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Single in the City

Titelbild

Inhalt

  1. Ehemänner sind unbedingt zu meiden

  2. Kinder nicht willkommen

  3. Trennt euch endlich!

  4. Wir nehmen das Massageöl zum Ablecken

  5. Laufen, bis es wehtut

  6. E-Mail für dich!

  7. Das Codewort für Berliner Nächte

  8. »Ja, Schatz, ich trage dann den Apfelsaftkanister nach oben«

  9. Everybody loves somebody sometimes

  10. Yo-Gaga. Oder: Wann hört das endlich auf?

  11. Einzelzimmerzuschlag

  12. Arme unverstandene Männer

  13. Das Beben vor dem Sex

  14. Jan-Felix, Ihr seid der Schönste hier

  15. »Du regst mich auf, Frau!«

  16. Warum eine Ärztin, wenn man auch die Krankenschwester haben kann?

  17. Mein Leben in Mülltüten

  18. Der Mann, der zu viel wusste

  19. Basti und die Luxusschlampe Nivia

  20. Die schlaue Liese wartet auf einen König

  21. Die Welt ist so friedlich ohne Männer

  22. Schnäppchen-Saison

  23. Gibt es hier denn keinen Champagner?

  24. Gelöschte Objekte

  25. Müssen Singles denn immer so wählerisch sein?

  26. Hochzeit? Aber sicher!

  27. Lackschäden, mehrere Vorbesitzer, Preis VB

  28. Männer auf den zweiten Blick

  29. Unsere kleine Farm

  30. Die eierlegende Milchwildsau

  31. Die Dampfbadlatte

  32. Ich will meinen Chef aber nicht heiraten

  33. Die Letzten ihrer Art

  34. Hier drückt der Schuh

  35. Ein Abend ohne Manni Kaltz

  36. Der Mann mit der Bohrmaschine

  37. Forscher erschaffen die perfekte Ehefrau

  38. Tschüssikowski und bis dannimanski

  39. Er möchte meine Stiefel lecken

  40. Landverschickung

  41. Männer, gebt die Frauen auf. Aber niemals den Porsche!

  42. Das Kind als biologische Waffe

  43. Meine Güte, hat die aber große Möpse

  44. Tochter, geh und such dir einen guten Mann!

  45. Liebe Pankower, jetzt seid ihr mal dran

  46. Schafft mir die Piloten vom Hals

  47. Mein Hinterhof ist eine Seifenoper

  48. Ich bin nicht die Mutti von Prenzlauer Berg

  49. Berliner Balkan-Hochzeit ohne Dieter

  50. Droht uns ein Putsch der Superhirne?

  51. Tanzen lernen mit dem Perversen aus dem Internet

  52. Die Südsee, das Monster und ich

  53. Weihnachten? Fahre ich mal nach Hause!

  54. So wurde ich Fachfrau für Toxoplasmose

  55. Und hier kommt eine Botschaft an absolut alle!

  56. Rucksäcke sind super. Aber muss man sie tragen?

  57. Junge Männer sind stets zu Diensten

  58. Männer: Interessiert euch gefälligst für Fußball

  59. Was wollen die hier? Ich fordere Anwohner-Essen!

  60. Falsche Brüste wippen nicht

  61. Einmal Bugabooland und zurück

  62. Stecken alle Stecker in der Steckdose?

  63. Die toten Augen von Berlin

  64. Warum ich nur ungern zum Friseur gehe

  65. Es gibt kein Bier im Reihenhaus, kein kühles Bier

  66. Warum Männer sich immer aufregen müssen

  67. Martin, 42, sucht ein neues Zuhause

  68. Der kleine Fisch ist noch Single

  69. Mein Leben mit den Zwillingen

  70. Scheidungen sind wie weiße Kleider

  71. Lieber Schweinegrippe als Pärchenvirus

  72. Nennen Sie es ruhig Wahnsinn

  73. Frauen sammeln, Männer gehen joggen

  74. Das Beben nach dem Schnäppchen

  75. Gefangen im Bierkreislauf

  76. Das Geheimnis einer guten Ehe: Frustrierte Männer

  77. Weihnachten mit dem neuen Klavier und Scho-Päng

  78. Mann mit Herz für Käse gesucht

  79. Meine Waschmaschine hat keine Hände

  80. Epilog

Ehemänner sind unbedingt zu meiden

Schmetterling

Es war eine schöne Gegend. Eine echte Silberhochzeitsgegend. Irgendwann in den nächsten 25 Jahren würden sie hier alle ihre Silberhochzeit feiern. In der Zwischenzeit fährt er täglich mit der M-Klasse ins Büro. Außer am Wochenende, weil er dann ihr freches Cabrio oder den kleinen Geländewagen in die Waschstraße fährt. Und abends geht man um den Block. »Is noch so mild draußen«, wird er sagen, und dann nimmt sie ihre dünne Kaschmirstrickjacke und ruft in den Garten: »Mitzi, komm, wir gehen um den Block.« Und dann ziehen die drei los. Das Silberpaar und die Hauskatze. Gemächlich auf dem wöchentlich geharkten Sandweg. Und als die drei an mir vorbeigingen und ich mit meinen Stilettos im Grünstreifen versank, weil ich die Katze nicht erschrecken wollte, wurde mir plötzlich bewusst, wie gefährdet ihre heile Welt ist.

