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Sieben Nächte in seinem Bett

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PROLOG

Tara Matthews hasste Hochzeiten.

Sie war Einladungen dazu immer erfolgreich aus dem Weg gegangen – bis sie die Westmorelands kennenlernte. Jetzt nahm sie innerhalb von achtzehn Monaten schon zum dritten Mal an so einer Feier teil, und einmal, bei der ihrer Freundin Delaney Westmoreland, war sie sogar die Trauzeugin gewesen.

Diesmal feierte sie mit all den anderen Gästen im Ballsaal eines großen Hotels in Atlanta die Eheschließung von Delaneys Bruder Dare mit Shelly Brockman.

Seit zwei Jahren waren die Westmorelands so etwas wie ihre Familie. Auslöser dafür war ein fatales Ereignis an dem Tag, der eigentlich der schönste in ihrem Leben hätte werden sollen. Stattdessen verkehrte er sich in einen Albtraum. Damals verkündete ihr Bräutigam, der Mann, den sie liebte und von dem sie sich geliebt glaubte, vor dreihundert geladenen Gästen, dass er es sich anders überlegt hatte. Statt sie zu heiraten, nahm er ihre Trauzeugin – die Frau, die fünfzehn Jahre lang ihre beste Freundin gewesen war.

Zutiefst verletzt und gedemütigt, verließ Tara am Tag darauf Bunnell und Florida und schwor sich, nie mehr zurückzukehren.

Sie fand eine Stelle als Kinderärztin in einem Krankenhaus in Bowling Green, Kentucky. Dort lernte sie Delaney, eine Kollegin, kennen und freundete sich mit ihr und vier ihrer Brüder an, mit Dare, Stone und den Zwillingen Chase und Storm. Mit Delaneys fünftem Bruder Thorn sah das anders aus, da ihr erstes Zusammentreffen weniger glücklich verlaufen war. Wegen seiner Übellaunigkeit waren sie gleich aneinandergeraten. Seitdem mied Thorn weitere Begegnungen mit ihr nach Möglichkeit, das kam ihr sehr entgegen. Mit seiner imposanten Körpergröße von fast einem Meter neunzig und seinen markanten, attraktiven Zügen sah er ausgesprochen sexy aus, und so einen brauchte sie im Moment am allerwenigsten. Allerdings musste sie dagegen ankämpfen, sofort an nackte Körper, seidene Bettlaken und aromatisch duftende Kerzen zu denken, sobald sie ihn sah.

Tara seufzte und machte sich auf den Weg zu den Toiletten, um ihr Make-up aufzufrischen.

Demnächst würde sie von Kentucky nach Atlanta ziehen. Diesen ungeplanten Ortswechsel verdankte sie einem älteren verheirateten Kollegen, der sich in den Kopf gesetzt hatte, sie in sein Bett zu bekommen. Da sie seine Avancen deutlich abwehrte, hatte er sich darauf verlegt, ihr die Arbeit schwer zu machen. Schließlich bat sie um Auflösung ihres Vertrags, und diesem Wunsch war man im Krankenhaus gern nachgekommen, um einem Verfahren wegen sexueller Belästigung aus dem Weg zu gehen.

Auf dem Weg zurück in den Ballsaal war sie so damit beschäftigt, ihre Schminkutensilien wieder in ihrem Täschchen zu verstauen, dass sie den Mann, der aus der Männertoilette kam, erst wahrnahm, als sie unsanft mit ihm zusammenstieß.

„Oh! Ich bitte um Entschuldigung, ich hatte nicht …“ Sie verstummte, als sie feststellte, dass es Thorn Westmoreland war. Er schien ebenso überrascht zu sein wie sie.

„Thorn!“

„Hallo, Tara.“

Er klang irritiert. Offenbar ärgerte er sich wegen ihrer Ungeschicklichkeit, dabei hatte er genauso wenig darauf geachtet, wohin er ging. Tara beschloss, ausnahmsweise großzügig über seine miese Laune hinwegzugehen. „Tut mir leid. Ich habe nicht aufgepasst“, entschuldigte sie sich noch einmal.

Anstelle einer Antwort runzelte er die Stirn und sah sie an. Tara hatte keine Lust, im Gang herumzustehen, und so machte sie Anstalten, an ihm vorbeizugehen. Dabei erst fiel ihr auf, dass er eine Hand auf ihren Arm gelegt hatte.

