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Sinnlich funkelnd wie ein Diamant

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1. KAPITEL

Elena Lyon würde nie einen Mann bekommen, bevor sie nicht sorgsam alle Erinnerungen an Nick Messena getilgt hatte.

Und dazu musste sie als Erstes die Strandvilla an der Dolphin Bay in Neuseeland loswerden, in der sie eine wilde unselige Nacht mit ihm verbracht hatte.

Während sie eine von Aucklands belebtesten Straßen entlangging und nach dem Maklerbüro Ausschau hielt, das sie beauftragen wollte, stach ihr trotz der vor Hitze flirrenden Luft ein großes Schild mit dem Aufdruck Messena Construction in die Augen.

Sofort verspannte sie sich, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nick, der die meiste Zeit außerhalb Neuseelands verbrachte, auf der Baustelle aufhielt, ausgesprochen gering war.

Trotzdem … sie spürte ganz deutlich, dass er da sein musste und sie beobachtete. Gegen ihren Willen blieb sie stehen.

Nach einem tiefen Atemzug schalt sie sich für diese untypische Reaktion, die in scharfem Gegensatz zu ihrer üblichen Gelassenheit stand, und zwang sich, ruhig weiterzugehen.

Dem Blick dreier Arbeiter mit nacktem Oberkörper wich sie aus. Sie konnte es nicht erwarten, das Strandhaus zu verkaufen, denn bei jedem Aufenthalt dort erinnerte sie sich zwangsläufig an die stürmischen Gefühle, die ihr damals vor sechs Jahren zum Verhängnis geworden waren.

Gefühle, von denen der dunkelhaarige und gefährlich unzuverlässige Geschäftsführer von Messena Construction nicht im Geringsten berührt gewesen war.

Da das Handy in ihrer Tasche klingelte – als Rufton hatte sie einen leidenschaftlichen Tango gewählt –, bemerkte sie die anerkennenden Pfiffe der Bauarbeiter nicht.

Eine glänzende dunkle Haarsträhne löste sich aus ihrer kunstvollen Steckfrisur, als sie das Telefon herausnahm. Sie rückte die Brille auf der zierlichen Nase zurecht und sah auf das Display.

Es war Nick. Nick Messena!

Ihr Herz schlug heftig gegen die Rippen. Mit einem Mal nahm sie weder Hitze noch Baustellenlärm oder den lebhaften Freitagnachmittagsverkehr wahr. Ohne dass sie es wollte, fühlte sie sich sechs Jahre zurückversetzt:

Warm und dämmrig war es im Strandhaus, während tropischer Regen aufs Dach prasselte. Nick Messena, gebräunt und muskulös, lag schwer auf ihr …

Elena spürte ihre Wangen glühen. Das Handy klingelte nicht mehr, es hatte einen Anrufbeantworter.

Welch ein Zufall, dass Nick ausgerechnet jetzt anrief, wo sie in Dolphin Bay nach dem Rechten sehen wollte! Sie umfasste das Handy fester. Vor einer Woche hatte Nick sie bereits überraschend in ihrem Apartment in Sydney angerufen. Dummerweise war sie rangegangen und von seiner sexy Stimme so sehr in Bann geschlagen gewesen, dass sie es nicht geschafft hatte, sofort wieder aufzulegen.

Und damit nicht genug! Kurz darauf hatte sie doch tatsächlich seine Einladung zum Essen angenommen, als hätte es die leidenschaftlichen Stunden in seinen Armen nie gegeben.

Natürlich war sie nicht hingegangen, und abgesagt hatte sie auch nicht. Sie hatte ihn versetzt.

Sich so takt- und planlos zu verhalten, ging ihr gegen den Strich. Eigentlich. Aber einige Genugtuung verschaffte es ihr schon, Nick zumindest ein bisschen enttäuscht zu haben. Das war eine kleine Retourkutsche für das, was sie damals empfunden hatte.

Auf dem Display blinkte weiterhin seine Nummer.

Nicht anhören, mahnte ihre innere Stimme, einfach die Nachricht löschen. Doch da hatte sie die Taste bereits gedrückt.