Schuld sind die Singles. Sie verderben den Silberhochzeitstraum. Ich war auf dem Weg zu der Grillparty eines sehr netten Paares, von dem ich mir ziemlich sicher bin, dass sie in etwa 21 Jahren silberne Hochzeit feiern würden. Und ich war allein. Wenn man einen entspannten Grillabend verleben möchte, sollte man das nicht tun. Allein sein, meine ich. Denn falls es stimmt, dass Männer und Frauen von unterschiedlichen Planeten stammen, liegt zwischen Single- und Ehefrauen ein ganzes Sonnensystem. Deshalb lautet Regel Nummer eins für einen gelungenen Grillabend: Ehemänner sind unter allen Umständen zu meiden.

Es sei denn, man hat einen Walker dabei. Einen netten, kultivierten, seiner Begleitung gegenüber völlig geschlechtsneutralen Mann. Ja, so was gibt es, aber sie sind so rar, dass sich meist mehrere Frauen einen teilen müssen, was für den Walker den Vorteil hat, dass er sich unter allen Abendeinladungen immer die beste herauspicken kann. Bei Veranstaltungen wie Grillpartys in Zehlendorf sind Walker besonders wichtig, weil der Single sich sonst wie eine leere Hand fühlt, die es gewohnt ist, eine Zigarette zu halten.

Mein Walker hatte an diesem Abend etwas Besseres zu tun. Und ich hätte wirklich gern Regel Nummer eins beherzigt, aber was soll man tun, wenn man das einzige Nicht-Pärchen des Abends ist? Es geschah, was in solchen Fällen immer passiert. Nehmen wir mal an, man unterhält sich mit einem vergebenen Mann. Ich garantiere, dass keine drei Minuten vergehen, bis seine Frau/Freundin/Verlobte Lammkotelett und Rucola stehen lässt und sich mit diesem »Er gehört mir«-Ausdruck an seine Seite stellt, die vermeintliche Rivalin fixiert und schließlich die Hand so entschlossen herüberreicht, als gelte es, einen Nichtangriffspakt zu besiegeln. »Hallo, und ich bin die Anne.« Und dann beginnt sie zu wiren. »WIR essen so gerne Lamm, seit WIR auf unserer Hochzeitsreise in Neuseeland waren … WIR müssen morgen ganz früh raus … WIR hatten gedacht, hier wären nur WIR Nachbarn eingeladen …«

Alles ist WIR. Immer höher errichtet sie die Wir-Barriere. Man könnte sagen: »Jetzt entspannen wir uns mal alle, weil niemand außer dir etwas von deinem Mann will, dem übrigens gerade Ketchup vom Kinn tropft. Vielleicht könntet IHR den mal abwischen.« Aber man sagt es nicht. Es wäre gegen die Spielregeln. Sie denkt, sie weiß, was wir denken; wir denken, wir wissen, was sie denkt; er denkt einfach nur: »Mist, hätte ich die Alte bloß zu Hause gelassen.« Oder so ähnlich. Jedenfalls ist es gegen die Spielregeln, irgendetwas zu sagen, das die Lage klären könnte. Denn die Übersetzung von: »Du, ich will bestimmt absolut gar nichts von deinem Mann« ist gleichbedeutend mit: »Wo hast du die alte Schabracke eigentlich her?«

Besser ist es – Regel Nummer zwei –, sich mit der Frau zu verbünden, über ein Sonnensystem hinweg. Ein paar Singleschmankerln einzustreuen, überdurchschnittlich oft das Wörtchen »ihr« zu verwenden und lobend zu erwähnen, wie toll ihre Figur nach der zweiten Geburt schon wieder in Form ist. Und dann wird es vielleicht sogar ein schöner Abend, weil man merkt, dass Sonnensysteme auch verdammt klein sein können, und man sieht dieses Glitzern in den Augen und überlegt kurz, ob man auch von den einsamen Sonntagen erzählen soll, lässt es dann aber sein. Denn das könnte so aussehen, als ob man doch etwas von Ketchup-Kinn wollte. Wenn man die neuen Freundinnen dann anschaut, die diese Erzählungen aufsaugen wie eine längst vergessene Folge von »Sex and the City«, ist man froh, dass man den Walker nicht mitgebracht hat, weil sich sonst sicher eine der Gattinnen an ihn herangeschmissen hätte. Und dann müsste man ihn mit noch mehr Frauen teilen.