„Du kannst mich jetzt loslassen, Thorn.“

Statt ihrem Wunsch nachzukommen, verstärkte er den Griff und murmelte etwas, das klang wie: „Nein, das kann ich nicht.“

Und dann, aus heiterem Himmel, küsste er sie.

Ihr erster Impuls war, sich zu wehren, doch nach kurzem Zögern kam sie zu dem Schluss, dass es klüger sein könnte, einfach mitzumachen. Vielleicht schaffte sie es auf die Art und Weise, das Kapitel Thorn endlich abzuhaken, denn seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, spukte er durch ihre Gedanken. Das fand sie peinlich. Allerdings war er wesentlich attraktiver als alle anderen Männer, die ihr je über den Weg gelaufen waren. Und das schloss Derrick Hayes ein, den Mann, den sie einmal hatte heiraten wollen.

Zu allem Überfluss musste sie jetzt auch noch feststellen, dass Thorn unglaublich gut küsste. Sein Kuss heizte ihr so sehr ein, dass sich ihr Magen zusammenzog und ihr heiß wurde. Widerstreitende Gefühle flammten in ihr auf und drohten sie zu überwältigen. Als er mit seiner Zunge ihren Mund erforschte, entschlüpfte ihr ein leises Stöhnen. Jeden kleinen Laut, den sie von sich gab, erstickte er mit seiner Leidenschaft, bis sie völlig willenlos war.

Er küsste sie, als hätte er das Recht dazu, und sie fühlte sich machtlos in seinen Armen. Seine Hände rutschten auf ihren Po, und instinktiv drängte sie sich noch enger an ihn, bis sie seine Erregung spürte. Wie unter Zwang umfasste sie seinen Nacken, und Thorn hob sie hoch und presste sie an sich. Er schmeckte nach Champagner und Abenteuer, und auf einmal packte sie eine solche Lust, ein solches Verlangen, dass ihr davon schwindlig wurde.

Als Thorn ihren Mund schließlich freigab und sie auf dem Boden absetzte, waren sie beide atemlos. Er ließ sie nicht los, sondern hielt sie in den Armen und liebkoste ihren Hals, ihr Kinn und ihre Lippen, dann küsste er sie erneut mit dieser verzehrenden Leidenschaft, bei der ihr die Knie weich wurden.

Es war Wahnsinn, das wusste sie, trotzdem stöhnte sie vor Lust auf, einer Lust, die sie nie zuvor, bei keinem Mann bisher, empfunden hatte. Ihr Verlangen steigerte sich ins Unerträgliche. Als er den Kuss schließlich beendete, sank sie erschöpft an seine Brust. Sie war siebenundzwanzig Jahre alt und bisher noch nie auf diese verzehrende Weise geküsst worden.

Langsam kam Tara wieder zu sich, als Thorn sich von ihr löste. Sie ließ die Hände von seinen Schultern gleiten und sah zu ihm auf. Ärger lag in seinem Blick. Er schien wütend auf sich zu sein, weil er sich vergessen hatte und weil sie mitgemacht hatte. Ohne ein Wort wandte er sich ab und ließ sie einfach stehen. Er drehte sich auch nicht nach ihr um. Erst als er nicht mehr zu sehen war, atmete Tara tief durch.

Ihre Lippen brannten, und sie strich nervös mit der Zungenspitze darüber, während sie sich bemühte, ihre Selbstbeherrschung wiederzuerlangen. Ein Gutes hatte dieser Kuss immerhin gehabt, er verbannte Thorn ein für alle Mal aus ihren Gedanken. Jedenfalls war sie mehr denn je entschlossen, ihn auch in Zukunft unter allen Umständen zu meiden.

Sie hatte ihre Lektion vor zwei Jahren auf die harte Tour gelernt. Liebe nach dem Motto „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ war ihr nicht bestimmt.

1. KAPITEL

Drei Monate später

Die Formen waren vollkommen, Wirklichkeit gewordene Männerfantasie. Thorn Westmoreland atmete tief durch. Jedes einzelne Detail stimmte, jede einzelne Linie und Rundung saß. Der Anblick ließ seinen Adrenalinpegel steigen. In ihrer ganzen eleganten Anmut war sie ein Kunstwerk, und er musste sie unter sich fühlen, das Vibrieren spüren, sich diesem Rausch hingeben.

Sein Magen rumorte, und er streckte eine Hand aus, um sanft über die schimmernde Wölbung zu streichen. Sie waren füreinander geschaffen, gehörten zusammen.