Nicks dunkle, barsche Stimme durchdrang sie bis in die kleinste Nervenzelle. Die Nachricht selbst war kurz und glich den anderen, die er ihr seit der geplatzten Verabredung hinterlassen hatte. Sie bestand nur aus seiner Rufnummer und der Aufforderung Ruf mich an.

Die in der Sonne glitzernden Autos verschwanden für sie wie im Dunst. Und das, obwohl er sie nach einer einzigen Nacht hatte fallen lassen und sich seitdem sechs Jahre lang nicht um sie gekümmert hatte!

Und sie hörte auch noch die Nachricht ab! Ärgerlich ließ sie das Handy zurück in die Tasche gleiten.

Ja, es hatte eine Zeit gegeben, wo sie sich nach einem Anruf von ihm gesehnt hatte, aber einen Fehler würde sie niemals machen: einem Mann nachzulaufen, der sich für sie als Person nicht interessierte.

Gedankenverloren trat sie vom Bürgersteig auf die Straße.

Von Nick wusste sie sicher, dass er, was sie betraf, nur hinter zwei Dingen her war: Damals, vor sechs Jahren, war Nicks Motiv schlicht und einfach Sex gewesen. Und neuerdings ging es ihm um einen Ring, von dem er irrtümlich annahm, sein Vater habe ihn ihrer Tante gegeben. Diese Annahme beruhte auf dem – unzutreffenden – Gerücht, dass Tante Katherine, Haushälterin der Messenas, eine Affäre mit Stefano Messena, Nicks Vater, gehabt hatte.

Lautes Hupen erschreckte sie. Sie sprang zur Seite, um einem Bus den Weg freizugeben, und betrat ein voll klimatisiertes Einkaufscenter.

Wie konnte sie nur so dumm sein, im lebhaftesten Verkehr unachtsam auf die Fahrbahn zu laufen! Fast so dumm wie vor sechs Jahren an ihrem Geburtstag, als sie, um der Einsamkeit zu entgehen, einem Blind Date zugestimmt hatte, das sogenannte Freundinnen geplant hatten.

Der unbekannte Partner war Messena gewesen, für den sie seit ihrer Teenagerzeit geschwärmt hatte!

Mit ihren damals immerhin zweiundzwanzig Jahren und Abschlüssen in den Fächern Psychologe und Betriebswirtschaft hätte sie eigentlich die Situation durchschauen sollen. Messena war schon damals ein heiß begehrter Mann gewesen. Sie selbst hatte mit ihren langen dunklen Haaren, der hellen Haut und den schönen Beinen – ihrem stärksten Pluspunkt – ganz passabel ausgesehen. Doch wegen ihres Hanges zu einer gewissen Fülle hatte sie nie und nimmer mit Messena mithalten können.

Doch ihr gesunder Menschenverstand hatte sie im Stich gelassen. Sie war dem sehnsuchtsvollen Funkeln in seinen Augen und einer maßlosen Leidenschaft erlegen. Auch wenn in den Klatschillustrierten über ihn stets als Frauenheld berichtet wurde, hatte sie geglaubt, dass es ihm ernst war. Ein fataler Fehler!

Mit noch immer klopfendem Herzen ging sie durch das noble Einkaufscenter. Zum Glück war es das, in dem sich neben exklusiven Geschäften auch die Räume des Maklerbüros Coastal Realty befanden.

Eine elegante Empfangsdame mit roten Haaren wies ihr den Weg zu Evan Cutlers Büro.

Cutler, der sich auf Küstengrundstücke und Innenstadtapartments spezialisiert hatte, erhob sich und kam auf sie zu. Auf den edlen grauen Teppichboden fiel ein Schatten … Cutler war nicht allein!

Ein zweiter Mann, der am Fenster stand und hinaussah, verdeckte die Sonne. Sein schwarzes Jackett spannte über den breiten Schultern. In den dunklen Haaren schimmerten einige goldene Strähnen.

Elena durchzuckte es bis in die äußersten Nervenenden. „Du …?“

Nick Messena. Einen Meter neunzig groß, schlank, muskulös, mit entschlossenem Kinn und hohen Wangenknochen. Stärker konnte ein Mann sie nicht umhauen.