Als ich ging, begleitete mich der Gastgeber auf die Straße vor dem gepflegten Garten. Während wir auf das Taxi warteten, das mich zurück in die Singlewelt fahren sollte, küsste er mich. Seine Frau konnte uns nicht sehen, sie brachte gerade die Kinder ins Bett.

Kinder nicht willkommen

Schmetterling

Neulich landete ein Brief auf meinem Schreibtisch. »Sehr geehrtes Frl. Garbers, vielleicht sind wir unverbesserliche Romantiker auf der Suche nach dem Strahlen in Kinderaugen, platt gedrückten Stupsnasen an Fensterscheiben …«

Ich bin ganz und gar nicht auf der Suche nach platt gedrückten Stupsnasen. Ich wohne in Prenzlauer Berg. Da freut man sich, wenn man drei Minuten lang mal keine platt gedrückte Stupsnase sieht – und vor allem hört. Der Brief landete samt Holzspielzeug-Katalog »Kinder willkommen« im Papierkorb.

Nichts gegen Kinder. Aber könnte man die nicht gerechter auf die Bezirke verteilen? Und vor allem ihre Mütter? Davon gibt es ja beinahe genauso viele. Eine massive Übermütterung in Prenzlauer Berg. Wir anderen werden derweil langsam, aber sicher aus der Wohngegend gemobbt. Entmietet. Früher haben sie einfach den Strom abgestellt oder Schlägertrupps vorbeigeschickt. Heute schicken sie die Mütter.

Nehmen wir den vergangenen Sonnabend. Müde war ich zur üblichen Zeit aus meiner Wohnung ins kleine Stehcafé im Erdgeschoss getrottet. Zur üblichen Zeit bezeichnet die kleine Zeitspanne, in der das Café zwar schon geöffnet ist, die Mütter sich mit ihrem Nachwuchs aber noch in den Bioläden der Umgebung aufhalten.

Meist schaffe ich zwei Latte macchiato, bevor eine Bestellung hereinkommt wie: »Ein Carokaffee und einen – Iphigenie, legst du jetzt verdammt noch mal den Keks aus der Hand! – Rote-Bete-Saft.« Sodann wird der mörderisch laute Entsafter angeschmissen, Iphigenie – denn sie heißen ja nicht einfach Anna, Jan oder Peter – heult erst ihrem Keks hinterher und beginnt dann, etwa 25-mal hintereinander die Tür des Cafés auf und zu zu schlagen. Wenn man Pech hat, wird Iphigenies volle Windel mit der größten Selbstverständlichkeit neben den Croissants auf dem Tisch gewechselt. Guten Appetit. Niemals würde jemand etwas sagen. Denn die Antwort kennen wir: kinderfeindlich.

Ja, es ist eine große Aufgabe, welche die Mütter übernommen haben: Sie kämpfen gegen die demografische Katastrophe und kümmern sich um das Wohl unseres Planeten. Aber muss das gleichzeitig bedeuten, nicht mehr auf sich, seine Lautäußerungen und was man Passanten sonst noch so an Emissionen zumutet, zu achten?

Sie haben sich für ein Kind entschieden. Früher war das mal eine private Sache. Heute treffen die Neo-Mütter und -Väter ihre Entscheidung in aller Selbstverständlichkeit für ihr komplettes soziales Umfeld. Für Unbeteiligte, Passanten. Fremde haben sich dem Familientotalitarismus unterzuordnen.

Diese Gewissheit ist es, die sie Dinge machen lässt, wie Windeln auf Caféhaustischen zu wechseln oder die Brüste in der Lounge gut sichtbar für alle auszupacken. Denn – und das ist die ganze Tragik – das alte Leben will weitergeführt werden. Wie vorher, nur eben mit Kind. Und das bedeutet: morgens Latte macchiato, aber mit Gebrüll. Mittags Ciabatta, aber mit Gebrüll. Abends Tom-Kha-Gai-Suppe, aber mit Gebrüll. Der Prenzlauer Berg als riesiger Sonderkindergarten. Sie haben sich für ein Kind entschieden, die Umwelt nicht.