„Hey, Thorn. Jetzt stehst du schon ganze zehn Minuten da und starrst wie ein liebeskranker Teenager deine neue Maschine an!“

„Die Werkstatt ist geschlossen, Stone“, erwiderte Thorn, ohne sich umzudrehen.

„Du bist doch da.“

Sein Bruder tauchte neben ihm auf. Thorn konnte noch immer nicht den Blick vom Motorrad wenden, das er gerade fertiggestellt hatte. Es war sein neuestes Modell, die Thorn-Byrd RX1860. Schon gab es erste Stimmen, die sagten, dass nicht mal eine Harley es an Stil und Raffinesse damit aufnehmen könne. Daran zweifelte er keinen Augenblick, schließlich handelte es sich um sein jüngstes Baby. Ein Jahr hatte er an der Maschine geschraubt und gebaut, fünf Monate länger als normalerweise. Seine Kunden kamen aus dem ganzen Land, um bei ihm ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Motorrad in Auftrag zu geben. Dafür waren sie bereit, tief in die Tasche zu greifen, denn so viel Klasse bekamen sie nirgends sonst.

„Ich weiß wirklich nicht, was mich geritten hat, als ich euch allen einen Schlüssel gegeben habe.“

Stone lachte. „Vielleicht bist du noch einmal froh, wenn wir dich eines Tages unter einem Haufen Chrom und Metall herausziehen und dir das Leben retten.“

Thorn verdrehte die Augen. „Seid ihr schon mal auf die Idee gekommen, dass ihr mich mit einer Frau im Bett überraschen könntet?“

„Nein.“

„Vielleicht bist du trotzdem so gut und klopfst nächstes Mal an, bevor du einfach hier reinplatzt.“ Da er so viel Zeit in seiner Werkstatt verbrachte, hatte er einen Teil davon als Wohnung eingerichtet, eine Schlafgelegenheit im hinteren Bereich eingeschlossen. Außerdem gehörte ein Fitnessraum dazu, in dem er sich in Form hielt.

Stone lachte. „Ich werde versuchen, daran zu denken.“

Thorn wusste, dass er berüchtigt war für seine ruppige Art. Wenn er wollte, konnte er ein ziemliches Ekel sein. Seine schlimmste Phase hatte er vor ein paar Jahren gehabt, nachdem er sich von Patrice getrennt hatte. Damals war er auf die ganze Welt wütend gewesen. Dazu kam, dass er während des Trainings vor einem Wettkampf grundsätzlich auf Sex verzichtete.

Dieses Jahr hatte er bereits einige Rennen absolviert und war in noch schlechterer Stimmung als sonst. Seiner Überzeugung nach raubte Sex vor einem solchen Ereignis dem Körper zu viel Kraft und Konzentration. Stone sah das anders. Er meinte, in diesen Phasen sollte ein Mann sogar mehr Sex haben als üblich, um seine Laune zu steigern.

„Was willst du hier? Ich dachte, du schreibst an deinem Buch“, fragte Thorn unfreundlich.

Stone hatte sich unter dem Pseudonym Rock Mason als Autor reißerischer Thriller bereits einen Namen gemacht, obwohl er erst dreiunddreißig war. Die Frage schien den Grund für seinen Besuch in sein Gedächtnis zurückzuholen.

„Habe das Manuskript vorhin an meinen Verleger geschickt und bin nur gekommen, um dich an die Kartenrunde heute Abend zu erinnern.“

„Ja, ich weiß.“

„Ausnahmsweise um halb acht, und wir spielen nicht bei Dare. AJs Zeltausflug ist ausgefallen, und wir wollen ja nicht, dass unser Neffe sich ein Beispiel an Storms Ausdrucksweise nimmt und sie in seinen Wortschatz integriert.“

Thorn nickte. „Leuchtet ein. Wo treffen wir uns dann?“

„Bei Tara.“

Er drehte sich mit einem Ruck zu seinem Bruder um und betrachtete ihn aus leicht zusammengekniffenen Augen. „Wieso das denn?“ Ihm schwante, dass sie Taras Einladung hauptsächlich seinetwegen angenommen hatten. Natürlich entging ihnen nicht, dass er sie mied wie der Teufel das Weihwasser, und sie machten sich so ihre Gedanken.

