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Silverman 1

Alexa Olivier

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit bildete sie ihre spirituellen Fähigkeiten in verschiedenen Kursen weiter. Mit den Erfahrungen als Numerologin kann sie die verschiedenen Charaktere von den entsprechenden Personen in der Geschichte entwickeln. Ihren Impulsen gibt sie ungebremst nach, um ihre inneren Bilder und Vorstellungen in die Geschichte umzusetzen. Damit erhalten ihre Romane einen Hauch von Spiritualität. Sie setzt sich intuitiv mit der Umwelt und der Zukunft der Menschheit auseinander. Sie wählt weltbewegende Themen für ihre Bücher

Im Gedenken an Christine Bliem.

Diese Geschichte ist frei erfunden. Alle Figuren, Organisationen, Ortangaben und Ereignisse, die im Roman geschildert werden, entspringen der Fantasie der Autorin.

Orte der Handlung

Italien

Berlin

Städtchen in Bayern

Bhutan im Himalaya

Staumauer im Wallis

Bergdorf im Bündnerland

Chur

Dorf im Zürcher Unterland

Fähre über den Bodensee

London

Paris

Nordfriesische Inseln

Alexa Olivier

Silverman 1

Europa brennt

Spiritueller Krimi – Roman

Lektorat und Korrektur: Eleonore Jopp

Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass du dieses Buch ‚Silverman’ jetzt in deinen Händen hältst und hoffentlich auch liest. Wenn du heute diesem Text begegnest, dann deshalb, weil du die Voraussetzungen dazu hast, um ihn zu verstehen.

Es gibt keine Zufälle. Alles was in deinem Umfeld und dir geschieht, hast du irgendwann durch deine Gedanken und Handlungen ausgelöst.

Welche Erkenntnisse erhalten Sie mit meinen Büchern?

Mich beschäftigt die Zukunft unserer heutigen Erde. Was wird sich verändern? Vieles!! Vor allem muss sich der Mensch auf ein anderes Leben einstellen. Mit dem 21.12.2012 endet ein Entwicklungszyklus und ein neuer Zyklus, eine neue Zeit, beginnt. Die Neue Zeit ist ein neues Zeitalter, eingeleitet von einem planetaren, bewusstseins- erweiternden Mega-Quantensprung. Wir stehen jetzt am Anfang dieses neuen Zeitalters.

Im Unterbewusstsein haben wir Angst vor der Islamisierung in unserer christlichen Welt. In der arabischen Welt sind Christenverfolgungen ein Thema. Was geht in den Köpfen der Verfolger und Saboteuren vor? Ist die Seele immer noch derart unterentwickelt, dass sich diese Menschen wie Tiere verhalten?

Was geht in den Köpfen der Attentäter und Terroristen vor? Welche Gründe gibt es, weshalb z.B. Islamisten Menschen aus Europa und Amerika entführen und erpressen oder gar töten?

Mit den Figuren Henry Stone und Roy Wood möchte ich die Leser in die neue Zukunft unserer Erde führen. Diese Fähigkeiten waren bereits zu den Zeiten von Atlantis und Lemurien vorhanden. Es ist wichtig, dass wir uns Gedanken über die Zukunft der Menschheit und unserer Erde machen. Die Menschen müssen sich über eine neue Zukunfts-Perspektive bewusst werden.

In der Geschichte erfahren Sie, wie Henry Stone und Roy Wood mit ihren Gedanken arbeiten.

Inhalt

Prolog

Sicherung der Familie Horn

1.    Die Warnung

2.    Der Junggesellen Abschied

3.    Die Hochzeit

4.    Wo ist Gian?

5.    Im Land des Donnerdrachen

6.    Angela und Claudio

7.    Der Raum

8.    Die Staumauer

9.    Im Berghaus

10.  Die Höhle

11.  Jakob

12.  Sitzung in Berlin

13.  Warten auf eine Antwort

14.  Der Auftrag

15.  Nick in Hochburg

16.  Planung mit dem Team Stone

17.  Phase A

18.  Phase B

19.  Abbruchhotel

20.  Interpol

21.  Der Papst - Vatikan

22.  Die Brücken – London

23.  Der Turm – Paris

24.  Nordfriesische Inseln

Prolog

Italien im Hinterland

Langsam senkt sich die Sonne hinter der Hügelkette, das ganze Tal erstrahlt in Rotorange. Von der Häusergruppe im Talboden sind bald nur die Umrisse zu erkennen. Steif stehen zwei Männer vor einem der größeren Häuser und starren darauf. Der größere, breitschultrige, kräftige Mann mit nur wenigen Haaren auf dem Kopf, ist Steve. Er ist ein Deutscher Geheimdienstagent. Der andere ist etwas kleiner, mit einem schlanken, drahtigen Körper. Sein Name ist Reto Horn, er trägt die Verantwortung für die Verhaftungen der Terroristen durch die Polizei in Rom. „Ich will ganz sicher sein, dass die Polizei nichts übersehen hat. Für meine Begriffe kamen die viel zu schnell mit den acht gefesselten Terroristen heraus. Bereits damals wollte ich nochmals hinein gehen, um alles zu durchsuchen.“ Er dreht sich zu seinem Partner Steve um und herrscht diesen an: „Aber du, du musstest sofort weg, wahrscheinlich zu einer deiner Verabredungen.“ Steve zuckt nur mit den Schultern: „Dann geh doch hinein und durchsuche das Haus. Vielleicht findest du etwas, falls die Polizei nicht bereits alles mitgenommen hat. Ich verschwinde jetzt. Du hast deinen Wagen dort vorne stehen lassen!“ Steve wendet sich ohne Gruß ab und fährt mit seinem Auto fort. Reto atmet einige Male kräftig durch und bewegt sich auf die kurze Treppe zum Eingang zu.

Den Mann, welcher hinter einem Nachbarhaus steht und die beiden Agenten beobachtet, haben sie nicht gesehen. Zwar haben sie bei ihrer Ankunft in alle Richtungen umgesehen, offenbar nicht genau genug.

Das spezielle Telefon des Kontaktmannes in Europa klingelt. Der Europäer mit Schlapphut, langem Mantel, Sonnenbrille und mit einem Tuch verdeckte, untere Gesichtshälfte nimmt das Gerät langsam aus seiner Tasche. Als er im mittleren Osten die Männer traf, wusste er nicht, dass man ihn zum Werkzeug in Europa machen wollte. In einer schwachen Stunde hat er das Geld angenommen und jetzt muss er die Befehle aus dem Osten annehmen.

Der Kopf: „Halte ein Auge auf den Agenten, welcher sich über Jahre in unserem Land aufgehalten hat. Du kennst ihn. Hole ihn zu dir, halte ihn fest, damit dieser uns nicht verraten kann! Bestätige mir diesen Auftrag.“

„Verstanden. Ich weiß wo er ist.“

In Italien vor dem Haus der gefassten Terroristen

Reto, der Agent des deutschen Geheimdienstes, geht die wenige Stufen hoch zum Eingang des Hauses und öffnet vorsichtig die Türe ins größte der Häuser. Er tritt in den Vorraum im Erdgeschoss, von wo einige Türen in andere Räume führen. In jeden der Räume sieht er kurz hinein. Alle sind wirklich leer geräumt und sogar sauber gereinigt. Er überlegt: ‚Ich muss in Rimini und Rom bei der Polizei noch einmal nachfragen was sie gefunden haben. Angelo, mein italienischer Partner hat mir versichert, dass er nichts aus dem Haus genommen hat.’ Er sinniert vor sich hin, geht zur Treppe ins Obergeschoss. Die erste Türe ist leicht angelehnt, er gibt ihr einen leichten Stoß, erschreckt sich, bleibt stehen und starrt auf den Haufen schmutzige Kleider in der hinteren Ecke. Diese liegen auf einer Matte am Boden. ‚Diese gehören mit Sicherheit einem Landstreicher. Der wird nachts zurückkommen.’ Kaum gedacht explodiert etwas hinter ihm. Die Druckwelle reißt Reto von den Beinen, er wird die Treppe hinunter geschleudert. Mit seinen Armen kann er den Kopf schützen, ab da weiß er nichts mehr. Sein Partner Steve ist bereits auf der Fahrt in Richtung Rimini. Er hat keine Lust Lebensretter zu spielen. In Berlin meldet er später, dass Reto im Terroristenhaus bei Rimini in den Flammen umgekommen ist. Feuerwehrleute tragen eine verkohlte Leiche aus dem Haus. Die Botschaft vom Tod des Agenten Reto Horn verbreitet sich schnell in den Büros des Geheimdienstes und die Regierung wird benachrichtigt.

Sicherung der Familie Horn

In Berlin

In Berlin entscheiden die Direktoren des Geheimdienstes zusammen mit der Regierung, die Familie von Reto Horn muss ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden. Die Beerdigung findet in drei Tagen in aller Stille im engsten Familien- und Freundeskreis statt.

Seine Frau Marlene Horn bekommt den neuen Namen Marianne Caminada. Der Sohn Marc erhält den Namen Gian Caminada. Die Tochter Inge sucht sich den Namen Diana aus. Die Familie wird in ein Berghaus im schweizerischen Bündnerland gebracht. Der Geheim-dienst hat schon öfter Familien in jenem Haus untergebracht. Marianne wird weiterhin als Agentin arbeiten. Das Dachgeschoss ist mit einer Anlage mit Antenne ausgestattet. Gian kann sein Studium in Zürich beenden. Er wird vom Jungagenten Claudio Frey begleitet. Diana bleibt meist im Berghaus. Sie wird später nach Berlin in die Schulung geholt. Sie wird in den Sprachen des mittleren Osten ausgebildet. Sie bleibt im Gebäude-komplex des Geheimdienstes. Für Marianne wird der Agent Nick Keller zugeteilt. Er muss sich darum kümmern damit die Dorfbewohner sie mit Lebensmittel und allem notwendigen versorgen. Erst nachdem Gian das Studium in Zürich abgeschlossen hat, einige Zeit in verschiedenen Firmen arbeitete und zuletzt in die Med-tec in Deutschland eine Festanstellung als Entwicklungs-Ingenieur bekommt, wird darüber verhandelt, um Marianne aus dem Berghaus nach Berlin zu holen.

