fest.

"Danke. Meine Mutter wäre sehr stolz, wenn sie das hören könnte. Ich war nicht gerade einer ihrer besten Schüler, aber ich komme zurecht."

Carina legte den Kopf schief. "Sind Sie zufällig Musiker? Sie haben einen natürlichen Rhythmus, wie die meisten Musiker."

Er lachte. "Ich fürchte nein. Das einzige Instrument, das ich beherrsche, ist das Radio."

Sie stöhnte. "Und trotzdem fördern Sie die Künste."

"Man muss kein Priester sein, um die Kirche zu unterstützen."

Sie lachte, und er fand, dass das herrlich klang. "Ein gutes Argument."

Die Musik brach ab. Das Orchester machte eine Pause. "Würden Sie mir Ihre Telefonnummer geben?" fragte John. "Dann rufe ich Sie später in der Woche an."

Sie holte eine Karte aus der winzigen Tasche, die an ihrer Taille hing. "Hier stehen meine Nummer zu Hause und die von meinem Handy drauf. Ich bin samstags immer bei meinen Eltern, also werden Sie mich dort abholen müssen."

"Das lässt sich machen." Während John ihr den Stuhl zurechtrückte, sagte er leise: "Ich freue mich darauf, Sie wieder zu sehen." Dann wandte er sich an Chris und Connie. "Es war schön, Sie kennen zu lernen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder."

Darauf reagierten beide sehr freundlich. John ging weg.

Als die Veranstaltung zu Ende war, war er mehr als bereit, nach Hause zu fahren.

Auf dem Weg zu seinem Sportwagen redete er noch mit ein paar Bekannten. Dann fuhr er auf dem Highway in Richtung Norden. Das Haus, das die DEA gemietet hatte, lag in den Bergen. Von dort hatte man eine tolle Aussicht.

Es war nur eine zweistündige Fahrt bis zu der Ranch von Johns Familie, aber er war noch nicht oft dort gewesen. Seine Eltern wussten, dass er einen Geheimauftrag hatte, und stellten keine Ansprüche. Aber er vermisste sie. Jetzt beschloss er, öfter hinzufahren.

Das Grundstück war von einer dicken, hohen Mauer umgeben. John gab den Zahlencode ein und wartete, bis das Tor aufging. Dann fuhr er weiter und parkte in der Garage, die groß genug für drei Autos war. Die anderen Wagen waren da. Die Agenten schliefen inzwischen wahrscheinlich. John selbst war auch sehr müde.

Im Haus ging er als Erstes in den Überwachungsraum, wo man auf mehreren Bildschirmen das Grundstück sah. Überall waren Kameras versteckt. Hier standen außerdem mehrere Computer, mit denen sie Daten sammelten, Berechnungen anstellten und Instruktionen entgegennahmen.

John griff nach dem Telefon und tippte eine Nummer ein.

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