Zurück in der Wohnung. Wenigstens auf meinem Balkon keine platt gedrückten Stupsnasen. Aber auf dem Hinterhof, neben der neuen Sandkiste und dem Planschbecken, hat eine dieser Neo-Mütter ihren Säugling abgestellt. Das macht sie immer, wenn sie ihre Ruhe haben will. Das Kind schreit. Ein Nachbar hält mit Bach dagegen. Mit Bach.

Den Laden mit den Hanfkeksen und den Liebeselixieren in meiner Straße gibt es übrigens auch nicht mehr. Stattdessen werden dort jetzt Drachen und Sandkasteneimerchen verkauft. Statt Designermode gibt’s Baby-Second-Hand. Und an den Schwarzen Brettern, wo noch vor einem Jahr ein »orig. Eiermann-Schreibtisch« angeboten wurde, wird nun Kindererziehung nach der Biolance-Methode oder dem Prinzip des Triple-P offeriert. Tolle Sache. Aber bis jetzt scheint sich noch niemand für diese Methoden interessiert zu haben.

Wie sich die Neo-Mütter anscheinend für viele Dinge nicht mehr interessieren. »Mode ist mir nicht mehr wichtig«, sagen die, die noch vor anderthalb Jahren 64 Designerlabels auswendig konnten. Das war, als sie ihr Schuhwerk noch nicht an dem ihrer Kinder orientierten. Heute legen sie ihr Geld lieber in Strampler mit der Aufschrift »I ♥ Daddy« an. Das ist purer Erfüllungssnobismus.

Was ist eigentlich aus diesem wunderbaren Lebensentwurf geworden, mit Kindern in die Natur zu ziehen? Gibt es im Speckgürtel zu wenig Latte macchiato?

Trennt euch endlich!

Schmetterling

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass es für eine Frau über 30 wahrscheinlicher ist, vom Blitz erschlagen, vom Bus überfahren, von Terroristen in die Luft gesprengt, in einen Baum verwandelt oder von Marsmännchen entführt zu werden, als einen Mann zu finden. Die schlechte Nachricht ist, dass es offenbar stimmt; die gute ist: Bei Männern sieht es nicht viel besser aus. Jedenfalls nicht bei denen in meinem Bekanntenkreis. Alles schwer vermittelbare Exemplare. Frauen wie Männer Ladenhüter.

Aber vielleicht verkaufen sie sich nur falsch. Probieren wir es einfach noch mal:

  1. Aysche. Sie ist der einzige mir bekannte Mensch, der es jemals geschafft hat, illegal in Hollywood auf die Oscar-Party von »Vanity Fair« zu kommen. Aysche hat zu Hause Fake-VIP-Armbänder in allen Farben und Ausführungen. Neulich hat sie es damit zur CDU-Media-Night geschafft, manchmal ist sie eben etwas wahllos. Leider hat sie sich etwas rar gemacht, seit sie am Hermannplatz ein neues Sexspielzeug gekauft hat. Sie nennt es den Hermès-Gürtel unter den Sextoys. Manchmal legt sie es in ihre Hand, dreht ein wenig an den Enden, und dann summt es, als sei eine Mücke im Zimmer. Mit dieser Mücke sollte es ein Mann schon aufnehmen können, der Aysches anatolisches Herz erobern will.
  2. Hula-Hoop-Girl. Sie ist nicht nur äußerst hübsch, sondern finanziell derart unabhängig, dass sie darüber nachdenkt, sich demnächst eine eigene Putzfrau zu leisten. Manchmal fällt Hula-Hoop-Girl sonntagmorgens um 16 Uhr besoffen Caféhaus-Treppen hinunter. Aber sie steht fast immer wieder alleine auf. Hula-Hoop-Girl stellt keine hohen Ansprüche an den Mann ihrer Träume. Modern muss er sein. Alles Weitere kann man mit ihr ganz wunderbar bei sieben bis acht Campari-O besprechen.
  3. Wolf. Das Erste, was an Wolf auffällt, sind seine Augen. Sie sind blau. So blau, wie der anständige Rest von Wolf niemals werden würde, ganz im Gegensatz zum Rest von Hula-Hoop-Girl. Wolf hat einen richtigen Beruf, ein Auto, eine Wohnung, eine Putzfrau. Und er ist Realist. Seine Freundin sollte aussehen wie Heidi Klum, reden wie Gertrud Höhler und kochen wie Naddel. Zur Not kann sie aber auch aussehen wie Gertrud Höhler, kochen wie Heidi Klum und reden wie Naddel.
  4. Dr. M. Wenigstens einer in meinem Bekanntenkreis, der einen Porsche fährt. Dr. M hat allerdings zwei unvereinbare Handicaps: Er spielt Golf. Und er hat eine Kaviar-Allergie. Damit macht man sich natürlich unmöglich auf brandenburgischen Golfplätzen. Wer ist tolerant genug, Dr. M trotzdem eine Chance zu geben?
  5. Attraktiver Nachbar: Er ist der Typ Jude Law, nur wesentlich besser aussehend. Ich musste lange mit mir ringen, ob ich Attraktiver Nachbar mit in diese Aufzählung nehme, denn eigentlich führen wir die perfekte Beziehung. Seit seine Ex-Freundin ausgezogen ist, bekocht und betrinkt er mich. Warum heißt es eigentlich bekochen, wenn Attraktiver Nachbar Leckereien in seinem neuen Edelstahl-Wok zubereitet, aber nicht betrinken, wenn er den 89er Castillo Ygay Gran Reserva ins Glas füllt? Wir führen eine Umkehr-Ehe: Sex haben kann er draußen, aber Spaß gehabt wird zu Hause. Aber wenn die Richtige für ihn kommt, gebe ich ihn vielleicht her.
  6. Frau Zeh. Ich lernte sie nach einer Filmpremiere kennen, weil ich sie für meine Nachbarin aus dem ersten Stock hielt. Was aber nur halb richtig war. Frau Zeh wohnt woanders, immerhin aber hatte sie schon mal auf einem Grillfest mit Attraktiver Nachbar geknutscht. Ihr zukünftiger Begleiter müsste sie erst einmal von ihrem Schuhtick heilen – und von ihrem Einrichtungstick und von ihrem Taschentick. Und noch von einigen anderen Ticks, die hier nicht verraten werden, weil vielleicht Kinder mitlesen.
  7. Die Senatorin. Sie wird nur in die allerbesten Hände abgegeben und ist auf keinen Fall etwas für Anfänger. Sie ist schön, schnell und schlau. Es ist nicht ganz leicht, sie zu erwischen, weil sie eigentlich immer in irgendeinem Flugzeug sitzt und ihre goldene Senator Card poliert. Und wenn die Männer die Nacht bei ihr überleben, werden sie zum Frühstück verspeist. Mutige vor!