Im Exil in den Alpen

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich Marianne im Berghaus eingelebt. Die Gedanken und Sehnsucht an ihr früheres Leben muss sie immer wieder verdrängen. Jeden Tag wird sie von einer der Frauen oder einem der Männer zu einem Informationsaustausch besucht. Mit der Zeit hält sie für die vier Dorfbetreuer ein kleines Kaffeekränzchen ab. Sogar das Jassen wurde ihr beigebracht. Der Agent Nick besucht immer wieder Gian in Zürich, fährt nach seiner Kontrolle weiter in Bergdorf zu Marianne. Mit Berlin hat er regelmäßig Kontakt. Gian und Claudio kommen jedes zweite Wochenende ins Berghaus, dann wird gefeiert. Die meiste Zeit verbringt Diana in Berlin in der Sprachschule, wo sie ebenfalls von einem Jungagenten begleitet wird. In Berlin kann sie sich nicht frei bewegen; keinen Ausgang mit ihren Freundinnen, keinen Besuch bei ihren Großeltern. Sie muss immer in den Gebäuden des Geheimdienstes bleiben. Die Zeit, welche die Tochter im Berghaus verbringen muss, ist für ihre Mutter aufreibend. Jedes Mal streiten die beiden Frauen. Diana wird immer schwieriger, sie kann sich einfach nicht an das andere Leben gewöhnen. „Marc kann sich in Zürich frei bewegen, zusammen mit Claudio. Warum kann nicht auch ich nach Zürich?“ Nach drei Jahren macht John Paul den Vorschlag, die Wohngemeinschaft im Berghaus wieder aufzulösen. Aber Marianne ist unsicher: „Seit einiger Zeit rasen immer wieder drei Motorradfahrer das Tal herauf. Wohin sie fahren ist uns unbekannt. Nick hat bisher nichts herausgefunden. Ich fühle mich sicherer hier, da das Berghaus mit Alarmanlagen abgesichert ist. Sobald einer an die Türe kommt oder um das Haus schleicht, heulen Sirenen auf. Die Dorfbewohner sind sofort hier.“ Der Direktor findet es als ein gutes Argument. „Sobald Gian den Abschluss gemacht hat, wird er eine Arbeit suchen. Ob er dann immer noch bei dir in der Nähe ist, wissen wir noch nicht. Dann wird er nicht mehr so oft zu dir ins Berghaus kommen. Dafür ist Diana bald mit ihrer Ausbildung fertig. Sie kann im Berghaus arbeiten.“ Marianne ist alarmiert: „Dann habe ich meine Tochter jeden Tag bei mir. Danke schön. Damit ist die schlechte Laune bei allen bereits programmiert.“ John Paul tröstet sie: „Dein Chef ist auch ihr Vorgesetzter. Er wird mit ihr reden. Sobald sie wieder zu schimpfen beginnt, meldest du dich. Lass dich nicht auf ein Gespräch mit ihr ein. Euer Chef regelt das.“

Während den nächsten 3 Jahren

Die Tage sind lang in der einsamen Bergwelt. Immer wieder geht Marianne durch alle Räume, das Zimmer von Gian ist nur jedes zweite Wochenende besetzt. Sobald er sein Studium als Maschineningenieur abgeschlossen hat, wird er gar nicht mehr kommen. Sein Bewacher, Claudio geht Schritt für Schritt neben oder hinter ihm her. Auch er kommt jeweils am Wochenende ins Berghaus. Zusammen haben sie immer viel Spaß, trotzdem, Gian muss immer viele Hausaufgaben machen. Bald wird er nie mehr zu ihr ins Berghaus kommen. Sie vermisst ihn jetzt schon. Immer wieder erscheinen Bilder vor ihren Augen, wie ihr Mann Reto ins Haus der Terroristen geht und darin verbrannt wurde. Hitze durchflutet ihren ganzen Körper, sie kann es immer noch nicht glauben, dass ihre große Liebe nicht mehr zurückkommt. Immer wieder legt sie sich aufs Bett um zu weinen. Sie lebt nur noch für ihre Kinder. Nachts steigt sie in den Raum unter dem Dach. Dort stehen ihr Funkgerät, ihr Computer und alle Unterlagen für ihre Arbeiten für den Geheimdienst. Auch sie war und ist für diese Abteilung tätig. Nachts, wenn kein Vollmond ist, kann sie die Antenne ausfahren. Dann nimmt sie zu allen ihren Kontaktpersonen die Verbindung auf, um zu erfahren, was in der Welt geschieht. Immer wieder fragt sie nach, ob jemand ihren Mann Reto gesehen hat. „Marianne, du musst dich damit abfinden, dein Mann ist tot!“ Jedes Mal steigt ein Schluchzen auf. Sie will es einfach nicht glauben. Von Zeit zu Zeit kommt Nick Keller, der Agent, welcher für sie und ihre Kinder zuständig ist. Dann bleibt er ein paar Tage. Er bringt Unterlagen und holt welche für seinen Chef ab. Marianne ist immer sehr gierig darauf, neue Informationen zu bekommen. Vielleicht erfährt sie doch noch, dass ihr Mann lebt. Einmal in einem intensiven Gespräch mit Nick hört sie auch seinen Zweifel, es könnte doch sein, dass die verkohlte Leiche welche aus dem Haus geholt wurde, nicht Reto war. „Es könnte sein, wie mich die italienische Polizei erst vor ein paar Tagen informierte, dass es ein Obdachloser war. Der Polizist, welcher vor dem Haus wachte, glaubt einen Mann gesehen zu haben. Er ist sich nicht sicher, aber der ist ins Haus gegangen, als es brannte. Aber ob dieser wieder heraus gekommen ist, weiß er nicht. Er hat die Feuerwehr angerufen dabei hat er nicht mehr aufs Haus geachtet.“ Hoffnung und Glück erfüllt die Seele von Marianne, sie kann wieder freier atmen.

Jeden Tag wird Marianne von Dorfbewohnern im Berghaus besucht, um Lebensmittel zu bringen und andere Produkte, welche notwendig fürs Leben im Exil sind. Ein paar Frauen und Männer kümmern sich um die Agentin im Berghaus. Von der Funkanlage hat niemand etwas gesehen. Ab und zu kommen ein paar Frauen um einen Kaffeeklatsch zu halten. Sie bringen dann immer selbstgebackene Kuchen mit. Diese Stunden genießt Marianne sehr. In den letzten Wochen fahren immer wieder drei Motorradfahrer am Haus vorbei. Diese machen Marianne nervös, die Männer halten sich bereit, um einzugreifen, sollten diese anhalten und zum Berghaus gehen. Allerdings wissen diese drei Männer in der Lederbekleidung mit den Flammen auf ihren Rücken nicht, dass das Berghaus komplett abgesichert ist. Marianne muss immer wissen, wann jemand zu Besuch kommt, damit sie für einen Augenblick die Alarmanlage abstellen kann.

Die Monate und die Jahre gehen dahin. Marianne geht in Begleitung mit den Frauen und Männern des Dorfes spazieren, um etwas anderes zu sehen als nur die Stube, die Küche und die Schlafzimmer. Jeden Tag hat sie mit ihrem Chef via Funkt Kontakt. Er verspricht ihr, dass er sich darum kümmert, sie so schnell wie möglich wieder nach Berlin zu holen. Immer wenn ihre Tochter Diana im Berghaus ist, wird die Spannung zwischen den beiden Frauen kritischer. Diana grollt, sie will wie andere jungen Frauen, sich frei bewegen. Sie will sich mit anderen treffen um in Lokale zum Tanzen zu gehen. Die schlechte Laune von Diana macht es für Marianne noch schwieriger mit ihrer Tochter eine angenehme gemeinsame Zeit zu verbringen.

Die Zeit ist gekommen, wovor sie sich immer gefürchtet hat, Gian hat sein Studium beendet und arbeitet seit ein paar Monaten in verschiedenen Firmen um sein Wissen in die Praxis umzuwandeln. Vor ein paar Wochen hat er sich als Entwicklungsingenieur in Deutschland in einer Fabrik für medizinische Apparate beworben. Bald wird er nach Deutschland umziehen. Er kommt nicht mehr ins Berghaus, denn er ist davon überzeugt, in der Zentrale werden sie seine Mutter bald wieder zurück nach Berlin holen. „Dann werden wir uns wieder öfter sehen.“ Sie zweifelt an der Sicherheit für sie und ihre Kinder. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass man nicht mehr nach uns sucht. Immer wieder tauchen diese Motorradfahrer auf. Die Polizei hat nicht herausgefunden, was diese in diesem einsamen Dorf wollen. Hier kommen nur Wanderer, welche in die Berge wollen.“

1.  Die Warnung

Villa Bianchi

„Dad, ich werde in zwei Tagen den Mann heiraten. Auch wenn du ihn verachtest, ich liebe ihn und er vermittelt mir Vertrauen in mich und unsere Zukunft. – Gian ist für dich und deine Freunde ein unbeschriebenes Blatt. Ihr kennt seine Eltern und Vergangenheit nicht. Viele Stunden haben wir tiefgründige Gespräche geführt. Gian ist sehr einfühlsam, er hat meine Ängste verstanden und mich so geliebt, wie ich bin auch mit meinen Narben im Gesicht. Ich habe ihn kennen gelernt, ich weiß wer er ist.“ Angela, eine unscheinbare Frau, Ende zwanzig hat es endlich geschafft, von einem Mann geliebt, umworben und bald geheiratet zu werden. Sie fühlt sich endlich glücklich wie noch nie in ihrem Leben. Sie erlebt, was wirkliche Freundschaft bedeutet. Alle ihre Bekannten und ihre Familie belächeln sie, Angela ist ein hässliches Entlein. Ihr Dad, Franco, ist der Geschäftsführer der Med-tec die medizinische Geräte herstellt, wo auch Gian als Entwicklungs-Ingenieur arbeitet. Angela arbeitet in der Firma ihres Vaters, wo sie dem Sonderling Gian begegnet ist und sich in ihn verliebte.

Stadtwohnung von Gian und Angela

„Mama, warum rufst du mich an?“ Gian ist soeben in seine Wohnung gekommen, um den Feierabend mit Angela zu geniessen. „Ich habe Angst! Gian, komm wieder zu uns, wir werden beschützt. Du bist in Gefahr, die werden auch dich töten.“

„Nach unserer Hochzeit kommen wir. Angela weiss nicht wohin die Hochzeitsreise geht.“

„Ich fühle es, wie bei deinem Vater. Die sind hinter dir her. Die suchen dich. Nach der Hochzeit könnte es zu spät sein.“

„Ich weiss, seit einiger Zeit schleichen drei Typen herum. Ich gebe auf mich Acht, du brauchst dir keine Sorgen zu machen Mama.“

„Gehe zur Polizei und verlange Schutz.“

„Nein, wenn die etwas erfahren, habe ich erst recht keine Ruhe mehr.“

„Ich freue mich dich wieder zu sehen. Vor allem freue ich mich, deine Angela endlich einmal kennen zu lernen. Und ….. Gian, versprich mir, dass du auf dich Acht gibst.“ Gian schiebt sein Handy in die Mappe zurück. Ein paar Tage noch dauert es bis zur Hochzeit. Lange überlegt er, wie er sich vor der Gefahr der Lederboys schützen kann. An seinem Laptop tippt er den Brief für Angela hinein, damit sie die Wahrheit erfährt, sollte mit ihm ein Unglück geschehen.

