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Sharpes Mission

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. KAPITEL 1
  7. KAPITEL 2
  8. KAPITEL 3
  9. KAPITEL 4
  10. KAPITEL 5
  11. KAPITEL 6
  12. KAPITEL 7
  13. KAPITEL 8
  14. KAPITEL 9
  15. KAPITEL 10
  16. KAPITEL 11
  17. HISTORISCHE ANMERKUNG

Über den Autor

Bernard Cornwell wurde 1944 in London geboren. Er arbeitete lange für die BBC, unter anderem in Nordirland, wo er seine Frau kennenlernte. Heute lebt er die meiste Zeit in den USA. Er ist Autor zahlreicher international erfolgreicher historischer Romane und Thriller. Die Sharpe-Serie, die er in den 80er-Jahren zu schreiben begann, hat Kultstatus erreicht und wurde von der BBC mit Sean Bean in der Hauptrolle verfilmt.

Weitere Informationen finden Sie auf
www.bernardcornwell.net

KAPITEL 1

Miss Savage wurde vermisst.

Und die Franzosen kamen.

Das Nähern der Franzosen war das größere Problem. Musketenfeuer krachte vor der Stadt, und in den letzten zehn Minuten hatten fünf oder sechs Kanonenkugeln die Dächer der Häuser hoch am Nordufer des Flusses durchschlagen. Das Haus der Savages befand sich ein Stück hangabwärts und war im Augenblick vor dem französischen Kanonenfeuer geschützt, doch die warme Frühlingsluft summte bereits von Musketenkugeln, die manchmal mit lautem Krachen gegen die Dachziegel schlugen oder durch die Pinien fegten und Schauer von Nadeln über den Garten rieseln ließen.

Es war ein großes Haus, erbaut aus weiß angestrichenen Steinen und mit dunkelgrünen Läden vor den Fenstern. Über der Veranda hing ein Holzschild, das in vergoldeten Lettern den Namen des Hauses auf Englisch verkündete: Beautiful. Es schien ein komischer Name für ein Gebäude hoch auf einem steilen Hügelhang im nördlichen Portugal zu sein – wo man von der Stadt Oporto einen Blick über den Fluss Douro hatte –, besonders wenn das Haus überhaupt nicht schön war, sondern ziemlich hässlich und verwinkelt.

Ein Vogel baute ein Nest in einer der Zedern, die im Sommer willkommenen Schatten spendeten, und immer wenn eine Musketenkugel durch die Zweige pfiff, zwitscherte er erregt und flog auf, bevor er an seine Arbeit zurückkehrte.

Dutzende Flüchtlinge flohen am Haus Beautiful vorbei, rannten den Hügel hinab zu den Fähren und der Pontonbrücke, auf denen sie sicher den Douro überqueren konnten. Einige der Flüchtlinge trieben Schweine und Rinder, andere schoben mit Möbeln beladene Handkarren und ein paar trugen ihre Großeltern auf dem Rücken.

Richard Sharpe, Lieutenant beim zweiten Bataillon der 95th Rifles seiner Majestät, knöpfte seine Hose auf und pinkelte auf die Narzissen des ersten Blumenbeets beim Haus Beautiful. Der Boden war ohnehin getränkt, weil es am Vortag ein Gewitter gegeben hatte. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, und jetzt dampften die Blumenbeete leicht, als die Feuchtigkeit der Nacht in der heißen Sonne verdampfte.

Sharpe hörte ein Haubitzengeschoss, das wie das Rollen eines Fasses über Bodendielen klang. Er blickte auf zu der Rauchspur und ihrer Kurve am Himmel, um festzustellen, wo die Haubitze in Stellung gebracht worden sein musste.

»Sie sind schon verdammt nah«, murmelte er.

»Sie werden diese armen Blumen ersäufen«, sagte Sergeant Harper und fügte hastig »Sir« hinzu, als er Sharpes Miene sah.

Das Haubitzengeschoss explodierte irgendwo über dem Gewirr der Gassen nahe beim Fluss, und einen Herzschlag später steigerte sich der Beschuss zu einem anhaltenden Donnern.

Eine neue Batterie, dachte Sharpe. Sie muss direkt vor der Stadt abgeprotzt worden sein, vielleicht eine halbe Meile von mir entfernt, und sie beschießt vermutlich die Flanke der großen nördlichen Schanze. Das Musketenfeuer, das wie das Brechen von trockenen Zweigen klang, ging in ein zeitweilig aussetzendes Knattern über, als sei die verteidigende Infanterie auf dem Rückzug. Einige ergriffen tatsächlich die Flucht, und Sharpe konnte es ihnen kaum verdenken. Eine große und schlecht organisierte portugiesische Streitmacht, angeführt vom Bischof von Oporto, versuchte zu verhindern, dass Marschall Soults Armee die Stadt – die zweitgrößte in Portugal – einnahm, und die Franzosen waren im Begriff zu siegen. Die Straße in die Sicherheit führte am Vorgarten des Hauses Beautiful vorbei, und die blau uniformierten Soldaten des Bischofs stürzten den Hügel hinab, so schnell sie konnten. Erst als sie die grün berockten britischen Schützen sahen, verlangsamten sie zum Schritttempo, wie um zu zeigen, dass sie nicht in Panik gerieten.

Sharpe nahm an, dass dies ein gutes Zeichen war. Die Portugiesen waren offensichtlich stolz, und stolze Soldaten würden gut kämpfen, wenn sie eine weitere Chance bekamen. Doch nicht alle der portugiesischen Soldaten zeigten solchen Geist. Die Männer von der ordenança rannten weiter, aber das war kaum überraschend. Die ordenança war eine begeisterte, aber unerfahrene Armee von Freiwilligen, aufgestellt zur Verteidigung der Heimat, und die schlachterfahrenen französischen Soldaten rissen sie in Fetzen.

Unterdessen wurde Miss Savage immer noch vermisst.

Captain Hogan erschien auf der vorderen Veranda. Er schloss behutsam die Tür hinter sich, blickte zum Himmel und fluchte ärgerlich. Sharpe knöpfte seine Hose zu, und seine zwei Dutzend Schützen inspizierten ihre Waffen, als hätten sie solche Dinge nie zuvor gesehen. Captain Hogan fügte ein paar weitere unfeine Worte hinzu und spuckte dann aus, als eine Kanonenkugel gar nicht so weit einschlug.

»Das ist eine verdammte Scheiße, Richard.« Der Captain zog seine Schnupftabakdose aus der Tasche und inhalierte eine Prise.

»Gesundheit«, sagte Sergeant Harper.

Captain Hogan nieste, und Harper lächelte.

»Ihr Name«, sagte Hogan und ignorierte Harper, »ist Katherine, kurz Kate. Kate Savage, neunzehn Jahre alt beziehungsweise jung, eine Zicke, wie sie im Buche steht. Sie braucht dringend jemanden, der ihr die Flausen austreibt.«

»Und wo, zum Teufel, ist sie?«, fragte Sharpe.

»Ihre Mutter meint, sie ist vielleicht in Vila Real de Zedes«, sagte Captain Hogan, »wo auch immer in Gottes Namen das sein mag. Die Familie hat dort ein Anwesen, auf dem sie den Sommer verbringt, um der Hitze zu entkommen.«

»Und warum sollte sie dorthin gehen, Sir?«, fragte Sergeant Harper.

»Weil sie ein vaterloses, neunzehnjähriges Mädchen ist, das seinen eigenen Weg gehen will. Sie hat sich mit ihrer Mutter überworfen. Weil sie so verdammt zickig ist, verdient sie mal eine ordentliche Abreibung. Sie ist jung und meint, sie könnte immer ihren Kopf durchsetzen.« Hogan war ein stämmiger Ire in mittlerem Alter, ein Königlicher Pionier, mit klug wirkendem Gesicht, graumeliertem Haar und einer gütigen Art. »Weil sie ein Dummkopf ist, geht sie dorthin«, beendete er die Antwort auf Sergeant Harpers Frage.

»Diese Vila Real sowieso«, sagte Sharpe. »Ist es weit bis dorthin? Weshalb holen wir sie nicht einfach?«

»Genau das werden Sie tun, Richard. Das habe ich Kates Mutter versprochen. Sie werden sich nach Vila Real de Zedes begeben, das verrückte Mädchen finden und über den Fluss zurückbringen. Wir werden in Vila Nova auf Sie warten, und wenn die verdammten Franzosen Vila Nova einnehmen, dann werden wir in Coimbra auf Sie warten.« Er legte eine Pause ein und notierte diese Anweisungen auf einem Zettel. »Und wenn die Bastarde Coimbra einnehmen, werden wir in London pinkeln, und Sie werden dann Gott weiß wo sein. Verlieben Sie sich nicht in sie«, fuhr er fort und reichte Sharpe den Zettel. »Schwängern Sie das verrückte Mädchen nicht, versohlen Sie ihr nicht den Arsch, sosehr sie das auch verdient, und verlieren Sie sie um Himmels willen nicht. Und ebenso wenig Colonel Christopher. Ist das klar?«

»Colonel Christopher kommt mit?«, fragte Sharpe entgeistert.

»Haben Sie mir nicht zugehört?«, fragte Hogan, dann wandte er den Kopf, als Hufschlag die Ankunft der Kutsche mit der Witwe Savage aus der Remise hinter dem Haus ankündigte. Die Kutsche transportierte viel Gepäck und sogar einige Möbelstücke und zwei zusammengerollte Teppiche, die hinten an der Kutsche festgezurrt waren, wo ein Kutscher Hogans Rappstute an den Zügeln hielt.