Das sind sie, die Helden des Alltags. Ein paar von ihnen. Und wenn man sich mal umschaut und sieht, was für blöde Pärchen herumlaufen, welch dämliche Frauen an den Armen toller Männer hängen und welch tumbe Männer die schönsten Frauen küssen dürfen, dann ist die Verwunderung nur kurz, die anschließende Hoffnung aber umso größer. So etwas kann einfach nicht lange gut gehen. Nicht, solange es sie gibt, die attraktiven intelligenten Anfangdreißiger, die sich aus ihren vertrockneten Balkonblumen ein Nest bauen, auf den Herbst warten, an die große Liebe glauben und tapfer auf die zweite Runde hoffen. Sie sind die Alternative. Sie warten geduldig auf Streits und Scheidungen bei den Traumpaaren der ersten Runde. Schließlich hat ihnen ihr Jahreshoroskop gesagt, dass dieses Jahr ganz bestimmt der Richtige kommt.

Läuten wir also die zweite Runde ein. Mit anderen Worten: Trennt euch endlich!

Wir nehmen das Massageöl zum Ablecken

Schmetterling

Schööööön spießig, sagt der Modechef, und zum ersten Mal fallen mir seine Schnallenschuhe auf. Hinter ihm hängen die Tweedsakkos mit Lederflicken an den Ellenbogen. Jaja, der Winter wird schöööön spießig, sagt er noch einmal. Das ist ein Problem. Wie sollen sich unsere spießigen Klamotten von denen der Spießer unterscheiden? Wie sollen wir klarmachen, dass unsere spießigen Klamotten hipp sind? Oder man stelle sich vor, man verliebt sich in einen schön spießig aussehenden Mann, denkt, der ist aber modern, dann ändert sich die Mode, der Mann aber nicht. Und es heißt: Goldknöpfe und Karohemden für den Rest des Lebens.

Auf der Suche sind wir alle irgendwie, und der Herbst ist die beste Jagdsaison. Denn die Tage werden kürzer, und so ein ungemütlicher Regenabend verbringt sich am besten zu Hause. Da trifft es sich gut für den Single, dass sich die meisten Kerle bei ihren Frauen zu Tode langweilen. Stichwort P-P-P-P-Pärchenabend: »Du, Schatz, lass uns doch was für die Freunde kochen, und hinterher spielen wir alle eine Partie Siedler oder Therapie.« Hahahahaha, da lacht das einsame Singleherz. Denn spätestens beim dritten Pärchenabend ist er so waidwund gespielt, dass er in eine Kneipe geht, wo der Single ihn eigentlich nur noch vom Barhocker pflücken muss. Ihr Mann tut so etwas nicht? Ich stelle jetzt mal eine ganz einfache Frage:

Ehefrau: »Diesmal bist du aber mit Abwaschen dran.«

Single: »Diesmal nehmen wir aber das Massageöl zum Ablecken.«

Frage: Wer wird da wohl den Kürzeren ziehen?