Der Brief

Meine liebe Angela, Hallo Claudio

Gratuliere Claudio, du hast diesen Brief doch noch entdeckt. Ich wollte nicht, dass er von den Lederboys gefunden wird. Liebe Angela, wenn du diesen Brief gelesen hast, weißt du, warum ich nicht mehr bei dir sein kann. Nur du darfst diesen Brief lesen. Claudio du kennst die ganze Geschichte. Verbrennt diesen Brief, sobald ihr ihn gelesen habt. Auf dem Laptop wird man ihn nicht finden, da ich die Festplatte vernichten werde. Mein richtiger Name ist Markus Horn, genannt Mark. Meine Mutter und meine Schwester Diana leben in den Bergen. Diese Adresse schreibe ich auf ein separates Blatt. Claudio du weißt wie du eine unsichtbare Schrift lesbar machen kannst. Angela und Claudio, auch dieses Blatt müsst ihr vernichten und den Namen meiner Mutter und die Adresse streng vertraulich behandeln. Ich verlasse mich auf euch.

Mein Vater war für den Geheimdienst tätig. Er leitete eine kleine Gruppe mit Agenten, welche ein Terroristen Netz zerschlagen haben. In den Medien wurde darüber berichtet. Leider konnten nicht alle Saboteure gefasst werden, insbesondere einen welcher als Kopf der Bande galt. Er ist immer noch auf freiem Fuß und davon überzeugt, dass er mit einem neuen Team, strategisch wichtige Orte in Europa vernichten muss. Bis zum heutigen Tag ist nichts geschehen, aber irgendwann werden wichtige Regierungsgebäude von Bomben vernichtet. Mein Vater verfolgte den Anführer, bis man meinen Vater angeblich tot aufgefunden hatte.

Meine Mutter, meine Schwester und mich hat man in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Wir mussten unser Haus in Deutschland verlassen. Wir wurden in die Schweiz gebracht, weil die Führungsleute im Geheimdienst daran glaubten, dort sicherer zu sein. Meine Papiere, insbesondere die Diplome als Ingenieur (Ich habe den Abschluss an der ETH in Zürich gemacht) wurden auf den neuen Namen geändert. Meine Mutter lebt im hintersten Dorf, an einem abgelegenen Ort eines Tals. Dort können uns die Agenten des Geheimdienstes besser schützen. Nach meinem Studium in der Stadt habe ich Arbeit im Tal gefunden. Ich durfte nur in Begleitung von Leuten des europäischen Geheimdienstes dahin fahren. Du Claudio, warst ebenfalls einer dieser Begleiter, auch während meines Studiums. Gemeinsam mit dir hatte ich wenigstens glückliche Stunden, in denen ich vergessen konnte dass unsere Familie nicht mehr beisammen ist. Die Einkäufe für meine Familie besorgte ich manchmal oder Leute aus dem Bergdorf. Irgendwann fand ich in einer Zeitung das Arbeitsangebot in eurer Firma Med-tec. Da ich dieses Leben nicht mehr aushielt, bewarb ich mich in der Firma deines Vaters. Meine Mutter und der Chef des Geheimdienstes gaben mir die Einwilligung, den sicheren Ort zu verlassen. Claudio musste mich nach Deutschland begleiten. Für den Unterhalt meiner Mutter und Schwester sorgte der Geheimdienst. Den Rest kennt ihr.

Finden die Lederboys mich, dann weiss ich nicht was mit mir geschieht. Versucht nicht, mich zu finden, denn sonst kommt auch ihr in die Gefahr. Die Agenten sind ausgebildet, um mich zu suchen und den Kopf des Terroristen Netzes zu finden.

Ich wünsche dir liebe Angela viel Kraft, ein neues Leben anzufangen. Meine Liebe zu dir war und ist immer echt. Du Claudio, mein Freund, bitte unterstütze Angela und hilf ihr auf einen glücklichen Lebensweg zu kommen.

In Liebe Gian noch besser Marc

2.  Der Junggesellen Abschied

Festsaal im Hotel Hofburg

Auch wenn Gian kaum Freunde in seiner neuen Heimat hat, kommen viele Männer zur Feier des Junggesellen-Abschied. Im Städtchen hat sich herumgesprochen, dass im Hotel der zukünftige Schwiegersohn des Unternehmers Franco Bianchi, Geschäftsführer der Med-tec, seinen Abschied als Junggeselle feiert. Nicht eingeladene Gäste gesellen sich zur lärmenden Gesellschaft hinzu, um sich beim reichhaltigen Buffet zu bedienen. Der Champagner, Wein und Bier fließen durch die gierigen Kehlen. Der Lärmpegel steigt immer höher, je mehr Alkohol getrunken wird. Jeder der Gäste will gehört werden. Mit einem Schlag wird es still. Ein Wind saust durch die lachende und lärmende Menge. Gian schaut sich im Saal umher, bis sein Blick bei der Tür hängen bleibt. Durch diese treten drei Männer in Ledermontur mit Flammenzeichen auf den Rücken herein. Gian’s Herz setzte für einen kurzen Augenblick aus. Ein Schrecken durchfährt seinen ganzen Körper; die Vergangenheit hat ihn eingeholt. Er geht auf die drei Männer in Lederbekleidung mit einer Flamme auf dem Rücken zu. Gerade setzt er zu seiner Rede an, aber bereits das erste Wort bleibt ihm im Hals stecken. Ein Schlag in seinen Magen schockt ihn, der Atem bleibt aus, ihm wird schwindelig, die schwarze Nacht bricht über ihn herein. Einer der Lederboys sucht nach dem Wohnungsschlüssel. Wo diese ist haben sie vor einigen Wochen festgestellt. Für die kräftigen Schurken ist es ein Leichtes den bewusstlosen Gian in den bereitstehenden Kastenwagen zu schleppen. Das Tor In die Tiefgarage öffnet sich, obwohl der Schlüssel dazu nicht in Gians Taschen war. Rein in den Lift zur obersten Etage und hinein in die Wohnung. Sie legen ihn auf das Sofa im Wohnzimmer. Einer der Männer geht die Treppe der Maisonette Wohnung hoch in die Schlafräume. Er sieht die gepackten Koffer, welche für die Traumreise in die Flitterwochen bereit stehen. ‚Gut, so muss ich mich nicht mit der Suche nach Kleidern machen.’ Er hebt mit behandschuhten Händen den einen Deckel, alles Frauenkleider, trotzdem wühlt er herum. Vielleicht gibt es irgendetwas, was für die Lederboys von Bedeutung ist. Im Badezimmer holt er Rasierapparat, Zahnbürste und Zahncreme, Duschgel und anderes was scheinbar für Gian wichtig ist. Ob er irgendwelche Medikamente braucht?

In der Stadtwohnung von Gian

Im Wohnzimmer und der Küche suchen die zwei anderen nach wichtigen Unterlagen. Jede Schublade, jede Türe werden geöffnet und durchwühlt. Den Laptop mit Kabeln und Zubehör verstauen sie in die bereitstehende Mappe. In aller Ruhe werden sie diesen durchforsten. Selbst gelöschte Dateien sind für ihren Spezialisten kein Problem. Was sie nicht wissen, Gian hat vorgesorgt, diese Gauner werden gar nichts finden. „Los beeilt euch, wir müssen verschwinden!“ Der Gruppenchef treibt seine Kollegen an. Nicht einmal der Beobachter Sputnik kann feststellen, wer diese Männer in Lederbekleidung sind. Die Helme blieben auf ihren Köpfen, obwohl sie alle in Schweiß gebadet sind. Ihre Motorräder liegen im Kastenwagen, für Gian gibt es einen Platz, wo man ihn hinlegt. Einer der Männer setzt sich neben ihn hin, die anderen steigen vorne ein, sie fahren los ins vorbereitete Versteck.

3.  Die Hochzeit

Wohnung von Claudio in Hochdorf

Die Sonnenstrahlen zwingen sich durch den Vorhang ins Zimmer wo Claudio immer noch schläft. Der Traum löst sich langsam auf, die Kämpfe werden weniger, die dunkeln Gestalten verschmelzen sich mit dem Hintergrund. Die Klammerung um seinen Körper lockert sich. Das Erwachen ist eine Qual, im Kopf des jungen Mannes brummt es. Das Gesicht seines Freundes Gian erscheint vor seinen Augen: ‘Claudio hilf mir … Hilfe …Hilfe.’ diese Worte werden immer leiser, das Gesicht löst sich langsam auf. Die Augen von Claudio starren zur Decke. Claudio ist ein mittelgroßer, schlanker Mann, sein dichtes, dunkles Haar erinnert an einen südländischen Jüngling. Seit er für Gian verantwortlich ist, haben sich die beiden jungen Männer angefreundet. Die Erinnerungen kommen ganz langsam an die Oberfläche. ‘Die Hochzeit!‘ Er erinnert sich nur ganz schwach an drei Männer beim Eingang zum Saal. ‚Was wollten die drei Männer von Gian? Ich muss ihn anrufen.’ Claudio sucht nach seinem Handy und wählt seine Nummer. Seit gestern Abend hat er von Gian nichts mehr gehört und ihn schon gar nicht mehr gesehen. Lange lässt er läuten, aber Gian antwortet nicht. Seine letzte Möglichkeit ist, ihn in seiner Wohnung zu suchen. Oder ist er im Hotel wo die Feier gestern stattfand oder eventuell ist er in der Villa. Claudio ist Brautführer und verantwortlich, dass der Bräutigam rechtzeitig zur Hochzeit erscheint. ‘Meine Güte, wenn ich in der Villa melden muss, dass ich Gian nirgends finde. Franco und Angela reißen mir den Kopf ab.’ Ein Anruf in der Villa wird beweisen, dass Gian dort ist. Nach langem läuten meldet sich der Hausherr. „Ist Gian hier?“ fragt Claudio „Nein, warum, sollte er? Wir erwarten ihn am Nachmittag in der Kirche“ sagt Franco genervt. „Er ist verschwunden! – Das heißt, ich finde ihn nirgends“ erklärt Claudio. „Waaaas? Wenn der nicht an seiner Hochzeit erscheint kann er was erleben!“ Die Wut im Brautvater steigt auf das Maximum. Dieser stellt auf den Lautsprecher, um zu verhindern dass er das Telefon an die Wand schmettert. Claudio erinnert sich wieder an die drei Männer in den Lederkombis mit den Flammen auf ihren Rücken. „Ich … ich habe ihm telefoniert. Er antwortet nicht. Ich werde heute Morgen zu ihm in die Wohnung gehen um nachzusehen ob er immer noch schläft. Zuletzt habe ich ihn gestern am späten Abend gesehen. Drei Männer kamen und er ging mit ihnen hinaus. Ich dachte ….“ Angela hat mitgehört, Claudio wird von ihr unterbrochen. „Drei Männer sagst du? Papa, letzte Woche saßen wir im Straßencafé und da setzten sich drei Männer an den Tisch neben uns. Diese betrachteten mich, als, wie, ach ich weiß nicht. Es war sehr unangenehm. Gian bezahlte sofort und wir gingen. Die Blicke der Drei spüre ich noch immer auf meinem Rücken. Claudio fahr zu seiner Wohnung um nachzusehen ob er dort ist. Er wird bestimmt wieder kommen. Wir warten vor der Kirche.“ Angela gibt die Hoffnung nicht auf. Die kirchliche Trauung ist der krönende Abschluss zu ihrem Bund der Ehe, welcher im Stadthaus geschlossen wurde.

