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Silvia-Gold 122 - Liebesroman

Das Leben hat einen Plan für dich

Wenn der Traum vom Glück zerplatzt

Von Bianca C. Valentin

Aus, vorbei! Der kurze Traum vom Glück – er ist zerplatzt wie eine Seifenblase. Nie hätte Katrin es für möglich gehalten, so hintergangen zu werden. Gaby, ihre beste Freundin, hat ihr mit aller Raffinesse Dr. Thomas Pfeiffer ausgespannt, den Mann, von dem Katrin geglaubt hat, dass er sie so liebt wie sie ihn. Ausgerechnet die zwei Menschen, denen sie vorbehaltlos vertraut hat!

Doch das Leben geht weiter, und ein anderer Mann möchte es mit Katrin teilen. Stefan Lescher spürt wohl die Traurigkeit hinter ihrem bezaubernden Lächeln, und er setzt alles daran, sie mit seiner Liebe von einem gemeinsamen Glück zu überzeugen. Vergeblich. Ihr Herz erreicht er nicht, es gehört immer noch Thomas.

Da macht Gaby ihrer einstigen Freundin ein erschütterndes Geständnis ...

»Gut, Frau Schmiedel, dann ist es von unserer Seite abgemacht: Sie können die Stelle antreten.«

Der Filialleiter des Supermarktes, dem Katrin mit schlecht unterdrückter Nervosität gegenübersaß, betrachtete die aparte junge Frau mit sichtlichem Wohlgefallen. Was für ein bildhübsches Ding sie war, wenn auch ein bisschen sehr schlank, so mädchenhaft zart, obwohl sie, wie ihre Unterlagen ihm verraten hatten, schon auf die Dreißig zuging.

Herrn Günthers wohlgefälliger Blick blieb wieder an diesem wunderschönen Haar hängen, tizianrot und anscheinend echt. So etwas sah man nicht alle Tage. Und diese grünen Augen, die einen – trotz der unterdrückten Aufregung – so forschend betrachteten.

Doch dann rief er sich innerlich zur Ordnung. Die Schönheit seiner weiblichen Angestellten hatte ihn nichts anzugehen. Auf Leistung kam es bei den Damen an!

Darauf kam er nun abschließend zu sprechen. Er reichte Katrin wohlwollend über seinen Schreibtisch hinweg die Hand.

»Sie werden die Tätigkeiten einer Kassiererin gewiss spielend schaffen. Ich bin da ganz sicher. Sie können also am nächsten Ersten anfangen? Sehr schön. Wir brauchen Sie im Team. Wir haben momentan einen personellen Engpass. Dann bis bald. Und viel Glück.«

Kurze Zeit darauf stand Katrin wieder auf der Straße vor dem Lebensmittelsupermarkt, wo nun recht bald ihr Arbeitsplatz sein würde.

Sie atmete zutiefst erleichtert auf. Das hatte ja mehr als phantastisch geklappt! Nie hatte sie das zu hoffen gewagt – nicht nach all den vergeblichen Bewerbungen.

Katrin ging geradezu beschwingt nach Hause.

Nach Hause – wie sich das anhörte! Sie hauste in einem recht unansehnlichen kleinen, möblierten Zimmer, seit sie nach Köln gezogen war. Das war alles andere als gemütlich, es glich in nichts dem, was sie von Haus aus gewohnt war.

Quälende Erinnerungen stiegen in Katrin auf, als sie durch die Vorortstraßen lief; sie versuchte sie zurückzudrängen. Sie wollte jetzt nicht daran denken, sondern nur an Angenehmes, an eine bessere Zukunft. Sie wollte sich ausmalen, was sie sich demnächst alles erlauben konnte, wenn sie ein regelmäßiges Gehalt bezog, und sei es auch noch so klein und bescheiden. Doch für sie musste es erst einmal reichen.

Sie seufzte, als sie in ihrer Jackentasche nach Haustür- und Zimmerschlüssel kramte. Ja, den Traum vom Lehrerinnenberuf durfte sie endgültig begraben. Mit Lehrern konnte man die Straßen pflastern. Und wer wollte schon Junglehrer ohne Erfahrung? Keine Chance!

Ach verflixt, sie wollte doch keinen trüben Gedanken nachhängen!

Dafür sorgte dann auch schon Frau Mähler, ihre Zimmerwirtin, die Katrin eintreten hörte und wie ein Wiesel aus ihrem Wohnraum geschossen kam.

»Nun, Frau Schmiedel, wie steht's? Haben Sie die Stelle? Ja? Oh, ich brauche ja nur Ihre blitzenden Augen anzusehen. Da weiß ich schon Bescheid. Ich darf Ihnen also gratulieren?«

Katrin nickte Frau Mähler zu und ließ sich von der älteren Frau die Hand umarmen.