„Weil sie uns als Dank für unsere Hilfe beim Umzug eingeladen hat.“

„Ich habe aber nicht mitgeholfen.“

„An dem Wochenende warst du bei irgendeinem Rennen.“

Thorn lehnte sich an den Tisch. Stone brauchte nicht zu wissen, dass er auch dann nicht geholfen hätte, wenn er in der Stadt gewesen wäre. Tara Matthews’ Gesellschaft war die reinste Tortur für ihn, und er musste nicht noch zusätzlich daran erinnert werden, dass er bei ihrer letzten Begegnung für einen Moment den Kopf verloren und sie geküsst hatte, wie ein Verdurstender, der nach Wasser gierte. Sollten seine Brüder davon erfahren, würden sie ihn bis an sein Lebensende damit aufziehen. Er seufzte. „Und warum spielen wir nicht bei dir?“

„Weil da frisch gestrichen ist.“

„Und was ist mit Chase?“ Chase war Storms Zwillingsbruder und betrieb ein Restaurant in der Innenstadt von Atlanta.

„Zu voll.“

„Und bei Storm?“

„Da rufen ständig irgendwelche Frauen an. Das nervt.“

Wieder seufzte Thorn. Sein Bruder Storm war ein Frauenheld, wie er im Buche stand, dabei arbeitete er ganz seriös als Feuerwehrmann.

„Und warum treffen wir uns nicht bei mir?“

Stone schüttelte den Kopf. „Kommt nicht infrage. Dein Kühlschrank ist notorisch leer, und das Bier reicht auch nie. Also?“

„Ich werde darüber nachdenken.“

Es war nicht zu übersehen, dass Stone sich mühsam ein Lächeln verkniff. Natürlich würde er hingehen, das wusste sein Bruder genau, schließlich war er ein passionierter Kartenspieler.

„Gut. Wenn du nicht willst, nehme ich Storm eben allein das Geld ab“, meinte Stone prahlerisch.

Thorn schnaubte abfällig. „Das schaffst du nie im Leben.“

„Genauso wenig wie du.“

Alle seine Brüder wussten, dass er einer Herausforderung nur schwer widerstehen konnte. Und ob es ihm passte oder nicht, ihnen war längst klar, dass Tara Matthews die größte Herausforderung für ihn war.

Das Haustelefon auf Taras Schreibtisch klingelte. „Ja, Susan, was gibt es?“, meldete sie sich.

„Mrs Chadwick ist da, Dr. Matthews.“

Bob Chadwick war der Chefarzt für Kinderheilkunde im Emory University Hospital und deshalb Taras Chef. Seine Frau hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Spenden für die Kinderabteilung zu sammeln, und war sehr erfolgreich damit.

„Schicken Sie sie bitte rein.“

Tara stand auf und bot der Frau zur Begrüßung die Hand. „Mrs Chadwick.“

„Schön, Sie wieder einmal zu sehen, meine Liebe.“ Lori Chadwick erwiderte ihr Lächeln. „Ich will Sie gar nicht lange aufhalten, Dr. Matthews. Deshalb komme ich gleich zum Anlass meines Besuchs. Ich möchte Sie für meine neue Spendenaktion einspannen.“

„Gern“, sagte Tara sofort. Sie wusste, dass die Frau ihres Chefs empfindlich reagierte, wenn man von ihren Initiativen nicht genauso begeistert war wie sie selbst. „Woran hatten Sie denn gedacht?“

„An einen Kalender. Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas ankommt. Das Geld würde dann in das Projekt Kids’ World fließen.“

Kids’ World war eine Stiftung, die unheilbar kranken Kindern ihren größten Traum erfüllte.

„Ich dachte an einen Männerkalender.“ Mrs Chadwick lachte. „Er würde sich mit Sicherheit gut verkaufen. Ein paar Prachtexemplare haben schon fest zugesagt, aber es sind noch nicht genug. Also habe ich mich umgehört, und da kam vor allem ein Name immer wieder ins Gespräch. Angeblich zählt der Mann zu Ihren Freunden.“

Taras Augenbrauen schossen in die Höhe. „Und wer soll das sein?“

„Thorn Westmoreland, der Motorradrennfahrer. Er würde wunderbar in meine Sammlung passen, glaube ich.“

Bevor sie sich von ihrem Schock erholt hatte und Lori Chadwick aufklären konnte, dass Thorn keineswegs zu ihren Freunden zählte, reichte ihre Besucherin ihr schon strahlend lächelnd die Hand zum Abschied.