Vor dem Weggehen, wirft Claudio eine Tablette ins Wasserglas. Der Sturm in seinem Kopf soll endlich aufhören. Also ist in der Villa kein Gian, im Hotel, wo er ihn zuletzt gesehen hat, ist er auch nicht. In der Kaffeebar, wo sie sich oft treffen, ist er auch nicht. Die Suche nach seinem Freund ist erfolglos.

In der Kirche in Hochdorf

Während Claudio nach dem Bräutigam sucht, werden die hinteren Bänke der Kirche von schaulustigen Stadtbewohnerinnen und Arbeiterinnen der Fabrik gefüllt. Die Frauen haben in den Schränken nach ihren schönsten Kleidern gesucht. Auch wenn sie nicht zu den geladenen Gästen gehören, die Heirat der Tochter ihres Patrons wollen sie sich nicht entgehen lassen. Die jungen Frauen sitzen in der hintersten Bankreihe des Kirchenschiffes und kichern, kritisieren und erfreuen sich an den eintretenden Gästen. Iris stupft ihre Kollegin: „Guck, die vier Stadtschönheiten kommen auch.“

„Die werden doch nicht zu den eingeladenen Gästen gehören.“

„Vielleicht doch, du weißt ja, man erzählt sich, dass Franco, unser Patron, sich ab und zu mit diesen Damen amüsiert. – Du weißt was ich meine.“ Eine alte Frau dreht sich auf der vorderen Sitzbank um und schaut die quasselnden jungen Frauen vorwurfsvoll und böse an. Einige Männer von der Stadtregierung, in Smoking mit ihren Frauen, gehen leise durch das Kirchenschiff zu den vorderen Reihen. Nach und nach füllen sich die vorderen Bänke mit den wichtigen Herren der Wirtschaft und Regierung. Ihre Frauen haben ihre schönsten Garderoben hervorgeholt. In diesem kleinen Städtchen kommt es nicht allzu oft vor, dass gezeigt werden kann, was man hat. Vorsichtig schreiten diese Damen durch den Gang der Kirche, immer darauf bedacht, nicht auf ihre langen Röcke zu treten. Ihre Halsketten, Ringe und Broschen glänzen um die Wette. Für eine Bande von Dieben wäre das die Gelegenheit gewesen, die Damen auszurauben. „Jetzt kommt die Lady im türkisfarbenen Kleid. Die hat es zur Brautführerin gebracht.“ Iris will von ihrer Kollegin wissen: „Kennst du die?“

„Soviel ich weiss, geht Angela meist mit ihr in den Ausgang. Im letzten Jahr waren sie zusammen in den Ferien.“ Weiss ihre Freundin Jasmin zu berichten. „Ah, deshalb. Man hat sich immer gewundert, warum sie keinen Freund hat.“ Iris ist eine Gruppenleiterin in der Produktion. Jetzt gucken die meisten anwesenden Gäste zum Eingangsportal. Eine Schönheit im Aprikosen farbenen langen Kleid schreitet daher. „Der Firmendrachen kommt daher.“ Die Sekretärin und persönliche Assistentin von Franco kontrolliert beim Vorbeigehen durch den Gang, wer anwesend ist. „Wahrscheinlich führt die eine Absenzen Liste um später diejenigen, welche nicht gekommen sind, zu bestrafen.“ Die Kolleginnen nicken mit ihren Köpfen. Sie wissen, dass sich auch Francos Frau, die Brautmutter von ihr distanziert. Sie sitzt seit längerer Zeit in der zweitvordersten Reihe. Die hellblauen Spitzen auf dem dunkelblauen Kleid sind gut sichtbar. Die Dame im bordeauxroten einfachen geschneiderten Taftkleid spricht mit der Brautmutter. „Wahrscheinliche ist das die Tante von Angela. – Die Schwester von ihrer Mutter.“ Jetzt erscheint der stattliche, gross gewachsene Herr in Militäruniform. Seine Haltung ist so steif, als ob ihn ein Stock im Rücken gerade hält. An seinem Arm hat sich eine kleinere, alte Frau mit verwelkter Haut angehängt und versucht mit ihm Schritt zu halten. „Dieser Narzisst muss ja immer zuletzt kommen, damit man ihn ja nicht übersieht.“

„Für seine Frau hätte er endlich einmal ein neues Kleid kaufen können. Die Blumen darauf sind auch schon so welk wie ihre Haut.“

„Von diesem Geizkragen kannst du nichts erwarten. Sogar zu seiner Beförderung vor ein paar Jahren, ist sie in diesem Kleid gekommen.“ Alle Hochzeitsgäste sitzen jetzt in den Bänken der Kirche und warten. Der Duft der Blumenpracht steigt in ihre Nasen und lässt ihre Sinne zur Freude schweben. Auf der Seite der Braut sind weiße und rosarote Rosen und andere Blumen in großen Vasen auf dem Altar, dem Boden und den Wänden entlang aufgestellt. Auf der Seite des Bräutigams sind es weiße und blaue glockenartige Blumen. Die Glocken verkünden über die kleine Stadt das Glück des Brautpaares, endlich vereint zu werden. Die Gäste warten auf den Moment bis die Türe geöffnet wird und die Braut, von ihrem Vater Franco hineingeführt wird. Die Zeit des Wartens wird immer länger, die Freude ändert sich langsam zur Unruhe. Alle konzentrieren sich auf die Türe, welche sich bald öffnen sollte und die Braut mit ihrem Vater durch den Mittelgang der Kirche zum Traualtar geführt wird. Das Warten auf die Braut wird zur Anspannung. Niesen, hüsteln, das Umherrutschen auf den Bänken wird von verschiedenen Seiten hörbar. Die Stille verdichtet die Luft, keine Orgelmusik die zur Feier spielen sollte. Flüsternde Worte dringen durch die Menge. Sofia in der zweitvordersten Bankreihe berührt den Arm ihrer Schwester, die Brautmutter: „Welches ist Gian, der zukünftige Mann von Angela?“ Trotz dem Flüstern wurde sie von den Gästen in ihrer Nähe gehört und viele Augenpaare suchen auf der vordersten linken Reihe nach dem Bräutigam. Die Brautmutter wendet ihren Kopf: „Ich sehe ihn nicht.“ Blitzschnell wird ihr bewusst, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie sucht den Blick des Freundes von Gian. Claudio zuckt mit den Schultern. Die Brautmutter wird traurig und unruhig, denn ihre Tochter hat sich so sehr auf ihre Hochzeit gefreut. Der Brautführer geht zur Tür an der Seite der Kirche und verschwindet unbeachtet von den anwesenden Gästen. Schnellen Schrittes geht er der Kirchenmauer entlang zum Haupteingang, wo die Braut mit ihrem Vater auf das Zeichen zum Eintreten warten. Beide freuen sich auf das Erscheinen von Claudio und machen sich auf den Weg zum Tor der Kirche. Dieser gibt ein Zeichen zum Anhalten. „Gian ist nicht gekommen.“

„Was? Ist er nicht in der Kirche?“ Der Brautvater ist sehr ärgerlich und unruhig über diese Mitteilung. Schnell gibt er Anweisungen: „Angela, der Chauffeur fährt dich und deine Mutter nach Hause. Wir kümmern uns um die Suche nach Gian.“ Franco versucht seine Tochter zu beruhigen. Claudio eilt in die Kirche zurück, um die Brautmutter zu bitten, mit Angela nach Hause zu fahren. Die Brautmutter, Antoinette und ihre Schwester Sofia erheben sich unsicher von der Kirchenbank und eilen zur Tür, um nachzusehen warum ihr Mann sie bittet nach Hause zu fahren. Die Hochzeit hat nicht einmal begonnen. Claudio informiert den Pfarrer, dieser gibt ein Zeichen, die Glocken anzuhalten. Der Pfarrer hat die unangenehme Aufgabe den Anwesenden mitzuteilen, dass die Hochzeit abgesagt wird. Die Gäste schupsen sich gegenseitig zur Tür, um zu sehen, warum die Hochzeit nicht stattfindet. Alle sind sich bewusst, die Hochzeit ist geplatzt. Die elegant gekleideten Männer und die Frauen in ihren exklusiven Garderoben gehen schnell auf die wartende Limousine zu. Viele Fragen an den Brautvater und die Braut werden vom Wind verweht. Die Gäste schwatzen wirr durcheinander und fragen sich, warum die Glocken nicht mehr läuten. Was ist nun mit dem rauschenden Fest auf welches sich alle freuten? Inzwischen mischen sich auch Bewohner, welche sich bei der Kirche aufhalten, unter die Hochzeitgäste. Auch Angestellte der Fabrik warten vor der Kirche, um der Tochter ihres Patrons die Ehre zu erweisen. Die Frühjahrssonne wärmt die Seelen auf. Ein leichter Wind spielt mit den Haaren der Wartenden. Die Türe der Limousine wird geöffnet und Franco hilft seiner Tochter in den Fond des geräumigen Wagens. Die Braut bemerkte nicht, wie ihr geschieht. Noch ist ihr nicht bewusst, was das alles zu bedeuten hat. Sie fühlt sich matt, taub und sie sieht nichts. Ihr Körper fühlt sich steif und matt an. Der Schock kommt wie ein Schlag über Angela. Sie fragt sich, wo ihr zukünftiger Mann ist. Der stolze Unternehmer bittet seine Frau, Antoinette und ihre Schwester Sofia auch in die Limousine einzusteigen, um mit der Braut nach Hause zu fahren. Der Chauffeur setzt sich hinter das Steuer und fährt ganz langsam los; durch die Menschenmenge um auf der Hauptstraße endlich den Wagen zu beschleunigen. Blitzlichter begleiten das Fahrzeug bis es am Ende der Straße verschwindet. Franco wendet sich an seinen Bruder. „Komm Vinzent, wir gehen jetzt zur Polizei. Ich will wissen, was mit Gian geschehen ist. – Und vor allem will ich mehr über ihn und seine Vergangenheit erfahren. Alles kommt mir sehr suspekt vor.“ Der Brautvater nimmt seinen jüngeren Bruder am Arm, führt ihn von der Menge weg zu seinem Auto.

4.  Wo ist Gian?

Vor der Kirche

Die prachtvoll duftenden weißen, rosa und blauen Blumen aus der für die Hochzeit geschmückten Kirche werden an die Gäste, welche auf das Brautpaar warten, verteilt. Im Hotel wird die Absage des Hochzeitfestes mit Bestürzung entgegen genommen. Der Brautvater muss die Kosten der versäumten Hochzeit übernehmen was beim Geschäftsführer der Med-tec noch mehr Wut gegen Gian auslöst. Der Brautführer Claudio sitzt an seinem Computer in seiner Wohnung im Städtchen Hochburg. Er muss an alles denken, damit alle geplanten und bestellten Festlichkeiten der Hochzeit aufgelöst werden.

In der Stadtwohnung von Gian

Der letzte unangenehme Schritt ist, die Wohnung von Gian in Ordnung zu bringen und alles, was die Polizei nichts angeht, wegzubringen. Das muss sehr schnell erledigt werden.