Und doch, er war kein männliches Topmodel. Irgendwann auf seinem Weg zum erfolgreichen Geschäftsmann hatte er sich die Nase gebrochen und ein paar Narben auf der Wange zurückbehalten. Zusammen mit einem Bartschatten wirkte das beinahe gefährlich. Dazu kamen sein Einfluss, sein zurückhaltender Charme und seine Wirkung auf Frauen – Nick war ein unglaublich aufregender Mann.

Elena wurde rot, als ihr Blick auf sein Handy fiel.

Mit seinen grünen Augen sah er sie durchdringend an. „Warum bist du denn nicht rangegangen?“, fragte er. Seine Stimme klang rau, als wäre er gerade erst aufgestanden.

„Weil ich zu tun hatte.“

„Habe ich mitbekommen. Du musst unbedingt mehr auf den Straßenverkehr achten.“

Wie peinlich, er musste sie vom Fenster aus beobachtet haben! „Seit wann bis du denn so besorgt um mich?“

Er ließ das Handy in die Tasche seines Jacketts gleiten. „Na hör mal! Immerhin kenne ich dich und deine Familie schon mein ganzes Leben lang.“

Das klang so leichthin. Nach Freundschaft, als hätte es nie einen Familienskandal gegeben. Und als hätten sie beide nie miteinander geschlafen! Elena musste schlucken. „Ich glaube eher, dass du nicht bekommst, was du willst, wenn mir etwas passieren sollte.“

Sofort schämte sie sich für diese harten Worte. Auch wenn sie sich über Nick ärgerte, für berechnend hielt sie ihn nicht.

Ausgerechnet in der Nacht, in der sie und Nick sich geliebt hatten, waren Tante Katherine und Stefano Messena bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Behauptung, ihre Tante und Nicks Vater hätten eine Affäre miteinander gehabt, hatte beiden Familien schwer zugesetzt – den Lyons und den Messenas.

Es entging ihr nicht, wie Nick sie musterte, ihr olivgrünes Kleid und die schwarze Baumwolljacke. Auch wenn die Sachen vom Designer stammten – mit einem Mal erschienen ihr die dunklen Farben für den Hochsommer zu langweilig. Und die gerade Linienführung verbarg mehr von ihrer Figur, als sie betonte.

Aber für Schuhe hatte sie eine Schwäche! Sie trug Riemchensandalen, in denen ihre Füße und Beine einen geradezu unverschämt erotischen Eindruck machten.

Nick war mit seiner Betrachtung fertig und fragte: „Und was glaubst du, was ich von dir will?“

Das war sicher nicht zweideutig gemeint, klang aber doch so. Unwillkürlich hielt sie den Atem an. Nein, Nick interessierte sich nicht für sie.

Und sie sich nicht für ihn. Natürlich, er sah toll aus, kleidete sich nach den neuesten Trends des Magazins für Herrenmode, GQ Style, und war charmant, aber seine raue maskuline Ausstrahlung hatte sie schon immer nervös gemacht. Zu nervös …!

„Ich habe dir doch schon gesagt, dass ich nicht weiß, wo der Ring ist.“

„Du bist doch auf dem Weg nach Dolphin Bay, oder?“

„Ja, aber ich habe Besseres zu tun, als nach diesem ominösen Schmuckstück zu suchen.“ Stolz hob sie das Kinn – und wusste plötzlich, dass die Suche nach dem Ring ein Vorwand war, hinter dem sich andere Motive Nicks verbargen. Nur welche? Sie hatte keine Ahnung. „Wie hast du übrigens herausgefunden, dass ich hierherkomme?“

„Da du weder abgehoben noch mich zurückgerufen hast, habe ich Zane angerufen.“

Was bildete er sich eigentlich ein, so in ihr Leben einzudringen? Zane Atraeus war sein Cousin – und ihr Chef. „Er ist in Florida.“

„Wie gesagt: Telefonisch warst du nicht zu erreichen, und zu unserem Termin in Sydney bist du auch nicht gekommen. Du hast mir keine andere Wahl gelassen.“

Elena spürte, wie sie rot wurde. Nach Termin hatte sich seine Einladung in eines der teuersten Restaurants Sydneys weiß Gott nicht angehört.