Der Captain übernahm das Pferd und schwang sich in den Sattel. »Sie werden in ein paar Tagen wieder bei uns sein«, versicherte er Sharpe. »Sagen wir sechs, sieben Stunden bis Vila Real de Zedes? Das Gleiche zurück zur Fähre bei Barca d’Avintas und dann gemütlich heim. Sie wissen, wo Barca d’Avintas ist?«

»Nein, Sir.«

»In dieser Richtung.« Hogan wies ostwärts. »Ungefähr vier Meilen.« Er schob seinen rechten Stiefel in den Steigbügel. »Mit etwas Glück könnten sie sogar bereits morgen Nacht wieder zu uns stoßen.«

»Was ich nicht verstehe …«, begann Sharpe. Dann legte er eine Pause ein, weil die Haustür geöffnet wurde und Mrs Savage, Witwe und Mutter der vermissten Tochter, in den Sonnenschein heraustrat. Sie war eine gut aussehende Frau Anfang vierzig: dunkelhaarig, groß und schlank, mit blassem Gesicht und hohen Augenbrauen. Sie eilte die Treppe hinab, als eine Kanonenkugel grollte und alarmierend nahe Musketenfeuer einsetzte, so nahe, dass Sharpe die Treppe zur Veranda hinaufstieg und zur Kuppe des Hügels spähte, wo die Straße nach Braga zwischen einer großen Taverne und einer kleinen Kirche verschwand.

Eine portugiesische Sechspfünder-Kanone war soeben bei der Kirche eingesetzt worden und feuerte jetzt auf den unsichtbaren Feind. Die Kräfte des Bischofs hatten auf dem Hügel neue Schanzen angelegt und die mittelalterliche Mauer mit hastig errichteten Palisaden verstärkt, doch der Anblick des kleinen Geschützes, das aus seiner provisorischen Stellung mitten auf der Straße feuerte, ließ darauf schließen, dass diese Verteidigungsanlage nicht viel nutzte.

Mrs Savage schluchzte, dass ihre Tochter für immer verloren sei. Captain Hogan schaffte es, die Witwe zum Einsteigen in die Kutsche zu bewegen. Zwei Diener mit vollgestopften Kleiderbeuteln folgten ihrer Herrin in das Fahrzeug.

»Sie werden Kate suche?« Mrs Savage öffnete die Kutschentür und blickte Captain Hogan flehend an.

»Ihr kostbarer Liebling wird schon bald wieder bei Ihnen sein«, sagte Hogan zuversichtlich. »Mister Sharpe wird dafür sorgen«, fügte er hinzu. Dann schloss er die Kutschentür für Mrs Savage. Sie war die Witwe eines der vielen Weinhändler, die in der Stadt Oporto lebten und arbeiteten. Sie war reich, nahm Sharpe an, wohlhabend genug, um eine prächtige Kutsche und das mondäne Haus Beautiful zu besitzen, aber sie musste auch dumm sein, denn sie hätte die Stadt vor zwei oder drei Tagen verlassen sollen, doch sie war geblieben, weil sie offenbar der Versicherung des Bischofs geglaubt hatte, dass er Marschall Soults Armee zurückschlagen könnte.

Colonel Christopher, der einst im Haus Beautiful logiert hatte, hatte an die britischen Kräfte südlich des Flusses appelliert, Männer zu schicken, die Mrs Savage als Eskorte sicher fortgeleiteten, und Captain Hogan war der nächstranghohe Offizier. Sharpe und seine Schützen hatte Hogan beschützt, während der Pionier das nördliche Portugal kartografisch erfasst hatte, und so war Sharpe mit vierundzwanzig seiner Männer über den Douro nach Norden marschiert, um Mrs Savage und andere bedrohte britische Bewohner von Oporto in Sicherheit zu eskortieren. Was eine simple Aufgabe gewesen wäre. Doch dann hatte die Witwe Savage entdeckt, dass ihre Tochter ausgerissen war.

»Ich verstehe einfach nicht, dass sie ausgebüxt ist«, beharrte Sharpe.

»Vermutlich hat sie sich verliebt«, meinte Hogan. »Dafür sind neunzehnjährige Mädchen aus respektablen Familien anfällig bei all den Liebesromanen, die sie lesen. Ich sehe Sie in zwei Tagen wieder, Richard, oder vielleicht schon morgen? Warten Sie einfach auf Colonel Christopher.« Er neigte sich aus dem Sattel zu Sharpe hinab und senkte die Stimme, sodass nur Sharpe ihn hören konnte. »Halten Sie ein Auge auf den Colonel, Richard. Ich mache mir Sorgen um ihn.«

»Sie sollten sich um mich Sorgen machen, Sir.»

»Das mache ich auch, Richard, wirklich«, sagte Hogan. Dann richtete er sich auf, winkte zum Abschied und ritt hinter der Kutsche her, die durch das Tor des Anwesens fuhr zum Strom der Flüchtlinge, die auf dem Weg zum Douro waren.

Die Geräusche der Kutsche verklangen. Die Sonne kam gerade hinter einer Wolke hervor, als eine französische Kanonenkugel in einen Baum auf der Hügelkuppe schlug und eine rötliche Wolke entstand, die über den Hang trieb. Daniel Hagman starrte auf den Feuerball.

»Sieht fast wie bei einer Silvesterfeier aus«, sagte er und blickte auf, als eine Musketenkugel von einem Dachziegel abprallte. Er zog eine Schere aus der Tasche. »Soll ich Ihnen die Haare schneiden, Sir?«

»Warum nicht, Dan«, sagte Sharpe. Er setzte sich auf die Verandatreppe und nahm seinen Tschako ab.

Sergeant Harper überprüfte, dass die Posten den Norden beobachteten. Ein Trupp portugiesischer Kavallerie war auf dem Hügelhang erschienen, wo die einzige Kanone tapfer feuerte.

Das Knattern von Musketenfeuer bewies, dass einige Infanterie noch kämpfte, aber immer mehr Soldaten zogen sich am Haus vorbei zurück, und Sharpe wusste, dass der Widerstand der Stadt bald ganz zusammenbrechen würde. Hagman begann Sharpes Haare zu schneiden.

»Sie mögen es nicht, wenn es über die Ohren fällt, richtig?«

»Ich mag es kurz, Dan.«

»Kurz wie eine gute Predigt, Sir«, sagte Hagman. »Halten Sie bitte still, Sir, sonst schneide ich noch was Falsches ab.« Hagman zerschnitt eine Laus. Er spuckte auf den Blutstropfen auf Sharpes Haaren und wischte ihn ab. »Die Franzmänner werden also die Stadt einnehmen, Sir?«

»Sieht so aus«, sagte Sharpe.

»Und sie werden als Nächstes nach Lissabon marschieren?«, fragte Hagman und schnitt eifrig weiter.

»Es ist ein weiter Weg bis Lissabon«, sagte Sharpe.

»Vielleicht, Sir, aber es sind schrecklich viele und wir sind nur wenige.«

»Aber es heißt, Wellesley kommt her«, sagte Sharpe.

»Das beteuern Sie uns dauernd, aber kann er tatsächlich Wunder bewirken?«

»Sie haben in Kopenhagen gekämpft, Dan«, sagte Sharpe, »und hier an der Küste.« Er bezog sich auf die Schlachten von Rolica und Vimeiro. »Da konnten Sie es selbst sehen.«

»Von der Schützenlinie aus sieht jeder General gleich aus«, sagte Hagman, »und wer weiß, ob Sir Arthur wirklich kommen wird. Es war schließlich nur ein Gerücht, dass Sir Arthur Wellesley von General Cradock das Kommando übernimmt, und nicht jeder hat es geglaubt. Viele dachten, die Briten würden sich zurückziehen, sie sollten das Spiel aufgeben und den Franzosen Portugal überlassen. Drehen Sie den Kopf bitte ein wenig nach rechts, Sir.«

Er schnitt eifrig weiter an Sharpes Haaren herum, hielt nicht mal inne, als eine Kanonenkugel in die kleine Kirche auf dem Hügel schlug. Eine Staubwolke war neben dem weiß getünchten Kirchturm zu sehen, in dem sich plötzlich ein Riss befand. Die portugiesische Kavallerie war vom Rauch des Geschützes eingehüllt worden, und in der Ferne schmetterte eine Trompete. Musketenfeuer setzte ein, dann herrschte Stille. Ein Gebäude musste jenseits der Hügelkuppe in Brand geraten sein, denn ein großer Rauchpilz stieg auf, zerfaserte und trieb westwärts.

»Warum würde jemand sein Haus ›Beautiful‹ nennen?«, überlegte Hagman verwundert.

»Ich wusste gar nicht, dass Sie lesen können, Dan«, sagte Sharpe.

»Das kann ich nicht, aber Isaiah hat es mir vorgelesen.«

»Tongue!«, rief Sharpe. »Warum würde jemand sein Haus ›Beautiful‹ nennen?«

Isaiah Tongue, lang und dünn und gebildet, der zur Armee gegangen war, weil er als Trunkenbold seinen respektablen Job verloren hatte, grinste breit. »Weil er ein guter Protestant ist, Sir.«

»Ein guter – was?«

»Es ist aus einem Buch von John Bunyan«, erklärte Tongue. »Es heißt Pilgerreise zur seligen Ewigkeit.«

»Davon habe ich gehört«, murmelte Sharpe.

»Einige Leute betrachten es als Pflichtlektüre«, sagte Tongue. »Es ist die Geschichte der Reise einer Seele von der Sünde bis zur Erlösung, Sir.«

»Genau das Richtige für Sie, um des Nachts bei Kerzenschein zu schmökern«, sagte Sharpe.