Gian hat ihm noch vor ein paar Wochen die Anweisung gegeben, welche Claudio nicht ganz verstanden hat. ‚Nimm den Schlüssel meiner Wohnung zu dir, falls mit mir etwas geschieht. Hier ist ein Brief für Angela und gib ihr diesen persönlich. Niemand darf etwas von diesem Brief wissen.’ Diese Worte klingen jetzt Claudio ganz klar in seinem Ohr. Damals staunte er über diese Vorsichtsmaßnahmen welche Gian getroffen hat. Gian musste etwas geahnt haben, aber warum? Vorsichtig, etwas nervös steckt Claudio den von Gian erhaltenen Schlüssel ins Türschloss zu seiner Wohnung. In dieser modernen, eher spartanisch eingerichteten Wohnung auf zwei Etagen war Claudio in den letzten Wochen sehr oft zu Besuch. Sein Freund war sehr ordentlich, nie lagen Kleider, Bücher, Zeitungen oder Teller mit Essensresten umher. Er ist gespannt, was ihn dieses Mal erwartet. Durch einen kurzen Korridor mit je einer Tür auf der linken und auf der rechten Seite geht er langsam in das geräumige Wohnzimmer. Eine weiße Ledergarnitur füllt die rechte Seite des Raumes. Der auf das modernste ausgerichtete Fernseher war der Stolz von Gian. Gegenüber der Wohnungstür steht der Schreibtisch mit der Glasplatte. Wer sich in den roten, bequemen Bürostuhl setzt, blickt über die Terrasse auf das Städtchen mit den grünen Hügelzügen im Hintergrund. Er öffnet die unterste Schublade des Schreibtisches und fasst mit sicherem Griff hinein, um den Brief für Angela heraus zu holen. Nur wenig Papier und Büromaterial liegt in dieser Schublade. In allen Schubladen sieht Claudio nach, ob etwas nicht mehr darin ist, was sein sollte. Auf der Glasplatte steht eine Lampe auf einem rechteckigen Klotz. Auch diesen hebt er an, ein Brief liegt nicht darunter. Auffällig ist, dass keine persönlichen Papiere, die Ordner mit Bank-unterlagen, Versicherungs-Policen, Korrespondenz nicht mehr vorhanden sind. So genau hatte sich Claudio bei seinen Besuchen in Gian’s Wohnung nie umgesehen; er kann nicht feststellen, was fehlt. Falls die drei Lederkombis in dieser Wohnung waren, musste Gian den Brief woanders versteckt haben. Der Versuch, das Handy mit einem Anruf zu suchen ist fehlgeschlagen, kein Läuten ist zu hören. Das Telefon steht nicht mehr auf seinem Platz. Von diesem hört Claudio keinen Ton. Jetzt fällt ihm auf, dass auch der Computer fehlt. Der Brief könnte einen Hinweis auf das Verschwinden von Gian geben, demnach muss er diesen finden. In den Polstersesseln gibt es keine Möglichkeit etwas zu verstauen. Auf der rechten Seite des Raumes steht der lange Esstisch aus Glas mit den sechs Stühlen. Wie oft hatte ihn Gian bekocht; er kannte ein paar spezielle Rezepte aus seiner Heimat. Beim Essplatz findet er kein Versteck für einen Brief. Die Lautsprecher der Musikanlage, diese stehen nicht mehr am Boden. Claudio sieht nach, ob die Musikanlage im Kasten neben der Küchentür steht. Aber dieser wurde ausgeräumt. Claudio setzt die Suche in der Küche fort, wo es bestimmt viele Verstecke für einen Brief gibt. Der Abfalleimer ist leer, die Geschirrspülmaschine ist ebenfalls leer und im Kühlschrank nichts, nicht einmal eine angefangene Mineralwasserflasche. Das Gefrierfach ist abgetaut. ‚Die haben sich viel Zeit gelassen, um die Wohnung leer zu räumen. Um alles wegzubringen brauchte es ein großes Auto. Ob jemandem im Haus ein Auto aufgefallen ist?’ Er öffnet alle Türen zu den Kästen und alle Schubladen. Das Geschirr, die Gläser und das Besteck mit den Kochutensilien wurden zurück gelassen. Claudio nimmt den Stapel mit den Tellern aus dem Kasten und stellt diesen auf den Rüsttisch. ‚Vielleicht hatte er die Möglichkeit eine Notiz unter einem Teller verschwinden zu lassen.’ Leider ist auch zwischen den Tellern nichts. Er sieht sich noch mal ganz genau in der Küche um, ob er nicht noch eine Ecke sieht, um etwas zu verstecken. Zwischen den Kochbüchern hat er noch nicht nachgesehen; auch da ist nichts. ‚Wenn jetzt Gian mir zusehen könnte, würde er verschmitzt lachen.’ Alles ist an seinem Platz, die Küche ist blitzblank sauber. Ein neuer Mieter könnte hier einziehen und sein persönliches Leben führen. Die Lederkombis haben einen Schlussstrich unter dem Leben von Gian gezogen. Traurig steigt Claudio die Wendeltreppe neben dem Durchgang hoch. Er steht im aufgeräumten Schlafzimmer. Schnell und mit einer Wut gepackt reißt er den Überwurf weg, die Bettdecke auf den Boden und tastet die Kopfkissen ab. Das Leintuch reißt er mit einer riesigen Kraft weg. Unter dem Bett ist nichts als etwas Staub zu sehen. Die Schubladen auf der linken Seite der Kommode sind leer. Auf der anderen Seite ist die Unterwäsche von Angela zurück geblieben. Auch zwischen den Kleidungsstücken findet er keinen Brief. Wenn diese schmutzigen Männer die Unterwäsche von Angela berührt haben. Bei dieser Vorstellung wird Claudio geschüttelt. Auch Angela ist sehr sauber und sorgfältig. Jetzt durchsucht Claudio den großen Schrank, öffnet die linke Türe und erschrickt. Einsam hängt der Hochzeitsanzug von Gian an der Stange. Jetzt erst wird ihm bewusst, dass auch er immer noch den Hochzeitsanzug trägt. Er kontrolliert, ob dieser bei der Suche nach dem Brief sauber geblieben ist. Mit flinken Fingern durchsucht Claudio die Taschen des Anzuges, welchen sein Freund bei seiner Hochzeit tragen sollte. Kein Brief, gar nichts, nicht einmal ein Taschentuch findet er. Die Hoffnung sinkt immer tiefer. Hinter der rechten Tür findet er die Kleider von Angela. Sie könnte hier einziehen und in dieser Wohnung weiter leben. Ob sie das wirklich will? Im Bad dasselbe Bild, die Toilettenprodukte von Angela sind vorhanden, aber diejenigen von Gian fehlen. Auch in diesem Raum findet Claudio keinen Brief. Wieder steigt er die Wendeltreppe hinunter und überlegt, wo es noch einen Platz in der Wohnung gibt, um einen Brief zu verstecken. ‚Gian, du hast es mir nicht leicht gemacht.’ Claudio braucht frische Luft, er erstickt in dieser Wohnung und öffnet die Terrassentür. Die Erinnerungen schmerzen, viele Stunden hatte er mit Gian auf der Terrasse am kleinen Tisch gesessen. Wein getrunken, einen Imbiss genommen und diskutiert über die Welt und was wir für die Zukunft zu erwarten haben. Zurück in der Wohnung nimmt er den Schlüssel vom Schreibtisch, wo die ganze Suche begann. Was hatte ihm Gian über diesen Schlüssel gesagt? ‚Der ist auch für den Keller, den Briefkasten und die Garage.’ Wusste Gian, dass er abgeholt werden könnte? ‚Mein lieber Freund, wo hast du den scheinbar so wichtigen Brief versteckt? Du musstest sicher sein, dass die Lederkombis den nicht fanden.’ Er nimmt den Schlüssel, sieht sich nochmals in der Wohnung um und fährt mit dem Lift bis zum Ausgang. Unten angekommen, öffnet er den Briefkasten und sieht hinein. Alles ist dunkel. Er will die Türe schließen, öffnet sie aber wieder, da ist etwas. Mit einer Hand tastet er hinein und nimmt sie mit einem schwarzen Umschlag heraus. Claudio staunt: ‚Gian wusste, dass alles durchsucht wird. Aber den Briefkasten haben die nicht geöffnet, sondern nur durch den Schlitz gesehen. Ein schwarzer Briefumschlag fällt nicht auf.’ Schnell läuft Claudio wieder die Treppe hoch zurück in die Wohnung. Er öffnet den schwarzen Umschlag und da steckt tatsächlich ein Brief für Angela drin. Claudio wählt die Handynummer von Angela, es läutet. Er lässt lange läuten, er versteht es, wenn die unglückliche Braut keinen Anruf entgegen nimmt. Trotzdem, er ist sicher, dass in diesem Brief die Erklärung für das Verschwinden von Gian steht. Angela muss diesen Brief so schnell wie möglich erhalten.

Das spezielle Telefon des Kontaktmannes in Europa klingelt. Der Europäer greift nach seinem Handy auf dem Tisch. Der korpulente Mann, Steve, meldet sich gelangweilt.

Der Kopf: „Diese Idioten haben sich den Sohn des Agenten geschnappt. Suche ihn und bringe ihn wieder nach Hause. Unser Plan darf nicht dadurch gestört werden.“

„Ich weiß nichts davon. Wer hat dir das erzählt.“

„Ich habe meine Quellen. Pass auf, auch du wirst überwacht. Bestätige mir diesen Auftrag.“

„Verstanden. Ich versuche ihn zu finden.“

‚Das hat mir noch gefehlt, dass dieser Milliardär sich in mein Leben einmischt.’ Der Europäer legt sein Handy wieder auf den Tisch.

5.  Im Land des Donnerdrachens

Flug nach Paro in Bhutan

Das kleine Passagierflugzeug gleitet durch die Wolken gegen Osten. Der Visionär Henry Stone und sein Partner Roy Wood sitzen schläfrig in den fürstlichen Sessel der Bhutanischen Airline. Wood wendet sich an Stone: „Bald werden wir auf dem kleinen Flugplatz landen.“ Er löst sich bei diesen Worten von seinen Träumen und setzt sich wieder gerade in den Sessel. Henrys Blick durch das Fenster holen ihn in die Wirklichkeit zurück. „Wow, guck mal Roy, Schnee und Berge. Das müssten die Gipfel des Himalayas sein.“ Die Sonne hüllt die Gipfel der Achttausender ins Licht des Universums ein. „Wo ist der Mount Everest?“ fragt Roy begeistert. Er kennt die Gipfel nicht; die Spitzen reihen sich in verschiedenen Höhen nebeneinander.

Der Landeanflug durch das grüne Parotal zum ländlichen Flughafen Paro im Land Bhutan, ist turbulent. Weiße Häuschen strahlen an den grünen Hängen entlang der kurzen Landepiste. Die farbigen Gebetsflaggen strahlen immer wieder auf. Sie weisen darauf hin, dass ihr Flugzeug in einem Land der Buddhisten landet. Nur wenige Gebäude stehen am Ende der Piste. Viele Flugbewegungen gibt es auf diesem Flugplatz nicht. Die meisten Touristen, welche in das Land des Donnerdrachen reisen, kommen, um sich mit dem Buddhismus und der verschiedenen Klöster zu befassen.