„Sie müssen Mr Westmoreland unbedingt dazu überreden, sich zur Verfügung zu stellen. Ich zähle auf Sie, Dr. Matthews, Sie würden ein gutes Werk tun.“

Im nächsten Moment schloss die Tür sich hinter der Frau ihres Chefs.

Als Tara abends in ihrer Küche hantierte, klopfte es an der Haustür. Sie wischte sich den Plätzchenteig von den Händen und sah auf die Küchenuhr. Es war kurz nach sieben, und die Kartenspieler hatten sich erst für neun Uhr angesagt. Ein Blick durch den Spion zeigte ihr, dass Thorn draußen stand.

Hatte Stone nicht gesagt, dass Thorn nicht kommen würde? Auf einmal schlug ihr Herz wie wild, und das Blut schoss ihr in die Wangen. Sie dachte an den Kuss auf Dares Hochzeit vor drei Monaten. Eigentlich hatte sie gehofft, dass die Zeit das Gespenst Thorn endgültig aus ihrem Leben vertreiben würde, doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht.

Im Gegenteil. Der Mann geisterte nur umso stärker durch ihre Gedanken und Gefühle, je mehr sie versuchte, ihn zu vergessen.

Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, öffnete sie die Tür. Vielleicht hatte er es sich anders überlegt und wollte doch Karten spielen, aber wieso kam er so früh? Wie er da vor ihr stand, den Motorradhelm unter einen Arm geklemmt, hatte sein Anblick verrückte Auswirkungen auf ihren Körper. Mit einem Mal war sie atemlos, und ihr Magen rumorte. Einfach unglaublich, wie sexy der Mann war. Seiner Ausstrahlung würde sich keine Frau entziehen können, selbst dann nicht, wenn sie nur ein Kalenderblatt mit einem Foto von ihm vor sich hätte.

Die Daumen hatte er in die Hosentaschen gehakt, sein Gewicht ruhte auf dem rechten Bein. Das führte dazu, dass seine Jeans sich stramm um die Oberschenkel spannte. Durch den Stoff hindurch zeichneten sich seine sehnigen Muskeln ab. Die Lederjacke betonte seine breiten Schultern und vollkommenen Proportionen zusätzlich. Er sah so unglaublich gut aus, dass Tara weiche Knie bekam, weshalb sie für einen Moment die Augen niederschlagen musste, bevor sie ihn direkt ansehen konnte. Sein etwas finsterer Gesichtsausdruck machte ihn noch attraktiver.

Er sah sie einfach nur an, sodass ein heißer Schauer sie durchrieselte und ihr Puls sich beschleunigte, doch sie rief sich zur Ordnung. Auf keinen Fall durfte sie sich von ihm beeindrucken lassen, daher konzentrierte sie sich auf sein Gesicht, aber das half ihr auch nicht weiter. Sein Haar war kurz geschnitten, seine Augen wirkten noch dunkler als sonst. Wie magisch wurde ihr Blick von seinem Mund angezogen, und die Erinnerung an diesen überwältigenden Kuss war mit einem Mal so lebendig, als wäre es erst gestern gewesen. Seine Lippen waren schmal und dabei zugleich sinnlich. Auf einmal fiel ihr auf, dass Thorn, zumindest in ihrer Gesellschaft, nie lächelte.

Selbst jetzt war seine Stirn gerunzelt, so wie an dem Abend, als er sie geküsst hatte.

Sie seufzte unhörbar. Am liebsten hätte sie diesen Zwischenfall vergessen, gleichzeitig wusste sie, dass sie das niemals konnte.

„Was führt dich her, Thorn?“ Sie musste sich räuspern.

„Spielen wir nicht heute bei dir Karten?“

Tief und heiser und trotzdem samtweich, so klang seine Stimme.

Erneut räusperte Tara sich. „Ja, aber erst um neun.“

Langsam zog er die Augenbrauen nach oben. „Ich hätte schwören können, dass Stone halb acht gesagt hat.“ Er sah auf seine Armbanduhr. „Dann komme ich später wieder.“

„Thorn?“

Er drehte sich zu ihr um. „Ja?“

Am besten frage ich ihn gleich, ob er einen Beitrag zu diesem Kalender beisteuern will, dachte sie. Kurz nach Mrs Chadwicks Besuch in ihrem Sprechzimmer hatte sie Chase Westmoreland getroffen und ihm davon erzählt, und er hatte ihr zugeredet, seinen Bruder darauf anzusprechen. Schließlich war es für einen guten Zweck. Zugleich hatte er sie gewarnt und prophezeit, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, ihn zu überreden, für ein Kalenderfoto zu posieren. Thorn scheute Aufsehen in jeder Form. Das letzte Mal, als sein Name in den Klatschspalten auftauchte, war im Zusammenhang mit seiner Liebesaffäre mit Patrice gewesen.