»Und der Held, Christ, besucht das Haus Beautiful, wo er mit vier Jungfrauen redet.«

Hagman lachte. »Da geht’s also zur Sache, Sir.«

»Sie sind zu alt für eine Jungfrau, Dan«, sagte Sharpe.

»Einsicht«, sagte Tongue, »Frömmigkeit, Klugheit und Liebe.«

»Was ist damit?«, wollte Sharpe wissen.

»Das sind die Namen der Jungfrauen, Sir«, sagte Tongue.

Sharpe unterdrückte einen Fluch.

»Ich nehme die Liebe«, sagte Hagman. »Ziehen Sie bitte den Kragen etwas runter, Sir. Ja, so komme ich besser dran.« Er schnitt das schwarze Haar am Nacken kürzer. »Mister Savage scheint ein alter, langweiliger Mann gewesen zu sein, wenn er es war, der dem Haus den Namen gegeben hat.« Hagman begutachtete seine Arbeit an Sharpes Haar. »Warum hat der Captain uns eigentlich hiergelassen, Sir?«, fragte er dann.

»Wir sollen ein Auge auf Colonel Christopher halten«, sagte Sharpe.

»Kann Christopher nicht selbst auf sich aufpassen?« Hagman war der Älteste von Sharpes Schützen, ein Wilddieb aus Cheshire und ein tödlicher Schütze mit seinem Baker-Gewehr.

»Captain Hogan hat uns hiergelassen, Dan, weil der Captain denkt, der Colonel braucht uns.«

»Und der Captain ist ein guter Mann, Sir«, sagte Hagman. »Sie können sich jetzt entspannen, Sir, wir sind fast fertig.«

Aber warum hat Captain Hogan mich und meine Schützen wirklich hiergelassen?, überlegte Sharpe, während Hagman letzte Hand an sein Haar legte. Und hat in Hogans Befehl, ein Auge auf den Colonel zu halten, irgendeine besondere Bedeutung gelegen? Sharpe war dem Colonel nur einmal begegnet. Hogan hatte den Oberlauf des Flusses Cavado kartografiert, und der Colonel und seine Ordonnanz waren zu den Schützen geritten und hatten ein Biwak mit ihnen geteilt. Sharpe hatte keine Sympathie für Christopher empfunden, weil er hochnäsig gewesen war und geringschätzig über Hogans Arbeit gesprochen hatte.

»Sie kartografieren das Land, Hogan«, hatte der Colonel gesagt, »aber ich kartografiere den Geist der Leute. Der menschliche Geist ist eine sehr komplizierte Sache, nicht einfach wie Hügel und Flüsse und Brücken.«

Außer dieser Äußerung hatte er nichts über den Grund seiner Anwesenheit gesagt. Am nächsten Morgen war er einfach davongeritten. Er hatte gesagt, dass er in Oporto logiere, und folglich hatte er Mrs Savage und ihre Tochter hier kennengelernt. Sharpe fragte sich, weshalb Colonel Christopher die Witwe nicht überredet hatte, viel früher aus Oporto abzureisen.

»Fertig, Sir«, sagte Hagman. »Sie werden jetzt den Wind spüren wie ein frisch geschorenes Schaf.«

»Sie sollten sich das eigene Haar schneiden lassen, Dan«, sagte Sharpe.

»Das schwächt einen irgendwie furchtbar.« Hagman runzelte die Stirn, als zwei Kanonenkugeln vom Hügelhang auf die Straße prallten und eine davon einem portugiesischen Kanonier ein Bein abriss. Sharpes Männer beobachteten mit ausdruckslosen Mienen, wie die Kanonenkugel weiterrollte und Blut verspritzte wie ein Feuerrad, bis sie schließlich von einer Gartenmauer jenseits der Straße aufgehalten wurde.

Hagman lachte. »Komisch, ein Mädchen ›Einsicht‹ zu nennen. Das ist ein Fantasiename. Es ist nicht nett, ein Mädchen Einsicht zu nennen.«

»Es steht in dem Buch, Dan«, sagte Sharpe. »Bestimmt hat sich der Schriftsteller etwas dabei gedacht.« Er stieg auf die Veranda und wollte die Haustür aufziehen, doch sie war verschlossen. Wo, zur Hölle, war Colonel Christopher?

Weitere Portugiesen zogen sich vom Hang zurück, und diese Männer waren so in Angst und Schrecken versetzt, dass sie beim Anblick der britischen Soldaten nicht anhielten, sondern einfach weiterrannten. Die portugiesische Kanone wurde auf ihre Lafette geladen, und Musketenkugeln peitschten gegen die Zedern und knallten gegen die Ziegel und Fensterläden des Hauses Beautiful. Sharpe hämmerte gegen die verschlossene Tür, erhielt jedoch keine Antwort.

»Sir?«, rief Sergeant Patrick Harper und wies zur Seite des Hauses.

Sharpe trat von der Tür fort und sah Lieutenant Colonel Christopher vom Stall heranreiten. Der Colonel, der mit Säbel und Pistole bewaffnet war, pulte mit einem Zahnstocher im Mund herum, was er häufig tat, denn er war stolz auf seine makellosen Zähne, wenn er strahlend lächelte. Er wurde von seinem portugiesischen Diener begleitet, der auf dem Ersatzpferd seines Herrn saß und einen großen Koffer im Arm hielt, der so mit Spitze, Seide und Satin vollgestopft war, dass er nicht geschlossen werden konnte.

Colonel Christopher zügelte sein Pferd, nahm den Zahnstocher aus dem Mund und starrte Sharpe erstaunt an. »Was, um Himmels willen, tun Sie hier, Lieutenant?«

»Ich habe den Befehl, bei Ihnen zu bleiben, Sir«, antwortete Sharpe. Er blickte wieder zum Koffer. Hatte Christopher im Haus Beautiful geplündert?

Der Colonel sah, wohin Sharpe schaute, und fuhr seinen Diener an: »Schließen Sie den Koffer, verdammt!« Obwohl der Diener gutes Englisch sprach, benutzte Christopher Portugiesisch, dann blickte er wieder zu Sharpe. »Captain Hogan hat Ihnen befohlen, bei mir zu bleiben? Ist das korrekt?«

»Jawohl, Sir.«

»Und wie, zum Teufel, soll das gehen? Ich habe ein Pferd, Sharpe, und Sie haben keins. Wollen Sie und Ihre Männer vielleicht abhauen?«

»Captain Hogan hat mir einen Befehl erteilt, Sir«, antwortete Sharpe stur. Er hatte als Sergeant gelernt, mit schwierigen Offizieren zurechtzukommen: wenig sagen, es tonlos sagen und, wenn nötig, alles wiederholen.

»Welchen Befehl haben Sie?«, fragte Christopher geduldig.

»Bei Ihnen bleiben, Sir. Ihnen helfen, Miss Savage zu finden.«

Colonel Christopher seufzte. Er war ein schwarzhaariger Mittvierziger, der immer noch gut aussah und nur ein wenig an den Schläfen ergraut war. Er trug eine schwarze Reithose und einen roten Rock mit schwarzen Aufschlägen. Diese schwarzen Aufschläge hatten Sharpe bei seinem ersten Treffen mit dem Colonel veranlasst, ihn zu fragen, ob er im »Schmutzigen Halben Hundert«, dem 50. Regiment, gedient hatte, aber der Colonel hatte die Frage als Anmaßung betrachtet.

»Sie brauchen nur zu wissen, Lieutenant, dass ich in General Cradocks Stab diene. Sie haben doch wohl von dem General gehört?«

Cradock hatte das Kommando über die britischen Kräfte im südlichen Portugal, und wenn Soult weitermarschierte, dann musste Cradock ihm entgegentreten.

Sharpe hatte nach Christophers Antwort geschwiegen, doch Captain Hogan hatte später gesagt, dass der Colonel vermutlich ein »politischer« Soldat sei, was bedeutete, dass er überhaupt kein Soldat war, sondern jemand, der das Leben angenehmer empfand, wenn er Uniform trug. »Ich bezweifle nicht, dass er einst ein Soldat war«, hatte Hogan gesagt, »aber jetzt? Ich nehme an, Cradock hat ihn von Whitehall bekommen.«

»Whitehall? Von den Horse Guards – der Gardekavalleriebrigade?«

»Du liebe Zeit, nein«, hatte Hogan gesagt. Die Horse Guards waren das Hauptquartier der Armee, und es war klar, dass seiner Meinung nach Christopher von etwas Böserem, Unheilvollen kommen musste. »Ich glaube, auf der Welt herrscht Irrsinn, Richard«, hatte Hogan gesagt, »und das Außenministerium glaubt, wir Soldaten sind schwerfällig und ungeschickt, deshalb haben sie gern ihre eigenen Leute vor Ort, um Fehler auszubügeln. Und, natürlich, um etwas herauszufinden.« Das war es, was Lieutenant Colonel Christopher anscheinend tat: Dinge herausfinden. »Er sagt, er kartografiert ihren Geist«, hatte Hogan nachdenklich gesagt, »und ich glaube, er meint damit, ob Portugal es wert ist, verteidigt zu werden. Ob die Briten kämpfen sollen. Und wenn er es weiß, wird er es dem Außenministerium sagen, bevor er mit General Cradock spricht.«

»Natürlich ist Portugal es wert, verteidigt zu werden«, hatte Sharpe sich ereifert.