Fahrt ins Land Richtung Kloster

Ein Guide wartet im Hauptgebäude des Flugplatzes in Thimpu, der Hauptstadt des kleinen Landes Bhutan im Himalaya Gebirge. Er wird die beiden Engländer in die Berge fahren, wo der Mönch Yab Yanur sie erwartet. Im Geländewagen geht die Fahrt über Hügel vorbei an meist weißen Steinhäuschen. Die farbigen im Wind flatternden Gebetsfahnen grüßen die Fremden. Es scheint so, als ob diese Fahnen den beiden Engländern Glück wünschen. Die kurvige Straße führt sie immer höher hinauf bis zur nächsten Ebene. In der dünnen Luft auf einer Höhe von beinahe dreitausend Metern haben die Fremden Schwierigkeiten mit dem Atem. Der Guide lenkt das Fahrzeug neben dem Fahrweg auf eine Wiese und lässt die Gäste aussteigen. An einem wunderschönen Platz am Bach, welcher sich hinunter in die Ebene schlängelt, machen Sie eine Pause, um etwas zu Essen und Trinken. Der Fahrer hat für sie alle eingekauft und hoffte, dass es den beiden Männern aus Europa schmecken wird. Bis dahin sind sie von der Schönheit der Landschaft überwältigt, der Hunger wird erst jetzt bemerkbar, bis der Begleiter ein paar Schüsseln auf eine Decke stellt. Fladen dienen als Teller, gegessen wird mit den Fingern.

Nach dem Essen fahren sie wieder durch ein weiteres Tal und über die nächste Hügelkette. Der Fahrer zeigt hinunter ins Grüne Tal: „Da seht ihr am Hang gegenüber diesem Haus. Das ist der Bauernhof, wo ihr übernachten werdet. Am Morgen wird der Mönch Yab Yanur euch abholen und zu seinem kleinen Kloster begleiten.“ Henry Stone nickte: „Also sind wir bald an unserem Ziel angekommen. Wir werden viel Neues, vieles was wir noch nie gesehen und erlebt haben, unbekannte Menschen, Menschen aus einer anderen Zivilisation kennen lernen.“ Henry schaut Roy in die Augen: „Das alles wird eine große Aufgabe für uns beide sein.“ Die Luft bleibt in Roys Kehle stecken; Angst steigt in ihm auf. In welches Abenteuer hat er sich eingelassen?

Übernachtung in einem Bauernhof

Nach einer traumlosen Nacht erwacht Henry im Bett eines Gästezimmers im Bauernhof. Jetzt erinnert er sich wieder. Er steht auf und geht zum Fenster. Die Sonne strahlt ihm ins Gesicht, sofort schließt er seine Augen. Ein undefinierbarer Geruch steigt in seine Nase. Henry lehnt sich durch das geöffnete Fenster hinaus und sieht nach unten. Vor dem Haus ist der Tisch mit dem Frühstück gedeckt. Ein helles Lachen und Worte in einer für ihn unbekannten Sprache dringen durch das Haus. Er dreht sich um und geht zum Bett, wo sein Reisebegleiter Roy immer noch schläft. Er stößt ihn an und noch ein Stupf: „Frühstück, Essen.“ Ruft Henry in sein Ohr, denn er weiß, dass Roy immer auf das Wort Essen reagiert.

Die Bäuerin begrüßt ihre Gäste herzlich und bittet sie Platz zu nehmen. Erst jetzt sehen die beiden den Mönch auf der Bank am Tisch sitzen. Dieser hat sich bereits bedient und mit lauten Kaubewegungen seinen Blick auf Henry und dann auf Roy gerichtet. Mit durchdringenden Augen sieht er die Fremden an, welche seine neuen Schüler werden wollen. Ein Lächeln und die einladende Handbewegung um Platz zu nehmen lockert die Stimmung auf. „Ich bin Yab Yanur.“ Er erhebt sich ein bisschen von der Bank und mit einer leichten Verbeugung stellt sich der Mönch vor. „Ach, Sie sprechen unsere Sprache?“ fragt Henry erstaunt. „Ich lebte ein paar Jahre in eurem Land, bei deinem Lehrer.“ erklärt Yab Yanur. „Nach dem Frühstück gehen wir zu Fuß weiter hinauf zu unserem kleinen Kloster. Es wird sehr kalt sein für euch. Zieht warme Kleider an.“

„Das haben wir bereits, mir ist jetzt schon sehr kalt.“ Antwortet Roy. Auf Bildern hat diese Landschaft einen prächtigen Eindruck auf die beiden Engländer gemacht. Aber jetzt, wo sie wirklich hier sind, fühlen sie sich unbehaglich. Der Mönch schaut Roy verständnisvoll an: „Bald wird es dir wieder besser gehen. Die dünnere Luft hier oben macht allen in den ersten paar Tage zu schaffen. Immerhin sind wir jetzt auf dreitausend Meter Höhe. Und wir steigen noch höher bis beinahe viertausend Meter. – Wir werden ganz langsam gehen, die Zeit bleibt jetzt stehen. Wir müssen uns nicht beeilen.“ Roy ist überzeugt: „Wir können uns genügend Zeit lassen, bis wir die Übungen beherrschen.“ und Roy informiert Henry: „Wir haben bis heute keinen neuen Auftrag.“

„Da bin ich nicht so sicher.“ wendet Yab Yanur ein und lächelt wieder. Henry sieht ihn erstaunt an und fragt sich, woher er das wissen will. Henry Stone und Roy Wood haben in London für Scotland Yard gearbeitet. Durch die visionären Fähigkeiten von Henry kamen viele Anfragen aus aller Welt. Der Chef durfte Stone nicht noch einmal an ein anderes Land ausleihen. Deshalb haben sich die beiden entschlossen, eine eigene Firma zusammen mit ihrer Kollegin Rachel ein Detektivbüro aufzubauen. Der Lehrer von Henry hat die Verbindung zu Yab Yanur hergestellt, damit die beiden ihre Fähigkeiten erweitern können. Je mehr sie können, umso mehr Chancen auf neue Aufträge erhalten sie mit der jungen Firma.

Auf dem Weg zum Kloster in den Bergen

Die drei Männer, der Mönch Yab Yanur, Henry Stone der Visionär und sein Partner Roy Wood bewegen sich ohne ein Wort zu reden in die Richtung des Klosters. Der Fußweg steigt in Serpentinen stetig bergauf. Yab geht leichten Fußes den Pfad hinauf, immer mit seinem Ziel vor Augen, das Kloster zu erreichen. Henry muss immer wieder stehen bleiben und tief durchatmen. Die dünne Luft macht ihm zu schaffen. Roy’s Blick sucht die Hügel und Berge ab, ob das Kloster bald sichtbar wird. Er hat Bilder vom Kloster gesehen, weshalb er glaubt, dieses auf diesen Hügeln erkennen zu können. Nach scheinbar wenigen Minuten später wird ein Wasserfall sichtbar, umrahmt von einem prachtvollen Regenbogen. Die sieben Farben leuchten und freuen sich über die neuen Gäste. Henry fühlt, wie ihn die kostbaren Energien einhüllen. Die Freude auf das, was kommen wird, ergreift sein Herz. Mit vielen weiteren Schritten kommen sie beim stürmenden Wasser an. Yab streckt den beiden Engländern ein Gefäß entgegen. „Jeder Gast bringt Wasser in unser Refugium. Das brauchen wir für den täglichen Bedarf. An jedem Tag holt ein anderer von uns das frische Wasser. Es ist besonders für die Gesundheit förderlich, was bei euch Europäern die Medizin ist.“

In Hochburg läuft die Fahndung nach Gian

Inzwischen laufen die Telefonleitungen in der Polizeistation des kleinen Städtchens Hochburg heiß. Der Betreuer, Nick Keller, welcher für die Familie von Gian eingesetzt wurde, diskutiert mit dem Verantwortlichen der Polizei. Nach der Ermordung des Vaters Reto Horn, ist wurde seine Familie im Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Gian wurde vor einem Jahr von der Med-tec als Ingenieur angestellt. Für die Behörden ist er ein ganz gewöhnlicher Bewohner der Stadt gewesen. Er ist nie besonders aufgefallen, außer dass er die Tochter des Fabrikanten heiratet. Der Geheimdienst Agent fordert alle Unterlagen, welche die Polizei für die Suche zusammen getragen haben, heraus. Erst nach einem heftig geführten Telefongespräch mit dem Polizeipräsidenten, gibt der Postenchef die Einwilligung Kopien seiner Dokumente auszuhändigen. Die Polizeimänner holen das Dossier mit ihren Notizen aus einer Schublade. Nick Keller, der zustände Beauftragte für die Familie von Gian, blättert im sehr schmalen Dossier, schaut die Polizisten an und fragt: „Ist das alles?“ alle nicken und drücken ihr Bedauern mit den in Grimmassen verzogenen Gesichtern aus. „Na ja, sehr weit seid ihr nicht gekommen.“ Er sieht zum Postenchef und meint: „Ab jetzt übernehmen wir die Suche. Das ist Sache des Geheimdienstes.“ Die um ihn herumstehenden Polizeimänner sehen sich erstaunt an. Bis heute ist keinem bewusst gewesen, dass Gian mit dem Geheimdienst zu tun hat. „Wir werden einen Spezialisten beauftragen.“ Nick Keller, der Agent von Berlin, grüßt die sich wundernden Polizisten mit einem Kopfnicken und geht, mit dem Dossier unter dem Arm auf die Straße hinaus.

Im Kloster

Die Gäste im kleinen Kloster stehen im Garten und genießen die Schönheit der Landschaft. Ganz unverhofft stellt sich Yab Yanur neben seine Schüler. Sie haben seine Schritte nicht gehört. „Kommt, ihr habt bestimmt auch Hunger, wir essen jetzt. Nach dem Essen werden wir uns mit der Levitation befassen. Das ist die wichtigste Grundlage, damit ihr euch schnell und ungesehen von einem Ort zum anderen bewegen könnt.“ Roy gibt seinen Kommentar ab: „Das ist praktisch, dann können wir uns die Reisekosten sparen.“ Yab sieht ihn schmunzelnd an: „Dafür lauern andere Gefahren auf euch. Wartet es nur ab, damit wirst du und Henry ziemlich zu kämpfen haben.“ Die kleine Gruppe von Mönchen erwarten ihre Gäste an einem langen Tisch, welcher im größten Raum des Klosters steht. Schalen mit Reis und verschiedene Gefäße mit unbekannten Inhalten gefüllt, stehen auf dem Tisch. Yab bittet die beiden Engländer sich an den Tisch zu setzten: „Wir haben für euch zum Empfang ein Festtagsmenü vorbereitet. Bitte greift zu, es wird euch zwar wundern, aber es schmeckt vorzüglich.“ Roy muss sich zusammen nehmen, dass er nicht alle Schalen allein leer isst. In dieser Höhe und der frischen Luft wird der Hunger noch viel größer.