Tara hätte für ihr Leben gern mehr darüber erfahren, aber Chase war zu keiner weiteren Auskunft bereit und hatte nur gemeint, da müsse sie ihn schon selbst fragen.

„Du kannst auch hier warten, bis die anderen kommen“, lud sie Thorn jetzt ein. „Das Heimfahren lohnt sich ja kaum.“

„Nein danke“, wehrte er ab. „Richte meinen Brüdern aus, dass ich es mir anders überlegt habe. Ich spiele heute nicht.“

Tara sah ihm nach, als er zu seinem Motorrad ging, ein Bein über den Sattel schwang, den Helm aufsetzte und davonbrauste, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her, wobei er den Motor aufheulen ließ.

Motorradfahren war nach Sex das Zweitschönste im Leben, fand Thorn und beugte sich in einer scharfen Kurve tief über seine Maschine. Das weiche, sanfte Schnurren des Motors hatte eine beruhigende und zugleich erotische Wirkung auf ihn. Eine Frau klang nach der Liebe ganz ähnlich. Es waren die Laute, die er gern von Tara hören würde.

Obwohl ein kühler Wind wehte, war ihm heiß. Immer wenn er an Tara dachte, verspürte er brennendes Verlangen, und eine Gänsehaut breitete sich entlang seiner Wirbelsäule aus. Wieder sah er sie in der engen Jeans und dem luftigen Oberteil in der Tür stehen. Sie war zierlich, hatte aber sehr feminine Rundungen. Ihre hellbraunen Augen wirkten geheimnisvoll, und dunkles, schulterlanges Haar umrahmte ihr Gesicht. Nie war eine Frau so durch seine Gedanken gespukt wie sie, und das ärgerte ihn.

Sogar als sie noch in Kentucky gelebt hatte, suchte sie ihn im Schlaf heim. In seinen Träumen hatten sie oft wilden, zügellosen Sex, und inzwischen waren ihm kalte Duschen zur Gewohnheit geworden. Selbst bei der Arbeit musste er ständig an sie denken. Das hatte bisher keine Frau geschafft. Die Konstruktion von Motorrädern und die Vorbereitung auf die Rennen verlangten ihm höchste Konzentration ab, und solche Abschweifungen hatten da nie etwas zu suchen gehabt – bis er Tara Matthews kennenlernte.

Er erinnerte sich noch gut daran, wie es war, als er sie zum ersten Mal traf. Er war eines Abends spät noch in der Wohnung seiner Schwester Delaney eingetroffen, in der seine vier Brüder beim Kartenspiel saßen. Delaney war nicht da, und niemand hatte es der Mühe wert gefunden, ihm das mitzuteilen.

Er verlieh seinem Ärger darüber drastisch Ausdruck, da kam Tara aus der Küche gestürmt – in einem engen, kurzen Jeansrock. Sie sah so sexy aus, dass es verboten gehört hätte. Jedenfalls machte sie ihm empört Vorhaltungen wegen der Art, wie er mit seinen Brüdern umging, und wegen seiner üblen Laune im Allgemeinen. Während dieser heftigen Gardinenpredigt musste er immer nur an eines denken: Wie bekomme ich dieses heiße Wesen schnellstmöglich in mein Bett?

Die völlig unerwartete Lustaufwallung jagte ihm einen gehörigen Schrecken ein, und er verspürte Wut auf sich selbst. Nach Patrice hatte er sich geschworen, keiner Frau jemals wieder solche Macht über sich einzuräumen, damit war es ihm bitterernst gewesen. Das durfte er nicht noch einmal zulassen.

Er wusste genau, worum es ihm ging, nur ein Geplänkel mit Tara, gerade so tief gehend, dass er sie danach vergessen konnte. Mit seinem Kuss auf der Hochzeitsfeier war ihm das entgegen seiner Absicht aber nicht gelungen. Er musste sie haben, wollte sie nehmen, immer wieder.

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