»Ist es das wirklich? Wenn Sie genau hinsehen, Richard, könnte Ihnen auffallen, dass das Land vor dem Zusammenbruch steht.« In Hogans Worten war eine beklagenswerte Wahrheit. Die königliche Familie Portugals war nach Brasilien geflüchtet und hatte das Land führerlos zurückgelassen, und nach ihrer Abreise hatte es in Lissabon Straßenkämpfe und Unruhen gegeben. Viele von Portugals Adligen waren jetzt mehr damit beschäftigt, sich selbst zu schützen, als ihr Land gegen die Franzosen zu verteidigen. Dutzende Offiziere der Armee waren bereits desertiert, hatten sich der Portugiesischen Legion angeschlossen, die für den Feind kämpfte. Die verbliebenen Offiziere waren wenig ausgebildet, und ihre Männer waren ein Pöbelhaufen, der mit veralteten Waffen ausgerüstet war, wenn sie überhaupt welche besaßen.

In einigen Orten, wie in Oporto, war jegliche Ordnung zusammengebrochen, und die Straßen wurden von den Launen der ordenança beherrscht, die – aus Mangel an richtigen Waffen – mit Piken, Äxten und Hacken patrouillierten. Bevor die Franzosen gekommen waren, hatte die ordenança die halbe Oberschicht von Oporto massakriert und die andere Hälfte gezwungen, zu fliehen oder ihre Häuser zu verbarrikadieren.

Portugal war also im Begriff, zusammenzubrechen, aber Sharpe hatte ebenfalls gesehen, dass das einfache Volk die Franzosen hasste – wie die Soldaten langsamer geworden waren, als sie das Tor des Anwesens vom Haus Beautiful passiert hatten. Oporto mochte vom Feind erobert werden, doch es gab noch viel Kampfgeist in Portugal.

Lieutenant Colonel Christopher warf einen Blick auf die Flüchtlinge, dann sah er wieder Sharpe an. »Was, um Himmels willen, hat sich Captain Hogan dabei gedacht?«, fragte er und erwartete offenbar keine Antwort. »Zu welchem Nutzen könnte das für mich sein? Ihre Anwesenheit kann mich nur verlangsamen. Ich nehme an, Hogan wollte großzügig sein. Aber der Mann hat nicht mehr gesunden Menschenverstand als eine eingelegte Zwiebel. Sie können zu ihm zurückgehen, Sharpe, und ihm sagen, dass ich keine Hilfe brauche, um ein verdammt albernes Mädchen zu retten.« Der Colonel hatte lauter sprechen müssen, um nicht vom plötzlich stärkeren Krachen von Kanonen und Musketen übertönt zu werden.

»Er hat mir einen Befehl erteilt, Sir«, sagte Sharpe stur.

»Und ich erteile Ihnen einen anderen«, sagte Christopher in nachsichtigem Tonfall, als spreche er zu einem kleinen Kind. Sein Sattelknauf war breit und flach, sodass er ihn als kleine Schreibunterlage benutzen konnte, und jetzt legte er ein Notizbuch darauf und nahm einen Bleistift, und in diesem Moment schlug eine Kanonenkugel in die rot erblühten Bäume auf dem Hang, und die Luft war von Blütenblättern erfüllt.

»Die Franzosen führen Krieg gegen die Kirschblüte«, sagte Christopher leichthin.

»Gegen Judas«, sagte Sharpe.

Christopher sah ihn erstaunt und dann empört an. »Was haben Sie da gesagt?«

»Es sind Blätter von einem Judas«, sagte Sharpe.

Christopher sah immer noch empört aus. Dann schaltete sich Sergeant Harper ein. »Es ist kein Kirschbaum, Sir. Es ist ein Judasbaum. Die gleiche Art, an der sich Ischariot aufhängte, Sir, nachdem er unseren Herrn verriet.«

Christopher starrte immer noch Sharpe an, dann schien ihm klar zu werden, dass Sharpe es nicht beleidigend gemeint hatte. »Es ist also kein Kirschbaum, aha«, sagte er, leckte an der Spitze des Bleistifts und begann zu schreiben: »Sie erhalten hiermit den Befehl, unverzüglich – merken Sie sich das, unverzüglich – südlich des Flusses zurückzukehren und sich zum Dienst bei Captain Hogan von den Royal Engineers zu melden. Unterzeichnet, Lieutenant Colonel James Christopher, am Vormittag des 29. März 1809.« Er unterschrieb schwungvoll, riss die Seite aus dem Notizbuch, faltete sie und überreichte sie Sharpe. »Ich dachte immer, dreißig Silberlinge sind ein bemerkenswert geringer Preis für den berühmtesten Verrat in der Geschichte. Vermutlich hängte er sich aus Scham auf. Und jetzt gehen Sie.« Er trieb sein Pferd an. »Ich möchte Sie wirklich nicht zur Hast antreiben, aber der Feind wird jetzt jeden Moment hier sein.«

Zumindest damit hatte er recht. Eine große Wolke aus Staub und Rauch stieg aus dem Bollwerk der nördlichen Verteidigungsanlage der Stadt auf, wo die Portugiesen den stärksten Widerstand geleistet hatten, doch die französische Artillerie hatte es geschafft, eine Bresche in die Mauer zu schießen. Jetzt griff ihre Infanterie die Bastionen an, und die Mehrheit der Verteidiger der Stadt ergriff die Flucht.

Sharpe beobachtete, wie Christopher und sein Diener zwischen den Flüchtenden hindurchgaloppierten und in eine Straße abbogen, die ostwärts führte. Christopher zog sich nicht nach Süden zurück, sondern ritt auf der Fährte des vermissten Mädchens, doch es würde knapp werden, die Stadt zu verlassen, bevor die Franzosen sie einnahmen.

»Also, Jungs!«, rief Sharpe. »Es ist Zeit, abzuhauen. Sergeant! Im Schnellschritt! Runter zur Brücke!«

»Wird verdammt Zeit«, grollte Williamson.

Sharpe tat, als hätte er nichts gehört. Er neigte dazu, eine Menge von Williamsons Bemerkungen zu ignorieren. Er hatte gedacht, der Mann würde sich bessern, doch er wusste, je länger er nichts unternahm, desto gewalttätiger würde die Lösung sein. Er konnte nur hoffen, dass Williamson das Gleiche wusste.

»Zweierreihe!«, rief Sharpe. »Zusammenbleiben!«

Eine Kanonenkugel grollte über ihnen, als sie aus dem vorderen Garten und die steile Straße zum Fluss hinabrannten. Die Straße war voller Flüchtlinge, sowohl zivilen als auch militärischen, und alle flüchteten in die Sicherheit des südlichen Flussufers.

Sharpe nahm an, dass die Franzosen den Fluss ebenfalls binnen ein, zwei Tagen überqueren würden. Dann war die Sicherheit vermutlich illusorisch. Die portugiesische Armee fiel zurück gen Coimbra oder sogar den ganzen Weg bis nach Lissabon, wo Cradock sechzehntausend britische Soldaten hatte, die einige Politiker in London heimholen wollten. Von welchem Nutzen, fragten sie, war eine so kleine britische Streitmacht gegen die mächtigen Armeen von Frankreich? Marschall Soult eroberte Portugal, und zwei weitere französische Armeen befanden sich dicht hinter der östlichen Grenze in Spanien. Kämpfen oder flüchten? Niemand wusste, was die Briten tun würden, doch die Gerüchte, dass Sir Arthur Wellesley zurückgeschickt wurde, um Cradock abzulösen, ließen darauf schließen, dass die Briten kämpfen wollten, und Sharpe hoffte inbrünstig, dass die Gerüchte stimmten. Er hatte in Indien unter Sir Arthurs Kommando gekämpft, war mit ihm in Kopenhagen und dann in Rolica und Vimeiro gewesen. Sharpe fand, dass es keinen besseren General in Europa gab.

Sharpe war jetzt halbwegs den Hügel hinab. Sein Tornister, Brotbeutel, Gewehr, Säbel und Patronentasche hüpften und schaukelten beim Laufen. Nur wenige Offiziere trugen ein Gewehr, doch Sharpe hatte einst in den Mannschaften gedient und fühlte sich unbehaglich ohne eines. Harper verlor das Gleichgewicht, weil er mit den neuen Nägeln auf den Stiefelsohlen auf Steinen ausrutschte.

Der Fluss war zwischen Gebäuden sichtbar. Der Douro war so breit wie die Themse in London, doch im Gegensatz dazu verlief er hier zwischen hohen Hügeln. Die Stadt Oporto befand sich auf dem steilen nördlichen Hügel, während Vila Nova de Gaia auf dem südlichen lag, und es war in Vila Nova, wo die meisten der Briten ihre Häuser hatten. Nur die ältesten Familien wie die Savages wohnten auf dem Nordufer. Die Villen am Südufer hatten britische Besitzer, deren Exporte viel zu den Finanzen Portugals beitrugen, doch jetzt kamen die Franzosen.

Auf den Höhen von Vila Nova, die den Fluss überblickten, hatte die portugiesische Armee ein Dutzend Kanonen auf der Terrasse eines Klosters aufgestellt. Die Kanoniere sahen die Franzosen auf dem gegenüberliegenden Hügel auftauchen, und die Kanonen donnerten los. Pulverrauch trieb langsam landeinwärts, verhüllte das weiß getünchte Kloster, während die Kanonenkugeln in die höheren Häuser schlugen.

Harper rutschte wieder aus und stürzte diesmal. »Verdammte Stiefel«, fluchte er und hob sein Gewehr auf. Die anderen Schützen wurden vom Gewühl der vielen Flüchtlinge verlangsamt.

