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Sie müssen posten, Herr Krüger

MARK KRÜGER

„SIE MÜSSEN POSTEN,
HERR KRÜGER!“

Der (wahn)witzige Alltag eines Selfpublishers

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Zu Beginn mal vorne weg…

mein Name ist Mark Krüger. Ich bin Autor.

Eigentlich bin ich Autor und Schriftsteller, beziehungsweise beides zusammen. Oder besser gesagt: Ich bin Selfpublisher.

Ja genau, ich bin seit kurzem Selfpublisher. Schwieriges Wort, aber es klingt interessant, nicht wahr? Was zur Hölle ist ein Selfpublisher? Wenn ich bei einschlägigen Plattformen den Begriff eingebe, um eine genaue Definition zu erhalten, erscheint lediglich das Wort „Selbstverlag“. Doch das trifft es nicht ganz. Ich ging der Sache auf den Grund und habe meine Antwort gefunden. Selfpublisher sind Autoren und Schriftsteller, die auf eigene Kosten und unter eigener Regie ihre selbstgeschriebenen Werke veröffentlichen, da diese durch „große Verlage“ für „nicht ausreichend“ bewertet wurden.

Wie oft haben die meisten von uns schon Manuskripte, Exposees oder ganze Bücher zu Großverlagen geschickt und jedes Mal kam eine Absage? Gewiss können es einige gar nicht mehr zählen. Das nagt.

Sowohl an den eigenen Kräften als auch am Selbstbewusstsein. Man zweifelt. Man wird wütend, denn niemand versteht warum ausgerechnet dieses eine Buch von uns als nicht „ausreichend“ bewertet wurde. Dieses eine Buch, an dem wir so lange geschrieben haben. Wir haben recherchiert, uns die Nächte um die Ohren geschlagen, Seiten gelöscht, den Kaffee auf der Tastatur verschüttet, eine neue Tastatur gekauft, Menschen interviewt und interessante Dinge aus ihrem Leben erfahren. Wir konnten die Nacht vom Tag nicht mehr unterscheiden. Nur um am Ende mit einem „nicht ausreichend“ abgespeist zu werden? Ist das fair? Haben diese Idioten unsere Bücher überhaupt gelesen? Haben sie es verstanden? Nein, das haben sie wahrscheinlich nicht. Das nagt.

Ich selbst hatte meinen ersten Roman „Nila – Sie durften sich nicht lieben“ an mehrere große Häuser verschickt und bekam oftmals nicht einmal eine Antwort. Hatte sich dann doch einmal ein Verlagsbrief in mein Postfach verirrt, so war der erste Satz des Briefes immer derselbe:

»Sehr geehrter Herr Krüger, wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen…« bla, bla, bla.

Ich hatte dann allerdings das Glück, bei einem kleineren Verlag unterzukommen und freute mich natürlich umso mehr, kurz vor der Vertragsunterzeichnung, die „Verlagsvorsitzende“ zum Essen auszuführen. Ich hatte alles präzise durchdacht.

Ich wusste ganz genau, dass sie, würde ich charmant und nett, mein dunkles Haar Rosenwasser benetzt nach hinten gelegt, auftreten, alles, wirklich ALLES für mein Buch geben würde. Sie würde sich mit mir, dem aufstrebenden Autor Mark Krüger, in die Buchfluten stürzen. Gemeinsam würden wir die Literaturwelt revolutionieren. Komme was da wolle. Ich steckte also mein teuerstes Parfum in meinen Kulturbeutel, schmiss mich in meinen besten Anzug, sackte die gutgemeinten Ratschläge meiner geliebten Großmutter ein und setzte mich in mein Kleinmobil. Im Auto musste ich den Hosenknopf öffnen, der Anzug war doch schon etwas älter. Ich war hochmotiviert. Ja nahezu erregt vor Motivation. Meine letzten paar Kröten für diesen „lebenswichtigen“ Termin hatte ich mir zu Hause schon zusammengespart. Ich durfte mein finanzielles Budget also auf keinen Fall überschreiten. Mit anderen Worten: so ein kleiner Salat war für die Frau Verlagsvorsitzende absolut im Bereich des Möglichen. Ich hatte für sie acht Euro kalkuliert, denn für mehr reichte es leider nicht.