Frisch gestärkt und erholt von den Strapazen des Fußmarsches führt Yab Yanur seine Schüler hinaus in den Garten. Der jüngste der Mönche, Shin-wa geht den Dreien voran, er trägt eine mittelgroße Klangschale. Henry und Roy gehen ohne weitere Fragen zu stellen hinter dem jungen Mönche her. Murmelnd bildet Yab Yanur den Schluss der kleinen Gruppe. Der Weg führt zurück zum Wasserfall, woher sie gekommen sind. Durch das vom obersten Fels herab fließenden Wasser bildet sich ein Regenbogen. Durch die Farben wird die ganze Natur in eine Zauberwelt umhüllt. Die wild wachsenden Blumen mit ihren Düften lassen die Schüler in eine andere Welt schweben. Shin-wa stellt die Klangschale auf einen Stein und wartet auf ein Zeichen von seinem Meister, um diese zum Erklingen zu bringen. Jetzt stellt sich Yab Yanur vor die beiden Engländer, zeigt auf die Schale und Shin-wa schlägt leicht mit dem Holzstab auf die Schale. Der dunkle Ton umhüllt die Männer und die Natur und fließt mit dem Wasser des Falles hinunter ins Tal. Jetzt hat sich ein unsichtbares Band um die Gruppe geschlossen. Sie sind gemeinsam ein Ganzes. Yab Yanur beginnt zu sprechen: „Wir freuen uns, euch an unserem Refugium begrüßen zu dürfen. Ihr könnt stolz sein, dass ihr auserwählt wurden. Nicht alle Menschen haben die Fähigkeiten und die Möglichkeit diese Spiritualität zu lernen. Heute lernt ihr, eure persönlichen Verbindungen ins Universum zu erreichen. ----- Haltet eure Hand ein paar Zentimeter über eurem Kopf. Da fühlt ihr euer Kronen-Chakra. Das ist der Kontaktpunkt, ab hier könnt ihr die Verbindung durch euren Kanal ins Universum erreichen. Es sind neun Farbstränge an welchen die höheren Chakras mit ihren besonderen Wirkungen und Aufgaben angelegt sind. Um diese Chakren zu aktivieren, sind Übungen notwendig. Das ist die Grundlage für alle Lektionen, welche wir euch lehren.“ Die Hände der Schüler fühlen über ihren Köpfen die Wärme, ein Wärmestrahl, welcher nicht vom physischen Körper stammt. Die Zeit vergeht, Henry und Roy arbeiten mit Yab Yanur und Shin-wa viele Lektionen durch.

Die Sonne neigt sich langsam im Westen hinab. Es wird immer dunkler und auch kälter. Vor dem weggehen haben Henry und Roy warme Kleider unter dem gelben Umhang, welchen sie von den Mönchen erhalten haben, angezogen. Mit diesen Umhängen sind sie als Lehrlinge gekennzeichnet. Nach den verschiedenen Übungen leitet Yab Yanur die sehr wichtige Übung zur Levitation ein: „Stellt euch vor, ihr klettert an einem Seil hoch, bis ihr fühlt, dass sich eine Verbindung zu einer höheren Ebene ergibt. – Und dann bringt eure Aufgabe, die ihr erledigen wollt, auf den Punkt. Bestimmt euer ganz genau beschriebenes Ziel und wartet, ob es so abläuft, wie ihr es euch vorgestellt habt.“ Die beiden Lehrlinge Henry und Roy schauen sich an und überlegen, welche Aufgabe zum heutigen Zeitpunkt sehr wichtig sein wird. Yab Yanur sieht es den beiden an, sie sind sich nicht klar darüber, welches Ziel sie ansteuern sollen. „Wäre es nicht angenehm gewesen, wenn ihr auf den Fussmarsch hoch zum Kloster hättet verzichten können?“ Roy beginnt zu strahlen: „Fliegen? Einfach so fliegen, ohne Flugzeug?“

„Du hast es erfasst, Roy. Wir machen zuerst ganz kleine Sprünge und dann immer grössere. Zuletzt könnt ihr zurück nach London fliegen ohne Flugzeug.“ Yab lächelt über die erstaunten Gesichter seiner Schüler. „Für das Gepäck braucht ihr unsere Hilfe. Shinwa und ich fliegen mit euch mit. Shin-wa ist ein Meister im Bestimmen der sicheren Route. Über die Kriegsgebiete dürft ihr nie fliegen.“ Yab konzentriert sich, bald schwebt er ein paar Zentimeter über dem Boden, steigt immer höher bis er mit seinen Füssen auf der Höhe der Köpfe von Henry und Roy ist. Langsam sinkt der Mönch wieder auf den Boden zurück. Ein Bann umgibt die kleine Gruppe, Nebelschwaden steigen auf, der Regenbogen ist verschwunden. Yab erklärt seinen staunenden Lehrlingen wie er das Schweben soeben gemacht hat: „Dem sagt man Levitation*. Bestimmt habt ihr auch schon davon gehört.“ Sie nicken mit ihren Köpfen. Die nächsten Anleitungen folgen, sie üben und freuen sich über jeden gelungenen Versuch sich vom Boden abzuheben. Der Klang der Schale begleitet sie in die Tiefe des spirituellen Handelns. Der letzte Versuch soll sie über den ganzen Weg zurück zum Kloster bringen. Ihre Konzentration reicht noch nicht lange genug aus, immer wieder sinken sie auf den Boden. Sie wollen sich nicht schämen und versuchen es immer wieder, bis sie vor dem Kloster stehen. Die Mönche erwarten sie mit einer Schale voll mit Früchten. „Esst etwas vor dem Schlafen, damit ihr nicht aus dem Bett und Zimmer schwebt. – Mit Levitation könnt ihr auch Gegenstände bewegen. Das wird notwendig, damit ihr auch eure Taschen mitnehmen könnt. Wenn ihr zurück nach London fliegt, muss euer Gepäck mitkommen. Ihr könnt auch für euch üben, aber bitte nicht die ganze Nacht hindurch, der Schlaf ist notwendig. Morgen werden wir weiter machen, bis ihr das Wichtigste kennt. Und nun wünsche ich euch eine gute Nacht.“ Die Mönche verneigen sich und auch Henry und Roy tut es ihnen gleich. Nun gehen die Mönche mit einem Ritual um das Kloster herum. Sie wedeln mit einer Art Fächer auch im Schlafraum von Henry und Roy. Diese wundern sich immer weniger über alles, was die Mönche tun. Für irgendetwas wird es Sinn machen. Sie freuen sich auf den nächsten Tag; welche Zaubereien werden sie erwarten? Mit diesen Gedanken schlafen sie ein.

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne in den Raum. Goldenes Licht erhellt die Sinne und Herzen der Gäste. Schnell werfen sie ihre gelben Umhänge um sich herum und treten in den Garten. Die Blumen leuchten im Sonnenlicht. So gewaltig haben sie es noch nie gesehen. Unter einem riesigen Baum, die Krone überdeckt einen großen Teil des Gartens, entdecken sie die Mönche. Roy will sofort losgehen, um sich ebenfalls unter diesen Baum zu stellen. Aber Henry hält ihn zurück und erklärt ihm, dass diese Übungen zu deren Morgenritual gehören. „Auch wir sollten ein Morgenritual machen.“ meint Roy. Henry ist auch dieser Meinung, nur sollten sie sich ein eigenes erarbeiten. In London gehört die Morgentoilette, das Frühstück, lesen der Morgenzeitung und noch mehr zum Ritual. Hier in diesem Heiligen Land ist es anders. Sie gehen ein Stück hinter das Kloster, wo eine Sitzbank mit Stühlen steht.

Auf dem Tisch stehen zwei Schüsseln mit einem Brei, einem Fladenbrot und zwei Gläser mit Wasser. „Das ist unser Frühstück!“ freut sich der immer hungrige Roy. Henry nickt: „Die denken an alles. Setzen wir uns und essen, damit wir für die nächsten Lektionen bereit sind.“ Henry nutzt die Gelegenheit und wiederholt das was sie am Vortag gelernt hatten. Langsam heben seine Füße vom Boden ab und er versucht sich zu einem Stuhl vor dem Tisch zu bewegen. Beinahe hat er sich daneben gesetzt. Ein Strahlen geht über sein Gesicht, er freut sich, dass die erste Lektion gelungen ist. Sein Partner ist ungeduldig, er hat bereits mit dem Essen begonnen. Erstaunt sieht er Henry an und denkt: ‚Dieser Streber’. In diesem Augenblick erscheint Yab Yanur mit dem jungen Mönch Shin-wa. „Auch du Roy, solltest jede Gelegenheit nutzen, um zu üben. Wenn ihr da draußen seid, muss alles auf Anhieb gelingen. Wenn ihr einmal etwas falsch macht, kann es zu einer kleineren oder sehr großen Katastrophe führen.“ Yab gibt den beiden die Anweisung, nach dem Essen zum Baum zu gehen. Über kurze Distanzen sich zu bewegen gelingt beiden sehr gut. „Seht ihr dort unten im Tal fließt ein Fluss. Über diesen Fluss gibt es eine Brücke. Seht ihr?“ Yab zeigt mit seinem Stab hin bis zum Horizont. Im Dunst ist ein feiner Strich sichtbar, welcher die Brücke sein soll. „Wie weit ist es bis dorthin?“ will Henry wissen. „Wenn ihr alles zu Fuß gehen müsst, ungefähr einen Tag.“ Roy staunt: „So weit? Und wie lange brauchen wir mit der Levitation?“ Shin-wa lacht: „Nur ein paar Sekunden.“ Die Lehrlinge üben gemeinsam Schritt für Schritt mit je einem der Mönche an der Hand, damit nichts schief geht. In bald einer Stunde sind sie für den großen Sprung bereit. Shin-wa steht mit Henry an der Hand mitten auf der Brücke, aber Roy ist unsicher geworden, wonach er mit seinem Begleiter Yab mitten im Fluss landet. Roy entschuldigt sich bei Yab. „Nächstes Mal gelingt es auch dir. – So und jetzt versucht ihr allein den Weg zurück zum Kloster. Wir kommen hinten nach, damit wir euch auffangen können, falls etwas schief geht.“ Diesmal hat alles gut geklappt, alle stehen wieder unter dem Baum. Yab erklärt: „Wenn uns jetzt jemand zugesehen hätte, dann wären wir sichtbar gewesen. Leute, die sich nicht gewohnt sind, dass ungewöhnliche Dinge geschehen, hätten sie die Polizei gerufen. Die nächste Arbeit ist, uns unsichtbar zu machen. Auch andere Menschen können verschwinden. Dabei müsst ihr wissen, dass ihr alles hört und seht was im Raum geschieht. Nur, wenn ihr euch unsichtbar gemacht habt, dürft ihr unter gar keinen Umständen jemanden anfassen oder einen Gegenstand in die Hand nehmen. Die Umwandlung geht sofort zurück und ihr werdet wieder sichtbar. Die vier Männer machen verschiedene Übungen bis zum Sonnenuntergang. Dazwischen ruhen sie sich aus, essen und trinken eine Kleinigkeit. Mit neuer Kraft und Mut arbeiten die beiden Lehrlinge die nächsten Tage an den Übungen der Levitation, Telekinese und Teleportation*. Sie lassen Gegenstände unterschiedlicher Größe durch die Luft schweben und diese an einem anderen Platz wieder absetzen.