Aber auch der Single verbringt jetzt wieder mehr Zeit auf dem Sofa. Und damit er das eben nicht allein tun muss, hat der liebe Gott die Affäre erfunden.

Das Schöne an Affären ist, dass man sie nicht durchfüttern muss. Sie wärmen in der ungemütlichen Jahreszeit. Sie sind wie eine Kaschmirdecke, die massieren kann. Die Kaschmirdecke kann ruhig schon ein paar Mottenlöcher haben, man möchte sie ja nicht ein Leben lang behalten. Wolf zum Beispiel findet, dass seine Affäre auf jeden Fall ein bisschen vulgär sein sollte, zur Not sogar berühmt. Maßstäbe, die für seine nächste Freundin ganz und gar nicht gelten.

Überhaupt sind Singles bei ihren Affären nicht allzu wählerisch. Und so kommen auch unattraktive Kerle zu Affären, die sie im wirklichen Leben absolut nicht verdienen. In Prozent ausgedrückt, sollte der Mann des Lebens in den ersten drei verliebten Monaten zwischen 90 und 100 Prozent Zustimmung erreichen und sich danach bei 70 bis 80 Prozent einpendeln. Für eine Affäre dagegen reichen um die 50 Prozent. Er schmatzt? Dann geht man eben nicht mit ihm essen. Er schnarcht? Arme Ehefrau! Er hat – hatschi – eine Katzenallergie? Gesundheit! Er beschwert sich? Er kann auch gern nach Hause gehen und Siedler spielen.

Das muss er sowieso irgendwann tun. Nach Hause gehen, meine ich. Man darf die Affäre nicht zu lange behalten, denn dann könnte man sich zu sehr an sie gewöhnen – und Gewohnheit ist ja ein ähnliches Gefühl wie die Liebe. Jedenfalls sind die beiden schwer auseinanderzuhalten.

Wer sich jetzt eine Affäre holt, sollte sie spätestens nach der Weihnachtsgeschenkesaison, aber noch vor dem Heiligen Abend wieder loswerden. Weihnachten verbringt er sowieso mit seiner Frau, und für Sätze wie »Nicht traurig sein, wir feiern nächstes Jahr zusammen« sollte man ihm keine Gelegenheit geben. Außerdem wird Weihnachten viel gestritten, und vielleicht werden ein paar gute Männer frei. Unsere Affäre, nicht vergessen, ist kein guter Mensch, er betrügt schließlich seine Frau. Weitere Gründe, sich sofort von der Affäre zu trennen: Wenn er die Wir-müssen-reden-E-Mail schreibt oder wenn er beginnt, sich zu benehmen, als sei man verheiratet.

Das Allerschlimmste aber ist dies:

Hula-Hoop-Girl hat sich mal von einer Affäre getrennt, nachdem er neben ihr mit seiner Frau telefonierte. Das Telefongespräch endete fast zeitgleich mit der Affäre. Er hatte etwas Unverzeihliches getan. Hula-Hoop-Girl hatte ihn lügen hören.

Laufen, bis es wehtut

Schmetterling

Ich laufe jeden Morgen. Ich muss meinen Herzmuskel trainieren, er wurde nach zwei glatten Durchbrüchen schon so lange nicht mehr gebraucht. Und ich möchte nicht, dass er zu müde ist, falls ich mich doch einmal verlieben sollte.

Wir Läufer vom Jahnsportpark sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Nicht dass wir untereinander Kontakt aufnehmen würden. Das gäbe nur Seitenstiche. Aber wir haben einen gemeinsamen Willen. Den Willen zu siegen. Gegen innere Schweinehunde, Bierbäuche oder Zellulitis. Wenn wir fertig sind mit unseren Runden, ist es wichtig, leicht humpelnd davonzugehen, das kommt gut, das sieht nach übertrainiert aus. Und übertrainieren tun nur richtige Sportler. Feierabendjogger ruinieren sich die Knie, weil die das über Jahre angewachsene Körpergewicht plötzlich schneller als im Schritttempo transportieren sollen. Aber das, liebe Feierabendsportler, nennen wir nicht übertrainiert, sondern zu fett.