Und überhaupt … Obwohl sie noch nie im Leben eine Verabredung nicht eingehalten oder auch nur zu spät gekommen war – in diesem Fall lagen die Dinge anders. Die Vorstellung, dass Nicks Vater ihre Tante mit einem Ring gewissermaßen für ihre Dienste als Geliebte entschädigt hatte, war einfach zu demütigend. „Ich habe dir schon am Telefon gesagt, dass ich nicht glaube, dass dein Vater Tante Katherine irgendetwas gegeben hat. Wozu auch?“

„Weil sie eine Affäre hatten“, antwortete er ungerührt.

Sein stures Beharren auf dieser Ungeheuerlichkeit machte sie wütend. Eine heimliche Beziehung mit ihrem Arbeitgeber – das passte nicht zu Katherine!

Erstens war sie mit Nicks Mutter, Luisa Messena, befreundet gewesen, und zweitens hatte sie strenge Moralvorstellungen gehabt. Drittens gab es einen unabdingbaren Grund, warum Katherine sich weder mit Stefano noch mit sonst einem Mann eingelassen hatte: Sie war verliebt gewesen – die Art von Liebe, die man nur ein Mal erlebt –, vor drei Jahrzehnten, und der Mann war gestorben.

Obwohl die Lyons im Allgemeinen nicht zu ungehemmter Leidenschaft oder Unvernunft neigten, respektierten sie die Geschichte von Katherines unerfüllter Liebe. Die Lyons waren eine bodenständige Familie, man ergriff solide Berufe und heiratete standesgemäß. Eine Liebesgeschichte wie die Katherines hatte es vorher nie gegeben.

Elena wusste nicht, wer Katherines große Liebe gewesen war, denn die Tante hatte sich stets geweigert, darüber zu reden. Fest stand nur, dass Katherine – eine bemerkenswert schöne Frau – zeit ihres Lebens unverheiratet geblieben war und sich nie wieder verliebt hatte.

Elena fasste den Riemen ihrer Handtasche fester. „Nein, hatten sie nicht. Die Frauen der Lyons waren zu keiner Zeit das Spielzeug reicher Männer.“

Cutler räusperte sich. „Wie ich sehe, kennen Sie beide sich bereits.“

Elena betrachtete den Immobilienmakler, einen kleinen korrekten Mann mit beginnender Glatze. An ihm war nichts Verwirrendes, darum hatte sie ihn ausgesucht. Sein Arbeitsstil war sachlich und effektiv – genau wie ihr eigener als Sekretärin.

In Nicks Gegenwart allerdings ließ sie ihre sonst typische Gelassenheit im Stich, und leidenschaftliche Gefühle, die so gar nicht zu den Lyons passten, gewannen die Oberhand. „Ja, wir sind miteinander bekannt“, bestätigte sie.

Nick runzelte die Stirn. „Ich glaube, es war ein bisschen mehr als das.“

„Ein Gentleman würde die Vergangenheit unerwähnt lassen“, rügte sie ihn.

„Wenn ich mich recht an ein früheres Gespräch erinnere, hast gerade du behauptet, ich sei keiner.“

Elena fühlte sich ertappt. Nur zu gegenwärtig war ihr die zufällige Begegnung in Dolphin Bay ein paar Wochen nach ihrer gemeinsamen Nacht, bei der sie ihm diesen Vorwurf gemacht hatte. Außerdem hatte sie ihm an den Kopf geworfen, dass sie ihn für arrogant, skrupellos und beziehungsunfähig hielt. „Ich lasse nicht zu, dass du den Namen der Lyons in den Dreck ziehst, nur weil du es auf ein altes Schmuckstück abgesehen hast, das du irgendwie verlegt hast.“

Wieder runzelte er die Stirn. „Ich habe nichts verlegt, und das alte Schmuckstück ist, wie du genau weißt, ein Diamantring.“