Als ich dann in Österreich in ihrem Verlagshaus stand wurde ich von Büchern erschlagen.

»Wow, so viele Bücher gehen in die Buchläden?«, fragte ich erstaunt und bekam meinen Mund gar nicht mehr zu.

»Nein, diese Bücher wurden alle nicht verkauft. Die kamen gerade erst zurück.«,

kicherte sie etwas peinlich berührt. Mein Mund schloss sich wieder und meine Augenbraue rutschte unter meinen Haaransatz.

»Naja, kann ja nicht jeder Verlag gut laufen, oder?«, schoss es unüberlegt aus mir heraus.

Plötzlich war das emsige Treiben um uns verstummt. Jeder starrte mich an. In der Mitte des Raumes stand ein Mitarbeiter, der im Laufen innehielt und auf einem Bein stehen blieb. Die schwere Kiste in seinen Händen schien ihn dabei nicht zu stören. Viel interessanter war für ihn die Reaktion seiner Chefin.

Ehe ich begriff, welcher äußerst unglücklich gewählte Satz gerade meine Lippen verlassen hatte, wurde ich bereits durch Blitze aus den Augen der netten Frau Verlagsvorsitzenden in die ewige Verdammnis befördert. Sie rang nach Worten. Freundlich wie sie war, musste sie den Schein wahren, immerhin hielt jetzt auch der zweite Verlagsmitarbeiter in seiner Arbeit inne. Ich konnte bei ihm einen ein leichtes Grinsen entdecken. Es herrschte kurze Stille. Nur die Seiten der zahlreichen Werke hinter mir, flatterten leicht im Wind, der durch das geöffnete Fenster zu uns herein drang… ach, das wird ja ein Sachbuch, lassen wir das „blumige“ Geschwafel. Die Gesichtszüge der Frau Verlagsvorsitzenden entspannten sich langsam wieder und ihre Nasenflügel beruhigten sich ebenfalls allmählich.

»Na gut Herr Krüger, jetzt haben Sie ja alles gesehen. Wollten Sie jetzt noch etwas essen gehen oder eher nicht?«

Die Betonung lag auf „nicht“.

Ihre Augen schienen immer noch vergiftete Pfeile auf mich abzuschießen, als sie das fragte. Genau in diesem Moment wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt gewesen, um schlagartig die Flucht zu ergreifen, aber nein, es kam etwas anders.

»Ja natürlich möchte ich noch essen gehen. Dann können wir alle Vertragspunkte noch einmal durchsprechen.«

Oh nein, ich hatte es wirklich gesagt. Ich schluckte.

»Dann gehen wir etwas essen.«

Sie stolzierte dann wortlos und mit einem eingefrorenen Lächeln an mir vorbei. Ihre Mitarbeiter packten derweil wieder Rückläufer aus.

Die dann folgenden Minuten werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Es war ein Spätherbsttag und verdammt frisch draußen. Also setzten wir uns gemütlich in eine Kuschelecke dieses kleinen, niedlichen italienischen Restaurants und schwiegen uns freundlich an.

Wir hatten uns nicht viel zu sagen.

Langsam wanderten meine müden Augen durch das Restaurant.

»Ganz schön nobel hier.«,

dachte ich bei mir und wie ich so weiter durch den Raum blickte, vorbei an den stets nickenden Kellnern, erschien mir dieses Etablissement immer nobler. Ich spürte regelrecht, wie sich dieses Mal MEINE Gesichtszüge verabschiedeten und rutschte nervös auf dem Samtkissen meines Stuhls hin und her.

Verdammt, ich hatte ein Salatproblem.

Ich rechnete im Kopf noch einmal schnell meine Finanzen durch. Es half nichts. Die nette Frau Verlagsvorsitzende dürfte sich nur einen Salat bestellen. Einen kleinen Salat, denn ansonsten würde es ja nicht mehr für das Glas Wasser reichen, welche ich zuvor noch einkalkuliert hatte.

»Geht’s Ihnen nicht gut Herr Krüger? Sie sehen so blass aus.«

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