Auf Bahn eins finden wir den Star der Rennbahn, Typ Beraterboy. Er hat all sein Wissen über neue Laufstile, -bekleidung und postsportives Stretching aus den diversen Frauenzeitschriften, die er während seiner Businessflüge liest. Zudem ist er schon vom Job her daran gewöhnt, sich zu verausgaben. Er rennt um die Bahn wie ein Derwisch. Hübsch anzusehen. Wer allerdings zum dritten Mal von so einem Junior Consultant überrundet wird, beginnt ihn noch mehr zu hassen als alle Zellulitis dieser Welt. Auf Bahn zwei rennt der Typ Teddybär. Eigentlich ist er für die zwei nicht schnell genug, aber er will sechs Runden laufen, und auf den Innenbahnen gehen die Runden schneller vorbei. Er kommt nicht freiwillig. Seine Freundin hat ihn geschickt. Der Teddybär sieht aus, als müsse man ihn retten. Er läuft in einem weiten T-Shirt, das er auch schon ein paar Mal als Sleep-Shirt getragen hat. Manchmal federt sein athletischer Freund neben ihm her. »Pause?«, fragt der Teddybär nach jeder Runde. Nein! Lauf weiter, schlaffer Sack!

Bahn drei ist die Überholspur. Sie eignet sich bestens, um den Teddybär zu demütigen. Auf Bahn fünf bis sieben gehen die Powerwalker spazieren. Das könnten sie eigentlich auch im angrenzenden Park tun. Ja, das könnten sie wirklich! Ebenfalls auf den Außenseiterbahnen finden wir die kleinen gefährlichen Marathonfrauen, die selbst bei über 30 Grad noch Gewichte an ihre Gelenke hängen. Und mindestens ebenso gefährlich ist der Sportlertypus, der neben Bahn eins am Rande des grünen Innenraums schreitet. Teil eines ausgeklügelten Trainingsmechanismus. Er trägt eine knappe kornblumenblaue Sporthose, sein nackter Oberkörper ist seltsam blass, und seine Haare sind geschoren, um den Widerstand so gering wie möglich zu halten. Alles an ihm ist verhaltene Kraft. Dieser Typus trainiert noch immer für die nächste Spartakiade. Und dann sind da noch die fröhlichen Anarchisten, irgendwo zwischen Bahn eins und acht. Besonders morgens und bis zu 40 Läufer gleichzeitig. Mütter, die ihre Kinder im Hort geparkt haben, Studenten. Und viele Dicke, vor denen ich mich hier so tief verneige, wie mein gezerrtes Band es zulässt. Ja, ich habe übertrainiert. Aber mein Arzt hat gesagt, ich soll laufen, bis es nicht mehr wehtut.

E-Mail für dich!

Schmetterling

Was macht der Single, wenn es regnet? Er leiht sich eine DVD aus. Auf dem Weg zum Videoverleih ist seine innere Stimme damit beschäftigt, die berühmten Sätze zu wiederholen: »Ich kann wunderbar allein sein, es macht mir gar nichts aus. Nicht jeder kann allein sein. Ich schon …« Kann die innere Stimme überzeugen, dann leiht sich der Single, sagen wir, Almodóvars »Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs« aus oder Gilliams Drogen-Schwank »Fear and Loathing in Las Vegas«. Eine beginnende Herbstdepression kündigt sich mit »Ein Chef zum Verlieben« oder »Die Liebe meines Lebens« mit Cary Grant und Deborah Kerr an. Und Zeit für die erste Prozac des Jahres wird es, wenn der Single sich »E-Mail für dich« ausleiht. E-Mail für dich ist übrigens auch so eine der Alternativ-Beschäftigung an einem regnerischen Abend: Singletreffen im Internet.

Das ist eine nach wie vor seltsame, aber höchst demokratische Art, sich näherzukommen. Seltsam, weil man wildfremden Menschen, mit denen einen absolut nichts verbindet, außer dass man abends nichts Besseres zu tun hat, als wildfremden Menschen E-Mails zu schreiben, Dinge erzählt, die sonst nur die besten Freunde wissen. Demokratisch, weil man Menschen, die sich zwar »Harrison F.« nennen, aber aussehen wie Helmut M., im Internet eine Chance gibt, die sie am Bartresen nie bekommen würden.

Das Schönste ist, dass der große Unbekannte alles sein könnte. Vor allem der Traummann. Das gleiche Gefühl, das einen dazu treibt, Lottoscheine auszufüllen, ist es auch, das uns in die Singleforen und auf die Seiten der Online-Partnerschaftsvermittlungen treibt. Es ist die Hoffnung auf den Jackpot. Frau Zeh zum Beispiel hatte sich irgendwann bei so einem Singledienst angemeldet. Schon nach kurzer Zeit schrieb sie sich regelmäßig mit einem reichen französischen Adligen, einem reichen Inder und einem reichen Italiener.