»Mein Gott.« Schütze Pendleton, der Jüngste in der Kompanie, sah als Erster, was am Fluss geschah, und seine Augen weiteten sich, als er auf die Menge von Frauen, Kindern und Vieh starrte, die sich auf der schmalen Pontonbrücke drängte. Als Captain Hogan Sharpe und seine Männer im Morgengrauen über die Brücke geführt hatte, waren nur ein paar Leute darauf gewesen, doch jetzt war sie gefüllt. Die Menge konnte nur dicht gedrängt vorankommen, und immer noch drängten mehr Menschen und Tiere auf das nördliche Ende der Brücke.

»Wie, zur Hölle, kommen wir da rüber, Sir?«, fragte Pendleton.

Sharpe hatte keine Antwort darauf. »Immer nur weiter!«, sagte er und führte seine Männer eine Gasse hinab, die wie eine schmale Steintreppe zu einer unteren Straße führte. Eine Ziege lief ihm auf scharfen Hufen vor den Beinen herum und schleifte einen abgerissenen Haltestrick hinter sich her. Am Fuß der Treppe lag ein betrunkener portugiesischer Soldat, die Muskete neben ihm und ein Weinschlauch auf seiner Brust. Sharpe, der wusste, dass seine Männer stoppen und den Wein trinken würden, trat den Weinschlauch auf das Pflaster und stampfte darauf, sodass das Leder barst.

Die Gassen wurden schmaler und verstopfter mit Leuten, als sie näher an den Fluss gelangten. Die Wohnhäuser waren hier höher und wechselten mit Werkstätten und Lagern ab. Ein Stellmacher vernagelte seinen Eingang mit Brettern, eine Vorsichtsmaßnahme, über die sich die Franzosen nur ärgern würden und die der Mann mit der Zerstörung seiner Werkzeuge würde bezahlen müssen.

Ein rot angestrichener Fensterladen klapperte im Westwind. Zwischen den hohen Häusern flatterte zum Trocknen aufgehängte Wäsche. Eine Kanonenkugel krachte durch Dachziegel, zersplitterte Dachbalken und ließ Scherben und Splitter auf die Straße regnen. Ein Hund, der von einem Dachziegelstück getroffen worden war, jaulte kläglich. Eine Frau schrie nach einem Kind. Eine Schar von Waisen, alle in einheitlichen weißen Kitteln, schrie entsetzt, und zwei Nonnen versuchten, sich einen Weg zu ihnen zu bahnen. Ein Priester rannte aus einer Kirche, ein massives silbernes Kreuz auf einer Schulter und einen Stapel Messgewänder auf der anderen.

In vier Tagen ist Ostern, dachte Sharpe.

»Benutzt eure Gewehrkolben!«, rief er und ermunterte die Schützen, sich ihren Weg durch die Menge zu erzwingen, die den schmalen Torweg blockierte, der zur Anlegestelle führte. Ein Karren, beladen mit Möbeln, war auf der Straße liegen geblieben, und Sharpe befahl seinen Männern, ihn zur Seite zu schieben, um mehr Platz zu schaffen. Ein Spinett, vielleicht war es auch ein Cembalo, war von der Menge auf die Straße gerissen und in Trümmer geschlagen worden.

Einige von Sharpes Männern schoben die Waisen zur Brücke und benutzten ihre Gewehre, um die Erwachsenen zurückzuhalten. Körbe waren umgefallen, und Dutzende von lebenden Aalen glitten über das Pflaster. Französische Kanoniere hatten ihre Artillerie in die Oberstadt geschafft und protzten jetzt ab, um das Feuer der großen portugiesischen Batterie auf der Terrasse des Klosters gegenüber vom Tal zu erwidern.

Hagman rief eine Warnung, als drei blau berockte Soldaten aus einer Gasse auftauchten. Ein Dutzend Gewehre richtete sich auf die Bedrohung, doch Sharpe befahl den Männern, ihre Gewehre zu senken. »Sie sind Portugiesen!«, rief er, als er ihre Helme erkannte.

Eine betrunkene Frau schwankte aus einer Taverne und versuchte einen der Soldaten zu umarmen, und Sharpe, der zurückschaute, weil der Soldat protestierte, sah zwei seiner Männer, Williamson und Tarrant, durch die Tür der Taverne verschwinden.

Das wird die Idee vom verdammten Williamson sein, dachte Sharpe. Er rief Harper zu, weiterzugehen, dann folgte er den Männern in die Taverne. Tarrant blickte zurück, sah ihn und wollte seinen Kameraden warnen, aber er war viel zu langsam, und Sharpe drosch ihm die Faust in den Bauch, packte beide Männer, um ihre Köpfe zusammenzuschlagen. Er versetzte Williamson einen Fausthieb und Tarrant eine Ohrfeige und zerrte beide Männer zurück auf die Straße. Er hatte kein Wort gesagt und redete immer noch nicht mit ihnen, als er sie mit Tritten zum Torweg trieb.

Als sie durch den Torweg hindurch waren, war die Masse der Flüchtlinge noch größer geworden durch die Mannschaften von dreißig britischen Handelsschiffen, die in der Stadt durch eine Flaute gefangen gewesen waren und jetzt flüchten wollten. Die Matrosen hatten bis zum letzten Moment gewartet und gehofft, dass Wind aufkam, doch jetzt hatten sie ihr Schiff verlassen. Die Glücklichen unter ihnen benutzten ihre Beiboote, um über den Douro zu rudern, die Pechvögel schlossen sich dem chaotischen Gedränge auf der Brücke an.

»Hier lang!« Sharpe führte seine Männer an den Fassaden von Lagerhäusern vorbei, hinter der Menge her, und hoffte, näher an die Brücke heranzukommen. Er hörte das Grollen von Geschützen. Die portugiesische Batterie war in Rauch gehüllt, und alle paar Sekunden wurde der Rauch dichter. Wenn ein Geschütz feuerte, glühte es in der Rauchwolke rot auf, und mit einem Donnerschlag schoss eine Kanonenkugel zu den Franzosen hinüber.

Ein Haufen leerer Fischkisten gab Sharpe eine Plattform, von der aus er die Brücke sehen und abschätzen konnte, bis wann er und seine Männer sie sicher überqueren konnten. Er wusste, dass nicht viel Zeit blieb. Immer mehr portugiesische Soldaten flüchteten über die steilen Straßen hinab, und die Franzosen konnten nicht weit hinter ihnen sein. Er konnte das Krachen von Musketenfeuer zum tieferen Donnern der Geschütze hören.

Angespannt spähte er über die Köpfe der Menge hinweg und konnte sehen, dass Mrs Savages Kutsche es bis zum Südufer geschafft hatte. Sie hatte jedoch nicht die Brücke benutzt, sondern den Fluss auf einem plumpen Weinboot überquert. Andere Boote fuhren immer noch über den Fluss, doch sie waren mit bewaffneten Männern besetzt, die nur Passagiere mitnahmen, wenn sie bereit waren, dafür zu zahlen. Sharpe wusste, dass er eine Mitfahrt auf einem dieser Boote erzwingen konnte, wenn er nur an die Anlegestelle herankommen konnte, aber dafür würde er sich durch eine Menge Frauen und Kinder kämpfen müssen.

Er nahm an, dass die Brücke ein leichterer Fluchtweg sein würde. Sie bestand aus Planken, verlegt über achtzehn große Weinfässer, die gegen die Strömung des Flusses fest verankert waren. Jetzt war der Plankenweg voller Flüchtlinge in Panik, die noch größer wurde, als die ersten französischen Kanonenkugeln in den Fluss platschten.

Sharpe drehte den Kopf, um zum Hügel hinaufzublicken. Er sah die grünen Röcke von französischen Kavalleristen unter der großen Rauchwolke der französischen Geschütze, während die blauen Uniformröcke der französischen Infanterie in den Gassen tiefer unten auf dem Hügel zu sehen waren.

»Gott schütze Irland«, sagte Patrick Harper, und Sharpe wusste, dass der irische Sergeant dieses Stoßgebet nur benutzte, wenn die Situation verzweifelt war. Er blickte wieder zum Fluss und sah den Grund für Harpers Stoßgebet.

Der Fluss konnte nicht mehr auf der Brücke überquert werden. Die Katastrophe war geschehen.

»Mein Gott«, entfuhr es Sharpe.

In der Mitte des Flusses hatten die portugiesischen Pioniere eine Zugbrücke eingefügt, sodass Weinboote und andere kleine Schiffe flussaufwärts fahren konnten. Die Zugbrücke überspannte den weitesten Teil zwischen zwei Pontons und war aus schweren Eichenbalken gebaut, die mit Eichenplanken belegt waren und von Tauen, die an einem Paar durch Eisenstreben verstärkte dicke Holzpfosten befestigt waren, über Seilrollen mithilfe von Winden angehoben wurden. Der gesamte Mechanismus war schwer und plump, und die Pioniere hatten Warnschilder an jedem Ende der Brücke angebracht, dass nur ein Wagen, eine Kutsche oder ein Geschützgespann gleichzeitig die Zugbrücke benutzen durfte, aber jetzt war die Brücke so voller Flüchtlinge, dass die beiden Pontons, die die große Spannweite der Zugbrücke stützten, unter dem Gewicht einsanken. Die Pontons leckten – wie alle Schiffe –, und es hätten Männer an Bord sein müssen, um ihre Bilgen auszupumpen, doch diese Männer waren mit dem Rest geflüchtet. Das Gewicht der Menge und das langsame Lecken der Pontons bedeuteten, dass sich die Brücke immer tiefer senkte, bis die mittleren Pontons völlig unter Wasser waren und der schnell fließende Fluss gegen die Kanten des Plankenstegs spülte. Die Leute dort schrien. Einige blieben vor Schreck starr stehen, und immer noch drängten weitere vom Nordufer. Dann tauchte der ganze mittlere Brückenteil unter das graue Wasser, als die Leute dahinter weitere Flüchtlinge auf die Zugbrücke drängten, die immer tiefer sank.