Wenn man bedachte, wie grenzenlos reich die Messenas waren, musste es sich um einen atemberaubenden Stein handeln, vermutlich noch dazu in einer historischen Fassung. „Tante Katherine hätte sich nie für einen Diamantring interessiert. Falls du es noch nicht bemerkt hast: Sie war Feministin und trug kaum Schmuck. Und außerdem – wenn sie eine heimliche Affäre mit deinem Vater gehabt hätte, warum dann ein so auffälliges Schmuckstück?“

Nick sah sie merklich kühler an. „Damit magst du recht haben. Trotzdem ist der Ring weg.“

Cutler machte auf sich aufmerksam, indem er sich erneut räusperte, und bot ihnen an, sich zu setzen. „Mr Messena interessiert sich für die Strandvilla in Dolphin Bay, die Sie geerbt haben, und hat einen Tausch vorgeschlagen, gegen eines seiner neuen Apartments am Strand hier in Auckland. Darum habe ich ihn hergebeten.“

Elena ließ sich ihre Entrüstung nicht anmerken. An einen Messena würde sie nie und nimmer verkaufen. „Sehr interessant“, antwortete sie ruhig, „aber im Moment möchte ich mir alle Möglichkeiten offenhalten.“

Am liebsten hätte sie auf der Stelle das Büro verlassen, aus Protest, dass Nick ohne ihr Wissen zu diesem Gespräch eingeladen worden war. Aber schon aus Rücksicht auf Cutler blieb sie und nahm in einem bequemen Ledersessel Platz.

Wenn ihr der angesehene Unternehmer und Geschäftsmann Nick Messena einen Vorschlag unterbreiten wollte, sollte sie ihn sich zumindest anhören – wenn auch nur, um ihn genüsslich abzulehnen.

Statt in den anderen Sessel setzte Nick sich auf die Kante von Cutlers Schreibtisch. In dieser Position wirkte er ausgesprochen eindrucksvoll.

„Ist ein gutes Geschäft. Die Apartments liegen im Viaduct und verkaufen sich schnell.“

Vom Viaduct etwas außerhalb der Innenstadt hatte man eine herrliche Aussicht auf den Hafen. Es war ein malerisches Viertel mit Cafés und Restaurants, das ganz oben auf ihrer Wunschliste stand – schon deshalb, weil sich eine Wohnung hier hervorragend vermieten ließ. Im Falle eines Tausches würde sie kein Darlehen aufnehmen müssen, im Falle eines Verkaufs der Villa schon, weil der Erlös für ein Strandapartment in Auckland sehr wahrscheinlich nicht ausreichen würde.

Als sie merkte, dass Nick ihre Haare betrachtete, wurde ihr bewusst, dass sich bei ihrem Erlebnis auf der Straße einige Strähnen aus der Frisur gelöst hatten. „Wie gesagt, ich denke über einen direkten Tausch nach, ohne Finanzierung“, sagte er.

Konnte Nick Gedanken lesen? Keine Schulden machen zu müssen, war in der Tat eine verlockende Aussicht. „Die Villa hat vier Schlafzimmer“, gab sie zu bedenken. „Das Apartment müsste mindestens zwei haben.“

Nick zuckte mit den Schultern. „Von mir aus auch drei, dazu einen reservierten Parkplatz und Mitbenutzung von Swimmingpool und Fitnesscenter.“

Elena sah blinzelnd in eine rosige schuldenfreie Zukunft. Drei Schlafzimmer! Doch dann bemerkte sie einen berechnenden Ausdruck in Nicks Augen. An diesem Handel stimmte etwas nicht! Nur was?

Vielleicht wollte er ihr mit dem Apartment nur den Mund wässrig machen, damit sie ihm half, den Ring zu finden, den er offenbar in der Villa vermutete. Nur über ihre Leiche! Sie schluckte und schlug sich den traumhaften Deal aus dem Kopf. An einen Messena konnte sie nicht verkaufen!

So wie man dem Ruf ihrer Tante geschadet hatte – auch wenn es Jahre zurücklag – und nachdem sie selbst von Nick verführt und dann fallen gelassen worden war, würde sie keinen Schritt auf ihn zugehen.