»Das dürfen Sie. Zum nächsten Ersten kann ich im Supermarkt anfangen. Muss ich sogar. Endlich! Ich bin ehrlich froh. Stellen Sie sich vor, ich habe obendrein noch preiswerte Einkaufsmöglichkeiten dort! Davon werden Sie auch gelegentlich profitieren, Frau Mähler.«

Erleichtert schien Frau Mähler auch zu sein. Katrin lachte in sich hinein. Vielleicht hatte die Gute sich schon insgeheim Sorgen gemacht, dass Katrin als arbeitslose Lehrerin bald keine finanziellen Mittel mehr hatte, um ihre Miete zu bezahlen? Im Prinzip hätte sie noch nicht einmal Unrecht gehabt. Katrins magere ersparte Barschaft schmolz wirklich dahin wie Butter in der Sonne.

In ihrem Zimmer stellte Katrin sich an das winzige Fenster und spähte über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg auf das bisschen Grün der kleinen Gärten. Die beste Wohngegend war das hier gewiss nicht, aber sie wollte nicht unzufrieden sein.

Sie geriet wieder ins Träumen, verfrühte Träume, von denen Frau Mähler noch nichts wissen durfte.

Katrins Vorstellungen kreisten um eine eigene kleine Wohnung. Das wäre der höchste Luxus! Ob sie sich die wohl bald erlauben könnte? Es wäre zu schön. Im Geiste stellte sie Berechnungen an, kam aber damit nicht klar und ging an ihren Schreibtisch, um Papier und Stift zur Hilfe zu holen.

Sie musste ihre Geldangelegenheiten, jetzige und zukünftige, einmal genau durchrechnen! Das war harte Arbeit, denn sie sah schon bald, dass sie sich schwer tun würde mit einer Wohnung, deren Miete so mitten in Köln ja wohl beachtlich war. Und dazu noch die Einrichtung! Sie besaß ja rein gar nichts – und sie konnte schließlich nicht zwischen leeren Wänden leben!

Katrin schlug die Hand auf den Bogen mit den wilden Zahlentabellen und starrte die Wand mit der grässlichen Rosenmustertapete an.

»Frau Mähler«, stöhnte Katrin leise in sich hinein, »ich glaube, Sie können aufatmen. So, wie das aussieht, bleibe ich Ihnen noch eine ganze Weile erhalten.«

Heute Abend schlief Katrin zum ersten Mal seit zwei Monaten, als all ihr Elend begonnen hatte, schnell und tief ein. Angenehme Träume suchten sie auf, und als sie am nächsten Morgen aufstand, die Morgensonne blinzelte ihr durchs Fenster in die Augen, fühlte sie sich so frisch, froh und energiegeladen wie lange nicht mehr.

Sofort fiel ihr der Erfolg des gestrigen Tages ein. Sie hatte noch einen halben Monat der Freiheit. Den wollte sie nutzen.

♥♥♥

»Willkommen in unserer Runde.«

Einige Damenhände streckten sich Katrin entgegen, als sie morgens früh von Herrn Günther, bei dem sie sich zum Arbeitsbeginn gemeldet hatte, nach einem kurzen einführenden Gespräch in einen Aufenthaltsraum geleitet wurde, wo ihre zukünftigen Kolleginnen in ihre Kittel schlüpften und sich für den Tageskampf präparierten.

»Guten Morgen. Ich bin Katrin Schmiedel«, stellte sie sich schüchtern vor und kam damit Herrn Günther zuvor, der die neue Mitarbeiterin gewichtig vorstellen wollte.

Sie lächelte etwas schief und hilflos, weil all das Fremde sie anfiel wie ein wildes Tier. Schon auf dem Weg hierher war ihr ganz warm geworden vor lauter Aufregung und Angst vor der neuen Tätigkeit.

»Es ist schön, dass Sie mich so freundlich in Ihrer Mitte aufnehmen. Hoffentlich mache ich auch alles richtig.«

Sie spürte Herrn Günthers Hand auf ihrem Arm. Es sollte wohl eine kleine Geste der Beruhigung sein.

Katrin hoffte, dass es so schlimm nicht werden würde. Im Einstellungsgespräch hatte der Filialleiter so getan, als sei es gar nichts, was da auf sie zukäme, nur ein bisschen an der Kasse tippen und mit dem Scanner über das Warengut fahren.

»Frau Brehme, nehmen Sie sich bitte unserer neuen Kollegin an und weisen Sie sie in alles sein. Viel Glück für den Anfang, Frau Schmiedel.«

Mit diesen Worten entschwand Herr Günther bald schon in sein Büro. Katrin stand nun den neuen Kolleginnen gegenüber und harrte der Dinge, die kommen würden.

Die angesprochene Frau Brehme, eine ältere, recht resolut wirkende Frau, zog Katrin mit sich fort.

»So, hier haben Sie zuerst einmal einen Kittel. Ohne den geht es nicht. Dann kommen Sie als mein Schützling mit. Und fragen Sie! Alles, was Ihnen unklar erscheint, erfragen Sie am besten. Wir gehen jetzt in den Verkaufsraum an die Kasse. Zum Glück sind wir recht modern ausgestattet. Die Arbeit lernt sich leicht. Und wenn Sie das intus haben, erscheint Ihnen alles wie ein Kinderspiel.«

Frau Brehme schien wohl zu merken, wie unwohl Katrin zumute war, die dennoch dankbar nickte.