»Oh mein Gott«, sagte Sharpe. Er sah, dass die ersten Leute vom Wasser mitgerissen wurden, und er hörte die Schreie.

»Gott schütze Irland«, wiederholte Harper und bekreuzigte sich.

Die mittleren hundert Fuß der Brücke waren jetzt unter Wasser. Von diesem Stück waren die Leute ins Wasser gerissen worden, doch weitere wurden in die Lücke geschoben, in der es plötzlich weiß schäumte, als sich die Zugbrücke durch den Druck des Flusses vom Rest der Brücke losriss. Jetzt gab es keine Brücke mehr über den Douro, doch die Leute auf dem Nordufer wussten das noch nicht, und so drängten sie und schoben sich auf die versinkende Brücke zu. Sie wurden unerbittlich in die Lücke gestoßen, wo das Wasser um das abgebrochene Verbindungsstück schäumte. Die Schreie der Leute wurden lauter und steigerten die Panik, sodass mehr und mehr Leute auf die Stelle zugeschoben wurden, wo die Flüchtlinge ertranken.

Pulverrauch, getrieben von einer Windböe, wallte über dem zerstörten Mittelstück der Brücke, wo sich die Leute verzweifelt über Wasser zu halten versuchten, als sie stromabwärtsgetrieben wurden. Möwen schrien. Einige portugiesische Soldaten versuchten jetzt, die Franzosen in den Straßen der Stadt aufzuhalten, doch es war ein hoffnungsloses Unterfangen. Sie waren in der Minderzahl, und der Feind befand sich auf höherem Terrain. Immer mehr französische Kräfte stürmten den Hügel herab. Die Schreie der Flüchtlinge auf der Brücke erinnerten an das Jüngste Gericht, untermalt vom Kanonendonner, und in den Straßen krachte Musketenfeuer, Hufschlag hallte von den Wänden wider, und Flammen prasselten in Gebäuden, die vom Kanonenbeschuss zerstört worden waren.

»Diese kleinen Kinder«, sagte Harper. »Gott helfe ihnen!«

Die Kinder in ihren weißen Uniformen wurden in den Fluss gestoßen.

»Da muss verdammt ein Boot sein!«

Doch die Besatzung der Boote hatte sie ans Südufer gerudert und verlassen. Und so gab es keine Boote, um die Ertrinkenden zu retten, nur Horror auf dem kalten grauen Fluss und eine Reihe von kleinen Köpfen, die von den schäumenden Wellen stromabwärts in den Tod geschwemmt wurden – und Sharpe konnte es nicht verhindern. Es war ihm unmöglich, die Brücke zu erreichen, obwohl er die Leute anschrie, den Weg freizumachen. Sie verstanden sein Englisch nicht und wurden von ihrer Angst beherrscht. Musketenkugeln betupften jetzt den Fluss mit Spritzern, und einige trafen die Flüchtlinge auf der zerbrochenen Brücke.

»Was, zur Hölle, können wir tun?«, fragte Harper.

»Nichts«, sagte Sharpe rau, »nur von dieser Hölle fortgehen.« Er wandte sich von der sterbenden Menge ab und führte seine Männer ostwärts hinab zum Kai am Fluss. Dutzende andere Leute taten das Gleiche. Sie setzten darauf, dass die Franzosen noch nicht die Vorstädte eingenommen hatten. Das Hämmern von Musketenfeuer war ständig in den unteren Straßen zu hören. Die portugiesischen Geschütze feuerten auf die Franzosen in den unteren Straßen, und das Donnern der großen Geschütze war vom Bersten einstürzenden Mauerwerks untermalt.

Sharpe verharrte, wo die Anlegestelle endete, um sich zu vergewissern, dass all seine Männer da waren. Dann blickte er zurück zur Brücke. Er sah, dass so viele Leute in die Lücke der Brücke gestürzt waren, dass sich das Wasser durch sie staute und weiß über ihre Köpfe spülte. Er sah einen portugiesischen Soldaten über diese Köpfe steigen, um den Ponton zu erreichen, auf den die Zugbrücke montiert gewesen war. Andere folgten ihm, stiegen über die Ertrinkenden und Toten hinweg. Sharpe war weit genug entfernt und konnte die Schreie nicht mehr hören.

»Was ist geschehen?«, fragte Dodd, für gewöhnlich der Ruhigste von Sharpes Männern.

»Gott hat in die andere Richtung geblickt«, sagte Sharpe, und dann sah er Harper an. »Alle hier?«

»Alle anwesend«, meldete Harper. Der große Mann aus Ulster sah aus, als hätte er geweint. »Diese armen Kinder«, sagte er fassungslos.

»Es gab nichts, was wir hätten tun können«, sagte Sharpe knapp, und das stimmte, doch das gab ihm kein besseres Gefühl. »Williamson und Tarrant werden angeklagt«, eröffnete er Harper.

»Wieder?«

»Schon wieder«, sagte Sharpe. Er wunderte sich über die Idiotie der beiden Männer, sich lieber einen Drink zu gönnen, als aus der Stadt zu flüchten, selbst wenn dieser Drink französische Gefangenschaft bedeutete. »Jetzt weiter!« Er folgte den zivilen Flüchtlingen, die an einer Stelle, wo die Anlegestelle am Fluss durch eine alte Stadtmauer blockiert war, in eine Gasse abgebogen waren. Die alte Mauer war errichtet worden, als Männer im Krieg mit Pfeil und Bogen aufeinander geschossen hatten, und die mit Flechten überwucherten Steine hätten keine Minute einer modernen Kanone standhalten können. Wie um das zu dokumentieren, hatte die Stadt große Löcher in die alte Mauer geschlagen.

Sharpe führte seine Männer durch eine solche Bresche, überquerte die Überreste eines Grabens und eilte durch die breiteren Straßen der neuen Stadt jenseits der Mauer.

»Franzmänner!«, warnte Hagman Sharpe. »Sir! Oben auf dem Hügel!«

Sharpe blickte hin und sah einen Trupp französischer Kavallerie, der den Flüchtlingen den Weg abschnitt. Es waren Dragoner, fünfzig oder mehr, in grünen Uniformröcken und mit Säbeln und kurzen Karabinern. Sie trugen Metallhelme, die in Kriegszeiten mit Tuch bedeckt waren, sodass das polierte Metall nicht die Sonnenstrahlen reflektierte.

»Weiter! Weiter!«, rief Sharpe. Die Dragoner hatten die Schützen noch nicht entdeckt oder suchten keine Konfrontation, denn sie ritten weiter auf die Straße zu, die einen großen Hügel umrundete, auf dessen Kuppe ein großes weißes Gebäude mit flachem Dach thronte. Vielleicht war es eine Schule, möglicherweise ein Hospital. Die Hauptstraße führte vom Hügel aus nach Norden, aber eine andere ging nach Süden, zwischen dem Hügel und dem Fluss.

Die Dragoner waren auf der größeren Straße. So hielt sich Sharpe nach rechts, denn er hoffte, über die kleinere Straße am Ufer des Douro zu entkommen, aber die Dragoner sahen ihn schließlich und trieben ihre Pferde um die Schulter des Hügels, um die kleinere Straße zu blockieren, wo sie an den Fluss grenzte.

Sharpe blickte zurück und sah, dass französische Infanterie den Kavalleristen folgte. Verdammt! Dann sah er, dass ihm noch mehr französische Soldaten von der alten Stadtmauer her folgten. Er konnte dieser Infanterie vermutlich davonlaufen, doch die Dragoner waren bereits vor ihm, und die Ersten saßen ab und errichteten eine Barrikade auf der Straße.

Den Leuten, die aus der Stadt flüchteten, war der Weg abgeschnitten. Einige kletterten den Hügel hinauf zu dem großen weißen Gebäude, während andere in ihrer Verzweiflung zu ihren Häusern zurückkehren wollten. Die Kanonen kämpften über den Fluss hinweg ihre eigene Schlacht. Die französischen Geschütze versuchten mit dem Bombardement der großen portugiesischen Batterie mitzuhalten, die Dutzende von Feuern in der gefallenen Stadt verursacht hatten, als ihre Geschosse Öfen und Feuerstellen getroffen hatten. Der dunkle Rauch brennender Gebäude vermischte sich mit dem grauweißen Rauch der Geschütze, und unter diesem Rauch, im Tal der ertrunkenen Kinder, saß Richard Sharpe in einer tödlichen Falle.

Lieutenant Colonel James Christopher war weder ein Lieutenant noch ein Colonel, obwohl er einst als Captain bei den Lincolnshire Fencibles gedient hatte und immer noch dieses Offizierspatent besaß. Er war als James Augustus Meredith Christopher getauft worden und während der Schulzeit als Jam bekannt gewesen. Sein Vater war Arzt in der Kleinstadt Saxilby gewesen, ein Beruf und ein Ort, die James Christopher gern ignorierte. Er zog es vor, sich daran zu erinnern, dass seine Mutter die Cousine des Earl of Rocheford gewesen war, und es war Rochefords Einfluss zu verdanken, dass Christopher von der Universität Cambridge ins Außenministerium gekommen war, wo seine Sprachkenntnisse, sein natürliches, höfliches Auftreten und seine Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe zu einem schnellen Aufstieg geführt hatten.