Am nächsten Morgen ist Yab Yanur sehr unruhig. Er informiert Henry und Roy über die Kontakte mit einem Agenten aus Deutschland. „Nick hat mich in der letzten Nacht gerufen. Wir haben seit längerer Zeit immer wieder Kontakt, wenn er eine schwierige Situation hat. – Vor ein paar Tagen wurde der Sohn eines Geheimagenten entführt. Nick hat mich gebeten ihm zu helfen. Als Mönch kann ich nicht einfach so in Europa herumreisen, und an die Türen klopfen, um zu fragen ob sie den jungen Mann gesehen haben.“ Roy ist erstaunt: „Du kannst doch sehen, wo er ist.“ Der Mönch stöhnt: „Auch wir können nicht einfach so nach sehen, wo jemand steckt. Wenn unsere Verbindungen nicht klar genug sind, können wir nichts sehen. Dieser Fall ist sehr schwierig. Ich stoße immer wieder auf Widerstände. Das, meine Lieben, ist für mich ein Zeichen, dass wir uns auf eine überaus schwierige Übung einstellen müssen. Also gehen wir an die Arbeit.“ Sie befassen sich mit der Dematerialisierung, Auflösung eines Körpers bis er nicht mehr sichtbar ist. Materialisierung, die Atomteile eines Körpers wieder zusammenfließen lassen, bis er wieder sichtbar ist. Auch Yab Yanur hat nur wenig Erfahrung mit dieser Aufgabe. Er holt Hilfe aus dem Jenseits, bei seinem verstorbenen Lehrer. Dieser erscheint als Nebelschleier lachend, das nur in den Köpfen der Anwesenden hörbar ist: „Du hast das nicht für wichtig gehalten, damals.“ Zuerst versuchen sie durch den dicken Baumstamm zu gehen. Einige Male probieren sie es, mit der Zeit geht alles sehr leicht. Diese Übungen trainieren sie beim Wasserfall, wo ein großer Felsklotz steht. Sie schweben mutig hoch und stellen sich vor dem Felsen auf. Shin-wa prüft, wie es auf der anderen Seite des Felsens ist. „Ihr dürft nicht allzu schnell durchgehen, sonst landet ihr unter dem Wasserfall.“ Yab geht als erster: „Allzu langsam dürft ich auch nicht gehen, denn sonst bleibt ihr stecken.“ Er hält seine Arme hoch, hält die Hände an seinen Farbkanal über dem Kopf und nimmt Kontakt mit seinen höheren Energien auf. Ein weißer Strahl schießt in sein Kronen-Chakra und erhellt den ganzen Körper in ein weißes Licht. Vorsichtig geht er einen Schritt nach dem anderen zum Fels, dieser verschmelzt sich mit dem weißen Licht, bald ist von dem Mönch nichts mehr zu sehen. Shin-wa geht zur anderen Seite des Felsens, in diesem Augenblick rutscht Yab durch die graue Masse und fällt beinahe ins Wasser. Er strahlt und lacht: „Es hat funktioniert! – So, jetzt ihr beide, zuerst du Shin-wa und dann Henry und zuletzt Roy.“ Der junge Mönch bereitet seinen Körper vor und dann schreitet er durch den Fels, als ob ein Tor dastehen würde. Die beiden Mönche warten ungeduldig auf der anderen Seite des grauen Brockens. Für Henry ist diese Übung etwas schwieriger. Es dauert länger, bis das weiße Licht einströmt. Aber dann geht er ganz schnell, damit seine Unsicherheit ihn nicht abbremst. Roy sieht nur noch wie Henry auf den Felsen zuschreitet und bald darauf in der Masse verschwindet. Yab guckt fragend neben dem Fels hervor zu Roy. Dieser gibt ihm ein Zeichen, Henry ist im Brocken drin. Der Mönch wird unruhig, allzu lange darf er nicht hier drin bleiben. Sobald sich die Dematerialisierung auflöst, wird Henry erdrückt. Er bereitet sich vor, um Henry heraus zu holen. In diesem Augenblick erscheint Henry vor dem Fels, an seinen Händen blutet er. Der junge Mönch löst den Fels um Henry herum und hilft ihm aus dem Steinbrocken zu gleiten. „Das war knapp.“ Henry atmet schwer, er ist verwirrt. „Was hab ich falsch gemacht?“ Alle gehen auf die Seite von Roy und sehen, wie dieser sich vorbereitet, um das weiße Licht zu empfangen. Schnell geht Yab zu Roy und hält ihn zurück. „Ich möchte, dass du zuerst einige Male versuchst den Kontakt mit dem Licht aufzunehmen. Wenn das gut geht, gebe ich dir das Zeichen zum Gehen.“ Der strebende Roy ist beleidigt, hat er es doch sehr gut hinbekommen, um sich mit dem weißen Licht zu verbinden. Einige Male musste er beweisen, dass er es kann, dann gibt Yab Yanur ihm das Zeichen zum Gehen. Sehr schnell rutscht er durch den Fels hindurch und steht unter dem Wasserfall. Triefend nass kommt er zurück zu den anderen. Für diesen Tag haben sie viel erreicht.

Zurück im großen Gemeinschaftsraum erklärt Yab Yanur: „Bedenkt, dass dieser Felsen nur ein kurzes Stück war. Wenn es wirklich so ist, wie ich vermute, dann werdet ihr wesentlich breitere Betonwände durchschreiten müssen. Hinzu kommt, den jungen Mann Gian werdet ihr mitnehmen müssen. Das werden wir in den nächsten Tagen trainieren. Die Intuition ist für eure Aufgaben eine wichtige Voraussetzung. Von dir Henry weiß ich, dass du die drei Hell schon anwendest.“ Roy sieht seinen Partner staunend an: „Was ist Hell?“ Henry erwidert erstaunt: „Du hast dich auch mit dem Hellsehen, Hellfühlen und Hellhören befasst.“ Roy erinnert sich: „Das ist selbstverständlich.“ Yab Yanur macht sich bemerkbar: „Diese Fähigkeit der drei Hells sind die Voraussetzung für diese Übungen die ihr in den letzten Tagen erfolgreich gemacht habt.“ er wendet sich an Roy: „Ganz besonders von dir bin ich überrascht, was du erreicht hast.“ Der Partner von Henry freut sich, dass auch er für einmal gelobt wird. Meist steht er immer im Schatten des Visionärs.

In den nächsten Tagen werden die verschiedenen Fähigkeiten gefestigt, damit sie für die großen Aufgaben gewappnet sind. Die Befreiung des jungen Mannes, Sohn eines Geheimagenten, wird zum Thema. Yab Yanur bereitet die Engländer auf das, was auf sie zukommen könnte, vor. Henry will so schnell wie möglich zurück nach London in die Zentrale. „Unsere Assistentin Rachel muss für uns einige Recherchen erledigen, damit wir mit der Suche starten können.“ Yab Yanur macht den Vorschlag: „Macht jetzt Gebrauch vom Gelernten und beamt euch nach England. Bitte denkt daran, ihr müsst unsichtbar sein.“ Roy denkt weiter: „Und, wie nehmen wir unser Gepäck mit?“ Yab Yanur sieht Shin-wa an: „Wir bringen euch dieses nach. Ihr bereitet euch vor und schwirrt ab. Aber vorher erklärt euch Shin-wa welche Route ihr wählen müsst.“

Zurück in London

Mit einem Knall fallen Henry und Roy im Londoner Büro auf den Boden. Die Sekretärin Maggie erschreckt sich und fällt beinahe vom Sessel. „Du meine Güte, was ist mit euch geschehen?“

„Unser Gepäck folgt.“ Kaum gesagt, folgt wieder ein Knall und die beiden Mönche stehen mit dem Gepäck im Raum. Sie kommt nicht aus dem Staunen heraus. Nachdem sie sich wieder gefangen hat, berichtet Maggie den beiden, dass Anschläge in ganz Europa erwartet werden.

6.  Angela und Claudio

In der Stadtwohnung von Gian und Angela

Nach den Verwirrungen am Tag der Hochzeit, versucht Angela alles wieder auf die Reihe zu bekommen. Viel Zeit hat sie mit Gian in seiner Stadtwohnung verbracht. In seiner Gegenwart war sie vom Glück, der Freude und von der Zufriedenheit erfüllt. Heute erlebt sie in der Wohnung nochmals diese Gefühle. Angelas Mutter hofft, dass sie wieder in die Villa umziehen wird und die Wohnung auflösen. Darf sie die Wohnung von Gian auflösen? Der verlassenen Braut fällt dieser Schritt sehr schwer. In diesen Räumen fühlt sie sich, auch wenn Gian nicht hier ist, ihm nahe. Ihr Vater Franco nimmt scheinbar alles leichter, obwohl er viel für diese Hochzeit bezahlt hat. Er sagt, die Zeit heilt die Wunden. „Bald wirst du einem anderen Mann begegnen. Ich hoffe, jener wird sich besser in unsere Familie einfügen.“ Seine Tochter ist über diese Aussage erschüttert: „Du hast ihn noch nie wirklich gemocht. Warum hast du ihn angestellt?“ Verlegen über diese Frage, welche er seit der Anstellung von Gian, immer wieder auch von seiner Frau hören muss. Er versucht klar zu stellen, dass dieser Mann eine hervorragende Ausbildung als Ingenieur genossen hat. Der Lebenslauf, die Zeugnisse und seine Erfahrungen welche er in der Entwicklung von Apparaten hat, diese Unterlagen sind im Personaldossier von Gian Caminada nicht mehr vorhanden. Angela suchte nach Antworten, aber sie findet nirgendwo einen Hinweis. Alles was sie über Gian weiss, hat er ihr erzählt.

Nach der Entführung von Gian, ist Franco klar geworden, wie vielen Gefahren die Firma Med-tec ausgesetzt ist. Er als Geschäftsführer trägt die Verantwortung für seine Mitarbeiter und die Besitzer der Firma. Sollte Angela endgültig in die gemeinsame Wohnung von Gian umziehen, kann ihr Vater Franco sie nicht mehr beschützen. Angela betrachtet seine Besorgnis als Kontrolle über sie.

Claudio hat Angela gebeten, so schnell wie möglich in ihre und Gians Wohnung zu kommen. Der Freund von Gian steht auf der Terrasse und schaut über die Dächer der kleinen Stadt Hochburg. Oft hat er mit seinem Freund Gian hier gesessen, über die Zukunft der Wirtschaft und die Welt geredet. Er schaut hinunter zur Eingangstür, ob Angela bald kommt.

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