Misstrauisch sah sie sich gleich darauf ihren neuen Arbeitsplatz an. Sie bekam zunächst die Funktionen der Kasse erklärt. Dann erschien auch schon die erste Kundin, und Katrin musste unter Frau Brehmes Anleitung die Waren eintippen und den zu zahlenden Betrag kassieren.

Frau Brehme blieb den ganzen Vormittag bei Katrin, und als es Mittag war, glaubte Katrin die Kasse einigermaßen zu beherrschen.

»Wie schnell der Morgen vergangen ist«, staunte sie, als sie Frau Brehme in den Aufenthaltsraum folgte. Andere Kolleginnen waren schon dort, denen die Mittagspause heilig war und die es eilig hatten.

»Das kommt Ihnen nur am Anfang so vor«, lachte eine junge blonde Frau spöttisch. »Später, wenn alles Routine ist, werden Sie öfters auf die Uhr schauen und den Feierabend herbeisehnen. Dann wird es ganz schön langweilig.«

Katrin saß zwischen den ihr noch unbekannten Frauen neben Frau Brehme und kaute still an ihrem Pausenbrot. Möglicherweise hatten die Damen recht, es war eine eintönige Arbeit. Mit Sicherheit, wenn man sie jahrelang ausübte!

Katrin schüttelte ihre roten Locken aus der Stirn. Zuerst einmal war sie froh, die Stelle zu haben und Geld zu verdienen!

Abends war sie dann doch froh, als es halb sieben war und der Supermarkt seine Pforten schloss. Sie merkte jedoch schnell, dass sie nicht im Handumdrehen fortkam, es wurde abgerechnet und aufgeräumt. Als sie auf der Straße stand, war es nach sieben.

Rechtschaffen müde war sie. Der Rücken schmerzte vom stundenlangen Sitzen an der Kasse. In den Armen spürte sie jeden Nerv, weil sie von morgens bis abends dieselben ungewohnten Handgriffe getan hatte.

Aber sie wollte nicht klagen, sie war ihrem Schicksal noch immer dankbar. Mit den Kolleginnen kam sie auch so weit klar, wie sie das einschätzen konnte.

Katrin war fast zu müde, Frau Mähler über das Ergebnis des heutigen Tages zu berichten, aber die ließ natürlich nicht locker und wollte alles ganz genau wissen.

Endlich konnte Katrin sich auf ihr Zimmer stehlen und die Tür hinter sich schließen. Sie machte sich eine Kleinigkeit zu essen und ging später noch einmal, weil es ein so sehr schöner lauer Frühlingsabend war und sie sich lufthungrig fühlte, nach draußen und spazierte durch den nahen Park.

Ihr Körper verlangte nach Bewegung. Morgen Abend würde sie sich entsprechend anziehen und ihre alten Joggingrunde wieder aufnehmen, sonst würde sie völlig einrosten!

Katrin schlenderte müßig die Parkwege entlang. Wenn ihr Schicksal nicht so erdrückend traurig wäre, sie sich nicht ständig an vergangene Zeiten erinnern müsste, dann könnte sie eigentlich recht zufrieden sein.

Aber einsam war sie hier in der großen Domstadt am Rhein, in der sie kaum einen Menschen so gut kannte, dass man ihn schon als Freund bezeichnen konnte. Die Leute, die sie früher gekannt hatte, waren in alle Himmelsrichtungen verschwunden.

Das musste sich ändern, wenn sie nicht regelrecht versauern wollte!

Katrin kam zu dem Schluss, dass sie zur Verbesserung ihrer Lage selbst etwas unternehmen musste. Warten, bis jemand kam und sie unterhielt, hatte keinen Zweck. Darüber würde sie vermutlich alt und grau werden.

Als sie die Jogger und Radfahrer sah, die an ihr vorbei durch den Park düsten, hatte sie plötzlich die Erleuchtung. Sie würde Mitglied in einem Sportverein werden! Sport hatte sie früher so gern getrieben, sie war immer eine gute Turnerin gewesen. Warum also nicht auch jetzt?

Sie fühlte sich gleich um vieles besser, als ihr das eingefallen war, und so ging sie zufrieden zurück in ihre einsame Behausung, auf leisen Sohlen, um Frau Mähler nicht wieder anzulocken, die einen ständig in ewig lange Gespräche verwickelte.

♥♥♥

Aber mit der Anmeldung in einem Sportclub wurde es so schnell nichts; Katrin fühlte sich durch ihre Arbeit restlos ausgelaugt und war abends erst einmal heilfroh, wenn sie ihre vier Wände erreichte.

Anstrengend war es schon, von morgens bis nachmittags an der Kasse zu sitzen! Sie war jedes Mal froh, wenn man sie beauftragte, Regale nachzufüllen oder andere Arbeiten zu verrichten, bei denen etwas Bewegung mit im Spiel war.

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