Man hatte ihm früh verantwortliche Aufgaben übertragen, ihn großen, entscheidenden Persönlichkeiten vorgestellt und ihn in Vertraulichkeiten eingeweiht. Man hielt ihn für einen gesunden jungen Mann mit großen Zukunftsaussichten, dessen Urteilsvermögen für gewöhnlich zuverlässig war, was meistens daran lag, dass er nur seinen Vorgesetzten zustimmte, aber der Ruf hatte zu seiner gegenwärtigen Ernennung geführt, zu einer Position, die so einsam wie geheim war.

James Christophers Aufgabe war es, die Regierung zu beraten, ob es klug und vernünftig war, britische Soldaten in Portugal zu halten oder abzuziehen. Die Entscheidung würde natürlich nicht durch James Christopher getroffen werden. Er mochte ein kommender Mann im Außenministerium sein, doch die Entscheidung über das Bleiben oder Abziehen der Truppen würde vom Premierminister getroffen werden. Doch das, was zählte, war die Qualität des Rats, der dem Premierminister gegeben wurde. Die Soldaten würden natürlich bleiben wollen, weil ein Krieg Beförderungen brachte, und der Außenminister wollte die Truppen bleiben lassen, weil er die Franzosen verabscheute, doch andere Männer in Whitehall hatten eine pragmatischere Ansicht und James Christopher geschickt, um die Situation in ihrem Sinne zu beurteilen. Die Whigs, Feinde der Administration, befürchteten ein weiteres Debakel wie das, das zu La Coruña geführt hatte. Ihrer Meinung nach war es besser, die Realität zu erkennen und zu einem Verständnis mit den Franzosen zu kommen, und die Whigs hatten genug Einfluss im Außenministerium, um James Christopher nach Portugal zu schicken.

Die Armee, der man nicht gesagt hatte, was seine wahre Aufgabe war, hatte dennoch zugestimmt, ihm den Titularrang eines Lieutenant Colonel zu verleihen und ihn zum Adjutanten von General Cradock zu ernennen, und Christopher nutzte die Kuriere der Armee, um militärisches Nachrichtenmaterial an den General zu schicken und politische Berichte an die Botschaft in Lissabon. Die Botschaften waren an den Botschafter adressiert und wurden ungeöffnet nach London weitergeleitet. Der Premierminister brauchte vernünftigen Rat, und James Christopher sollte die Fakten liefern, die den Rahmen für den Rat bildeten. In letzter Zeit hatte er aber über die schmutzigen Fakten des Krieges hinweg in die goldene Zukunft geblickt. Kurz gesagt, James Christopher hatte das Licht am Ende des Tunnels gesehen.

Nichts davon beschäftigte ihn in Gedanken, als er in Kanonenreichweite der französischen Soldaten durch Oporto ritt. Ein paar Musketenschüsse wurden in seine Richtung abgegeben, doch Christopher und sein Diener verfügten über erstklassige irische Pferde und hängten schnell die halbherzigen Verfolger ab. Sie ritten die Hügel hinauf, galoppierten über die Terrasse eines Weinguts und erkletterten ein Waldstück, wo sie anhielten, um den Pferden eine Ruhepause zu gönnen.

Christopher spähte zurück nach Westen. Die Sonne hatte nach den starken Regenfällen in der Nacht die Straßen getrocknet, und ein Staubschleier verriet, wo die Bagagewagen der französischen Armee zur Stadt Oporto vorrückten. Über der Stadt selbst, jetzt verborgen hinter Hügeln, stand eine große Rauchwolke, die von brennenden Häusern herrührte. Die Kanonen, wenn auch durch die Distanz gedämpft, klangen wie ständiges Donnern.

Niemand von den französischen Soldaten hatte sich bis jetzt die Mühe gemacht, Christopher ernsthaft zu verfolgen. Ein Dutzend Arbeiter vertiefte im Tal einen Graben und ignorierte die Flüchtlinge auf der Straße, wie um zu zeigen, dass der Krieg Sache der Stadt, nicht ihre war. Es waren keine britischen Schützen unter den Flüchtenden, wie Christopher bemerkte, aber es hätte ihn auch überrascht, wenn Sharpe und seine Männer so weit von der Stadt entfernt zu sehen gewesen wären. Vermutlich waren sie jetzt tot oder gefangen genommen worden.

Was hatte sich Hogan dabei gedacht, als er Sharpe gebeten hatte, ihn zu begleiten? War es, weil der schlaue Ire irgendeinen Verdacht schöpfte? Aber was konnte Hogan wissen? Christopher dachte einen Moment über das Problem nach, dann gab er die Gedanken daran auf. Hogan konnte nichts wissen, er versuchte nur, hilfreich zu sein.

»Die Franzosen haben es heute gut gemacht«, sagte Christopher zu seinem Diener, einem jungen Mann mit schütterem Haar und ernstem Gesicht.

»Am Ende wird sie der Teufel holen, senhor«, antwortete der Diener.

»Manchmal müssen Leute die Sache des Teufels erledigen«, sagte Christopher. Er zog ein kleines Fernrohr aus der Tasche, richtete es auf die fernen Hügel und spähte hindurch. »In den nächsten paar Tagen werden Sie einige Dinge sehen, die Sie überraschen werden.«

»Wenn Sie es sagen«, antwortete der Diener.

»Aber es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als Sie sich in Ihrer Fantasie erträumen können.«

»Wenn Sie es sagen, senhor«, wiederholte der Diener. Er fragte sich, weshalb der englische Offizier ihn Horatio nannte, obwohl er Luis hieß, doch er hielt es für besser, nicht zu fragen. Luis war ein Barbier in Lissabon gewesen, wo er manchmal Männern von der Botschaft die Haare geschnitten hatte, und diese Männer hatten ihn Christopher als zuverlässigen Diener empfohlen. Christopher zahlte ihm guten Lohn mit echtem Gold, englischem Gold, und auch wenn die Engländer verrückt waren, hatten sie immer noch das beste Münzgeld der Welt, was bedeutete, dass Christopher Luis nennen konnte, wie auch immer er wollte, solange er ihn weiterhin mit dicken Guineas mit dem geprägten Sankt Georg im Kampf mit dem Drachen bezahlte.

Christopher hielt Ausschau nach irgendeinem Anzeichen auf französische Verfolger, doch sein Fernrohr war klein, alt und hatte eine verkratzte Linse. Er konnte damit kaum besser sehen als ohne. Er hatte sich immer ein besseres kaufen wollen, jedoch keine Gelegenheit dazu gehabt. Er schob das Fernrohr zusammen, verstaute es in der Satteltasche und nahm einen frischen Zahnstocher, den er zwischen die Zähne schob.

»Weiter«, sagte er brüsk. Dann führte er den Diener durch den Wald, über die Hügelkuppe und hinab zu einem großen Bauernhof. Es war klar, dass Christopher den Weg gut kannte, denn er ritt zielstrebig und ohne zu zögern bis neben das Tor und zügelte das Pferd. »Die Ställe sind da«, sagte er und wies hin. »Die Küche ist jenseits der blauen Tür, und die Leute erwarten uns. Wir werden hier übernachten.«

»Nicht in Vila Real de Zedes, senhor?«, fragte Luis. »Ich hörte Sie sagen, dass Sie nach Miss Savage suchen werden.«

»Ihr Englisch wird zu gut, wenn Sie so viel beim Lauschen mitbekommen«, sagte Christopher säuerlich. »Morgen, Luis. Wir werden morgen nach Miss Savage suchen.« Christopher glitt aus dem Sattel und warf Luis die Zügel zu. »Kümmern Sie sich um die Pferde, satteln Sie sie ab, besorgen Sie mir etwas zu essen und bringen Sie es auf mein Zimmer. Einer der Knechte wird Ihnen sagen, wo ich bin.«

Luis brachte die beiden Pferde in den Stall, gab ihnen Wasser und Futter. Danach ging er in die Küche, wo eine Köchin und zwei Dienstmädchen keine Überraschung über seine Ankunft zeigten. Luis hatte sich daran gewöhnt, zu irgendeinem abgelegenen Dorf oder Haus mitgenommen zu werden, wo sein Herr bekannt war, aber er war noch nie auf diesem Bauernhof gewesen. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn Christopher sich über den Fluss zurückgezogen hätte, doch der Bauernhof lag gut verborgen in den Hügeln, und es war möglich, dass die Franzosen nie hierherkommen würden. Die Köchin erzählte ihm, dass das Haus und das Land einem Händler aus Lissabon gehörten, der sie angewiesen hatte, zu tun, was sie konnten, um Colonel Christophers Wünsche zu erfüllen.

»Dann war er schon öfter hier?«, fragte Luis.

Die Köchin kicherte. »Er war oft mit seiner Frau hier.«

Das erklärte, warum er Luis zuvor nicht hierher mitgenommen hatte, und er fragte sich, wer die Frau war. »Er will jetzt was zu essen«, sagte Luis. »Welche Frau?«

»Die hübsche Witwe«, sagte die Köchin. Dann seufzte sie. »Aber wir haben sie seit einem Monat nicht mehr gesehen. Ein Jammer. Er hätte sie heiraten sollen.« Sie hatte eine Kichererbsensuppe auf dem Herd und schöpfte etwas davon in eine Schale, schnitt etwas kaltes Schafsfleisch hinein und stellte die Suppenschale mit Rotwein und frisch gebackenem Brot auf ein Tablett. »Sagen Sie dem Colonel, dass die Mahlzeit für seinen Gast heute Nachmittag fertig sein wird.«

»Sein Gast?«, fragte Luis verwirrt.