Sie fand nicht mehr die Zeit, ihre Wohnung zu putzen, vernachlässigte ihre Freunde und begann, ein Parallelleben zu führen. Sie litt, wenn der Franzose von seinen Affären berichtete, glaubte dem Italiener, wenn er eine Seelenverwandtschaft feststellte, und hielt den Inder zurück, wenn er versuchte, nach Berlin zu kommen. Dann forderte sie Fotos ein. Zuerst schickte der französische Adlige sein Bild. Er saß auf einem Pferd und hatte eine enorm große Reitkappe auf. »Sieht er nicht toll aus?«, fragte Frau Zeh. »Das Pferd?«, fragten wir zurück, weil man von dem Mann nicht viel sehen konnte. »Ich fahre zu ihm«, sagte sie. Wir haben dann den Abend damit zugebracht, ihr von Menschen zu erzählen, die behaupten, sie seien französische Adlige, und Fotos von Hans Günter Winkler verschicken. Und in Wirklichkeit sind es irgendwelche Penner, die mit ihren letzten Cent bei Starbucks im Internet surfen und nach einem Opfer für ihre kranken Folterfantasien suchen.

Blieben der Italiener und der Inder. Der Inder schickte ein paar verschwommene Fotos. Und so verschwommen sah er wirklich nett aus. Frau Zeh und der Inder verabredeten ein Treffen in Paris. Nun wurde der Inder übermütig und sendete sich in höherer Auflösung, und Frau Zeh hätte das Treffen sofort abgesagt, wenn sie nur gewusst hätte, wie. »Ich kann ihm doch nicht sagen, dass er potthässlich ist«, sagte sie. »Er war so nett.« »Dann fahr hin«, antworteten wir. »Aber er ist so hässlich.« Frau Zeh traf sich nicht mit ihm.

Die Fotos des Italieners waren etwas ungewöhnlich. Eigentlich war es nur ein Foto, und es zeigte auch nicht den ganzen Italiener. Nun war nicht gerade preisverdächtig, was er da von sich preisgab. Wir schauten lange auf dieses mitleiderregende Stück Italien, und das Urteil fiel schließlich so vernichtend aus, dass er, wäre er dabei gewesen, umgehend zeugungsunfähig geworden wäre. »Was soll das?«, fragte Frau Zeh ihn. »Ich dachte, es würde dir gefallen«, schrieb er zurück. »Meiner Frau gefällt es auch.« Abschuss! Das mit Klein-Italien hätte Frau Zeh ihm noch verzeihen können, aber eine Ehe?

Frau Zeh litt noch ein paar Stunden, dann machte sie den Computer aus. Wir hatten sie wieder. Zur Feier des Tages schauten wir uns »Fear und Loathing in Las Vegas« an, und das Foto des Italieners wurde weitergeschickt. Als Kettenbrief. »Wenn du dieses Bild nicht an mindestens 30 Freunde sendest, wird dein nächster Freund genauso aussehen«, schrieben wir dazu. Und nach dem dritten Glas Prosecco wusste Frau Zeh selbst nicht mehr, warum sie gedacht hatte, ihr Problem ließe sich mit ein paar Mausklicks beheben. »Warum sollten sich im Internet auch weniger Irre herumtreiben als auf der Straße?«

Das Codewort für Berliner Nächte

Schmetterling

Der Hollywoodschauspieler war neulich auch schon wieder da. Er musste ein paar Nachtszenen nachdrehen, weil die ersten nichts geworden waren. Natürlich nicht. Wer Berlin kennt, hätte es ihm sagen können: Die Berliner Nacht ist launischer als ein Münchner Türsteher. Sie kennt keine Stammgäste. Los, los, machen Sie den Durchgang frei, dahinten können Sie noch Schawarma essen mit den anderen Losern dieser Nacht, und dann gehen Sie doch bitte gleich weiter ins Bett. Die Nacht hält heute Nacht keine Überraschungen für Sie bereit. Für Sie nicht!

Doch es gibt auch die anderen Nächte. Die Zaubernächte. Sie sind wie das Gefühl nach gutem Sex. Wir kannten das Geheimwort der Nacht. Es bringt uns in eine der oberen Etagen des Beisheim Centers. Ein Industrieller soll das gesamte Stockwerk gekauft haben. 600 Quadratmeter, 3,6 Millionen Euro, alles für die Tochter. Eine Belohnung für die Eins in der letzten Mathearbeit. Oder so.

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