Grundstücke der Lyons waren tabu für die Messenas, ebenso wie ihre Frauen. Sie sah Nick fest in die Augen. „Nein.“

Während Cutler die Verblüffung deutlich anzumerken war, sah Nick sie an, ohne mit der Wimper zu zucken. Und da erkannte sie, dass er von ihr fasziniert war.

Sie spürte ein eigenartiges Gefühl in der Magengrube.

Dass sie Nein gesagt hatte, gefiel ihm!

2. KAPITEL

Widerstrebend riss sich Elena vom Blickkontakt mit Nick los. Obwohl ihr ein weiterer Schlagabtausch mit ihm reizvoll erschien, widerstand sie der Versuchung.

Sie erhob sich, wünschte Cutler einen schönen Tag, nahm ihre Handtasche und verließ den Raum. Nick war nahe genug hinter ihr, dass es ihr heiß den Rücken hinablief.

Als die Tür ins Schloss gefallen war, hörte sie an seinen Schritten, dass er ihr tatsächlich folgte. Sogar den angenehmen Duft seines Rasierwassers nahm sie wahr. Einen aufregenden Moment lang stellte sie sich vor, dass er ein gefährliches Raubtier sei und sie die Beute. Dann ging sie schnell an der Empfangsdame vorbei und durch das Einkaufscenter hinaus auf die Straße, wo ihr drückende Hitze entgegenschlug. Plötzlich wurde sie am Oberarm festgehalten. „Ich verstehe nicht, warum du noch immer so wütend bist.“

Elena fuhr zu Nick herum – was ein Fehler war, denn nun war sie ihm so nahe, dass sie seine Halsschlagader pulsieren sah.

Stolz reckte sie das Kinn und blickte ihm in die Augen. Trotz ihrer Größe von über einem Meter siebzig überragte er sie um fast einen Kopf.

Neben Nick Messena kam sie sich feminin und zart vor. „Wenn du schon wusstest, wie ich mich fühle, warum hast du dann mein Treffen mit Cutler gestört? Und warum setzt du mich mit diesem Tauschvorschlag unter Druck?“

Knisternde Spannung lag in der Luft. „Wenn ich dir vor sechs Jahren wehgetan habe, tut es mir leid. Aber nach dem, was in dieser Nacht passiert war, konnte ich nicht anders.“

Ganz selbstverständlich ging er davon aus, dass sie sich damals in ihn verliebt hatte. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, wie ein Teich, der weiter ausuferte und schließlich sogar den Verkehrslärm zu verdrängen schien.

Sie riss sich vom Anblick seiner hohen Wangenknochen und der dichten Wimpern los. „Meinst du den Unfall – oder die Tatsache, dass du damals eine Beziehung mit einer gewissen Tiffany hattest?“ Seine Freundin in Dubai …

„Die Freundschaft mit ihr ging damals dem Ende entgegen.“

Unter seinem schwarzen Jackett trug er ein Hemd in Apri­cot, dessen Ausschnitt sonnengebräunte Haut sehen ließ. Elena ertappte sich dabei, wie sie darauf starrte. Apricot … eigentlich ein weiblicher Farbton, doch an Nick wirkte er heiß und sexy. Er betonte den Bartschatten und das kühle Funkeln der Augen.

„Ein paar Monate danach habe ich einen Artikel über sie gelesen.“ Das würde sie nie vergessen! Denn die angebliche Liebe Nick Messenas zu einem Topmodel hatte sie endgültig davon überzeugt, keine Chance bei ihm zu haben.

„Du solltest nicht alles glauben, was in Klatschillustrierten steht. Sobald ich zurück in Dubai war, haben wir uns getrennt.“

Etwa ihretwegen? Elena unterdrückte den hoffnungsvollen und leider total unwahrscheinlichen Gedanken sofort. Denn damals hatten unrealistische Vorstellungen wie diese dazu geführt, dass sie mit ihm im Bett gelandet war. „Trotzdem war es nicht richtig von dir, ohne ernste Absichten mit mir zu schlafen.“

Täuschte sie sich, oder wurde Nick tatsächlich rot? „Nein, natürlich nicht. Aber ich habe mich doch entschuldigt!“

Sie biss die Zähne zusammen. Als ob alles nur ein Missverständnis gewesen wäre! „Also, warum hast du mit Tiffany Schluss gemacht?“, wollte sie plötzlich verzweifelt wissen.