»Ein Gast zum Abendessen, hat er uns gesagt. Jetzt Beeilung! Lassen Sie die Suppe nicht kalt werden. Die Treppe hinauf und dann das Zimmer rechts.«

Luis trug das Tablett nach oben. Es war ein schönes Haus mit alten Gemälden an den Wänden. Er fand die Tür zum Zimmer seines Herrn einen Spalt offen stehen, und Christopher musste die Schritte gehört haben, denn er forderte Luis auf, ohne anzuklopfen einzutreten.

»Stellen Sie das Essen ans Fenster«, sagte er.

Christopher hatte sich umgezogen. Statt der Uniform des englischen Offiziers trug er eine himmelblaue Reithose mit Lederbesatz an der Sitzfläche. Die Reithose war hauteng mit Paspelierungen an beiden Seiten von der Hüfte bis zu den Knöcheln. Statt des roten Rocks trug er jetzt einen in gleichem Himmelblau der Reithose, jedoch mit üppigem Schnurbesatz, der sich bis hinauf zum steifen roten Kragen kräuselte. Über seiner linken Schulter hing eine Pelisse, ein falscher Mantel mit Pelzbesatz, während auf einem Beistelltisch ein Kavalleriesäbel und ein hoher schwarzer Hut mit silberner Kokarde und einem emaillierten Abzeichen lagen.

Das emaillierte Abzeichen zeigte die Trikolore von Frankreich.

»Ich sagte, dass Sie überrascht sein werden«, sagte Christopher zu Luis, der seinen Herrn anstarrte.

Luis fand seine Sprache wieder. »Sie sind …« Er konnte nicht mehr weitersprechen.

»Ich bin ein englischer Offizier, Luis, wie Sie wissen, doch die Uniform ist die eines französischen Husaren. Ah, Kichererbsensuppe, die mag ich so sehr. Bauernessen, aber gut.« Er ging zu dem Tisch am Fenster und schnitt eine Grimasse, weil die enge Reithose so spannte. Er setzte sich. »Ich erwarte heute Nachmittag einen Gast.«

»Das hat man mir erzählt«, sagte Luis kühl.

»Sie werden servieren, Luis, und Sie werden nicht erschrecken, weil mein Gast ein französischer Offizier ist.«

»Ein französischer …« Luis klang angewidert.

»Ein französischer Offizier«, bestätigte Christopher. »Und er wird von einer Eskorte begleitet, vermutlich von einer großen Eskorte. Und es geht doch nicht, dass diese Eskorte bei ihrer Heimkehr sagt, dass sich ihr Offizier mit einem Engländer getroffen hat, nicht war? Deshalb trage ich dies.« Er wies auf die französische Uniform und lächelte Luis an. »Der Krieg ist wie ein Schachspiel«, fuhr Christopher fort, »es gibt zwei Seiten, und wenn die eine gewinnt, muss die andere verlieren.«

»Frankreich darf nicht gewinnen«, sagte Luis.

»Es gibt schwarze und weiße Figuren«, fuhr Christopher fort und ignorierte den Einwand seines Dieners, »und beide gehorchen Regeln. Aber wer macht diese Regeln, Luis? Da liegt die Macht. Nicht bei den Spielern und gewiss nicht bei den Figuren, sondern bei dem Mann, der die Regeln festlegt.«

»Frankreich darf nicht gewinnen«, wiederholte Luis. »Ich bin ein guter Portugiese.«

Christopher seufzte bei der Stupidität seines Dieners und entschloss sich, die Dinge für Luis einfacher zu erklären, damit er sie verstand. »Willst du, dass Portugal die Franzosen loswird?«

»Sie wissen, dass ich das will!«

»Dann servier heute Nachmittag das Essen. Sei höflich, verbirg deine Gedanken und hab Vertrauen in mich.«

Weil Christopher das Licht am Ende des Tunnels gesehen hatte, konnte er jetzt die Regeln ändern.

Sharpe blickte zu der Stelle, wo die Dragoner vier Einmannruderboote aus dem Fluss gehoben hatten und damit eine Straßensperre errichteten. Es gab keinen Weg um die Barrikade herum, die sich zwischen zwei Häusern erstreckte, denn jenseits des rechten Hauses war der Fluss und jenseits des linken der steile Hügel, wo sich die französische Infanterie näherte, und weitere Infanterie näherte sich hinter Sharpe, was bedeutete, dass der einzige Ausweg aus der Falle durch die Barrikade führte.

»Was machen wir, Sir?«, fragte Harper.

Sharpe fluchte.

»So schlimm, wie?« Harper nahm sein Gewehr von der Schulter. »Wir könnten einige der Jungs von der Barrikade pusten.«

»Das könnten wir«, stimmte Sharpe zu, doch das würde die Franzosen nur ärgern, nicht besiegen. Er wusste, dass er sie besiegen konnte, dessen war er sich sicher, weil seine Schützen gut und die Barrikade des Feindes niedrig war, aber Sharpe war sich ebenfalls sicher, dass er bei dem Kampf die Hälfte seiner Männer verlieren konnte und dass die andere Hälfte rachsüchtigen Verfolgern entkommen müsste. Er konnte kämpfen, er konnte gewinnen, aber den Sieg nicht überleben.

Es blieb also nur eines, was er wirklich tun konnte, doch das sprach er nicht aus. Er hatte sich noch nie ergeben. Allein der Gedanke war furchtbar.

»Pflanzt die Schwerter auf!«, rief er.

Seine Männer blickten überrascht, aber sie gehorchten. Sie nahmen die Schwertbajonette aus ihren Scheiden und steckten sie auf die Gewehrmündungen. Sharpe zog seine schwere Kavallerieklinge, die er statt des üblichen leichten Säbels führte. »In Ordnung, Jungs. Vier Reihen!«

»Sir?« Harper war verwirrt.

»Sie haben mich verstanden, Sergeant! Vier Reihen. Los jetzt!«

Harper befahl den Männern, sich zu formieren. Die französische Infanterie war aus der Stadt herausgekommen und war jetzt nur noch hundert Schritte hinter ihnen, zu weit für einen akkuraten Musketenschuss, doch ein Franzose versuchte sein Glück, und die Kugel krachte in die weiß getünchte Wand eines Schuppens neben der Straße. Der Knall schien Sharpe zu verärgern. »Im Laufschritt!«, blaffte er. »Vorrücken!«

Sie marschierten über die Straße auf die etwa zweihundert Yards entfernte Barrikade zu. Der Fluss floss grau zu ihrer Linken, und auf ihrer Rechten erstreckte sich ein Feld, das mit den Überresten der letzten Heuernte gesprenkelt war. Eine angepflockte Kuh beobachtete sie beim Passieren. Einige Flüchtlinge, bestürzt über die Straßensperre, hatten sich auf dem Feld niedergelassen und warteten auf ihr Schicksal.

»Sir?« Harper schaffte es, Sharpe einzuholen, der ein Dutzend Schritte vor seinen Männern marschierte.

»Sergeant?«

Es ist immer »Sergeant«, dachte Harper, wenn die Dinge mies standen, nie »Patrick« oder »Pat«. »Was machen wir, Sir?«

»Wir greifen die Barrikade an, Sergeant.«

»Sie werden uns zusammenschießen, Sir. Die Scheißer werden uns fertigmachen.«

»Ich weiß das«, sagte Sharpe, und Sie wissen das. Aber wissen das die Scheißer auch?«

Harper starrte zu den Dragonern, die ihre Karabiner auf den umgedrehten Ruderbooten auflegten. Der Karabiner, nicht zu vergleichen mit einem Gewehr, hatte einen glatten Lauf und war folglich ungenau, was bedeutete, dass die Dragoner bis zum letzten Moment mit ihrer Salve warten würden. Und diese Salve würde noch verstärkt werden, denn weitere grün berockte Feinde tauchten auf der Straße hinter der Barrikade auf und legten ihre Waffen an.

»Ich nehme an, die Scheißer wissen das, Sir«, sagte Harper.

Sharpe war seiner Meinung, sagte es aber nicht. Er hatte seinen Männern befohlen, die Schwertbajonette aufzupflanzen, weil der Anblick der Bajonette Furcht erregender war als der der Gewehre allein, doch die Dragoner wirkten nicht beunruhigt von der Bedrohung der Stahlklingen. Sie sammelten sich hinter der Barriere, sodass jeder bei der Eröffnungssalve mitschießen konnte. Sharpe wusste, dass er sich ergeben würde, aber er wollte es nicht tun, ohne dass ein einziger Schuss abgefeuert wurde. Er beschleunigte seine Schritte, nahm an, dass einer der Dragoner zu früh schießen würde, und das würde für Sharpe das Signal zum Halten sein. Er würde das Schwert hinwerfen und so seinen Männern das Leben retten. Die Entscheidung war schmerzlich, doch es war die einzige Wahl, die ihm blieb, wenn kein Wunder geschah.

»Sir?« Harper bemühte sich, mit Sharpe Schritt zu halten. »Die werden Sie abknallen!«

»Bleiben Sie zurück, Sergeant«, sagte Sharpe, »das ist ein Befehl!« Er wollte, dass die Dragoner auf ihn feuerten, nicht auf seine Männer. »Das wird Ihr Tod sein«, sagte Harper.

»Vielleicht überlegen sie es sich und ergreifen die Flucht«, gab Sharpe zurück. »Gott schütze Irland«, sagte Harper. »Und warum sollten sie das tun?«

»Weil Gott einen grünen Rock trägt«, sagte Sharpe.

Und in diesem Moment geschah das Unerklärliche. Die Franzosen ergriffen die Flucht.

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