Mit seinen gebräunten Fingern strich er sich durch die Haare – und wirkte dabei noch unwiderstehlicher als sonst. „Woher soll ich das wissen?“, stieß er schließlich grollend hervor. „Männer wissen so etwas nicht. Es war eben zu Ende, wie alle meine Beziehungen.“

Warum auch immer … diese Selbsterkenntnis machte sie irgendwie traurig.

Sie starrte auf seinen schön geschwungenen Mund mit der vollen Unterlippe. War die kleine Narbe vor sechs Jahren auch schon da gewesen? Jedenfalls konnte sie sich nicht daran erinnern. Stammte sie von einem Kampf?

Vielleicht eine Prügelei auf einer Baustelle …

Entgegen aller Vernunft wuchs ihre erwartungsvolle Anspannung, das spürte sie deutlich. Die Erinnerungen an früher machten ihr zu schaffen, sie fühlte sich angreifbar. Hinzu kam Nicks sexy Ausstrahlung. Wie auch immer, es war keine gute Idee, ihn sich in Kampfstimmung vorzustellen.

Um nicht an seine Küsse denken zu müssen, zwang sie sich, woanders hinzusehen als auf seine Lippen. „Vielleicht packst du ja ein paar Dinge falsch an.“

„Was zum Teufel meinst du damit?“

Sie atmete tief durch und wich seinem durchdringenden Blick aus. „Ein Gespräch ist immer ein guter Anfang.“ In jener Nacht allerdings hatten sie anderes zu tun gehabt.

„Ich rede ja.“

Sein rauer Tonfall und die Art, wie er sie anschaute, machten ihr mit einem Mal bewusst, dass auch er an diese Nacht dachte.

Hatte sie ihm gerade einen Ratschlag gegeben, wie er seine Beziehungen verbessern konnte? Ausgerechnet sie, die – trotz ihres Psychologiestudiums – manchmal selbst Rat brauchen konnte?

Während sie auf dem Gehsteig standen, schien es noch heißer zu werden. Elena spürte, wie sich Schweißtröpfchen auf ihrem Rücken und zwischen den Brüsten bildeten. Am liebsten hätte sie das Jackett in modischer Übergröße abgestreift. Doch in Nicks Gegenwart ein Kleidungsstück auszuziehen, kam nicht infrage. Dann schon lieber einen Hitzschlag erleiden. „Frauen geht es nicht nur um Sex. Sie brauchen das Gefühl, respektiert und … gemocht zu werden.“ Geliebt zu werden.

Er sah die Straße entlang, als würde er nach irgendetwas Ausschau halten. „Ich mag Frauen.“

Ein großes schwarzes Fahrzeug mit Allradantrieb hielt am Gehsteig an; Hupen ertönte. Nick hob die Hand. „Da kommt mein Jeep. Wenn du willst – ich kann dich mitnehmen.“

Nochmals mit Nick Messena in einen Wagen mit schwarz getönten Scheiben steigen? Niemals! „Danke, nicht nötig.“

Er grinste. „So wie du auch mein Apartment oder alles andere, was ich dir zu bieten habe, nicht nötig hast.“

Vorsichtig rückte er ihr mit einem Finger die Brille zurecht, die ein Stückchen tiefer gerutscht war. „Warum trägst du die eigentlich?“, fragte er.

Sie blinzelte. „Du weißt doch, ich bin kurzsichtig.“

„Dann solltest du dir Kontaktlinsen zulegen.“

„Warum?“ Kaum hatte sie das gefragt, als sie begriff, worauf er hinauswollte. „Damit ich einen Mann bekomme?“, stieß sie wütend hervor.

Er zögerte. „So habe ich es nicht gemeint. Aber schaden kann es nichts.“

„Jetzt bin ich aber neugierig! Was soll ich deiner Meinung nach noch alles an mir ändern? Kleidung? Schuhe? Haare?“

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